Kitabı oxu: «Das Märchen von dem Dilldapp»

Şrift:

Clemens Brentano

Das Märchen von dem Dilldapp

Saga

Das Märchen von dem DilldappCoverbild/Illustration: Shutterstock Copyright © 1847, 2020 Clemens Brentano und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726762525

1. Ebook-Auflage, 2020

Format: EPUB 3.0

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Dilldapp

In deutschem Land, in der guten Stadt, welche sich in den Wellen des ehrlichen Flusses spiegelt, lebte Frau Schlender, eine Frauenschneiderin. Sie war zwar sehr fleissig, aber konnte doch nicht viel vor sich bringen und daher auch nichts zurücklegen, weil sie selbst schon sehr mit ihrer Arbeit aus der Mode war; keine Dame wollte mehr etwas von einem Schlender wissen. Doch hatte sie drei flinke Töchter, welche sich der Reihe nach noch ziemlich mit der Nadel erhielten. Die älteste hiess Andrienne, die zweite Saloppe und die jüngste Kontusche. Doch kamen diese auch bald aus der Mode, wie ich euch weiter erzählen werde, so dass Frau Schlender nie recht auf einen grünen Zweig kam.

Ihre grösste Plage aber war, dass sie einen Sohn hatte, der Dilldapp hiess und alles verkehrt machte. Dilldapp war ein sehr guter Junge, aber er hatte einen so dummen Verstand in seinem dicken Kopf, dass er alles überzwerch verstand und ausführte. Nun gab ihm seine Mutter zwar allerlei Näschereien, um ihn mit Liebe zu erziehen, zum Beispiel Ohrfeigen, Kopfnüsse und wohl noch manchen Nasenstüber obenein. Aber er war kein besonderer Liebhaber davon und hätte gerne alle diese Leckereien um ganze gewöhnliche Feigen und Nüsse und Stüber hingegeben, weswegen diese Gefälligkeiten der Frau Schlender auch gar nichts bei dem ehrlichen Dilldapp fruchteten. Deswegen ward Frau Schlender müd, ihn täglich so zu bewirten, und setzte fest, dass er, wie alle Arbeiter, am Ende der Woche immer seinen Lohn haben sollte, und diesen erhielt der arme Dilldapp so reichlich, dass es ihm leicht ward, den blauen Montag zu feiern; denn er hatte blaue Flecken von den Schlägen am Leib für die ganze Woche. Er stieg dadurch immer mehr in seiner Kunst, alles, ausser die Kleider, umzuwenden, dass er in einer Woche folgende vortreffliche Geschäfte zustand brachte:

Die Mutter sprach: „Dilldapp, bring Wachs!“

Da brachte ihr der Dilldapp Flachs.

Die Mutter sprach: „Dilldapp, bring Zwirn!“

Da brachte ihr der Dilldapp Birn’n.

Die Mutter sprach: „Dilldapp, Steppseide!“

Da brachte ihr Dilldapp eine Speckseite.

Die Mutter rief nach der Schneiderscher,

Und Dilldapp brachte Schweineschmer.

Die Mutter wollt’ ein Mass von Papier,

Und Dilldapp brachte ein Mass Bier.

Die Mutter wollte Futterzwilch,

Da brachte Dilldapp Buttermilch.

Die Mutter wollte Kanevas,

Da brachte Dilldapp Kanne und Fass.

Die Mutter wollte bunte Borten,

Da brachte Dilldapp runde Torten.

Die Mutter wollte Stopfnadlen,

Da brachte Dilldapp Topffladen.

Endlich sprach die Mutter: ,,Bring mir den Rock und das Bügeleisen!“ Da ging Dilldapp weg und kam nach einer Stunde mit einem Bock, zwei Ziegen und zwei Geissen zurück. Das nahm nun Frau Schlender sehr übel auf; sie nahm eine Hechel und schlug sie ihm um den Kopf.

Er schrie: „O weh, o weh, mein Kopf!“

Sie sprach: „Ich hechele den Flachs, du Tropf.“

Sie schlug, er schrie: „Weh, meine Stirn!“

Sie sprach: Ich schüttele nur die Birn.“

Er stiess, er schrie: ,,Weh, meine Seite!“

Sie sprach: „Ich salze die Speckseite.“

Er rief: „Ach Mutter, nicht so sehr!“

Sie sprach: „Es ist nur Schweineschmer.“

Er schrie: „Ach, ach, ich sterbe schier!“

Sie sprach: ,,Es ist nur ein Mass Bier.“

Er schrie: ,,Mutter, Ihr stosst unbillig!“

Sie sprach: „Ich butter die Buttermilch.“

Er schrie: „Ihr rüttelt ohne Mass!“

Sie sprach: ,,Ich schwenke Kann und Glas.“

Er schrie: Ihr werdet mich ermorden!“

Sie sprach: „Ich backe runde Torten.“

Er schrie: „Ihr schlaget ohne Gnaden!“

Sie sprach: „Ich forme Topffladen.“

Und darauf griff sie erst zum Stock

Und sprach: „Jetzt stutzet sich der Bock.“

Aber Dilldapp sah seinen Vorteil ab, nahm die Beine auf die Schultern und lief idie Treppen hinunter, während Frau Schlender genug zu tun hatte, den Bock und die Ziegen aus dem Hause zu kapitulieren.

Dilldapp aber geriet in ein solches Laufen bergab und bergauf, durch Wälder und Felder, Land und Sand, Stock und Stein, Distel und Dorn, dass er nicht eher aufhörte, bis er nichts mehr sah vor lauter Nacht; denn die Sonne hatte er schon übern Haufen gelaufen, und an der Abendröte hatte er die bunten Fensterscheiben eingerennt. Da hängten die Sterne ihre tausend Laternen zum Himmel heraus, und der Mond zog als Nachtwächter auf die Wache, um zu sehen, wer so erbärmlich laufe.

Dilldapp aber bekümmerte sich um nichts, und da er an einem Berg stand, der mit dem Himmel den Kopf zusammenstiess, rannte er zu guter Letzt auch dahinauf. Ausser Atem war er, und da er oben hinkam, hatte er Luft im Überfluss; er konnte auf viele Jahr voraus Atem schöpfen. Da aber die Welt da oben auch noch nicht mit Brettern zugenagelt war, begann er weiterzurennen, aber ein Esel trat ihm in den Weg; der gefiel dem guten Dilldapp so wohl, dass er auf ihn stieg, um seine Reise in guter Gesellschaft fortzusetzen.

Kaum aber hatte er wenige Schritte gemacht, so kam ihm und dem Esel ein flinker Knüppel in den Weg, der sie beide in eine Höhle hineintrieb, in welcher ein grosses, dickes, fettes Ungeheuer von einer so ausserordentlichen, grossen Herzensgüte sass, dass man sie mit Ellen ausmessen konnte. Ach, Mutter, wie abscheulich gross und gut war das Ungeheuer!

Das Ungeheuer sah aus wie ein andrer Mensch auch, ausser dass es wohl dreimal so gross und viermal so breit war. Es hatte eine sehr edle Gesichtsbildung, nur sein Kopf war so dick wie ein Pfefferballen; seine Nase so breit wie ein Blasebalg; seine Augen, deren es nur eines hatte, und zwar mitten auf der Stirn, waren lieblich-spielend, wie das Rad an einem Schiebkarren; sein Mund war freundlich, aber so gross als die Brieftasche eines Postmeisters; und seine Ohren, die es spitzen konnte wie ein kluger Spitzhund und niederhängen wie ein treuer Pudelhund, waren nicht grösser, als dass in einem die Schwalben ihr Nest, im andern die Bienen ihr Haus drin bauen konnten, was seiner Freundlichen Seele eine sehr angenehme Unterhaltung gewährte. Auf ähnliche Weise waren alle seine Glieder unförmlich und sein ganzes Aussehen so, dass jeder andere vor ihm in Ohnmacht gefallen wäre.

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9788726762525
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