Kitabı oxu: «Приключения барона Мюнхгаузена = Die Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen. Читаем в оригинале с комментарием», səhifə 3
Ebenso schoß mir ein anderes Mal unversehens ein fürchterlicher Wolf so nahe auf den Leib, daß mir nichts weiter übrigblieb, als ihm, dem mechanischen Instinkt zufolge, meine Faust in den offenen Rachen zu stoßen. Gerade meiner Sicherheit wegen stießich immer weiter und weiter und brachte meinen Arm beinahe bis an die Schulter hinein. Was war aber nun zu tun? – Ich kann eben nicht sagen, daß mir diese unbehilfliche Situation sonderlich anstand. – Man denke nur, Stirn gegen Stirn mit einem Wolfe! – Wir äugelten uns eben nicht gar lieblich an. Hätte ich meinen Arm zurückgezogen, so wäre mir die Bestie nur desto wütender zu Leibe gesprungen; so viel ließ sich klar und deutlich aus seinen flammenden Augen heraus buchstabieren. Kurz, ich packte ihn beim Eingeweide, kehrte sein Äußeres zu innerst wie einen Handschuh um, schleuderte ihn zu Boden und ließ ihn daliegen.
DiesStückchen39 hätte ich nun wieder nicht an einem tollen Hunde versuchen mögen, welcher bald darauf in einem engen Gäßchen zu St. Petersburg gegen mich anlief. Lauf, was du kannst! dachte ich. Um desto besser fortzukommen, warf ich meinen Überrock ab und rettete mich geschwind ins Haus. Den Rock ließ ich hernach durch meinen Bedienten hereinholen und zu den anderen Kleidern in die Garderobe hängen. Tags darauf geriet ich in ein gewaltiges Schrecken durch meines Johanns Geschrei: „Herr Gott, Herr Baron, Ihr Überrock ist toll40!“ Ich sprang hurtig zu ihm hinauf und fand alle meine Kleider umher gezerrt und zu Stücken zerrissen. Der Kerl hatte es auf ein Haar getroffen, daß der Überrock toll sei41. Ich kam gerade noch selbst dazu, wie er über ein schönes neues Galakleid herfiel und es auf eine gar unbarmherzige Weise zerschüttelte und umherzauste.
In allen diesen Fällen, meine Herren, wo ich freilich immer glücklich, aber doch nur immer mit genauer Not davonkam, half mir das Ohngefähr, welches ich durch Tapferkeit und Gegenwart des Geistes zu meinem Vorteile lenkte. Alles zusammengenommen macht, wie jedermann weiß, den glücklichen Jäger, Seemann und Soldaten aus. Der aber würde ein sehr unvorsichtiger, tadelnswert Weidmann, Admiral und General sein, der sich überall nur auf das Ohngefähr oder sein Gestirnverlassen wollte42, ohne sich weder um die besonders erforderlichen Kunstfertigkeiten zu bekümmern43, noch44 sich mit denjenigen Werkzeugen zu versehen, die den guten Erfolg sichern. Ein solcher Tadel trifft mich keineswegs. Denn ich bin immer berühmt gewesen, sowohl wegen der Vortrefflichkeit meiner Pferde, Hunde und Gewehre als auch wegen der besonderen Art, dies alles zu handhaben, so daß ich mich wohl rühmen kann, in Forst, Wiese und Feld meines Namens Gedächtnis hinlänglich gestiftet zu haben.
Ich will mich nun zwar nicht auf Partikularitäten von meinenм Pferde- und Hundeställen oder meiner Gewehrkammer einlassen,wie Stall-, Jagd- und Hunde-Junker sonst wohl zu tun pflegen; aber zwei von meinen Hunden zeichneten sich so sehr in meinen Diensten aus, daß ich sie nie vergessen kann und ihrer bei dieser Gelegenheit mit wenigem erwähnen muß. Der eine war ein Hühnerhund, so unermüdet, so aufmerksam, so vorsichtig, daß jeder, der ihn sah, mich darum beneidete. Tag und Nacht konnte ich ihn gebrauchen: wurd es Nacht, so hing ich ihm eine Laterne an denSchwanz, und nun jagte ich so gut oder noch besser mit ihm als am hellen Tage.
Einst (es war kurz nach meiner Verheiratung)bezeigte meine Frau Lust45, auf die Jagd zu gehen. Ich ritt voran, um etwas auszusuchen46, und es dauerte nicht lange, so stand mein Hund vor einer Kette von einigen hundert Hühnern. Ich wartete immer und immer auf meine Frau, die mit meinem Leutnant und einem Reitknechte gleich nach mir weggeritten war; niemand aber war zusehen und zu hören. Endlich werde ich unruhig, kehre um, undungefähr auf der Hälfte des Weges höre ich ein äußerst klägliches Winseln. Es schien mir ziemlich nahe zu sein, und doch war weit und breit47 keine lebendige Seele zu erblicken.
Ich stieg ab, legte mein Ohr auf den Boden, und nun hörte ichnicht nur, daß dies Jammern unter der Erde war, sondern erkannte auch48 ganz deutlich die Stimme meiner Frau, meines Leutnants undmeines Reitknechts. Zugleich sah ich auch, daß nicht weit von mir die Öffnung einer Steinkohlengrube war, und es blieb mir nun leider kein Zweifel mehr, daß mein armes Weib und ihre Begleiter dahin eingestürzt waren.
Ich eilte in voller Karriere nach dem nächsten Dorfe, um dieGrubenleute zu holen, die endlich, nach langer höchst mühseliger Arbeit, die Verunglückten aus einem neunzig Klaftern tiefen Schacht zu Tage förderten. Erst brachten sie den Reitknecht, dann sein Pferd, dann den Leutnant, dann sein Pferd, dann meine Frau und zuletzt ihren türkischen Klepper. Das wunderbarste bei der ganzen Sache war, daß Menschen und Pferde bei diesem ungeheuren Sturze, einige kleine Quetschungen abgerechnet, fast gar nicht beschädigt waren; desto mehr aber hatten sie durch die unaussprechliche Angst gelitten.
An eine Jagd war nun, wie Sie sich leicht vorstellen können, nicht mehr zu denken, und da Sie, wie ich fast vermute, meinen Hund während dieser Erzählung vergessen haben, sowerden Sie mir es nicht übelnehmen49, daß ich auch nicht mehr an ihn dachte.
Mein Dienst nötigte mich, gleich den anderen Morgen eine Reise anzutreten, von der ich erst nach vierzehn Tagen zurückkam. Ich war kaum einige Stunden wieder zu Hause, als ich meine Diane vermißte. Niemand hatte sich um sie bekümmert; meine Leute hattensämtlich50 geglaubt, sie wäre mit mir gelaufen51, und nun war sie zu meinem großen Leidwesen nirgends zu finden. – Endlich kam mir der Gedanke: Sollte der Hund wohl gar noch bei den Hühnern sein? Hoffnung und Furcht jagten mich augenblicklich nach der Gegend hin, und, siehe da! zu meiner unsäglichen Freude stand mein Hund noch auf derselben Stelle, wo ich ihn vor vierzehn Tagen verlassen hatte52,Piel!“ rief ich, und sogleich sprang er ein,und ich bekam auf einen Schuß fünfundzwanzig Hühner. Kaum aber konnte das arme Tier noch zu mir ankriechen, so ausgehungert und abgemattet war es. Um ihn mit mir nach Hause bringen zu können, mußte ich ihn auf mein Pferd nehmen, und Sie können leicht denken, daß ich mich mit der größten Freude dieser Unbequemlichkeit unterzog. Nach einer guten Pflege von wenigen Tagen war er wieder so frisch und munter als zuvor, und einige Wochen darauf machte er mir es möglich, ein Rätsel aufzulösen, was mir ohne ihn wahrscheinlich ewig ungelöst hätte bleiben müssen53.
Ich jagte nämlich zwei ganze Tage hinter einem Hasen her. Mein Hund brachte ihn immer wieder herum, aber nie konnte ich zum Schüsse kommen. – An Hexerei zu glauben ist meine Sache nie gewesen, dazu habe ich zu außerordentliche Dinge erlebt, allein hier war ich doch mit meinen fünf Sinnen am Ende. Endlich kam mir aber doch der Hase so nahe, daß ich ihn mit meinem Gewehr erreichen konnte. – Er stürzte nieder, und was meinen Sie, was ich nun fand? – Vier Läufe hatte mein Hase unter dem Leibe und vier auf dem Rücken. Waren die zwei unteren Paar müde, so warf er sich wie ein geschickter Schwimmer, der auf Bauch und Rückenschwimmen kann, herum, und nun ging es mit den beiden neuen wiedermit verstärkter Geschwindigkeit54 fort.
Nie habe ich nachher einen Hasen von der Art gefunden, und auch diesen würde ich nicht bekommen haben, wenn mein Hund nicht so ungemeine Vollkommenheiten gehabt hätte. Dieser aber übertraf sein ganzes Geschlecht so sehr, daß ich kein Bedenken tragen würde, ihm den Beinamen des Einzigen beizulegen, wenn nicht ein Windspiel, das ich hatte, ihm diese Ehre streitig machte. Das Tierchen war minder wegen seiner Gestalt als wegen seiner außerordentlichen Schnelligkeit merkwürdig. Hätten die Herren es gesehen, sowürden Sie es gewiß bewundert und sich gar nicht verwundert haben55, daß ich es so lieb hatte und so oft mit ihm jagte. Es lief so schnell, so oft und so lange in meinem Dienste, daß es sich die Beine ganz bis dicht unterm Leibe weglief und ich es in seiner letzten Lebenszeit nur noch als Dachssucher gebrauchen konnte,in welcher Qualität es mir denn ebenfalls noch manch liebes Jahrdiente.
Weiland noch als Windspiel – beiläufig zu melden, es war eine Hündin – setzte sie einst hinter einem Hasen her, der mir ganz ungewöhnlich dick vorkam. Es tat mir leid um meine arme Hündin, denn sie war mit Jungen trächtig und wollte doch noch ebenso schnell laufen als sonst. Nur in sehr weiter Entfernung konnte ich zu Pferde nachfolgen. Auf einmal hörte ich ein Gekläffe wie von einer ganzen Koppel Hunde, allein so schwach und zart, daß ich nicht wußte, was ich daraus machen sollte. Als ich näher kam, sah ich mein himmelblaues Wunder. Die Häsin hatte im Laufen gesetzt und meine Hündin geworfen; und zwar jene gerade ebensoviel junge Hasen als diese junge Hunde. Instinktmäßig hatten jene die Flucht genommen, diese aber nicht nur gejagt,sondern auch gefangen.
Pulsuz fraqment bitdi.

