Kitabı oxu: «Management Macht Sinn»

Şrift:

Für Helen

Claude Rosselet / Georg Senoner

MANAGEMENT MACHT SINN

Organisationsaufstellungen in Managementkontexten

Mit einem Geleitwort von Gunthard Weber

ebook 2020


Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats des Carl-Auer Verlags:

Prof. Dr. Rolf Arnold

Prof. Dr. Dirk Baecker

Prof. Dr. Bernhard Blanke

Prof. Dr. Ulrich Clement

Prof. Dr. Jörg Fengler

Dr. Barbara Heitger

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Prof. Dr. Bruno Hildenbrand

Prof. Dr. Karl L. Holtz

Prof. Dr. Heiko Kleve

Dr. Roswita Königswieser

Prof. Dr. Jürgen Kriz

Prof. Dr. Friedebert Kröger

Tom Levold

Dr. Kurt Ludewig

Dr. Burkhard Peter

Prof. Dr. Bernhard Pörksen

Prof. Dr. Kersten Reich

Prof. Dr. Wolf Ritscher

Dr. Wilhelm Rotthaus

Prof. Dr. Arist von Schlippe

Dr. Gunther Schmidt

Prof. Dr. Siegfried J. Schmidt

Jakob R. Schneider

Prof. Dr. Jochen Schweitzer

Prof. Dr. Fritz B. Simon

Dr. Therese Steiner

Prof. Dr. Dr. Helm Stierlin

Karsten Trebesch

Bernhard Trenkle

Prof. Dr. Sigrid Tschöpe-Scheffler

Prof. Dr. Reinhard Voß

Dr. Gunthard Weber

Prof. Dr. Rudolf Wimmer

Prof. Dr. Michael Wirsching

Umschlaggestaltung: Uwe Göbel

Satz u. Grafik: Drißner-Design u. DTP, Meßstetten

Printed in Germany

Druck und Bindung: Freiburger Graphische Betriebe, www.fgb.de

Erste Auflage, 2010

ISBN 978-3-89670-752-9

eISBN 978-3-84978-276-4

© 2010 Carl-Auer-Systeme Verlag

und Verlagsbuchhandlung GmbH, Heidelberg

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Inhalt

Geleitwort

Danksagung

Einleitung

Teil IOrganisationsaufstellungen – Wissen in Szene setzen

1.Systemaufstellung und Komplexität

1.1Der Sache auf den Grund gehen

1.2Was passiert in Systemaufstellungen?

1.2.1Der Repräsentant als Resonanzkörper impliziten Wissens

1.2.2Der Prozess der Systemaufstellung

1.3Beispiel einer Aufstellung

Zusammenfassung

1.4»Szenisches Protokoll« zur Nutzung kollektiver Intelligenz

1.5Systemaufstellung und lernende Organisation

1.6Systemaufstellung – ein ganz normales Management-Tool?

1.6.1Aufstellungsarbeit – ein modernes Orakel?

1.6.2Der Wahrheitsgehalt der Bilder einer Aufstellung

1.6.3Systemaufstellung und Managementsysteme

2.Das Murmeln des impliziten Wissens

2.1Implizites und explizites Wissen

2.2Abkehr von der Magie des Wissensschatzes

2.3Von den Daten zum Wissen – und wieder zurück

2.4Wissen als komplexe Prüfoperation – die Ordnungsmomente von Organisationen

2.4.1Exkurs: Was eine Organisation zusammenhält

2.5Regeln und Routinen

2.6Regeln in sozialen Systemen

2.6.1Grammatische Regeln

2.6.2Informelle Regeln

2.6.3Technische Regeln

2.7Systemaufstellung als Rezeptor für implizites soziales Wissen

Teil II Leitfaden für die Aufstellungsarbeit in Managementkontexten

3.Momente des Gelingens

3.1Beachtung der Zugehörigkeitsbedingungen

3.2Würdigung der Reihenfolge

3.3Anerkennung der höheren Verantwortung und des höheren Einsatzes

3.4Förderung individueller Leistungen und Fähigkeiten

4.Settings der Aufstellungsarbeit

4.1Team-Setting – Management Constellations

4.1.1Aufstellungsarbeit in Managementkontexten

4.2»Offene« Seminare

4.3Einzel-Setting

4.3.1Aufstellungsarbeit am Tisch

4.3.2Aufstellungsarbeit im Raum

5.Ablauf der Aufstellung

5.1Zur Rolle des Facilitators

5.2Formulierung der Frage

5.3Bestimmung der aufzustellenden Elemente

5.4Auswahl und Aufstellen der Repräsentanten

5.5Interpretation eines Aufstellungsbildes

5.6Interventionen

5.7Abschluss

6.Ausgewählte Schemata und entsprechende Aufstellungsformate

6.1Management und Leadership

6.1.1St. Galler Management-Modell

6.1.2Epidauros-Modell

6.1.3Werte- und Ressourcendreieck

6.1.4TZI-Modell

6.2Strategie und Innovation

6.2.1Strategy Maps

6.2.2Schmetterlingsmodell

6.2.3Wertequadrat

6.2.4Potenzialentwicklung

6.3Problemlösung und Entscheidungsfindung

6.3.1Tetralemma

6.3.2Problemstruktur

6.3.3Konfliktlösungsansatz

7.Ergänzende Methoden und Techniken

7.1Dialog

7.2World Café

7.3Open Space

7.4Dialogisches Interview

7.5Fish Bowl

7.6Wiederkehrende Frage

7.7Vier Räume des Wandels

Ausblick: Aufstellungsarbeit als Sinnstiftung

Weicks Organisationsbegriff

Aufstellungsarbeit als Prozess kollektiver Sinnstiftung

Literatur

Über die Autoren

Geleitwort

Als ich das Manuskript zu diesem Buch las, kamen mir unvermittelt zwei Zeilen eines Gedichtes von Börries von Münchhausen in den Sinn:

»Doch als der Tag schlich durch die Gärten her,

da war der weiße Flieder aufgebrochen ...«

Diesem Einfall gebe ich Raum, weil ich davon ausgehe, dass das Buch sich vorerst (leider) nur relativ selten zu Managern »verirren« wird, die ein solcher Einfall an dieser Stelle eventuell irritieren könnte. Ich sehe es eher und vor allem in den Händen von Organisations- und Unternehmensberatern und Supervisoren. Dass es den »weißen Flieder« der Organisationsaufstellungen gibt, ist in Managementkreisen bisher eher noch ein Geheimtipp. Er beginnt erst zu erblühen, aber dieses Buch weist darauf hin, wie sich dieser außergewöhnliche Beratungsansatz schon durch die Gärten herschleicht und wie es aussehen könnte, wenn er in vielen weiteren Unternehmen seine Leuchtkraft, Wirksamkeit und Schönheit entfaltet. Wie ich 1975 von mehreren Kollegen gefragt wurde: »Warst du schon einmal bei Bert Hellinger?« – ihn kannten damals nur ganz wenige –, so kann es heute passieren, dass man angesichts in Organisationen oder Unternehmen auftretender Schwierigkeiten gefragt wird: »Hast du schon einmal eine Organisationsaufstellung versucht?«

Erstaunlich viel gefällt mir an diesem Buch:

Es ist im Umfang umschrieben und kompakt und so selbst für Vielbeschäftigte gut lesbar. Die Autoren vermitteln die Inhalte gut geordnet, gleichzeitig differenziert und mit anschaulichen Beispielen. Die Beschreibungen über verwandte Ideen von C. O. Scharmer oder K. E. Weick sind anregend, und die Vergleiche mit den Prozessen in Management Constellations zeigen, wie sich an anderen Stellen ähnliche Ideen und Beratungsrichtungen entwickelt haben, nur dass in den Systemaufstellungen die Sprache der Verkörperung und des Raumes sowie andere Wahrnehmungsmodalitäten hervorgehoben werden.

Das Buch kommt eher bescheiden daher. Es will seine Leser schon von den einzigartigen Möglichkeiten dieses noch jungen Ansatzes überzeugen, aber ohne missionarischen Eifer, und es weist auch hinreichend und detailliert auf die Herausforderungen sowohl für diejenigen hin, die ihn als Berater anwenden, wie für die Managementteams, die ihn in Anspruch nehmen werden. So wird deutlich, dass es sich um eine anspruchsvolle Methode handelt, die bei den Organisations- und Unternehmensberatern, die sie anwenden, viel Grundlagenwissen und Erfahrung voraussetzt, und zwar mehr, als es auf den ersten Blick aussieht.

Gut herausgearbeitet sind auch die simultanen Möglichkeiten der Informationsgewinnung und -erzeugung durch Management Constellations sowie die sich gegenseitig befruchtenden Transformationen von Sprache zur Abbildung – und zurück – sowohl für eine sich verdichtende Hypothesenbildung als auch für die Umsetzung in konkrete Handlungsstrategien.

Theorie und Praxis gehen eine gute Verbindung ein. Im Vordergrund bleibt jedoch die Anwendung. Es wird erfreulich wenig spekuliert und die Praxis sehr lebendig und umfassend beschrieben. Die Leser bekommen jede Menge Denk- und Handlungsanregungen, und sicherlich wird auch dieses wie das erste Buch der Autoren (Rosselet, Senoner u. Lingg 2007) wieder Ausgangspunkt zu intensiven Diskursen und weiteren kreativen Entwicklungen sein. Richtungweisend und innovativ ist das Buch für Aufsteller auch dadurch, dass es zeigt, wie man sich mit dieser für die Managementwelt erst einmal gewöhnungsbedürftigen und anfangs oft befremdlichen Methode an deren Sprache und Erwartungen ankoppeln kann und wie sie gewinnbringend mit anderen Managementberatungs- und Großgruppenmethoden kombiniert und so noch wirkungsvoller und nachhaltiger werden kann.

Der Ansatz der Organisations- und Managementaufstellungen ist trotz bereits jahrelanger, oft erfolgreicher Praxis immer noch im Stadium des Sichentwickelns und meines Erachtens, was die mögliche Anwendungsbreite betrifft, in seiner Potenzialität bisher nur andeutungsweise erkannt und erprobt. Wie der Ansatz den Möglichkeitssinn in Organisationen und Unternehmen für erfolgreiche Managementprozesse zu entzünden in der Lage ist, so wünsche ich auch ihm selbst, dass sich seine Möglichkeiten immer mehr entfalten können. Dieses Buch könnte dazu beitragen, denn es ist für mich die zur Zeit beste Einführung nicht nur in die Arbeit mit Management Constellations, sondern auch mit Organisationsaufstellungen insgesamt. Deshalb verdient es eine breite Beachtung, und die wünsche ich ihm sehr.

In vielen Gärten der Welt blüht dieser Flieder schon.

Gunthard Weber Wiesloch, im Juli 2010

Danksagung

Zunächst gilt unser Dank Gunthard Weber als einem der großen Förderer der Organisationsaufstellung. Er ist unser lieber Freund und Mentor und hat unsere Arbeit in vielem unterstützt. Auch unseren Kunden gilt unser herzlicher Dank. Sie haben sich auf ein ungewohntes Experiment eingelassen, aus dem wir viel lernen durften. In Gesprächen und Workshops mit Henriette K. Lingg haben wir die Management Constellations entwickelt und in der Praxis erprobt. Unsere Erkenntnisse stützen sich auch auf das Wissen vieler Lehrer und Kollegen. Dazu gehören Guni Leila Baxa, Michael Blumenstein, Christine Essen, Siegfried Essen, Stefan Hausner, Albrecht Mahr, Peter Müller Egloff, Bernd Schmid, Gunther Schmidt, Sneh Viktoria Schnabel, Jakob und Sieglinde Schneider, Fritz B. Simon, Kuno Sohm, Gerhard Stey, Jan Jakob und Bibi Stam, Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd. Die beiden letzteren haben im Verlauf der 1990er Jahre eine Grammatik entwickelt, die für die Theoriebildung und die Lehre von großem Nutzen ist. Von ihnen ist einiges – bewusst und unbewusst – in unsere Praxis und in unser Buch eingeflossen. Einen speziellen Dank möchten wir an dieser Stelle auch Regula Heller Rosselet und Markus Pohlmann für die kritische Durchsicht des Manuskripts und die daraus entspringenden Ideen zu Verbesserungen in inhaltlicher und stilistischer Hinsicht aussprechen.

Claude Rosselet & Georg Senoner Männedorf und Bozen, im Januar 2010

Einleitung

Das 1993 erschienene Buch Zweierlei Glück von Gunthard Weber und die darauf folgenden Arbeitstagungen verliehen dem von Bert Hellinger entwickelten Verfahren des Familien-Stellens kräftigen Schwung: Die systemische Aufstellungsarbeit verbreitete sich rasch im gesamten deutschen Sprachraum und darüber hinaus vor allem in Lateinamerika, Osteuropa, Russland und Asien.

Im Jahr 1994 luden die Unternehmensberater Thomas Siefer und Michael Wingenfeld Bert Hellinger zu einem Seminar ein, in dem es darum ging, die Aufstellungsarbeit im Kontext von Organisationen anzuwenden. Das war der Anfang der »Organisationsaufstellung«. Bis heute blieb diesem Zweig der Aufstellungsarbeit allerdings der große Durchbruch vorenthalten. Und dies trotz intensiver Bemühungen der Vorreiter dieser Methode, insbesondere von Gunthard Weber, das Verfahren weltweit bekannt zu machen.

Es gibt jedoch Nischen, wo sich Manager für das Verfahren begeistern lassen und es in ihr Repertoire von Management-Tools integrieren. Voraussetzung ist ein stabiles Vertrauensverhältnis zu einem Berater, der die Aufstellungsarbeit nur einsetzt, wenn es zweckmäßig ist. Meistens wird dann die Methode mit anderen Interventionspraktiken verknüpft.

In der Betrachtung der Systemaufstellung in Managementkontexten bzw. der Organisationsaufstellung richtet sich dieses Buch denn auch an Manager und Berater, die beim »Hervorbringen von Zukunft« (Mandl 2006, S. 267 ff.) bewusst neue Wege beschreiten wollen, sei es, weil sie das Potenzial »ihrer« Organisation auf innovativere Weise erschließen wollen oder weil sie eingesehen haben, dass den rein vernunftgeleiteten Vorgehensweisen oft die mobilisierende Kraft fehlt.

Manager und Berater müssen immer wieder zur Kenntnis nehmen, dass vieles, was in Plänen steht, nicht umgesetzt wird – und dass sich dagegen anderes erfolgreich durchsetzt, was nie in Plänen festgeschrieben stand. Offenbar entzieht sich die Schnittstelle zwischen Planung und Umsetzung einer rein vernünftigen Handhabung. Besonders schmerzhaft wird dies spürbar, wenn es um radikale Veränderungen geht. Grundlegende Innovationen werden in den seltensten Fällen durch einen Businessplan angeregt. Die Triebkräfte für Innovation liegen zum größten Teil im stillschweigenden Wissen der Organisationen verborgen.

Rationalistischen Ansätzen der Entscheidungsfindung ist eines gemeinsam: Sie neigen zu Trivialisierung und verkürzter Sicht der Verhältnisse. Dabei werden folgende »Erfolgsfaktoren« unterbewertet oder systematisch ausgeblendet: Wünsche und Sehnsüchte, Intuition sowie die in der Praxis gehärtete Erfahrung. Gerade auf diesen Elementen aber baut Exzellenz auf. Allerdings wird Exzellenz auch immer wieder übersehen, weil sie nicht lärmend und angeberisch daherkommt, sondern sich in Disziplin übt. Sie führt im doppelten Wortsinn ein stilles Dasein.

Notwendige Voraussetzung für jede Erneuerung ist der unverstellte und anerkennende Blick, auf das was ist. So kommt eine vorschnelle Bewertung gar nicht erst auf. Erfolgt diese Sichtung dann noch mit der nötigen Genauigkeit und Sorgfalt, so zeigen sich jene Triebkräfte, die etwas zu dem gemacht haben, was es ist. Dadurch gewinnen die Dinge eine Plastizität, die es ermöglicht, nächste konsistente Schritte in eine Zukunft anzuschließen. Eben dies scheint uns das Geheimnis von Emergenz zu sein: eine Zukunft im Einklang mit der Herkunft.

Planung wird damit keineswegs unnütz. Alle Vorhaben mit Ressourcen auszustatten, die nicht in beliebigem Umfang bereit stehen, gehört zu den zentralen Aufgaben des Managements. Hier nun ist Rationalität sehr wohl gefragt. Sinnvoll wird Planung aber erst, wenn ein vitales Zukunftsbild geschaffen ist, das die Bedingungen der Möglichkeit integriert. Sonst wird nur platt die Vergangenheit in die Zukunft fortgeschrieben.

Nun findet aber die Aufstellungsarbeit – wie einleitend bereits erwähnt – nicht ohne Weiteres Zugang zu den Führungsetagen der Unternehmen. Vermutlich gibt es da einige Hindernisse, die nicht so leicht aus dem Weg zu räumen sind. Wenn wir diese hier anführen, heißt das nicht, dass wir unsere Leser gleich zu Beginn entmutigen wollen. Ganz im Gegenteil: Gerade in Kenntnis der Hindernisse können Berater und Manager, die von der Aufstellungsarbeit angetan sind, ihre Strategien zur Implementierung der Methoden effektiver einsetzen. Was also gilt es zu beachten?

•Dass sich mit Hilfe der Systemaufstellung die Verhältnisse in Organisationen durchleuchten lassen, erscheint einigen Managern eher bedrohlich. Mit der Ambiguität lässt sich gelegentlich doch besser leben als mit der Klarheit.

•Die Fokussierung auf die Körperwahrnehmung und das Gefühl bricht mit gewohntem Kommunikationsverhalten und löst Verunsicherung aus.

•Wenn es um Entscheidungen unter hohem Risiko geht, wünscht man sich wenigstens sichere »Tools«, die durch (den Mythos der) Wissenschaftlichkeit abgesichert sind.

•Das Verfahren ist vielen Managern zu aufwendig. Denn es bedarf eines speziellen Settings und eines Facilitators, der die Methode kompetent einführt und anwendet. Aufstellungsarbeit lässt sich nicht so einfach applizieren wie beispielsweise ein klassisches Brainstorming.

•Das größte Hindernis scheint uns jedoch darin zu liegen, dass zahlreiche Manager – aber auch Berater, die ausschließlich auf rationale Methoden setzen – der Aufstellungsarbeit nicht recht trauen. Folglich wird sie – selbstverständlich hinter vorgehaltener Hand – abgewertet: als Psychospiel, esoterisches Zeugs, Theater etc.

Der gelassene Umgang mit den Einwänden ist ein erfolgversprechender Weg: Statt eifrig für eine »wunderbare Methode« zu missionieren, bricht in der Regel die im richtigen Moment eingebrachte Einladung das Eis: »Versuchen wir es doch einmal mit einem Experiment!«

In Teil I des Buches erläutern wir, wie man mit Hilfe der Systemaufstellung Komplexität visualisieren kann, und wir veranschaulichen dies anhand eines detaillierten Beispiels. Außerdem ordnen wir das Verfahren methodisch ein. Wie wir darlegen, kann man die Systemaufstellung sehr gut mit den neueren Konzepten der »lernenden Organisation« verbinden. Dann erörtern wir Begriffe wie »implizites Wissen« und »soziale Intelligenz«. Im Weiteren zeigen wir detailliert den Zusammenhang zwischen der Praxis sozialer Systeme und den ihr zu Grunde liegenden Spielregeln auf. Da die Systemaufstellung Licht in die impliziten Ordnungen von Organisationen zu bringen vermag, wird sie gerade für ein »Management des Regelwerks«, dem Dreh- und Angelpunkt im Rahmen eines Veränderungsmanagements (Change Managements), interessant. Sie eröffnet Führungskräften und Beratern neue Möglichkeiten der Intervention in sozialen Systemen.

In Teil II wenden wir uns ganz der Methode der Systemaufstellung und ihrer Anwendung in Managementkontexten zu. Dieser Teil macht das vorliegende Buch zu einem »Field Book« für Beraterinnen und Berater, die sich entschieden haben, die Aufstellungsarbeit in ihre Arbeit mit Managern zu integrieren:

•Wir zeigen auf, welcher Voraussetzungen es bedarf, um Systemaufstellungen im Organisationskontext anzuwenden.

•Wir weisen auf die Unterschiede zwischen den verschiedenen Settings der Aufstellungsarbeit hin: in Teams, offenen Gruppen und im Coaching einzelner Führungskräfte.

•Wir stellen einen Standardablauf vor und unterbreiten Vorschläge, wie sich die Systemaufstellung mit anderen Methoden des Konzepts der »lernenden Organisation« verbinden lässt.

Im Unterschied zu Teil I, der wesentliche Gedanken aus unserem Buch »Management Constellations« (Rosselet, Senoner u. Lingg 2007) übernimmt und, wo nötig, aktualisiert, ist Teil II völlig neu erarbeitet.

Der abschließende Ausblick rückt die Systemaufstellung in einen größeren Zusammenhang und stellt eine Verbindung zur Organisationstheorie von Karl E. Weick her: Wie wir ausführen werden, geht es bei der Systemaufstellung darum, Energie für einen ersten anschlussfähigen und plausiblen Schritt in Richtung offene Zukunft freizusetzen.

Teil IOrganisationsaufstellungen – Wissen in Szene setzen

Wir erzählen zunächst drei Geschichten aus dem Managementalltag. Sie alle haben etwas gemeinsam:

•Ein Managementteam sieht sich herausgefordert durch eine unentscheidbare Frage.

•Die herkömmlichen Methoden der Problemlösung und Entscheidungsfindung führen zu keinem sinnvollen Ergebnis.

•Irgendwie drehen sich die Diskussionen im Kreis – Argumente und Gegenargumente halten sich die Waage.

•Nach und nach greift eine gewisse Verdrossenheit um sich.

Übergangener gesunder Menschenverstand

Ein Freizeitpark mit ausgedehnter Bäderanlage, mehreren Shopping-Zentren und einem Hotelkomplex ist in die Jahre gekommen. Früher einmal war der Standort ein Vorzeigeobjekt des Einzelhandelsunternehmens, zu dem es gehört. Die Geschäftsleitung entschied sich deshalb für eine umfassende Neugestaltung. Dabei sollte auch der Hotelkomplex an Attraktivität gewinnen, denn die unterdurchschnittlichen Belegungszahlen gaben Anlass zu Unzufriedenheit.

Mehrere Geschäftsbereiche waren an dem Vorhaben beteiligt. Auf der Basis eines zu entwickelnden Marketingkonzepts sollte ein Relaunch des gesamten Standortes erfolgen. Ziel war, an die glanzvollen früheren Zeiten anzuknüpfen. Die Sache wollte allerdings nicht so richtig in die Gänge kommen. Das Marketingkonzept blieb Stückwerk. Einzelne Teilvorhaben wurden hingegen zügig umgesetzt. Daraufhin entschied die Geschäftsleitung, sämtliche Aktivitäten in einem Projekt zusammenzufassen. So sollte das Ganze – basierend auf einem integralen Konzept – beschleunigt werden. Doch das Gegenteil geschah. Der Relaunch nahm auf dem Papier gigantische Dimensionen an. Plötzlich gab es Differenzen um die organisatorische Eingliederung des Komplexes. Resigniert warf der Projektleiter das Handtuch. Die Geschäftsleitung wähnte sich vor einem Scherbenhaufen.

Und dann passierte etwas, das niemand für möglich gehalten hatte.

Das Projektteam wurde aufgelöst. Die Differenzen ließen sich im Handumdrehen bereinigen. Die Mitglieder der Geschäftsleitung einigten sich auf einen Aktionsplan und erklärten das Vorhaben zur Chefsache. Ganz besonders zufrieden war der Finanzchef: Ihm, dem zuvor jeweils der Schwarze Peter zugeschoben worden war, wurde – endlich – der Dank ausgesprochen für sein besonderes Engagement in dieser Sache.

Unterlassene Kommunikation

Die »Business Unit« einer Produktionsfirma hatte infolge mangelnder Produktqualität einen wichtigen Kunden verloren. In der Folge konnte die Qualität mit erheblichem Entwicklungsaufwand gesteigert werden. Sie übertraf nun sogar die des Konkurrenten, der in die Bresche gesprungen war. Allein, der verlorene Kunde ließ sich nicht wieder zurückgewinnen. Das ratlose Managementteam hatte nach eigenen Aussagen »bereits alles versucht« und wollte nun unbedingt herausfinden, was es bei seinen umfangreichen Aktivitäten unterlassen hatte.

Dann passierte etwas, das niemand für möglich gehalten hatte.

Die Produktionsfirma schickte eigens einen kommunikationsstarken Entwickler zum umworbenen Kunden, der die Qualität der Produkte mit seinen dortigen Berufskollegen und weiteren Fachleuten auf deren konkrete Bedürfnisse abstimmte. Das Ergebnis nach einem Jahr: Das Produktionsunternehmen gewann »seinen« Kunden zurück. In der Folge verstärkte es die Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Entwicklung von Produkten. Heute ist die Produktionsfirma Schlüssellieferant dieses Kunden. Das Element »Kommunikation« des Marketingmix’ hat sich zu einer Exzellenz der »Business Unit« herausgebildet: Entwickler fokussieren nicht mehr nur auf die eigenen Produkte, sie reden direkt mit den Entwicklern ihres Kunden über deren Wünsche.

Verlorene Hoffnung

Die italienische Niederlassung eines deutschen Unternehmens war mitsamt Stammhaus von einem japanischen Konzern übernommen worden. Der selbstbewusste Geschäftsleiter stellte in der Folge mit seinem Managementteam Überlegungen an, wie die italienische Niederlassung im neuen Gebilde eine tragende Rolle spielen könnte. Bei diversen Besprechungen spürte er deutlich die Skepsis, mit der seine Manager dieser Absicht begegneten: Was sollte die Japaner davon abhalten, die Fertigung eines relativ standardisierten Produkts in ein Billiglohnland zu verlagern und das italienische Werk zu schließen? Diese Befürchtungen und Ängste der Manager beruhten vor allem auf Vorurteilen und nicht auf konkreten Maßnahmen der Japaner. Sie waren keine gute Voraussetzung, um Strategien für die Zukunft zu entwickeln.

Doch dann passierte etwas, das niemand für möglich gehalten hatte.

Die Manager entschieden sich, mit der Produktion der deutschen Mutter einen Schulterschluss einzugehen. So etwas wäre früher undenkbar gewesen! Ein weiterer Schritt bestand darin, die italienische Vertriebsstruktur von der italienischen Produktion zu entkoppeln und an die übrigen Vertriebsstrukturen des Konzerns anzunähern. Bisher hatte sich der italienische Vertrieb vorwiegend auf die Vermarktung der im eigenen Lande hergestellten Produkte konzentriert. Die Veränderungen passten hervorragend in das gesamteuropäische Vertriebskonzept, das die Japaner wenig später verabschiedeten. Die Italiener waren bereits gut darauf vorbereitet und arbeiteten ohne die sonst üblichen Bedenken konstruktiv an der Implementierung mit.

In allen drei Geschichten haben wir ein Moment ausgeblendet und damit möglicherweise die Geduld unserer Leser etwas strapaziert. Was passierte denn Entscheidendes, so dass ein Umschwung in die Richtung einer überraschenden, neuen Lösung stattfinden konnte?

Da war als Erstes bei den Managern die Einsicht gewachsen, das Problem könne nur gelöst werden, wenn sich alle Betroffenen gemeinsam an der Lösungssuche beteiligen. Das müßige Spiel mit der wandernden heißen Kartoffel kam damit an sein Ende. Einsames nächtliches Brüten und stilles Taktieren hinter dem Rücken des Kollegen wich dem gemeinsamen Diskurs über erfolgsrelevante Sachverhalte.

Auch waren die Manager zu der Überzeugung gelangt, keine zusätzlichen Ressourcen in Analysen, Expertisen und Konzepte zu stecken. Schließlich verfüge man im Team über ausreichend Erfahrung, um zu plausiblen und für alle Beteiligten sinnvollen Lösungen zu gelangen. Im Übrigen schienen die »Papierlösungen« eher vom Wesentlichen abgelenkt zu haben.

So hatten sich die Manager für ein Vorgehen entschieden, mit dem sie die »kollektive Intelligenz« ihres ganzen Teams ins Spiel bringen konnten. Denn ihnen war klar geworden: Wenn es um Fragen der Zukunft geht, hilft es oft nicht weiter, sich ausschließlich auf rationalistische Ansätze zu berufen. Wie auch die neuesten Ergebnisse der Neurobiologie belegen, spielen Wünsche, Sehnsüchte, Intuition und die in der Praxis gehärtete Erfahrung die zentrale Rolle bei Entscheidungen, welche die Zukunft betreffen. Allerdings: Alle diese »Erfolgsfaktoren« senden nur schwache Signale aus. Und oft genug werden sie von Menschen abgewertet, die meinen, »es« besser zu wissen.

Doch welche Instrumente sind sensibel genug, auch verborgenes, so genanntes implizites Wissen aufzuspüren? Und welche davon sind gleichzeitig intelligent genug, die gewonnenen Daten so zu interpretieren, dass daraus Informationen entstehen, die einen Orientierungsrahmen für das zukünftige Handeln abgeben?

Mit dem im nächsten Kapitel vorgestellten und in der Folge detailliert besprochenen Instrument der Systemaufstellungen hat das Management eine Methode erhalten, mit dem sich in unübersichtlichen (Entscheidungs-)Situationen die Risiken besser abschätzen lassen und für die Beteiligten klare Orientierung – das heißt: Gewissheit – schaffen lässt. Dies führen wir in Abschnitt 1.3 eindrucksvoll und praxisnah anhand unseres obigen Beispiels der italienischen Niederlassung vor Augen.

1.Systemaufstellung und Komplexität

Die Systemaufstellung gehört zu den szenischen Verfahren: Konkrete Ereignisse werden in Raum und Zeit abgebildet. Dadurch entsteht eine Art »bewegtes« Bild, und damit kann man Rückschlüsse auf die Dynamiken ziehen, die einem bestimmten Ereignis innewohnen.

Der Wunsch, komplizierte oder komplexe Verhältnisse und Beziehungen in eine Szene zu fassen, ist alt. Deshalb wohl gehören szenische Darstellungen zu den Grundpfeilern fast aller Kulturen. Sie belegen, dass es die Menschen seit frühesten Zeiten faszinierte, die Essenz von Ereignissen in einem Raum-Zeit-Abschnitt zu verdichten und darzustellen, also in Szene zu setzen.

Die Szene macht etwas möglich, was kein Bericht leisten kann: Sie vermittelt das Wesentliche einer Situation in und mit einer lebendigen Bildfolge. Sie leistet aber auch mehr als ein einzelnes Bild, weil sie von einer Herkunft in eine Zukunft weist und damit einer Bewegungsrichtung – einer Intention – Ausdruck verleiht.

1.1Der Sache auf den Grund gehen

Um Situationen fundiert – unter Berücksichtigung der ihnen zu Grunde liegenden Komplexität – zu erfassen, braucht man neben explizitem Wissen implizites Wissen. Darunter verstehen wir ein Wissen, das zwar vorhanden, aber für die bewusste Reflexion nicht ohne Weiteres zugänglich ist. Deshalb fällt es uns auch nicht ganz leicht, implizites Wissen konkret zu fassen. Dennoch gehört ein großer Teil von Expertise und Exzellenz in diese Wissensdimension: die Genialität des Forschungsteams, die Intuition des Managers, die Präzision des Feinmechanikers, die Schnelligkeit der Läuferin, das Gespür des Therapeuten, die Innovationskraft des Unternehmens usw.

Bildlich gesprochen ist das explizite Wissen mit jenem Teil des Eisbergs zu vergleichen, der sich oberhalb des Wasserspiegels dem Auge eines Betrachters darbietet. Der weitaus größere Teil entzieht sich jedoch den Blicken, und man kann nur ahnen, wie gewaltig der ganze Berg sein mag und welche Spannungen in ihm herrschen könnten. Gerade die klassischen betriebswirtschaftlichen Informationssysteme greifen beim impliziten Wissen zu kurz. Sie fokussieren fast ausschließlich auf das explizite Wissen. Damit bilden sie nur einen kleinen Teil von dem ab, was eine Situation in all ihren Aspekten ausmacht.

In vielen Fällen ist es aber nützlich, sich ein Bild vom Ganzen zu verschaffen. Genau hier bietet sich nun die Systemaufstellung an: Effektiv, schnell und unkonventionell kann man Informationen über Sachverhalte gewinnen, die sonst nicht ohne Weiteres zugänglich sind. Das Verfahren macht es möglich, in Situationen, die ein hohes Risiko bergen, fundierte Entscheidungen zu treffen, weil hier sämtliche Anteile des Wissens mit ins Kalkül einbezogen sind.

Durch die ressourcen- und lösungsorientierte Art des Vorgehens, welche die kollektive Intelligenz mit hinzuzieht, wird »nebenher« der Zusammenhalt in den Teams gefördert. Dies ist ganz besonders wichtig vor schwierigen Entscheidungen. Gerade in solchen Situationen kann eine konstruktive und auf gegenseitigem Vertrauen beruhende Auseinandersetzung zielführend sein. Beschlüsse werden dann mitgetragen, selbst wenn der Weg der Umsetzung steinig ist.

1.2Was passiert in Systemaufstellungen?

In Systemaufstellungen werden mit Hilfe von Stellvertretern bzw. Repräsentanten – einer Art Rollenspieler – Aspekte einer komplexen Situation im Raum dargestellt. Dabei kommt es in doppelter Hinsicht zu einer Klärung: Einerseits wird die Situation visualisiert – in Szene gesetzt –, und andererseits lassen sich sukzessive kreative Lösungsoptionen herausarbeiten. In diesem Kapitel geben wir einen Überblick, wie man mit dieser ungewöhnlichen Methode in komplexen Entscheidungssituationen Informationen gewinnen kann. In Abschnitt 1.3 zeigen wir anhand eines Beispiels auf, wie die Beteiligten mit einer Aufstellung die Antwort auf eine schwierige Frage fanden.

1.2.1Der Repräsentant als Resonanzkörper impliziten Wissens

Im Gegensatz zu den Rollenspielen – sie sind in Arbeitskontexten vielen geläufig – erhalten die Repräsentanten bei der Systemaufstellung keine Handlungsanweisungen. Denn über Regieanweisungen käme in erster Linie das explizite Wissen zum Ausdruck. Die Repräsentanten beziehen ihren »Rollentext« gleichsam durch die im »Spielfeld« möglich werdende »repräsentierende Wahrnehmung« (Varga von Kibéd u. Sparrer 2000, S. 98): Sie werden für das implizite Wissen buchstäblich zu Resonanzkörpern. Ihre Körperwahrnehmungen sind die Daten, aus denen Informationen zu einem Sachverhalt gewonnen werden. Im Unterschied zum Soziogramm konzentriert man sich nicht auf ein statisches Bild, sondern auf eine Bildfolge, die den Weg zur Lösung weist.

Die Aufstellung schafft eine Art kommunikativen Raum, oder ein »Wissensfeld«, wie Albrecht Mahr es nennt, das den Repräsentanten über den spezifischen Platz in einem Beziehungsgefüge unmittelbaren Zugang zu den tiefer liegenden Schichten einer »hinterfragten« Situation verschafft.

Bis zum heutigen Zeitpunkt gibt es keine konsistente Theorie für diesen Aspekt des dynamischen Diagnoseschemas »Aufstellung«. Die oft so eindrücklich beobachtbaren repräsentierenden Wahrnehmungen der als Stellvertreter aufgestellten Personen harren noch einer wissenschaftlich fundierten Erklärung. Hinweise auf die Funktionsweise der in Aufstellungen wirkenden »basalen Grammatik« gibt die Bild- bzw. die Sprachspieltheorie des Philosophen Ludwig Wittgenstein (Sparrer 2006, S. 81 ff.). Ihr zufolge »bildet« Sprache Strukturen der Wirklichkeit adäquat »ab«. Andere Erklärungsversuche greifen auf das Konzept der »morphischen Resonanz« des Biochemikers Rupert Sheldrake zurück, das er auf der Basis der Theorie des morphogenetischen Feldes entwickelte (Sheldrake 1981). Neuere Erklärungsversuche ziehen die Quantenphysik heran (Schneider 2007, S. 18 ff.). Und auch die Erkenntnisse der Neurobiologie liefern Hinweise, um das Phänomen der Informationsübertragung von System zu System zu erklären. Aus allen Theorien lässt sich ableiten, dass kollektive Intelligenz innerhalb der Beziehungen der Elemente zueinander – also in den Beziehungsverhältnissen oder im Beziehungsfeld – und nicht in den Elementen selbst »eingelagert« ist. Die Elemente bringen die Qualität von Beziehungen nur zum Ausdruck.

1.2.2Der Prozess der Systemaufstellung

Systemaufstellungen liefern somit handlungsnahe Darstellungen von Wirkungszusammenhängen in lebenden Systemen, also beispielsweise in Organisationen. Als Navigationsmethode zur Lösung komplexer Entscheidungsprobleme nutzen sie die Sprache des Körpers und des Raumes: Die Aspekte einer zu untersuchenden Situation werden mit Hilfe von Stellvertretern im Raum dargestellt – oder eben »aufgestellt«.

In der Regel geht man wie folgt vor: Eine Person oder ein ganzes Team mit einem konkreten Anliegen – einem ungelösten Problem oder einer schwierigen Frage – wählt aus einem Kreis von Workshop-Teilnehmern Repräsentanten für die relevanten Aspekte einer Fragestellung aus. Diese Aspekte können je nach Thema einzelne Personen oder Gruppierungen sein, z. B. in einer Konfliktsituation. Es können aber auch abstrakte Elemente sein, wie die sich gegenseitig ausschließenden Optionen eines Dilemmas oder das Ziel und die Hindernisse in einer blockierten Situation. Ebenfalls ausgewählt wird ein Repräsentant als »Fokus« für die Perspektive, aus der die Person die Problemsituation wahrnimmt. Anschließend stellt diese Person die Repräsentanten im Raum auf. Dabei folgt sie ihrer Intuition oder ihrem »inneren Bild« (Weber 1995, S. 181 ff.).

In der nun folgenden Phase der Aufstellung fragt die Aufstellungsleiterin bzw. der Aufstellungsleiter reihum die Körperwahrnehmungen der Repräsentanten ab. Aus diesen »repräsentierenden Wahrnehmungen« kann man Dynamiken erschließen, die einer problematischen Situation zu Grunde liegen: In der Regel handelt es sich um dysfunktionale oder die Entwicklung hemmende Muster. Durch das sukzessive Umstellen der Repräsentanten und das Abfragen ihrer Wahrnehmungen eröffnen sich Lösungsoptionen wie von selbst. Die Körperresonanzen der Repräsentanten geben den Anstoß für eine Intervention. Dabei kann selbst die kleinste Umstellung eines Repräsentanten Unterschiede bei den Körperwahrnehmungen der anderen Repräsentanten hervorrufen. Dies liefert den Hinweis für die weitere Umstellung von einem oder auch mehreren Repräsentanten.

Im Verlauf der Aufstellung gilt es eine Konstellation zu entwickeln, in der die Repräsentanten in einer für sie stimmigen Beziehung zueinander stehen. Diese wird von ihnen körperlich zum Beispiel als »Entlastung«, »Entspannung« oder »Befreiung« registriert. Üblicherweise dauert ein solcher Prozess rund eine halbe Stunde. Er kann aber auch kürzer sein oder – in schwierigen Situationen – wesentlich mehr Zeit beanspruchen. Nach und nach eröffnen sich überraschende Perspektiven, wie man ein spezifisches Anliegen weiter bearbeiten könnte, gerade weil das Verfahren auch die nicht verbalen und emotionalen Seiten eines Themas mit berücksichtigt.

Eine solche Art von Problemklärung und Lösungsfindung erfordert einen ganz spezifischen Rahmen. Zum einen bedarf es eines Kreises von Personen, die bereit sind, sich immer wieder neu auf das Experiment der »repräsentierenden Wahrnehmung« einzulassen und gleichsam für problematische Aspekte einer Situation »einzustehen«. Zum anderen braucht man Personen, die flexibel genug sind, Antworten auf ihre ungeklärten Fragen in einer ungewöhnlichen Form zu »erfahren«. Als Drittes ist eine leitende Person erforderlich, die als Unterstützer oder »Facilitator« den Gesamtrahmen hält, bei der Klärung der Fragestellung bzw. des Anliegens behilflich ist und den Prozess der Lösungsfindung mit ihren Fragen und Umstellungen begleitet.

1.3Beispiel einer Aufstellung

Um eine konkrete Aufstellung zu illustrieren, greifen wir auf unsere Geschichte »Verlorene Hoffnung« aus dem einführenden Text von Teil I zurück (vgl. S. 16). Zur Erinnerung: Die italienische Niederlassung eines deutschen Unternehmens war ebenso wie das Stammhaus von einem japanischen Konzern übernommen worden, und der Geschäftsführer beauftragte einen Berater, ihn und sein Führungsteam in dieser kritischen Phase der Post-Merger-Integration zu begleiten. Der Geschäftsleiter hatte das Ziel für die Beratung wie folgt formuliert: Er wolle zusammen mit seinen Managern eine Strategie entwickeln, die das Überleben der italienischen Niederlassung im neuen Gebilde absichert und dieser ermöglicht, auch in Zukunft unentbehrlich zu bleiben.

In der Einstiegsrunde zum 1. Workshop mit dem Führungsteam war die Skepsis der Manager bei dieser Zielvorgabe deutlich zu spüren. Der Berater überlegte, wie er am besten die Aufmerksamkeit der Manager von ihren Spekulationen weg- und auf die aktuelle Situation des Unternehmens hinlenken könnte. Ihm war wichtig, dass die Manager die Chancen und Herausforderungen erkannten, wie sie die neuen Besitzverhältnisse mit sich brachten. Im Hinblick auf eine erste Intervention ging es ihm darum, mit dem Führungsteam auf Grund der aktuell verfügbaren Informationen ein realistisches Bild der neuen Situation zu erarbeiten. Dies sollte die Erarbeitung klarer Vorstellungen über mögliche Handlungsspielräume fördern. Und diese konnten dann ihrerseits einer neuen Strategie zu Grunde gelegt werden. Dafür schien dem Berater die Systemaufstellung die effizienteste Methode zu sein.

Nachdem er in knappen Worten die Funktionsweise der Systemaufstellung erläutert hatte, leitete er die Intervention unter Verweis auf die folgende Analogie ein: »Stellen Sie sich bitte vor, der Kontext, in dem Sie operieren, sei ein Spielfeld, auf dem Ihr Unternehmen zusammen mit anderen Mitspielern und Gegenspielern ein Spiel spielt, bei dem es ums Überleben und um den wirtschaftlichen Erfolg geht. Seit der Übernahme durch den japanischen Konzern haben sich sowohl das Spielfeld als auch die Spieler und teilweise sogar das Spiel selbst verändert. Welches sind jetzt die wichtigsten Spieler oder Akteure, mit denen Sie zusammenarbeiten oder sich messen müssen?«

Zusammen mit dem Managementteam identifizierte der Berater in der anschließenden Gesprächsrunde die folgenden wichtigen Akteure:

•das Führungsteam der italienischen Filiale,

•die italienische Produktion,

•die italienische Vertriebsorganisation,

•die deutsche Produktion,

•die anderen Vertriebsorganisationen,

•die europäische Zentrale des Konzerns,

•der japanische Konzern,

•die Kunden.

Danach forderte der Berater die Manager auf, sich vorzustellen, wie diese Akteure wohl auf dem Spielfeld aufgestellt sein könnten: »Wie beim Fußball ist es auch in der Wirtschaft für den Verlauf des Spiels entscheidend, wie eine Mannschaft aufgestellt ist.«

Im nächsten Schritt galt es, die Ausgangssituation im Raum aufzustellen. Schon dieses erste Bild musste durch seine ganz spezifische Konstellation – also die Art und Weise, wie die Repräsentanten zueinander in Beziehung stehen – erste wichtige Aufschlüsse über die Situation geben. »Auch wenn dieses Experiment für Sie zunächst vielleicht etwas befremdend sein mag«, leitete der Berater diese Sequenz ein, »lassen Sie sich einfach darauf ein und beobachten Sie, was dabei herauskommt. Zunächst wählen Sie bitte zwei Leute aus, die gemeinsam – stellvertretend für das ganze Team – den Stellvertretern ihre Plätze für die definierten Akteure zuweisen und dadurch ein Abbild der Situation erzeugen. Es ist ganz unwichtig, wen Sie wählen, vorausgesetzt der Gewählte ist einverstanden und will am Experiment teilnehmen«.

Das besondere Vorgehen, eine Ausgangskonstellation gemeinsam von zwei Personen in Szene setzen – also aufstellen – zu lassen, hat folgende Vorteile:

•In das Ursprungsbild fließen zwei – möglicherweise nicht ganz deckungsgleiche – persönliche Wahrnehmungen ein.

•Die Kollegen können später die Aufstellung nicht als subjektiv gefärbt bewerten und in der Folge die Ergebnisse relativieren.

An den Kreis der am Workshop teilnehmenden Manager gewandt, erklärte der Berater weiter: »Die Kollegen, die als Repräsentanten gewählt sind, achten ganz einfach darauf, was sich für Sie ändert, wenn Sie in die Szene gestellt werden und wenn nach und nach weitere Stellvertreter – Repräsentanten – hinzukommen. Wenn Ihre beiden Kollegen Sie jetzt auf einen Platz auf dem imaginären Spielfeld führen, werden Sie nämlich erleben, dass sich Ihre Körperwahrnehmung, Ihre Gefühle und Ihre Gedanken verändern. Möglicherweise nehmen Sie auch ganz konkrete Körperimpulse wahr. Bitte registrieren Sie das einfach.«

Nachdem die Repräsentanten ausgewählt waren, leitete der Berater die Aufstellung wie folgt an: Er bat die beiden aufstellenden Manager, sich hinter den Repräsentanten des Führungsteams zu stellen und ihn an einen Platz im Raum zu führen, den sie beide als »richtig« empfanden: »Sie stimmen sich am besten ohne mündliche Kommunikation miteinander ab, bis Sie sich auf eine Position einigen. Machen Sie sich keine großen Gedanken, lassen Sie sich vielmehr von Ihren Füßen und von Ihrer Intuition leiten, Sie werden irgendwann merken, dass der Platz stimmig ist. Abstand, Blickwinkel und Platz im Raum entsprechen der Beziehung zwischen den Akteuren. Probieren Sie einfach aus, und verlassen Sie sich darauf, dass Ihre Intuition genau weiß, was stimmt.«

Mit beeindruckender Sorgfalt und Bestimmtheit positionierten die beiden Manager die Repräsentanten im Raum. Schritt für Schritt baute sich das Bild der Situation auf, die Stimmung im Raum veränderte sich, es wurde mäuschenstill, und die Spannung stieg.

Nachdem der letzte Stellvertreter aufgestellt war, fragte der Berater die Manager, welche die Repräsentanten aufgestellt hatten: »Wollen Sie noch etwas ändern? Nehmen Sie sich bitte Zeit, und prüfen Sie, ob dieses Bild der Situation entspricht, in der sich Ihrer Meinung nach Ihr Unternehmen jetzt befindet. Die beiden Manager verschoben einen Stellvertreter noch geringfügig und meinten dann: »Ja, so könnte es in etwa passen.« (Bild 1)


Fü Führungsteam (Fokus)
IP italienische Produktion
IV italienische Vertriebsorganisation
DP deutsche Produktion
AV andere Vertriebsorganisationen
EZ europäische Zentrale
JK japanischer Konzern
Ku Kunden

Bild 1: Post-Merger-Integration – Ausgangsbild

Der Berater ließ das Bild auf sich wirken, und spontan fielen ihm einige Positionierungen auf:

•Italienische Produktion, Führungsteam und italienischer Vertrieb bildeten eine isolierte Gruppe am Rande des Feldes.

•Deutsche und italienische Produktion blickten in unterschiedliche Richtungen.

•Die europäische Zentrale hatte keinen Blickkontakt zu den Repräsentanten der beiden Produktionsstätten.

Mit diesen ersten Beobachtungen machte er sich daran, die Repräsentanten einzeln zu befragen:

BERATER: »Dann wollen wir einmal hören, wie Sie Ihre Position wahrnehmen. Ich frage Sie in der Reihenfolge, in der Sie aufgestellt wurden. Was hat sich für das Führungsteam der italienischen Filiale im Laufe der Aufstellung verändert, und wie ist die Beziehung zu den anderen Elementen?«

FÜHRUNGSTEAM: »Es wurde bedrückender, je mehr Elemente dazugekommen sind. Ich fühle mich abseits und spüre vor allem den Druck der italienischen Produktion. Die Japaner sind so weit weg, ich kann sie nur sehen, wenn ich mich umdrehe. Es sind so viele Personen vor mir, ich weiß nicht, auf wen ich mich konzentrieren soll.«

BERATER: »Und was für Veränderungen in der Körperempfindung, in den Gefühlen und in den Gedanken hat der Vertreter der italienischen Produktion erlebt?«

ITALIENISCHE PRODUKTION: »Ich fühle mich isoliert, möchte mich abwenden ... ich suche Halt beim Führungsteam, bin aber nicht sicher, ob ich mich auf dieses verlassen kann. Vor mir sehe ich unseren Vertrieb, der scheint mir aber nicht besonders zuversichtlich. Alles in allem ist es sehr ungemütlich hier.«

BERATER: »Was meint der italienische Vertrieb?«

ITALIENISCHER VERTRIEB: »Ich bin hier am falschen Platz, die Musik spielt da drüben. Ich bin vor allem gespannt, was die europäische Zentrale vorhat.«

BERATER: »Was hat sich für die deutsche Produktion verändert?«

DEUTSCHE PRODUKTION: »Ich bin unsicher und isoliert. Die Kunden sind weit weg und haben keinen Kontakt zu mir.

BERATER: »Was ist mit den anderen Vertriebsorganisationen?«

ANDERE VERTRIEBSORGANISATIONEN: »Desorientiert. Am meisten spüre ich den Einfluss der Zentrale, aber ich frage mich auch: Was wird aus der Produktion, was wollen die in Japan? Vor allem warte ich ab.«

BERATER: »Und wie fühlt sich die europäische Zentrale?«

EUROPÄISCHE ZENTRALE: »Ich muss alles noch in den Griff bekommen, mein Hauptaugenmerk ist auf die Kunden gerichtet, die Produktionen sind mir zu weit weg. Es ist anstrengend, aber ich fühle mich stark und entschlossen, allerdings auch sehr angespannt.«

BERATER: »Ja, und wie sieht man das in Japan?«

JAPANISCHER KONZERN: »Ich fühle mich tatsächlich weit weg, ruhig, sehr aufmerksam, ich schaue auf die europäische Zentrale, den Rest sehe ich eher verschwommen.«

BERATER: »Wie reagieren die Kunden?«

KUNDEN: »Das Ganze lässt mich eher unberührt, am ehesten interessiert mich die europäische Zentrale.«

Der Berater wandte sich nun an den Geschäftsführer und die Manager, die nicht aufgestellt waren und das Geschehen von außen beobachteten: »Wenn Sie das hören und sehen, haben Sie den Eindruck, das entspreche in etwa der Realität, oder sind wir im ›falschen Film‹?« Diese zeigten sich beeindruckt, wie sehr das Bild und die Aussagen der Stellvertreter in vielen Aspekten mit ihrer eigenen Wahrnehmung der Situation übereinstimmten.

Der Berater erkundigte sich nun weiter, welche Informationen und Hinweise für mögliche Aktionen sie bereits aus diesem ersten Bild entnehmen konnten. »Auf jeden Fall muss das Führungsteam eine Position finden, von der aus es besseren Kontakt zur Zentrale und zu den Kunden hat«, meinte einer der Manager, »und der Vertrieb hat ja schon gesagt, dass er den Platz wechseln will.«

»Unser Vertrieb muss mit den anderen Vertriebsorganisationen mehr zusammenarbeiten«, meinte ein anderer Manager, »das größte Problem hat die Produktion, das ist klar, und dafür sehe ich im Moment auch keine Lösung.«

Der Berater nahm diese Kommentare auf, verknüpfte sie mit den Aussagen der Stellvertreter und mit seinen eigenen Eindrücken und formulierte für sich eine erste Hypothese: Das aufgestellte Führungsteam wirkt wie zwischen italienischer Produktion und italienischem Vertrieb eingeklemmt und von der europäischen Zentrale abgeschnitten. Aus einer solchen Position heraus kann man nur schwer führen. Gestützt auf diese Gedanken leitete er nun eine erste Intervention ab: »Dann wollen wir ausprobieren, was geschieht, wenn wir einige Positionen verändern. Fangen wir beim Führungsteam an. Haben Sie einen Impuls, sich anderswohin zu bewegen?«

Der Stellvertreter spürte nach und überlegte. Dabei wirkte er sehr angestrengt. Nach einer Weile sagte er: »Ich fühle mich wie gelähmt.«

»Dann will ich einmal versuchen, ob wir einen besseren Platz für Sie finden können«, meinte der Berater und fasste den Repräsentanten leicht an der Schulter. Er führte ihn auf einen Platz zwischen europäischer Zentrale und italienischer Produktion (Bild 2). Danach fragte er: »Ist es hier besser, schlechter, gleich oder einfach anders?«

»Eindeutig besser, freier, übersichtlicher, und vor allem habe ich die Kunden jetzt im Blick«, war die Antwort, und der Ausdruck des Repräsentanten wirkte deutlich entspannter.

Der Berater wandte sich danach an die anderen Stellvertreter und fragte: »Für wen macht das einen Unterschied?«

»Ich fühle mich noch schlechter!«, meldete sich unmittelbar die italienische Produktion.


Fü Führungsteam (Fokus)
IP italienische Produktion
IV italienische Vertriebsorganisation
DP deutsche Produktion
AV andere Vertriebsorganisationen
EZ europäische Zentrale
JK japanischer Konzern
Ku Kunden

Bild 2: Post-Merger-Integration – Zwischenstand

Der Berater hatte selbst verschieden Optionen für eine Veränderung der Konstellation, aber er wollte sich ganz auf das implizite Wissen – der kollektiven Intelligenz – der aufgestellten Repräsentanten einlassen. Er ging auf den Stellvertreter der italienischen Produktion zu und sagte zu ihm: »Dann suchen Sie sich bitte einen besseren Platz, probieren Sie einfach mehrere Möglichkeiten aus.« Der Repräsentant bewegte sich zuerst etwas zögernd im Raum und sagte dann: »Es zieht mich hin zur deutschen Produktion – das ist schon merkwürdig, denn die waren bislang immer unsere ›Erzfeinde‹, unsere eigentlichen Konkurrenten!«

Doch auch der Vertreter der deutschen Produktion wandte sich spontan der italienischen Produktion zu und meinte: »Mir geht es genauso, ich bin zwar immer noch skeptisch, aber so ist es eindeutig besser.«

Ganz ähnlich – teils indem der Berater den Stellvertretern einen neuen Platz zuwies, teils indem er sie anwies, ihren Impulsen zu folgen und sich einen besseren Platz zu suchen – entwickelte sich in einer Art »Ko-Kreation« eine neue Konstellation, die alle Beteiligten als deutlich besser und energiereicher empfanden.

Damit war die Zeit für eine erste »Zwischenbilanz« gekommen. Der Berater fragte die Stellvertreter, wie sie diese neue Konstellation erlebten.

»Ich wusste sofort, dass mein Platz hier bei den anderen Vertriebsorganisationen ist«, meinte die italienische Vertriebsorganisation, »aber ich dachte nicht, dass es so schwer ist, mich von der italienischen Produktion zu lösen. Es ging erst, als auch das Führungsteam sich entfernt hatte und die deutsche Produktion näher gerückt war.«

»So ist es viel besser und entspannter«, erklärte die europäische Zentrale, »die Repräsentanten für die Produktionsstätten sind mir noch ein bisschen zu weit entfernt.«

»Ich fühle mich hin- und hergerissen«, meinte das Führungsteam, »ich sollte einerseits näher bei der europäischen Zentrale stehen, andererseits braucht mich aber die italienische Produktion.«

Der Ausdruck »hin- und hergerissen« ließ den Berater aufhorchen: Er deutete ihn als Signal, dass in der Rolle des Führungsteams zwei gegensätzliche Aspekte vertreten sind: Offensichtlich gab es im System Ambivalenzen.

Solche konträren Tendenzen muss man im Verlauf einer Aufstellung immer auflösen; sie sind möglicherweise ein Hinweis auf Blockaden. Mit Hilfe einer spezifischen Intervention werden Ambivalenzen in ihre gegensätzlichen Positionen ausdifferenziert.

»Dann will ich einen Test versuchen«, meinte der Berater und wandte sich an einen der Manager, die in der Runde saßen. »Vielleicht hat das Führungsteam zwei oder mehrere unterschiedliche Aufgaben, die sich nicht so leicht unter einen Hut bringen lassen. Deshalb wähle ich einen neuen Repräsentanten für den anderen Teil des Führungsteams und stelle ihn neben das Führungsteam, das sich hin- und hergerissen fühlt.«

»Ändert sich etwas?«, fragte der Berater, nachdem er einen Stellvertreter an die Seite des Führungsteams gestellt hatte. Der Repräsentant des Führungsteams verspürte eine Stärkung und zugleich eine deutliche Erleichterung. Der andere Teil des Führungsteams verspürte einen Impuls, sich mehr der italienischen Produktion zuzuwenden.

»Damit kann ich mich nun der europäischen Zentrale nähern«, erklärte der Stellvertreter des Führungsteams. Die europäische Zentrale war sehr damit einverstanden: »Das ist auch viel besser so!« (Bild 3)


F2 »anderer Teil« des Führungsteams
IP italienische Produktion
IV italienische Vertriebsorganisation
DP deutsche Produktion
AV andere Vertriebsorganisationen
EZ europäische Zentrale
JK japanischer Konzern
Ku Kunden

Bild 3: Post-Merger-Integration – Schlussbild Führungsteam (Fokus)

Der Berater hatte nun den Eindruck, die aktuelle Konstellation sei in sich stimmig. Zudem war durch die mehrfachen Veränderungen eine Fülle von Informationen ans Licht gekommen. Allerdings wollte er noch ein letztes Mal die Wahrnehmungen jener Repräsentanten abfragen, mit denen er nicht direkt gearbeitet hatte.

»Mir geht es jetzt sehr gut, alles konzentriert sich auf mich«, befanden die Kunden. Und der japanische Konzern erklärte: »Wenn sich das so gut entwickelt, mische ich mich nicht ein. Ich habe mich nicht bewegt, hier geht’s mir gut.«

Damit schloss der Berater die Aufstellung ab: »Vielen Dank! Bitte treten Sie nun ganz bewusst aus Ihrer jeweiligen Rolle heraus. Wir machen eine kurze Pause, und dann werden wir uns im Rahmen eines gemeinsamen Gesprächs im Dialog darüber klar werden, welche Erkenntnisse Sie aus dieser Simulation gewonnen haben und welche Maßnahmen sich daraus ableiten lassen.«

In der ersten Runde des folgenden Dialogs schilderte jeder Manager der Reihe nach, was ihn an der Aufstellung am meisten beeindruckt hatte. Danach erarbeiteten die Beteiligten gemeinsam erste konkrete Schritte.

Die wohl wichtigste Erkenntnis: Ein Schulterschluss (im buchstäblichen Sinn des Wortes) zwischen deutscher und italienischer Produktion stellte eine mögliche und sinnvolle Lösung dar. Für die Manager dieses Unternehmens bedeutete ein solcher Schritt eine wahre »Revolution«. Das Produktionswerk der deutschen Mutterfirma hatten sie bisher immer als Rivalen betrachtet, als den eigentlichen Konkurrenten, der die Produkte mit den besten Margen wegschnappte, aber die schwierigsten Projekte den Italienern überließ. Als Reaktion hielten diese alle Innovationen vor den »Deutschen« so lange wie möglich geheim, um den eigenen Wettbewerbsvorteil nicht preiszugeben. Die Idee einer Zusammenarbeit lag den Managern so fern, dass sie in einer normalen Diskussion wohl kaum zur Sprache gekommen wäre. Zu sehr wäre diese »Kooperation« durch die alte Mentalität geprägt gewesen.

Der Prozess der Aufstellung hatte die Manager beeindruckt – und die Lösungen, die im Verlauf sichtbar wurden, hielten sie für sehr sinnvoll. Der Geschäftsführer und der Produktionsleiter beschlossen gleich danach, zur Mutterfirma ins Ruhrgebiet zu fliegen, um im Hinblick auf die Produktion einen noch auszuarbeitenden Kooperationsvorschlag zu unterbreiten.

Ergebnis dieser Annäherung war – so viel sei an dieser Stelle vorweggenommen – ein Plan, noch im selben Jahr mit der Errichtung eines gemeinsamen Produktionswerks in Polen zu beginnen, in das die Herstellung der kostenkritischen Produkte ausgelagert wurde.

Ein weiterer wichtiger Impuls, der sich in der Aufstellung gezeigt hatte, war die Loslösung der italienischen Vertriebsstruktur von der italienischen Produktion und die Annäherung an die übrigen Vertriebsstrukturen des Konzerns. Bisher hatte sich der italienische Vertrieb vorwiegend auf die Vermarktung der im eigenen Lande hergestellten Produkte konzentriert. Die in der Aufstellung ans Licht getretene neue Positionierung wies den Weg zu einer engeren Kooperation mit den Vertriebsstrukturen der anderen Länder. Diese sollte schließlich allen involvierten Partnern zugutekommen, weil dadurch europaweit die gesamte Produktpalette mit vollem Engagement angeboten werden konnte.

So gehörte die Reorganisation des Vertriebs zu den ersten Maßnahmen, die einige Monate später von der japanischen Zentrale beschlossen wurden. Die Italiener waren zu diesem Zeitpunkt bereits gut darauf vorbereitet und arbeiteten ohne den sonst üblichen Widerstand konstruktiv an der neuen Struktur mit.

Auch die Intervention, das Führungsteam in zwei Untergruppen aufzuteilen, von denen die eine sich der europäischen Zentrale und die andere der italienischen Produktion widmen konnte, nahmen die Manager als wichtige Anregung auf. Sie diskutierten, wie sie die Präsenz in der Zentrale erhöhen könnten, um die italienischen Interessen nachhaltig zu vertreten, ohne dabei die Führung der italienischen Niederlassung zu vernachlässigen. Der Geschäftsführer war bisher stark in das operative Tagesgeschäft involviert. Als Folge der neuen Ausrichtung wurden seine Aufgaben neu gebündelt und ein Teil davon an die Mitglieder des Leitungsteams delegiert.

Schließlich minderte die Aussage des Stellvertreters des japanischen Konzerns, er beobachte die Entwicklung zwar sehr genau, aber doch aus der Ferne, die Ängste vor einer sofortigen Schließung der italienischen Produktion. Die Manager fassten Mut und konnten im Rahmen der auf den »Kick-off« folgenden Workshops mit größerer Zuversicht ihre Zukunftsvisionen entwickeln und entsprechende strategische Maßnahmen beschließen.

Dies also war der Auftakt zu einer sehr erfolgreichen »Post-Merger-Integration«. Die Systemaufstellung hatte einen geradezu überraschenden, radikalen Stimmungswandel bewirkt. Die Manager hatten die Lähmung überwunden, die sie durch ihre Vermutungen über die Folgen der Übernahme befallen hatte. Sie hatten in der Aufstellung ihre Handlungsspielräume ausgelotet und nutzten diese in der Folge geschickt. Es gelang ihnen, im Gesamtsystem des Konzerns eine gute Position zu finden.

Nach weniger als zwei Jahren wurde dem Geschäftsführer der italienischen Filiale die Leitung der gesamten europäischen Produktion übertragen. Mit Stolz berichtete er, die italienische Niederlassung mit ihrem eigenen Werk liefere jetzt Spezialprodukte bis in den Fernen Osten.

Zusammenfassung

Zum besseren Verständnis des Ablaufs rekapitulieren wir nochmals die wichtigsten Schritte der Aufstellung:

Ausgangspunkt war ein klar definiertes Anliegen des beratenen Kunden. Im geschilderten Fall wurde das Beratungsziel, gute Voraussetzungen zu schaffen, um in der Folge eine Strategie entwickeln zu können, die das Überleben des italienischen Unternehmens sicherte, im Vorfeld mit dem Geschäftsführer im Detail vereinbart.

Der Berater folgte einem systemischen Ansatz und richtete sein Augenmerk auch auf relevante Kontextfaktoren und die Interdependenzen zwischen den beteiligten Akteuren. Dadurch lud er die Manager ein, ihren Horizont zu weiten und ihre Situation auch aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten.

Der Berater begegnete dem Problem mit einer lösungsorientierten Haltung. Er setzte voraus, dass sein Kunde über die nötigen Ressourcen verfügte, um eine adäquate Lösung zu finden. Für ihn war selbstverständlich, dass im impliziten Wissen des Teams bereits die Ansätze zur Lösung schlummerten, die es durch geschickte Interventionen nur noch zu wecken galt. Deshalb forderte er während der Aufstellung die Stellvertreter immer wieder auf, ihren Impulsen zu folgen und neue Positionen auszuprobieren.

Um die durch den Firmenzusammenschluss entstandene Komplexität zu handhaben, wählte der Berater eine Systemebene, die relevante Dynamiken aufzuzeigen half. Als Einführung dieser ersten Sequenz nutzte er die Metapher des Fußballspiels: Die Spieler haben sich auf einem Spielfeld zunächst strategisch geschickt zu positionieren, bevor sie mit ihren taktischen Spielzügen erfolgreich werden können.

Erst nach der Definition der Systemebene ließen sich die Aufstellungsform und deren entsprechende Elemente ableiten. Der Berater entschied sich für eine Organisationsaufstellung mit dem Führungsteam als Fokus. Er baute die Aufstellung aus der Perspektive des Führungsteams auf und ließ funktionale Einheiten des Unternehmens und seines Kontextes – und nicht einzelne Personen – aufstellen.

Kernstück der Intervention war die szenische Arbeit. Die Aufstellung erlaubte den Managern, probehalber wichtige Aspekte ihres neuen Kontextes in ihre persönliche Erfahrung zu bringen. Damit wurde auf besondere Art eine konkrete künftige Situation vorweggenommen. Dass dabei auch die kollektive Intelligenz des Teams mit ins Spiel kam, war eine zusätzliche Bereicherung. Wie bereits David Bohm aufzeigte, ist kollektives Denken machtvoller als individuelles Denken (Bohm 2002, S. 43).

Wichtig war nicht zuletzt auch die Rückübersetzung von der analogen Sprache der Szene in die logisch-sequenzielle Sprache des Alltags. Dies geschah zum Teil während der Aufstellung, aber vor allem im anschließenden Dialog. Die Teilnehmer griffen relevante szenische Momente auf und setzten sie in Sprache um, damit sie zur weiteren Entscheidungsfindung genutzt werden konnten.

1.4»Szenisches Protokoll« zur Nutzung kollektiver Intelligenz

Während der letzten Jahre haben mehrere Settings zur Nutzung »kollektiver Intelligenz« in die Prozesse der strategischen Entscheidungsfindung von Organisationen Einzug gehalten: Open Space (Harrison Owen), World Café (Juanita Brown) und Dialog (David Bohm) sind bereits recht verbreitet.

Auch die Systemaufstellung knüpft an die Methoden der Nutzung kollektiver Intelligenz an. Sie bedient sich einerseits – zumindest in ihrer ursprünglichen Gestalt – eines Kollektivs von Akteuren, die für eine bestimmte Thematik gewissermaßen »ein-stehen«, aber sie kreiert auch einen »sozialen« (Kommunikations-)Raum, in dem ein ganz spezifisches Wissen ins Spiel kommt: das Erfahrungswissen. Mit Blick auf soziale Systeme ist darunter ein Wissen zu verstehen, das als eine Art »latente« soziale Sinnstruktur »in den Verhältnissen steckt«, wie Dirk Baecker es formuliert (Baecker 1999, S. 78). Zur Eigenart dieses Wissens gehört, dass es nicht in Sprache gefasst ist.

Die Systemaufstellung macht Situationen nicht nur auf der sprachlichen Ebene transparent. Durch das Medium der repräsentierenden Wahrnehmung macht sie soziale Ereignisse in substanzieller Weise unmittelbar körperlich erfahrbar und vermittelt die emotionalen Qualitäten. Mit der Systemaufstellung ist also eine neue Form von Code verfügbar: Sein besonderes Merkmal ist die leiblich-affektive Dimension. Diese wird dadurch aktiviert, dass die Personen für kurze Zeit in ein Bild hineintreten und zu einem Teil dieses Bildes werden. Die uns vertraute Subjekt-Objekt-Trennung wird für wenige Augenblicke aufgehoben: Die Personen versetzen sich gleichsam in ihren Gegenstand hinein.

In Teilen hat die Systemaufstellung Ähnlichkeit mit den von Ralf Bohnsack als »Verfahren der rekonstruktiven Sozialforschung« bezeichneten Methoden der objektiven Hermeneutik und des narrativen Interviews. Diese Verfahren zielen darauf ab, das »Soziale« unverstellt, das heißt als eine nicht über das einzelne Individuum erschlossene Konstruktion, in Erfahrung zu bringen. Sie und insbesondere das narrative Interview basieren auf der Grundannahme einer »Homologie von Erzähl- und Erfahrungskonstitution« (Heinz Bude). Damit ist gemeint, dass ein Erzähler eine Geschichte so wiedergibt, wie er sie erfahren hat, das heißt, er reproduziert darin seine Erfahrung »in jenen Relevanzen und Fokussierungen, wie sie für seine Identität konstitutiv und somit auch handlungsrelevant für ihn ist« (Bohnsack 1999, S. 57). In der Aufstellungsarbeit geschieht etwas ganz Analoges: In der von Szene zu Szene sich verändernden Anordnung der Repräsentanten findet die Erfahrungswelt eines Klientensystems ihre ganz spezifische Darstellung.

So gesehen lässt sich die Systemaufstellung als szenisches Protokoll eines bestimmten Ereignisses bezeichnen: In einem ko-kreativen Kommunikationsprozess zwischen Repräsentanten und Facilitator wird sukzessive eine funktionale Lösung zu einer konkreten Fragestellung herausgearbeitet. Bei diesem Vorgang werden gerade die »Triebkräfte« expliziert, die einer aufgestellten Situation zu Grunde liegen.

1.5Systemaufstellung und lernende Organisation

Die Systemaufstellung lässt sich als Methode gut in die neueren Verfahren des Konzepts der »lernenden Organisation« integrieren, denn diese Verfahren greifen bevorzugt auf selbstreflexive Vorgänge zurück. Letztere ermöglichen, dass aus Bewusstheit Selbstbewusstheit wird. So lädt beispielsweise die Vorgehenssystematik Claus Otto Scharmers für die Emergenz von Zukunft in einer Organisation geradezu zur Aufstellungsarbeit ein (Scharmer 2000, S. 5): »Um erfolgreich in neu entstehenden Business-Kontexten operieren zu können, müssen Führungskräfte die Fähigkeit beherrschen, emergierende Zukunft zu spüren, in Kraft zu setzen und zu verkörpern.« Das klingt, als wolle Scharmer auf die Systemaufstellung – die er aber nicht erwähnt – anspielen. Tatsächlich lässt sich durch sie in der 3. und 4. Dimension von Scharmers Transformationsprozess – auf der Ebene von »imagination« und »primary knowing« oder »presencing« – gerade jenes Erfahrungswissen erschließen, das die Basis für jegliche Entwicklung in Unternehmen ist (Grafik 1).

Grafik 1: U-Prozess nach Claus Otto Scharmer (2009)

Zur Erschließung dieses Wissens gibt es bis heute nur wenige und zum Teil (zeit)aufwendige Methoden. Hier kommt also die Systemaufstellung als einfache – nicht simple – Lösung gerade richtig.

Unter dem Titel Von der Zukunft her führen erkundet Carl Otto Scharmer, wie sich die verborgenen Strukturen von sozialen Entitäten systematisch zugänglich machen lassen. Dabei leitet ihn die Idee, es müsse als Dreh- und Angelpunkt für eine Verschiebung der Struktur eines sozialen Feldes eine Art »archimedischen Punkt« geben (Scharmer 2005). Diesen Punkt ortet er im Innern eines beobachtenden Systems – sei es eine einzelne Führungskraft, ein Team oder eine Unternehmung –, genauer: in dessen »Feldstrukturen der Aufmerksamkeit«. Scharmer unterscheidet 4 unterschiedliche Modi der Aufmerksamkeit und damit eng verbunden 4 Kategorien von Handlungsabsichten. Zwischen diesen 4 Ebenen – er nennt sie Dimensionen der sozialen Emergenz – kann man sich hin- und herbewegen. Allerdings ist das Ergebnis in jeder Dimension völlig anders. Scharmer beschreibt dies wie folgt (ebenda, S. 8 ff.):

Wenn ich von der Ebene 1 her zuhöre, erfriert das Gespräch in alten Mustern der Vergangenheit (downloading). Wenn ich von Ebene 2 aus zuhöre, stelle ich mich dem anderen diskursiv gegenüber (reflecting). Wenn ich von Ebene 3 her zuhöre, evoziere ich ein dialogisches Feld, in dem ich eine unmittelbare Berührung, Verbindung und Einheit mit den Anderen erlebe, in dem sich die trennende Grenze zwischen mir und dem anderen auflöst (imagining). Wenn ich von Ebene 4 aus zuhöre, beginne ich, an der Bildung eines neuen Innenraums teilzunehmen, durch den hindurch eine stille schöpferische Präsenz anwesend und eine direkte Resonanz zu meiner höchsten zukünftigen Möglichkeit real erlebbar und produktiv zu werden beginnt (presencing).

Die Suche nach innovativen Wegen der Zukunftsbewältigung fordert von Individuen, Teams und Organisationen, sich bei der Lösungsfindung vermehrt auf die 3. und 4. Ebene einzulassen. Dabei ist es Scharmer durchaus bewusst, dass sein Weg »nach innen« für viele ungewohnt sein dürfte. Er nennt denn auch die drei wichtigsten Hürden, die zu überwinden sind: vorschnelles Urteilen (und Abwerten), Zynismus und Mutlosigkeit.

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