Kitabı oxu: «Arbeits- und Organisationspsychologie»

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Die Autorin

Prof. Dr. Annette Kluge ist Inhaberin des Lehrstuhls für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Fakultät für Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum. Ihre wissenschaftlichen Stationen waren die RWTH Aachen (Diplom 1991 und Habilitation 2004), die Universität Kassel (Promotion 2004), Universität St. Gallen (Assistenzprofessorin) sowie die Universität Duisburg-Essen. In angewandten Projekten in der Automobil- und Prozessindustrie sowie im Bereich Transport und Verkehr beschäftigte sie sich mit den Konsequenzen von Automatisierung, den Chancen von Digitalisierung und den damit verbundenen Change Management-Notwendigkeiten.

Annette Kluge

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1. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-026044-3

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-026045-0

epub: ISBN 978-3-17-026046-7

mobi: ISBN 978-3-17-026047-4

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Inhalt

1  Vorwort

2  1 Organisationstheorien

3  Einführung

4  1.1 Womit befassen sich Organisationstheorien?

5  1.1.1 Die traditionellen Perspektiven auf Organisationen

6  1.1.2 Prominente Organisationstheorien

7  1.2 Die klassischen, für die AOW-Psychologie relevanten Organisationtheorien

8  1.2.1 Der Zeitgeist der Industrialisierung und der maschinellen Massenfertigung (1890–1930)

9  1.2.2 Der Zeitgeist der Human Relations-Bewegung (1920–1960)

10  1.3 Die neuen Theorien: High Reliability-Organisationen und Cyber-physische Systeme

11  2 Theorien der Veränderung von Organisationen

12  Einführung

13  2.1 Veränderungstheorien

14  2.1.1 Episodische/revolutionäre und kontinuierliche/evolutionäre Veränderung

15  2.1.2 Die Feldtheorie als theoretischer Ausgangpunkt vieler Praxiskonzepte zur episodischen Veränderung

16  2.1.3 Vorwärtstreibende Kräfte und zurückhaltende Kräfte während eines episodischen Veränderungsprozesses im organisationalen Kontext

17  2.1.4 Kontinuierliche Veränderung

18  2.1.5 Geplante und ungeplante, First- oder und Second-order-Veränderung

19  2.1.6 Schließen sich episodischer und kontinuierlicher Wandel aus? Das Modell organisationalen Wachstums

20  2.1.7 Der Niedergang von Organisationen (»Organizational Decline«)

21  2.2 Veränderung durch organisationales Lernen

22  2.2.1 Die Verbindung zwischen individuellem und organisationalem Lernen

23  2.2.2 Ein Phasenmodell zur Beschreibung des OL-Prozesses

24  2.2.3 Förderung organisationaler Veränderung durch das Lernen aus Fehlern

25  2.3 Veränderungen in Organisationen aktiv steuern

26  2.3.1 Theorien des Veränderungsprozesses

27  2.3.2 Implementierungstheorien

28  2.4 Die Rolle der Partizipation und Kommunikation in Veränderungsprozessen

29  3 Organisationsdiagnose: Erfassung von Kultur und Klima

30  Einführung

31  3.1 Wissenschaftliche Hintergründe und praktische Anwendung

32  3.1.1 Modellorientierte Organisationsdiagnostik

33  3.1.2 Praxis der Organisationsdiagnostik

34  3.2 Ein Überblick zur Geschichte der Organisationsdiagnostik von Organisationskultur und Organisationsklima

35  3.3 Instrumente zur Organisationsdiagnose von Organisationskultur

36  3.3.1 Kultur als externe Variable

37  3.3.2 Quantitative Instrumente zur Erfassung von Organisationskultur als interne Variable

38  3.3.3 Kultur und Strategisches Human Resource Management

39  3.4 Instrumente zur Organisationsdiagnose von Organisationsklima

40  3.4.1 Besonderheiten bei der Messung von Klima

41  3.4.2 Psychologisches und Organisationales Klima

42  3.4.3 Die Klima-Stärke

43  3.4.4 Welches Klima wird gemessen? Globales, strategisches und Prozessklima

44  3.4.5 Der Zusammenhang zwischen globalem, strategischem und Prozessklima

45  4 Strategisches Human Resource Management und Personalentwicklung

46  Einführung

47  4.1 Die Entwicklung des Human Resource Management

48  4.1.1 Personalabteilung, Personalmanagement und (Strategisches) HRM

49  4.1.2 Die ersten ganzheitlichen Konzepte: Das Michigan- und das Harvard-Konzept

50  4.2 Der praktische Anspruch an das HRM

51  4.2.1 HRM als HR Strategic Business Partner

52  4.2.2 Der Unternehmens- und Personalplan

53  4.2.3 Talent Management

54  4.2.4 Wie wirken die Maßnahmen des Strategischen HRM auf den Unternehmenserfolg?

55  4.3 Virtual und e-HRM

56  4.3.1 Die Zukunft von SHRM – People Analytics

57  4.3.2 e-HRM und strategisches Personalmarketing aus psychologischer Sicht

58  4.4 Standards und Normen bei Personalauswahlprozessen aus psychologischer Sicht

59  4.5 Strategische Personalentwicklung

60  4.5.1 Die Praxis der strategischen Personalentwicklung

61  4.5.2 Das Verhältnis von Personalentwicklung und Kompetenzmanagement

62  4.5.3 Das Verhältnis von Personalentwicklung und Training

63  4.6 Der Prozess der strategischen Personalentwicklung

64  4.6.1 Analyse des Handlungsbedarfs

65  4.6.2 Definition von Lernzielen

66  4.6.3 Auswahl von Methoden zur Erreichung der Lernziele

67  4.7 Der Transfer und das »Transferproblem«

68  4.7.1 Das Transfermodell von Baldwin & Ford

69  4.7.2 Lernen und Behalten unterstützt durch Refresher-Trainings

70  4.7.3 Warum ist die Frage des Transfers so wichtig?

71  4.8 Trainingsevaluation

72  4.8.1 Ableitung und Aufbau von Evaluationskriterien

73  4.8.2 Strategien der Evaluation

74  4.8.3 Ganzheitliche Modelle zur Wirkung von Training und den personenbezogenen und organisationalen Bedingungen.

75  5 Kommunikation innerhalb und außerhalb der Organisation

76  Einführung

77  5.1 Unternehmenskommunikation und die kommunikative Bewältigung von Konflikten

78  5.1.1 Ziele der Unternehmenskommunikation

79  5.1.2 Anspruchsgruppen des Unternehmens und Stakeholderkommunikation

80  5.1.3 Issues Monitoring als Teil der Political und Public Relations

81  5.1.4 Unternehmenskommunikation, Corporate Identity und Reputation

82  5.2 Employee Relation und interne Kommunikation

83  5.2.1 Zufriedenheit mit der internen Kommunikation

84  5.2.2 Change-Kommunikation

85  6 Arbeitspsychologie und sozio-digitale Systeme

86  Einführung

87  6.1 Was gilt als »Arbeit«?

88  6.1.1 Arbeit 4.0

89  6.1.2 Typen von Arbeitsbestandteilen und ihre Gewichtung in sozio-digitalen Systemen

90  6.1.3 Die Bedeutung von Arbeit, Arbeitslosigkeit und frei-gemeinnütziger Arbeit

91  6.2 Analyse, Bewertung und Gestaltung von Arbeit

92  6.2.1 Gestaltung von Aufgaben und Arbeitstätigkeiten

93  6.2.2 Bedingungs- und verhältnisbezogene Arbeitsgestaltung

94  6.2.3 Die arbeitspsychologisches Perspektive auf Arbeitsgestaltung

95  6.2.4 Integrative Modelle der Aufgabengestaltung

96  6.2.5 Gruppenarbeit und neue Formen von Kollaboration

97  6.3 Die Wirkung von Arbeit

98  6.3.1 Stress

99  6.3.2 Ermüdung

100  6.3.3 Flow

101  6.4 Gesundheitsförderung und Betriebliches Gesundheitsmanagement

102  6.5 Arbeitssicherheit und Safety Management

103  6.5.1 Wie gefährlich ist ein Arbeitsplatz? Die Risikoanalyse

104  6.5.2 Arbeitssicherheit

105  6.5.3 Safety Management Systems

106  6.5.4 Regeln, Regelverstöße und unsichere Handlungen

107  7 Determinanten der individuellen und teambezogenen Arbeitsleistung

108  Einführung

109  7.1 Determinanten der individuellen Leistung

110  7.1.1 Determinanten von produktivem, extraproduktivem und kontrapoduktivem Arbeitsverhalten

111  7.1.2 Organizational Citizenship Behavior (OCB) und Counterproduktive Work Behavior (CWB)

112  7.1.3 Arbeitsbezogene Einstellungen als Antezendenzen von Leistungsaspekten

113  7.1.4 Wie verändern sich arbeitsbezogene Einstellungen innerhalb oder nach Veränderungsprozessen?

114  7.1.5 Die Verbindungen zwischen individuellen arbeitsbezogenen Einstellungen und der Gruppenleistung

115  7.2 Der Einfluss von personaler und nicht personaler Führung auf die Leistung

116  7.2.1 Selektionsorientierte (»Trait«) Ansätze in der Führungsforschung

117  7.2.2 Verhaltensorientierte Ansätze- »leadership style«

118  7.2.3 Situative Ansätze

119  7.2.4 Führungsverhalten als Leader Member Exchange (LMX)

120  7.2.5 Charismatisch- transformationale & transaktionale Führung

121  7.2.6 Verändert die Digitalisierung Führung und Führungsprozesse?

122  7.2.7 Gesundheitsorientierte Führung

123  7.2.8 Destruktive Führung

124  7.3 Determinanten von Teamleistung von traditionellen Teams und von High Responsibility Teams

125  7.3.1 Traditionelle Gruppenarbeitsforschung

126  7.3.2 Teamentwicklung als Determinante von traditioneller Gruppenarbeit

127  7.3.3 Interdependent arbeitende Expert/innen-Teams

128  7.3.4 Besonderheiten von Teamarbeitsprozessen und deren Determinenten erfolgreicher HRT-Teamarbeit

129  Literaturhinweise

130  Stichwortverzeichnis

Vorwort

Als ich dieses Lehrbuch konzipiert habe, haben mich mehrere Anliegen angetrieben: zum einen eine wieder mehr organisationspsychologische und damit auch eine Systemperspektive in der AOW-Psychologie zu stärken und ebenso Themen der Digitalisierung und der Stakeholder-bezogenen Kommunikation aufzunehmen, da sich Organisationen diesen Themen seit einigen Jahren verstärkt widmen (müssen).

Ich hatte dabei das Ziel, dass die Studierenden und Interessierten, die dieses Buch lesen, Organisationen als Ganzes verstehen lernen, in ihren Umwelten, in ihren historischen Traditionen, als Akteure in einem politischen Umfeld, als Systeme, die eigene Kulturen erzeugen können. Das Ziel dieses Buches soll das Herausbilden eines Verständnisses für die Dynamiken dieser faszinierenden sozialen Systeme sein und eine Aufforderung, diese sozialen Systeme wirkungsvoll in ihren kontinuierlichen Erneuerungsaufgaben zu unterstützen und Anpassungsprozesse an eine sich ständig verändernde Umwelt mitzugestalten lernen.

Ein sich durch das Buch ziehende Thema ist dabei der Umgang mit Veränderungen, deren Auslöser und die sich daraus ergebenden Aktivitäten nach innen und nach außen.

Es war mir dabei ein Anliegen, die Perspektive der deutschsprachigen Arbeits- und Organisationspsychologie und die Entwicklungen im angloamerikanischen Raum gleichsam zu würdigen und Verbindungen aufzuzeigen.

Gleichwohl sollen speziell »deutsche« Themen, wie die Mitbestimmung, die Rolle der Personalvertretungen, Aspekte der Personalauswahl, wie z. B. die DIN 33043, oder auch Unternehmensbeispiele aus dem deutschsprachigen Raum aufgezeigt werden.

Ich wünsche mir, dass das Buch auch Interesse und Mut erzeugt, sich in die Chancen der Digitalisierung einzudenken ohne die Risiken aus dem Auge zu verlieren, damit wir die Chancen humaner und persönlichkeitsförderlicher Arbeit, unter der Berücksichtigung von Gesundheit und Wohlbefinden, Zufriedenheit und Motivation, im Sinne eines positiven Erlebens von Zusammenarbeit, Kooperation und Führung bestmöglich umsetzen und realisieren können.

Annette Kluge

Bochum, Herbst 2020

1 Organisationstheorien
Einführung

Organisationstheorien haben erst eine Tradition, seit es größere Organisationen gibt, d. h. also seit der Zeit der Industrialisierung. Die größeren Organisationen, die es vor der Industrialisierung gab, waren kirchliche Einrichtungen wie Klöster oder der Vatikan, der Hof eines Königs oder Kaisers oder das Militär. Auch der Bau der Pyramiden in Ägypten, römischer Städte oder der Chinesischen Mauer erforderte die Organisation von tausenden von Arbeitern (Kwok, 2014; Morgan, 1997; Kieser, 1999). Organisationstheorien gab es damals aber noch nicht.

Die ersten größeren Organisationen, die in der Zeit der industrielle Revolution entstanden, orientierten sich in ihrem Entstehen häufig an militärischen Organisationen, den mehr oder weniger einzigen zur Verfügung stehenden Vorbildern. Das wird vor allem an den auch heute noch verwendeten englischen Begriffen deutlich: »company« (die Kompanie, heute Unternehmen genannt), »divisions« (die Division, heute der Geschäftszweig), »chief executive officer« (der Offizier, im deutschen der/die GeschäftsführerIn oder der Vorstand bzw. die Vorständin), »strategy« (die Unternehmensstrategie), »operations« (die wertschöpfenden Tätigkeiten) und »staff and line« (das Stab-und-Linien-Prinzip).

Jede/r von uns hat heute mit einer Vielzahl von Organisationen zu tun – von der Geburt bis zum Tod. Man wird in der Regel in einer Gesundheitsorganisation (z. B. einem Krankenhaus) geboren und bei der Stadtverwaltung beim Einwohnermeldeamt »gemeldet«. Später folgen Besuche von Kindergarten, Grund- und weiterführenden Schulen, ggf. Universitäten, bis Sie schließlich bei einem Arbeitgeber Ihrem Beruf nachgehen. Sie haben mit Organisationen wie Krankenkassen, Rentenkassen, Unfall- und Lebensversicherungen zu tun, profitieren von der Müllabfuhr, fliegen mit einer Fluggesellschaft, fahren mit der Bahn oder mit dem Fernbus in den Urlaub und selbst Ihre Beerdigung wird von einem Bestattungsunternehmen organisiert.

Lernziele

• Sie lernen, was Organisationstheorien sind und was sie leisten wollen.

• Sie werden dafür sensibilisiert, wie sich der Zeitgeist in den Theorien widerspiegelt.

• Sie können eine historische Einordnung der Theorien vornehmen und verstehen ihre Bedeutung für die arbeits- und organisationspsychologische Forschung.

• Sie lernen die klassischen Theorien der Anfänge der Massenproduktion kennen.

• Sie lernen moderne Theorien kennen.

• Sie erkennen Anwendungsbereiche der sozio-technischen Systemgestaltung.

1.1 Womit befassen sich Organisationstheorien?

Organisationstheorien bilden ein Forschungs- und Wissensgebiet, das das Wesen, die Eigenschaften und Umstände von einzelnen Organisationen oder auch Gesamtheiten von Organisationen beschreibt und erklärt (Huber, 2011). Mit dem Wesen der Organisationen meint Huber (2011) deren Strategie, Kernprozesse und Routinen, die Struktur, Führungsprozesse, die MitarbeiterInnen und deren verschiedene Kombinationen. Hatch und Cunliffe (2013) beschreiben ergänzend das Wesen einer Organisation anhand ihrer physikalischen Struktur, der sozialen Struktur, der Technologie und der Kultur.

Mit den Umständen einer Organisation oder eine Gesamtheit von Organisationen bezeichnet Huber (2011) die Geschwindigkeit und das Ziel ihrer Veränderung, ihre Entwicklungsstufen (z. B. deren Alter und Reife, Kap. 2), ihre Leistung und ihren Zustand in Bezug auf ihr Überleben.

Was ist eine Organisation?

Organisationen sind sozialkonstruierte, zielgerichtete, grenzenziehende, hierarchisch differenzierte, offene Systeme menschlicher Aktivität (Huber, 2011).

Das heißt,

• dass lebendige Wesen dem System durch ihre Interaktionen eine Form geben bzw. es auch umformen (→sozial konstruiert, so lassen sich Organisationformen verändern, vergrößern, verkleinern).

• dass jeder Komponente des Systems zumindest eine Aktivität zugewiesen ist, die dazu beiträgt, das Überleben der Organisation zu sichern oder zu einer spezifischen Zielerreichung beizutragen (→ zielgerichtet, so müssen die Komponenten des Systems zur Erfüllung der Strategie eines Unternehmens beitragen).

• dass Organisationen Routinen anwenden, um die Organisationmitglieder von den Nicht-Mitgliedern zu unterscheiden (→ grenzenziehend, z. B. durch Werksausweise, durch Eingangstore, Besucheranmeldung).

• dass eine oder mehrere hierarchische Komponenten bestehen, die die Autorität besitzen, Aktivitäten an eine oder mehrere untergeordnete Komponenten zuzuweisen (→ hierarchisch differenziert).

• dass das System mit seinem Umfeld interagiert (→ offenes System, z. B. indem es auf Rückgang oder Zunahme der Nachfrage reagiert).

Nach Sander und Kianty (2006), Kieser und Kubicek (1978) sowie Nerdinger et al. (2011) sind Organisationen soziale Gebilde oder Systeme, die dauerhaft und zeitlich stabil ein Ziel verfolgen und eine formale Struktur aufweisen, mit deren Hilfe Aktivitäten der Mitglieder auf das verfolgte Ziel ausgerichtet werden sollen und die gegenüber der Umwelt offene Systeme sind.

Das wohl markanteste Merkmal von Organisationen ist die Ausrichtung aller Aktivitäten auf ein übergeordnetes Ziel hin, welches über längere Zeiträume hinweg verfolgt wird.

Kurzfristige Ziele gelten meist ein bis drei Jahre, mittelfristige Ziele sind auf ca. drei bis fünf Jahre angelegte Handlungsziele, langfristige Ziele leiten die Aktivitäten zwischen fünf und zehn Jahren.

Diese Ziele lassen sich grob in »Profit«- und »Non-profit«-Ziele unterteilen, d. h., Organisationen unterscheiden sich dahingehend, ob sie wirtschaftliche oder nicht wirtschaftliche Ziele verfolgen (Bokranz, 1994).

Beispiel Organisationale Ziele (Perrow, 1970; McKenna, 2000)

Ergebnisbezogene Ziele: Ziele zur Befriedigung von Kund/innenbedarfen und -bedürfnissen im Hinblick auf Güter oder Dienstleistungen, als primäres Ziel von Organisationen

Gesellschaftliche Ziele: Ziele bezogen auf die Produktion von Gütern oder die Erbringung von Dienstleistungen, den Erhalt der Ordnung oder die Festigung kultureller Werte

Systemziele: Ziele, die die Interessen der Organisation fördern, wie z. B. die Steigerung der organisationalen Effizienz, des Wachstums, oder die Marktführerschaft zu erhalten. Es besteht eine Interaktion von Systemzielen und Ergebniszielen.

Produktbezogene Ziele: Ziele, die sich auf die Art eines spezifischen Produktes beziehen

Übergeordnete Werteziele: Ziele, die das Top Management aus der organisationalen Machtstruktur zieht, um gesellschaftliche und kulturelle Werte zu fördern, wie z. B. Arbeitsplätze zu schaffen, in denen sich Mitarbeiter/innen bestmöglich entwickeln können, sich in der Gesellschaft zu engagieren oder Kunstprojekte zu fördern.

Ein ebenso markantes Merkmal ist das der Struktur. Die Strukturen gelten nach Bornewasser (2009) als Vermittler zwischen Personen und Organisationen. Anders als in Freundschafts- oder Gruppenbeziehungen, die auf ungeregelten und freiwilligen Face-to-Face-Interaktionen aufbauen, werden Beziehungen in Organisationen bewusst hergestellt und geordnet (z. B. Wer spricht mit welchen Kunden über was? Wer muss wessen Erlaubnis/Zustimmung einholen?), wechselseitig anerkannt und durch verschiedenste Instanzen überwacht (Bornewasser, 2009), wie z. B. der Vorstand eines börsennotierten Unternehmens vom Aufsichtsrat, von der Konzernrevision sowie vom Compliance Management kontrolliert wird.

Beziehungen in Organisationen unterliegen somit vielfältigen rechtlichen und konventionellen Regelungen, d. h. diese regeln, wer die Verantwortung für welche Entscheidungen oder für welche Ergebnisse trägt. Das Handeln in Organisationen wird somit im Kontext dieser Regelungen interpretiert und bewertet und erfolgt mit Bezug auf die Strukturen der Organisation.

Organisationen agieren aus heutiger Sicht als offene Systeme in einem Umfeld, z. B. dem »Markt«.

Organisationen sind energetische offene Systeme (Katz & Kahn, 1966). Sie nutzen Energie als Input (Energie kann dabei Material, menschliche Arbeitskraft, Informationen, Werkzeuge, Elektrizität oder Öl sein sowie Geld), transformieren diese Energie im System (Throughput) und erzeugen dadurch ein Produkt oder einen energetischen Output.

Das organisationale Umfeld lässt sich in verschiedene Sektoren einteilen ( Abb. 1.1). Anhand eines Beispiels der noch jungen Fernbus-Unternehmen und deren Dienstleistungen sollen diese Sektoren verdeutlicht werden.

Die organisationale Umwelt lässt sich unterteilen

• in einen juristischen/gesetzlichen Sektor. Bei den Fernbusunternehmen mussten die gesetzlichen Grundlagen für das Anbieten von Langstreckenfahrten mit Bussen erst geschaffen werden. Zum Schutz der Bahn war der Fernbusverkehr in Deutschland bis 2012 per Gesetz weitgehend verboten.

• in einen physischen Sektor, wie z. B. die Anzahl der Personen in der Zielgruppe und das verfügbare Autobahnnetz, das Fernbusreisen ermöglicht oder einschränkt.

• in einen ökonomischen Sektor, wie z. B. die Frage nach der Rentabilität, wenn Fernbusreisende nur sehr wenig für ein Ticket zu zahlen bereit sind. Welche Nachfrage herrscht in der relevanten Umwelt? Welches Pricing ist für die Reisenden akzeptabel?

• in einen technologischen Sektor, d. h. welche Technologien entwickeln sich und welche sind überholt? Im Beispiel der Fernbusse schätzen viele Reisende das freie WLAN-Angebot im Bus, aber auch das einfache Buchen der Tickets über das Internet und das Smartphone.

• in einen sozialen Sektor, z. B. die Unsicherheit, ob im Falle eines rasanten Wachstums der Fernbusbranche genug Busfahrer zur Verfügung stünden.

• in einen politischen Sektor, d. h. im Beispiel der Fernbusunternehmen die Liberalisierung des Marktes, die Subventionierung des Diesels, und

• in einen kulturellen Sektor, z. B. die Aspekte der Mobilität innerhalb einer Familie und der »Reiselust und Freiheit«.


Abb. 1.1: Sektoren der organisationalen Umwelt

Mit der Beschreibung und Erklärung vom Wesen und den Umständen von Organisationen versuchen Organisationstheorien u. a. folgende Fragen zu beantworten:

• Warum wächst oder schrumpft eine Population von Organisationen in einem oder mehreren Märkten?

• Warum ist eine Organisation erfolgreich und eine andere nicht?

• Warum sind einige Organisationen in dieser und jener Industrie so stark gegliedert und andere nur lose gekoppelt? (Huber, 2011)

So sind seit 2013, als der Markt zu Gunsten der Fernbusse liberalisiert wurde, bereits diverse Fernbusanbieter schon wieder vom Markt »verschwunden« oder haben sich zusammengeschlossen.

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Janr və etiketlər

Yaş həddi:
0+
Litresdə buraxılış tarixi:
22 iyul 2025
Həcm:
903 səh. 122 illustrasiyalar
ISBN:
9783170260467
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
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