Kitabı oxu: «Ich rauche gern….und hör jetzt auf! Die erfolgreichsten Strategien Nichtraucher zu werden. Die neueste Forschung - Wissen das wirklich funktioniert. Aufhören und trotzdem schlank bleiben.»
»Ich rauche gerne« und »Ich kann jederzeit aufhören«, sagen Raucher immer wieder, um in Ruhe weiterrauchen zu können. Der Medizinjournalist und Bestsellerautor Andreas Jopp gibt Rauchern die Methoden an die Hand, die ihnen den finalen Befreiungsschlag vom Nikotin ermöglichen. Der fundiert recherchierte Ratgeber liest sich wie ein Krimi, bei dem Sie erkennen, wie Nikotin Stress und Stimmungsschwankungen verursacht und mit welchen Strategien Sie dauerhaft davon loskommen. Ein Teil des Buches ist dem Thema gewidmet, wie Sie dabei ganz einfach Ihr Gewicht halten.
Andreas Jopp ist Medizinjournalist, Gesundheitstrainer und Bestsellerautor. Er hat sieben Bücher zu den Themen Ernährung, Eiweiß & Abnehmen, Vitamine, Hormone und medizinische Therapien veröffentlicht und ist in 14 Sprachen übersetzt. Als ehemaliger Raucher berät er seit Jahren Men- schen, die vom Glimmstengel loskommen wollen.
Andreas Jopp
Ich rauche gern ...
und hör jetzt auf
Nichtraucher in 30 Tagen
Ich möchte mich bedanken bei Oliver Fuxen für die Erstellung des gesamten Manuskripts, bei Hüseyin Bektas für die vielen Tipps zum Buch und zur multi- medialen Vermarktung.
Ich rauche gerne… und hör jetzt auf! Nichtraucher in 30 Tagen.
Andreas Jopp
Consult Media Verlag, Köln
Coverabbildung: © Nutrition Consult
Cover Design: Nina Fricke, Emergencydesign, München
Cartoons: Marek Blaha, Offenbach
Grafiken: Peter Palm, Berlin
© Andreas Jopp, 2013
ISBN 978-3-9819093-4-0
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Wie funktioniert das Buch plus Internetprogramm?
Teil 1 Rauchen Sie „gerne“?
1. Vom „gerne“ zum „gerne müssen“
2. Werbung & Hollywood als Vorbilder
3. Die Nikotin-Dealer - So werden sie süchtig gemacht
4. Die Biochemie des Glücks
5. Mein Hund, meine Kinder…..
Teil 2 Rauchen & Psyche
6. Das tägliche Auf und Ab durch Nikotin
7. Rauchen ohne Vorteile für die Psyche
8. Anregung & Konzentration: Ein Mythos
9. Stress & Stimmung vor & nach der Raucherkarriere
10. Interview Prof. Parrott: Rauchen und Psyche
11. Die Macht der Konditionierung
12. Ihre Zigarettenmarke und andere Raucher
Teil 3 Andere Gründe aufzuhören
13. Gewicht & Schönheit
14. Der tägliche Chemie-Cocktail
15. Die Milchmädchen-Risikorechnung
16. Und das verbessert sich!
17. Wie entscheiden Sie sich?
Teil 4 Nichtraucher werden & schlank bleiben
18. Rauchen hält nicht schlank
19. Das Süße und die Sucht
20. So entgehen Sie der Moppelfalle
21. Mit Eiweiß satt und glücklich
22. Schlank bleiben nach dem Rauchstopp: Die Einkaufsliste
Teil 5 Die erfolgreichsten Strategien zum Aufhören
23. So werden Sie rauchfrei
24. Hypnotherapie – Kommunikation mit Ihrem Unterbewusstsein
25. Nikotin-Ersatztherapien – Hilfe oder Geschäft?
26. Akupunktur – Glaube versetzt keine Berge
27. Champix – Die Rückeroberung der Andockstellen
28. Die letzte Zigarette
29. Ausrutscher & Rückfälle
30. Ihre persönliche Betreuung!
Ein Wort zum Schluss: Liebe Ex-Raucher und Ex-Raucherinnen
Einleitung
Wie oft haben Sie diese beiden Sätze gesagt? „Ich rauche gerne“ und „Ich kann ja jederzeit aufhören“. Wie die meisten Raucher habe ich beide „Aussagen“ häufig in verschiedenen Variationen gemacht. Immer wenn wieder jemand meinte, er müsste mich in eine Art „Raucherverhör“ mit anschließender Diskussion verwickeln, habe ich mit diesen beiden Sätzen die Sache abgekürzt und hatte meine Ruhe. Aber natürlich wissen alle Raucher: Beide Sätze sind richtig und falsch zugleich.
Wenn nicht jeder 4. Raucher an den Folgen seines „gerne Rauchens“ sterben würde, dann würden wir natürlich nie über das Aufhören nachdenken. Denn mit einer Zigarette fühlt man sich für einen kurzen Moment einfach gut, ist entspannter, weniger gestresst, und ruhiger. Einen Moment lang schaltet man ab. Leider ist das Nikotin nach 45 Minuten so stark abgebaut, dass man schon auf die nächste Zigarette Lust hat. Mir damit die Gesundheit zu ruinieren, brachte mich immer wieder in den typischen Rauchkonflikt. Meine jahrelange Taktik: Informationen über „angebliche“ Gesundheitsschäden überflog ich kurz, widersprach diesen innerlich mit einigen Scheinargumenten und verdrängte sie dann, um weiterrauchen zu können. Haben Sie eigentlich Ihren Kindern schon eine Zigarette angeboten? Das würde wahrscheinlich nicht einmal der überzeugteste Raucher tun. So uneingeschränkt genießen wir das Rauchen dann wohl doch nicht. Oder wie würden Sie reagieren, wenn Ihre Tochter anfängt zu rauchen? Etwa so? „Super, ich habe auch immer gerne geraucht“. Passt auch nicht so. Es zeigt sich also, wie doppeldeutig das „gerne Rauchen“ ist. Tatsächlich würden die meisten Raucher lieber aufhören, wenn sie nur eine einfache und zuverlässige Methode wüssten.
Auch der zweite Satz „Ich kann ja jederzeit aufhören“, ist richtig. Natürlich könnte man jederzeit aufhören. Aber nach vielen spontanen Versuchen war mir klar, dass dies wohl eher für andere, willensstärkere Raucher zutrifft. Und schon gar keine Lust hatte ich, dies einem Nichtraucher aufs Brötchen zu schmieren, der mich dann wieder in ein längeres Verhör verwickelt, aus dem ich frustriert und mit weniger Selbstachtung herauskam. Ich schaffte es zwar nicht aufzuhören, aber ich hatte es für mich so zurechtgelegt: „Ich rauche freiwillig und anscheinend will ich einfach noch nicht wirklich aufhören. Sonst könnte ich natürlich jederzeit…..“
Also rauchte ich 20 Jahre mit schlechtem Gewissen „gerne“ und „hätte auch jederzeit aufhören können“, wenn ich es denn „wirklich“ gewollt hätte. Aber „jetzt“ war gerade immer noch nicht der richtige Zeitpunkt dazu.
Wie viel rauchen Sie?
Die tatsächlich gerauchten Zigaretten rechnete ich mir schön. Ich hatte alles unter Kontrolle. Ich rauchte wie alle Raucher „nicht so viel“….. Nur 5-10 Zigaretten pro Tag, wenn mich jemand fragte. Das schadet ja nicht! Ich rauchte nie zu Hause, außer wenn ich mal Fernsehen schaute (öfters) oder telefonierte (sehr oft). Am Computer rauchte ich sowieso nicht, es sei denn, es gab Stress (täglich) oder ich musste einen schwierigen Text schreiben und mich konzentrieren (eigentlich ständig als Autor). Wenn mich irgendetwas nervte (ab und zu) oder die Laune leicht absackte (kommt ja mal vor), rauchte ich besonders gerne. Beim Warten auf Züge oder im Stau kam es auch öfters…also …ausnahmsweise Mal vor. Mit einer Zigarette ist man ja beschäftigt. Aber Züge sind ja meist pünktlich…und Staus sind eher selten... Ab und zu rauchte ich ein paar mehr, wenn ich ausging (aber das war ja nur 2-3-mal die Woche). Da kamen vielleicht 5-6 Zigaretten dazu. Am Wochenende vielleicht auch mal eine Packung. Nur so aus Geselligkeit natürlich. Und ich rauchte aus Genuss. Das heißt immer zum Kaffee, nach dem Essen, beim Bier, in der Kneipe, nach dem Sex, zum Entspannen, zur Anregung, nach dem Frühstück, in der Pause….. Der Genuss gehört eben dazu. Eigentlich hätte ich rundum glücklich sein müssen, so oft wie ich genoss. Einige – aber nur ganz wenige Zigaretten – rauchte ich auch unbewusst oder automatisch. Wenn andere rauchten oder einfach so, ohne Grund. Naja, wenn man alles so zusammenzählt, waren es vielleicht doch mehr als 5-10. Sagen wir 15. Vielleicht ganz selten mal 20-25. Nur ab und zu natürlich. Ok. Häufiger. Ich war aber nie süchtig. Ich rauchte aus Genuss, seitdem ich 16 Jahre alt war. Immer freiwillig. Gerne. Meistens.
Ich schätze, so ähnlich geht es vielen Rauchern. Am Abend ist man entsetzt, wenn die Packung leer ist. „Mist, nur noch eine drin“, also noch mal schnell vor die Tür, „ich hol besser noch eine…nur so zur Sicherheit...ich meine, weil ich eben gerne rauche.“
Rauchen Sie immer gern?
Wahrscheinlich nicht, sonst hätten Sie das Buch nicht gekauft. Vielleicht haben Sie auch schon 3-4 Aufhörversuche hinter sich. Ab und zu und mit der Zeit immer häufiger, hasst man das Rauchen. Vor allem wenn man rauchen „muss“ und keine Zigaretten im Haus sind. Wenn man zu den unmöglichsten Zeiten zur nächsten Tanke dafür fahren muss. Wenn man mit einem Rauchkater nach einer durchrauchten Partynacht aufwacht. Wenn man morgens den zähen Schleim abhustet. Wenn man mal wieder rauchend in der Kälte vor der Tür steht und die anderen weiterfeiern. Wenn man wieder einen nervigen Nichtraucher um sich hat. Wenn man das Gefühl hat, JETZT rauchen zu müssen, aber nicht kann, und die Gedanken um nichts anderes mehr kreisen. Wenn man es sich nicht zutraut, aufzuhören, und dies stark am Selbstbewusstsein nagt. Immer dann hasst man das Rauchen. Mit der Zeit nahm bei mir wie bei allen Rauchern das „Gerne“-Rauchen immer mehr ab. Mir war nur nicht klar, wie ich das „Rauchen-Müssen“ in den Griff bekommen könnte. Solche Zweifel behält man natürlich für sich. Das Hin und Her im Kopf ist eben reine Privatsache und geht niemanden etwas an.
Eigentlich würde man ja lieber nicht rauchen, wenn man nicht das diffuse Gefühl hätte, dass es furchtbar frustrierend wäre, in bestimmten Situationen nicht mehr zu rauchen. Ganz sicher würde man das Leben viel weniger genießen und das Rauchen dann vermissen. Und auf jeden Fall wäre es ganz schwierig, Nichtraucher zu bleiben. Die meisten Raucher sind ständig zwischen Aufhörwunsch und Genusswunsch hin und her gerissen. „Jetzt“ ist nicht der richtige Zeitpunkt, also raucht man erst mal weiter, bis er sich einem irgendwann vielleicht offenbart, der richtige Zeitpunkt. Hofft man. Diese Offenbarung lässt bei den meisten Rauchern einige Jahrzehnte auf sich warten. Nach 10 Jahren, 100.000 weiteren Zigaretten, 25.000 € ärmer und mit chronischem Raucherhusten ist man dann vielleicht endlich soweit.
Die wenigsten Raucher sind in ihrem sonstigen Leben so unentschieden. Die meisten Raucher wissen zumindest genau, was sie nicht wollen und setzen Dinge, die ihnen wichtig sind, auch durch. Ob das nun im Beruf oder privat ist. Beim Rauchen ist das anders: Warum wollen so viele Raucher immer aufhören und rauchen dann trotzdem weiter? Was genießt man am Rauchen eigentlich so? Warum haben wir so viel Angst davor, aufzuhören? Warum verlieren wir die Kontrolle über das Rauchen? Und wie schafft man am besten den Absprung von der Zigarette, wenn man sich dazu entscheiden würde? Ich sage bewusst „entscheiden würde“, denn ich gehe davon aus, dass Sie erst einmal in das Buch hineinschnuppern wollen und Sie noch nicht sicher sind, ob Sie überhaupt aufhören wollen. So habe ich das Buch zumindest angelegt. Seien Sie kritisch. Glauben Sie mir nichts, was ich Ihnen nicht beweise. Erst einmal ist es toll, dass Sie sich dazu entschlossen haben, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Herzlichen Glückwunsch.
30% Ex-Raucher in Deutschland
Es gibt genau so viele Ex-Raucher in Deutschland wie Raucher. 30% Raucher stehen also 30% Ex-Rauchern gegenüber. Alle diese Ex-Raucher haben es geschafft, vom Nikotin loszukommen! „Na gut“, werden Sie sagen, „jeder Zweite hat es also geschafft. Meine Chancen stehen also 50 : 50.“ Nein, es haben viel mehr geschafft. Es gibt statistisch nur deshalb so viele Raucher, weil immer noch viele Kinder und Jugendlich mit dem Rauchen beginnen. Zwischen 18-39 Jahren rauchen 44% der Männer mit mittlerem Einkommen und sogar 51% mit niedrigem Einkommen. Außerdem: In den 70er Jahren, als die Generation der heute 60 jährigen in diesem Alter war, lag der Raucheranteil der Jüngeren sogar noch bei 60%. Also 6 von 10 Männern in diesem Alter haben geraucht. Von den Rauchern dieser Generation rauchen heutzutage aber nur noch 13%!! Es haben also viel mehr als die Hälfte der Raucher geschafft, aufzuhören, wenn man die Jungen herausrechnet! Tatsächlich schaffen es 79% der Raucher aufzuhören!! Anders ausgedrückt: 8 von 10 Rauchern schaffen es, Nichtraucher zu werden!! Diese Zahl sieht doch schon ganz anders aus. Natürlich können Sie dazugehören.
Sind Ex-Raucher weniger glücklich?
„Ganz sicher vermissen alle diese früheren Raucher etwas“, werden Sie einwenden. „Und auf die Zigarette nach dem Essen will ich auf keinen Fall verzichten.“ Aber tatsächlich haben diese Raucher es nicht nur geschafft, Nichtraucher zu werden, sondern sie vermissen auch nichts. Denn bei einem 30%-Anteil von Ex-Rauchern würden Sie sonst ständig hören, wie sehr diesen die Zigaretten zum Genuss fehlen und welch ein ständiger Verzicht das Nicht-Rauchen ist. Das ist aber nicht der Fall. Tatsächlich denken 99% der Ex-Raucher, also Nichtraucher, so wenig über Zigaretten nach, dass sie es noch nicht einmal für erwähnenswert halten, früher einmal selbst geraucht zu haben.
Große Befragungen unter Ex-Rauchern zeigen, dass diese ihr Leben glücklicher oder genauso glücklich, aber keinesfalls weniger glücklich oder befriedigend einschätzen.[1] Das müssen Sie mir jetzt nicht glauben, und im Gegensatz zu anderen Buchautoren werde ich Ihnen jetzt nicht einreden, dass Sie ohne Zigarette glücklicher sein werden, nur weil es mir vielleicht so ging. Ich werde Ihnen stattdessen immer wieder Studien mit tausenden von Rauchern und Ex-Rauchern zeigen, um Ihnen die diffuse Ungewissheit und Angst vor dem Aufhören zu nehmen. Von Ex-Rauchern kann man so viel lernen! Wie ging es diesen Rauchern, als sie aufhörten? Was sind Vorurteile über das Aufhören? Treffen meine Befürchtungen zu, dass ich dann für immer etwas vermissen würde? Mit hoher Wahrscheinlichkeit? Oder eher nicht? Das sollten Sie vor dem Aufhören ganz genau wissen. Und mit ziemlicher Sicherheit werden Sie dann, wie die meisten Raucher, schon nach einem kurzen Zeitraum der Zigarette nicht nachtrauern und nichts vermissen. Mehr dazu in Kapitel 9.
Nikotin hält uns fest im Griff – Die körperliche Abhängigkeit
Sicher sind Sie davon überzeugt, dass es furchtbar schwierig wird aufzuhören. Das geht fast jedem Raucher so, der aufhören möchte. „Es war nicht leicht, aber wesentlich leichter als ich dachte“ ist eine ganz typische Erfahrung. Ungewissheit und Ängste behindern uns, den ersten Schritt zu wagen. Und tatsächlich sind die meisten Probleme, Erwartungen und Ängste bei Rauchern sehr ähnlich. Dies liegt an der Funktionsweise des Nikotins im Gehirn. Sobald Nikotin abgebaut wird und das Gehirn verlässt, stellt sich ein diffuses Gefühl der Unruhe ein. Dieses Gefühl kann sich im Extremfall bis zu Angst und Panik steigern, wenn der Nikotinspiegel im Blut stärker sinkt. Das Gefühl der Angst entsteht durch fehlende Botenstoffe im Gehirn. Durch die Dauerbombardierung mit Nikotin hat sich die normale Ausschüttung der Botenstoffe verändert, erholt sich aber nach wenigen Wochen.
Viele rauchen bei Stress, zur Konzentration, zur Anregung, zum Entspannen, und um die Stimmung zu verbessern. Aber hilft die Zigarette wirklich bei Stress? Macht Rauchen uns konzentrierter, regt es uns an, entspannt es uns, verbessert es die Stimmung? Dann wäre Rauchen ein Vorteil. Und wenn man aufhört, würde man logischerweise hierauf verzichten. Davon sind Raucher fest überzeugt. Natürlich raucht man wegen dieser Vorteile – warum sonst. Oder löst das Nikotin unter dem Strich mehr Stress, Unruhe, Energie- und Gefühlsschwankungen aus? Das würde bedeuten, dass Rauchen kein Vorteil wäre. Dann müsste man sich nach dem Aufhören stressresistenter, entspannter und besser in seiner Haut fühlen. Dieser Frage sind namhafte Wissenschaftler in vielen Studien mit Rauchern und Ex-Rauchern genau nachgegangen. Und die Ergebnisse sind ungeheuer spannend! Mehr dazu in Kapitel 8
Die Konditionierung - Die psychische Abhängigkeit
Nikotin macht uns nicht nur körperlich abhängig durch den Umbau des Botenstoffsystems im Gehirn, sondern Nikotin sorgt auch dafür, dass wir auf viele Rauchsituationen konditioniert sind. Wir „überlernen“, unter Nikotineinfluss bestimmte Situationen ganz fest mit der Zigarette zu verknüpfen, und diese konditionierten Situationen wirken dann als direkter Impuls zur Zigarette zu greifen, zum Beispiel zum Kaffee, wenn andere rauchen, zum Alkohol, nach dem Essen ….. Dann rauchen wir „einfach so“. Unabhängig vom Nikotinspiegel. Beobachten Sie einmal bewusst andere Raucher. Sie werden erstaunt sein, wie automatisiert und unbewusst diese Rauchimpulse ausgeführt werden.
Genauso gut können es auch emotionale Situationen sein, die als Rauchauslöser dienen. Bei Stress oder schlechter Stimmung – weiß man genau, wie man das Grundgefühl mit einer Zigarette anheben kann. Mit 70.000 Zügen pro Jahr konditioniert man dieses Verhalten immer wieder. Viele Raucher fragen sich ein Leben lang, warum sie jetzt schon wieder Lust auf eine Zigarette haben, wo sie doch eben erst geraucht haben. Erst seit kurzem versteht man, wie diese Konditionierung von Rauchauslösern funktioniert. Es ist der Hauptgrund, warum wir immer weiter rauchen und warum Nikotin so abhängig macht. Seien Sie also gespannt auf Kapitel 11.
Geduld für das Verlernen
Während Sie körperlich nach dem Rauchstopp nach wenigen Tagen schon clean – also nikotinfrei – sind, müssen diese gelernten Situationen erst nach und nach „verlernt“ oder „entkonditioniert“ werden. Die gute Nachricht: Wenn Sie einmal diese Gehirnwäsche beseitigt haben, ist auch die Lust zu rauchen weg. Ein gutes Essen wird dann nicht mehr durch eine Zigarette zum Schluss noch besser und der Kaffee ist genauso anregend ohne dazu zu rauchen. Sie werden nie wieder darüber nachdenken. Millionen Ex-Raucher können das bestätigen. Und auch Sie haben, bevor Sie anfingen zu rauchen, als Kind nie im Entferntesten daran gedacht ein Eis, ein Stück Kuchen oder die Portion Pommes mit dem Inhalieren von Rauch danach noch zu verbessern.
Die Taschenspielertricks des Nikotins
Voraussetzung für das Aufhören ist es, die Taschenspieler-Tricks des Nikotins genau zu durchschauen. Die Droge Nikotin gaukelt Ihnen vor, dass Zigaretten schmecken und Sie sich besser damit fühlen. Das erfahren Sie ganz real. Dieses Gefühl kennt jeder Raucher. Tatsächlich aber rauchen Sie hauptsächlich gegen die Unruhe und Leere der Nikotin-Entzugserscheinungen an und fühlen sich dadurch erst besser. Das müssen Sie jetzt überhaupt noch nicht akzeptieren! Wenn Sie den Mechanismus aber einmal durchschaut haben, dann können Sie sich leicht dazu entschließen, aus dem Teufelskreis auszusteigen. Dazu sollten Sie das Buch ganz unvoreingenommen lesen und für Neues offen sein. Ich möchte Sie zu nichts überreden! Sie sollten sich auch nicht von Partnern oder anderen Menschen unter Druck setzen lassen. Hier geht es nur um Sie! Und Sie dürfen und sollten weiterrauchen, während Sie das Buch lesen. Ich möchte, dass Sie sich vollkommen entspannt beim Lesen fühlen.
Bitte reduzieren Sie das Rauchen auch nicht! Das setzt Sie unnötig unter Druck und macht jede einzelne Zigarette wichtiger als vorher.
Bitte rauchen Sie weiter!
Ich möchte auch aus einem weiteren Grund, dass Sie weiterrauchen. Nur so können Sie Ihr Rauchverhalten unter die Lupe nehmen und auch andere Raucher, ohne selber zu schmachten, genauer beobachten. Je besser Sie wissen, wann Sie rauchen, was gefühlsmäßig typische Rauchauslöser bei Ihnen sind, was Sie persönlich am Rauchen mögen und auch, was Sie am Rauchen hassen, warum Sie vielleicht aufhören möchten und welche Ängste Sie beim Aufhören haben, desto leichter werden Sie aufhören können. Ich kann Ihnen zwar wichtige Fragen stellen und viele Denkanstöße geben, aber nur Sie können sich selbst die richtigen Antworten geben. Nehmen Sie sich dazu etwas Zeit. Es geht um nichts weniger als um Ihr Leben. Es könnte eine der weitreichendsten Entscheidungen im Leben für Sie sein. Eines Ihrer wichtigsten Projekte. Wenn Sie sich dann tatsächlich entscheiden sollten, die letzte Zigarette zu rauchen, helfen Ihnen Ihre Antworten enorm weiter. Warum? In den ersten Wochen nach dem Rauchstopp müssen Sie sich genau daran erinnern können, was Sie erreichen wollten. Egal, was Ihnen das Suchthirn einflüstern will. Sie haben Ihr Ziel festgehalten und klar vor Augen. So schaffen Sie es.
Zusätzliche Motivation: Gesundheit
Nein: Ich werde Sie im Buch nicht mit gesundheitlichen Horrorszenarien quälen. Das bringt Sie nicht weiter. Erzeugt nur Abwehr. Täglich auf der Zigarettenschachtel sehen Sie, dass Rauchen schädlich ist. Und hat es geholfen? Nein. Es nervt. Nur 5 Seiten im Buch habe ich der Gesundheit gewidmet. Vielleicht 5 Seiten, und zwar wo Raucher eine Art Milchmädchenrechnung mit Risikovergleichen und selbstgebastelten Einzelfallbetrachtungen aufmachen, um weiterrauchen zu können. Nach dem Motto: „Ach, Umweltgifte sind doch genauso gefährlich wie rauchen“ „Es wird mich schon nicht erwischen“ oder „Mein Onkel Fritz raucht und ist schon 85“. Gefolgt vom Klassiker: „An irgendetwas muss man ja sterben“. Die Frage ist nur: Wann und Wie? Welches Risiko haben Sie als Raucher wirklich? Dazu gibt es sehr genaue Zahlen. Bei jeder anderen Entscheidung, die Ihr späteres Leben so stark betreffen wird, sammeln Sie doch auch erst einmal Informationen. Natürlich vermeidet man als Raucher diese Informationen möglichst, um in Ruhe weiterzurauchen. Aber das Verdrängen der Ängste um die eigene Gesundheit weg ins Unterbewusste bindet viel Energie. Dort bleiben die Ängste aktiv und müssen ständig weggedrückt werden. Schlimmer noch: sie nagen am Selbstwertgefühl, weil man genau weiß was man sich antut.
Sich mit den Folgen des Rauchens zu beschäftigen, löst zwar zuerst einmal Stress und Ängste aus. Vielleicht rauchen Sie auch ganz kurzfristig einige Zigaretten mehr, um diesen Stress mit etwas Nikotin wegzudrücken. Das ist vollkommen Ok! Aber dann formiert sich dieses Wissen zu einem großen Bild und der Blick in die Realität motiviert zum Aufhören.
Aber…
Vor allem Nichtraucher meinen immer, man könnte das Rauchen aufgeben, wenn man endlos bespricht, warum man das Rauchen besser sein lassen sollte. Das funktioniert so natürlich überhaupt nicht. Sie rauchen ja nicht wegen der Gründe, warum Sie es lieber sein lassen sollten, sondern wegen der Gründe, warum Sie gerne rauchen! Das heißt auch: Die Gründe, warum Sie „gerne“ rauchen, muss man genauer anschauen. Ohne das „gerne Rauchen“ durchschaut zu haben, würden Sie immer den gefühlten Vorteil des Rauchens „aufgeben“, statt für immer und ohne Reue endlich auszusteigen. Ist Rauchen wirklich ein Gewinn für das Lebensgefühl? Fühlen Sie sich besser damit? Erst wenn Sie sich am Ende des Buches darauf eine Antwort gegeben haben, gebe ich Ihnen noch einen ganz kleinen Motivationsschub mit der Gesundheit. Denn wie jeder andere möchten Sie natürlich gerne lange leben. Das Suchthirn will uns zwar einflüstern, dass wir lieber „jetzt genießen“ und „sowieso an irgendetwas sterben müssen“. Aber tief im Unterbewussten ist Ihr Lebensinstinkt kraftvoller. Ihr Unterbewusstes lässt sich nicht täuschen. Sie wissen es schon immer: Länger leben ist wichtiger als länger rauchen! Auch wenn Sie vielleicht noch nicht wissen, wie Sie dies praktisch umsetzen können.
Aufhören ohne zuzunehmen
Einer der Hauptgründe, warum viele mit dem Aufhören zögern, ist die Angst zuzunehmen. Aber hält Rauchen wirklich schlank? Oder nehmen wir nur zu, weil wir vorher geraucht haben? Sind Raucher statistisch schlanker als Nichtraucher? Die Ergebnisse sind erstaunlich! Warum hat man Hunger, wenn man aufhört? Warum unterstützt Süßes das Suchtverhalten und lässt Sie leichter rückfällig werden? Was steht hinter Gewicht und Rückfällen? Wie schafft man es, nicht zuzunehmen? Ganz einfach. Ohne Aufwand. Seit 20 Jahren schreibe ich in diesem Bereich. Die Bücher sind in 15 Sprachen übersetzt. Ich will NICHT Ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen. Hier geht es nur um Gewichthalten, damit Sie besser aufhören können zu rauchen. Es muss daher praktisch sein (Kapitel 18-22). Mir hat in allen Raucherbüchern dieser Teil, wie man nicht zunimmt, gefehlt.
Ihre Sicht auf das Rauchen
Was wäre nötig, um Ihre Ansichten über sich als Raucher und die Rauchkultur im Allgemeinen auf den Prüfstein zu stellen? Es wäre wichtig, da Sie später sonst immer ein Gefühl der „Rauchnostalgie“ haben. Es geht dabei um die sozialen Aspekte des Rauchens. Für mich war Rauchen & Geselligkeit immer Eins. Ich wollte dazugehören. Es war für mich ein selbstverständlicher Teil der Kultur. Ich habe mich immer mit anderen Rauchern identifiziert. „Raucher sind lockerer und die netteren Menschen.“ Jeder hat seine eigene Raucherpersönlichkeit und den Blick darauf, wie man sich als Raucher gerne sieht. Je älter sie werden, desto unabhängiger werden sie von Gruppenzugehörigkeiten und Werbebotschaften, die eher zum Anfang einer Raucherkarriere passen. Deshalb hören die meisten Raucher auch im Alter von 40-50 Jahren auf.
Schauen Sie mit Ihrer heutigen Reife noch einmal auf sich zurück in die Anfänge Ihrer Raucherkarriere. Wie wurden Sie über Jahre hinweg mit Werbung in Ihrer Sichtweise des Rauchens beeinflusst? Wie hat die Zigarettenindustrie Sie als Kind und Jugendlicher geködert? Wie wurden Raucher jahrzehntelang über das suchtauslösende Nikotin belogen? Wie manipuliert die Nikotinindustrie die Sucht durch Zusatzstoffe? Wie hat die Zigarettenindustrie Forschungsergebnisse zu den gesundheitlichen Folgen durch Auftragsforschung verfälscht? Nur damit gesagt werden kann, es gäbe „unterschiedliche, strittige Expertenmeinungen“. Wie besticht die Tabaklobby Politiker und Wissenschaftler?
Sicher wissen Sie einiges darüber, vieles vergisst man aber auch. Die spannenden Filmdokumentationen, die Sie auf der begleitenden Homepage anschauen können, verdichten dieses Wissen. Diese Verdichtung ist als Unterstützung ganz entscheidend beim Rauchstopp. Nehmen Sie sich dafür Zeit. Es ist Teil des 30-Tage-Programms und ausgesprochen unterhaltend. Spannend wie ein Krimi. Der veränderte Blick auf die sozialen Aspekte des Rauchens, die Werbelügen und die Tricks der Nikotindealer wirken von innen. Sie können sich verdichten zu einem „Jetzt langt´s mir. Ich höre auf.“ oder „Ich lasse mich nicht länger manipulieren“. Es ist ein kleiner, aber wichtiger Baustein, um sich von der Zigarette für immer verabschieden zu können. Rauchen war ein wichtiger Teil in Ihrem Leben. Nun können Sie ein neues, spannenderes Kapitel für Ihr Leben aufschlagen.
Sie können nicht verlieren, nur gewinnen
„Ich habe fast 3 Monate gebraucht, das Buch zu lesen. Je langsamer ich lese, desto später muss ich aufhören.“ Sie müssen gar nichts. Nur Sie entscheiden, ob Sie weiterrauchen oder nicht. Vielleicht wollen Sie am Ende des Buches nicht mehr rauchen. Ein Tipp: Lesen Sie das Buch zügig durch, sonst verdichtet sich das Wissen nicht. Sie sammeln jetzt einfach Informationen. Das ist positiv. Erst einmal betrachten wir alle Puzzlesteine dieses spannenden Verhaltens. Mehr nicht.
Am liebsten würden wir alles beim Alten lassen, denn Veränderungen im Leben lösen immer Ängste aus. Nur diese Angst vor dem Ungewissen setzt Ihnen Grenzen im Leben. Und: Sie geben nichts auf, sondern Sie fangen etwas Neues an! Das ist etwas ganz anderes. Statt etwas zurückzulassen, können Sie sich also auf etwas Neues freuen: Ein Leben, in dem Sie schon nach kurzer Zeit Stress besser verkraften können und emotional stabiler sind. Freuen Sie sich darauf, sich jeden Tag körperlich fitter und leistungsfähiger zu fühlen. Gesundheitsängste werden verschwinden und neue Energien freisetzen. Ihre Selbstachtung nimmt zu, weil Sie es geschafft haben. Weil Sie die Angst überwunden haben, der Rauchfalle entkommen und Ihre Freiheit wieder zurückerobert haben. Es könnte die wichtigste Entscheidung für Ihr Leben sein. Sie können nicht verlieren! Denn: im schlechtesten Fall würden Sie einfach weiterrauchen, so wie jetzt. Im besten Fall gewinnen Sie 14 Jahre Lebenszeit. So viel? Ja, denn 14 Jahre verliert ein Raucher im Durchschnitt an Lebenszeit, der bis an sein Lebensende täglich 20 Zigaretten weiterraucht.
Täglich tun Sie Dinge, die beweisen, dass Sie für die Zukunft planen und fest damit rechnen, noch lange da zu sein. Sie schnallen sich im Auto an, schließen Versicherungen ab, zahlen Ihr Haus ab und freuen sich auf Enkelkinder. Es ist Ihnen also ganz und gar nicht egal, was in der Zukunft passiert! Betrachten Sie mit dem Buch & der Homepage Ihr Rauchen noch einmal durch eine andere Brille. Unvoreingenommen. Dann treffen Sie Ihre Entscheidung, ob Sie „gerne“ weiterrauchen oder zu etwas Neuem aufbrechen. Millionen Ex-Raucher haben es geschafft und werden es Ihnen bestätigen: Sie werden Ihr Leben mindestens genauso oder sogar mehr genießen ohne Nikotin, und Sie werden nichts vermissen.
„Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr.“
Marie Curie
So funktioniert das Buch
Rauchen ist ein komplexes Verhalten wie ein Puzzle. Sonst würden nicht Millionen Menschen in die Nikotinfalle tappen und erst Jahrzehnte später mit 50.000 bis 60.000 € weniger Geld in der Tasche und mit ruinierter Gesundheit wieder herausfinden. Ich werde für Sie dieses Rauch-Puzzle Stück für Stück entnebeln und auseinandernehmen. Viele kleine Details spielen eine Rolle, warum Sie immer weiterrauchen. Und diese Puzzlesteine lohnen genauer betrachtet zu werden. Dann fügt alles sich auf einmal zu einem ganz neuen Gesamtbild zusammen. Sie wollten eigentlich nur ein paar Tipps und ein schnelles Rezept zum Aufhören? Dann hören Sie vielleicht schnell auf, aber schon sehr bald wird Sie eines der gewohnten Denkmuster wieder einholen. Schneller als Sie es wahrhaben wollen, ist dann wieder eine brennende Zigarette in Ihrer Hand. Ich weiß, wovon ich rede! Vertrauen Sie mir: Erst verstehen, dann handeln.
„Wenn Du Dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten.“ Sunzi, Die Kunst des Krieges
YouTube links auf der Homepage
Spannende YouTube links finden Sie auf der Seite www.nichtraucherin30Tagen.de Wir haben frei verfügbare Internet-Inhalte für Sie passend zu den Kapiteln zusammengestellt. Bilder sagen mehr als tausend Worte! Die Dokumentationen und kurzen Spots vertiefen Ihr Wissen und helfen beim Aufhören.
Teil 1
Rauchen Sie „gerne“?

1. Vom „gerne“ zum „gerne müssen“
Wie sehr genießen Sie das Rauchen?
Ein langer, stressiger Tag ist vorüber und Sie wollen es sich gut gehen lassen. Eine Zigarette…klick….Was gibt es Schöneres? Sie ziehen den Rauch wohlig ein. Eine kleine Rauchwolke zieht friedlich gen Himmel. Und die Welt tickt einen Moment langsamer und angenehmer. Wir rauchen zur Entspannung. Wenn es Stress gibt. Für eine Auszeit. Nach dem Essen. Zum Genuss….Es gibt viele angenehme Anlässe. Dann sollten Sie doch nichts dagegen haben, wenn auch Ihre Kinder etwas Genuss im Leben haben. Also nach einem anstrengenden Schultag erst mal den Stress wegrauchen und sich besser fühlen. Oder wenn die erste Freundin vom Kumpel ausgespannt wurde. Da muss man doch erst mal eine rauchen, um das miese Gefühl besser zu verkraften. Die Kindheit ist schon hart genug. Aber ohne Zigaretten lässt sich der ganze Stress und die Achterbahnfahrt der Gefühle doch wirklich nur schwer ertragen. Allein schon dieses ewige Warten auf den Bus, um zur Schule zu kommen, oder die nervige Mutter, die einen pünktlich abholen sollte. Mit Rauchen wäre das viel besser zu ertragen. Und wozu bekommt man schon sein Taschengeld? Doch wohl, damit man sich etwas gönnt.
Hier bekommt der Film vom „Ich rauche gerne“ meist einen Riss. Nachdem viele Raucher mir alle möglichen Vorteile des Rauchens aufgezählt haben, zucken sie zusammen bei der Frage, ob sie die Kinder der Nachbarin auch schon zum Rauchen animiert haben…. Warum erzählt man als Raucher überhaupt ständig, weshalb man so gerne raucht? Ich gehöre zu den Menschen, die so gut wie nie das Gefühl haben, sich für die eigene Lebensweise rechtfertigen zu müssen. Und hab’s, was das Rauchen angeht, trotzdem ständig getan. Mit der Zeit wurde mir aber immer klarer, dass ich wahrscheinlich die Vorteile des Rauchens eher für mich selbst aufzählte, wie um mir selbst immer wieder zu beweisen, dass es Ok ist.
Das Rauchen ist wirklich eine verzwickte „Gewohnheit“. Wenn wir nicht rauchen, wollen wir es unbedingt. Und wenn wir dann rauchen, würden wir es lieber nicht tun müssen, glauben aber, es zu genießen. Und obwohl wir es genießen, wollen wir es trotzdem niemandem weiterempfehlen und lieber selbst irgendwann aufhören.
Ihre erste Zigarette
Können Sie sich noch an Ihre erste Zigarette erinnern? Haben Sie sie mit einem Freund zusammen geraucht oder gehörten Sie zu denen, die sich ihre erste Zigarette besorgt haben, um alleine damit zu experimentieren, damit Sie danach gleich als cooler, routinierter Raucher auftreten konnten? Haben Sie sich auch zu Beginn die Lunge aus dem Leib gehustet? Dieser trockene, beißende Qualm: eklig! Es wird einem mulmig, übel und schwindelig, man japst nach Luft, die Bronchien ziehen sich zusammen und man will den Rauch so schnell wie möglich wieder raushusten. Eine natürliche Reaktion. Rauch bedeutet immer Gefahr. Unser Instinkt ist seit Millionen Jahren darauf vorprogrammiert.
Heute husten unsere Kinder etwas weniger als wir vor 20 Jahren. Wieso? Die Zigarettenindustrie hat eine Vielzahl von Stoffen in den Tabak gemischt, welche die Bronchien erweitern und beruhigen, die Luftröhre leicht betäuben und den Rauch frischer schmecken lassen. Kinder und Jugendliche sind schließlich die wichtigste Zielgruppe der Zigarettenindustrie. Nur 5% fangen nach dem Alter von 21 Jahren überhaupt noch an zu rauchen. Und wenn, werden diese häufig leichte und soziale Raucher. Das heißt für die Industrie: Man muss die Zielgruppe möglichst früh gewinnen. Junge Menschen lassen sich nicht nur am besten beeinflussen, sondern junge Gehirne sind leichter zu prägen und werden wesentlich schneller abhängig vom Nikotin. Schon nach wenigen Zigaretten lassen sich die ersten Veränderungen im Gehirn durch das Nikotin feststellen. Und für mehr Umsatz und Gewinne braucht die Industrie viel, sehr viel Rauchernachwuchs, denn versetzen Sie sich mal in die Lage der Zigarettenindustrie: Die besten Kunden sterben zu früh weg und die anderen hören wegen anderer dummer Gründe auf zu rauchen.
Endlich gehören wir dazu
Zurück zu Ihrer ersten Zigarette. Jeder Jugendliche möchte zu der Welt der Erwachsenen dazu gehören, zu der Clique, zu den Coolen, die viel besser drauf sind als die pickligen, Zahnspange tragenden Mitschüler. Und dann diese peinlichen Momente in der Disco… mit der Zigarette hatten wir endlich etwas Cooles in der Hand, an dem wir uns festhalten konnten. Wenn das zweite teure Getränk leer war. Wenn die Theke brechend voll besetzt war und man den Ellenbogen nicht lässig anlehnen konnte. Wenn man sich beobachtet fühlte. Auch wenn uns ein süßes Mädchen die Sprache verschlug. Bevor man Unsinn stammelte, konnte man eine Zigarette anbieten und die Situation war gerettet. Cool war das.
Erinnern Sie sich auch an die ersten Züge? Erst mussten wir fleißig üben, um den stechenden Rauch tief inhalieren zu können und ohne Husten wieder aus der Lunge strömen zu lassen. Das elegante Hantieren mit Zigarette und Feuerzeug musste geprobt werden. Auch das geniale Rauchausblasen aus dem Mundwinkel oder in eine andere Richtung, ohne das Gegenüber aus den Augen zu verlieren. Endlich gehörten wir dazu und waren also Raucher! In Filmen und Soap Operas hatten wir es ja auch schon lange gesehen. In 70% aller US-Filme wird geraucht. Unsere Filmidole rauchten beim Kennenlernen, bei schwierigen Aufgaben zur Konzentration, nach dem Sex zur Entspannung, in der Bar und bei allen möglichen anderen Anlässen. Was also sollte wohl so Schlechtes daran sein, wenn diese Identifikationsfiguren uns immer wieder vorführten, wie normal es ist zu rauchen.
Der Fluch des Normalen
Das Geheimnis der Zigarette als Droge ist, dass sie am Anfang absolut nicht schmeckt. Niemand kann sich vorstellen, von dem ekligen Rauch abhängig zu werden. Auch das ganze Handling der Zigarette nervt. Als Anfänger hält man sie noch weit genug von sich weg, damit einem der Rauch nicht in die Nase zieht. Man verrichtet seine „Pflichtzüge“, vielleicht 5-6 mal nötigt man sich den eklig schmeckenden Rauch auf. Genuss ist etwas anderes. Aber man will ja dazugehören, am Anfang. Man lässt die Zigarette zur Not unauffällig vor sich hin kokeln und sieht voll cool aus. Von der Lust zu rauchen, davon ist keine Rede bei den allerersten Zigaretten im Raucherleben.
Kaum einer fühlt sich bei seinen ersten Zigaretten irgendwie besser. Angeregter, high, beschwingter. Null. Vielleicht ein kleiner Kick im Kopf. Vergleicht man dagegen die Wirkung anderer Drogen: Von Alkohol wird man enthemmt, lustig, kontaktfreudiger. Die billige Partydroge Ecstasy führt zur Ausschüttung des Glücksbotenstoffs Serotonin und macht glücklich, heiter, zufrieden, bringt die Leute einander näher, verwischt die Grenzen zwischen einem selbst und den Tanzenden nebendran. Das ungehemmte Partygefühl von Raves ist speziell. Marihuana entspannt, man wird high, stoned, alles ist easy und ist gut drauf. Kokain wirkt dagegen anregend auf das Nervensystem, die Gedanken und Ideen sprühen nur so, jedes Gefühl wird intensiviert. Das soll jetzt keine Werbung für diese Drogen sein. Auch diese Drogen nutzen sich schnell ab. Die ersten paar Mal geben sie aber zumindest einen gewissen Kick. Aber was tun die ersten Zigaretten für uns im Vergleich zu diesen Drogen? Nichts. Nikotin ist als Droge für den Rauchanfänger in jeder Hinsicht ein absoluter Versager! Erst fühlt man sich beschissen und übel. Dann muss man es auch noch üben. Keiner von uns käme auf die Idee, von so einem Durchschnittsgefühl abhängig zu werden. Nikotin beamt einen so überhaupt nicht über die Normalität hinaus. Und das bei miesem Geschmack. Unmöglich, davon jemals abhängig zu werden! Sagten wir uns.
Die Zigarette macht im Gegensatz zu allen anderen Drogen am Anfang weder Spaß noch enthemmt oder berauscht sie. Zigaretten sind ein rein soziales Instrument: Dazugehören, erwachsen sein und cool wirken. Mehr nicht. Und genau das ist die große List des Nikotins.
Der rasend schnelle Umbau des Nervensystems
„Aber irgendwann fingen Zigaretten an, mir zu schmecken. Ich rauche heute gerne und finde es befriedigend. Keine Ahnung, warum ich mich nach einer Zigarette entspannter, ruhiger und wacher fühle.“ Jedes Gefühl entsteht zuerst durch chemische Botenstoffe im Gehirn. Durch Nikotin werden anregendes Dopamin und andere Botenstoffe ausgeschüttet. Das klingt erst einmal vorteilhaft. Diese Ausschüttung ist aber ganz minimal. Das gesunde Nervensystem des Rauchanfängers nimmt dies nicht als großartiges Plus, als Vorteil oder als glücklich machend wahr. Der kleine Kick im Kopf mit dem anschließenden, minimal kurzfristig benebelten Gefühl ist wirklich kaum der Rede wert. Trotzdem baut sich das Nervensystem unter dem Einfluss von Nikotin schon nach den ersten Zigaretten nachweislich um! Dort, wo das Nikotin andockt und es dann zu dieser kleinen Ausschüttung von Neurotransmittern (Glücksbotenstoffen) führt, werden die Andockstellen etwas weniger sensibel. So wird es für die körpereigenen Stoffe schwieriger, genügend Glücksbotenstoffe selber zur Ausschüttung zu stimulieren, um den gleichen Effekt zu erzielen.
Nun rauchen Sie ab und zu mal einfach eine Zigarette mehr, um der Zufriedenheit ein ganz klein wenig nachzuhelfen. Sie fangen an, „gerne“ zu rauchen, um sich wieder normal zu fühlen, auch wenn Sie das kaum merken, weil Sie viel zu beschäftigt sind, „dazu“ zu gehören und cool zu sein.
Rauchen wird erst befriedigend durch den Umbau des Gehirns
Das junge Gehirn im Wachstum passt sich schon nach wenigen Zigaretten an diese Nikotinwirkung an.[2] Schon bald kann man die ersten Abhängigkeitssymptome feststellen. Nach und nach baut sich das Nervensystem immer mehr um und damit einhergehend werden Zigaretten immer befriedigender. Das geht rasant schnell (wie rasant zeige ich Ihnen in Kapitel 9). In der schleichenden Veränderung des Nervensystems liegt das Geheimnis der Zigarette: Nikotin wirkt erst dann positiv und befriedigend, wenn das Nervensystem so weit umgebaut ist, dass wir einen leichten Mangel an Nervenbotenstoffen spüren – eine kleine Unzufriedenheit –, die wir dann mit Nikotin ausgleichen!
Während Nikotin für das nicht daran gewöhnte Nervensystem des Anfängers noch wenig Vorteile oder Genuss bietet, wirkt es ab dem Umbau wie eine Unterstützung für das veränderte Nervensystem. Nach und nach fangen wir an, „gerne“ zu rauchen, um diesen winzigen kleinen Auftrieb in das normale Gefühl zu bekommen, das wir von Natur aus vorher ohne Nikotin schon gratis hatten.
Nikotin: Eine harte Droge?
Der größte Hinterhalt der Zigarette ist, dass wir Nikotin wegen der anfangs fehlenden Wirkung nicht als abhängig machend wahrnehmen. Wir sind uns im jugendlichen Überschwang auch zu 100% sicher, dass wir von dieser minimalen Wirkung nicht abhängig werden könnten, wie unsere dummen Eltern oder andere ältere Raucher, die rauchen müssen.
Der Umbau des Gehirns macht das Rauchen erst befriedigend. Dieser Hinterhalt macht Nikotin zur harten Droge. Zu der abhängig machendsten Droge von allen Drogen. 38% aller Rauchanfänger (Jugendliche und Erwachsene zusammengerechnet) werden nikotinabhängig und rauchen für die nächsten 10-20 Jahre „gerne“. Im Gegensatz dazu werden 23% von Heroin, 17% von Kokain, 15% von Alkohol und 9% von Cannabis abhängig. Kinder und Jugendliche werden noch häufiger nikotinabhängig. 75% der jugendlichen Rauchanfänger rauchen auch als Erwachsene weiter.[3] „Harte“ und „weiche“ Drogen sind nur Kategorien der öffentlichen Wahrnehmung. Wenn man dagegen das Abhängigkeitspotenzial von Drogen bestimmt und wie lange es dauert, heroin- oder nikotinsüchtig zu werden, dann liegen Zigaretten vor allen anderen harten Drogen. Und an keiner anderen Droge sterben so viele Menschen. 5 Millionen sterben jährlich an den Folgen des Zigarettenkonsums. 140.000 alleine in Deutschland. Jährlich.
Jede andere Droge setzt zumindest einen Warnschuss. Man weiß, dass man auf Droge „nicht normal drauf“ ist und so auf Dauer nicht funktionieren kann. Dagegen kann man aber keine rauschhafte Wirkung der Zigarette beschreiben. Nur ein Gefühl nach einigen Packungen, dass man sich irgendwie besser fühlt und es genießt. Da sich dieser Genuss so unschuldig und normal anfühlt, dauert es lange, bis der Raucher sich darüber klar wird, dass er längst abhängig geworden ist und nicht mehr davon los kommt.
Würden Sie wieder anfangen zu rauchen?
Natürlich wussten wir nicht, dass wir, nachdem wir mit den ersten Zigaretten das Rauchen geübt haben, ein ganzes Leben lang weiterrauchen müssen. Wenn Sie heute nach 10 – 20jähriger Raucherkarriere zurückschauen und Sie könnten sich frei entscheiden, ob Sie die ersten Zigaretten noch einmal rauchen, wie würden Sie entscheiden?
„Ich würde wieder anfangen. Und nichts tut mir leid.“ Ok. Sie haben eine gute Zeit mit der Zigarette gehabt. Dazu kann man ruhig stehen. Aber vielleicht möchten Sie ein neues Kapitel im Leben anfangen. Sie sind noch unentschlossen. Ich will Sie zu nichts überreden. Das geht immer schief. Aber nichts muss Sie davon abhalten, in dieses Buch mal hineinzuschnuppern.
„Es wäre besser gewesen, wenn ich nicht angefangen hätte. Aber ich war zu doof damals, nein zu sagen.“ Mit ziemlicher Sicherheit waren Sie nicht zu doof. Die Werbung der Zigarettenindustrie war so raffiniert, die Hollywoodfilme prägten und prägen bis heute subtil, und der soziale Druck dazu zu gehören ist hoch!
„Ja, Mist. Wenn ich noch mal entscheiden könnte, würde ich mich nie wieder drauf einlassen“. Sie scheinen das Rauchen ziemlich satt zu haben. Wir müssen nur noch den Weg finden, wie Sie den Absprung schaffen.
Ab wann wollten Sie rauchen?
So gut wie Sie sich an Ihre erste Zigarette oder auch an die Marke erinnern, die Sie zum ersten Mal gekauft haben, so wenig erinnern sich Raucher daran, wann sie das erste Mal das Gefühl hatten, „gerne“ zu rauchen. Wann und wie oft haben Sie sich eine Zigarette geschnorrt, weil Sie auf einmal Gefallen daran gefunden haben und „Lust“ darauf hatten. Es gibt diesen Punkt, wo man nicht mehr einfach mitraucht, sondern „gerne“ raucht. Dies ist so subtil, dass man es gar nicht merkt.
Der nächste Schritt: Erinnern Sie sich, wann Sie das erste Mal eine Packung unbedingt kaufen „wollten“? Wahrscheinlich nicht. Denn dieses „Wollen“ interpretiert jeder erst einmal so: „Ach, eine Zigarette tut mir gut. Überall wird geraucht. Da muss ich mir also nix dabei denken, dass ich auch so gerne rauche.“ Mit der Zeit werden dann immer mehr Situationen „trainiert“, in denen Sie zusätzliche Zigaretten „gerne“ rauchen.
Es dauert dann oft Jahre, bis man als junger Erwachsener darüber nachdenkt, dass man es vielleicht „zu gerne“ tut. Sex & Parties & Drugs halten einen Jugendlichen erst einmal schwer auf Trab. Da ist kaum Platz, über sein Leben länger nachzudenken.
Einige 100.000 Züge später - Die erste Panik
Können Sie sich auch noch daran erinnern, wann Ihnen das erste Mal die Zigaretten ausgingen und Sie unbedingt JETZT eine rauchen wollten oder Sie in Panik gerieten, weil der Automat klemmte oder die Tankstelle bereits geschlossen war. Wahrscheinlich erinnern Sie sich nicht daran. Längst ist das Nervensystem so stark umgebaut, längst sitzt man so tief in der Nikotinfalle fest, dass einem das Rauchen-Wollen wie ein natürlicher Antrieb erscheint. Man hat die Kontrolle darüber verloren und muss rauchen.
Bei 20 Zigaretten pro Tag und 10 Zügen pro Zigarette fluten Sie Ihr Gehirn mit 73.000 Zügen Nikotin pro Jahr. Nach 7 Sekunden ist das Nikotin auch an den Andockstellen im Gehirn. Diese Andockstellen haben sich schon an die Flut des Nikotins gewöhnt, sind abgestumpft und brauchen immer mehr Nikotin, um eine Grundzufriedenheit herzustellen.
Nur allmählich – nach weiteren 50.000-100.000 Zügen pro Jahr – dämmert es Rauchern, dass man wie ferngesteuert ist. Da sind auf einmal so viele Situationen ohne Zigarette gar nicht mehr schön. Gute Dinge, wie ein schönes Essen, werden ohne Zigarette miserabel. Sie haben Ihr Gehirn perfekt mit jedem Zug programmiert. Mit tausenden von Zügen konditioniert. Zum Kaffee, beim Warten, nach dem Essen, vor dem Einstiegen in den Zug, nach dem Aussteigen, in der Pause, nach der Arbeit, mit Freunden, zum Bier, beim Telefonieren, nach dem Sex, an bestimmten Orten oder wenn Sie den Rauch von anderen schnüffeln. Wie automatisiert, ohne weiter darüber nachzudenken, greifen Sie zur Zigarette und nennen es „Gewohnheit“.
Weitere 100.000 Züge später rauchen Sie gegen den Stress an
Und dann? Vor allem Langweile und Stress werden immer mehr zum Rauchauslöser. Sie brauchen jetzt Nikotin, um Ihr Nervenkostüm herunterzufahren. Sie merken kaum, dass es jetzt das Nikotin selbst ist, das Ihren ganzen Körper – z.B. durch Ausschütten von Adrenalin – stresst oder Ihren Herzschlag hochfährt. Im Vordergrund steht die kurzfristige Erleichterung durch die Zigarette.
Wie haben Sie das bloß in der Schule verkraftet, als der Lehrer Ihnen eine 5 gegeben hat? Unglaublich, wie strapazierfähig Sie als Kind ohne Zigarette waren. Aber man wird halt älter und ist auch nicht mehr so in Form. Kein Raucher käme je auf die Idee, dass Rauchen schlapp macht. Denn vordergründig regen Zigaretten doch an. Oft beruhigen sie auch. Zwei gegensätzliche Wirkungen mit ein und derselben Droge.
Blicken Sie der Realität ins Auge: Kein Kind und kein Nichtraucher braucht je eine Zigarette, um sich besser zu fühlen. Der soziale Druck und der Wunsch „dazuzugehören“, ist der einzige Grund, mit dem Rauchen anzufangen. Auch Sie haben Zigaretten nie gebraucht, bis Sie die ersten Packungen geraucht hatten, die Andockstellen im Gehirn sich umgebildet haben und Sie dann auf einmal „gerne“ rauchen, um einen Mangel zu beheben.
Wie „gerne“ rauchen Sie?
Erst raucht man „gerne“. Einige 100.000 Züge später raucht man „getrieben gerne“. Einige von Ihnen sind vielleicht jetzt schon, nach einer langen Raucherkarriere von 10-20 Jahren oder 730.000 bis 2 Millionen Zügen an den Punkt gekommen, wo sie mit schlechtem Gewissen und schon spürbaren gesundheitlichen Folgen „gezwungen gerne“ rauchen müssen. Viele Kettenraucher haben längst das „Gerne“ hinter sich gelassen und machen sich keine Illusionen mehr über die Sucht. Sie ergeben sich dem Schicksal, weil man es einfach tun muss. „Ich komme nicht davon los. Ich rauche. Und Punkt.“
Je länger man raucht, desto mehr nimmt das „Gerne“ ab und das „Müssen“ zu. Dann ist meist der Zeitpunkt gekommen, an dem der Raucher aufhören möchte. Sie wissen selbst am besten, in welchem Stadium von „Gerne“ Sie gerade stehen. 30% der Raucher rauchen auf alle Fälle „so gerne“, dass sie einmal im Jahr versuchen mit dem Rauchen aufzuhören, es dann aber doch „zu gerne tun“, um tatsächlich davon loszukommen.
„Hurra, ich rauche“
Wenn Sie überzeugter Genussraucher sind, gibt es eigentlich keinen Grund, damit aufzuhören. Auf der anderen Seite, haben Sie beim Kauf einer Packung Zigaretten je gedacht: „Super. Es ist doch fantastisch, dass ich angefangen habe zu rauchen, denn was hätte ich sonst alles verpasst…“. Ehrlich gesagt, ich habe diesen Satz noch nie von einem Raucher gehört. Denn fast alle Raucher wären eigentlich lieber Nichtraucher. Und wer schon einmal aufgehört und wieder angefangen hat, fängt seine Geschichte fast immer so an: „….leider habe ich dann wieder eine geraucht“.
Alle Raucher beneiden Gelegenheits-Raucher, die es schaffen nur ein paar Zigaretten pro Tag zu rauchen und nicht weiter darüber nachzudenken. Nur 10% der Raucher gehört tatsächlich zu dieser Gruppe. 5 Zigaretten pro Tag. Das wäre doch ideal, denken Sie? Keineswegs. Wenn Sie als normaler Raucher, mit viel Willen Ihre Zigarettenzahl herunterdrücken und niedrig halten, wenden Sie dazu enorme Energie auf. Denn wer süchtig ist, möchte immer mehr rauchen und nicht etwa weniger. Sie verzichten also den ganzen Tag, meist aus gesundheitlichen Gründen, bis Sie sich dann endlich „die Eine“ gönnen. Diese Willens-Gelegenheits-Raucher erzählen mir nie „Hurra, ich rauche wenig. Ist das ein tolles Gefühl“.
Ist Rauchen eine Gewohnheit?
Die meisten Raucher erzählen von einer „Gewohnheit“ oder einer „dummen Angewohnheit“. Rauchen ist aber keine Gewohnheit, so als ob Sie gerne etwas essen. Gewohnheiten lassen sich jederzeit abstellen. Wenn ich in England auf der linken Straßenseite fahren muss, statt wie hier auf der rechten, schalte ich die Gewohnheit innerhalb von wenigen Sekunden um, schon wenn ich mit dem Mietwagen aus dem Flughafen fahre. Etwas länger dauert es dann, Blinker und Scheibenwischer nicht ständig zu verwechseln, die sich auch umgekehrt am Steuerrad befinden. Aber nach ein paar anfänglichen Fehlgriffen gelingt auch das. Ich stelle meine Gewohnheit ohne Probleme einfach um. Mir ist es auch noch nie vorgekommen, dass ich nicht rechts fahren darf und deswegen unruhig und nervös werde oder eine Panikattacke bekomme. Ich stehe auch nicht nachts auf, um bei leeren Straßen mal eine Runde rechts zu fahren. Warum müssen wir als Raucher dann immer von „Gewohnheit“ oder „dummer Angewohnheit“ sprechen? Sucht und Gewohnheit sind zwei vollkommen verschiedene Dinge.
Sind Sie ein Gewohnheitsmensch?
Gewohnheitsmensch! Das hört sich an, als würden Sie jeden Tag das Bürgerliche Gesetzbuch lesen oder kleinkariert Ihre Gewohnheiten mit der Uhr verrichten. Wollen Sie sich wirklich so beschreiben? Was ist übrig geblieben von Ihrem jugendlichen Übermut, nichts tun zu müssen? Raucher waren doch eher die Jugendlichen, die sich gegen die Erwachsenen aufgelehnt haben. Kein Mensch beschreibt sich gerne als Gewohnheitstier. Und was wäre Rauchen für eine Gewohnheit? Sich 4.000 hochgiftige Substanzen in die Lunge hineinzupumpen, um 10-15 Jahre früher zu sterben? Ich glaube nicht, dass Sie so eine „Gewohnheit“ aufrechterhalten würden, wenn es denn eine Gewohnheit wäre.
Essen Sie gerne Broccoli?
Ich esse zum Beispiel für mein Leben gerne Brokkoli. Trotzdem muss ich ihn nicht 20mal am Tag essen. Ich habe auch nicht ständig unterwegs etwas Brokkoli dabei, um ihn zu knabbern und so meinen Brokkoli-Blutspiegel wieder anzuheben. Ich habe auch noch nie das Gefühl gehabt, dass ich anderen Menschen erzählen müsste, warum ich so gerne Brokkoli esse. Auch: Brokkoli essen kann ich einfach sein lassen, wenn ich es will. So ist das mit Gewohnheiten. Auch die schönsten Gewohnheiten wird man leid. Ständig Brokkoli wäre ein Alptraum. Bei Zigaretten kann man selten genug bekommen. Selbst nach Hundertausenden von Nikotin-Zügen will man immer noch mehr.
Rauchen ist also keine Gewohnheit. Jede Gewohnheit ließe sich im Handumdrehen abstellen, wenn Sie diese leid sind oder sie Ihnen schadet. Rauchen ist eine Sucht, die erhebliche Probleme macht, sie abzulegen. Es bringt daher auch nichts, sich selbst (und anderen) vorzulügen, man rauche „aus Gewohnheit“ oder es wäre eine „dumme Angewohnheit“. Benennen Sie es als das, was es ist: Eine Sucht mit Suchtverhalten. Zumindest sich selbst gegenüber. Das wäre schon ein erster riesiger Schritt.
Ihre Kinder mögen keinen Broccoli? Kein Problem. Margie in diesem TV-Spot wird Ihnen zeigen, wie Sie Ihre Kinder an das Broccoli-Essen bekommen. Den Spot können Sie auf der Homepage unter Links zu YouTube, Kapitel 1 sehen.
Haben Sie sich das Rauchen freiwillig angewöhnt?
„Natürlich. Es war ja meine Entscheidung.“ Ja, Sie haben sich sicher entschieden, einige Zigaretten mitzurauchen. Aber haben Sie sich auch entschieden, ein Leben lang weiterzurauchen? Das kam ganz allmählich, weil Sie auf einmal „gerne“ rauchten und später „gerne rauchen mussten“. Sie haben sich das Rauchen nicht „angewöhnt“ oder sich dafür entschieden. Sie haben mit den allerersten Zigaretten gelernt, wie man diese handhabt und geraucht, ohne darüber nachzudenken, ob Nikotin süchtig macht. Immerhin behaupteten die Top-Manager der Tabakindustrie noch 1992 vor dem US-Untersuchungsausschuss unter Eid, dass Nikotin nicht süchtig macht. Es ist ziemlich sicher, dass auch Sie als Jugendlicher nie wirklich darüber nachgedacht oder sich zu irgendetwas bewusst entschieden haben.
Wie könnte man auch abhängig werden vom Inhalieren von stechendem Rauch? Das ist der große Trick der Zigarette: Wir meinen, jederzeit aufhören zu können, weil der Rauch nicht besonders angenehm ist und wir es am Anfang aus sozialen Gründen tun. Aber dann ging alles auf einmal wie ganz von selbst, nachdem Sie anfingen „gerne“ zu rauchen.
Warum ist die Zigarette allgemein so akzeptiert?
Zigaretten gehören zu den harten Drogen: Sie werden extrem schnell abhängig und an keiner Droge sterben so viele Menschen Jahr für Jahr. Warum ist die Zigarette dann so akzeptiert? Die Frage ist relativ einfach zu beantworten. Ein Heroinsüchtiger oder Alkoholiker kann nicht mehr oder nur eingeschränkt arbeiten. Zusätzlich wirken diese Drogen halluzinogen, das heißt berauschend. Kontrollverluste, sich daneben benehmen, weil die Hemmschwelle sinkt, oder ins existentielle Nichts abgleiten wie bei Heroin. Der Raucher bleibt dagegen vollkommen normal, arbeitsfähig und verstirbt erst 20-30 Jahre später.
Der Raucher unterscheidet sich nicht – so lange er genügend Nikotin im Blut hat – vom Verhalten, der Stimmung, der Arbeitsfähigkeit eines Nichtrauchers. Erst wenn der Nikotinspiegel fällt, dann stellen sich Unruhe, Nervosität, Gereiztheit und Konzentrationsschwäche ein. Aber jeder Raucher vermeidet das, indem er einfach die nächste raucht. So gesehen sind Zigaretten die kleinbürgerlichste aller Drogen und werden als normal akzeptiert. Der zweifelhafte „Verdienst“ der Zigarettenindustrie ist es, das Rauchen als sogenannte „Gewohnheit“ gesellschaftsfähig gemacht zu haben und dadurch über die Gefahr des Rauchens und der Sucht hinwegzutäuschen.
„Ich bin aber trotzdem ein Gewohnheitsraucher“
Sie rauchen also nach dem Essen, in Gesellschaft oder zur Entspannung. Ok. Wenn Sie ein Gewohnheitsraucher sind, dann dürfte es Ihnen nicht schwer fallen, diese Gewohnheit einfach abzustellen. Machen wir einen Test: Schmeißen Sie Ihre Zigaretten weg! JETZT! Nichts zwingt Sie, zu rauchen. Ist wie beim Brokkoli. Wenn Sie in der nächsten Woche nicht ein einziges Mal unruhig oder nervös werden und das unbedingte Gefühl haben, rauchen zu müssen, dann brauchen Sie das Buch nicht weiter zu lesen. Die meisten Leser werden aber wie ich schon nach kurzer Zeit dieses unruhige leere Gefühl haben, dass etwas fehlt. Das kann sich bis zu Angst und Panik steigern. Die Einflüsterung „ich brauche eine Zigarette“ kommt dann zwanghaft. Das hat mit Gewohnheit überhaupt nichts zu tun.
Entlarven Sie, warum Sie „gerne“ rauchen
Wie wenig „gerne“ manche Raucher tatsächlich rauchen, haben wir schon gesehen. Die meisten Raucher wissen eigentlich überhaupt nicht, warum sie rauchen. Sie tun es einfach. Es kommt wie ein Hungergefühl und geht dann, wenn man geraucht hat, wieder weg. Wichtig ist dabei Folgendes: Ohne zu verstehen, warum Sie „gerne“ rauchen, werden Sie nie wirklich aufhören können, zu rauchen. Sie würden dann ständig das Gefühl haben, auf etwas „zu verzichten“.
Viele Methoden zum Rauchstopp konzentrieren sich nur darauf, dass Rauchen die Gesundheit ruiniert, dass Sie 5-8 Jahre kürzer leben und dass das Privileg zu rauchen ein Vermögen kostet. Sie werden es schwer haben, aufzuhören, wenn Sie sich beim Rauchstopp auf diese Gründe konzentrieren. Denn Sie rauchen ja nicht aus den Gründen, warum Sie nicht rauchen sollten! Jeder Nichtraucher oder Arzt wird versuchen, Sie mit diesen Begründungen „warum man nicht rauchen sollte“ zum Aufhören zu bewegen. Nur funktioniert das nicht. Sonst hätten die meisten Raucher schon längst damit aufgehört. Tatsächlich gäbe es wahrscheinlich keine Raucher mehr.
Wir rauchen aus ganz anderen Gründen „gerne“: Aus Genuss, aus Lust, um Stress zu reduzieren, um sich ruhiger oder konzentrierter zu fühlen. Um aufzuhören, müssen Sie diese Gründe bearbeiten. Erst wenn Sie das „Gerne“ entlarvt haben, werden Sie von Zigaretten ganz leicht loskommen.
Klopfen Sie sich auf die Schulter. Sie haben das erste Kapitel geschafft. Auch wenn die Sucht Sie vielleicht davon abhalten wollte, haben Sie sich durchgesetzt!
Fazit
Rauchen ist ein soziales Instrument: Man fängt an, um dazu zu gehören, um cool und erwachsen zu sein.
Nikotin ist eine harte Droge und macht schneller abhängig als jede andere Droge.
Das Nervenbotensystem im Gehirn verändert sich bei Jugendlichen schon nach wenigen Zigaretten.
Erst durch die Veränderung des Nervenbotensystems werden Zigaretten befriedigend, erst dadurch fangen Rauchanfänger an, gerne zu rauchen, und verlieren sehr schnell die Kontrolle darüber.
Mit Nikotin erreichen Raucher den kleinen Auftrieb auf das Normal-Niveau eines Nichtrauchers.
Rauchen ist keine Gewohnheit, sondern eine Sucht.
Sie haben sich zwar als Jugendlicher entschieden, mal Eine zu rauchen, aber nicht ein Leben lang weiterrauchen zu müssen.
Es ist schwierig aufzuhören mit den Drohgründen „warum Sie nicht rauchen sollten“. Erst wenn Sie verstehen, warum Sie gerne rauchen, können Sie ganz leicht aufhören, weil Sie dann auf nichts mehr verzichten.
2. Werbung & Hollywood als Vorbilder
Haben Sie es sehr eilig, mit dem Rauchen aufzuhören? Dann können Sie dieses Kapitel, überspringen. (Aber welcher Raucher hat es eilig aufzuhören? Am liebsten wird der beängstigende Zeitpunkt „der letzten Zigarette“ doch immer noch etwas weiter hinausgeschoben. Unter diesem Aspekt könnten Sie also auch weiterlesen.) In diesem Kapitel geht es darum, wie unser Selbstverständnis als Raucher durch Werbung und Hollywood geprägt wurde. 390 Millionen € gibt die Nikotinindustrie in Deutschland jährlich für die Werbe-Gehirnwäsche von Jugendliche aus. Und viele Milliarden Dollar wurden in Hollywood schon über den Tisch geschoben. In den Zeiten, wo Sie das Rauchen angefangen haben, durfte wahrscheinlich noch Zeitungs- und TV-Werbung gemacht werden. Heute ist diese Werbung verboten, aber das Werbebudget ist über die letzten 10 Jahre gleich hoch geblieben. Heutzutage wird das Geld in Sportsponsoring, Musik-Events, Plakate und Kinowerbung gepumpt, oder es werden in Clubs Probepackungen ausgegeben, um Jugendliche zu ködern. Denn nur für junge Leute interessiert sich die Nikotin-Industrie. Zum einen lassen sich Kinder und Jugendliche bestens beeinflussen, zum anderen werden junge Gehirne sehr schnell süchtig. Neun von zehn Rauchern fangen unter 21 Jahren an. Das durchschnittliche Anfangsalter liegt bei 11-14 Jahren. Jede Million des Werbebudgets ist gewinnbringend eingesetzt, um Jugendliche langfristig nikotinabhängig zu machen.
Haben Sie sich entschieden zu rauchen?
„Natürlich habe ich mich selbst dazu entschieden, zu rauchen. Was denn sonst?“ Solange wir rauchen, sagen wir das alle. Aber treten wir doch mal einen Schritt beiseite und schauen uns das genauer an.
Sie kennen sicher die Markenversessenheit von Kindern, zum Beispiel für ganz bestimmte Turnschuhe. Da dürfen es nur die von der einen teuren Marke sein, auf keinen Fall andere. Simple T-Shirts müssen unbedingt das Logo dieses einen In-Mode-Labels tragen, sonst brechen Krisen aus. Die Werbeindustrie nutzt die enorme Aufnahmefähigkeit und Beeinflussbarkeit von Kindern und Jugendlichen. Marken werden früh mithilfe der Werbung fest eingeprägt. „Branding“ nennt man das in der Werbesprache, übersetzt heißt dies „brandmarken“, wie man das bei Rindern macht. Ein Beispiel: 30% der 3-Jährigen und 91% der 6-Jährigen, die man in USA befragt hat, konnten nach der Trickfilm-Kampagne mit dem Kamel das Logo der Marke zuordnen. Zu Beginn dieser Camel-Kampagne rauchten 0,5% der Jugendlichen Camel. Drei Jahre später waren es 32,8% der rauchenden Jugendlichen.
Jugendliche auf der Suche nach Vorbildern werden mit Milliardenbeträgen für eine Zigaretten-Markenwelt begeistert und gebunden. Der quer denkende Lucky Strikes-Raucher, der unabhängige, genießende Gauloise-Typ, der Freiheit und Abenteuer liebende Marlboro-Typ oder die elegante, zur besseren Gesellschaft gehörende JohnPlayerSpecial-Raucherin. Die Zigarettenmarke wird zum Ausdruck des eigenen Persönlichkeitsentwurfs und entsprechenden Wunschvorstellungen. Marken sind Identifikationshilfen und für ein bestimmtes Lebensgefühl, das damit demonstriert werden kann. Diese Werbevorstellungen bleiben auch noch beim Erwachsenen aktiv. Die Treue zur eigenen Zigarettenmarke ist extrem hoch.
Denken Sie bei Rollenvorbildern nur mal an die Formel 1 und an Michael Schumacher in seinem roten Marlboro-Ferrari Anzug. Für junge Raucher wirkt dies magisch anziehend. Michael Schumacher würde natürlich nie rauchen, denn das würde die Sauerstoffversorgung des Gehirns und die Konzentration dauerhaft herabsetzen. Die Werbung verbindet also Dinge in Ihrem Kopf, die absolut nichts miteinander zu tun haben.
Man muss Kinder und Jugendliche nur dazu bringen, Zigaretten auszuprobieren, und sie hängen schon bald in der Nikotinfalle fest. Da die Sucht und die physiologischen Veränderungen im jungen Gehirn schon nach wenigen Zigaretten einsetzen, ist die Aufgabe damit erfüllt. Circa 140.000 Kinder und Jugendliche als „Ersatzraucher“ müssen pro Jahr in Deutschland gewonnen werden. Das gesamte Werbebudget der Zigarettenindustrie zielt nur auf diese jungen Raucher. In den Dokumenten von R. J. Reynold heißt es: „Junge Raucher sind die einzige Quelle von Ersatzrauchern…. nur 5% fangen nach dem Alter von 24 Jahren noch an.“ [4] In einem anderen internen Dokument heißt es, „CAMEL FILTER, die Marke muss den Anteil der 14-24 jährigen erhöhen“.[5] Erwachsene Raucher brauchen keine Werbung. Sie sind aus Sicht der Industrie sowieso süchtig und kaufen auch ohne Werbung mit hoher Markentreue weiter.
Wurden Sie durch Werbung in die Nikotinfalle gelockt?
Als Raucher meint man immer, man habe sich dazu entschieden zu rauchen. Aber wie stark waren die Werbebilder, Hollywood und der soziale Druck, um einen zum Ausprobieren zu bringen und dann in der Nikotinfalle hängen zu bleiben? Da ist weniger eigene Entscheidung drin als man glaubt.
Ein Beispiel, wie effizient Sucht vermarktet werden kann, sind Probepackungen. Party-Events mit besonderen DJs und Musik-Events, bei denen nette Mädchen und Jungs Feuerzeuge verteilen oder halb leere Zigarettenpackungen gegen volle Packungen austauschen. Natürlich richten sich diese Aktionen nur an Erwachsene, wird beteuert. Da nimmt man dann auch an tollen Preisausschreiben teil, wo im Kleingedruckten steht, dass man über 18 Jahre ist. Studien zeigen, dass das Verteilen von Probepackungen die Häufigkeit, Raucher zu werden, bis zum 22-fachen anheben kann, da die Sucht extrem schnell eintritt.[6] Beliebt ist auch die gezielte Platzierung von Plakatwerbung und Leuchtreklamen an Haltestellen in der Nähe von Schulen. Deutschland ist das einzige Land in der EU, das Plakat- und Kinowerbung noch nicht verboten hat. Aber es gibt ja starke Selbstbeschränkungen der Tabakindustrie. Im Kino zum Beispiel darf Zigarettenwerbung ja erst nach 18 Uhr gezeigt werden. Da sind Jugendliche natürlich längst im Bett….
Haben Sie sich wirklich ganz unbeeinflusst dazu entschieden zu rauchen, weil es von Anfang an ein solcher Genuss war? Oder wollten Sie es nur mal ausprobieren, weil Sie erwachsen und cool sein wollten und die Werbung Ihnen dieses Gefühl vermittelte? Und wollten Sie dann ein ganzes Leben lang weiterrauchen müssen? Waren Sie wirklich unbeeinflusst von den Werbebildern? Wenn Sie jetzt alle Fragen verneinen, wäre ich – wenn ich ein Zigarettenkonzern wäre – bitter enttäuscht. Aber die Nikotindealer haben uns ja trotzdem an den Haken bekommen. Das ist alles was zählt für den Umsatz.
Werbebilder, die man nicht los wird
Wie viele dieser Werbebilder und Persönlichkeitsentwürfe haben Sie heute noch im Kopf? Warum rauchen Sie zum Beispiel eine bestimmte Marke, wenn Sie die Werbung nicht geprägt haben soll? Raucher haben eine unerklärlich hohe Markentreue. Kaum ein Raucher, der seine Zigarettenmarke wechselt, obwohl bei Blindvertestungen nur 5% der Raucher die eigene Marke identifizieren können. Auch wenn die Werbebilder über ein bestimmtes Lebensgefühl, Genuss und Freiheit schnell hinter die Sucht zurücktreten, bleiben diese aktiv im Kopf, als Rechtfertigung für das Rauchen.
Hollywood prägt am meisten
Filme und Serien haben einen noch größeren Einfluss auf Raucher als andere Vermarktungsstrategien. Eine smarte, rauchende Sharon Stone, ein Leonardo di Caprio oder die magere und emanzipierte Sex- und Stil-Ikone Sarah Jessica Parker aus der Serie Sex in the City, die jede Woche in einer neuen Folge vor sich hinqualmt, haben großen Leitbildcharakter, besonders für die jungen Rauchanfänger. Selbst in den typischen US-Krankenhaus-Serien sieht man rauchende Ärzte. Was könnte Teenagern deutlicher vermitteln, dass Rauchen ja so ungesund doch nicht sein kann. Selbst bei Tom & Jerry und anderen Trickfilmen wurde geraucht.
Schauen Sie mal: Hier ist nur ein Auszug aus der Top-Liste weiblicher, rauchender Schauspielerinnen.[7] Tatsächlich rauchen die meisten davon nur in den Filmen, aber nicht als Privatperson, denn man altert schneller, wenn man raucht. Das wäre schlecht für die Karriere. In wie vielen Filmen haben also die Stars geraucht?
In 45 Filmen Sarah Jessica Parker, in 41 Catherine Deneuve, in 37 Bette Davis, in 35 Holly Hunter, in 28 Melanie Griffith, in 27 Joan Crawford, in 26 Joan Collins, in 26 Romy Schneider, in 25 Isabelle Huppert, in 23 Susan Sarandon, in 23 Marlene Dietrich, in 21 Jeanne Moreau, in 21 Kirstie Alley, in 19 Lana Turner, in 19 Kim Cattrall, in 18 Ava Gardner, in 18 Shirley MacLaine, in 18 Ginger Rogers, in 18 Rita Hayworth, in 17 Jane Fonda, in 17 Jacqueline Bisset, in 17 Jessica Lange, in 16 Anita Ekberg, in 16 Sharon Stone, in 16 Anne Bancroft, in 15 Juliette Binoche, in 15 Faye Dunaway, in 14 Diane Keaton, in 14 Elizabeth Taylor, in 14 Simone Signoret, in 13 Penélope Cruz, in 13 Winona Ryder, in 13 Lauren Bacall, in 13 Sophia Loren, in 13 Demi Moore, in 13 Franka Potente, in 13 Meryl Streep, in 13 Goldie Hawn, in 13 Brigitte Bardot, in 13 Sigourney Weaver, in 13 Nicole Kidman, in 13 Heike Makatsch, in 12 Kate Blanchet, in 12 Gwyneth Paltrow, in 12 Gena Rowlands, in 12 Senta Berger, in 12 Julie Christie, in 11 Drew Barrymore, in 11 Sandra Bullock, in 11 Vanessa Redgrave, in 11 Michelle Pfeiffer, in 11 Kate Winslet, in 11 Whoopi Goldberg, in 11 Meg Ryan, in 11 Bette Midler, in 11 Angelina Jolie, in 11 Madonna, in 11 Sophie Marceau, in 10 Greta Garbo, in 10 Elke Sommer, in 10 Uma Thurman, in 10 Cameron Diaz……..
Wenn man die 250 Filme mit den höchsten Einspielergebnissen der letzten 10 Jahre analysiert, zeigt sich Folgendes: 85% der Filme enthalten Rauchszenen und in 28% wurde eine Tabakmarke gezeigt.[8] In einem Drittel aller Filme, die sich gezielt an Teenager richteten, sind Zigarettenmarken deutlich zu erkennen. Der Vorteil der US-Filme liegt zusätzlich darin, dass sie weltweit gesehen werden. Obwohl die Tabakfirmen offiziell zugesagt haben, kein Produktplacement zu machen, waren 80% der gezeigten Packungen von 4 großen Tabakmarken. 40% gingen allein auf das Konto einer einzigen Marke: Marlboro. Innerhalb von 10 Jahren hat sich der Anteil von Schauspielern, die Zigarettenmarken vor der Kamera zeigen, verzehnfacht. Alles natürlich ganz zufällig…. Sicher lagen bestimmte Zigarettenschachteln gerade einfach so auf dem Set und die Kamera zoomte ganz zufällig darauf. Die Nikotinmafia behauptet jedoch, Hollywood nicht zu unterstützen. Die Auswertung interner Dokumente der Tabakindustrie zeigt aber genau, wie für rauchende Schauspieler und jedes Produktplacement in Serien und Filmen gezahlt wurde.[9]
So stark beeinflussen Filme das Ausprobieren-Wollen
Wir lernen und übernehmen Verhalten ganz subtil. Dem kann sich niemand entziehen. Vor allem die Stars, mit denen wir uns identifizieren, üben auf unser Unterbewusstsein einen großen Einfluss aus. Und 60% der Hauptdarsteller in US-Filmen rauchen. Heute mehr als in den 50er Jahren. Und wie stark wirken Filme mit Rauchern auf Jugendliche? 3.500 Jugendliche wurden in einer Studie befragt und die Ergebnisse sind interessant: Es zeigte sich, dass bis dahin nicht-rauchende Jugendliche, die die meisten Rauchszenen aus 50 populären Filmen kannten, in denen stark geraucht wird, 3mal so häufig selber angefangen haben zu rauchen. [10] In anderen Befragungen zeigte sich: Wenn der Lieblings-Star in der TV-Serie rauchte, dass dann die Jugendlichen häufiger anfangen selber zu rauchen als wenn der Lieblings-Star ein Nichtraucher ist. In einer deutschen Studie wurden 5.585 Kinder und Jugendliche nach ihrem Rauchverhalten und ihrer Kenntnis über 400 Hollywoodfilme befragt. In drei Viertel dieser Filme wurde geraucht. Die Kinder, die die meisten der Filme gesehen hatten, hatten doppelt so häufig das Rauchen probiert oder rauchten bereits doppelt so häufig, wie die Kinder, die die wenigsten der Filme gesehen hatten.[11]
Studien hin oder her. Wenn man drei Takte darüber nachdenkt, ist es doch klar: Woran orientieren wir uns als Teenager und wen bewundern wir? TV-Serien-Figuren fühlen sich doch fast an wie Familie. Filmstars sind großartige Rollenvorbilder. Wo lernen wir am besten, dass man raucht, wenn man cool sein will, wenn man nachdenkt, einen schwierigen Kriminalfall löst, wenn es Beziehungsprobleme oder Stress gibt, wenn man jemand anmacht oder im Bett danach? Selbst einem zum Tode Verurteilten wird im Film noch eine letzte Zigarette gegönnt. Das geht nicht ohne Wirkung an uns vorüber. Eine Vielzahl von Rauchsituationen werden erst durch das Fernsehen gelernt oder sind über Filme überhaupt erst für einen Jugendlichen als Situation zugänglich. Auch als Erwachsene bestätigen uns diese rauchenden Stars immer wieder. Niemand kann sich dem Einfluss von Hollywood entziehen. Es ist eine ständige Gehirnwäsche, die uns Rauchsituationen mit unseren Stars vorführt. Machen Sie sich den „Spaß“ und achten Sie die nächsten Tage einmal gezielt darauf, in wie vielen Filmen geraucht wird und in welchen Situationen. Das erhöht zwar vorübergehend Ihre Rauchlust, aber es ist interessant, darauf einmal zu achten.
Haben Sie sich bewusst für das Rauchen entschieden?
Wahrscheinlich kaum. Sozialer Gruppendruck, Milliarden, die in Zigarettenwerbung/Sponsoring gesteckt wurden und vor allem eine überwältigende verrauchte Filmwelt hat Ihnen das Rauchverhalten tausende Male vorgeführt. Die jungen Raucher – wir – sind nicht dumm gewesen, sondern waren wache, neugierige Jugendliche. Deshalb haben wir es ausprobiert. Und es ist keine Gewohnheit geblieben. Schon sehr schnell haben wir „gerne“ geraucht. Und dann ging alles ganz von selbst. Es gehört zum Selbstverständnis jedes überzeugten Rauchers, dass er schon immer rauchen wollte. Es ist aber eine ganz zentrale Einsicht, dass die meisten sich nicht wirklich für das Rauchen entschieden haben, sondern mit gezielter Gehirnwäsche aus Hollywood und Werbung in eine Falle gelockt wurden. Die Nikotinfalle, die dann schnell zugeschnappt ist.
Fazit
Zigarettenwerbung zielt ausschließlich darauf ab, Kinder und Jugendliche zum Ausprobieren zu bringen.
Rauchende Hollywood-Stars geben zusätzlich starke Impulse und liefern auch für jeden abhängigen Raucher immer wieder starke Identifikationsfiguren.
Die schnell einsetzende Sucht lässt uns nach schon kurz nach dem Ausprobieren weiterrauchen, weil wir in der Nikotinfalle festsitzen.
3. Die Nikotin-Dealer - So werden sie süchtig gemacht
Ohne Nikotin würde sich niemand Rauch in die Lunge ziehen. Zigaretten sind die effizienteste Nikotin-Darreichungsform. Strategisches Ziel der Nikotin-Industrie war es daher, Aufnahme und Schnelligkeit, wie Nikotin ins Gehirn kommt, zu verbessern. Je schneller und massiver Nikotin dort anflutet, desto schneller wird – vor allem das junge Gehirn – abhängig. Nikotin ist ein einzigartiges Kundenbindungsprogramm für maximale Gewinne.
Bis 1995 hatte man keinen Zugang zu den internen Forschungsarbeiten der Nikotin-Industrie. Erst nach dem Urteil im Prozess des Staates Minnesota gegen die Tabakindustrie mussten Millionen interner Dokumente ins Internet gestellt werden. Diese zeigen:
wie die Nikotin-Industrie gezielt die suchtfördernden Eigenschaften des Tabaks weiterentwickelte;
wie gegen besseres Wissen in der Öffentlichkeit abgestritten wurde, dass Nikotin süchtig macht;
wie Angaben zum Schadstoff- und Nikotingehalt bewusst manipuliert wurden;
wie durch gesponserte Auftragsforschung versucht wurde, die Ergebnisse aus unabhängiger Forschung zu untergraben;
wie gezielt Kindern als Langfrist-Zielgruppe mit Aromaverbesserungen und Bronchien beruhigenden Zusatzstoffen der Einstieg in die Sucht erleichtert wurde;
wie Politiker, Journalisten und Wissenschaftler mit Beraterverträgen routinemäßig geschmiert wurden.
Die Nikotin-Industrie wurde zur Zahlung von 207 Milliarden (nicht Millionen!) US-Dollar verurteilt, da sie wissentlich und planmäßig die Gesundheit von Millionen von Amerikanern schädigte. Das ist ein winziger Betrag, gemessen an den Umsätzen der Nikotin-Dealer.
Sucht als Geschäftsziel
R.J. Reynolds Tobacco Company hielt intern fest: „Wir sind im Nikotin-Geschäft tätig …und es ist im Langzeitinteresse von RJR, dass wir fähig sind, jedes Pfund Nikotin, das wir einkaufen, optimal kontrollieren und effektiv einsetzen können. Die effektive Kontrolle des Nikotins in unseren Produkten wird sich in einem erheblichen Produkterfolg umsetzen.“[12]
Hier geht es nicht um Tabakgenuss, sondern um das Vermarkten von Sucht durch optimal verfügbares Nikotin.
Sucht lässt die Kassen klingeln: Warum ist in den 70er Jahren die Marke Marlboro umsatzmäßig an der Marke Winston vorbeigezogen und zur erfolgreichsten Zigarettenmarke in den USA aufgestiegen? Der Grund war die Ammoniumtechnologie, wodurch Raucher schneller und stärker süchtig gemacht wurden. Durch Zugabe von Ammonium wird Nikotin besser aufgenommen und flutet schneller im Gehirn an. Auch dies geht aus den internen Dokumenten der Nikotin-Industrie hervor.[13]
Wie man Menschen schneller nikotinsüchtig macht
In den 60er bis 80er Jahren wurde das Suchtpotenzial von Zigaretten erhöht. Das Ziel:
1. Nikotin sollte vermehrt und schneller aufgenommen werden.
2. Tieferes Inhalieren für eine größere Nikotinaufnahme sollte mit weniger Reizung möglich sein. So kann man mehr junge Kunden gewinnen.
Ammonium – Hiermit kann man den pH-Wert des Tabaks ändern. Je basischer, desto besser wird das Nikotin freigesetzt. Nikotin kommt schneller an die Andockstellen im Gehirn und vermittelt so einen besseren Kick. Der schnelle Kick ist der Kern der meisten Drogen und stark suchtfördernd. Interne Forschungsdokumente bestätigen, dass dies der Nikotin-Industrie seit 1962 bekannt war. Der Nikotin-Kick ist der Grund, warum eine Marke besser als eine andere „schmeckt“. Alle Nikotin-Dealer setzen heute die Ammoniumtechnologie ein.
Übrigens: Von Nikotinpflastern wird man nicht abhängig, da das Nikotin viel langsamer im Gehirn ankommt. So fehlt der abhängig machende Drogenkick.
Da Behörden und Öffentlichkeit nikotinärmere Zigaretten forderten, erfand die Industrie sogenannte Light-Zigaretten mit „angeblich“ niedrigerem Nikotingehalt. Durch das Ammonium wurde aber tatsächlich wesentlich mehr Nikotin freigesetzt. Ein Trick, der erst Jahrzehnte später erkannt wurde. Die Nikotin-Dealer deklarierten Ammonium zur Genehmigung bei den Behörden als „geschmacksverbessernden“ Zusatz.
Spezielle Filtersysteme –Diese ermöglichten die Entfernung von Säuren und die Zugabe von chemischen Basen. Je basischer der Tabak ist, desto besser wird das süchtig machende Nikotin aufgenommen.
Zucker – Das hört sich als Zusatzstoff unschuldig an. Durch das Abbrennen von Zucker entsteht Acetaldehyd. Das wiederum verschnellert und vervielfacht die abhängig machende Wirkung des Nikotins.
Kakao – verbrennt zu Theobromin und erweitert so die Bronchien, damit mehr Nikotin tiefer inhaliert werden kann. Lakritz hat denselben Effekt.
Lävolinsäure – nimmt dem Tabakgeschmack die Schärfe und verstärkt die Nikotinbindung an die Andockstellen im Gehirn um etwa 30%.
Menthol – vermindert das Reiz- und Schmerzempfinden des Atemtrakts. Beruhigt die Bronchien und erweitert sie. So kann tiefer und beschwerdefreier inhaliert werden. Menthol maskiert den scharfen Rauchgeschmack. Der Rauch wirkt kühler und schmeckt frischer. Keine „Zigaretten“-Marke verzichtet heute mehr auf Mentholbeimischungen auch in ganz normalen Zigaretten. Man braucht die jungen „Ersatzraucher“. Denen muss die Inhalation erleichtert werden. Außerdem will man Rauchern mit Bronchitis das Rauchen erleichtern. Menthol vermindert zusätzlich den Abbau von Nikotin.
Kleine unbemerkte Nikotinerhöhungen – In den letzten 8 Jahren haben die Tabakkonzerne den Nikotingehalt nach US-Untersuchungen unbemerkt um 11% erhöht. Nichts geht über echte Kundenbindung…..[14]
Verschiedene Chemikalien als Abbrennverzögerer – Durch ein verlangsamtes Abbrennen des Tabaks werden mehr Züge pro Zigarette und damit eine höhere Nikotinaufnahme möglich.
Light-Zigaretten – Das größte aller Täuschungsmanöver: Der auf der Packung deklarierte Nikotingehalt wird mit Rauchmaschinen ermittelt. Raucher ziehen aber dieselbe Menge Nikotin und Schadstoffe aus den Light-Zigaretten wie aus normalen Zigaretten.
Filmtipp: „Inside“ ist ein spannender Film mit Al Pacino und Russel Crowe und zeigt, wie der ehemalige Forschungsleiter eines Zigarettenherstellers skandalöse Praktiken der Tabakkonzerne enthüllen will und verfolgt wird. Spannend.
Der Light Zigarettenbetrug
Sie rauchen Light-Zigaretten oder deren Nachfolger in den hellblauen oder pastellfarbenen Packungen? Sie dachten, diese wären gesünder und hätten weniger Teer und Nikotin? Mit Light-Zigaretten hat die Nikotinindustrie die Raucher bewusst betrogen. Fast 30 Jahre lang hielten Light-Zigaretten viele Raucher davon ab, aufzuhören, da man glaubte, einen persönlichen Kompromiss mit einer angeblich „gesünderen“, „weniger schädlichen“ Zigarette gefunden zu haben. Wie profitabel dies für die Nikotin-Industrie gewesen sein muss, zeigt eine Befragung bei 12.000 Ex-Rauchern. Light-Raucher hören nur halb so oft mit dem Rauchen auf, wegen der für gesünder gehaltenen Light-Version, als Raucher normaler Zigaretten.[15] Die USA und die EU haben wegen Verbrauchertäuschung die Verwendung von Begriffen wie mild, leicht, light, ultra light, ultra verboten.
In den 70er Jahren verlor die „Zigaretten“-Industrie zunehmend Raucher durch das Bekanntwerden der gesundheitlichen Folgen. Den suchtauslösenden Nikotingehalt zu vermindern war aber keine Option, geschweige denn eine Möglichkeit. Britisch American Tobacco (Lucky Strike, Gauloise, HB) schreibt intern: „…einfach den Nikotingehalt zu vermindern, könnte den Raucher von seiner Nikotin-Gewöhnung wegbringen...und wäre langfristig gleichbedeutend mit einer Vernichtung der Zigarettenindustrie.“[16] Da man den Nikotingehalt also nicht vermindern „konnte“, ersann man die Light-Zigarette.
Der Rauchmaschinenbetrug
Das funktioniert so: Man bringt kleine Löcher an den Filtern an, durch die zusätzliche Luft mit angezogen wird. Dadurch wirkt der Tabak etwas milder für den Raucher und kann tiefer inhaliert werden.
Für die Schadstoffanalyse auf der Packung werden Zigaretten in standardisierten Rauchmaschinen getestet. Sie dürfen raten, wer diese Maschinen erfunden hat…. Die schmalen Metallgreifer verdecken nicht die Filterlöcher, durch die zusätzliche Luft ansaugt wird. So ergeben die Analyseergebnisse extrem niedrige Nikotin- und Teerwerte. Teilweise können so sogar nikotinhaltigere Tabake verwendet werden. Man konnte so die „offiziell“ niedrigen Werte auf die Packung der „gesünderen“ Light-Zigarette drucken. Millionenschwere Light-Werbe-Kampagnen wurden dann geschaltet, um die frohe Botschaft zu verkünden.
Der Trick: Natürlich raucht niemand mit einer Pinzette an der vorderen Lippe. Der Raucher hält den Filter zwischen den Lippen und deckt teilweise die Löcher mit den Fingern ab. So kommt zwischen 40-50% mehr Nikotin und Teer aus der Light-Zigarette in die Atemwege als die Maschinen es messen.[17] Dies war Phillip Morris seit 1969 mit der sogenannten „Lippenstudie“ bekannt. Ein typischer Taschenspielertrick der Drogenmafia, der aber 30 Jahre lang bis zum Verbot der Light-Zigarette Milliardenumsätze einbrachte.
Light Raucher rauchen Schadstoffe tiefer ein
Die Nikotinhersteller wussten aus frühen Studien schon seit Anfang der 70er Jahre Folgendes: Durch etwas Rauchverdünnung macht der süchtige Raucher stärkere und tiefere Züge. Der Raucher hat instinktiv ein genaues Gespür dafür, wieviel Nikotin er braucht, um die Nikotin-Entzugserscheinungen, gegen die er anraucht, auszuschalten. Light-Raucher ziehen daher intensiver und öfter an der Zigarette oder rauchen auch mehr Zigaretten. Der Light-Raucher bekommt so genau den gleichen Nikotinspiegel, den er sich vorher mit normalen Zigaretten verschafft hat.
150 Millionen Dollar Schadensersatz für die Light-Lüge
Viele Prozesse sind wegen dieser Täuschungen noch im Gange. Wegen irreführender Werbung zur „sicheren“ Zigarette hat zum Beispiel ein Gericht in den USA Phillip Morris zur Zahlung von 150 Millionen Dollar Schadensersatz wegen Täuschung, Fahrlässigkeit zugunsten der Erben nur eines verstorbenen Rauchers verurteilt.
Durch die geniale Erfindung der „gesünderen“ „sicheren“ Light-Zigarette konnten Millionen gesundheitsbewusster und teilweise aufhörwilliger Raucher getäuscht werden. Mit genauso viel Nikotin und am Ende süchtig, waren sie fest im Griff der Drogen-Industrie. Nur mit einem entscheidenden Unterschied, und auch das wusste man schon seit Anfang der 70er Jahre: Durch die tiefere Inhalation kommen auch mehr Schadstoffe tiefer in der Lunge an.[18] Light-Raucher bekommen daher andere und tödlichere Formen des Lungenkrebses. Es wäre tatsächlich besser gewesen, normale Zigaretten zu rauchen, um an das Nikotin zu kommen. Britisch American Tobacco nimmt dazu heutzutage so Stellung: „Light betreffe nur das Aroma und sonst nichts.“
Von der Tabakindustrie zum Nikotin-Dealer
Die „Zigaretten“-Industrie betrachtet sich selbst schon lange nicht mehr als Träger einer „Tabak-Rauchkultur“. „Rauchen ist Kultur und Geselligkeit“: Davon habe ich immer gerne gefaselt als ich noch Raucher war. Natürlich war ich geselliger und umgänglicher, wenn ich mir die nervösen Nikotin-Entzugssymptome erst mal weggeraucht hatte. Immerhin braucht man erst mal etwas Botenstoffe für das veränderte Gehirn, um sich halbwegs normal zu fühlen.
Die Tabakindustrie fördert diesen Kultur-Geselligkeits-Blödsinn mit Aktionen wie dem sogenannten „Raucherclub: Mensch, Kultur, Kneipe.“ Oder früher mit Werbefilmen, in denen Tabak irgendwo in malerischer Landschaft in Virginia romantisch per Hand in der Scheune zum Trocknen aufhängt wird, um Tabak als Kulturgut zu platzieren.
Heutige Nikotinproduzenten verfolgen Optimierungs-Ziele: Wie kann man mit Zusatzstoffen die besten Nikotinprodukte herstellen, um damit möglichst viele Menschen möglichst früh in ihrem Leben abhängig zu machen? Wollen Sie sich wirklich so weiter manipulieren lassen? Und hatten Sie sich als Jugendlicher vorgestellt, ein Leben lang weiterrauchen zu müssen, weil eine Drogen-Industrie Sie so manipuliert hat?
„Nikotin macht nicht süchtig“
„Unser Geschäft basiert auf dem Design, der Herstellung und dem Verkauf von attraktiven Dosierungsformen des Nikotins.“ So geht es aus internen Dokumenten aus dem Jahr 1972 hervor.[19] Die verschiedenen Patente, die Zusatzstoffe in Zigaretten und die internen Dokumente lassen keinen Zweifel aufkommen. Sehen Sie sich dagegen an, wie die sieben Vorstandsvorsitzenden der größten Nikotinkonzerne, einer nach dem anderen, unter Eid noch 1994 die Falschaussage machen: „Nikotin macht nicht süchtig“ – „Nicotine is not addictive“. Sie finden diesen Spot unter Links zu YouTube auf der Homepage. Das Nikotinkartell hält zusammen!!
Fazit
Sie wurden über Jahrzehnte getäuscht, dass Nikotin nicht stark süchtig macht.
Sie wurden mit verschiedenen Zusätzen manipuliert und als Jugendlicher schnell abhängig gemacht.
Viele Raucher wurden mit angeblich gesünderen Light-Zigaretten davon abgehalten aufzuhören.
4. D ie Biochemie des Glücks
Genuss messen, geht das?
„Also mein Genuss und die Lust zu rauchen, sind doch nicht irgendwie messbar. Ich rauche einfach gerne!“ Das glaube ich Ihnen und habe es selbst 20 Jahre „gerne“ getan und diesen „Genuss“ wie Sie ganz real erlebt. Aber hat es Sie nie erstaunt, dass manche Zigaretten gut „schmecken“, man diese besonders genießt und andere belanglos sind? Und was genießen Sie da genau? Rauchen Sie „freiwillig gerne“ oder wird dieses „Gerne“ vom Suchthirn gesteuert? Das „Gerne“ und die Befriedigung/der Genuss lassen sich tatsächlich genau messen. In folgendem Experiment nahmen Raucher an 4 Tagen an 6-stündigen Rauchtests teil, bei denen sie bewerten sollten, wie gerne sie rauchen und wie befriedigend die letzte Zigarette nach 6 Stunden war.[20]

So mechanisch rauchen wir „gerne“
Je niedriger der Nikotinspiegel ist, desto höher bewerten Raucher, wie „gerne“ sie rauchen, also wie groß der Genuss und die erreichte Befriedigung war. Nach einer längeren Pause versuchten die Testraucher, mit mehr und tieferen Zügen noch mehr Nikotin aus einer Zigarette herauszuholen. Das ist auch der Grund, warum es wenig bringt, den Zigarettenkonsum zum Beispiel um 2-3 Stück pro Tag zu vermindern. Sie werden versuchen, mehr aus den übrig gebliebenen Zigaretten herauszuholen und inhalieren die Schadstoffe, wie bei Light-Zigaretten, dann noch tiefer in die Lunge.
Die Testraucher zeigen es ganz deutlich: Zigaretten werden am meisten „genossen“, je größer das Nikotindefizit wird. Der empfundene Genuss ist eine direkte Folge des abfallenden Nikotinspiegels. Sie werden zur Marionette des Nikotins. Das hat wenig zu tun mit dem selbst gewählten Genuss und Lebensstil, der uns in der Zigarettenwerbung vorgeführt wird.
Wenn Sie gerne Austern essen, ist es ein Genuss, es zu tun. Sie würden auch nie Austern nach 60 Minuten besser bewerten, weil Ihr Austernblutspiegel gerade sinkt. Im Gegenteil! Jede Stunde Austern essen, das würde zur Qual. Wir reden bei Nikotin-Rauchen also weder über Gewohnheit noch über selbst bestimmten Genuss, sondern ganz banal und ganz mechanisch über Nikotinspiegel, Abbauzeiten, Entzugsgefühle, Anzahl/Tiefe der Nikotinzüge und Befriedigung durch den Wegfall von Entzugsunruhe. Natürlich empfindet man es als angenehm und befriedigend, sich aus einem zu tiefen Nikotinspiegel wieder herauszurauchen. Da sich der Nikotinspiegel nach 30 Minuten halbiert hat, kommen viele Raucher auf 12-20 Zigaretten pro Tag.
Rauchen nach Zahlen - das Rauchmuster
In der genannten Studie hatten 71% der Rauchtester nach 6 Stunden den starken Wunsch, eine zu rauchen, 49% nach 3 Stunden und nur 28% nach 30 Minuten.[21] Das ist nichts Überraschendes für einen Raucher: Je länger man wartet, je mehr will man rauchen. Warum dann die Prozentangaben? Um es kompliziert zu machen? Nein. „Ich habe Lust zu rauchen“ hört sich an wie ein herrliches, freies Gefühl. Tatsächlich zeigt aber die offenbar kleinkarierte „Lust nach %-Zahlen“, dass darin kaum Abenteuer & Freiheit steckt, sondern vielmehr automatisierter Zwang. Drei Stunden! Das ist für viele die Grenze, sich ohne Zigarette noch wohl zu fühlen. Das kennen Sie bestimmt auch: Da sitzt man im Restaurant mit Freunden und gönnt sich ein mehrgängiges Menü. Doch schon vor dem Dessert steht man vor der Tür und qualmt. Ganz „freiwillig“ und „gerne“ natürlich. Auch das leckerste Schokoladentörtchen wird zur Qual, wenn man nicht vor Ende des Menüs vor die Tür kann und endlich „genießen“ darf. So wird ein wunderbares Essen nur dadurch miserabel, dass wir nicht rauchen dürfen, unzufrieden werden und unter Druck geraten. Es entsteht eine der vielen Mini-Stress-Situationen, wie sie Raucher immer wieder über den Tag verteilt erleben. Wenn man dann endlich kann, qualmt man „gerne“ die „Genuss-Zigarette“.
So funktioniert die Sucht
Bei 20 Zigaretten am Tag fluten Sie Ihr Nervensystem mit 200 kleinen Nikotindosierungen. Nach wenigen Sekunden dockt das Nikotin an vielen Andockstellen im Körper an. Stresshormon wird ausgeschüttet. Ihr Herzschlag und Blutdruck steigen an. Nach 7 Sekunden ist das Nikotin an den Andockstellen im Gehirn. Diese Andockstellen befinden sich im Belohnungszentrum des Gehirns und sind für körpereigene Stoffe vorgesehen, welche die Ausschüttung von Glücksbotenstoffen stimulieren. Nikotin missbraucht diese Andockstellen. Wegen der häufigen Überflutung mit Nikotin-Molekülen stumpfen die Andockstellen schnell ab und werden immer weniger sensibel für die körpereigenen Stoffe. Gleichzeitig steigt durch das Nikotin die Anzahl der Andockstellen. Abhängige Raucher haben doppelt so viele wie Nichtraucher. Beides bedeutet leider, dass Sie nun immer mehr Nikotin für denselben Effekt brauchen, um die Ausschüttung von Glücksbotenstoffen zu stimulieren. Das nennt man Gewöhnung. Ein Effekt, den Sie bei allen Drogen finden. Deswegen steigt auch die Zigarettenzahl mit den Raucherjahren an, um eine ähnlich befriedigende Wirkung zu erreichen und sich halbwegs normal zu fühlen. Die internen Marketing-Papiere der Zigarettenindustrie kalkulieren in freudiger Erwartung diesen zusätzlichen Absatz durch Drogengewöhnung pro Raucher gleich mit ein.[22] Die täglich gerauchten Zigaretten steigen während 10-15 Raucherjahren um durchschnittlich 30% an. Stellen Sie sich darauf ein: Über die Jahre werden Sie immer mehr Geld ausgeben, um diesen Gewöhnungseffekt der Andockstellen auszugleichen.
Rauchen… um sich besser zu fühlen
Wie bei allen Drogen, bei denen sich der Botenstoffwechsel im Gehirn nachhaltig verändert, nehmen durch die vermehrten Andockstellen leider auch Stimmungsschwankungen und Stressanfälligkeit mehr und mehr zu. Rauchen Sie mal nicht und bleiben deshalb die Andockstellen im Belohnungszentrum des Gehirns unbesetzt, dann verschlechtert sich Ihre Stimmung, Sie werden nervöser, gereizter und unkonzentrierter. Raucher haben viel zu viele Andockstellen, um selbst ausreichende Mengen des körpereigenen Stoffs (Acetylcholin) zu produzieren, um damit dann alle Andockstellen zu besetzen und so an die Glückbotenstoffe zu kommen. So müssen Sie immer weiter Nikotin rauchen, um sich normal zu fühlen. Rauchen ist also kein Vorteil, wie es viele Raucher darstellen. Im Gegenteil: Nikotin verursacht erst die strukturellen Veränderungen im Belohnungszentrum des Gehirns. Nikotin löst eine konstante Mangelsituation aus, die Sie dann mit Nikotin ausgleichen. Sie rauchen „gerne“, damit ein ungutes Gefühl, eine Leere, ein leichtes unbefriedigtes Gefühl verschwindet. Der Raucher empfindet diese Entlastung als Belohnung und Genuss. Man fühlt sich besser. Die Lust auf die Zigarette ist umso größer, je mehr Ihr Nikotinspiegel fällt und je weniger die Andockstellen besetzt sind.
Veränderungen am Belohnungssystem
Zurück zu Ihnen: Die einzige Möglichkeit, Veränderung in Ihrem Belohnungszentrum wieder rückgängig zu machen, ist es, dem Gehirn für einige Wochen das Nikotin zu entziehen. Dann bildet sich die Anzahl der Andockstellen zurück, und diese werden auch wieder sensibel. Schon bald reichen dann Ihre eigenen Nervenbotenstoffe wieder aus, damit Sie die Zufriedenheit aus Ihren Botenstoffen wieder stärker spüren, stabilere Stimmung haben und weniger stressanfällig sind.
Nikotin: Was ist das nur für eine langweilige Droge? Sie bekommen keinen wirklichen Rausch, sondern gleichen nur ein vom Nikotin verursachtes ungutes Gefühl aus, um sich anschließend normal zu fühlen. Und bezahlen auch noch dafür. Ein normales Gefühl, dass jeder Nichtraucher schon hat. Mit der Videoanimation am Ende des Kapitels verstehen Sie sofort, wie Nikotin die Veränderungen am Belohnungszentrum verursacht und sie vom Nikotin abhängig werden. Versäumen Sie dieses Video bitte nicht.
Raucher glauben weiter an Genuss & Vorteil
„Hm, na gut, also ich rauche, um diese Andockstellen zu besetzen und mich wieder normal zu fühlen. Aber für einen kurzen Moment fühle ich mich bestimmt besser als ein Nichtraucher.“ Genau. Das ist der zentrale Punkt! Viele Raucher verstehen instinktiv sofort, wie Nikotin das Belohnungszentrum verändert und wie man mit Nikotin die Entzugserscheinungen systematisch wegraucht. Trotzdem glauben sie felsenfest, ohne Nikotin auf etwas zu verzichten. Deswegen können sie nicht aufhören. Raucher glauben fest an die Vorteile, dass Rauchen in bestimmten Situationen beruhigt, den Stress lindert, konzentrierter macht und daran, dass man für kurze Zeit nicht nur das Normalniveau des Nichtrauchers erreicht, sondern darüber liegt. Dieser wichtigsten aller Fragen gehen wir später noch genau nach: Ob Rauchen ein Genussgewinn ist oder ein Nachteil für Ihr Lebensgefühl.
Kurzinfo für Schwangere: Nikotin in der Schwangerschaft
Die vermehrten Andockstellen findet man auch bei Kindern von Müttern, die in der Schwangerschaft geraucht haben. Das Ungeborene raucht immer mit. Es ist also kein Zufall, dass Säuglinge von rauchenden Müttern nach der Geburt häufiger unruhig und verhaltensauffällig sind als die Kinder nichtrauchender Mütter und nach der Geburt erst einmal Entzugserscheinungen haben.
Stellen Sie sich vor, wie sich die Gehirnzellen ihres Ungeborenen Tag für Tag aufbauen, entwickeln, teilen und vermehren. Das unglaubliche Wunder des entstehenden Lebens, der sich aufbauenden Zellen, kann durch Nikotin gestört werden. Nikotin kann zu den falschen Zeitpunkten der Entwicklung des Gehirns Nervenbotenstoffe stimulieren, welche die Zellvermehrung und das Wachstum hemmen. So kann man im Tierexperiment, wenn Nikotin zugeführt wird, nachweisen, wie bestimmte Hirnregionen weniger Nervenzellen haben.[23] Außerdem kommt es zu nachhaltigen Veränderungen an den Andockstellen im Belohnungszentrum des Gehirns, die Sie ja schon von Ihrer eigenen Nikotinsucht kennen, nur dass diese Veränderungen viel nachhaltiger sind, wenn sie während des Aufbaus des Gehirns passieren. Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft geraucht haben, sind später häufiger verhaltensauffällig, haben häufiger ADHS (Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung) und vermehrt Stimmungsschwankungen und Depressionen.[24] [25] [26] Viel zu wenige Schwangere wissen, wie stark das Rauchen in der Schwangerschaft die spätere Psyche und das Belohnungszentrum des Kindes prägt.
Fazit
Nikotin dockt an die Andockstellen im Belohnungsteil des Gehirns an. Durch das viele Nikotin stumpfen diese aber ab und die Anzahl der Andockstellen verdoppelt sich.
So können körpereigene Stoffe nicht mehr alle Andockstellen besetzen, um genügend Glücksbotenstoffe zu stimulieren.
Dadurch müssen Sie immer weiterrauchen, um sich normal und zufrieden zu fühlen.
Sie rauchen einen durch Nikotin verursachten Botenstoffmangel weg, der Unruhe und Unzufriedenheit schafft, empfinden dies aber als Genuss und Gewinn.
Je niedriger der Nikotinspiegel ist, desto mehr wird das Rauchen als subjektive „Verbesserung“ genossen.
5. Mein Hund, meine Kinder…..
Der unangenehme Druck der Passiv-Raucher
Mein Hund…
Ob irgendjemand passiv mitraucht, das hat mich nie wirklich gestört. Ich dachte: „Wenn es jemanden stört, dann muss er ja nicht neben mir stehen oder geht halt woanders hin. Alles nur Hysterie mit dem Passivrauchen“. Dann las ich einen Artikel, dass passiv rauchende Hunde besonders krebsgefährdet sind. Deren Risiko für Lungen- und Nasenkrebs steigt um 60%. Das gab mir zu denken. Immerhin konnte mein Foxterrier Robby nicht einfach so aus der Wohnung, wenn ich vor dem TV qualmte. Dass ich mir selbst schadete, war mir noch irgendwie egal. Na ja, nicht ganz egal, aber dass ich meinem Hund schadete, gefiel mir gar nicht. Ich versuchte nun, möglichst beim Gassi-Gang um den Block oder auf dem Balkon zu rauchen.
Nach einer Umfrage in über 3.000 Haushalten wäre für ein Drittel der Raucher das Krebsrisiko für ihr Haustier ein Beweggrund, um aufzuhören.[27] Jede/r vierte Nichtraucher/in würde die/den rauchende/n Lebensgefährten/in für Hundi’s Gesundheit zum Rauchen sogar vor die Tür schicken. Für andere Nichtraucher inklusive der eigenen Kinder hat man dagegen schon weniger Mitgefühl. Tatsächlich lassen sich bei mehr als der Hälfte der Kinder aus Raucherhaushalten Abbauprodukte des Nikotins im Urin finden. Bei einem Viertel sogar so viel wie bei Barkeepern aus der Gastronomie.[28]
Natürlich rauchte ich wenigstens in der Kneipe weiter. Dann kamen die Rauchverbote mit dem „Geschwätz“ vom Passivrauchen. Ab dann stand ich irgendwo in der Kälte da draußen vor der Tür oder auf dem Bürgersteig, qualmte vor mich hin und war sauer. Richtig genossen habe ich das nicht. Ab und zu standen wenigstens andere Raucher mit vor der Tür. „Raucher sind sowieso sympathischer“, redete ich mir ein. Oder: „Die Spaßverderber sind dann eben unter sich. Etwas mehr Toleranz könnten die schon an den Tag legen.“ Tatsächlich sind aber viele Raucher irgendwann so genervt, vor der Tür oder auf dem Balkon zu stehen, dass es eine große Motivation wird aufzuhören.
Pulsuz fraqment bitdi.