Kitabı oxu: «Animalisches im Krankenhaus»

Şrift:

David Poppen

Animalisches im Krankenhaus

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

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Impressum neobooks

1

Es war heute eine besonders schwarze Nacht über München.

Auf Station C3 im Städtischen Krankenhaus an der Ungererstraße blickte Schwester Claudia auf die elektrische Wanduhr, die über der Tür hing.

Sie schob sich einen Kaugummi in den Mund, während der Zeiger um eine Minute vorrückte. Direkt daneben hing ein Fernseher an der Wand, der fast durchgehend lief. Die Stimmen beruhigten sie.

Derzeit liefen fast ausschließlich die Olympischen Spiele in London. Sie blickte auf den Bildschirm, denn im Leichtathletikstadion schien etwas zu passieren. Sie hörte die Menschen schreien und jubeln.

„Nur noch wenige Augenblicke und wir wissen, wer der schnellste Mann der Welt ist“, moderierte ein Reporter und kündigte den 100 Meter Lauf der Männer an.

Claudia interessierte sich nicht sonderlich für Sport. Aber dies wollte sie doch sehen, denn die Sportler besaßen in ihren Augen erotische, athletische Körper. Sie liebte muskelbepackte Männer, starrte auf den Bildschirm und lehnte sich zurück.

Das Rennen startete und war bereits nach wenigen Sekunden wieder beendet. Claudia hatte dies gar nicht so schnell mitbekommen. Sie nahm die Fernbedienung und erhöhte die Lautstärke, vielleicht würde der Reporter ihr erklären, was genau geschehen war.

„Sprint-Superstar Usain Bolt hat seinen Titel von 2008 verteidigt. Der Jamaikaner gewann in 9,63 Sekunden. Die zweitbeste jemals gelaufene Zeit bedeutete zugleich einen neuen olympischen Rekord. Als Zweiter kam Yohan Blake in 9,75 Sekunden in das Ziel. Der US-Amerikaner Justin Gatlin lief in 9,79 Sekunden zu Bronze. Damit sind die drei Top-Favoriten auf dem Treppchen gelandet. Bitter lief das Rennen für Tyson Gay, dem am Ende eine hundertstel Sekunde zum dritten Platz fehlte.“

Der Jamaikaner Usain Bolt lief gerade mit seiner Landesflagge durch das Stadion. Claudia beobachtete fasziniert die Begeisterung der Zuschauer, weil gerade ein Mensch einhundert Meter weit gelaufen ist. Sie konnte diesen Wahnsinn nicht verstehen. Aber die Athleten erregten sie sexuell. Sie konnte den Blick kaum von den engen Sporthosen abwenden, unter dessen Stoff sich die Genitalien der Männer abzeichneten.

„Wer hat gewonnen?“

Der plötzliche Klang einer Stimme ließ sie zusammenzucken. Fast wäre sie vom Bürostuhl gefallen. Vor lauter Olympia im Fernsehen schauen, hatte sie nicht gehört, dass jemand auf die Station gekommen war.

Sie blickte hoch und sah einen Mann und eine junge Frau hinter der Empfangstheke stehen.

„Was ist? Wer hat jetzt gewonnen, oder hast du das Rennen verschlafen?“, fragte der junge Mann mit einem spöttischen Ton in seiner Stimme.

Claudia stotterte nur „Bolt“. Mehr brachte sie nicht hervor, denn sie erkannte den jungen Mann sofort wieder.

Nie würde sie diese Augen vergessen. Es war Martin Seidl, der Neffe von Onkel Paul.

Die Vergangenheit kam zurück!

Bis vor zwei Monaten hatte Claudia einen attraktiven Nebenverdienst. Sie bestahl das Krankenhaus und verkaufte die Medikamente an eine ältere nette Dame. Jedoch wurde sie auf frischer Tat von einem Patienten auf ihrer Station ertappt. Dieser verlangte für sein Schweigen sexuelle Gegenleistungen. Nachdem dieser Patient entlassen worden war, hatte Claudia gehofft, dass die Erpressung beendet war.

Aber sie hatte sich geirrt! Der Patient hatte die Beweise an seinen Neffen Martin Seidl weitergereicht.

„Was willst du, Martin?“, antwortete die Nachtschwester schockiert.

„Hat nun Usain Bolt gewonnen?“, erkundigte er sich nochmals in einem lässigen Ton.

Claudia nickte mit dem Kopf.

„Kennst du auch seine Zeit?“ fragte er weiter.

„Ich glaube, es waren weniger als zehn Sekunden“, antwortete die Nachtschwester.

„Blöde Kuh“, sagte Martin leicht säuerlich. „Genauer geht es nicht?“

„Das ist doch jetzt völlig egal“, meinte die junge Frau an seiner Seite, die leicht genervt wirkte.

Claudia drehte ihren Kopf. Das Mädchen konnte höchstens achtzehn Jahre alt sein, wirkte jedoch sehr selbstbewusst. Martin lächelte seine Partnerin zärtlich an.

„Darf ich die Damen bekannt machen“, erklärte Martin. „Das ist Nachtschwester Claudia“, dabei deutete er hinter die Theke. „Und dies ist meine neue Freundin Katrin.“

„Angenehm“, meinte Claudia mit etwas Ironie in der Stimme. „Aber nochmals zurück zu meiner einleitenden Frage. Was wollt ihr um diese Uhrzeit auf meiner Station?“

„Dein Ton gefällt mir nicht, Nachtschwester!“, fauchte Martin als Antwort.

„Mir ist völlig egal, was dir gefällt oder nicht!“, antwortete Claudia trotzig.

„Ich bin eben an einem Arztzimmer vorbeigekommen“, sprach Martin ungerührt weiter. „Dr. Vogelrainer stand am Türschild. Er scheint der Bereitschaftsarzt für heute Nacht zu sein, richtig?“

„Was ist mit ihm?“, fragte Claudia, aber ihre Stimme zeigte erste Unsicherheiten.

„Ich habe den Film, der deinen Diebstahl zeigt, auf meinem iPhone dabei. Es sieht toll aus, wie du Medikamente aus dem Stationsschrank klaust!“, sagte Martin.

Claudia wurde bleich. Holte sie ihre Vergangenheit ein?

„Wie würde wohl dieser Arzt reagieren, wenn ich ihm den Film vorführe?“

„Bitte nicht“, meinte Claudia niedergeschlagen. „Ich würde meinen Arbeitsplatz verlieren.“

„Das glaube ich auch. Bist du nun etwas höflicher?“, wollte Martin wissen.

„Ja“, antwortete Claudia und schlug die Augen nieder. „Entschuldigung.“

„Brave Krankenhaushure!“

Die Nachtschwester drohte körperlich zu zerbrechen.

„Aber deine einleitende Frage möchte ich dir trotzdem beantworten“, sagte Martin in einem ironischen Ton. „Meine Freundin Katrin hat heute Geburtstag.“

Martin lächelte wieder zärtlich das junge Mädchen an, dann blickte er erwartungsvoll zur Nachtschwester. „Nun?“, fragte er.

„Entschuldigung“, antwortete Claudia unterwürfig. „Meinen Glückwunsch.“

„Vielen Dank“, sagte das blonde Mädchen grinsend.

„Katrin hatte einen Geburtstagswunsch ...“, er stoppte den Satz um diese Worte wirken zu lassen.

Claudia blickte ihn fragend an.

„Sie hatte in ihrem jungen Leben noch keinen Dreier, möchte mit mir und einer anderen Frau Sex haben. Außerdem war ihr Wunsch schon immer, mal lesbische Erfahrungen zu machen.“

„Toller Wunsch“, meinte die Nachtschwester ironisch.

„Halt dein Maul, du blöde Kuh!“, donnerte Martin sie an, da ihm ihr Ton missfiel.

Claudia verstummte sofort und blickte unterwürfig auf den Boden.

Martin drehte den Kopf zu seiner Freundin. „Gefällt dir die Nachtschwester? Willst du sie haben?“

„Sie soll mal aufstehen“, antwortete Katrin. „Ich möchte ihre Figur sehen.“

„Hast du das gehört?“, rief Martin. „Steh auf und erfülle ihren Wunsch. Sie hat heute Geburtstag!“

Die Nachtschwester erhob sich und drehte sich langsam um die eigene Achse.

„Oh ja, die ist süß. Sie scheint einen geilen Körper zu haben“, meinte Katrin grinsend.

„Gut, dann ist es ausgemacht“, erklärte Martin und blickte mit strengen Augen die Krankenschwester an. „Du bist das Geburtstagsgeschenk!“

Claudia blickte ihn fassungslos an. „Wie bitte?“, fragte sie stotternd.

„Hast du ein leeres Krankenzimmer. Wir brauchen ein Bett!“

„Das geht nicht, bitte, nein!“, flehte die Nachtschwester.

Martin hielt sein iPhone hoch und deutete auf das Büro des Bereitschaftsarztes.

„Zimmer 4118 ist leer“, die Stimme von Claudia war nur ein leises flüstern.

„Na dann los!“

Martin drehte sich um, nahm die Hand seiner Freundin und spazierte suchend den Gang entlang.

Vor Zimmer 4118 blieb er stehen und erwartete die Ankunft der Nachtschwester.

Claudia schloss die Tür auf und trat gefolgt den beiden Teenagern in das leere Krankenzimmer. Martin holte sich einen Stuhl, setzte sich in eine Ecke. Heimlich und unbemerkt von beiden Frauen schaltete er die Videofunktion an seinem iPhone an.

„Du machst nun alles, was Katrin möchte. Das ist meine letzte Warnung, sonst bekommt der Arzt den Film zu sehen. Verstanden?“

Die Stimme von Martin war sehr dominant und ließ keinen Widerspruch zu.

Claudia nickte unterwürfig mit dem Kopf. Dann sah sie sich das junge Mädchen genauer an. Sie trug ein grünes dünnes Sommerkleid, hatte eine schlanke und sportliche Figur. Ihre blonden Haare trug sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. Die blauen Augen funkelten frech, die vollen Lippen entblößten strahlend weiße Zähne.

Ein sehr hübsches Mädchen, dachte Claudia. Was will sie nur mit einem Arsch wie Martin?

Katrin umrundete die Krankenschwester. Ihr Gesicht näherte sich von hinten dem Hals, mit der Nase streichelte sie den Nacken entlang.

„Wie gut du riechst“, flüsterte das junge, blonde Mädchen. „Ich werde dich jetzt ausziehen.“

„Muss wohl sein“, meinte Claudia genervt.

Katrin lachte amüsiert und öffnete die Schwesterntracht. Sie steifte den weißen Stoff ab und schien sichtlich Spaß an ihrer erotischen Tätigkeit zu haben. Dann trat sie wieder hinter Claudia und umfasste von hinten ihren Busen, der noch unter dem weißen T-Shirt verborgen lag.

„Tolle Brüste“, sagte das Mädchen grinsend zu ihrem Freund.

„Sagte ich doch! Die Nachtschwester ist voll geil. Wir werden viel Spaß haben!“, antwortete Martin.

Katrin umfasste das Shirt und zerrte es über den Kopf von Claudia. Ihre Position hinter der Krankenschwester ausnutzend, öffnete sie auch gleich den Verschluss des BHs.

Dann trat sie wieder vor die andere Frau und betrachtete den entblößten Oberkörper. Katrin ging vor der halbnackten Frau in die Knie, bis sie sich mit ihrem Gesicht nahe vor dem weißen Slip befand.

„Zieh dein Höschen herunter, ich will alles aus der Nähe betrachten“, befahl sie der Krankenschwester.

Claudia umfasste den Bund ihres Slips und zog ihn langsam herunter, bis er über ihre Beine auf den Boden rutschte.

Katrin starrte aus kürzester Entfernung zwischen die Schenkel der Krankenschwester. Sie bewunderte das dunkelbraune, ungewöhnlich seidige Schamhaar, betrachtete dann ausführlich die zarte Spalte mit den rosigen Schamlippen und dem dunkler gefärbten, reizvoll ausgeprägten Kitzler.

„Du bist schön, Nachtschwester“, flüsterte sie, während sie geschmeidig näher kam. Sie konnte ihren Blick nicht losreißen. Dann legte sie den Zeigefinger auf die weichen Schamlippen, stieß zu und begann zu spielen.

Claudia schloss ihre Augen und ließ alles Kommende über sich ergehen. Sie war in ihrem Naturell eine devote Frau und genoss die Rolle der Erniedrigung. Es machte ihr sogar Freude, das blonde Mädchen mit der Zunge zu befriedigen. Die beiden Frauen verwöhnten sich fast eine Stunde gegenseitig. Auch Martin hatte sich an dem Spiel der Körper beteiligt. Er penetrierte abwechselnd die Nachtschwester und seine Freundin, wechselte von vaginal zu anal um zum Schluss oral seinen Höhepunkt zu erleben.

„Klasse Orgasmus“, sagte Martin, als er sein Sperma in den Mund der Nachtschwester gepumpt hatte.

„Was machen wir jetzt mit ihr?“, wollte Katrin wissen.

„Sie soll verschwinden und dafür sorgen, dass wir beide noch etwas ungestört deinen Geburtstag feiern können!“

„Ja! Das ist geil!“

„Jetzt raus mit dir, du Miststück“, fauchte Martin die Nachtschwester an. „Du sorgst dafür, dass wir ungestört bleiben.“

Claudia blickte ihn erschöpft und verwirrt an.

„Hast du nicht kapiert? Verschwinde jetzt! Wir wollen alleine bleiben.“

Er zog die Nachtschwester aus dem Bett, warf ihr die Kleidung zu, öffnete die Tür und schob Claudia auf den Gang der Station.

Ein Mann in einem weißen Arztkittel stand im Schatten und beobachtete die nackte Frau. Er grinste boshaft, als er die Nachtschwester mit wackelnden Gesäßbacken zu den Umkleideräumen laufen sah.

Darüber werden wir noch reden müssen, dachte der Beobachter!

2

Zwei Stunden hatten Martin und Katrin die Station verlassen.

„Bis bald!“, verabschiedeten sich die Teenager.

Claudia war nun müde. Sie war körperlich völlig ausgelaugt und gähnte, während der Zeiger um eine Minute vorrückte.

Jetzt war es genau vierundzwanzig Uhr.

Geisterstunde!

Die Nachtschwester war zu nüchtern und sachlich, um an Geisterspuk und all diese Dinge zu glauben. Sie erhob sich und verließ das Schwesternzimmer. Es war Zeit, den Tropf von Paul Stumpf zu wechseln.

Gleichzeitig war noch jemand zu Paul Stumpf unterwegs!

Eine grausame Bestie, die eine schreckliche Tat vorhatte!

Zielstrebig ging die unheimliche Höllenkreatur den einsamen und dunklen Flur entlang.

Er betrachtete die Türen nicht, an denen er vorbeikam. Als er jene erreichte, die in das Zimmer von Paul Stumpf führte, verharrte er einen Augenblick.

Seine Hände zuckten, die Finger spreizten sich und ein leises Knistern war zu hören. Kleine gezackte Blitze sprangen von einem Finger auf den anderen über. Die Hände des Mannes, der nicht von dieser Welt war, strahlten auf eine mysteriöse Weise.

Er öffnete die Tür.

Stille herrschte auch im Krankenzimmer. Vier Betten standen darin, doch derzeit waren nur zwei belegt. Paul Stumpf schlief ruhig. Über ihm hing eine Flasche, in der sich eine glasklare Flüssigkeit befand.

Helles Mondlicht schien zum Fenster herein und zeichnete ein silbernes Rechteck auf den Boden.

Die Wahl des Höllendiebs hätte nicht auf jeden Patienten fallen können. Er hatte speziell Paul Stumpf heraus gesucht, der mit seinen fünfunddreißig Jahren bereits Geschäftsstellenleiter einer Versicherung war. Paul war nach einem Autounfall in die Klinik gebracht worden, befand sich aber bereits wieder auf dem Weg der Besserung.

Lebensgefahr hatte für ihn nicht bestanden. Bis jetzt!

Paul Stumpf muss sterben! Das hatte der Höllenmann beschlossen. Niemand konnte den Patienten jetzt noch retten. Er war bereits so gut wie tot!

Ein grausames Grinsen verzerrte die Züge des Unheimlichen. Er näherte sich dem Schlafenden, stand reglos neben ihm und betrachtete ihn mit einer erschreckenden Gier im Blick.

Langsam hob er seine strahlenden Hände. Damit würde er stehlen, was er brauchte. Die Magie, die ihm zur Verfügung stand, würde das Diebesgut konservieren.

Er beugte sich vor.

Plötzlich waren auf dem Flur Schritte zu hören!

Der Mann mit den strahlenden Händen stieß einen leisen Fluch aus. Es wäre nicht nötig gewesen, dass er sich versteckte, aber er wollte jedes Aufsehen vermeiden.

Eine zornige Glut glomm in seinen Pupillen kurz auf und erlosch gleich wieder. Er blickte sich hastig um und versteckte sich dann hinter einer spanischen Wand, die einen Teil des Raumes abtrennte.

Durch die Scharnierspalten konnte er sehen, wer den Raum betrat. Es war eine Krankenschwester. Sie hielt eine Infusionsflasche in der Hand.

Die Krankenschwester ließ die Tür offen. Neonlicht flutete in das Krankenzimmer. Paul Stumpf wurde unruhig und schlug die Augen auf, als Schwester Claudia die Infusionsflasche wechselte.

„Tut mir leid, dass ich Sie geweckt habe“, flüsterte die Nachtschwester.

„Das macht nichts“, antwortete der Patient verschlafen.

„Wie fühlen Sie sich?“

„Gut, vielen Dank.“

„Das ist die letzte Flasche“, sagte die Krankenschwester. „Von morgen an brauchen Sie nicht mehr am Tropf zu hängen.“

Paul Stumpf lächelte. „Schade, ich hatte mich schon daran gewöhnt.“

„Schlafen Sie weiter“, forderte die Nachtschwester, warf einen Blick auf den Patienten im Nachbarbett und verließ das Krankenzimmer mit der leeren Infusionsflasche.

Während sie in das Schwesternzimmer zurückkehrte, schloss Paul Stumpf die Augen und schlief kurz darauf wieder ein.

Langsam klappte die spanische Wand zur Seite. Die Hände des Diebes begannen wieder zu strahlen. Lautlos näherte er sich seinem Opfer.

Er hob die Arme, hielt die vorgestreckten Hände über den Schlafenden. Das Strahlen nahm zu, wurde intensiver, richtete sich aber nur nach unten.

Zwischen den Händen des Diebes und der Brust des Patienten entstand eine Lichtsäule. In der Mitte dieses knisternden Leuchtens war plötzlich das Gebiss eines Wolfes zu sehen.

„Beiß!“ zischte der Höllenmann. „Beiß zu!“

Im Morgengrauen erwachte Markus Bauer, der Bettnachbar von Paul Stumpf. Man hatte ihm den Blinddarm entfernt, der Tag seiner Entlassung stand kurz bevor. Markus Bauer arbeitete als Obsteinkäufer in der Großmarkthalle. Dieser Beruf brachte es mit sich, dass er ohne Wecker im Morgengrauen erwachte. Dass man in den Krankenhäusern die Patienten bereits um sechs Uhr weckte, machte ihm nichts aus. Für viele war das eine unmenschliche Zeit, für Markus Bauer aber nicht. Er räkelte sich und drehte den Kopf auf die Seite.

Plötzlich krampfte sich sein Herz zusammen!

Mit seinem Bettnachbarn konnte irgendetwas nicht stimmen. Der Mann lag quer über der Matratze, ein Arm hing über die Bettkante herunter. Die Nadel der Infusion war aus seiner Vene gerissen, sein Gesicht war zu einer Maske des Entsetzens erstarrt.

Markus Bauer drückte den Knopf, um Hilfe zu holen.

Im Schwesternzimmer schreckte Schwester Claudia hoch. Sie war vor wenigen Minuten etwas eingenickt, war jetzt aber sofort wieder hellwach und sprang auf.

Ein Lämpchen verriet ihr, in welches Zimmer sie eilen musste. Sie hastete aus dem Schwesternzimmer und machte Augenblicke später im Zimmer von Paul Stumpf und Markus Bauer das Licht an.

Markus Bauer saß bleich im Bett.

„Schwester, schauen Sie, Paul liegt da wie tot!“, stammelte er.

Schwester Claudia warf nur einen kurzen Blick auf Paul Stumpf, dann kehrte sie um und holte den Arzt, der Bereitschaft hatte.

Dr. Claus Vogelrainer kam sofort. Er untersuchte den Patienten, hörte ihn mit dem Stethoskop ab und sagte schließlich: „Da ist nichts mehr zu machen. Der Mann ist tot.“

Schwester Claudia blickte den Arzt ungläubig an. „Um Mitternacht fühlte er sich noch gut. Er hat es mir selbst gesagt, als ich die Infusionsflasche wechselte.“

„Die Obduktion wird ergeben, woran er gestorben ist“, sagte Dr. Vogelrainer und veranlasste, dass der Tote fortgebracht wurde.

Für Markus Bauer war das ein schlimmer Schock. Er hatte sich gut mit seinem Bettnachbarn verstanden. Sie hatten ausgemacht, sich mal zu treffen, wenn sie das Krankenhaus verlassen hatten.

Sein Schock wäre noch viel größer gewesen, wenn er geahnt hätte, dass auch er auf der Totenliste des unheimlichen Diebes mit den strahlenden Händen stand.

3

Lara Bender, die Freundin von Markus Bauer, kam kurz nach dem Frühstück zu Besuch. Sie war erst achtzehn, hatte langes rotes Haar und ein hübsches Gesicht.

Gleich zu Beginn hatte sie gefragt: „Wo ist Paul? Hat man ihn verlegt? Sie können ihn doch noch nicht entlassen haben.“

„Stell dir vor“, antwortete Markus, „er lebt nicht mehr!“

Lara schaute ihn mit ihren großen Augen verblüfft an. „Das gibt´s doch nicht. Er war doch über den Berg.“

„Alle stehen vor einem Rätsel. Die Obduktion wird Aufschluss über seine Todesursache geben.“

„Kann dem Personal ein Fehler unterlaufen sein?“

„Bestimmt nicht. Die geben sich hier alle sehr viel Mühe mit uns.“

Markus Bauer erzählte seiner Freundin, wie sich das Ganze im Morgengrauen abgespielt hatte. Lara strich ihm liebevoll über sein schwarz gelocktes Haar.

„Hoffentlich kommst du bald raus. Ich möchte dich wieder sehen können, wann ich will und nicht Besuchszeiten vorgeschrieben bekommen.“

„Am Wochenende entlassen sie so gut wie nie. Also werden sie mich entweder am Freitag oder am Montag nach Hause schicken.“

„Freitag wäre mir lieber“, sagte Lara und schob ihre Hand unter die Bettdecke auf seinen Oberschenkel.

Er schmunzelte, als er spürte, wie ihre Finger sein Geschlecht suchten.

„Mir auch. Aber mit Sex werden wir noch etwas warten müssen“, antwortete Markus.

„Sprich mit dem Chefarzt“, feixte Lara. „Sag ihm, du hast eine junge Freundin, die dringend gevögelt gehört.“

„Genau das werde ich ihm sagen. Damit kriege ich ihn weich.“

Lara griff zwischen seine Schenkel und tastete nach seinem Penis.

Sie langte in die Öffnung der Krankenhauskleidung und holte das stehende Glied hervor. Markus hob die Bettdecke an und zog sie zur Seite.

Lara näherte sich mit ihrem Gesicht seinem Unterleib. In dieser Position konnte sie sich bequem mit ihren Lippen seinem Schwanz nähern.

Markus griff in ihre Haare und hielt mit festem Griff ihren Kopf. Lara mochte es, etwas dominant behandelt zu werden. Es erregte sie, wenn er ihr Befehle gab.

„Mach brav den Mund auf, damit ich dir meinen Schwanz hineinschieben kann!“

Sein Befehl erzeugte Feuchtigkeit zwischen ihren Schenkeln. Sie freute sich bereits auf das Wochenende. Lara öffnete ihre Lippen und stülpte sie über seinen Penis.

Endlich blasen, dachte das junge Mädchen, wie ich das vermisst habe. Sie begann an der harten und heißen Eichel ihres Freundes zu saugen.

„Ja! Das ist gut. Du bist wirklich klasse, Schätzchen!“, stöhnte Markus.

Die Lippen des Mädchens schlossen sich komplett um seinen harten Schaft. Sie wusste genau, wie sie es anstellen musste, um ihren Freund zu erregen. Markus schob ihr seinen steifen Penis immer tiefer in den Rachen. Fast musste Lara würgen, so tief stieß er ihn hinein. Er merkte, dass sie ein Problem mit seinem großen Schwanz bekam und zog ihn wieder etwas zurück.

Sie ließ ihre Zungenspitze immer wieder um die Eichel von Markus kreisen. Dann spürte sie sein Zucken. Gerade noch rechtzeitig konnte sie ihren Mund wegziehen.

So ging seine Ladung zum größten Teil daneben. Nur ein paar Tropfen spritzen ihr ins Gesicht und liefen über ihre Wangen hinab auf das Bett.

„Jaaaaa, das tat gut!“, stöhnte Markus auf, als er sein Sperma hinaus spritzte.

Lara eilte in das Badezimmer und säuberte ihr Gesicht. Sie nahm ein nasses Handtuch mit und reinigte das Bett. Die Besuchszeit verging wieder einmal viel zu schnell. Bedauernd nahm Lara Abschied von ihrem Freund. Markus stand auf und begleitete seine Freundin noch einige Schritte.

Es war ein Abschied für immer!

Doch das wussten beide zu diesem Zeitpunkt noch nicht!

Markus Bauer begleitete seine hübsche Freundin bis zur Stationstür. Weiter durfte er nicht gehen. Er schlich neben Lara einher, seine Hand lag auf der Stelle, an der er operiert worden war.

Seine Haltung war leicht gekrümmt. Es würde schon noch eine Weile dauern, bis er wieder Bäume ausreißen konnte. Er küsste Lara.

„Ich liebe dich“, flüsterte er zärtlich.

„Ich dich auch“, antwortete sie liebevoll. „Ich komme morgen wieder. Bleib mir treu und vernasch keine Krankenschwester.“

Als er in sein Zimmer zurückkehrte, stutzte er, denn das Bett von Paul Stumpf war wieder belegt. Markus warf einen Blick auf die Tafel, die über dem Bett des Neuen hing.

Der Mann hieß Thomas Schiefer und war 28 Jahre alt. So alt war auch Markus. Er nickte dem blonden Mann zu.

„Ich bin ihr Nachbar.“

„Freut mich, ich heiße Thomas Schiefer“, antwortete der Mann. „Aber das haben sie ja bereits auf dem Schild gelesen.“

„Ich heiße Markus Bauer. Wir können uns aber gerne duzen“, sagte Markus.

„Gerne. Ich bin der Thomas.“

„Markus.“

Beide reichten sich die Hände und lächelten sich freundlich an.

„Weshalb bist du hier?“, fragte Markus Bauer seinen neuen Bettnachbarn.

„Blinddarm“, antwortete Thomas.

„Das habe ich gerade hinter mir“, sagte Markus. „Vielleicht nimmt dir meine Erfahrung etwas die Angst. Ist halb so schlimm. Hier sind wir in den besten Händen.“

Thomas Schiefer schmunzelte. „Du wirst hoffentlich nicht dafür bezahlt, dass du für das Krankenhaus Werbung machst. Bisher habe ich um Krankenhäuser immer einen großen Bogen gemacht.“

„Tja, leider klappt das nicht immer. Ich dachte auch, mich würde es nie erwischen. Plötzlich lag ich unter dem Messer von Prof. Dr. Gerhard Weber. Er ist der Chefarzt hier im Krankenhaus. Ein angenehmer Mensch. Mit dem kann man echt gut reden.“

Obwohl Thomas Schiefer freundlich und nett wirkte, begegnete ihm Markus mit einer gewissen Zurückhaltung, die diesem jedoch nicht auffiel.

Er war immer noch in Gedanken bei dem Vorfall mit Paul Stumpf. Markus war ein bisschen schwerfällig, konnte sich auf den neuen Mann, der jetzt in Pauls Bett lag und dessen Platz einnahm, nicht so schnell einlassen.

Er nutzte die folgende Stunde, um seinen neuen Bettnachbarn etwas kennenzulernen. Es stellte sich heraus, dass Thomas Schiefer Kriminalbeamter war.

„Muss ein sehr interessanter Beruf sein“, sagte Markus.

„Du meinst, ich jage ständig Gangster. So wie in den Hollywood Filmen, oder bei der CSI Serie. Aber so ist es in der Praxis nicht. Ich mache den ganzen Tag Hintergrundrecherchen für unseren Hauptkommissar. Das ist Langeweile im höchsten Maße.“

Sie kamen einander allmählich näher. Markus Bauer fasste vor allem deshalb schneller Vertrauen zu Thomas Schiefer, weil dieser Kriminalbeamter war. Auch kannte er das Kommissariat K11 in dem sein neuer Bettnachbar tätig war. Sein Chef war Kriminalhauptkommissar Albrecht Schubert, über den Markus bereits mehrfach in der Zeitung gelesen hatte.

Er sagte sich, einen solchen Job bekämen nur Menschen mit untadeligem Ruf. Das half ihm, seine Reserviertheit mir der Zeit abzulegen.

Irgendwann erzählte er Thomas was mit Paul Stumpf passiert war. Zuerst dachte er, es wäre besser gewesen, das nicht zu erwähnen, weil Thomas Schiefer doch im gleichen Bett lag. Aber dieser steckte es mit erstaunlicher Gleichgültigkeit weg.

„Hast du kein flaues Gefühl im Magen, wo du jetzt weißt, dass in dem Bett heute Nacht ein Mensch gestorben ist?“, fragte Markus.

„Ich kann es nicht ändern, dass die mich in dieses Bett gesteckt haben. Auf jeden Fall habe ich nicht vor, hier das Zeitliche zu segnen.“

Markus lachte amüsiert. „Ich auch nicht.“

Er sollte sich irren!

4

Die Obduktion wurde von Dr. Bernd Sommer vorgenommen.

Er war ein großer, kräftiger, ernster Mann, der seiner Arbeit jenen Stellenwert einräumte, der ihr seiner Ansicht nach gebührte.

Während er den Leichnam sezierte, lief ein Tonband. Dr. Sommer beschrieb mit klarer, vernehmlicher Stimme ganz genau, was er tat. Es wurde auf Band festgehalten und würde ihm später helfen, einen lückenlosen Obduktionsbericht zu verfassen.

Der junge Assistenzarzt Marcel Schneider stand neben ihm, lernbegierig und eifrig. Auch für diesen erklärte Dr. Sommer jeden Handgriff besonders präzise. Entschlossen und mit ruhiger Hand setzte Dr. Sommer die Skalpellschnitte, durchtrennte die Haut, Fettgewebe, Muskelschichten.

Der junge Assistenzarzt beugte sich über den geöffneten Brustraum. Plötzlich war ihm, als würde er dort drinnen etwas Weißes schimmern sehen. Zähne!

Der junge Assistenzarzt schloss die Augen.

Vergangene Nacht war es spät geworden. Er hatte mit Schulfreunden gefeiert und war nur für zwei Stunden ins Bett gekommen.

Vielleicht war dies der Grund, warum ihm seine Sinne jetzt einen Streich spielten. Er konnte unmöglich wirklich die langen Fangzähne eines Raubtieres gesehen haben.

Als er die Augen wieder öffnete, fragte ihn Dr. Sommer: „Was haben Sie? Ist Ihnen nicht gut?“

„Doch, doch. Ich habe nur manchmal so ein Brennen in den Augen.“

„Vielleicht brauchen Sie eine Brille“, sagte Dr. Sommer. „Sie sollten mal zum Augenarzt gehen.“

„Ja, sicher“, antwortete der Assistenzarzt.

Die Zähne waren nicht mehr da, als er wieder in den geöffneten Brustkorb blickte. Eine Halluzination, dachte er. Hoffentlich wiederholte sich das nicht.

Dr. Sommer arbeitete weiter. Plötzlich zog er die Luft geräuschvoll ein.

„Das gibt es doch gar nicht!“, stieß er verblüfft hervor. „Das ist unmöglich. Sehen Sie. Diesem Mann fehlt das Herz!“

Prof. Dr. Gerhard Weber, der Chefarzt des Krankenhauses, diktierte seiner Sekretärin gerade die Aufgabenliste des heutigen Tages. Seine Gedanken wurden durch das Läuten des Telefons unterbrochen.

Die Sekretärin hob für ihn ab und reichte den Hörer weiter.

„Es ist Dr. Sommer aus der Pathologie. Er möchte Sie dringend sprechen“, sagte die Angestellte und reichte das Telefon an ihren Chef weiter.

Dr. Weber nahm ihr den Hörer aus der Hand. Dr. Sommer, der aus dem Obduktionsraum anrief, war so aufgeregt, dass er kaum zu verstehen war. Er entnahm den Worten seines Kollegen nur, dass er schnellstens kommen solle, um sich etwas anzusehen.

„Worum geht es denn?“, fragte Dr. Weber.

„Das müssen Sie selbst sehen, sonst glauben Sie das nicht!“, erfolgte die Antwort.

„Na schön, ich komme“, sagte der Chefarzt und legte auf.

Dr. Weber ist ein stattlicher Mann in den besten Jahren, bei Patienten und Kollegen gleich beliebt. Er besaß ein umfassendes medizinisches Wissen und wusste, wie man Menschen heilen konnte. Der Chefarzt leitete die Klinik seit fünfzehn Jahren und trug großen Anteil an dem guten Ruf, den sie hatte.

Dr. Weber fuhr mit dem Lift zwei Etagen nach unten und betrat wenig später die Pathologie. Dr. Sommer und sein junger Assistenzarzt waren immer noch erregt.

Auf dem Seziertisch lag der Tote.

„Ich kann es nicht fassen“, sagte Dr. Sommer. „Es ist unmöglich, aber dennoch eine Tatsache. Paul Stumpf fehlt das Herz!“

„Machen Sie keine Witze“, meinte der Chefarzt schockiert.

„Habe ich nicht gesagt, Sie würden es nicht glauben? Überzeugen Sie sich selbst.“

Das tat Dr. Weber. Er konnte auch nicht begreifen, was er sah. Paul Stumpf konnte ohne Herz nicht gelebt haben. Was war hier los? Waren die Ärzte mit einem medizinischen Wunder konfrontiert?

Die Wahrheit war schrecklicher!

Doch wie hätte der Chefarzt das wissen können?

5

„Heute Nacht hatte ich einen furchtbaren Traum“, erzählte Markus Bauer. Er sah Thomas Schiefer fragend an. „Glaubst du an übersinnliche Dinge?“

„Nein“, beantwortete sein Bettnachbar.

„Ich ... ich habe den Tod von Paul Stumpf irgendwie vorhergesehen, wenn ich es mir jetzt so überlege.“

„So etwas gibt es nicht.“

„Vorher geträumt müsste ich eigentlich sagen“, bemerkte Markus. „Aber wenn du es nicht hören möchtest, behalte ich es für mich. Ich will dich nicht langweilen.

„Machst du doch nicht. Ich habe hier Zeit. Erzähle es mir ruhig“, forderte ihn Thomas auf.

„Also, in meinem Traum wurde Paul Stumpf ermordet, auf eine ganz seltsame Weise.“

Markus betrachtete nachdenklich seine Hände. „Wieso fällt mir das jetzt erst ein? Heute Morgen, als ich Paul tot im Bett liegen sah, konnte ich mich an diesem unheimlichen Traum nicht erinnern.“

„Vielleicht musste dein Unterbewusstsein erst den Traum verarbeiten“, antwortete Thomas Schiefer. „Wenn er tatsächlich so schrecklich war ...“

„Oh ja, das war er“, sagte Markus und nickte heftig. „Zuerst war hier alles still und friedlich, im Traum meine ich. Es muss so um Mitternacht gewesen sein, da betrat jemand den Raum. Der Kerl war mir von Anfang an nicht geheuer. Er schlich auf Paul zu, ich bildete mir ein, er wollte meinem Bettnachbarn etwas antun. Ich wollte Paul warnen, aber wie das in Träumen so ist, ich konnte nicht rufen, nur zusehen. Eine kalte Angst lähmte mich. Auf dem Flur waren Schritte zu hören, der unheimliche Mann versteckte sich hinter der Trennwand. Nachtschwester Claudia kam und wechselte die Infusionsflaschen aus. Paul wurde kurz munter und redete mit ihr. Nachdem sie gegangen war, schlief er wieder ein. Der unheimliche Kerl kam wieder hervor. Seine Hände leuchteten. Er hielt sie über Pauls Brust. In dem Licht erschien ein Raubtiergebiss. Beiß zu, zischte der unheimliche Mann und ... die Zähne gehorchten. Paul verlor dabei sein Herz.“

Thomas Schiefer schmunzelte. „Du hast aber eine sehr rege Phantasie. Träumst du öfters so aufregend?“

„Zum Glück nicht. Sonst würde mich noch mal im Schlaf der Schlag treffen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich mich dabei aufgeregt habe.“

„Du könntest einem Horrorautor als Ideenlieferant dienen“, sagte Thomas grinsend.

„Ich träumte das alles so realistisch. Als würde es tatsächlich passieren. Heute Morgen war dann Paul wirklich tot.“

„Zufall!“, erklärte Thomas Schiefer. „Niemand kann in die Zukunft sehen. Auch im Traum nicht. Außerdem war das wohl alles ein bisschen überdreht. Ein Mann mit strahlenden Händen. Ein Wolfsgebiss. Paul verliert sein Herz. So etwas ist nur in einem Alptraum möglich.“

Markus nickte zustimmend. „Du hast natürlich recht, so etwas kann sich niemals wirklich zutragen, aber je länger ich mich damit auseinander setze, desto mehr bilde ich mir ein, dass es kein Traum, sondern Wirklichkeit war. Vielleicht sollte ich fragen, ob die hier auch einen Psychiater haben.“

Der junge Krankenpfleger Toni Huber betrat das Zimmer. Er arbeitete erst seit wenigen Wochen im Krankenhaus, war ein kleiner Mann mit einem muskulösen Körper, wirkte wie ein Gewichtheber der Fliegengewichtklasse.

„Na, habt ihr euch schon angefreundet?“, erkundigte sich der Krankenpfleger freundlich.

„Ja“, antwortete Thomas lächelnd. „Mein Bettnachbar hat mir soeben eine unheimliche Geschichte erzählt. Wollen Sie die mal hören?“

„Ja, sehr gerne. Auf Gruselgeschichten stehe ich wahnsinnig“, meinte der Krankenpfleger.

Es war Markus nicht recht, dass Thomas die Geschichte weitererzählte, aber er wusste nicht, warum. Was war schon dabei?

Toni Huber schüttelte sich vor Lachen, als Thomas mit der Geschichte geendet hatte.

„Mann, die Story ist wirklich gut. Ich schau bald wieder bei euch rein. Vielleicht habt ihr dann was neues Gruseliges auf Lager.“

Er wechselte die Handtücher und ging.

„Der Unheimliche in deinem Traum“, sagte Thomas, „hatte er kein Gesicht? Ich meine, kannst du ihn beschreiben?“

„Ich habe sein Gesicht gesehen“, antwortete Markus. „Aber irgendwie scheint sich mein Geist gegen die Erinnerung zu wehren. Ich sehe den Mann genau vor mir. Nur sein Gesicht befindet sich hinter einem nebeligen Oval. Ich kann es nicht erkennen.“

Thomas lachte heiser. „Hoffentlich kommst du nicht auf die Idee, deinem unheimlichen Killer meine Gesichtszüge zu verleihen.“

Der Krankenpfleger Toni Huber hatte nur einen Fehler: Er konnte nichts für sich behalten. Was man dem Krankenpfleger erzählte, trug er prompt durch die ganze Klinik.

Man hätte es ebenso gut einer Katze an den Schwanz binden können. So machte der unheimliche Traum von Markus Bauer ziemlich schnell die Runde im Krankenhaus.

Dieser Traum kam auch dem Chefarzt zu Ohren.

Prof. Dr. Gerhard Weber wollte den Patienten erst aufsuchen, doch dann dachte er, es wäre besser, wenn er mit dem Mann in seinem Büro unter vier Augen sprechen würde.

Er bat eine Krankenschwester, ihm den Patienten zu holen.

Markus Bauer traf nach wenigen Minuten ein. Dr. Weber begrüßte freundlich seinen Patienten und bot ihm an, sich zu setzen.

Markus fragte sich schon die ganze Zeit über, was Dr. Weber von ihm wollte. Es war schließlich nicht üblich, dass man vom Chefarzt in dessen Büro empfangen wurde.

Dr. Weber fiel nicht gleich mit der Tür ins Haus. Er erkundigte sich zuerst nach dem Befinden seines Patienten.

„Danke, es geht mir den Umständen entsprechend gut. Deshalb möchte ich die Gelegenheit beim Schopf packen und Sie bitten, mich am Freitag nach Hause zu schicken.“

„Wir werden sehen“, sagte Dr. Weber, der sich jetzt noch nicht festlegen wollte. „Ich werde Sie morgen untersuchen. Wenn sich abschätzen lässt, dass es nicht riskant ist, Sie heimgehen zu lassen, werde ich Sie nicht länger hierbehalten. Ich hoffe, Sie fühlen sich wohl bei uns.“

„War für mich ein echter Glücksfall, dass ich in Ihre Klinik kam“, sagte Markus ehrlich.

„Schlimm, dass Ihr Bettnachbar starb, nicht wahr?“

„Ja, war ein echter Schock für mich. Paul Stumpf war in meinen Augen kein todkranker Mann. Es ging ihm doch gut. Und plötzlich ...“

„Das war auch für uns eine höchst unerfreuliche Überraschung“, gab der Chefarzt zu. „Aber mir kam da etwas zu Ohren. Es heißt, Sie hätten geträumt, dass Paul Stumpf sterben könnte?“

„Ihr Krankenpfleger ist schlimmer als ein altes Waschweib“, seufzte Markus.

„Er ist besser als eine Hauszeitung“, sagte Dr. Weber. „Vor allen viel schneller. Würden Sie mir bitte Ihren Traum erzählen, Herr Bauer?“

„Also wissen Sie, ehrlich gesagt, rede ich nicht gerne davon. Ich habe es einmal erzählt und glaube, dass dies zu viel war.“

Der Chefarzt konnte ihn aber schließlich doch überreden, ihm seinen Alptraum nochmals zu schildern.

„Und der Mann, der das getan hat, hat in Ihrer Erinnerung kein Gesicht?“, fragte Dr. Weber mit ernster Stimme.

„Ich habe sein Gesicht gesehen“, sagte Markus. „Aber nun ist es weg. Es war ein Gesicht, das mir bekannt war.“

„Würden Sie mich umgehend in Kenntnis setzen, wenn Sie sich doch noch erinnern sollten?“

„Wozu? Halten Sie das Ganze für keinen Traum? So etwas Irres kann nicht wirklich passiert sein.“

„Können Sie etwas für sich behalten, Herr Bauer?“

„Klar. Geheimnisse sind bei mir besser aufgehoben als in einem Tresor.“

„Wenn ein Mensch stirbt und sich die Ärzte nicht über die Todesursache im Klaren sind, wird er obduziert, damit man weiß, woran er gestorben ist“, sagte Dr. Weber.

„Das ist mir bekannt.“

„Was ich ihnen jetzt sagen werde, wird ihren Alptraum in ein anderes Licht rücken, Herr Bauer. Als Dr. Sommer die Obduktion bei Paul Stumpf durchführte, musste er zu seiner großen Verblüffung feststellen, dass der Tote kein Herz hatte.“

„Was wollte denn der Chefarzt von dir?“, erkundigte sich Thomas Schiefer, als sein Bettnachbar zurückkehrte.

Markus zuckte mit den Schultern und antwortete: „Es ging um meine Entlassung. Ich würde gerne schon am Freitag nach Hause gehen.“

Thomas lächelte. „Das kannst du mir doch nicht antun. Dann liege ich hier völlig alleine herum. Niemand mehr zum Reden, das wäre ja furchtbar.“

„In Krankenhäusern herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Vielleicht ist in ein paar Tagen dieses Zimmer sogar voll belegt.“

Der Krankenpfleger Toni Huber brachte das Abendessen. „Na, wie war´s beim Chef? Mir kommt vor, ihn bedrückt irgendetwas. Wissen Sie, was er hat?“

„Keine Ahnung“, antwortete Markus Bauer.

Ihm kam vor, als würde Thomas heimlich die Ohren spitzen. War der Mann nur neugierig, oder steckte mehr hinter diesem Wissensdurst?

Nach dem Abendessen wurde Markus müde. Seine Freundin Lara hatte ihm vor zwei Tagen einen iPod gebracht. Er setzte die Kopfhörer auf und ließ sich mit Musik berieseln, während Thomas neben ihm in einer Zeitschrift blätterte.

Markus fielen die Augen zu.

Es dauerte nicht lange, bis er von diesem unheimlichen Mörder träumte. Er sah den Mann neben dem Bett von Paul Stumpf stehen. Diesmal war das nebelige Oval seines Gesichts nicht ganz so verschwommen. Gesichtszüge ließen sich erahnen.

Markus Bauer strengte sich im Schlaf an. Er versuchte, den Nebel zum Verschwinden zu bringen. Zuerst wollte es ihm nicht gelingen, doch nach und nach wurde der Nebel dünner. Das Gesicht des Mörders schälte sich heraus.

Die letzten Schleier verflüchtigten sich. Markus sah den Mann ganz deutlich. Die Panik griff mit eiskalten Händen nach seinem Herz.

Er stöhnte und keuchte, hatte Angst. Obwohl er träumte begriff er, dass er in der vergangenen Nacht keinen Alptraum gehabt hatte.

Er hatte diesen Wahnsinn tatsächlich gesehen!

Verstört öffnete er die Augen.

Er sah Thomas Schiefer, der sich über ihn gebeugt hatte!

6

Schwarz und düster ragten die Mauern der alten Abtei St. Laurentius im Norden von München aus der Landschaft.

Der Wind pfiff unter die Dachsparren und heulte zwischen den Mauerritzen. Ein längst vergessener Herzog hatte die Abtei erbauen lassen, doch sie war nie von heiligen Männern und kirchlichen Würdenträgern bewohnt und benutzt worden.

Nach ihrer Fertigstellung hatte jener Herzog, der wohl einen Hang zum Makabren besaß, in diesen Mauern wüste Orgien gefeiert.

Man führte schwarze Messen durch, verherrlichte das Böse und betete den Höllenfürsten an. Mit dem Tod des Herzogs zerfiel die Sekte, die schwarze Abtei aber blieb bestehen.

Sie ragt noch heute als düsteres Mahnmal auf.

Die Bewohner der Stadt München mieden diese Gegend großräumig. Bereits seit Generationen warnten die Alten ihre Nachkommen vor diesem Ort. Nur Touristen, insbesondere japanische Reisegruppen, fanden die alten Mauern anziehend und spannend.

Aber sie wussten es auch nicht besser!

In den alten Gewölben herrschte ewige Nacht. Ein Gerücht besagte, dass derjenige verloren ist, der sich dort hinunterwagte, auch wenn er reinen Herzens war. Dem Bösen hingegen würde kein Leid geschehen, er wäre dort unten stets willkommen.

Der Mann, der in diesem Augenblick die kalten Steinstufen hinunterstieg, war nicht nur böse, er war die Inkarnation des Bösen schlechthin.

Der Mann mit den strahlenden Händen! Ein Wesen aus der Hölle!

Er betrat den Raum, in dem früher die schwarzen Messen abgehalten worden waren. Die Wände schienen das Lustgestöhne der Sektenmitglieder und die verzweifelten Schreie der Opfer in sich aufgesogen zu haben.

Sie gaben es in diesem Augenblick auf eine grauenerregende Weise wieder.

Der Höllenmann trug einen kleinen Metallbehälter. In diesem befand sich das Herz von Peter Stumpf.

Das Herz war in schwarzer Magie gebettet. Diese bewirkte, dass es immer noch schlug!

Der Mann hob den Würfel an sein Ohr. Laut und deutlich waren die Schläge des Herzens zu vernehmen.

Aber ein Herz war zu wenig. Der Mann brauchte drei! Mit ihrer Hilfe konnte er dann Kräfte herbeizitieren, die ein schwarzes Wunder vollbringen sollten.

Seine Schritte hallten durch das unterirdische Gewölbe. Er näherte sich dem Blutaltar und stellte die erste Opfergabe darauf. Er trat zurück und aktivierte die im Würfel befindliche Magie mit schwarzen Formeln.

Langsam durchdrang ein Licht die Metallwände. Der Würfel erhellte die Dunkelheit auf eine geisterhafte Weise.

Es wurde totenstill in der Tiefe der schwarzen Abtei St. Laurentius.

Der milchig-trübe Schein, der vom Würfel ausging, legte sich auf die Wände. Ein riesiges Fresko hob sich von der Stirnwand ab.

Es zeigte nichts weiter als das Profil eines kahlen Totenschädels. Niemand kannte den Schöpfer. Keiner wusste, wie lange es dieses dämonische Fresko schon gab. Es war denkbar, dass es von allein entstanden war. Durch die Kraft der Hölle, die selten auf der Erde so präsent war wie hier.

Man sagte, es wäre möglich, dieses Höllenfresko zum Leben zu erwecken. Jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Demjenigen, der sie schuf, würde dann eine gefährliche Macht zur Verfügung stehen und ihn unbesiegbar machen.

Nach dieser Macht gierte der Höllenmann.

Das erste Herz befand sich an seinem Platz.

Heute Nacht würde er sich das Nächste holen. Bald würden die Voraussetzungen für eine Belebung des Geisterfreskos erfüllt sein.

Der Mann zog sich rückwärtsgehend vom Blutaltar zurück.

Das Böse, das hier unten wirkte, hatte sein Opfer angenommen. Das Leuchten des Würfels erlosch nicht.

Der Mann verließ die schwarze Abtei. Er eilte einen steinigen Weg durch die Dunkelheit. Zwischen den Bäumen stand sein Wagen. Er stieg ein und fuhr los.

Dreißig Minuten später erreichte er die Ungererstraße in München. Er betrat das Städtische Krankenhaus durch einen Hintereingang.

7

Der Himmel kannte kein Pardon!

Der Motor sang sein monotones, einschläferndes Lied.

David Buchmann sah hinaus in die Nacht.

Am Horizont war bereits der Sonnenaufgang zu erahnen. Hier oben, hunderte Meter über der dichten Wolkendecke war der Himmel absolut klar. Die Sterne waren stumme Zeugen ihres Fluges.

David war todmüde. Eine Zigarette würde ihn jetzt sicher etwas munterer machen. Dann schüttelte er genervt den Kopf, als ihm bewusst wurde, dass in Flugzeugen absolutes Rauchverbot herrschte.

„Wie bitte?“, fragte eine Frau neben ihm. Sie hatte sein stilles Gemurmel als Gespräch verstanden.

„Entschuldigung“, antwortete David, während sich das Flugzeug sanft in eine leichte Kurve legte. „Ich habe nichts gesagt. Aber ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Ich heiße David Buchmann.“

„Sehr erfreut. Ich heiße Sarah Engel“ sagte die Frau und lehnte sich genüsslich zurück, wobei sie nochmals kopfschüttelnd ihre Mähne in Position brachte.

„Der Name passt“, antwortete David.

„Sarah?“, fragte sie keck. Langsam fand sie Gefallen an der Unterhaltung.

„Nein, ich meine natürlich den Nachnamen. Wir befinden uns über den Wolken, da finde ich den Namen Engel passend.“

„Darf ich Sie für diesen Wortwitz zu einem Drink einladen?“, fragte die Frau.

„Danke, vielleicht etwas später.“ Davids Backen wurden dicker und seine Gesichtsfarbe bekam einen dezenten Grünstich.

„Hat da wohl jemand Flugangst?“, feixte die Frau. „Aber ein Mann hat doch keine Angst!“

„Ich habe keine Angst“, zischte David. „Mir ist nur leicht übel!“

„Kein Angst“, die junge Frau konnte sich weitere Sticheleien einfach nicht verkneifen. „Sie wissen doch, runter kommen wir immer. Die Frage ist nur wie schnell!“

„Das ist wirklich sehr beruhigend“ sagte David und kramte vorsichtshalber einmal die „Notfalltüte“ aus der Rückenlehne des Vordermanns. Irgendwie hatte David das dumme Gefühl, sich gerade in erstklassiger Weise zum Kasper zu machen.

„Ich habe wirklich keine Angst vor dem Fliegen, sondern davor, dass sich mein Magen selbstständig machen könnte.“

Sein einziger Gedanke war, nicht nach unten sehen und ja nicht anfangen zu kotzen.

„Der ist nämlich sehr empfindlich und reagiert hypernervös.“

Sein Gesicht wurde immer grüner, die Hände verkrampften sich in den Armlehnen.

„Ja, klar“, antwortete die Frau. David spürte nicht nur den ironischen Unterton in ihrer Stimme, sondern auch ihren Blick auf seine verkrampften Hände, die nach wie vor die Armlehnen malträtierten.

„Nun ja“, druckste David, der erkennen musste, dass er sich aus dieser Sackgasse nicht mehr herauswinden konnte, „vielleicht habe ich doch leichte Flugangst.“

David ließ sich in den Sitz zurücksinken und blickte aus dem Fenster.

Ein verheerender Fehler!

Das Flugzeug hatte inzwischen Achttausendfünfhundert Meter erreicht und David, der alles andere als schwindelfrei war, konnte noch in letzter Sekunde die Papiertüte entfalten.

„Ja“, grinste Sarah schadenfroh, „ist nicht zu übersehen! Vielleicht sollten wir mit dem versprochenen Drink noch solange warten, bis ihr Magen einverstanden ist.“

David wäre am liebsten im Erdboden versunken, aber der lag ja nun mal knapp neuntausend Meter unter ihm. Die Stewardessen begannen unterdessen ihre Getränkewagen durch die Gänge zu schieben.

„Was kann ich ihnen anbieten?“, fragte eine der Stewardessen höflich.

„Mir bitte einen Kaffee und ihm eine neue Tüte!“, grinste Sarah, die es längst aufgegeben hatte, sich das Lachen zu verkneifen.

„Sehr witzig“, antwortete David leicht beleidigt, „aber das kommt gar nicht in die Tüte, ich nehme eine Cola, für meinen Magen.“

„Na gut“ entgegnete Sarah, „dann eben für ihn eine Cola und eine Tüte, für den Fall, dass die Cola doch in die Tüte kommt!“

Das Gesicht von David verfinsterte sich mehr und mehr.

Sarah spürte, dass sie offenbar etwas zu weit gegangen war.

„Nicht böse sein“, versuchte sie ihn zu beruhigen, „aber ich habe eine schlimme Zeit hinter mir. Der Urlaub sollte mich wieder auf positive Gedanken bringen. Aber das war leider nicht der Fall. Sie bringen mich zum Lachen, das hat die letzten zwei Jahre keiner geschafft. Darauf können sie sich was einbilden!“

Doch bevor David antworten konnte, wurde die Unterhaltung von der Durchsage des Piloten unterbrochen.

„Meine sehr geehrten Damen und Herren!“, klang es durch die Lautsprecher. „Wir haben vom Wetterdienst soeben eine Unwetterwarnung erhalten. Es ist daher in nächster Zeit mit stärkeren Turbulenzen zu rechnen. Bitte legen Sie die Sicherheitsgurte an.“

„Na, klasse!“, seufzte David. „Das kann ich jetzt gebrauchen wie Zahnschmerzen.“

Er legte klickend den Gurt an. Nur wenige Minuten später war es dann auch soweit und das Flugzeug wurde kräftig durchgeschüttelt.

„Ich fürchte, es geht gleich los“, stöhnte David und begann zu würgen.

„Da habe ich eine schlechte Nachricht für Sie!“, antwortete Sarah. „Ich brauche jetzt Ihre Tüte!“

Jetzt musste David lachen. „Ja, ja, für mich die Tüte bestellen und dann selber benutzen!“

„Seien Sie doch still“, prustete die Frau, „das ist fies! Lachen und Übergeben gleichzeitig geht nicht!“

Zwei Tüten später beruhigte sich das Wetter wieder und beide konnten erleichtert aufatmen.

„Wohnen Sie in München?“, fragte die junge Frau.

„Ich wohne, arbeite und lebe in München. Sie auch?“, entgegnete David.

„Ja, ich studiere Medizin. Ich hatte zwei Wochen Urlaub. Was arbeiten Sie?“, fragte die junge Frau weiter.

„Ich bin Privatdetektiv“, antwortete David.

„Klingt spannend. Waren Sie beruflich in Südafrika?“

„Nein, das war kein Auftrag. Ich hatte vier Wochen eine Art Ausbildung.“

David lehnte sich zurück und schloss die Augen.

Er dachte an die Zeit bei Häuptling Atu Wekesa zurück.

Der Stammesführer in Südafrika war der führende Lehrer für paranormale Phänomene. Er wusste alles über den Kampf gegen Dämonen. Außerdem beherrschte er die Heilung mit silberner Magie. David hatte vier Wochen bei dem Häuptling gelebt und sehr vieles gelernt. In seinem Gepäck befand sich ein kleiner Koffer, der mit verschiedenen Heilmitteln gefüllt war. David spürte, dass ihm noch einige Kämpfe gegen die schwarze Magie bevorstanden. Mit diesem Koffer und dank der intensiven Ausbildung durch Atu Wekesa, fühlte er sich für diesen Kampf gerüstet.

„Sie wirken so nachdenklich“, sagte die junge Frau neben ihm.

„Ich war vier Wochen weg und freue mich auf zu Hause. Besonders auf Louise“, antwortete der Privatdetektiv.

„Ist das ihre Freundin?“

„Ja, aber erst seit drei Monaten“, sagte David und schloss wieder seine Augen.

Seine Gedanken wanderten in der Zeit zurück.

Der Privatdetektiv hatte vor drei Monaten den Auftrag von Aurelius von Bartenstein, dem Vater von Louise, angenommen. Während der Lösung dieses Falles war die Mutter von Louise gestorben.

„Wie haben Sie ihre Freundin kennengelernt?“, fragte die junge Frau neben ihm neugierig.

„Eine gute Frage. Es war während einer schwierigen Ermittlung“, antwortete der Privatdetektiv.

Wieder schloss er seine Augen und überlegte, wann er sich in Louise verliebt hatte.

War es bei der ersten Begegnung im Garten ihrer Eltern gewesen?

Nein, es war später geschehen!

Er schickte seine Erinnerung zurück in die Vergangenheit:

Sie stand auf der anderen Seite des offenen Grabes. Die Beerdigung ihrer Mutter: Desiree von Bartenstein. Louise trug das Haar offen, ihre langen schwarzen Haare wehten um ihr Gesicht. Schwarz war ihre natürliche Haarfarbe, dass wusste er mittlerweile, denn ihr Schamhaar hatte die gleiche Farbe, wenn sie nass aus der Dusche kam.

Damals versuchte David dem Pfarrer zuzuhören, konnte aber seine Augen nicht von der jungen Frau abwenden. Sie hatte die Hände in den Taschen ihres grauen Mantels vergraben. Die Schultern waren hochgezogen und der Kopf gleichsam gesenkt. Sie sah zart und zerbrechlich aus. Er hielt diesen Anblick nicht aus und schloss für einen Moment die Augen.

Das Geräusch, als die Erde auf den Sargdeckel prasselte, ließ ihn wieder die Augen öffnen. In diesem Moment blickte ihn die zerbrechliche Louise an. Sie stand zwischen zwei Männern, rechts neben ihr Aurelius von Bartenstein, ihr Vater. Auf ihrer anderen Seite stand ihr älterer Bruder Henri. Ihre tränenverschleierten Augen blickten direkt in seine.

Er spürte, wie sein Herz für einen Augenblick aufhörte zu schlagen.

Genau in dieser Sekunde hatte er sich in Louise verliebt.

Am Grab ihrer Mutter!

„Sie sind plötzlich so nachdenklich“, sagte die junge Frau im Flugzeug neben ihm.

„Tut mir leid, ich hänge meinen Gedanken nach. Ich bin ein schlechter Gesellschafter“, antwortete er.

„Das macht nichts, Sie scheinen nicht bemerkt zu haben, dass wir uns im Anflug auf München befinden.“

David schaute erstaunt aus dem Fenster. Er sah die Lichter einer Stadt unter sich. Wie lange habe ich denn geträumt? dachte er verwundert.

Das Flugzeug senkte seine Höhe und setzte kurz darauf auf dem Münchner Flughafen Franz Josef Strauß im Erdinger Moos auf. Als das Flugzeug zum Stillstand gekommen war, flitzten auch schon die kleinen Autos mit den Treppen heran.

Kreidebleich und völlig entkräftet stieg David die Treppe hinab.

„Und, wie fanden Sie unseren Flug?“, fragte ihn Sarah.

„Ehrlich gesagt, zum Kotzen!“, erwiderte David und musste lachen.

Er war wieder zu Hause!

Gleich konnte er Louise in die Arme nehmen. Sie sehen, spüren, riechen und küssen. Sein Herz schlug schneller, er fühlte sich wie ein verliebter Teenager.

Wie die Ölsardinen in der Dose quetschte sich einer nach dem anderen in den bereits hoffnungslos überfüllten Bus. Der Busfahrer schloss gerade die Türen, als ein zweiter Shuttlebus vorfuhr.

„Wenn jetzt alle gleichzeitig einatmen, platzt der Bus!“, feixte Sarah.

David mochte ihren Humor. Gelassen betraten sie mit den anderen Passagieren, die noch übrig waren, den zweiten Bus, in dem ausreichend Sitzplätze zur Verfügung standen. Der Fahrer schloss die Türen und der Bus setzte sich brummend in Bewegung.

„Herzlich willkommen in München“, begrüßte der Fahrer seine Gäste.

Kurz darauf hatte der Bus das Flughafengebäude erreicht. David ging zielstrebend zur Gepäckausgabe, seine Augen suchten durch die Glasscheiben Louise. In den Menschenmassen konnte er sie aber nicht finden.

Wie Ameisen flitzten die Passagiere zum Förderband, schnappten sich irgendwelche Gepäckstücke und verschwanden wieder im Gewühl. Interessiert, aber teilnahmslos sah David dem ganzen Treiben zu.

Sarah hatte bereits ihre Koffer erhalten. Sie verabschiedete sich herzlich von David. Er gab ihr noch eine Visitenkarte für den Fall, dass sie einmal einen Privatdetektiv nötig hätte.

Kurz darauf konnte er seine Koffer vom Band nehmen und auf den Rollwagen stellen, den er sich organisiert hatte.

Dann verließ er die Zone der Gepäckausgabe durch eine breite Glastür. Nachdem er den Zollbereich passiert hatte, erreichte er die wartenden Angehörigen. Viele Menschen lagen sich bereits in den Armen.

David blickte sich um.

Seine Augen suchten nach Louise.

Vier lange Wochen hatte er sie nicht gesehen. Dann spürte er plötzlich, wo sie stand. Er drehte sich und sah sie an einer Wand gelehnt stehen. Sie trug ihr schwarzes Haar wieder offen. Ihre Augen strahlten, der Mund zeigte ein liebevolles Lächeln. Der Ausschnitt des grünen Poloshirts zeigte ihre makellose, gebräunte Haut. Louise ist schlank, mit 1,75 Metern Größe hatte sie Modelformat. Die langen Beine steckten in einer verwegen verwaschenen Jeans, die unten eng geschnitten war.

Sie blickte David in die Augen.

Er ging langsam auf sie zu. Sie schluckte.

Ihre Augen sagten zärtlich: Ich liebe dich!

Sie nahmen sich in die Arme und küssten sich. Es kam beiden so vor, als wären sie nie getrennt gewesen.

Sie sprachen kein einziges Wort ...

... keine stumme Geste,

... kein leiser Gedanke,

... nichts,

... nur grenzenloses Verstehen und die intime Nähe dieses Wiedersehens.

Pulsuz fraqment bitdi.

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