Kitabı oxu: «Heiße Küsse & eine neue Kulisse»
Heiße Küsse & und eine neue Kulisse
von
Kathrin Fuhrmann und Bettina Kiraly
Band 2
Impressum
© dead soft verlag, Mettingen 2020
http://www.deadsoft.de
© the authors
Cover: Irene Repp
http://www.daylinart.webnode.com
Bildrechte:
© Eyes Travelling – shutterstock.com
© FX Quadro – shutterstock.com
1. Auflage
ISBN 978-3-96089-401-8
ISBN 978-3-96089-402-5 (epub)
Inhalt:
Die Beziehung zwischen Patrick Harris und dem Millionär Angus McLean scheint endlich ruhigeren Zeiten entgegenzusehen. Würden Angus' übertriebener Beschützerinstinkt und seine unerwünschten, kostspieligen Geschenke nicht für Turbulenzen sorgen. Dass Patrick mit einem für seine wechselnden Affären mit Männern und Frauen bekannten Schauspieler vor die Kamera darf, ist auch nicht hilfreich, die Eifersucht des Schotten zu mildern.
Als ein von Angus' Familie vertuschtes Geheimnis ans Licht kommt, wird die Liebe von Millionär und Model auf die Probe gestellt. Können die beiden ihre Probleme aus der Welt schaffen? Gelingt es ihnen, die neuen Gegebenheiten mit ihrem gemeinsamen Leben zu vereinbaren?
Kapitel 1
„Hast du das gelesen? Die halten mich für einen Parasiten!“ Wütend ballte Patrick die Hände zu Fäusten. Am liebsten hätte er Konfetti aus der Zeitung gemacht, die so einen Blödsinn druckte. Er wollte sie zerfetzen und die Fitzelchen dann im Kamin des kleinen Hauses auf Garbh anzünden.
Angus zuckte mit den Schultern. „Nimm dir das nicht so zu Herzen.“
„Aber die behaupten, ich würde mich von dir aushalten lassen! Als würde Geld die Hauptrolle in unserer Beziehung spielen!“
„Sie kennen uns nicht. Das, was uns verbindet, können sie nicht beurteilen. Also vergiss es einfach.“
Patrick lachte bitter auf. „Als könntest du das!“
Mit besorgtem Gesichtsausdruck erhob Angus sich und kam auf Patrick zu. Er lächelte schief und legte eine Hand an die Wange seines Freundes. „Ich liebe dich. Nichts anderes zählt.“
„Leider stimmt das nicht. So sehen uns die Leute, mit denen wir beruflich Tag für Tag zu tun haben. Das haben die Menschen bei unserem Anblick im Kopf. Wir müssen etwas tun.“
Der großherzige Schotte, der sein Herz erobert hatte, hob eine Augenbraue. „Wie willst du dieses Geschmiere stoppen? Wie willst du die Presse daran hindern, die Wahrheit zu verdrehen?“
„Keine Ahnung“, gestand Patrick. „Ich habe allerdings nicht vor, diesen Mistkerlen das durchgehen zu lassen. Die kennen uns nicht. Da hast du recht. Vielleicht sollten wir das ändern.“
„Was schwebt dir vor?“ Angus klang alarmiert.
„Wir steuern, was sie über uns berichten. Neil wird mit ein paar Talkshows Kontakt aufnehmen. Ich wollte schon immer mal zu Ellen. Vielleicht sind wir gemeinsam interessant genug. Wir könnten eine Homestory machen. Anfragen gibt es genug. Bestimmt finden wir jemanden, der mit seinem Team hier raus kommt, wenn er dann private Einblicke in unser Leben erhält. Garbh kann sich von seiner schönsten Seite zeigen.“
„Dem stimme ich nicht zu.“ Sein Geliebter schüttelte den Kopf. „Das hier ist mein Rückzugsort. Der einzige Platz, an dem ich Ruhe finde. Ich will nicht, dass neugierige Journalisten alles auf den Kopf stellen.“
Augenrollend schnaubte Patrick. „Das hat dich letztes Jahr weder daran gehindert, ein Kamerateam einzuladen, noch mich einem Produzenten vorzuführen wie eine preisgekrönte Kuh.“
Verärgerung zeigte sich auf Angus’ Gesicht. Er senkte den Arm und ging auf Abstand. „Du bist gemein.“
„Möglich, aber es entspricht der Wahrheit. Wenn es dir in den Kram passt, holst du Fremde hierher. Doch wenn es darum geht, meinen Ruf zu verteidigen, spielst du die Einsiedlerkarte aus.“
„Wäre es dir lieber, ich hätte nicht zugestimmt, das Fotoshooting hier abzuhalten, das dich in mein Leben gebracht hat? Würdest du es ungeschehen machen, wenn es möglich wäre?“
Darüber musste Patrick nicht nachdenken. „Natürlich nicht! Ich liebe dich. Ich bin froh, dich zu haben, auch wenn du manchmal der typische, sture Schotte bist.“
„Sagt der verwöhnte Stadtjunge!“
„Der Tiefschlag war auch nicht nötig. Immerhin stecken wir wegen dir in diesem Schlamassel.“
Angus riss die Augen auf. „Wie bitte?“
Offensichtlich hatte er tatsächlich keine Ahnung. Patrick bekämpfte seine Verärgerung. „Du übertreibst!“
„Womit?“
„Mit allem! Mit deinen Geschenken! Mit deinen Gesten! Mit deiner Kontrollsucht!“
„Erklär mir lieber, was du damit meinst, bevor ich wirklich sauer werde“, forderte der Mann, dessen Millionen den ganzen Ärger erst verursacht hatten.
„Du gibst ständig Geld für mich aus. Du schenkst mir Zeug, organisierst teure Urlaube, willst mir eine Zukunft in der Filmindustrie erkaufen. Kein Wunder, dass die Welt denkt, ich würde mich von dir aushalten lassen.“
„Ich will für dich sorgen. Du sollst die Wahl haben. Wenn du nicht länger halbnackt vor der Kamera posieren willst, möchte ich dir eine Alternative bieten.“
Patrick kniff die Augen zusammen. „Dafür bist nicht du zuständig. Ich kann mich durchaus selbst um meine Zukunft kümmern. Das heißt nicht, dass ich nicht zu schätzen weiß, wie sehr du dich für mich ins Zeug legst. Natürlich ist es bis zu einem gewissen Maß schmeichelhaft, wenn du alles daran setzt, mir Wünsche zu erfüllen, bevor ich sie selbst kenne. Ich verstehe, warum es dir ein Bedürfnis ist, mir Gutes zu tun. Dir bedeutet Geld nichts als eine Möglichkeit, die Menschen in deiner Umgebung zu verwöhnen. Du musst dir keine Gedanken um deine Finanzen machen. Du hast genug Geld auf dem Konto. Selbst wenn du ab dem heutigen Tag niemals wieder arbeiten würdest, könntest du ohne Sorgen den Rest deines Lebens hier auf Garbh verbringen. Das, was du für mich ausgibst, nimmst du aus der Portokasse. Was es nicht weniger bedeutungsvoll macht, wenn du mir etwas schenkst.“
„Ein Glück, dass du das so siehst. Es wäre zu schade, wenn du ein schlechtes Gewissen hättest, wenn ich mir ein paar Tage exklusiven Urlaub mit dir gönnen will. Wie solltest du sonst genießen können, was ich dir ermögliche?“ Angus’ Stimme troff vor Spott.
„Ich sagte doch, dass ich es zu schätzen weiß. Auf den Rest der Welt wirkt es allerdings, als würdest du es tun, um mich zu halten. Gerne verzichte ich auf übertriebenen Luxus, wenn ich nur unbehelligt mit dir glücklich sein darf. Ganz mittellos bin ich nämlich auch nicht.“
„Streiten wir uns ernsthaft, weil wir beide zu viel Geld besitzen?“, fragte sein Geliebter.
Patrick schüttelte den Kopf. „Nein, wir streiten, weil du zu viel Geld für mich ausgibst. Wie wäre es, wenn wir unseren nächsten Urlaub getrennt bezahlten?“
Der Mann, den er liebte, lachte trocken auf. „Denkst du, die Presse findet das heraus? Oder willst du ihnen unsere Kontoauszüge schicken? Glaubst du wirklich, das wird die nächste Schlagzeile?“
„Warum sollte es die Leute nicht interessieren?“
„Weil sie lieber über einen Skandal lesen als über ein glückliches Paar. Sollten sie tatsächlich recherchieren und diese Tatsache für erwähnenswert halten, würden sie die Geschichte verdrehen. Sie würden behaupten, wir hätten Probleme und würden uns auf eine Trennung vorbereiten.“
„Blödsinn.“ Patrick wollte einfach nicht glauben, dass sie keine Chance hatten, der Öffentlichkeit ihre Beziehung zu erklären. „Dann machen wir die Homestory, auch wenn du kein Fan davon bist. Ich gebe ein paar Interviews. Es wäre großartig, wenn du mich begleiten würdest. Dann werden die Leute sehen, dass sie uns falsch einschätzen. Ich werde nicht tatenlos bleiben, wenn die unsere Liebe in den Dreck ziehen.“
Ein Klopfen ertönte an der Tür von Angus’ Arbeitszimmer. Bevor einer von ihnen die Gelegenheit hatte, den Störenfried hereinzubitten, öffnete sich die Tür und Mrs Vance trat ein.
„Soll ich vielleicht jetzt schon den Tee bringen?“, fragte sie.
„Nein!“, antworteten Angus und Patrick gleichzeitig. Wenigstens waren sie in diesem Punkt einer Meinung.
Mrs Vance räusperte sich und sah von einem zum anderen. „Ich habe den Eindruck, als würde eine kleine Pause die Situation etwas entschärfen.“
Patrick warf ihr einen bösen Blick zu. „Nicht jetzt, Mrs Vance.“
„So ein warmer, beruhigender Tee mit ein paar Keksen wirkt manchmal Wunder. Danach sieht man die Welt in einem anderen Licht. Dann merkt man, dass es egal ist, was die Öffentlichkeit denkt, solange man selbst zufrieden ist.“
„Mir ist bewusst, dass Sie nur helfen wollen“, sagte Patrick mit bemüht ruhiger Stimme, obwohl er am liebsten gebrüllt hätte. „Ihre Einmischung macht allerdings alles nur noch schlimmer. Bitte lassen Sie uns allein.“
„Mr McLean …“ Sie suchte Angus’ Blick.
Natürlich wandte sie sich an ihren Boss. Sie würde immer auf seiner Seite sein. Patrick war in ihren Augen nicht mehr als ein nörgelnder Junge. Sie mochte ihn, wenn die Beziehung zwischen Angus und ihm reibungslos verlief. Sobald es allerdings Schwierigkeiten gab, hatte Patrick jedes Mal den Eindruck, sie würde ihm die Schuld daran geben.
Verärgert verschränkte er die Arme vor der Brust. „Na, Mr McLean? Magst du vielleicht deinen Tee? Dann sollst du natürlich bekommen, wonach dir der Sinn steht.“
Angus seufzte hörbar. „Tut mir leid, Mrs Vance. Der Tee muss warten. Lassen Sie uns bitte allein.“
Die alte Dame nickte und zog sich dann zurück.
„Alle Welt hält mich für einen Schmarotzer“, beschwerte sich Patrick. „Sogar Mrs Vance ist auf deiner Seite.“
„Es geht doch nicht darum, für einen von uns Partei zu ergreifen.“ Mit langen Schritten trat Angus hinter ihn, legte ihm die Hände auf die Schultern und dirigierte ihn zum Stuhl vor seinem Schreibtisch. Darauf drückte er ihn nieder und setzte sich ihm gegenüber hin. Dann griff er nach seiner Hand. „Ich liebe dich. Wenn ich könnte, würde ich dir die Welt zu Füßen legen. Scheiß drauf, was die Leute davon halten. Du bist mir wichtig. Ich will sichergehen, dass es dir gut geht. Das kannst du mir nicht verbieten. Ich verspreche, mich ein wenig zurückzuhalten. Können wir uns darauf einigen, dass du mir zugestehst, dich hin und wieder zu verwöhnen?“
Patrick gab sich einen Ruck und nickte. „Wehe, du übertreibst es noch mal.“
Angus’ Mundwinkel hoben sich. „Werde ich nicht.“
„Keine überraschenden Besucher mehr, die meiner Karriere förderlich sein sollen.“
„Aber …“
„Nein, Angus. Ich will nicht, dass du mich vor vollendete Tatsachen stellst. Sprich mit mir darüber, bevor du irgendwelche Strippen ziehst. Gib mir die Möglichkeit, dir meine Meinung zu einer Idee mitzuteilen, bevor du sie in die Tat umsetzt.“
„In Ordnung.“ Angus klang bei diesen beiden Worten so enttäuscht, dass Patrick lachen musste.
„Ich bin froh, dass die Sache mit J.J. Abrams nicht geklappt hat“, stellte er fest. „Wenigstens ist mir dadurch die Peinlichkeit entgangen, von der Presse dafür zerrissen zu werden.“
„Wie kannst du so etwas sagen, nachdem ich mir die ganze Mühe gemacht habe, ihn auf die Insel zu lotsen und ihn zu bitten, dir eine Chance einzuräumen?“
Patrick gab einen erstickten Laut von sich. Warum wollte dieser sture Schotte ihn nicht verstehen? Weshalb gelang es diesem wundervollen Mann nicht, die Kontrolle abzugeben und Patrick seinen eigenen Weg gehen zu lassen? Offensichtlich hatte die lange Einsamkeit ihn vergessen lassen, wie man mit seinen Mitmenschen umging.
„Nein, nicht wieder von vorne“, bat Patrick. „Ich diskutiere nicht mit dir darüber, wieso du damit übertrieben hast. Das musst du schon selbst erkennen.“
„Vitamin B hat noch niemandem geschadet“, setzte Angus noch einmal an. „Alles Talent nutzt nichts, wenn es nicht gesehen wird. Erfolg wird nur von einem kleinen Teil Können ermöglicht. Zusätzlich braucht es noch eine Portion Glück und die Hilfe von jemandem aus der Branche. Warum solltest du es dir unnötig schwer machen?“
„Weil ich glaube, dass ich es auch allein schaffe. Es gibt noch andere Regisseure da draußen, die jetzt wissen, dass ich Interesse daran hätte, in die Filmindustrie zu wechseln. Dank meiner Bekanntheit als Model will vielleicht einer von ihnen herausfinden, ob ich überhaupt Talent als Schauspieler besitze.“
Angus stand auf. „Schön, dass du einen Plan hast. Möglicherweise kannst du schon bald den Stein ins Rollen bringen. Wir müssen Garbh ohnehin für ein paar Tage verlassen. Probleme im Familienunternehmen erfordern meine Anwesenheit auf dem Festland. Du kannst deine Interviews machen, während ich mich um die Geschäfte kümmere. Und ganz nebenbei lernst du meine Familie kennen.“
Diese Vorstellung jagte Patrick einen gehörigen Schrecken ein. Aus den Erzählungen seines Geliebten hatte er einen sehr deutlichen Eindruck von den Leuten erhalten, die Angus Familie nannte. Wollte er sich deren Urteil tatsächlich stellen?
„Ist es dafür nicht etwas früh?“, fragte er mit kratziger Stimme.
„Wir sind seit einem Jahr ein Paar. Wie lange willst du noch warten?“
Er zuckte mit den Schultern. „Fünf, sechs Jahre? Ich weiß, was du meinst. Wenn es allerdings Probleme mit dem Familienunternehmen gibt, sind deine Angehörigen sicherlich nicht erfreut, wenn du mit einem Fremden anreist.“
„Du bist kein Fremder. Du bist mein Freund.“
„Mit dem du gerade noch gestritten hast“, erinnerte Patrick.
Angus zuckte mit den Schultern. „Eine kleine Meinungsverschiedenheit. Nichts, weshalb wir uns trennen würden. Unsere Liebe übersteht so eine kleine Krise doch unbeschadet. Oder täusche ich mich da?“
Es gab vieles, das im Moment ungewiss war. Patrick wusste nicht, wie er seine Karriere fortführen wollte. Er hatte keine Ahnung, wie er mit der Presse umgehen sollte. Dass er Angus in seinem Leben haben wollte, stand allerdings außer Frage.
„Ich liebe dich“, sagte er. „Wenn du in nächster Zeit nicht unnötig mit Geld um dich wirfst, haben wir beide auch keine Reibungspunkte mehr. Aber lass mich in Ruhe überlegen, ob ich schon bereit bin, deine Familie kennenzulernen.“
Er merkte selbst, dass das nicht sonderlich nett klang. Doch Angus grinste nur grimmig. „Sei ruhig nervös. Vorsicht ist angebracht. Das werden bestimmt die anstrengendsten Tage deines Lebens.“
Nicht sonderlich aufmunternd. Die Muskeln in seinem Gesicht spannten sich an.
„Meine Familie ist eigen. Wundere dich nicht über ihr unmögliches Verhalten mir gegenüber. Leider können wir uns nicht ewig vor ihnen verstecken. Besonders wenn wir vorhaben, den Rest unseres Lebens zusammen zu verbringen.“
Patrick gab vor zu überlegen. „Tut mir leid. Ich finde kein Argument, das dagegenspricht, dass wir uns weiterhin von ihnen fernhalten.“ Dann seufzte er. „Nein, du hast schon recht. Wir wissen schließlich, wofür wir kämpfen.“
Sein Geliebter hob eine Augenbraue. „Das mit dem Kampf könnte zutreffender sein, als du dir jetzt vorstellst.“
„Ich werde schon irgendwann lernen, das Geschmiere der Presse nicht zu nah an mich ranzulassen. Die Meinung deiner Familie wird mir allerdings nie egal sein.“
Angus öffnete den Mund, um etwas einzuwerfen, doch Patrick schüttelte den Kopf. „Sie gehören zu deinem Leben. Sie sollen mich von meiner besten Seite kennenlernen. Du musst die Probleme in deiner Firma klären, damit du mir für ein paar Monate nach New York folgen kannst. Ich steuere meine Karriere wieder in die richtige Richtung. Dann kann ich nächstes oder übernächstes Jahr eine längere Auszeit nehmen, um mit dir auf Garbh zu leben. Und in ein paar Jahren, wenn wir von dem ganzen Trubel genug haben, kaufen wir uns das Häuschen am Strand in Spanien …“
„… oder Frankreich“, warf Angus ein.
„… von dem wir beide Träumen. Nur wir beide, Sonne, Strand und das Meer. Und das für den Rest unserer Tage. Hin und wieder Besuche in Museen, in denen du mir von den Künstlern erzählen kannst, die du liebst, oder Reisen zu klassischen Konzerten. Ab und an ein Ausflug nach Amerika, wo ich aus dir einen echten Cowboy mache und dir Westernreiten und Schießen beibringe. Das ist alles, was ich mir für meinen Ruhestand wünsche.“
„Ich kann es kaum erwarten.“ Angus strahlte ihn an und plötzlich verschwanden Patricks Sorgen in den leuchtenden Augen seines Geliebten.
Kapitel 2
Die Limousine bog in das Rondell vor dem betagten Gebäude ab und verlor dabei an Geschwindigkeit. Highcomb ragte vor ihnen auf und warf seinen düsteren Schatten voraus – oder besser: eine Vorahnung, wie sich dieser Besuch gestalten sollte. Angus runzelte die Stirn und verbat sich die düsteren Gedanken. Zwar war jede Heimkehr mit einem schalen Geschmack begleitet, aber dieses Mal war ihm sogar noch unbehaglicher zumute.
Der Wagen blieb stehen, und Patricks Nervosität nahm Überhand. Sein Griff brach Angus’ Finger beinahe. Er atmete tief durch. „Das ist eine bescheuerte Idee.“
Seine Stimme trug seine Befürchtungen, was Angus einen Schauer über den Körper jagte, der zur Abwechslung mal unangenehm war. Dennoch hob er die Mundwinkel, drehte sich mit einem nicht ehrlichen, aber beruhigenden Lächeln zu seinem Liebsten um und erwiderte den Druck seiner Finger sanft.
„Schatz, es bedeutet mir unendlich viel, dass du mich begleitest.“ Und das war keinesfalls gelogen. „Meine sexuelle Orientierung ist allgemein bekannt, wenn auch nicht akzeptiert. Ich will dir keine falschen Hoffnungen machen, wir werden nicht mit offenen Armen begrüßt werden, aber dies hier ist meine Heimat.“
Die Tür wurde geöffnet. Anders als auf Garbh konnte man in Argyllshire häufiger mit Sonne rechnen, aber die Front von Highcomb lag in bedrohlichem Zwielicht. Angus zog Patrick bestimmend mit sich, als er aus der Limousine kletterte und dem Fahrer einen Dank zu murmelte. Da waren sie also. Er sog den Atem ein, ohne dass sich die Enge in seiner Brust lüftete.
„Das Anwesen ist seit zehn Generationen in Familienbesitz, auch wenn die Rotröcke zwischen 1730 und 1746 Teile davon als Stützpunkt ihrer Armee nutzten.“ Angus deutete auf den linken Flügel des Kartells. „Noch immer wird der Trakt als Gästequartier genutzt.“
Patricks Blick flog Angus’ Finger nach, wobei er grummelte: „Für unliebsame Gäste, will mir scheinen.“
Angus’ Herz machte einen Satz und er konnte ein Kichern nicht verhindern. Die Anspannung, in der er den ganzen Morgen verbracht hatte, schwand und es gelang ihm, mit üblicher Fröhlichkeit zu grinsen. „Aye. Als Amerikaner wird meine Mutter dir sicherlich ebenfalls ein lauschiges Plätzchen irgendwo in den Untiefen des Kellers zugedacht haben.“
Patricks himmlischer Mund verzog sich. Verdruss zerknitterte sein sonst so edles Gesicht. „Es wird ein Verlies sein …“
Wieder lachte Angus. Er legte seinem Freund den Arm um die Schulter und drückte ihn an seine Seite. „Keine Sorge, ich bin hier der Herr im Haus.“
Patrick blieb skeptisch, bemühte sich jedoch, es sich nicht ansehen zu lassen. Natürlich durchschaute Angus ihn mühelos. Dass der Geliebte seine Stimmung nicht halb so gut verbergen konnte, wie er offenbar annahm, war einer der Punkte, die Angus so an ihm liebte.
„Komm, stellen wir uns dem Drachen.“ Er schob Patrick vorwärts. Der Schotter zu seinen Füßen wühlte auf, bevor Patrick seine Steifheit verlor und einen Schritt machte. Seine Brust hob sich unter der unnötig dicken Jacke, schließlich hielt der Frühling Einzug und die Temperaturen schossen in die Höhe. Der Eingang lag ebenerdig, und so standen sie nach wenigen Schritten bereits vor verschlossener Tür. Als die Hausdame öffnete, schwang ihr Blick direkt um zu Patrick. Ihre Augen wurden groß.
„Miss McDuff“, grüßte Angus mit einem knappen Nicken. Sie machte den Weg frei.
„Mylaird, wir haben Sie erwartet. Ihre Gemächer stehen bereit und für Ihren Gast …“
„… der sicherlich neben mir einquartiert wurde …“, unterbrach Angus locker, obwohl er es besser wusste.
Miss McDuff stockte, wobei sich Horror in ihr bleiches Gesicht schlich. Sie musste mehrfach schlucken, bevor sie etwas hervorbrachte.
„Gewiss, Mr McLean.“
„Mr Harris’ Wünschen ist Folge zu leisten.“ Angus schlüpfte aus seiner sommerlichen Jacke. „Dass mir keine Klagen kommen.“
Wieder nickte die Mittvierzigerin.
„Was lässt Mrs McLean ausrichten?“ Angus bedeutete Patrick die Treppe zu nehmen und schob ihn, da er zögerte, erneut weiter. Es war zu spät für Zweifel. Die er ihm ohnehin ausgeredet hätte. Angus wollte diesen Schritt. Es war ein weiteres Bekenntnis zu ihnen, eines, das ebenso bedeutsam und schwierig wie Patricks coming out war.
„Mrs McLean wünscht Sie unverzüglich zu sehen.“
„Tatsächlich?“ Angus grinste für sich, schließlich hatte er genau das erwartet. „Richten Sie Mrs McLean aus, dass ich für die geschäftlichen Belange nach dem Lunch zur Verfügung stehe.“
Miss McDuff hastete ihnen nach. „Jawohl, Mylaird. Soll ich Ihnen das Lunch in Ihrem privaten …“
Angus nahm die Hand aus Patricks Rücken, als er stehenblieb und sich umdrehte, um Miss McDuff anzusehen. „Wir werden selbstverständlich am familiären Mittagessen teilnehmen.“
Die Hausdame wisperte einen gälischen Fluch, den Angus natürlich verstand. Er hob die Brauen.
„Gibt es ein Problem, Miss McDuff?“
„Nein, Mylaird!“ Sie nickte hastig. „Ich werde alles Nötige in die Wege leiten. Kann ich Ihnen sonst noch dienlich sein?“
Angus schüttelte den Kopf, schließlich wollte er nicht für den Herzinfarkt der Frau verantwortlich sein, die seine Mutter erst kürzlich hatte einstellen lassen – ohne seine Zustimmung. Dinge mussten sich in Highcomb ändern, und genau deswegen hatte er so auf Patricks Gesellschaft gedrängt. Angus hatte Pläne, die sich um seinen Geliebten rankten wie Efeu um alte Gemäuer …
Angus spürte Patricks Anspannung, als sie vor der zweiflügligen Tür zum Speisezimmer stehen blieben. Die Muskeln an seinen Wangen traten hervor, was deutlich auf die Verfassung hinwies, in der sich der jüngere Mann befand. Sicher übte er so viel Druck auf seine Kauleisten aus, dass sie zu Staub zu zerfallen drohten. Angus wünschte sich, ihn beruhigen zu können, aber er wusste, welcher Sturm auf sie wartete. Er war mindestens so schwer wie jener, der das erste Fotoshooting vor fast einem Jahr ins Wasser hatte fallen lassen.
„Versuch gelassen zu bleiben“, riet Angus leise. Patricks Blick streifte ihn. „Können wir?“
Obwohl das unwiderstehliche Model nickte, griff Angus nicht nach der Türklinke, sondern nach dessen Händen. Er zog ihn zu sich und drückte ihm einen sanften Kuss auf den Mund.
„Ich liebe dich.“
Patricks dunkle Augen verloren etwas an Starre und auch sein Kiefer entspannte sich. Das war alles, was Angus wollte. Mit einem schiefen Grinsen wandte er sich ab und zog sich das Jackett gerade. Er hatte sein Erscheinungsbild sorgsam geprüft und wusste, dass es nichts an ihm auszusetzen gab, auch wenn seine Mutter ihm sicherlich das gegenteilige Gefühl geben würde, sobald er durch die Tür trat. Angus streckte die Schultern und packte den Stier bei den Hörnern, indem er die Flügeltüren mit mehr Kraft aufstieß, als nötig gewesen wäre. Es sicherte ihm den theatralischen Auftritt, auf den er abzielte. Wie erwartet saßen seine Mutter und Großmutter bereits bei Tisch und hatten den durchaus erwarteten Beisitzer: Cornish. Der bullige Cousin verzog bei seinem Anblick die Lippen.
„Angus!“ Seine Mutter klang wie ein gereizter Pitbull. „Habe ich dir denn gar nichts beigebracht?“
Angus nickte ihr und der Großmutter zu, die ihn geflissentlich zu übersehen versuchte. „Mutter, Großmutter …“ Er begegnete sogar den verächtlichen Augen des Cousins. „Cornish. Guten Tag.“ Dann drehte er sich leicht, um Patrick in den Kreis der Aufmerksamkeit zu ziehen. „Bevor wir uns an den Tisch setzen, möchte ich euch meinen Partner vorstellen: Patrick.“ Den Nachnamen sparte er sich absichtlich.
„Meine Mutter Ailis, meine Großmutter Isla und Cornish, mein Cousin.“
Patrick lächelte während der Vorstellung gezwungen und nickte jeder Person zu. „Guten Tag.“ Sein unsicherer Blick driftete zu Angus, der ihm bedeutete, an den Tisch zu treten.
Es blieb still, unangenehm still, wenn man bedachte, dass zumindest ein Hallo angebracht gewesen wäre. Angus überging es einstweilen.
„Du wirst heute Abend noch Tante Kendra kennenlernen. Sie ist Cornish’ Mutter und die Schwester meines Großvaters.“ Angus zog Patrick einen Stuhl hervor, beließ es dann aber dabei. Er wollte den Geliebten nicht brüskieren, indem er ihn wie eine Frau behandelte, so gerne er ihn auch verwöhnte. Galanterie musste seinen Platz und seine Grenzen haben, besonders bei einem, der ganz gerne selbst das Heft in der Hand hielt.
„Mein Cousin lebt ganzjährig in London, wie er gerne behauptet, ist aber stets hier anzutreffen, wenn ich Highcomb besuche. Ebenso wie die Damen wohlgemerkt.“ Angus unterbrach seine Erklärung mit einem betont rätselnden Blick auf die drei Angesprochenen. „Wie steht es um deine Eheschließung, Cornish? Ich habe das Aufgebot eigentlich noch im letzten Jahr erwartet.“
Der Großcousin kaute auf seiner Zunge herum und es war Ailis, die an seiner statt antwortete: „Angus, ich verlange, dass du dich bei Tisch benimmst wie ein erwachsener Mann und nicht wie ein trotziges Kind!“
Angus setzte ein lockeres Grinsen auf. „Entschuldige, Mutter, war ich zu provokativ? Vermutlich hat mich der eklatante Mangel an guten Manieren etwas aus der Bahn geworfen.“
Seine Mutter verengte die Augen.
„Möchte wirklich niemand meinen Gast angemessen begrüßen?“
Neben ihm sog Patrick den Atem ein. Der Blick mit der deutlichen Bitte, es dabei bewenden zu lassen, traf Angus. „Mutter? Wäre ein warmes Willkommen nicht angebracht, immerhin ist Patrick mein Lebenspartner.“
Ein kalter Blick sollte ihn zum Schweigen bringen, aber Angus hatte nicht vor, sich weiterhin wie ein Kind behandeln zu lassen. Und Patrick sollte sich auch nicht unerwünscht vorkommen. „Nicht einmal ein Nicken? Das dulde ich nicht!“
Ailis presste die welken Lippen aufeinander und maß ihn mit einem ärgerlichen Blick. „Angus, ich werde mich nicht auf dein Niveau hinabbegeben.“
Miss McDuff nutzte den Moment, um das Essen aufzutragen, und stoppte, als sie die Anspannung bemerkte. Schließlich starrte Angus seine Mutter immer noch über den Tisch hinweg an.
„Ich verlange, dass jeder hier Patrick anständig behandelt. Habe ich mich deutlich ausgedrückt?“
„Du vergisst deinen Platz“, zischte Ailis. Ihre starren Lippen machten die Worte undeutlich, aber Angus hatte jahrzehntelange Erfahrung darin, die Mutter zu dechiffrieren.
„Oh nein!“, widersprach er belustigt und verärgert zugleich. „Ich kenne meinen Platz, aber sonst offenbar niemand!“
„Tischen Sie auf, Miss McDuff“, orderte seine Mutter und überging ihn damit. Die Haushälterin beeilte sich sogleich, dem Wunsch nachzukommen und ließ die Suppenkelle fallen, als Angus harsch rief: „Stopp!“
„Angus“, sprach Patrick ihn an. „Wir sind seit dem Morgen unterwegs und mein Magen knurrt.“
Zwar war nichts dergleichen zu hören, aber Angus wollte seinem Freund zuliebe einlenken. Also seufzte er auf. „Ah! Dann hast du Glück. An der Küche hier ist nichts auszusetzen.“
Kapitel 3
Teestunde im Garten! Bei diesem windigen Wetter! Auf diese Idee konnten auch nur Engländer kommen. Es war beeindruckend, wie vehement sich die Blumen in der schweren Vase auf dem weißen Tischtuch weigerten, sich von den Windstößen zerrupfen zu lassen. Patrick wünschte, er wäre genauso standfest. Angus schien von der Aussicht angetan, trockene Kekse in viel zu schnell auskühlenden Tee zu tunken. Deshalb würde Patrick sich zusammenreißen und die Tortur schweigend über sich ergehen lassen. Das bedeutete allerdings nicht, dass er tatsächlich Vergnügen dabei empfinden musste.
Patrick bemerkte, dass die Anspannung in seinem Gesicht schmerzhaft wurde. Seine Mundwinkel waren jetzt schon so lange krampfhaft nach oben geschoben, dass er morgen davon vermutlich einen Muskelkater spüren würde. Er hoffte, dass man ihm dank seiner Anstrengung im Augenblick wenigstens nicht ansah, wie unwohl er sich fühlte.
„Schmecken dir die Flap Jacks nicht?“, fragte Angus und blickte prüfend auf Patricks unberührten Teller. „Wenn du lieber etwas anderes essen würdest, kann ich dir das selbstverständlich bringen lassen.“
„Das ist nicht notwendig“, versicherte Patrick rasch. Er zwang sich dazu, in die schlechte Imitation eines Müsliriegels zu beißen.
Während er kaute, zog ein Windstoß an seinen Haaren. Mit einer ruckartigen Handbewegung schob er die zerzausten Strähnen wieder nach hinten. Ein Frösteln konnte er jedoch nicht unterdrücken. Die Kälte in seinem Inneren wurde nicht nur durch das Wetter verursacht. Die Stimmung am Tisch war ähnlich frostig.
Sein Partner legte den Kopf etwas schief. „Du wirkst nicht sonderlich glücklich über die Essensauswahl. Bestimmt haben wir noch Scones im Haus. Ich weiß gar nicht, warum man sie nicht mit nach draußen gebracht hat.“
„Nein, danke. Es ist in Ordnung.“ Wie unangenehm es Patrick war, dass Angus so viel Aufheben um ihn machte! Sogar Cornish und Ailis musterten ihn inzwischen aufmerksam. Er hasste es, dass sie ihn für einen verweichlichten Amerikaner halten mussten. Als er nach fünf Minuten hier draußen gezwungen gewesen war, sich eine dickere Jacke zu holen, hatten sie geschmunzelt.
„Ihre erlesenen Geschmacksnerven scheinen mit den lokalen Köstlichkeiten nichts anfangen zu können. Kennt man Flap Jacks in Amerika nicht?“ Cornish warf ihm einen spöttischen Blick zu.
„Tatsächlich habe ich den Begriff erst einmal gehört“, gestand Patrick und hoffte, mit seiner Ehrlichkeit Angus’ Cousin dazu zu bringen, seine Sticheleien zu beenden. „In Nordamerika versteht man darunter kleine Pfannkuchen. Mit Ahornsirup ein wahrer Leckerbissen.“
„Das würde nun wirklich nicht zu einer echten englischen Teatime passen.“ Cornish lachte auf.
Diesbezüglich würde Patrick gerne widersprechen, aber das hätte die Situation nicht entschärft. Es war ihm wichtig, von der Familie seines Freundes akzeptiert zu werden, doch es schien, als hätten diese Menschen nicht die Absicht, ihn in ihrer Mitte willkommen zu heißen. Er würde weiter versuchen, sich anzupassen. Viel Hoffnung, dass das genügen würde, hegte er allerdings nicht. Möglicherweise wäre es die bessere Wahl gewesen, den anderen weiterhin aus dem Weg zu gehen.
Nach dem steifen Lunch gestern hatte Patrick sich am Abend geweigert, mit dem Rest der Familie zu essen, und auf einem Mahl in seinem Schlafzimmer bestanden. Man hatte ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass er unerwünscht war. Angus hatte das dazu veranlasst, seinen Freund flammend zu verteidigen. Diese übertriebene Reaktion war Patrick unangenehm. Deshalb hatte er kein schlechtes Gewissen dabei gehabt, Migräne vorzutäuschen. Angus hatte die Nacht trotzdem bei Patrick verbracht und länger geschlafen.
Um vor den anderen das Frühstück beendet zu haben, hatte Patrick sich extra früh in das Speisezimmer geschlichen. Leider war der Plan gescheitert, weil Angus’ Großmutter kurz nach Patrick erschienen war.
Überraschenderweise hatte sie ihn mit einem kurzen Blick gestreift und ihm einen guten Morgen gewünscht. Nach ein paar schweigsamen Minuten hatte sie über das Wetter referiert. Patrick war dabei nicht zu Wort gekommen, dennoch hatte er es als positives Zeichen gedeutet. Die Stimmung war leider gekippt, als Angus zu ihnen gestoßen war. Er hatte seine Großmutter mit einem von Patrick als unangenehm empfundenen Kuss direkt auf die Lippen provoziert. Danach hatte Isla trotzig geschwiegen.
Patrick wäre am liebsten im Erdboden versunken. Obwohl er noch nicht satt gewesen war, hatte er die Flucht ergriffen. Auch jetzt hätte er nichts dagegen gehabt, zurück ins Haus zu kehren und sich zu verkriechen. Dann wäre er allerdings nicht in der Lage, Angus’ Familie näher kennenzulernen. Da sie beide nun zusammengehörten, sollte er es sich mit ihnen nicht verscherzen. Angus’ überfürsorgliches Verhalten machte es ihm allerdings nicht leichter, ernst genommen zu werden.
„Wir lieben es als echte Schotten etwas herzhafter“, warf Ailis ein. „Das mag für Sie schwer vorstellbar zu sein, zeigt aber wieder einmal deutlich, wie unterschiedlich wir doch sind.“
„Dank Angus weiß ich deftiges Essen inzwischen mehr zu schätzen.“ Patrick vertiefte sein verkrampftes Lächeln. „Auf Garbh werde ich mit würzigen Speisen verwöhnt. Meine Figur droht davor langsam zu kapitulieren.“
Angus griff nach seiner Hand und drückte ihm einen Kuss auf die Finger. „Du bist perfekt, wie du bist.“
Ailis schnaubte. „Dennoch schadet es nicht, wenn man darauf achtet, was man sich zwischen die Lippen schiebt.“
Essensvorlieben sollten kein Grund sein, jemanden nicht in seiner Familie zu wollen. Die Liste von Patricks Verfehlungen war allerdings noch länger, sodass er sich eine Diskussion sparen konnte. Sein Freund dachte darüber anscheinend anders.
„Patrick soll essen, worauf er Lust hat“, brummte Angus. „Lass ihn in Ruhe, Mutter.“
„Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass die Dinge, die er sich in den Mund steckt, zeigen, welche Art von Mensch er ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Flap Jacks, Scones, deine Zunge oder andere Körperteile von dir handelt.“
„Mutter!“ Empört funkelte Angus in Ailis Richtung.
„Stimmt es, dass es einen Unterschied macht, was man zuletzt gegessen hat?“, fragte Cornish. „Den Geschmack von du-weißt-schon-was betreffend?“
Patrick krümmte sich und überlegte, unter die im Wind flatternde Tischdecke zu flüchten. Was für eine Frage! Darüber hatte er sich noch niemals Gedanken gemacht. Ganz sicher würde er in dieser Runde nicht damit anfangen.
Nun kam ein Schnauben von Angus’ Großmutter. „Früher mussten wir uns zum Glück mit diesen Dingen nicht beschäftigen. Abends schaltete man als gehorsame Frau das Licht aus und ließ über sich ergehen, wofür Gott die Männer vorgesehen hat. Für die perversen Vorlieben waren dann Frauen in einschlägigen Häusern zuständig. In der Branche, in der Sie arbeiten, ist man angeblich zu ähnlichen Anbiederungen gezwungen. Entspricht das der Wahrheit, Mr Harris?“
Hitze brachte Patricks Wangen förmlich zum Glühen, weil nach diesen unerwarteten Worten alle Blicke abschätzig auf ihm zu ruhen schienen. Wie überaus peinlich! „Mir ist bewusst, dass der Beruf des Models mit einigen Vorurteilen behaftet ist. Um einen Auftrag an Land zu ziehen, war ich allerdings noch niemals gezwungen, meinen Körper einem Kunden anzubieten.“
Angus drückte seine Hand inzwischen so fest, dass es wehtat. Bei Cornishs ungläubigem Auflachen brach er Patrick beinahe die Finger. „Wie kannst du es wagen, so etwas anzudeuten, Großmutter! Patrick verkauft sich nicht.“
„Das kann man sehen, wie man will“, warf Cornish ein. „Die Presse hat den Eindruck, dass es für Ihre Popularität von Vorteil ist, dass Sie mit meinem Cousin ins Bett gehen. Möglicherweise hat die Wahl des anderen Ufers dazu beigetragen, einige Fotokampagnen an Land zu ziehen, die sonst unerreichbar in der Mitte des Flusses vorbeigetrieben wären.“
Diesbezüglich widersprach Patrick vehement, verkniff sich allerdings einen Kommentar. Nein, seine Beziehung und sein Outing hatten ihm nicht nur positive Reaktionen beschert. Das beste Beispiel, welchen Vorurteilen er sich nun gegenübersah, war das Gespräch an diesem Tisch.
„Ich würde vorschlagen, dass du dich um deine eigenen Angelegenheiten kümmerst“, schlug Angus mit harter Stimme vor. „Patrick wird sich diese Art von Behandlung nicht gefallen lassen. Von keinem von euch.“
„Vielleicht sollte er uns von seinem Leben erzählen, damit wir uns ein eigenes Bild von ihm machen können.“ Ailis’ Lächeln erreichte ihre Augen nicht. Dennoch war Patrick bereit, ihr einen Vertrauensvorschuss und einen Einblick zu geben.
„Sehr gerne“, setzte er an. „Ich arbeite bereits seit vielen Jahren …“
„Er muss sich nicht rechtfertigen.“ Wut ging in Wellen von Angus aus, als er sich vorbeugte. Sein flammender Blick wanderte von einem zum anderen. „Hört auf, ihn zu bedrängen.“
Patrick legte seine freie Hand auf Angus’ Oberarm. Dass sein Geliebter ihn unterbrochen hatte, verärgerte ihn. Er wollte diese Gelegenheit nutzen, um die anderen auf seine Seite zu ziehen. „Das tun sie nicht“, flüsterte er ihm zu. „Lass mich einfach den Tisch mit ein paar amüsanten Anekdoten aus meiner Laufbahn unterhalten.“
„Denkst du wirklich, sie würden sich dafür interessieren?“, antwortete Angus ähnlich leise.
Ehrlich zuckte er mit den Schultern. „Einen Versuch ist es wert.“
Angus seufzte. „Wenn du meinst.“
Bevor Patrick die Gelegenheit erhielt, seinen Plan in die Tat umzusetzen, stand Ailis auf. „Es wird langsam frisch. Ich habe auch noch einen wichtigen Termin, den ich einhalten muss. Wenn ihr mich also entschuldigt.“
Isla wandte sich an Cornish. „Hilfst du mir nach drinnen?“, bat sie. „Ich bin ein wenig müde. Ein Nickerchen wird mir gut tun.“
Angus’ Cousin beeilte sich, die alte Dame zu stützen. Gefühlte Sekunden später waren Angus und Patrick allein zurückgeblieben. Der schnelle Aufbruch fühlte sich für Patrick an, als wäre er gegen eine Betonmauer gelaufen.
Patrick knurrte der Magen schon wieder, dieses Mal aber richtig. Um das Geräusch zu übertönen, räusperte er sich und überschlug die Beine. Der Stuhl vor Angus’ Arbeitstisch war nicht sonderlich bequem. Da Patricks Lover allerdings seit Stunden über Geschäftsunterlagen brütete, war das die einzige Möglichkeit, sich zumindest in seiner Nähe aufhalten zu können.
Sein Blick tastete über das Gesicht seines Geliebten. Patrick öffnete den Mund, schloss ihn allerdings wieder. Es gab etwas, das er Angus gerne erzählt hätte. Eine Stimme in seinem Inneren ließ ihn allerdings zögern. Er wollte nicht, dass Angus sich Sorgen um ihn machte. Sein geliebter Eremit hatte im Moment mit genug eigenen Dämonen zu kämpfen. Jede weitere negative Neuigkeit würde ihn nur weiter in Aufregung versetzen.
Noch einmal änderte er seine Sitzposition. Das Papier, das förmlich ein Loch in seine Hosentasche brannte, raschelte dabei leise. Patrick hielt die Luft an und beobachtete Angus. Der schien nicht zu bemerken, was um ihn herum vor sich ging. Also entspannte Patrick sich und ärgerte sich, dass er den Brief nicht gleich im Kamin verbrannt hatte.
Er hatte das Kuvert erst vorhin in seinem Koffer entdeckt. Vor seiner Abreise hatte er die Fanpost, die Neil ihm vorbeigebracht hatte, ungeöffnet hineingeworfen. Sein Agent hatte noch eine dringende Unterschrift gebraucht, was Patrick verärgert hatte, weil ihm die Zeit bis zum Abflug durch die Finger geronnen war. Er hätte das Zeug gar nicht mitnehmen sollen. Jetzt bereute er, diesen bestimmten Brief geöffnet zu haben.
Schwuchteln haben es nicht verdient zu leben. Solche, die ihre Perversität nach außen hin zeigen, schon gar nicht. Du wirst die Rechnung dafür schon bald präsentiert bekommen.
Eine dämliche Drohung. Wenig geschickt und schon gar nicht ernst gemeint. Wer warnte sein Opfer schon vor, damit es Sicherheitsvorkehrungen treffen konnte? Die Person, die sich die Mühe gemacht hatte, die Buchstaben aus der Zeitung auszuschneiden, auf ein Stück Papier zu kleben und das Ganze dann noch zur Post zu bringen, war ein Idiot. Unwichtig, infantil und total ungefährlich. Und dennoch …
Es war nicht die erste Nachricht dieser Art. Beleidigungen und Drohungen kamen immer wieder von anonymen Mailadressen. Gemeine Kommentare sammelten sich unter seinen Bildern in den sozialen Medien an. Dieser eine Brief traf ihn nur deshalb so schwer, weil er die Fanpost auf der Suche nach aufbauenden Worten geöffnet hatte.
Angus murmelte etwas. Scheinbar war ihm bei seiner Lektüre etwas Spannendes ins Auge gefallen. Er blätterte eine Seite zurück, strich mit dem Finger die Zeilen entlang und gab dann ein Brummen von sich.
Patrick überlegte, ob er Angus ansprechen sollte, entschied sich dann aber dagegen. Offensichtlich beschäftigte Angus sich mit wichtigen Unterlagen. Deshalb streckte Patrick sich und holte die Zeitung, die auf einer Ecke des Schreibtisches lag. Unmotiviert begann er sie durchzusehen. Seine Gedanken wanderten aber schnell wieder in eine andere Richtung.
Klatsch und Tratsch über A bis C Promis fesselten seine Aufmerksamkeit nicht lange. Viel zu schnell wurde er sich seines weiter wachsenden Hungers bewusst. Es war jetztkurz vor dem Abendessen, und er wäre bereit gewesen, ein Nacktfotoshooting vor Angus’ Familie abzuhalten, wenn er dafür sofort etwas zwischen die Zähne bekommen hätte.
Er seufzte, als sein Magen sich noch einmal verkrampfte. Ob er noch mal versuchen sollte, sich mit der Lektüre der Zeitung abzulenken?
„Alles in Ordnung, Geliebter?“, fragte Angus, der von seinem Laptop aufgesehen hatte. „Du wirkst besorgt.“
„Hungrig bin ich in erster Linie. Nichts, was das Abendessen nicht korrigieren könnte.“ Patrick schickte Angus ein Lächeln. Ihm lag zwar noch mehr auf dem Herzen, doch das war nicht die Zeit oder der Ort, um eine ernsthafte Diskussion zu führen.
Angus sah auf seine Armbanduhr. „In einer guten Viertelstunde wirst du von deinem Leid erlöst. Leider kann ich meine Arbeit noch nicht beenden. Tatsächlich muss ich ein wichtiges Telefonat führen. Vielleicht möchtest du dich währenddessen schon auf den Weg in den Speisesaal machen?“ Seine grünen Augen funkelten ihn an.
„Das halte ich für eine gute Idee. Wenn deine Mutter auftaucht, bevor du fertig bist, lieferst du ihr beim Eintreten bestimmt eine Show, die sie nie vergessen wird. Dass du dazu in der Lage bist, hast du beim Frühstück ja schon bewiesen. Was das betrifft, würde ich mich gerne noch mit dir unterhalten. Später, wenn deine Aufgaben dich nicht mehr ablenken.“
„Leider wird das nicht so schnell der Fall sein. Dieses Telefonat ist wirklich wichtig. Furchtbar langweilig, aber notwendig. Du kannst auch gerne in deinem Zimmer auf mich warten.“
Der Rausschmiss überraschte Patrick. Üblicherweise hatte Angus kein Problem damit, geschäftliche Details vor ihm auszubreiten. Trotzdem stand er auf und trat vor den Schreibtisch. Er stützte sich auf der Arbeitsplatte ab und beugte sich vor, um Angus zu küssen. „Bis später. Beeil dich.“
Angus hatte diesen Ausdruck auf dem Gesicht, der nur für Momente reserviert war, in denen sie unbeobachtet waren. „Natürlich, Liebster. Bis gleich.“
Nach einem Augenzwinkern in Angus’ Richtung schlenderte Patrick auf den Gang. Kurz darauf schloss er die Tür des Gästezimmers hinter sich. Er nutzte die Wartezeit auf Angus, um sich frisch zu machen. Dann checkte er seine Mails.
Zumindest wollte er das. Leider wurde ihm klar, dass die Verbindung ohne WLAN-Passswort zu langsam war, um die Fotos öffnen zu können, aus denen er eine Auswahl für seine neue Arbeitsmappe treffen sollte. Er geduldete sich zehn weitere Minuten, bis der Hunger und die Langeweile ihn dazu trieben, sich auf die Suche nach Angus zu machen.
Zuerst warf er unbemerkt einen Blick in den Speisesaal, wo Angus’ Familie bereits Platz genommen hatte und sich über die Verspätung von Angus und Patrick beschwerte. Rasch zog Patrick sich zurück. Sein Geliebter hatte also nicht bloß vergessen, ihn abzuholen. Scheinbar hatte das Telefonat ihn länger in Beschlag genommen als gedacht.
Als Patrick sich dem Arbeitszimmer näherte, drang Angus’ Stimme zu ihm. Er blieb stehen, um nicht zu stören.
„Natürlich! Gar kein Problem. Ich bin sicher, er findet diese Rolle perfekt.“
Ein paar Sekunden lang herrschte Schweigen.
Patricks Nackenhaare stellten sich auf. Hoffentlich sprach Angus von einem seiner Angestellten.
„Nein, diesbezüglich muss ich nicht Rücksprache mit ihm halten. Ich kenne ihn in und auswendig. Schon jetzt weiß ich genau, was er sagen wird, wenn ich ihm erzähle, dass er die Möglichkeit bekommt, diesen Film zu drehen.“
Wieder eine kleine Pause. Dann lachte Angus auf.
„Ja, dieser Aspekt gefällt mir besonders gut. Dieses Projekt klingt von der Idee her aufregend. Die Namen der Schauspieler, die Sie bereits gecastet haben, beeindrucken mich. Für Patrick wird ein Traum wahr, wenn er mit diesen Größen zusammenarbeiten darf.“
Nein! Das durfte nicht wahr sein! Angus konnte es unmöglich gewagt haben, ihm noch einmal ein Casting vermittelt zu haben, ohne ihn vorher zu fragen.
„Vielen Dank. Ich weiß Ihr Entgegenkommen zu schätzen. Geben Sie mir ein paar Tage, damit ich alle notwendigen Vorkehrungen treffen kann. Schließlich soll Patrick nicht ahnen, dass ich über diese Sache Bescheid weiß. Wir bleiben in Kontakt.“
Patrick blieb die Luft weg. Pries Angus ihn schon wieder bei Kontakten der Filmbranche an? Hatte er nicht deutlich gemacht, dass er diese Einmischungen nicht länger duldete?
Er stieß die Tür auf und trat in den Raum. „Leg sofort auf!“, befahl er.
Erbleichend erwiderte Angus seinen Blick. Tatsächlich nahm er das Handy vom Ohr und drückte auf das Display. „Es ist nicht so, wie … Okay, es ist genau so, wie es aussieht. Ich habe erfahren, dass ein Freund aus alten Tagen …“
„Das ist mir völlig gleichgültig!“, unterbrach Patrick. „Es spielt keine Rolle, wer wie wann auf diese Schnapsidee gekommen ist. Ich will damit nichts zu tun haben!“
„Warte. Diese Chance erhältst du nur einmal. Hollywood, Patrick. Das, was du dir immer gewünscht hast.“
„Damit bringst du das Fass zum Überlaufen. Seit wir hier angekommen sind, benimmst du dich wie ein anderer Mensch. Highcomb macht aus dir einen Fremden, der alles vergessen hat, was wir jemals vereinbart haben.“
Angus legte das Handy weg und trat zu ihm. „Bitte, du übertreibst. Möglicherweise war es nicht klug von mir, dir zu verheimlichen, mit wem ich mich unterhalten wollte. Doch du lässt es klingen, als wäre ich verrückt.“
„Dieses Telefonat ist doch nur ein Symptom des eigentlichen Problems, das sich hier offenbart hat.“
„Wovon sprichst du?“
„Hör auf, dich ständig vor mich zu stellen!“, schrie Patrick. „Ernsthaft. Das ist übergriffig und beleidigt mich! Denkst du, ich wäre nicht in der Lage, mich selbst zu verteidigen?“
„Natürlich bist du das. Beruhige dich doch.“ Angus tätschelte seine Schulter.
„Du behandelst mich, als wäre ich ein kleines Kind. Du kannst meine Kämpfe nicht für mich austragen. Wenn du es ständig versuchst, lässt mich das schwach dastehen!“
Mit betroffenem Gesichtsausdruck nickte Angus.
Das machte Patrick noch wütender. „Tu nicht so, als würdest du verstehen, wovon ich spreche. Ich weiß zu schätzen, dass du mich unterstützt. Es ist wichtig, dass du mich nicht im Stich lässt, wenn ich deine Hilfe brauche. Doch du beleidigst jeden, der mir bloß eine Frage stellt. Du tust, als würde man mich angreifen, nur weil der Tonfall deiner Familie etwas rau ist.“
„Denkst du etwa, sie verhalten sich so, weil sie dich testen wollen? Sie machen damit sehr deutlich, wie sie zu meinem Lebensstil stehen. Sie zeigen mir ihre Verärgerung, weil ich offen in einer schwulen Beziehung lebe. Sie versuchen dich zu verjagen, um mich wieder in mein altes Leben zurückkatapultieren zu können.“
Patrick verdrehte die Augen. „Es geht also nur um dich und hat nichts mit mir zu tun?“
„Natürlich!“ Dann merkte Angus, was er da gerade gesagt hatte. „Du weißt, wie ich das gemeint habe.“
„Tue ich das? Irgendwie habe ich trotzdem das Gefühl, alles dreht sich immer nur um dich.“
Angus schlug mit der Faust auf den Tisch. Die Gegenstände darauf erbebten. Eine Vase kippte um und ergoss ihren Inhalt über die teure Holzplatte.
„Das ist nicht wahr! Ich liebe dich. Meine Gedanken kreisen unablässig darum, wie ich dich glücklich machen kann.“
Rasch griff Patrick nach der Vase und stellte sie auf. Aus einer metallenen Dose ragte ein Taschentuchzipfel. Daran zupfte Patrick und begann das Wasser aufzuwischen. Bei dieser Arbeit wich er Angus’ Blick aus.
Angus nahm ihm das Taschentuch weg, das ohnehin schon vollgesogen war. „Du bist mir wichtiger als mein eigenes Glück.“
„Diese Verantwortung kann ich nicht tragen.“
Frustriert knurrte Angus. „Was heißt denn das nun wieder?“
„Du bist auf mich fixiert“, präzisierte Patrick mit ruhiger Stimme. „Allerdings nicht auf die gute Art. Du willst alles tun, um mich bei Laune zu halten. Ich fühle mich, als hättest du mich zu deinem neuesten Lieblingsspielzeug gemacht, das du auf der Spielfläche nach deinem Willen hin und her schieben kannst. Du willst der Held sein. Du willst die Kontrolle haben. Du willst die Fäden in der Hand halten, an denen ich tanze. Weil es in Wahrheit nur darum geht, wie du bei der ganzen Sache wegkommst.“
In den letzten Monaten hatte sich viel in ihm angestaut. Er liebte Angus von ganzem Herzen, und die meiste Zeit war er glücklich an seiner Seite. Doch in Momenten wie diesen, wenn Angus in seine schimmernde Rüstung kletterte und sich aufs Pferd schwang, um ihn zu retten, wurde es ihm einfach zu viel. Angus übertrieb maßlos. Erkannte er das denn nicht selbst?
Angus’ Nasenflügel bebten. „Ist das dein Ernst?“
„Tut mir leid, wenn ich die Fakten so direkt ausspreche. Das zwischen uns kann nur funktionieren, wenn du in mir einen gleichberechtigten Partner siehst. Im Moment behandelst du mich allerdings wie ein kleines Kind.“
„Meine Familie ist der Albtraum!“, tobte Angus. „Sie nehmen mich nicht ernst und zerstören immer alles Gute in meinem Leben. Ich will dich doch nur vor Beleidigungen beschützen.“
„Und ich hätte gerne eine echte Chance, deine Mutter kennenzulernen. Sie gehört zu deinem Leben. Wenn ich ein fester Teil davon sein soll, wäre es nicht schlecht, wenn sie mich nett findet.“
„Das wird niemals passieren.“
Patrick stöhnte. „Nicht, wenn du sie angreifst, sobald sie das Wort an mich richtet.“
„Sie ist der Feind, nicht ich!“
„Im Augenblick bist du die größere Gefahr für unsere Beziehung.“ Patrick wusste, dass er seinen Geliebten damit verletzte. Allerdings wusste er nicht, wie er ihm deutlicher machen konnte, dass sie an einem Scheideweg standen. Er war es leid zu kämpfen, wenn Angus kein Verständnis dafür aufbrachte, was seinen Partner überhaupt störte.
Angus legte seine Hände um Patricks Gesicht. „Ich flehe dich an. Überdenke deine Worte.“
„Das habe ich. Seit einiger Zeit kreisen sie in meinem Kopf. Ich habe überlegt, wie ich sie ausdrücken soll. Daran, dass ich es muss, habe ich leider seit längerem nicht mehr gezweifelt.“
„Willst du unsere Beziehung etwa beenden?“ Panik lag in Angus’ Blick. Aus seiner Stimme war die Verzweiflung zu hören.
Es brach Patrick das Herz. Wie sollte ihn die Angst seines Geliebten unberührt lassen? „Nein“, sagte er bedächtig. „Nein, das habe ich nicht vor. Ich würde dich nur bitten, dir Gedanken über den Eindruck zu machen, den dein Verhalten auf Außenstehende macht.“
Angus schüttelte den Kopf. „Worauf willst du hinaus?“
„Nimm dir in einer ruhigen Minute Zeit, den Verlauf der letzten Tage zu rekapitulieren und schlüpfe dabei in meine Rolle. Stell dir vor, wie es sich für mich angefühlt hat, wenn du mich nicht selbst antworten lassen hast, wenn du mir nicht die Gelegenheit gegeben hast, für mich selbst Partei zu ergreifen. Und dieses Telefonat, das ich vorhin belauscht habe …“
„Alles nur, um dich glücklich zu machen.“
„Dafür bist du nicht verantwortlich“, stellte Patrick klar. „Ich halte es hier nicht länger aus. Ich reise ab. Noch heute.“
„So schnell bekommen wir keinen Flug zurück nach Garbh.“ Angus schien in Gedanken die nächsten Schritte durchzugehen. Offensichtlich hatte er Patrick missverstanden. „Es gibt einige Dinge, die ich zuerst noch erledigen muss. Lass mich unsere Heimkehr in Ruhe vorbereiten. Vielleicht verschieben wir den Aufbruch auf übermorgen. Obwohl das verdammt knapp wird.“
„Du hast alle Zeit der Welt. Ich mache mich allein auf den Weg.“ Patrick drehte sich um und ging zur Tür. „Wir sehen uns dann, wenn deine Aufgaben hier erledigt sind. Das gibt mir die Gelegenheit, mir über ein paar Dinge klar zu werden. Hoffentlich nutzt du die Pause, um dein Verhalten zu überdenken. Es würde uns beiden guttun.“
„Beziehungspause? Bitte Patrick, das kannst du nicht ernst meinen. Es tut mir leid, dass ich dich übervorteilt habe. Ich schwöre, ich werde mich bessern.“
„Wir werden sehen, wenn wir uns in ein paar Wochen treffen.“ Es fiel Patrick nicht leicht, Angus zurückzulassen. Diesen Streit hatte er nicht gewollt. Doch wenn er in dieser Beziehung nicht ersticken wollte, musste er jetzt ein paar Dinge deutlich machen.
„Aber … Wie soll ich …“ Angus’ Stimme wurde in Patricks Rücken immer leiser.
Patricks Kehle war wie zugeschnürt. Hatte er gerade noch danach gehungert, dass sein Verlangen nach Selbstbestimmtheit akzeptiert wurde, so war ihm jetzt speiübel. Ihre Beziehung hatte auf dem Prüfstand gestanden. Sonderlich gute Noten konnte er ihnen beiden nicht ausstellen.
Kapitel 4
Angus starrte ihm nach. Selbst als die Tür ins Schloss fiel, konnte er den Blick nicht abwenden. Alles in ihm war zu Eis gefroren. Patrick gehen zu sehen, als bedeutete es ihm nichts, war das Schlimmste, was er je hatte durchstehen müssen, und an unangenehmen bis schmerzhaften Momenten hatte es in seinem Leben bisher sicher nicht gemangelt.
Das Schlimme war, dass er sein absolut Bestes gegeben hatte, um diesem Augenblick auszuweichen. Er konnte nicht einmal genau sagen, wann es aus dem Ruder gelaufen war.
Ein Stechen in seinem Nacken brachte ihn dazu, sich doch noch zu bewegen. Er musste Patrick nach und ihn überzeugen, dass er schlicht überreagierte. Nach zwei Schritten, die ihn nicht einmal in die Nähe der Tür brachten, stockte er. Oder sollte er Patrick besser Zeit geben, es selbst einzusehen?
Er fuhr sich durch den Schopf, der durch Gel verklebt war. Es ziepte. Angus ließ die Hand sinken, wobei er den gerade erst überstandenen Streit Revue passieren ließ.
Es blieb ihm nur, den Kopf zu schütteln, denn er erkannte sich in den Vorwürfen des Liebsten einfach nicht wieder. Langsam setzte er sich wieder in Bewegung und überdachte seine Position.
Er konnte Patricks Aufregung insoweit nachvollziehen, dass er hinter dessen Rücken mit einem alten Freund über ihn gesprochen hatte. Fein, er war etwas weiter gegangen, als die Bekanntschaft mit seinem liebsten Model bloß zu bestätigen …
Er sollte sich dafür wohl entschuldigen.
Auf halbem Weg holte ihn Miss McDuff ein. „Mylaird!“, rief sie ihm nach. „Mrs McLean lässt ausrichten …“
„Ich habe jetzt keine Zeit für Mrs McLeans Beschwerden, Miss McDuff. Setzen Sie das Essen aus, bis Mr Harris und ich hinzustoßen.“ Er hängte die kleine Frau ab, als er die Stufen hinauf joggte. Lediglich ihr aber verfolgte ihn bis in den Flur im ersten Stock.
Angus wischte sich vor der Tür zu seinen Räumlichkeiten noch die feuchten Hände ab, bevor er eintrat. Patrick befand sich im Schlafzimmer und verstaute seine Kleidung in seinem Calvin Klein Koffer. Er ignorierte Angus, obwohl sein Eintreten bemerkt worden sein musste.
Angus räusperte sich. „Darf ich dir die Angelegenheit erklären?“
„Da gibt es nichts zu erklären, Angus, und ich will nicht weiter streiten.“ Ein Schwung Hemden in Schutzhüllen landete auf dem Bett.
„Ich will auch keinen Streit.“ Und noch weniger, dass er abreiste. Wieder klärte er seine Stimmbänder mit einem Räuspern. „Ich verstehe, dass du dich hintergangen fühlst.“
Der Blick aus Patricks hübschen, braunen Augen war unglaublich schneidend, aber Angus hatte schon dutzende dieser Blicke überstanden. Patrick war schließlich alles andere als ein stetig frohgelaunter Sonnenschein.
„Wir haben darüber gesprochen, dass du deinen Weg allein gehen möchtest, das habe ich nicht vergessen.“
„Du machst es gerade schlimmer, das ist dir hoffentlich bewusst!“, sagte er schroff, wobei er sich wieder dem Packen widmete.
„Ich bin anderer Meinung.“
Patrick stopfte die Schutzhülle in die Ritzen, ohne ihn weiter zu beachten. „Natürlich bist du anderer Meinung, und du weißt es natürlich besser als ich Dummkopf.“
Angus atmete tief ein. „Ich halte dich weder für einen Dummkopf noch für ein unmündiges Kind.“ Er musste sich hart zurücknehmen, um ruhig und aufgeschlossen zu bleiben und nicht ebenfalls zu einem Rundumschlag auszuholen. Warum musste der Geliebte sich auch aufführen … wie ein trotziges Kind?
Angus biss sich auf die Lippe. Besser, er hielt besonders diese Anklage zurück, sonst eskalierte die Situation unter Garantie.
„Ich versuche, mich deinen Vorstellungen entsprechend anzupassen, so schwer es mir auch fällt.“ Besser, beschied Angus, auch wenn sich Patricks angespannte Statur weiterhin mit seiner Wäsche beschäftigte und nicht mit ihm.
„Jetzt bin ich derjenige, der sich nicht kompromissbereit zeigt?“, knirschte der, wobei die Worte beinahe vom Zuschlagen des Hartschalenkoffers verdeckt wurden.
Ein weiteres Räuspern war angebracht. Angus kaufte sich damit Zeit und Gelassenheit. Dieses Thema sollte besser an einem anderen Tag noch einmal aufgegriffen werden. Einem, an dem sein Partner nicht bereits bis unter den Haaransatz dampfte.
„Könnten wir bei diesem einen Punkt bleiben und nicht alles durcheinanderwerfen?“
Patricks Blick durchbohrte Angus’ Herz.
„Ich liebe dich und ich akzeptiere, dass du deinen Stolz wahren möchtest, indem du …“
„Stolz?“, blaffte Patrick. „Es ist doch selbstverständlich, dass man aufgrund seiner Leistung einen Job erhält und nicht, weil man sich den passenden Liebhaber genommen hat!“
Seine Worte waren noch schneidender als seine Blicke. Angus atmete den Schmerz weg, in der Hoffnung, dass sie sich dadurch beide beruhigen konnten.
„Ich möchte mich nicht streiten, Patrick, sondern erklären, wie dieses Telefongespräch zustande kam.“ Angus wischte sich unauffällig die Hände ab.
„Das kann ich mir denken! Sicherlich hast du Kelly Pearson angerufen, die nun ein neues Projekt betreut und …“
„Eben nicht“, unterbrach Angus schnell. Er ging tiefer in den Raum hinein, um Patrick den Weg abzuschneiden. Der hatte seinen Koffer vom Bett gehievt und war bereit, das Zimmer zu verlassen. „Er hat mir eine Nachricht hinterlassen, da er weiß, dass ich auf Garbh schlecht zu erreichen bin. Das Projekt, an dem er arbeitet …“
„Ist mir scheißegal.“
Angus stieß den Atem aus. Er stand hier auf absolut verlorenem Posten und ganz gleich was er sagte, es drang nicht zu seinem Liebsten durch. Und dabei behauptete Patrick stets, er sei stur!
„Du solltest dein Abendessen nicht ausfallen lassen, um möglichst schnell von mir fortzukommen.“ Angus räumte den Weg und deutete zur Tür. „Du kannst die Limousine nehmen. Der nächstgelegene Flughafen ist Edinburgh. Brauchst du …“
Patricks giftiger Blick ließ ihn abbrechen und die Hände heben. „Ich halte jetzt einfach den Mund.“ Es war schwierig, jemanden nicht wie ein Kind zu behandeln, der sich wie eines aufführte.
Patrick stapfte durch den Wohnbereich, dann durch den Flur. Erst als sie im Erdgeschoss angekommen waren, wandte er sich an Angus.
„Ich bin zwar hungrig, bekomme jetzt aber nichts heruntergewürgt. Es ist besser, wenn ich gleich fahre.“
Angus nickte, auch wenn es ihm schwerfiel, diese Entscheidung zu akzeptieren. „Ich werde dich vermissen.“
Patrick nickte. Sein Blick huschte von einer Seite zur anderen und übersprang Angus dabei geflissentlich.
„Ich nehme an, du hast dir ein Taxi gerufen?“
Endlich erhaschte Angus die volle Aufmerksamkeit des Geliebten. „Ich bin in der Lage, mir selbstständig …“
Der Rest ging in Angus’ Seufzen unter.
Patrick presste die Lippen aufeinander. Sein schönes Gesicht wirkte dabei wie aus Stein gemeißelt.
„Ich nehme an, ich frage besser nicht, wohin es dich verschlagen wird, sonst hältst du mir meine Eifersucht wieder vor.“ Angus zuckte die Achseln. „Darf ich dich anrufen oder ist es dann wieder meine Kontrollsucht, die durchschlägt?“
„Ich übertreibe nicht!“, knirschte Patrick siedend. „Hör auf, mich hinzustellen, als …“
„Angus!“ Die klirrende Stimme seiner Mutter ließ ihn zusammenzucken und Patrick gleich mit. Allerdings straffte der sich gleich wieder und nickte Ailis zu.
„Mrs McLean, ich fürchte; ich muss mich verabschieden.“
Wie erwartet ignorierte sie ihn. „Warum lässt du uns warten, um öffentlich deine dreckige Wäsche zu waschen?“
Angus atmete tief ein. Dies war ein rabenschwarzer Tag, und er wusste einfach nicht, wie er ihn noch herumreißen sollte. „Ich verabschiede lediglich meinen Lebenspartner, der unglücklicherweise frühzeitig fortgerufen wurde.“
„Ja. Leider.“ Patrick klang absolut unglaubwürdig und wurde immer noch ignoriert.
„Man kann dich den ganzen Flur entlang hören. Ich werde mich nun zu Tisch begeben, begleite mich.“ Es klang so, wie es gemeint war: als Befehl.
Es klingelte, was lediglich Patrick aus dem Moment riss und in Bewegung setzte.
Ailis verdrehte die Augen, als er die Tür öffnete. „Du bist wie dein Vater, Angus, er konnte seine Finger auch nicht von billigen Flittchen lassen.“ Sie schüttelte mit deutlichem Abscheu in der starren Miene den Kopf, wobei ihr Blick über Patrick glitt, als sei er lediglich die Hinterlassenschaft eines räudigen Köters.
Angus musste die Zähne fest aufeinanderbeißen, um sich im Zaum zu halten. Zu gerne hätte er sie niedergebrüllt, denn ihre Worte waren selbst in der riesigen Eingangshalle bis in den letzten Winkel zu hören gewesen. Patrick sah ihn an, das konnte er spüren, nur wusste Angus nicht, wie er für den Geliebten passend reagieren sollte. Dieser bösen Beleidigung musste er doch vehement begegnen. Er musste seine Mutter doch in die Schranken weisen, dann jedoch war es Patricks Argumentation zufolge nicht an ihm, dessen Ansehen zu verteidigen.
„Glaube mir, das Beste, was dir passieren kann, ist, dass er dorthin verschwindet, wo er hergekommen ist. Diese Menschen …“
Angus drehte sich, um den Blick des Geliebten aufzufangen. „Wirst du irgendetwas sagen?“
„Auf Wiedersehen, Mrs McLean. Angus, entschuldige mich bitte bei deiner Großmutter und deinem Cousin.“
Angus entwich der Atem. Alles an Patrick sprach von seinem Ärger, auch wenn er völlig gleichgültig klang. Ein kalter Schauer wusch über seinen Rücken und ein Eisenring legte sich fest um seine Brust. Der Name kam nur als ein tonloses Wispern über seine Lippen, als Patrick sich abwandte und durch die Haustür trat, die er dann hinter sich zuzog. Angus explodierte.
„Daingead, Mutter! Ist dir in den Sinn gekommen, dass ich diesen Mann lieben könnte? Dass er kein Zeitvertreib für mich ist, sondern die Person, die ich in guten sowie schlechten Tagen an meiner Seite sehen möchte, ganz gleich was uns trennt oder verbindet?“ Er schnaufte, die Hände geballt und an der Seite haltend, um sie nicht um den schlanken Hals der Mutter zu legen und womöglich mit aller Kraft zuzudrücken.
Ailis lachte auf. Es war ein glockenheller Laut, der zu überrascht klang, um gestellt zu sein. Sie legte ihm sogar die Hand auf den Oberarm. „Ach Angus, ich habe es schon zu Meave gesagt: Männer geraten auf Abwege, aber sie finden stets auch zurück.“
Er trat zurück, legte all seine Überzeugungskraft in seine Mimik. „Das ist genau der Punkt, Mutter, den du nicht verstehen willst. Ich befinde mich auf keinem Abweg! Ich bin schwul! Ich liebe Patrick, und ich gebe eher die Firma und dieses Drecksloch hier und jede verfluchte Person in meinem Stammbaum auf als ihn!“ Er ließ sie stehen, stürmte blind einfach davon, um sich in irgendeinem nie genutzten Raum zu verstecken. Er riss an der Klinke und schleuderte die Tür hinter sich zu. Der Knall sperrte ihn wirkungsvoller ein, als es jede Steinmauer konnte.
Angus rieb sich unauffällig die Schläfe. Sein Schädel drohte zu platzen, schließlich hatte er die letzte Nacht trinkend zugebracht, um sich über die Aussicht hinwegzutrösten, Patrick für immer verloren zu haben. Es hatte nicht einmal geholfen und ihn lediglich in Schwierigkeiten gebracht, war seine Fahne doch jedem direkt aufgefallen. Schön, womöglich war es nicht seinem Mundgeruch geschuldet, sondern seinen blutunterlaufenden Augen und seiner zerknitterten Kleidung, aber er hatte eben seinen Rausch ausschlafen müssen und war demnach zu spät zur Besprechung erschienen, die ungewöhnlicherweise auf Highcomb stattfand und nicht in den eigentlichen Firmensitzen.
Ailis maß ihn mit unzufriedenen Blicken, Cornish mit höhnischen und der extra angereiste Vorstand, bestehend aus den drei CEOs der drei Branchen seiner Unternehmenskette, mit deutlicher Irritation.
„Wir müssen das Label abstoßen“, beschied seine Mutter fest, was direkt Widerwillen in ihm auslöste, auch wenn er der Ausführung des vorläufigen Geschäftsberichtes nicht gefolgt war.
„Werden wir nicht“, widersprach er, wobei seine krächzende Stimme sicherlich nicht zu verstehen war.
Ethan McTiernan räusperte sich, wobei er Ailis einen Blick zuwarf, der um Unterstützung bat. „Mr McLean, wie ich bereits ausführlich darlegte …“
„Sind Sie ein stümperhafter Geschäftsführer ohne Sinn oder Verständnis für das Produkt. Ja, soweit konnte ich mühelos folgen!“ Sein Bellen kratzte in seinem Hals und ließ ihn weiter husten. Aus dem Nichts tauchte ein Glas Wasser neben ihm auf, aus dem er schnell einige Schlucke nahm, um den Reiz zu lindern. „Tabadh leibh.“
„Angus, du bist voreingenommen“, mahnte seine Mutter streng. „Uns ist bewusst, wie sehr dir die Sparte am Herzen liegt, aber es ist offensichtlich, dass du dich damit übernommen hast.“ Ailis seufzte gestellt und faltete die langen, schmalen Finger vor sich auf dem Tisch. „Noch lässt sich das Kerngeschäft abstoßen und die Einbußen überschaubar halten.“
Angus bedachte sie mit einem Blick, der töten sollte. „Mir ist bewusst, wie gern du mir mein Spielzeug wegnimmst, Mutter, aber eine Firma hat keinen eigenen Willen und verschwindet von selbst!“ Wie Patrick, weil er einfach alles in den falschen Hals bekam. Angus räusperte sich, wobei er die Lider senkte und sich mit beiden Händen fest über das Gesicht rieb. „Geben Sie mir die verdammten Berichte, ich werde sie prüfen.“ Und dann entscheiden, wie mit seinem Modelabel zu verfahren wäre. Eine zweite Schicht Eis legte sich um sein Herz. Sollte er tatsächlich alles verlieren, was ihm wichtig war?
McTiernan zögerte, was Angus aufblicken ließ. Dadurch bekam er die stumme Kommunikation mit Ailis mit. Es war sicherlich nicht das erste Mal, dass sie sich ansahen und mehr zu sagen schienen, als in ihren Worten Platz fand, aber nun erst sickerte eine mögliche Bedeutung zu ihm durch.
Er versteifte sich und ballte die Fäuste. Ein Komplott? Ailis hatte nie ein gutes Haar an McFarran gelassen, weder an dem Designer an sich noch an dessen Modelinie. Hatte sie womöglich ihre Finger im Spiel? Er beschloss, es nicht bloß bei der Prüfung der Unterlagen zu belassen, sondern sich intensiver mit den realen Hintergründen zu beschäftigen.
„Mr McTiernan, die Unterlagen.“
Der Geschäftsführer rieb die Hände aneinander. „Ich schicke sie Ihnen.“
„Ich möchte sie sofort haben.“ Angus befeuchtete sich die Kehle, indem er das Glas leerte. „Und wir unterbrechen hier, bis ich einen Überblick habe.“ Um den zu erwartenden Widerspruch abzuwürgen, stand er auf. „Geben Sie mir die Unterlagen.“
McTiernan schob ihm seinen Ordner zu, der niemals alle Daten beinhalten konnte, aber trotzdem ein guter Ausgangspunkt war, um sich einzuarbeiten.
„Angus, die Herrschaften sind aus London und Edinburgh angereist, um …“ Natürlich riss Ailis das Wort an sich. Er umrundete dennoch den Tisch und blieb neben der Mutter stehen, die zumindest die Güte hatte, zu ihm aufzublicken. Sie hob ihre schmalen, geschwungenen Brauen. „… schnelle Anweisungen zu bekommen und nicht, um vertröstet zu werden.“
„Das mag so sein, aber ich werde keine Entscheidung treffen, ohne sie zu überdenken.“ Er legte so viel Entschlusskraft in seine Stimme, wie es ihm im Anbetracht seiner Verfassung möglich war. „Habe ich mich klar ausgedrückt, Ailis?“
Sie lächelte nachsichtig. „Ach mein Lieber“, flötete sie, wobei sie auf die Füße kam und die Hand nach ihm ausstreckte. Ihre Fingerspitzen strichen über seine Wange in Andeutung einer zärtlichen Geste, jedoch fühlte es sich ganz und gar nicht danach an. Für ihn war es eine Brandmarkung, denn es diente lediglich dem Zweck, allen im Raum zu zeigen, welche Stellung er einnahm. Angus fing ihre Finger auf und schob sie leicht von sich.
„Die Sitzung wird unterbrochen.“ Angus ließ sie stehen.
„Meine Herren, entschuldigen Sie meinen Sohn, er hat eine schwere Trennung hinter sich.“ Sie klang deutlich zu fröhlich. „Ich sorge dafür, dass die richtige Entscheidung getroffen wird.“
Obwohl Angus einen Vorsprung hatte, holte Ailis ihn mühelos ein.
„Angus!“, herrschte sie ihn an. „Du bist eine Schande!“
„Es ist eine Schande, wie ich hier behandelt werde, Mutter!“ Er konfrontierte sie mitten im Gang. „Ich bin kein Kind mehr, sondern der Herr im Haus! Daingead! Ich lasse mich von dir nicht mehr bevormunden. Ich treffe die Entscheidungen. Geschäftlich, privat, ganz gleich worum es sich handelt, es steht mir zu. Sollte ich deinen Rat wollen, frage ich, ansonsten halte dich raus. Ich werde mich nun mit New Horizon Enterprises und der Frage beschäftigen, warum das Unternehmen nicht meinen Prognosen entspricht.“
Ailis hatte bei seinem Ausbruch lediglich die Augen verengt, nun legte sie zudem den Kopf schräg und faltete die Hände vor dem Bauch. „Du möchtest wichtige Entscheidungen treffen? Wie? Du bist nicht in der Lage, irgendeinen Aspekt deines Lebens mit dem nötigen Abstand zu betrachten. New Horizon Enterprises ist dafür der beste Beweis. Du hast eine Passion zu einem Geschäft gemacht und erwartest, dass es Profit abwirft!“ Sie schüttelte sacht den Kopf. „Das ist ein Kardinalfehler, mein Lieber!“
War das tatsächlich eine Lektion, die er zu lernen hatte? Dass man Herz und Geschäft trennen musste?
Kapitel 5
Patrick ließ sich auf den Sitz fallen und zog die Kappe tiefer in die Stirn, bevor er die Sonnenbrille abnahm. Die Reise war bis jetzt die reinste Hölle gewesen. Nein, bestimmt war es einfacher dort zu landen als in New York. Er hatte drei Stunden gebraucht, um nach Edinburgh zu kommen. Dort hatte er bei seinem Glück knapp einen Flug verpasst. Einen weiteren hatte es nicht mehr gegeben, weshalb er in Edinburgh hatte übernachten müssen.
Auch wenn er jetzt endlich in einem Flugzeug Richtung Heimat saß, stand ihm noch einiges bevor. Fünfunddreißig Stunden waren für den Flug angesetzt. Auf die Zwischenlandung in Istanbul freute er sich nicht. Warum war Angus nur im Nirgendwo aufgewachsen?
Es dauerte nicht lange, bis die Stewardess neben ihm stehen blieb und auf ihn herunterlächelte. Am Ausdruck in ihren Augen konnte er erkennen, dass sie genau wusste, wenn sie vor sich hatte.
„Ich wünsche Ihnen einen guten Flug. Sollten Sie irgendetwas benötigen, wenden Sie sich gerne an mich. Ich stehe ganz zu Ihrer Verfügung.
Er nickte. „Vielen Dank. Ich bin hier ganz zufrieden.“ Als die Stewardess sich um den nächsten Fluggast kümmerte, atmete er erleichtert auf.
„Wusste ich es doch!“, jubelte die Frau auf dem Sitz neben ihm. „Schon als Sie eingestiegen sind, kamen Sie mir sofort bekannt vor. Sie sind Patrick …“
„Pst!“, zischte er. Am liebsten hätte er ihr den Mund zugehalten. Beunruhigt sah er sich nach allen Seiten um. Doch die anderen Gäste der ersten Klasse ignorierten den Aufruhr geflissentlich.
Seine Schultern verkrampften sich dennoch. Die Anspannung, die sich seit dem Streit mit Angus in seinem Nacken festgesetzt hatte, verursachte ihm Kopfschmerzen. Jetzt auch noch von einem anstrengenden Fan erkannt zu werden, war das Letzte, was er gebrauchen konnte.
„Können wir so tun, als wüssten Sie nicht, wer ich bin?“
„Unmöglich.“ Die Frau lachte auf. „Es freut mich unglaublich, Sie persönlich zu treffen. Tatsächlich habe ich Ihnen bereits vor ein paar Wochen einen Fanbrief geschrieben. Bestimmt ist er auf dem Postweg verloren gegangen, sonst hätten Sie mit Sicherheit geantwortet.“ Sie zwinkerte ihm zu.
Sein Ärger schrumpfte. Dennoch hoffte er, dass sie ihre Worte nicht ernst meinte. Sie mochte ungefähr in seinem Alter sein. Noch vor einem Jahr hätte er die Gelegenheit genutzt, mit diesem attraktiven Wesen zu flirten. Jetzt allerdings wollte er lediglich schweigend in seinem Selbstmitleid baden.
„Tut mir leid“, sagte er. „Ich habe keine Autogrammkarte bei mir. Wenn Sie mir Ihre Adresse geben, schicke ich Ihnen aber gerne eine zu.“
„Sehr freundlich. Erlauben Sie mir, ein Selfie mit Ihnen zu machen? Außerdem darf ich die nächsten Stunden Ihre Gesellschaft genießen. Das ist die größte Ehre.“
Innerlich verdrehte er die Augen, obwohl er ein Lächeln schaffte, den Kopf zu ihr lehnte und für das gewünschte Foto posierte.
Die Frau bedankte sich. Während sie ihr Handy wieder wegsteckte, wanderte ihr Blick immer wieder zu ihm. Schließlich schüttelte sie den Kopf. „Meine Eltern haben ihre Flugmeilen zusammengelegt, damit ich erster Klasse fliegen kann. Wenn ich Ihnen erzähle, dass ich Dank ihnen mein Idol treffen konnte, werden sie mir nicht glauben. Was für ein Zufall!“
„Was für ein Glück“, brummte er sarkastisch.
„Eigentlich gehöre ich noch gar nicht so lange zu Ihren Fans. Ich bin auf Sie aufmerksam geworden, als Sie sich öffentlich geoutet haben.“
So ein Fan also. „Bitte versuchen Sie mich jetzt nicht zu verführen“, bat er. „Ich weiß, dass Frauen es als Herausforderung empfinden, mich von meiner neuen sexuellen Orientierung abbringen zu wollen. Heute habe ich jedoch keinen Nerv, Ihnen höflich zu erklären, dass ich kein Interesse habe.“
Die Frau lachte wieder. Mochte sie auch nervig sein, das Geräusch machte sie sympathisch. „Würde ich mich an Sie ranschmeißen, wäre meine Frau schrecklich enttäuscht.“
Erleichterung durchflutete ihn. „Sind Sie schon lange verheiratet?“
„Zwei Jahre. Ich würde sagen, wir stehen noch ganz am Anfang.“
„In meinen Augen eine lange Zeit. Dann haben Sie sich wohl bereits aneinander gewöhnt“, murmelte er.
„So könnte man es sagen. Es war jedoch schwieriger, sich an die dämlichen Kommentare von Fremden und Bekannten zu gewöhnen. Für Sie als Mann muss es noch schlimmer sein. Die meisten Kerle finden es sexy, wenn zwei Frauen sich küssen. Bei zwei Männern reagieren viele gleich homophob aus Angst, für schwul gehalten zu werden. Die weibliche Weltbevölkerung ist viel offener und toleranter. Die Herren der Schöpfung aber …“
„… wollen nur nicht zu weich wirken“, setzte er fort. „Gerade in der Modewelt darf man sich nicht zu sehr für Trends interessieren, ohne gleich einen Stempel aufgedrückt zu bekommen. Als würde es für unseren Job irgendeinen Unterschied machen, wen wir lieben.“
„Sage ich doch. Ich beneide Sie nicht darum, ein Mann zu sein. Dass Sie so offen mit Ihrer neuen Beziehung umgegangen sind, hat ein wichtiges Zeichen gesetzt. Immer, wenn sich eine Berühmtheit outet, fällt es jungen Leuten leichter, zu sich selbst zu stehen.“
Von diesem Blickwinkel aus hatte er die Sache noch nicht betrachtet. „Dennoch überrascht es mich, wie feindselig mir von mancher Seite begegnet wird. Ich bin immer noch der gleiche Mensch, aber man behandelt mich ganz anders.“
Sie nickte. „Eine Erfahrung, die Sie mit vielen aus der Community teilen.“
Plötzlich stockte er. „Sie sind aber keine Journalistin, oder? Ich lese das, was ich Ihnen anvertraue, nicht plötzlich in der Presse?“
Statt sich von seiner Unterstellung beleidigt zu fühlen, zog sie ihre Papiere und ihr Handy hervor.
Das Herz rutschte ihm in die Hose. Er rechnete damit, dass sie ihm gleich ihren Presseausweis unter die Nase halten würde. Doch sie deutete lediglich auf ihren Namen in ihrem Reisepass und öffnete dann ihre Facebookseite.
„Keine Presse“, versprach Elisabeth und zeigte ihm die Stelle ihres Profils, an der sie als Arbeitsplatz eine Anwaltskanzlei eingetragen hatte. Auch in ihrem Feed deutete nichts darauf hin, dass sie sich sonderlich für Klatsch und Tratsch interessierte.
Fasziniert betrachtete er die Fotos, die die Fremde mit einer anderen Frau zeigten. Die beiden lächelten Hand in Hand in die Kamera, umarmten sich, küssten sich, waren eindeutig bis in die Zehenspitzen verliebt. Wie es wohl wäre, wenn er so frei zu seiner Liebe stehen könnte? Ob er jemals in der Lage wäre, so unbeschwert mit Angus für Fotos zu posieren?
Sie scrollte zu einem Foto und öffnete die Kommentarsektion. Auf dem Bild war sie wieder mit ihrer Ehefrau zu sehen. Die beiden standen unter einem Rosenbogen und küssten sich. Wenn er die eleganten, weißen Kleider der zwei Frauen und die Blumendekoration richtig interpretierte, handelte es sich um ihren Hochzeitstag.
Die meisten Leute gratulierten ihnen darunter zu dem wunderschönen Setting, dem wichtigen Moment, der deutlich erkennbaren Liebe zwischen ihnen. Andere hingegen wurden ausfallend. Entsetzt registrierte er, dass manche Kommentare das Paar sogar beleidigten.
„Warum haben Sie das nicht gelöscht?“, fragte er mit enger Kehle.
„Weil es mich daran erinnert, die Möglichkeit nicht für selbstverständlich zu sehen, meine Traumfrau zu heiraten. Wir sehen uns vielleicht Unverständnis und Hass gegenüber. Doch immerhin werden wir nicht verfolgt, weil wir unserem Herzen folgen.“
Trotzdem überraschte es ihn, dass sie ihre Verletzlichkeit so offen zeigte. Sie versuchte nicht krampfhaft, das Bild eines perfekten, glücklichen Lebens zu vermitteln. Es war deutlich zu sehen, dass ihre Frau und Elisabeth ein tolles Paar abgaben. Dass es Menschen gab, die das anders sahen, versteckte sie allerdings nicht. Sie zeigte ihre Kampfwunden voller Stolz.
Er hatte gedacht, er müsse auch weiterhin darauf achten, nach außen hin den Eindruck des makellosen Models ohne Sorgen und Probleme zu erwecken. Es war ihm wichtiger gewesen, die Spitzen von Angus’ Mutter zu ertragen und irgendwie ihr Wohlwollen zu erwecken, als sein Missfallen deutlich auszudrücken. Obwohl klar geworden war, dass sie ihn niemals würde leiden können, hatte er versucht, freundlich und unbeeindruckt zu bleiben. In seinen Augen hatte Angus’ Reaktion an dem Bild gekratzt, dass er abgeben wollte. Doch was, wenn das verlorene Liebesmühe war?
Seit er sich geoutet hatte, war ihm von allen Seiten Gegenwind entgegengeweht. Er hatte gehofft, das würde aufhören, wenn er standhaft blieb und Stärke zeigte. In seiner Vorstellung hätte es ihn in der Öffentlichkeit schwach wirken lassen, wenn er sich zu diesen Anfeindungen geäußert hätte. Was, wenn er dabei falsch gelegen hatte?
„Wie haben Ihre Eltern reagiert, als Sie ihnen das erste Mal eine Frau als Partnerin vorgestellt haben?“, fragte er. „Entschuldigung, falls Sie nicht antworten möchten, kann ich das verstehen.“
Elisabeths Lächeln verblüffte ihn immer wieder. Diese Frau schien nichts zu erschüttern. Ihre positive Ausstrahlung ließ Patrick sogar beinahe seinen Ärger über Angus’ Verhalten vergessen.
„Kein Problem. Meine Eltern haben bereits geahnt, dass ich mich zu Frauen hingezogen fühle. Sie sind großartig damit umgegangen. Miriam hatte es nicht so leicht. Ihre Familie war bei unserer Hochzeit nicht anwesend. Sie leugnen ihre Existenz, seit sie wissen, dass Miriam nichts mit Männern anfangen kann.“
„Beeinflusst das Ihre Beziehung nicht?“
„Am Anfang habe ich versucht, zwischen Miriam und ihren Eltern zu vermitteln. Es schien mir unverständlich, dass man sein Kind verstoßen könnte, weil es sein Leben anders gestaltet, als man es sich vorgestellt hat. Doch inzwischen halten wir uns von ihnen fern. Das ist etwas, das man möglichst schnell lernen sollte. Halten Sie sich von negativen Einflüssen fern. Lassen Sie nicht zu, dass man Ihnen kaputt macht, was Sie mit Glück erfüllt. Wenn Sie etwas oder jemanden lieben, dann müssen Sie darum kämpfen. Leute, die nicht in der Lage sind, uns so zu lieben, wie wir sind, haben uns nicht verdient.“
Er wünschte, es wäre so einfach, seinen Verstand davon zu überzeugen. „Danke für die offenen Worte.“
„Nein, ich danke Ihnen, dass Sie ihre Beziehung zu einem Mann nicht versteckt haben, dass Sie das nicht geleugnet haben. Das hätte die völlig falschen Signale gesetzt. Seien Sie stolz auf das, was Sie getan haben. Und der Rest der Welt kann Ihnen den Buckel runterrutschen.“
„Könnten Sie das dem Rest der Welt mitteilen, Elisabeth?“, fragte er.
„Keine Sorge. Das schaffen Sie auch ganz allein. Das Wichtigste ist, nicht über das beleidigende Verhalten von Ignoranten hinwegzusehen. Wir lernen von Anfang an, unsere Feinde nicht noch zu provozieren. Doch je weniger Gegenwind Hater erhalten, desto sicherer fühlen sie sich. Wir alle sind verantwortlich dafür, die Welt zu einem Ort zu machen, an dem wir alle glücklich sein können. Es spielt keine Rolle, wie wir unser Leben gestalten, solange wir andere dadurch nicht verletzen. Wir haben das Recht, uns für unser Lebenskonzept einzusetzen. Denn würde ich ignorieren, wenn man meine Frau beleidigt, ohne für sie einzutreten, wäre ich genauso schlimm wie die Leute, die uns angreifen. Ich habe meine Meinung auch unter unserem Hochzeitsbild vertreten und die Worte stehen lassen, um ein Signal für andere zu setzen. Wer sich mit mir anlegt, muss mit Gegenwind rechnen.“
„Ich bewundere Sie“, gestand er.
Das brachte sie wieder zum Lachen. Sie zwinkerte ihm zu. „Erzählen Sie mir mehr. Zum Glück haben wir den Rest des Fluges, damit Sie mir wundervolle Komplimente machen können.“
Es war still in seiner Wohnung. So still, dass er es irgendwann nicht mehr ertrug. Gegen Mittag kroch er aus seinem Bett und machte sich einen Kaffee, damit sein Verstand wieder in Schwung kam.
Er hatte einen ganzen Tag Auszeit gebraucht, bevor er das Bedürfnis verspürte, mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen. Davor hatte er sein Handy ausgeschaltet und sich ganz in seinen Gedanken verloren. Das, was die Fremde auf dem Flug zu ihm gesagt hatte, ließ ihn nicht mehr los. Ein Vorbild zu sein, war niemals seine Absicht gewesen. Tatsächlich setzte es ihn unter Druck, jetzt noch mehr von der Presse verfolgt zu werden. Dennoch verstand er, worauf sie hinaus wollte. Und er war bereit anzuerkennen, dass Angus’ richtig gehandelt hatte, als er ihn vor seiner Familie verteidigt hatte. Ungerechtigkeiten zu ignorieren, machte sie nicht ungeschehen.
Angus konnte nichts dafür, dass die Situation für Patrick so schwierig war. Möglicherweise sollte er sich einfach nur auf sein Herz verlassen. Es hatte einen Grund, weshalb Angus sich hatte hineinschleichen können. Und Patrick liebte den Schotten immer noch. Irgendwie musste er lernen, seinem Stolz nicht die Kontrolle über seine Taten zu überlassen. Er reagierte nicht, wie er es in der Nähe von anderen Menschen tat. Angus und Patrick waren beide starke Charaktere. Sie würden sich beide ein wenig zurücknehmen müssen, um eine Möglichkeit zu finden, sich nicht unnötig zu verletzen. Irgendwann musste Patrick sich für seine harten Worte entschuldigen. Vor drei Tagen hatte er Highcomb verlassen. Je länger er wartete, umso schwieriger würde es werden, die Verletzungen auf beiden Seiten zu heilen. Doch zuerst musste Patrick darüber hinwegkommen, dass Angus sich erneut in seine Karriere eingemischt hatte.
Als er das Handy anmachte, wollten die Benachrichtigungen gar nicht mehr abreißen. Angus hatte fünfmal angerufen und zwölf Textnachrichten hinterlassen. Die ignorierte Patrick erst einmal. Ein Anruf war wichtiger, bevor er sich mit der Besorgnis seines Liebhabers auseinandersetzte.
Er wählte Neils Nummer und ging zum Fenster, um nach draußen zu sehen, während er auf seinen Agenten wartete.
„Hallo, Patrick“, meldete Neil sich nach dem zehnten Klingeln. „Wie läuft die Familienzusammenführung?“
„Themenwechsel.“ Patrick räusperte sich. „Hast du einen Auftrag, den ich spontan übernehmen soll? Ich bin wieder in New York.“
„So schlimm, ja? Mach dir nichts draus. Dann ist seine Spießermutter eben kein Fan von dir. Sie wird sich schon irgendwann daran gewöhnen, dich an der Seite ihres Sohnes zu sehen.“
Er brummte nur. „Hast du jetzt etwas für mich zu tun, oder nicht?“ Gott, er hoffte, Neil würde ihm Ablenkung bieten können.
„Tut mir leid. Ich habe nicht damit gerechnet, dass du tatsächlich so schnell zurückkommen würdest. Im Moment habe ich nichts Passendes auf dem Tisch, aber ich höre mich für dich um. Übrigens gibt es da noch etwas, das ich dir unbedingt erzählen wollte.“
„Hast du wieder eine neue Freundin?“
Neil lachte auf. „Natürlich, darum geht es allerdings bei meinen wichtigen Neuigkeiten nicht. Ich habe vor ein paar Tagen von einem geplanten Film gehört, der bis nächstes Jahr abgedreht werden soll. Eine der Hauptrollen wäre perfekt für deinen Einstieg in die Schauspielwelt.“
Die Erinnerung an den Streit mit Angus drückte Patricks Herz zusammen. „Ich weiß nicht, ob ich bereit bin, diesen Schritt schon zu gehen.“
„Was redest du denn da für einen Blödsinn? Neulich hast du mir noch in den Ohren gelegen, dass ich dir unbedingt eine Rolle in einem Film verschaffen soll. Du hast verlangt, dass es am besten gleich ein Hollywood-Blockbuster sein sollte. Wenn ich daran denke, wie sehr du mich damit genervt hast …“
„Man kann seine Meinung doch wieder ändern“, unterbrach Patrick.
„Zu spät. Ich habe bereits alles in die Wege geleitet, damit du deine Traumrolle ergatterst.“
Jetzt verspürte er doch einen Anflug von Aufregung. „Meine Traumrolle?“
„Zumindest könnte sie das werden. Roberto Pourtoi plant einen Film über einen erfolglosen Schauspieler, der auf seinen Durchbruch hofft. Dieser Marcus Lovett erhält die Möglichkeit, in einem Independent Film mitzuwirken, in dem er einen schwulen Cowboy spielen soll. Eigentlich steht er ja auf Frauen, aber während der Dreharbeiten kommen sein Filmpartner und er sich näher. Mit jedem Filmkuss wird deutlicher, dass Marcus sich tatsächlich zu dem anderen Cowboy hingezogen fühlt. Zuerst reagiert er total panisch, bevor ihm klar wird, dass das zwischen ihnen mehr als ein Flirt ist.“
„Wie das Leben halt so spielt“, warf Patrick ein und fühlte sich in die Zeit zurückversetzt, in der seine Liebe zu Angus gewachsen war.
„Genau. Es ist, als wäre dieser Film wie für dich gemacht. Klar gibt es auch ein paar Unterschiede. Der andere Schauspieler hat eine kriminelle Vergangenheit. Marcus wird deshalb entführt und muss einiges durchleiden. Dann gibt es noch eine Frau, die er in jungen Jahren betrunken geheiratet hat, und die jetzt, wo er berühmt wird, plötzlich wieder auf der Matte steht. Dennoch habe ich das Gefühl, als gäbe es niemanden, der die Rolle so überzeugend spielen könnte wie du.“
„Tatsächlich klingt der Film interessant“, gab Patrick zu. „Denkst du, ich habe Chancen, die Rolle zu bekommen?“
Neil schnaufte. „Es gestaltet sich schwieriger als gedacht. Ich habe deine Unterlagen sofort eingereicht, als ich von dem Film gehört habe. Leider hat dieser Roberto Pourtoi keine Ahnung, wer du bist.“
Patrick lachte auf. „Das könnte durchaus von Vorteil sein.“
„Eigentlich nicht. Deine Geschichte mit Angus ist genau das, was dich für die Rolle von Marcus prädestiniert. Als Fotomodel bist du gefragt. Das allein reicht allerdings nicht, um dich für einen Regisseur interessant zu machen.“
„Na, du bist ja geschickt darin, mich aufzumuntern“, beschwerte sich Patrick. Angus würde an dieser Stelle nichts unversucht lassen, um Patrick davon zu überzeugen, dass es ihm gelingen würde, die Rolle zu ergattern. Der sture Schotte würde nicht lockerlassen, bis Patrick fest daran glaubte.
Gott, wie sehr er Angus vermisste. Noch während Neil von diesem Filmprojekt erzählte, wollte Patrick seinem Freund davon berichten. Angus war ein fester Bestandteil seines Lebens geworden. Er wollte seine Erfolge mit ihm feiern und seine Chancen von allen Seiten beleuchten. Möglicherweise sollte er diesen Streit gleich beenden. Wenn Angus ihm versprach, sich niemals wieder in seine beruflichen Angelegenheiten einzumischen, würden sie eine Möglichkeit finden, sich nicht mehr aneinander aufzureiben.
Patrick konnte in seinem Spiegelbild vor der Kulisse von New York erkennen, dass sich ein Lächeln auf seine Lippen geschoben hatte. Irgendwie war es ja auch niedlich, dass Angus sich so viele Gedanken um Patrick machte, dass er ihn vor seiner Familie verteidigte, dass er das Glück seines Geliebten über sein eigenes stellte. Hatte er sich jemals dafür bedankt?
„Du hast also Interesse daran, Marcus zu spielen?“, fragte Neil und klang dabei seltsam lauernd.
„Unbedingt.“
„Schön, das hatte ich im Gefühl. Dann bist du bestimmt nicht sauer, weil ich versucht habe, deinem Glück ein wenig nachzuhelfen.“
„Wovon sprichst du?“ Patrick verspürte ein unangenehmes Kribbeln in seinem Magen.
„Ich habe ein wenig über diesen Roberto Pourtoi recherchiert und herausgefunden, dass ihr beide einen gemeinsamen Bekannten habt. Das musste ich ausnutzen und in einem Telefonat mit dem Regisseur fallenlassen.“
Das Kribbeln wurde zu einem harten Knoten. „Nein!“
„Doch. Vor drei Tagen habe ich Mr Pourtoi erzählt, dass McLean und du ein Paar seid. Er hatte tatsächlich noch nichts davon in der Klatschpresse gelesen. Scheint sich ganz von Gossip fernzuhalten. Mir ist sowas mehr als suspekt, aber er hält es wohl für eine Tugend, um unbeeinflusst großartige Filme machen zu können …“
Nein. Nein. Nein! Er war nicht in der Lage, Neils sinnlosem Geplapper zu folgen. „Warum hast du mir nicht vor deinem Anruf bei dem Regisseur von dem Plan erzählt?“, unterbrach er. „Warum hast du mich nicht um Erlaubnis gefragt, bevor du mich dieser Peinlichkeit ausgesetzt hast?“
Zwei Sekunden schwieg Neil perplex. „Ich hab nicht geahnt, dass du das so sehen würdest.“
„Seit ich öffentlich gestanden habe, dass Angus und ich ein Paar sind, kämpfe ich dagegen an, nur noch als sein Anhängsel gesehen zu werden. Ich versuche, meinen Weg selbst zu gehen. Von Angus’ Geld und Ruhm wollte ich niemals profitieren. Dass die Presse immer wieder behauptet, ich hätte es ohne Angus nicht in die Riege der Topmodels geschafft, ist absoluter Blödsinn. Schließlich war ich gefragt, bevor ich ihn überhaupt getroffen habe. Jeder sieht in mir nur ein hübsches Aushängeschild, das sich ein Millionär für sein Ego besorgt hat. Als wäre ich eins dieser jungen Püppchen, die sich reiche Kerle zur dritten Ehefrau nehmen.“
„Vergiss, was die Presse schreibt. Wir wissen es besser. Und das ist alles, was zählt.“
„Leider nicht. In den Köpfen der Menschen bin ich bereits als Schmarotzer abgestempelt. Wenn du mich über deinen dämlichen Plan informiert hättest, wäre ich sauer geworden und hätte dir niemals erlaubt, die Angus-Karte für meinen Erfolg zu ziehen.“
„Sicher?“, fragte Neil nach.
Patrick knurrte leise. „Natürlich. Wie soll ich jetzt wissen, ob Pourtoi mich angefordert hat, weil er mich als geeignet für diese Rolle sieht? Wie soll ich jetzt vergessen, dass ich meine Chance auf diesen Film vielleicht nur meiner Verbindung zu Angus verdanke?“
„Wenn du Marcus überzeugend spielst, wird sich niemand darüber Gedanken machen, wieso du zum Casting eingeladen worden bist.“
„Das ist ja nicht mal das Schlimmste.“ Ihm wurde bei der Erinnerung an seinen Streit mit Angus ganz übel. „Dieser Pourtoi hat Angus bereits kontaktiert. Ich habe das Gespräch mitangehört und angenommen, mein Freund hätte unser Abkommen, sich aus meiner Karriere rauszuhalten, gebrochen. Wir hatten eine lautstarke Auseinandersetzung deswegen. Vor Angus’ ohnehin schon pikierter Familie. Was für ein Albtraum!“
Weshalb hatte Angus Patrick nicht gesagt, dass er unschuldig war? Wieso hatte er das Missverständnis nicht aufgeklärt? Vermutlich wäre die Frustration in Patrick dann nicht so stark hochgekocht, dass er sofort abgereist war. Die Beziehung zwischen Angus und Patrick könnte noch in Ordnung sein!
Ohne Neil die Gelegenheit zu geben, zu einer Erklärung anzusetzen, ergriff Patrick noch einmal das Wort. „Vergiss es einfach. Wenn ich die Gelegenheit für dieses Casting erhalte, werde ich es tun. Sollte ich allerdings noch einmal mitbekommen, dass du meinen Freund dazu benutzt, mir einen Job zu verschaffen, beende ich unsere Zusammenarbeit. Und jetzt entschuldige mich. Ich muss ein Missverständnis klären.“
Er legte auf, las Angus’ Nachrichten und hörte sich die Sprachnachrichten an. Die Stimme seines Geliebten zu hören, in der Anspannung, Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit mitschwang, schnitt ihm ins Herz. Obwohl Angus nichts falsch gemacht hatte, wie Patrick jetzt wusste, hatte er sich nicht in Vorwürfen ergangen oder versucht, sich zu erklären. Keine Ahnung, ob Patrick ihm geglaubt hätte. Doch er rechnete Angus hoch an, dass er ihn nicht bedrängte. Es war gemein von Patrick gewesen, so lange auf Tauchstation zu gehen. Auch dafür sollte er sich entschuldigen. Was Angus in den vergangenen Tagen wohl durchgemacht hatte? Wie es ihm jetzt ging?
Endlich wählte er mit klopfendem Herzen Angus’ Nummer. Die Sache musste geklärt werden. Sofort. Patrick würde nicht wieder auf dieses einschüchternde Anwesen von Angus’ Familie reisen, um sich von der Verwandtschaft seines Freundes schlecht behandeln zu lassen. Doch für seine Überreaktion musste er sich entschuldigen. Irgendwie würden sie schon einen Weg finden, ihre beiden übergroßen Egos mit der Beziehung in Einklang zu bringen.
Kapitel 6
Angus rieb sich über die schmerzenden Augen. Er konnte die Buchstaben und Ziffern kaum mehr auseinanderhalten, geschweige denn dass sein Hirn irgendeine Information aufnahm, die er so dringlich in sich hineinhämmern wollte. Dabei war es so immens wichtig!
Er schloss die Lider, presste die Lippen aufeinander und mahnte sich zur Ruhe. Es wirkte nicht, im Gegenteil. Sein Körper stand unter Strom, seine Gedanken jagten sich und seine derzeitigen beruflichen Probleme waren daran völlig unschuldig. Er bekam Patrick nicht aus dem Kopf.
Mit einem Seufzen gab er auf. Die Flasche Whisky hatte er wohlweislich bereitgestellt und lockte ihn nun. Unaufhörlich. Also schleppte er sich hinüber zum uralten Ohrensessel und ließ sich hineinfallen. Er ächzte, fühlte er sich doch mindestens doppelt so alt, wie er eigentlich war. Zu alt für Patrick?
Angus goss sich das Glas randvoll und schlürfte die Flüssigkeit direkt ab. Der Alkohol brannte sich den Weg in seinen Magen hinab, was sich verdammt gut anfühlte. Vertraut, denn es hatte schon einige Zeiten gegeben, in denen er sich mit Alkohol hatte betäuben müssen. Zu viele, wenn er es recht bedachte, und er wusste daher auch, dass er besser vorsichtig war. Er durfte es nicht übertreiben, damit der Suff kein Problem wurde.
Er schloss erneut die Lieder und nippte an der schillernd braunen Flüssigkeit. Der Whisky stammte von der Ilse of Skye und gehörte zu den schottischen Gütern, die über seine Firma international vertrieben wurden. Mit dem Eigner der Brennerei verband ihn eine jahrzehntelange Freundschaft, weshalb es immer einen Vorrat an An t-òr bhon Eilean Sgitheanach, oder umgangssprachlicher Das Gold von Skye, im Haus hatte.
Angus ließ den nächsten Schluck über seine Zunge rollen. Der warme, torfige Geschmack erfüllte seine Sinne und er meinte an der Küste von Garbh zu stehen, das Salz auf der Haut zu spüren und den feinen Geruch der Heimat einzuatmen – neben der Schärfe des Alkohols.
Angus hob die Lider. Es war nicht der richtige Zeitpunkt, um in Melancholie zu verfallen. Wenn er sich nun gehen ließ, verlor er. Sowohl Patrick als auch sein geschäftliches Steckenpferd, die New Horizon Enterprises. Zumindest am zweiten hing mehr als lediglich seine Leidenschaft, denn er beschäftigte fast zweihundert Personen nur in diesem Unternehmen. Außerdem fiele es auf McFarran zurück, einen weiteren lieben Freund, den er nicht hängen lassen wollte. Wenn New Horizon Enterprises unterging, klebte der Niedergang auch an dem Designer und seiner Marke.
Es kam demnach nicht infrage aufzugeben. Er musste kämpfen, auch wenn er noch nicht wusste, was er tun sollte, um Patrick zu halten oder New Horizon Enterprises zu retten, aber beide brauchten seinen Kampfgeist und nicht, dass er sich hinter seinem Suff versteckte. Angus setzte sich auf, streckte die Schultern und hob die Hand mit dem Whisky Glas.
„Ich schwöre“, sagte er, „dass ich nicht aufgeben werde, mag es auch noch so schwer sein, mein Ziel zu erreichen. Ich werde weder Patrick noch mein Modelabel aufgeben!“ Er begoss seinen Entschluss mit einem knappen Schluck Whisky.
Nun blieb ihm nichts anderes übrig, als auch dazu zu stehen, und sich entweder Patrick zu widmen oder seiner Firma. Da ihm Patrick um einiges wichtiger war als alles andere auf dieser Welt, nahm er sein Telefon auf, wozu er sich zunächst aus dem bequemen Sessel hieven musste zum Arbeitsplatz gehen musste, und wählte. Angus blieb angespannt, hielt den Atem an, und lauschte dem Freizeichen. Eine endlose Ewigkeit lang stand er dort an seinem Schreibtisch und wartete vergeblich darauf, dass abgenommen wurde. Er hatte Patricks Festnetzanschluss angewählt, in der Hoffnung ihn so zumindest lokalisieren zu können. Offenbar war Patrick nicht in New York, denn er nahm nicht ab. Das war ein Fakt, der Angus erst recht nervös machte. Wo mochte Patrick sich aufhalten, nachdem sie sich gestritten hatten? Was mochte er tun? Mit wem sprach er wohl?
Natürlich wusste Angus, dass es ihn nichts anging. Und er nicht einmal nachfragen durfte, damit Patrick es ihm nicht negativ auslegte, dass er nun mal an jedem Punkt im Leben seines Liebsten Interesse hatte. Außerdem waren seine Befürchtungen völliger Schwachsinn. Es war gut möglich, dass er einfach noch nicht Zuhause angekommen war. Die Reise dauerte schon unter guten Bedingungen ewig, aber Patrick war überstürzt und planlos abgereist. Gut möglich, dass er noch in Edinburgh am Flughafen saß und auf einen freien Platz in einem Flieger wartete!
Schließlich legte Angus auf. Seine Finger blieben auf dem Hörer liegen, während er nach seinem Herzschlag lauschte. Es schlug zu schnell, offenbarte zu deutlich, wie sehr er sich nach Patrick sehnte. Und sei es auch nur, seiner Stimme zu lauschen. Angus musste es sich eingestehen, er war ängstlich, immens eifersüchtig, er war ein Kontrollfreak. Es war ihm durchaus bewusst, auch wenn er so hart daran arbeitete, eben nicht wieder dieser Marotte oder dem Alkohol zu verfallen – oder der Melancholie. Wie damals, bevor er Patrick kennengelernt hatte, bevor das Leben so viele wundervolle Augenblicke für ihn bereitgehalten hatte. Allerdings brachte das Licht auch Dunkelheit. Angus befürchtete, dass der Verlust seines Liebsten auch den Verlust seiner Selbstkontrolle bedeuten könnte. Denn obwohl er sich selbst einen Schubs gegeben hatte, sehnte er sich bereits danach, den Tag, den Ärger und den Frust in Alkohol zu ertränken.
Als Angus diesmal den Hörer aufnahm, schwor er sich nur eine kleine Nachricht zu hinterlassen. Patrick sollte nur wissen, dass er an ihn dachte. Mehr nicht. Kein Druck.
„Hallo Patrick, ich wollte mich nur schnell erkundigen, ob du gut angekommen bist. Melde dich doch bitte kurz, damit ich mir keine Sorgen mache. Ich liebe dich, tschüss.“
Angus legte mit dem Gefühl unsäglicher Einsamkeit auf. Vielleicht gönnte er sich vor dem zu Bett gehen noch einen schnellen Anruf bei Patrick, bis dahin sollte er sich aber seinen Geschäften widmen.
Mit einem tiefen Seufzen setzte er sich wieder an seinen Schreibtisch und nahm die Seiten auf, die ihm zuvor Kopfschmerzen bereitet hatten. Die Zahlen stimmten nicht mit jenen überein, die er vor kurzem noch von seinem Teilhaber erhalten hatte. McFarrans Absätze waren bedeutend höher und damit war auch der Profit einträglicher, und genau hier wollte er ansetzen. Aber er wusste, dass jede Untersuchung Zeit benötigte. Wollte er also sein Modelabel behalten und konsolidieren, musste er mit Bedacht vorgehen. Er brauchte Fakten, er brauchte Zahlen, und er brauchte einen Schuldigen. Angus wusste natürlich, dass seine Mutter die Finger im Spiel hatte. Nur fehlten ihm dazu die Beweise. Er musste ihre Verbindung finden, jenen Mitarbeiter, der mit ihr unter einer Decke steckte, wobei er McTiernan stark im Verdacht hatte. Nur so konnte er sicher sein, dass er nicht weiter boykottiert wurde. Bis dahin musste er Zeit schinden und vor allem gute Miene zum bösen Spiel machen. Sonst konnte er ihr nichts mehr nachweisen, und das wollte er. Er wollte sie ein für alle Mal aus seinen Geschäften heraus haben. Und dies funktionierte nur, wenn er absolut sicher nachweisen konnte, dass sie seiner Firma absichtlich Schaden zufügte.
Nur gut, dass er gerade ohnehin nichts Besseres zu tun hatte, als seinen Groll zu nähren. Sollte sie doch versuchen, ihn zu vernichten, sollte sie doch noch einmal versuchen, ihm etwas wegzunehmen, woran sein Herz hing. Sollte sie nur versuchen, ihn wieder unter ihre Fuchtel zu bekommen! Er war nun älter, er war stärker, er wusste, was er wollte und was nicht. Sie konnte ihm nichts mehr einreden, sie konnte sein Leben nicht mehr beeinflussen!
Der Besprechungsraum war bereits voll besetzt, als Angus zu ihnen stieß. Er nickte dem langgedienten Führungsstab zu, ignorierte seine Mutter und setzte sich in aller Ruhe an seinen Platz, wo er zunächst seine Papiere ordnete. Anders als am vergangenen Morgen war er akkurat gekleidet und auch die durchwachte Nacht sah man ihm nicht an.
Er hob den Blick und grinste. „Guten Morgen allerseits.“
Er erntete verwunderte Blicke, die er geflissentlich überging. Nach seinem Auftritt am Vortag war es nicht verwunderlich, dass sein offensichtlicher Frohmut für Irritation sorgte.
„Ich möchte mich vorab für die Unannehmlichkeiten entschuldigen, die Ihnen aufgrund dieses Missverständnisses entstanden sind.“ Er legte die abgespreizten Finger auf die Akte und schob sie vor. „Schwierigkeiten der New Horizon Enterprises sollten nicht auf das Gesamtunternehmen abfärben, daher betrachten wir diese … unglückliche Sache einfach nicht weiter.“ Sein Blick legte sich schneidend auf seine Mutter, die auch prompt widersprach.
„Angus, du kannst nicht …“
„Deine Anwesenheit in Vorstandsitzungen ist gerade noch geduldet, Mutter. Ich kam damit einem ausdrücklichen Wunsch meines Vaters nach, jedoch scheint mir, du nutzt dieses Privileg nur, um mir Steine in den Weg zu legen.“
Ailis’ Mimik entgleiste ihr für eine Millisekunde. Da Angus sie scharf im Auge behielt, entging es ihm nicht, wohl aber den anderen Vorstandsmitgliedern. Einige warfen einander unruhige Blick zu, und auch Ailis und ihm, aber er ignorierte es und wartete ruhig auf den nächsten Schachzug seiner Mutter.
„Ich nutze dieses Privileg, um dich von Unsinn abzuhalten.“ Ihr eisiger Blick sagte alles Weitere.
„Wie zum Beispiel Mr McTiernan zu feuern?“
Besagter Mann saß neben ihm und sog scharf den Atem ein.
Ailis verzog die schmalen Lippen. „Du wärst ein Narr, wenn du einen guten …“
„… Spion rauswirfst?“ Angus schmunzelte, denn nicht nur McTiernan begann auf seinem Sitz herumzurutschen und sich sonst nichts weiter anmerken zu lassen. Ein Rundumblick bewies, dass ihm kaum jemand in die Augen schauen konnte. „Ich habe in den letzten vierundzwanzig Stunden erkannt, dass ich ein immenses Problem habe …“
„Den Alkohol?“, soufflierte Cornish, der strenggenommen ebenfalls nichts bei diesen Besprechungen zu suchen hatte.
Angus legte immer noch grinsend den Kopf schräg und musterte den Cousin. „Mit Loyalität, Cornish, aber das überrascht dich sicherlich nicht, oder?“
Der Cousin lachte harsch. „Wundert’s dich? Du versteckst dich auf deiner Niemandsland-Insel und vernachlässigst deine Pflichten! Niemand hat Vertrauen in deine Führung und wir wären nur zu froh …“
Ailis legte ihm eine Hand auf den Arm, was ihn direkt unterbrach und nach Zustimmung lechzen ließ. Er sah zu seiner Tante und presste die Lippen aufeinander, da sie ungehalten den Kopf schüttelte. Knapp und sicher wieder nicht für jeden bemerkbar, aber es war genau das Szenario, mit dem Angus gerechnet hatte.
„Es wundert mich nicht.“ Angus ließ seine Aufmerksamkeit abgleiten. Er nahm jedes Mitglied der Runde in Augenschein. Nur Männer, was ihm bisher nie merkwürdig erschienen war, aber in der heutigen Zeit sollte es ausgewogener sein. Er sollte die Quote erfüllen. Sein Lächeln wuchs in die Breite. „Dinge müssen sich ändern, und es ist an der Zeit, sie in Angriff zu nehmen. Ich werde jedes Tochterunternehmen in die Audition schicken, daraufhin folgt eine Überprüfung des Mutterkonzerns. Wir werden Schwachstellen ausfindig machen und ausmerzen.“
Ailis verdrehte mit einem lauten, deutlichen Seufzer die Augen. „Angus, du vergeudest Ressourcen. Für was?“ Sie beugte sich leicht vor, verschränkte die Hände auf dem Tisch, sodass man ihren Familienring der McLeans deutlich sehen konnte, und schüttelte nun für alle offensichtlich ihr strohblondes Haupt. „Die Firma läuft, sie trägt sich, was nicht funktioniert, ist New Horizon Enterprises. Dort muss geschraubt werden. Die Kosten dieses Halunken, McFarran, sind exorbitant! Darauf sollten wir unser Augenmerk richten, nicht auf …“
„Ab diesem Tag werden Geschäftsberichte nur noch mir ausgehändigt“, überging Angus die Lamenti der Mutter. „Interna werden nicht nach außen getragen und damit das eine klar ist, meine Mutter gilt als Außen! Auch Cornish oder irgendjemand sonst mit dem Namen McLean hat keine Befugnis, auch nur eine simple Information zu bekommen.“
Gesichter entgleisten reihenweise.
„Schön. Kommen wir zu den ersten Schritten der Supervision. Ich werde eine unabhängige Kommission zusammenstellen, die zeitnah beginnen wird, unsere Abläufe zu durchleuchten. Ich erwarte absolute Kooperation! Mr McTiernan, von Ihnen erwarte ich eine lückenlose Aufarbeitung der geschäftlichen Missstände von New Horizon Enterprises bis zum fünfzehnten des nächsten Monats.“
„Angus, auf ein Wort!“, befahl seine Mutter, wobei sie sich effektvoll erhob. Cornish kam an ihrer Seite ebenfalls auf die Füße.
Angus begegnete ihrem Blick mit Gelassenheit. Zumindest dafür waren die Rückschläge der letzten Jahre gut gewesen, er hatte sich endlich abgenabelt. Er verfolgte, wie Ailis hinaussegelte, wartete, bis die Tür zuknallte, und wandte sich dann an die CEOs. „Bisher bekam ich abgespeckte Versionen der Geschäftsberichte, das hat ab sofort ein Ende. Ich möchte eine vertrauensvolle Kooperation aufbauen, dazu sind personelle Veränderungen unabänderlich. Ich muss Sie bitten, Ihren Aufenthalt noch ein paar Tage zu verlängern, ich möchte Gespräche mit jedem von Ihnen führen. Zunächst machen wir eine Stunde Pause.“
Langsam stand Angus auf, schob die Papiere zusammen und klemmte sie sich befreit unter den Arm. Wenn er mit Patrick ebenso leicht alles wieder ins Lot brachte, wären die nötigen Veränderungen zwar schwierig, aber auch zu überstehen!
„Hallo Patrick, entschuldige, ich komme mir schon selbst vor, wie ein Stalker, aber … nein, ich habe keine Entschuldigung dafür.“ Er räusperte sich. „Ich habe nachgedacht und festgestellt, dass ich womöglich zwanghaft versuche, dich festzuhalten. Ich nehme an, dass dich gerade dieses Klammern von mir wegstößt. Ich weiß nicht genau, wie ich dagegen angehen soll, aber ich suche nach Möglichkeiten, das wollte ich dir sagen. Ich bemühe mich, mich zu ändern. Ich werde eine Weile auf Highcomb sein, also erreichst du mich mühelos über das Mobiltelefon. Ich hoffe, es geht dir gut. Ich liebe dich, bis dann.“
Angus legte auf. Sein Daumen zitterte, aber er schob es gleich beiseite. Er musste etwas ändern, sonst hatte er keine Chance, also atmete er tief durch und steckte das Telefon ein.
Er hatte eine alte Freundin zu sich gebeten, von der er hoffte, dass sie ihm weiterhalf. Fiona war ihm bereits gemeldet worden, also musste er sich nur auf den Weg machen. Obwohl es sicher nicht nötig war, warf er noch einen schnellen Blick in den Spiegel, um seine Erscheinung zu prüfen. Anders als auf Garbh musste er sich hier um sein Aussehen kümmern, was einer der Gründe gewesen war, Highcomb nach dem desaströsen Ende seiner Ehe den Rücken zu kehren. Er zupfte sich die roten Strähnen zurecht, die ihm in die Stirn hingen, und straffte die Schultern. Sogleich fielen sie wieder, als drückte eine unsichtbare Last auf ihn herab. Das war der schwierige Part, er musste den Schein waren, er durfte niemandem seine Verletzbarkeit offenbaren, dem er nicht im tiefsten Herzen vertraute, aber so eine Person gab es auf Highcomb nicht. Hier lauerte nur Verrat und Betrug.
Angus streckte sich erneut, bevor er losstampfte. Er wollte es als eine Aufgabe betrachten, die der Prinz erfüllen musste, um seine Prinzessin zu sehen, obwohl Patrick von der Allegorie sicherlich nicht begeistert wäre. Er grinste, weil ihm das hübsche Gesicht seines Liebsten direkt vor Augen stand. Patrick würde ihn grummelnd zurechtweisen, dass er keine Prinzessin sei, sondern ein Mann. Ein richtiger Mann …
Der Weg zum Salon verging in süßer Reminiszenz und so grinste Angus noch immer glücklich, als er in den Raum trat. Fiona stand an der Fensterfront und drehte sich zu ihm um. Sie war, wie er, Anfang vierzig und hatte sich erstaunlich gut gehalten. Ihr Haar schimmerte in einem tiefen Braunton und fiel ihr offen über den Rücken. Lediglich einige Spangen hielten die Flut zurück, damit man ihr edles Gesicht bewundern konnte. Sie trug kein Make-up, was sie auch nicht nötig hatte. Ein Hauch Röte lag auf ihren Wangen und spiegelte sich auf ihren Lippen.
„Angus!“ Sie flog förmlich durch den Raum und nahm ihn liebevoll in den Arm. „Mein Lieber!“ Sie drückte ihn enthusiastisch, wodurch er mehr von ihrem Körper spürte, als ihm lieb war, aber anders kannte er Fiona nun mal nicht. Sie trug das Herz auf der Zunge und ihre Zuneigung offen zur Schau. „Mein lieber, lieber …“
„Hallo, Fiona.“ Er erwiderte die Umarmung herzlich. „Schön, dass du Zeit für mich gefunden hast.“
„Immer!“, schwor sie. Fiona drückte sich leicht von ihm fort, als sei er es, der die Umarmung aufrechterhielt und nicht sie. „Du siehst abgespannt aus, alles in Ordnung bei dir?“
Angus erlaubte sich, die Maske fallen zu lassen, und ein bitteres Lächeln flackerte auf. „Nein, aber wann war das auch je der Fall?“
„Nie!“, bestätigte sie mit Pathos. „Du machst dir das Leben einfach gerne schwer!“
Das sah er zwar anders, aber ausdiskutieren wollte er das zu diesem Zeitpunkt auch nicht.
„Wann treffe ich endlich dein Herzblatt? Ich muss gestehen, dass ich es kaum erwarten kann, vor dem sagenhaften …“ Sie brach ab. Ein Runzeln formte sich auf ihrer Stirn, das von einem Aha abgelöst wurde. Das fröhliche Lächeln war zurück. „Du hast mir anscheinend einiges zu erzählen!“
„Ich hoffe, es ist dir recht, dass ich meinen Frust bei dir ablade.“
„Sonst hast du ja niemanden.“ Sie nickte, wobei sie ihn losließ und einen Schritt zurücktrat. Sie waren gleichgroß, wodurch sie sich geradewegs in die Augen schauen konnten. „Es ist merkwürdig, wieder hier zu sein.“
Angus bestätigte es. „Es hat sich nichts geändert, und doch alles.“
Sie nickte bedächtig. „Ich nehme an, wir werden einen Ausflug machen?“
Sie kannte ihn zu gut. Angus grinste müde. „Wenn es dir recht ist.“
„Segeln?“
Er zuckte die Achseln. „Der einzige Ort …“ An dem er sich sicher fühlte. Fiona nickte bereits, schließlich wusste sie von all seinen Dämonen.
„Nun, worauf warten wir?“ Sie hängte sich bei ihm ein und zog ihn bereits Richtung Tür.
„Ich habe mir den Nachmittag freigenommen, obwohl das Haus vor Vorstandsmitgliedern nahezu platzt.“
Fiona sah zu ihm, eine tiefe Furche auf ihrer Stirn bezeugte ihre Irritation. „Nanu?“
„Es ist an der Zeit, dass sich einiges ändert.“
Fiona nickte wieder. „Du brauchst meinen Rat, hm?“
„Ja.“ So, wie sie es ihm schon vor Jahren prophezeit hatte. „Ich stehe am Scheideweg und muss mich wohl entscheiden.“
„Einsamer Eremit oder Leiter eines internationalen Imperiums …“, soufflierte sie mit einem hypnotischen Singsang in der Stimme.
„Wenn es nur das wäre, Fiona. Ohne die Firma könnte ich hervorragend leben.“ Und sicher käme es Patrick auch gelegen, wenn er kein Vermögen besäße und gar nicht in die Verlegenheit käme, dem Liebsten ein Geschenk zu machen.
„Ja, du machst dich gut als Eremit.“ Sie lachte melodisch auf. „Und es ist auch eine verführerische Vorstellung alles und jedem entsagen zu können.“
„Ja.“
„Aber sie ist nicht gut durchdacht.“
„Nein“, gab Angus zu. „Die Einsamkeit nimmt irgendwann überhand.“
„Und Sehnsüchte formen sich …“
„Anscheinend brauche ich dir nichts mehr zu erzählen.“ Angus schob die Tür auf und ließ ihr galant den Vortritt.
„Nanu!“ Ailis vertrat Fiona den Weg, ihr schneidender Blick glitt über ihr langes beiges Kleid, das aus grobem Leinen bestand. „Ist es schon so weit, dass du Rat bei Quacksalbern und Scharlatanen suchst?“
„Mrs McLean“, grüßte Fiona leicht und neigte den Kopf. „Wie schön, Sie nach all den Jahren wiederzusehen.“
Ailis sparte sich eine Bemerkung dazu, oder den zweiten Blick. „Ich erwarte dich seit zwei Tagen zum Gespräch, aber du verweigerst dich, um dir die Karten legen zu lassen?“
Pulsuz fraqment bitdi.