Kitabı oxu: «Was wäre, wenn ...»

Die Autorin
Angelika Rohwetter ist Diplom-Psychologin und arbeitet seit 25 Jahren als tiefenpsychologische Therapeutin in eigener Praxis in Bremen. Sie hat eine abgeschlossene Ausbildung als Bioenergetische Analytikerin (CT) und Fortbildungen mit den Schwerpunkten Traumatherapie (Reddemann) und Arbeit mit älterwerdenden Menschen (Radebold) absolviert. Darüber hinaus ist sie als Autorin sowie Dozentin bei Fortbildungen tätig.
Angelika Rohwetter
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1. Auflage 2022
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-039798-9
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-039799-6
epub: ISBN 978-3-17-039800-9
Inhalt
1 Vorwort
2 1 Deus ex Machina – Schnelle Hilfen
3 1.1 Die aktuelle Not beruhigen
4 1.2 Ganz entspannt im Hier und Jetzt
5 1.3 Über Sprechen und Sprache
6 1.4 Ein Damm gegen emotionale Überflutungen
7 2 Körper und Geist verbinden
8 2.1 Vom Loslassen
9 2.2 Ein gutes Wort zur rechten Zeit
10 2.3 Methoden der Überraschung: Die Impact-Techniken
11 3 Ich denke: So bin ich – und so sollte ich sein
12 3.1 Focusing
13 3.2 Glaubenssätze
14 3.3 Über-Ich und Ich-Ideal
15 3.4 Das ist aber egoistisch!
16 3.5 Das Wunsch-Ich
17 4 Wollen wir das mal spielen?
18 4.1 Verrückt spielen
19 4.2 Szenische Darstellungen – Rollenspiele
20 4.3 Innere Kinder und andere verborgene Kräfte
21 4.4 Die Ego-State-Therapie
22 4.5 Schematherapie
23 4.6 Das Psychodrama
24 4.7 Kleine Theaterstücke
25 4.8 Kartenspielen
26 4.9 Die ganze Familie auf dem Tisch
27 5 In der Sprache des Körpers sprechen
28 5.1 Erste Worte in der Sprache des Körpers
29 5.2 Die Seele über den Körper ausdrücken
30 5.3 Kleine und größere Entspannungen
31 5.4 Bauchgefühle
32 5.5 Der Körper spricht – und hört
33 6 Komm, ich erzähl dir eine Geschichte
34 6.1 Geschichten in der Psychotherapie
35 6.2 Geschichten aus dem echten Leben
36 6.3 Märchen erzählen
37 6.4 Erzähl mir deinen Traum
38 7 Was wäre, wenn… – Gedankenspiele
39 7.1 Fantasie als helfende Instanz
40 7.2 In den Alltag hineinwirken
41 7.3 Katathymes Bildererleben oder: Was wäre Frau X. für eine Pflanze?
42 7.4 Lösungen entwerfen
43 8 Seele auf Papier
44 8.1 Ich schreib dir einen Brief
45 8.2 Fallgeschichte: Sehr geehrte Frau R. – Liebe Beate
46 8.3 Briefe für viele Lebenslagen
47 8.4 Liebesbriefe – Ein bunter Garten
48 8.5 Therapeutische Briefe
49 8.6 Gefühle in Tabellen und Skalen
50 8.7 Tagebücher und andere täglichen Übungen
51 9 Alle Wünsche kann man nicht erfüllen – aber viele
52 9.1. Fallbeispiel: Herr M. und das Fahrrad
53 9.2 Kompensatorische Wunscherfüllung
54 10 Psychoedukation, Humor und Fallen
55 10.1 Was passiert hier eigentlich? – Psychoedukation
56 10.2 Fragen
57 10.3 Einführung in theoretische Konzepte
58 10.4 Humor ist, wenn man…?
59 10.5 Therapiefallen
60 11 Rollenverständnis und Rollensicherheit
61 11.1 Das Wichtigste ist, dass es dem Therapeuten gut geht
62 11.2 Therapie ist ein Raum, in dem zwei Menschen zu Hause sind
63 11.3 Beziehung und Freude sind die Hauptwirkfaktoren
64 11.4 Der Therapeut kann (fast) gar nichts falsch machen
65 11.5 Wie der Patient sein Leben gestaltet, ist allein seine Sache
66 11.6 Wir können nicht allen Menschen helfen
67 11.7 Die Therapeutin darf Stellung beziehen
68 12 Anhang
69 12.1 Kleine Sammlung von Geschichten und klugen Sprüchen
70 12.2 Aphorismen und andere Weisheiten
71 Literatur
Vorwort
Dieses Buch entstand im Verlauf meiner über dreißig Jahre langen praktischen Arbeit als Psychotherapeutin. Manche Ideen sind in schwierigen Therapiesituationen spontan aufgetaucht. Viele sind zusammengetragen aus dem reichen Schatz unterschiedlicher therapeutischer Methoden und Theorien. Dabei habe ich viel angehäuft, was mir in meiner professionellen Entwicklung begegnet ist. Meine Lebenswege waren nicht sehr gerade, auch nicht die Laufbahn als Psychotherapeutin. Ich habe meine Approbation durch die Übergangsbestimmungen des Therapeutengesetzes (1999) erhalten. Davor habe ich einige Jahre im Kostenerstattungsverfahren gearbeitet. Das war kein Problem, die Praxis füllte sich schnell mit Patientinnen. Interessant waren die unterschiedlichen Anforderungen, die die Krankenkassen an die Therapeuten stellten. Während die meisten Kassen Anträge und Berichte in einer zugelassenen Therapieform erwarteten, verlangte die Techniker Krankenkasse ausdrücklich eine methodenübergreifende Psychotherapie. So durfte ich – ganz legal – meine Kenntnisse aus allen möglichen Schulen der Humanistischen Psychologie einsetzen, als da waren: Körperpsychotherapie (Bioenergetische Analyse nach Alexander Lowen), Gestalttherapie, Psychodrama, Transaktionsanalyse und natürlich tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Mit diesen Methoden habe ich in meiner Arbeit in der psychologischen Beratungsstelle der Universität Bremen Erfahrungen gesammelt. Hinzu kamen einige Fortbildungen, zum Beispiel das Katathym-Imaginative Bilderleben nach dem Psychiater Hanscarl Leuner (1919–1996) und die Arbeit Imaginationen bei Traumafolgen nach der Ärztin und Psychoanalytikerin Luise Reddemann (*1943).
Heute sind nicht mehr alle diese Verfahren Teil meiner Arbeit. Zu Beginn meiner Kassenzulassung arbeitete ich streng tiefenpsychologisch. Nach und nach schlichen sich die alten Kenntnisse der humanistischen Psychologie wieder ein. Und ich freue mich daran. Manchmal sind es Augenblicke im therapeutischen Prozess, die einen kleinen Impuls brauchen, um aus einer Falle herauszukommen. Manche Interventionen benutze ich seit einem längeren Zeitraum und sie bilden einen Teil dieses Prozesses, so zum Beispiel das Schreiben oder die Arbeit mit Imaginationen. Dabei sehe ich nicht mehr die Notwendigkeit, streng nach den Richtlinien zu arbeiten. Alle Interventionen, die in diesem Buch beschrieben sind, lassen sich in jede Richtlinientherapie integrieren. Ihre Ergebnisse zeigen sich sowohl im Erfolg der einzelnen Übungen, im Widerstand, den die Patientin diesen Vorschlägen entgegenbringt als auch in Übertragungs- und Gegenübertragungsreaktionen.
Gerade das kleinere oder größere Abweichen von unseren – in der Regel erfolgreichen – Konzepten kann vieles in Bewegung setzen. Möglicherweise erhalten wir neue Diagnosekriterien, neue Einblicke in psychodynamische Zusammenhänge oder wichtige Hinweise auf den Stand der therapeutischen Beziehung.
Zu manchen Techniken, die ich beschreibe, gibt es ausführliche Falldarstellungen. Damit verbinde ich den Gedanken, dass Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, sich besser vorstellen können, wie ich diese Intervention einsetze. Im Idealfall entsteht bei Ihnen dann die Idee, zu welchem Patienten sie passen könnte. Natürlich dürfen Sie jeden Vorschlag verändern – und eigene Methoden und Techniken entwickeln. Es würde mich freuen, wenn ich Ihre Fantasie dazu angeregt habe. Ein Tipp: Viele inspirierende Ideen, die ich bei Fortbildungen erhalten habe, hatte ich schnell wieder vergessen. Darum habe ich mir angewöhnt, kleine Notizen während der Veranstaltung zu machen. Da steht dann zum Beispiel: »Mit Frau H. ausprobieren. Passt wunderbar zu Herrn M.«
Noch ein paar Hinweise: Dies ist ein Praxisbuch. Ich habe auf tiefgehende Darstellungen der zugrunde liegenden Theorien ebenso verzichtet wie auf wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweise. Manche Ideen sind in schwierigen Therapiesituationen spontan entstanden. Die erreichte Wirkung in der Praxis war mir Grund genug, dieses Buch so zu schreiben, wie es jetzt vor Ihnen liegt. Überhaupt bin ich der Ansicht, dass der Charakter des Therapeuten und eine funktionierende Arbeitsbeziehung die allerbesten Wirkfaktoren sind, und zwar in Gestalt von Geduld, Akzeptanz, Humor, Fantasie – und der aufmerksamen Präsenz des Therapeuten.
Vielleicht werden Ihnen manche meiner Erklärungen und persönlichen Gedanken in den einzelnen Kapiteln lang vorkommen und Sie sagen sich: »Das weiß ich doch alles!« Da haben Sie sicher recht. Was ich beschreibe, entspricht im Wesentlichen dem, was ich auch Patienten als Psychoedukation anbiete, deshalb schien es mir richtig, es aufzuschreiben.
Ich weiß, dass ich mich an verschiedenen Stellen wiederhole. Das ist kein Versehen. Manche Gedanken aus einem Kapitel sind in anderen Zusammenhängen einfach auch wichtig. Und ich wollte zu viele Verweise vermeiden. Dabei gehe ich davon aus, dass ein solches Buch nicht von Anfang bis Ende durchgelesen wird. Sie können sich punktuell aussuchen, was Ihnen im Moment hilfreich für Ihre Arbeit erscheint. Deshalb gibt es auch die ausführliche Inhaltsangabe.
Lassen Sie sich nicht erschrecken von den manchmal recht alten Buchtiteln in der Literaturliste. Die Schriften (vielleicht schon) verstorbener Praktiker können immer noch Schatzkisten mit anregenden Vorschlägen und hilfreichen Praktiken sein. Sie können unsere Handlungsimpulse stärken und uns Mut zu kreativer Therapiearbeit machen. Manche bieten nebenbei auch interessante Einblicke in die Geschichte, also in die Zeit, in der sie entstanden sind und in die Entwicklung psychologischer Paradigmen. Hierfür ist mein Lieblingsbeispiel das Buch Grundformen der Angst des Psychoanalytikers Fritz Riemann (1902–1979), das 1961 zum ersten Mal erschienen ist und ein interessantes Frauen- bzw. Rollenbild darstellt.
Wundern Sie sich bitte nicht, wenn nicht alle im Literaturverzeichnis aufgelistete Bücher im Text wiederzufinden sind. Manche dienten mir einfach als Anregungen für dieses Buch und für meine praktische Arbeit. Das ist ein weiteres Merkmal des hier vorlegenden Buches. Es ist kein theoretisches Fachbuch, sondern ein Praxisbuch.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, Freude und therapeutische Erfolge! Ich hoffe, dass das Buch ein wenig dazu beitragen kann.
Wichtig ist mir auch, mich bei einigen Menschen zu bedanken, zuerst bei Frau Annika Grupp, aus der Lektoratsleitung Psychologie des Kohlhammer Verlages, die mich gefunden und mir damit ermöglicht hat, dieses Buch zu schreiben. Ein Dank geht wie immer auch an meine Familie, meinen Sohn Florian, mit dem ich über den Titel diskutiert habe und dem ich die Metapher vom Deus ex Machina verdanke. Ich bedanke mich bei meinem Sohn David, der die Formatierung übernommen und das Literaturverzeichnis auf wissenschaftlich korrekte Form gebracht hat. Besonders wichtig bei der Entstehung aller meiner Bücher ist mein Mann Jens, der nicht nur ein Supertalent im Korrekturlesen ist, sondern mir auch im Alltag dabei hilft, Zeit fürs Schreiben zu haben.
Noch eine Bemerkung zu meinem Gebrauch des grammatischen Geschlechts: Ich habe mich vorwiegend des Femininums bedient, sowohl bei Patient*innen als auch bei Therapeut*innen, weil das nicht nur das Schreiben und Lesen leichter macht, sondern auch die Realität der psychotherapeutischen Arbeit spiegelt.
Ich freue mich über Berichte, Hinweise und Anregungen, Sie können mich über meine Website www.angelika-rohwetter.de erreichen.
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Deus ex Machina – Schnelle Hilfen
Patientinnen erwarten oft schnelle Hilfe, insbesondere, wenn sie mit einem drängenden Problem im Rahmen einer Akuttherapie in die Praxis kommen. Leider gibt es keinen Knopf, auf den zu drücken bewirkt, dass es nicht mehr so wehtut. Und doch gibt es die eine oder andere Technik zur Beruhigung der aufgewühlten Seele. Hier führe ich manchmal den Deus ex Machina ein.
Übersetzt in eine klassische Metapher wünschen sich viele Patienten einen Deus ex Machina. Manche Situationen lassen sich schon dadurch beruhigen, dass ich diese antike Theaterfigur erwähne und erzähle, wer oder was das ist. Hier eine Beschreibung:
Der Deus ex Machina, also lateinisch für den Gott aus der Maschine, ist eine plötzlich auftauchende, machtvolle rettende Gestalt. Ursprünglich geht es um eine Figur aus dem griechischen Theater, die Menschen rettete oder Tote wieder ins Leben zurückholte. Diese Gestalt wurde mit Hilfe eines Kranes (also einer Maschine) auf die Bühne gesetzt. So konnten am Ende alle Verwirrungen aufgelöst, Unschuld bewiesen oder Ängste beschwichtigt werden – alles wurde gut. Heute nennt man das Happy End, und auch dieses wird in Filmen und Büchern oft durch einen Deus ex Machina herbeigeführt. So kommt in der letzten Sekunde ein Feuerwehrmann in das brennende Haus, um eine Geisel zu retten, vor Gericht tritt ein Überraschungszeuge auf usw. Nur bei den alten Griechen musste es tatsächlich immer eine Göttin oder ein Gott sein.
Es gibt eine solche Gestalt in Alkestis, einem Drama von Euripides. Dort ist es der Halbgott Herakles (Herkules), der Alkestis aus dem Totenreich zurückholt, nachdem sie für ihren Mann gestorben war. Es geht auch diesseits der Dramatik: In der Jugend-Kultserie Die drei Fragezeichen gibt es ebenfalls einen Deus ex Machina. Gegen Ende der meisten Folgen, wenn einer, zwei oder alle drei der jugendlichen Helden in Gefahr sind, taucht eine Gestalt auf und man hört einen erleichterten Seufzer: »Inspector Cotta!«
1.1 Die aktuelle Not beruhigen
Natürlich darf es auch mal heftig zugehen in einer Therapiesitzung: Starke Gefühle müssen sich ausdrücken dürfen, auch auf kindliche Art, durch Weinen oder (verbal) aggressiven Widerstand. Irgendwann muss dann die Basis für die gemeinsame Arbeit wiederhergestellt werden. Vor allem ist es mir wichtig, eine Sitzung möglichst nicht so zu beenden, dass der Patient in emotional aufgelöstem Zustand die Praxis verlässt – draußen tobt ja der gefährliche Straßenverkehr. Diese Regel hat unter anderem zur Konsequenz, dass ich mir angewöhnt habe, die Uhr genau im Auge zu behalten. Ich achte darauf, dass kurz vor Beendigung der Stunde kein neues, schmerzhaftes Thema angesprochen wird, fasse manchmal den bisherigen Verlauf der Sitzung kurz zusammen und entlasse den Patienten mit der Aussicht, dass wir an dieser Stelle in der nächsten Woche weiterarbeiten können.
Die folgenden Übungen sind im Wesentlichen dafür da, die Patientin, die Therapeutin und/oder die Situation zu beruhigen. Dabei entsteht immer auch Material für die gemeinsame Arbeit.
Anmerkung: Auch ein Witz kann entspannend und erleichternd wirken, entweder, weil wir uns darin erkennen – oder weil das Gehirn plötzlich mit etwas ganz anderem beschäftigt ist. An anderer Stelle (
Kap. 10.4 Witze als Deus ex Machina) finden Sie einige Beispiel dazu.
Übung: Einen Retter (er)finden
Nachdem der Deus ex Machina erklärt ist, können Sie mit Ihrer Patientin nach deren persönlichem Retter fahnden: »In welchem Unglück hätten Sie eine starke Hilfe gebraucht und wer hätte das sein sollen?« Hier bauen Sie ein Hilfs-Ich auf, das in aktuellen Konfliktsituationen, Krisen und bei anstehenden Aufgaben ängstlichen Menschen hilfreich zur Seite stehen kann. Ich weiß von vielen meiner Patientinnen, dass sie sich in Krisensituationen fragen: »Was würde Frau Rohwetter dazu sagen?« Und so finden sie eine Antwort, die natürlich aus ihnen selbst kommt.
Die Arbeit kann dann längerfristig fortgesetzt werden, um eine hilfreiche Instanz zu internalisieren und zu stabilisieren. Mehr zur Arbeit mit inneren Instanzen finden Sie im
Kap. 4 Wollen wir das mal spielen?.
Übung: Der Beobachter
Dies ist eine wichtige Technik, um Distanz zu Gefühlen und Erinnerungen zu bekommen. Der – durchaus variierbare – Ablauf ist folgender:
1. Die Patientin ist voll in ihrem Gefühl, ihrer Erinnerung. Immer wieder ist sie damit so identifiziert, als würde das alles gerade geschehen. (Hier erkläre ich manchmal das Phänomen der selbst-induzierten Retraumatisierung.) Ich frage die Patientin: Auf einer Skala von 1 bis 10, wie stark ist jetzt das Gefühl? (1 = nicht vorhanden, 10 = so schlimm, dass ich am liebsten sterben würde). Hinweis: Wählen Sie für die Übung kein Erlebnis, das auf dieser Skala einen Wert von 9 oder zehn hat. In diesem Fall kann die Übung vom sicheren Ort eingeschoben werden. (
Kap. 7Was wäre, wenn… – Gedankenspiele)
2. Sie bitten die Patientin, die schlimme Situation noch einmal zu erzählen, aber so, als sei sie selbst nicht beteiligt, sondern Beobachterin gewesen. Sie erzählt also in der dritten Person, berichtet von dem Kind von damals, dem Kind, das sie einmal waren und das das Schreckliche erlitten hat.
3. Erneute Überprüfung auf der Skala – in der Regel ist der Wert deutlich gesunken.
Eine ausführliche Beschreibung und Einordnung der Beobachter-Übung finden Sie in
Kap. 4 Wollen wir das mal spielen?.
1.2 Ganz entspannt im Hier und Jetzt
Ganz entspannt im Hier und Jetzt ist der Titel eines Buches aus dem Jahre 1979. Geschrieben hat es der Journalist Jörg Andrees Elten (1927–2017) über seine Zeit in Poona als Schüler Bhagwans (Osho). Der Titel könnte auch Motto der gesamten Bhagwan-Bewegung sein, und er wurde zum Running Gag, wenn später kritische Menschen über diese Bewegung sprachen. Nach wie vor halte ich diesen Satz für eine gute Beschreibung dessen, was heute Achtsamkeit bedeutet. Ich benutze ihn manchmal, wenn ich einer Patientin vorschlage, in Notsituationen eine zweiteilige Übung zu machen, mit der sie sich beruhigen kann. Diese Übung wirkt auch gut bei kürzlich getriggerten Ängsten, besonders außerhalb des therapeutischen Settings.
Übung: Wer, wann, wo bin ich eigentlich?
Anleitung: »Atmen sie einmal ganz aus, ganz wieder ein und dann normal und bequem weiter. Machen Sie sich klar, wer Sie sind: Name, Geschlecht, Alter. Welchen Tag haben wir heute, an welchem Ort bin ich?«
Schon beim 1. Teil dieser Übung wird deutlich, dass es keinen Grund gibt, sich zu ängstigen, die Realitätsprüfung bringt erste Beruhigung.
Der 2. Teil der Übung knüpft dort an: Das Hier und Jetzt ist geklärt – Und was mache ich gerade? Warum sollte ich also Gedanken an … haben? Das gehört nicht in diese Situation.
Wir haben es alle schwer, mit unseren Gedanken bei dem zu bleiben, was wir gerade tun. Wer denkt schon beim Geschirrspülen an Wasser, Geschirr und Spülmittel? Gerade diese einfachen Alltagsdinge sind zum Üben sehr geeignet. Manchmal werden wir ungehalten mit uns selbst, erleben es als Versagen, nicht genau das zu tun, was wir uns vorgenommen haben. Genau an diese Stelle passen zwei Geschichten, die Sie im
Kap. 6 Komm, ich erzähle Dir eine Geschichte finden, die von der Erleuchtung und die von der liebenden Güte handeln.
Nun folgen noch ein paar weitere Übungen auf dem Weg zur Selbstberuhigung.
Einfachste Atemübung
Atemzüge wahrnehmen, nicht kontrollieren, nicht verändern. Am besten in Gedanken dazu sagen: »Ich atme ein, ich atme aus.« Das beruhigt sehr angespannte und aufgeregte Patienten – und Therapeuten. Beide können die Übung gleichzeitig machen (nur zwei bis fünf Minuten) und tauschen sich hinterher darüber aus. Erst die Patientin, dann der Therapeut – nicht ganz so persönlich, er stellt die veränderten Gefühle in Bezug auf die aktuelle Situation dar – und bittet den Patienten, bei sich den Unterschied wahrzunehmen.
Achtsamkeitsübungen
Unterbrechen Sie »schlecht« laufende Sitzungen mit einer dieser kleinen Übungen und bieten Sie dem Patienten Folgendes an:
mit voller Aufmerksamkeit eine Kerze anzuzünden
einen Schluck klares Wasser zu trinken
einzelne Körperteile zu spüren
ein im Raum hängendes Bild zu betrachten
Erklären Sie dann das Prinzip der Achtsamkeit als Möglichkeit der Selbstberuhigung.
Übung: Mudra-Gesten
Eine andere Hilfe, die die Patientin dann auch zu Hause anwenden kann, sind Mudras. Das sind verschiedene Gesten mit unterschiedlichsten Bedeutungen. Mud bedeutet im Sanskrit: etwas, das Freude bringt. Mudras haben nicht nur religiöse Bedeutungen, sondern spielen auch eine Rolle in der asiatischen Heilkunst. Hier zwei einfache Beispiele:
1. Die Daumen berühren die Spitze der Ringfinger, das soll das Gefühl von Sicherheit und Stabilität stärken.
2. Die Daumen berühren die Spitze des Mittelfingers, das soll Geduld bringen – manchmal auch gut für Therapeuten. Jeweils ca. 3 Minuten halten.
Übung: Gefühle auflösen
Diese Übung ist aus dem Orangenen Buch (Osho, 2010, S.119ff.). Hier heißt sie Schau in deinen Kopfschmerz hinein und bezieht sich auf die Auflösung körperlicher Schmerzen. Sie ist auch bei der Auflösung seelischer Unbehagen durchaus wirksam. Ich beschreibe diese Variante so:
Gefühle werden einfach wahrgenommen, irgendwo im Körper lokalisiert. Nicht denken, nicht bewerten, nicht analysieren, nur wahrnehmen (und benennen). Nach einer Weile werden sie schwächer, manchmal lösen sie sich sogar auf.
Das Buch bietet noch weitere Übungen, die in der Therapie anwendbar sind, zum Beispiel Oshos Stopp! Meditation (ebd., S. 61). Darin wird der Patient aufgefordert, mindestens sechs Mal am Tag Stopp! zu sagen und eine halbe Minute im Augenblick zu verharren. Sie können diese Übungen in einer Sitzung vorstellen, gemeinsam praktizieren und dann dem Patienten empfehlen, zu Hause weiter damit zu arbeiten.
Übung: Ruhe spüren
Diese Übung eignet sich für Patienten, die über ihre Unruhe Bescheid wissen und Introspektionsfähigkeit verfügen. Anleitung: Zuerst ruhig atmen – ohne etwas zu verändern, einfach den Atem wahrnehmen. Gedanken kommen und gehen – diese ebenfalls beobachten, nicht eingreifen. Beim zweiten Schritt versuchen Sie, wahrzunehmen, woher die einzelnen Gedanken kommen. Das klingt merkwürdig, aber versuchen Sie es einfach. Wahrnehmen und sich wundern, was geschieht. Dritter Schritt: Achten Sie auf die Lücke zwischen zwei Gedanken, auch wenn sie nur den Bruchteil einer Sekunde dauert. Dabei nicht anstrengen, sanft konzentrieren. Bleibt es nicht sanft, zur Wahrnehmung des Atems zurückkehren. Dann wieder auf die freie Stelle zwischen zwei Gedanken schauen: Dort liegt unsere tiefe innere Ruhe – und dies war (vielleicht) der erste Kontakt damit. Sehen Sie den Raum, der sich hinter dieser Lücke auftut.
1.3 Über Sprechen und Sprache
Nicht umsonst nannte Anna O. ihre Therapie bei dem Arzt Josef Breuer (1842–1925) eine Talking Cure. Breuer setzte in dieser Behandlung (1880–1882) die Hypnose ein, um der Patientin das Reden zu erleichtern. Auch in allen heutigen Therapien, besonders natürlich in der tiefenpsychologisch fundierten Therapie und in der Psychoanalyse, spielt das Reden eine wichtige Rolle. Deshalb ist ein Blick auf die Sprache oft erhellend. Einzelne Wörter und der gesamte Sprach-Habitus der Patientin sind wichtige Hinweise. Sie sagen ebenso etwas über die sozialen Hintergründe aus, wie z. B. über Wertigkeiten und Urteile in der Herkunftsfamilie. Eine Patientin erzählt von einer Kränkung, die sie erfahren hat und sagt dabei: »Ich weiß auch nicht, warum ich jetzt heulen muss.« Da erhebt sich die Frage nach dem Umgang mit Trauer, Verletzung und überhaupt Gefühlen in ihrer Herkunftsfamilie: »War es Ihnen als Kind erlaubt zu weinen?«
Deutungen
Oft haben wir Ideen oder spontane Einfälle zu den Problemen unserer Patienten. Wir hören die Erzählung eines Ereignisses, vielleicht zum wiederholten Male. Wir haben gelernt, uns zurückzuhalten. Für manche Mitteilungen ist es zu früh, auf manche Lösungen, die wir im Kopf haben, sollen ja die Patienten selbst kommen. Manchmal aber ist es gut und sinnvoll, Impulse zeitnah auszudrücken. Was richtig und falsch oder zu früh sei, das entscheidet dann eher unsere Intuition als unser Fachwissen.
Ich denke dabei an einen Patienten, der mich vor vielen Jahren aufsuchte. Er war 36 Jahre alt, hochbegabt, schwer depressiv und hatte keine Idee, worin sein Problem begründet sein könne. Es gelang ihm keine feste Partnerschaft, obwohl er sich sehr danach sehnte. Ich hörte mir seine Geschichte an. Er war bei einer alleinerziehenden Mutter groß geworden, mit sporadischen Besuchen bei seinem Vater. Der Kontakt zur Mutter sei immer noch eng, sie liebe ihn sehr und sei immer sehr stolz auf ihn gewesen. Ganz nebenbei erwähnte er, dass seine Mutter es gern gemocht habe, wenn er sich nackt vor ihren Freundinnen gezeigt habe. Diese haben ihn auch intim berührt. »Das ist sexueller Missbrauch!« entfuhr es mir. Er war sehr berührt und erleichtert. Nie hatte ihm ein Therapeut das gesagt (und er war in zwei Behandlungen, bevor er zu mir kam). Ohne diesen spontanen Satz hätten wir sicher viel länger gebraucht, um seine Depression und seine Bindungsschwierigkeiten bearbeiten zu können.
Sicher sind solche spontanen Einfälle selten und durchaus nicht immer hilfreich. Trotzdem: Denken Sie an meine These: Sie können (fast) nichts falsch machen.
Es ist nicht alles meine Neurose
Dies ist eine wichtige Intervention bei Patienten, die sich besonders anstrengen, nicht anders zu sein als ihr Umfeld, die sich in bestimmten Lebenszusammenhängen unwohl oder sogar minderwertig fühlen. So geht es manchmal Menschen, die sich aus prekären Verhältnissen emporgearbeitet haben. Ich erkläre dann, dass es nicht nur eine individuelle Neurose gäbe und selbst an der sei ein Mensch nicht schuldig: Es gibt wirtschaftliche und soziale Bedingungen, unter denen ein Mensch groß wird, es gibt Lasten aus vorhergehenden Generationen und Prägungen durch das Umfeld. Je nach Verfassung der Patientin und der Therapiesituation beschreibe ich auch kurz den Habitus-Begriff des französischen Soziologen Pierre Bourdieu (1930–2002). Damit sind Verhaltensweisen gemeint, die kollektiv aus der sozialen Schicht des Patienten kommen und zutiefst verinnerlicht sind. Ihnen ist nur schwer beizukommen.
1.4 Ein Damm gegen emotionale Überflutungen
Wir kennen die Metaphern ›jemand sei völlig außer sich‹, ›stehe neben sich‹ oder auch, etwas weniger freundlich formuliert, ›sei neben der Spur‹. Diese Redenarten beschreiben Menschen, die gerade tief in Gedanken versunken sind, irrational handeln oder einen desorientierten Eindruck machen. Ihre Gedanken sind nicht mit der realen Situation verbunden. In solchen Zuständen können Fehler geschehen, im schlimmsten Fall sogar Unfälle. In der Regel handelt es sich bei diesen Gedanken um keine erfreulichen. Oft handelt es sich um Erinnerungen an quälende Erfahrungen. Das kann zu totalen Überschwemmungen mit äußerst schmerzhaften Gefühlen führen. In diesem Gefühlsdurchbruch werden die auslösenden Erinnerungen zur neu gelebten Realität, geradezu zur Retraumatisierung. Der Hinweis auf diese Dynamik hilft dabei, folgende Übungen zu akzeptieren. Wichtig dabei ist es auch, immer wieder zu erklären, dass es nicht darum ginge, alte Schmerzen zu ignorieren. Bearbeiten kann diese Vergangenheit aber nur der erwachsene Mensch hier und heute.
Alle Gefühle haben in der Therapie Platz. Sie wollen alle benannt, gewürdigt und ausgedrückt werden. Im Laufe des Prozesses lernt die Patientin zu unterscheiden, ob ihre Gefühle dem akuten Auslöser angemessen sind oder ob sie noch aus einer Quelle vergangener Kränkungen gespeist werden. Natürlich haben auch erwachsene Menschen Gefühle, und es ist angemessen, auf die kurzfristige Absage eines Treffens mit Enttäuschung und Ärger zu reagieren. Entstehen aber hier eine heiße Wut oder eine tiefe Verzweiflung, ist es notwendig, nach dem inneren Auslöser zu suchen.
Hier habe ich mehrere Übungen zusammengestellt, die der Patientin helfen können, wieder zu sich kommen.
Übung: Wir bleiben verbunden
Dies ist eine ganz einfache Übung: Ich nutze etwas, dass die Patientin und mich körperlich miteinander verbindet, zum Beispiel ein Springseil. Das ist lang genug, um auch in Corona-Zeiten die Abstandsregel einzuhalten. Der Griff darf gern ein Handschmeichler sein. Mit diesem Seil können sie – nach Absprache – verschiedene Handlungen ausführen, vom leichten Ruck bis hin zu einem stärkeren Zug, wenn die Patientin zum Beispiel dissoziiert. Wenn das häufiger hintereinander geschieht, wird die Patientin vielleicht zornig, weil sie sich gestört fühlt. Wunderbar! Erstens ist sie dann wieder präsent, und zweitens kann sie feststellen, dass es kein unabwendbares Schicksal ist, die reale Situation immer wieder verlassen zu müssen. Außerdem ist die reale Situation nie so gefährlich wie die imaginäre Situation, vor der sich die Patientin gerade zurückzieht. Sie befindet sich im Augenblick in der geschützten Therapiesitzung in Gegenwart einer Person, die ihr wohlgesonnen ist.
Übung: Das Thema wechseln
Manchmal ist es wichtig, eine Patientin ihren Gefühlen zu überlassen. Wenn ich ein tiefes, meist wortloses Weinen sehe, schweige ich und gebe ihr Zeit. Ebenso verfahre ich mit einem Wutausbruch. Letzteren lasse ich allerdings nicht zu, wenn er sich gegen mich richtet und beleidigend wird. Dann unterbreche ich nach kurzer Zeit und versuche, den Konflikt zu klären, den die Patientin mit mir hat. Ist das in Ruhe nicht möglich, bitte ich um eine kleine Pause. Auch dabei kann diese Übung hilfreich sein: Nachdem also die Patientin sich eine Weile ihren Gefühlen hingegeben hat, merke ich manchmal, dass sie sich schon in einem anderen Gefühlsraum befindet, zum Beispiel in einer lamentierenden Opferposition. Dann bitte ich sie sanft, mir fünf runde Dinge in diesem Raum zu benennen – oder acht Hauptstädte Europas. In der Regel wird sie mich erstaunt ansehen und dann meinem Wunsch folgen. Und siehe da: Ihr heftiges Gefühl hat sich beruhigt. Sie ist ihm gar nicht ausgeliefert. Diese Erfahrung stärkt ihren Glauben daran, dass das Schreckliche irgendwann vorbei ist und sie an der Beendigung mitwirken kann. Hier bekommt die Patientin gleichzeitig eine kleine Portion von Selbstwirksamkeitserwartung mit.
Eine Variante, besonders für traumatisierte Patienten, ist es, einen Zeitraum zu vereinbaren, wie lange sie in dem Gefühl bleiben wollen. Diese Patienten haben es oft schwer mit ihrer Heilung, weil sie glauben, das verletzte Kind in sich zu verraten, wenn es ihnen besser geht. Nach dem vereinbarten Zeitpunkt stelle ich eine der oben beschriebenen kleinen Aufgaben.
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Körper und Geist verbinden
Diese Übungen, die ihrem Wesen nach einer kognitiven Therapie entsprechen, schaffen gezielt eine Verbindung, die unser Gehirn nicht so schnell herstellen kann. Zwischen unseren älteren Gehirnteilen und dem Großhirn gibt es leider wenig Verbindungen. Deshalb können wir einen Wutausbruch auf seinem Höhepunkt nicht durch unseren Verstand stoppen – der ist einfach überflutet von Gefühlen bzw. den auslösenden Neurotransmittern. Wir können aber in ruhigen Zeiten die Pfade verbreitern. Eine Verbesserung von Symptomen geschieht nicht nur durch Arbeit an und mit den Gefühlen, sondern auch durch rationale Erkenntnisse, die dann langsam ins Gefühl einsinken und dieses dann regulierbarer machen. Diese Arbeit braucht eine Verbindung zwischen rationaler Einsicht und körperlichen Erfahrungen, das wird besonders deutlich bei den Impact-Techniken. Aber auch eine direkte Arbeit mit der Sprache kann eine Erleichterung bringen. Wie anders fühlt es sich an, ob ich sage, etwas sei zu viel oder es sei sehr viel.
2.1 Vom Loslassen
Loslassen ist, wie Gelassenheit oder Achtsamkeit, ein beliebtes Schlagwort. Wir sollen unseren Stress loslassen, unsere Anspannung, unsere unverarbeitete Geschichte. Patientinnen kommen manchmal mit der Aussage: »Ich möchte das so gern loslassen, aber ich kann nicht,« oder noch apodiktischer: »Es geht einfach nicht« Okay, üben wir uns im Loslassen.
Übung: Festhalten oder loslassen
Lassen Sie Ihren Patienten das immerwährende Thema auf ein Stück Papier schreiben. Der Text auf dem Zettel soll so konkret wie möglich sein. Zum Beispiel: »Ich werfe meiner Mutter vor, dass sie mich gegen meinen Vater nicht unterstützt hat, als ich aufs Gymnasium wollte.« Das Blatt klein genug falten, damit es in seine fest geschlossene Faust passt. Die Faust ist so geschlossen, dass der Handrücken nach oben zeigt. Der Patient streckt den Arm aus und beschäftigt sich mit dem Gedanken, was geschieht, wenn er gleich loslässt. Er soll jedes Gefühl wahrnehmen, nur beobachten, sich nicht hineinfallen lassen, also das alte Leid nicht neu erleben und damit in die Gegenwart zu transferieren. Er soll es Ihnen auch nicht erzählen (er übt sich im Containment).
Der Patient öffnet seine Faust, wenn er sich bereit fühlt loszulassen, und er nimmt seine Gefühle wahr, wenn er den Zettel loslässt. Der Patient kann Beobachter statt Opfer sein – seine Widerstände werden deutlich. Vielleicht will er gar nicht loslassen. Das ist ein gutes Thema für die weitere Arbeit.
Variante: Nach der Einfühlung wird der Zettel in der nach oben liegenden geschlossenen Hand gehalten. Das Loslassen besteht dann darin, einfach die Faust zu öffnen, wenn der Patient bereit ist. Auch das ist eine Form des Loslassens – ohne Kontrollverlust. Er hält das Papier nicht mehr fest.
Die Sitzung wird dann mit einem ganz anderen Thema weiter fortgesetzt. Der Zettel bleibt unbeachtet in der offenen Hand. Kurz vor Ende der Stunde wird reflektiert: Ist das Thema nun weniger schwerwiegend? Kann der Zettel jetzt weg? Vielleicht hat der Patient ihn schon während der Stunde ohne weitere Aufforderung losgelassen.
Übung: Gefühlsschleuder
Es gibt natürliche Gefühle, die Erwachsene haben und die bleiben, auch solche, die wir als negativ empfinden: Trauer, Einsamkeit, Enttäuschung. Wichtig ist dabei, dass Erwachsene, von Ausnahmesituationen abgesehen, diese angemessen ausdrücken können. Es ist eine wichtige Aufgabe der Therapie zu unterscheiden, welche Gefühle zu einer gegenwärtigen Situation passen und welche in ihrer Heftigkeit aus einer früheren schmerzhaften Erfahrung gespeist sind.
Folgende Übung ist hilfreich bei wiederkehrenden unerwünschten Gefühlen aus der Vergangenheit. Sie ist besonders für Kinder und Jugendliche geeignet. Dabei entsteht die Erfahrung, den Gefühlen nicht hilflos ausgeliefert zu sein.
Wie in der vorherigen Übung wird der Anlass auf einen Zettel geschrieben, dieses Mal auf ein großes Stück Papier. Das wird zu einer festen Kugel zusammengeballt – und in einen Papierkorb geworfen, der je nach Alter des Werfenden 3 bis 6 Meter entfernt stehen kann. Trifft die Kugel daneben, ist das ein Zeichen: So ist es, wenn man den Falschen anschreit. Oder, bei Angst: So ist es, wenn man vor etwas Angst hat, wo es gar keine Angst braucht. Also noch einmal werfen.
Auf diese Übung kann man während der Therapie immer wieder zurückkommen. Wenn das entsprechende Gefühl im Gespräch wiederauftaucht (an einer Stelle, wo es unnötig heftig ist), fragt die Therapeutin: »Sollen wir es in den Papierkorb werfen?« Dann kann entspannt an dem aktuellen Konflikt gearbeitet werden.
Übung: Der 30 %-Erwachsene
Wenn Menschen in Gefühlsausbrüchen beinahe verschwinden, gehen wir davon aus, dass sie gerade mit einem bestimmten Ich-Anteil identifiziert sind. Dieser, ob wütendes Kind oder verlassenes Baby, übernimmt dann die Überhand. Auch hier gilt es, das Thema zu wechseln, allerdings in einer anderen Form.
Diese Übung braucht ein bisschen Vorbereitung, ist aber dann immer wieder anwendbar. So stelle ich mit der Patientin zusammen fest, dass es auch im schlimmsten Schmerz einen erwachsenen Anteil geben muss, sonst säße sie nicht vor mir: Sie hat sich heute gewaschen und angezogen, ein Frühstück gegessen und sich auf den Weg in die Praxis gemacht, ohne sich zu verlaufen. Noch vor wenigen Minuten hat sie mich ganz erwachsen begrüßt. Auch jetzt, wo sie sich wie das verlassene Baby fühlt, sitzt sie mir gegenüber auf einem Stuhl, und wenn ich sie nach ihrer Adresse fragen würde, hätte sie die Antwort sofort parat.
Wenn ich also den Eindruck habe, die Gefühle der Patientin hätten jetzt genügend Raum bekommen, und sie findet von allein nicht heraus, spreche ich sie mit ihrem Namen an und sage etwa: »Frau X, ich würde jetzt gern mit dem 30 %-Erwachsenen-Anteil sprechen.« Da diese Intervention gemeinsam vorbereitet wurde, wirkt sie in der Regel – und die Patientin ist froh, wenn sie wieder in der Gegenwart ankommen kann. Um wie viel Prozent Erwachsensein es geht, wird mit der Patientin gemeinsam ausgehandelt. Interessanterweise setzen die meisten Patienten ihren Erwachsenenanteil höher an, als ich es vermutet hatte. Wunderbar! Damit können wir arbeiten.
2.2 Ein gutes Wort zur rechten Zeit
Mit einfachen Worten kann man andere verletzen, sich selbst widersprechen und sich Steine in den Weg legen, ohne es zu merken. Außerdem gibt es kleine Wörter, die wie ein Zauberwort einen Therapieprozess unbemerkt beeinflussen. Und es gibt einfache Worte, die Konflikte deeskalieren, Beziehungen stärken und die Dinge weniger schwer erscheinen lassen.
Hilfreiche Wörter, hemmende Wörter
Rettende und erhellende Worte können ganz klein und unbeachtet sein, hinderliche Worte ebenso. Darauf hinzuweisen und die Patientin den Unterschied fühlen zu lassen, kann viele Probleme schon relativieren und lösbarer erscheinen lassen. Zu eher bedrückenden Worten gehören: zu, aber, doch und versuchen, in einer zweiten Kategorie alle verabsolutierenden Wörter wie alle, nie und immer.
Hier ein paar Beispiele: Wie oft bekommen wir in den Sitzungen zu hören, etwas sei zu viel, zu schwer, zu … Das bedeutet, dass etwas gar nicht mehr geht. Was heißt das? Aufgeben? Sterben? Was ist denn wirklich zu schwer? Einen 100 kg schweren Stein hochzuheben, einen alten Baum aus der Erde zu reißen, das ist zu schwer, um es ohne Hilfsmittel zu tun. Vielleicht ist es hilfreicher zu sagen, etwas sei gerade sehr schwer oder sehr viel, das da zu bewältigen sei. Dabei habe ich gleichzeitig ein weiteres relativierendes Wort eingefügt, das Wort gerade, im Sinne von zurzeit. Es war ja sicher nicht immer so und wird auch nicht immer so bleiben. Und für den Jetztzustand können wir eine Lösung finden.
Ein positives Einschiebsel in einen klagenden Satz ist das Wort noch. Spüren Sie selbst den Unterschied zwischen »Ich kann das nicht« und »Ich kann das noch nicht«. In die Reihe der Worte, die uns das Leben schwer machen, gehört auch das Wort aber. Eher destruktiv ist es, zwei Satzteile mit einem aber zu verbinden. »Das ist eine gute Idee, aber…«, »Das würde ich so gern, aber… Dieser zweite Satz mit seinem aber zeigt eine Hürde an, während das kleine Wort so ein Hinweis darauf ist, dass dieser Wunsch ernst zu nehmen ist. Das Aber macht deutlich, dass nicht oder nur schwer zu erreichen sei, was sich im ersten Teil des Satzes zeigt: Freude, Erwartungen, Möglichkeiten von Wunscherfüllungen und überhaupt ersehnte Veränderungen im Leben. Das aber kann den ersten Satzteil negieren: »Ich mag dich ja gern, aber…«.
Die einfache Lösung ist es, das Wort aber durch das Wort und zu ersetzen. Viele Patienten nehmen diese Differenzierung mit Erleichterung an, erlaubt sie ihnen doch, zwei sich (scheinbar oder wirklich) widersprechende Gefühle zu haben und diese nebeneinander bestehen lassen zu dürfen. Wenn ich sage: »Ich müsste zum Zahnarzt gehen, aber ich habe Angst,« dann gehe ich nicht – unabhängig von den Konsequenzen. Sage ich dagegen: »Ich muss zum Zahnarzt gehen, und ich habe Angst«, dann gehe ich zum Zahnarzt, mit meiner Angst.
Wir alle kennen die zwei oder mehr Seelen, die manchmal in unserer Brust wohnen. Und oft werden wir mit einer rigiden Forderung konfrontiert, die da lautet, man müsse sich doch mal entscheiden: Ja oder Nein. Auch hier gibt es Zauberworte: Sie heißen vielleicht oder auch: »Ich weiß es noch nicht«. Zweifeln und Zögern sind erlaubt!
Übung: Ich kann es nicht versuchen
Besonders gern demonstriere ich mit einer kleinen Übung die Schwierigkeit, die das Wort versuchen mit sich bringt. Mit diesem Wort entsteht gleichzeitig das innere Bild einer Unmöglichkeit: Eine Patientin beschrieb das so: »Es fühlt sich an, als ob, wenn ich etwas versuchen will, ich all meine nicht hilfreichen Gewohnheiten aufrufe: Ich versuche, aber es ist so schwer, aber ich kann eigentlich nicht, aber ich glaube nicht an den Erfolg dieser Maßnahme …«
Wenn Patientinnen mir versichern, sie wollen etwas versuchen, bitte ich sie zu versuchen, aus ihrem Sessel aufzustehen. Sie stehen entweder auf oder bleiben sitzen. Das ist beides nicht die Aufgabe. Selten ist es sinnvoll, etwas versuchen zu wollen. Man kann etwas einige Male tun, um dann festzustellen, dass es keinen Spaß macht, dass man es nicht mag oder dass es einfach nicht das Richtige ist. Man kann es tun oder lassen: Das ist die zu fällende Entscheidung. Aber versuchen?
Andere, wenig hilfreiche Wörter sind die, die besonders gern in Streitfällen benutzt werden, nämlich immer und nie und deren Verwandte. Auch in der Einzeltherapie tauchen sie auf, wenn Konflikte mit Freunden, Partnerinnen oder Vorgesetzten geschildert werden. Auch in der Erinnerung an Kindheitsverletzungen tauchen sie auf: »Meine Mutter hat immer…« Auch hier ist es gut, diese Wörter zu ersetzten. Wenn etwas immer so ist (das verletzende Verhalten des Partners), dann kann man es nicht ändern. Und was man nicht ändern kann, ist kein Thema für eine Psychotherapie. Relativierende Ersatzworte können sein: Manchmal, ziemlich oft, oft, wiederholt, mehrmals…
Es gibt richtige und falsche Fragen
Ein Sprichwort sagt, es gäbe keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten. Das habe ich nicht wirklich überprüft. Sicher ist, dass es Fragen gibt, deren Beantwortung uns nicht weiterbringt. Eine davon ist die Frage: »Geht das?« Die Antwort könnte »Ja« lauten. Dann ist alles gut. Lautet sie dagegen »Nein«, ist das berühmte Ende der Fahnenstange erreicht. Die Zauberformel für diese Frage heißt also: »Wie kann das gehen?« Diese Frage erwies sich als hilfreich für eine Patientin, deren größter Wunsch es war, den Jakobsweg zu gehen. Ihre Berufstätigkeit, ihre kleinen Kinder und eine pflegebedürftige Großmutter versperrten ihr den Weg. So hieß die Antwort gleich »Nein, es geht nicht!« Die Lösung auf die Frage: »Wie kann es gehen?« sah so aus: Sie konnte sich jedes Jahr eine Woche von Beruf und Familie freimachen und wandern gehen. Im folgenden Jahr würde sie ihre Wanderung fortsetzen. So würde sie acht bis zehn Jahre brauchen. Auch auf diese Tatsache, die die Patientin eher bestürzte, gab es zur Reaktion ein Zauberwort: »Ja, und?« und eine neue Frage: »Welchen Vorteil hat das?« Sie würde sich in jedem Jahr wieder auf eine Auszeit freuen können, in der sie mit sich allein sein und neue Kräfte sammeln könnte.
Hier noch einmal eine kleine Tabelle der wenig hilfreichen Wörter und ihrer Antagonisten:
Sie können eine solche Tabelle mit Patientinnen erarbeiten und individuell um die Wörter erweitern, die durch eine besonders destruktive Sprache auffallen. Solche Menschen hören sich dabei oft klagend/aggressiv an, sie befinden sich in einer stabilen Opferposition. Hier ist für die Therapeutin Vorsicht geboten, schnell wird sie in der Übertragungsdynamik selbst zur Täterin. Die Arbeit mit Worten bringt für die Patientin eine Distanz zu ihrem Selbstbild. Nach einer Weile kann sie sagen: »So drücke ich mich ja oft aus?!« – und wir können den nächsten Schritt gehen.
Tab. 2.1: Hilfreiche Wörter

Böse WörterZauberworte
2.3 Methoden der Überraschung: Die Impact-Techniken
Das Wort Impact hat im Deutschen verschiedene Bedeutungen, nämlich Eindruck, Einschlag, Einfluss. Beim Golf wird so der Moment bezeichnet, in dem der Schläger den Ball trifft. Das ist sehr anschaulich: In diesem Moment geschieht etwas Neues (der Ball verlässt seine Ruheposition) und die Entscheidung fällt, in welche Richtung und wie weit er sich bewegen wird. Auf keinen Fall kann er in seinem alten Zustand verharren. Ist der Ball nicht getroffen, haben wir auch keinen Impact. In der Werbung ist der Impact der Anstoß zum Erfolg eines Produkts.
Es, kann zu sehr erfrischenden und entlastenden Momenten führen, die Impact-Techniken in der Psychotherapie anzuwenden. Sie können das Begreifen von Zusammenhängen erleichtern und neue Erkenntnisse und Entwicklungen ermöglichen. Sehr wirksam sind diese kleinen Zaubereien bei Kindern und Jugendlichen. Ich wende sie auch gerne bei Erwachsenen an, wenn diese in einem Gefühl feststecken. Die besondere Wirksamkeit besteht darin, dass zusätzliche Sinneseindrücke andere Reaktionen/Emotionen auslösen als rein sprachliche Interventionen. Es werden verschiedene Gedächtnisleistungen unterstützt, wir sprechen hier vom multi-sensorischem Lernen. Abstrakte Gedanken werden bildhaft gemacht. Erkenntnisse, die durch die Verbindung von konkreten Bildern und Emotionen entstehen, werden gut gespeichert und sind außerordentlich wirksam dabei, Veränderungen zu stabilisieren. Sowohl die Erkenntnisse als auch die Veränderungen müssen nach der Überraschung in den gesamten Therapieprozess integriert werden. Manchmal sind Wiederholungen und Varianten notwendig, gerade die Differenz dieser Wiederholungen spiegelt den Therapieprozess.
Die bekanntesten Impact-Techniken sind gleichzeitig meine Lieblingsübungen. Meine Quelle für folgende Beschreibungen ist das Buch der kanadischen Psychologin Danie Beaulieu (2005).
Übung: Was ist ein 50-Euroschein wert?
Die Impact Techniken bieten verblüffende Übungen für Menschen mit starker Selbstwertproblematik an. Die Vorstellung mit dem Geldschein beeindruckt Patienten außerordentlich. Dieser Effekt ist allerdings nicht wiederholbar, die meisten dieser Zauberübungen sind es nicht. In der Therapie werden Sie mit dem Ergebnis der Übung weiterarbeiten. Vielen von Ihnen wird diese Übung bekannt sein. Setzen Sie die Übung auch dann ein, wenn Sie nicht mit Kindern und Jugendlichen und nicht verhaltenstherapeutisch arbeiten, weil sie wirklich kleine Wunder bewirken kann.
Und so funktioniert es:
Sie nehmen also einen 50-Euro-Geldschein – er darf auch von höherem Wert sein, da die Patientin sich mit dem Wert identifizieren soll. Fragen Sie zuerst: »Wie viel ist dieser Schein wert?« Nach der etwas irritierten Antwort der Patientin nehmen Sie den Schein und zerknittern ihn tüchtig. Sie dürfen auch auf dem Schein herumtreten. Dann streichen Sie ihn glatt und zeigen ihn der Patientin wieder mit derselben Frage: »Wie viel ist dieser Schein wert?« Und siehe: Der Wert eines Geldscheines ist nicht davon abhängig, was mit ihm geschehen ist. Um wie viel mehr gilt das für Menschen. Vielleicht müssen Sie der Patientin den Schein später noch einmal zeigen. Geben Sie also den faltigen 50-Euroschein aus Ihrer Geldbörse in der Zwischenzeit nicht aus!
Übung: Der Text bleibt erhalten
Hier geht es um die Identität, die manche, besonders die traumatisierten Patienten glauben verloren zu haben. Nehmen Sie ein weißes Blatt mit einem Text. Dieser kann ganz neutral sein. Noch besser ist es, einen schönen, positiven Text zu finden, vielleicht ein Gedicht oder die ersten Paragrafen des Grundgesetzes. Wenn möglich, lassen Sie die Patientin diesen Text vorlesen. Dann verfahren Sie mit dem Blatt wie mit dem Geldschein. Am Ende lassen Sie die Patientin wieder vorlesen: Der Text ist geblieben. Das, was die Patientin auf die Welt mitgebracht hat, ist erhalten geblieben: der Wunsch nach und die Fähigkeit zu Kontakt ebenso wie Neugier und das Bedürfnis, die Welt kennenzulernen. Vielleicht sind manche Stellen schwerer zu lesen, manche Buchstaben gar unleserlich. Dann ist es ein Ziel der gemeinsamen (!) therapeutischen Arbeit, diese Lücken vorsichtig zu ergänzen.
Übung: Falten in der Paarbeziehung
Die letzte Übung mit dem weißen Blatt ist in gleicher Weise hilfreich für strittige Paare: Das glatte weiße Blatt zeigt den Beginn der Beziehung – eventuell auch da schon durch die Brille mit rosa Gläsern betrachtet. Dann kommen die ersten Knicke in das Blatt. Sie falten es ein paar Mal. Das ist die Realität, die Beziehung bleibt nicht ohne manchmal schmerzliche Erkenntnisse und Veränderungen. Wenn Sie das Paar gut kennen, können Sie auch einzelne Knicke benennen. Dann kam eine schwere Krise. Sie knüllen das Blatt zusammen. Sie können dann sagen: »Nun sind Sie hier, um diese Knitter wieder zu glätten. Sie können das Papier sogar bügeln, die Spuren werden bleiben. Sie machen jetzt die Besonderheit Ihrer Beziehung aus. Das Blatt gänzlich zu zerreißen, wäre die letzte Lösung.«
Übung: Von platzenden Kragen und überlaufenden Fässern
»Ich will das ja gar nicht, aber plötzlich habe ich so eine Wut, dass ich wieder …« Die folgende Übung ist eine sehr einleuchtende Darstellung davon, wie ein Impulsdurchbruch funktioniert und eine gute Übung für Choleriker und Menschen mit erhöhtem Aggressionsspiegel.
Die Metaphern, die diese Übung beschreiben, sind zwei von vielen. Die platzende Hutschnur und das Explodieren gehören auch dazu. Gerade letzteres geschieht in der Übung. Die Patientin nehme eine Flasche Mineralwasser, schüttele sie tüchtig und öffne dann den Verschluss. Ich rate hier zu einem Drehverschluss, dann spritzt es in alle Richtungen. Beim Kronkorken bekommt der Therapeut ungerechter Weise das meiste ab. Die Flasche stand also gehörig unter Druck. Nun geschieht ein Trigger. Ein Trigger ist ein Element des Erlebens, dass im ursprünglichen Trauma auch schon vorhanden war. In unserer Vorführung wird der Trigger durch das Öffnen der Flasche dargestellt. Hier kann mit dem Patienten besprochen werden, was ihn veranlasst, die Flasche so plötzlich zu öffnen und was den Druck darin so gesteigert hat. Machen wir diese Übung mit einer halbvollen Flasche, gibt es noch ein wütendes Zischen, aber deutlich weniger Sprühregen. Eine andere Möglichkeit ist es, die volle Flasche ganz behutsam zu öffnen.
Die Patientin bekommt hier einen Eindruck von dem, was mit ihr geschieht, wenn sie mal wieder aufbraust. Wichtig dabei ist, dass ganz neutral erst einmal ein innerer Vorgang geklärt werden kann, ohne (Selbst-)Vorwürfe und ohne Beschämung. Das bietet eine gute Grundlage, um am Verständnis der Ursachen als auch an der Entwicklung von Lösungen zu arbeiten.
Übung: Überflüssige Gefühle abschneiden
Der Titel klingt ein wenig martialisch. Dabei ist er wörtlich gemeint. Ich denke dabei an eine Patientin, die schwer darunter litt, eine Stelle, für die sie sich beworben hatte, nicht bekommen zu haben, obwohl man ihr große Hoffnungen gemacht hatte. Der alte Job war bereits gekündigt. Wir sammelten die Gefühle, die sie bei sich identifizieren konnte: Enttäuschung, Schuldgefühle, Beschämung, Trauer und Wut. Wir schrieben alle diese Gefühle auf ein Blatt Papier, so, dass sie voneinander abgegrenzt waren. Dann gab ich der Patientin eine Schere und bat sie, alle Gefühle abzuschneiden, die nichts mit der realen Situation zu tun haben. Die Beschämung, das hatten wir bereits erarbeitet, war durch den Satz ihres Vaters entstanden, der ihr immer wieder gesagt hatte, sie sei dumm wie Bohnenstroh und könne ihrem Bruder nicht das Wasser reichen. Schuldgefühle gab es, weil sie ihrer Mutter eine Geldsumme nicht zurückzahlen konnte, die diese ihr hinter dem Rücken ihres Vaters geliehen hatte. Die Enttäuschung kannte sie aus vielfältigen Erfahrungen, weil ihr immer wieder Versprechungen gemacht worden waren, die die Eltern nicht einlösten. Es blieben Trauer und Wut. Die Patientin milderte dann noch die Trauer in Bedauern und die Wut in Ärger, so dass am Ende der Zettel sehr klein wurde.
In der Psychotherapie mit Kindern kann diese Übung mit verschiedenfarbiger Knete durchgeführt werden. Und aus dem dicken Ball wird oft ein kleines Kügelchen.
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Ich denke: So bin ich – und so sollte ich sein
»Ich bin nicht das, was mir passiert ist, ich bin, was ich entschieden habe zu werden.«
C. G. Jung (1875–1961)
3.1 Focusing
Focusing ist eine Psychotechnik, die wir intuitiv selbst im Alltag anwenden. Wir fühlen ein diffuses Unbehagen, wenn das deutlich genug ist, suchen wir nach der Ursache. Das Überraschende ist, dass das Unbehagen schon nachlässt, wenn wir seinen Grund gefunden haben. Ein Beispiel: Irgendetwas grummelt den ganzen Tag, macht uns unruhig und ängstlich. Dann erkennen wir, dass wir ja noch Tante Birgit eine Geburtstagekarte schicken wollten. (Der Grad des Unbehagens ist unabhängig von Grund.) Schon lässt das Unbehagen nach und wir können die Ursache beseitigen oder zumindest nach einer Lösung suchen.
Als ebenso schnelle Hilfe, ist das Focusing besonders geeignet für eine Kurzzeittherapie. Es geht um die Benennung eines Grundkonfliktes. Bei einer ausführlichen Anamnese lässt sich ein solcher Fokus relativ leicht finden, besonders bei Patienten, in deren Leben sich zum Beispiel verschiedene Konflikte wiederholen. Es wird ein Satz gebildet, der zuerst das Problem beschreibt, dann das dazugehörende Gefühl und schließlich das innere Programm (den Glaubenssatz) der Patientin. Der Satz einer ängstlich-vermeidenden Patientin lautete zum Beispiel »Wenn ich autonom bin und tue, was ich mag, wird meine Mutter krank.«
Das Fokussieren eignet sich übrigens auch sehr gut als Selbsthilfe-Übung. Hilfreich dabei ist das Buch des austro-amerikanischen Philosophen Eugene Gendlin (1988), der diese Methode entwickelt hat. Für Kolleginnen empfehle ich das Buch des Psychotherapeuten Klaus Renn (2016).
Beim Focusing geht es schlicht um das Verstehen, nicht ums Diagnostizieren oder Pathologisieren. Besonders hilfreich ist diese Methode in der Paartherapie: Gelingt dem Paar eine Formulierung im WIR? Dabei kann es sich ebenso um eine gemeinsame (auch positive) Grundfantasie handeln wie um den gemeinsamen Satz zu dem Konflikt, der sie in die Therapie gebracht hat.
3.2 Glaubenssätze
Schon bevor wir auf die Welt bekommen sind, hatten die Eltern ein Bild von uns und Wünsche, wie wir werden sollen. Dieses Bild, das die Eltern von uns haben, ist wichtig, es setzt uns in dieses als Mensch ein, als Subjekt mit Aussehen und Eigenschaften. Schwierig wird es erst, wenn die Eltern an ihrer Imagination festhalten. Dann setzen sie dem heranwachsenden Kind nach ihrem Bild Regeln und Grenzen, die seine Individuation behindern.
Wir sind alle mit bestimmten Sätzen aufgewachsen, wie wir sind, wie wir zu handeln haben und wie die Welt ist. In diesen angeblichen Sicherheiten, die durch Zuweisungen entstanden sind, internalisiert wurden und sich zu Selbstbild und Rollenselbstverständnis entwickelt haben, steckt oft tiefes Leid. Dabei geht es oft um Gefühle wie Schuld, Scham und Insuffizienz. Auf eine kurze Formel gebracht, könnte es so heißen: »Ich bin nichts, ich kann nichts und alle wissen das, und deshalb kann mich niemand leiden.« Es gibt verschiedene Arten dieser Zuschreibungen und den daraus folgenden Glaubenssätzen: Mit Worten und Gesten wird dem Kind schon deutlich gemacht, dass es so, wie es ist, nicht richtig ist. Es ist zu laut, zu albern, zu klein, zu schwach. Hier wird eine Grundlage gelegt, auf die oft in der Pubertät aufgebaut wird. Besonders unwiderlegbar sind körperliche Entwertungen: zu dick, Haare zu dünn, Haltung schief. Ein Patient litt unter der häufigen Korrektur seines Vaters: »Geh gerade, du gehst wie ein Bauer.« Wobei ihm der Vater auf dem Weg zur Kirche die Spitze seines Regenschirmes in den Rücken bohrte. Dieses Bild benutzten wir in der Therapie als Fokus (
Kap. 3.1). Mit den gleichen Empfindungen wie bei den Zurechtweisungen durch seinen Vater nahm der Mann jede noch so vorsichtig geäußerte (und berechtigte) Kritik auf, besonders, wenn sie von seiner Frau oder seinem Vorgesetzten kam. Aktualisiert und in den Fokus gebracht wurde diese Geschichte in der Therapie, als ich ihn darauf hinwies, dass er zum wiederholten Mal zu spät gekommen war.
Andere Zuschreibungen erwachsen daraus, wie man sein Leben gestaltet: »Du hast den falschen Beruf, das ist doch brotlose Kunst«, »Willst du wirklich diesen Mann heiraten? Der kann dir doch nicht das Wasser reichen.« Es gibt unzählige Möglichkeiten, ein Kind zu kränken und die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls zu verhindern. Natürlich entstehen auf diesem Hintergrund auch Gefühle von Aggression und Hass ebenso wie die narzisstische Leere. Die Form der Glaubenssätze, die vorgibt zu wissen, wie die Welt ist, zeigt sich oft in einem Übertragungsmodus, in Neid oder der Spiegelung des rigiden Über-Ichs, denn so tun sie am wenigsten weh: Nicht an mir ist etwas falsch, sondern die anderen sind schuld, und das Leben ist sowieso ungerecht.
Im Laufe der Anamnese und der anschließenden Zusammenarbeit stoßen wir immer wieder auf solche Sätze: »Etwas ist falsch an mir«, »Ich mache etwas falsch.« Diese Selbstzweifel und -entwertungen beziehen sich auf alle Rollen, die wir im Leben einnehmen: als Berufstätige, Elternteil, Freundin, Partnerin oder Kind. Den Sätzen auf die Spur zu kommen, erfordert eine ebenso behutsame und geduldige Arbeit wie die das Auffinden ihrer Hintergründe und der Gefühle, die mit diesen schmerzhaften Gedanken verbunden sind. Wie das gehen kann, möchte ich an folgendem Beispiel erläutern:
Übung: Von der perfekten Mutter zur genügend guten Mutter
Hier geht es um Glaubenssätze, die eine Rolle betreffen, nämlich die Rolle als Mutter.
Ein schönes Bespiel für die Arbeit mit diesen Glaubenssätzen erlebte ich mit einer jungen, überaus klugen Patientin, Frau C. Sie war Archäologin und liebte ihre Arbeit sehr. Als sie dann schwanger wurde, arbeitete sie weiter, ohne auf ihren Zustand Rücksicht zu nehmen. Auch da mag schon ein Glaubenssatz verborgen gewesen sein. Sagt man nicht, eine Schwangerschaft sei keine Krankheit? Das stimmt natürlich. Aber es ist eben ein besonderer Zustand großer körperlicher Veränderungen, gut beschrieben in der Metapher, die aus der Mode gekommen ist, eine Frau sei in anderen Umständen. Heute trauen sich junge Frauen oft nicht mehr, diesen Umständen Rechnung zu tragen, weil ihnen auch aktuelle Glaubenssätze in die Quere kommen: Eine Frau, die ihre Schwangerschaft in den Mittelpunkt stellt, ist nicht emanzipiert, kann (oder darf) keinen beruflichen Ehrgeiz haben. Also tat Frau C. ihr Bestes, um nicht den Eindruck zu erwecken, ihre Schwangerschaft schränke ihre Arbeitsfähigkeit ein. Hinzu kam noch, dass sie sich gerade ihren Platz im Team schaffen musste.
Ihrem Kind gegenüber entwickelte die Patientin wegen dieser Haltung Schuldgefühle. Nach der Geburt quälte sie sich mit dem Gefühl, einfach keine gute Mutter sein zu können, besonders, da sie in den ersten Wochen an einer leichten Wochenbettdepression litt. Immer wieder wurde ihr angebliches Unvermögen zum Thema: »Ich bin keine gute Mutter«. Ich ließ sie aufschreiben, wie denn eine gute Mutter zu sein habe. Es kam eine lange Liste zustande. Wir arbeiteten exemplarisch an einzelnen Sätzen. Hinter jedem verbargen sich Erlebnisse, Gefühle und Kindheitserinnerungen. Es zeigten sich die wortkarge Unverbundenheit in ihrer Familie und der nicht ausgesprochene aber schlecht verhohlene Leistungsanspruch. Zu jedem ihrer rigiden Glaubenssätze fand Frau C. im Laufe der Zeit eine Alternative, manche wurden abgemildert, zu anderen fand sie das direkte Gegenteil – und einige wurden einfach gestrichen. Ich hatte inzwischen den Begriff der good enough mother des englischen Kinderarztes und Psychoanalytikers Donald Winnicott (1896–1971) eingeführt. Nach längerer, von viel Trauer begleiteter Arbeit bat ich die Patientin, ihre Ansprüche ans Muttersein zu modifizieren.
Ich habe hier in einer Tabelle auszugsweise das Ergebnis unserer Arbeit zusammengestellt:
Tab. 3.1: Wie gut ist gut genug?


Die gute MutterDie genügend gute Mutter
Sie können sich vorstellen, unter welchem Druck die Patientin stand, um so viele Sätze zusammenstellen zu können. Wir hätten auch mit anderen Ich-Anforderungen arbeiten können: Wie muss sie im Beruf sein, als Tochter, als Freundin, als Partnerin. Die rechte Spalte in der letzten Zeile habe ich freigelassen, sie verdient es, extra beachtet zu werden, da sie fast wie Poesie klingt. Die Patientin schrieb: »Eine gute Mutter ist eine genügend gute Mutter. Eine genügend gute Mutter vermittelt ihrem Kind automatisch ein Urvertrauen. Eine genügend gute Mutter ist eine gute Mutter.«
Wir beendeten die Arbeit mit einem kleinen Theaterstück, um die neuen Glaubenssätze mehr zu verankern. Dabei sprach ich die Sätze aus der ersten Spalte, Frau C. die Gegensätze. Ich achtete darauf, dass das, was sie sagte, in meinen Ohren glaubwürdig klang. Das gelang verblüffende schnell. Da die Patientin Erfahrungen im Theaterspielen hatte, wurde sie wirklich überzeugend – und unser kleines Theaterstück machte uns beiden Spaß.
Epilog zur obigen Fallvignette
Etwa drei Monate später, Quartalsbeginn: Die Patientin sucht in ihrer Geldbörse ihre Krankenkassenkarte. Sie hält eine in den Händen und sagt dann: »Das ist die von meiner Tochter!« – Ich sage: »Ich habe keine Kassenzulassung für Kinder und Jugendliche!« Ihre Antwort, in überzeugendem Ton: »Meine Tochter braucht auch keine Therapie!«
Übung: Das Theater mit den Glaubenssätzen
Die oben beschriebene Übung des Theaterspielens lässt sich auch leicht durchführen, wenn es nur um einen einzelnen negativen Satz geht. Immer wieder kann der Therapeut diesen Satz sagen, der Patient widerspricht ihm. Er darf dabei auch seine Lautstärke steigern. Ob das auch der Therapeut darf, hängt von der Situation, der Beziehung und der Stabilität des Patienten ab. Wenn möglich, führen Sie diese Übung so lange fort, bis Sie das Gefühl haben, der Patient meine wirklich, was er da sagt – und wenn es auch nur für den Augenblick ist.
Übung: Bessere Sätze finden
Glaubenssätze können auch ganz überindividuell sein, sie spiegeln oft eine allgemeine, sehr rigide Moral. Solche Sätze sind unwiderlegbar. Sie machen uns bzw. den Kindern in uns, ein mulmiges Gefühl und erzeugen Hilflosigkeit ebenso wie das Gefühl, etwas falsch zu machen oder falsch zu sein. Was soll man schon einwenden, wenn man mit Sätzen groß geworden ist wie »Das tut man nicht« oder »Was sollen die Leute dazu sagen?«
Besonders wirksam sind rigide, manchmal sadistische Redewendungen, von denen ich nur hoffen kann, dass sie heute keine Verwendung mehr finden:
Eigenlob stinkt.
Übermut tut selten gut.
Vögel, die morgens singen, holt abends die Katz.
Wenn das Huhn heiter und fröhlich ist, fängt ihm der Habicht das Küken weg.
Jungen weinen nicht.
Ein Indianer kennt keinen Schmerz.
Viele Patienten haben eine eigene Sammlung davon. Auch der Satz »Sei nicht so albern«, der seinen Inhalt nicht einmal in einer fantasievollen Metapher verbirgt, ist gut geeignet, Lebendigkeit und Fantasie zu schwächen. Die Anwendung dieser oder ähnlicher Sprüche hat die gleiche Aufgabe wie auch die implantierten Glaubenssätze, nämlich die Lebhaftigkeit und Sorglosigkeit eines jungen Menschen zu beschneiden und ihn zu einem normalen, gut funktionierenden Erwachsenen zu machen. Letzteres wird von den Eltern oft als Erziehungsauftrag verstanden. Interessanterweise zeigt sich diese Haltung sogar bei den aufgeklärten Eltern der 68er Generation. Auch diese hatten ein Bild davon, zu welchem Erwachsenen ihr Kind werden sollte – nur eben ein anderes, und die dazugehörenden Sprüche waren milder.
Die Arbeit mit diesen Sprüchen ist für manche Patienten erschreckend, weil sie ein Eindruck davon bekommen, wie bedroht sie sich in ihrer kindlichen Lebendigkeit gefühlt haben müssen. Umso mehr Spaß macht dann die Entwicklung von Gegen-Sprüchen. Das können selbsterfundene Sätze oder Zitate sein, die ich im Bedarfsfall auch gern vorschlage. Manchmal ist es sinnvoll, den Patienten einfach auf die Suche zu schicken. Es wird ihn erstaunen, wie viel prominente Unterstützung er bekommt, wenn er versucht, sich diesen Sätzen zu entziehen. So fand ich zum stinkenden Eigenlob die Antwort von Goethe: »Selbstlob! Nur dem Neider stinkt’s. Wohlgeruch Freunden und eignem Schmack!« Recht hat er. Zur Albernheit fand ich den kleinen Aphorismus von Peter Bamm (1897–1975): »Albernheit ist eine Erholung von der Umwelt.« Und dass Übermut immer guttut, dürfte mittlerweile bekannt sein. – Es geht hier nicht um Moral, sondern darum, Urteile und Vorurteile in ein Gleichgewicht mit der Realität zu bringen.
Diese Übung funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die obige Übung Von der perfekten Mutter zur genügend guten Mutter.
Die Patientin sammelt alle Sätze, mit denen sie als Kind eingeschränkt und geängstigt worden ist. Daneben erfindet sie (mit Ihrer Unterstützung) Gegensätze. Wahrscheinlich ist viel Hilfestellung nötig. Es soll keine Zensur, keine Einschränkung geben. Heißt der negative Glaubenssatz: »Du bist gar nichts«, ist der entsprechende Satz »Ich bin alles«. Bei der Arbeit mit diesen Sätzen dürfen Trotz und viel Fantasie im Spiel sein. Später im Prozess können diese Sätze relativiert, das heißt, einer erwachsenen Realität angepasst werden.
3.3 Über-Ich und Ich-Ideal
Ganz gleich, ob Sie tiefenpsychologisch oder verhaltenstherapeutisch arbeiten, die Begriffe Über-Ich und Ich-Ideal helfen, um die Psychodynamik dessen zu verstehen, was wir Glaubenssätze nennen. Beide Begriffe stammen von Freud, er verwendet sie manchmal synonym (in Das Ich und das Es, 1923), manchmal unterscheidet er sie. Im zweiten Fall enthält das Über-Ich die Summe aller elterlichen Ge- und Verbote, es verkörpert also die Gesetze und wirkt als Richter (vgl. Laplanche & Pontalis, 1978, S. 540ff.). Das Ich-Ideal ist eine Art »Vorbild, an das das Subjekt sich anzugleichen sucht.« (ebd., S. 203). In diesem Ideal von sich selbst, dass jeder Mensch in sich trägt, sammeln sich noch andere Ansprüche, kollektive, ideologische und religiöse, so wie das Mutter-Ideal, mit dem meine Patientin aus dem obigen Beispiel so kämpfte. Den beiden Instanzen oder Funktionen, Über-Ich und Ich-Ideal ist es zu verdanken oder anzulasten, dass wir uns so schwer von Zuschreibungen lösen können, die uns in der Kindheit gegeben wurden. Sie stehen zu einem großen Teil unserem Bewusstsein nicht zur Verfügung, wir handeln einfach danach, manchmal mit einem Gefühl von Unbehagen. Frau C. (
Kap. 3.2) spürte neben ihren Schuldgefühlen immer auch eine Ambivalenz: Ja, vielleicht müsse sie alle diese Ansprüche (an sie als Mutter) erfüllen, aber sie wünsche sich doch auch etwas anderes. Diese Ambivalenz wurde in behutsamer und geduldiger Arbeit aufgedeckt. Hierbei stelle ich immer wieder die Frage: »Wer sagt das?«
Gleichzeitig benutze ich verschiedene darstellende Spiele, um beide Seiten voneinander zu trennen. So saß zum Beispiel auf einem Stuhl das Ich-Ideal, auf dem anderen das (erwachsene!) Ich. Oder es gab die Stimme des rigiden Anteils und das kleine Mädchen, das eingeschüchtert glaubte und befolgte, was man ihm sagt. Bei dieser Arbeit mit inneren Anteilen, den Ego-States (
Kap. 4Wollen wir das mal spielen?) braucht es allerdings immer auch einen Beistand, ein gutes Objekt, dass dem Kind zur Seite stand. Ich war stolz darauf, dass am Ende die Patientin diese Rolle selbst übernehmen wollte.
Damit sind wir dann der Selbsterkenntnis, der Ressourcennutzung und der Selbstakzeptanz der Patientin nähergekommen. Wir können uns im Leben und im psychischen und sozialen Wachstum umfangreich verändern, wir können neue Reaktionsformen finden, Stereotypen ablegen, ruhiger und mitfühlender handeln. Und schon das sind Entwicklungen, die über einen einzelnen Therapieprozess hinausgehen. Nicht umsonst spricht Freud von der »endlichen und der unendlichen Analyse« (1937). Dieses Statement gilt natürlich für jede Form der Therapie, weshalb es auch keineswegs falsch ist, nach einiger Wartezeit eine weitere Therapie zu beginnen. Die Wartezeit gilt der Integration des bisher Erarbeiteten. Neben den Entwicklungen, die möglich sind, braucht es auch die Akzeptanz dessen, was nicht zu ändern ist. Sheldon Kopp (1929–1999), ein erfahrener, Bücher schreibender Therapeut, beschreibt, wie er sich bei den kleinen Smalltalks, die sich zwischen den Sitzungen eines Kongresses entwickelten, immer noch ängstlich und unsicher fühlte: »Ich bin eben schüchtern. Ihr könnt es mögen oder nicht. Es ist das Beste und das Schlechteste von mir; nur das Zudecken, das Verstecken, das Weglaufen, das bin ich nicht. Doch, all das, was ich nicht bin, bin ich auch« (Kopp, 1985, S. 190ff.).
Folgende Übung kann allen oben genannten Sätzen von Ich-Ideal und inneren wie äußeren Kritikern entgegengehalten werden:
Übung: So bin ich
Es gibt eine aggressive Art »So bin ich eben!« zu sagen. Da ist keine Veränderung zu erwarten. Und es gibt eine Weise, die nach Mitgefühl, Geduld und Verständnis klingt: »So bin ich, so bin ich geworden, ich habe Gründe, so zu sein. Einiges gefällt mir nicht und ich versuche, es zu verändern. Manches werde ich nicht verändern können. So bin ich jetzt!« Manche Patienten verstärken dann ihre Aussage: »Aber das, was ich vielleicht nie verändern kann, kann ich gerade nicht leiden.« »Ja, auch das gehört dazu«, antworte ich dann. »Sie sind das, was sich nicht ändern lässt – und die, der das nicht gefällt.« Der akzeptierende Satz liegt immer oben darüber.
Das Ich-Ideal nährt den inneren Kritiker (und umgekehrt). Das ist der Ich-Anteil, der uns das Leben damit schwer macht, dass wir nie gut genug sind oder handeln. Die Arbeit mit dieser Instanz ist anstrengend, aber auch interessant – und für den Patienten sehr entlastend. Neben seinen negativen Anteilen, also dem Aspekt des rigiden Über-Ichs, hat der innere Kritiker auch einen sehr fürsorglichen Anteil. Er sorgt dafür, dass wir unser Leben in die Hand nehmen und unsere Wünsche/Pläne verwirklichen. Da es sich um einen Ich-Anteil handelt, gilt es, sich diesen zum Freund zu machen. (Die meisten Patienten würden diese unangenehme Stimme gern loswerden.) Für die Arbeit mit diesen Ich-Anteilen empfehlen sich verschiedene Methoden: Wir können sie auf unterschiedliche Stühle setzen, imaginäre Gespräche mit ihnen führen, sie im Rollenspiel zu Wort kommen lassen oder mit ihnen Briefe wechseln. – So eignet sich die Technik der fünf Briefe (
Kap. 8.1) sehr gut für die Arbeit mit dem inneren Kritiker. Am Ende aller Arbeit mit den inneren Stimmen sind die Fragen zu beantworten: »Was willst du von mir? Was kann ich tun, um dich gütig zu stimmen? Was kannst du mir geben – wobei hilfst du mir?«
Übung: So bin ich nicht
Die tiefe, unbewusste Überzeugung, so zu sein – unzulänglich, nicht liebenswert, insuffizient und von schlechtem Charakter – bestimmt häufig das Handeln und Auftreten unserer Patienten. Die Arbeit daran erfordert einen langen, von Geduld und Empathie getragenen Prozess. Was ist, wenn eine Situation eintrifft, vor der der Patient sich fürchtet, die aber unumgänglich ist? Dabei kann es sich sowohl um einen Besuch bei fremden Menschen als auch um ein Vorstellungsgespräch handeln. Ich schlage dann eine aktive Situationsvorbereitung vor. Diese Übung habe ich in ähnlicher Weise schon in einem anderen Buch ausführlich beschrieben (Rohwetter, 2020, S.66f.). Dies ist eine Übung, zu der viel pragmatisches Denken und eine Portion Fantasie gehören. Wichtig dabei ist es, dass die Patientin nicht in irgendein Drama, also in Ängste oder furchtbare Erinnerungen geht. Da ist die strukturierende Seite der Therapeutin gefragt.
Zuerst wird die zu erwartende Situation abgeklärt. Was erwartet die Patientin, was befürchtet sie, wie kann sie sich auf die einzelnen Aspekte vorbreiten? Welche Hilfsmittel kommen in Frage? Gibt es Unterstützer und Verbündete? Kann eventuell der Unterstützer hilfreich sein, der in der Übung Den Dämonen Nahrung geben (
Kap. 4.7) erworben wurde?
Die weitere Arbeit beinhaltet konkrete Dinge wie Körperhaltung (dazu siehe die Übung Mit beiden Beinen fest auf der Erde stehen in
Kap. 5.1) und das Wählen der Kleidung. Liegt das Problem in der Angst, nichts sagen zu können, können dafür Lösungen gefunden werden. Manchmal ist es gar nicht nötig, viel zu sagen. Was kann man fragen, um andere zum Reden zu bringen? Sollte es sich um ein Vorstellungsgespräch handeln, muss die Patientin natürlich etwas sagen. Aber auch hier ist es erlaubt, erst einmal zu fragen. Dazu hat sie sich natürlich ausführlich vorbereitet, in dem sie sich genau über den Arbeitgeber informiert hat. Zur Unterstützung können ihre möglichen Fragen auf einem Blatt Paper stehen. Wird sie selbst dann gefragt, verschafft sie sich vielleicht Zeit mit Sätzen wie: »Ich weiß nicht ob ich Ihre Frage richtig verstanden habe, meinten Sie …«
Diese Übung kann öfter wiederholt und auch außerhalb der Therapie mit Freundinnen geübt werden. Eine solche Situation zu meistern, ist sehr befriedigend. Diese Erfahrung bestätigt den Aphorismus: »Wie wird man mutig? Indem man so tut, als sei man mutig« (angeblich ein chinesisches Sprichwort).
3.4 Das ist aber egoistisch!
Für Menschen mit einem so einem rigiden Über-Ich wie die junge Mutter, die ich oben beschrieben habe, ist es schwierig, das Konzept von Selbstfürsorge und Selbstbemutterung zu verstehen. Wenn ich (in voller Überzeugung) sage: »Es ist doch in erster Linie wichtig, dass es mir gut geht«, reagieren sie manchmal empört, manchmal aber auch hoffnungsvoll fragend: »Ist das nicht egoistisch?« Natürlich antworte ich mit einem Ja. Überzeugender wirkt folgende Übung:
Übung: Selbstfürsorge und schlimmes Zahnweh
Ich bitte die Patientin, mir ihren letzten wirklich schrecklichen Schmerz zu schildern. Meist kommt dann an eine Erinnerung an körperliche Schmerzen, schlimmes Zahnweh, eine kindliche Mittelohrentzündung oder eine Appendizitis. Ich lasse mir den Schmerz genau beschreiben. Dann bitte ich die Patientin, folgende Frage zu beantworten: Wie üben Sie mit diesen Schmerzen Ihren Beruf aus? Wie groß ist Ihre Bereitschaft, sich den Kummer einer Freundin anzuhören? Wie stark ist Ihr Liebesgefühl Ihrem Partner gegenüber, wenn Sie Schmerzen haben? Das ist vielleicht eine ziemlich drastische Methode – und sie ist nicht für alle Patienten geeignet. Manchmal allerdings bewirken diese Fragen Wunder. So antwortete eine sehr altruistische Patientin auf die letzte Frage spontan: »Wenn es mir gut geht, liebe ich meinen Mann viel mehr!«
Anmerkungen:
1. Diese Technik verfehlt ihre Wirkung, wenn wir es mit dem Abwehrmechanismus der altruistischen Abtretung zu tun haben. Hier bezieht die Patientin ihren emotionalen Gewinn gerade aus dem Verzicht. Dieser geht (jedenfalls zuerst) verloren, wenn sie sich verstärkt um sich selbst kümmert.
2. Meiner Erfahrung nach hat diese Abwehrform auch einen heilenden Aspekt. So tut es vielen Müttern gut, sich intensiv um ihre Babys zu kümmern. Ihr Kind steht auch stellvertretend für das bedürftige Kind, dass sie selbst einmal waren. Ein Problem kann entstehen, wenn das (reale) Kind selbständiger wird. Allerdings ist das für die meisten Mütter eine Erleichterung, und sie freuen sich darüber, sich mehr um sich selbst kümmern zu dürfen.
3.5 Das Wunsch-Ich
»Sobald du anfängst, in Zielen zu denken, wirst du eine handelnde Person, nicht Opfer, sondern Gestalter.« Schoenaker, 2016, S. 79
Jenseits aller Forderungen von Über-Ich und Ich-Ideal gibt es noch etwas anderes, nämlich das Ich, dass ich gern sein möchte. Der Prozess dahin wird von Jung Individuation genannt. Er beschreibt den schwierigen Weg der Entwicklung unserer Person, der erst mit dem Tod endet. Nicht umsonst gibt Herrmann Hesse (1877–1962) seinem Demian als Motto den Satz mit: »Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen, was von selber aus mir herauswollte. Warum war das so schwer?« (1977, S.7).
Dass ich als Therapeutin so viele Menschen auf ihrem schwierigen Weg begleiten durfte, so viele Schritte gesehen habe, macht mich sehr dankbar. Besonders groß waren diese Freude und Dankbarkeit immer dann, wenn Patienten nach einigen Jahren wiederkommen und ich sehe, dass sie ihren Weg weitergegangen sind.
Ich beginne die Suche nach dem Wunsch-Ich mit folgender Übung:
Übung: Wer möchte ich sein?
Anleitung: »Stellen Sie sich einen Tag in der Zukunft vor, zum Beispiel den 25. Mai 2028. Sie wachen nach ausreichendem Schlaf auf, fühlen sich ganz wohl, gesund und zufrieden. Sie wissen, dass Ihr Leben in Ordnung ist, dass Sie viel Leid und Probleme hinter sich gelassen haben. Dann fragen Sie sich: Ich habe mich verändert in den letzten Jahren, wie bin ich eigentlich heute? Beschreiben Sie sich als wunderbaren, unperfekten Menschen, der sie sind.«
Die dann folgenden Aussagen klingen vielleicht ähnlich wie die Tischrede auf einen wunderbaren Menschen aus dem Kapitel 8 Seele auf Papier. Bei dieser Übung ist es allerdings wichtig, dass Rednerin und die Person, über die gesprochen wird, identisch sind. Achten Sie darauf, dass die Patientin die Übung ernst nimmt. Sie könnte zum Beispiel Opfer eines verinnerlichten Gesetzes wie »Eigenlob stinkt« werden. Es gilt auch zu prüfen, welche Aspekte des Wunsch-Ichs aus dem alten Ich-Ideal kommen. Diese Anteile können natürlich passen, sie dürfen aufgenommen werden, wenn sie wirklich authentisch sind. Sie beide, Patientin und Therapeutin, werden ein Gefühl dafür haben, ob die Aussagen echt sind. Klingen sie überzeugend? Falls ja, ist das wunderbar. Dann kommt die Patientin in den vollen Genuss: »Die »Wunsch-Ich-Übung« führt zum Aufbau von Glücksaktivitäten, vermittelt Wohlbefindensziele und Genusstraining, stärkt das positive Selbstbild und die Selbstwirksamkeitserwartung« (Rohwetter, 2019, S. 93).
4
Wollen wir das mal spielen?
»Denn, um es endlich einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.«
Friedrich Schiller (1759–1805)
Spielen ist in jeder Form der wichtigste Wesensausdruck des Kindes. Das Kind macht Erfahrungen in Können und Noch-nicht-Können, es lernt, die Welt zu begreifen und zu gestalten, spielend findet es seinen Platz in seiner Umwelt, lernt Rollen zu unterscheiden. Das Rollenspiel bringt dem Kind eine eigene Rollensicherheit. Gerade wenn es sich in unterschiedlichen Rollen erlebt, entwickelt es Verständnis und Empathie. Das Kind kann die Rollen der Menschen einnehmen, die es kennt, es kann eine Märchenfigur sein (wie Ritter, Heldinnen, Prinzessinnen), sogar ein Tier oder irgendeine Wunschfigur. Es kann also spielend etwas oder jemand anderes sein. Diese Form des Rollenspiels ist beliebt bei Kindern zwischen drei und acht Jahren. Übrigens scheint mir die Form vergleichbar, in der Jugendliche und junge Erwachsene ihre Fantasiespiele spielen, die ja auch Rollenspiel genannt werden. Sie erfüllen ein ähnliches kindliches Bedürfnis, nämlich sich von sich selbst zu distanzieren, ein Ideal-Ich zu entwickeln und sich in der Welt sicher bzw. sicherer zu fühlen. Dabei ist es (fast) gleichgültig, ob es online oder real gespielt wird. Dieser Wunsch, sich von sich selbst zu distanzieren, quasi die Rolle des Beobachters einzunehmen, kann hilfreich sein bei der Klärung innerer Konflikte. Beim Rollenspiel ist es leicht, den 30 %-Erwachsenen (
Kap. 2.2) zu mobilisieren. Im Tausch der Rollen findet der Patient die Möglichkeit, seine Position aus anderer Sicht, aus der Sicht der anderen zu betrachten.
Besonders die humanistische Psychologie hat hier Verfahren entwickelt, die Fähigkeit zum Spielen von Gefühlen und Konflikten zu einer wirkungsvollen therapeutischen Interventionsmöglichkeit zu machen. Ich stelle im Folgenden einige dieser Möglichkeiten vor, ohne auf theoretischen Zusammenhänge einzugehen.
4.1 Verrückt spielen
»Albernheit ist eine Erholung von der Umwelt.«
Peter Bamm (1897–1975)
Albernheit ist ein Versuch, sich von Zwängen, innerer Zensur und Glaubenssätzen zu befreien. Dies ist ein Spiel, das Kinder gern spielen, ohne ihm einen Namen zu geben. Ist der Fantasie das Tor weit geöffnet, lassen sich auch für manche Probleme ungeahnte Lösungen finden. Wenn jemand in seinem Beruf als Elektriker unzufrieden ist, warum soll er nicht ein Café in Samoa eröffnen? Warnung: Nicht die Frage »Geht das überhaupt?« stellen, sie vernichtet alle Fantasie, weil sie zu schnell mit »Nein!« beantwortet wird. Erst, nachdem eine Weile frei gespielt worden ist, kann man sich die Frage stellen: »Wie kann ich das verwirklichen?«
Ein schönes Beispiel für ein ganz feines, freies Fantasiespiel ist der alte Song (aus dem Jahr 1986) von Rio Reiser Wenn ich König von Deutschland wär’. Hier ein paar Auszüge aus dem Lied:
»Ich würd’ die Krone täglich wechseln (…)
Würd’ die Lottozahlen eine Woche vorher sagen
Bei der Bundeswehr gäb’ es nur noch Hit-Paraden
Ich würd’ jeden Tag im Jahr Geburtstag haben, (…)
Wäre nie mehr pleite
Die Socken und die Autos dürften nicht mehr stinken (…)«
Unzensiert Zukunftsfantasien entwerfen, sich Racheszenarien vorstellen, außergewöhnliche Lösungen erfinden – Das bringt Opfer und Angstpatienten zu Freude am Spielen, Ausdruck von Gefühlen und erhöhter Selbstwirksamkeitserwartung. Unterstützen Sie solche Fantasien. Auch Rachefantasien sind erlaubt. Als Therapeutin achten Sie auf den spielerischen Rahmen: Fantasien sind keine Pläne! Verrückt nenne ich das folgende Spiel deshalb, weil es mit Absicht aus der Realität herausrückt. In dieser Freiheit eröffnen sich neue Möglichkeiten, und Spaß macht es auch!
Die folgende Übung ist besonders gut für die Arbeit in einer Gruppe geeignet.
Pulsuz fraqment bitdi.