Kitabı oxu: «Der letzte Pinselstrich»
Der letzte Pinselstrich
Alice Karén
Buch 37 der Katzenreihe

©Alice Karén 2020
Machandel Verlag Haselünne
Charlotte Erpenbeck
Cover-Bild: Krol (Cover), shutterstock.com
Illustration: MaKars / shutterstock.com
1. Auflage 2020
ISBN 978-3-95959-262-8
Der letzte Pinselstrich
In einem kleinen Garten in einem namenlosen Ort, der gestern, heute oder morgen sein kann, sitzt ein Mann namens Levin Sommergut und malt nicht.
Das allein wäre kaum der Rede wert. Die meisten Menschen verbringen jeden Tag viele Stunden damit, nicht zu malen. Doch Levin Sommergut war ein Maler, dessen Pinsel in den vergangenen sechsundachtzig Jahren nur stillstand, wenn er schlief, aß oder der Frau Nachtigall ein Kompliment für ihren bezaubernden Gesang aussprach.
Eines Tages jedoch wachte Levin Sommergut auf, zog sich an, frühstückte – und malte nicht.
Seitdem sitzt er von früh bis spät in seinem kleinen Garten hinter dem Häuschen mit den roten Dachziegeln und starrt auf seine Leinwand.
Das entgeht auch Frau Nachtigall nicht, die eine eifrige Beobachterin ist. An diesem Tag fasst sie sich ein Herz und zwitschert: „Herr Sommergut, Herr Sommergut! Ach, warum malen sie denn nicht?“
Levin Sommergut seufzt.
Frau Nachtigall flattert unruhig mit den Flügeln und trällert sogleich: „Herr Sommergut, Sie sind doch nicht etwa krank?“
Levin Sommergut seufzt noch tiefer.
„Nein, Herr Sommergut, erzählen Sie mir bloß nicht, Sie seien zu alt zum Malen geworden!“
Levin Sommergut betrachtet die Leinwand, die Pinsel und die Farben. Endlich rafft er sich auf und antwortet: „Nein, Frau Nachtigall, ich bin nicht krank. Ich weiß selbst nicht, warum ich nicht mehr male. Vielleicht fehlt mir die Inspiration.“
„Die Inspiration? Was ist eine Inspiration?“
Sommergut kratzt sich am Kopf. „Sie sind eine ausgezeichnete Sängerin, Frau Nachtigall, und wissen nicht, was eine Inspiration ist?“
„Sie schmeicheln mir, Herr Sommergut, aber ich singe nur, weil ich mir ein Leben ohne Gesang nicht vorstellen kann! In meinen Adern fließt die Melodie und in einer Brust pocht der Rhythmus. Die Töne sind meine Gedanken und die Klänge meine Schwungfedern, ohne die ich nicht fliegen könnte!“
Sommergut nickt.
„Das habe ich früher auch über meine Malerei gedacht“, sagt er. „Ich dachte: Ohne sie kann ich nicht atmen, nicht leben, nicht sein! Aber hier sitze ich und atme und lebe und bin – aber von einem Bild fehlt jede Spur.“
„Ach, Herr Sommergut, Sie müssen nur erst anfangen! Dann geht Ihnen die Malerei so leicht von der Hand wie früher.“
„Ich weiß nicht“, murmelt Herr Sommergut. „Wenn es so einfach wäre, hätte ich sicherlich schon längst angefangen.“
Frau Nachtigall hört seine Worte nicht, denn in diesem Augenblick fliegt eine schmackhafte Stubenfliege vorbei, die sich die Vogeldame nicht entgehen lassen kann. Sie spreizt ihre Flügel und schwingt sich von dannen, während Levin Sommergut allein mit seinen Malsachen zurückbleibt.
Nein, nicht ganz allein! In den Pfingstrosen, nur einige Meter von seinem Sitzplatz entfernt, raschelt es plötzlich – und eine kleine Katze schleicht sich vorsichtig auf die Wiese in Levin Sommerguts Garten. Die Katze betrachtet ihn neugierig, tappst noch einige Schritte auf ihn zu und bleibt dann vor seiner Leinwand sitzen. Die Katze miaut leise und beginnt, ihr Fell zu säubern.
Pulsuz fraqment bitdi.