Kitabı oxu: «Türchen öffne dich»
Türchen öffne dich
Ein erotischer Adventkalender

Autoren
Emilia Jones, Lilly An Parker, Christiane Gref, Katinka Uhlenbrock, Jennifer Schreiner, Lara Sailor, Jean Sarafin und Tobias Bachmann entführen in »Türchen öffne dich« in lustvolle Adventwelten und erotische Fantasien, zu prickelnden Weihnachtstagen und verführerischen Spielen rund um die (be)sinnlichsten Feiertage.
Probieren Sie Fessel- oder Kerzenwachsspiele, fiebern Sie mit beim »Blind Date« oder lassen Sie sich einfach bei einer gekonnten »Massage« verwöhnen. Haben Sie sich schon immer für unser Business-Angebot vom »Office Escort« interessiert oder wollten erotische Fotos machen? Stehen Sie auf Weihnachtsüberraschungen, -rollenspiele oder zuckersüße Versuchungen?
Dann sind Sie hier genau richtig, denn hinter jedem der 24 Türchen wartet eine neue Geschichte oder eine spannende Fortsetzung darauf gelesen zu werden.
Allein, zu zweit … oder …
Türchen öffne dich
Ein erotischer Adventkalender


ELYSION-BOOKS TASCHENBUCH
BAND 4077
1. Auflage: September 2014
VOLLSTÄNDIGE TASCHENBUCHAUSGABE
ORIGINALAUSGABE
© 2014 BY ELYSION BOOKS, LEIPZIG
ALL RIGHTS RESERVED
UMSCHLAGGESTALTUNG: © Jaqueline Zweck
www.jdesign.at FOTOS: © Bigstock LAYOUT & WERKSATZ: Hanspeter Ludwig www.imaginary-world.de Korrektorat und Lektorat: Inka-Gabriela Schmidt www.das-elfenkind.de
PRINTED IN POLAND
ISBN 978-3-942602-56-3
Inhalt
1.Heißes Kerzenwachs
Emilia Jones
2.Irgendwas mit »M«
Christiane Gref
3.Fesselspiele
Jennifer Schreiner
4.Beratungsgespräch
Jean Sarafin
5.Das Klavier
Lara Sailor
6.Backe, Backe … Weihnachtsüberraschung
Katinka Uhlenbrock
7.Blind Date
Lilly An Parker
8.Massage
Lara Sailor
9.Marias Katze
Tobias Bachmann
10.Das Foto
Christiane Gref
11.Pimp my fuck: Traumsex
Jennifer Schreiner
12.Erotiklesung
Lara Sailor
13.Weihnachtsschleckerei
Katinka Uhlenbrock
14.Ein Weihnachtsrollenspiel
Emilia Jones
15.Fick mich – weil du darfst
Jennifer Schreiner
16.XXX-Mas
Lara Sailor
17.Der Engel der Liebe
Christiane Gref
18.Zuckersüße Verführung
Emilia Jones
19.Blind Date
Lara Sailor
20.Die Weihnachtsüberraschung
Jennifer Schreiner
21.Merry XXX-Mas
Lilly An Parker
22.Merry XXX-Mas
Lilly An Parker
23.Merry XXX-mas
Lilly An Parker
24.Merry XXX-Mas
Lilly An Parker
1.Heißes Kerzenwachs
Emilia Jones

Der Shiraz schmeckte süffig und fruchtig. Nora leckte sich die Lippen. Sie konnte nicht genug davon bekommen. Dabei war es noch früh am Abend – genauer gesagt Heiligabend – und sie hatte soeben ihr zweites Glas Rotwein geleert.
Nora saß allein in ihrer Wohnung. Auf dem Wohnzimmertisch vor ihr standen ein Miniatur-Weihnachtsbaum und eine geleerte Nudelbox vom Asiaten nebenan.
Schuld daran war Moritz. Ihr langjähriger Freund hatte sie kurz vor den Feiertagen sitzen lassen. So kurz vorher, dass Noras gesamter Familien- und Freundeskreis längst Pläne hatte, in die sie einfach nicht mehr hinein passte. Ihre Eltern machten eine Kreuzfahrt, ihre Schwester war bei der Verwandtschaft ihres Mannes eingeladen und ihre Freunde … Nora seufzte … ja, die hatte sie nicht unbedingt der Reihe nach abtelefonieren wollen, um ihnen ihr Leid zu klagen. Die Standpauke ihrer zwei besten Freundinnen, Ariane und Bibbi, hatte ihr gereicht. Sie sollte doch bitte die Arschbacken zusammen kneifen und die Feiertage Feiertage sein lassen. Im nächsten Jahr wird alles anders. Sie würde schon sehen.
Zu allem Überfluss hatte Bibbi ihr dann auch noch geraten, bei ihrem neuen Nachbarn zu klingeln und zu fragen, ob der an Heiligabend noch frei wäre. Nora schnaufte, als sie daran dachte. Das sollte wohl ein Witz sein!
Ein einziges Mal war sie ihrem neuen Nachbarn bisher begegnet, als er beim Einzug seine Klamotten die Treppen hinauf geschleppt hatte. Anstatt zu fragen, ob sie ihm helfen könnte, wäre Nora bei seinem Anblick beinahe ohnmächtig zusammen gebrochen. Sein Körper schien geradezu göttlich durchtrainiert zu sein, soweit sie das durch seine Kleidung hatte beurteilen können. Sein Gesicht war braun gebrannt, als käme er gerade aus dem Sommerurlaub. Die Haare hingen ihm in wilden blonden Locken bis auf die Schultern. Und erst diese strahlend blauen Augen und sein umwerfendes Lächeln!
Allein die Erinnerung an ihre Begegnung ließ Noras Knie weich werden. Ein solcher Mann verbrachte die Weihnachtstage niemals allein. Ganz sicher. Vermutlich hatte er zehn Frauen an jedem Finger und würde sich gar nicht entscheiden können, mit welcher von ihnen er unterm Weihnachtsbaum sitzen wollte.
Nora schenkte sich ihr drittes Glas Rotwein ein. Allmählich spürte sie, wie ihr der Alkohol zu Kopf stieg. Er machte sie ein wenig schwindelig, brachte allerdings auch ihre Fantasien gehörig auf Touren. So begann sie doch ernsthaft zu überlegen, wie es wohl wäre, die Frau unterm Weihnachtsbaum ihres Nachbarn zu sein.
Er hieß Elias, und sie flüsterte seinen Namen vor sich hin, als hingen ihre Lippen an seinem Ohr und als würde sie sanft ihren Atem über seine Wange hauchen. Heiß-kalte Schauder fuhren ihr durch ihre Glieder, als sie sich dann auch noch vorstellte, wie er ihr die Kleider abstreifte.
Sie trug ihren seidenen, rosa Morgenmantel. Darunter hatte sie lediglich ihre weiße Spitzenunterwäsche am Leib. Warum sie an Heiligabend allein mit Rotwein und Nudelbox in ihrem Wohnzimmer saß und dabei derart gekleidet war, wusste sie selbst nicht. Vielleicht hatte sie ja schon vorher ernsthaft über Bibbis Vorschlag nachgedacht, sagte sie sich, verwarf diese Vermutung aber gleich wieder. Sie wusste selbst viel zu gut, dass sie es nach dem Duschen schlichtweg nicht für nötig gehalten hatte, sich etwas »Richtiges« anzuziehen. Wozu auch?
Ein weiterer Schluck Rotwein ließ ihren Körper schwer werden. Sie lehnte sich im Sofa zurück, kuschelte sich tief ein und schloss die Augen. Das Bild von Elias tauchte vor ihr auf, wie er da stand und sie in seine starken Arme nahm. Sie konnte spüren, wie er sich an sie schmiegte, wie hart seine Muskeln waren. Aber nicht nur das. Auch vorne an seiner Hose gab es eine Stelle, die sich ausbeulte und sich fest gegen ihren Unterleib presste.
Nora grinste in sich hinein. Dieser Tagtraum gefiel ihr immer besser. Sie biss sich auf die Unterlippe, als sie sich vorstellte, wie Elias damit anfing, kleine sanfte Küsse in ihrer Halsbeuge zu verteilen. Wie er schließlich mit der Zungenspitze über ihre Haut leckte.
Wieder ein ergreifender Schauder! Nora zitterte bereits vor Erregung.
Mit der einen Hand hielt sie nach wie vor das Rotweinglas, die andere, freie Hand schob sie unter ihren seidenen Morgenmantel. Sie spreizte die Schenkel ein wenig, um ihre Finger über ihren Venushügel tanzen zu lassen. Wellen der Lust strömten durch sie. In diesem Moment wünschte sie sich nichts sehnlicher, als wahrhaftig von Elias berührt zu werden.
Vor ihren Augen flackerte es. Nora war irritiert und ordnete es zunächst dem Alkohol oder ihrer Erregung zu. Doch dann fühlte sie auf einmal die Dunkelheit um sich herum und schlug erschrocken die Augen auf.
Sämtliche Lichter in ihrer Wohnung waren urplötzlich erloschen. Sie stellte das Weinglas auf dem Tisch neben der Nudelbox ab und ging zum nächsten Lichtschalter. Aber nichts geschah, egal, wie sehr sie darauf herum drückte. In den anderen Räumen war es das gleiche Spiel.
Als sie aus dem Küchenfenster auf die Straße hinaus sah, erkannte sie, dass in den Nachbarhäusern offenbar ebenfalls keine Lichter mehr brannten. Der Tannenbaum, der gegenüber in einem Vorgarten stand und für gewöhnlich immer beleuchtet war, versank im Dunkel des Abends.
Nora wandte sich ab. Sie blickte von der Küche aus in den Flur, konnte aber alles nur schemenhaft erkennen.
»Stromausfall«, kam ihr die grandiose Erkenntnis. Und was sollte sie nun allein mit dem Rest des Heiligabends anstellen? Sie könnte sich ins Bett legen, von Elias träumen und sich dabei selbst verwöhnen. Oder sie könnte bei Elias an der Tür klopfen und ihn wegen des Stromausfalls um Hilfe bitten. Vielleicht würde er ein paar Kerzen für sie übrig haben. Und vielleicht würde er mit ihr gemeinsam Rotwein bei Kerzenschein trinken wollen.
Sie zuckte mit den Schultern. Selbst wenn ihr eine solche Aktion peinlich war und sie vor Scham rot anlaufen würde, fiel das im Dunkeln sicherlich nicht so stark auf.
Kurzerhand öffnete sie ihre Wohnungstür und blickte ins Treppenhaus. Dort war es noch viel dunkler als in ihrer Wohnung. Sie konnte kaum etwas erkennen. Allerdings hörte sie auch keinerlei Geräusch und war sich daher ziemlich sicher, dass außer ihr niemand sonst umher schlich.
Sekunden später fiel die Wohnungstür hinter ihr mit einem Knacken ins Schloss. Nora hatte ihre rosa Plüschpantoffeln an den Füßen, passend zu ihrem Morgenmantel. Sie schlurfte daher, als sie nun die Treppen hinauf stieg. Elias wohnte eine Etage höher, direkt über ihrer Wohnung.
Als sie vor seiner Tür angekommen war, harrte sie einen Moment aus. Sollte sie tatsächlich anklopfen? Und wenn ja, wie würde es dann weiter gehen?
Sie hob eine Hand, ballte sie zur Faust und zögerte wieder.
»Du schaffst das«, sagte sie zu sich selbst und klopfte an. Viel zu zaghaft, um von irgendjemandem gehört zu werden. Sie spürte die Hitze in ihre Wangen steigen und wollte auf der Stelle kehrt machen. Doch im gleichen Moment öffnete sich die Tür.
Der Anblick von Elias kam ihr wie die Erscheinung eines Weihnachtsengels vor. Ihr ganz persönlicher, durchtrainierter Engel, mit nichts als einer abgewetzten Jeanshose am Leib. Nora schluckte einen dicken Kloß im Hals hinunter.
»Oh, ähm … tut mir leid, ich wollte nicht stören«, stammelte sie.
Er lächelte. »Kein Problem. Du störst nicht. – Nora, von unten, richtig?«
Sie nickte wie von Sinnen.
»Kann ich dir irgendwie helfen?« Elias näherte sich einen Schritt und löste damit einen rasenden Herzschlag bei Nora aus. Sie musste sich wirklich sehr um Fassung bemühen.
»Es ist nur … ich wollte …« Es schien unmöglich, einen logischen Anfang für ein Gespräch zu finden. Sie zog die Augenbrauen zusammen und starrte ihm ins Gesicht. Warum zum Teufel leuchtete seine Silhouette eigentlich, als wäre er wahrhaftig ein Engel?
»Möchtest du reinkommen?« Er bewegte sich ein Stück zur Seite und gab die Sicht in seine Wohnung frei.
Nun erkannte Nora eine unfassbare Anzahl an brennenden Kerzen, die überall im Inneren aufgestellt waren. Daher kam also der göttliche Schein. Sie schmunzelte in sich hinein.
»Ist das ein Ja?«, hakte er nach.
»Oh«, meinte Nora, die fühlte, wie sie allmählich etwas lockerer wurde, »eigentlich wollte ich dich ja nur fragen, ob du ein paar Kerzen für mich hast. Wegen dem Stromausfall. Aber wenn es dir nichts ausmacht, komme ich gern mit hinein.«
»Du würdest mir sogar einen großen Gefallen tun.« Elias ließ sie ein und schloss hinter ihr die Tür. Sofort schlug Nora die heimelige Kerzenwärme entgegen, der Duft von Wachs und auch der Moschusgeruch, den ihr Nachbar verströmte. Die Atmosphäre wirkte derart verlockend, dass sie sich am liebsten in diese Umgebung hinein gekuschelt hätte.
»Weißt du, ich bin in diesem Jahr zum ersten Mal an Weihnachten allein.« In seiner Stimme lag jene Traurigkeit, die Nora gerade noch – vor dem zweiten Glas Rotwein – ebenfalls gespürt hatte.
»Da haben wir etwas gemeinsam«, stellte sie fest.
Und ehe sie sich versah, saß sie neben Elias auf seinem Sofa und trank mit ihm gemeinsam ein Glas Wein bei Kerzenschein. Sie erzählten sich gegenseitig ihre Geschichten und munterten einander auf.
Die ganze Zeit über konnte Nora nicht anders, als Elias ununterbrochen zu betrachten. Die Muskeln auf seinem wunderschönen Oberkörper glänzten im Schein der Kerzen. Immer wieder musste sie dem Drang widerstehen, eine Hand nach ihm auszustrecken und ihn zu berühren. Ihr Verlangen machte sie beinahe wahnsinnig.
Da half es auch nichts, die Schenkel wie verrückt gegeneinander zu pressen. Das Pulsieren in ihrem Unterleib ließ sich einfach nicht unterdrücken. Ihr feines Spitzenunterhöschen war sicher schon ganz feucht vor Lust. Lange würde sie es nicht mehr in seiner Nähe aushalten, ohne über ihn herzufallen wie eine Raubkatze.
Sie leckte sich die Lippen.
»Was meinst du dazu?«, hörte sie ihn fragen.
Irritiert blickte sie auf und sah direkt in seine blauen Augen. Sie öffnete den Mund ein winziges Stück, sagte jedoch nichts, denn sie hatte ihm überhaupt nicht zugehört. Wie schaffte er es nur, sie derart zu verzaubern?
»Keine Antwort?«, fragte er nach und schenkte ihr ein charmantes Lächeln.
Sie schüttelte den Kopf, in sehr langsamen Bewegungen.
»Ich liebe das Spiel mit dem Feuer«, sagte Elias daraufhin. Er drehte sich zur Seite und nahm eine brennende weiße Stabkerze aus einem Ständer auf dem Wohnzimmertisch. Dann leckte er Daumen und Zeigefinger seiner freien Hand und löschte damit die Flamme.
Nora beobachtete fasziniert, wie er die Kerze zu seinem Oberkörper hin führte und das spärliche, flüssige Wachs auf seine rechte Brustwarze tropfen ließ. Unfassbar, wie er Nora auf diese Weise ein tiefes Stöhnen entlockte.
»Möchtest du auch?«
Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Doch sie wehrte sich auch nicht, als Elias die erloschene Kerze beiseite legte, Noras Morgenmantel öffnete und den Stoff ihres BHs hinunter schob, in die Falten unter ihren Brüsten. Ihr Atmen ging schwer. Voll freudiger Erwartung hielt sie still.
Er nahm eine weitere Stabkerze aus dem Ständer, blies sie dieses Mal aus und tropfte das Wachs erst auf den einen und dann auf ihren anderen Nippel. Es brannte nur ein klein wenig. Nora bemerkte es kaum. Vielmehr spürte sie, wie ihre Brüste vor Erregung anschwollen. Unzählige Funken der Ekstase schossen von den harten Brustwarzen aus durch ihren Körper.
Sie warf den Kopf in den Nacken und bäumte sich auf. Elias legte die Hände an ihre Schultern. Er drückte sie zurück in die Sofakissen und sie ergab sich willenlos. Sie genoss es, von ihm Stück um Stück entkleidet zu werden, auch wenn sie nicht sehr viel am Leib trug. Er öffnete ihren seidigen Mantel weit zu den Seiten und zog sachte mit den Zähnen an ihrem Spitzenunterhöschen. Nora hätte nichts dagegen, wenn er es einfach zerriss. Doch das tat er nicht.
Zuerst brachte er eine weitere Kerze ins Spiel. Ein heißer Tropfen fiel auf ihren Unterleib. Ein weiterer schlich sich in ihren Bauchnabel. Es waren lediglich kleine heiße Stiche, die sie jedoch nicht schmerzten, sondern ihre Leidenschaft auf ein Höchstlevel schraubten. Elias berührte sie nicht einmal großartig, dennoch glaubte sie, dass bereits ein Orgasmus auf sie zurollte.
»Soll ich weiter machen?«, fragte er mit tiefer, verführerischer Stimme.
»Ja…«, stöhnte sie, »… oh ja …« Das war alles, was sie heraus brachte.
Mit geschickten Händen schob Elias den Spitzenstoff von ihr und legte ihre Scham frei. Aus dem Augenwinkel erkannte sie, dass er im Begriff war, heißes Wachs auf ihre Klitoris zu tropfen. Sie erschrak ein wenig. Vollkommen unnötig, wie sie Sekunden später feststellte. Denn nach dem winzigen Schmerz ging er dazu über, mit der Stabkerze der Länge nach an ihrer feuchten Spalte entlang zu reiben. Die darauf einsetzenden Empfindungen entschädigten sie eindeutig für jede vorherige Pein. Sie war erfüllt von Lust, so sehr, dass in ihrem Inneren ein regelrechter Vulkan zu explodieren drohte. Und dann konnte sie sich tatsächlich nicht mehr zurück halten. Der Höhepunkt erfasste sie wie ein mächtiger Sturm. Sie bäumte sich abermals auf. Ihr Schoss und ihre Schenkel zitterten unkontrolliert und wollten scheinbar gar nicht mehr aufhören.
Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, ehe Nora es schaffte, sich mit einem Ruck daraus zu lösen und sich aufzusetzen. Keuchend brachte sie die Füße auf den Boden, stützte sich mit den Ellenbogen auf ihren Oberschenkeln ab und rang um Fassung.
Nur ganz langsam registrierte sie ihre Umgebung.
Alles um sie herum lag in Dunkelheit. Vor sich auf dem Wohnzimmertisch konnte sie die Umrisse eines winzigen Weihnachtsbaumes erkennen. Daneben ein Weinglas und eine Nudelbox, die mittlerweile einen unangenehmen Geruch verströmte.
Hatte sie etwa nur geträumt? Das konnte doch unmöglich sein!
Sie stand auf und ging hinüber zum nächsten Lichtschalter. Nichts passierte. Mit einem Blick hinaus auf die Nachbarhäuser versicherte sie sich, dass der Stromausfall durchaus real war.
Um ganz sicher zu gehen, kniff sie sich noch kräftig in den Oberarm.
»Autsch«, fluchte sie.
Der Traum war ausgeträumt, aber die Kerzenspiele sicher noch ausbaufähig. Höchste Zeit, ihrem Nachbarn Elias einen wahrhaftigen Besuch abzustatten.
2.Irgendwas mit »M«
Christiane Gref

Seufzend stellte Arne den Blumentopf ins Regal zurück. Ein junger Verkäufer näherte sich. »Kann ich Ihnen helfen?«
»Ich fürchte, mir kann keiner helfen.«
»Das klingt aber nicht gut.«
Arne strich sich müde über die Augen. »Haben Sie Geschwister?«
Der Verkäufer nickte eifrig. »Einen jüngeren Bruder.«
»Sie Glücklicher«, sagte Arne und seufzte. »Ich habe eine Schwester und wir sind vom Charakter her grundverschieden. Ich bin chaotisch, sie ist krankhaft penibel. Sie hat einen guten Job und ein Haus, ich hause in einer winzigen Wohnung und jobbe mich mehr schlecht als recht durchs Leben. Sie hat einen eigenen Kleiderschrank für ihre Klamotten, die sie in der Firma trägt, während meine Anziehsachen gerade einmal ein Regal füllen. Diese Liste ließe sich noch beliebig weiterführen, aber ich will ja eigentlich nur eine Pflanze kaufen und nicht ins Jammern verfallen.«
Der Verkäufer lächelte Arne aufmunternd an, steuerte auf einen Eimer mit fertig gebundenen Sträußen zu, griff zielsicher ein buntes Gebinde heraus und reichte es an Arne weiter.
»Feldblumen? Um diese Jahreszeit?« Arne war fassungslos.
»Ja, ja, die Globalisierung macht’s möglich. Vertrauen Sie mir«, gab der Verkäufer zurück. »So, wie Sie mir Ihre Schwester beschrieben haben, sehnt sie sich nach etwas Ursprünglichen, etwas Schlichtem mit Raffinesse, die in diesem Fall darin besteht, dass es im Winter keine Feldblumen geben dürfte.«
»Langsam sind Sie mir unheimlich«, stieß Arne hervor. »Kennen Sie meine Schwester etwa?«
Der Verkäufer schüttelte lächelnd den Kopf. »Ich möchte Ihrer Schwester nicht zu nahe treten, aber das sind die Erfahrungen, die ich im Rahmen einer Studie gesammelt habe. Blumen verkaufe ich nur samstags. Ich studiere Wirtschaftspsychologie.«
»Dann machen Sie Ihr Studium bloß zu Ende. Vielen Dank.«
Arne sah auf die Uhr und stellte fest, dass er bis zum Adventsdinner, wie Joanna es genannt hatte, noch genügend Zeit finden würde, sein einziges Hemd zu bügeln. Das Telefon klingelte.
»Denkst du an unser Essen? Mama hat abgesagt, dafür kommt meine … Ma…«
Arne hörte nur noch Rauschen in der Leitung, dann war Joannas Stimme wieder da. »… mitbringen?«
»Was soll ich mitbringen?«, brüllte Arne ins Telefon.
»Gute Laune, schließlich soll meine Freundin ja den bestmöglichen Eindruck von dir be…«
Das Gespräch riss dieses Mal ganz ab. Arne wartete noch eine Minute. Als sich Joanna nicht mehr meldete, ging er ins Bad und stellte die Dusche an.
So, so, da hatte Joanna also wieder eine neue Freundin. Arne hoffte, dass die Beziehung ausnahmsweise länger dauern würde als die letzten Male. Joanna war unerträglich, wenn es in die Brüche ging, besonders, wenn sie verlassen wurde. Alexa war ihre letzte Freundin gewesen. Ein Model, bei dem Arne nicht müde geworden war zu bedauern, dass es seinen Prachtkörper nur Joanna nackt präsentiert hatte. Im Nachhinein stellte sich zwar heraus, dass Alexa mit ihrem Körper auch andere Frauen beglückt hatte, doch dieser Umstand war weder Joanna noch Arne ein Trost.
Arne nahm sich vor, der neuen Flamme seiner Schwester nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu schenken.
Pünktlich hielt er am Abend vor Joannas Haus und bewunderte einmal mehr die Perfektion, mit der seine Schwester den Garten bepflanzt hatte. Die Steinplatten für den Weg waren eigens aus Irland eingeflogen worden, die Büsche stammten aus der Toskana, die Gartenmöbel aus Frankreich, die Solarleuchten aus Amerika und all die Tonfiguren – keine Gartenzwerge, die hätte Joanna niemals geduldet – von diversen Handwerkern aus der Region. Selbstredend handelte es sich um teure Unikate. Arne dachte an seine einzige Pflanze, eine Grünlilie, die ihr trauriges Dasein in einem dunkelbraunen Plastiktopf auf der Fensterbank fristete. Arne betätigte den Klingelzug. Noch eine Extravaganz. Ein profaner Klingelknopf kam nicht in Frage.
Joanna, in einen Kimono gekleidet, öffnete. »Schön, dass du da bist. Ist der für mich? Mensch, Brüderchen, du beweist ja langsam Geschmack. Den Strauß hast du ganz wunderbar ausgewählt, der kommt gleich in die Vase.«
Joanna verschwand in der Küche, aus der herrliche Düfte strömten. Arne ging ins angrenzende Wohnzimmer. Die Dielen knarrten unter seinen Füßen, sofort fühlte er sich geborgen, weil ihn das Geräusch an die elterliche Wohnung erinnerte. Wahrscheinlich hatte sich Joanna deshalb gegen Parkett und für das Knarren entschieden. Die Sitzecke war riesig und passte zum Fernseher, der beinahe Kinoleinwandformat besaß. Fast hätte Arne die zierliche Gestalt übersehen, die sich von der Couch erhoben hatte und sich nun unsicher den Rock glatt strich.
Die passt ja so gar nicht in Joannas Beuteschema, ging es Arne durch den Kopf.
Normalerweise bevorzugte Joanna Frauen ab 1,75 Meter Größe, mit rassigen Kurven. Für diese aparte Frau fiel ihm auf Anhieb das Attribut »lieb« ein. Sie strahlte eine Sanftheit aus, die an Joannas Ansprüchen zerschellen würde, wie ein morsches Boot an einer Klippe.
»Marja«, sagte sie und streckte Arne die Hand entgegen. Die volle Stimme und der feste Händedruck entsprachen allerdings so gar nicht der äußeren Sanftheit. Wider Willen fand Arne sie interessant. Zu interessant dafür, dass sie die Freundin seiner Schwester war. Er räusperte sich, nannte ihr seinen Namen und nahm auf der Couch Platz. Teils erleichtert, teils enttäuscht registrierte er, dass sie sich in einem, auf antik gemachten, Ohrensessel niederließ.
»Seit wann kennen Sie meine Schwester?«, wollte Arne wissen.
»Seit vier Monaten. Ich arbeite in der gleichen Agentur wie Joanna.«
»Ah ja«, sagte Arne. »Und wann haben Sie gemerkt, dass Sie sich … sympathisch sind?«
»Von Anfang an«, gab Marja so inbrünstig zurück, dass Arne auf weitere Fragen verzichtete. Da er fürchtete, sie würde nun intimere Details auspacken, wandte er den Blick ab und schaute sehnsüchtig in Richtung der Küche.
»Ich sehe, ihr habt euch schon bekannt gemacht«, sagte Joanna, ging schnurstracks auf Marja zu und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Beide kicherten.
Arne konnte sich schon denken, um was es in dem Gespräch ging. So etwas wie: Wenn mein dämlicher Bruder weg ist, dann machen wir es uns nackt vor dem knisternden Kaminfeuer gemütlich.
Es versetzte Arne einen Stich, dass Marja beim Flüstern errötet war. Die beiden würden vermutlich über die Weihnachtsfeiertage in einen idyllischen, sündhaft teuren Skiort fahren, während er selbst – wie jedes Jahr – seine Eltern besuchen und sich allein abends vor dem Fernseher eine Flasche Wein aufmachen würde. Er wurde jäh aus seiner trübsinnigen Zukunftsvision gerissen, als Joanna zum Essen rief. Die Frauen musterten ihn amüsiert. Wie lange hatte er mit leerem Blick vor sich hin gestiert?
Allmählich werde ich verschroben, und das mit Ende Dreißig, dachte er verbittert.
Marja reichte ihm eine Platte mit Räucherlachs. Ihre Fingerspitzen berührten seinen Handrücken nur einen winzigen Moment. Dieser Augenblick setzte allerdings eine Kettenreaktion in Gang. Arnes Herz begann im Stakkato zu rasen, seine Hände zitterten so sehr, dass es ihm gerade noch gelang, die Platte scheppernd auf dem Tisch abzusetzen. Er murmelte eine Entschuldigung und flüchtete auf die Gästetoilette. Als die Tür hinter ihm verriegelt war, atmete er tief durch. Was zur Hölle soll das?, schimpfte er mit sich selbst. Sie ist vergeben, nein, schlimmer, sie ist lesbisch. Keine Chance also. Warum benimmst du blöder Kerl dich wie ein verliebter Teenager? Jetzt sei kein Idiot und behandle sie wie ein Neutrum. Arne schaufelte sich mehrere Hände Wasser ins Gesicht, bis er sich besser fühlte und kehrte zum Esstisch zurück.
Es wurde ein bizarres Dinner. Aus Angst, etwas Falsches zu sagen, schwieg Arne. Irgendwann unterhielten sich die Frauen über seinen Kopf hinweg, versuchten nicht einmal mehr, ihn ins Gespräch einzubeziehen. Sie sprachen über irgendein langweiliges Agentur-Projekt. Anstatt zu essen, trank Arne so viel Wein, dass er schließlich von Joanna und Marja auf die Couch verfrachtet wurde. Eine Decke, die ihn warm umhüllte war das Letzte, das er bewusst mitbekam, dann ereilte ihn der weinselige Schlaf und riss ihn in die Dunkelheit.
»Hey«, hörte er jemanden sagen. Mit einiger Verspätung erkannte er den ungeduldigen Tonfall seiner Schwester. Wie kam die denn in sein Schlafzimmer? Ach nein, er war ja bei Joanna gewesen.
»Trinken«, befahl sie und hielt ihm ein Glas an die Lippen. Gehorsam trank er die bittere Flüssigkeit und sah weidwund zu seiner Schwester auf.
»Guck nicht so«, sagte sie hart. »Ich werde nie mehr was für dich arrangieren, wenn du meine Bemühungen so mit Füßen trittst.«
Arne hob den Kopf. »Das Essen war prima. Und der Wein erst … aua.« Er fühlte einen Stich, der ihm bis ins Hirn drang. Erschöpft ließ er sich in die Kissen zurückfallen.
»Du bist ein Trottel! Ich habe nicht vom Essen geredet. So, Brüderchen. Schlaf dich aus, ich muss jetzt zur Arbeit.«
Arne schlief wieder ein. Erst am Mittag war er soweit wiederhergestellt, dass er aufstehen konnte, ohne dass sich alles um ihn drehte. Er fand eine eingeschweißte Zahnbürste in Joannas Schrank und pries seine Schwester im Stillen für ihre Vorratshaltung. Frisch geduscht setzte er sich vor den Fernseher. Schließlich war es egal, vor welchem Fernseher er seinen ersten Urlaubstag verbrachte. Um 15 Uhr hörte er die Haustür aufgehen.
»Ich habe mir die neue Zahnbürste aus dem Schrank genommen, ich hoffe, das ist okay für dich?«, rief Arne, ohne den Blick vom Fernseher zu wenden.
Keine Antwort, nur eilige Schritte, die sich näherten. »Für mich geht das klar, aber wer bist du? Was machst du in Joannas Wohnzimmer?«
Eine große, schlanke Frau kam ihm entgegen gestöckelt. Sie musterte ihn misstrauisch und kramte in ihrer Handtasche. Arne vermutete, dass sie nach einem Elektroschocker, Pfefferspray oder sonst einer fiesen Abartigkeit tastete. Arne hob die Hände in einer Geste der Unschuld und sagte: »Ich bin Joannas Bruder und Sie … äh … du?«
»Dann bist du Arne, richtig? Ich heiße Marie.«
»Marie«, echote er.
»Joannas Freundin, ja.«
Plötzlich ging Arne ein Licht auf. Er sprang von der Couch, schnappte sich Handy und Autoschlüssel und verließ mit einem »Tschüss« Joannas Wohnung.
Zwei Stunden musste er im Foyer warten, bis das Meeting endlich beendet war. Arne konnte nicht still sitzen, ständig lief er umher, blätterte abwesend in den Zeitschriften, die auf den Tischen verstreut lagen und rang seine Hände. Die Empfangsdame holte ihn und da sah Arne auch schon Marja den Flur entlang kommen.
»Was machst du denn hier?«, fragte sie erstaunt. Sie fragte zumindest nicht sauer, aber richtig freundlich war sie zu Arnes Leidwesen auch nicht.
»Ich habe … ich wollte … es tut mir leid, dass ich mich gestern so blöd benommen habe. Hast du Lust, mit mir heute Abend Essen zu gehen? Als Wiedergutmachung für gestern?«
Einen endlosen Moment sah sie ihn aus halb geschlossenen Lidern an, dann erschienen zwei bezaubernde Grübchen auf ihren Wangen. Arne war hin und weg.
»Gern. Wenn du magst, können wir gleich gehen. Ich bin für heute fertig.« Arne bestand darauf, dass sie vor dem Restaurantbesuch bei ihm vorbeifuhren, damit er sich umziehen und seine Bartstoppeln entfernen konnte. Mit dem Rasierschaum im Gesicht überlegte er halblaut, in welches Lokal er Marja einladen wollte.
»Wie wäre es mit einem schlichten Mahl, das wir uns selbst zubereiten?«, schlug sie vor. Arne erschrak. Er hatte sie nicht ins Bad kommen gehört. Sie stand so dicht hinter ihm, dass er ihre Brüste an seinem Rücken fühlte. Er drehte sich zu Marja um und betrachtete sie das erste Mal aus der Nähe. Wie schön sie war. Ihre grünen Augen wurden von dichten Wimpern umkränzt, die Augenbrauen beschrieben einen aufregenden Bogen und da waren auch wieder die Grübchen in den Wangen. Marja griff zu einem Handtuch und wischte ihm keck den Rasierschaum ab, dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn. Arne verlor beinahe den Boden unter den Füßen. Wie gut sich das anfühlte! Seine Hände glitten an ihrer Taille herab und schlossen sich um ihre festen Pobacken. Marja provozierte sein schwellendes Glied mit kleinen Bewegungen.