Kitabı oxu: «Romanzen vom Rosenkranz»

Şrift:

Clemens Brentano

Romanzen vom Rosenkranz


Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2020

goodpress@okpublishing.info

EAN 4064066110604

Inhaltsverzeichnis

* Einleitung

* Romanzen vom Rosenkranz ** Romanze I: Rosablankens Traum

** Romanze II: Kosme und Rosablanka

** Romanze III: Meliore und Apone

** Romanze IV: Rosablanka und Biondetta

** Romanze V: Guidos Bild

** Romanze VI: Pietro

** Romanze VII: Kosmes Buße I

** Romanze VIII: Kosmes Buße II

** Romanze IX: Apo und Moles auf dem Turme

** Romanze X: Schöpfungsgeschichte des Moles

** Romanze XI: Biondetta in dem Theater

** Romanze XII: Jacopone und Rosarosa

** Romanze XIII: Tod der Rosarosa

** Romanze XIV: Apo und Meliore

** Romanze XV: Meliore und Biondetta — Biondettens hohes Lied

** Romanze XVI: Kosme krank — Pietros Garten brennt

** Romanze XVII: Totenmesse — Meliore und Rosablanka beichten

** Romanze XVIII: Biondetta ersticht sich

** Romanze XIX: Moles in Biondettens Leiche

** Romanze XX: Rosarosens Leichenzug

"

* Einleitung

Inhaltsverzeichnis

In weiter Kammer schlief ich und die Brüder

Auf stillen Betten, die der Traum umspielet;

Der Amme Lied ertönte still, und nieder

Die Winternacht mit kalten Sternen zielet.

Gesegnet seid, ihr ernsten nächt'gen Scheine,

Die ihr mir in die junge Seele fielet!

Ich fühlte ruhig mich, in Frieden klar und reine;

Der Brüder Herzen hört ich um mich schlagen,

Ergötzt war meine Brust, ich wacht alleine,

Hört sie im Traum die kindschen Wünsche klagen.

Der eine sprach von Wagen und von Rossen.

"Hinan, hinan!" hört ich die Schwester sagen,

"Ein Auge schließ ich auf der Leiter Sprossen,

Daß mich der tiefe Abgrund nicht ergrause."

Sie wußte nicht, daß beide sie geschlossen.

Die andre sprach von ihrem Blumenstrauße,

Wie er schon wieder frisch erblühen werde;

Und die ihr nah: "O tritt die Spitzenkrause

Mir nicht so liederlich hin an die Erde!"

Doch ferner schlummert einer; heftig bebet

Sein Busen, und mit trotziger Gebärde

Spricht er: "Seht hin, Geliebte, seht, es schwebet

Der Luftball hoch, ich habe ihn erfunden!"

Dann wirft er sich im Bette, hoch erhebet

Die Füße er, das Haupt hängt er nach unten.

Des Fensters Schatten lag gleich einer Leiter

Auf seiner Decke; künstlich eingewunden

Erseufzt er tief und schlummert lächelnd weiter.

Auf eines Mägdleins Bette glatt gestrichen

Erglänzt zur andern Seite Mondschein heiter;

Die weißen Röcklein auf dem Stuhle glichen

Zwei Engeln, die ihr still zum Haupte wachten.

Still war sie, bis der Mond von ihr gewichen;

Er senkte sich zur Erde. Sprünge machen

Sah ich ein Kätzlein schwarz beim letzten Bette;

Es spielte mit herumgestreuten Sachen,

Ein Strumpfband wars und eine Blumenkette;

Und als der Mond am Bett hinaufgeschwebet,

Sah ich's, als ob es glühnde Augen hätte.

Bang hob ich mich, und mir entgegen hebet

Das Mägdlein sich und sprach: "Wie schön gesungen

Hat heut die Amme, noch das Herz mir bebet:

Frau Nachtigall, mein Herz ist mir zersprungen."

So sprach das Kind und legte still sich nieder.

Ich fühlte mich mit Weh und Lust durchdrungen,

Ein stilles Feuer zog durch meine Glieder.

Oft hieß es mich empor nach ihr zu sehen,

Und immer hob ihr lockigt Haupt sie wieder.

Dann sprach sie Worte, mir nicht zu verstehen,

Gebetet war es, und es war gedichtet,

Und bis ich sah den Mond mir untergehen,

Blieb mir ihr Haupt genüber aufgerichtet.

Dann hört ich draußen — harte Worte klangen,

Bis eine milde Stimm den Streit geschlichtet.

In unsre Kammer leise kams gegangen,

Von Bette schlichs zu Bette, gab uns Küsse

Und segnet uns auf Stirne und auf Wangen.

Ich war der letzte. Heiße Tränengüsse

Fühlt ich aus Mutteraugen auf mich fließen.

Ich wußte nicht, warum sie weinen müsse,

Ich traute nicht, den Arm um sie zu schließen.

Und als sie aus der Kammer war geschieden,

Da mußten meine Augen Tränen gießen,

Da fühlte ich zuerst den Schmerz hienieden!

Ich betete: "Maria, sei gegrüßet,

So viele Tränen sie geweint!" und schlief in Frieden.

——

Viel war ich krank, kam wenig an die Sonne,

Die bunte Decke war mein Frühlinggarten,

Der Mutter Pflege war mir Frühlingswonne.

Ich konnte oft den Abend nicht erwarten,

Wenn sie die Wundermärchen uns gesungen,

Daß rings die Kinder in Erstaunen starrten.

Und keines ist mir so ins Herz gedrungen,

Als von des süßen Jesus schweren Leiden,

Wie des Herodes Kindermord mißlungen,

Maria durch Ägypten mußte reiten,

Und was sie da erfuhr in schweren Nöten,

Da focht ich in Gedanken gen die Heiden.

Und sah ihr Blut in allen Abendröten. —

Oft kam ein alter Diener mich besuchen,

Mit kräftgen Reden meine Zeit zu töten,

Die Tasche leer vom oft versprochnen Kuchen,

Ein Meister im Versprechen und Beteuern,

Was oft sich falsch bewärt; dazu ohn Fluchen

Konnt er mit seinen Augen Glaub erneuern.

Vom Antichrist tät er mir prophezeien,

Und hat zum Held gen ihn in Abenteuern

Vor allem mich mit einem Schlag geweihet,

Den scherzhaft er mir auf das Haupt gegeben;

Doch meine Seele ihn des Ernstes zeihet;

Nichts traf so ernsthaft mich in meinem Leben;

Der Antichrist erfüllet mich mit Schrecken,

Und täglich mußt ich vor dem Trüger beben.

Ich sah ihn stets gen mich die Hand ausstrecken:

Allmächtiger, erleuchte meine Tage

Und wolle mich vor meinem Feind verstecken!

Und da dem Alten ich die Angst so klage,

Sprach er: "Wenn du drei Tage ohne Weinen

Geduldig bleibst, ich dich zur Kirche trage,

Da sollst du dir ein großer Held erscheinen,

Man wird dich singend bei dem Eintritt grüßen."

Ich glaubte ihm. Bei aller Krankheit Peinen

Ließ keine Trän ich von den Augen fließen.

Und als die Stunde endlich war erschienen,

Ward ich geschmückt vom Kopf bis zu den Füßen.

Ich ließ mich stolz, gleich einem Herrn, bedienen;

Der Alte selbst trug mich auf seinen Armen

Und machte übertrieben ernste Mienen.

Ich fühlte mich von Sonnenschein erwarmen,

Und als wir uns dem alten Kloster nahten,

Gab an der Pforte ich den frommen Armen,

Die barhaupt bittend uns entgegentraten,

Was ich besaß: sechs neue blanke Heller.

Mein Träger ging auf wohlbekannten Pfaden;

Er zeigte links hinab: "Dies ist dein Keller",

Sprach er, "da hast du deine vollen Fässer

Mit allen Sorten besten Muskateller!"

Ich glaubte ihm, und mit dem blanken Messer

Uns da ein schwarz und weißer Mönch begegnet.

Der Alte sprach: "Nun sieh, stets kommt es besser!"

Und als: "Wer war es?" ich ihm scheu entgegnet —

"Dies war dein heilger Pater Küchenmeister,

Was er am Spieße brät, das ist gesegnet.

Er ist aus Schwaben und Marcellus heißt er;

Er soll den Antichrist zum Spieße stecken,

Er ist ein Zauberer, beschwöret Geister."

Nun hörte ich durch blühnde Gartenhecken

Die Orgel aus der Kirche rührend klingen;

Mich faßte da ein nie gefühlt Erschrecken.

Als endlich zu der Kirche wir eingingen,

Des Weihrauchs süße Wolken mich umwallten,

An hohen Säulen goldne Engel hingen,

Der vielen Bilder seltsame Gestalten,

So stille und so kühl die hohen Bogen,

Wie unsre Schritte in den Hallen schallten,

Die Orgeltöne jubilierend zogen,

Und wie die Mönche zu den Stühlen schlichen —

So wunderbar hat nie mein Herz geflogen.

Der Alte machte mir des Kreuzes Zeichen,

Mit Weihewasser er mich tüchtig sprengte,

Befahl mir dann, zu horchen und zu schweigen.

Die Seele sich in meine Ohren drängte.

Als laut im Chor sie meinen Namen sagen,

Entzücken sich mit tiefer Angst vermengte.

Die Worte mir wie Feu'r zur Seele klangen:

"|O clemens, o pia, o dulcis virgo Maria!|"

Ein ewiges Gefühl hab ich empfangen.

Ruft man mich Clemens, sprech ich still: "|o pia!|

In meiner letzten Stund dich mein erbarme;

|O clemens, o pia, o dulcis virgo Maria,|

Empfange meine Seel in deine Arme!"

——

Schon siebenmal war Weihnacht mir erschienen

Mit ihres Kinderschatzes frommen Glanz;

Ich konnte lesen und die Messe dienen.

Die Erde stand in Frühlingsfreude ganz;

Des lustgen Pfingstfests Feier zu begehen

Schmückt man die Kinder mit dem Blumenkranz.

Zur Kirche sah man tausend Kinder gehen;

Es teilt die Firmung dort der Bischof aus,

Daß sie bestätigt in dem Glauben stehen.

In Feierkleidern trat ich aus dem Haus

Und zog mit vielen Kindern zu der Weihe,

Wie sie geschmückt mit einem Blumenstrauß.

Am Chore kniend in der langen Reihe

Hab ich vom Bischof da das Öl empfangen

Auf meine Sirne, Gott mir Kraft verleihe!

Den Backenstreich empfingen meine Wangen,

Daß ich gedenke an den ernsten Tag,

An dem zur Kirch ich neu bin eingegangen.

Derb und empfindlich schien bei mir der Schlag;

Er sah in mir wohl jenes irdsche Wanken,

Das zu bestimmen noch ich kaum vermag.

Ich trat erschüttert aus den heilgen Schranken,

Und meine Stirn umschlang ein blaues Band.

Jedoch in mir, da schwankten die Gedanken,

Denn mir zur Seite an dem Altar stand

Ein kleines Mägdlein, das mich tief gerühret;

Ich faßte heftig ihre kleine Hand

Und habe sie zwei Schritte wohl geführet.

Da sprach mein Führer: "Laß das Mägdlein stehn!

Dergleichen Spiel allhier sich nicht gebühret."

Sie schied von mir, ich mußte weitergehn;

Verschlungen ward dies Kind mir von der Menge,

Und nimmer hab ich wieder es gesehn.

Von Sehnsucht wird noch jetzt die Brust mir enge;

Ich suche jetzt wohl noch nach jenem Kinde,

Und immer mehr tritt mirs aus dem Gedränge.

Traf mich des Priesters Hand dort nicht gelinde,

So traf mich schärfer noch mit seinem Pfeil

Der kleine Cupido mit seiner Binde.

Des Priesters Schlag rührt mich nur kurze Weil,

Und nie genas ich von der Liebe Wunden;

Der Tod empfängt den Kranken noch nicht heil.

Du zartes Mägdlein, dir mir dort verschwunden,

Siehst du auf Erden noch das süße Licht,

Hast du gelebt und hast du Leid empfunden,

Begegnet dir dies dunkele Gedicht:

Nimm hin den Gruß und Dank, du Namenlose,

Im irdschen Traum du himmlisches Gesicht!

Und schläfst du schon in unsrer Mutter Schoße,

So falle dir aus meinem ernsten Kranz

Ein Opfer auf das Grab: die weiße Rose!

——

Getrennet lebte fern ich von den Meinen

In strenger und unmütterlicher Zucht.

Denk ich der Zeit, seh ich sich mir versteinen

Die Tage in des Lebens Blumenflucht,

Wie kleine Gärten zwischen steilen Mauern,

Die nie ein Sonnenstrahl hat heimgesucht,

Wo kalte Marmorkinder einsam trauern,

Die wilder Buchs und Salbei trüb umkreist.

Ihr kennet wohl des Knaben einsam Trauern!

Ich fühlte elend mich und tief verwaist.

Du, Schwester, die die trüben Tage teilte,

Du fühltest auch, was fremde Pflege heißt.

Den Genius, der früh bei mir verweilte,

Den sah ich dort zuerst, als unerkannt

Er mir das junge Herz begeisternd heilte.

Da schmückt ich mich mit einem blauen Band,

Und fesselt mich mit goldpapiernen Ketten,

Trug einen Schäferstab in kindscher Hand

Und auf der Brust geweihte Amuletten.

Ein alter Scherbenhügel war mein Thron;

Ich sprach: "Wer will den armen Sklaven retten?"

Fürst, Schäfer war ich, und verlorner Sohn,

Und sehnt mich zu den zarten Wolkenschafen,

Die durch den Himmel überm Haupt mir flohn.

So war ich einst begeistert dort entschlafen.

Schon stiegen die Gestirne aus dem Blau,

Die gütig mich mit ihrem Segen trafen;

Es spiegelte der Traum sich in dem Tau,

Der meine Stirne kühlend schon benetzte;

Er führte mich auf eine stille Au,

Wo eine Kinderschar sich laut ergötzte.

Fremd schienen sie; ich stand an einem Baum,

Zu dem ich scheu mich endlich niedersetzte.

O seliger, o himmelvoller Traum!

Ich sah hinauf. Aus deinem Himmel, Linde,

Zog nieder eines weißen Kleides Saum,

Und nieder stieg ein Kind aus dem Gewinde

Der Zweige, die es neidisch mir versteckt,

Ein Ebenbild von jenem Firmungskinde.

Sehnsüchtig hatte ich die Arme ausgestreckt,

Da kamen sie, dich boshaft mir zu rauben,

Die Unverständ'gen haben mich geweckt.

Nie blüht ihr wieder mir, ihr Jugendlauben,

Im Fackelschimmer nie betrogner Lust!

Die Liebe starb, die Hoffnung und der Glauben.

Was füllet jetzt die narbenvolle Brust?

Verbrannt das Herz! wie knirscht die tote Kohle!

Das habt ihr stillen Tränen wohl gewußt.

Zur Stube mußt ich, harte Worte holen,

Zur Strafe büßt ich ein mein Abendbrot,

Als hätte ich, was Gott mir gab, gestohlen:

Des selgen Traumes tiefes Abendrot.

Da war mein Herz im Innersten ergrimmet,

Ich fühlte recht, was mir zum Dasein not:

Ein Himmel blau, in dem die Hoffnung schwimmet,

Ein Schmerz in meiner freien starken Hand,

Die ihn nach ihren Melodien stimmet.

Und alles dies, was da zuerst ich fand,

Ward mit Moralien und trocknen Blicken

Zertrümmert mir, was niemals ich verstand.

Entschuldigend erzählt ich mein Entzücken;

Da lachte man den armen Träumer aus,

Den Scherbenkönig, drehte mir den Rücken;

Und als ich weinte, bracht man mich hinaus

Zum dunklen Gartensaal voll Malereien,

Der immer mich erfüllet hat mit Graus.

Es schienen da in traurig langen Reihen

Die Bilder von den Schatten überbebt,

Die mondumspielte Rebenlauben streuen.

Den Richter sah ich, der das Schwert erhebt,

Vor Salomon das Kindlein zu zerspalten;

Es schwankt das Laub, er zuckt, er scheint belebt.

Ich schauderte und konnte mich nicht halten

Und kniete nieder vor Mariens Bild.

Die Hände hab ich innig da gefalten

Und flehte kindisch zu der Mutter mild:

"O, Mutter Gottes, hilf dem armen Kinde!"

Da deckte sie mich mit allgütgem Schild;

Mein Schmerz zerfloß im Beten hin gelinde,

Es senkte nieder sich der ernste Traum,

Ich schlummert ein im Schatten jener Linde.

* Romanzen vom Rosenkranz
** Romanze I: Rosablankens Traum

Inhaltsverzeichnis

"Bitte für uns arme Sünder

Jetzt und in dem Tode, Amen!"

Spricht sie — und vom Stern der Frühe

Weissagt auch die fromme Schwalbe,

Und des Traumes schwülen Flügel

Spannt sie über Rosablanken.

Auf der goldnen Locke Fülle,

Schwer vom blanken Nacken wallend,

Sinkt ihr schlummernd Haupt zurücke,

Himmelsspiegel wird die Wange.

Schüchtern um die rosgen Füße

Ihr der Tau die Traumflut sammelt,

Und der West mit kühlem Flüstern

Dunkle Schlummersegel spannet.

Und der Traum spielt, sie berückend,

Auf der Wimpern goldnen Strahlen,

Die zum Schlummer sind entzücket

In des Morgensternes Glanze.

Und es kreuziget die Süße

Fromm gewohnt sich Stirn und Wange,

Legt in Gottes Hand die Zügel

Der nachtwandelnden Gedanken.

Von den lichtergrauten Hügeln

Nieder zu des Tales Garten

Durch die Nebelwege düster

Sieht sie einen Jüngling wallen.

Zu des Gartens Rosengrüften,

Wo die Düfte schlummernd schwanken,

Eilet Rosablanka schüchtern;

Jener folget ihrem Pfade,

Wandelt ernsthaft durch die Türe,

In der Rechten einen Spaten,

Und sie wagt nicht, ihn zu grüßen,

Also hell und finster war er.

Und sie pflückt gebückt in Züchten

Süße Blümlein, die noch schlafen,

Die unschuldgen, ohne Sünde,

Ohne Taufe, ihm zum Kranze.

Da sie scheu den Kranz schon ründet,

Steht vor ihr der trübe Wandrer,

Spricht: "Wohl selig sind die Blüten,

Die du tötetest im Schlafe;

Selig in der Nacht gepflücket,

Die in Unschuld sind empfangen,

Die nicht traf der Fluch der Sünde,

Starben selig vor dem Apfel.

Aber uns tut not zu büßen,

Denn das Weib ward durch die Schlange

Zu dem Gottesraub verführet,

Den sie teilte mit dem Manne.

Und so hat der Herr erzürnet

An die Erde uns gebannet;

In der Mutter muß ich wühlen

Nach dem göttlichen Erbarmen.

Mit dem Fleische ist die Sünde

Aus der Erde aufgegangen;

In der Mutter muß ich wühlen,

Bis der Vater sich erbarmet!"

Und vor Rosablankens Füßen

Fing der Ernste an zu graben,

Und da er die Gruft erwühlet,

Hat die Erde ihn umfangen.

Mit ihm zu der Erden Grüften

Sinken auch des Tales Schatten;

Aus den Gründen zu den Hügeln

Tritt die Nebelwoge wachsend.

Trüb getürmt auf düstern Füßen

Schwankt der Riese auf am Walde,

Schwingt die Nacht auf seinen Rücken,

Kalt die Nebelfäuste ballend.

Trügend rüstet sich der Lügner

Mit dem Sonnengott zum Kampfe,

Der auf goldnen Flügelfüßen

Flammet aus dem Ozeanen.

Seinen Spiegel stellt er lügend

In der Dünste giftgem Walle

Antichristisch ihm genüber;

Jeder wache, nicht zu fallen!

Wo der Traum in irdschen Gründen

Barg den Mann, will Rosablanke

Ganz in tiefer Angst entzücket

Ihren Blumenkranz begraben.

Aber ihr entgegen züngelnd

Reckt sich eine bunte Schlange,

Und mit heilgem Mut gerüstet

Betet bebend Rosablanke:

"Sei verflucht, du Geist der Lügen,

Dich zertrat des Weibes Samen;

O Maria, sei gegrüßet,

Mutter Gottes, voller Gnaden!

Amen!" und aus Himmelsflüssen Gießt sich aus ein Meer des Glanzes: __Maris Stella__ sei gegrüßet, __Semper virgo, ave, salve!__

Und der Jungfrau Heldenfüße

Traten auf das Haupt der Schlange;

Kindisch ihre Schuld zu sühnen

Gibt dem Kranz ihr Rosablanke.

Aber auf des Tales Hügeln

Glüht die Sonne, und es wallen

Schon die Bienen nach den Blüten,

Und es eilt die fromme Schwalbe,

Kühlt des Traumes schwülen Flügel

Auf dem Spiegel klarer Wasser,

Und beträufelt mit dem Flügel

Weckend Rosablankens Wange.

** Romanze II: Kosme und Rosablanka

Inhaltsverzeichnis

Auf des Fensters Efeuranken

Spielt der Strahl der jungen Sonne,

Und des Laubes Schatten schwankend

Weckt den greisen Vater Kosme.

Schlummerstille ist die Kammer

Rosablankens, als er horchet,

Und er trägt den Krug zum Bache,

Füllet ihn mit frischem Borne.

Aus dem Wasserspiegel mahnet

Ihn des Alters ernster Bote;

"Du wirst bald die Schuld bezahlen!"

Spricht des Hauptes Silberlocke.

Betend senkt er in dem Schatten

Seine Stirne an den Boden;

Mit ihm betet auch das Wasser

und des Gartens heilge Rose.

Und des Tales Sänger alle,

Blumen, Bäume, hohe Wolken,

Schallend, wachend, atmend, wandelnd,

Opfern fromm der goldnen Sonne.

Aber zu der Kinder Lallen

Weint der graue Büßer Kosme,

Denn um seine Hütte wachsen

Weiße, rote, gelbe Rosen.

Schamvoll, schuldvoll überschwankend

Wiegt die rote, blutge Rose —

Ach, sie treffen ihn gleich Stacheln —

Stumm zwei Knospen an der Sonne!

Abgewendet von dem Alten

Unterm Zorn der dunklen Dornen

Läßt die gelbe Rose wanken

Tränenschwere Trauerglocken.

Und die weiße Rose, zagend,

Gleicht dem Geiste einer Nonne,

Bleicht den Schleier weinend, wachend

Ewig unter Mond und Sonne.

Jetzt auch zu dem Bache wandelt

Rosablanka, während Kosme

Betend liegt; mit kühlem Wasser

Netzt sie Wange, Brust und Locke,

Ihre Stimme noch umfangen

Von des Traumes Nebelkrone,

Und die Augen scheu umflattert

Von der Sonnenbilder Flocken.

Doch des Wassers Spiegel mahnet

Zu dem frommen Wunsch die Fromme:

"Könnte alle Schuld ich zahlen

Mit der goldnen Flut der Locken!"

Ihre Worte hört der Alte,

Und spricht zu ihr: "Fromme Tochter,

Sei gesegnet an dem Tage,

Da du bist zum Licht geboren!

Aber bleich sind deine Wangen,

Und die Augen trüb umfloret?" —

"Vater, schwere Träume brachte

Diesen Morgen mir Aurore.

Überm Haupte bang gespannet

Schwankt und droht des Traumes Bogen,

Den zerbrochen mir die Schwalbe,

Niederträufelnd einen Tropfen." —

"War es Feuer, war es Wasser,

Rosablanka, was dir drohte?

War erwühlet dir der Garten?

Bebte unter dir der Boden?" —

"Ja, es waren Tränen, Vater,

Und es war die Glut der Rosen,

Und um göttliches Erbarmen

Ward erwühlt des Gartens Boden." —

"Wehe! wehe! Rosablanka,

Der gewühlet in dem Boden,

Fand er göttliches Erbarmen

Oder blieb sein Werk verloren?" —

"Er ging unter still ermahnend,

Über ihm ist aufgeschossen

Eine bunte, schöne Schlange,

Dringend hin nach meinen Rosen."

"Wehe! wehe! Rosablanka,

Gabst du hin die heilgen Rosen?

Hat die bunte, schöne Schlange

Dich mit bunter Luft betrogen?"

"Von dem Himmeln kam gegangen

Die den Heiland hat geboren;

Sie zertrat das Haupt der Schlange

Und ich gab ihr hin die Rosen." —

"Sei gesegnet, Rosablanke,

Für die Worte voller Trostes!

Daß sich mein der Herr erbarme

Mag ich nun in Demut hoffen." —

Tiefbeweglich sprach der Alte,

Und es wagte nicht die Fromme

Nach der Rede Sinn zu fragen,

Sie sah schüchtern an den Boden.

Aber zu der Hütte wandeln

Beide nun, und Vater Kosme

Spricht: "Nun gehe zu dem Garten,

Fülle deinen Schoß mit Rosen,

Während ich die Honigwaben

Und das Wachs, das diese Woche

Ich zu Kerzen zog und malte,

Dir in deinen Korb geordnet.

Nach Bologna mußt du wandern,

Eh noch höher steigt die Sonne,

Dort verkaufe deine Ware

Bei den schwarz und weißen Nonnen.

Zwanzig Soldi nur an barem

Gelde nehme ich vom Kloster;

Was dir bleibt von deinem Wachse,

Tausche ein um weiße Brote.

Bringe mir auch Purpurfarbe,

Einen Gran geriebnen Goldes,

Und Ultramarin zwei Asse

Aus dem Kram am römschen Tore.

In dem Kloster zu Sankt Claren

Gibt dem Meßner zwanzig Soldi,

Daß er morgen, eh es taget

Eine Seelenmesse ordne.

Morgen sind es zwanzig Jahre

Daß die Mutter dir gestorben.

Herr, dich ihrer Seel' erbarme

Durch die Mutter deines Sohnes!

Ew'ge Ruhe gibt den Armen,

Die der Erde Schoß bewohnen." —

Amen! betet Rosablanke,

Und geht weinend nach den Rosen.

Da sie kehret, hat der Alte

Ihr den Korb schon wohlgeordnet,

Drüberhin ein Tuch gespannet,

Darauf gießt sie aus die Rosen.

"Was dir bleibet, Rosablanke,

Gib den Armen oder opfre;

Gehe in Gottes Namen." —

Und sie gehet mit dem Korbe.

Kosme schließt das Tor des Gartens

Und der Hütte kleine Pforte,

Riegelt ein sich in der Kammer,

Wäre gern allein verschlossen.

Aber nicht am Tor des Gartens,

Nicht an seiner Hütte Pforte,

Noch der Kammer, hört den Hammer

Er des strengen Gläubgers pochen.

In den Bußen wohnt der Mahner

Alter Sünde, und die Rose

Mahnt am Fenster, und die Schwalbe,

Seiner Armut Gast, mahnt Kosme.

Und die fromme Rosablanke,

Die mit goldner Flut der Locken

Möchte alle Schuld bezahlen,

Ist der strengste Gläubger Kosmes.

Zu der Hütte letzter Kammer

Schleichet bang der alte Kosme,

Dort hält er den Schatz des Jammers

Sich im festen Schrank verschlossen.

Eine Locke blonder Haare,

Die Gewande einer Nonne

Nimmt er weinend aus dem Kasten,

Und dann eine schwere Rolle.

Er befestigt sie am Rande,

Und es rollet zu dem Boden

Ein Gemälde, das der Maler

Unvollendet, halb entworfen.

Unten auf dem Meer der Schatten

Schwankt, umwogt von dunklen Wolken,

Ohne Steuer, ohne Flagge,

Bleich der Kahn des halben Mondes.

An den Seiten aufwärts wallen

Opfersäulen grauer Wolken,

Die den Regenbogen tragen,

Des Triumphes Friedenspforte.

Um des Tores Bogen ranken

Engel sich, aus rotem Golde,

Und von ihren Händen fallen

Purpurrote Morgenrosen.

Wo sie zu dem Monde fallen

Scheinet er von blankem Golde

Eine Sichel, die am Abend

Rosen streute für Auroren.

Aber nächtlich hat die Schlange

Um die Sichel sich gerollet.

O erscheine, Herr des Gartens,

Tritt den Lügner an den Boden!

Denn inmitten dieser Tafel

Ist noch kaum ein Strich gezogen,

Gleich des Blinden Auge starret,

Gott erharrend, hin der Bogen.

Jährlich nur an diesem Tage

Weint vor dem Gewand der Nonne

Und der Locke goldner Haare,

Büßt vor diesem Bilde Kosme.

Wie, an heilgen Jahrestagen

Nur, die Kirche die Kleinode,

Die Reliquien des Schatzes

Auftut, zu der Frommen Troste,

So auch liegt der Schatz des Jammers

Jährlich vor dem Büßer offen

Da geboren Rosablanke,

Da die Mutter ihr gestorben.

Die in schwerer Schuld empfangen,

Die in schwerer Schuld gestorben,

Und es ist der Sünde Vater

Rosablankas Vater Kosme.

Bis in tiefer Reue Flammen

Der Verzweiflung Erz geschmolzen,

Weinet Kosme in der Kammer

Vor dem Bild und Kleid der Nonne.

Und als in des Büßens Asche,

Wie der Blick geschmolznen Goldes,

Hoffnung ihm entgegenlachet,

Geht bereiten er das Opfer.

Er gießt aus gebleichtem Wachse,

Das im Mittagsstrahl zerflossen,

Eine hohe Totenfackel,

Einer Schlange gleich geformet.

Malt sie an mit bunten Farben,

Schmückt sie auch mit Punkten Goldes;

Brennen soll sie am Altare

Bei der Totenmesse morgen.

Und so hat er still gemalet,

Bis zum Garten ging des Mondes

Blanke Sichel, und des Abends

Rosen streute für Auroren.

** Romanze III: Meliore und Apone

Inhaltsverzeichnis

Ruhig steht mit seinem Buche

Schon Meliore auf der Straße,

Vor dem Haus der hohen Schule

auf die Mitgenossen harrend.

Er bedenkt die tiefsten Punkte,

Die Apone vorgetragen,

Wünscht ihm eine leichtre Zunge

Und sich schärfere Gedanken.

Daß die Welt aus Gott entsprungen,

Und doch nicht von ihm erschaffen;

Daß Gott sei im Mittelpunkte,

Wo auch nichts sei und doch alles —

Dieses scheint ihm höchstens dunkel;

Aber da er Apo fragte,

Sprach der Lehrer: "Es war dunkel,

Da das Licht noch war im Schaffen.

Bildend in den Kreaturen,

Hatte es nicht Zeit zu strahlen;

Also sei es dir kein Wunder,

Daß es noch bei dir nicht taget.

Fühlst du erst die Macht des Dunkels,

Dann magst du nach Licht recht schmachten,

Nur der Durstgen Wünschelrute

Wird auf kühle Brunnen schlagen.

Ist es mir erst recht gelungen

Euch ins Dunkle einzufangen,

Dann zu sehn des Lichtes Wunder,

Mögt ihr selbst ins Aug euch schlagen." —

Und so gab er sich zur Ruhe,

Wollte nicht mehr weiter fragen,

Ließ ergeben sich hinunter

In der Weisheit Stollen fahren.

Harmoniam der Naturen,

Welche auf smaragdner Tafel

Nach der Sündflut aufgefunden

Zara, in Hermetis Grabe,

Und der Dinge Signaturen

Hat schon Apo vorgetragen,

Und beinahe ists schon dunkel,

Daß man sich ins Aug möcht schlagen.

Aber heute in der Stunde

Wird er hohe Dinge sagen,

Von der Töne Macht und Wunder

Und der Kunst des Liebestrankes.

O, daß er die ganze Stunde

Lehrte von dem Liebestranke,

Denn Meliore kennt die Wunder

Harfenklanges und Gesanges.

Denn es schlug die Liebeswunden

Ihm Biondettas Wunderharfe,

Die um Tanz und Sang und Tugend

Man die heilge Tänzrin nannte.

Doch nun hört an dem Turme

Eine Viertelstunde schlagen,

Und durchs Fenster in der Schule

Apos Stimme lehrend schallen.

Da er so versäumt die Stunde

Von der Kunst des Liebestrankes,

Will er eilen zu dem Brunnen,

Wo der Trank lebendig wallet.

Trunken schlugen seine Pulse,

Da er ihrer Wohnung nahet;

Wie durch dunkle Grüfte, rufend

Sich, verwandte Quellen wandeln,

Sich in ewiger Unruh suchen,

Aber fest in Stein gefangen,

Murmelnd ungeduldig sprudeln,

Können nicht zusammenfallen.

An Biondettens Fenster duftet

Einer blühnden Linde Schatten,

In den Zweigen gehn zur Schule

Gern die süßen Nachtigallen.

Lauschen in den Dämmerungen

Auf der Jungfrau Sang und Harfe,

Wenn die Meisterin verstummet

Wiederholen sie es lallend.

In Bewundrung ganz betrunken

Singt das Bölklein durcheinander,

Die Studentlein ohne Ruhe

Mit dem Federmantel schlagen.

Oft auch mischt ein frecher Kunde

Drein den ungewaschnen Schnabel,

Und die Sänger all im Sturme

Fassen, rupfen ihm den Kragen.

Und entflohn zum nahen Turme

Lehrt der Star die andern Stare

Eines höhern Standpunkts Schule,

Gründend auf der Wetterfahne.

Klagt auch, daß die andern drunten

Seine Hauptideen stahlen,

Macht ein kunterbunt Gemunkel,

Läßt in alle Welt es tragen.

Doch in den Begeisterungen

Weiß die Jungfrau nichts von allem,

Sie hat nur vor Gott gesungen,

Lauschen gleich die Nachtigallen.

So vergleicht der hohen Schule

Er der hohen Linde Schatten,

Wo in überflüssgen Zungen

Ihm Biondettens Sang verhallet.

Ach! er möchte hin zum Grunde

Stürzen dieses Baumes Schatten,

Oder in den Zweigen ruhend,

Die ihm bloß ertönt, betrachten.

Doch ein Bild von Gottes Mutter

Steht auf einsamen Altare

Bei der Linde, ihre Kuppel

Wölbet ihm des Tempels Halle.

Ihm zur Seite steht ein Brunnen

Einsam wie das Bild, es fallen

Leis der Linde Blüten runter

Auf den Spiegel seines Wassers.

Arm ist wohl das Bild an Schmucke,

Handel-, wandellos die Straße,

Aber nächtlich hört die Mutter

Hell Biondettens süßes: Ave!

Und geht sie, im bunten Putze

Schimmernd, zu der Bühne abends,

Teilt sie fromm die Flitterblumen

Mit Marien, voll der Gnaden.

Auf des Altars öder Stufe

Keimen Blümlein in dem Grase;

Nahe ist das Tor, hier ruhen

Gern, sich ordnend, müde Wandrer.

Denn hier steht ein kühler Brunnen

Einsam wie das Bild, es fallen

Leis der Linde Blüten runter

Auf den Spiegel seines Wassers.

Still an des Altares Stufen

Kniet Meliore und betrachtet

Glaubend, was mit Dämmerungen

Ihm der Schule Geist umnachtet.

Eine Jungfrau kömmt zum Brunnen;

Zu der Stadt trägt Rosablanke

Einen Korb mit Wachs und Blumen,

Sprengt die Rosen an mit Wasser.

Sitzt zu ruhn dann auf die Stufen

Bei dem Jüngling am Altare,

Ihre züchtgen Augen wurzeln

Bang auf der Gestalt des Mannes.

Die erfrischten Rosen rufen,

Und er blickt nach Rosablanken;

Wie der Born geweckt die Blumen,

Weckt sein Blick die Rosenwange.

Von geheimer Macht bezwungen

Spricht die Jungfrau: "Herr, im Garten

Bot ich heut dir diese Blumen,

Und du hast sie ausgeschlagen.

Grubst dir emsig eine Grube,

Und empor schoß eine Schlange;

Du gingst in der Grube unter,

Ach in mir ist dieser Garten!

Es erschien mir Gottes Mutter

Und zertrat die böse Schlange,

Und doch fühl ich mich verwundet,

Da ich lebend dich betrachte!"

Und Meliore spricht verwundert:

"Du klagst einem kranken Arzte,

Rettung müßte ich sonst suchen

Vor der Schönheit meiner Kranken.

Du sagst wahr: Längst ging ich unter

In der Wangen Rosengarten,

Der Gesang des süßten Mundes

War mir eine bunte Schlange.

Aber hier steht Gottes Mutter.

Daß sie unser sich erbarme,

Lasse um die Stirn ihr duftend

Einen Kranz von Rosen prangen!"

Und er sitzet auf den Stufen,

Flichten den Kranz mit Rosablanken;

Da bricht durch der Linde Dunkel

Zu dem Bild Biondettens: Ave!

Und es krönet Gottes Mutter

Schon Meliore mit dem Kranze,

Und Biondettens Lied verstummet,

Bitter weinet Rosablanke.

Ihr zum Herzen hingedrungen

Sind die Fluten des Gesanges,

Ihr im Busen ist entsprungen

Eine Quelle des Verlangens.

Und der Tränen Flut wird suchen

Stets die Fluten des Gesanges,

Bis sie einst durch Gottes Wunder

Selig ineinander fallen.

Doch nun eilet mit den Blumen

Nach dem Kloster Rosablanke,

Weil von Schülern dicht umrungen

Apo sich der Linde nahet.

Er mag gern mit seinem Zuge

Durch Biondettens Straße prangen,

Und sie bei dem nahen Turme,

Wo er hauset, stolz enlassen.

Ernsthaft mit gezogenem Hute

Folgt die Schar dem finstern Manne;

Vom Altare springt herunter

Schnell Meliore, ihn erwartend.

Nahet nach demütgem Gruße

Ruhig dann dem finstern Manne.

"Daß ich heut versäumt die Schule" —

Spricht er — "muß ich leider klagen.

Ungeduldig, ohne Ruhe,

Konnt ich nicht die Zeit erwarten,

Und ging aus, sie aufzusuchen,

Aber ich bin irr gegangen."

Zu ihm spricht mit höhnscher Zunge

Apo, scharf ins Aug ihm fassend:

"Und der Irrgang scheint gelungen,

Angenehm ist dieser Schatten.

Dieser Baum hegt geistge Zungen.

Einen Vogel zu erhaschen,

Bist du zum Altar gesprungen,

Und doch führst du leere Taschen." —

"Meister, nein! das Haupt der Mutter

Krönt ich mit dem Rosenkranze,

Während ich, bis du zum Turme

Kehretest, deiner hier geharret.

Denn ich wollte dich ersuchen,

In der Kürze mir zu sagen,

Was in der versäumten Stunde

Mir vom Liebestrank entgangen.

Denn der Töne Macht und Wunder

Kann ich mir schon deutlich machen;

Dieses Baumes geistge Zungen

Über mich sind ausgegangen."

Apo spricht: "Der Töne Wunder

Lehrte dich der Linde Schatten,

Lerne nun von diesem Brunnen

Auch die Kunst des Liebestrankes." —

"Meister, höchlich ich bewundre,

Wie du fein mich höhnend strafest;

Ach! zu tief ist mir der Bunnen,

Und der Eimer schöpft nur Wasser.

Auf des Glanzes Spiegel unten

Sah ich oft ein Antlitz strahlend

Durch die grünen Zweige funkeln,

Aber nimmer steigts zum Rande.

Treulos immer ists verschwunden,

Wenn ich weisheitsdurstig nahte.

Nur das Bild von Gottes Mutter

Weilte ruhig meinen Klagen.

Und so krönt ich sie mit Blumen,

Daß, nach gleichem Preis verlangend,

Auch das schönre Bild des Brunnens

Gütger meiner Andacht achte.

Doch noch immer muß im Durste

Ich am kalten Rande schmachten,

Möcht hinab zu einem Kusse

Stürzend mich im Tode baden." —

"Trage Wasser in den Brunnen." —

Spricht der Meister — "bis zum Rande,

Dann magst du die durstge Zunge

Bald im kühlen Spiegel laben." —

"Meister, was dir nie gelungen",

Spricht Meliore, "soll ich wagen?

Seit dem Teufel hat die Schule

Wasser in den Born getragen.

Doch des Himmels Spiegel unten

Ist noch nie heraufgewallet;

Von der Schule zu gesunden

Will den Blick ich aufwärts schlagen."

So sprach er im Jugendmute,

Als er fühlt der Rede Stachel.

Apo spricht: "Ich sag dem Kruge:

Gehe, bis du brichst, zum Wasser!

Kühner Knabe, willst du Funken,

Fange eh du streichst die Katze!"

Zornig geht er dann zum Turme,

Und Meliore steht verlachet.

** Romanze IV: Rosablanka und Biondetta

Inhaltsverzeichnis

Nieder auf Bolognas Gassen

Brennt die volle Mittagssonne,

Und aus hohen Schloten wallen

Weiß des dichten Rauches Wolken.

In den Kellern klimpern Flaschen,

Und auf kühlem Marmorboden

Wird mit silbernem Gerassel

Schon des Reichen Tisch geordnet.

Suchend hie und da den Schatten,

Schleichen von der Klosterpforte

Auch die Bettler zu dem Mahle,

Mit dem vollen Suppentopfe.

Und der Ochse lauscht am Wagen,

Wiederkäuend in der Sonne

Einsam auf dem heißen Markte,

Auf das Plätschern hoher Bronnen.

Aber in der Linde Schatten,

Wo die fromme Tänzrin wohnet,

Scheint der Mittag selbst entschlafen

An dem lieben, stillen Bronnen.

Leis umgrast von seinem Lamme

Auf dem dicht berasten Boden

Ruht ein süßer, kleiner Knabe,

Schlummerglühnd in goldnen Locken.

Jede Blüte hör ich fallen,

Hör des Knaben leisen Odem,

Und die reine Rosablanke

Tritt einher mit ihrem Korbe.

Auf den Stufen des Altares,

Wo sie früh den Kranz geflochten,

Ladet sie zum armen Mahle

Kindlich ein die Mutter Gottes.

Eine goldne Honigwabe,

Auch ein Stückchen weißen Brotes

Und die milchgefüllte Flasche

Nimmt sie aus dem weißen Korbe.

Da erwacht der blonde Knabe

Und steht harrend bei dem Bronnen,

Und es rief ihn Rosablanke:

"Komm, ich geb dir Honigbrote!"

Und er nahet mit dem Lamme

Freundlich sich der Jungfrau Schoße,

Auch ein Vöglein kommt zu Gaste

Von der Linde abgeflogen.

Liebreich lächelt Rosablanke,

Heißt sie allesamt willkommen,

Und es spricht der blonde Knabe:

"Du bist mild, o fromme Tochter!

Was du teilest mit den Armen,

Das hast du dem Herrn geboten,

Der sich deiner wird erbarmen

In der Stunde deines Todes!"

Von der Gäste lautem Danke

Ward Biondetta hergelocket,

Schaut herab zur offnen Tafel,

Will mit ihrer Kunst sie loben.

Leis ergreift sie ihre Harfe,

Singet still herabgebogen:

"Heil dir, Jungfrau, mit dem Lamme,

Mit dem Knaben, mit dem Vogel.

Über deinem frommen Mahle

Weile gern das Auge Gottes,

Denn so liebe Gäste saßen

Einstens um das Tischlein Josefs.

Herr, dies Mahl laß dir gefallen

Zum Gedächtnis deines Sohnes,

Und die arme irdsche Harfe

Klinge bald am Himmelstore."

Als die Worte niederklangen,

Saß die Jungfrau stille horchend,

Ließt die Gäste munter naschen

Brot und Honig aus dem Schoße.

Und Biondetta flüstert sachte:

"Mägdlein, sieh nach deinem Korbe,

Denn das Lamm hat mit der Nase

Schon das weiße Tuch erhoben.

Kindisch horchend meiner Harfe,

Bist du um dein Brot gekommen:

Darf ich dich zu Gaste laden,

So tritt ein in meine Pforte!"

Doch nun spricht der blonde Knabe:

"Eh du gehest, fromme Tochter,

Gib drei Kerzlein mir vom Wachse,

Daß ich sie heut abend opfre.

Ich will dir ein Lied auch sagen,

Wenn ich wieder zu dir komme,

Von dem Knaben und dem Lamme

Und drei wundervollen Rosen.

Ich kenn deines Vaters Garten;

Will es Gott, so komm ich morgen."

Und sie gibt drei schön gemalte

Kerzen ihm, daß er sie opfre.

Eine rote, eine schwarze:

Und er spricht: "Für dich, du Fromme,

Ist die weiße hier — drei Farben

Will ich für drei Rosen opfern!"

Und nun wendet sich der Knabe,

Spricht: "Gedenke dieses Morgens,

Denk der Schlange und des Mannes,

Folge seinen ernsten Worten.

Daß sich unser mög erbarmen,

Der du gabst die frischen Rosen,

Die zertreten hat die Schlange,

Die den Heiland hat geboren!"

Und nun schied er. Tief erbanget

Denkt die Jungfrau seiner Worte,

Bis Biondetta sie ermahnte

Mit der Saiten goldnem Tone.

Ihren Korb nimmt Rosablanke;

Wie von lieber Hand gezogen

Steigt sie zu Biondettas Kammer

Und spricht schüchtern: "Willst du Rosen?

Rosen, rot wie deine Wangen,

Kerzen, rein und schlank gezogen,

Wie dein klarer Leib gestaltet?"

Sprichts und zieht das Tuch vom Korbe.

Kann die Antwort nicht erwarten,

Setzt sich nieder an den Boden,

Fleht: "O schlage an die Harfe,

Singe, singe rein und golden!"

Und Biondetta spricht: "O klare

Jungfrau, schöne Harfe Gottes,

Woll an meinem Herzen schlagen

Von den Armen lieb umschlossen!"

Und es sinket Rosablanke

Ihr ans Herz, und heilig lodert

Über sie die Gottesflamme,

Daß die Seelen dicht verschmolzen.

Daß von ihren süßen Wangen,

Von den rot und weißen Rosen,

Von dem Klang verborgner Harfen

Heilge Tränenquellen flossen.

"Hörst du, hörst du, wie vom Klange

Mir des Herzen Saiten pochen,

Wie von göttlichem Gesange

Sich ein Netz um uns gezogen?

O, wer bist du? meine Arme

Haben einen Schatz gehoben;

O, wer sind wir, die sich fanden?

Sprich, wo wir uns einst verloren?"

Also ward in süßen Fragen

Ihrer Arme Bund erschlossen,

Der mit heimlichen Gewalten

Ihrer Seele Bund geschlossen.

"Da ich früh heut am Altare

Einen Rosenkranz geflochten,

Fühlte ich in dem Gesange,

Liebe, mich an dich verloren.

Durch die Rosen meines Kranzes

Und durch meines Blutes Rosen,

Die in Lieb und Andacht wachsen,

Flocht ich deine Töne golden!" —

"Da ich dich gesehn beim Mahle

Mit dem Knaben, Lamm und Vogel,

Fühlte ich ein tief Erbarmen,

Daß ich hier so einsam wohne.

Wie ein Himmelsglanz die Kammer

Heilgen Möchen in Visionen

Füllet, also füllte strahlend

Mich Verlangen, Lieb und Hoffen!"

Um sich blicket Rosablanke,

Sieht das Stübchen wohl geordnet,

Spiegelblank sind Stuhl und Tafel,

Schrank und Wand von edlem Holze.

Reicher Stoff in reichen Falten

Schwebet um der Fenster Bogen,

Und ein Bilderteppich spannet

Augerquickend sich am Boden.

Und wo es erwünscht, da ragen

An den Wänden, halb erhoben,

Kunstgebildete Gestalten:

Mensch und Vase schön geformet.

Marmor, Glas und Alabaster,

Erze, Silber, Gold und Bronze,

Die Metalle und Kristalle

Sprechen, was der Meister wollte.

"Reich ist, Jungfrau, wohl dein Vater,

Der dir all dies Gut erworben?

Solchen Reichtum zu betrachten,

Ist mir füher nie geworden." —

"Nur der Welt gehört dies alles,"

Spricht Biondetta, "aber folge

Jetzt mir auch zum eigenen Schatze,

Den ich selber mir erworben.

Trete in die enge Kammer,

Sieh mein Bett von trocknem Moose,

Wo ich mit dem Licht erwache,

Mit der Schwalbe Gott zu loben.

Vor dem Fenster schwebt ein Garten

Auf der alten Mauerkrone,

Wo zwei süße Nachtigallen

Meine Lieder wiederholen.

Aber deine Augen fragen,

Was das Tüchlein dort verborgen

Über meinem Betstuhl halte:

Sieh, das Bildnis einer Nonne.

Schlecht ist nur das Bild gemalet,

Doch in seinen Zügen wohnet

Strenge, die mich liebreich strafet,

Liebe, die mich ernsthaft lobet.

Heiliger als alles, alles,

Ist mir dieses Bild geworden,

Seinen Linnenvorhang achte

Höher ich, als sei er golden.

Aber über deine Wangen

Seh ich sanfte Tränen rollen?"

"Kann ich," saget Rosablanke,

"Vor dem Bild nicht weinen wollen?

Denn ich seh auf seinen Wangen

Blasser Lilien Kelch erschlossen,

Der von Tränen bittren Grames

Bis zum Tode überflossen.

Wer hat dir das Bild gemalet,

Wer hat dir das Tuch gesponnen,

Daß sie lieb dir über alles

Und mir auch so lieb geworden?" —

"Was ich weiß, sollst du erfahren,"

Spricht Biondetta, "doch zu sorgen

Bleibt mir vieles noch heut Abend;

Ich muß meinen Putz noch ordnen;

Muß noch stimmen Leir und Harfe

Und die Lieder wiederholen,

Denn schon mahnet mich der Schatten

Meiner Uhr dort an der Sonne."

Schüchtern fraget Rosablanke:

"Hohe Gäste hat entboten

Wohl dein Vater für heut Abend,

Die so reichen Putz erfordern?" —

"Alles das will ich dir sagen,"

Spricht Biondetta, "doch nun folge

Mir zu meinem Kleiderschranke,

Hilf mir die Gewande ordnen."

Vor den Blicken Rosablankens

Stehn die blanken Türen offen:

Ach die seltsamen Gewande

Und die bunten, reichen Stoffe,

Und die schönen Blumen, wankend

Bei den Sternen silbern, golden,

Wie die zarten Federn schwanken # schwonken

Um die leichten, duftgen Flore,

Wie die Diamanten strahlen

Lachend in rotgoldnen Kronen,

Wie die Perlenschnüre fallen

Weinend durch des Purpurs Wogen.

Und in blanken Silberpanzern

Spiegeln dunkle Seidenrosen,

Windend sich um Schwert und Lanze

Aus des Goldhelms stolzem Schoße.

Muschelhut und Pilgerflasche

Hängt am sarazenschen Bogen,

Falsche Stern und Monde prangen

Auf des Turbans üppgen Wolken.

Flitterschuhe und Sandalen,

Bei Kothurn und Goldpantoffeln

Und gespornten Schienen, paaren

Traulich unten sich am Boden.

"Reich ist, Jungfrau, wohl dein Vater,

Der dir all dies Gut erworben?" —

"Nur der Welt gehört dies alles,

Ich bin freier Künste Tochter.

Muß auf offner Bühne tanzen,

Bin zur Lust der Welt erzogen;

Heute sind es nun sechs Jahre,

Daß ich sang die erste Rolle.

Heute sind es zwanzig Jahre,

Daß ich bin gefunden worden

Als ein Kindlein am Altare,

Wo du früh den Kranz geflochten.

Findelkind Mariens nannte

Mich die Tänzrin, die hier wohnte,

Ihr verdank ich Sang und Harfe,

Sie ist meine Mutter worden.

Was mit Staunen du betrachtest,

Ist das Gut, das sie erworben

Und mir gütig hat gelassen,

Als ich sie im Tod verloren.

Da zur Jungfrau ich erwachsen,

Übernahm ich ihre Rollen,

Und sie hat vom offnen Wandel

Sich zu Gott zurückgezogen.

In dem Kloster zu Sankt Claren

Ward sie endlich aufgenommen.

Und im heilgen Kleid begraben

Als ein Mitglied jenes Ordens.

Sterbend hat sie mir gestanden,

Daß ich ihre Findeltochter,

Und mir Zeit und Ort gesaget,

Da ich bin gefunden worden,

In dem Tüchlein eingeschlagen,

Mit dem Bilde jener Nonne,

Und dem Ringlein, das ich trage,

Am Altare bei dem Bronnen.

Heute sind es zwanzig Jahre;

Freitag nachts, als aus der Oper

Einsam sie nach Haus gegangen,

Nahm sie auf mich von dem Boden.

Hat mit mir sich in der Kammer

Mutterheimlich eingeschlossen,

Und von den gemalten Wangen

Liebestränen auf mich flossen.

Da sie sterbend mir dies sagte,

Fragt ich: wer hat mich geboren?

Doch sie konnte mirs nicht sagen,

Ihre Lippe war verschlossen.

Ihre Blicke, aufgeschlagen,

Sahen nach dem Bild der Nonne,

Und auf ihre bleichen Wangen

Kalte Tränen niederflossen,

Die noch traurig darauf standen

Als ich ihr das Aug geschlossen;

Und so sind mit ihr mir Armen

Beide Mütter mir gestorben:

Die mich hilflos mußte lassen

Als sie mich zum Lichte geboren,

Die mich treu in ihre Arme

Als ein Kind hat aufgenommen.

Heute nun zum letzten Male

Will ich tanzen in der Oper,

Will ich meine Wangen malen

Meiner Lehrerin zum Lobe,

In der Künste bunter Flamme

Ihrem Leben noch dies Opfer,

Und dann fromm die jungen Tage

Opfern ihrem selgen Tode."

Alles höret Rosablanke,

Dinge, die sie nie vernommen,

Über manches möcht sie fragen,

Stünd der Schrank nicht vor ihr offen.

Lange steht sie vor den Masken,

Wie umgafft von fremden Volke;

Kindisch wagt sie nicht zu fragen,

Wer die Augen ausgestochen.

Doch fragt sie bei Armors Larve,

Der ein Band von leichtem Flore

Um die Augen war gefaltet:

"Ist ihm auch das Aug genommen?" —

"Da ich einstens trug die Larve,

Sprach Apone unterm Volke:

Wer darf deine Mutter tadeln,

Wenn du spielst des Vaters Rolle!

Da erglühten meine Wangen,

Durch die Maskenöffnung rollten

Heiße Tränen, und die Farben

Um die Augen her verloschen.

Darum hab ich mit dem Bande

Diesen Schaden schnell verborgen,

Und blieb ferner an dem Abend

Von dem Toren unverspottet.

Aber nun sollst du die Haare

Mir für heute Abend ordnen,

Wie um eine Silbernadel

Du die deinen hast geflochten.

Willst du mir die Zöpfe machen?

Ich knie nieder an den Boden,

Und indessen sollst du sagen,

Wer dein Vater, wo du wohnest."

Und sie flicht Biondettens Haare,

Windet sie in feste Knoten,

Während sie vom Rosengarten

Spricht und von dem Vater Kosme.

Wie im Traume heut die Schlange

Gegen sie emporgeschossen,

Wo der ernste Mann gegraben,

Der versunken in den Boden.

Wie dann später am Altare

Sie ihn wieder angetroffen:

"Ach, da hört ich deine Harfe,

Hab mit ihm den Kranz geflochten!

Und jetzt hat der blonde Knabe

Mit dem Lamme und dem Vogel

Zu bedenken ernst ermahnet,

Was der ernste Mann gesprochen.

Ach, ich bin mit Angst umfangen!

Mich umdrängen diesen Morgen

Jener Mann, der Knab, die Schlange,

Du, dein Glanz, das Bild der Nonne!

Beten will ich noch heut Abend,

Beten, recht von Herzen, morgen

An der armen Mutter Grabe,

Die mich sterbend hat geboren.

Auch sie ruhet bei Sankt Claren;

Ich hab morgen angeordnet

Ihre Messe, eh es taget;

Willst auch du hin beten kommen?

Aber halte fest, du wankest!

Sieht, jetzt durch den Flechtenknoten

Steck ich meine Silbernadel,

Bleib der Geberin gewogen!"

Und Biondetta spricht: "Die Nadel

Will ich heut ins Herz mir stoßen,

Wenn ich auf des Spieles Bahnen

Mich dem schönsten Tode opfre.

Wenn die Fluten des Gesanges

Weltlich alle sind zerronnen,

Wenn die Schwingungen des Tanzes

Alle nieder sind gezogen.

Wenn die Saiten meiner Harfe

Weltlich alle sind gebrochen,

Denk ich deiner, Rosablanke,

Dient die Nadel mir zum Dolche!

Und das Ringlein, das ich trage,

Das mit mir gefunden worden,

Nimm es hin zur Gegengabe!

Also bin ich dir gewogen!

Aber wähl auch aus dem Schranke

Irgend ein Gewand dir, Holde!

Zur Erinnrung dieses Tages

Zeige es dem Vater Kosme.

Morgen will ich Sankt Claren

Zu der Totenmesse kommen,

Und dann dir zum Rosengarten

Deines ernsten Vaters folgen."

Lange wählet Rosablanke

Welch Gewand sie nehmen sollte,

Und Biondetta singt zur Harfe,

Ihre Rolle wiederholend:

"Lebet wohl, ihr falschen Farben,

Eitler Tränen Regenbogen,

Sterne, die mit falschem Glanze

Dienten einem Flittermonde!

Meine Tränen sollen wachsen,

Daß sie mit den bittern Wogen

Ganz mein Irdsches überwallen,

Bis die Schuld ist hingenommen.

Aus dem Argen in die Arche

Geh ich, eine Tochter Noä,

Kleide mich in schwarzer Farbe,

Wie der Rabe ausgeflogen.

Kleide schwarz mich gleich dem Raben,

Der als Bote ausgeflogen,

Und so traurig auf den Wassern

Schwebte, bis sie abgenommen.

Schleire mich mit weißer Farbe

Gleich der Taube, die als Bote

Wiederkehrte mit dem Blatte,

Das dem Friedensbaum entsprossen.

Sei gegrüßt, du Tag der Gnade!

Durch den Friedensbogen Gottes

Will ich zu den Vätern wallen

Auf der Opferflamme Wolken."

Also sang sie. Rosablanke

Wählt das Röcklein einer Nonne,

Weiß den Schleier, schwarz den Mantel,

Wie die beiden Friedensboten.

Da sie dies im Korb bewahret,

Und ihn auf das Haupt gehoben,

Singen scheidend sie zusammen,

Wie Biondetta angehoben:

"Lebet wohl, ihr falschen Farben,

Eitler Tränen Regenbogen,

Sterne, die mit falschem Glanze

Dienten einem Flittermonde!"

** Romanze V: Guidos Bild

Inhaltsverzeichnis

Welch Getümmel in der Ferne,

Welche wilde, freche Stimmen?

Ach, ich höre Degen wetzen,

Höre böse Klingen klirren!

Näher, näher um die Ecke,

Ganz von Fechtenden umringet,

Weicht Meliore, mit dem Degen

Hebt er künstlich auf die Stiche.

"Freistatt!" ruft er dann befehlend,

Springend nach Mariens Bilde,

"Diese Zuflucht müßt ihr ehren!"

Und sein mutger Ruf gelinget.

Denn ein Angesehner stellet

Sich an seiner Gegner Spitze.

"Wackre Knaben, meine Herren,

Lassen Sie uns hier besinnen,

Fromm und höflich unsre Degen

Senken und fein salutieren,

Höflich schöner Frauen wegen,

Fromm vor dem Marienbilde!

Daß Meliore eingestehe,

Daß uns Zucht und Sitte bindet,

Wie für Wissenschaft gesehen

Er die raschen Klingen blinken.

Darum will ich mit ihm reden,

Unsern Streit nun auszumitteln!"

Sprichts's und tritt dem Feind entgegen,

Den die ganze Schar umzingelt.

Doch an den Altar gelehnet,

Lauscht Meliore auf zur Linde,

Er hat allen Streit vergessen,

Denn er hört Biondettens Stimme.

Jener aber spricht: "Mein Bester,

Keine Wahrheit ist zu finden

Hier in diesem bunten Leben,

Darum laßt uns Frieden stiften!

Und da Liebe nur im Sterben

Kann gefunden" … "Stille, stille!"

Spricht Meliore, "ach, es wehet

Auch kein Lüftchen in der Linde!" —

"Willst du's kurz?" fragt dann der Redner.

Und Meliore spricht ergimmet:

"Schweigt sie, magst du ewig reden,

Schweige ewig, wenn sie singet!"

Jener spricht, zurück sich wendend:

"Schweigen sollen wir, sie singet!"

Aber in dem Kreis erheben

Heftig schreiend sich die Stimmen:

"Er soll gleich zurück jetzt nehmen,

Was er Apo sprach zum Schimpfe;

Laßt uns mit dem Degen wetzend

Überlärmen seine Dirne!"

Und ein frecherer Geselle

Schreit hinauf: "Ha! schweig sie stille,

Heilge Jungfrau, um die Wette

Wollen wir mit ihr eins singen!"

Aber wütend an der Kehle

Packt Meliore ihn und ringet

An den Boden hin den Frevler,

Und es heben sich die Klingen.

Alle dringen ihm entgegen;

Auf den Altar fliehend springet

Nun Meliore, sich das Leben

In der heilgen Freistatt fristend.

"Seinen Mantel werfe jeder

Nieder, der zu fechten willens,

Jedes Klinge will ich messen,

Dem ich Ehre abgeschnitten;

Und da vor so vielen Gegnern

Ich wohl keine Rettung finde,

Darum laßt zu Gott mich beten

Nur noch wenge Augenblicke!"

Eine tiefe Stille ehret

Seine Bitte, und er kniet;

Und von zwölfen breiten elfe

Ihre Mäntel um die Linde.

Wie zwei aufgeschreckte Rehe

In gehemmter Flucht erzitternd

Stehn die Jungfraun stumm am Fenster,

Niederblickend durch die Linde.

Als Meliore sie ersehen

Ruft er aufwärts: "Wenn ich sinke,

Liebesengel, Todesengel,

Bete für mich, wenn ich sinke!"

Und nun springt er an die Erde,

Seinen Rücken deckt die Linde,

Zierlich grüßt er mit dem Degen

Jeden in dem weiten Ringe.

Doch zuerst tritt ins Gefecht

Den er niederwarf im Grimme,

Und in tiefen Ängsten schwebend

Stehn die Jungfrauen und singen:

"Gott und Vater, soll er sterben,

Lasse seinen Zorn sich stillen,

Daß er möge Heil erwerben

Um Herrn Jesu Leiden willen!

Gott und Sohn! Schirm den Gerechten,

Decke ihn mit deinem Schilde,

Lasse ihn mit Ehren fechten

Hier vor deiner Mutter Bilde!

Heilger Geist, das Herz erhelle

Ihm, dem frommen Schwertumklirrten,

Daß der böse Feind nicht stelle

Schlingen dem im Streit Verwirrten!

Und Maria, Mutter, helfe,

Daß er seinen Judas finde,

Denn hier stehen wieder zwölfe,

Wie bei deinem heilgen Kinde!" —

"Gleiche Rechte, gleiche Rechte!"

Ruft der Gegner, "Brüder singet!

Hat er sich Musik bestellet,

Laßt mir auch ein Lied erklingen!"

Und es bricht aus vollen Kehlen

Ein Gesang mit wildem Grimme;

An den stillen Mauern brechen

Widergellend sich die Stimmen:

"Blanke Jungfern, blanke Degen

Muß man küssen, muß man schwingen;

Der Schwertfeger weiß zu fegen,

Sind sie rostig, unsre Klingen!

Wenn der Metzger Messer wetzet,

Muß sein Weib ein Lied ihm singen,

Und das Kalb, vom Hund gehetzet,

Hilft sie leichter ihm bezwingen.

Wetzt, ihr Brüder, wetzt die Degen,

Weil die schöne Jungfer singet,

Weil das Kalb sie uns entgegen

Singend aus dem Stalle bringet.

Blanke Jungfern, blanke Degen,

Muß man küssen, muß man schwingen;

Der Schwertfeger weiß zu fegen,

Sind sie rostig, unsre Klingen!"

Und schon mehret sich die Menge,

Hergelockt aus allen Winkeln,

Und es drohet aus der Ferne

Schon der schwere Tritt der Sbirren.

Von dem wilden Sang erwecket,

Kam nun Apo auch zu Sinnen,

Der in seiner Weisheit Netzen

Hing wie eine giftge Spinne.

Und kaum trat er auf die Schwelle,

Nähert sich der heilgen Linde,

Als ein Lebehoch entgegen

Ihm von allen Lippen dringet.

Aber vor ihm fliegt ein Degen,

Senkrecht in die Erde dringend,

Den Meliore seinem Gegener

Kräftig aus der Faust legierte.

Und Apone fragt verlegen:

"Wer hat diesen Gruß geschicket?"

Und Meliore spricht: "Vergebet,

Es ist meines Gegners Klinge.

Nicht um Ehre, noch um Leben

Fecht ich hier, bloß um die Klinge:

Diese euch zu Füßen legend,

Wählt mein Glück euch selbst zum Richter.

Und ich reich euch meinen Degen,

Weil ich kann mit beßrer Sitte

Weder rechten hier, noch fechten!"

Spricht Apone — "Werdet stille!

Denn es ist ein schwerer Frevel,

Jetzt Tumulte anzuspinnen,

Da der ganze Staat sich trennet

In zwei feindliche Partien.

Wer jetzt offnen Lärm erreget,

Gleicht der Krähe, welche pickend

Auf dem hohen Alpenschnee

Anstoß gibt zu den Lawinen,

Die sich wälzend mächtig schwellen

Und verderbend niederdringen,

Mit des kalten Eises Decke

Städt und Dörfer überrinnend.

Übt ihr also meine Lehre,

Die euch auf die stolze Spitze

Höhrer Anschauung gestellet

Der Natur und der Geschichte?

O, ihr kramt noch im Elenden,

Streitend um gemachte Lichter,

Ihr, die ich so frei gelehret

Mit den Sternen umzuspringen!

Wollt ihr hier die Gieremei

Und die Lambertazzi spielen,

Die blind gen einander fechtend

Töricht hier ihr Blut vergießen?

Welcher Jammer könnt entstehen,

Wenn, in euern Lärm sich mischend,

Die argwöhnenden Geschlechter

Sich erblickten und erhitzten?

Und schon seh ich allerwegen

Müßig Volk heran sich ziehen.

Stecket ruhig ein die Degen,

Tretet um mich bei der Linde.

Wer war unter euch zugegen

Und nicht in den Streit verwickelt?

Er soll treulich das Entstehen

Dieses Kampfes mir berichten."

Aufgefordert naht der Redner,

Beißt rhetorisch sich die Lippe:

"Meister, deine Weisheit ehrend,

Preis ich selig mein Geschicke,

Daß mir ward ein großer Lehrer,

Der mich lehrte Frieden stiften.

Früher schon war mein Bestreben,

Diesen Zwiespalt zu vermitteln.

Doch mir war der Wind entgegen,

Der hier weht durch diese Linde,

Und die reizende Sirene,

Die in diesen Meeren singet.

Er verachtete mein Reden,

Und mit frecher Hand beschimpfte

Jenen er, der von Biondetten

Eine Pause wollt erzwingen.

Aber nicht um eigne Ehre

Hat der Kampf sich so erhitzet;

Herr, es galt um deine Lehre,

Die er traf mit giftgem Witze!"

Also schloß der falsche Gegner. —

Apo spricht: "Nun ins Gesichte

Wiederhole mir die Reden,

Knabe, die du sprachst zum Schimpfe!"

Doch Meliore hat vergessen,

Daß er stehet im Gerichte;

Er gedenket an Biondetten,

Wie sie sang die Totenhymne.

Was sie fromm für ihn gebetet,

Als er flehend zu ihr blickte,

Fühlt er schon als Himmelssegen

Sich durch alle Adern rinnen.

Wie in geisterfüllte Segel

Blickt er ins Gewölb der Linde,

Freudig stößt er ab die Erde,

Hin nach schönrer Heimat dringend.

Aber wie am Sterbebette

Rechnend gern der Teufel sitzet,

Zerrt ihn nun Apones Rede

Vom Unendlichen zur Ziffer.

"Meister, was Ihr habt begehret,

Laßt mich gütig nochmals wissen,

Sagt mir's schnelle, denn die Schwelle

Meines irdschen Hauses zittert."

Apo spricht: "Was meiner Ehre,

Meiner Lehre du zum Schimpfe

Sprachst, des Streites freche Quelle,

Sollst du in den Bart mir spritzen!"

Und Meliore spricht: "Vollendet

Hatte Guido grad, der Bildner,

Ein Gemälde voller Schrecken

Und zur Schau es ausgestellet.

Wie Aglaure und die Schwestern

Wild vom Wahnsinn sind ergriffen,

Kniend um den Korb Athenes,

Den sie treulos aufgerissen.

Giftig aus dem Korbe strecken,

Um das Kind Erechtheus ringelnd,

Sich zwei Schlangen, und Entsetzen

Packt die törichten Geschwister.

Um den Busen will sich Herfe

Gürtend eine Schlange winden,

Und es steigt ihr Haar zu Berge,

Denn das Tier hängt an dem Kinde.

Und Aglaurens Fäuste treffen

Rasend ihre eigne Stirne,

Während Krampf die Füße hebet

Und zu wilden Sprüngen zwinget.

Und Pandrosa zuchtvergessen

Hat sich das Gewand zerrissen;

Antlitz, Busen, Schoß und Lende

Sind ein Spiegel der Erynnen.

Hinter ihnen steht Athene,

Ernst in Marmor gottgebildet;

Bösen Fluges Vögel schweben

Um der fernen Tempel Zinnen.

Still und mannigfach erreget

Hatten wir dies Bild umringet,

Bis, sich ja nicht zu vergessen,

Einer alle schnell erinnert:

"Jedes Kunstwerk, das vollendet",

Sprach er und zog hoch die Stirne,

"Muß, um klar sich auszusprechen, # wird niemals beendet

Stehen auf ewigen Begriffen.

Doch, wie ich mich auch mag setzen,

Vor und in und nach dem Bilde,

Seh ich tot nur vor mir stehen

Dieses Werk des alten Pinsels. —

Ei, der zweite ihm entgegnet,

Mit der Schlange bei dem Kinde

Ist wohl auf das Leid des Herren

Und den Sündenfall gestichelt. —

Mit den törichten drei Schwestern

Meinet er, sprach dann der dritte,

Juden, Christen, Sarazenen

Streitend um die wahre Kirche. —

Und der vierte nun versetzte:

Die drei Tugenden der Christen

Sind es, die sich toll gebärden:

Glaube, Hoffnung und die Liebe: —

Und ein fünfter sprach: Ich sehe

Hier entsetzt die Charitinnen

Vor dem dreigeeinten Helden

In angstvoller Flucht begriffen. —

Ach, was können, sprach der sechste,

Juden, Sarazenen, Christen

Und die Grazien hier erhellen,

Die doch selbst Allegorien!

Mir sind es die drei Essenzen,

Die das Wesen Gottes bilden,

Im Begriffe eins zu werden

In dem Wahnsinne der Christen.

Und der siebente wollt sehen

Die drei Punkte Syllogismi,

Denen Abälard das Wesen

Der Dreieinigkeit verglichen.

Ja, sprach dann der achte frecher,

Sie sehn drein wie Heloise,

Die den Mittelsatz entbehret,

Weil den Nachsatz er vermisset.

Doch mir sinds drei Fakultäten,

Theologen, Mediziner

Und Juristen, sie umgeben

Tief erschreckt Apones Wiege. —

Und noch schlimmrer Rede Frevel

Stand ich vor dem Schreckensbilde

Mehr als durch es selbst entsetzet,

Doch ich wiederhol sie nimmer!

Und nun trat von seiner Schwelle

Guido selbst heraus zum Bilde;

Kahl, ein Greis, in seiner Rechten

Hielt er eines Messers Klinge.

Und er sprach: Mit frecher Rede

Habt ihr mir das Herz zerrissen!

Hat die rächende Athene

Euch, Gesellen, auch ergriffen?

Wißt, ich war in tiefster Seele

Lang ob dieser Zeit ergrimmet,

Welche zu entblößen strebet,

Was Gott keusch verhüllt will wissen.

Dieses schändlichen Entdeckens

Strafe wollte ich hier schildern,

Und ihr treibt denselben Frevel

Mir vor meinem züchtgen Bilde!

Doch ich folg des Herren Lehre:

Gibt dein Aug dir Ärgernisse

Reiß es aus, tritts an die Erde!

Liebes Bild, ich muß dich richten. —

Und nun riß er mit dem Messer

Zürnend durch des Bildes Mitte,

Und zertrat mit bittren Tränen

Wild sein mühsam Werk mit Füßen.

Seiner lachten noch die Frechen,

Dem das Liebste sie entrissen;

Das traf tief ihn in der Seele,

Und er stand in Tränen zitternd.

Und das Messer aus der Rechten

Mußt liebkosend ich ihm winden,

Daß er nicht zum Mörder werde,

Schmeichelnd in das Haus ihn zwingen.

Seine Axt, die in der Ecke

Stand — er ist zugleich ein Zimmrer —

Mußt die Tochter schnell verstecken,

Als ich ängstlich ihr gewinket.

Denn er war so tief erreget,

Daß er gänzlich schien von Sinnen

Und die Tochter kaum erkennte,

Vor ihm auf den Knien liegend.

Und er schrie: O Himmel, sende

Mir die Bären, die zerrissen

Jene Buben, den Propheten

Ob des nackten Hauptes schimpfend;

Denn mit Lachen seine Fenster

Jene gottlos noch umringten,

Und die Laden vorzulegen

Wollten sie mich schmähend hindern.

Schrieen scherzend: Freund, wir sehen

Uns dir heut sehr tief verpflichtet,

Weil du für uns einen Bären

Angebunden beim Philister! —

Da ich nun hinausgetreten,

Derb die Schmach mir zu verbitten,

Fragte mich dort jener Gegner

Höhnend mit dem frechen Witze:

Lag das Findelkind Biondette

Auch in solchen Schlangenwindeln,

Weil du, gleich den tollen Schwestern,

Sinnlos wardst, sie anzublicken? —

Alle lachten Beifall gebend.

Fassen konnte ich mich nimmer,

Und ich trat ihm wild entgegen,

Sprach zu ihm mit scharfer Stimme:

Schäm der Rede dich! Athene

Schämte auch sich dieses Kindes,

Denn sein Vater war, du Frecher,

Frech und wie dein Gleichnis hinkend!

Willst du deutelnd schärfer treffen,

Sprich: Des Teufels Hirngespinste,

Die mein Lehrer Weisheit nennet,

Sah ich in Erechteus Windeln!

Denn im trunkenem Erfrechen

Will sie sich mit Gott vermischen,

Und empfangen von der Erde

Gleicht sie wohl dem Drachenkinde.

Gleicht das trübe Wortgefechte,

Das die Schule um uns stricket,

Nicht dem Korb, in dem sich's dehnet,

Wenn die Schlangen aufwärts dringen?

Springt der Decke, und ihr stehet

Auf dem Standpunkt: den Alciden

Glaubt ihr in dem Korb zu sehen,

Wie er Schlangen würgt im Schilde!

Schreit auch wohl: "Ich will vergessen,

Daß im Spiegel dies gebildet,

Daß ich selbst ein Gott hier stehe,

Der sich auf sich selbst besinnet!

Und den letzten Flug erhebend

Zu den Göttern aufzudringen,

Bringt, den Gnadenstoß zu geben,

Euch der Teufel gar von Sinnen.

Euch steht nur das Haar zu Berge,

Und dies nennt ihr reines Wissen;

Nennts der Isis Schleier heben,

Hebt ihr schamlos euern Kittel!

Wie durchs Maul und um die Kehle

Schlechte Gaukler Viper schlingen,

Zieht der Teufel eure Seelen

Sich durchs Maul philosophierend.

Und ihr könnet nicht mehr beten

Und ihr könnet nicht mehr dichten.

Die die Schlange hat zertreten,

Ist barmherzig, Gott ist Richter! —

Also habe ich geredet,

Zwar erregt, doch wohl bei Sinnen,

Und sie drängten mit dem Degen

Mich bis zu der heilgen Linde,

Wo ich zu Biondettens Ehre,

Aber nicht zu Eurem Schimpfe,

Ruhig bliebt bei meiner Rede.

Meister, nun seid Ihr der Richter!"

Und Apone zornbeweget

Spricht mit falscher Kälte: "Immer

Betend, horchend, fechtend, redend

Finde ich dich bei der Linde!

Jacopone, dein gelehrter

Bruder, lehrt dich wohl die Schliche;

Er kann auch die Worte drehen

In der Kirch und vor dem Richter.

Er, der die Parteien hetzet,

Um sie künstlicher zu schlichten,

Als wenn ich ein Bein verrenkte,

Um es wieder einzurichten.

Ihn, der naseweis sich stellet

In der Fraktionen Mitte, # Faktionen

Werden einst die Schweine fressen

Weil er sich der Kleie mischet.

Du bist von ihm angestecket,

Dem juristischen Philister,

Der verachtend meine Lehre

Im lateinschen Stalle mistet.

Doch die Gieremei werden

Einst verfluchen seine Listen,

Und die Lambertazzi werden

Einst bereuen seine Pfiffe.

Und ihr Streit wird dann erst enden,

Wenn in seines Herzens Mitte

Ihre Klingen sich begegnen,

Einen ewgen Frieden stiftend!"

Und Meliore spricht: "O Lehrer,

Übel bleibst du bei der Klinge;

Um mich bitterer zu treffen,

Willst du meinen Bruder schimpfen!

Ungerechter, den gerechten

Bruder du statt meiner schimpfest,

Denn du träffst auf den Unrechten,

Schimpftest du ihm zu Gesichte!

Um das Recht mit Spott zu treffen,

Willst die Rechte du beschmitzen,

Doch ich räche den Gerechten,

Deines Beispiels mich bedienend.

Du sprachst, unser Streit sei Frevel,

Weil er leicht das Volk erhitze,

Und im Zorne wirst du selber

Jener Anstoß der Lawine!

Ob dem reinen Glanz des Schnees

Leicht ein dunkler Rab erbittert,

Und den bösen Schnabel wetzend,

Stößt er nieder die Lawine!

Schmähst du meines Bruders Ehre,

Dieser Musenalpe Zierde,

Sonnenglänzend auf dem ewgen

Eispalaste der Juristen,

Schmähst du ewige Gesetze,

Der Gesellschaft Urgranite,

Dann schimpfst du den Kern der Erde,

Der zum Licht dringt in Gebirgen!" —

"Ja, ich schmähe," sprach der Lehrer,

"Die Pandektentitel-Flicker

Und die unfruchtbaren Rechte,

Kahl wie deine Urgranite!

Die sich immer kahl vererben,

So wie öder Berge Gipfel,

Von Geschlechte zu Geschlechte

Ihre alten Knoten schlingend.

Und wie magst du diese Zwerge

In papiernen Nestern nistend,

Noch vergleichen mit den Bergen,

Die juristischen Philister?"

Und Meliore spricht: "Die Zwerge,

Ja sie wohnen in Gebirgen,

Schmieden dort die starken Schwerte,

Eitle Riesen zu bezwingen.

Aus der Tiefe mit den Bergen

Wächst das Eisen auf zum Lichte,

Und von ihnen wiederkehret

Alles zu der Tiefe wieder.

So steigt nieder von den Bergen

Die Natur, und ihren Gipfeln

Sind die weiten Sündflutmeere,

Ist der Zorn zuerst entwichen.

So steigt nieder von den Bergen

Die Geschichte: auf der Spitze

Sinai gab Gott Gesetze

Mosen für die Israliten.

Wenn die Erde längst verwelket,

Steht noch das Granitgerippe,

Und des Wassers Flut begegnend

Heulet drum das Spiel der Winde.

So auch stehen die Gesetze,

Wenn die Staaten rings versinken

Und unzählige Geschlechter

An dem alten Recht sich bilden."

Apo spricht: "Das Recht so kennend,

Wirst du das Gesetz auch wissen,

Daß Bologna Repetenten

Nie erkennt ungraduieret.

Und du hast das kaum Erlernte

Dennoch mir hier repetieret;

Du kurzärmiger Geselle,

Wisse, daß du delirierest!

Denn die Kerkerstrafe stehet

Auf dem offnen Disputieren

Von Studenten gegen jeden,

Den die höhern Würden zieren." —

"Ja, ich kenne die Gesetze,"

Spricht Meliore, "und die Pflichten

Eines Christen, daß er rede

Den Verkehrten ins Gewissen." —

"Predge weiter," sprach der Lehrer,

"Und entpflichte dich, mein Christe,

Daß ich dem Gesetz dich gebe

Ungestört in deinen Pflichten!"

Und Meliore sprach: "Ich nenne

Jene Berge, euch Gewitter;

Euer dunkelmaulend Wesen

Ist nur dunkel, um zu blitzen.

Seit die Welt im Zirkel gehet,

Kühlet sich das Wetter blitzend,

Doch, als sei's das erst und letzte,

Bläht sich jegliches Gewitter.

Nur daß man die Sterne heller

Sehe auf der Berge Gipfel,

Lasset ihr, euch selbst verwetternd,

Euren trüben Schwall verwittern.

Und wo werdet ihr dan stehen,

Wann zuletzt der ewge Richter

Nach den ewigen Gesetzen

Euch und jene kommt zu richten?

Die geschimpfet auf die Recht,

Werden stehen auf der Linken,

Da wo Gottes Affen stehen,

Die gefallnen Engel hinkend.

Die unzähligen Systeme

Frevelnder Philosophien

Werden flehen, bei den Hexen

Auf den Besen aufzusitzen.

Ihr Allfresser, wo des ersten

Magen noch der zweite frisset,

Wenn ihm selbst schon aufgefressen

Seinen Magen hat der dritte!

Ja, der Teufel wird den letzten

Noch zertrennen in der Mitte,

Daß das Maul den Leib kann fressen;

So wird sich die Kete schließen!

Meister, du hast diese Schwerter

In der Schule selbst geschliffen,

Höhre Anschauung mich lehrend

Der Natur und der Geschichte." —

Aber zu dem Volk gewendet

Ruft Apone: "Holla, Sbirren,

Diesen Jüngling führt zum Kerker!"

Und Meliore wird umringet.

Nochmals blickt er nach Biondetten,

Folget freudig dann den Sbirren,

Als sollt er zur Hochzeit gehen,

Denn er höret ihre Stimme.

Und zu seinem Turme kehret

Apo wird, finstern Blickes;

Brach er gleich den Speer der Rede,

Haftet tödlich doch der Splitter.

Freudig nichtig, gleich Raketen,

Luftgetragen auf den Stimmen

Hört er noch ein Vivat brennen,

Und der Schwarm verliert sich singend.

Leise Lüfte hör ich wehen,

Schüchtern kehren zu der Linde

Auch die Vögel, und es treten

Aus dem Haus die beiden Kinder.

Rosablanka und Biondette

Grüßen sich mit stummen Winken;

Da sich ihre Wege trennen,

Lassen sie die Blicke sinken.

** Romanze VI: Pietro

Inhaltsverzeichnis

Sieh, es schürzet Rosablanke

Sich ihr Röcklein vor dem Tore,

Rückt den Korb, daß er nicht wanke,

Sich bequemer auf dem Kopfe.

Ganz befangen in Gedanken

Und erfüllt mit neuer Sorge

Eilet durch das Feld die Schlanke

Wie auf traumbeschwingter Sohle.

Höret nicht den "Guten Abend",

Den der Wandrer ihr geboten,

Und erwidert kaum das Amen

Auf ein: Jesus sei gelobet!

Aber an den letzten Garten

Steht des Gärtners Fenster offen:

"Rosablanke, Rosablanke!"

ruft er ihr mit freudgem Tone.

"Willst du so vorüber wandeln?

Nimm vorlieb; hier sind Melonen,

Feigen, Ananas, Orangen,

Alle bloß für dich gebrochen!

Lange hab ich dein geharret;

Die mit dir zum Markte zogen,

Sind schon lang zurückgewandert.

Wo hast du so lang verzogen?"

Und die Jungfrau spricht, sich sammelnd:

"Bald hätt ich mein Wort gebrochen,

Aber lieber mirs erlasse,

Denn es sinket schon die Sonne!

Ängstlicher, als du geharret,

Harret mein der Vater Kosme.

Sieh, wie lange schon die Schatten!

Wäre ich den Berg erst oben!

Sei Geleitsmann deinem Gaste,

Ich will deine Güte loben!"

Also bittet Rosablanke;

Jener greift nach seinem Korbe,

Füllt ihn unten mit Orangen,

Legt die zarten Feigen oben,

Hängt zur Schulter ihn am Stabe,

Tritt heraus und schließt die Pforte.

Und er spricht zur Seite wandelnd:

"Zürnen hätt ich mit dir sollen,

Sehnlich hab ich dein geharret,

Und nun ist auch dies verloren!

Dies ist ihrer Schritte Schallen,

Glaubt ich, wenn mein Herz so pochte,

Blickte ängstlich durch die Kammer

Ob auch alles sei geordnet.

Und wenn ich dann wieder dachte:

Sie versprach dirs nur zum Hohne,

Fühlt das Herz ich lauter schlagen

Als den Tritt der leichten Sohlen.

Wer mir bot den guten Abend,

War an mir zum Lügner worden,

Und die schnellen Stunden standen

Boshaft still an meiner Pforte."

Also sprach er. Tränen drangen

Ihm ins Aug, geheime Boten

Züchtger Flamme, die gefangen

Lag bis jetzt im Jugendstolze.

Doch dies fühlt nicht Rosablanke.

Ungeschickt zu seinem Troste

Spricht sie: "Gib mir die Orangen,

Die du für mich abgebrochen!"

Nimmt die goldne Frucht und danket.

Mutiger spricht er: "O Holde,

Wolltest du mit gleichem Danke

Nehmen, was du selbst gebrochen!

Was vertraulich bei dem Mahle

Ich, dein Wirt, dir bieten wollte,

Dieses Herz muß auf der Straße

Scheu und unstet ich dir opfern.

Mich ernähret wohl mein Garten;

Um Bologna aller Orten

Siehst du keinen so gewartet

Und so vorteilhaft geordnet.

Und, verzeih, ich muß es sagen;

Also hab ich ihn erzogen

In dem heimlichen Verlangen,

Daß du drinnen mögest wohnen.

Wärst du mit hineingegangen,

Unter bunten Blumenkronen

Eine Königin, empfangen

Hätt ich dich mit dieser Krone!"

Und nun setzt er Rosablanken

Auf das Haupt die Blumenkrone,

Die er in dem Korb bewahret,

Ruhend auf den Früchten oben.

Und die Jungfrau in Gedanken

Gehet mit bekränzten Locken

Ihm zur Seite durch den Abend,

Gleichend einer stummen Flore.

Pietro aber spricht: "Dein Vater

Könnte dann bei uns auch wohnen,

Und er wäre nie verlassen,

Eines blieb ihm stets zum Troste.

Und an manchem schönen Abend

Kömmt mein Bruder Jacopone,

Der an Weisheit hochgeachtet,

In den Garten, sich erholend.

Und zur Freundin wirst du haben

Rosarosen, seine fromme

Stille Gattin; dir gefallen

Wird mein Bruder auch, Meliore."

Aber stumm bleibt Rosablanke,

Und der Jüngling spricht betroffen:

"Schweige nicht, o laß mich Armen

Nicht in zweifelhaftem Troste.

Seit als Gärtner deinem Vater

Ich gepflegt die roten Rosen,

Trag ich heimlich, Rosablanke,

Weißer Rosen bittre Dornen.

Ich versetzte ihm im Garten

Weiße, rote, gelbe Rosen

Und begehrt am letzten Abend

Eine weiße mir zum Lohne.

Da gabst du von deinem Stamme

Mir ein Zweiglein, dicht in Moose

Hüllt ich's, trug's zu meinem Garten,

Stellt es in den besten Boden.

Schonend ist der Sonne Wagen

Über dieses Reis gezogen,

Segnend hat des Mondes Schale

Guten Tau zu ihm gegossen.

Hoch bei goldnen Pomeranzen

Rankt sie aus den grünen Wolken,

Deines Namens Sternbild strahle

Günstig meinem Horizonte!

Paradiesisch blüht der Garten,

Seit die Rose bei mir wohnet,

Und ich gleich dem ersten Manne,

Eh das Weib geschaffen worden."

Aber Rosablanke dachte

Nun des Traums von diesem Morgen,

"Pietro," sprach sie, "eine Schlange

Rankt um deinen Baum die Rose!

Und der Herr hat sie geschaffen

Aus der sehnsuchtvollen Woge

Seines Busens; des Entschlafnen

Herz entstieg die Traumgeborne.

Die Orange wird zum Apfel,

Und der Apfel wird zum Tode,

Willst du schließen in die Arme,

Die dir in dem Herzen wohnet.

Heute früh in meinem Garten

Grub er traurig bei den Rosen

Nach dem göttlichen Erbarmen,

Das er mit dem Weib verloren.

Und die bunte, böse Schlange

Drang zu mir und meinen Rosen,

Doch Mariens Füße traten

Nieder diese Schuld des Todes.

Nimm zurücke die Orange,

Die du mir vom Baum gebrochen,

Denn ich teile keinen Apfel

Weil der Herr um mich gestorben."

Also redet Rosablanke.

Pietro schweigt, und tief betroffen

Legt der Jüngling die Orange

Zu den andern in dem Korbe.

Schweigend gehn sie nun zusammen

Bis zu der Kapelle oben,

Und des Abends Zaubergarten

Schwankt vor ihrem Aug entrollet.

Aus den Tälern wächst der Schatten,

Und es betet schon die Sonne

Ihren Abendsegen, schwankend

Auf des Waldes goldnen Kronen.

Durch des Himmels Gründe wallen

Wolkenschafe, goldgeflocket;

In dem Abendmeere badend

Trinken sie die Purpurwoge.

Und zum Rosengarten wandelt

Sich zu baden nun die Sonne,

Einen Mantel webt im Schatten

Ihr die Nacht aus grauem Flore.

Als sie schwebet ob dem Bade,

Gleicht es einem Feueropfer,

Sie dem Phönix, der mit Flammen

Sich verjünget in dem Tode.

Aber rings aus Luft erstarren

Hohe Purpurburgen, golden

Wundervolle Inseln wachsen

Aus des Äthers glühnden Wogen.

Und die Inseln werden Drachen

Und die Burgen all Sankt George

Und der Sonne Strahlen Lanzen,

Gen die Drachen blank erhoben.

Aber ewig sich verwandelnd,

Wo sie aufeinander stoßen,

Ziehn sie eine Bucht kristallen

Um der Sonne Bad voll Rosen.

Wie ein Schäfer scheu und schmachtend,

Lauschend schleicht auf leichten Sohlen

Zu der spröden Hirtin Bade,

Zieht der Mond schon hinter Wolken.

Nieder zuckt sie gleich Dianen;

Jungfräulich erglühnd im Zorne

Spritzt empor sie Goldkristalle,

Birgt den Schoß im Wellenschoße.

Und der Mond, den Tropfen trafen,

Steht gehörnt gleich Aktäone,

Und zu Sternen rings erstarren

Um ihn her die goldnen Tropfen.

Mahnend zieht die Nacht den Mantel

Vor des Unterganges Tore,

Und die Herzen fühlen alle,

Wer verloren, wer gewonnen.

Seine Schmerzen nicht mehr fassend,

Spricht nun Pietro: "Deine Rosen,

Sonne, sind im Abendgarten

All verblutet an den Dornen.

Paris gab den goldnen Apfel

Liebend hin der Schaumgebornen,

Aber mir ward ausgeschlagen

Die Granate, scheu geboten!

Und die Sonne gleicht dem Apfel,

Paris gleicht dem Silbermonde,

Und das Meer des Unterganges

Der entschleierten Dione.

Aber ach, meine Granate

Gleicht den Äpfeln von Gomorrha,

Innen voll von giftger Asche,

Außen lustig und voll Wohnne.

Und es drohet mir die blanke

Todessichel dort des Mondes,

Wie in meinem armen Garten

Tödlich steht die weiße Rose!" —

"Pietro!" spricht nun Rosablanke,

"Umschaun hat der Herr verboten,

Sahst du in den Abendflammen

Sodom und Gomorrha lodern.

Gab zurück ich dir den Apfel,

Denk getröstet meiner Worte:

Keinen Apfel mit dem Manne

Teil ich; Jesus ist gestorben!

Lasse sinken all dies Trachten,

Lasse sinken diese Sonne,

Lasse wachsen diese Schatten!

Sinkt zur Ruhe, wächst zum Troste!

Sieh, die Kerne der Granate,

Die verglichen du der Sonne,

Sind als Sterne aufgegangen,

Leuchtend zu den Ewgen Lobe.

Betend sollst du nun betrachten,

Wie gehütet von dem Monde

Sie wie Gottes Lämmer wandern,

Und du sollst nicht trauern wollen.

Trauern nicht um die Granate,

Trauern nicht um eine Rose,

Trauern nicht um Rosablanke,

Die dem Himmel sich verlobet!"

Und nun nimmt sie die Gewande

Von Biondetten aus dem Korbe,

Legt sie an und fromm verwandelt

Steht sie eine weiße Nonne.

Pietro spricht: "Leb wohl, zum Garten

Kehre ich, die Hochzeitskrone

Pfleg ich dir, dir muß sie tragen

weiße Rosen, mir die Dornen!"

Und zur Erde kniet er jammernd,

Aus den dunklen Augen flossen

Tränen heiß, und seine Arme

Hielt er schmerzemporgehoben.

Aber in den Büschen raschelt's,

Und die Jungfrau spricht: "Es kommen

meine Freunde, ausgegangen

Sind die Hirsche, mich zu holen.

Beten werd ich noch heut abend,

Daß die kühlen Tauestropfen

Diese Nacht dein Herz erlaben,

Und dich ruhig seh der Morgen."

Pietro spricht: "Es wird die Flamme

In der Nacht noch wilder lodern,

Büßend streue meine Asche

Sich ins falbe Haar Aurore!"

Doch sie schreitet zu dem Walde:

"Jesus Christus sei gelobet!"

Pietro spricht ein leises Amen,

Und der Mond tritt aus den Wolken.

Pulsuz fraqment bitdi.

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Janr və etiketlər

Yaş həddi:
0+
Litresdə buraxılış tarixi:
17 yanvar 2025
Həcm:
210 səh. 1 illustrasiya
ISBN:
4064066110604
Naşir:
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
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Oxşar kitablar