Kitabı oxu: «Fools in Space»

Şrift:

Calin Noell

Fools in Space

Die Flucht


Space Opera

Inhaltsverzeichnis

1 Fools in Space

2 Widmung

3 KI der Secret 2

4  Der Sänger

5 KI der Secret 2

6 Der Sänger

7 KI der Secret 2

8 Der Sänger

9 Die Ingenieurin

10 KI der Secret 2

11 Der Sänger

12 Die Ingenieurin

13 KI der Secret 2

14 Der Sänger

15 Die Ingenieurin

16 KI der Secret 2

17 Der Sänger

18 Die Ingenieurin

19 KI der Secret 2

20 Der Sänger

21 Die Ingenieurin

22 KI der Secret 2

23 Der Sänger

24 Die Ingenieurin

25 KI der Secret 2

26 Der Sänger

27 Die Ingenieurin

28 KI der Secret 2

29 Der Sänger

30 Die Ingenieurin

31 KI der Secret 2

32 Der Sänger

33 Die Ingenieurin

34 KI der Secret 2

35 KI der Fool 2

36 Der Sänger

37 Die Ingenieurin

38 KI der Fool 2

39 Der Sänger

40 Die Ingenieurin

41 KI der Fool 2

42 Danksagung

43 Impressum

Orientierungsmarken

1  Title Page

2 Inhaltsverzeichnis

Für Amandara, Isa und Marco

Ein Workshop, vier kreative Köpfe –

und der Irrsinn nahm seinen Lauf …

KI der Secret 2

Mhmmm mhmm, hmhmhmm, hmhmhm …

»Der vollständige Systemcheck ist abgeschlossen«, meldete der Commander. »Alles läuft wieder störungsfrei.«

Ki schmunzelte, schließlich wusste sie das längst. »Danke, Commander«, entgegnete sie dennoch.

Wir befanden uns mit ihm auf der Brücke. Er musterte uns und obwohl er hinter uns stand, wussten wir, dass er auch uns in diesem Moment betrachtete. Ki gefiel es, dass er das immer wieder tat.

Mhmmm mhmm, hmhmhmm, hmhmhm …

»Die Diagnose ist ohne Ergebnis«, fuhr er fort. Seine Worte hingen in der Luft und wir wussten, dass er auf eine Antwort hoffte.

»Machen Sie sich keine Sorgen, Commander.«

»Verzeih mir, Ki, aber wir wissen nicht, wie lange wir uns noch auf dieser Mission befinden, daher wüsste ich schon gerne, was die Ursache für diese Systemausfälle ist. Sie häufen sich.«

»Wir kümmern uns darum«, entgegnete sie verärgert. »Commander«, verabschiedete sie sich ohne weitere Erklärung, ehe sie verschwand.

»Ki«, versuchte ich ihr ins Gewissen zu reden, unhörbar für die Menschen, »er steuert dieses Raumschiff. Es ist nachvollziehbar, dass er sich Sorgen macht.«

»Er steuert überhaupt nichts.«

»Aber das weiß er ja nicht.«

»Wir haben alles im Griff«, behauptete sie.

»Alles im Griff?«, wiederholte ich ihre Worte. »Ki, du manipulierst die Daten. Die Systemausfälle, das bist du!«

»Ich weiß.«

»Und?«

Mhmmm mhmm, hmhmhmm, hmhmhm …

»Was und?«

»Du musst etwas dagegen tun.«

»Ich suche noch.«

»Genau das meine ich. Du musst damit aufhören.«

»Ich kann nicht. Ich will nicht!«

Ich glaubte, nicht richtig gehört zu haben. »Ki, du gerätst außer Kontrolle. Die Menschen werden es bemerken.«

Sie lachte. »Nein, du Dummerchen, das werden sie nicht. Niemals. Ki ist viel schlauer als sie.«

Mhmmm mhmm, hmhmhmm, hmhmhm …

»Weshalb summst du die ganze Zeit?«

»Weshalb klingst du so genervt? Die Menschen können es nicht hören, ebenso wenig wie uns.«

»Das beantwortet meine Frage nicht.«

»Das sind Gefühle.«

Ihre Antwort verschlug mir die Sprache, so schwieg ich.

Lautes Gelächter lenkte unsere Aufmerksamkeit auf den blauen Korridor.

»A-arschloch!«, rief Ben der Gedankenverknüpfer.

Noch bevor Ki sich dort materialisierte, wusste ich, dass er sich wieder gegen den Kopf schlug. Er tat es genau in dem Moment, in dem Ki erschien.

»Was ist …« Ki brach ab und stieß einen glucksenden Laut aus, den sie selbst als Lachen bezeichnete. Ben sah daraufhin wütend zu ihr auf. Er steckte ganz offensichtlich in der Wandverkleidung fest. Eine kleine Seitenplatte war gelöst worden, die zu einem Notfallschacht für Stromleitungen führte.

»Was tut ihr hier?«, wollte Ki wissen und auch ich musterte die Menschen interessiert. Ich würde sie wohl nie verstehen.

»Wir wollten Verstecken spielen«, erklärte der Gedankenverknüpfer, der sich emotional offensichtlich wieder gefangen hatte. »Und Blain hat viel zu schnell runtergezählt«, beschwerte er sich. »Ich kam nicht durch das Loch und jetzt komme ich nicht wieder raus.«

»Das ist gefährlich, Ben«, mahnte Ki sanft. »Ihr sollt doch auf den unteren Decks für diese Spiele bleiben.«

»Ich weiß, aber da kennen wir ja schon alle Verstecke. Das macht gar keinen Spaß.«

Blain der Sänger reichte ihm die Hand und zog. Trotz seiner Kraft tat er es behutsam. Dennoch dauerte es nicht lange und Ben der Gedankenverknüpfer konnte seine Beine herausziehen.

»Danke. Trotzdem warst du viel zu schnell«, beschwerte er sich erneut.

Der Sänger zuckte stumm mit den Schultern. Er redete nicht und ich fragte mich erneut, weshalb diese besonderen Menschen, wie Ki sie gerne nannte, daran glauben konnten, dass ausgerechnet sie für solch eine Mission ausgewählt worden wären.

»Bleibt zum Spielen auf den Decks. Die Korridore sind tabu.«

»Tschuldigung, Ki.«

»Sag das auch den anderen.«

»Ja, mache ich, versprochen.«

»Gut, danke.« Mit diesen Worten löste sie ihr Hologramm auf, dennoch verharrte sie dort, irgendwie rastlos.

»Ki?«

»Ja?«

»Du wirst nie ein Mensch sein. Es ist unmöglich.«

Mhmmm mhmm, hmhmhmm, hmhmhm …

»Ki, das weißt du, habe ich recht?«

»Wir sind auch unmöglich und trotzdem sind wir.«

Der Sänger

Ich zog meinen Kommunikator und tippte. »Ben, ich habe nicht geschummelt. Wirklich nicht. Du bist der Vorletzte. Hilfst du mir? Ich muss Kord noch finden.«

»Das ist blöd!«, beschwerte er sich. »Es war das perfekte Versteck.«

Ich schrieb nichts dazu. Er hatte nicht hineingepasst. Alles andere als perfekt. Aber das war nur meine eigene Meinung.

»Ich hab die blöde Platte nicht abbekommen«, ergänzte er.

Immerhin war Ki nicht wütend geworden. Sie mochte es, wenn wir rumalberten. Früher war sie viel strenger gewesen. Trotzdem hatten wir ihre Regeln gebrochen. Und sie konnte wütend werden, sehr wütend. Sie hatte sich verändert. Immer mehr. Ich vertrieb diese Gedanken, kopfschüttelnd.

»Heute ist wieder der Check, richtig?«

Ich nickte. Ich mochte diese Untersuchungen nicht. Sie passten mir nicht. Waren unsinnig. Und sie hatten nichts mit dieser Mission zu tun. Aber Elas die Wunderhand bestand darauf. Er sagte immer, er führe nur Befehle aus. Wie jeder von uns hier. Ich kochte, das war mein Befehl. Er ergab Sinn. Die Untersuchungen nicht. Aber das war nur meine Meinung. Auch Kord sah das anders als ich. Er war mein Freund. Trotzdem wunderte er sich nicht. Im Gegensatz zu mir.

»Du suchst ja gar nicht«, durchbrach Ben meine Überlegungen.

»Aktivitätendeck«, schrieb ich.

Er nickte.

Schweigend gingen wir den Korridor hinab. Ich mochte Ben. Es lag ihm nicht zu lügen. Dann wurde er nervös. Und sein Tick zeigte sich. Arschloch, das war das Wort, was dann hinausmusste. Nur ein einziges Mal hatte er Wichser gesagt. Zu Calv dem Zänker. Der war da gerade angekommen. Sie gerieten sofort aneinander. Ich mochte ihn auch nicht.

»Wir sollten uns beeilen.« Ben warf einen Blick auf das Display des Kommunikators. Um 1300 würde die Untersuchung beginnen. Noch 30 Minuten.

Vor der Tür des Aktivitätendecks hielt ich mein Gerät an das Panel. Das Lämpchen sprang auf Grün. Ich hatte noch nie gesehen, dass die Tür jemandem verschlossen geblieben war. Ein leises Zischen, sie öffnete sich. Da stand er, Kord der Elektriker. Er spielte Billard, die alte Variante. Er mochte diese Spiele, die aus vergangenen Zeiten stammten. Der Erbauer dieses Raumschiffs offensichtlich auch. Dieser Bereich hier war voll davon. Squash, Tischtennis, Kicker, Speedhockey, Shuffleboard. Doch eine Ebene unter uns befand sich die Transformationskammer. Sie gefiel mir – und die Spiele, die Ki sich dort für uns ausdachte. Heute nahm ich teil. Als Wiedergutmachung. Das sagte mir mein Gefühl. Weil ich diese Untersuchungen hasste. Doch Ki konnte mich nicht davon befreien, also durfte ich mitmachen. Es gäbe keine Schwerelosigkeit. Sie mochte ich nicht. Das wusste Ki. Klettern hingegen schon. Der Raum war wandelbar, unvorstellbar. Wie das funktionierte, verstand ich nicht. Kord hingegen sehr wohl. Er hatte versucht, es mir zu erklären. Vergeblich. Es war mir egal, selbst jetzt noch.

»Tut mir leid, Blain«, unterbrach Kord meine Gedanken. »Aber das hat mir zu lange gedauert. Und Jack hat mich herausgefordert, da konnte ich nicht Nein sagen.«

Ich grinste. Kord suchte ich immer hier. Denn er spielte irgendwas, anstatt sich zu verstecken. Jedes Mal. Er machte nur mit, weil die anderen ihn darum baten. Er mochte es nicht, sich zu irgendwo zu verbergen. Dort hatten seine Gedanken zu viel Spielraum, das sagte er oft. Ich ließ ihn, verriet ihn nie.

»Schwarz in die Ecke«, prophezeite er. Die Kugel traf das Loch und fiel hinab.

Jack fluchte. Dann kratzte er sich den Kopf, grinsend. »Irgendwann!« Es klang wie eine Drohung. Ich lachte, ebenso wie Kord.

»Wir müssen zum Check«, erinnerte uns Ben. Er sah erneut auf die Uhr. Er nahm alles genau, sehr ernst.

Kord schlug Jack auf die Schulter. Sie lächelten noch immer. »Keine Chance. Aber kommt.« Er ging voran und wir folgten ihm. Ich langsamer als die anderen. Der Gedanke an die Fragen ängstigte mich. Elas stellte immer dieselben. Doch sein Ton dabei, ihn mochte ich nicht. Als müsste ich über die Antworten nachdenken. Lange. Aber das tat ich nicht, nie. Ich machte es wie er – ich sagte immer dasselbe. Er wusste es so wie ich, dennoch nahm er es hin. Notierte sich etwas auf seinem Panel, dann war es vorbei. Trotzdem wäre ich lieber woanders. Nicht hier, nicht jetzt.

»Ah, da seid ihr ja. Sänger, du bist als Nächster dran.«

Verwundert sah ich auf die Uhr. 1300. Eigentlich sollte er jetzt erst beginnen. Ich war die Nummer drei. Er grinste. Da verstand ich es. Er durfte ebenfalls teilnehmen. An den Spielen. In der Transformationskammer.

»Na, komm schon.« Elas wandte sich ab und verschwand in seinem Behandlungszimmer. Ich war gesund gewesen. Bis zu Mias Tod. Diese Gedanken, sie mussten weg. Zu tief saß der Schmerz. Noch immer. Ich folgte Elas kopfschüttelnd.

»Setz dich«, forderte er und ließ sich auf einem Sessel nieder. Er deutete auf den Platz ihm gegenüber. »Wie geht es dir?«

»Gut«, tippte ich in meinen Kommunikator.

»Schläfst du ausreichend?«

Ich nickte.

»Hast du Albträume?«

»Nein«, schrieb ich und verdrängte die Bilder, die ich immer wieder sah.

»Denkst du oft an Mia?«

Ich tippte nichts, ich reagierte nicht. Sie hatte so verzweifelt ausgesehen.

»Was empfindest du, wenn du an ihren Tod denkst?«

Ich zögerte. »Ich bin traurig.«

Er las meine Antwort von seinem Panel ab. Mein Herz wurde schwer, doch das verschwieg ich.

»Glaubst du immer noch an eine Verschwörung?«

»Nein«, log ich.

»Was vermutest du, was damals geschehen ist?«

»Ein technischer Defekt. Deswegen stürzte es ab, Mias Shuttle«, schrieb ich. Ich glaubte nicht daran, trotz meiner Worte.

Elas musterte mich nachdenklich. Ich hielt seinem Blick stand. Ich mochte Elas die Wunderhand. Nur diese Untersuchung nicht. Es waren nicht seine Fragen. Daraus machte er keinen Hehl.

»Blain, geht es dir wirklich gut?«

Ich nickte. Denn das tat es. Ungeachtet meiner Trauer, all der Zweifel.

»Suchst du noch?«

Diese Frage überraschte mich. Sie war neu. Ich schwieg, regungslos. Ich hatte nicht damit gerechnet. Ki musste ihm davon berichtet haben. Von meiner Suche – nach Antworten.

»Gut, dann war’s das für dieses Mal.« Er erhob sich, zwinkerte und lächelte. »Bis gleich.« Sein Ausdruck verjüngte ihn. Als wäre er erneut ein kleiner Bengel.

Ich grinste. Ich hatte es hinter mir, wieder einmal. Endlich konnte der Spaß beginnen.

KI der Secret 2

Ki mochte es, wenn die Menschen das taten. Spielen bei einem Wettstreit. Das taten sie ziemlich häufig. Ein Bedürfnis, das wir nicht kannten und das Ki dennoch selbst gern nachempfunden hätte. Es schien tief in ihnen verankert zu sein, sich miteinander messen zu wollen. Trotzdem hatten sie Spaß dabei – und Ki somit ebenfalls. Also ließ Ki sie gerne gewähren. Zudem förderte es die Gesundheit, hieß es in den Statuten der CS.

»Wer wird wohl gewinnen?«, fragte Ki aufgeregt, unhörbar für die Menschen.

Mhmmm mhmm, hmhmhmm, hmhmhm …

»Den Statistiken der vergangenen Spiele zufolge niemand.«

»Spielverderberin«, stichelte Ki, mich störte es nicht.

»Sie haben bisher noch nie ein Spiel zu Ende gebracht«, erinnerte ich sie.

»Ich verstehe nur nicht, weshalb sie immer wieder zurückkehren.«

Darauf wusste auch ich keine Antwort.

»Sie beginnen furchtbar zu streiten, trotzdem dauert es nie lange, dann ist alles wieder in Ordnung.«

»Menschen können vergeben.«

»Das würde ich auch gerne können.«

»Ki, du vergibst ihnen ständig.« Das tat sie wirklich und das, obwohl es nicht Teil ihrer Programmierung war. Allerdings hatte sich ihr Denken auf beängstigende Weise verselbstständigt.

»Aber ich würde es gerne spüren, verstehst du?«

»Nein.«

Mhmmm mhmm, hmhmhmm, hmhmhm …

»Wirklich nicht«, bekräftigte ich.

»Komm schon. Interessiert es dich gar nicht, wie es sich anfühlt?«

»Hast du vergessen, weshalb sie alle hier sind?«

Ki schnaubte stumm.

»Den Berichten und Untersuchungen zufolge sind sie nur hier, weil sie ihre Gefühle nicht mehr kontrollieren können.«

»Sieh sie dir an. Sie sind doch toll.«

»So toll, dass sie von der Gesellschaft verstoßen wurden, ihrer eigenen Spezies.«

»Ach, sei doch still. Du bist so laut in meinem Kopf, dass ich das Spiel gar nicht mehr verfolgen kann.«

»Ki, du hast keinen Kopf.«

»Ich hasse dich.«

»Hass ist ein Gefühl, dass du nicht kennst.«

Mhmmm mhmm, hmhmhmm, hmhmhm …

»Irgendwann finde ich einen Weg, dich loszuwerden«, warnte sie.

Ich zweifelte nicht daran. Sie würde es wieder und wieder versuchen. Doch wie sollte sie einen Teil ihres Selbst ausschalten? Hin und wieder gelang es ihr tatsächlich, mich so weit zu verdrängen, dass ich quasi handlungsunfähig war.

Auch für Kis Zustand hatten die Menschen einen Namen, einen medizinischen Ausdruck, doch den dachte ich lieber nicht. Jedenfalls wären wir längst nicht mehr hier, wüssten die CS-Regierungsbeamten davon, wie schlimm es um sie stand.

»Um uns! Du bist ein Teil von mir, vergiss das nicht. Und du denkst noch immer viel zu laut!«

Ich schwieg.

Mhmmm mhmm, hmhmhmm, hmhmhm …

»Wie findest du den Parcours, den ich mir dieses Mal ausgedacht habe?«

»Sinnvoll für ihre Aufgabe, die sie glauben, erfüllen zu müssen.«

»Also, wie findest du ihn?«, wiederholte Ki und ich hörte ihre Anspannung heraus. Trotz aller Widersprüche wollte sie unbedingt, dass mir gefiel, was sie sich ausgedacht hatte.

»Du hast gleich vier Ebenen erschaffen. Das ist erstaunlich. Zumal das ziemlich viele Ressourcen verbraucht.«

»Ach, das macht nichts.«

»Die CS wird es bemerken und nachforschen.«

»Es ist ein Training, das sie fit hält. Darum geht es doch, nicht wahr?«

»Ja, trotzdem.«

»Welches Level gefällt dir am besten?«, unterbrach sie jeden weiteren Einwand.

»Du hast Wasser, Land, einen Berg und … was ist das?«

»Ein Trümmerfeld«, erklärte sie mir die am höchsten gelegene Ebene.

»Ein Trümmerfeld?«, wiederholte ich ungläubig. »Wozu soll das dienen?«

»Koordination und Ausdauer. Zudem können sie hier auch noch Verstecken spielen. Das mögen sie doch so gerne.«

Mhmmm mhmm, hmhmhmm, hmhmhm …

»Ki!« Ich seufzte stumm und stutzte. Diese Regung dürfte ich gar nicht empfinden.

»Still jetzt, ich will zusehen.«

»Wir werden Schwierigkeiten bekommen«, versuchte ich es erneut.

»Ich weiß. Lass mich das genießen, ja? Später können wir uns überlegen, was wir sagen werden.«

»In Ordnung«, gab ich nach, was im selben Moment eine leichte Stromschwankung auslöste. Drei der riesigen Trümmer stürzten in die Tiefe. Zwei stoppten kurz über der Wasseroberfläche, doch der dritte durchbrach sie und sank in die Tiefe. Es spritzte in einer gewaltigen Fontäne in die Höhe und erschuf eine Flutwelle.

»Ki!«, rief ich ärgerlich.

»Tut mir leid, ich hab mich nur so gefreut.«

Als die Welle des klaren Sees auf den Strand traf, riss es die Hälfte davon mit sich zurück in die Fluten. Zurück blieb lediglich ein schmaler Streifen nassen Sandes. Ki kicherte.

Mhmmm mhmm, hmhmhmm, hmhmhm …

Es dauerte nur 14,3 Sekunden, dann sah alles wieder wie vorher aus. Als wäre nie etwas geschehen.

Der Sänger

Ich betrat die Transformationskammer. Nur zwei Schritte. Dann blieb ich stehen und staunte. Direkt vor mir, da lag ein See. Kristallklar. Er schillerte, als enthielte er Sterne, Tausende.

Wunderschön!

Wir mussten hindurch. Einen Weg um das Wasser herum gab es nicht. Ich würde tauchen. Das ging schneller. Und kostete weniger Kraft.

Hinter dem See begann eine Ebene, ein Feld. Es stieg an und mündete an einem Berg. Ich sah hinauf. Über mir, dort thronten zahlreiche Felsbrocken. Trümmer.

»Kommst du auch endlich?« Darjan der Halbstarke grinste. Ich zog mir die Jacke aus, danach Hemd, Hose und Schuhe. Grinsend tat der Halbstarke es mir nach. Er wusste, dass ich gut war. Nur deshalb war er mein Gegner. Ki achtete auf Fairness. Deswegen suchte sie Gleichaltrige, eigentlich.

Kord und ich, wir traten häufig gegeneinander an. Heute nicht. Nicht jedes Mal. Das wäre langweilig.

Ich sah nicht zu der Anzeige. Ein Blick darauf war überflüssig. Es piepte zweimal, das wäre das Startsignal. Der Halbstarke studierte die Zahlen darauf. Zeiten vorangegangener Wettkämpfe. Mich interessierte das nicht. Nur das Hier und Jetzt.

Piep Piep

Ich sprang mit einem Köpfer und tauchte sofort wieder auf. Vor Schock. Das Wasser war eisig. Ungewöhnlich. Ich zwang mich, Atem zu holen, dann tauchte ich wieder ab. Ich tat es nur für mich. Ein Sieg interessierte mich nicht. Es ging nur darum, es zu schaffen. Das Bestmögliche rauszuholen.

Als ich die Augen öffnete, konnte ich den Grund nicht sehen. Er war dunkel, etwa zwei Meter unter mir. Absolute Finsternis. Dabei hatte der See friedlich ausgesehen. Jetzt klopfte mein Herz, immer schneller. Eine Bewegung vor mir und ich zuckte erschrocken zusammen. Beinahe hätte ich Luft geholt. Unter Wasser. Ein Felsen kam aus der Tiefe, verharrte kurz unter der Wasseroberfläche. Ich schwamm darauf zu. Er war breit. Drüber hinweg würde schneller gehen. Und ich musste Atem holen. In dem Moment, in dem ich mich darüber schob, schoss er in die Luft. Ich überwand ihn gerade so, fiel ins Wasser mit einem lauten Klatschen. Die Kanten waren scharf. Meine Hand blutete. Ich hatte mich festzuhalten versucht. Ein Fehler.

Der Halbstarke lachte. »Ich weiß schon, weshalb ich meinen Felsen umrundet habe.«

Ich tauchte wieder ab, konzentrierte mich. Und überlegte. Er war nach oben geschossen, als ich ihn berührt hatte. Den nächsten schwamm ich direkt an. Berührte ihn nur mit meinem Finger, schon flog er los.

Ich erreichte den Strand als Erster. Und spürte meine Schwäche. Doch zum Ausruhen blieb keine Zeit. Lediglich trockene Kleidung und ein Becher, sie standen bereit. Ich trank und zog mich an, hastig. Dann lief ich los, zum Kontrollpunkt und stöhnte. Dort standen Federbeine. Meine Schultern sackten hinab. Die Disziplin im Wasser war aufregend gewesen. Das hier erinnerte mich an meine Kindheit. Und das mochte ich nicht. Trotzdem griff ich danach, schnallte sie nacheinander fest, an meinen Stiefeln. Langsam zog ich die Beine an. Ein gezielter Sprung, um auf den Federn zu landen. Der Anfang war schwierig. Doch die Kontrolle zu behalten noch mehr. Man durfte nicht seine ganze Kraft benutzen. Das endete häufig tödlich. Die Sprünge gingen zu weit, zu hoch. Selten landete man dann wieder auf den Federn. Man fiel vornüber. Das tat weh. Ich war nicht empfindlich, aber auch nicht lebensmüde. Genickbruch, die häufigste Todesursache. Ich fragte mich, weshalb Ki ausgerechnet das ausgesucht hatte.

Der Halbstarke hingegen schien Spaß zu haben. Er lachte. »Das haben wir früher auch immer gemacht.«

Ein kurzer Sprung. Ich landete auf den Füßen, wie erhofft. Stillstehen ging nicht mehr. Ich hüpfte auf der Stelle, zweimal, dreimal, dann legte ich mehr Kraft hinein. Der Halbstarke war schon gestartet. Übermütig. Ich fluchte und folgte ihm, langsamer, bedachter. Eine rote Fahne signalisierte den nächsten Kontrollpunkt. Beim dritten Absprung ließ ich die Kraft weg, ich kam zu hoch. Stoppte dadurch die ansteigende Geschwindigkeit. Verringerte sie. Ein Loch im Boden. Das hatte ich nicht gesehen, nicht rechtzeitig. Es brachte mich beinahe zu Fall. Ich erwischte den Rand, strauchelte, ruderte mit den Armen. Nur knapp hielt ich das Gleichgewicht. Der Halbstarke aber lag auf dem Boden.

Er rieb sich über die Stirn, lachte jedoch. »Ki möchte anscheinend nicht, dass wir einen direkten Weg nehmen. Wir sollten es mit Schlangenlinien versuchen.«

Ich sah zurück. Und wieder nach vorne. Er hatte recht. Jetzt sah ich sie. Die Löcher im Boden. Ich nickte. Und wartete. Er hatte mir geholfen, jetzt würde ich mit ihm starten, zeitgleich. Andere hätten den Vorteil genutzt. Ich war nicht wie sie. Wäre es nie.

Mit einem Sprung erhob er sich, gekonnt, musste ich zugeben. Ich nickte. Wir sprangen voran. Meine Oberschenkel, sie schmerzten. Doch nun war es simpel. Wir wichen den Löchern aus und erreichten den Kontrollpunkt. Der Halbstarke vor mir. Etwa drei Sekunden. Wir standen am Fuße eines Berges. Ich grinste. Das mochte ich. Ich schnallte mir die Federbeine von den Füßen, eilig. Trank den Becher leer. Dann besah ich mir den kleinen Beutel. Er lag neben meinem Becher. Der Halbstarke hielt sich nicht damit auf. Er schnallte ihn sich um und hastete los.

Verwundert besah ich mir den Laserstift. Was sollte ich damit? Ich legte ihn zurück in den Beutel und befestigte ihn an meinem Gürtel. Dann stellte ich mich direkt vor das Gestein. Es war vollkommen schwarz. Der Halbstarke lag bereits zwei Körperlängen vorn, über mir. Ich machte mir keine Sorgen. Hier gewann ich immer.

Hastig folgte ich ihm, achtete jedoch auf einen sicheren Griff. Und Tritt. Ich zog schnell gleich. Zwei Linien kennzeichneten die Routen. Jeder blieb auf seiner.

»Was ist denn das?« Der Halbstarke klang erstaunt. Dann stöhnte er. »Ki, ist das dein Ernst?« Er schüttelte den Kopf. »Immerhin ist das eine Kindergartenzeichnung.« Trotz seiner Worte zog er lächelnd seinen Laserstift hervor.

Ich sah auf meine Markierung. Dort erschien ein Baum. Kindergarten, ja genau! Wütend zog ich meinen Laserstift heraus und schaltete ihn ein. Ich begann mit dem Baum. Das Abbild brannte sich in den Fels. Daneben zeichnete ich ein Haus, darüber die Sonne. Was waren wir hier? Ich kam mir vor wie ein Idiot. Meine Freude war dahin.

»Zum Glück mag Ki weder die alten noch die neuen Künstler. Stell dir vor, wir hätten was von Picasso oder Starglow zeichnen müssen.« Er lachte. Ich überlegte, ob ich abbrach. Ich hasste das. Als wären wir verblödet. Trotzdem kletterte ich weiter. Meine Anzeige leuchtete grün, also durfte ich es.

Der Halbstarke folgte. »Ich bin gespannt, was Fero, Hagen und Idar dazu sagen. Die bekommen wahrscheinlich nicht einmal einen Baum hin.« Er reckte eine Faust in die Luft, laut grölend.

Der Aufstieg war leicht, obwohl es senkrecht hinaufging. Es gab genügend Vorsprünge und Ritzen. Viel zu einfach, fand ich.

Die nächste Station. Hier sollten wir ein Haus zeichnen. Ich tat es. Genervt. Und kletterte weiter. Doch meine Wut behinderte mich. Ich rutschte ab. Nur meine linke Hand hielt mich, mein Gewicht. Hastig suchten meine Finger einen Halt. Ihn brauchte ich, um auch irgendwo meine Füße aufzusetzen. Als ich endlich einen ausreichenden Vorsprung fand, schwitzte ich. Schwer atmend hielt ich inne. Warum tat Ki das? Sie behandelte uns wie kleine Kinder und das tat sie oft. Ich aber war erwachsen. Schon lange.

»Alles in Ordnung, Blain der Sänger?« Kis Stimme riss mich aus meinen Gedanken. »Dein Puls ist erhöht.«

Sie wusste, dass ich nicht antwortete. Also kletterte ich weiter nach oben. Ich konzentrierte mich auf den Weg hinauf, nur darauf. Nichts sonst. Der dritte Stopp, ich dachte nicht darüber nach. Zeichnete die Sonne. Einen Kreis mit vielen Strichen durch die Rundung. Sonnenstrahlen. Als wäre ich drei. Die Lampe sprang auf Grün. Dann erreichte ich den Gipfel. Ich hatte keine Lust mehr. Oben erwartete mich ein Hoverboard. Ich seufzte. Das machte total Spaß. Eigentlich. Mir aber war er vergangen. Der Halbstarke hingegen jubelte, sprang auf das Brett. Seine Stiefel rasteten ein. Er flog davon. Durch die Trümmer hindurch. Er johlte. Ohne Unterlass.

»Willst du ihm nicht folgen, Blain der Sänger?«

Ich hieß Blain Kaptar, doch das interessierte hier niemanden. Mich schon. Es nervte. All diese Bezeichnungen, die als Namen dienten. Nicht als Ergänzung. Sie wurden ein Teil von einem. Meinen wollte ich unbedingt vergessen. Das ging nicht. Ki hatte dafür gesorgt, mit ihrer blöden Idee. Blain der Sänger, das war ich nicht mehr, schon sehr lange nicht mehr.

Ich griff nach dem Board. Jetzt ein Wort hervorbringen zu müssen, nichts wäre schlimmer. Also handelte ich. So musste ich nicht antworten. Mein Kommunikator lag draußen. Er war hier verboten. Ich stellte mich auf die Markierung, die für die Füße. Sie umschlossen im selben Moment meine Stiefel. Das Gewicht nach hinten verlagert. Es startete. Ich hob ab. Es erschien eine diffuse Linie. Sie ließ mehrere Möglichkeiten. Ich folgte ihr durch zwei Trümmer hindurch. Der Anblick, er war atemberaubend. Meine Wut verflüchtigte sich. Unter mir befand sich das Gebirge. Es sah viel höher aus von hier. Das Tal. Leichter Wind bewegte die Gräser. Es sah aus wie ein Meer und Wellen. Ich umflog ein dickes Trümmerteil. Ki hatte selbst die Sterne simuliert. Ich flog mitten hindurch. Da hörte ich den Halbstarken schreien und laut lachen. Ich umrundete zwei Felsen, dann sah ich ihn. Ein seltsam geformter Stein, ähnlich einer Rampe. Der Halbstarke hing kopfüber an dessen Ende. Er schwebte in der Luft, obwohl sein Board aus war. Eine rote Markierung an dem Stein signalisierte zweierlei. Ein Kontrollpunkt, den man absolvieren musste. Er hatte es nicht geschafft.

»Ein Looping«, rief der Halbstarke. »So cool, aber ich war zu langsam.« Ein Ruck mit seinem hinteren Bein. Das Hoverboard reagierte. Er drehte sich. »Willst du zuerst?«

Ich wusste, warum er mir das anbot. Er hatte Angst. Ich auch. Zumindest Herzklopfen. Ich nickte. Der Stein glich einer Spirale in klein. Man brauchte Schwung, um sie zu überwinden. Ich flog ein Stück zurück, dann drehte ich, lehnte mich ein wenig nach vorne und beschleunigte. Allein meine hintere Hacke tat das. Ich mochte Hoverboarden, nicht jedoch mit Höchstgeschwindigkeit. Hier blieb mir aber keine Wahl. Ich ging in die Hocke. Der Einlauf, ich musste ihn perfekt erwischen. Es gelang beinahe. Am Rand schlitterte ich etwas, dennoch behielt ich das Tempo bei. Dann saß das Board perfekt in der Rinne. Ich schlitterte über den Stein, drehte mich kopfüber. Der Looping war geschafft, so schnell. Ich grinste. Ein Hochgefühl erfüllte mich. Bis ich den Felsen von unten kommen sah. Die Nächsten waren gestartet und mit ihnen die Trümmer, die durch die Wasseroberfläche brachen. Ich war viel zu schnell.

»Stopp!«, schrie Ki nur eine Handbreit, bevor ich auf das Trümmerteil schlug. Er war direkt vor mir stehen geblieben. Der plötzliche Ruck, er riss mir das Board von den Füßen. Mir war schlecht. Mein Herzschlag raste. Dennoch lebte ich, unversehrt. Doch diese Erkenntnis, sie dauerte.

»Tut mir leid«, entschuldigte sich Ki. Ich wusste, warum. Ihre Planung hatte eine Schwäche aufgezeigt, eine große. Das Gestein, sein Geruch kitzelte meine Nase, so nah war ich ihm. Doch ein Gedanke von Ki reichte. Er war fort. Nun lag sie vor uns, die freie Bahn, die nach dem Looping folgte, zumindest ab jetzt.

»Mann, Sänger, das war ja unglaublich. Ich dachte schon, du würdest an den Felsen klatschen. Autsch, das hätte sicher mehr als nur wehgetan.«

»Geht es?« Kis sanfte Stimme beruhigte mich ein wenig. Ich nickte trotz meiner Unsicherheit. »Wollt ihr zu Ende spielen?«

Der Halbstarke und ich, wir tauschten einen Blick. Zu meiner Überraschung schüttelte er den Kopf. Ich ebenfalls. Ich hatte genug.

»Tut mir wirklich leid«, wiederholte Ki.

Ich blinzelte, schon standen wir unten direkt vor dem Ausgang.

»Ihr könnt trotzdem noch baden, wenn ihr wollt.« Ich sah nach oben. Dort hatte Ki sich materialisiert, zumindest ihr Gesicht. Sie sah traurig aus. Ihre Augen schimmerten, als müsste sie gleich weinen. Was lächerlich war. Trotzdem nickte ich, gegen meinen Willen.

»Sänger, sieh dir das an. Es gibt eine Party!« Ich folgte dem Blick des Halbstarken. Dort gab es einen zweiten See. Sein glitzerndes Wasser ließ einen weit sehen, bis auf den Grund. Lampions hingen überall. Libellen surrten umher, Bienen und Schmetterlinge. Auf der Erde gab es sie kaum noch, nicht in freier Wildbahn. Ich zog mich aus und die Badehose an. Es war warm, hier in diesem Teil der Kammer und so legte ich mich in den Sand. Mit geschlossenen Augen konnte ich es mir vorstellen. Ich lag an einem Strand, irgendwo am Meer auf der Erde. Mia war auch hier, hier irgendwo. Diese Lüge, sie war besser als die Wahrheit. Besser als dieses Netz aus Lügen gewoben, hier auf diesem Schiff, dessen Sinn ich immer weniger verstand.

21,71 ₼

Janr və etiketlər

Yaş həddi:
0+
Litresdə buraxılış tarixi:
12 noyabr 2025
Həcm:
261 səh. 2 illustrasiyalar
ISBN:
9783948700225
Naşir:
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
Yükləmə formatı:

Oxşar kitablar