Kitabı oxu: «Eberhard Arnold»
Markus Baum
Eberhard Arnold
Ein Leben im Geist der Bergpredigt

Zu diesem Buch
Eberhard Arnold (1883–1935) gehört zu den großen Gestalten der Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts. Ohne Berührungsängste pflegte der Zeitgenosse und Gesprächspartner von Karl Barth, Martin Buber und Leonhard Ragaz den lebendigen Austausch mit der Jugendbewegung wie mit der christlichen Studentenarbeit, mit der Evangelischen Allianz wie mit dem religiösen Sozialismus. Er hielt evangelistische Vorträge, setzte sich publizierend mit der Gedankenwelt seiner Zeit auseinander und gründete die Bruderhof-Bewegung, die sich bis heute auf ihn beruft. Und er rang leidenschaftlich darum, Jesus kompromisslos zu folgen.
„Seit der Zeit Jesu haben Christen versucht, entsprechend der Ethik der Bergpredigt zu leben. Die Lebensgeschichte eines dieser Menschen liegt hier vor uns. Dieses Buch legt Zeugnis ab von Gottes Treue und Gottes Handeln in der Geschichte.“
Jim Wallis im Vorwort
„Eine sprachlich brillant und spannend geschriebene Biografie über den Gründer der Bruderhofgemeinschaft ... Vor allem aber fordert das Lebenszeugnis Arnolds Christen heraus.“
Peter Zimmerling
„Ein großer Wurf. Sorgfältig recherchiert, flüssig und mit dem notwendigen Quäntchen Herzblut geschrieben.“
Hans Steinacker
„Eine gut lesbare und informative Fleißarbeit über einen der Querdenker der deutschen Erweckungsgeschichte.“
Stephan Holthaus
Über den Autor
Markus Baum, Jahrgang 1963, verheiratet mit Luzia, drei erwachsene Kinder, lebt im mittelhessischen Aßlar. Er ist Journalist und Autor sowie Übersetzer diverser Bücher. Als Rundfunkredakteur ist er in verantwortlicher Position bei ERF Medien tätig. Im Neufeld Verlag erschien auch seine Biografie Jochen Kleppers.
Impressum
Dieses Buch als E-Book:
ISBN 978-3-86256-716-4, Bestell-Nummer 590 035E
Dieses Buch in gedruckter Form:
ISBN 978-3-86256-035-6, Bestell-Nummer 590 035
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über www.d-nb.de abrufbar
Lektorat: Lukas Baumann Umschlaggestaltung: spoon design, Olaf Johannson Umschlagbild, Bilder im Innenteil: Bruderhof-Gemeinschaften® Satz: Neufeld Media, Weißenburg in Bayern
© 2013 Neufeld Verlag Schwarzenfeld
Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise,
nur mit Genehmigung des Verlages
Bearbeitete Neuauflage – eine frühere Ausgabe dieser Biografie erschien 1996
unter dem Titel Stein des Anstoßes – Eberhard Arnold im Brendow Verlag
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Inhalt
Zu diesem Buch
Über den Autor
Impressum
Vorwort von Jim Wallis
Einführung
I.
Herkunft
Einfluss der Eltern
Jugendliche Eskapaden
Unbefriedigende Konfirmation
Zerstreuungen
Entscheidende Wochen
Hingabe
Erste Konsequenzen
Entfremdung vom Vater
Missionarischer Eifer
Heilsarmee
Erstmals: die Täufer
Auszeit
II.
Ohne Überzeugung
Die DCSV
Halle
Das Schlesische Konvikt
Wachsende Verantwortung in der DCSV
Bernhard Kühn und das Allianzblatt
Auf den ersten Blick
Harmonie von Anfang an
Werbung und Verlobung
III.
Briefe kreuzen sich
Tauffrage
Innerer Bruch mit der Landeskirche
Irritierte Eltern
Trennung
Prinzipienstreit im DCSV-Vorstand
Anfänge der Pfingstbewegung
CVJM und CVJF
Pläne
Examen verweigert
IV.
Umsatteln
Taufe
Auf eigenen Beinen
Erlangen
Summa cum laude
Beim Wort genommen
Nietzsche
„Deine Sprache verrät dich“
Leipzig
Ein Freund wird fremd
Ruf aus Halle
V.
Reden und Reisen
Emy-Margret
Raum für Kinder
Hermann Kutter und die soziale Frage
Hardy
Zwangspause
Tirol
Im Stammland der Täufer
Heini
Innenland
VI.
Drei Wochen im Feld
Verblendet
Wollte Gott den Krieg?
Gründe, Abgründe
„Furche“ und Furche-Verlag
Kriegsarbeit der DCSV
Hans-Hermann
Wandlung
Monika-Elisabeth
Innenland II
VII.
Jugend in Bewegung
Revolution
Pfingsten in Marburg
Kann ein Christ Polizeipräsident sein?
Barths Botschaft macht sprachlos
Richtungskampf in der DCSV
VIII.
„Das neue Werk“
Ohne Zorn
Weggenossen
Pläne, Pläne
Gustav Landauer
Putsch
IX.
Sonnherz
Bücher und Blätter
Verletzt
Stadt auf dem Berg
Neue Spuren
Jahr der Krisen
Vorwürfe
Die kleinstmögliche Zahl
X.
Neuanfang
Ursachen
Moralischer Sieger?
Blumhardt
Versöhnungsbund
Kindergemeinde
Sonnenlieder
Zuwachs
XI.
Die „Wegwarte“
Gemeinde
Einigungsversuche
Freideutsch
Geisteskampf
Quellen
Bruderhof
Umzug in die Rhön
XII.
Viele Mäuler, wenig Geld
Bruderhof-Erziehung
Hutterische Schriften
Freunde
Gefährten
Freideutsche Bruderschaft
Auf die Spitze getrieben?
XIII.
Auf den Spuren der Vergangenheit
Übers Meer
Dariusleut, Lehrerleut, Schmiedeleut
Manitoba
Alberta
Ordination
Heimkehr
XIV.
Wie hutterisch darf ein Hutterer sein?
Die zweite Generation
Würde und Bürde
Noch einmal: Innenland
Heute die Juden, morgen die Christen
Ein Brief an Hitler
XV.
Eine Gemeinde oder Die Gemeinde?
Wollt ihr auch weggehen?
Klug wie die Schlangen
Kampf um die Kinder
Liechtenstein
Novizen aus England
XVI.
Keiner ist verhungert
Ringen um Einheit
Suche nach einem sicheren Platz
Im Dienst verzehrt
Verstellte Lichter
Letzte Reise
Zu früh gestorben?
XVII.
Eine Vision nimmt Gestalt an
Gott hat keine Enkel
Alltag
Die bleibende Botschaft
Bibliografie:
Veröffentlichungen von Eberhard Arnold
Weitere Veröffentlichungen
Über den Verlag
Vorwort von Jim Wallis
Seit den Lebzeiten Jesu haben kleine Gruppen ernsthafter Christen immer wieder versucht, der Ethik der Bergpredigt entsprechend zu leben. Von Franziskus über die Benediktiner bis zu den Täufern der radikalen Reformation war ein gemeinschaftliches Leben in der Nachfolge Jesu das angestrebte Ideal. Oft haben Christen gemeint, diese Ethik sei nur für ein zukünftiges Zeitalter bestimmt, andere jedoch haben darauf bestanden, dass Jesus von seinen Jüngern wollte, dass sie schon im Hier und Jetzt danach leben. Um einen solchen Christen geht es in diesem Buch.
Das Ziel des Buches ist es nicht, den Menschen Eberhard Arnold zu verherrlichen, ebenso wenig die Bewegung der Bruderhöfe, die er zu gründen half. Es geht vielmehr darum, Gottes Treue zu bezeugen und sein Wirken in der Geschichte. Aber es bleibt eine Tatsache, dass Gott nur durch Menschen in die menschliche Geschichte eingreifen kann. Arnolds Hingabe an Nachfolge, Gemeinschaft und Gewaltlosigkeit und sein Glaube an die unmittelbare Wirklichkeit von Gottes Reich sind noch immer Ermutigung als auch Herausforderung für alle, die Christus nachfolgen wollen. Und es ist ebenfalls eine Tatsache, dass die Bruderhof-Bewegung heute eine lebendige, pulsierende Glaubensgemeinschaft ist, von der wir als Sojourners Community in Laufe der Jahre viele Einsichten und viel Kraft gewonnen haben.
Ich bete dafür, dass der Bruderhof den Weg der Jesusnachfolge sowohl in Gemeinschaft als auch in der Welt weitergehen wird. Und während ich das mehr und mehr aktive Engagement des Bruderhofs beobachte, frage ich mich manchmal, was Eberhard Arnold dabei denken würde. Ich glaube, er würde sich freuen.
Jim Wallis, Sojourners Magazine
Washington, D. C., USA
Einführung
Eberhard Arnold ist eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Zeitgenosse und Gesprächspartner von Karl Barth und Martin Buber, Karl Heim und Paul Humburg, Leonhard Ragaz, Georg von Viebahn und Friedrich Wilhelm Foerster. Rühriger Publizist und Verleger. Innovativer Pädagoge, Entwickler einer erstaunlichen Erziehungsmethode. Chronist und Impulsgeber der Jugendbewegung. Vater einer dynamischen, in jeder Hinsicht merkwürdigen christlichen Lebensgemeinschaft. Wiederentdecker und Interpret einer jahrhundertealten geistlichen Tradition. Ein mittelmäßiger Dichter, aber ein scharfsinniger Denker. Eine buchstäblich herausragende Gestalt. Man erzählt sich, bei einem Besuch in Berlin in der Weimarer Zeit sei Eberhard Arnold wie ein Wundertier begafft worden. Ein moderner Franziskus – gleich mehrere seiner Zeitgenossen haben unabhängig voneinander diesen Vergleich gewählt. Wo und wann immer etwas von seiner Persönlichkeit aufleuchtet, ahnt man kraftsprühendes Leben.
Seltsam nur: dieser interessante Mann scheint sich zu verstecken. Seine Konturen verschwimmen hinter all den Schriften und Büchern, hinter den Tausenden von Briefen, die er geschrieben hat. Sein Bild löst sich völlig auf in der Bewegung, die sich heute noch auf ihn beruft. Er bleibt im Schatten hinter der blendenden Wahrheit, für die er eintrat. Er geht auf in der überwältigenden Wirklichkeit, zu der er sich ein Leben lang mit aller Konsequenz bekannt hat.
Wer war Eberhard Arnold? Wie wurde er, was er war? Wie war er? Denn zweifellos war auch er ein Mensch und kein glattgeschliffener Monolith. Was hat ihn gefreut, gequält, herausgefordert? Wo sind Brüche, Weichenstellungen in seinem Leben gewesen? Was ist die Summe seines Lebens? Was geht es uns heute an? Das sind die Fragen, die zur Entstehung dieses Buchs geführt haben. Die Antworten finden sich teils in, teils zwischen den Zeilen.
Man kann die Lebensgeschichte Eberhard Arnolds wie einen Roman lesen und wird eine äußerst spannende Dramaturgie darin entdecken, die auf den Dramaturgen und Regisseur dieses Lebens verweist. Man kann die Lebensspanne Eberhard Arnolds aber auch als einen Ausschnitt der Zeitgeschichte, der Kirchengeschichte, der Kulturgeschichte betrachten. Es war nicht gerade die langweiligste Periode des 20. Jahrhunderts.
Ich hatte das Vorrecht – so empfinde ich es bis heute –, dass ich in den späten 80er und frühen 90er Jahren die Bekanntschaft einiger beeindruckender Menschen machen konnte – Weggefährten Eberhard Arnolds aus den 20er und 30er Jahren, schon damals allesamt hochbetagt. All diese Zeitzeugen sind mittlerweile verstorben. Ich denke mit großer Hochachtung und Dankbarkeit an sie. Namentlich an Marianne Zimmermann und Edna Jory, Arnold Mason und Kathleen Hasenberg, Walter Hüssy, Irmgard Keiderling, Sophie Löber und Rudi Hildel – und an EmyMargret Arnold-Zumpe, Eberhard Arnolds älteste Tochter.
Die Familie Arnold hat mir Einblick in viele persönliche Dokumente gewährt. Die Bruderhöfe in England und den USA haben mir alle erdenkliche Hilfe geleistet. Vor allem, indem sie mir die über Jahrzehnte hinweg hervorragend dokumentierten Schriften Eberhard Arnolds zugänglich gemacht haben. Insofern ist dieses Buch auch eine Würdigung der Männer und Frauen, die durch alle Wirren der Zeit hindurch auf drei Kontinenten das Bruderhof-Archiv gepflegt und damit einen unermesslichen Schatz an geschichtlichen Zeugnissen gehütet haben.
Markus Baum
I.
Die Zukunft ist offen. Für einen Menschen von Anfang 20 jedenfalls. Eberhard Arnold war 22, als er sich am 11. November 1905 an der Königlichen Martin-Luther-Universität in Halle an der Saale einschrieb – ein Student unter annähernd 2.000, theologische Fakultät, zweites Semester. Ein großgewachsener junger Mann mit ernstem Gesicht. Braune Augen, Kneifer, dunkle Haare, Scheitel rechts, Oberlippenbart. Ein Mensch mit Grundsätzen und Disziplin. Man wird es ihm bei der Immatrikulation kaum angemerkt haben, dass er eigentlich gegen seine innere Überzeugung Theologie studierte (er hatte sich dem Willen des Vaters gefügt) und sich über seinen weiteren Weg ganz und gar nicht gewiss war. Jedenfalls nicht im Herbst 1905. Er war sich auch seiner selbst nicht ganz sicher: Ehre im Sinn von Ehrsucht und Stolz und das Leiden daran sind wiederkehrende Motive in den persönlichen Gedichten der frühen Studentenzeit.
Gewiss war sich stud. theol. Eberhard Arnold allerdings seines Glaubens, einer persönlichen, fast kindlichen Beziehung zu Jesus Christus. Von ihm erwartete er eine klare Berufung. Die Berufung erfolgte dann auch. Sie kam nicht über Nacht. Sie kam nicht als blendende Vision. Sie kam schrittweise. Aber das reicht ja schon.
Herkunft
Eberhard Arnold wurde am 26. Juli 1883 auf den Hufen bei Königsberg geboren. Sein voller Name lautet Eberhard Arthur Julius Arnold. Die Mutter Elisabeth Arnold geborene Voigt hatte vor ihm bereits zwei Kinder zur Welt gebracht. Sie kam aus einer Gelehrtendynastie; ihr Vater war Professor für Kirchengeschichte und Dogmatik an der Königsberger Universität, Großvater und Großonkel mütterlicherseits waren ebenfalls Theologieprofessoren und einflussreiche Männer in der Preußischen Union der evangelischen Kirche gewesen.
Nicht weniger spannend liest sich der Stammbaum des Vaters. Carl Franklin Arnold war Doktor der Theologie und Philosophie und arbeitete zur Zeit der Geburt von Eberhard als Gymnasiallehrer in Königsberg. Er selbst war der Sohn eines amerikanisch-deutschen Missionarsehepaars und war als Pflegekind in der Bremer Patrizierfamilie Gildemeister aufgewachsen. Eberhard Arnolds Großvater väterlicherseits Franklin Luther Arnold war in den USA Pastor einer evangelischreformierten Kirche. Seine Frau hatte er in Afrika bei einem Missionseinsatz kennengelernt: Maria Arnold geborene Ramsauer. In ihrer ursprünglich Schweizer Familie lassen sich über mehrere Generationen Erzieher, Juristen und Theologen nachweisen, und Eberhard Arnolds Urgroßvater Johannes Ramsauer war engster Mitarbeiter des Schweizer Pädagogen Heinrich Pestalozzi. Kurzum: Eberhard Arnold wurde in eine stolze, bürgerliche, traditionsbewusste, buchstäblich geistreiche Familie hineingeboren. Sein Bruder Hermann war drei Jahre älter als er; mehr verband ihn mit seiner Schwester Clara, die 17 Monate älter war. Zwei weitere Geschwister gesellten sich in den folgenden Jahren dazu: Elisabeth („Betty“; * 1885) und Hannah (* 1888).
1888 wurde Carl Franklin Arnold als Professor für Kirchengeschichte an die Universität Breslau berufen. Und damit verschob sich der Lebenskreis Eberhard Arnolds von Ostpreußen nach Schlesien. Er war ein fröhliches Kind („sonnig und harmonisch“, schreibt seine Schwester Clara), in der Schule träumerisch und nicht besonders aufmerksam, mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und einer Antenne für die Ausstrahlung, oder soll man sagen das Wesen der Menschen, auch bei nur flüchtiger Begegnung. Solche Beobachtungen teilte er lieber mit den Schwestern als mit seinen gleichaltrigen Kameraden.
