Kitabı oxu: «Von dem Machandelbaum»
Brüder Grimm
Von dem Machandelbaum
Saga
Von dem MachandelbaumCoverbild/Illustration: Shutterstock Copyright © 1812, 2020 Brüder Grimm und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726708400
1. Ebook-Auflage, 2020
Format: EPUB 3.0
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18.
Von dem Machandelbaum.
Es ist schon lange her, zweitausend Jahre wohl, da lebte ein reicher Mann, der hatte eine schöne, fromme Frau, und beide hatten sich sehr lieb. Sie hatten aber keine Kinder und wünschten sich doch so sehr welche, und die Frau bat Gott so viel darum Tag und Nacht, aber sie kriegten und kriegten keine. Vor ihrem Hause war ein Hof, und auf dem Hofe ein Machandelbaum. 1 Unter dem stand einmal im Winter die Frau und schälte sich einen Apfel, und wie sie den Apfel schälte, schnitt sie sich in den Finger, und das Blut fiel in den Schnee. „Ach“, sagte sie und seufzte tief auf und sah das Blut vor sich so recht wehmütig an, „hätte ich doch ein Kind so rot wie Blut und so weiss wie Schnee.“ Und wie sie das sagte, wurde ihr ganz fröhlich zu Mut, ihr war ganz so, als ob das eintreffen sollte, und sie ging wieder hinein ins Haus. Und es verging ein Monat, da schmolz der Schnee; und zwei Monate, da wurde es grün; und drei Monate, da kamen die Blumen aus der Erde; und vier Monate, da drängten sich überall die Bäume im Wald und die grünen Zweige waren ineinander gewachsen. Da sangen die Vöglein, dass der ganze Wald erschallte, und die Blüten fielen von den Bäumen; so war der fünfte Monat vorüber gegangen. Und sie stand unter dem Machandelbaum, der duftete so schön. Da hüpfte ihr Herz vor Freuden, und sie fiel auf die Knie und wusste sich nicht zu lassen. Und als der sechste Monat vorüber war, da wurden die Früchte dick und stark, sie aber wurde ganz still. Und im siebenten Monat, da griff sie nach den Machandelbeeren und ass sie voller Gier, da wurde sie traurig und krank. Und der achte Monat ging hin, da rief sie ihren Mann und weinte und sprach: „Wenn ich sterbe, so begrabe mich unter dem Machandelbaum.“ Und da wurde sie ganz getrost und freute sich, bis der neunte Monat vorüber war. Da bekam sie ein Kind so weiss wie Schnee und so rot wie Blut; und wie sie das sah, freute sie sich so, dass sie starb.
Da begrub ihr Mann sie unter dem Machandelbaum und weinte sehr. Nach einiger Zeit liess sein Weinen nach. Und als er noch etwas geweint hatte, da hörte er auf. Und wieder nach einer Zeit, da nahm er sich eine andere Frau. Mit der zweiten Frau hatte er eine Tochter; das Kind von der ersten Frau aber war ein kleiner Sohn, und war so rot wie Blut und so weiss, wie Schnee. Wenn die Frau ihre Tochter ansah, dann fühlte sie, wie lieb ihr die war, aber dann sah sie den kleinen Jungen an, und es ging ihr durchs Herz, und ihr war, als stünde er ihr überall im Wege. Und immer dachte sie dann nur daran, wie sie ihrer Tochter das ganze Vermögen zuwenden möchte, und der Böse gab ihr das ein, dass sie dem kleinen Jungen ganz gram wurde, und stiess ihn herum von einer Ecke in die andere, und buffte ihn hier und knuffte ihn da; so dass das arme Kind immer in Angst war. Wenn er aus der Schule gekommen war, fand er keine ruhige Stelle im Hause.
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