Kitabı oxu: «Seelen-Orgie»

Şrift:

Anonym

Seelen-Orgie

Seelen-Orgie

Aus dem Englischem von Ernst Walter nach

Soul Orgy

Copyright © 2017 Zettner Verlag und Aldo Lucchesi

All rights reserved

ISBN: 9788711718100

1. Ebook-Auflage, 2017

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Zettner Verlag und Autors nicht gestattet.

1

Moira Tuttle stand nackt auf dem erhöhten, mit dicken Teppichen bedeckten Podest.

Sie fühlte, wie Vorfreude und Erregung rasch von ihr Besitz ergriffen.

Es war alles so irre.

So herrlich sexy.

Einfach scharf!

Moira kam der exotische, schwere Geruch von Weihrauch zu Bewußtsein, der langsam auf der Glut in den großen, verzierten Kohlenpfannen zu beiden Seiten des Podestes verbrannte. Sie hörte die gedämpften, fremdartig klingenden. Töne der Sitar, die von irgendwo aus der Dunkelheit hinter ihr durch den Tempel schwangen.

Aber sie war sich ganz besonders bewußt (und dadurch erregt), daß mehr als vierzig Augenpaare gebannt auf ihren jungen, üppigen Körper starrten. Sie konnte sie nicht sehen, aber jene konnten sie sehen. Die einzige Beleuchtung in dem sonst stockdunklen Tempel war ein genau auf das Podest ausgerichteter, warm gefilteter Lichtstrahl. In ihm zeichneten sich scharf die reifen Rundungen ihrer Gestalt ab, flammte ihr schimmerndes, kupferfarbenes Haar auf.

„So tretet denn vor, Mägde des Hymen!“ Die hallende Stimme des Mannes, der diese Worte ausgesprochen hatte, kam aus der Dunkelheit zu ihrer Linken.

„So tretet denn vor und salbt die Anwärterin. Bereitet sie vor auf die Riten der Weihung. Machet sie bereit, die Schwelle zum höheren Reich des totalen Erfahrens zu überschreiten. Machet sie bereit zur vollkommenen Befreiung ihres inneren Selbst und ihres Geistes!“

Die Stimme schwieg. Die Sitar verstummte. Ein bronzener Gong ertönte.

Zwei junge Frauen tauchten aus der Dunkelheit auf. Sie waren in fließende, gefältelte, weiße Gewänder gekleidet, wie sie die kretischen Frauen auf den Gemälden an den Mauern der Ruinen von Knossos tragen — Gewänder, die die Brüste frei ließen, sie jedoch hoben und betonten. Lautlos betraten die Mädchen das Podest und stellten sich so vor Moira zu beiden Seiten auf, daß sie sie nicht vor den Blicken derer verbargen, die im Tempel saßen.

Moira Tuttles porzellanblaue Augen huschten zu den Mädchen. Sie sind hübsch, und sie haben prächtige Titten, dachte sie; aber ich bin viel hübscher, und meine Äpfelchen sind attraktiver. Außerdem ist die eine eine fade Brünette und die andere eine falsche Blondine — gebleicht, da würde ich wetten. Wenn sie hier an meiner Stelle stünde, vollkommen ausgezogen, würde ihre Haarfarbe oben und unten nicht zusammenpassen, wie es bei mir ist. Aber auch wenn es so wäre, ist mein Haar viel auffallender als ihr blondes. Es gibt keine Frage, ich bin die schönste Frau in der Kolonie.

Die beiden jungen Frauen trugen eine flache Schale aus getriebenem Silber, auf der kleine, offene Krüge, winzige Zerstäuber und andere Utensilien standen.

„Lasset die Anwärterin nun die Liebkosung der läuternden Wohlgerüche verspüren!“ befahl die männliche Stimme, die immer noch aus der Dunkelheit ertönte.

„Wir gehorchen den alten Göttern, die durch deine Lippen sprechen, o Flamen!“ erwiderten die Mädchen zusammen. Sie balancierten ihre Schalen auf einer Hand. Gewandt ergriffen sie die Zerstäuber mit der freien Hand, denn sie hatten ihre Rolle in diesem Ritual viele Male gespielt und beherrschten sie ausgezeichnet. Sie preßten die verkleideten Gummikugeln zusammen und sprühten prickelnde Nebel eines nach Moschus duftenden Parfüms über Moiras nackten Körper.

Verrückt, frohlockte Moira innerlich und erbebte verzückt. Ganz und gar verrückt — und ich werde so schnell geil, daß ich mich frage, ob ich es ganz durchstehen kann! „Sie hat die Wohlgerüche empfangen, o Flamen!“

„So salbet sie denn mit den durch den Atem der alten Götter geheiligten Ölen!“

Die Zerstäuber wurden wieder auf die Schalen gestellt. Die Mädchen tunkten ihre Finger in die offenen Krüge und rieben dicke, aromatische Öle in Moiras Schultern, dann in die Spitzen ihrer frech nach oben drängenden Brüste und schließlich über ihren flachen Bauch und die sanft gerundeten Hinterbacken.

Moira konnte ein lustvolles Erschaudern nicht mehr unterdrücken. Es rollte aus ihr heraus an die Oberfläche, und sie zitterte unter der liebkosenden Berührung der Finger. Ach Gott, überlegte sie, ich muß da unten klatschnaß sein, und wenn ich daran denke, daß alle mich beobachten, könnte ich die glatten Wände hochgehen … oder mich gehenlassen und auf der Stelle einen Orgasmus bekommen!

Das Salben hörte knappe Augenblicke vorher auf, ehe es für Moira Tuttle unmöglich wurde, das eine oder andere — oder beides zu vermeiden.

„Sie hat die Öle empfangen, o Flamen!“

„So fahret denn fort und erhöht die Schönheit des doppelten Symbols ihrer Weiblichkeit!“

Die Finger der Mädchen tauchten in kleine, flache Behälter und bedeckten sich mit einem dunklen Rouge, mit dem sie Moiras Aureolen bestrichen. Die sonst rosazarten Höfe verwandelten sich in zwei scharlachrote, beinahe leuchtende Kreise. Obwohl sie schon scharf herausstachen, versteiften sich ihre Nippel unter dem sanften Reiben der Fingerspitzen der Mädchen noch mehr und wurden zu Nadelspitzen. Moira mußte sich auf die Lippen beißen, um zu verhindern, daß sie vor Lust laut aufstöhnte.

„Es ist geschehen, o Flamen!“ Die nacktbrüstigen jungen Frauen in den weißen, kretischen Gewändern sprachen wieder im Chor.

„So lasset denn die Anwärterin jenes Symbol der Weiblichkeit darbieten, von dem es nur eines gibt. Wenn sie es dargeboten hat, erhöht auch seine Schönheit zur Erbauung der alten Götter!“

Moira war sorgfältig darauf vorbereitet worden, was sie nun als nächstes tun mußte. Sie rückte die Füße auseinander und langte hinunter zu ihrem kupferfarbenen Schamdreieck.

Himmel, ich werde mich nie zurückhalten können, wenn sie erst einmal angefangen haben, dachte sie. Und sie teilte das seidene Vließ und spreizte die darunter liegenden, zarten Hautfalten.

Die beiden Mädchen hatten mehr Rouge aus den kleinen, flachen Behältern genommen und bestrichen damit Moiras feuchte Schamlippen, röteten die nassen Täler der dargebotenen Spalte und den geblähten First aus zartem Fleisch, der sich aus der Mitte erhob.

„Oh … aah!“ stöhnte Moira. „Aaah!“

Ihre Muskeln hatten sich verkrampft. Sie schwankte mit geschlossenen Augen, und ihr liebliches Gesicht — wenn auch verwöhnt und verzärtelt — erstarrte zu einer Maske ekstatischer Lust.

Die beiden jungen Frauen, die vor ihr standen, schienen Moiras Reaktion und die Krämpfe, die durch ihren Körper jagten, vollkommen zu übersehen. Sie bewegten weiterhin rhythmisch ihre Finger und drangen in die Herrlichkeiten ein, die Moiras zitternde Finger ihnen offenbarten. Die Mädchen fuhren damit einige Sekunden ununterbrochen fort. Dann hörten sie abrupt auf, offensichtlich zufrieden mit der vollendeten Aufgabe, traten einige Schritte zurück und verkündeten: „Es ist geschehen, o Flamen. Das Symbol ihrer Weiblichkeit, von dem es nur eines gibt, ist mit Scharlach gefärbt, der Farbe, die den alten Göttern gefällt.“

Die hallende, männliche Stimme ertönte wieder: „Die Anwärterin möge nun das Portal zu jenem Symbol ihrer Weiblichkeit schließen, von dem es nur eines gibt.“

Moira Tuttle nahm zögernd die Hände von ihrer Futt, und ihre langen, tadellos manikürten Fingernägel preßten sich krampfartig in ihre schlanken Schenkel. Sie zitterte noch immer, wartete sehnsüchtig. Die Wollust, die sie durch das Manipulieren erreicht hatte, war nichts im Vergleich zu der Spannung, die dadurch entstanden war. Sie tröstete sich mit dem Gedanken, daß noch größere, unerhörtere Lüste vor ihr lagen.

„Sieben Male werde ich die Frage an die Anwärterin richten!“ erscholl die Stimme des Mannes aus der Dunkelheit.

„Sieben Male muß sie antworten, muß sie ihre Ergebenheit zum Ausdruck bringen, bevor sie zum Ort der Weihung und Reinigung geführt werden darf!“

Es entstand eine Pause.

Die beiden Mädchen, die Moira bedient hatten, verließen die Estrade. Einen Augenblick später waren sie mit der Dunkelheit verschmolzen. Als sie ihre Schalen auf Tische, die für Moira unsichtbar waren, abgestellt hatten, kamen sie zurück und blieben wartend und mit gesenkten Köpfen am Fuß des Podests stehen, wo sie das Licht gerade noch erreichte.

„Ich stelle die Frage zum ersten Mal an die Anwärterin. Moira Tuttle, begehrst du aus freiem Willen, die Befreiung deines inneren Selbst und deines Geistes durch die Verherrlichung des Fleisches zu erlangen und so zu einer der Geweihten zu werden?“

„Ja — ähm, Flamen.“ Moira fühlte sich albern, aber sie konnte es nicht ändern. Sie stockte immer oder stolperte über das Wort „Flamen“. Es hatte auch nichts genützt, daß Lorand de Cordoba ihr wieder und wieder erklärt hatte, daß es das lateinische Wort für die alten, römischen Priester war. Es klang so seltsam und unheimlich.

„Die Anwärterin hat ihre erste bejahende Antwort gegeben. Ich frage sie deshalb noch einmal. Moira Tuttle, begehrst du aus freiem Willen …“

Sechs weitere Fragen folgten, wurden mit „ja“ beantwortet, und Moira war stolz, daß sie die letzten drei Male nicht über „Flamen“ gestolpert war — zumindest nicht ihrer Ansicht nach.

Lange Zeit war es still. Sie konnte das schnellere Atmen von jenen hören, die im Tempel versammelt waren. Ihr schien, als ob die Temperatur plötzlich gestiegen wäre. Sie fühlte sich noch heißer als vorher — innen und außen. Der Gong ertönte, einige fremdartige Akkorde von der Sitar. Erneut der Gong. Jetzt sprach wieder die männliche Stimme, die Stimme von Lorand de Cordoba, dem Großen Flamen des Inneren Kreises der Eklektischen Esoteriker. „Mägde! Begleitet die Anwärterin zum Ort der Weihung und Reinigung!“

Die beiden Mädchen streckten Moira die Hand entgegen. Sie ging nach vom. Ein Schritt. Noch ein Schritt. Sie streckte ihre Hände aus, die ergriffen wurden. Sie stieg vom Podest herunter.

In diesem Augenblick erlöschte der Lichtstrahl. Eine Sekunde lang herrschte absolute Dunkelheit, abgesehen von der matten Glut der Kohlen in den Pfannen. Dann wurde ein anderes, ein rötliches Licht eingeschaltet. Sein kegelförmiger Strahl fiel auf eine andere, höhere Estrade auf der rechten Seite des Podests, auf dem Moira gestanden hatte. Drei Stufen unter einem weißen Teppich — das Licht ließ ihn rot gefärbt erscheinen — führten hinauf zu dem Podest, auf dem ein großer, grotesk geschnittener, thronähnlicher Stuhl stand.

Senkrecht aus dem Sitz ragte ein glatter Stein empor, der wie ein Phallus geformt war, und der von dem reichlich aufgetragenen Öl glänzte.

Die Mägde führten Moira zum Fuß der Stufen, ließen ihre Hände los und verschwanden. Ihr Platz wurde sofort von zwei muskulösen, dunkelhäutigen Männern eingenommen. Sie waren nackt bis zur Hüfte und trugen hautenge Hosen, die offensichtlich ausgestopft waren, um jene Wölbung am Ende ihrer Schenkel besser zur Geltung zu bringen.

„Die Akolyten des Priapus werden nun die Anwärterin die drei Stufen hinaufgeleiten“, gebot die körperlose Stimme von Lorand de Cordoba. „Höre mich, und höre die Worte der alten Götter, bevor du mit dem Aufstieg beginnst, Moira Tuttle! Die erste Stufe stellt den Verzicht auf die Vergangenheit dar. Die zweite Stufe die Öffnung deines Verstandes und deines Herzens für die Lehren, die neu für dich, aber so alt wie die Zeit selbst sind. Die dritte, deine Entscheidung, niemals zu dem zurückzukehren, was du vorher geglaubt hast. Hast du verstanden?“

„Ich verstehe, o Flamen!“ antwortete Moira und streckte den Männern eifrig ihre Hände hin. Sie ergriffen sie, und zusammen gingen sie die drei Stufen hoch. Oben auf dem Podest ließen die Männer ihre Hände los.

„Nun drehe dich um, Moira Tuttle, und schaue zu den Geweihten, die du noch nicht sehen kannst, die aber das Ritual aus dem verdunkelten Heiligtum des Tempels beobachten, und mit denen du bald in totaler Freiheit und Aufklärung verbunden sein wirst.“

Moira gehorchte und drehte sich langsam um. Ihre Lippen waren leicht geöffnet und feucht. Ihr Herz hämmerte, und durch ihren schweren Atem hoben und senkten sich bebend ihre vollen Brüste mit den leuchtend geröteten Spitzen.

„Akolyten des Priapus! Helfet der Anwärterin zu empfangen und empfangen zu werden!“

Starke Hände spannten sich um Moira Tuttles Oberarme und führten sie rückwärts zu dem großen Stuhl, bis sie mit ihren Schenkeln die Kante des Sitzes berührte.

„Halte dich an den Stuhlarmen und lasse dich langsam nieder, Moira Tuttle“, sagte einer der Männer zu ihr. Moira packte die Stuhlarme.

„Die Anwärterin ist sich der Bedeutung des Ritus bewußt, dem sie sich jetzt unterziehen wird“, erklärte die Stimme von Lorand de Cordoba. „Es ist ein Ritus der Defloration. Er symbolisiert ihre Bereitschaft, sich den Mächten der alten Götter zu unterwerfen und ihre Weiblichkeit ihrer Verehrung zu weihen, indem sie sie freigiebig den Geweihten des Inneren Kreises darbietet.“

Es entstand eine Pause.

„Sie ist sich ferner bewußt, daß sie den ganzen Phallus in ihren Körper aufnehmen muß. Derart wird sie zur Befriedigung von Hymen und Priapus und den anderen des Mystischen Pantheons beweisen, daß sie freudig und ohne Angst oder Zurückhaltung alles empfangen und dadurch würdig sein wird, in den Inneren Kreis aufgenommen zu werden!“

Moira stützte sich fest auf die Stuhlarme und ließ sich langsam nieder, indem sie ihre Hüften hin- und herbewegte, bis sie sich genau über der Spitze des steinernen Phallus befand. Sie fühlte seine Berührung, und ihre Erregung steigerte sich.

Es war nicht die Vorstellung, sich selbst auf diesem geschnitzten Phallus aufzuspießen, die ihr sehr zusagte. Nicht an sich. Es war das, was der Akt darstellen sollte, und was ihm folgen würde, das sie erregte.

Ihre eigenen weiblichen Säfte und das Öl, mit dem der Stein bestrichen war, machten das anfängliche Eindringen recht leicht. Der Ritus hatte seinen Ursprung in einer wirklichen Deflorationszeremonie, aber jetzt war er ganz und gar symbolisch.

In meinem Fall ganz bestimmt, kicherte Moira innerlich. Mit 22 war sie schon seit über sechs Jahren ohne Jungfernhäutchen. Sie war gerade sechzehn gewesen, als sie ihre Unschuld verloren — verloren? ach, freudig weggeben — hatte, überlegte sie. Seitdem hatte es eine endlose Parade von männlichen Gliedern gegeben — und die waren nicht aus Stein gewesen. Einige davon allerdings Blindgänger, vollkommene Versager. Andere waren mäßig bis gut, und einige wenige waren großartig, ja, Spitzenklasse gewesen. Aber keiner, und nicht einmal alle zusammengenommen, würde mit den Lüsten vergleichbar sein, die sie nun als Geweihte, als vollwertiges Mitglied von Lorand de Cordobas Kolonie des Befreiten Fleisches erwarteten!

Moira fühlte den steinernen Phallus weiter eindringen. Obwohl sie wußte, daß es daher rührte, weil sie sich weiter niederließ, konnte sie sich beinahe einbilden, daß er wirklich lebendig war und sie aus eigenem Willen und aus eigener Kraft aufspeerte.

Ein Gedanke durchfuhr sie. Was würde wohl mein Vater, dieser heuchlerische Ehrenmann, denken, wenn er mich jetzt sehen könnte? Sie erstickte den Drang zu lachen. Der alte, widerliche Kerl. J. Holcomb Tuttle, Who’s Who, Social Register und führender Finanzmann, dessen beiläufige Bemerkungen es anscheinend wert waren, auf der Titelseite des Wall Street Journal oder des Journal of Commerce zu erscheinen.

Was hat J. Holcomb denn für mich getan, fragte sich Moira, und der Phallus bohrte sich noch weiter in sie hinein. Nichts, außer daß er angefangen hat, mich zu verderben, als ich neun war — und, natürlich, daß er mir etwas über 20 Millionen Dollar hinterlassen hat.

Aber das alte Ekel hatte noch nicht mal den Mut, anständige Arbeit zu leisten, dachte sie verächtlich. Ein wenig scheinheiliges Herumfingern, dazu reichte sein Mumm gerade aus, als seine Frau — Moiras Mutter — gestorben war. Und nachdem sie ihre Unschuld verloren hatte, fing er an, Moira zu bitten, ihm in allen Details zu erzählen, was sie mit ihren Freunden gemacht hatte und vor allem, was diese mit ihr getan und wie sie es mit ihr getrieben hatten.

Aber egal, das Geld, das er ihr hinterlassen hatte, als er vor fünf Jahren ganz plötzlich an einem Gehirnschlag starb, war eine nette Entschädigung. Und genug, mehr als genug für mich, um ständig die Puppen tanzen zu lassen, stellte Moira zufrieden fest.

Sie ließ sich noch ein Stückchen mehr hinunter. Noch immer keine Schwierigkeiten. Noch weiter — und jetzt zuckte sie zusammen. Das verdammte Steinding war lang — oder vielleicht war es nur die Stellung. Sie wand sich ein wenig. Ob Stein oder nicht Stein, ihr Körper reagierte wohlig schaudernd. Wenn das Ding nur ein wenig wärmer wäre!

Der letzte Teil des Steines war viel schmerzhafter. Er stach weit in sie hinein und Moiras Körper zuckte. Aber sie biß die Zähne zusammen. Ihre Hinterbacken saßen fest auf dem Sitz.

Wie Lorand de Cordoba sie angewiesen hatte, ließ sie die Stuhlarme los und hielt ihre Hände hoch über den Kopf. Gleichzeitig hob sie ihre Füße, um zu zeigen, daß sie wirklich den ganzen Phallus in ihren Körper aufgenommen hatte.

Der rötliche Lichtstrahl, der auf das Podest gerichtet war, verwandelte sich plötzlich in ein grelles Weiß, in hartes Scheinwerferlicht, wie es auf die Darsteller in Nachtklubs oder auf einer Bühne fällt.

„Wir begrüßen dich als Geweihte im Inneren Kreis!“ Lorand de Cordoba, ein großer, geschmeidiger, gutaussehender Mann mit kohlschwarzem Haar und großen, stechenden, schwarzen Augen, war die Stufen heraufgekommen und stand jetzt neben Moira. Seine vollen, sinnlichen Lippen deuteten ein Lächeln an. Moira Tuttle blinzelte in das grelle Licht des Scheinwerfers und schaute auf die für sich sprechende Wölbung in der Mitte des togaähnlichen Gewandes, das er als Großer Flamen des Inneren Kreises der Eklektischen Esoteriker trug.

Vielleicht jetzt endlich, dachte sie.

Sie senkte Hände und Füße.

„Stehe auf, Moira Tuttle!“ sagte de Cordoba, und seine Stimme verlor etwas von ihrem hallenden, salbungsvollen Ton.

„Helfet ihr, Akolyten des Priapus!“

Die dunkelhäutigen Männer traten an ihre Seite, hielten sie fest und hoben sie langsam von dem Stein, auf dem sie aufgespießt gewesen war. Die Schmerzen waren wie weggeblasen, und an ihre Stelle trat neuer und verstärkter sexueller Hunger.

De Cordoba stand direkt vor ihr. Er war noch unter vierzig, schlank, gut über einsachtzig groß und überragte Moira Tuttle um mindestens zehn Zentimeter, wenn nicht sogar mehr. Er beugte sich herunter, preßte seine Zunge gegen ihre aufgerichteten Brustspitzen, trat zur Seite, nahm Moiras Arm und geleitete sie die drei Stufen von dem Podest hinunter.

Das grelle, weiße Licht wurde matt, verlöschte ganz. Im gleichen Augenblick flammten im ganzen Tempel Lichter auf. Als ihre Augen sich an die Helligkeit gewöhnt hatten, sah Moira die etwas über vierzig anderen Geweihten — die „anderen Geweihten“ deshalb, weil sie jetzt selbst eine von ihnen war. Die Geschlechter waren etwa gleich stark vertreten — ungefähr zwanzig Männer und, grob geschätzt, die gleiche Anzahl Frauen.

Die Männer waren in ähnliche Togas gekleidet wie Lorand de Cordoba, nur waren ihre Gewänder einfacher im Schnitt und weniger mit Stickerei verziert. Die Frauen — unter ihnen einige angestaubte Tanten, wie Moira mit einem Schauder dachte — trugen die gleichen Gewänder wie die Mägde des Hymen, von denen sie parfümiert, gesalbt und mit Rouge versehen worden war.

Alle Geweihten lagerten bequem auf großen, niederen Liegen. Die meisten saßen zu Paaren und befühlten und berührten sich, wenn sie auch auf den Großen Flamen und die neue Geweihte starrten.

„Du bist jetzt eine von uns, Moira Tuttle“, erklärte Lorand de Cordoba. „Wir vom Inneren Kreis heißen dich im Namen der alten Götter in unserer Mitte willkommen.“

Die anderen Mitglieder der Kultkolonie murmelten ihre Zustimmung.

De Cordoba ergriff wieder das Wort. „Als Großer Flamen beanspruche ich das Erstrecht auf die neu befreite Geweihte. Ist einer unter euch, der diesen Anspruch anficht und den Urteilsspruch der Auguren verlangt?“

Keiner tat dies. Es war sowieso nur eine Routinefrage innerhalb des ganzen Hokuspokus, den sich de Cordoba sorgfältig ausgedacht hatte, als er anfing, seinen Inneren Kreis der Eklektischen Esoteriker zu organisieren und ihn als religiöse Gruppe ohne Profit unter kalifornischem Gesetz zu etablieren.

„Dann werde ich mit ihr beginnen.“ Der Große Flamen legte einen Arm um Moiras Rücken und begann mit der anderen Hand, ihre rechte Brust zu kneten. Sie reagierte sofort und preßte sich eng an ihn. Sie war schon wochenlang auf Lorand, den Großen Flamen, scharf gewesen. Seit ihrem ersten Besuch der Kolonie in den Hügeln östlich von Santa Barbara vor ein paar Wochen wollte sie ihn. Und sie wollte Mittelpunkt der Weihefeierlichkeiten sein, die — wie Lorand ihr anvertraut hatte — das ganze Wochenende dauern würden.

„Lasset uns mit den Feierlichkeiten beginnen!“ rief der Große Flamen aus. „Gebet einander reichlich von euren Körpern als Freudengeschenke an die alten Götter!“

Die Paare rissen sich schon gegenseitig die Kleider vom Leib, hoben Togas und Gewänder und verschmolzen ineinander oder beugten die Köpfe hinunter in dargebotene Schöße und gespreizte Schenkel.

Lorand de Cordoba führte Moira Tuttle zu der größten und am reichlichsten verzierten Liege. Sie stand mitten im Raum und war erhöht. Die Liege des Großen Flamen. Seine Toga wurde nur an der Schulter von einer einzigen Spange zusammengehalten, und er öffnete sie. Die Toga fiel zu Boden.

„Mein Gott!“ rief Moira aus, und eine gierige Wildheit kam in ihre Augen, als sie auf sein gewaltiges, steifes Glied starrte. Sie war froh, daß sie nackt war. Sie hätte keinen einzigen Augenblick mit Ausziehen vergeuden wollen.

Sie warf sich auf die Liege.

„Wie möchtest du’s zuerst?“ fragte sie, und das Blut klopfte wild in ihren Schläfen.

„So“, sagte Lorand de Cordoba, und seine schlanken, aber kräftigen Hände drehten sie auf den Bauch. Er packte sie an den Hüften und zog sie hoch auf die Knie und drückte sie zurück, bis ihre Hinterbacken beinahe — aber nicht ganz, auf ihren Fersen ruhten.

Moira keuchte, als er sie bestieg und seinen Schwanz tief in sie hineintrieb.

Einen kurzen Augenblick verharrte er und zog sich dann langsam wieder zurück, bis er ihre heiße, bebende Spalte nur noch mit der Spitze seines Steifen berührte. Wieder fuhr er kraftvoll in ihren glitschigen Kanal.

Moira schrie auf, als sie sich rasend schnell ihrem Höhepunkt näherte. Die wieder und wieder unterdrückte Lust während der Weihezeremonie, die ständig neu aufflammende Erregung hatten sie in einen solch gierig-erotischen Zustand versetzt, daß das zwei- oder dreimalige Eindringen de Lorands in ihre Scheide genügte, um einen langen und heftigen Orgasmus bei ihr auszulösen.

Als ihre bebenden Nerven und zitternden Muskeln sich etwas beruhigt hatten, faßten de Lorands starke Hände um ihre schmale Taille und richteten sie aus ihrer fast liegenden, verkrümmten Stellung auf. Langsam ließ er sein immer noch hartes Glied aus ihrer Möse gleiten, drehte Moira halb zu sich um und murmelte: „Laß uns jetzt eine andere Stellung einnehmen!“

2

Es war ein warmer, sonniger Montagnachmittag. Lorand de Cordoba rekelte sich in einem bequemen Sessel in dem kostbar ausgestatteten Wohnzimmer seiner Residenz in der Kultkolonie der Eklektischen Esoteriker.

Er nippte an einem großen Gin mit Tonic und beobachtete schweigend, wie Selene Faisan in dem Zimmer auf und ab ging wie eine gereizte Tigerin.

Selene war eine der beiden Mägde des Hymen bei Moira Tuttles Weihe in der vergangenen Freitagnacht gewesen. Sie war die Blondine, die nach Moiras recht gehässiger und geringschätziger Meinung ihr Haar gebleicht haben mußte. Selenes aschblondes Haar war jedoch echt. Und unparteiischen Richtern wäre es schwer gefallen, eine gerechte Entscheidung zu treffen, wer von den beiden schöner war, Moira Tuttle oder Selene Faisan.

Sicher, Selene war 27, beinahe 28, wodurch Moira ihr fast sechs Jahre an Jugend voraushatte. Andererseits aber besaß Selenes Schönheit durch Reife und Intelligenz eine Tiefe, die man bei Moira vergeblich suchte. Und jetzt gewann Selenes schönes Gesicht zusätzlich durch den heißen Zorn, den es widerspiegelte.

„Auf was bist du eigentlich aus, verdammt noch mal, Larry?“ fragte sie de Cordoba. „Du Hundesohn! Du ziehst für diese Tuttle eine verdammt große Schau ab!“

De Cordoba, bekleidet mit einem teuren, maßgeschneiderten Sporthemd und langen Hosen, zog seine Mundwinkel zu einem Grinsen hoch.

„Du willst mir doch nicht sagen, daß du eifersüchtig bist, Syl?“ fragte er.

Selene, deren langen, schlanke Beine durch den Minirock voll zur Geltung kamen, machte noch einen Schritt, blieb abrupt stehen, drehte sich langsam um und starrte de Cordoba an.

„Du mußt übergeschnappt sein, wenn du das denkst, du eingebildeter Pinsel!“ rief sie, aber ihr Ton war ernst und ätzend. „Ich interessiere mich nicht dafür, wem du deine Rübe verpaßt!!“

„Was paßt dir denn dann nicht?“ Lorand de Cordoba zuckte die Schultern.

„Larry, um Himmelswillen, wache auf!“ Selene ging zu dem Sessel, der ihm gegenüber stand, setzte sich, beugte sich vor und sprach sehr ernst. „Mit dieser Sache hier haben wir eine Goldmine. Wir! Die Hälfte davon gehört mir, klar?“

„Sicher weiß ich das. Du läßt es mich ja nie vergessen.“

„Es ist auch besser so!“ fauchte die blonde Frau, nahm sich dann aber zusammen und fuhr ruhiger fort: „Wir holen jährlich an die hunderttausend Dollar netto aus diesem Geschäft — jeder von uns —, zumindest war es so in den letzten zwei Jahren. Stimmt’s?“

„Ja, stimmt“, bestätigte de Cordoba und fragte sich, worauf sie hinaus wollte.

„Ich möchte dieses Einkommen nicht verlieren, Larry …“ „Wer möchte das schon?“ unterbrach er sie, „und wer sagt, daß wir es verlieren werden? Wenn sich etwas ändert, dann nur, daß es noch mehr wird. Ich denke, daß wir bis zum Ende des Jahres noch ein paar Hütten mehr aufstellen müssen.“

„Wir werden einen Dreck tun! Wir werden unseren Kram packen und klammheimlich aus diesem Staat verschwinden, wenn dieser Vogel — ich meine die Tuttle — erst einmal loslegt …“

„Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun?“

Selene Faisan zog eine Grimasse, seufzte und schüttelte ungeduldig den Kopf. „Du kennst ihre Geschichte so gut wie ich, Larry. Sie kann nicht anders, als ständig in üble Klemmen zu geraten. Zuerst schmeißt sie sich einem Kerl an den Hals, der sie gut vögelt, um ihm dann das Leben zur Hölle zu machen!“

Lorand de Cordoba, der Große Flamen des Inneren Kreises, nahm einen großen Schluck von seinem Drink.

„Syl, diese meschugge Puppe hat über zwanzig Millionen Piepen!“ sagte er nachdrücklich. „Das macht sie zum reichsten Mitglied unserer Kolonie … Und je mehr sie sich mir an den Hals wirft, um so mehr Geld fließt in … unsere Taschen — in deine und meine!“

„Quatsch! Diese zwanzig und noch ein paar Millionen sind Kapital. Sie hat sie zwar geerbt, aber sie kann keinen Cent davon anrühren, bevor sie 35 oder mit jemandem verheiratet ist, der ‚einstimmig als aufrechter und verantwortungsvoller Mensch‘ von allen fünf Bankheinis in San Francisco eingeschätzt wird, die als ihre Treuhänder fungieren.“

„Du vergißt einiges, Syl.“ De Cordoba leerte sein Glas und stellte es auf einen Tisch neben seinem Sessel. „Das jährliche Einkommen aus diesem Kapital beläuft sich auf über eine Million, und von diesem Kuchen können wir uns eine schöne Scheibe abschneiden! Und das ist wahrlich kein Kleingeld!“

Selene fühlte, wie ihre Ungeduld zunahm. Sie war schon früher mit ihm die Moira Tuttle-Geschichte durchgegangen. Im Detail. Drei oder vier Mal. Aus irgendeinem Grund schien bei ihm der Groschen nicht zu fallen. Er war geblendet vom Glitzern der Beute, schloß sie. Er sah nur den Glanz der vielen Millionen und weigerte sich, mögliche Komplikationen in Betracht zu ziehen.

„Larry! Auch dieses Einkommen wird von ihren Treuhändern kontrolliert. Moira Tuttle kann keine großen Sprünge machen. Sie kann nie auch nur einen Dollar mehr als fünftausend auf einmal ausgeben, ohne die Zustimmung von mindestens zwei der Treuhänder eingeholt zu haben. Deshalb mußten wir ihre fromme Spende von 20 ooo Dollar auch in fünf Raten von je 4 000 Dollar annehmen.“

Er zuckte die Schultern. „Was macht’s schon, wie lange es dauert, sie zu melken? Solange das Geld hereinkommt, nehme ich es gerne in Happen, Stücken, Raten — wie es eben kommt.“

Guter Gott, manchmal ist er wirklich nicht ganz normal, dachte Selene Faisan. „Dann will ich mal dein Gedächtnis auffrischen, mein Freund. Die Dame wurde von Spencer Devlin hierher gebracht — noch so ein sextoller Heini, der zuviel Geld geerbt hat. Ich habe mit Moira Tuttle die Einführungsgespräche zur Auswertung ihrer Persönlichkeit geführt. Sie ist nicht nur das reichste unserer Mitglieder, sondern sie ist auch am meisten hirnverbrannt und neurotisch, und das will eine Menge heißen.“

Sie machte eine Pause, als de Cordoba aufstand, sein leeres Glas zu einer versteckten Hausbar trug — sie war hinter einer buddhistischen Skulptur verborgen, die an der ausklappbaren Wandtäfelung befestigt war — und mixte sich noch einen Drink. Er kam zu seinem Sessel zurück.

„So“, grunzte er. „Weiter. Rede es dir von der Seele.“

Selene atmete tief durch. „Seit ihr Vater vor fünf Jahren gestorben ist, war sie in ein halbes Dutzend Skandale verwickelt, die die Schlagzeilen für jede Zeitung im Land geliefert haben. Ich brauchte nicht danach zu fragen, um das zu erfahren. Wir beide haben schon lange von ihr gehört, bevor sie den Weg zu uns gefunden hat.“

„Okay. Dann war sie also in Skandale verwickelt. Aber das waren die meisten unserer sexfröhlichen Geweihten.“ „Sicher. Es liegt auf der Hand, daß ihnen so etwas passierte. Sie sind eben solche Menschen, die gar nicht anders können, als irgendwann in ihrem Leben einmal ins Fettnäpfchen zu treten. Der große Unterschied ist nur, daß Moira Tuttle nicht nur eine Nymphomanin, nicht nur skandalträchtig, nicht nur eine Spinnerin ist, sondern daß sie ihre helle Freude daran hat, Ärger zu machen. Sie lechzt geradezu danach, jemanden zu ruinieren, der nein sagt, oder nur zu lange zögert, um ja zu sagen.“

Lorand de Cordoba prostete ihr mit seinem neuen Drink zu.

„Wir haben das doch schon alles durchgesprochen“, sagte er gelangweilt. „Die Antwort ist einfach. Wir sagen nie nein, und wir zögern nie, bevor wir ja sagen. Wir werden uns ganz besonders bemühen, unsere Tuttle immer glücklich und zufrieden zu machen, damit diese Viertausend-Dollar-Raten immer schön regelmäßig hereinfließen.“ Er grinste und neigte seinen Kopf in Richtung der Buddhaskulptur. „Möchtest du wirklich keinen Drink, um dich ein wenig abzukühlen?“

„Nein, danke.“ Selene schaute einen Augenblick auf ihre Fingernägel und sprach dann wieder. „Das klingt hübsch und klug ausgedacht. Gib dem Baby seinen Schnuller, und schon gibt es keine Sorgen mehr.“

„Richtig, richtig“, grinste er und klopfte sich auf sein Geschlecht. „Und ich habe hier den Schnuller, den sie am meisten will.“

„Äh-hmm“, räusperte sich Selene und nickte skeptisch. „Sicher, das ist es, was sie will — oder meint, es haben zu wollen. Aber bei ihrem Charakter kann man nicht einmal raten, was sie vielleicht nächste Woche haben will … oder in den nächsten fünfzehn Sekunden. In ihrem geilen Körper und in ihrem hübschen Köpfchen steckt eine Maschine, die rund um die Uhr auf Kummermachen programmiert ist, Larry. Sie hat es auf alles und auf alle abgesehen. Das geht auf ihre Kindheit zurück.“

De Cordoba gähnte.

„Im Augenblick haben wir insgesamt dreiundzwanzig weibliche Geweihte im Alter von 21 bis 42. Unsere Interviews mit den Anwärterinnen haben die Tatsache offenbart, daß nicht weniger als acht von ihnen, also jede dritte, die tollste ödipale Kindheitsgeschichte aufzuweisen haben, die Sigmund Freud sich nur erträumen konnte. Nimm zum Beispiel Ellen Percivall! Sie ist beinahe seit Anfang an bei uns und ist Mitglied mit Sonderrechten. Hat sie uns jemals Ärger gemacht? Oder die anderen? Nein, verdammt noch mal! Wir lassen ihnen die Zügel locker, nehmen ihnen die Hemmungen, die sie noch haben, und überzuckern den rohen Sex mit all dem pseudomystischen und okkulten Krampf. Das hält sie glücklich und zufrieden … und ruhig!“

Selene überlegte, daß sie jetzt doch einen Drink brauchte. Mit Larry Crane — ähm, Lorand de Cordoba, zu streiten, war oft so, als wenn man mit dem Kopf gegen eine Steinmauer anrannte. Sie stand auf, öffnete die Bar hinter der Wandtäfelung, goß sich einen großen Schluck Gin ein, ließ ein paar Eiswürfel hineinfallen, tat ein paar Tropfen Angosturabitter hinzu, schloß die Täfelung und ging wieder zu ihrem Sessel.

Sie wirbelte den rosa Gin ein paar Augenblicke um die Eiswürfel, um ihn richtig zu kühlen und trank etwa die Hälfte mit zwei schnellen Schlucken.

„Hör mal, Großer Flamen! Ellen Percivall und diese anderen haben nicht die gleichen Haß- und Rachegelüste wie Moira Tuttle. Für sie ist jeder ein Stellvertreter für den Vater — oder eine bequeme Zielscheibe, auf die sie schießen kann, weil sie nicht auf ihn schießen kann. Sie bedauert, daß er auf natürliche Weise gestorben ist. Sie wünscht sich, sie hätte ihn selbst umbringen können — langsam und grausam — mit ihren eigenen Händen. Da ihr das nicht gelungen ist, hat sie ein tiefsitzendes Bedürfnis, alles, was sie will, aus anderen herauszupressen, und sie dann als stellvertretende Opfer zu benutzen, um ihren unerfüllbaren Wunsch zu befriedigen, den verstorbenen J. Holcomb Tuttle zu ermorden. Geht das in deinen dicken Schädel?“

„Natürlich. Und mir geht auch in meinen dicken Schädel, daß man sie richtig behandeln, an der Kandare halten kann, bis der Melkprozeß seine Grenzen erreicht hat. Dann werden wir schon eine Möglichkeit finden, sie jemandem anders aufzuhängen. Nach der letzten Schätzung gibt es über 8000 ausgeflippte Sekten in unserem goldenen Staat Kalifornien. Ich garantiere dir, daß wir schon ganz schön ausgekocht sind — aber es gibt andere, die sind es noch viel mehr, nicht wahr?“

Selene trank ihren rosa Gin aus und lächelte schief. „Hmmm“, gab sie zu, „ja, es gibt einige. Nicht viele, aber einige.“ Sie lachte. „Wie der ‚Geheime und Älteste Orden der Flagellanten‘ in der Nähe von Lassen. Oder …“ „Lassen wir die Aufzählung, sonst sitzen wir noch nach Tagen daran. Gib mir nur eine ehrliche Antwort. Gibst du zu oder nicht, daß es einige verrücktere Kulttheater gibt in ganz Kalifornien — verrückter als unseres, meine ich?“

„Ja. Das gebe ich zu.“

De Cordoba stellte sein Glas auf den Tisch und spreizte seine Hände in einer ausdrucksvollen Geste.

„So, da haben wir’s! Wenn wir anfangen, bei Moira Tuttle Symptome festzustellen, daß sie unruhig wird, werden wir sie so beeinflussen, daß sie ganz verrückt auf eine wildere Umgebung wird — und ihre Triebe und Energien auf andere Ziele ablenken.“

„Eines muß man dir lassen, Larry, du schaffst es immer, alles einfach und leicht klingen zu lassen. Aber einmal angenommen, Moira gibt uns keine Warnung. Angenommen, wir fühlen nicht, daß sie unruhig wird, und sie läßt einfach die Bombe platzen. Kannst du dir nicht die Schlagzeilen vorstellen? ‚Erbin des Tuttlevermögens entlarvt Sexkult! Beschuldigt Gründer des Betrugs!‘ Ich sage dir, daß sie vollkommen verantwortungslos ist. Es ist ihr gleichgültig, wie sehr sie ihren eigenen Namen in den Schmutz zieht — vorausgesetzt, sie kann sich dadurch Publicity verschaffen und sich an den Leuten rächen, von denen sie sich übers Ohr gehauen fühlt.“

De Cordoba leerte sein Glas. „Du beschwörst Geister herauf, die es nicht gibt, Syl. Wir werden in der Lage sein, jede Änderung in Moira Tuttles Verhalten zu spüren, bevor die Änderung sich überhaupt auswirkt. Schließlich haben wir eine Menge Erfahrung mit religiösen und sexbesessenen Irren. Wie lange sind wir beide denn schon in diesem Geschäft?“

„Sechs Jahre“, antwortete Selene und gestand sich ein, daß kein weiteres Argument — so logisch es sein mochte, jetzt noch etwas nützen würde. „Sechs Jahre“, wiederholte sie und starrte resignierend vor sich hin.

Wieder erhob er sich mit seinem leeren Glas aus dem Sessel. Er langte nach ihrem und schaute sie fragend an. Sie nickte. Ja, sie wollte noch einen haben.

„Ich habe noch nie daneben gegriffen“, sagte er und ging zu der verborgenen Hausbar und mixte die beiden Drinks. Nein, noch nicht, seit du der Große Flamen bist, überlegte Selene. Aber du hast arg daneben gegriffen — sehr arg sogar, und das war kurz davor. Deshalb haben wir diese Sache überhaupt erst angefangen.

Ihre Erinnerung setzte ein. Ihr Gedächtnis schaltete zurück zu einem Ereignis vor etwas mehr als sechs Jahren …

Sylvia Phillips, staatlich geprüfte Krankenpflegerin.

Sylvia Phillips, die sich auf Psychiatrie spezialisiert hatte und bei Dr. Lawrence „Larry“ Crane angestellt war, einer der jüngeren, aber bereits wohlhabenden Psychiater in San Francisco mit einer rasch anwachsenden Privatpraxis. Sie war kaum eine Woche bei ihm beschäftigt, als sie mit ihrem gut aussehenden Brötchengeber ins Bett ging. Bald war sie beinahe in ihn verliebt. Beinahe, weil die psychologische Bezeichnung „sinnliche Fixierung“ seit kurzer Zeit benutzt wurde, um zu erklären, weshalb eine Person vorzugsweise — oder ausschließlich — mit einer bestimmten Person des anderen Geschlechtes sexuelle Beziehungen hatte.

Deshalb konnte Sylvia es nicht wirklich verliebt nennen, denn sonst hätte sie die Gültigkeit wissenschaftlicher Prinzipien und Theorien bezweifelt, von denen sie ganz und gar überzeugt war.

In diesem Fall schien jedoch das Konzept der sinnlichen Fixierung zuzutreffen. Sylvia, die eine mehr als durchschnittliche Erfahrung mit Männern hatte, betrachtete Larry Crane als den besten und befriedigendsten Liebhaber, den sie je gehabt hatte.

Sie waren beide sehr leidenschaftlich und frei von jeglichen Hemmungen. Er schien wie geschaffen für sie, ob auf ihr, neben ihr oder unter ihr oder sonstwo bei ihr, wenn sie vögelten oder sexuelle Spiele trieben, besser als irgendein anderer Mann. Die Höhepunkte, die sie mit ihm und durch ihn erreichte, waren weitaus intensiver als jene bei anderen Männern.

Und sie hatte die Probe aufs Exempel gemacht, um ganz sicher zu gehen. Sie hatte ein wenig herumgeschlafen, nachdem ihre Affäre angefangen, und bevor sie ihren kurzen Höhepunkt erreicht hatte. Sie konnte nicht ableugnen, daß die Theorie der sinnlichen Fixierung plausibel war. Sie war fixiert. Die Hände und Zungen und Schwänze anderer Männer konnten nicht annähernd so wahnsinnige Lust in ihr erwecken wie Larry Crane.

Aber der erotische Hunger von Dr. Lawrence Crane konnte von keiner einzigen Frau gestillt werden, nicht einmal von einer kleinen, ausgewählten Gruppe von Frauen. Ihn gelüstete es nach Abwechslung — in der Qualität wie in der Quantität.

Und hier machte er seinen riesigen und beruflich vernichtenden Fehler.

Dr. Larry Crane war seinem Wesen nach unfähig, den „guten Gelegenheiten“ zu widerstehen, die sich jedem Psychiater fast tagtäglich bieten. Viele seiner Patienten waren attraktive junge Frauen, deren Probleme meist auf Mangel an sexueller Erfüllung zurückgingen. Ihre Ehemänner waren unerfahren oder unaufmerksam oder unfähig, ihre Erektion lange genug für einen Orgasmus ihrer Frau zu behalten.

Dr. Crane riet nicht nur vielen dieser Frauen, sexuelle Beziehungen außerhalb ihrer Ehe aufzunehmen, sondern er führte die Kur auch persönlich durch, wenn die Patientin einigermaßen attraktiv war.

Ein Gatte kam dahinter, daß seine Frau nicht nur mit ihrem Psychiater redete, wenn sie dreimal wöchentlich ihre fünfzigminütige Behandlung auf seiner Couch verbrachte. Der Mann war reich und hatte Einfluß. Er heuerte ein paar ausgekochte Privatdetektive an, die sich hinter Dr. Crane klemmten. In seiner Praxis und seiner Wohnung wurden elektronische Abhörgeräte und Infrarotkameras raffiniert versteckt.

Innerhalb einer Woche hatte der Mann mehr als genug Beweise, nicht nur, um sich von seiner Frau scheiden zu lassen, sondern auch um ein halbes Dutzend andere Männer mit Beweisen gegen ihre Frauen zu versorgen. Was noch schlimmer war, er brachte das ganze Beweismaterial vor die entsprechende Behörde. Es war ein überwältigender Beweis, daß Dr. Lawrence Crane seine Stellung als Arzt mißbrauchte, um seine weiblichen Patienten zu ermutigen — und oft zu veranlassen —, sich mit ihm in jeden erdenklichen Sexualakt einzulassen.

Die Abhörgeräte hatten ein paar unzweideutige Gespräche aufgezeichnet.

„Sagen Sie, Mrs. Davidson — oder haben Sie etwas dagegen, wenn ich Sie Dorothy nenne? Mir kommt es so vor, als ob wir uns schon viel länger als zwei Sitzungen kennen … Haben Sie — seit Sie verheiratet sind — oralen Geschlechtsverkehr mit einem anderen als Ihrem Mann praktiziert?“

„Nein, Dr. Crane.“

„Ich meine, Sie sollten es tun. Es würde Ihnen eine große Hilfe sein, einige Ihrer tiefsitzenden psychischen und emotionalen Probleme zu bewältigen. Bleiben Sie jetzt ruhig, wo Sie sind. Ich werde nur die Tür abschließen und sofort wieder bei Ihnen sein.“

„O Gott, Doktor … ich meine, Larry! Sie sind, äh, du bist so groß! So stark! Kann ich es … wirst du ihn auch hier in mich stecken, wenn ich …?“

„Sicher, Dorothy. Aber zuerst möchte ich, daß du ihn in den Mund nimmst …“

Dr. Lawrence Crane wurde vor einen Ausschuß der Ärztekammer beordert, der zusammen mit Medizinern und Psychiatern der Gesundheitsbehörde über seinen Fall befinden sollte. Obwohl er wußte, in welch aussichtsloser Lage er sich befand, versuchte er, sich zu verteidigen.

„Es ist keine einzige Beschwerde von meinen Patienten gekommen.“

Dieses Argument bewirkte nur eisiges Schweigen und harte Blicke.

„Verdammt nochmal, meine Herren! Ich bin bestimmt nicht der erste Arzt oder Psychiater, der Affären mit seinen Patientinnen hat!“

„Nein, wohl kaum, Dr. Crane“, gab ein Mitglied des Ausschusses offen zu, „aber Sie haben dabei das große Pech gehabt, erwischt zu werden.“

Dr. Cranes Zulassung und sämtliche Lizenzen für seine Praxis wurden ihm entzogen, ohne daß Hoffnung bestand, sie jemals wieder zugesprochen zu bekommen. Er wurde aus den beruflichen Vereinigungen und Gesellschaften ausgeschlossen. Der Staatsanwalt war damit einverstanden, keine Anklage zu erheben — hauptsächlich, um einen Skandal für die betroffenen Frauen und ihre Familien zu vermeiden —, vorausgesetzt, daß Dr. Lawrence Crane seinen Amtsbezirk innerhalb von zehn Tagen verlassen würde.

„Und vorausgesetzt, Sie betreten ihn nicht mehr während der gesamten sieben Jahre, bis die Frist für eine Straf-Verfolgung verjährt ist“, fügte er hinzu und meinte, was er sagte. „Setzen Sie auch nur zehn Sekunden vor Ablauf der Verjährung einen Fuß in diesen Bezirk, werde ich Anklage mit Haftbefehl gegen Sie erhoben haben, bevor die zehn Sekunden herum sind!“

Lawrence Crane mußte seine lukrative Praxis für einen Bruchteil ihres eigentlichen Wertes verkaufen. Er bekam dafür weniger als 25 000 Dollar.

Sylvia Phillips, seine Sprechstundenhilfe, bekam ihre Lizenz nicht entzogen, und man drohte ihr auch mit keinerlei Maßnahmen. Es wurde jedoch als sicher angenommen, daß sie gewußt hatte, was Dr. Crane trieb, da sie ja bei ihm gearbeitet hatte und seine Geliebte war. Ihr Name wurde auf eine vertrauliche, schwarze Liste gesetzt, die an sämtliche Krankenhäuser, medizinische und psychiatrische, praktische Ärzte und die entsprechenden beruflichen Genossenschaften und Vereinigungen verteilt wurde.

So wurde Sylvia Phillips über Nacht nicht weniger eine Ausgestoßene als ihr Arbeitgeber und sporadischer Liebhaber Lawrence Crane. Es war ihr unmöglich, irgendwo in den Vereinigten Staaten als Krankenschwester zu arbeiten, noch nicht einmal in einem Veteranenkrankenhaus, jenen berüchtigten Sammelbecken für unliebsame Ärzte und Pfleger. Noch nicht einmal dort hätte man sich ihre Bewerbungsunterlagen auch nur durchgelesen …

… Lorand de Cordoba hatte die Getränke gemixt.

Er schlenderte lässig durch das riesige Wohnzimmer, gab Selene Faisan ihren neuen rosa Gin und nahm seinen eigenen Gin mit Tonic mit zu seinem Sessel und setzte sich.

„Du siehst aus, als ob du in Tagträumen schweben würdest, Syl“, sagte er freundlich, sogar heiter. „Uber was hat dein pessimistisches Bewußtsein denn in den letzten Minuten gebrütet?“

„Ich habe gerade daran gedacht, wie du und ich überhaupt in dieses Kultgeschäft geraten sind.“ Für einen Augenblick war das Problem Moira Tuttle für sie erledigt, so sehr es auch in ihr bohrte. Sie konnten später noch einmal auf das Thema Moira Tuttle kommen, wenn der Große Flamen Lorand de Cordoba die Möglichkeit gehabt hätte, selbst ein wenig nachzudenken.

„Mensch, Syl“, sagte er, „dieses Unternehmen war das Beste, was uns überhaupt passieren konnte — für uns beide!“

„Das bestreite ich nicht.“ Sie nickte und spielte mit ihrem Glas. „Ich hoffe nur, daß wir nicht plötzlich auf den Bauch fallen. Diese Sache ist zu gut, um sie zu verspielen — und sie ist uns sicherlich nicht in den Schoß gefallen. Wir haben verdammt viel Arbeit, Nerven und Schweiß in das Geschäft gesteckt …“

„Ganz zu schweigen von Sperma, das ich in diese verrückten Fotzen gegossen habe, die sich hier als unsere weiblichen Geweihten aufspielen“, bemerkte er und verdrehte die Augen.

„Ach, Mist! Hör auf, den Märtyrer zu spielen, Larry! Du würdest dein hyperaktives Ding doch in so gut wie alles rammen — und es genießen!“ Sie runzelte ihre glatte Stirn nachdenklich. „Ich meine es durchaus ernst. Wir haben verdammt hart gearbeitet, um diese Sache zu starten, sie ins Rollen zu bringen, und sie zu dem zu machen, was sie jetzt ist — eine Goldmine. Wir haben wie die Sklaven geschuftet, Larry. Weißt du das noch?“

Jetzt wurden sie beide von der Erinnerung übermannt. Beide saßen ruhig da, nippten ab und zu an ihren Getränken und ließen die Vergangenheit noch einmal vor ihrem geistigen Auge abrollen …

Pulsuz fraqment bitdi.

18,91 ₼

Janr və etiketlər

Yaş həddi:
0+
Litresdə buraxılış tarixi:
05 may 2025
Həcm:
180 səh. 1 illustrasiya
ISBN:
9788711718100
Naşir:
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
Yükləmə formatı:

Oxşar kitablar