Kitabı oxu: «Die schönsten Restaurants & Bars 2021»

Şrift:

CORNELIA HELLSTERN

Die schönsten Restaurants & Bars

DEUTSCHER HOTEL- UND GASTSTÄTTENVERBAND (HRSG.)

CALLWEY


VORWORT

INGRID HARTGES UND GUIDO ZÖLLICK

EINLEITUNG

CORNELIA HELLSTERN

DIE JURY

Die Gewinner

Raum in Bewegung

Fuji Yama – Nürnberg

Eintauchen in die Stille

BLAU – Stuttgart

Kulinarische Kantine

TANKTURM Gastwirtschaft – Heidelberg

Die Auszeichnungen

Orientalische Gastfreundschaft

Gül Restoran – Zürich

Eintauchen in die Geschichte

Decantei – Brixen

Tausendundeine Nacht am Rhein

Lokschuppen – Köln

Ein Abend unter Freunden

Das Weinheim – München

Von Legenden unter nautischem Sternenhimmel

Nautic Club – Timmendorfer Strand

„Alles grün“ auf dem Weg nach Passau

eat meet – Dorfen

Die ausgewählten Projekte

Schlichte Inszenierung höchster Qualität

REMI – Berlin

Symbol des Glücks

JACCI – München

Zeitgenössisches Design mit Fifties-Twist

Lilli P. – München

Handwerkskunst im Finanzdistrikt

Le Petit Royal – Frankfurt

Kosmopolitisches Atelier für edle Barkunst

L'Atelier – Basel

Stimmiger Dreiklang einer Zeitreise

THE DINING RooM – Hamburg

Willkommen zu Tisch!

Marthabräu – Fürstenfeldbruck

Von goldenen Schätzen in Frankfurt

Aureus – Frankfurt

Schillernde Zeitreise ins royale Bayern

NENI – München

Pizza, Pasta und Amore

ITALO DISCO – Stuttgart

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Contemporary Bar – München

Im Einklang mit den Jahreszeiten

Pankratz – Mainz-Hechtsheim

Tiefe Faszination für den Eibsee

Eibsee Pavillon – Grainau

Eine alte Liebesgeschichte neu erzählt

Bar Campari – Wien

Cocktails zwischen Urban Gardening und Industriekultur

WERK 8 – Basel

Italienische Kaffeekultur

Cellini – Zürich

Opulenter Rahmen für koreanische Küche

Miss Miu – Zürich

Tradition reloaded

Figlmüller – Wien

Das zweite Wohnzimmer

Wilma Wunder – Düsseldorf

Eintauchen in neue Sphären

Puzzle Bar – Hamburg

Unkomplizierter Genuss auf Italienisch

Bottega da Giulia – Stuttgart

Kochkunst in unsichtbaren Netzen

Restaurant Herzig – Wien

Köstlicher Dreiklang als kulinarische Krönung

Salon Sacher – Wien

Moderne Interpretation maritimen Flairs

Oktopussy – Norderney

Schwarzwald trifft Asien

Kuro Mori – Freiburg

Sinnliches Duett von Bistro und Haute Cuisine

ZweiSinn – Nürnberg

„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“

Valentinum – München

Ein Hauch Skandinavien

Estelle Dining – Berlin

Zwischen Funkenflug und Baltischem Wind

Treudelbar – Hamburg

Im Dialog mit Historie und Natur

Villa Kellermann – Potsdam

Urbaner Gastraum mit starkem Charakter

Lily's Factory – Zürich

Nordisches Understatement

Restaurant Lemsahler – Hamburg

Moderne Wirtshauskultur

Wirtshaus Ayinger in der Au – München

Frisch auf den Tisch

HEIMATGESCHMACK – Lünen

Bienvenue im Großstadtdschungel Berlins

ANOUKI – Berlin

Mesdames et Messieurs, puis-je vous présenter: The Duchy!

The Duchy – Düsseldorf

Von Eichenwäldern und einem goldenen Faden

Hotelbar WunnersWat – Verl

Frischer Wind am Hafen

Port – Hamburg

Lebendige Gastronomie im Herzen der Stadt

Villa – Rottweil

Asiatische Schlichtheit

Duma – Köln

Ein Pavillon als neue Mitte

Pavillon – Mutlangen

Die Lösungen des Jahres

Farbenfrohes Lichtspiel

Lume 1® smart WEBA-Fahnen GmbH & Co. KG

Kaffeequalität auf kleinstem Raum

Franke A300 Franke Coffee Systems

Weniger ist mehr

Easy2Bon Kassensysteme SoftTec GmbH

Die Digitalisierung des Kochens

Topline D Palux Aktiengesellschaft

Mit Salz zur Perfektion

Premium Meat Ager Schrutka-Peukert

Kühlung im besten Licht

TBR / TDR Bar- und Getränkekühltheke True Refrigeration Europe GmbH

Im edlen Schwarz zur Jubiläumsfeier

Black Edition Tisch T70 Stuhl S500 hülsta-werke Hüls GmbH & Co. KG

Modulare Sitzwelten

Liberty Ikono GmbH & Co. KG

Wandelbare Farbenspiele

Cubit – Modulares Stuhlsystem Mymito GmbH

Aufgeklappt

KAWAmidi timkid Kindermöbel GmbH

Gleich einer Umarmung

Paradise Bird Wittmann Möbelwerkstätten GmbH

Maximale Energieeffizienz in der Spülmaschine

HOBART Bandspülmaschinen mit CLIMATE-PLUS Energiesparsystem Hobart GmbH

Mit Akustik gestalten

Troldtekt Designlösungen Troldtekt


LONGLIST

TOP 50: PLANER- UND FOTOGRAFENVERZEICHNIS

IMPRESSUM

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Die schönsten Restaurants & Bars

Als jahrhundertealtes Kulturgut sind Restaurants und Bars öffentliche Wohnzimmer – wertvolle Plätze der Kommunikation, des Miteinanders, des Genusses. Für das Funktionieren unserer Gesellschaft sind sie unentbehrlich. Gastronomie bedeutet Kulinarik und Gastfreundschaft, Tradition und Trend. Unsere Betriebe stehen für Lebensfreude, Lebensenergie und Lebensqualität. Die große Bedeutung der Gastronomie für die Wirtschaft, für die Kultur und für den sozialen Zusammenhalt insgesamt wurde wohl noch nie so deutlich und spürbar wie in diesen Zeiten.

Restaurants und Bars machen Städte und Orte erst lebens- und liebenswert. Fest verwurzelt in den Ländern, Kommunen und Städten können sie zu echten Institutionen werden für Stammgäste aus dem Umkreis wie für Besucher aus aller Welt. Unsere Betriebe sind essenziell für regionale Wirtschaftskreisläufe. Tourismus funktioniert nicht ohne Restaurants, Cafés und Bars. Kaum etwas sagt mehr über Land und Leute aus als die Küche eines Landes und die damit verbundenen Traditionen. Die Reiseländer Deutschland, Österreich und die Schweiz wissen um den Wert ihrer kulinarischen Vielfalt und überzeugen mit einer großen Bandbreite herausragender gastronomischer Betriebe. Allein in Deutschland sind 2,5 Millionen leidenschaftliche Unternehmer und engagierte Mitarbeiter rund um die Uhr für ihre Gäste da und sorgen für ihr leibliches Wohl. Köche verwöhnen unsere Gaumen, Barkeeper erfrischen unsere Sinne, Servicekräfte erfüllen unsere Wünsche. Jeden Tag aufs Neue schaffen die Gastro- Profis schöne, interessante, unvergessliche Momente. Mit vollem Einsatz, einem großen Herz für Gastlichkeit und einem hohen Maß an Professionalität. In unserer Branche geht es darum, Menschen glücklich zu machen und Freude zu schenken. Das ist heute wichtiger denn je.

Gastronomie bietet Räume für persönliche Beziehungen und echte Erlebnisse mit allen Sinnen. Voraussetzung dafür sind ein passendes Speisen- und Getränkeangebot, authentische, professionelle Gastfreundschaft – und das richtige Ambiente eines Betriebes. Für den Erfolg eines Restaurants oder einer Bar maßgeblich sind neben der hohen Produkt- und Servicequalität eben auch eine einladende Atmosphäre und die Vermittlung eines echten Wohlgefühls. Das Gesamtbild muss stimmen. Das Interior ist das erste, was der Gast beim Eintreten in ein Lokal wahrnimmt. Es geht um das Licht, die Farben, Formen und Materialien. Was hier zählt, sind eine wegweisende Gestaltung, aufeinander abgestimmte Designelemente, außergewöhnliche Ideen, überraschende Akzente, wertige Stoffe sowie Präzision und Liebe zum Detail. Wie bei der kulinarischen Ausrichtung kommt es auch beim Thema Interior auf ein klares Profil und eine konsequente Positionierung am Markt an.

Essen ist Entertainment. Die passende Bühne für die Inszenierung der Kernleistungen der Gastronomie wird immer wichtiger. Erfolgreiche Gastronomen zeichnen sich hier durch Mut zu Investitionen aus, greifen Designtrends auf, interpretieren sie, und nicht selten werden sie mit der Gestaltung ihrer Gasträume gar zu Trendsettern. Eine besondere Verantwortung kommt den Architekten und Designern zu. Beim Bau oder bei der Neugestaltung von Restaurants und Bars besteht ihre Herausforderung darin, die ästhetisch schönen, emotionalen und technischen Anforderungen an einen Gastro-Betrieb zu funktionierender Realität werden zu lassen.

50 herausragende gastronomische Interior-Design-Konzepte haben diese Aufgabe mit Bravour gelöst und es damit in das vorliegende Jahrbuch Die schönsten Restaurants & Bars 2021 geschafft. Exklusive Geheimtipps, spektakuläre Neueröffnungen wie auch gelungene Umgestaltungen und Renovierungen: Die von einer hochkarätig besetzten Jury sorgfältig ausgewählten und ausgezeichneten Gastronomiebetriebe werden auf 280 Seiten ausführlich vorgestellt und mit hochwertigen Fotos illustriert. Neben den Gastro-Machern würdigt das Werk die Architekten, Planer und Hersteller, ohne deren Ideen und Fähigkeiten die Betriebe nicht zu den Highlights geworden wären, die sie sind. Ergänzend dazu gibt es jede Menge detaillierte Zahlen und Fakten, spannende Hintergrundgeschichten, Grundrisse und Hinweise auf die verwendeten Produkte. Ziel des Buches ist es zudem, bei der Planung und Umsetzung eigener Gastro-Projekte Ideen und konkrete Anregungen zu geben. Als Kompass durch ausgezeichnete Gastronomieprojekte ist das Jahrbuch unverzichtbare Pflichtlektüre und Inspirationsquelle für alle Genussmenschen, Gastro-Profis und Architekten.

Wir freuen uns sehr, dass das Jahrbuch Die schönsten Restaurants & Bars 2021 die Vorreiterrolle der Gastronomie anerkennt, wenn es um Architektur, Design, Trends und Wohlfühlatmosphäre geht. Zusammen mit dem Callwey-Verlag wollen wir mehr Bewusstsein schaffen für die einzigartige, lebendige Restaurant- und Barszene und für die Relevanz der Innenarchitektur.

Wir wünschen Ihnen eine informative, anregende und in jeder Hinsicht bereichernde Lektüre und viel Freude in der außerordentlich facettenreichen und spannenden Designwelt der Gastronomie!

Guido Zöllick,

Präsident DEHOGA Bundesverband & Ingrid Hartges,

Hauptgeschäftsführerin DEHOGA Bundesverband

Ungewöhnliche Zeiten und Ideen

Besondere Gastronomiekonzepte sind zeitlos. Mit unserer Publikation würdigen wir daher die prämierten „Schönsten Restaurants & Bars 2021“ und tragen all der Kreativität unserer Gastronomen, Architekten und Innenarchitekten, der Interior-Designer und Gestalter, gebührend und bewundernd zugleich Rechnung. Gerade der diesjährige Award ist dabei Ausdruck einer besonderen Wertschätzung – für eine Branche, die neben den kulturellen Einrichtungen mit am stärksten von den Einschränkungen im Jahr 2020 betroffen war.

Diese Publikation ist in erster Linie ein Interior-Jahrbuch gastronomischer Betriebe. Es dokumentiert herausragende Arbeiten, die im Laufe der letzten Zeit entstanden sind. Dabei wird das gesamte Spektrum abgebildet, denn die Bandbreite der eingereichten Arbeiten im deutschsprachigen Raum ist enorm: von der Systemgastronomie und dem Imbiss eines Familienbetriebs über eine Tankstelle, Cafés und Bistros mit Verkauf teils eigener Produkte, Restaurants und Bars, teils Hotels zugehörig, bis zu den Fine Dining und Haute-Cuisine-Restaurants der Sterneköche, mal mit, mal ohne üppiges Budget und Opulenz.

Die vorliegende Publikation dient als zeitlose Inspirationsquelle und bietet Anregungen und Informationen zu Interior-Produkten. Auf den rund 230 Seiten Projektvorstellungen stehen daher die Ideen und Konzepte der Planer und Gastronomen im Vordergrund und nicht die aktuellen Geschehnisse des Pandemiejahrs 2020 – auch wenn zwei Drittel der insgesamt 74 eingereichten Projekte nicht älter als ein Jahr waren, als der erste Lockdown im März begann, und allein 17 Betriebe unserer Top 50 im Jahr 2020 ihre Eröffnung feierten. Die wenigsten in den ersten beiden Monaten des Jahres, die meisten kurz davor oder aber mit einer im Sommer nachgeholten Eröffnung.

Zwischen den Zeilen wird die Pandemie dennoch an manchen Stellen ablesbar. Wie im „The Duchy“, das zwei Tage nach seiner Eröffnung im März wieder schließen musste und den Sommer über mit viel organisatorischem Aufwand geöffnet hatte. Zeit, um endlich Fotos des Interiors zu machen? Gab es nicht, anderes war wahrlich wichtiger. Und so sind die Renderings ein täuschend echtes Abbild der tatsächlich entstandenen Wirklichkeit.

Ein anderes Zeitzeugnis liefert das „Aureus“. Die Porträtbilder des Betreiberehepaars sind ihre Bilder der @kulturgesichter_069, die im Rahmen der Kampagne #ohneunsistsstill entstanden sind. Eine nationale Initiative der Veranstaltungs- und Kreativbranche, bei der Kulturschaffende unterschiedlicher Städte und Regionen Deutschlands „Gesicht zeigen“ und damit auf die Relevanz ihres Berufes für die Gesellschaft und unser alltägliches Leben aufmerksam machen. Von Gastronomen über Eventmanager und Tontechniker bis hin zu Schauspielern und bildenden Künstlern. Und nicht zuletzt Innenarchitekten, Architekten und Designer.

So ganz kommt man also doch nicht umhin, auf das Pandemiethema einzugehen. Aber vielleicht bedarf es in diesen ungewöhnlichen Zeiten des Blickes aus einer anderen Perspektive auf die Branche. Denn die Schwierigkeiten und Sorgen sind allgemein bekannt. Wie so oft gibt es auch eine andere Seite, in diesem Fall Kreativität und Engagement, innovative Ideen und eine neue Qualität der Vernetzung. Und es lohnt sich, das als Momentaufnahme näher zu betrachten.


Ideenreichtum wider Resignation

Die Entscheidung des Callwey-Verlags und des DEHOGA Bundesverbandes als Branchenvertreter und Herausgeber war im Frühjahr 2020 einhellig: Der Award wird ausgelobt, Zeichen setzend und Mut machend. Dass die Branche dieses positive Signal aufnahm, zeigte sich in den zahlreichen Einsendungen, die bis Ende des Sommers den Verlag erreichten.

Beeindruckt nicht nur von den außergewöhnlichen Konzepten, die in dieser Publikation vorgestellt werden, haben wir mit größtem Respekt die letzten Monate beobachtet: Diese Branche gibt nicht auf. Trotz aller Unsicherheit und Existenzsorgen: Statt Resignation herrscht Einfallsreichtum. Die Kreativität und die innovativen Ansätze, die die letzten Monate bestimmt haben, verdienen daher gleichermaßen eine Würdigung wie die stationären Betriebe selbst. Und es stellt sich die Frage: Was könnte bestehen bleiben?

Der Einsatz der Gastronomen begann sofort im Frühjahr. Trotz eigener Zukunftsängste wurden sie aktiv, um in der Situation zu helfen. Mit Food Trucks versorgten sie die Menschen in systemrelevanten Berufen mit Essen. So auch die Jungs der „Italo Disco“, deren kurz zuvor aus Italien eingetroffener Top-Pizzaofen nicht ungenutzt bleiben sollte. Kurzerhand belieferten sie Klinikmitarbeiter zur Stärkung und als Dankeschön.

„Kitchen Guerilla“ aus Hamburg organisierte mit der #SoliKüche Hilfe für Bedürftige. Und nicht zuletzt auch für sich selbst. Handeln und Helfen, aktiv sein – typisch Gastronom eben. Und „Kochen für Helden“, ein Zusammenschluss zahlreicher Restaurants in Deutschland, hat bereits angekündigt, auch weiterhin für Obdachlose zu kochen. Solidarität in ganz neuen Modellen.

Auch wenn einige Betriebe während der zweiten Welle „vorübergehend geschlossen“ sind, da aufgrund der einzuhaltenden Maßnahmen ein unternehmerischer und wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich ist, wie das Team vom „Marthabräu“ die Entscheidung für den „Winterschlaf“ erklärt, so tun sie dies nicht ohne ein klares und optimistisches Statement: #wirkommenwieder! #vorfreudeistdieschönstefreude herrscht auch bei der „Villa Kellermann“, #bisbald winkt uns das „Anouki“ zu. Und die „Villa Rottweil“ verspricht: „Wir sind nach dem Lockdown wieder für Sie da“.

Dank ihrer Konzepte konnten viele Betriebe auf Take-away, Pick-up und Delivery umstellen, Instagram und Facebook verraten die tagesaktuellen Gerichte und Menüs. Vom „Fine Dining Delivery“ des „DINING RooMs“ bis zu Take-away bei „Lily’s Factory“, sogar mit Lunchboxen im Pfandsystem. Das „REMI“ bietet mit „Remi at home“ eine Menüserie, die „everything you need at the table for your weekend“ garantiert. Und bei Julia Komp lässt sich jede Woche ein neues Lockdown-Menü ordern, auf Youtube kann man ihr dabei zusehen, wie die Gänge im „Lokschuppen“ zubereitet werden.

Die Gerichte sind keineswegs nur auf das gängige Speisenangebot beschränkt. Kurz vor Drucklegung nähert sich das Weihnachtsfest, und so bietet das „Restaurant Herzig“ ein „Herzig X MAS Package“ an, wie auch das „Le Petit Royal“ in Frankfurt sein „WEIHNACHTSMENÜ@ HOME“ und das „Kuro Mori“ seine Menüs oder das „JACCI“ seine „Winterbox“. Selbst Barbetreiber, für die ein Takeaway schwieriger zu organisieren ist, unternehmen alles, um weiterhin ihrer Passion nachgehen zu können: Die Gäste zu verwöhnen. „DAS WEINHEIM“ hat wie auch das „L’Atelier“ einen Pop-up-Weinladen eröffnet. Die „Puzzle Bar“ bietet „Bottled Cocktails“, abgestimmt auf Speisen, die man gemeinsam mit Partnern liefert. Die „Contemporary Bar“ – mit Eisbar an der Straße vertreten – beteiligt sich an der Aktion „Quarantine Cocktails“ ihres Barequipment Suppliers „APS glass & bar supply“. Der Erlös der auf die Cocktailzubereitung abgestimmten Bar-Sets wird mit den Barkeepern geteilt. Neue Geschäftsmodelle auch für die Zukunft?

Auch der Verkauf von eigens hergestellten Produkten ist eine Möglichkeit, Einnahmen zu generieren. Das „Pankratz“ hat mit Partnern auf eine „Pop-up- Bakery“ umgestellt. Und die Cranberry-Sauce aus dem „Estelle Dining“ wird im Pop-up-Store von DelicioUS verkauft, den die Berlin Food Week als Support für rund 20 Berliner Restaurants umgesetzt hat. Deren Produkte, lokal im Verkauf als Zusatzgeschäft. Und vor allem ein hohes Maß an Solidarität und Support untereinander. Das darf gerne bleiben!

Wenn diese Publikation im März 2021 erscheint, dann haben wir vielleicht bereits wieder einen Teil unseres geselligen Lebens zurück. Und dann wird diese Publikation als „Kompass durch ausgezeichnete Gastronomieprojekte“ dienen, wie es Ingrid Hartges und Guido Zöllick vom DEHOGA formulieren. Als ein Kompass, der uns zu all diesen besonderen Orten führt, von der Top 50 bis zur Longlist. Orte, an denen wir endlich wieder genießen dürfen, kulinarisch wie atmosphärisch auf Reisen geschickt zu werden.

Die Jury Auswahlgremium 2021

Ingrid Hartges

Hauptgeschäftsführerin DEHOGA

Cornelia Hellstern

Architekturkommunikation und Autorin der Publikation

Veronika Kammerer

Architektin und Innenarchitektin, studio lot, Preisträgerin aus dem Vorjahr

Irene Maier

Innenarchitektin und Vizepräsidentin bdia bund deutscher innenarchitekten e. V.

Anne Petersen

Redaktionsleitung SALON, Gruner + Jahr

Albert Weinzierl

Architekt und Gastronom, Kull & Weinzierl

Holger Zwink

Chef vom Dienst, AHGZ Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung

1

Die Jurymitglieder sind vertieft in die Vielseitigkeit der Projekte, deren beeindruckend hohe Qualität in Konzept und Kreativität allein schon über die Fotografien spürbar wurde.


2

Die Corona-Maßnahmen hielten die Jurymitglieder zwar auf Abstand, nicht aber vom regen Austausch und Diskutieren um die Podestplätze ab.


3

Zufriedene Gesichter der Jurymitglieder vor Ort bei einer Pause im Freien (von l. nach r.): Irene Maier, Holger Zwink, Anne Petersen, Cornelia Hellstern; per Online- Voting waren vertreten: Ingrid Hartges, Veronika Kammerer, Albert Weinzierl.


Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband e. V. (DEHOGA Bundesverband) ist der Branchenverband des deutschen Hotel- und Gaststättengewerbes. Mit 65.000 Mitgliedern ist er Interessenvertreter des Gastgewerbes gegenüber Politik, Medien und Öffentlichkeit.


Mit rund 2.000 Mitgliedern ist der bdia Bund Deutscher Innenarchitekten der größte und wichtigste Innenarchitektur-Verband in Deutschland. Seit über 60 Jahren fördert und festigt er den Berufsstand und die Berufsausübung der deutschen Innenarchitektinnen und Innenarchitekten.


Die AHGZ – Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung ist die einzige Wochenzeitung für die Hotellerie und Gastronomie in Deutschland. Die AHGZ ist das meistgenutzte Fachmedium in der Hotellerie. Sie deckt alle wichtigen Informationskanäle ab und schafft so eine Kommunikationsplattform für die Entscheider in der Hotellerie und Gastronomie.


Das Architekturmagazin Baumeister blickt mit breiter Perspektive in die Welt der Architektur und beschäftigt sich nicht nur mit der Ästhetik, sondern auch mit den kulturellen, politischen, sozialen und ökonomischen Aspekten der gebauten Umwelt.


Salon – das Magazin für Gastlichkeit, Design und Kultur. Ein Heft, das Traditionen liebt, ohne altmodisch zu sein. Ein Kompliment an das Leben, ein wunderbar ausgestattetes Magazin.


Entscheider aus aller Welt treffen sich an den fünf wichtigsten Tagen im Jahr in der pulsierenden INTERNORGA-Metropole Hamburg. Marken, Macher und Unternehmen präsentieren sich annähernd 100.000 Besuchern in einem einzigartigen Umfeld und prägen mit ihren Ideen, Produkten und Prozessen die kommenden Jahre ihrer Branchen.

Die Gewinner

Fuji Yama Nürnberg


1. Preis Restaurant

LAUDATIO VON

IRENE MAIER

Die Innenarchitektur des „Fuji Yama“ in Nürnberg berührt schon auf den allerersten Blick. Wie ein einziger Atemzug fließt die Komposition harmonisch und lässt gleichzeitig Platz für Interpretation. Die Besonderheit im Zusammenhang mit der Aufgabenstellung waren die Ausgangsvoraussetzungen beim Innenausbau. Die hohen Decken einer ehemaligen Bankfiliale in einem Apartmenthotel mussten einbezogen werden, gleichzeitig wurden neue und aufwendige Lüftungsanlagen integriert, ohne den laufenden Hotelbetrieb zu stören. Hier war die Vorplanung um einiges intensiver als die Realisierung, denn nicht nur logistisch, auch konzeptionell wurden verschiedene Szenarien durchgespielt und integriert. Die Kommunikation mit dem Außenraum gelingt hervorragend durch die großformatigen Fenster, unterstützt von der raffinierten Innenbeleuchtung der Deckenlamellen. Je nach Lichteinfall von außen verändert sich die Stimmung durch Schattenwurf im Innenraum, in den Abendstunden wird die Symbiose der organischen Inneneinrichtung mit dem integrierten Licht besonders deutlich. Die Innenarchitektin Janina Weissmann als Projektleiterin hat die Expertise des gesamten Teams genutzt und auch die Gastronomen eingebunden. Vom Estrichfußboden über die Wandgestaltung bis zur Deckenlandschaft hat der Innenraum einen starken Wiedererkennungswert und bietet trotz oder gerade wegen der reduzierten Auswahl der Bestandteile hohe Identifikationswerte.

Bermüller + Niemeyer Architekturwerkstatt aus Nürnberg gelingt die moderne Interpretation der fernöstlichen Esskultur und ein unvergesslicher Eindruck guter Innenarchitektur in der Gastronomie. Die Jury ist zu Recht beeindruckt und kürt das „Fuji Yama“ zum Preisträger von „Beste Restaurants und Bars“.


Verdichtung und Auflösung der Raumskulptur aus Fichtenholzlamellen schaffen verschiedene Aufenthaltsqualitäten.


1

Die Farbnuancen der an dunklen Granit erinnernden Tapete von Photowall hinter der Theke bilden einen spannenden Kontrast zu den fließenden Formen der Holzstruktur.


2

Die Holzlamellen verzahnen sich mit den akustisch wirksamen und feuchteregulierenden filzartigen Lamellen, von Impact Acoustic durch einen Upcycling-Prozess aus PET-Flaschen hergestellt.



1 + 2

Die raumbestimmende Struktur besteht aus über 2400 Fichtenholzlamellen, die in ihrer Form teils nur um Millimeter voneinander abweichen. Sie zoniert die einzelnen Bereiche auf der großen Fläche, lässt die Decke zusammen mit den Akustiklamellen in fließenden Bewegungen den Raum umgeben, umspielt die Stütze und geht von der Thekenfront zur Sitzfläche über.

3

Die LED-Leuchten zwischen den Lamellen schaffen eine subtile Lichtwirkung und ergänzen den raumbestimmenden Kontrast von hell und dunkel.


4

Stabförmige Pendelleuchten über den Tischen schaffen atmosphärische Lichtakzente und inszenieren die Gerichte, die – abgestimmt auf die dunkel gehaltene Möblierung – auf dunklen Platten und Schalen serviert werden.

Wandgestaltung: Fichtenholzlamellen Schreinerei Blos mit Georg Schrepfer GmbH, SR Malereiunternehmen, Photowall Nordic E Trade AB Tapete, Impact Acoustic Akustiklamellen | Bodenbeläge: RHEODUR SiC-Megaplan, Estrich Carl | Sitzmöbel: Pozzoli Stühle, Schreinerei Bloß | Tische: Pozzoli | Theke: Schreinerei Bloß, Gastrotechnik Troiber | Beleuchtung: Xion Licht, Euroled | Küchenausstattung/Kühltechnik: Gastrotechnik Troiber | Lüftungstechnik: Ingenieurbüro Breyer | Sanitäranlagen: Ingenieurbüro Breyer, Burkhardt GmbH

Raum in Bewegung

Die Anforderungen waren durchaus anspruchsvoll: Eine ehemalige Bankfiliale – ein konisch zulaufender, länglicher Raum, gut 4 Meter hoch und rund 700 Quadratmeter Fläche. Für die Erdgeschosszone eines Hotelgebäudes in der Nürnberger Altstadt galt es, eine neue Nutzung zu finden. Die Antwort darauf fand die Gastronomin Yongqiao Wu: Im Juni 2020 eröffnete sie ihr Restaurant „Fuji Yama“.


Ein großzügig gestaltetes Restaurant mit Barbereich und Lounge, traditionelle japanische Gerichte mit kulinarischem Schwerpunkt auf Sushi, von klassischen bis zu ungewöhnlichen Kreationen – so das Konzept der Gastronomin. Für dessen architektonische Umsetzung erschufen die Architekten von Bermüller + Niemeyer Architekturwerkstatt ein einzigartiges Raumerlebnis gleich einer begehbaren Skulptur. Fuji. Die kartografischen Höhenlinien des Berges scheinen sich in alle Dimensionen aufzulösen. Über 2400 Fichtenholzlamellen ziehen sich im Wechsel mit Filzelementen durch den gesamten Raum. Sie sind mal Decke, mal Wand, fließend, auf dem Weg zum Boden als Sitzbänke Halt findend, Durchgänge bildend.

Vom Eingang an der Längsfassade des Gebäudes kommend verdichtet sich die wellenartige Struktur im rechten Bereich des Gastraums und schafft ruhigere Zonen. Im vorderen Bereich, allseitig von großflächigen Fensterformaten umgeben und so in einem stärkeren Bezug zum Außenraum, herrscht eine offene und lebendige Atmosphäre. Den Übergang zwischen den beiden Bereichen markiert eine in die Holzstruktur einbezogene Stütze, wie ein Stalaktit löst sie sich aus der Gestalt heraus und tropft zu Boden. Ihr gegenüber liegt die Theke, sämtliche Linien an der Decke scheinen hier zusammenzulaufen und Halt an der Wand zu finden, die mit ihren changierenden Farbtönen an den perlmuttartigen Schimmer von manchen Granitarten erinnert.

Die dunkel gehaltenen Wände, der schieferfarbene Estrich und die schwarzen Möbel betonen die Raumfigur der hellen Holzlamellen um so stärker. Das bewegte Bild im „Fuji Yama“ ergibt sich aus diesem kontrastreichen Farbspiel, nicht zuletzt aus der stimmigen Kombination mit den grauen filzähnlichen Lamellen – hergestellt aus recycelten PET-Flaschen leisten sie einen hohen Beitrag zum nachhaltigen Design des Ortes.

Je nach Tageszeit und Lichteinfall entwickelt die wellenförmige Struktur im Raum unterschiedliche Atmosphären. Und gerade in den Abendstunden, wenn die LED-Leuchten zwischen den Lamellen stärker zu Geltung kommen, zeigt sich das Restaurant von einer anderen Seite. Das Holz beginnt förmlich zu leuchten und greift golden in den Raum hinein.

„Holzelemente und Akustikobjekte entwickeln sich gemeinsam zu einer fließenden Raumfigur, die sowohl haptisch durch die Lamellen als auch visuell und akustisch durch die Filzlamellen erlebbar wird.“

SOPHIE BERMÜLLER UND MATTHIAS NIEMEYER, BERMÜLLER + NIEMEYER ARCHITEKTURWERKSTATT



Sophie Bermüller, Matthias Niemeyer (Bermüller + Niemeyer Architekturwerkstatt); Yongqiao Wu (Fuji Yama)

PROJEKTDETAILS

INNENARCHITEKTUR

Bermüller + Niemeyer Architekturwerkstatt, Nürnberg

GASTRONOMIE

Fuji Yama

FERTIGSTELLUNG

Dezember 2019

GESAMTFLÄCHE

779 m2

GASTRAUM

348 m2

ARBEITSFLÄCHE

115 m2

PERSONEN IM SERVICE

9

ANZAHL SITZPLÄTZE

131

STANDORT

Dr.-Kurt-Schumacher-Str. 1

90402 Nürnberg (D)

www.fujiyama-nuernberg.de

Blau Stuttgart


1. Preis Bar

LAUDATIO VON

HOLGER ZWINK

Die Idee, sich der raumgestaltenden und raumbildenden Qualitäten von Farbe bei der Konzeption einer Bar zu bedienen, ist hier gelungen umgesetzt worden. Der Ort bekommt durch die monochromen, von Hellgrau über verschiedene Blautöne bis beinah ins Schwarze changierenden Farbflächen an den Wänden sowie die haptisch und akustisch wirksamen Textilien vor Durchgängen und Fenstern eine romantisch-surreale Anmutung. Pate stand nach Aussage der Gestalter die Bildsprache des Malers Caspar David Friedrich.

Wie unter einem Himmelszelt sollen die Gäste sich fühlen. Dazu trägt auch das ausgeklügelte Beleuchtungskonzept bei. Die Sessel und Bänke aus hellem Leder bieten kräftige Kontraste, und die schimmernden Messingtore strukturieren den Raum und unterstreichen den geheimnisvollen Charakter der Location. Der Alltag bleibt draußen, und es tritt ein, was die Betreiber und Gestalter im Sinn hatten, als sie sich die „Bar Blau“ ausgedacht haben: Hier treffen sich alle, die bereit sind, in die sich ankündigende Nacht abzutauchen.


Alles blau. Ein kleines blaues Häuschen, sich an eine der Gründerzeitenbauten anlehnend, mitten in Stuttgart an einer der befahrensten Straßen. Öffnet man aber die ebenfalls blau gestrichene Türe, so eröffnet sich dem Gast bereits im Vorraum eine scheinbar surreale Bilderwelt.


1

Der mit Messing verkleidete Thekenbereich leuchtet dank des Komplementärkontrastes zu dem in dunklem Blau gehaltenen Barraum um so stärker.


2

Die cognacfarbenen Sitzmöbel unterbrechen und ergänzen gleichermaßen die Überschneidungen und Tiefenstaffelungen im Raum.


1

Der Loungebereich als der Hauptraum der Bar ist durch freistehende Messingrahmen gegliedert. Ein zentraler lederner Sitzpouf definiert dabei die Laufwege. Die höheren Couchtische an den Sitzgruppen sollen dem gastronomischen Konzept der Bar gerecht werden: Der Schwerpunkt liegt auf Longdrinks, Cocktails und Wein, die durch ein Angebot an Tapas und Fingerfood ergänzt werden.


2

Durch die verspiegelten Flächen in der Thekenrückwand und der gegenüberliegenden Wand scheint sich die Bar als kleiner Nebenraum ins Unendliche fortzusetzen.

3

Den Wechsel zwischen den Räumen nehmen die Gäste vor allem haptisch wahr. Vom Boden her kommend wird der Teppich an der Wand weitergeführt und schließlich an der Decke zu einem akustisch wirksamen Element.


4

Der tiefgrüne und raumhohe Samtvorhang des Eingangs wird im Raum durch graublaue Stofffahnen wieder aufgegriffen. Als weitere Farbflächen wirken sie nicht nur im Gesamtbild, sondern halten auch das Lichtermeer der Stadt davon ab, Zeit und Raum in die Bar zu bringen.

Wandgestaltung: Caparol Farben, Lacke Bautenschutz GmbH | Bodenbeläge: Object Carpet, Anker Gebr. Schoeller Teppich, A + S Heimtextilien Kokosmatte | Textilien: Jab Anstoetz Vorhänge, Delius Vorhänge, Object Carpet Wandteppich | Sitzmöbel: Wiener Werkstätte | Tische/Theke: Schreinerei Schickler mit Firma Karl Körner | Beleuchtung: lambert&fils, Modular Lighting Instruments Médard | Gedeck/Geschirr: RAK Porzellan | Küchenausstattung/Kühltechnik/Spültechnik/Lüftungstechnik: Die GastroMacher | Sanitäranlagen: Villeroy & Boch | Kassensystem: TouchPOS GmbH

Eintauchen in die Stille

Blautöne überlagern sich in Flächen, von Tiefblau zu dezentem Lichtgrau lösen sie den Raum auf, verändern die Perspektive und spielen mit der Wahrnehmung. Ein surrealer Ort inmitten urbaner Realität. Ein Ort ohne Bezüge zum Umfeld. Ein Raum als gebaute Stimmung, zeitlos und ruhig, zum Abschalten und Ankommen. Ein Rückzugsort zu sich selbst.


Seit einigen Jahren sind Yilmaz und Belgin Yogurtcu mit ihrer hochfrequentierten „Metzgerei“ an der Schwabstraße hier im Stuttgarter Westen präsent. Nur ein paar Häuserblocks weiter haben sie im Herbst 2019 im ehemaligen „Urban“ eine gänzlich andere Realität geschaffen: Einen dimensionslosen Raum, der den Gast in eine zeitlose Welt entführt. Eine Bar, die zum „loungigen Verweilen“ einlädt, um bei warmen Tapas und Fingerfood als Ergänzung zu Cocktails und Wein den Alltag hinter sich zu lassen und in die sich ankündigende Nacht abzutauchen.

Die Architekten und Innenarchitekten von SOMAA waren auch bei diesem Projekt wieder Partner der Yogurtcus. Für deren beinahe philosophischen Ansatz sahen sie die gestalterische Antwort in den raumbildenden Qualitäten von Farbe, gerade auch in deren Umkehrung. Lassen sich Kubaturen durch grafische Durcharbeitung negieren? Kann auf diese Weise dimensionsloser Raum entstehen? Inspiriert von Caspar David Friedrich, von der Tiefe, die die Landschaftsmaler der Romantik durch das Spiel mit Farbe geschaffen haben, ist ihnen ein außergewöhnlicher Raum gelungen, der mit der Wahrnehmung des Betrachters spielt.

Vom Eingang kommend, einen tiefgrünen Samtvorhang durchschreitend, eröffnet sich dem Gast die surreale Welt im Loungebereich unmittelbar. Filigrane Messingrahmen stehen frei im Raum, gliedern ihn und lassen eine Tiefenstaffelung im Bildaufbau entstehen. Im Zusammenspiel mit den Farben der monochromen, geometrischen Wandflächen und den Spiegelflächen entsteht die gewünschte Irritation. Eine reduzierte Materialwahl – Leder, Messing, Holz sowie haptische und akustisch wirksame Textilien – lassen dem Spiel der Farbwirkung den nötigen Raum.

Nach rechts gelangt man in den Barbereich, die Vielzahl an Einzelbildern des Hauptraums komprimiert sich hier zu einem großen Ganzen. Während hinter der Bar die Farbe Gold dominiert, bestimmt ein tiefes Blau den Bereich davor. Je nach Blickwinkel spielen die großen Spiegelflächen mit den unwirklichen Bildern des Hauptraums. Ein Bühnenbild für eine noch ungeschriebene Geschichte, während vor den Fenstern die Nacht über die Stadt hereinbricht.

„Die Referenzlosigkeit eines Raums, abstrakt in seiner Wirkung. Ein stimmiger Dreiklang aus der Dreidimensionalität des gegebenen Raums, der Zweidimensionalität der grafischen Flächen und der funktional geprägten Parameter.“

TOBIAS BOCHMANN UND HADI A. TANDAWARDAJA, SOMAA



Hadi A. Tandawardaja und Tobias Bochmann

PROJEKTDETAILS

INNENARCHITEKTUR

Somaa, Stuttgart

GASTRONOMIE

BLAU

FERTIGSTELLUNG

Oktober 2019

GESAMTFLÄCHE

90 m2

GASTRAUM

51 m2

ARBEITSFLÄCHE

25 m2

PERSONEN IM SERVICE

4

ANZAHL SITZPLÄTZE

36

STANDORT

Breitscheidstraße 133

70176 Stuttgart (D)

www.blau-stuttgart.de

Tankturm Gastwirtschaft Heidelberg


1. Preis Café & Bistro

LAUDATIO VON

HOLGER ZWINK

Der „Tankturm“ in Heidelberg ist ein Projekt von Architekten. Deren konsequente Handschrift zieht sich durch den denkmalgeschützten einstigen Bahnwasserturm. Das weithin sichtbare Industriedenkmal wird multifunktional genutzt: Es dient als Arbeitsort für die Architektengemeinschaft, als Räumlichkeit für Tagungen, Events und Feiern sowie nicht zuletzt als Location zum Essen, Trinken und Feiern. Beeindruckend ist die Großzügigkeit und puristische Gestaltung des 4 Meter hohen Gastraums in der ehemaligen Ladestation. Verschiedene Niveaus gliedern den Raum und geben überraschende Blicke frei. Außerdem sehr attraktiv: der überglaste Innenhof und der weitläufige Außenbereich. Passend zum authentischen Industriecharme des Objekts ist auch das gastronomische Angebot, das nachhaltig, bio und regional ist. „Kulinarische Kantine“ nennen die Macher das. Sie ist montags bis freitags zum Mittagessen offen für alle, die im „Tankturm“ arbeiten und an Seminaren und Workshops teilnehmen. Sowie für externe Gäste, die ihre Mittagspause nutzen möchten, um sich an Leib und Seele zu stärken. „Begegnungen und Inspiration inklusive“, verspricht das „Tankturm“-Team.


Unmittelbar an den Bahngleisen öffnet sich die ehemalige Werksanlage der Bahn mit ihrem Wahrzeichen, dem Wasserturm, dem neuen Quartier und seinen Besuchern.


1

Im Turm befindet sich auf den unterschiedlichen Ebenen ein vielseitiges Raumangebot. Mit einem Steg durch die sogenannte „Kathedrale“ im dritten Obergeschoss wird der Raum in allen Dimensionen erlebbar.


2

Im 10 Meter hohen zylinderförmigen ehemaligen Tank erzählen die Kupfer-, Grau- und Blautöne der Patina an den Wänden von der jahrzehntelangen Wasserlagerung im Betonzylinder.


3

Im Untergeschoss des „Tankturms“ begrüßt die „Ladestation“ ihre Gäste zum gemeinsamen Mittagstisch und kreativem Austausch.

1

Unprätentiös und dafür um so mehr „lebensgemäß und echt“ präsentiert sich der Gastraum. Durch die Steckbeinpodestkonstruktion von Bütec für die Tische bleibt die Nutzung des Raums flexibel, die Bestuhlung wechselt je nach Anlass des Events zwischen Dry Stühlen, High Nest Sofa und Chair sowie den Eames Plastic Arm Chairs.

2

In direkter Nähe der Bahntrasse bleibt die ursprüngliche Funktion des Ortes spürbar, zu jeder Jahreszeit.



3+4

Die vielfältigen Aufenthalts- und Raumqualitäten, die im Inneren durch die Zonierung in Schauküche, Galeriesituation, Nische und überglasten Innenhof entstehen, werden im Außenbereich über die großzügige Terrasse fortgeführt.

Sitzmöbel: Randers + Radius Dry, +Halle High Nest Sofa/Chair, Vitra Eames Plastic Arm Chair | Tische/Theke: Bütec Steckbeinpodest | Beleuchtung: SLV | Gedeck/Geschirr: Schönwald Geschirr, Schott Zwiesel Gläser | Küchenausstattung: MKN Konvektomat, Miele Backofen/Dialoggarer/Dampfgarer/Herd | Kühltechnik: Miele Weinkühlschrank | Spültechnik: Miele | Sanitäranlagen: Geberit Renova Plan Waschbecken, Hansa Nova Armaturen, Hansa Wandmontage

Kulinarische Kantine

Heidelberg. Wissenschaftler, Dichter und Denker. Der Blick vom Philosophenweg auf die andere Seite des Neckars, auf die historische Altstadt am Fuße des Schlossbergs. In den engen Gassen auf den Spuren der Romantik. Die älteste Universitätsstadt Deutschlands kann aber auch anders! Denn flussabwärts hat die Industrialisierung ihre Spuren hinterlassen. Und so erhebt sich der ehemalige Bahnwasserturm als Industriedenkmal zwischen den Bahngleisen – der „TANKTURM“.

30 Meter ragt er zwischen den Gleisen in die Höhe, der quadratische Wasserturm mit seinem Zeltdach, wenige Kilometer westlich vor Heidelbergs Hauptbahnhof. Mit seinen zwei Seitenflügeln für Werkstätten entstand das Bauwerk in den Zwanzigerjahren als Betonkonstruktion mit Ziegelfassade. Nachdem hier bis 1972 Dampflokomotiven mit Wasser betankt wurden – 333 Kubikmeter Speicherkapazität in den oberen Geschossen bei 27 Meter Wasserspiegelhöhe – legte man das Gebäude in den Achtzigerjahren still und stellte es unter Denkmalschutz. Rund zehn Jahre hatten die Architekten Stefan Loebner, Armin Schäfer und Stephan Weber von ihrem damaligen Büro aus den Turm im Blick. 2014 schließlich kauften sie das Bauwerk, um das Industriedenkmal in ein Kultur- und Veranstaltungszentrum zu verwandeln.

Mit sensiblen Eingriffen in die Substanz konnten die Architekten die markante Kubatur und die Außenhülle nahezu unberührt lassen. Neben ihren eigenen Büroräumen im Ostflügel beherbergt das Gebäude nun Proberäume sowie anmietbare Seminar- und Veranstaltungsräume.

Wo einst Eisen lagerte und die Trafostation untergebracht war, verbirgt sich ein kleines Juwel: Über Mittag lädt der „TANKTURM“ in seine kulinarische Kantine, die „Ladestation“. Denn gemeinsam zu essen halten die Eigentümer „für eine zentrale Kultur- und Sozialbefähigung, die es zu pflegen gilt“. So sind Nutzer des Gebäudes wie auch Gäste aus der Umgebung willkommen, sich nicht nur an den Kreationen des Küchenchefs Jens Hoehne zu stärken, sondern auch durch Austausch und gegenseitige Inspiration hier im Untergeschoss.

Von der Galerie mit der Küchenstation gelangt man über wenige Stufen hinab in den fast 4 Meter hohen Gastraum. Dieser überzeugt durch seine warme und besondere Atmosphäre, die die historischen Stampfbetonwände mit ihrer Materialität und Farbigkeit schaffen. Wenige, in dunklem Ton gehaltene konstruktive und technische Elemente stehen in ausgewogenem Kontrast zu den rauen Oberflächen der historischen Wände. Im Dialog mit den glatten Betonflächen des Lichthofs reagieren sie auf das einfallende Tageslicht und die Stimmung hier zwischen den Gleisen.

„Gemeinsames Essen und Machen ist eine zentrale Kultur- und Sozialbefähigung, die es zu pflegen gilt. Mit seinem multifunktionalen und unkonventionellen Konzept bietet der ‚Tankturm‘ dafür einen zeitgemäßen und attraktiven Lebensort.“

ARMIN SCHÄFER + STEFAN LOEBNER + SEPHAN WEBER, AAG LOEBNERSCHÄFERWEBER



Armin Schäfer, Stefan Loebner, Stephan Weber

PROJEKTDETAILS

INNENARCHITEKTUR

AAg LoebnerSchäferWeber

Freie Architekten GmbH, Heidelberg

GASTRONOMIE

TANKTURM Gastwirtschaft

FERTIGSTELLUNG

Dezember 2015

GESAMTFLÄCHE

960 m2

GASTRAUM

63 m2

ARBEITSFLÄCHE

40 m2

PERSONEN IM SERVICE

1

ANZAHL SITZPLÄTZE

50

STANDORT

Eppelheimer Str. 46

69115 Heidelberg (D)

www.tankturm.de/gastwirtschaft/

Die Auszeichnungen

Gül Restoran Zürich


Auszeichnung Restaurant

LAUDATIO VON

ANNE PETERSEN

Die Idee von „Ferien in der eigenen Stadt“ ist immer charmant, auch wenn sie in den Monaten der Corona-Krise eine ganz neue Bedeutung bekommen hat. Das „Gül Restoran“ ist eine Oase mitten in Zürich. Versteckt in einem Hinterhof bietet es seinen Gästen eine kleine Reise in die Heimat seiner türkischstämmigen Betreiberin Elif Oskan. Und genau das war auch die Aufgabe für Architektin Deborah Suter und Interior-Designer David Suter. Wie viel Spaß dieser Ausflug ins Morgenland den beiden Gestaltern gemacht haben muss, sieht man dem Ergebnis an. „Gül Restoran“ ist ein Restaurant, das – genau wie der gesamte Markenauftritt des „Güls“ – sehr viel Humor und Fröhlichkeit ausstrahlt. Im Zentrum des offenen, hellen Gastraumes steht der Holzkohlegrill Ocakbasi, traditionelle bunte Iznik-Fliesen mit wunderschönen Mustern zieren selbst die Küche. Dies ist genau die richtige Prise Folklore, die das Design des Restaurants brauchte. Gepaart mit der nüchternen Möblierung in Weiß, Grau und Mintgrün entstand ein absolut moderner, zeitgemäßer Ort. Die Gäste wissen sofort, wo die Reise hingeht, auch wenn sie tatsächlich nur endlich einmal wieder essen gehen möchten.


Getrocknete Auberginen und Paprika, von der Decke hängend, lassen die Gäste gedanklich auf die Gewürzmärkte Istanbuls reisen, während das Lichtspiel der Crystal Pendelleuchten des türkischen Herstellers Dr. Light an die funkelnden Lichter der Stadt erinnert.

1

Die von den Architekten entworfenen Holzbänke bilden als Verkleidung der Säulen auch Sitzinseln im Raum.


2

Der warme Kupferton im Küchenbereich zusammen mit dem zarten Mintgrün der Theke geben den farbenfrohen Mustern der Iznik-Fliesen aus einer kleinen Manufaktur in Istanbul den angemessenen Raum zum Strahlen.


3

Einst als Pferdestallung für den „Tellhof“ gebaut, erinnern die großen Fensterfronten des heutigen Gastraums an die Nutzung des Hofgebäudes als Werkstatt im letzten Jahrhundert.


4

Von allen Plätzen im Gastraum aus lässt sich das lebhafte Treiben rund um den Ocakbasi-Holzkohlegrill in der Küche beobachten.

Wandgestaltung: Dold Wandfarbe | Textilien: ELITIS Private Vorhang | Sitzmöbel/Tische: Entwurf suter plus GmbH SIA, Ausführung Hee Swiss Design | Beleuchtung: Dr. Light Istanbul, Crystal Ceiling | Gedeck/Geschirr: Dkristal Vaso/Sella Pinta, Spiegelau Weingläser, Serax Teller/Schalen | Küchenausstattung: Holzofen und Kohlegrill geplant durch suter plus GmbH SIA, Alig Grossküchen AG Küche | Kühltechnik: Baumgartner Kühlanlagen AG Kühlzelle, Alig Grossküchen AG Kühlschubladen | Lüftungstechnik: Planung Grisoni Klima Lüftung GmbH, Ausführung Hauser & Schwerzmann Haustechnik AG | Sanitäranlagen: Laufen Compact WC, Villeroy & Boch O.Novo Waschbecken, Vola Armatur | Kassensystem: Lightspeed

Orientalische Gastfreundschaft

Intensiver Genuss und intensives Erleben: In unmittelbarer Nähe zur Langstrasse liegt in einem Zürcher Innenhof das „Gül Restoran“. Hier zelebriert Elif Oskan mit ihren Partnern Markus Stöckle und Valentin Diem authentische türkische Küche mit zeitgemäßem Twist. In einem einzigartigen Ambiente, das Ost und West genauso verbindet wie Tradition und Moderne.


Ohne Feuer geht es nicht! Das bestimmende Element der türkischen Küche steht auch im Mittelpunkt des „Gül Restoran“ – als Herz des gastronomischen Konzepts und als zentraler Bezugspunkt im Raum. Die türkischstämmige Betreiberin Elif Oskan hat schon lange von einem Ort geträumt mit der vibrierenden Atmosphäre vor dem in ihrer Heimat typischen Holzkohlegrill Ocakbasi. Ein Ort, an dem man sich zum unkomplizierten Essen versammelt und an dem alle Menschen gleich sind.

Architektin Deborah Suter und Interior Designer David Suter machten diesen Traum zu ihrer eigenen Herzensangelegenheit und begegneten der großen baulichen Herausforderung mit einer ebenso individuellen wie intelligenten Lösung. Eine große, von den Gestaltern entworfene und gefertigte Ablufthaube aus Kupfer – eine Interpretation der Ocakbasi-Deckel – umfasst die offene Küche mit ihren holzgefeuerten Kochstellen. Von jedem Platz im Restaurant aus ist das lebhafte Treiben in der Küche einsehbar. In jedem Moment spürt, riecht und erlebt man die Zubereitung der facettenreichen orientalischen Speisen mit all ihren Aromen. Traditionelle Iznik-Fliesen mit komplexen Mustern und reichen Farben lenken den Blick zusätzlich auf den Bereich rund um Tresen und Küche und zieren sogar die Wand direkt über Ofen und Grill. Üppige Sträuße getrockneter Auberginen, Tomaten und anderer Gemüse verstärken den Eindruck einer sinnlichen Reise ins Morgenland.

Doch im „Gül Restoran“ trifft nicht nur der Orient kulinarisch auf den Okzident. Die traditionellen Elemente der Einrichtung werden kontrastiert von der sachlichen Anmutung der schlichten weißen Holzstühle, maßgefertigten eckigen Tische und Sitzbänke aus Holz, die auf dem geschliffenen Hartbetonboden angeordnet sind. Weiß, Grau und zartes Mintgrün sind die bestimmenden Farbnuancen in dem großzügigen Gastraum, der 90 Personen Platz bietet und sich im Sommer um den begrünten Teegarten im Hof erweitert. Das „Gül Restoran“ entführt seine Gäste in die faszinierende kulinarische Tradition der Türkei. Und steht doch ganz im Hier und Jetzt.



Die Geschwister Deborah Suter-Diem und David Suter

PROJEKTDETAILS

INNENARCHITEKTUR

suter plus GmbH SIA, Zürich

GASTRONOMIE

Gül Restoran

FERTIGSTELLUNG

Januar 2019

GESAMTFLÄCHE

250 m2

GASTRAUM

112 m2

ARBEITSFLÄCHE

51 m2

PERSONEN IM SERVICE

22 Service, Küche und Geschäftsleitung

ANZAHL SITZPLÄTZE

90 innen, 70 außen

STANDORT

Tellstrasse 22

8004 Zürich (CH)

www.guel.ch

Decantei Brixen


Auszeichnung Restaurant

LAUDATIO VON

ANNE PETERSEN

Die Eingangstür aus Messing wirkt wie ein glänzendes Versprechen, das gehalten wird. Es ist die große Harmonie, mit der dieses Objekt sofort überzeugt. Wärme, Ausgeglichenheit und Eleganz – pedevilla architects aus Bruneck ist mit der „Decantei“ in Brixen mit leichter Hand ein Meisterstück gelungen: Ein zeitgenössisches Wirtshaus, reduziert, fast spartanisch, schlicht in Beige- und Grautönen gehalten, konzentriert sich hier aufs Wesentliche – ja, es soll nur ein Wirtshaus sein – aber ist doch viel mehr. In diesen Räumen, deren Ursprung auf das 13. Jahrhundert zurückgeht, wurde die mönchische Stimmung der alten Dechantei gekonnt aufgenommen, man hat den würdevollen Bischof vor Augen, der durch die verwinkelten Stuben schreitet. Von Südtiroler Stuben inspiriert, verbinden pedevilla architects Zeitgeist mit Tradition. Bodenbeläge aus heimischem Lärchenholz, die maßgefertigten Sitzmöbel und -tische, händisch geglätteter Kalkfeinputz, die handgeschmiedeten Türbeschläge und insbesondere die Messingleuchten in Trompetenform über den Tischen erzeugen eine zauberhafte Stimmung, eine warme vertraute Atmosphäre. Hier ist ein Doppelbild gelungen, ein Ort, der zugleich unerhört neu und zeitgemäß ist, aber auch auf die Tradition verweist, der in der Region und in der Geschichte verwurzelt ist. Ein Ort, der uns daran erinnert, dass viele Sehnsüchte der Menschen über Jahrhunderte gleich bleiben: der Wunsch nach Begegnung und Geselligkeit und der nach einem frisch gezapften Bier.

In einem speziellen Verfahren gepresst und händisch nachbearbeitet, sind die charakteristischen Messingleuchten der „Decantei“ mit ihrer Trompetenform nicht nur eine Reminiszenz an die ehemals klerikale Nutzung. Ihre besondere Form ermöglicht ein direktes, aber blendfreies Licht auf den Tischen.


1

Für den Unterputz der Wände wurde reiner Luftkalk aus Marmormehlen und aus sortierten Flusssanden gebrannt. Der dunkle Farbton des darauf aufgebrachten und händisch geglätteten Kalkfeinputzes basiert ebenfalls auf verschiedenen Marmormehlen und Siliziumsanden.



2+3

Hinter den handgeschmiedeten Eingangstüren erwartet die Gäste traditionelle und zugleich zeitgenössische Wirtshausküche mit hohem Qualitätsanspruch. Dazu trinkt man Bier – sowohl im Aperitif, als auch im Cocktail. Acht Schank- und zwölf Flaschenbiere bieten der Wirt Wilhelm „Willy“ Zelger und seine Tochter Petra Zelger den Gästen.


4

Fernab vom lebhaften Treiben in Brixens Altstadt: der mittelalterliche Schattenhof mit Tischen und Stühlen von Fermob.

Sitzmöbel: Fermob Montmartre/Surprising | Gedeck/Geschirr: WMF Gedeck, Rose & Tulipani/Bauscher Geschirr | Küchenausstattung: Weisser Herdkombination, Lainox Dämpfer, Panasonic Mikrowelle, Inox OR Theke, Rotor/KitchenAid/PacoJet/Sirman/Manconi Kleingeräte | Kühltechnik: Criocabin Kühlzelle, Cold Line Kühltische, Liebherr (Tief)Kühlschrank, Eurocave Weinschränke | Spültechnik: Winterhalter | Lüftungstechnik: Climet | Sanitäranlagen: Flaminia Keramik, FSB Türdrücker | Kassensystem: ICIT

Eintauchen in die Geschichte

Mitten in Brixens Altstadt, zwischen barockem Dom und Priesterseminar versteckt gelegen, befindet sich die ehemalige Dechantei, wo sich einst das Leben der Brixner Domherren abspielte. Mit dem neuen Wirtshaus „Decantei“ soll ein kleines Stück der Geschichte weiterleben. Nur sind es nicht mehr die hohen Herren, die hier Bier und herzhafte Speisen genießen, sondern jeder ist willkommen.


„Einfach nur ein Wirtshaus, ohne Schnickschnack“ sollte es werden, ein Gasthaus, in dem sich der Alltag vergessen lässt. Das war die Idee des Besitzers der Alten Dechantei. Geselligkeit, Bodenständigkeit und Leidenschaft zu verkörpern, dabei die Tradition der Südtiroler Stuben mit dem Zeitgeist zu verbinden, das war die Aufgabe an pedevilla architects aus Bruneck.

Zur Straße hin ließen die Architekten die Fassaden der „Decantei“ nahezu unverändert. Lediglich die ausgetauschten Fenster- und Türelemente machen auf das Neue aufmerksam. Öffnet man diese, so wird man eingenommen von der Magie der alten Gemäuer, deren bauliche Anfänge bis in das 13. Jahrhundert zurückreichen und die sich mit den modernen Akzenten zu einer außergewöhnlichen Atmosphäre verweben. Um dies zu erzielen, gaben die Architekten dem Gebäude zunächst seinen ursprünglichen Charakter zurück. Eingebaute Räume und Oberflächen der letzten Jahre wurden zurückgebaut, historisch wertvolle Elemente erhalten oder wiederhergestellt, bereits vorhandene und zugemauerte Öffnungen im Sinne des Denkmalschutzes freigelegt. Die Geschichte soll für die Gäste von heute wieder erlebbar werden.

Im Inneren ist die „Decantei“ der historischen Struktur entsprechend in kleine Räume gegliedert. Von der Straße kommend betritt man die Bar, im hinteren Teil des Raumes liegt der Durchgang zu den aufeinanderfolgenden Gaststuben, die durch Abtrennungen und unterschiedliche Deckenstrukturen einzelne Bereiche bilden. Eine umlaufende Wandtäfelung in allen Räumen fasst die Zeitschichten optisch zusammen. Um die komplexe Altersstruktur des historischen Gebäudes für den Gast erlebbar zu machen, weisen Jahreszahlen aus Messing auf diese Zeitschichten hin. Von der Bar und von den Stuben aus setzt sich die Raumfolge nach außen fort: Der mittelalterliche Schattenhof auf der einen und der Sonnengarten auf der anderen Seite runden das Ensemble ab. Materialien und Oberflächen verbinden alles, aufs äußerste reduziert schaffen sie ein einzigartiges Ambiente und lassen die Tradition wiederaufleben. Heimisches Lärchenholz, händisch geglätteter Kalkfeinputz und handgefertigte Elemente aus Messing – Ausdruck lokaler Handwerkskunst.


Armin Pedevilla, Alexander Pedevilla

PROJEKTDETAILS

INNENARCHITEKTUR

pedevilla architects, Bruneck/Südtirol

GASTRONOMIE

Decantei - Das Wirtshaus

FERTIGSTELLUNG

Mai 2019

GESAMTFLÄCHE

800 m2

GASTRAUM

431 m2

ARBEITSFLÄCHE

165 m2

PERSONEN IM SERVICE

1 Empfang + 2 Bartender + 7 Kellner

ANZAHL SITZPLÄTZE

90 innen, 120 außen

STANDORT

Hartwiggasse 5

39042 Brixen, Südtirol (I)

www.decantei.it

Lokschuppen Köln


Auszeichnung Restaurant

LAUDATIO VON

VERONIKA KAMMERER

Man kann gar nicht anders, als sich auf den ersten Blick in die spannungsvolle Atmosphäre dieses romantischen Industrielokals zu verlieben. Mit großer Eleganz setzt die Architektin Martha Chen Nunes den wertvollen baulichen Bestand dieser Werkshalle in Szene und arrangiert dazu perfekt abgestimmte Elemente. Der Raum bleibt in seiner ganzen Schönheit erlebbar und wird von stilvollem Mobiliar in warmer Materialität und Farbigkeit komplettiert. Das große Pfauenornament am Ende des Raums spiegelt sowohl das Konzept der Architektur als auch das der Gastronomie wider. Julia Komp, Deutschlands jüngste Sterneköchin, verwöhnt ihre Gäste mit einem kontrastreichen Mix aus exotisch-orientalischer und bodenständiger Küche, während das innenarchitektonische Gestaltungskonzept die Gegensätze von industrieller Lässigkeit und sinnlicher Eleganz zelebriert.

Dass das wundervolle und rundum gelungene Restaurant „Lokschuppen“ im August 2020 in Betrieb gehen konnte, gleicht beinahe der Lösung des Gordischen Knotens. Sollte die wunderschöne Industriehalle anfangs nur für ein Interimsgastspiel der Sterneköchin genutzt werden, wandelte sich der „Lokschuppen“ schließlich zur finalen Location. Ständige Umplanungen und Änderungen forderten der Architektin großen Einsatz, viel Idealismus und Geduld ab. Erschwerend kamen noch eine extrem kurze Planungs- und Bauzeit, das sehr sportliche Budget und zu guter Letzt der Corona-Lockdown hinzu, der die beiden Frauen sehr viel Energie kostete. Aber all diese Hürden konnten das Duo nicht stoppen, und seit diesem Sommer genießen die Gäste des „Lokschuppen“ die stimmungsvolle Atmosphäre dieses in jeder Hinsicht geglückten Restaurants in vollen Zügen.


Angekommen in der Heimat. Nach einem Jahr Weltreise auf der Suche nach Geschmäckern und Aromen, begleitet der Blick auf den Kölner Dom nun Julia Komp und ihre Gäste in „Lindgens Lokschuppen“.

1

Mit kleinem Budget galt es, in einem alten Lokschuppen die Sterne zum Funkeln zu bringen. Überarbeitetes Mobiliar fügt sich zusammen mit Thonet- und Cooper Stühlen zu einem stimmigen Bild, Beleuchtung aus dem Bestand wird durch Lampenhighlights von Bolia ergänzt.


2

Auch im Außenbereich bleibt die alte Industriehalle erkennbar.


3

Die orientalischen Lampen an der Empfangs- und Loungetheke verraten den Gästen beim Eintritt, in welche Lieblingsländer von Julia Komp die kulinarische Reise gehen wird.


4

In den warmen Monaten bleibt das große Hallentor geöffnet, die Terrasse und der Innenraum verbinden sich zu einem Ganzen.

Wandgestaltung: Coordonné Edo gold Tapete | Sitzmöbel: Thonet 107 Stuhl, Eichholtz Cooper Dining Chair, Bolia Grace | Theke: CoolCompact, Hagola | Beleuchtung: Bolia Kire Pendelleuchten | Gedeck/Geschirr: RAK Geschirr, Mepra Inox Gedeck, Riedel Performance Glasware | Küchenausstattung: Vorwerk Thermomix, KitchenAid, MKN, Rational, Wessamat Eiswürfelmaschine, Heica Eismaschine | Kühltechnik: CoolCompact Getränke-/Gefrier-/Kühlschränke, Hagola Theken, Liebherr Weinkühlschränke, Viessmann Kühlhaus | Spültechnik: Meico | Lüftungstechnik: Wolf, Haas & Reuten | Kassensystem: Sam4s, NCR Orderman

Tausendundeine Nacht am Rhein

Als sie 2016 mit 27 Jahren ihren ersten Michelin-Stern erkochte, war Julia Komp die jüngste Sterneköchin Deutschlands. Drei Jahre später nahm sie sich die Zeit, noch mehr von der Welt und ihren Küchen kennenzulernen. Zurück in ihrem Heimathafen Köln entführt sie nun in „Lindgens Lokschuppen“ ihre Gäste in die Aromenwelten Chinas und Indiens, über Marokko und den Oman bis nach Brasilien.


Nach einem Jahr Reisen kehrte Julia Komp im Winter 2019 mit noch mehr Liebe für die asiatische und orientalische Kulinarik zurück, um sich mit einem eigenen Restaurant in Köln-Mülheim zu verwirklichen. Mit Komps Gespür für Aromen und mit dem Gespür für Atmosphäre der Architektin Martha Chen Nunes gelang es den beiden Frauen, die alte Industriehalle am Rhein in einen Ort zu verwandeln, an dem die Sterneköchin ihre Gäste mit kulinarischen Reiseberichten verzaubert. Herausforderungen gab es auf diesem Weg mehr als genug, eine alte Industriehalle in ein Sternerestaurant zu verwandeln, war dabei wohl die geringste.

Der ehemalige Lokschuppen präsentiert sich nun als ein großer Gastraum, wobei die Halle in ihrer Kubatur als Ganzes erlebbar bleibt. Auch die Materialität wurde, wo möglich, beibehalten: Rote Ziegelwände, das Holzdach und die konstruktiven Stahlelemente prägen den Raum. Ein horizontales Fensterband auf der einen, bodentiefe vertikale Industriefenster auf der anderen Seite rhythmisieren jeweils die beiden Längsseiten des Raumes. Die unterschiedlichen Tageszeiten und das Spiel mit dem Licht schaffen immer wieder andere Atmosphären.

An der Stirnseite befindet sich der Eingang in „Lindgens Lokschuppen“. Eine Lounge lädt hier zum Verweilen – mit Blick auf den Dom. An der gegenüberliegenden Wand wird die Liebe der Küchenchefin zum Orient zelebriert: Im Kontrast zum Industrielook verleiht der Goldton der Tapete dem Raum ein warmes Ambiente. Hier befindet sich auch die Theke, davor ein Eichentisch von über 3 Metern Länge als eine Art Chef’s Table – im Raum integriert als Zeichen, dass jeder daran teilhaben kann. Ein zweiter langer Tisch zoniert den Raum und schafft einen Gang zwischen dem Hauptraum und den Zweiertischen an dieser Seite der Halle.

Neben Gold sind es die Farben Oliv, Ocker, Kupfer und Braun, die als wiederkehrende Elemente im Raum aufblitzen. Weiche, warme Stoffe wie der Samt der Cooper-Stühle stehen den massiven Eichentischen und schwarzem Marmor gegenüber.

Und wenn die Sonne erst einmal untergegangen ist, erzählen die orientalischen Leuchten über der Lounge-Theke Geschichten aus einer anderen Welt …



Martha Chen Nunes

PROJEKTDETAILS

INNENARCHITEKTUR

Martha Chen Nunes, Köln

GASTRONOMIE

Lindgens Lokschuppen by Julia Komp

FERTIGSTELLUNG

August 2020

GESAMTFLÄCHE

350 m2

GASTRAUM

120 m2

ARBEITSFLÄCHE

120 m2

PERSONEN IM SERVICE

10

ANZAHL SITZPLÄTZE

62 innen

STANDORT

Hafenstraße 7

51063 Köln (D)

www.lindgens-gastronomie.de

Pulsuz fraqment bitdi.

Janr və etiketlər

Yaş həddi:
0+
Həcm:
440 səh. 435 illustrasiyalar
ISBN:
9783766725349
Naşir:
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
Yükləmə formatı:

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