Kitabı oxu: «Warum ich das Lachen und Singen verlernte (Autobiografie)»
Inhalt
Grußwort
Manchmal gibt es Begegnungen, die man nicht vergisst. Ich hatte solch eine Begegnung mit Beate Sander.
Ich erkannte einige mir vertraute Muster wieder:
Grußwort
Vorwort
Warum dieser biografische Roman? Kurzvorstellung im Zeitraffer
1. Vor 75 Jahren: Die erste Lebenszeit im Drei-Mädel-Haus
Die Tagebucheinträge meiner Mutter als Grundlage für diesen Rückblick
2. Die Wirren des Krieges
Fehleinschätzung und Verdrängung des unermesslichen Leids so vieler Menschen
3. Das Bild meiner Eltern
Das Gottesbild meiner Eltern
Die Vernichtung unserer Güter im Bombenhagel
Mehr zum Ferninstitut und den beruflichen Aktivitäten meines Vaters
Ein Aprilscherz mit beinahe fatalen Folgen
Die Biografie als unerfüllter väterlicher Wunsch
4. Abenteuer am Meer
Ein seltenes Naturschauspiel an der Ostsee
Gefährliche Bekanntschaft mit Strudeln
Eine Ostsee-Sandbank – kein sicherer Warteplatz für Nichtschwimmer
5. Die letzten Kriegsjahre und die Nachkriegszeit
Das schlimmste Erlebnis: Wir sitzen im eigenen Luftschutzkeller, und eine Sprengbombe zerfetzt unser Haus
Meine Evakuierung ins Erzgebirge
Die Rückkehr nach Rostock mit Umzug in den Fliederweg
Das mit abgeschlagenem Kopf wegfliegende Huhn erinnert mich an den enthaupteten Piraten Störtebeker
Der Fluch meiner Mutter
Erst 13 Jahre nach Kriegsende kam das Ende für die Lebensmittelmarke
Ein Erlebnis mit Hühnern und Maikäfern
Die Explosion einer Handgranate im Gartenhäuschen
Ein Hornissennest in unserer großen Weide
Briketts nur von Russen stibitzen
6. Die Einquartierung der Russen
Meiner Familie blieb zum Bewohnen nur der Keller unseres Hauses
Würmer, Wanzen, Läuse und Flöhe als Begleiter der Russen und Nutznießer mangelnder Hygiene
7. Meine Schulzeit in der damaligen DDR
8. Aggressive, hungernde Ratten als Mitbewohner
Vermischte Aldous Huxleys Roman „Schöne neue Welt“ bei mir Dichtung und Wahrheit?
9. Meine Leidenschaft für Hockey und Tischtennis
Als Rostocker Straßenmannschaft bis zur DDR-Jugend-Meisterschaft
Hockeypause wegen Großsachsenheim
„Das Wunder von Bern“ – Deutschland wird Fußballweltmeister
Meine Hockey-Stationen: Rostock – Westberlin – Würzburg
Vom Hockey zum Tischtennis
10. Ein Loch im Herzen und selbst ausgeheilte TBC
11. Die Flucht allein nach Westberlin
Von Rostock allein nach Berlin zu gelangen, war leicht – das Verlassenheitsgefühl zu überwinden, ungemein schwierig
12. Landfrauenschule und Gartenbaulehre
Nochmals im Blickpunkt: die Landfrauenschule Großsachsenheim
Meine eigenen Experimente decken sich mit neueren Hohenheimer Erkenntnissen
Die Gartenbaulehre – ein einziges Desaster
13. Der Quantensprung zur Wirtschaftswissenschaft
Gartenbau ade – Betriebswirtschaft o.-k.
Der innere Kampf und eine besondere Prüfung
Der Umzug des Ferninstituts in die Würzburger CASTELL-BANK
Sponsoring und Weichenstellung fürs Lehramt
14. Wie alles anfing: Start in die Pädagogik
Ein Vorfall, typisch für Kinder mit dem Rollenverhalten „Haustyrann“
Ein trauriges Geschehnis mit Vorahnung oder bloßer Zufall?
Erste Schritte ins berufliche Mittelfeld
Zu den Lebensverhältnissen eines Junglehrers vor über 50 Jahren
Mein pädagogisches Ziel: Fordern und fördern – Talente erkennen und auf Stärken setzen
Zur Veranschaulichung ein Beispiel aus meiner fiktiven Tierschule
15. Der Wunsch nach Familie, Mann und Kind
Zurück zu meinem Ehemann
Berufsschullehrer im zweiten Anlauf
16. Hochzeitszeitungen als Fundgrube
Aus der Hochzeitszeitung für Renate und Jochen
Aus der Hochzeitszeitung für Christa und Klaus
Ein weiterer Blick in diese Hochzeitszeitung: Blau als Familienfarbe
Zwei Beiträge von mir ohne literarische Qualität
Dazu noch der Entwurf einer Kleinanzeige:
Aus der Hochzeitszeitung für Beate und Günther im Juli 1961. Zehn Gebote für das Brautpaar, zuerst Beate
Nun die Gebote für Günther
Eine Abhandlung aus Vatis Feder mit dem Titel: Was kann sie nicht?
17. Die ersten Jahre in Ulm
Kein Bedarf an technischen Fächern, dafür an Buchführung
18. Ich bin Mutter – welch’ Freude über Töchterchen Elke
Rückblick auf meine einsame, schwere Geburt
Der mittägliche „Fernküchenfraß“ – Kehrseite meiner Berufstätigkeit
19. Uwe – hurra, der Stammhalter ist da!
Eine leichte, angenehme Geburt zweieinhalb Jahre später
Zurück zu Uwes Geburt und seinen ersten Lebensjahren
Das zerhackte und später wieder zusammengeflickte Ehebett
20. Erfahrungen mit Kindern im Klinikum
Meine dritte Schwangerschaft mit Fehlgeburt wirft Fragen auf
21. Partnerschaftlich erziehen statt autoritär oder antiautoritär
22. Die Bildung meiner Kinder
23. Sport und Spiel mit eigenen Regeln
Gute Nacht-Geschichten, Urlaubsplanung und Spaß am Sonntagmorgen
Meckern im Urlaub ist üblich. Was tun, um dies zu vermeiden?
Spaß mit den Kindern am Sonntagmorgen im Bett
Elkes Liebe zu Pferden
24. Uwes grenzenloser Freiheitsdrang
Selbstständigkeit und frühzeitiges Lesenkönnen nicht konfliktfrei
Die eigenmächtige Zugfahrt ohne Begleitung nach Augsburg und zurück
Uwes Privater Tischtennisverein PTV
Rückkehr vom Schulausflug an den Bodensee – ohne Uwe
25. Mein Wechsel an die Realschule Pfuhl
Fächervielfalt als Meilenstein – Arbeit als Autorin und Dozentin
Meine Fächervielfalt: Ein Vers zum Geburtstag
Identifikations- und Rollenkonflikte durch Sozialwesen
Schwierige Schulbuchzulassungen
Die Schule – längst kein friedlicher Ort mehr
Dozentin für die Fachlehrerausbildung – kaum kombinierbar mit Mutterpflichten
Gute Industrie-Angebote – ebenfalls unvereinbar mit Familienpflichten
Ein neuer Chef als Nachfolger des Schulgründers
26. Sport in meinem Leben: vom Tischtennis zum Tennis
Über 100 Turniersiege, Länderauswahl und Bundesligaeinsatz
Aufstieg und Absturz der englischen Spitzenspielerin Judith Williams
Zurück zu meinem Tischtennisspiel
Glück: Mein Sieg über die Nationalspielerin Heide Dauphin
Pech: Der verschenkte Sieg über die Titelverteidigern Wiebke Hendriksen
Nicht enden wollender Frust: württembergische Senioren-Meisterschaften
Vom Tischtennis zum Tennis bis zum Gewinn der Stadtmeisterschaft
Der große Preis des TENNISMAGAZINS: eine 14-tägige Amerikareise
Das Besondere an Volkers Vorschlag, dem Türöffner für den ersten Preis
Der von mir gewonnene erste Preis für drei Personen in Florida vom 12. bis 26. Mai 1989
Mein Tennisspiel heute – geprägt von nachlassender Schnelligkeit
27. Start in die Aktienbörse und mein spannendes zweites Leben
Vom „Kleinen Grünen DAX“ zum Börsenführerschein-Projekt
Mit dem Börsenboom fing alles ganz harmlos an
Beate Uhse – aus Schülerblickwinkel mein Ebenbild
Das Bestsellerprojekt: „Der Kleine Börsenführerschein“
Auszug aus der siebenseitigen Titelgeschichte von BÖRSE ONLINE, 15. Februar 2001: „Machen Sie mit! Die Aktion Börsenführerschein“
„Der Kleine Börsenführerschein“ auf Platz Eins der Bestseller-Rangliste
Wie gewonnen – so zerronnen
Günthers Freundin Ruth
Mein Freund GG
Zurück zum Börsenführerschein-Projekt und dem veränderten Marktumfeld
28. Im Blickpunkt: Elke und Uwe als Erwachsene
Ein Rückblick auf Uwes Erwachsensein – Corinna, die richtige Partnerin
Provokation durch die Art sich zu kleiden
Das gemeinsame Buch: „Schwierige Schüler – schwierige Lehrer? Neue Wege des Konfliktmanagements im Schulalltag“
Die schwere Erkrankung meiner Enkelin
Elke auf dem Weg zum Erwachsensein: Selbstfindung in der schwierigen pubertären Phase
Elkes Reitbeteiligung mit dem Wunsch auf ein eigenes Pferd
In meiner Fantasiewelt verfestigt sich die Vorstellung, selbst das Kind von Elke oder Uwe zu sein
29. Der Tod meiner Eltern
Eine neue Sichtweise durch die Arbeit an dieser Biografie: Meinem Vater verzeihe ich voll
30. Günthers letzte Lebenszeit im Pflegeheim
Uwe als treusorgender Sohn für seinen an Demenz leidenden Vater
Auflösung und Renovierung von Günthers Wohnung
Günthers letzte eineinhalb Lebensjahre im Stuttgarter Pflegeheim
31. Mein schwerer Schlaganfall vor zwei Jahren
Dieses Kapitel soll Betroffene ermutigen, unverzagt zu kämpfen, statt aufzugeben und sich in sein trauriges Schicksal zu fügen
Stationen meines Gehirntrainings mit dem Ziel, wieder sprechen zu können
Zurück zu meinen früheren Aktivitäten
Der Grund für meinen schweren Schlaganfall
32. Mein heutiges Leben, und wovon ich noch träume
Jeder Tag beginnt frühmorgens mit einem gemütlichen Frühstück
Ein Meilenstein: der Lehrauftrag in Bochum
Warum Preisgabe der deutschen Sprache im Heimatland? Schafft sich Deutschland als Ort der Dichter und Denker selbst ab?
Neue Buchprojekte als Herausforderung nach meinem Schlaganfall
Was ich mir wünsche, wovon ich träume, worauf ich gern verzichte und was mich ängstigt
Wie und wann Zivilcourage zeigen?
Kindheitserinnerungen auffrischen durch eine Reise nach Rostock?
Keine Milliarde im Austausch mit Berufsverbot
Warum diese Biografie?
An welchen Vorbildern und Werten kann ich mich orientieren?
Die oft gestellte Frage nach den drei Wünschen
Wie würden meine Eltern und mein Mann wohl reagieren, könnten sie diese Biografie lesen?
Beate Sander
Warum ich das Singen und Lachen verlernte
Biografischer Roman – breit gespannt über eine
Brücke von 75 Jahren
Beate Sander
Warum ich das Singen und Lachen verlernte
Biografischer Roman – breit gespannt über eine Brücke von 75 Jahren
AtheneMedia
Grußwort
Manchmal gibt es Begegnungen, die man nicht vergisst. Ich hatte solch eine Begegnung mit Beate Sander.
Gerade war unsere Aktion „Handelsblatt-Leser stellen sich vor“ gestartet. Da meldete sich Beate Sander voller Elan beim Chefredakteur des Handelsblattes, Gabor Steingart. Sie wollte als eine der engagiertesten Leserinnen in den Handelsblatt-Club aufgenommen werden. „Interview, Fotoshooting und ab ins Blatt mit ihr“ lautete sein Kommentar.
So rief ich bei Beate Sander an. Ich erwartete eine junge Frau, klang doch die E-Mail so nach Wissensdurst und Tatendrang. Doch dann erklärte mir Beate Sander, dass sie – die 1937 in Rostock Geborene – gerade über ihre Biografie nachdenkt und ihr neuestes Börsenbuch „Der Ball muss ins Tor – was Fußball, Börse und Aktien vereint und spannend macht“ jetzt in Druck geht.
Wir telefonierten fortan häufiger. Beate Sander erzählte aus ihrem Leben und davon, wie sie das Singen und Lachen verlernte. Und ich hörte gespannt zu. Hatte ich doch kurz vor der Niederkunft mit meiner zweiten Tochter die Bücher von Sabine Bode „Kriegskinder – die vergessene Generation“ sowie „Kriegsenkel – die Erben der vergessenen Generation“ gelesen und war ganz angefüllt vom Schicksal meiner Eltern und von dem der Autorin Beate Sander.
Ich erkannte einige mir vertraute Muster wieder:
1 Die Schwierigkeit, sich als Großeltern mit kleinen Kindern zu beschäftigen. Ihnen klang offenbar noch in den Ohren, dass kleine Kinder ja von all dem Krieg nichts mitbekommen hätten: „Ihr ward doch damals noch viel zu klein!“ mussten sie sich oft anhören.
2 Dass man nur mit ordentlicher Rendite, finanzieller Sicherheit und gestreutem Risiko richtig wirtschaften könne. Hatte diese Generation doch erlebt, wie durch eine einzige Bombe ein geliebtes Heim oder eine ganze Existenz zerstört werden kann.
3 Dass nur der etwas zählt, der arbeitet. Auch hier hatten die Kinder in der Nachkriegszeit erlebt, dass niemand etwas geschenkt bekommt ohne Leistung oder Gegenleistung, einfach, nur weil er da ist.
Wie sehr der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg einen Lebensweg prägen können, zeigt das Buch von Beate Sander, steht sie doch für ihre Generation und gleichzeitig als stetige Kämpferin gegen die Verhältnisse. Beate Sander gehört zu den wenigen Menschen, die offen darüber schreiben. Uns Kriegsenkeln ist es Ansporn und Warnung zugleich, wenn wir wollen, dass unsere Kinder das Singen und Lachen nicht verlernen – wie die Kriegskinder.
Essen, im März 2012
Anja Müller
Redakteurin Unternehmen und Märkte
Handelsblatt GmbH – Wirtschafts- und Finanzzeitung
Grußwort
Die Autorin Beate Sander überblickt als Kriegskind und Zeitzeugin eine Spanne von 75 Jahren: die letzten Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg bis heute. Beate Sander hat die Begabung, dieses Erlebte so spannend und emotional zu Papier zu bringen, dass der Leser diese Biografie in einem Zug vom Anfang bis zum Ende liest.
Offen und schonungslos beschreibt Beate Sander, wie sie in einem wohlhabenden, großbürgerlichen, aber emotional kalten Elternhaus aufwuchs und wegen ihres „Andersseins“ als Hochbegabte zur Außenseiterin wurde.
Der zweite Weltkrieg verändert ihr Leben und das ihrer Familie komplett. Jeglicher Wohlstand wird dahingerafft, und die Familie muss nicht nur um das physische, sondern auch um das materielle Überleben kämpfen.
Durch unermüdliches Lernen und mit Härte gegen sich selbst, schafft es die Autorin trotz fehlender Unterstützung durch das Elternhaus, auch ohne Abitur über Begabtenprüfungen Lehrerin zu werden und sich als renommierte Autorin von Fachbüchern und Lehrmaterial zu etablieren.
Ihre Ehe ist problematisch. Wieder erlebt sie emotionale Kälte und Werteverleugnung – diesmal durch ihren Ehepartner. Als Ehefrau und Mutter muss die Autorin die schwierige Dreifachbelastung von Beruf, Familie und Autorendasein allein meistern. Da verbietet sich der angebotene Höhenflug in der Karriere.
Fehler, die ihre Mutter bei ihrer Erziehung machte und unter denen sie als Kind so sehr litt, versucht sie bewusst, bei ihren beiden Kindern und ihren Schülern zu vermeiden.
In sozialpädagogische Lehr- und in Schulbücher für Wirtschaft und Recht fließt ihr Wissen ein, wie man Kinder und Jugendliche begeistert und für neue Dinge interessiert. Aus Pflichtgefühl unterstützt sie jahrzehntelang tatkräftig ihre Mutter, mag sie von ihr auch schlecht behandelt und nie akzeptiert worden sein.
Kaum zu glauben ist, dass Beate Sander im Laufe ihres Lebens auch sportlich so aktiv war, dass sie in den von ihr betriebenen Sportarten Hockey und danach Tischtennis auf Länderebene viele Turniererfolge erzielte und später im Tennis den großen Kreativpreis gewann.
Beate Sander kann sich zeitlebens immer wieder für neue Dinge begeistern und gibt diese Leidenschaft an ihre zahlreichen Schüler jeden Alters in Form von Unterricht, Lehrmaterialien und Büchern weiter. Ihr ganz großes Steckenpferd ist die Börsenberichterstattung mit der persönlichen Aktienanlage als Basis für finanzielle Freiheit und Unabhängigkeit.
Auch schwere gesundheitliche Rückschläge halten Beate Sander nicht von der Erfüllung ihrer anspruchsvollen Ziele ab. Im Gegenteil: Neue Herausforderungen sind für sie die Motivation, nicht aufzugeben und über sich hinauszuwachsen.
München, im März 2012
Dr. Barbara Kollenda
Vorstand SALUTARIS Capital Management AG
Vorwort
Warum dieser biografische Roman? Kurzvorstellung im Zeitraffer
Jetzt bin ich im 75. Lebensjahr. Und es wird Zeit. Es ist schon reichlich spät, um als eine der letzten Zeitzeugen zu berichten und zu erzählen. Worüber? Es geht um die letzten Kriegsjahre, die Kapitulation der Nazis, den Einfall der Russen. Da kommen große Gefühle auf: Liebe und Hass, Bewunderung und Verachtung, Freude und Kummer. Ich erlebe, als ob es gestern wäre, noch einmal den Bombeneinschlag in unser Haus nach einem Feindfliegerabschuss. Ich sehe die vielen fliehenden Menschen mit ihren Leiterwagen, erlebe unsere eigene Evakuierung, wobei ich im Erzgebirge lande: allein, verlassen, ohne Liebe und Ansprache. Nach Rückkehr in meine Geburtsstadt Rostock stehle ich wie ein Rabe bei den Russen Briketts, damit im bitterkalten Winter 1945/46 meine Familie überlebt statt zu erfrieren wie viele Kranke und auf sich alleingestellte alte Menschen.
Ich erinnere mich in Rückblenden an meine Kindheit in der Kriegszeit und nach dem verlorenen Weltkrieg mit bedingungsloser Kapitulation an die schwierigen Lebensbedingungen in der damaligen DDR. Tagsüber und in Träumen kehren meine Gedanken zurück in meine konfliktreiche Kindheit und Jugendzeit auf der Suche nach Mutterliebe. Vergebens. Ich empfinde in Bildern und Episoden nach, wie ich darunter litt, mit 14 Jahren alleingelassen aus Rostock zu fliehen. Ich trenne mich von meinem Wunschtraum, Pianistin zu werden.
Als eine Art Schatz verwahre ich in meinem Erinnerungskasten ein öffentliches Klavierkonzert, für dessen Finale ich mich qualifizierte. Eine Bach-Fuge. Für meine modebewusste Mutter gab es nichts Wichtigeres auf der Welt, als mich in einem hübschen Kleid herauszuputzen. Jahre später darf ich Ludwig van Beethovens schwierige, zu seinen bekanntesten Werken zählende F-Moll-Klaviersonate „Appassionata“ vortragen. Als ich auf die Pedale trete, bemerke ich mit Schrecken, dass ich unterschiedliche Schuhe anhabe. Wie peinlich!
Ich denke an meine zurückgelassene Kinderliebe Peter Wunderwald in Rostock, die einzige ganz große Liebe in meinem Leben. Auch mit Hockey ist es nun vorbei. Wir brachten es als Straßenteam bis zur DDR-Jugendmeisterschaft und waren bei den Ostblock-Weltfestspielen erfolgreich.
In Berlin bin ich unglücklich und vereinsame. Ich bin der Sündenbock meiner Mutter und meines Bruders, perfekt leider nur im Gartenbau und im Klavierspiel. Im Nachkriegsberlin mit seinen Bombenteppichen kann ich nicht mehr wie in Rostock hier und da die Rolle der lieben, fleißigen und begabten Tochter spielen, die bei Besuchen von Freunden und Geschäftspartnern mit Pianokunst beeindruckt. In der Hauptstadt im 6. Stock eines Hochhauses am Fürstenplatz in Charlottenburg gibt es keinen Garten, mit dessen geernteten Obst und Gemüse ich meine Defizite ausgleichen und Pluspunkte sammeln kann. Im Haushalt bin ich der Tollpatsch, „Schussel“ und „Steifbock“ beschimpft, der fast alles falsch macht und die Hausarbeit hasst, aber gern und gut kocht. Diese Einstellung hat sich bis heute nicht geändert. Ich habe jedoch gelernt, auch das verlässlich zu tun, was keinen Spaß macht, vielleicht sogar Abscheu erregt.
Ich entspreche nicht im Geringsten dem Bild meiner Mutter, interessiere mich nicht für Mode, Gesellschaftstanz, Königinnen, Prinzessinnen und Filmstars. Eher verhalte ich mich wie ein Junge, boxe, rauf mich, spiele heimlich Fußball und eifere meinem jüngeren Bruder Johann nach, der so gut wie alles darf. Es ist schwierig, sich als drittes Mädchen in der Geschwisterreihe zu behaupten, wenn schon 14 Monate später der ersehnte und verwöhnte Stammhalter geboren wird.
Meinen Vater mit Doktortitel und zwei Diplomen bewundere und vergöttere ich als Hobbygärtner, Unternehmer und Lehrer. Als ich mit 15 Jahren zufällig entdecke, dass ihn Pornografie nicht nur reizt und stimuliert, sondern er die Texte selbst verfasst und mit ekelhaften Zeichnungen illustriert, rede ich außer Belanglosigkeiten im Alltag nicht mehr mit ihm. Ich fühle mich innerlich leer, meines familiären Vorbilds beraubt.
Als Jugendliche fühle ich mich wegen anderer Vorlieben einsam, habe keine beste Freundin, bin sexuell verklemmt. Ich versuche aber trotz schlecht gemischter Karten, es beruflich zu etwas zu bringen, mag auch das Abitur als Türöffner fehlen. Begabtenprüfungen öffnen das Karrieretor einen Spalt weit. Lachen und Singen kann ich schon lange nicht mehr. Die Leichtigkeit des Seins kam mir abhanden. Was ohne Elternhilfe beruflich geht, schaffe ich. Daneben träume ich von einer Familie mit Kindern. Die Wirklichkeit sieht so aus: Heirat und Mutterschaft, zwei gesunde Kinder, für deren Bildung ich alles tue. Tochter und Sohn sind Akademiker und gute Eltern.
Als älterer Mensch erlebe ich neue, spannende Herausforderungen, bin auch nach der Pensionierung erfolgreich. Aber ich vernachlässige meine Großelternrolle.
In Rückblenden zeige ich das Kriegs- und Nachkriegsgeschehen auf. Ich bin mir bewusst, dass sich über einen Zeitraum von 75 Jahren manches verklärt oder verdüstert. Eigene Erlebnisse und Träume können sich miteinander vermischt haben, Wirklichkeit und Romanhaftes überzeichnet, ineinander verwoben und verschmolzen sein zu neuen Eindrücken. Oft habe ich mich in eine Fantasiewelt geflüchtet.
Dass ich noch lebe, kommt einem Wunder gleich. Ein schwerer Schlaganfall vor zwei Jahren, gewöhnlich tödlich verlaufend, ansonsten zur Schwerstbehinderung führend, mahnt: „Der nächste Tag kann dein letzter sein. Umgekehrt nutze die Chance, noch etwas zu schaffen, etwas Bleibendes und Ermutigendes zu hinterlassen.“
Liebe Leserinnen und Leser: Mein Leben war und ist ein ständiger Kampf gegen Bürokratie und Vorurteile, die ungeprüft als Wahrheiten und Weisheiten übernommen werden und die eigene Lebensgeschichte mit Einstellungen, Grundhaltungen und Handlungen prägen.
Ich möchte Sie ermutigen, zumindest hier und da gegen den Strom zu schwimmen, auch später noch beschwerliche, steinige Wege zu gehen, als Totschläger der Langeweile entdeckerfreudig und wissbegierig zu bleiben und sich etwas zuzutrauen. Das mag anstrengend sein, ist aber spannend und sinnerfüllend. Liebe Leserinnen und Leser, träumen Sie nicht nur vom Ruhestand, sondern erleben Sie wie ich den Unruhestand mit möglichst nicht endenden Herausforderungen.
Viel Lesefreude und Mut wünsche Ihnen die Autorin!
Beate Sander, Ulm, im Frühjahr 2012