Kitabı oxu: «Hall of Pain»

Şrift:

Michael Slave

Hall of Pain

6 Kurzgeschichten

Impressum

© 2019 Michael Slave

Buchcover: Michael Slave

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Instant Domina

Die Straßenschlucht war dunkel und schmutzig, ätzender Geruch brannte in meiner Nase, räudige Hunde hatten ihr Revier ebenso markiert wie Graffitischmierer die schäbigen Fassaden. Der Krieg um Ideologien wurde in diesem Viertel mit Farbe ausgefochten, linksradikales und rechtsextremes Gedankengut war verewigt wie die spontanen Gedanken, die selbsternannte Künstler der Welt mitteilen wollten. Die Hauswände glichen Grabsteinen, auf denen jeder seine Inschrift verewigt hatte und alle Straßenlaternen waren kaputtgeschlagen. Die Stadt hatte dieses Viertel aufgegeben und den düsteren Gestalten überlassen. Diese taten harmlos, als wollten sie nur vorbeigehen, doch im nächsten Moment fühlte man ein Messer am Hals.

Das Bahnhofsviertel konnte man kaum schön nennen. In der Nacht traute sich kein Polizist in das Viertel. Wer jetzt noch unterwegs war, der war auf sich allein gestellt. Das hatte seinen Reiz.

An einem Auto hatte jemand seine Wut ausgelassen. Außenspiegel waren abgerissen und die zertrümmerte Windschutzscheibe wies drei Risse auf, was auf Axthiebe deutete. Ich sann darüber nach, was denjenigen so in Rage versetzt hatte. War seine Sozialhilfe gestrichen worden? Hatte er eine Auseinandersetzung mit seiner Frau? Kannte er den Besitzer des Autos und der war ihm etwas schuldig? Der Streit um Geld löst häufig Aggressionen aus. Derjenige, der dieses Auto so zugerichtet hatte, könnte einfach nur sturzbetrunken gewesen sein oder war mit seinem Leben unzufrieden.

Ich querte den Bahnhofsvorplatz und ging auf den Automaten zu. Hier wurde etwas für den einsamen Nachtschwärmer geboten. Es gab alles von der Gleitcreme über die Taschenvagina bis zur Instant Domina. Ich stutzte. Alles andere kannte ich, doch so etwas hatte ich bisher nie gesehen. Eine Puppe. Einsam, in schwarzes Leder gekleidet, lag sie hinter der Scheibe wie Schneewittchen in ihrem Glassarg. Langes schwarzes Haar wallte über ihren Leib. Ich wusste nicht, warum, ich wollte sie haben. Ich warf eine Handvoll Münzen in den Automaten, zog die Schublade heraus und sie lag in meinen Händen. Sie war wunderschön.

Daheim legte ich sie sanft aus den Händen und betrachtete sie. War sie wirklich nur eine Puppe? Sie wurde umso schöner, je länger ich sie betrachtete. Das Haar reichte bis zu ihrer Hüfte. Die Lederkleidung war außergewöhnlich fein gearbeitet. An einer realen Person hätte mich dies nicht überrascht, doch sie war nun mal eine Puppe. Falls sie es überhaupt war. An ihrem Ledergewand hing ein Zettel, »Verwendung der Instant Domina«, begann der Text und beschrieb, wie man sie zum Leben erwecken könnte. Man sollte sie in die Mikrowelle legen, bei mittlerer Stufe einige Minuten warten und dann wäre sie sofort einsatzbereit. Unschlüssig, jedoch neugierig darauf, was passieren würde, folgte ich der Anweisung. Die Zeit überbrückte ich mit Dingen, die man in kurzer Zeit tun konnte und kehrte wieder in die Küche zurück. Was ich sah, ließ meinen Herzschlag kurz aussetzen.

»Wie ist dein Name?« Wie eine Engelsgestalt stand sie vor mir. Ich betrachtete ihr helles Gesicht, das pechschwarze Haar, mein Blick wanderte das enge Korsett herab, Verschnürung um Verschnürung bis zum Lederkostüm und zu ihren Stiefeln. Sie trug goldene Absätze. Göttlich. »Starre mich nicht an! Sag deinen Namen!«

»Marcel. Ich heiße Marcel.«

»Nimm deinen Blick von mir, Marcel, ich ertrage es nicht! Knie vor mir und zeige den Respekt, den du einer Dame schuldest.«

Ich folgte ihrer Aufforderung und fragte mich, wie sie in meine Küche gekommen war? Es war doch nur eine Puppe …

»Deine Stirn soll den Boden berühren. Sonst bist du meiner nicht würdig.«

Ich senkte meinen Kopf ganz hinab. Um meine Demut zu beweisen, legte ich mich flach auf den Boden, so wie es ein Ministrant bei seiner Priesterweihe tat.

»Nun erhebe dich und füge dich meinen Befehlen. Stehe auf, tue dies mit gesenktem Haupt und starre mich nicht an!«

Mein Blick wanderte zur Mikrowelle. Das Türchen war geöffnet, ich fragte mich, wie sie dort ausgestiegen war. Die Puppe. Wie sie zur Menschengestalt werden konnte, war mir ein Rätsel.

»Marcel! Du bist nun mein Sklave!« Die Stimme meiner Herrscherin konnte mir nun alles befehlen, ich würde folgen. »Hörst du, mein Sklave? Wirst du fortan alles tun, was ich von dir fordere?«

»Ja, Herrin«, antwortete ich kurz.

Sie streckte ihren Arm aus und umklammerte mein Kinn, scharfe Nägel gruben sich in meine Haut. »Niemals verzeiht eine Herrin einem Sklaven Müßiggang. Folgsamkeit bei Fuße ist unabdingbar, dem Sklaven ist Eitelkeit nicht gestattet und er wird für jede Tat, die seiner Herrin nicht gefällt, mit aller Härte bestraft. Es gefällt seiner Herrin gar nicht, wie er vor ihr steht.«

»Vergebt mir, Herrin und straft mich nach Belieben. Was soll ich für euch tun?« Ich war nicht sicher, ob ich sie ansehen durfte und senkte meinen Blick.

»Eile fort und bringe ein Seil, damit ich dich fesseln und deiner ersten Bestrafung zuführen kann.«

Ich verließ die Küche und war unschlüssig. Fesseln besaß ich nicht. Panzerband oder Kabelbinder würden sie kaum ersetzen. Einbrecher würden sich damit zwar begnügen, eine Dame jedoch nicht. Ich erinnerte mich an ein Erlebnis, das ich beim Klettern verspürt hatte, als ich einst im Seil hing, die Arme und Beine nicht mehr bewegen konnte und meinem Partner auf Leben und Tod ausgeliefert war. Hilflos zu sein und dem Tod direkt ins Auge zu blicken war ein unbeschreibliches Gefühl. Dies würde es tun. Mit den Seilen meiner Kletterausrüstung kehrte ich zurück, legte sie meiner Herrin zu Füßen und fiel auf meine Knie.

»Okay.« Ihre Stimme war wunderbar. »Armseliger, widerlicher Nichtsnutz! Wir müssen nun etwas vereinbaren, bevor die Spiele beginnen.«

»Ja, Herrin?«

»Dein Safeword!« Ich wünschte, ich könnte ihre Stimme bis ans Ende meines Lebens hören und sie würde mich nach meinem Tod ins Jenseits begleiten. »Sprichst du das Wort, es mögen auch zwei sein, werde ich sofort von dir ablassen.«

»Töte mich!«

»Dies ist dein Safeword?« Ich nickte zur Bestätigung und berührte mit meiner Stirn den Boden, um meine Ergebenheit zu beweisen. »So sei es. Sprichst du Töte mich, dann bist du sofort frei.«

Es ging los. Den Engel in Schwarz wagte ich noch kurz anzublicken, da wurde mein Blick verhüllt und ich fühlte nur noch. Sie befahl mir, mich aufzurichten und die Hände zu erheben. Ein Seil wickelte sich um meine Arme. Das zog mich etwas in die Höhe, meine Füße verließen den Boden und ich fühlte, als schwebte ich. Nun schlang sich etwas um meine Beine, um meinen Leib, es nahm mich in den Würgegriff wie eine Schlange. War diese Instant Domina gar eine Anaconda, die mich umschlang und würgte? Würde sie mich mit Haut und Haar verschlingen? Dieser Gedanke kam spät, viel zu spät. Da hörte ich ihre Engelsstimme.

»Sklave!«

»Ja, Herrin?«

»Jetzt folgt deine Bestrafung. Bist du bereit dafür?«

»Ja! Bestrafe mich, Herrin, ich bin deiner nicht würdig.«

Eine Schlinge legte sich um meinen Hals, schnürte meine Kehle zu. Etwas zerrte an meinen Füßen und ich fühle eine Kraft, die meine Hände nach oben zog, ich verspürte Atemnot und solchen Schmerz, als wollte mich etwas auseinanderreißen. Ich war in einem Spinnennetz gefangen, wie ein Insekt, das in seinen letzten Zuckungen lag, das sich zu befreien versuchte und sich mit seinen Bewegungen nur umso mehr verfing. Das Netz, in dem ich gefangen war, es war zu stark, die Spinne zu groß, die Schlange zu mächtig und mein Körper zu schwach. Ich tat meinen letzten Atemzug. Dies war mein Ende. Das Wesen, engelsgleich und wunderschön, und doch übermächtig stark, ich war sein Opfer. Das letzte Korn in der Sanduhr meines Lebens verrann, gleich würde sie meinen Leib verspeisen. Ich genoss es. Ich wollte es. Ich war bereit dafür.

»Töte mich!«, schrie ich mit dem letzten Atemzug.

Sofort lösten sich die Schlingen. Meine Füße waren frei, die Fesseln an meinen Händen nicht mehr da und auch der Druck, der meinen Hals zugeschnürt hatte, war gewichen. Ich sog Luft ein, hielt inne und lauschte. Totenstille. Ich öffnete meine Augen und sah die Zimmerdecke über mir. Es war dunkel und dennoch konnte ich erkennen, wo ich mich befand. Ich richtete mich in meinem Bett auf. Die Poster hingen an der Wand. In Lack und Leder gekleidet war dort die Sängerin meiner Lieblingsband. Es war wie immer. Alles war wie zuvor.

Die Schneekönigin

Ein riesiger Garten mit hundertjährigen Tannen. Die drei Meter hohe Ligusterhecke schützt mich vor dem Blick neugieriger Passanten, falls sich jemand in diese Gegend verirren sollte. Mein Idyll befindet sich am Rand des Dorfes, das nächste Haus liegt eine Meile entfernt. Dahinter beginnen die Sümpfe, ein Naturschutzgebiet, in dem Frösche quaken und Grillen zirpen. Hier steht mein Wohnwagen, geschützt vor allem, was im Rest der Welt passiert. Man könnte kaum zurückgezogener leben. Ein friedlicher Traum zu fast jeder Jahreszeit, nur mit dem Winter konnte ich mich nie anfreunden. Es würde Unsummen verschlingen, diesen Wohnwagen zu beheizen. In der kalten Jahreszeit trage ich mehrere T-Shirts übereinander und zwei Pullover darüber. Was ich in dieser Zeit vor allem vermisse, ist das Quaken und das Zirpen. Die Totenstille macht mir zu schaffen. Besonders in den Rauhnächten, der dunkelsten Zeit des Jahres, in der mein Anwesen selbst tagsüber im Dunklen liegt. Zwölf Tage der Finsternis, eine Zeit, in der man in depressiver Stimmung daheim in der Kälte sitzt. Man sagt, in diesen Nächten würde sich das Portal öffnen und das Reich der Toten sich mit dem der Lebenden verbinden, Geister aus den Sümpfen steigen und ruhelos umherirren. An solche Ammenmärchen glaube ich nicht. Ich empfinde die dunkle Zeit einfach als ungemütlich. Einst hatten sich unsere Vorväter das Weihnachtsfest ausgedacht. Ein Fest der Liebe, das die Düsternis vertreiben sollte. Oder Dämonen fernhalten, die im Dunklen lauerten und über einen herfallen, wenn man schläft. Nein, ich glaube solche Geschichten nicht. So wenig wie ich an den Weihnachtsmann glaube.

Dennoch hatte ich es mir weihnachtlich gemütlich gemacht und eine der Tannen gefällt, die in meinem Garten wie Unkraut wuchsen. Vier Kerzen hatte ich angebracht. Seit dem ersten Advent stand sie da, aber ich hatte nicht den Mut aufbringen können, die Lichter zu entzünden. Es wäre leichtsinnig gewesen. Die Kerzen hätten herabfallen oder herunterbrennen können. Keiner hätte bemerkt, wenn es in meinem Wohnwagen brennt. Erst Wochen später wäre es jemandem aufgefallen. Statt der Kerzen spendete die rußgeschwärzte Petroleumlampe trübes Licht.

Da das Christkind niemals käme, musste ich mich um meine Geschenke selbst kümmern. Die Sachen, an denen mein Herz hängt, hatte ich in Schachteln verpackt und in Weihnachtspapier gewickelt. Jeder schenkt sich selbst etwas zu diesem Fest, Kinder ausgenommen. Meine Gaben waren in drei Pakete verpackt. Im ersten befand sich das Jahrbuch aus der Schulzeit mit meiner großen Liebe. Immer, wenn es mir schlecht geht, schlage ich die Seite auf, auf der sie auf einem Gruppenfoto verewigt ist. Wenn ich ihr Bild betrachte, empfinde ich Freude. Das zweite Paket enthielt einen glänzend schwarzen Quarzstein, den ich damals am Strand gefunden habe. Immer, wenn ich ihn in der Hand halte, erinnere ich mich an diesen wunderschönen Urlaub in meiner Kindheit. Im dritten und letzten Paket befand sich die Büroklammer, mit der meine Entlassungsunterlagen zusammengeheftet waren. Die Sekretärin hatte sie mir ausgehändigt. Eine Traumfrau. Diese Klammer hatte sie berührt. Ich halte sie oft an die Lippen und stelle mir dabei vor, wie ich diese Frau küsse. Erinnerungen sind wertvoller als Gold.

Ich betrachtete die Geschenke. Es war ein schönes Fest und das Auspacken ein Erlebnis. Auch wenn ich schon wusste, was sich in den Paketen befand. Der Heiligabend war vorüber, nun kamen die dunklen Nächte. Mir war bewusst, dass ich etwas tun musste, um meine Stimmung aufzuhellen. Ich trat in den Garten. Es glitzerte weiß, Schnee war gefallen. Die Sonne hatte sich in ihre Winterpause verabschiedet und mein treuester Gefährte, der Mond, schien hell. Ich wanderte zwischen den schwarzen Tannen umher, als mir eine Idee kam. Aus dem fast hüfthohen Schnee könnte ich doch etwas machen. Nicht einen Schneemann, wie ihn jeder bauen konnte. Ich war Künstler und wollte etwas viel Besseres erschaffen. Außergewöhnlich sollte es werden. Eine Frau aus Schnee. Wunderschön wie meine große Liebe und schlank wie die Sekretärin. Verewigt in Schnee. Eine Schöpfung in Perfektion.

Mein Werk begann, wie man einen Schneemann baute, doch das war nur der Anfang. Der Schnee musste verdichtet, Details herausgearbeitet werden und sich eine Kruste bilden, damit eine Oberfläche für Feinarbeiten entstehen konnte. Ich verbrachte Stunden mit der Arbeit, es wurden Tage und bald hatte es immer mehr Ähnlichkeit mit dem, was ich mir erträumt hatte. Den weiblichen Körper hatte ich bisher wenig betont und mich darauf konzentriert, ihre Schönheit herauszustellen. Einen schlanken Körper, galante Arme, wohlgeformte Beine. Perfekt. Das Werk war vollendet. Ich fiel auf die Knie und betrachtete meine Schöpfung.

Da erwachte ein Dämon in mir und flüsterte mir zu, was ich noch tun konnte. Ihr eine Gestalt verleihen, die noch verführerischer war und noch perfekter als jedes andere weibliche Wesen. Ich sah mich um, ob jemand mein Tun beobachtete, das einem Sakrileg gleichkam. Meine Bedenken waren unnötig. Kaum jemand würde sich in meinen Garten verirren. Niemand aus den weit entfernten Häusern, in denen man Weihnachten im Kreis der Familie feierte, würde sich bei der klirrenden Kälte in diese Einsamkeit verlaufen. Als ich mich nochmals versichert hatte, dass mich niemand beobachtete, ging ich ans Werk. Ich schuf ihr zwei üppige Brüste und machte mich daran, der weißen Gestalt ausladende Hüften zu verpassen. Was für ein Strolch ich war, der es wagte, eine Figur zu erschaffen, die einer Göttin gleichkam, welche in ihrer perfekten Gestalt selbst die Liebe meines Lebens übertraf. Etwas nie Dagewesenes, ein Wesen in perfekter Schönheit im Körper der vollendeten Lust. Eine Nymphe.

Ich fiel vor ihr auf die Knie. Die Stirn im Schnee, sprach ich ein Gebet zu der himmlischen Figur und bot mich ihr demütig an. Möge sie mich beschützen und in ihre Obhut nehmen. Ich wollte ihr dienen, meiner Herrin aus Schnee, dieser gottgleichen Gestalt. Selbst in die Finsternis der Unterwelt würde ich ihr folgen, wenn sie es befahl. Hände und Füße spürte ich nicht mehr. Ich hatte mich vollkommen aufgeopfert, um sie zu erschaffen. Mit letzter Kraft richtete ich mich auf und betrachtete sie. Eine Göttin in Weiß, eine Schneekönigin, die über die geheimsten Kräfte im Universum gebot. Sie konnte Menschen bis in alle Ewigkeit glücklich machen oder vollkommen zerstören. Ich trat ihr ganz nah und hauchte ihr Odem ein, um sie zu erwecken. Danach kehrte ich zurück in mein Heim, weil es mir Furcht einflößte, was die Frau aus Schnee alles mit mir anstellen könnte. Ich verkroch mich ins Bett, wickelte zwei Decken um mich und zog das flauschige Schaffell darüber. Dennoch zitterte ich in der Eiseskälte.

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9783750217294
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