Kitabı oxu: «Wenn das Unterbewusstsein spricht»
Brigitte Papenfuss & Ralf Mooren
WENN DAS
UNTERBEWUSSTSEIN SPRICHT
Wie die Energie der Seele die Realität lenkt
Ein Sachbuch zur Veränderung der Realität als Roman
nach einer wahren Begebenheit
Bibliografische Informationen:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet abrufbar.
© BOSON Verlag, Mönchengladbach 2015
1.Auflage 2015
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 978-3-944878-01-0
Cover: Bastian Schüren, Kokos GmbH, Mönchengladbach
1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2015
Das Werk darf - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
Cover
Titel
Impressum
Danksagung
Vorwort - Dieser Roman könnte Ihr Leben verändern
Teil 1 - Das Unterbewusstsein im Dialog
Der unfreiwillige Weg
Ankommen in der Höhle des Löwen
Showhypnose vs. therapeutische Hypnose
Der Fluchtweg ist offen
Möchten Sie wirklich?
Die hypnotische Trance
Unbewusste Programme und Wirksuggestionen
Kommunikation mit dem Unbewussten
SOL Hypnose und die Medizin
Der Erfassungsbogen
Das Vorgespräch
Die positive Ressource
Vorbereitung der Hypnose
Einleitung durch Augenfixation
Der Rapportaufbau
Vertiefung
Katalepsie des rechten Beines
Die Fraktionierung
Regression und Rückführung
Die auslösende Situation
Neue Überzeugungen erarbeiten und verankern
Die Ausleitung
Das Nachgespräch
Nachspiel
Teil 2 - Was ist wirklich Wirklichkeit?
Ein gemütliches Zusammentreffen
Der Auslöser des Wandels
Die Zwischenbilanz des Lebens
Energiearbeit – die intuitive Rückverbindung
Woraus bestehen wir eigentlich?
Alles kommt und geht aus dem Nichts
Materie oder Energie?
Geist steuert Materie
Spukhafte Fernwirkung?
Bereit für neue Erkenntnisse?
Die unbewusste Dimension
Die bedingungslose Liebe
Die Frage nach dem Sinn des Lebens
Der Tod und die Ewigkeit des Seins
Wenn die Seele den Körper verlässt
Woher unsere Identität kommt
Das psychoenergetische Feld
Alltag in der Leistungsgesellschaft
Realität erschaffen durch Manifestation
Die geistige Welt
Das Geheimnis des Lebens
Über die Autoren
Eine Empfehlung von BOSON
Danksagung
Unser besonderer Dank gilt unserem Klienten, Herrn Manfred Schneider*, ohne dessen vehementes Drängen, seine Hypnose und somit die SOL Methode im Detail zu veröffentlichen, dieses Buch niemals zustande gekommen wäre.
Brigitte Papenfuß & Ralf Mooren
*Anmerkung: (Name auf Grund der Schweigepflicht und zum Schutz der Persönlichkeitsrechte geändert).
Vorwort
Dieser Roman könnte Ihr Leben verändern
Mit seiner bewussten Aufmerksamkeit kann der Mensch nur einen kleinen Ausschnitt der unendlichen Realität erkennen, deren Teil er ist. Genauso, wie man nur die Spitze eines Eisberges aus dem Wasser ragen sieht, so ist das Wesentliche für unsere bewusste Wahrnehmung unsichtbar.
Befinden wir uns allerdings in einer tiefen, hypnotischen Trance, so erschließen sich uns über unser Unbewusstes weit größere Realitäten – Realitäten voller Perspektiven für unser Leben.
Was ist Realität? Was ist wirklich Wirklichkeit? Und was wäre, wenn wir die Wirklichkeit verändern könnten?
Mit diesem Buch tauchen wir ein in die geheimnisvolle und faszinierende Welt der Tieftrance – in die Tiefe des menschlichen Seins. Und was begegnet uns hier? Menschen, die detailliert und hoch emotional von Situationen aus früheren Leben berichten. Mehr noch, Menschen, die in höchsten Glücksgefühlen unter Tränen der Rührung von jenem Zustand berichten, den wir aus unserer physischen Sicht als den “Tod“ bezeichnen. In diesem Zustand der Tieftrance fühlen diese Menschen eine innige Verbindung mit einer bedingungslosen Liebe, deren Teil sie sind. Die Dimensionen von Raum und Zeit, so wie wir sie mit unserem wachen Bewusstsein wahrnehmen und als selbstverständlich akzeptieren, sind in diesem Zustand der unbewussten Wahrnehmung vollkommen aufgelöst. In diesem Zustand besteht nur noch das pure, individuelle Sein in inniger und liebevoller Einheit mit allem, was existent ist.
Ein Klient, der in diesen Zustand der Tieftrance gelangt, kann hier unter Führung eines Hypnosetherapeuten sein Unterbewusstsein dazu veranlassen, sein ganzes Leben nachhaltig zu verändern. (Anm.: Zur Bezeichnung des Unbewussten verwenden wir hier den umgangssprachlichen Begriff des “Unterbewusstseins“, da wir diesen für unsere Methode für treffender halten).
Es ist uns ein tiefes, inneres Bedürfnis, unsere Erfahrungen, die wir während unserer langjährigen Tätigkeit als Hypnosetherapeuten gemacht haben, an jeden einzelnen Leser weiterzugeben, der sich hierfür interessiert. Aus diesem Grunde beschreiben wir im Folgenden beispielhaft eine Hypnose, die in unserem Hause exakt so durchgeführt und protokolliert wurde, wie sie dargestellt ist. Dies erklären wir hiermit an Eides statt. Um hier einen umfassenden Einblick in die Problemstellung und die Gefühlswelten des Klienten, aber auch in die der Hypnosetherapeutin zu gewähren, haben wir hierzu die Form eines Romans gewählt.
Hierin wird der Ablauf einer SOL Hypnosetherapie vom Empfang des Klienten über das Vorgespräch bis hin zur eigentlichen Hypnose an jeder Stelle minutiös beschrieben. Insofern wendet sich dieses Buch an alle Leser, die unsere individuellen Erfahrungen teilen möchten und insbesondere auch an Hypnosetherapeuten, welche die exakt geschilderten Abläufe der Hypnose zum Erfahrungsaustausch nutzen möchten.
Der Name des Hypnotisanden wurde selbstverständlich geändert. Die Namen Doris und Manfred Schneider sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig.
Das, was wir Tag für Tag während der von uns durchgeführten Hypnosen über die Unendlichkeit des Seins und somit der Seele erfahren, ist zutiefst beruhigend und voller Perspektiven für das Leben. Was hier passiert, ist absolut fantastisch, aber es ist rational nicht zu erklären. Aus diesem Grunde haben wir uns auf den Weg gemacht, um nach logisch und wissenschaftlich nachvollziehbaren Erklärungen für die Phänomene zu suchen, denen wir immer wieder begegnen. So konnten wir unserem Klienten Manfred Schneider die Erkenntnisse der Physik, der Quantenphysik, der Erforschung von Nahtoderlebnissen und von psychoenergetischen Feldern zur Beantwortung der vielen Fragen, die er nach seiner Hypnose hatte, anbieten. Wir wünschen jedem Leser unseres “Romans“, dass er hier für sich das finden möge, wonach er vielleicht im Stillen schon seit Langem sucht.
Teil 1
Der unfreiwillige Weg
Die Binnenschiffe auf dem Rhein waren kaum zu erkennen. Es war erst viertel nach zwei an diesem trüben Novembertag, aber alles lag im tristen Grau des feinen Nieselregens. Nachdenklich bog Manfred Schneider in die Cäcilienallee ein. Die Scheibenwischer seines komfortablen Geländewagens wischten immer wieder lautlos die feinen Regentröpfchen weg und die blaue Instrumentenbeleuchtung tauchte den Innenraum in ein bizarres Licht. Aber das alles bemerkte Manfred nicht wirklich. Viel zu sehr war er mit seinen Gedanken beschäftigt, die ihm immer wieder wie von selbst durch den Kopf gingen.
Manfred war ein gestandener Mann von achtundvierzig Jahren, den so leicht nichts aus der Fassung bringen konnte. Als Bauphysiker führte er eine eigene Ingenieurgesellschaft mit mittlerweile zwölf Mitarbeitern. Er lebte zusammen mit seiner Ehefrau Doris in einer luxuriösen Penthouse – Wohnung im Herzen von Düsseldorf. Alles hätte also bestens sein können. Aber das war es nicht. Er fühlte sich alles andere als bestens.
Während er auf die Südbrücke zufuhr, schoss es ihm durch den Kopf: „Was machst du hier eigentlich? Du hast achtundvierzig Jahre lang deine Probleme selbst gelöst, dann wirst du das jetzt auch noch schaffen!“ Für einen Moment hatte er den Impuls, hinter der Südbrücke abzufahren und umzudrehen. Den Blinker hatte er schon gesetzt, aber dann gab er sich einen Ruck und fuhr weiter geradeaus.
Manfred war auf dem Weg zu einem Hypnosetherapeuten in Mönchengladbach. Der Termin war für 15 : 00 Uhr angesetzt und das Ganze könne vier bis fünf Stunden dauern. Viel mehr wusste er auch nicht. Doris hatte den Termin für ihn gemacht. Er spürte, wie wieder dieser Ärger in ihm aufstieg. Er verzog das Gesicht. Da war er wieder, dieser unerklärliche, stechende Schmerz im rechten Oberschenkel. „Musste der jetzt ausgerechnet auch noch kommen?“ Als er am Kreuz Neuss West Richtung Aachen abfuhr, hatte es aufgehört zu regnen. „Wenigstens etwas“, knurrte er.
Wieder erschien das Bild von Doris, wie sie ihm bei ihrem letzten Streit vor zwei Wochen voller Wut und Verzweiflung entgegengeschleudert hatte: „Ich bin ein freier Mensch und nicht dein Eigentum!“ Doris hatte am Tag davor einen alten Schulfreund besucht, den sie zufällig in der Stadt wiedergetroffen hatte. Eigentlich wollte sie spätestens gegen 18 : 00 Uhr nach Hause gekommen sein, aber dann war sie erst gegen 22 : 00 Uhr wieder aufgetaucht. Manfred liebte Doris über alles und hatte zugleich die Angst, er könne sie verlieren. Und so hatte er sich in den vier Stunden, in denen er auf Doris gewartet hatte, die wildesten Gedanken darüber gemacht, was Doris und ihr Freund gerade alles so machten. Als sie dann schließlich nach Hause gekommen war, hatte er ihr die absurdesten Vorwürfe gemacht und es war wieder einmal zum Streit gekommen.
Aber diesmal war es ernst, sehr ernst. Manfred kannte diesen Punkt aus seinen früheren Beziehungen, die alle an seiner krankhaften Eifersucht gescheitert waren. Und so hatte er Doris versprochen, sich helfen zu lassen. Um ihr zu zeigen, wie ernst es ihm damit war, hatte er sie gebeten, für ihn einen Termin bei einem Psychotherapeuten zu machen. Und dann, als er zwei Tage später abends nach Hause gekommen war, hatte sie ihm eröffnet, dass sie für ihn den heutigen Termin bei dem Hypnosetherapeuten gemacht hatte. Die Psychotherapeuten waren wohl alle für Monate ausgebucht und so hatte sie auf Anraten einer Freundin den Termin bei dem Hypnoseinstitut in Mönchengladbach gemacht. Er hatte sie entsetzt angeschaut und ihr erklärt: „Ich gehe zu keinem Hypnoseonkel!“ Aber als Doris ihn daraufhin entsetzt anschaute und er die schiere Verzweiflung in ihren Augen sah, hatte er eingelenkt und gesagt: „Na ja, ich kann´s ja mal versuchen.“ Und jetzt war er unterwegs zu seinem ersten Hypnosetermin. Ihm war schon sehr mulmig zumute, denn er hatte Angst, dass der Hypnotiseur irgendetwas mit ihm machen könnte, was für ihn nicht zu kontrollieren wäre.
Als das Navi ihn durch die gewundene Dorfstraße von Wickrathberg führte, wurde er richtig unruhig. „Das Ziel liegt links vor Ihnen“, ertönte es aus dem Navi und schon sah er auch das beleuchtete Schild des Hypnoseinstituts.
Es war ein gewaltiges, altes Bauernhaus mit zwei Geschossen, was an den vielen, hinterleuchteten Rundbogenfenstern gut zu erkennen war. Er parkte seinen Wagen in der Einfahrt, direkt vor dem großen, grünen Rundbogentor, und stellte den Motor ab.
Manfred wollte aussteigen, doch irgendwie ging das nicht. Die Schmerzen in seinem rechten Bein wurden auf einmal unerträglich und er konnte seinen eigenen Herzschlag hören, zumindest hatte er das Gefühl. Er atmete einige Male tief durch. Dann öffnete er entschlossen die Tür und stieg aus. Irgendwie fühlte er sich wie ein Tiger vor dem Sprung, als er auf den Klingelknopf drückte.
Ankommen in der Höhle des Löwen
„Hallo, Herr Schneider“, ertönte eine freundliche Frauenstimme aus der Wechselsprechanlage. „Bitte kommen Sie herein. Ich bin im anderen Gebäude und komme gleich rüber.“ Zugleich summte der Türöffner und die antike Eingangstür sprang auf. Zögernd trat Manfred ein und schloss die Tür hinter sich. Er befand sich in der großen, zentralen Eingangshalle, die hell erleuchtet war. Alle Wände waren mit einem weißen Lehmputz versehen, was er als Bauphysiker direkt erkannte. Er stand auf einem roh belassenen Dielenboden aus Mooreiche und eine hohe, moderne Holztreppe führte in die obere Etage. Manfred sah sich noch interessiert um, als er hörte, dass irgendwo auf der Rückseite des Gebäudes eine Tür geöffnet wurde. Jetzt hörte er Schritte, die schnell näher kamen und durch die Tür, die der Eingangstür gegenüberlag, kam eine Frau mit gewinnendem Lächeln auf ihn zu. „Brigitte Papenfuß“, stellte sie sich vor und streckte ihm die Hand entgegen. „Manfred Schneider“, sagte er mit einiger Erleichterung in der Stimme und gab ihr die Hand. Hierbei schaute er nach unten, denn die Frau, die etwa in seinem Alter sein mochte, war gut zwei Köpfe kleiner als er. „Möchten Sie ablegen?“ Manfred nickte und schälte sich aus seiner fellgefütterten, dunkelbraunen Lederjacke. Die zierliche Frau nahm ihm die Jacke ab, hängte sie ordentlich auf einen Kleiderbügel und verstaute sie in der Garderobe.
„Wenn Sie mir bitte folgen wollen“, lächelte sie ihn an und ging bereits voraus, ohne sein höfliches „Ja, gerne“, abzuwarten. Sie gingen einen langen Gang entlang, der sich an der Rückseite des Gebäudes befand. Durch die Fenster erblickte Manfred einen begrünten, großen Innenhof, der von drei Seiten durch weitere Gebäude gebildet wurde. Obwohl es immer noch sehr diesig war, schien das Ganze in ein eigentümlich warmes, gelbliches Licht getaucht. Frau Papenfuß öffnete die letzte Tür und sie betraten einen Raum, der entgegen seinen Erwartungen überhaupt nichts von einem Behandlungszimmer hatte. Der Raum war über kunstvolle Bodenlampen in den Ecken spärlich, aber vollkommen ausreichend beleuchtet. Hier stand eine Sitzgruppe aus einem gemütlichen Sofa und zwei bequemen Ledersesseln, die um einen niedrigen Glastisch gruppiert waren. Auf dem Tisch standen diverse Getränke, eine Schale mit Süßigkeiten und zwei silberne Kannen sowie zwei Gläser und zwei Tassen.
„Bitte nehmen Sie Platz – wo immer Sie möchten“, forderte Frau Papenfuß ihn freundlich auf und deutete mit einer einladenden Geste auf die Sitzgruppe. Instinktiv wählte Manfred den bequemen Ledersessel am Fenster aus. Von hier hatte er die Eingangstür am besten im Blick. Er sah sich kurz um und bemerkte, dass der ganze Raum in dem gleichen, schlichten Stil gehalten war, der ihm schon in der Eingangshalle aufgefallen war. Manfred war immer noch sehr angespannt, aber Frau Papenfuß schien davon nichts zu bemerken. Sie setzte sich auf das Sofa, sodass er links von ihr saß. „Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten oder einen Tee? Oder lieber etwas Kaltes?“ „Einen Kaffee nehme ich gerne“, antwortete Manfred. Frau Papenfuß griff nach einer der Kannen, goss zwei Tassen dampfenden Kaffees ein und stellte eine Tasse vor ihm auf den Tisch. „Eine Kleinigkeit noch, dann kann es sofort losgehen.“ Sie stand auf, ging zu einem Wandschrank und kam mit einer dicken, weißen Kerze zurück, die sie auf den Tisch stellte und anzündete. „Ich finde es so einfach gemütlicher“, stellte sie fest. „Sie doch auch, oder?“ Manfred nickte und nahm einen Schluck Kaffee. Frau Papenfuß schien das leichte Zittern seiner Hand dabei nicht zu bemerken.
Showhypnose vs. therapeutische Hypnose
„Schön, dass Sie zu uns gekommen sind, Herr Schneider“, eröffnete die Hypnosetherapeutin das Gespräch. „Haben Sie schon eine Vorstellung von dem, was eine Hypnose ist und was man damit bewirken kann?“ Manfred blickte überrascht auf. Eigentlich war er ja nur hierhergekommen, um Doris von seinen ehrlichen Bemühungen zu überzeugen.
Natürlich hatte er schon lange nach einem gangbaren Weg gesucht, seine immer wiederkehrende Eifersucht zu besiegen. Jedes Mal, wenn die Eifersucht in ihm aufstieg, begannen sich seine Gedanken aufzuschaukeln – und dann war es zu spät. Sobald er seine Partnerin dann sah, machte er ihr eine fürchterliche Szene. Und eine Beziehung verträgt das nicht, jedenfalls nicht immer wieder und schon gar nicht in immer kürzeren Abständen. Das hatte er schon oft erlebt – immer wieder. Und mit Doris war es jetzt schon wieder fast so weit. Ja, er wünschte sich nichts sehnlicher, als die Eifersucht, die ihn immer wieder übermannte, loslassen zu können.
Aber sich dafür in einer Hypnose umdrehen zu lassen, davor hatte er eine tiefe, innere Abneigung, auch wenn Doris noch so viel Hoffnung in die Hypnose setzte. Bedächtig antwortete er:
„Ehrlich gesagt, habe ich schon einige Showhypnosen im Fernsehen gesehen. Ich konnte nie verstehen, dass sich erwachsene Menschen hier vor staunendem Publikum von einem Hypnotiseur zum Affen machen lassen. Offengestanden, habe ich diese Hypnosen immer für ein abgekartetes Spiel gehalten. Einmal habe ich allerdings in einer Fernseh-Show eine junge Frau gesehen, die in Hypnose vollkommen versteift wurde, vom Kopf bis zu den Füßen. Zwei Helfer hatten sie dann auf zwei Stühle gelegt, einen unter ihren Kopf und einen unter ihren Füßen. Die Frau war steif wie ein Brett und sogar, als sich eine andere Frau auf ihren Bauch setzte, sackte sie keinen Millimeter ab. Dann wurde sie wieder von den beiden Helfern auf die Beine gestellt. Der Hypnotiseur pustete in ihr Gesicht und sie war sofort wieder vollkommen beweglich. Wie der Trick funktioniert hat, weiß ich bis heute nicht.“ Manfred hatte sich fast in Rage geredet.
„Das war kein Trick“, erklärte die Hypnosetherapeutin. „So etwas bezeichnet man in der Hypnose als “kataleptische Brücke“. Es ist ziemlich einfach, die Muskulatur zum Beispiel eines Armes mittels Hypnose vollkommen zu versteifen. Der Betreffende kann in dem Moment seinen Arm nicht mehr bewegen. Und je mehr er es versucht, desto steifer wird der Arm. In der Hypnose bezeichnet man so etwas allgemein als “Katalepsie“. Bei einer kataleptischen Brücke wird dann während der Showhypnose der gesamte Körper versteift. Dieses Versteifen selbst ist hierbei noch vollkommen ungefährlich. Aber die Tatsache, dass man diesen versteiften Körper dann vollkommen frei tragend auf zwei Stühle legt und ihn dazu noch mit dem zusätzlichen Gewicht einer anderen Person belastet, ist in höchstem Maße unverantwortlich. Kein Mensch kann hierbei körperliche Spätfolgen ausschließen. Der hiermit verbundene Showeffekt ist allerdings so eindrucksvoll, dass ein verantwortungsloser Showhypnotiseur alle hiermit verbundenen Risiken vehement abstreiten würde. Dabei mag dieses “Pusten ins Gesicht“, was Sie gesehen haben, den Showeffekt, also die Demonstration der Macht des Hypnotiseurs, noch unterstreichen, aber für mich ist das einfach äußerst unhygienisch.
Hierbei will ich nichts gegen die Showhypnose als solche sagen. Sie beruht schließlich immer auf einer Absprache zwischen dem Hypnotisierten und dem Hypnotiseur, wobei die Möglichkeiten der Hypnose eindrucksvoll präsentiert werden. Nur schließt ein wirklich guter Showhypnotiseur jegliche Gefahr von Spätfolgen von vornherein aus. Er suggeriert den Leuten, die er hypnotisiert, auch nicht, irgendetwas zu tun, dessen sie sich nach der Hypnose schämen müssten. Und vor allem denkt er nicht einmal im Traum daran, eine kataleptische Brücke vorzuführen, was er übrigens mit Leichtigkeit könnte“, fügte sie hinzu.
Manfred hatte interessiert zugehört. Er konnte es kaum fassen, dass die Showhypnose, von der er gerade erzählt hatte, ohne versteckten Trick abgelaufen sein sollte. Ganz langsam dämmerte es ihm, dass die Hypnose wohl eine sehr wirksame Methode sein könnte, um Veränderungen herbeizuführen.
„Führen Sie auch Showhypnosen durch?“, fragte er lauernd. „Nein“, antwortete sie lächelnd, „wir führen keine Showhypnosen durch, noch nicht einmal im Freundeskreis und“, fügte sie hinzu, „das könnten wir auch gar nicht. Mein Kollege und ich führen ausschließlich therapeutische Hypnosen durch. Die Hypnose lässt sich zwar für das eine wie für das andere einsetzen, aber hier kommt es auf die innere Einstellung des Hypnotiseurs an.
Ein Showhypnotiseur möchte sein Publikum gut unterhalten und seine Fähigkeiten als Hypnotiseur darstellen. Hierbei dient ihm derjenige, den er gerade hypnotisiert, als Mittel zum Zweck.
Zu uns kommen Menschen, die tiefgreifende, persönliche Probleme haben. Für sie ist eine Hypnosebehandlung vielfach der letzte Versuch, nachdem sie in aller Regel bereits jahrelange Therapien durchlaufen haben. In der Hypnosetherapie steht also der Mensch im Mittelpunkt und die Hypnose ist Mittel zum Zweck. Das ist der Unterschied.“
Der Fluchtweg ist offen
„Wenn Sie einverstanden sind“, fuhr sie fort, „dann erkläre ich Ihnen jetzt zuerst einmal etwas über die Wirkungsweise der Hypnose und wie eine Hypnosebehandlung vor sich geht. Dann gebe ich Ihnen einen Erfassungsbogen, also ein Formular, das einige wesentliche Fragen zu Ihrem Problem enthält. Sie nehmen sich dann bitte alle Zeit, die sie brauchen, um den Bogen vollständig auszufüllen. Anschließend besprechen wir Ihre Angaben in aller Ruhe und dann, wenn alles besprochen ist und Sie keinerlei Fragen mehr haben, dann werde ich Sie fragen, ob Sie eine Hypnose wirklich möchten. Und wenn dies nicht der Fall sein sollte, dann trinken wir vielleicht noch in Ruhe eine Tasse Kaffee. Was ich damit sagen will, ist, dass Sie zu jedem Zeitpunkt selbst darüber entscheiden, ob Sie aufhören oder weitermachen wollen. Sind Sie damit einverstanden?“
Manfred fiel schlagartig ein Stein vom Herzen. Er fühlte sich nicht mehr als das Opfer, das irgendetwas über sich ergehen lassen sollte, ohne es kontrollieren zu können. Er würde die Möglichkeit haben, etwas über die Hypnose zu erfahren. Wenn er wollte, würde er über seine Probleme, die ihn tief bewegten, sprechen können. Und das Beste: Er würde jederzeit gehen können, wenn er sich unwohl fühlte. Dankbar antwortete er: „Ja, sehr gerne.“
Möchten Sie wirklich?
„Schön“, freute sich die Hypnosetherapeutin, „dann können wir ja anfangen. Aber vorher noch eine andere Frage: „Ihre Frau hat den heutigen Termin für Sie gemacht. Sind Sie jetzt hier, weil Sie das selbst wirklich möchten oder nur, um Ihrer Frau einen Gefallen zu tun?“ Manfred fühlte sich ertappt. Er überlegte kurz, ob er jetzt lügen oder die Wahrheit sagen sollte. Intuitiv entschied er sich für die Wahrheit: „Ich habe“, murmelte er leise „ein riesiges Problem mit meiner Eifersucht, die ich manchmal nicht kontrollieren kann. Um Doris nach unserem letzten Streit meinen guten Willen zu zeigen, hatte ich sie gebeten, für mich einen Termin in einer Praxis zu machen, in der ich professionelle Hilfe erhalten könnte. Und stattdessen, nehmen Sie es bitte nicht persönlich, bin ich jetzt in einer Hypnosepraxis gelandet.“ Manfred atmete hörbar auf. Er war froh, dass es raus war.
Frau Papenfuß lachte vergnügt. „Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit. Das erleichtert die Sache sehr. Und nun gestatten Sie mir bitte, Ihnen gegenüber genauso offen zu sein. Eine Hypnosebehandlung wird nur funktionieren, wenn Sie sich mit Ihrem eigenen freien Willen bewusst hierfür entscheiden. Ich denke, dies gilt übrigens auch für jede andere Form der Behandlung. Wenn Sie also nur gekommen sind, um Ihrer Frau einen Gefallen zu tun, dann sollten wir das Ganze jetzt beenden. Wenn Sie allerdings von sich aus grundsätzlich bereit sind, Ihr Problem mittels Hypnose zu lösen, dann können wir gerne jetzt weitermachen. Bitte entscheiden Sie sich jetzt!“ Die Hypnosetherapeutin sah Manfred freundlich und zugleich erwartungsvoll an.
Manfred schluckte. Er spürte, dass er seine grundsätzliche Entscheidung für oder gegen eine Hypnose hier und jetzt treffen musste. So freundlich und nett Frau Papenfuß auch sein mochte, irgendwie war die Tante knallhart. Die latente Hoffnung, ihr etwas vorspielen zu können, hatte er schlagartig aufgegeben. Urplötzlich traf ihn wieder dieser stechende Schmerz in seinem rechten Oberschenkel. Er verzog unmerklich für einen Moment das Gesicht und strich abwesend über sein Bein. Ihm wurde schlagartig klar, dass er die Chance hatte zu gehen, aber auch, dass er dann sein Problem wieder mitnehmen würde. Das hatte er bis jetzt unbewusst immer so gemacht, aber jetzt war es ihm plötzlich bewusst. “Zu gehen“ hatte für ihn in diesem Augenblick die gleiche Bedeutung wie “zu fliehen“ – zu fliehen vor sich selbst. Eine immense, innere Kraft stieg in ihm auf. Eine Kraft, die er nie zuvor bemerkt hatte und die ihm doch so vertraut war. Nein, er würde nicht fliehen – diesmal nicht. Entschlossen blickte er Frau Papenfuß an: „Ich bin bereit!“
Die hypnotische Trance
„Gut“, sagte sie. „Das freut mich sehr. Dann werde ich Ihnen erst einmal etwas über die Hypnosetherapie erzählen: Wenn Sie sich nachher für eine Hypnosebehandlung entscheiden, dann willigen Sie darin ein, sich in den Zustand einer hypnotischen Trance zu begeben. In diesem Zustand werden Sie eine gesteigerte Aufmerksamkeit erfahren. Sie werden viel mehr wahrnehmen, als Sie sich in Ihrem jetzigen, bewussten Zustand vorstellen können. Aber das wird Ihnen alles vollkommen egal sein. Sie werden möglicherweise von sehr berührenden Emotionen, also sehr intensiven Gefühlen durchströmt werden. Aber auch das wird Ihnen aus Ihrer jetzigen, bewussten Sicht, vollkommen egal sein. Mit anderen Worten: Im Zustand einer solchen hypnotischen Trance befinden Sie sich in Ihrem tiefsten Inneren – im Reich Ihrer intensivsten Gefühle. Es werden Erinnerungen und Erfahrungen in Ihnen aufsteigen, die Ihnen im bewussten Zustand niemals zugänglich wären – ein tiefes, inneres Wissen. Sie werden dies alles intensiv fühlen, wissen und wahrnehmen und trotzdem wird Ihnen alles vollkommen egal sein. Es wird Ihnen deshalb vollkommen egal sein, weil Sie in diesem Zustand nicht werten. Und das kommt daher, dass Ihr Bewusstsein, aus dem Ihr Ich-Gefühl herrührt, dem Ganzen teilnahmslos zuschaut. Eine hypnotische Trance ist also ein Zustand erhöhter Aufmerksamkeit bei völlig eingeschränkter Kritikfähigkeit – vom Gefühl her etwa zu vergleichen mit einem intensiven Traum. Der einzige Unterschied besteht darin, dass in diesem Traum jemand mit Ihnen spricht und Ihnen Fragen stellt. Sie antworten und erzählen, was Sie sehen und was Sie fühlen. Aber auch das ist Ihnen vollkommen egal. Die Worte kommen wie von selbst. Und dabei werden Sie sich manchmal fragen, wer da eigentlich spricht. Aber das interessiert Sie nicht wirklich. Sie bemerken es nur, aber im Grunde ist es Ihnen völlig gleichgültig.“
Unbewusste Programme und Wirksuggestionen
Frau Papenfuß lehnte sich bequem zurück. „In diesem Zustand sind Sie erhöht suggestibel. Alles, was man Ihnen in diesem Zustand suggeriert, geht ungefiltert direkt in Ihr Unterbewusstsein ein und wird dort zu einer festen, bleibenden Überzeugung. Eine Überzeugung, die man auch als “feste Regel“ bezeichnen könnte oder auch als “unbewusstes Programm“.
Manfred schluckte. „Bedeutet das, dass Sie einen Menschen durch Hypnose umprogrammieren können wie einen Computer? Und dass dieses neue Programm, also diese neue, unbewusste Regel dann auch nach Beendigung der Hypnose bestehen bleibt?“ „Genau das bedeutet es“, antwortete Frau Papenfuß ernst.
„Ich gebe Ihnen ein banales Beispiel: Stellen Sie sich vor, ein Hypnotiseur würde jemandem im Zustand der hypnotischen Trance suggerieren, dass jede Form von Kaffee, die er von nun an trinkt, wie Salzwasser schmeckt. Dieser Mensch würde nach der Hypnose noch einige Male versuchen, Kaffee zu trinken. Aber jedes Mal, wenn er den ersten Schluck nähme, würde er das Gesicht verziehen, weil er nur reines Salzwasser schmeckt. Wenn er das drei Mal probiert hätte, dann würde er vermutlich keinen Kaffee mehr anrühren -für den Rest seines Lebens. Und wenn der Hypnotiseur dann noch suggeriert hätte, der Betreffende würde alles, was während der Hypnose geschehen wäre, am Ende der Hypnose vergessen haben, dann wüsste er noch nicht einmal, warum das so wäre. Dies würde natürlich kein seriöser Hypnotiseur der Welt machen, aber möglich wäre es ohne weiteres.“
Ungläubig schaute Manfred die Hypnosetherapeutin an. „Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass so etwas möglich sein soll. Schließlich weiß ich doch, wie Kaffee schmeckt. Und wenn ich einen Kaffee mit klarem Wasser frisch aufbrühe, dann kann der nicht nach Salz schmecken. Ist doch logisch, oder?“ „Stimmt, das ist absolut logisch“, pflichtete die Hypnosetherapeutin ihm bei. „Kommen Sie, wir gehen das Ganze noch einmal logisch durch: Wann haben Sie zum ersten Mal in Ihrem Leben Kaffee getrunken?“ Manfred blickt sie überrascht an. Er überlegte. „Vielleicht so mit sieben oder acht Jahren, so genau weiß ich das nicht mehr.“ Frau Papenfuß lächelte. „Also ist es schon sehr lange her, vielleicht dreißig oder vierzig Jahre. Bereits beim ersten Mal, als Sie Kaffee getrunken haben, haben Sie die persönliche Erfahrung gemacht, wie Kaffee schmeckt. Sie haben also ein unbewusstes Programm gebildet für den Geschmack von Kaffee. Und im Laufe der Zeit kamen hier noch viele weitere Programme hinzu, also für Kaffee mit Milch, mit Zucker, mit Zucker und Milch oder für Cappuccino. Heute haben Sie wahrscheinlich einige tausend unbewusste Programme für den Geschmack von Kaffee – eines für jede Variation. Und von diesen vielen tausend Programmen haben Sie einige wenige, die Sie besonders häufig abrufen. Das sind genau die Programme für die Arten der Kaffeezubereitung, die Sie besonders gerne mögen - zum Beispiel Kaffee mit Milch und einem Stück Zucker oder Espresso mit zwei Stück Zucker. Und wenn Sie sich heute einen Kaffee bestellen, dann bestellen Sie diesen exakt nach Ihrer unbewussten Vorstellung, wie dieser Kaffee Ihnen am besten schmeckt. Und wenn Sie dann den ersten Schluck getrunken haben, dann lernen Sie nicht neu, wie Kaffee schmeckt. Vielmehr passiert da blitzschnell etwas ganz anderes: Sie nehmen beim ersten Schluck Geschmacksreize wahr, die sofort das zu dieser Zubereitung passende, unbewusste Programm auslösen. Und dieses Programm wird sofort, ohne dass Sie bewusst darüber nachdenken, mit Ihrem Lieblingsprogramm für Kaffeegeschmack verglichen. Wenn die Geschmacksabweichung von Ihrer unbewussten Vorstellung gering ist, dann trinken Sie den Kaffee mit Genuss. Ist die Geschmacksabweichung größer, dann fügen Sie vielleicht noch etwas Milch oder Zucker hinzu.
Betrachtet man das Ganze aus der Distanz, dann findet hier ein blitzartiges Zusammenspiel von tausenden unbewussten Programmen statt, über die Sie nicht eine Sekunde bewusst nachdenken. Ihrem Körper fehlt Zucker oder Koffein und schon verspüren Sie Lust auf eine Tasse Kaffee. Oder Sie setzen sich in geselliger Runde an einen Tisch. Dann sind Sie in einer Situation, in der bei Ihnen vielleicht das unbewusste Programm “Kaffeetrinken“ ausgelöst wird. Wenn Sie also einen Schluck Kaffee trinken, dann sind vorher bereits eine Vielzahl von unbewussten Programmen ausgelöst worden. Diese Programme haben bei Ihnen Empfindungen ausgelöst, die schließlich zu Handlungen geführt haben. Und während der ganzen Zeit haben Sie nicht einmal bewusst darüber nachgedacht. So wie Sie unbewusste Geschmacksprogramme für Kaffee haben, so haben Sie diese auch für Salz und Wasser. Und jetzt kommt der Hypnotiseur daher und suggeriert Ihnen, dass jede Form von Kaffee ab jetzt wie Salzwasser schmeckt. Was passiert da, Ihrer Meinung nach?“
„Das Geschmacksprogramm für Kaffee wird ausgetauscht gegen das Geschmacksprogramm von Salz?“, antwortete Manfred fragend. „Genau“, stimmte Frau Papenfuß zu. „Das Geschmacksprogramm für Kaffee ist nicht weg, aber es wird nach einer solchen Suggestion einfach nicht mehr ausgelöst. Stattdessen wird dann aber das Geschmacksprogramm für Salz ausgelöst. Also schmeckt der Kaffee nach Salzwasser.“
„Aber“, setzte Manfred nach, „wenn das so ist, dann kann ich doch den Geschmack von Kaffee neu erlernen und neue Geschmacksprogramme bilden.“ „Stimmt genau“, lächelte Frau Papenfuß, „funktioniert aber nicht wirklich. Da gibt es nämlich jetzt einen kleinen Haken, wodurch das Neuerlernen von Kaffeegeschmack verhindert wird: Sie haben bereits ein unbewusstes Geschmacksprogramm für Kaffee, und zwar jetzt das von Salz. Und in dem Moment wo Sie etwas bewusst neu erfahren wollen, wie in unserem Beispiel den Geschmack von Kaffee, dann wird beim ersten Geschmacksreiz automatisch abgefragt, ob bereits ein unbewusstes Programm für diesen Reiz vorhanden ist oder, ob etwas neues gelernt, also ein neues Programm angelegt werden muss. Ist aber bereits ein Programm vorhanden, wie in unserem Falle jetzt das für Salz, dann wird dieses automatisch ausgelöst und der Geschmacksreiz nicht weiter beachtet. So schmeckt für den Betreffenden das, was alle anderen genüsslich als Kaffee trinken, wie Salzwasser. Sie haben nicht die Spur einer Chance, ein einmal angelegtes, unbewusstes Programm bewusst zu ändern, auch wenn Sie das noch so gerne möchten. Das liegt einfach daran, dass Ihr Unterbewusstsein eine Million mal schneller arbeitet als Ihr bewusstes Denken.“
Manfreds Voreingenommenheit begann allmählich zu schwinden. Er hatte sich noch nie Gedanken darüber gemacht, wie sehr sein Leben möglicherweise durch unbewusste Programme beeinflusst werden würde. Im Gegenteil, er war bisher immer der festen Überzeugung gewesen, als rational denkender Mensch vollkommen bewusst durchs Leben zu gehen. Und nun begann er zu ahnen, dass seine Lebensqualität in hohem Maße von seinen eigenen, unbewussten Programmen abhängig sein könnte. Vielleicht wäre eine Hypnose für ihn ja genau das Richtige, um seine bedrückenden Probleme zu lösen oder sie wenigstens zu verringern. Er hörte hoch interessiert zu, als Frau Papenfuß mit ihren Erklärungen fortfuhr:
„Das Unterbewusstsein mit seinen vielen Billiarden Programmen ist aber für uns Menschen ausgesprochen praktisch. Es dient nämlich dazu, uns Menschen viel leistungsfähiger zu machen. Sie können sich das Unterbewusstsein als riesige Datenbank von Regeln und Programmen vorstellen. Hier sind für fast alle Situationen unseres Lebens unbewusste Programme vorhanden, die automatisch in einer bestimmten Situation ausgelöst werden.
Sie sind doch eben mit dem Auto hierher gefahren. Haben Sie während dieser Autofahrt bewusst darüber nachgedacht, ob Sie das Lenkrad nach rechts oder links bewegen sollten, oder haben Sie vielleicht bewusste Entscheidungen getroffen, das Gaspedal oder das Bremspedal zu betätigen? Sagen Sie mir doch bitte einmal, wie Sie Ihre Autofahrt hierher erlebt haben.“
Manfred überlegte. Es dauerte eine kleine Weile, bis er antwortete. „Ehrlich gesagt, auf das Autofahren selbst habe ich mich gar nicht so richtig konzentriert. Das Fahren ging eigentlich wie von selbst, hierüber habe ich gar nicht nachgedacht. Ich war vielmehr während der ganzen Zeit mit meinen Gedanken und Problemen beschäftigt und mit der Frage, was mich jetzt wohl bei Ihnen erwarten würde.“ „Sehen Sie“, erklärte Frau Papenfuß. „Während der gesamten Autofahrt waren Ihre unbewussten Programme am Werke. So hatten Sie Gelegenheit, über alles Mögliche nachzudenken, was mit der eigentlichen Tätigkeit des Autofahrens nichts zu tun hatte. Wäre das allerdings heute Ihre erste Fahrstunde gewesen, dann hätten Sie bestimmt an nichts anderes gedacht, als sich mit Lenken, Bremsen und Gas geben zu beschäftigen. Heute verfügen Sie als erfahrener Autofahrer über so viele unbewusste Programme zum Thema Autofahren, dass das Fahren wie von ganz allein geht. Das Gleiche gilt natürlich auch für alle anderen Lebensbereiche wie Fahrradfahren, Skifahren oder auch das Sprechen. Wir sind in der Lage, uns hier bei einer Tasse Kaffee flüssig zu unterhalten, ohne dass wir einen einzigen Satz mühsam und bewusst formulieren müssten.“
Frau Papenfuß nahm die Kaffeekanne und schaute Manfred kurz fragend an. Er nickte. „Danke, gerne“ und hielt ihr seine Tasse entgegen. Die Hypnosetherapeutin goss Kaffee nach. Als Manfred die Tasse an den Mund führte, nahm er den Geschmack des Kaffees sichtbar bewusst wahr. Frau Papenfuß grinste schelmisch. „Schmeckt noch wie Kaffee, oder?“ Er fühlte sich ertappt und grinste bejahend zurück – aber es war ein nachdenkliches Grinsen.
„Aber das Unterbewusstsein beeinflusst unser Leben in noch weit höherem Maße“, fuhr Frau Papenfuß fort. „Es steuert jede einzelne Zelle unseres Körpers und somit alle Körperfunktionen. Die hier angelegten, unbewussten Programme entscheiden über Gesundheit oder Krankheit, Abneigung oder Zuneigung einem anderen Menschen gegenüber oder sogar gegenüber dem Leben selbst.
Das Unterbewusstsein wertet nicht. Es reagiert nur auf jede Art von Reizen, indem es nahezu ohne jede Zeitverzögerung blitzschnell die entsprechenden Programme aktiviert, die durch diese Reize ausgelöst werden. Hierbei ist es ihm völlig egal, ob seine unbewussten Reaktionen gut oder schlecht für uns sind. Es kann keinerlei Entscheidungen treffen, denn es verwaltet nur Erfahrungen, die zu unbewussten Programmen geworden sind. Neue Erfahrungen lässt es nur zu, wenn es hierfür noch keine Programme gibt. Unbewusste Programme können sehr nützlich sein und uns das Leben erleichtern wie zum Beispiel beim Thema Autofahren.
Problematisch wird es allerdings, wenn jemand ungünstige unbewusste Programme hat. Diese können dann die Lebensqualität extrem verringern. Auch hierfür will ich Ihnen ein Beispiel geben: Stellen Sie sich vor, ein kleiner Junge, sagen wir mal drei Jahre alt, sitzt vor seinem Teller und möchte irgendetwas absolut nicht essen, sagen wir mal Fisch. Seine Mutter sitzt daneben, schiebt ihm ein Stück in den Mund und zwingt ihn zu schlucken. In diesem Moment empfindet das Kind Ekel und schon hat es das unbewusste Programm: Fisch ist ekelig, kann man nicht essen.
Jahre später ist der Junge ein erwachsener Mann. Das auslösende Ereignis ist längst verdrängt und vollkommen vergessen. Und der Mann fragt sich, warum er während seines ganzen Lebens eine solche Abscheu vor Fisch hatte, dass er sich noch nicht einmal überwinden konnte, jemals ein Stück zu probieren. Und das, obwohl es immer appetitlich ausgesehen hatte, wenn seine Tischnachbarn Fisch aßen.“
Manfred hatte aufmerksam zugehört. Er war noch nachdenklicher geworden. Im Stillen fragte er sich, ob es in seinem Unterbewusstsein ein Programm geben könnte, das seine unerklärlichen, immer wiederkehrenden Anfälle von Eifersucht auslöste. Und wenn ja, ob man dies ändern könnte …
„Könnte der Mann, der als Kind genötigt wurde, Fisch zu essen, seine Aversion gegen Fisch durch Hypnose beseitigen lassen?“, fragte er hoffnungsvoll. „Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann bräuchten Sie ihn dazu doch nur in eine hypnotische Trance zu versetzen und ihm zu suggerieren, dass Fisch die leckerste Speise der Welt sei.“
Entsetzt blickte die Hypnosetherapeutin ihn an. „Eine solche Wirksuggestion, so nennt man das, würde ich niemals geben. Das Fatale bei Wirksuggestionen ist, dass sie sehr sorgfältig formuliert werden müssen und dass man sich nach allen Seiten vergewissern muss, dass sie genau das enthalten, was der Klient damit erreichen möchte. Das Unterbewusstsein nimmt jede Wirksuggestion wortwörtlich an. Es interpretiert nicht. Es fragt sich nicht, was der Hypnotiseur jetzt mit dieser Wirksuggestion gemeint haben könnte. Es nimmt sie gnadenlos genauso an, wie sie gegeben wurde.“
„Aber Sie haben doch die ganze Zeit von solchen Wirksuggestionen gesprochen.“ Manfred wirkte etwas irritiert und seine gerade aufkeimende Hoffnung begann zu schwinden. „Ich habe Ihnen anhand von Beispielen die Wirkungsweise des Unterbewusstseins erklärt“, schmunzelte die Hypnosetherapeutin.
„Lassen Sie uns doch einfach einmal gemeinsam überlegen, was man mit einer solchen Wirksuggestion tatsächlich bewirken würde. Was denken Sie?“ Manfred überlegte einen Moment und schaute Frau Papenfuß verständnislos an. „Nun ja, der Mann würde gerne Fisch essen.“ „Stimmt“, antwortete sie. „Der Mann würde gerne Fisch essen. Fisch wäre für ihn die leckerste Speise der Welt.“ Manfred schaute sie verständnislos an. „Das sage ich doch. Und damit wäre doch das Problem des Mannes gelöst.“
„Davon bin ich nicht ganz so überzeugt“, gluckste Frau Papenfuß vor Vergnügen. „Stellen Sie sich vor, der Mann sitzt mit Freunden in einem Restaurant und bestellt sich, nachdem er Fischsuppe als Vorspeise und Forelle zum Hauptgang hatte, zum Dessert nun einen Krabbencocktail, während die anderen vor ihren Eisbechern sitzen. Er kommt aber gar nicht mehr dazu, sein Dessert anzurühren, weil er bereits bei der Forelle einen allergischen Schock erleidet und mit Blaulicht in höchster Lebensgefahr ins nächste Krankenhaus gefahren wird. Die Aversion gegen Fisch hatte ihn nämlich vor seiner Fischallergie geschützt. Ob damit das Problem des Mannes wirklich gelöst ist, wage ich zu bezweifeln“, grinste die Hypnosetherapeutin.
Während Frau Papenfuß erzählt hatte, waren Manfred kalte Schauer den Rücken heruntergelaufen. Er hatte schlagartig begriffen, dass man mit Hypnose gravierende Veränderungen in kürzester Zeit herbeiführen konnte. Hierbei musste man als Hypnotiseur offensichtlich aber auch sehr umsichtig und präzise zu Werke gehen.
„Kann man“, fragte er, „eine solche Wirksuggestion, die sich als fehlerhaft herausgestellt hat, wieder korrigieren?“ „Das kann man“, erklärte Frau Papenfuß. „Dies setzt allerdings voraus, dass der Hypnotiseur präzise gearbeitet und die Wirksuggestion wörtlich protokolliert hat.“
„Wirksuggestionen“, sinnierte sie, „sind sowieso immer nur die zweitbeste Lösung. Bei der SOL Hypnose verwenden wir Wirksuggestionen so gut wie nie. Und wenn es doch irgendwann einmal nicht anders gehen sollte, zum Beispiel, wenn keine ausreichende Trancetiefe für eine analytische Hypnose erreicht werden kann, dann sprechen wir diese Wirksuggestionen vor der Hypnose ganz klar mit unseren Klienten ab. Wir formulieren sie sorgfältig und prüfen sie gemeinsam mit unseren Klienten nach allen Seiten ab. Dann wird die Wirksuggestion Wort für Wort aufgeschrieben und von unseren Klienten gegengezeichnet. Während der Hypnose lesen wir dann die Suggestion wörtlich ab. Aber, wie gesagt, wir verwenden solche Wirksuggestionen so gut wie nie. Der wesentliche Vorteil einer Wirksuggestion besteht allerdings darin, dass sie bereits bei einer sehr geringen Trancetiefe gut vom Unterbewusstsein angenommen wird. Insofern sind Wirksuggestionen genau dann das Mittel der Wahl, wenn der Hypnotisand nur geringe Trancetiefen erreicht. Dies ist allerdings eher die Ausnahme als die Regel.“
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