Kitabı oxu: «Expedition Körper»

Şrift:


Barbara Zaugg


Titel

Barbara Zaugg

Expedition Körper

Gesundheit ist keine Glückssache

Inhalt

Inhalt

Von der Kuh zur Idee

Über mich

Das Mysterium X

Eine Expedition durch den Körper

Willkommen auf dem Schädeldach

Schaltstelle Gehirn

Unterwegs im Verdauungstrakt

In der Knochenwerkstatt

Das Energiekraftwerk

Rasant durch Herz- und Lungenkreislauf

Das Biochemiewerk Leber

Die unterschätzten Nieren

Im Raum der Sinne

Das Immunsystem: unsere Körperarmee

Das Lymphsystem

Wir sind nicht gleich

Massgeschneidert gibt es nicht

Der gigantische Stoffwechsel und die Macht der Hormone

Das Bauchgefühl – wenn der Körper Sie anruft

Der Reiz und seine Antwort

Das innere Gleichgewicht

Placebo – wenn nichts plötzlich Wirkung zeigt

Alles klar?

Achtung, fertig, Feuerwerk!

Quellen

Inhalt

Es mag etwas seltsam oder gar verrückt klingen, wenn ich Ihnen sage, dass mich eine auffallend lustig gefleckte Bauernhofkuh namens Rita inspiriert hat, dieses Buch zu schreiben. Ich begegne ihr täglich frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit. Sie schafft es immer aufs Neue, mich zum Schmunzeln zu bringen. Sehr genussvoll und fast tänzelnd bewegt sie sich an der automatisch drehenden, gelben Reinigungsbürste hin und her und zelebriert ihre Morgentoilette. Von den Artgenossen in der Warte­schlange, die offenbar gerne das Gleiche tun würden, lässt sie sich weder stören noch vertreiben. Ein Schauspiel der Sonderklasse, das bei mir immer wieder gute Gefühle auslöst und die Morgenmuffelstimmung vertreibt. Man kann hier quasi von einem Gute-Laune-Elixier sprechen.

Dieses allmorgendliche Ritual und sein Effekt haben in mir das unbändige Bedürfnis erweckt, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auf sehr einfache und unterhaltsame Weise Einblick in Ihren Körper zu verschaffen. Mit meinen Schilderungen will ich in Ihrem Gehirn Signalstoffe auslösen, ein Kopfkino aktivieren und Sie mitten in Ihren eigenen Körper katapultieren. Voller Erstaunen und Bewunderung werden Sie Strukturen und Funktionsprozesse individuell und visualisiert erleben. Anders ausgedrückt: Sie rücken sich mal selbst auf den Pelz und kommen sich körperlich eine Spur näher. Ich garantiere Ihnen, Sie werden es nicht bereuen.

Von Geburt an leben wir als individuelle Persönlichkeiten in einem ebenso individuellen Körper. Wir glauben, uns bestens zu kennen. Mit dem Wissen darum, wie wir ausschauen, was wir fühlen und denken, wie wir handeln, was wir mögen oder nicht, was uns freut oder traurig macht, und vielen Fähigkeiten mehr, kommen wir gut durch das Leben. Erst im Falle einer Krankheit, einer Verletzung oder eines psychischen Ungleichgewichts kann es dazu kommen, dass wir auf einmal ein befremdendes Körpergefühl verspüren. Spätestens dann ist es hilfreich, ein Mindestwissen über die Körperstrukturen und -funktionen zu haben. Mein Buch soll Ihnen Einsicht in Ihren Körper verleihen und damit Ihre Wahrnehmung sowie Ihre Eigenverantwortung steigern. Sie benötigen dafür keine medizinischen oder anatomischen Kenntnisse, sondern einzig eine Vorstellungsgabe, damit Sie die amüsante Expedition durch den Körper als Kopfkino erleben können.

Freuen Sie sich auf eine nicht alltägliche Herausforderung, und tauchen Sie ein in Ihre faszinierende Körperwelt. Sie erhalten dabei zwei Arten von Einsichten: zum einen physische Einsichten in die Körperwelt und zum anderen geistige Einsichten, damit Sie künftig im Denken, Fühlen und Handeln in Bezug auf Ihre Gesundheit differenzierter, aber auch kritischer vorgehen können.

Über mich

Mit vier fing alles an. Denn ganz der Norm der anno dazumal vierjährigen Kinder entsprach ich definitiv nicht. Statt Bilderbücher anzuschauen, Stofftiere herumzuschleppen und Seifenblasen nachzublicken, funktionierte ich mein Kinderzimmer in eine Puppenarztpraxis um. Dort frönte ich meiner unbändigen Leidenschaft, Forschungsversuche an meinen Puppen durchzuführen. Hinter verschlossener Zimmertür machte ich mich ans Werk. Keine meiner Puppen blieb unversehrt. Auch tot aufgefundene Fliegen, Spinnen und Mücken waren willkommene Forschungsobjekte. Einigen meiner Puppen malte ich mit Filzstift Verletzungen auf und versorgte sie anschliessend mit Verbänden und Pflastern. Anderen schnitt ich versuchsweise die Haare, um zu schauen, wie lange es dauert, bis sie wieder nachwachsen. Ich wartete Stunden, Tage, ja Wochen, bis ich mit grösster Enttäuschung feststellen musste, dass sich weder in Sachen Wundheilung noch in Sachen Haarwuchs irgendetwas tat.

Ich wurde älter, und meine Praxis entwickelte sich im Laufe der Zeit weiter. Sehr erfreute ich mich an den Utensilien aus dem realen Arztpraxisalltag, die mir Bekannte aus dem Pflegeberuf wohlwollend mitgebracht hatten. Erstaunlicherweise war ich tatsächlich im Besitz von Injektionsspritzen, leeren Infusionsflaschen mit Besteck, Injektionsmittelfläschchen und Operationsklemmen, ja sogar von einem Skalpell. Meine Versuche wurden überlegter, aber auch gewagter. Der Puppenwelt ging es dabei richtig an den Kragen beziehungsweise an den Kautschuk! Ich impfte die Puppen mit Wasser, schnitt ihnen die Mundpartie auf und fütterte sie mit eigens zubereitetem Bananenbrei oder öffnete ihnen mit dem brutal scharfen Skalpell den Bauch. Die Ergebnisse meiner Forschung waren stets ernüchternd: Wenn Haare nicht nachwachsen, aufgemalte Wunden nicht heilen, Injektionsmittel nicht aufgenommen werden, Nahrungsmittel übel zu riechen beginnen, Bäuche einfach Hohlräume sind, ja was zum Teufel kann ich denn hier in Erfahrung bringen? Eine einzige Kautschuklüge? Enttäuscht und entmutigt war ich kurz davor, meine Praxis zu schliessen.

Bald darauf entfachte sich aber eine neue Idee, nämlich mich gezielt auf meinen Traumberuf Ärztin vorzubereiten. Etwa mit acht Jahren begann ich, Miniaturplastiksäckchen zu erstellen, diese mit rot gefärbtem Wasser (in meiner Idee Blut) zu füllen und in die Hohlräume der Puppen zu implantieren. Mein Ziel war es, Blut zu entnehmen und unter dem Mikroskop meines älteren Bruders zu untersuchen. Das erneut knifflige Projekt endete in kleineren und grösseren Sauereien.

Die absolut krönende Herausforderung war schliesslich, eine tote Fliege wieder zum Leben zu erwecken. Ich beträufelte die auf einem Papiertaschentuch aufgebahrte Fliege sanft mit Tropfen aus einer Spritze. Deren Inhalt war nichts anderes als das Lebenselixier Wasser. Voller Spannung wartete ich auf Reaktionen. Nichts geschah, nicht der kleinste Flügelschlag, nicht das leiseste Zucken. Ein weiterer Tropfen Lebens­elixier und die Verlegung auf die Fensterbank folgten, damit zusätzlich himmlische Sonnenstrahlen auf die Fliege einfielen. Wiederum null Reaktion. Das darf doch nicht wahr sein, dachte ich, ähnlich wie bei den Puppen. Nur Materie ohne Leben, nur diesmal nicht aus Kautschuk! Aber ich war um eine Erfahrung reicher: Ich wurde unmissverständlich mit dem Tod konfrontiert. Das kam mir fremd, gruselig und unheimlich vor. Was für ein Unterschied zwischen der lebendigen Fliege, die nervig und unermüdlich herumsummt, und der toten Fliege, die starr und regungslos vor sich hin trocknet! Diese Beobachtung löste in mir ein sonderbares Schaudern aus. Ein Schaudern, das ich heute noch verspüre, wenn ich mit dem Tod in Berührung komme.

Als es um die Berufswahl ging und ich meinen innigsten Wunsch, Ärztin zu werden, kommunizierte, stiess ich bei meinem autoritären Vater auf taube Ohren. Er meinte, meine Mathematiknote sei dermassen schlecht, dass sie mir den Übertritt ins Gymnasium unmöglich mache. Das hat mich hart getroffen. Das Oberhaupt der Familie war zudem der festen Überzeugung, dass ich als sehr feinfühlige, sensitive Persönlichkeit dem Druck der Medizin, sprich den Leidensgeschichten der Patientinnen und Patienten, nicht standhalten würde. Diese beiden fixen Meinungen liessen nicht den geringsten Spielraum für weitere Diskussionen. In mir herrschte einen Moment lang nur noch Weltuntergangsstimmung, und ich hegte einen inneren Groll meinem Vater gegenüber. Aber die kleine Ärztin liess sich nicht unterjochen. Sie wusste im innersten Herzen, dass sie eines Tages ihren Traum realisieren und im Rahmen des Möglichen Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden helfen würde.

Mein vom Vater indoktrinierter Bildungsweg führte anfänglich über Sprachaufenthalte in die kaufmännische Welt. Ich schloss die Handelsschule sowie die kaufmännische Lehre mit Diplom ab und startete die praktische Tätigkeit direkt im Polizeiwesen als Stabsassistentin. Weit weg also vom Gesundheitswesen, aber hautnah am Puls der Menschen. Hier wurde mir erstmals richtig bewusst, wie unterschiedlich wir Menschen im Denken, Handeln und Fühlen sind. Warum ist das so? Warum sind nicht alle gleich? (Lesen Sie mehr darüber im Kapitel «Wir sind nicht gleich».)

Neben meiner spannenden Tätigkeit bei der Polizei drehten sich meine Gedanken ununterbrochen um die Welt der Medizin. Wenn jemand in der Familie, in der Bekanntschaft oder am Arbeitsplatz erkrankte, nahm ich den Pschyrembel (ein medizinisches Fachbuch) zur Hand, suchte nach den vorliegenden Krankheiten und setzte mich im Rahmen des Möglichen damit auseinander, quasi als Fortsetzungsarbeit meiner früheren Puppenarzttätigkeit. So geschah es, dass sich meine Arbeitskolleginnen und -kollegen in eine Warteschlange vor meinem Büro begaben, um sich als Testpersonen für Experimente zur Verfügung zu stellen. Sie wollten mehr wissen über die von mir erklärte Wirkung des Reizes und liessen sich von mir therapieren. Diese Art von Tätigkeit stand natürlich nirgends in meinem Pflichtenheft, und ich bangte, dass Vorgesetzte dies nicht lange billigen würden. Doch einige davon gesellten sich sogar zur Testgruppe. (Im Kapitel «Der Reiz und seine Antwort» erfahren auch Sie mehr.)

Meine Zeit bei der Polizei endete mit der Geburt unserer Tochter. Eine neue Aufgabe erwartete mich. Mit Leidenschaft war ich Mutter und sehr auf ein harmonisches Familienleben fokussiert. Die kleine Ärztin in mir blieb aber hartnäckig und trieb mich ständig dazu, Gesundheitsbeiträge und Fachliteratur zu lesen. Nachdem unsere Tochter flügge geworden war, bäumte sich die ständige Geisseltreiberin so richtig auf und gab mir unmissverständlich zu verstehen, dass ihre Blütezeit nun reif sei, und zwar ohne Wenn und Aber. Hoppla, dachte ich, das heisst Ärmel hochkrempeln, nochmals die Schulbank drücken, und das nicht nur für heute und morgen. So absolvierte ich vorerst die Ausbildung zur medizinischen Sekretärin H+ (H+ ist der nationale Spitzenverband der öffentlichen und privaten Schweizer Spitäler, Kliniken und Pflegeinstitutionen). Nebst der medizinischen Terminologie waren Anatomie und Pathologie die Hauptfächer. Die Ausbildung beflügelte mich und liess mein Herz höherschlagen. Ich spürte eine gewaltige Energie und Motivation, nun der Körperwelt – und nicht dem Kautschuk – auf die Spur zu kommen. Ich entschloss mich, parallel auch noch die viereinhalb Jahre dauernde Ausbildung zur diplomierten Naturheilpraktikerin TEN (traditionelle europäische Naturheilkunde) zu starten. Es war eine intensive Zeit. Unterricht und Prüfungen an zwei Ausbildungsstätten gleichzeitig zu absolvieren, war fordernd. Meine Tage und Nächte waren mit intensivem Lernen ausgefüllt. Meine Familie und meine Freunde wurden in dieser Zeit stiefmütterlich behandelt.

Mit dem erfolgreichen Abschluss beider Ausbildungen hat sich mein Traum erfüllt. Heute bin ich zwar keine Ärztin, dafür aber Komplementärmedizinerin. Mein Fokus richtet sich auf die integrative Medizin. Das heisst, ich strebe eine Symbiose zwischen konventioneller und komplementärer Medizin an. Es ist mir wichtig, dass die Vertreterinnen und Vertreter der beiden Sparten respektvoll miteinander umgehen und es gemeinsam als das oberste Ziel ansehen, den Patientinnen und Patienten die bestmöglichen Voraussetzungen für ihren Heilungsprozess zu schaffen. In unserem Beruf sind wir das den Menschen schuldig, die uns ihr Vertrauen und ihre Hoffnung schenken. Mein Fachwissen zusammen mit den nicht unbedeutenden Fremd- und Eigenerfahrungen kann ich heute in der Praxis als diplomierte Naturheilpraktikerin gezielt einbringen. Beruflich lebe ich die mir in die Wiege gelegte Passion und bin überzeugt, dass sich selbst mein seliger Vater darüber freuen würde. Mein zweiter Bildungsweg war geprägt von Staunen, Begeisterung, Bewunderung und grossem Respekt unserem Körper gegenüber. Einem Wunderwerk der Natur, das ich Ihnen in meinem Buch näherbringen will.

Das Mysterium X

Die Annehmlichkeiten unseres hoch entwickelten Lebensstandards haben die Menschheit nicht nur geprägt, sondern in gewisser Weise auch verändert. So leben wir heute mit viel Wohlstand in einer Selbstverständlichkeit, ohne uns gross Gedanken über unsere Entstehung, das Leben und die Gesetze der Natur zu machen. Verständlich, denn heutzutage fokussieren wir uns auf ganz anderes als auf diese Fragen: Existenz, Familie, Partnerschaft, Beruf, Gesundheit, Wirtschaft, Politik, Technologie, Wissenschaft und vieles mehr stehen global im Zentrum.

Auf die Fragen, was vor dem Urknall war und wer oder was dafür verantwortlich ist, dass der menschliche Körper und überhaupt alle Lebewesen so perfekt funktionieren, kennt bis heute niemand die wahrhaftige oder ultimative Antwort. Sicher, es gibt Interessierte, die diesen Grundfragen intensiv nachgehen und nach plausiblen Antworten in der Evolution, in der Bibel oder in der weit fortgeschrittenen Wissenschaft und Forschung suchen. Bis heute konnte aber noch keine Theorie klar belegt oder bestätigt werden. Wissen führt immer bis zum Erklärbaren zurück. Was davor war, kann niemand plausibel belegen. Es bleibt etwas Unbekanntes. Deshalb werden wir nie wissen, was uns im Leben, auf der Erde und im Universum mit viel Kraft und Energie unsichtbar umzingelt und tagtäglich begleitet. Hier könnte sich eine Diskussion über Religion, Glauben und Evolution entfachen. Das ist aber nicht Inhalt meines Buches. Vielmehr will ich Sie hiermit dazu anhalten, sich mehr als sonst bewusst zu werden, dass es etwas in unserem Universum gibt, das weder sichtbar noch fassbar ist. Etwas, das sich nicht in einem Begriff, einer Person, einem Symbol oder einem Bild darstellen lässt. Damit Sie nachfolgend aber immer gleich wissen, wovon ich spreche, bezeichne ich es als X, das mächtig, aber trotzdem liebevoll auf Sie herunterblickt.


X ist Begleiter unseres Lebens, der Natur und des Universums und lässt sich von nichts beeindrucken oder besiegen. Es kann uns auf verschiedenste Weise zeigen, wie machtlos wir Mächtigen wirklich sind, trotz unserem grossen Bestreben, alles im Griff zu haben. Es gibt Momente, da mögen wir an X zweifeln. Wir fragen nach Sinn und Unsinn dieser Macht. Wenn wir zum Beispiel in den Medien hören, dass ein gewaltiges Erdbeben Massen von Menschen und Dörfer verschüttet hat, wirkt X bedrohlich. Groll wächst, denn niemand Gutgesinntes würde uns solch ein Elend bescheren. Dass uns damit vielleicht etwas gezeigt werden möchte, ignorieren wir, denn es würde unsere Lebensweise zu stark tangieren. Anpassungen in Bezug auf Umwelt, Wirtschaft, Forschung, Gesundheit und vieles mehr wären die Folge. Ihre Umsetzung scheitert bereits in den Grundgedanken. Ein Umdenken auf verschiedenen Ebenen ist praktisch unvorstellbar. Kaum jemand will sich mit weniger zufriedengeben. Das Streben nach Besserem und nach mehr und noch mehr ist allgegenwärtig und unaufhaltbar. X birgt im Gegenzug aber auch Sanftmut. Nicht selten ergeben sich Chancen im Leben, die man nie erwartet hätte. Auch eine lang aufgegebene Hoffnung kann in einem Wunder enden. Hier hegt niemand Groll. Wir nehmen an, was uns geboten wird, und dies leider zu oft mit Selbstverständlichkeit.

Ich selbst wurde in meinem Leben hautnah mit X konfrontiert. Diese Erfahrung hat mich geprägt und einsichtig gemacht. Mein Leben hat sich verändert, indem Gewisses an Wert verloren, dafür vieles an Bedeutung gewonnen hat. Das Wissen um die Existenz von X ist für mich auch eine Art Basis, um hochkomplexe Körperfunktionen überhaupt nachvollziehen zu können, zumindest da, wo Forschung und Wissenschaft auf Hypothesen beruhen, weil Gewisses nicht erklärbar ist.

Eine Expedition durch den Körper

Sollten Sie müde vom Tag im Bett liegen und beabsichtigen, dieses Kapitel als Schlummerlektüre zu nutzen, rate ich davon ab. Gerade jetzt geht es nämlich darum, Ihre Sinne zu schärfen und Ihr Vorstellungsvermögen auf 100 Prozent Empfang zu schalten. In Kürze starten wir zusammen die imaginäre Reise durch den Körper. Es ist wohl die aussergewöhnlichste und eindrücklichste Expedition, die Sie jemals erleben werden. In sehr vereinfachter Weise erkläre ich die Funktionen und Prozesse der Innenwelt unseres Körpers. Dabei benutze ich keine Fachbegriffe, setze einige aber in Klammern, sodass diejenigen, die mehr wissen möchten, Detailinformationen in der Fachliteratur oder im Netz einholen können.

Unser Körper verfügt über unglaublich viele Strukturen. Dazu gehören Zellen, Gewebe, Knochen, Muskeln, Sehnen, Bänder, Gelenke, Gefässe, Nerven, Organe und noch weit mehr. Dass der menschliche Körper systemisch überhaupt funktioniert, setzt das enge Zusammen­spiel von der kleinsten Zelle bis hin zum grössten Organ – übrigens die Haut – zwingend voraus. Ihnen die physiologischen Zusammenhänge und Abläufe detailliert aufzuzeigen, ist aber nicht meine Absicht. Vielmehr will ich Ihnen die Grundprinzipien erklären. Denn diese zu erkennen, macht es möglich, dass Sie Ihren eigenen Körper besser verstehen und wahrnehmen können. Keine Angst, die Reise wird weder blutig noch gruselig. Also, los gehts, schnappen Sie sich Ihr Expeditionsgepäck, und tauchen Sie ein in Ihre Körperwelt!



Willkommen auf dem Schädeldach

Schöne Aussicht und gute Luft hier oben, auch wenn unsere Füsse mehr oder weniger in einem haarigen Feld stehen. Wussten Sie, dass jedes einzelne Körperhaar über einen eigenen Muskel, den Haaraufrichter (M. arrector pili), verfügt? Kein Wunder, dass einem ab und zu die Haare zu Berge stehen! Die Aktivität dieses Haarmuskels nehmen Sie bewusst wahr, wenn es Sie schaudert oder fröstelt und sich auf der sogenannten Gänsehaut Härchen sichtbar aufstellen. Seien wir froh, müssen wir diese unzähligen Haarmuskeln nicht auch noch einzeln im Fitnesscenter trainieren! Haare sind ein Gebilde aus Keratin, Hornfäden also. Zu unserem Glück besitzen sie weder Nervenzellen noch Blutgefässe, sonst wäre der Coiffeurbesuch wohl eine Tortur. Beim forschen Durchkämmen aber reagieren die Nervenzellen der Kopfhaut, was durchaus mal eine Träne ins Auge drücken kann.

Das Schädeldach, auf dem wir uns gerade befinden, hat wissenschaftlich definiert eine Dicke von 6,5 bis 7,1 Millimetern, ist äusserst robust und nimmt viele Stösse problemlos entgegen. Die Wissenschaft glaubt zu wissen, dass das Schädeldach der Frauen generell dicker ist als das der Männer. Es ist also kein Zufall, dass Frauen von der männlichen Spezies öfter als Dickschädel bezeichnet werden. Liebe Männer, kurzer Verweis auf X: Es ist das Gesetz der Natur, die Frauen trifft keine Schuld.

Jetzt lade ich Sie ein, mit mir in den fiktiven Körperlift zu steigen. Wir starten im Stockwerk G.

Schaltstelle Gehirn

Seien Sie vorsichtig, Sie stehen mitten auf einer glitschigen Masse, die sich optisch fast ein bisschen mit Pudding oder Tofu vergleichen lässt. Es ist finster hier, bitte holen Sie die Taschenlampe aus Ihrem Expeditionsgepäck. Klick: Was für ein Anblick! Da liegt es, unser Gehirn, mit seinen beigefarbenen imposanten Furchen und Windungen, umgeben von rot schimmernden Blutgefässen. Das meisterhafte Konstrukt von durchschnittlich eineinhalb Kilogramm ist die oberste Zentrale und Schaltstelle unseres Körpers. Einen direkten Zusammenhang zwischen Hirngewicht und Intelligenz gibt es übrigens nicht. In der gewaltigen Hirnstruktur befindet sich auch der Sitz unseres Denkens, unserer Gefühle, unseres Handelns und – sehr wichtig – unserer Seele und Psyche.

Das Gehirn hat die Aufgabe, Sinneseindrücke zu verarbeiten und lebenswichtige Körperfunktionen zu koordinieren. Dies geschieht ausschliesslich über Nervenzellen (Neurone). Schauen Sie genau hin, in den spinnennetzartigen Fortsätzen des Nervennetzes fliessen in rasender Geschwindigkeit elektrische Signale von der einen Nervenfaser zur andern. Für die korrekte Übertragung der Informationen sorgen chemische Botenstoffe, die in der Zelle selbst produziert werden. Wenn alle elektrischen Signalweiterleitungen visuelle Lichtblitze aussenden würden, dann sähen wir hier jetzt ein Feuerwerk der Sonderklasse! Denn es finden Millionen von Übermittlungen gleichzeitig statt. Stellen Sie sich vor, sie alle würden farbig leuchtende Funken sprühen. Was für ein eindrückliches Spektakel! Sie kämen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Halten Sie sich dieses Bild vor Augen, und speichern Sie es ab, denn so bleiben Ihnen die gewaltigen Hirnfunktionen am besten im Gedächtnis.

Das Gehirn ist ein Rechenzentrum von höchster Qualität. Rund 100 Milliarden Nervenzellen in Verbindung mit Billionen von Nervenübertrittsstellen (synaptischer Spalt) müssen ständig miteinander kommunizieren, damit wir fühlen, denken und handeln können. In Millisekunden finden unzählige chemische und elektrische Prozesse für nur eine einzige Handlung statt. Es ist sehr wichtig, zu wissen, dass restlos alle Funktionen im Gehirn, aber auch im Körper über Nervenzellen laufen. Diese steuern sämtliche Signale, die unsere lebensnotwendigen Funk­tionen aufrechterhalten. Ohne sie würde im Körper rein gar nichts geschehen. Liegen bei irgendeinem Nerv oder einer Nervengruppe Fehlsteuerungen vor, bekommen Sie das auf sehr unangenehme Art und Weise zu spüren. Es kann zu Schmerzen, Sensibilitätsstörungen, Taubheit, Funktionsstörungen oder gar zu Lähmungen führen. Vereinfacht erklärt, verfügt die Nervenzelle über drei Bereiche: den Zellkörper, die davon abgehenden sehr feinen Fortsätze (Dendrite) und einen schlauchartigen, langen Fortsatz (Axon), der sich am Ende ebenfalls verästelt.


Damit Sie sich die Vorgänge im Gehirn besser vorstellen können, vergleiche ich es mit einer Computerfestplatte. Dass es sich beim Gehirn um ein viel komplexeres Gebilde handelt, versteht sich von selbst. Sehr simpel ausgedrückt sind auf einer Festplatte Daten gespeichert, die in verschiedenen Ordnern abgelegt sind. Ähnlich ist es im Gehirn: All unsere motorischen oder sensorischen Funktionen entspringen den jeweils zuständigen Ordnern oder ihren Verknüpfungen zu anderen. Gefühle wie Freude, Glück, Wut, Trauer, Schmerz, Neid, Angst und Lust zum Beispiel sind Daten eines bestimmten Ordners.

Wir befinden uns jetzt im Grosshirn (Cerebrum) direkt unter der knöchernen Schädelkalotte. Es stülpt sich als grösster Hirnanteil wie der Hut eines Pilzes über das Mittel- und das Zwischenhirn und bildet die oberste Instanz des zentralen Nervensystems. All unsere Organe, Organsysteme und Gewebe werden von hier aus miteinander verbunden und aufeinander abgestimmt. Reize aus der Körperinnen- und -aussenwelt werden über Empfänger (Rezeptoren) aufgenommen, weitergeleitet, beurteilt und verarbeitet. Je nach Reiz erfolgt eine Antwort über die Nervenbahnen zum entsprechenden Zielort des Körpers. Lesen Sie im Kapitel «Der Reiz und seine Antwort» mehr dazu.

Das Grosshirn teilt sich in eine linke und eine rechte Hälfte (Hemisphären) mit unterschiedlichen Aufgaben. Man glaubt zu wissen, dass bei Linkshirndominanz das logische, analytische Denken sowie der Sinn für Zahlen vorherrschen. Rechtshirndominante Personen dagegen schweben mehr in der Gefühlswelt, sind intuitiv und kreativ. In der Tat gibt es auch den Ganzhirntyp. Seine Eigenschaften zeigen sich weniger ausgeprägt, dafür breiter gefächert. Ein gefundenes Fressen für Arbeitgeber, die das Wissen über die drei Gehirntypen bei Anstellungen ganz bewusst nutzen und Bewerberinnen und Bewerber entsprechend evaluieren. Machen Sie Gebrauch von der Möglichkeit, mit gezielten Übungen das Zusammenspiel von linker und rechter Gehirnhälfte bewusst zu trainieren. Die Karten liegen dann nicht mehr so offen auf dem Tisch, und Sie können mit einem multifunktionalen Auftritt brillieren.

Die zwei bis vier Millimeter dicke Rinde des Grosshirns (Kortex) ist stark aufgefaltet. Dies vergrössert die Oberfläche um ein Vielfaches. Sie teilt sich in verschiedene Rindenfelder, wo sensorische (Gefühl), aber auch motorische (Bewegung) Signale aufgenommen und verarbeitet werden.

Lassen Sie uns weitergehen. Es wird anstrengender, denn wir müssen uns tief durch all die Hirnwindungen durchkämpfen, damit wir zu den weiteren Ordnern der Festplatte gelangen. Und es ist nicht einfach, in dieser schwabbeligen Masse den Überblick zu behalten.

Das Kleinhirn (Cerebellum) ist der zweitgrösste Ordner des Gehirns. Es liegt in der hinteren Schädelgrube und ist hauptsächlich für die Koordination und die Steuerung der Bewegungen und des Gleichgewichts zuständig. Weiter ist es aber auch an vielen nicht motorischen Leistungen wie der Sprachverarbeitung beteiligt.

Das Zwischenhirn (Diencephalon) ist die Schaltstelle zwischen Grosshirn und Hirnstamm. Dort werden sämtliche Signale aus den fünf Sinnesorganen Haut, Augen, Ohr, Nase und Mund empfangen, verarbeitet und an das Grosshirn weitergeleitet. Ebenso werden wichtige Prozesse des autonomen (vegetativen) Nervensystems gesteuert. Auch die Regelung des Schlafrhythmus sowie des Temperatur- und Wasserhaushalts findet hier statt.

Das Mittelhirn (Mesencephalon) ist Teil des Hirnstamms und mit rund eineinhalb Zentimetern Länge der kleinste Abschnitt des Gehirns. Es erfüllt mehrere Aufgaben innerhalb des komplexen neuronalen Systems. Primär ist es für die Steuerung der optischen, aber auch der akustischen Signale zuständig (Augen, Ohren). Selbst in der Schmerzempfindung spielt es eine nicht unbedeutende Rolle.

Der Hirnstamm mit seinen Strukturen ist ein wichtiges Regulationszentrum. Alle auf- und absteigenden Bahnen des zentralen Nervensystems durchziehen ihn. Stellen Sie sich eine Autobahntangente vor, die Spuren in Richtung Hirn (afferente Bahnen) und Spuren durch das Rückenmark nach unten in den Körper (efferente Bahnen) aufweist. Auf dieser Verbindungsachse rasen in rekordverdächtigen Geschwindigkeiten lebensnotwendige Informationen vom Hirn zum Körper und von da zurück zum Hirn. Zum Glück gibt es weder Geschwindigkeitskontrollen noch Bussen auf dieser Strecke. Das käme teuer zu stehen.

Sehr spannend ist es, dass die Informationen von der linken Grosshirnhälfte über die rechte Spur und diejenigen der rechten Grosshirnhälfte über die linke laufen, also überkreuzt. Dieser Überkreuzungseffekt lässt sich in der Therapie nutzen. Ist zum Beispiel ein Körperteil aufgrund von Schmerzen oder einer Verletzung berührungsempfindlich, kann die gegenüberliegende Seite manuell behandelt werden. Die gesetzten Reize führen in gespiegelter Form ins Gehirn und werden dort verarbeitet. Die daraus resultierende Reizantwort gelangt auf indirektem Weg an den Zielort. Man nennt dies konsensuelle Wirkung.

Das Nachhirn, auch verlängertes Mark (Medulla oblongata) genannt, ist ebenfalls Teil des Hirnstamms und Zentrum für automatische Vorgänge wie Atmung, Herzschlag, Blutzirkulation, aber auch Kauen und Schlucken. Es ist ein lebenswichtiges Regulations- und Reflexzentrum.

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9783908152613
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