Kitabı oxu: «Callgirl unterm Weihnachtsbaum»

Şrift:

CALLGIRL UNTERM WEIHNACHTSBAUM

IMPRESSUM

Nachdruck, Vervielfältigung und Veröffentlichung - auch auszugsweise - nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages!

Im Buch vorkommende Personen und Handlung dieser Geschichte sind frei erfunden und jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist zufällig und nicht beabsichtigt.

Copyright © 2021 dieser Ausgabe Obo e-Books Verlag,

alle Rechte vorbehalten.


M. Kluger

Fort Chambray

Apartment 20c

Gozo, Mgarr

GSM 2290

Covergestaltung: Art for your book

INHALT

1. Die schlimmsten zwei Wochen meines Lebens

2. Fuck!

3. Only You

4. Big big Love

5. Der arme Kerl

6. Aufheizen

7. Jacob verleiht Flügel

8. Schluss mit Reden

9. Schneemänner

10. Todespunsch

11. Hölzerne Einhörner

12. Tock Tock Tock

13. Eine richtige Frau

14. Hilfe, Einbrecher!

15. Exfreundinnen und kleine Monster

16. Der verschollene Bruder

17. Familienbande

18. Schlaf Jacob, schlaf

19. Schnee und anderes Gestöber

20. Auf dem Dach

21. Tauchstation

22. Gitarrenklänge

23. Offenbarungen

24. Schadensbegrenzung

25. Ruhe vor dem Sturm

26. Junge auf der Flucht

27. Ruhe nach dem Sturm

28. Die Frage

29. Zu- oder Absage?

30. Verantwortung

31. Weihnachten

Die „Plötzlich Callgirl“ Reihe

Über OBO e-Books

1

DIE SCHLIMMSTEN ZWEI WOCHEN MEINES LEBENS
EMMA

„Was willst du? Kannst du das bitte noch einmal wiederholen?“

Rory röhrte wie ein brünstiger Hirsch oder so. Auf alle Fälle klang er sehr gefährlich. Als ob er mich fressen wollte. Und so sah er auch aus.

„Urlaub“, wisperte ich.

„Urlaub? Nachdem du mich auf Knien angebettelt hast, dass ich deine Stunden auf Vollzeit aufstocke?“

Ich schloss kurz die Augen, um mich zu sammeln. Wenn ich mich weiterhin einschüchtern ließ, bekam ich den Urlaub nie.

„Ja, es geht um mein Leben. Ich brauche eine Woche“, sagte ich in normaler Lautstärke und raffte die Schultern, um nicht länger dazustehen wie ein Tier, das sich ergeben hatte.

Rory lachte. Aber das Lachen klang nicht lustig, sondern Angst einflößend.

„Nachdem du schon das ganze Wochenende ausgefallen bist?“, wetterte er.

Zwei zu null für meinen Boss.

„Ich arbeite doch nicht erst seit letzter Woche für dich, Rory, sondern seit fast zwei Jahren. Ich hatte noch nie Urlaub. Nicht mal, als ich meine Master-Arbeit schrieb. Sogar am Tag der Urteilsverkündung habe, äh, hätte ich gearbeitet”, sagte ich.

„Das stimmt“, gab Rory zu.

Ich schöpfte bereits Hoffnung, da er ja auch die Stirn runzelte und aussah, als würde er nachdenken, sich besinnen und nach einer Lösung für das Problem zu suchen. Ich gab es ja zu: Aus seiner Sicht war es ein Problem, dass ich nach dem Wochenende in der Bar auftauchte und anstatt zu arbeiten ab sofort Urlaub verlangte. Und auch noch ab sofort.

Ich schämte mich ja auch dafür. Einerseits. Andererseits war da Jacob, der mich in sein Ferienhäuschen eingeladen hatte. Eine Woche. Nur wir zwei beide. Für unsere Liebe. Wir brauchten diese Woche so dringend.

„Nein. Ich brauche dich hier“, sagte Rory und zählte weiter das Wechselgeld in der Kasse.

Ich fasste all meinen Mut zusammen und sagte verzweifelt: „Ist das dein letztes Wort, Rory?“

„Lois ist im Urlaub. Pam und Henrik sind krank. Wenn du jetzt durch diese Tür gehst, Emma, dann ist es für immer. Dann suche ich mir jemanden, auf den ich mich auch in Zeiten der Not verlassen kann.“


Ich war am Arsch. Ausgerechnet jetzt brauchte Rory mich rund um die Uhr.

„Jacob wird das verstehen. Rory hat dir doch angeboten, dass du in Urlaub kannst, sobald die anderen drei wieder in der Bar sind.“ Tina legte ihre Arme um meine Schultern.

Leider tröstete mich ihre Umarmung überhaupt nicht.

„Aber wann wird das sein? Einen ganzen Tag mit Jacob habe ich bereits verloren.“

„Wenn er dich wirklich liebt, wird er warten.”

Wie klang das denn jetzt wieder?

Wenn …

Genau das war es doch, was ich herausfinden musste. Ich musste wissen, ob er mich wirklich liebte. Ob da mehr war als pure Leidenschaft. Ich musste ganz einfach Zeit mit Jacob verbringen. Ich konnte doch jetzt nicht arbeiten.

Und auch noch in diesem Not-Job. Der ganze Schlamassel mit meinem miesen Examen begann auch schon wieder in meinen Eingeweiden zu rumoren. Die zweitbeste Note … Kein Job in der Wissenschaft … Überhaupt kein Job, für den mein Studium erforderlich war ...

„Kannst du für mich einspringen?“, flehte ich Tina verzweifelt an. „Jacob kann sich nur diese Woche loseisen. Danach muss er sich um die Kooperation mit Klotz Inc. kümmern. Das wird ihn voll beanspruchen. Er weiß nicht, wie lange.“

„Klotz Inc.?“

Ich stöhnte auf. Hatte Tina etwa schon wieder alles vergessen, was ich ihr über das vergangene Wochenende erzählt hatte?

„Der neue Kooperationspartner.“

„Ja, ja, ich weiß.“ Tina streichelte mein zukünftiges Patenkind, das in ihrem Bäuchlein heranwuchs. „Ich habe ein paar Aufträge, die wir dringend brauchen, um über die Runden zu kommen. Am Donnerstag und am Samstag kann ich für dich einspringen. Mehr ist leider nicht drin.“

Ich versteckte das Gesicht hinter meinen Händen. Jetzt fühlte ich mich so mies.

Nur weil ich mich mit Jacob vergnügen wollte, bettelte ich eine Schwangere an, mich in der Bar zu vertreten. Das war fahrlässig.

Wenn Tina in dem Gewühl angerempelt wurde, wenn ihr jemand einen Ellbogen in den Bauch rammte, wenn auch aus Versehen, wenn sie ausrutschte ...

„Ach, Tina. Vergiss alles, was ich gesagt habe. In der Bar ist der Teufel los. Du kannst da nicht arbeiten.“

Sie nickte langsam. „Was ist denn mit Ron?“

„Der ist schon im Einsatz.“

„Kann er vielleicht Doppelschichten machen?“

Das war die Idee! Mein bester Freund half mir bestimmt! Auf Ron konnte ich mich immer verlassen.

Ich hängte mich sofort ans Telefon. Wenn ich Glück hatte, kämpfte Rory nach der langen Nacht noch mit seinen enormen Einschlafschwierigkeiten. Ich würde ihm vorschlagen, dass Anita oder Tammy meine Schicht übernahm und Ron zusätzlich deren Schicht.

Ich hatte Glück! Rory wälzte sich noch mit der Schlafmaske im Bett.

„Du hast sie nicht alle, Emma!”, brüllte er mich an, nachdem er die Ohrstöpsel rausgenommen hatte. „Wir sind total unterbesetzt! Ron schiebt seit Wochen Doppelschichten. Du arbeitest seit gestern für zwei. Nur so als kleiner Hinweis, falls dir das noch nicht aufgefallen sein sollte! So wie übrigens alle, die nicht mit Grippe flachliegen. Anita hat sich vorhin auch noch krank gemeldet. Die Urlauber habe ich schon zurückgepfiffen. Und tauschen kann man da gar nichts mehr! Du bekommst keinen Urlaub! Basta!”

Oh nein! Was sollte ich denn jetzt tun? Glücklich verhungern? Oder meine wahrscheinlich ganz große Liebe sausen lassen?

2

FUCK!
JACOB

Nachdenklich schaute ich vom Fenster meines Büros auf den Buffalo River. Unser Urlaub war flachgefallen, weil Emma arbeiten musste. Ich stand kurz davor, ihr einen Job in meiner Firma anzubieten. Natürlich müsste ich eine neue Stelle für sie schaffen. Geld genug war da.

Warum zum Teufel tat ich es dann nicht? Zumal sie mir erzählt hatte, dass sie sich wie wild im ganzen Land bewarb. Sie hatte doch gerade erst ihr Studium abgeschlossen.

Ich konnte ihr zwar auch keine Arbeit als Mathematikerin bieten, doch etwas Besseres als Doppelschichten als Kellnerin in einer Bar waren immer drin.

Mir wurde ganz übel, wenn ich mir vorstellte, wie sie mit einem Tablett voller Bier zwischen sabbernden Börsenmaklern herum flitzte.

Hoffentlich trug sie wenigstens die dicke Brille und einen Rollkragenpullover. Und ein knöchellanges Schlabberkleid. Und Boots. Aber wahrscheinlich rannte sie da in einem kurzen schwarzen Röckchen und einem knappen weißen Blüschen umher.

Das konnte ich nicht länger zulassen. Vielleicht konnte sie Melanie mit der Buchhaltung helfen oder sie bei irgendwas anderem unterstützen. Meine Assistentin war wegen der Kooperation mit Klotz Inc. sowieso überlastet.

Ich kehrte dem Buffalo River den Rücken zu. Wenn Emma für mich arbeitete, würde sie als erstes Urlaub bekommen. Diese zehn Minuten dauernden Telefonate, bei denen sie mir zuliebe das Gähnen unterdrückte, waren mir zu wenig.


Gerade als ich meine Hand ausstreckte, um die Tür meines Büros zu öffnen und einen Job für Emma zu schaffen, flog sie auf.

„Gut, dass du nicht im Urlaub bist!“, stieß Melanie hervor. Hektische rote Flecken übersäten ihr Gesicht.

Meine Assistentin war sonst die Ruhe selbst. Wenn sie so aufgelöst war, dann Mahlzeit.

Etwas Schlimmes musste passiert sein. Schlimmer als der Tod von Melanies Oma. Da war ihre Gesichtsfarbe ganz normal gewesen.

„Was ist passiert?“, erkundigte ich mich.

Melanie schnappte nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen.

„Petersen ist am Apparat”, keuchte sie und wedelte vor lauter Nervosität mit den Armen.

„Petersen? Meinst du Ricky Peterson vom Buffalo Manager Magazine?“

Melanie sah aus, als würde sie gleich anfangen zu weinen. „Ja, genau. Was er zu sagen hat, klingt gar nicht gut.”

Ricky Peterson war der Chefredakteur vom Buffalo Manager Magazine und er war ein guter Freund von mir. Als meine Firma noch ganz am Anfang stand, war er der einzige, der bereit gewesen war, einen Bericht über mich zu bringen.

Seit ich auf dem Landmaschinenmarkt ganz oben mitmischte, revanchierte ich mich, wann immer es möglich war, mit einer Exklusiv-Reportage. So etwas verbindet.

Aber dass es gar nicht gut klang, was er zu sagen hatte, war die Untertreibung des Jahrhunderts.

„Wann hast du die Fotos bekommen, Ricky? Und von wem?“

Ich wandte den Blick von meinem Bildschirm ab. Es waren schöne Fotos. Zumindest der Teil, der Emma zeigte. Sie war unglaublich fotogen. Ob im Cocktailkleid beim Verspeisen eines Steaks, im knappen Röckchen beim Tennis, so gut wie nackt im Solebecken, im Gouvernantenkleid bei der Versteigerung - oder auf einem nächtlichen Hotelflur, kopfüber an mir hängend.

„Gestern Abend. Seitdem versuche ich, dich zu erreichen. Der Absender ist Secret Gossip, eine Presseagentur aus New York. Die verkaufen Klatsch und Tratsch an jeden, der dafür zahlt.“

„Hab das Telefon auf lautlos gestellt. Musste nachdenken.“

„Du solltest mindestens deine E-Mails regelmäßig checken.“

Allerdings! Ich Idiot! Jetzt hatte ich noch viel mehr nachzudenken. Mein Kopf rauchte bereits. Diese Fotos durften auf gar keinen Fall an die Öffentlichkeit. Kein Mensch würde ein Callgirl als Mathematikerin einstellen. Und die Kooperation mit dem frommen Klotz konnte ich auch vergessen.

„Die Schnappschüsse sind keine Fakes?“, riss Ricky mich aus den Gedanken.

„Schön wär’s“, murmelte ich. „Haben sie dir die Story exklusiv angeboten?“

„Bis vor einer Stunde war das Angebot noch exklusiv.“

„Fuck”, fluchte ich. „Für wieviel?“

„100.000.“

„Mehr bin ich denen nicht wert?“

„Ich hab den Preis nicht gemacht.“

Ich schnaufte. „Das Geld bekommst du von mir. Ruf die an und sag, dass du die Story kaufst. Exklusiv. Wenn sie Zicken machen, biete ihnen das Doppelte. Für dich springt natürlich dasselbe raus, wenn du die Story nicht bringst. Haben wir den Deal?“

„Sind wir Freunde oder nicht, Jacob?“

„O. k. Dann hoffen wir das Beste, dass noch keiner von den Goldgräbern zugeschlagen hat. Halt mich auf dem Laufenden.“

Stöhnend schaltete ich meine sämtlichen Kommunikationsmittel wieder scharf.

„Beschaff mir die Nummer von Rudy’s Bar und die Privatnummer von dem Besitzer”, wies ich Melanie an. „Und danach sieh zu, dass du ein halbes Dutzend heiße und versierte Aushilfskellnerinnen an Land ziehst, die so lange es nötig sein sollte, in einer New Yorker Bar eingesetzt werden können. Erstmal auf unsere Kosten.”

„Wird gemacht, Boss“, erwiderte Melanie voll motiviert.

Ich wählte die Nummer von Emma.

Da sie nicht abhob, weil sie um die Zeit immer ein paar Stunden schlief, rief ich ihre Freundin Tina an und sagte ihr, dass sie Emmas Koffer packen sollte. Als Vorsichtsmaßnahme würde ich meine geliebte Emma noch heute aus dem Schussfeld nehmen, für den Fall, dass Ricky zu spät kam. Und auch ein ganz klein wenig für mich.

3

ONLY YOU
EMMA

Liebe … Das waren die goldenen Sprenkel in Jacobs braunen Augen, die mir zuzwinkerten. Das war Jacobs leckerer Duft, der alles übertünchte. Er verdrängte den Geruch von Schnee und Eis, den das Puderzuckerfeld neben dem Highway verströmte, über den zurzeit ein Schneeräumkommando kroch. Selbst die Co2-Ausdünstungen der Auspuffe von der Blechlawine, die sich im Schritttempo an uns vorbei quälte, verschwanden hinter Jacobs wunderbarem, grandiosen, schmachtauslösendem Duft.

Liebe … Das war auch mein böses Händchen, das sich gerade auf Jacobs Knackarsch verirrte. Und das war Jacobs heißes Gesicht, das daraufhin über seine breiten Schultern zu mir sah. Und das alles war nur möglich, weil ich plötzlich doch noch Urlaub bekommen hatte. Aus heiterem Himmel. „Du kannst doch Urlaub haben”, hatte Rory am Telefon gesagt. „Hab Ersatz für dich gefunden. Viel Spaß!”

Manchmal war man eben einfach ein Glückspilz.

„Wenn du wüsstest, wie schön du bist“, sagte Jacob und fegte mit der Hand die kleine Schneelawine aus seinem Gesicht, die von seinem dichten, schwarzen Haarschopf gerutscht war.

Ich lächelte geschmeichelt.

„Du bist meine kleine Eisprinzessin.“

Kokett klimperte ich mit den Wimpern, an die sich tatsächlich ein paar Eiskristalle klammerten. Wir hatten minus fünf Grad, doch auf einer Südseepalmeninsel hätte mir nicht heißer sein können. Musste ich mich dafür schämen, dass ich diesen Mann so sehr begehrte?

Jacob hatte mich in New York abgeholt, obwohl es für ihn viel leichter gewesen wäre, wenn ich nach Buffalo geflogen wäre und er mich am Flughafen eingesammelt hätte. Doch er hatte befürchtet, dass wegen des angekündigten Schneetreibens Flüge ausfallen würden. Da war er auf Nummer Sicher gegangen und hatte mich höchstpersönlich abgeholt, wofür ich ihn noch mehr liebte.

Er wandte sich wieder dem Wagenheber zu. Schwungvoll zog er ihn unter dem Jeep hervor.

„Diese elektronischen Dinger versagen bei den geringsten Minusgraden.“ Lächelnd legte Jacob einen Arm um mich. Sein von der Kälte gerötetes Gesicht näherte sich langsam meinem und mir wurde ganz anders.

Ein Seufzer der Wonne glitt mit der Atemstange aus mir heraus, bevor sich unsere Lippen zu einem innigen Kuss trafen.

Wie ich diese Küsse liebte! Jacob brauchte seinen Mund nur in meine Nähe zu bringen und ich schmolz vor Verlangen dahin.

„Was für Neidhammel!“, schmunzelte er in meinen Mund hinein, als neben uns ein fröhliches Hupkonzert startete.

„Lass sie doch“, schmunzelte ich zurück.

Seit mehr als drei Stunden waren wir mit dem Auto unterwegs. Das hieß, seit einer halben Stunde pausierten wir wegen der Reifenpanne.

Davor war es nur langsam vorangegangen, was mir im Grunde entgegenkam, da ich Raserei verabscheute. Hauptsache, Jacob und ich waren zusammen.

Die Fahrerei hatte nur einen Nachteil: Bis auf Händchenhalten war wenig möglich. Da war es doch kein Wunder, dass ich mich so sehr nach einem Kuss sehnte.

Umso schöner war es, dass wir jetzt endlich ein wenig knutschen konnten.

Jacob begehrte mit seiner Zunge Einlass und ich ließ ihn gern zu mir. Zärtlich spielte er mit meiner Zungenspitze und ich erschauderte wonnig.

„Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf unseren Urlaub freue“, sagte er.

„Und ich erst. Sieben Tage nur wir zwei in deinem Ferienhäuschen“, gab ich zurück und intensivierte den Kuss.

„Die Nächte nicht zu vergessen“, grinste Jacob.

Mit einem dumpfen Ton landete der elektronische Wagenheber im Schnee. Ich erschrak kurz.

„Kümmere dich nicht um den. Werkzeug, das nur im Sommer arbeitet, kann mir gestohlen bleiben.“

Ein warmes Gefühl durchzog mich. Welche Lässigkeit Jacob doch auszeichnete. Er war durch nichts und niemanden aus der Ruhe zu bringen. Nein, das stimmte nicht ganz. Eine winzige Kleinigkeit brachte ihn in Aufruhr. Und diese Kleinigkeit war ich.

Ich konnte nicht widerstehen, meine rechte Hand aus Jacobs Nacken zu nehmen und sie zwischen uns zu schieben. Wie von selbst legte sie sich auf den pulsierenden Eiszapfen, der sich in meinen Bauch drückte.

Jacob stöhnte leise auf. Der Griff seiner Hände in meinem Rücken wurde stärker. Auch der Druck von dem Eiszapfen. Feuchtigkeit sammelte sich zwischen meinen Schenkeln. Ich wusste ja auch nicht, was mit mir los war. Es musste die Freude darüber sein, dass wir nach zwei Wochen, in denen wir nur telefoniert hatten, endlich eine ganze Woche zusammen sein konnten. Was machte es, wo wir die verbrachten? Mir war sogar der Standstreifen auf dem Highway recht.

Möglicherweise war es ratsamer, wenn wir auf die andere Seite des Wagens wechselten. Nur wegen des Hupkonzerts und der neugierigen Gesichter, die aus beschlagenen Autoscheiben zu uns guckten. Aber das war es auch schon. Die Leute waren verrückt. Die wischten sich Gucklöcher, um uns zuzuschauen.

Jacob hatte anscheinend denselben Gedanken. Mit einem Ruck hob er mich an und trug mich um den Jeep herum. Er drückte mich mit dem Rücken gegen den Wagen, umfasste meine Handgelenke und hob sie über meinen Kopf.

Es zwiebelte ein klein wenig, als Jacob seine Lippen von meinen löste, denn wir waren ein bisschen aneinander gefroren. Wir mussten beide lachen. Doch als Jacob seinen Mund über die zarte Haut meines Halses gleiten ließ, stöhnte ich vor Verlangen auf. Nur plötzlich öffnete er die Beifahrertür und setzte mich auf meinen beheizbaren Sitz.

Empört wollte ich wieder aussteigen. Oder Jacob, der sich zurückzog, zu mir in den Wagen zerren. Doch er lächelte so herzzerreißend zerknirscht, dass ich innehielt.

„Was ist?“, erkundigte ich mich besorgt.

„Keine Sorge, Eisprinzessin. Ich regele das.”

„Was denn?”

„Die Cops sind im Anmarsch.“


Jacob hatte alles geregelt und wir waren wieder auf vier intakten Reifen unterwegs. Die verstopfte Autobahn hatten wir schon vor Stunden hinter uns gelassen.

Träumerisch wanderte mein Blick über die winterweiße Landschaft. Eine dicke Schneeschicht lag über Feldern, Wiesen und Bäumen. Wobei ich schon längere Zeit nur noch vereinzelt Häuser sah, deren schneebedeckte Dächer aus dem Boden zu schauen schienen.

Nicht mehr lange und wir würden das Indianerreservat erreichen, wo Jacobs Ferienhäuschen stand. Und dann hieß es nur noch: Jacob und Emma. Emma und Jacob. Jacob und Emma …

Keine Manager, die mir auf den Arsch glotzten, wenn ich ihnen Drinks brachte. Keine Bewerbungen schreiben und dabei jedes Mal einen Blick auf meine miese Note werfen. Und auch keine Challenge und kein Ekel-Bailey. Nur wir beide, ganz allein.

Wir würden die Tage im Bett verbringen und die Nächte vor dem Kamin. Zwischendurch romantische Spaziergänge im Schnee. Danach heißen Kakao, den wir im Bett oder vor dem Kamin zu uns nahmen. Wir hatten viel Zeit, um uns richtig kennenzulernen.

„Ich fühle mich, als hätten wir Weihnachten. Und die Hilfe der Cops war unser Weihnachtsgeschenk.“ Glücklich seufzend zog ich die Beine an und umarmte sie. Bald würde Jacob mich umarmen. Allein der Gedanke machte mich ganz wuschig.

„Die Hilfe der Cops? So so. Ich dachte eigentlich, ich wäre dein Geschenk“, knurrte Jacob eifersüchtig.

Hingerissen betrachtete ich sein schönes Profil. „Das bist du ja auch. Du bist das wunderbarste Geschenk der Welt.“

„Nein, das bist du”, sagte er.

„Nein, du!“

„Nein, Emma, du bist mein schönstes Geschenk!“

„Na gut“, gab ich mich geschlagen, fügte aber doch noch hinzu: „Ohne den mechanischen Wagenheber der Cops säßen wir immer noch mit einem platten Reifen auf der Autobahn fest.“

Aber ich sagte es nur ganz leise, ohne jeglichen Vorwurf, und Jacob nickte zustimmend.

„Uns wäre schon eine Beschäftigung eingefallen“, grinste er und legte eine Hand besitzergreifend auf meinen Schenkel, was bei mir sofort eine Gänsehaut hervorrief.

Ich legte meine Hand auf seine und lächelte ihn glücklich an. Und er erwiderte mein Lächeln. Die goldenen Sprenkel in seinen Augen funkelten wie Sterne.

„Siehst du die große Tanne?“, fragte Jacob nach insgesamt sieben Stunden Fahrt.

Seelig lächelnd folgte ich seinem Fingerzeig. Ich spürte schon die Herzchen in meine Augen aufsteigen. Jacobs Heimat war ein Paradies für ein weihnachtsverrücktes Wesen wie mich. Ich wusste, es war albern, aber eine sentimentale Schwäche musste doch auch eine sonst logisch denkende Mathematikerin haben dürfen. Neben der Schwäche für Jacob natürlich.

„Die Bäume sind alle ziemlich groß.“

„Eine Tanne ist besonders groß. Und zwar die am Eingang des Reservats. Da ist sie. Schau mal nach rechts, Emma.“

„Oh. Wir sind da! Da ist ja auch der Laden, wo wir Brötchen gekauft haben. Und da hinten ist der Parkplatz, auf dem ich damals meinen Mietwagen abstellen musste!”

Ehrlich gesagt war ich ziemlich erleichtert, denn ich hatte nicht die ganze Fahrt über geglaubt, dass Jacob heute noch den Weg finden würde. Aber in diesem Jeep gab es sogar eine Standheizung. Und wenn wir irgendwo liegen geblieben wären … So what?

„Jetzt kommt der Endspurt. Jetzt visieren wir gemeinsam unser Ziel an.” Jacob sah zu mir.

Ich lächelte. „Tun wir das nicht sowieso?“

Jacobs Zähne waren blitzweiß, als er sie mir beim Lachen zeigte. „Und ob! Ich hab echt ein gutes Gefühl bei dir. Du bist so wunderbar entspannt. So sind nicht viele Frauen. Genau genommen habe ich noch keine erlebt, die so ist wie du. Und damit meine ich nicht deine Brille.“

„Die habe ich doch gar nicht auf“, protestierte ich lachend.

„Aber das weiß ich doch. Ich wollte es nur noch mal betonen. Hätte ich nur all deine positiven Eigenschaften aufzählen sollen?“

„Willst du damit sagen, dass meine Brille meine einzig negative Eigenschaft ist? Wobei eine Brille ja keine Eigenschaft sein kann ...“, wurde ich logisch.

„Ich liebe dich mit Brille. Mit und ohne“, sülzte er herum.

„Vor allem ohne Klamotten, was?“ Ich wackelte mit den Augenbrauen.

„Hm. Klingt gut.“

„Finde ich auch“, kicherte ich, denn aus Jacobs Stimme sprach das gesamte Testosteron, das in seinem Körper im Überfluss vorhanden war. Ich fand es toll. Es machte mich unfassbar an, wie er mich begehrte. Ich hätte auf der Stelle über ihn herfallen können.

„Es ist ja bald soweit“, sagte Jacob tröstend, als wäre ich die einzige notgeile Person in diesem Wagen. „Jetzt geht es schnell.“

„Ein bisschen sehr schnell für meine Begriffe“, merkte ich an, als Jacobs cooler schwarzer Jeep in der nächsten Kurve ins Schleudern geriet.

„Keine Angst, Emma. Ich hab das im Griff.“

Jacob riss das Lenkrad herum. Erst nach links, dann nach rechts, dann wieder nach links.

„Jedes Jahr dasselbe!”, brummte er, während der Wagen sich um sich selbst drehte und ich mich mit allem, was ich an Haltemöglichkeiten in die Finger bekam, verklammerte.

„Du rutscht jedes Jahr in dein Haus rein?“, schrie ich, denn meine Gelassenheit war jetzt gerade leider ein wenig flöten gegangen.

„Ich rutsche niemals in mein Haus hinein.“

Ich hielt mir mit einer Hand die Augen zu, aber ich lünkerte durch die Lücken zwischen den Fingern.

Wir rutschten und rutschten. Um uns herum standen Bäume.

Noch standen sie. Und der Weg wurde immer enger.

„Gelber Bär weiß, dass im Januar IMMER Schnee fällt. Und er weiß, dass ich IMMER über Weihnachten und Neujahr herkomme. Warum zum Teufel räumt er die Zufahrt nicht?”, fluchte Jacob, während wir über eine glitzernde, weiße Fläche schlitterten.

„Vielleicht hat er sie ja geräumt - vor Weihnachten”, wimmerte ich.

Mit stark überhöhter Geschwindigkeit rutschten wir auf eine Gruppe riesiger Tannen zu, vor der sich ein gewaltiger Schneehügel auftürmte. Da steckten wir doch gleich drin.

Nein. Wir rasten hinauf.

Allerdings hatte ich dann doch weniger Angst vor den Tannen, denn wir kamen tatsächlich vorher zum Stehen.

Was aber nichts an dem großen haarigen Tier änderte, das sich zwischen den Bäumen aufhielt und uns gefräßig anstarrte.

Das Vieh riss sein Maul auf und glotzte aus verdrehten Augen zu uns. Jetzt gleich würde es Anlauf nehmen und seinen schrecklichen Schädel durch die geschlossene Windschutzscheibe in den Jeep rammen und uns ...

„Emma, geht es dir gut?”

… fressen. Das Monstrum würde mich …

„Emma, wir müssen hier aussteigen. Wir stecken im Schnee fest.”

„Aussteigen? Ich? Hier? Niemals!”


Jacob und legte einen Finger unter mein Kinn.

„Du kannst die Augen wieder aufmachen. Der Elch ist vor deinem erschrockenen Gesicht geflohen.”

Zögernd löste ich mich ein wenig aus seiner Umarmung und wagte einen Blick durch die Windschutzscheibe, die sich jetzt hinter mir befand, da ich mich auf Jacobs Schoß geflüchtet hatte.

Das Monster da draußen war tatsächlich verschwunden. Hoffentlich rannte es schnell in die entgegengesetzte Richtung. Am besten nach Alaska.

„Ich dachte, Elche wären so groß. Vom Boden bis hier.“ Ich tippte auf Jacobs flachen, harten Bauch.

„Was du meinst, sind Rentiere. Rudolph und so.“

Jacob legte beide Hände um mein Gesicht und küsste mich zart auf den Mund. „Ich glaube, meine süße Emma ist doch mehr ein Stadtmensch.“

„Weil ich nicht von einem Monster gefressen werden will?“ Ich kräuselte die Nase.

Jacob bedachte mich mit einem nachsichtigen Blick.

„Da wirst du eher von einem Yellow Cab überfahren. Elche sind scheue Tiere. Sie meiden den Menschen. Bei uns Indianern sind sie ein Symbol für Kraft, Weisheit und Gerechtigkeit. Ihr Geweih sind Antennen, mit denen sie mit den Geistern kommunizieren.“

Das mit den Antennen machte mich nicht gerade zuverlässig, dass Jacob wirklich alles über Elche wusste.

„Wenn diese Tiere so scheu sind, was tat dieser Elch dann hier? Wir sind eindeutig Menschen. Und das Gebäude da hinten ist kein Winter-Unterschlupf für Wild.“

Angespannt zeigte ich auf Jacobs Luxus-Ferienhaus.

Jacob stupste mit seiner Nase meine Nase an. „Der Elch hat ja nicht bei uns angeklopft.“

Erschrocken riss ich die Augen auf. „Tun die das etwa?“

„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“ Jacob öffnete die Fahrertür. Er verlangte wirklich von mir, dass ich ausstieg.

Ich lächelte gekünstelt und bemerkte misstrauisch: „Hier gibt es bestimmt auch Bären.“

„Richtig“, sagte Jacob. „Aber die kommen ebenfalls nicht zu uns auf einen Kaffee vorbei.”

„Dass die keinen Kaffee wollen, ist mir auch klar.”

Jacob schmunzelte. „Und jetzt, so leid es mir tut, runter mit dir von meinem Schoß. Ich muss den Wagen freischaufeln, bevor er sich bis zum Ende des Winters mit diesem Haufen aus Eis und Schnee verbindet. Aber pass auf, wenn du auftrittst, es ist glatt da draußen.“

Ich wollte nicht den Hasenfuß spielen und hüpfte aus dem Jeep - und landete mit dem Gesicht nach unten im Schnee.

Gleich nachdem ich auf dem Bauch den Hügel hinunter gerodelt war.

Jacob sprang mir nach. Er fiel nicht, er stand wie ein Baum und reichte mir eine Hand. Und mit der anderen Hand schaufelte er durch den Schnee.

„Wehe!“, drohte ich ihm. Da seifte er mich auch schon ein.

Um Atem ringend wischte ich mir den Schnee aus dem Gesicht, vergewisserte mich flüchtig, dass der Riesenelch immer noch durch Abwesenheit glänzte, und klatschte Jacob eine ganze Schubkarrenladung weichen Schnee ins Gesicht.

„Du willst dich mit mir anlegen?“ In Jacobs schönen braunen Augen funkelte der Schalk.

„Unbedingt“, kreischte ich, bevor Jacob mich schnappte und mit mir im Arm mit Anlauf in den Schnee sprang.

„Etwa so?“

Jacob rieb meine Wangen mit Schnee ein.

Japsend griff ich links und rechts in die weiche Pracht und schmierte diesem Verrückten das Zeug in den Nacken.

„Oh, du bettelst um Strafe“, knurrte er und seifte mich richtig ein.

Wir wälzten uns im Schnee, rollten über den Boden und seiften uns gegenseitig ein.

Jacob lachte sich kaputt, während ich nur noch nach Luft schnappte.

„Waffenstillstand“, kreischte ich.

„Du zuerst“, forderte er.

„Nein du.“

„Ich heule doch nicht herum. Ich könnten Stunden so weitermachen“, kam es gleichmütig zurück. Prompt landete der nächste Schneeball auf meiner Stirn.

Blitzschnell krallte ich meine gefrorenen Finger in Jacobs weiß gepuderte Haarpracht.

„Du kleine Kratzbürste“, grinste er frech. „Winsele um Vergebung.“

„Vergebung“, prustete ich.

„Ein bisschen unterwürfiger, wenn’s geht, bitte.“ Jacobs Hand bewegte sich schon wieder gefährlich über dem Schnee.

„Na gut. Bitte vergebe mir, großer Schneemeister!“ Ich kicherte.

Jacobs Gesicht kam mir gefährlich nahe. Von einer Sekunde zur anderen wurde ich ernst. Ich wusste, was jetzt kam. Der Kuss war unausweichlich. Und er kam. So zart wie eine Schneeflocke.

„Wir haben es geschafft, Jacob. Wir sind da, in unserem ersten gemeinsamen Urlaub!“, wisperte ich, als Jacob seine Lippen von meinen nahm.

Er strahlte mich ebenfalls an. Er strahlte sogar mehr als die Sonne, die die ganze weiße Welt um uns herum zum Glitzern brachte.

„Ich liebe dich“, sagte er schon zum zweiten Mal an diesem Tag und darüber wollte ich mich bestimmt nicht beklagen.

4

BIG BIG LOVE
JACOB

Es war ein vollkommen neues Gefühl für mich, hier mit Emma anzukommen. Nach all den Jahren, in denen mir keine Frau nahe gekommen war, erschien es mir, als wäre ich endlich Zuhause.

Dabei hatten wir bisher kaum Zeit miteinander verbracht. Unsere spärlichen Telefonate während der vergangenen zwei Wochen ausgenommen, war es nur eine knappe Woche, in der wir uns von Angesicht zu Angesicht begegnet waren.

Und doch war Emma mir vertrauter als jeder andere Mensch auf der Welt.

„Ich liebe dich“, hauchte sie und sah mich dabei an, als wäre ich etwas ganz Besonderes.

Ungefähr so besonders wie Emma für mich war.

Auch ich hatte bereits mehrmals Ich liebe dich zu ihr gesagt. Die drei Worte, die seit Jahren überhaupt nicht mehr über meine Lippen gekommen waren, rutschten mir bei Emma einfach so raus. Ohne dass ich darüber nachdenken musste, erblickten sie das Licht der Welt. Ich fühlte es in diesen Momenten genau so. Es war beinahe schon unheimlich.

Jetzt hatten wir eine ganze Woche nur für uns. Wenn wir zu zweit alleine hier draußen in der Wildnis waren, würde sich zeigen, ob das zwischen uns nur ein Strohfeuer war oder der Beginn von etwas ganz Großem.

Ich tendierte entschieden zu letzterem. Aber ich hatte mich schon einmal so sehr in einem Menschen getäuscht, den ich von ganzem Herzen geliebt hatte.

Darum prüfe, wer sich ewig bindet - das war mein Motto. Davon würde ich auch Emma nicht ausnehmen, so sehr ich sie auch liebte. Beziehungsweise zu lieben glaubte.

Gefühle konnten gemeine Verräter sein. Die Vernunft sollte mir eigentlich eindringlich sagen: Jacob, Augen auf! Doch sie sagte es nicht. Aber noch hatte ich die Kontrolle über meinen Verstand nicht ganz verloren.

Emma zitterte unter mir. Da ich nicht sicher sein konnte, ob das von der Kälte kam oder von der Erregung, gab ich ihr einen weiteren romantischen Kuss und löste mich dann von ihr.

Ich reichte ihr meine Hände, die sie vertrauensvoll ergriff, und zog sie auf ihre kleinen Füße, die in den dicken Stiefeln doppelt so groß aussahen wie sie eigentlich waren.

Wenn sie sich nicht so furchtbar vor dem Elch erschrocken hätte, hätte ich ihr gern den Fuchs gezeigt, der uns aus dem Schutz einer Fichte beobachtete. Aber den weiteren Schrecken wollte ich ihr ersparen.

„Du bist total nass und durchgefroren. Du musst ins Haus, Emma.“

Am ganzen Leib zitternd, schmiegte sie sich an mich. Ihr Kopf mit dem schönen blonden Haar, das von der Toberei ganz zerzaust war, bewegte sich. Das sollte wohl ein Nicken bedeuten.

„Geh schon vor und lass dir ein Bad ein. Aber sei vorsichtig. Es ist glatt. Nicht, dass ich dich wieder vom Boden auffischen muss.”

„Glaub mir, so etwas passiert mir nur einmal. Ab sofort bin ich so sorgsam, als würde ich im Central Park Schlittschuhlaufen.“

Übervorsichtig setzte sie einen Fuß vor und wäre prompt wieder ausgerutscht, hätte ich sie nicht im letzten Moment aufgefangen.

„Winter scheint nicht so deins zu sein”, bemerkte ich, musste mir das Grinsen aber verkneifen. Emmas rotgefrorenes Näschen und ihr verhuschter Gesichtsausdruck waren einfach so süß, dass ich sie am liebsten an Ort und Stelle vernascht hätte.

Doch das behielt ich für mich. So wie ich sie einschätzte, wäre sie sofort dabei gewesen. Aber das ging gar nicht. Das kleine Stadtmädel hätte sich eine Lungenentzündung eingefangen.

Und wenn sie dabei auch noch den Fuchs entdeckt hätte und eventuell auch den Elch, der uns aus sicherer Entfernung angstvoll beäugte, hätten wir gleich wieder abreisen können. Gleich nachdem ich den Jeep aus dem Hügel befreit hatte. Was nicht besonders schwierig werden würde. Aber Emma sollte den richtigen Eindruck von mir bekommen. Ja, ich war ein Schwein. Doch ich würde alles tun, damit Emma mich auch wirklich so sehr liebte wie ich sie. Und wenn ich dafür Elche verscheuchen, Füchse verheimlichen und einen angeblich festgefahrenen Jeep mit Allradantrieb befreien musste.

Oder ihrem unfähigen Boss ein halbes Dutzend Aushilfskräfte beschaffte. Und meinem Freund vom Buffalo Manager Magazine 100.000 extra zusteckte. Darum musste ich mich auch noch kümmern, sobald Emma in der Wanne saß, denn noch hatte ich keine Ahnung, wie es in der Sache stand.

„Hoffen wir, dass bis zum Ende der Woche ein bisschen Schnee geschmolzen ist”, murmelte ich und zwinkerte Emma zu.

„Bloß nicht. Ich finde den Schnee toll!“, protestierte sie überraschenderweise und ließ sich bereitwillig von mir ins Haus führen.

„Ach du meine Güte! Was ist denn mit dem armen Kerl passiert?”, rief sie, kaum dass ich die Tür aufgeschlossen hatte.

Sie schlug eine dick behandschuhte Hand, an der auch noch ihr Schal hing, auf ihren aufgerissenen Mund, sodass von ihrem Gesicht nur noch das rote Näschen und die kugelrunden Augen zu sehen waren.

Mein Gott, sie war so süß!

Aber noch war keine Zeit für ein Schäferstündchen. Armen Kerl vertreiben, Jeep umparken, Ricky anrufen, Jeep auspacken, Emma anpacken.

Ich sah mich nach einem armen Kerl um. Sollte sich ein Trapper hierher verirrt haben? Oder hatte Gelber Bär es sich in meinem Haus gemütlich gemacht, weil er bei sich Heizkosten sparte?

Es war weder das eine, noch das andere. Emma sprach tatsächlich von dem Weihnachtsbaum.

5

DER ARME KERL
EMMA

Ich starrte auf eine riesige Tanne. Wie eine Trennwand stand das wunderschön gewachsene Teil im Eingangsbereich, zwischen dem Wohnzimmer und dem Esstisch mit den vielen Stühlen.

Der ganze Raum war erfüllt von dem ätherischen Öl, das der Baum verströmte, und ein bisschen nach Harz. Es duftete himmlisch.

Aber die Tanne war alles andere als festlich geschmückt. Keine Kugeln, keine hübschen Anhänger. Noch nicht einmal einfache Strohsterne.

Wenn wenigstens jemand eine Lichterkette darüber geworfen hätte. Aber nichts. Gar nichts. Der Baum blickte mich dunkelgrün, nackt und traurig an.

„Ich will ihn schmücken”, flüsterte ich wie Gollum persönlich.

Jacobs Griff um meine Taille wurde fester.

„Erstmal kommst du mit ins Bad.”

Ich machte mich steif. „Aber ...“

„Nichts aber. Wenn du jetzt krank wirst, hilft uns das auch nicht weiter. Komm.“

Jacob zerrte an mir und ich hatte keine Chance gegen ihn. Widerwillig stolperte ich hinter ihm her, doch mein Blick klebte immer noch an der Tanne.

Einen so schönen Baum hatte ich in meinem ganzen Leben nicht gesehen. Der Superbaum am Rockefeller Center in New York war zwar größer, doch der hier war viel schöner. Aber groß war er auch. Er reichte von dem Holzboden, auf dem er stand, bis in den Dachfirst. Diese Blockhütte besaß nämlich eine offene Galerie.

„Hast du ihn schon abgeschmückt? Du oder der- oder diejenige, der oder die dafür zuständig ist?”

Wir waren im oberen Stockwerk angekommen. Holzwände und schöne Gemälde mit indianischen Motiven - genau so hatte ich dieses Haus in Erinnerung. Doch auch hier gab es keinen Weihnachtsschmuck.

„Redest du immer noch von dem Baum?“

„Natürlich.“

Wie konnte man nicht von diesem Baum reden?

Jacob konnte. Geradezu brutal schob er mich ins Bad.

„Ausziehen“, kommandierte er mich herum und stürzte sich auf die Wanne.

Er spritzte sie aus, versenkte den Stöpsel und ließ heißes Wasser ein. Es dampfte kräftig um die Armatur herum.

„Welchen Duft bevorzugst du?“

Inzwischen stand Jacob vor einem schmalen, hohen Regal, in dem allerlei hübsch aussehende Pflegemittel aufbewahrt wurden.

„Tanne“, hauchte ich und ließ meinen dicken Rollkragenpullover auf meine dicke Daunenjacke fallen.

„Hm”, machte Jacob.

Seine Augen schauten mich ungefähr so gierig an, wie ich vorhin den Weihnachtsbaum betrachtet hatte.

Ein Lächeln der Vorfreude huschte über mein Gesicht.

„Nichts da!“, sagte Jacob streng. Entschieden nahm er eine Flasche mit einem rötlichen Inhalt aus dem Regal. Das war doch nie im Leben Tanne.

„Aber ich habe lange genug gewartet“, wisperte ich.

„Genau wie ich. Und weil sogar ich das schaffe, wirst auch du noch eine halbe Stunde aushalten können. Du musst dich unbedingt aufwärmen.“

Jacob gab einen kräftigen Schuss von dem roten Badezeug ins Wasser. Sofort duftete es sommerlich nach Kirsche.

Nicht mal Glühwein, dachte ich enttäuscht.

Ich wusste ja, wie undankbar ich war, doch wenn man mir einen ungeschmückten Weihnachtsbaum zeigte, gleich nachdem ich eine weiße Winterlandschaft gesehen hatte, dann glaubte mein Gehirn, wir hätten Weihnachten.

Wo ich doch so vernarrt war in Weihnachten ...

Und wenn dann auch noch Jacob dazukam, war es ganz um mich geschehen. Das war dasselbe, als wenn mir jemand eine schwierige Matheaufgabe vorlegte. Dann wollte ich sie lösen. Und dann gab ich nicht eher Ruhe, bis das Ergebnis dastand.

Meine Enttäuschung unterdrückend pellte ich mich aus den nassen Jeans und sagte in verführerischen Ton: „Mir ist schon ganz heiß.”

Lachend drückte Jacob mir einen Kuss auf die Stirn. „Dein niedlicher Strip in allen Ehren, du kleine Schlange, aber deine Gesundheit geht vor!“

Blitzschnell schoss meine Rechte vor. Hatte ich es mir doch gedacht! Jacobs Teil gierte nach mir.

„Willst du mir ernsthaft vormachen, dass du keine Lust auf eine Runde Schlammcatchen hast?“, gurrte ich.

„Das fühlt sich sehr … angenehm an. Aber … Nein … Hüpf endlich in die Wanne. Diese Stange schmilzt gleich beim Jeepbefreien dahin.” Jacob floh geradezu aus dem Bad.

„Beeil dich. Und dann komm schnell zu mir in die Wanne”, rief ich ihm aus Leibeskräften hinterher, um sein Getrampel auf der Holztreppe zu übertönen.

„Entspann dich, Emma, und wärm dich vor allen Dingen auf. Wir haben noch eine ganze Woche, um uns das Hirn aus dem Leib zu vögeln.“

Das Hirn aus dem Leib vögeln …

Jetzt war nicht nur der Baum traurig, sondern auch Jacobs wunderschöner harter Schwanz blieb ungenutzt. Und das nach zwei Wochen Abstinenz.

6

AUFHEIZEN
JACOB

Ich hatte zwar keine Ahnung, über wen ich den Kopf mehr schüttelte, ob über Emma oder über mich. Auf alle Fälle rannte ich kopfschüttelnd die Treppe runter.

Der Anblick von Emmas Minikurven hatten mich total heiß gemacht. Nun sorgte meine knüppelharte Latte für akuten Platzmangel an meiner Hose.

Schon als Emma mit ihren kleinen, rotgefrorenen Händchen den Saum ihres dicken Pullovers berührte, hatte sich etwas in mir gerührt.

Als sie dann dastand mit ihrem roten Spitzen BH, durch den sich ihre steifgefrorenen Nippel bohrten, war ich bereit gewesen.

Bereit, Emma in meine Arme zu ziehen und meine Hände über ihre samtene, helle Haut zu führen. Ich wollte jeden Quadratzentimeter ihres Körpers erobern und unter mir spüren. Und um mich herum. Oh, wie ich ihre kleine rosa Pussy vermisste, die mich so oft, aber bei weitem nicht oft genug, glücklich gemacht hatte.

Schon im Morgengrauen, als ich sie in ihrer Zweier-WG abgeholt hatte, konnte ich mich kaum noch beherrschen. Die gesamten zwei Wochen der Trennung, die hinter uns lagen, hatte ich immer an sie gedacht. Selbst wenn ich arbeiten musste, dachte ich dabei an Emma. Wie sollte ein Mann dabei ruhig bleiben?

Aber ihre schwangere Freundin hatte Emma stundenlang abgeknutscht und uns keine Sekunde allein gelassen. Als würde Emma für immer aus ihrem Leben verschwinden.

Wenn es doch so gewesen wäre.

Aber Emma verabschiedete sich auch noch, als hätte ich sie zu einer Weltreise abgeholt. Stattdessen hatten wir bloß diese eine Woche und ich wollte, dass sie so schnell wie möglich begann. Ich konnte allerdings nicht verhehlen, dass ich hoffte, dass daraus mehr wurde. Viel mehr. Am besten ein ganzes Leben.

Ich hatte den verdammten Weihnachtsbaum, der das ganze Haus ausfüllte und den Grauer Bär eigentlich schon Anfang Januar hätte entsorgen sollen, umrundet, und trat nach draußen, um erstmal ungestört mit meinem Freund Ricky zu telefonieren.

Klare, eiskalte Luft schlug mir entgegen.

Ich liebte die Wildnis, besonders im Winter. Hoffentlich verliebte Emma sich außer in mich auch in meine Heimat. Dann stand unserem Glück nichts im Wege.

Die Funkverbindung stand, doch Ricky nahm nicht ab. Also sprach ich im auf die Mailbox, dass er sich so schnell wie möglich bei mir melden sollte, und kümmerte mich dann um die anderen Aufgaben, die zwischen mir und Emma standen.

Der Jeep sprang sofort an. Ich legte den Rückwärtsgang ein und fuhr bis vor die Haustür, um bequem ausladen zu können.

Da ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt unserer Beziehung noch keine Ahnung hatte, was Emma gern aß, hatte ich von allem etwas gekauft. Ich schleppte die Vorräte in die Küche, putzte die Spur aus Schnee und Eis, die ich durchs Haus gezogen hatte, und begann, die verderblichen Waren in den Kühlschrank zu räumen.

„Wie lange willst du mit mir Ferien machen?”

Ich fuhr herum.

„Emma!“

Mir stockte der Atem. Hatte Gott mir einen Engel geschickt?

Emma wies mit ihren himmlischen Fingerchen auf den Lebensmittelberg, der sich auf der Kücheninsel erhob. Und dann noch auf die Getränkekisten, die sich auf dem Boden stapelten.

„Auf die Apokalypse, sind wir auf jeden Fall schon einmal vorbereitet! Bis zum Sommer können wir uns hier locker die Bäuche vollschlagen”, kicherte sie.

Sie stand im Eingang zur Küche und trug lediglich ein durchscheinendes weißes Spitzenhöschen und den dazu passenden BH.

Irgendetwas schleppte sie außerdem auf dem Rücken mit sich herum, auf das ich mich aber nicht konzentrieren konnte. Kein Mensch hätte das zustande gebracht, denn Emmas süße rosa Nippel stachen mir geradezu in die Augen.

„Ich wusste nicht, was du gern isst.“ Ich zuckte mit den Schultern, Auge in Auge mit Emmas angespitzten Nippeln.

Das niedliche kleine Luder unterdrückte ein zufriedenes Grinsen. Sie sah genau, was sie wieder mit mir angestellt hatte. Es zuckte bereits schon wieder in meiner Hose.

„Vielleicht sollten wir die Fressalien gemeinsam einräumen ....“ Sie zwinkerte mir neckisch zu.

Wie sollte ich mich dagegen wehren? Ich hatte Emma zwar mit Ordnung und einer Tasse heißer Schokolade überraschen wollen. Aber wenn sie so dastand …

„So kannst du doch nicht vor mir auftreten und dann erwarten, dass ich Lebensmittel einräume“, röchelte ich.

Ich gab der Kühlschranktür einen Stoß und war auch schon bei Emma. Heißblütig riss ich sie in meine Arme.

„Aber das erwarte ich doch gar nicht“, kicherte sie, während ich meine Hände schon wieder von ihr zog.

„Was hast du da am Rücken?“

Mann, tat das weh! Irgendetwas hatte sich in meinen Handteller gebohrt.

Es war eine weiße Feder.

Wo kam die denn her?

Lächelnd wandte Emma mir den Rücken zu.

„Engelsflügel?“

Über das ganze Gesicht strahlend drehte Emma sich wieder zu mir zurück und machte sich ohne Umstände an meiner Hose zu schaffen. „Die Flügel habe ich in der Tüte gefunden, die hinter dem Weihnachtsbaum auf dem Boden liegt. Sind die nicht süß?“

7

JACOB VERLEIHT FLÜGEL
EMMA

„Vor allen Dingen sind diese Mistdinger schmerzhaft“, knurrte Jacob und setzte mich auf einen Sack mehlig kochende Kartoffeln.

„Was machst du mit mir?“, kreischte ich verdutzt. Ich kam gar nicht mehr dazu, mich um Jacobs Wohlergehen zu kümmern.

„Als wenn du das nicht wüsstest, mein Engelchen.“ Jacobs Augenbrauen zogen sich über seiner schönen Nasenwurzel zusammen.

Mann, war der entschlossen! Und das war so heiß. Zwischen meinen Beinen köchelte schon die scharfe Sauce.

„Bin ich der Braten zu der Kartoffelbeilage?“ Ich legte den Kopf schräg und bot damit Jacob meinen Hals dar.

„Hm. Ein Satansbraten.“

Jacobs Lippen senken sich auf die zarte Haut unterhalb meines Halses.

Zischend sog ich die Luft durch meine Lippen und verhedderte mich in den Trägern der Flügel, die ich gerade ablegen wollte, damit Jacobs Hände nicht gleich gefiedert waren.

„Was tust du da, Emma?“, fragte Jacob, ohne sich aus dem Konzept bringen zu lassen.

Er küsste jede Stelle meines Dekolleté.

Trotz meines Kampfes mit den Engelsflügeln stellten sich sämtliche Härchen auf meinem Körper auf und ich wettete mit mir selbst, dass er mich allein durch Küssen zum Orgasmus bringen konnte.

„Ich ziehe mich für dich aus”, stöhnte ich lustvoll.

„Klappt wohl nicht so gut“, kam es zurück.

„Mach du mal den Entfesselungskünstler, während jemand deine empfindlichsten Stellen mit dem Mund bearbeitet und du gleichzeitig auf einem Kartoffelsack sitzt.“

„Mache ich dich nervös?“

Ich kreischte leise auf, als Jacob mit den Händen unter die zarten Körbchen meines BHs kroch. „Du und die Kartoffel, die sich in meinen Hintern bohrt.“

Jacob lachte leise und schob den BH hoch, sodass meine Brüste frei lagen. Er betrachtete sie hingerissen und fragte nachdenklich: „Ist das gut oder schlecht?“

„Ich hasse anal, aber ich liebe es, wie du mich anschaust.“

„Es bleibt nicht beim Anschauen.“

Jacob legte seine Lippen um meine Brustwarzen und knabberte genüsslich an ihnen.

Die Sauce zwischen meinen Beinen brodelte. Ich vergaß, dass ich in den Trägern der Engelsflügel gefangen war. Das war ungünstig für mein Gleichgewicht und ich knallte auf den Rücken.

Äpfel und Birnen pressten sich in meine Haut, eine Karotte pikste in mein Ohr und der wunderbare Geruch eines frischen Baguettes kroch mir in die Nase. Mein Magen knurrte, als Jacob mich vom Tisch zog und mich ins Wohnzimmer schleppte.

Wir kamen an dem wunderbaren und doch so traurigen Weihnachtsbaum vorbei. Wehmut stieg in mir auf, doch mein Verlangen, den Baum so zu schmücken, wie er es verdient hatte, musste meinem und Jacobs körperlichem Verlangen weichen.

Jacob setzte mich von hinten auf die weiche Lehne des Sofas, das quer im Raum stand, als ich die Engelsflügel verlor. Er packte die Flügel und schleuderte sie quer durch den Raum. Danach packte er mich.

Ich schlang meine Arme um seinen Hals und die Beine um seine schlanken Hüften. Dann ließ ich mich rückwärts fallen. Eng aneinander geklammert landeten wir erst auf dem Sofa und dann auf dem Boden davor.

Wir küssten uns wild und unsere Hände tasteten sich über unsere Körper. Wie waren so erregt, dass es uns nichts ausmachte, dass wir uns auf Teppich wälzten, halb unter dem Sofatisch.

Jacobs Lippen und seine Hände waren überall. Ich zerrte ihm den kratzigen Winterpullover über den Kopf. Dann das T-Shirt. Und dann ein Unterhemd aus blaugrau gestreiftem Trikotstoff.

Endlich spürte ich seine nackte Haut. Stöhnend und am ganzen Leib zitternd berührte ich seinen Bauch mit meinen Brüsten. Ich erschauderte und bekam eine Gänsehaut.

„Du machst mich so heiß“, raunte Jacob in mein Haar, während er ungefähr so mit seinen Jeans kämpfte, wie ich vorhin mit den Engelsflügeln.

Endlich war die blöde Hose weg. Und die dicken Socken an seinen Füßen.

„Oh, komm zu mir, schnell“, wimmerte ich und streckte meine Arme nach Jacob aus.

In dem Augenblick dudelte irgendwo ein Handy.

Jacob geriet fast in mehr Aufregung als vorhin, als er mich in meinem sexy Engels-Outfit erblickte.

„Gehst du da etwa dran?”, keuchte ich.

„Sorry … Geschäftlich ...”, murmelte er entschuldigend. Und schon krabbelte er zu seiner Hose.

Enttäuscht grabbelte ich nach der Wolldecke, die auf dem Sofa lag und wickelte mich darin ein. Sie war kein Ersatz für Jacob, der sich das Handy ans Ohr riss und damit in die Küche floh.

„So ein Mist”, hörte ich ihn fluchen.

Ja, ganz recht: So ein Mist!

„Du kommst hier nur als Kratzen an”, sagte Jacob. „Falls du mich verstehst …”

Die Küchentür flog zu und ich verstand gar nichts mehr.

Trübselig spähte ich zu dem Weihnachtsbaum und versuchte mir schönzureden, was hier gerade abging.

Das war ja ganz toll, wenn die Geschäfte schon jetzt wichtiger waren als ich.

Aber da flog die Küchentür auch schon wieder auf.

„Irgendwo ist bestimmt wieder ein Schneesturm. Der Empfang ist unter aller Sau. Ich hab das Handy ganz ausgeschaltet.”

Jacob grinste breit, als er auf die Knie ging und auf allen Vieren zu mir krabbelte. Ich warf die Wolldecke in hohem Bogen von mir und ließ Jacob zwischen meine Beine. Er gab mir einen Kuss auf meine empfindlichste Stelle, legte seine warmen, weichen Lippen um meinen Kitzler und saugte daran. Ich schnappte nach Luft und schloss die Augen. Hatte vorhin ein Handy geklingelt?

War das schön. So schön. Wie hatte ich das vermisst.

„Jacob, willst du denn gar nicht mitmachen?”, fragte ich halbherzig, denn es war wirklich so schön. Ich hätte das stundenlang haben können. Aber lange hielt ich Jacobs Schlecken und Saugen nicht mehr aus. Er machte mich wahnsinnig damit. Wenn ich nachher wieder bei Verstand wäre, würde ich ihn fragen, was er da eigentlich genau machte mit seiner Zunge, den Lippen und Fingern. Er sollte es mir erklären. Bis ins Detail. Aber jetzt sollte er erstmal weitermachen damit.

Nur nicht so schnell.

Ich spürte schon, wie sich alles in mir auf diesen einen Punkt hin zusammenzog.

Was Jacob mit mir machte, war etwas vollkommen anderes als das, was ich mit mir selbst trieb. Es war viel besser. Es war grandios.

„Oh, Jacob, ich komme”, schrie ich.

Doch Jacob ließ nicht locker. Er leckte immer weiter. Er drang mit zwei Fingern in mich ein und ließ mich um ihn herum zucken, als hätte ich seit zwei Wochen keinen Mann mehr gehabt, was absolut zutraf. Darum war es ja so wahnsinnig. Ich hörte gar nicht mehr auf zu zucken. Ich bäumte mich auf und drückte mich gegen Jacob.

„Bitte, Jacob, komm zu mir. Ich will dich in mir spüren”, keuchte ich auf dem Höhepunkt.

Und endlich kam er zu mir. Seine seidenweiche Granate drang hart in mich ein und ich schrie erneut auf. Verwundert ließ ich den zweiten Orgasmus über mich ergehen, während Jacob sich abwechselnd sanft und heftig in mir bewegte.

„Fester, Jacob, fester”, feuerte ich ihn an.

Keine Ahnung, was in mich gefahren war. Außer Jacob, meinte ich. So war ich sonst nicht. Nur mit ihm kam ich so aus mir raus. Er weckte meine verborgenen Leidenschaften und ich genoss es so sehr.

Unsere keuchenden Münder fanden sich zu einem unwahrscheinlich heißen Kuss. Und dann zuckten wir gemeinsam umeinander. Ich schrie wie eine Hirschkuh, Jacob stöhnte wie ein Elch. Es war animalisch. Animalisch schön. Wenn es so war, ein Tier zu sein, dann wollte ich immer eins sein. Ich wollte mich gehen lassen, gemeinsam mit Jacob.


„Autsch”, fluchte Jacob leise.

„Was ist”, murmelte ich verschlafen an seinem Bauchnabel. Wir lagen halb auf dem riesigen, kuscheligen Wohnzimmerteppich und halb unter dem Weihnachtsbaum. Wir waren tatsächlich eingeschlafen. „Federn?”

„Nadeln.”

Sofort war ich wach. „Das kommt daher, dass der Baum vor Trauer über die Vernachlässigung weint.”

„Du bist eine.” Jacob grinste halbherzig und robbte mit mir in seinen Armen zum Sofa.

Er hob mich auf das weiche Polster. Ich drehte mich auf die Seite und Jacob schmiegte sich von hinten an mich.

„Pass auf”, nuschelte er. „Jetzt kommt die Kartoffel. Sie will in deinen hübschen Popo.”

„Darauf fall ich nicht rein. Die Kartoffeln sind in der Küche”, nuschelte ich zurück. „Aber deine Zucchini darf jederzeit in mich eindringen.”

„Darauf werde ich zu gegebener Zeit zurückkommen”, grinste Jacob an meinem Ohr.

„Darum möchte ich bitten.”

„Jetzt?”

„Wenn du schon wieder kannst …”

Jacob drückte seinen Unterleib gegen meinen Hintern.

Uiuiuiui. Jacobs gutes Stück stand schon wieder auf Halbmast. Ich wedelte ein bisschen mit dem Po. Hm. Fühlte sich auch bei mir gut an. Mein Gott. Das konnte eine Woche werden. Wir würden pausenlos ineinander stecken. Das Paradies.

„Aber nicht anal”, sagte ich drohend.

„Nicht da?”

„JACOB!”, kreischte ich, denn er hatte einen Finger auf meine Rosette gelegt. „NEIN!”

Sofort nahm er den Finger wieder weg, umschlang mich und kuschelte sich züchtig an mich. Er züngelte nur ein bisschen in meinem Nacken und ich gab mich dem genüsslich hin. So schön weich war Jacobs Zunge. Und so warm. Und sie keckerte.

„Du keckerst”, kicherte ich.

„Hm?” Jacob züngelte weiter.

„Hörst du das?”

„Was denn?”

„Wenn du züngelst, keckerst du.”

„Was ist denn Keckern?”

„Das Geräusch, das du beim Schlecken mit der Zunge machst.”

„Ich bin aber ganz leise.”

„Nein. Hörst du das?”

„Nein. Aber vor allem schlecke ich gerade nicht.”

Das fiel mir in dem Moment auch auf.

Ich wurde stocksteif in Jacobs Armen. „Was ist das? Da ist es wieder. Keckeckeckeckeck. Oder hast du dein Handy auf Vibration gestellt?”

„Nein. Das ist aus.” Jacob fuhr hoch.

Vor Schreck machte ich es ihm nach.

Wir standen beide splitterfasernackt im Wohnzimmer. Ich konnte leider nicht an dem armen Baum vorbei sehen.

Jacob ließ seinen Blick wachsam über das Wohnzimmer schweifen, wie ich aus dem Augenwinkel heraus sah. Er war ganz der Indianer auf Spurensuche.

„Da”, zischte ich.

Keckeckeckeckeck.

„Hast du es gesehen?”, flüsterte Jacob.

Kreischend sprang ich aufs Sofa. „Nein! Klopft etwa der Elch an die Tür?”

Jacob schaute zu mir. Er zog einen Mundwinkel hoch.

„WAS?”

„Wenn der Elch an die Tür klopft, klingt das ein klein wenig anders.”

„Wie?”

„Es dürfte dir gefallen: Mehr wie das Poltern vom Weihnachtsmann. Nur lauter.”

„Haha. Der rennt aber nicht die Tür ein? Jacob, sag, dass er das nicht kann!”

„Ein 500-Kilo-Elch hat keine Chance gegen meine Hartholzhaustür.”

Misstrauisch versuchte ich Jacobs Blick zu fangen, doch der war immer noch auf der Spurensuche.

Plötzlich stürzte er sich mit seinem gesamten schönen Männerkörper auf ein Sofakissen, das ein wenig leblos in einer Ecke hing.

Oh Gott. Was tat der Mann da?

Solange ich darüber keine Klarheit hatte, ging ich wohl besser vom Sofa runter und hüllte mich wieder in die Wolldecke, die ich vorhin quer durch das Wohnzimmer geworfen hatte..

„Jacob, was machst du da?”

Er stand schon wieder auf seinen Beinen. In den Händen hielt er die Kissenhülle. „Siehst du das, Emma?”

Ich nickte, starr vor Angst.

„Jemand hat das Kissen ausgehöhlt.”

„Wer?”, presste ich hervor.

Jacob sah aus, als würde er nachdenken, ob er mir die furchtbare Nachricht zumuten konnte. Leider kam er zu dem Schluss, dass ich dem gewachsen sein müsste.

„Ein Tier”, sagte er und legte die Stirn in Falten.

„Was für ein Tier?”, kreischte ich schon wieder. So langsam ging ich mir aber selber auf die Nerven mit der Kreischerei. Ich wusste schon, warum ich normalerweise die Anwesenheit von Mathebüchern der belebten Natur gegenüber bevorzugte.

„Ist es ein gefährliches Tier?”

Ich flüchtete mich in Jacobs Arme. Die Decke rutschte an mir runter.

„Eins, das normalerweise Tannenbäume mag”, sagte er und schleppte mich in die Küche.


„Was kann das für ein gefährliches Tier sein, das Tannenbäume mag?”, kam ich auf das höchst unangenehme Thema von vorhin zurück.

Jacob hatte als erstes sein Handy gecheckt, hatte aber immer noch keinen Empfang. Dann hatte er die Heizung voll aufgedreht, damit wir uns nicht anziehen mussten. Ich fand das ein wenig seltsam, ließ mich aber gern auf ein Experiment ein. Zumal Jacob auf meine Nachfrage hin sagte, dass er das sonst nie machen würde. Außerdem hatte ich die Küchentür zugesperrt. Nur für den Fall, dass dieses gefährliche Tier, das Tannenbäume mochte, eventuell den Baum verlassen wollte.

Am liebsten hätte ich ja die Haustür weit geöffnet, damit das gefährliche Baumtier uns ganz verlassen konnte. Aber ich hatte an den Elch denken müssen und mich dagegen entschieden. Jetzt machte ich in der verschlossenen Küche einen Rum-Punsch, während Jacob immer noch Vorräte verstaute. Es war richtig gemütlich, gemeinsam zu werkeln.

Da Jacob meinen Fragen nach dem gefährlichen Tier aus dem Weg ging, fragte ich ihn, ob er ein Radio hätte oder so.

„Welche Musik magst du?”, fragte er interessiert.

„White Christmas, Last Christmas …”

Jacob lachte schallend. „Geht auch Kuschelrock?”

„Wenn darin Englein vorkommen ...” Ich grinste zwar, doch ich meinte das durchaus ernst.

„Frank Sinatra?”

„Na gut.”

Jacob machte irgendwas mit seinem Handy, das zur Zeit nicht zum Telefonieren taugte. Prompt erfüllte die samtene Stimme von dem alten Sinatra das Haus. Der Mann besaß natürlich die neueste Technik.

„Tut mir leid, dass ich nach einem Radio gefragt habe”, sagte ich zerknirscht.

„Besser als die Weihnachtslieder, die du aufgezählt hast.”

„Ich würde auch andere Weihnachtslieder hören, wenn du die lieber magst. Stehst du eher auf die lustigen. Jingle Bells …?”

Jacob knallte einen Haufen Dosen mit Flaschentomaten in den Vorratsschrank. „Was hast du eigentlich dauernd mit Weihnachten, Emma?”

Ohne meine Antwort abzuwarten, klemmte er sich zwei Familienpackungen Klopapier unter den Arm und marschierte aus der Küche.

„Tür zu”, rief ich schüchtern.

Aber Jacob scherte sich nicht um meine Bitte. Er wollte lieber nackt Klopapier im Haus verteilen.

Und da sah ich es: Das gefährliche Tier!

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