Kitabı oxu: «Scarlet Cheeks: Verhängnisvolle Hingabe»
Alexis Kay
Scarlet Cheeks 2: Verhängnisvolle Hingabe
© 2015/2021 Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels
www.plaisirdamour.de
info@plaisirdamourbooks.com
© Covergestaltung: Sabrina Dahlenburg
(www.art-for-your-book.de)
© Coverfoto: Shutterstock.com
ISBN Taschenbuch: 978-3-86495-518-1
ISBN eBook: 978-3-86495-519-8
Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Dieses eBook darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches anderes Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.
Widmung
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Epilog
Autorin
Widmung
Im Jahr 2020 sind Mutter und Sohn zusammen 47 Jahre alt …
Ojemine!
Langsam komme ich in ein Alter, in dem man nicht mehr so gerne offen und ehrlich darüber spricht. Also verschone ich euch, meine treuen Leser*innen, mit dieser Matheaufgabe …
Och, wie schade?
Natürlich!
Jetzt hätte das Altersrätsel einen gewissen Reiz …
Ich hoffe, die Fortsetzung von Scarlet Cheeks kann euch über die fehlende Rechnung hinwegtrösten …
Viel Vergnügen!
Apropos Rechnung:
Alex,
mit dir habe ich damals wirklich nicht mehr gerechnet. Du bist mein kleines – mittlerweile schon etwas größeres – Wunder.
Ich liebe dich!
Prolog
Ich schlage meine Augen auf und bin zunächst etwas orientierungslos.
Es ist stockdunkel.
Nacht.
Wo bin ich?
Meine Hand streicht übers seidig weiche Laken den Rand des Bettes entlang …
Nicht meine gewohnte Seite! Nicht mein Bett!, stelle ich in einem Anflug von Panik fest. Wessen Bett ist das? Und wie bin ich überhaupt ins Bett gekommen?
Ich drehe mich auf den Rücken und vernehme nah an meinem linken Ohr regelmäßige tiefe Atemzüge, durchzogen von leisen Schnarchlauten.
Unverkennbar … Alain.
Beim erleichterten Aufatmen steigt mir auch ein vertrauter Geruch in die Nase: sein Aftershave. Als ich meinen Kopf ins Kissen betten, meinen Arm um ihn schlingen will, um friedlich weiterzuschlummern, denn bei ihm fühle ich mich sicher und geborgen, zieht sich Schmerz durch meine linke Gesichtshälfte. Ich zische auf, rolle mich wieder auf die andere Seite. Tastend suche ich nach einer Lampe auf dem Nachttisch, finde einen Schalter und endlich flutet Licht den Raum.
Es ist Alains Zimmer! Gott sei Dank!
Zerstreut sehe ich mich um. Alain schläft tief und fest neben mir. Die rechte Hand, die, wie’s scheint, verarztet wurde, ist umwickelt mit einer sauberen weißen Bandage und liegt neben seinem Kopf auf dem Kissen.
Was ist passiert? Wie hat er sich verletzt?
Ein lautes Grunzen. Bourbon. Der Husky pennt an seinem gewohnten Platz auf dem Teppich vor meiner Betthälfte, denn sein Herrchen lässt ihn partout nicht ins Bett, und da ich das schwächere Geschlecht bin, dem Hund vieles durchlasse, ihn laut Alain gar verhätschele, hält dieses gerissene Vieh sich vielmals an mich und kocht mich mit seinen Huskyaugen weich. Wie aufs Stichwort öffnet Bourbon die Augen, hebt den Kopf von den Vorderpfoten und blickt mich erwartungsvoll an.
„Pssst. Nächstes Mal bei mir daheim“, flüstere ich mit dem Zeigefinger auf dem Mund, und Bourbon bettet schnaubend den Kopf wieder auf die Pfoten, als hätte er meine Worte verstanden. Ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen und da durchzuckt mich abermals Schmerz. Sachte schmiege ich meine linke Hand an meine Wange, fühle die erhitzte Haut und wie es unter meiner Handfläche drängend pocht.
Knall auf Fall kehrt die Erinnerung zurück. Ich sehe Ryans Gesicht vor mir, wie er schmierig grinste, sich gierig die Lippen leckte, als ich mich vor ihm entblößen musste. Ich bilde mir ein, seine schwieligen Hände noch immer irgendwo auf meinem Körper zu spüren und das Nikotin, das an seinen Fingern haftete, auf meiner Zunge zu schmecken …
Übelkeit wallt in mir auf. Ich begebe mich ins angrenzende Bad, versuche, den Brechreiz erst einmal wegzuatmen, jedoch vergeblich. Trockenes Würgen erschüttert meinen Körper, denn das Fünf-Gänge-Menü hat bereits im Hotel den Rückweg angetreten.
Ich putze mir die Zähne und verspüre das dringende Bedürfnis zu duschen. Alains Shirt, das er mir wohl übergezogen hat, während ich geschlafen habe, landet durchgeschwitzt auf dem Boden, und noch bevor mir kalt wird, stelle ich mich unter den Wasserstrahl. Das lauwarme Wasser plätschert über meinen Kopf, träufelt in meinen Mund und ich genieße es, wie es nach und nach meinen Körper einhüllt. Gewöhnt sich meine Haut an die Temperatur, schiebe ich den Hebel der Armatur weiter nach links, regle das Wasser noch etwas wärmer. Grad für Grad. Eine Spielerei, die mir eine Gänsehaut nach der anderen über die Haut jagt. Ob sie vom Schmerzreiz herrührt, der ins Nervensystem geleitet wird, oder vom Wohlgefühl, weiß ich nicht …
Ich stehe bestimmt schon fünf Minuten unter der Dusche, als plötzlich Alain verschlafen durch den Türspalt linst. „Irina. Darf ich reinkommen?“
„Natürlich … Sorry. Habe ich dich geweckt?“
Er schüttelt den Kopf und tritt ein. „Ich habe mir Sorgen gemacht. Das Wasser rauscht schon seit einer Weile. Bist du in Ordnung, Liebes?“
„Ich … ich musste einfach duschen … Es war wie ein Zwang … Ich wollte mich abkühlen …“
Alain nähert sich, bleibt unmittelbar vor der begehbaren Glasdusche stehen und streckt die unverletzte Hand nach dem Wasserstrahl aus, zieht sie aber sofort zurück. „Nach einer Abkühlung fühlt sich das nicht an. Das Wasser ist zu heiß, Irina. Dein Rücken ist feuerrot. Du verbrühst dich doch.“ Kurzerhand dreht er das Wasser ab. „Soll das eine Art Ritual sein? Willst du dich reinwaschen? Dich selbst durch Schmerz zurückholen?“ Er betrachtet mich argwöhnisch.
„Alain. Bitte. Interpretier da nichts hinein. Es ist bloß eine blöde Angewohnheit, die ich mir als Kind angeeignet habe, um zu sehen, wie viel ich ertragen kann …“ Ich beginne zu schlottern, meine Zähne klappern, da ich der Wärme beraubt wurde. Die Raumtemperatur fühlt sich arktisch kalt an im Vergleich zum Duschwasser, das mich vor Sekunden noch umgeben hat.
Alain hüllt mich in seinen Bademantel, drückt mich an sich und hält mich einfach nur fest. An seine Brust gepresst kann ich sein kräftiges Herz schlagen hören, seine Körperwärme fühlen … Er schenkt mir Geborgenheit. Seine Sanftmut dringt tief in mein Innerstes, erwärmt mein Herz und es scheint mir, als würde sich mein Herzrhythmus seinem anpassen, eins mit ihm werden …
Doch ich will mehr! Auf eine andere Art eins mit ihm werden … will vergessen …
Alain küsst mich auf die Stirn und ich sehe zu ihm auf.
Sind das Tränen auf seiner Wange oder stammen die Tropfen von meinen nassen Haaren?
Seine belegte Stimme deutet auf Ersteres. „Irina. Bitte sprich mit mir darüber, vertrau dich mir an …“
Doch mir ist nicht nach Reden zumute. „Bitte, Alain, zeig mir, wie sehr du mich liebst. Ich will deine sanften Hände auf mir spüren, will, dass du mich überall berührst, mich von dem Gefühl seiner schwieligen Klauen auf meinem Körper befreist … Ich brauche dich, Alain, lass mich vergessen … liebe mich!“
Alain hebt mich auf seine Arme, doch wider mein Erwarten trägt er mich nicht ins Bett, sondern zur Badewanne. Er hat meine Worte völlig falsch interpretiert.
„Alain. Nein. Ich habe doch gerade geduscht …“
Die frei stehende Badewanne wurde bereits mit Wasser gefüllt.
Ach, deshalb wurde mein Duschwasser allmählich immer kälter. Also muss er sich auch nicht wundern, dass ich nachregeln musste …
Alains Zimmer duftet jetzt herrlich nach Rosen und ein Hauch von Rhabarber fließt mit ein.
Er lässt mich sachte zu Boden gleiten. „Vielleicht wirst du dich besser fühlen, wenn ich dich wasche. Und glaube mir, ich mache meine Sache gründlich.“ Ein verheißungsvolles Grinsen schleicht sich auf seine Lippen.
Er hat mich also doch verstanden, wird mit mir schlafen …
„Ich werde dir auf diese Art zeigen, wie sehr ich dich liebe, indem ich mich um dich kümmere, dich verwöhne … Jedoch schlafen werde ich mit dir heute Nacht nicht. Du brauchst Zeit, um das alles zu verarbeiten … Ich werde meine Liebe lediglich in Worte fassen …“
Ich streife den Bademantel ab, steige schmollend in die Wanne. Das Wasser hat genau die richtige Temperatur, mollige 37 Grad zeigt das Thermometer an, und sein Duft entführt mich in einen Rosengarten. Ich schließe die Augen, entspanne mich allmählich … und nur wenige Sekunden darauf spüre ich, wie sich Tränen ankündigen. Sie finden einen Weg unter meinen geschlossenen Augenlidern heraus und kullern über meine Wangen.
Alain nimmt mich in den Arm, hält mich einfach nur fest. „Irina. Endlich. Es hat mir richtig Angst gemacht, wie du das Geschehene im ersten Moment verdrängt hast. Liebes. Du kannst mir vertrauen. Ich bin für dich da, wenn du Probleme hast, wenn du reden möchtest. Ich bin da, um dich zu stützen, dir zu helfen, wenn du nicht mehr weiterweißt. Ich liebe dich, Irina.“
Ich öffne meine Lider und versinke in seinen gletscherblauen Augen, die entgegen der Farbe der Iriden pure Wärme ausstrahlen. „Ich liebe dich auch“, wispere ich.
Obwohl wir in dieser Nacht keinen Sex haben werden, könnte sie nicht vollkommener sein, denn sein Liebesschwur berührt mein Herz. Trotz seines anfänglichen Skrupels ist er in der Lage, eine Beziehung zu führen, und dieser steht jetzt nichts und niemand mehr im Wege.
Ich liebe diesen Mann über alles und möchte ihn in meinem Leben nicht mehr missen.
Für mein Glück brauche ich nur ihn.
Durch ihn bin ich vollkommen.
Kapitel 1
Ryan ist hinter Schloss und Riegel. Die Aussage gegen ihn kostete mich einiges an Überwindung, aber mit Alains tatkräftiger Unterstützung, mit ihm an meiner Seite, ist es mir gelungen, die äußerst unangenehme Angelegenheit ohne größeren emotionalen Schaden abzuwickeln.
Aufatmen ist angesagt!
Eigentlich sollte unserem Glück jetzt nichts mehr im Wege stehen, möchte man meinen, doch seit einer geschlagenen Woche hat Alain mich nicht mehr angerührt. Kaum zu glauben, dass folgende Worte noch vor Kurzem in meinem Kopf herumspukten: Obwohl wir in dieser Nacht keinen Sex haben werden, könnte sie nicht vollkommener sein … Ich möchte mich selbst dafür ohrfeigen! Wie konnte ich nur so blauäugig sein? Wenn ich von vornherein gewusst hätte, dass noch acht weitere keusche Nächte folgen würden, hätte ich das wohl nicht behauptet.
Verdammt! Ich hungere nach ihm, nach seinem Körper, nach seiner Zuneigung. Zärtlich ist Alain nach wie vor und äußerst einfühlsam, aber ich verzehre mich danach, seine starken Hände, seine feuchte, warme Zunge auf meinem Körper zu spüren, noch mehr dürste ich nach der Reizüberflutung, die eintritt, wenn sie im Zusammenspiel jede noch so kleine Pore erkunden. Ich vermisse Alains Liebesgeflüster, das Piksen seines Dreitagebarts auf meiner Haut, seine Liebesbisse, das neckische Knabbern an meinen Ohrläppchen, an meiner Unterlippe, an meinem Hals, an den empfindlichen Knospen meiner Brüste und an meiner Klit. Mir fehlt sein lüsterner Blick, in dem sich sein Hunger und seine Gier nach mir widerspiegeln. Eine unstillbare Glut, die mir das Gefühl gibt, die begehrenswerteste Frau der Welt, noch besser, des ganzen Universums zu sein. Wie könnte er es angemessener ausdrücken als mit einer Erektion, die er an mir reibt, die er tief in mir versenkt …
Allein die Gedanken daran und die Vorstellung erregen mich schon ungemein, verursachen dieses verheißungsvolle Kribbeln in meinem Unterleib und lassen ein drängendes Pochen zwischen meinen Schenkeln entstehen … sorgen für manch feuchtes Höschen. Künstlich schüre ich meinen Hunger, bausche ihn immer weiter auf … ein verdammter Teufelskreis!
Doch anstatt meinem Sehnen nachzukommen, anstatt dieses Feuer, das wild in mir tobt, zu löschen, packt Alain mich in Watte!
Irina. Ich möchte dir Zeit lassen, das Geschehene zu verarbeiten. So hat er es ausgedrückt, als ich wiederholt einen Versuch startete, mit ihm zu schlafen. Die Abweisung tat weh, und seither habe ich es nicht mehr probiert, das heißt, nicht mehr mit offensichtlichen Avancen, sondern mit kleinen Leckerbissen wie einem Negligé, neckischen Dessous, Strings, ja sogar nackt habe ich mich ins Bett gelegt. Statt Alain hat sich dann plötzlich Bourbon an mich gekuschelt. Der Husky hatte wohl Angst, ich könnte mitten in einer schwülen Sommernacht erfrieren. Doch das übertriebene Kauen und das Geschmatze des Hundes machten mich stutzig, und tatsächlich fand ich am Morgen danach Krumen auf dem Kissen, Überbleibsel eines Leckerlis.
Na warte, Alain! Die Quittung dafür wirst du noch bekommen, den armen Hund als Liebestöter zu gebrauchen.
Aber diese verzweifelte Tat und das unentwegt rauschende Duschwasser nebenan zeigen mir auch, wie sehr er mit sich zu kämpfen hat …
Mein Umfeld hüllt sich in eisernes Schweigen. Es wägt jedes einzelne Wort sorgfältig ab. Nur Travis lässt sich von seinem besten Freund keinen Maulkorb verpassen. Unsere Telefonate sind weiterhin relativ unverblümt, und vor allem habe ich ihn mit meinem Verdacht konfrontiert …
Dem Büro hätte ich, laut Alains Ansage, mindestens eine Woche fernbleiben sollen. Seine freudigen Luftsprünge blieben aus, als er mich dienstags nach seiner Kaffeepause, wo ich dachte, er wäre außer Haus, am Schreibtisch vorfand. Alains einzige Bemerkung dazu: ein Augenrollen, das so viel bedeutete wie: Genauso gut hätte ich Bourbon von einem Cervelat fernhalten können, der gepellt zu Hause auf dem Esstisch liegt, und auch ungeschält, gar noch in Folie verpackt, hätte er ihm nicht widerstehen können. Ganz nach dem Sprichwort: Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch! Tatsächlich fiel Alains Blick auf den Husky im Hundekorb hinter dem Bürotisch, der im Schlaf geschmatzt hatte, weil er wohl von einer leckeren Wurst träumte …
Nichtsdestotrotz werde ich das Gefühl nicht los, dass Alain mit dieser kurzfristig geplanten Reise sein schlechtes Gewissen mir gegenüber beruhigen möchte, und tief in mir hege ich Hoffnung, dass er spätestens auf neutralem Boden meinen noch etwas unausgereiften Verführungskünsten erliegt. Doch die Reise geht nicht in die Stadt der Liebenden, nach Paris, sondern nach London, die Stadt von Alains experimentierfreudigem Studentenleben, und somit ist sie keineswegs neutral …
So sitze ich hier mit ihm in einer Limousine auf dem Weg ins Hilton London Metropole.
„Ich fass es nicht. Ich bin in London.“ An der getönten Fensterscheibe drücke ich mir die Nase platt. Sekunden später falle ich Alain überschwänglich um den Hals und bedanke mich bestimmt zum tausendsten Mal mit einem verzückten Kuss. Meine Euphorie ist nicht zu bremsen.
„Überraschung gelungen?“, murmelt er an meinen Lippen. Seine blauen Augen, umgeben von feinen Lachfältchen, strahlen mich an.
„Und wie! Was machen wir heute noch?“, frage ich aufgekratzt, während sich meine Finger in seinem Nackenhaar vergraben und ihn zärtlich kraulen. Alain bekommt eine Gänsehaut.
„Gegen 20 Uhr gehen wir essen“, antwortet er nüchtern.
„Und die vier Stunden davor?“ Ich schmiege mich aufreizend an ihn. „Wir könnten uns doch …“ … im Hotelbett vergnügen.
Aber meine Hoffnung darauf wird mit folgenden Worten einfach zerschlagen: „Ich hab mit den Jungs noch was Geschäftliches zu klären …“
Nicht wahr!
Schmollend gebe ich ihn aus der Umarmung frei, rutsche von seinem Schoß und blicke gekränkt aus dem Fenster. Meine Stimmungsschwankungen in letzter Zeit stehen seinen in nichts nach.
„… doch morgen und übermorgen gehöre ich dir“, versucht er mich zu besänftigen, streichelt mit dem Daumen zärtlich über meinen Handrücken.
Wer’s glaubt!, schnaube ich innerlich. Ich wage einen kurzen unauffälligen Blick zum Augenwinkel heraus und lasse mich von seinem treuen Hundeblick, mit dem selbst Bourbon nicht mithalten kann, erweichen. Resigniert seufze ich auf.
Alain Foster, versprich nicht etwas, was du nicht halten kannst!
Die Koffer liegen ausgebreitet vor uns auf dem Hotelbett. Meine Klamotten verfrachte ich stapelweise in den Schrank. Alain ergreift seinen Kulturbeutel und mein Reisenecessaire und räumt beides ins Bad.
„Zimmerservice?“, frage ich Alain, als es plötzlich klopft.
„Ich habe nichts bestellt“, ertönt seine gedämpfte Stimme aus dem Bad.
Bestimmt ist es, aufgeregt öffne ich die Tür, Travis.
Doch es sind nicht Travis’ smaragdgrüne Augen, die mich anstrahlen. Es steht eine wunderschöne und schlanke Blondine im Türrahmen. Dem berühmt-berüchtigten Londoner Wetter entsprechend, hat sie sich einen grauen Trenchcoat angezogen. Ein schwarzes Seidentuch schlingt sich um ihren Hals, was ich persönlich nur trage, wenn ich etwas zu verbergen habe, zum Beispiel einen Knutschfleck. Die Fremde lächelt freundlich, sodass ihre blauen Augen funkeln. Der blonde Pony bedeckt ihre Stirn, ihr Zopf ragt über die linke Schulter und die Sommersprossen auf ihrer Nase fallen einem sofort ins Auge, vor allem wenn sie sie, wie jetzt gerade, vor Verwunderung krauszieht.
„Schatz, wer ist … Liz?“ Alain schreitet mit schnellen Schritten auf diese Femme fatale zu und drückt ihr einen Kuss auf die Wange.
Ich bin geplättet vom vertrauten Umgang der beiden und fühle tief in meinem Innern Eifersucht aufkeimen. Ihr Name ist mir geläufig, aber trotzdem sollte er mich endlich mit der Dame bekannt machen.
Ein ungutes Gefühl beschleicht mich, dass mir mit dieser Reise vielleicht mehr offenbart wird, als mir lieb ist. Dass ich Gefühle kennenlerne, die ich bisher ganz gut unter Kontrolle hatte und die jetzt plötzlich drohen, an die Oberfläche zu dringen …
„Irina. Darf ich vorstellen, Liz Stone, Daniels Freundin. Liz, Irina Meyer, meine Freundin.“
Ich reiche ihr die Hand.
Das ist also die Frau, deren Knebel und Hogtie ich getragen habe? Dans Sub. Alain habe ich jedoch über mein Wissen noch nicht in Kenntnis gesetzt.
„Freut mich, dich kennenzulernen, Irina.“ Liz schenkt mir ein aufrichtiges Lächeln.
Im ersten Moment bin ich überrascht, dass sie die deutsche Sprache so einwandfrei und akzentlos beherrscht. Sie spricht Hochdeutsch. Doch da kommt mir die Unterhaltung mit Daniel wieder in den Sinn. Er hat davon gesprochen, dass seine Freundin halb Deutsche, halb Engländerin ist …
„Ich freue mich auch, Eliz…“
Liz lässt mich nicht ausreden. „Meine Mutter ist Sissi-Fan, also nix mit Queen Elizabeth … Sie ist die Einzige, die mich bei vollem Namen ruft oder die verhasste Abkürzung Sissi verwendet. Boah! Selbst wenn ich es ausspreche, schüttelt’s mich durch. Das hört sich für mich so an, wie wenn jemand mit den Fingernägeln über Tontöpfe kratzt. Also bitte, bitte nenn mich Liz“, fleht sie mich an.
Schon allein beim Gedanken an Fingernägel und Blumentöpfe bekomme ich eine unangenehme Gänsehaut. „Liz“, wiederhole ich, reibe mir nebenbei die nackten Arme, bis der Schauder von mir ablässt.
Sie lächelt zufrieden und ihre strahlend weißen Zähne blitzen hervor.
„Wo ist Daniel? Ich dachte, wir treffen uns alle erst später zum Essen?“ Alain klingt skeptisch.
„Mas…“ Liz fühlt sich von Alains kaltem Blick eingeschüchtert, gerät ins Stocken und korrigiert sich. „Daniel wartet unten im Wagen. Er findet, dass ich Irina ein wenig Gesellschaft leisten könnte, während ihr euch euren Geschäften widmet.“ Verschwörerisch zwinkert sie mir zu, deutet mit dem Kinn zur Jacke.
Es geht raus! London, ich komme!
„Das ist ja toll.“ Entschlossen nehme ich meinen schwarzen Trenchcoat vom Garderobenhaken. Ich bin Feuer und Flamme, Alain hingegen scheint von der Idee nicht begeistert, noch weniger, als er rafft, dass es nach draußen geht.
„Wo willst du hin?“
„Mir mit Liz die Zeit vertreiben.“
„In diesem Outfit?“ Er zeigt auf den kurzen Mini, mit dem ich ihn damals in der Bar überrascht habe, und reibt sich provokativ die Hände. Sein Blick sagt: Bei wie viel sind wir wohl stehen geblieben?
Ich denke an seine Worte zurück: Beim nächsten Mal, wenn du so einen kurzen Rock anziehst, werden es zwei Hiebe sein und das Mal darauf drei … Und immer so weiter … Ich kann deinem hübschen Hintern einfach nicht widerstehen. Also, wenn du die Züchtigung nicht scheust, reize mich nur weiter mit solch breiten Gürteln …
„Alain. Wir gehen nur in die Mall. Shoppen“, versucht Liz ihn zu besänftigen.
Alain hat das Nachsehen, steigt mit uns in den Lift und lässt es sich nicht nehmen, dass Daniels Wagen uns zur Mall fährt. Die Begrüßung mit Dan fällt relativ kühl aus, wahrscheinlich die besagte Ruhe vor dem Sturm. Ich möchte nicht wissen, was die beiden diskutieren, wenn wir aus dem Wagen steigen. Wird wohl ziemlich hitzig werden, vermute ich, denn Dan hat Alains Pläne gnadenlos durchkreuzt und so was kann mein Kontrollfreak gar nicht leiden.
Ich setze mich Alain gegenüber in die Limousine, schlage ladylike die Beine übereinander und wundere mich über Liz’ Haltung. Sie sitzt Daniel anmutig mit leicht geöffneten Schenkeln gegenüber, die Hände auf den Knien. Wenn sie kein Höschen tragen würde, hätte Daniel freie Sicht auf ihre Scham.
Ach herrje! Mir wird heiß und ich fächere mir mental Luft zu.
Daniel bemerkt meine Verlegenheit, haben mich doch meine tiefroten, erhitzten Wangen verraten. Er grinst schelmisch und fragt äußerst scheinheilig: „Irina. Wie war der Flug?“
„Ähm …“ Ich ordne meine Gedanken und schiebe das gerade Gedachte weit nach hinten. „First Class. Ich bin schon einmal mit meinen Eltern nach Paris geflogen, jedoch Economy, und das ist etliche Jahre her“, antworte ich wahrheitsgetreu, aber heiser.
„Paris?“ Dan versucht, mich in ein Gespräch zu verwickeln.
„Disneyland.“ In Erinnerungen schwelgend lächle ich. „Ich war neun Jahre alt. Der Besuch bei den Großeltern und meinem Patenonkel war eher Nebensache … Und dann, mit fünfzehn, war ich noch einmal in der Stadt der Liebe, jedoch lediglich auf Klassenfahrt. Wir reisten mit dem TGV, dem Hochgeschwindigkeitszug, nach Paris und haben die Sehenswürdigkeiten, insbesondere den Louvre, besichtigt …“
„Du hast Verwandte dort?“ Alains Augen blitzen erstaunt auf. „Du bist zum Teil Französin?“
„Zu einem Viertel. Oma, mütterlicherseits. Du hast auch deine kleinen Geheimnisse, Alain Foster …“ … und ich bin gerade dabei, die letzten Puzzleteile zusammenzufügen!, ergänze ich in Gedanken und zwinkere ihm zu.
„Darauf werden wir noch zurückkommen, Mademoiselle Meyer“, bemerkt Alain und grinst spitzbübisch.
Ich weiß genau, worauf er anspielen möchte, und befeuchte lasziv meine Lippen.
„So, Ladies. Wir sind da.“ Daniels Stimme unterbindet unseren Flirt.
„A plus tard, ma chérie!“ Mit diesen Worten, begleitet von einem Augenzwinkern, verabschiedet sich mein sprachbegabter Freund von mir.
„Eh! Falsche Sprache, Kumpel …“, empört sich Dan.
„Bis später, Schatz.“ Ich drücke Alain einen scheuen Kuss auf den Mund und steige aus.
Nach einem kurzen ernsten Blickwechsel mit ihm, wohl eine stumme Warnung, folgt mir Liz und hakt sich bei mir unter. „Lass uns Spaß haben und bei Ann Summers vorbeischauen!“
Die Mall, ein Shopping-Paradies für Frauen. Etliche Geschäfte und Restaurants auf etwa fünfundzwanzig Fußballfeldern verteilt. Jedoch liebäugelt Liz nur mit einem Laden.
„Oh.“ Meine einzige Bemerkung, als ich mit hochrotem Kopf und wild klopfendem Herzen den Sexshop betrete. Ich blicke mich verstohlen um. Doch niemand scheint sich für die peinlich berührte Touristin, die den allerersten Fuß in eine echte Sexboutique setzt, zu interessieren. Huch! Gedanklich wische ich mir den Schweiß von der Stirn.
Ach herrje! Irina! Benimm dich nicht wie ein verklemmtes Huhn!
„Komm! Hier gibt’s exquisite Lingerie.“
„Natürlich, unter anderem“, bemerke ich sarkastisch.
„Du tust ja gerade so, als wäre dies dein erster Besuch in …“ Sie verstummt und sieht mich prüfend an. Ihre blauen Augen weiten sich vor Erstaunen. „Ach du meine Güte! Du bist Alains Freundin!“
„Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“, frage ich schnippisch.
„Ach nichts. Lass uns den Laden erkunden.“ Liz ergreift meine Hand und zieht mich von Regal zu Regal.
Etwas Passendes ist bald gefunden: ein Torselett in Beige und Schwarz, mit Spitzen-Ornament über dem Bauch, ein Höschen mit Schleifchen und Rüschchen und natürlich halterlose Strümpfe.
Liz führt mich weiter zu den Sextoys. Einige Dinge schrecken mich ab, andere hingegen wecken schon beim Betrachten ein leises Kribbeln in meinem Unterleib. Nichtsdestotrotz wird mein Gesicht noch eine Nuance röter, als Liz einen verpackten, wie ein S-geschwungenen Vibrator in den Farben Fuchsia und Violett in meinen Einkaufskorb legt. „Den will ich dir wärmstens ans Herz legen, falls Alain einmal nicht zur Stelle sein sollte.“
„Liz!“ Ich schnappe empört nach Luft. Doch die quirlige Blondine fährt munter fort und geleitet mich zum nächsten Regal.
Mich trifft fast der Schlag. Alle Farbe weicht aus meinem Gesicht. Handschellen, Handfesseln und Fußfesseln im Set. Es geht mir nicht darum, was ich alles sehe, sondern … Etwas gröber als beabsichtigt ergreife ich ihr Handgelenk. Ein verwirrter, beinahe erschrockener Ausdruck liegt auf ihrem Porzellangesicht. „Wie intim kennst du meinen Freund, Liz?“
Erst blickt sie mich entsetzt an und schluckt trocken, ob aus Furcht vor mir oder vor Alain, der ihren Verrat bestimmt nicht ungesühnt lässt, weiß ich nicht. Doch gleich darauf legt sie mir selbstbewusst ein Paar schwarze Ledermanschetten mit lilafarbenem Leopardenfutter, eine Schlafmaske und Kondome in den Korb.
Oh Scheiße! Die Erkenntnis trifft mich wie ein Faustschlag in die Magengrube. Eine Antwort erübrigt sich.
Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat, die Sachen zu kaufen und mich mit Liz in ein Café zu setzen, um zu reden.
Kein Teufel, die Vernunft!
„Es ist nicht, wie du denkst, Irina.“ Sie blickt mich betrübt an.
„Ja, klar …“, wende ich spöttisch ein. Mit zitternder Hand führe ich das Glas mit dem nach Zimt duftenden Chai Latte zum Mund. Doch ich fühle mich eingeschnürt. In meiner Brust brodelt es. Wenn ich jetzt einen Schluck davon trinken würde, käme alles retour. Ich stelle das Glas wieder ab und atme tief durch.
„Irina. Ich kann dir leider nicht alles haarklein erläutern, aber wenigstens so viel zum Thema: Dan und ich sind seit mittlerweile acht Jahren ein Paar. Ich liebe ihn. Ich gehöre ihm.“ Liz löst den Knoten ihres Seidentuchs. Wie ich vermutet habe, hat sie darunter tatsächlich etwas versteckt. Ein goldenes Halsband kommt zum Vorschein. Sehr extravagant.
Allerdings überrascht mich das Schmuckstück nicht, da ich doch über die Art Beziehung der beiden im Bilde bin. „Ich kenne die Bedeutung. Ich habe in einem Roman darüber gelesen …“ Die Trockenheit meines Mundes verlangt nach einem Schluck Tee.
„Natürlich. Lektüre aus diesem Genre ist zurzeit der Renner. Aber was ich sagen wollte, Dan und ich, wir beziehen auch andere in unsere Sessions mit ein, wie zum Beispiel Ala… Travis! Schön, dich zu sehen.“
„Beauty, Liz!“
Beauty. Dieses Kosewort, das Travis für mich verwendet, verursacht bei mir jedes Mal eine Gänsehaut. Ein Wunder, dass Alain das duldet. Aber Travis, dieser Schuft, macht das bestimmt nur, um mich zu necken …
Doch hier habe ich ihn nicht erwartet. Ich zucke zusammen. Erschrocken stelle ich mein Glas Tee einen Tick zu laut auf den Tisch und drehe mich langsam zu der dunklen Stimme um, die ich die letzten Tage nur übers Telefon etwas verfälscht wahrgenommen habe.
„Travis“, räuspere ich mich. Er hat unser Gespräch belauscht.
„Ich lass euch dann mal kurz allein.“ Liz entschuldigt sich und zieht sich diskret zurück.
„Was machst du denn hier?“, frage ich verwundert.
Travis bedenkt mich mit einem Lächeln und setzt sich auf den von Liz vorgewärmten Stuhl.
„Ich dachte, Alain, Daniel, James und du, ihr hättet was Geschäftliches miteinander zu bereden.“
„Ich schwänze. Alain wird nicht begeistert sein, wenn er“, Travis guckt auf die Uhr, „in genau zwanzig Minuten bemerkt, dass ich nicht auftauchen werde. Irina. Nach dem Telefonat mit dir, als du mich verzweifelt gebeten hast, dir die Wahrheit zu sagen …“
Doch ich unterbreche ihn: „Travis. Ich weiß, du willst Alain nicht in den Rücken fallen, aber du musst zugeben, ihr vier seid euch in gewissen Dingen schon frappierend ähnlich.“
Er lehnt sich gelassen zurück, umfasst mit Daumen und Zeigefinger sein stoppeliges Kinn, lässt mich zappeln. Wohl die Strafe dafür, dass ich ihn nicht ausreden ließ.
„Sag doch was!“, flehe ich. „Ich will doch nur wissen, ob ich Alain genüge. Wir hatten seit geschlagenen zehn Tagen keinen Sex mehr.“ Der letzte Satz kam nur noch flüsternd daher.
Travis seufzt, als könne er mein Dilemma nachempfinden. „Zerbrich dir nicht deinen hübschen Kopf darüber. Alain liebt dich, das weiß ich mit Sicherheit, und was den Sex angeht, will er dir vermutlich Zeit lassen, Ryans Übergriff zu verarbeiten.“