Kitabı oxu: «Die Weltportale (Band 3)»
Inhaltsverzeichnis
Titel
Informationen zum Buch
Impressum
Widmung
Landkarte
Was bisher geschah …
Prolog – Lysandra
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14 - Aestus
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22 - Lapidia
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26 - Aestus
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32 - Aestus
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37 - Lapidia
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40 - Lucius
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47 - Aestus
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52
Kapitel 53
Kapitel 54
Epilog
Die Geschichte von Lady Graie und Melo
Personenverzeichnis
Glossar
Schlusswort
B. E. Pfeiffer
Die Weltportale
Band 3
Fantasy
Die Weltportale (Band 3)
Der Kampf gegen den Schatten hat nicht nur unter den Lunara schwere Verluste gefordert, sondern auch bei Eleonora. Doch ihr bleibt keine Zeit, zu trauern, denn ihre Aufgabe ist es, ein Portal zum Mondvolk zu öffnen, um die Magie zu retten. Zudem offenbart sich ein neues Problem, da die Magie nicht ohne die Hilfe der Auronen bewahrt werden kann. Eleonora steht vor der Herausforderung, die Auronen an ihre Seite zu holen, die allerdings mit den Menschen und dem Kampf gegen den Schatten nichts mehr zu tun haben wollen. Denn auch dieses Volk hütet ein Geheimnis, das für den Verlauf des Schicksals ausschlaggebend sein kann.
Die Autorin
Bettina Pfeiffer wurde 1984 in Graz geboren und lebt heute mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Baden bei Wien.
Seit ihrer Kindheit liebt sie es, sich Geschichten auszudenken. Besonders als Ausgleich zu ihrem zahlenorientierten Hauptjob taucht sie gern in magische Welten ab und begann schließlich, diese aufzuschreiben. So entstand recht schnell die Idee für die ›Weltportale‹ und andere magische Geschichten im Genre Fan-tasy/Romantasy.
Inspiration dafür findet sie immer wieder durch ihre Kinder, mit denen sie gern auf abenteuerliche Entdeckungsreisen geht.
www.sternensand-verlag.ch
info@sternensand-verlag.ch
1. Auflage, November 2020
© Sternensand Verlag GmbH, Zürich 2020
Umschlaggestaltung: Alexander Kopainski | Kopainski Artwork
Korrektorat: Sternensand Verlag GmbH | Martina König
Korrektorat Druckfahne: Sternensand Verlag GmbH | Jennifer Papendick
Satz: Sternensand Verlag GmbH
ISBN (Taschenbuch): 978-3-03896-152-9
ISBN (epub): 978-3-03896-153-6
Alle Rechte, einschließlich dem des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
Dies ist eine fiktive Geschichte. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Der blaue Drache behütet das Licht, Gewiss ist seine Rolle nicht. Kann er dem flammenden Wesen entrinnen, Wird er das Licht in Sicherheit bringen. Findet er aus seiner Prüfung nicht zurück, Stürzt er das Licht ins ewige Unglück.

Das erste Licht der Güte gibt sein Leben für die Welt,
Bald vergessen wird dieser edle Held.
Das zweite Licht der Stärke wird die Völker zum Siege führen
Oder mit seinem Herzen die Dunkelheit berühren.
Das dritte Licht wird durch Liebe stärker als sie alle,
Unbesiegbar sogar, so sie der Dunkelheit verfalle.
Was bisher geschah …
Lady Graie blickte nach oben, an den Rand der Kugel, über den schwarze Blitze zuckten. Ihr Brustkorb schmerzte bei jedem Atemzug und sie wusste, dass ihre Zeit sich dem Ende zuneigte.
Kraftlos sank sie zu Boden, den Blick immer noch nach oben gerichtet. Dort draußen, außerhalb des Zepters, in dem sie immer noch gefangen war, kämpfte Eleonora gegen den Schatten. Ein schwaches Lächeln stahl sich auf das Gesicht der Aurone, denn sie wusste, dass Eleonora gewinnen würde.
Erst war sie unsicher gewesen, ob das Mädchen bereit für diesen Kampf war. Eleonora war jung, unbedarft und vertraute zu schnell. Außerdem entschied sie viel zu leichtfertig mit dem Herzen. Doch genau das war vermutlich ihre größte Stärke, auch wenn es sie jetzt in Gefahr gebracht hatte. Aber nur dadurch würde sie den Fluch von Ravenport nehmen und Aestus mit seiner Drachenmagie helfen können.
Dass Eleonora Schutz brauchte, wusste die Lady. Deswegen kämpfte sie gegen die Kälte an, die bereits ihre Beine erfasst hatte. Ihr war bewusst, dass sie hier, im Zepter, das eigentlich im Kampf gegen den Schatten helfen sollte, sterben würde.
Wehmut überkam sie und Lady Graie schloss für einen Moment die Augen. Sie hätte Eleonora noch so viel beibringen, in so viele Geheimnisse einweihen müssen.
»Hoffentlich kann Dano meinen Platz einnehmen«, flüsterte sie und hustete dann. Blut bedeckte ihre Handfläche und die Kälte in ihrem Inneren wurde stärker.
Was wohl aus Valeria würde? Sie hatte auch ihr gegenüber eine Pflicht eingenommen, wollte sie leiten, ihr helfen, die schwere Zeit, die ihnen bevorstand, zu überstehen.
Zittrig hob Lady Graie eine Hand an ihre Brust und flüsterte einen uralten Zauber, den sie vor vielen Menschengenerationen gelernt hatte. Sie würde ihre Seele nur zum Teil in die Ewigkeit gleiten lassen. Ein Teil von ihr sollte hierbleiben und über Eleonora und Valeria wachen.
Noch einmal hustete sie und legte ihren Kopf in den Nacken. Es wurde kalt, so bitterkalt, und sie spürte ihre Finger, die kraftlos auf ihrem Bauch ruhten, längst nicht mehr, als sie den Boden berührten. Dennoch lächelte sie, obwohl sie vor Schmerzen nicht mehr atmen konnte. Denn der Schatten hatte sie nicht besiegt, nicht endgültig, und es würde ihm nicht gelingen, solange Eleonora das Licht in sich trug.
Nebel hüllte sie ein, der Schmerz verschwand und sie war endlich frei.
Es dauerte nicht lange, da führte ein Ruf sie an den See zurück, den sie gut kannte. Die Nacht hatte sich über das Ufer gesenkt, als ihre Füße lautlos das Gras berührten. Hinter ihr lag die Akademie, aber sie sah sich nicht um. Dieser Teil ihres alten Lebens war längst vergangen. Nein, sie war aus einem bestimmten Grund hier.
»Lady Graie«, hörte sie die vertraute Stimme und wandte sich um.
Jedes Mal, wenn die Lady sich in die Welt der Träume wagte, wo Valeria auf sie wartete, seit sie ihr zum ersten Mal erschienen war, freute sie sich, die Direktorin zu sehen. Doch heute war es anders, denn Valeria wirkte erschöpfter als je zuvor und Lady Graie wusste nicht, wie sie ihr noch helfen konnte.
»Die Linien«, sagte Valeria atemlos, als sie neben ihr stehen blieb, »sie führen noch immer keine Magie. Die Lunara sind zu schwach, um uns allein zu helfen.«
»Das habe ich befürchtet«, murmelte Lady Graie.
Seit dem Erdbeben, das der Schatten irgendwie, selbst in seinem Gefängnis eingesperrt, verursacht hatte, schienen die Knotenpunkte der magischen Linien zu sehr geschwächt, um die Welt mit Kraft und die Völker mit Magie zu versorgen. An jenen Stellen, wo mehrere Linien sich trafen, wirkte für gewöhnlich starke Magie, meist von allen Völkern. Aber jetzt war der Fluss ins Stocken gekommen und die Knotenpunkte waren kaum noch spürbar.
»Zu viele von ihnen sind gestorben, als der Schatten die Insel angegriffen hat.«
»Es ist noch viel schlimmer.« Valerias Stimme zitterte. »Aestus wurde in die Dunkelheit gerissen. Und Nina dient dem Schatten.«
»Was ist mit Lucius?«
»Soweit ich weiß, kümmert er sich um Eleonora«, erwiderte Valeria und stieß den Atem aus. »Lady Graie, was sollen wir tun? Aestus trägt die Kraft des Drachen in sich und sosehr ich versucht habe, ihm zu helfen, er konnte sie nie kontrollieren. Wenn der Schatten ihn nun auch auf seine Seite zieht …«
»Der Junge ist stark«, erwiderte die Lady ernst. »Er hat gemeinsam mit Eleonora und Lucius schon einmal gegen den Schatten gewonnen. Ich würde ihn nicht so schnell aufgeben.«
»Ich hoffe, Sie haben recht.« Valeria seufzte. »Das ist erst der Anfang, oder? Die versiegende Magie ist ein Werk des Schattens, der sich befreien will. Was, wenn er nur mit uns spielt? Immerhin hat er so viele Lunara getötet.«
»Die Welten müssen wieder zueinander finden«, meinte die Lady. »Nicht alle, aber es gibt Völker, die verborgen in der Welt der Menschen leben und helfen können, den Kampf fortzuführen. Aber erst muss Eleonora das Portal in die Welt der Lunara öffnen, um die Linien zu retten.«
Eine Weile schwiegen die beiden Frauen und blickten auf den See hinaus. Dann räusperte Valeria sich geräuschvoll. »Wird Eleonora sich auch bei den Auronen beweisen müssen? So wie bei den Lunara? Um ein Teil des Volkes zu werden?«
Die Lady schmunzelte, als sie sich zur Direktorin umwandte. »Das, meine Liebe, liegt in der Zukunft. Aber wir werden es bald erfahren …«
Prolog – Lysandra
Lysandra rieb sich die Augen mit ihren schuppigen Handrücken und lauschte in der frühen Morgendämmerung nach dem Geräusch, das sie aufgeweckt hatte. Erst war sie sich nicht sicher, ob sie träumte oder es tatsächlich hörte, aber dann wurde es lauter und sie schreckte von ihrem Lager hoch und trat hinaus in das purpurne Licht dieses Tages.
Seit vielen Menschengenerationen hatte sie diese Laute nicht mehr gehört, aber sie erinnerte sich daran, als wäre es erst wenige Minuten her.
Für sie war es das auch.
Nachdem ihre Aufgabe erfüllt schien, hatte sie sich zu ihrer eigenen Sicherheit viele Monde lang in einen Schlaf versetzt, aus dem sie nur kurz erwachte, um ein wenig Nahrung zu sich zu nehmen und zu sehen, ob sich etwas in ihrer Nähe verändert hatte.
»Liebe Göttin«, keuchte sie, als sie ihre Höhle verließ und ihre Umgebung musterte.
Was einst ein dichter Wald war, markierte nun den Rand einer Menschensiedlung, die ihr schon gefährlich nahe gekommen war. Es hätte sie schockieren oder zumindest überraschen müssen, wie sehr sich alles verändert hatte, wie dicht ihre einstmals abgelegene Höhle bereits bei den ersten Häusern lag. Aber sie wusste, dass die Menschen sich einfach nahmen, was sie wollten, und zu blind waren, um zu erkennen, wer oder was hier, seit Anbeginn der Magie, in ihrer Welt lebte. Vermutlich hielten die Menschen sie für ein zu groß geratenes Tier mit seltsamem Panzer. Nie wären sie darauf gekommen, was sie wirklich war: Sie stammte aus dem Volk der Clavema, die für ihre Schmiedekünste bekannt gewesen waren. Und sie, Lysandra, war eine jener Schmiede, die einst Schlösser fertigten für Dinge, die niemals wieder geöffnet werden sollten.
Ihre Brüder und sie hatten dafür gesorgt, dass alle Portale mit unüberwindbaren Siegeln für alle Zeiten verschlossen blieben. Aber im Gegensatz zu ihr waren ihre Brüder unvorsichtig gewesen und von Menschen gefangen und getötet worden.
Nur Lysandra war noch übrig. Doch da die Verbindungen zu anderen Welten großteils für immer verschwanden, nachdem sie mit den Siegeln verschlossen wurden, hatte es bisher keinen Grund gegeben, sich Sorgen zu machen, ob sie allein mit ihren Werkzeugen und ihrer Magie ein Portal verteidigen konnte. Bis zu diesem Tag.
Leise regten sich die ersten Menschen in ihren Häusern, während Lysandra ihre Ohren spitzte und die Augen schloss. Da war es, ganz eindeutig. Wie ein Hammerschlag auf brüchigem Eis klang das Geräusch, das jemand verursachte, der eines ihrer Schlösser zerstören wollte.
»Oh nein, das werdet ihr nicht! Nicht, solange ich hier bin«, knurrte sie und ballte ihre schuppigen Finger zu einer Faust. Sie hatte einen Eid geschworen und sie würde ihn bis zu ihrem letzten Atemzug erfüllen.
Hastig kroch Lysandra in ihre Höhle zurück, in der sie so lange Zeit geschlafen und immer wieder unruhig gewacht hatte, diesen Tag herbeisehnte und doch fürchtete. Endlich hatte sie wieder etwas zu tun, konnte ihre Fähigkeiten testen und musste darauf vertrauen, dass sie nach all der Zeit immer noch in der Lage war, ein Portal zu verteidigen.
Sie suchte im dämmrigen Morgenlicht ihre Werkzeuge zusammen, packte sich etwas Proviant ein und kroch wieder aus ihrer Höhle. Einmal noch drehte sie sich um, fragte sich, ob sie diesen Platz, der so lange ihr Zuhause gewesen war, jemals wiedersehen würde.
Kurz zögerte sie. Wie viel Zeit war vergangen, seit die Portale verschlossen wurden? War sie wirklich noch an jenen Schwur gebunden, der sie damals in dieser Welt festhielt? Aber was sollte sie mit sich anfangen, wenn sie ihrer Aufgabe nicht mehr nachkam?
Wieder erklang das Geräusch und Lysandra wusste, ihr Siegel würde nicht mehr lange standhalten. Entschlossen nickte sie, band sich die Taschen um und begab sich auf ihre Hände und Füße. Sie mochte es nicht, auf vier Beinen zu laufen, aber so war sie deutlich schneller.
Ihre Krallen schabten über den Boden und sie rannte los. Die Wälder zogen an ihr vorbei, sie hastete durch jene große Wüste, in der sich einst die Auronen niedergelassen hatten, ehe sie verschwanden, und weiter über grüne Ebenen, bis sie das Meer riechen konnte. Hier also wollte jemand ein Portal öffnen, das für immer versiegelt worden war.
Lysandra kam wieder auf ihre zwei Beine, als sie ganz nahe war, und ortete das Portal. Sie konnte verschiedene Völker riechen, die sich darum versammelt hatten. Einen Moment überlegte sie, welche Spezies gerade ihr Schloss zu brechen versuchten. Dann zuckte sie mit den Schultern, weil es nicht wirklich wichtig war, brachte sich in Position und zog ihren magischen Hammer aus ihrem Werkzeuggürtel. Mit ihm würde sie jeden aufhalten, der es wagte, ihre Siegel zu brechen.
Kapitel 1
Blaue Augen blickten sie liebevoll an, während sie eisige Kälte fühlte. »Es ist gut, du kannst mich loslassen«, sagte er.
»Ich will dich nicht loslassen. Niemals. Ich kann das nicht!«, brüllte sie ihn an, aber da lösten sich seine Finger bereits von ihren und er verschwand in dem Strudel aus Dunkelheit und Kälte. »Aestus! Nein!«, schrie sie und wollte ihm nach, als jemand sie an ihren Schultern packte.
»Eleonora, es war nur ein Traum«, drang ein Flüstern an ihre Ohren. »Meine Kleine, es war nur ein Traum.«
Eleonora schluchzte, während sie die Benommenheit des Schlafes ablegte. Es mochte diesmal ein Traum gewesen sein, aber was sie darin gesehen hatte, war wirklich geschehen. Aestus war vom Schatten in die Dunkelheit gezogen worden und sie hatte nur zusehen können.
Die Arme ihrer Großmutter schlossen sich um sie. Es war meistens Sarina, die in der Nacht bei ihr saß, seitdem die Lunara ihre Insel aus dem Wasser gehoben hatten. Das lag zwei Tage zurück und es fühlte sich für Eleonora wie viele Monde an. Ihr Körper kämpfte immer noch mit den Folgen all der Magie, die sie gebündelt hatte, um die Insel zu heben. Aber ihr Herz hatte den schlimmsten Kampf auszutragen.
Nicht nur, dass sie Aestus verloren hatte und ihr Herz diesen Verlust kaum ertrug. Auch Eleonoras Vater Lordor war immer noch nicht erwacht, nachdem der Schatten ihn verwundet und Dano, Eleonoras Großvater, seine Unsterblichkeit geopfert hatte, um ihn zu retten.
Der Aurone war nur noch ein Schatten seiner selbst, zitterte trotz der Wärme ständig und sprach kaum ein Wort. Sarina hatte ihr erklärt, dass er es nicht ertrug, zu fühlen, wie sein Körper Stück für Stück zu sterben begonnen hatte.
Eleonoras Mutter Athela wich nicht von Lordors Seite. All der Kummer hatte sie um Jahre altern lassen und sie schien noch zerbrechlicher als vor wenigen Tagen, während die Dunkelheit offenbar ihre Finger nach ihr ausgestreckt hatte.
Dann war da noch Eleonoras einstige Freundin und Mitschülerin Nina, die sie alle verraten hatte. Die sich dem Schatten anschloss, weil ihr Herz gebrochen war. Sie wollte mit Aestus zusammen sein und er hatte ihr erklärt, dass er für sie nur freundschaftliche Gefühle hegte.
Eleonora gab sich selbst die Schuld dafür. Sie hätte es sehen müssen. Irgendwie. Und eine Lösung gefunden. Dann wäre Aestus noch bei ihnen und der Schatten hätte nicht mit Ninas Hilfe so viele Lunara töten können, als er gekommen war, um den Mondstein zu stehlen.
Eleonora schluchzte noch einmal. »Großmutter, was soll ich nur tun? Es ist alles schiefgelaufen. Wir haben so viele Lunara verloren. Ich habe Aestus und Nina verloren und mein Vater und Großvater …« Sie schluckte, unfähig, den Gedanken, was mit ihnen geschehen könnte, fortzuführen. »Die Linien versiegen und wir finden das Portal der Lunara nicht, um Hilfe zu holen.«
»Lass mich dir helfen, Lumina!«, erklang eine Stimme, die sie ständig zu missachten versuchte.
Es war die vermeintliche Mondgöttin. Sie hatte während der Prüfungen der Lunara mit Eleonora gesprochen und ihr immer wieder erklärt, dass sie ihr helfen würde. Aber Eleonora grollte ihr. Denn als sie wirklich Hilfe gebraucht hätte, hatte diese Stimme geschwiegen.
»Wir werden dieses Portal finden, mein Kind«, murmelte ihre Großmutter Sarina an ihrem Ohr. »Du wirst es finden. Ich weiß es. Du bist noch geschwächt von dem Aufstieg, aber wenn die Sonne aufgeht, werden wir es gemeinsam versuchen. Dein Amulett wird dir beistehen.«
Eleonora schwieg und blickte auf den runden Anhänger hinab. Die Phasen des Mondes schimmerten selbst in der Dunkelheit des Raumes silbern, vom Neumond zum Vollmond und wieder zurück. Seit ihrer Geburt trug sie es und hatte lange angenommen, es wäre dem Zeitpunkt und der Sternenkonstellation zugeordnet, an dem sie das Licht der Welt erblickt hatte. Aber seit drei Monden wusste sie, dass es ein Symbol war, das vor ihr nur zwei andere Frauen getragen hatten. Es zeigte, dass sie den vier erdfremden Völkern angehörte und dazu bestimmt war, das Licht zu sein, das sich dem Schatten stellen musste.
Sie seufzte schwer und wandte ihren Blick ab. Sie würde mehr Hilfe als die des Amuletts benötigen, um ihre Aufgabe zu erfüllen.
»Ich werde dir helfen, wenn du mich lässt«, flüsterte die Mondgöttin.
»Lass mich zufrieden«, zischte Eleonora.
Sarina sah sie verwirrt an. »Entschuldige, ich …«
»Nein, nicht du, Großmutter. Vergib mir«, raunte Eleonora. »Ich höre diese Stimme in meinem Kopf. Merana meinte, es wäre die Mondgöttin.«
Sie hatte mit niemandem darüber gesprochen, außer mit Merana, der Hohepriesterin der Lunara und Schwester von Sarina, die vom Schatten getötet worden war. Zum einen, weil sie sich fürchtete, für verrückt gehalten zu werden, und zum anderen, weil sie niemanden hatte, den sie einweihen konnte. Aber ihrer Großmutter vertraute sie und deswegen erzählte sie ihr nun davon.
Sarina, die nicht überrascht schien, betrachtete ihre Enkeltochter mit ihren hellen Augen mitfühlend. Anders als die meisten Lunara war Sarina zu richtigen Gefühlen fähig. Eleonora hatte die emotionslose Art, welche die meisten Lunara zeigten, erschreckend gefunden. Selbst Hektor, mit dem sie irgendwie verwandt war und der Gefühle bei anderen wahrnehmen konnte, wirkte gefühlskalt auf sie, obwohl er sie beschützt hatte.
»Was sagt die große Göttin zu dir?«, wollte Sarina schließlich wissen.
»Dass sie mir helfen wird, wenn ich sie lasse.« Ihre Großmutter setzte bereits zu einer Erwiderung an, aber Eleonora fuhr ungerührt fort. »Ich will ihre Hilfe nicht. Als ich sie brauchte, hat sie mich im Stich gelassen. Sie hat zugelassen, dass der Schatten gemeinsam mit Nina die Lunara tötet und meinen Vater verletzt. Und Aestus …«
Sie schluckte. Zu frisch, die Erinnerung war zu frisch, zu schmerzhaft.
Sarina strich ihr über den Rücken. »Er ist nicht tot. Du fühlst ihn doch noch, oder?«
Eleonora schüttelte kaum merklich den Kopf. »Ich kann ihn seit gestern Mittag nicht mehr wahrnehmen. Ich … ich habe ihn vermutlich für immer verloren.« Sie verbarg ihr Gesicht in ihren Händen, aber keine Träne stahl sich in ihre Augen. Die Kraft, zu weinen, hatte sie längst verloren. »Ich hätte gleich versuchen müssen, ihn aus dieser Welt zu holen.«
»Das konntest du nicht«, beruhigte die Lunara sie. »Du konntest noch nicht einmal richtig heilen, Kind. Denkst du, du hättest ein Portal in die Schattenwelt öffnen und diesem Wesen in seinem Reich gegenübertreten können? Ihr wärt beide verloren gewesen.«
»Aber jetzt ist er für immer verloren!«
»Das weißt du doch nicht, Kind. Unterschätze den Jungen nicht, er ist stark und klug. Er wird dem Schatten entkommen, da bin ich sicher.« Sarina zog Eleonoras Hände von ihrem Gesicht und blickte ihr in die Augen. »Hab doch ein wenig Vertrauen. Wenn die Linien wieder Magie führen, solltest du die Auronen aufsuchen. Sie können dir helfen, in die Welt des Schattens zu gelangen und deinen Vater zu heilen.«
»Die Auronen?«, hauchte Eleonora. »Warum gerade sie?«
»Der Kristall, in dem der Schatten gefangen ist, wurde von ihnen erschaffen.« Die Lunara hob ihre Mundwinkel. »Na ja, sie hatten Hilfe, aber es war ihre Magie, die ihn verschloss. Dieses Volk ist mächtiger als jedes andere, deswegen brauchen wir es an unserer Seite. Sie können dir bestimmt sagen, wie du Aestus befreien kannst. Und Lordor ist zum Teil Aurone. Sie werden nicht zulassen, dass er der Schattenmagie zum Opfer fällt. Aber dazu müssen sie wissen, was geschehen ist, und ich bin nicht sicher, ob sie die Angelegenheiten der sterblichen Welt noch beobachten.« Sie legte eine Hand auf Eleonoras Schulter. »Du bist die Einzige, mit der sie sprechen werden, deswegen musst du zu ihnen.«
Eleonora kniff die Augenbrauen zusammen. »Weil mein Großvater seine Unsterblichkeit aufgegeben hat?«, wollte sie wissen.
»Nein, aus einem anderen Grund. Aber es steht mir nicht zu, darüber zu reden. Das muss Dano tun.« Sarina seufzte und strich Eleonora noch einmal über den Rücken. »Versuch, noch ein wenig zu schlafen. Du brauchst die Ruhe, auch wenn du unsterblich bist. Dein Körper muss den Entzug überwinden und deine Trauer fordert zu viel Kraft. Es ist ein Glück, dass du deine Lunara-Fähigkeiten benötigst, um das Portal zu finden. Denn ich befürchte, deine Auronenkräfte sind noch etwas geschwächt.«
»Wegen der Trauer«, murmelte Eleonora.
Die Auronen verknüpften ihre Kräfte mit ihren Gefühlen. Sie musste daran denken, wie sie Aestus fast umgebracht hätte, als sie ihrer Wut die Oberhand gelassen hatte. Auch das fühlte sich so ewig lange her an.
»Und wegen deiner Schuldgefühle, denn du gibst dir selbst die Schuld an allem, was geschehen ist. Aber du bist nicht schuld. Du hättest das nicht verhindern können.«
»Es ist auch wegen Lucius«, erklärte Eleonora leise.
Sie hatte eine Wahl zwischen Aestus und dem Ritter treffen müssen und sich in dem Moment gegen Lucius entschieden, als sie darum kämpfte, Aestus vor dem Schatten zu retten. Aber nachdem der Schüler mit den eisblauen Augen vom Schatten in seine Welt gezogen worden war, hatte der Ritter sie nicht im Stich gelassen. Eleonora wusste nicht, ob er sich erneut Hoffnungen machte. Sie wusste nur, dass sie ihm nicht wehtun wollte und es doch ständig tat, indem sie ihn von sich stieß. Sie ertrug es nicht, dass er sie zu trösten versuchte, wo er selbst so offensichtlich litt.
»Liebst du ihn?«, wollte Sarina plötzlich wissen.
Eleonora sah auf. »Wie könnte ich ihn nicht lieben? Aber ich hatte mich entschieden … Es wäre heuchlerisch, wenn ich jetzt so tun würde, als wäre das niemals passiert. Denn es würde bedeuten, dass ich Aestus aufgegeben hätte, und das habe ich nicht.«
Sie wusste nicht, woher, aber ihr Kampfgeist kehrte zurück. Sie spürte Aestus vielleicht nicht mehr, aber sie war sich mit einem Mal sicher, dass er noch am Leben war. Und sie würde ihn finden!
Sarina schmunzelte. »Genau das wollte ich hören. Aber … hast du Lucius das auch so erklärt?«
Eleonora nickte und dachte an das Gespräch und wie der Ritter sie dabei angesehen und ihr seine Hilfe zugesichert hatte. Sie liebte sie beide, nur auf unterschiedliche Weise. Zumindest nahm sie das an. Merana hatte ihr schließlich den Impuls geliefert, den sie gebraucht hatte, um diese Entscheidung zu treffen. Lucius war die sichere Wahl, aber Aestus brachte ihr Licht heller zum Strahlen.
Sie stieß den Atem aus. Der Gedanke, eines Tages Abschied von Lucius nehmen zu müssen, brach ihr immer noch das Herz. Aber ihr war bewusst, dass er leiden würde, wenn sie Aestus retteten …
Eleonora löste sich von ihrer Großmutter und schwang ihre Beine aus dem Bett, auf dem sie immer noch zusammen saßen.
»Was hast du vor?«, fragte Sarina, während Eleonora aufstand.
»Das Portal suchen. Die Linien werden immer schwächer und ich habe meine Trauer lange genug zugelassen. Ich muss jetzt handeln.«
»Du bist noch nicht so weit. Deine Magie …«
»Denkst du, es wird besser, wenn die Linien endgültig verschwunden sind?«, murmelte Eleonora, als sie ihren Umhang anlegte.
Aquaris lag südlich und der Winter mochte milder sein als in Eirini. Aber die Nächte fühlten sich auch hier kühl an.
»Nein«, gab Sarina zu und stand ebenfalls auf.
Sie hüllte sich in ihre Decke und blickte zu Eleonora hinab. Wie jede Lunara war sie ausgesprochen groß, überragte selbst die größten Magier um einen Kopf. Ihre Haare schimmerten weiß wie der Schnee jener Welt, aus der ihr Volk stammte, während ihre Haut gebräunt schien.
»Eleonora, vielleicht solltest du die Hilfe der Göttin annehmen«, meinte Sarina mit ernster Miene. »Du bist die Erste seit ewigen Zeiten, mit der sie spricht. Und sie will dir helfen. Sie hat dir doch bei deiner Prüfung beigestanden, nicht wahr?«
»Woher weißt du das?« Eleonora hatte das nur den Priesterinnen und Merana anvertraut. Sie alle waren vom Schatten getötet worden.
»Weil es Sinn macht. Du bist das Licht. Wenn sie jetzt mit dir spricht, hat sie dir auch bei deiner Prüfung geholfen.« Ihre Großmutter legte ihr die Hände auf die Schultern. »Ich weiß, es fällt dir schwer, aber uns läuft die Zeit tatsächlich davon. Mit ihr finden wir das Portal vermutlich deutlich schneller.«
Eleonora seufzte, bevor sie nickte. »Würdest du mir einen Moment allein geben?«, bat sie.
»Natürlich. Ich warte vor der Tür«, verabschiedete Sarina sich und verließ das Zimmer.
Eleonora verschränkte ihre Arme vor der Brust und schloss die Augen. »Du bist noch da, oder?«, flüsterte sie widerwillig.
Eigentlich wollte sie nichts von der Göttin wissen, aber ihre Großmutter hatte vermutlich recht. Nach allem, was geschehen war und ihnen noch bevorstand, würde Eleonora jede Hilfe brauchen, die sie bekommen konnte.
»Ich bin immer an deiner Seite, Lumina«, antwortete die Göttin. »Ich führe dich, wenn du es möchtest. Alles, was du tun musst, ist, dein Amulett zu halten und die Magie dich leiten zu lassen.«
»Danke«, erwiderte Eleonora. »Kannst du mir helfen, meinen Vater und Aestus zu retten?«
Schweigen senkte sich über sie und sie wollte schon schnauben, als die Göttin antwortete. »Ich werde es versuchen. Aber meine Macht ist begrenzt, Lumina. Du wirst die Königin der Auronen für dich gewinnen müssen, und das wird keine leichte Aufgabe.«
Ohne darauf einzugehen, holte Eleonora ihr Amulett unter ihrer Kleidung hervor und rümpfte die Nase. Sie hatte sich seit Tagen nicht wirklich umgezogen. Das sollte sie dringend ändern. Nachdem sie das Portal gefunden hatte.
»Bitte führe mich«, flüsterte sie und öffnete die Augen, als das Amulett in ihren Händen warm wurde und Magie sie durchströmte.