Kitabı oxu: «30 Minuten Bessere Workshops»

Şrift:

Andreas Steinle Christiane Friedemann

30 Minuten

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2021 GABAL Verlag GmbH, Offenbach

Das E-Book basiert auf dem 2021 erschienenen Buchtitel »30 Minuten Bessere Workshops« von Christiane Friedemann und Andreas Steinle, © 2021 GABAL Verlag GmbH, Offenbach.

ISBN Buchausgabe: 978-3-96739-080-3

ISBN epub: 978-3-96740-130-1

Umschlaggestaltung: die imprimatur, Hainburg

Umschlagkonzept: Martin Zech Design, Bremen

Lektorat: Eva Gößwein, Berlin

Illustrationen: Lotte Friedemann

Fotos C. Friedemann, A. Steinle: Paulo Sacramento

Satz: Zerosoft, Timisoara (Rumänien)

© 2021 GABAL Verlag GmbH, Offenbach

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

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In 30 Minuten wissen Sie mehr!

Dieses Buch ist so konzipiert, dass Sie in kurzer Zeit prägnante und fundierte Informationen aufnehmen können. Mithilfe eines Leitsystems werden Sie durch das Buch geführt. Es erlaubt Ihnen, innerhalb Ihres persönlichen Zeitkontingents (von 10 bis 30 Minuten) das Wesentliche zu erfassen.

Kurze Lesezeit

In 30 Minuten können Sie das ganze Buch lesen. Wenn Sie weniger Zeit haben, lesen Sie gezielt nur die Stellen, die für Sie wichtige Informationen beinhalten.


Zahlreiche Zusammenfassungen innerhalb der Kapitel erlauben das schnelle Querlesen.

Ein Fast Reader am Ende des Buches fasst alle wichtigen Aspekte zusammen.

Inhalt

Vorwort

1. Mindset – der richtige Teamspirit

Kreatives Setting

Superschurke und Superheldin

Kreative Zuversicht

Galerie der Leidenschaften

2. Perspektivenwechsel – die Würze im Workshop

Rollentausch

Creative Job Poker

Ruhe in Frieden

Kill your Business

3. Ideenentwicklung – goodbye, Brainstorming

Questionstorming

Cross Innovation

Mirror Thinking

Plussing

4. Ideenumsetzung – das Neue begreifen

Rapid Prototyping

Quick Check für Prototypen

Future News

Future Backcrafting

10 Gebote für Moderator*innen

Fast Reader

Das Autorenduo

Weiterführende Literatur

Vorwort

Die Zeit ist reif: Für Macher*innen, Erfinder*innen, Kreative, Visionär*innen – und das nicht nur in den hippen Start-ups, sondern in den Konzernen, Traditionsunternehmen und Behörden. Die Zeit ist reif, neue Ideen zu entwickeln und in Innovationen umzusetzen. Noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten, uns zu vernetzen, sei es digital oder auch physisch. Ergreifen wir diese Chance – indem wir bessere Workshops machen.

Das Format des Workshops wird meistens genutzt, wenn neue Ideen oder Strategien entwickelt werden sollen, zum Beispiel um die Innovationspipeline der Forschungsabteilung zu füllen oder um ein neues Konzept zur Kundenbindung zu entwickeln. Tagtäglich werden Tausende von Workshops durchgeführt. Nicht immer ist das Ergebnis zufriedenstellend, vielleicht weil unter den Teilnehmer*innen ein lautstarkes Alphatier alle plattredet oder die eingesetzten Methoden nicht die Kreativität beflügeln.

Mit ein paar kleinen Veränderungen im Grundaufbau eines Workshops lässt sich bereits einiges tun, um das gewünschte Ergebnis herbeizuführen. Mit den geeigneten Kreativmethoden an der richtigen Stelle lässt sich der Ideen-Output deutlich steigern.

Wir sind seit über 25 Jahren im Workshop-Business und lernen jeden Tag dazu. Unsere Erfahrungen möchten wir in diesem Buch weitergeben. Denn es ist unser eigener Antrieb, Workshops besser zu machen. Als Gründer*in und Geschäftsführer*in der Zukunftsinstitut Workshop GmbH tragen wir diesen Ansporn quasi im Namen.

In diesem Buch soll es nicht darum gehen, wie ein Workshop organisiert oder eine Agenda aufgebaut wird. Das ist zwar ebenso wichtig, aber nicht unser Schwerpunkt. Der Fokus liegt auf dem kreativen Miteinander der Teilnehmer*innen. Wie bringt man die Menschen in Schwung? Wie lässt sich ihr Energielevel hoch halten? Wie kitzelt man ihre Kreativität heraus? Wie lassen sich Workshops lebendiger und ideenreicher gestalten? Hierfür haben wir eine Auswahl unserer besten Methoden zusammengestellt. Viele davon sind von uns selbst entwickelt und in zahlreichen Innovationsprojekten angewandt und erprobt worden.

Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern auf Spaß. Denn Spaß braucht es, um gute Ergebnisse in Workshops zu erzielen. In diesem Sinne:

Viel Spaß beim Lesen und beim nächsten Workshop wünschen

Christiane Friedemann & Andreas Steinle

Leidenschaftliche Workshopper

1.Mindset – der richtige Teamspirit

Entscheidend für das Ergebnis eines Workshops ist das kreative Zusammenspiel der Teilnehmer*innen – ihre Offenheit und ihre Wertschätzung füreinander. Das gilt fürs reale Zusammenkommen genauso wie für die digitale Zusammenarbeit. Doch das Mindset lässt sich nicht von oben verordnen. Viele fragen sich: Wie lässt sich eine Kultur verändern, die über viele Jahre innerhalb einer Organisation gewachsen ist? Wie setzt sich in den Köpfen das entsprechende Mindset fest, um bessere Ideen hervorzubringen? Die Antwort hierauf ist scheinbar einfach und hat es dennoch in sich: durch Üben. Alte Gewohnheiten geben Menschen nur auf, wenn sie diese durch neue Gewohnheiten überschreiben. Und neue Gewohnheiten entstehen durch kontinuierliches Einüben eines veränderten Verhaltens. Zu diesem Zweck setzen wir eine Vielzahl von kleineren Elementen und Warm-ups ein, die zu Beginn und während des Verlaufs von Workshops stattfinden. Sie mögen einigen auf den ersten Blick wie eine überflüssige Spielerei vorkommen. Doch hinter ihnen stehen Denkweisen, die – wenn verinnerlicht – eine Kultur verändern können.

1.1Kreatives Setting

In unseren Workshops orientieren wir uns an den folgenden Prinzipien, die ein gutes, kreatives Setting ausmachen:

Interdisziplinarität

Hierarchiefreiheit

Autonomie

Ideen entstehen immer dann, wenn neue Verknüpfungen gebildet werden. Deswegen ist Interdisziplinarität so wichtig. Erst wenn Buchhaltung, Marketing und IT in einem Team zusammenarbeiten, entsteht die nötige Perspektivenvielfalt. Damit jede Meinung gleich viel zählt und jede Idee Gehör findet, muss weitgehende Hierarchiefreiheit herrschen. Das bedeutet nicht, dass Hierarchien nicht mehr existieren. Aber während eines Workshops sollten sie im Umgang miteinander keine Rolle spielen.

Das Workshop-Du

Weil Hierarchiefreiheit für ein kreatives Setting wichtig ist, arbeiten wir selbst mit dem Workshop-Du. Auch wenn es anfangs ungewohnt ist, die Kollegen oder die Chefin zu duzen, so wird sich sehr schnell eine lockere Arbeitsatmosphäre einstellen, die den Austausch und Ideenfluss befördert.

Keine Ideen ohne Freiheit

Da man Innovation nicht auf Kommando planen kann, benötigen die Teams zudem ein hohes Maß an Autonomie. Hierzu gehört die Freiheit, wenn nötig auch zwei Schritte zurückgehen zu können. Wenn man im Verlauf eines Projekts feststellt, dass die anfängliche Fragestellung schlecht gewählt war, ist es nicht sinnvoll, die falsche Fährte weiterzuverfolgen.

Psychologische Sicherheit

In einer langjährigen, umfassenden Studie hat Google den wichtigsten Faktor für das Hervorbringen von Innovation herausgefunden: „psychological safety“ – psychologische Sicherheit. Wenn Menschen Angst haben, Fehler zu machen, werden sie keine Risiken eingehen. Ohne Mut zum Risiko werden aber auch keine bahnbrechenden Ideen entstehen.

Keine Kreativität ohne Struktur

Ein hohes Maß an Freiheit bedeutet jedoch nicht, dass es keine Strukturen braucht. Im Gegenteil: Für die Effektivität von Teams sind sie von zentraler Bedeutung, gerade wenn es um kreative Prozesse geht. Strukturen beziehen sich dabei auf Zeit, Raum und Rollen.

1. Zeit

Blicken wir auf die erste strukturgebende Maßnahme: Zeit. Hier gilt:

1.Zu lange an einem Thema kleben zu bleiben, kann den Ideenfluss versiegen lassen.

2.Es führt aber auch zu schlechteren Ergebnissen, sich nicht ausreichend Zeit zu nehmen, um in Variationen zu denken und sich beim Optimieren der Ideen auch mal ein wenig zu quälen.

Für alle unsere Workshops arbeiten wir daher einen detaillierten Zeitplan aus. Wir hängen nicht sklavisch an ihm, aber er definiert Beginn und Ende einer Übung. Dieses sogenannte Time-Boxing sorgt für positiven Stress. Es macht es erforderlich, die vorhandene Zeit optimal zu nutzen und sich nicht in langwierige Diskussionen zu verwickeln.


Abb. 1: Beim Time-Boxing geht es darum, Beginn und Ende einzelner Übungen innerhalb des Workshops klar festzulegen. Das sorgt für ein fokussiertes Arbeiten und eine klare Struktur.

2. Raum

Neben der Zeit gibt der Umgang mit dem Raum die Strukturen der Zusammenarbeit vor.

Im Stehen Ideen entwickeln: Für die Ideenentwicklung lassen wir Teams im Stehen arbeiten – wenn immer möglich auch in der digitalen Zusammenarbeit. Das sorgt für eine größere Dynamik.

Ideen festhalten: In einem analogen Setting muss der Raum groß genug sein, um alle Ideen festhalten zu können. Im optimalen Fall sind alle Wände beschreib- und beklebbar.

Inspiration: Wenn möglich handelt es sich nicht um einen klassischen Besprechungs- oder Konferenzraum, denn diese bieten meist nur wenig Inspiration. Bei digitalen Workshops lässt sich mit virtuellen Hintergrundbildern arbeiten.

Priming nutzen

Warum ist eine inspirierende Umgebung so wichtig? Unser Gehirn nimmt unbewusst Außenreize wahr, die zu bestimmten Denkmustern führen. In der Psychologie wird dieses Phänomen als Priming bezeichnet. Ein steriler, freudloser Raum wird eher zu konventionellen Ideen führen als beispielsweise ein Ort mit Café-Atmosphäre. Um die gewohnten Denkwelten zu verlassen, müssen wir eben auch die gewohnten Umgebungen verlassen. Wir empfehlen daher, Workshops möglichst außerhalb der eigenen Organisation zu machen.

3. Klare Rollenverteilung im Workshop

Die dritte strukturbildende Maßnahme bezieht sich auf die Rollen innerhalb eines Teams. Insbesondere wenn dieses ohne die Unterstützung von Moderator*innen zusammenarbeitet, hilft es, wenn sich jede und jeder auf eine wichtige Aufgabe fokussiert:

Eine Person behält die Zeit im Blick und fungiert als Zeitwächter*in.

Eine andere Person sorgt dafür, dass keine Idee verloren geht, und hält alles schriftlich und möglichst auch bildlich auf Notizzetteln fest – und ist somit Ideenfänger*in.

Der oder die Wohlfühlbeauftragte hat die Teambedürfnisse im Blick: Wird eine Pause, Kaffee oder Sonstiges benötigt? Der Bauch hat immer recht.


Workshops benötigen ein kreatives Setting, wenn am Ende gute Ideen herauskommen sollen. Das Team sollte möglichst interdisziplinär zusammengestellt sein, um die Ideenvielfalt zu fördern. Das Workshop-Du trägt dazu bei, dass Hierarchien keine große Rolle spielen. Ein Workshop-Raum außerhalb der eigenen Organisation lässt leichter neue Perspektiven zu.

1.2Superschurke und Superheldin

Workshopslebenvonder Vielfaltihrer Teilnehmer*innen. Wenn der Kontrollfreak auf die Träumerin trifft, ist kreative Reibung vorprogrammiert, genauso sind es aber auch blank liegende Nerven und Stoßgebete: „Mensch, lass den Müller endlich aufhören zu nörgeln!“ Was uns bei anderen auf die Nerven geht, ist manchmal genau das, was eine kreative Idee braucht, um besser zu werden. Der Grat zwischen positiver und negativer Reibung ist jedoch ein schmaler. Wenn der Kontrollfreak übertreibt, ist das Ergebnis destruktiv.

Aus diesem Grund wenden wir zum Start eines Workshops häufig das Warm-up Superschurke und Superheldin an. Dabei geht es darum, sich seiner ganz besonderen Stärken und Schwächen in der Zusammenarbeit bewusst zu werden.

Auge in Auge mit dem Marathon-Quassler

Zunächst sollen sich alle ihren inneren „Superschurken“ oder ihre „Superschurkin“ vor Augen führen, diesen oder diese auf ein Blatt Papier malen und mit einem kreativen Namen versehen.

Beispiel: Wer beispielsweise schnell in einen Endlos-Monolog verfällt, könnte seinen Superschurken „Marathon-Quassler“ nennen und seine Zeichnung mit einer überdimensionierten Sprechblase versehen. Wenn im Verlauf des Workshops die betreffende Person zum Monolog ansetzt, dürfen die anderen sich mit der nötigen humorvollen Zuwendung äußern: „Hey Marathon-Quassler, deine Zeit ist um.“

Sich der Schurken-Eigenschaften bewusst zu werden, verbessert den Teamspirit erheblich. Zum einen sind alle anderen vorgewarnt und können besser damit umgehen. Zum anderen gibt man dem Team die Erlaubnis, einzuschreiten, wenn der Superschurke hervorkommt. Da alle solch einen Superschurken oder eine solche Superschurkin in sich tragen, lässt sich ein liebevolles Verhältnis zu ihm oder ihr aufbauen. Und manchmal braucht es ja durchaus auch Schurken-Eigenschaften.

Verborgene Superkräfte wecken

Ebenso hilfreich ist es, sich seines Superhelden oder seiner Superheldin bewusst zu werden. Das stärkt das Selbstvertrauen und gibt Zuversicht. Für Kreativprozesse sind das entscheidende Zutaten.


Abb. 2: Wenn die Superschurk*innen der Teilnehmer*innen einen Namen haben, verlieren sie ihren Schrecken und die Gruppe kann ihnen humorvoll und konstruktiv begegnen. Aber auch alle anwesenden Superheld*innen sollten bekannt sein, damit sie ihre Superpower optimal einbringen können.

Manchmal fällt es schwer, die eigenen Superheld*innen zu benennen. Schnell kommt falsche Bescheidenheit ins Spiel. In diesem Fall kann man auch Zweierteams bilden und der oder die andere soll die entsprechende Superpower benennen und als Skizze zu Papier bringen.

Visuelles Arbeiten

Dieses Warm-up hilft dem Team, sich in seiner Vielfalt zu erfahren und auch wertzuschätzen. Zugleich ist es eine erste Übung für das visuelle Arbeiten. Alles, was wir in Bildern festhalten, hilft dabei, Ideen im Kopf zu verankern. Von daher gilt in jedem Workshop: so viel Zeichnen wie möglich.


Jede und jeder von uns hat besondere Stärken und Schwächen. Sich dieser bewusst zu werden und sie in der Gruppe zu teilen, verbessert die Zusammenarbeit. Mit dem Warm-up Superschurke und Superheldin gelingt dies auf spielerische Weise.

1.3Kreative Zuversicht

Wenn sie aufgefordert werden, etwas zu zeichnen, zum Beispiel beim eben beschriebenen Warm-up Superschurke und Superheldin, reagieren viele abwehrend („Das kann ich nicht!“), als wäre die Welt in Kreative und Nicht-Kreative geteilt.

Die gute Nachricht ist: Jeder Mensch ist kreativ!

Die schlechte Nachricht ist: Die wenigsten glauben das.

Warum es an kreativer Zuversicht mangelt

Viele bekamen im Verlauf ihrer schöpferischen Entwicklung, vielleicht im Kunstunterricht, irgendwann mal ein ablehnendes Feedback. Nach dem Motto: „Was ist das denn für eine Kritzelei?“ Oder sie bekamen die Empfehlung, dass ihre berufliche Zukunft im logischanalytischen Bereich liegt. Und wofür sollten Controller*innen bitte schön kreativ sein?

All das führt dazu, dass viele Menschen ihre kreative Zuversicht verloren haben. Sie glauben womöglich, dass es so etwas wie ein Kreativitäts-Gen gibt, das ausgerechnet sie natürlich nicht haben. Das ist ein tragischer Irrglaube, der zudem das Denken ausbremst. Im schlimmsten Fall führt er zu der Haltung: „Für Ideen sind die anderen zuständig.“ Doch um das Maximum an Ideen aus einem Workshop herauszuholen, sind alle gefordert.

Nicht zu viel nachdenken

Wie können wir also diese kreative Zuversicht zurückgewinnen? Widerständen und großen Herausforderungen begegnet man am besten in kleinen Schritten. Und mit Spaß. Wenn es gar nicht das Ziel ist, dass eine Zeichnung schön sein soll, malt es sich gleich viel befreiter.

Von Kindern lernen

Wir können uns ein Beispiel an Kindern nehmen, sie machen es genau richtig: Sie malen einfach drauflos. Und fragen sich erst gar nicht, ob sie das können. In Kinderzeichnungen liegt trotzdem häufig eine besondere Qualität: weil mit rudimentären Formen eine Darstellung oder eine Idee genau auf den Punkt gebracht wird. Und so können auch wir – im Erwachsenenalter – jede Idee mit wenigen Mitteln visualisieren.


Abb. 3: Einfach draufloszeichnen – was Kindern Freude macht, fällt Erwachsenen oft schwer. Dabei ist nicht viel zeichnerisches Können nötig. Es geht beim Visualisieren darum, ein wesentliches Merkmal zu erfassen. Mit einem Fadenporträt lässt sich das üben.

Das Fadenporträt

Um kreative Zuversicht zu vermitteln, wenden wir das Warm-up Fadenporträt an. Dabei zeichnen sich die Teammitglieder gegenseitig mit einem einzigen Strich, ohne dabei auf das Blatt zu blicken. Die Ergebnisse reichen von abstrakter Klarheit bis hin zu chaotischen Strichverläufen. Doch um Schönheit geht es ja nicht. Es geht darum, ein wesentliches Merkmal einer Person festzuhalten. Auf den Fadenporträts ist solch ein charakteristisches Merkmal in der Regel erkennbar, zum Beispiel ein Schnurrbart oder eine Brille. Damit sind die wesentlichen Anforderungen an eine schnelle Visualisierung bereits erfüllt.


Viele denken von sich, dass sie nicht kreativ sind. Das ist ein Irrglaube, der in einem Workshop den Ideenfluss schmälert. Mit dem Warm-up Fadenporträt wird allen bewusst, dass jede und jeder über kreative Talente verfügt. Gleichzeitig wird die Gruppe im visuellen Denken geschult.

1.4Galerie der Leidenschaften

In uns allen schlummern ungenutzte Talente und Potenziale. Wenn sich diese für einen Workshop nutzen lassen, erhöhen sich der Energielevel und die Ergebnisqualität automatisch.

Die Leidenschaften der Teammitglieder

Oftmals liegen unsere Talente im Verborgenen, weil sie nur im privaten Bereich zum Vorschein kommen und wir gar nicht auf die Idee kommen, wie wertvoll sie für den Job sind. Mit dem Warm-up Galerie der Leidenschaften ändern wir genau das. Folgendermaßen wird vorgegangen:

1. Leidenschaften aufschreiben

Jede und jeder schreibt auf einen Zettel eine Leidenschaft oder ein besonderes Interesse, von dem die anderen vermutlich nichts wissen. Das kann zum Beispiel ein Hobby wie 3-D-Bogenschießen sein. (Ja, das gibt es tatsächlich. In einem unserer letzten Workshops war ein Teilnehmer mit diesem Hobby. Dabei wird auf speziellen Parcours statt auf Zielscheiben auf dreidimensionale Nachbildungen von Tieren geschossen.)

2. Zettel mischen und auslosen

Nachdem alle ihre Leidenschaften auf einen Zettel geschrieben haben, werden die Zettel in einem Hut oder einer Box gesammelt. Alle Zettel werden durchmischt und anschließend nehmen sich alle Teilnehmer*innen wieder einen heraus.

3. Die Person finden

Dann gilt es, die betreffende Person zu finden, die hinter der jeweiligen Leidenschaft steht. Wer aus der Gruppe macht wohl das 3-D-Bogenschießen? Man wird überrascht sein, wenn die zierliche Frau Klein aus der Buchhaltung in ihrer Freizeit zum Boxtraining geht. Oder der harte Knochen aus dem Controlling eine Leidenschaft für Lyrik und Poesie hat.


Abb. 4: Bei der Galerie der Leidenschaften lernen die Teilnehmer*innen Hobbys und Interessen ihrer Kolleg*innen aus dem privaten Bereich kennen, die vorher im Team vielleicht gar nicht bekannt waren.

Fallschirmspringen für den Job

Es ist nicht nur hochinteressant, etwas über die Passionen der Kolleg*innen zu erfahren, sondern auch sehr relevant. Zum einen lernt sich die Gruppe besser kennen. Zum anderen hilft es dabei, stereotype Denkweisen abzulegen. Menschen sind vielschichtiger, als wir glauben. Gleichzeitig schlummern in privaten Leidenschaften auch wertvolle Ressourcen für den Job. Wer beispielsweise Fallschirmspringerin ist, muss nicht nur mutig sein, sondern auch gründlich Sicherheitsvorkehrungen einhalten. Diese Mischung aus Mut und Sorgfalt könnte genau die richtige Grundlage für das anstehende Auslandsprojekt sein.

Aus der Praxis: Die Firma 3M, die uns unter anderem die wunderbaren Post-its beschert hat und als eines der innovativsten Unternehmen der Welt gilt, veranstaltet einmal im Jahr in ihrer deutschen Niederlassung den Tag der Leidenschaften, an dem alle ihre Passion mit in die Firma bringen. Dies bildete die Inspirationfür unser Warm-up.

Wenn man die vorhandenen Leidenschaften in der Gesamtgruppe teilen möchte, kann man auch eine Vorstellungsrunde anknüpfen lassen oder alle Zettel an einer Wäscheleine im Raum aufhängen.


Für das Gelingen eines Workshops ist das kreative Zusammenspiel der Teilnehmer*innen entscheidend. Interdisziplinarität, Hierarchiefreiheit und Autonomie sind wesentliche Grundprinzipien für erfolgreiche Kreativprozesse. Es verbessert die Zusammenarbeit, wenn sich die Teammitglieder ihrer Stärken und Schwächen bewusst werden. Damit in einem Workshop neue Ideen hervorgebracht werden, brauchen die Teilnehmer*innen kreative Zuversicht. In den persönlichen Leidenschaften der Menschen schlummern Talente, die auch für den Beruf und die Mitwirkung in einem Workshop genutzt werden können. Mit dem Warm-up Galerie der Leidenschaften werden diese wertvollen Ressourcen offengelegt.

Pulsuz fraqment bitdi.

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