Kitabı oxu: «Die astrologischen Häuser»
Standardwerke der Astrologie

2. Korrigierte Auflage 2012
Inhalt
Vorwort
Horoskopkreise und Tierkreiszeichen
Die Theorien der Häuserbedeutung
Einführung in die Teilung der Himmelssphäre
Die Hemisphären
Die Quadranten
Eckstellung
Die Freuden
Ein historischer Überblick
Die Kardinalpunkte und die Bedeutsamkeit der solaren Philosophie Ägyptens
Die untere Himmelsmitte (IC): 4. Haus
Der Aszendent (AC): 1. Haus
Die Himmelsmitte (MC): 10. Haus
Der Deszendent (DC): 7. Haus
Aspekte und Pforten: 2. Haus / 8. Haus
Die Achse 2. Haus / 8. Haus
Planetare Freuden: 5. Haus / 11. Haus
Das 5. Haus
Das 11. Haus
Der König und die Königin: 3. Haus / 9. Haus
Das 3. Haus
Das 9. Haus
Abschluss und Niedergang: 6. Haus / 12. Haus
Das 12. Haus
Das 6. Haus
Häuserherrschaft in der Praxis
Das 1. Haus
Das 2. Haus
Das 3. Haus
Das 4. Haus
Das 5. Haus
Das 6. Haus
Das 7. Haus
Das 8. Haus
Das 9. Haus
Das 10. Haus
Das 11. Haus
Das 12. Haus
Die Häuserproblematik
Die Häuser als dreidimensionale Teilung des Raums
Schwierigkeiten bei der auf der Ekliptik beruhenden Teilung des Raumes
Die auf dem Raum beruhende Alternative
Projizierte Häuserteilungen: Zeitsysteme
Mach‘ es möglichst einfach!
„Starke Orte“ bei Ptolemäus und die Erweiterung des Einflusses der Häuser
Verwirrungen über die „Grenze der Eckstellung“
Die Kröte schlucken - auch wenn sie einem nicht schmeckt
Anhang A: Glossar
Anhang B: Die Planetenstunden
Die Berechnung der Planetenstunde
Anhang C: Al Birunis Ratschlag zur Ermittlung der Geburtszeit
Kapitel 524: Verfahren bei einer Nativität
Kapitel 525: Keine Geburtszeit - die Verwendung des Animodar
Literatur
Vorwort
von Robert Hand
Die Häuser sind in der modernen Astrologie der Baustein mit den größten Problemen, und doch sind sie zugleich einer ihrer grundlegendsten Bestandteile. Wer sich mit moderner Astrologie auskennt, weiß, dass die Debatte um die richtige Methode der Berechnung der Häuserspitzen lange getobt hat. Wir haben heute eine außerordentliche Methodenvielfalt: Koch, Campanus, Placidus, Regiomontanus, äquale Häuser, Meridianhäuser, Morin usw. Die genaue Lokalisierung der Häuser ist äußerst wichtig, denn sehr viele Techniken hängen von einer exakten Kenntnis der Häuserspitzen ab. Jedoch scheint die Astrologie auch heute der Lösung dieses Problems noch keinen Schritt näher gekommen zu sein. Aber das wissen wir alle.
Es scheint aber nicht so klar zu sein, dass sich das Häuserproblem nicht ausschließlich auf deren mathematische und astronomische Herleitung beschränkt. Wir haben auch ein zunehmendes Problem mit den Deutungsinhalten der Häuser. Besonders in den letzten Jahrzehnten setzte eine ernsthafte Verschiebung hinsichtlich der Bedeutung der Häuser ein. Wir geraten also nicht nur bezüglich der korrekten Rechenmethode in Widersprüche, sondern auch im Hinblick auf die Deutung der Häuser. Deborah Houlding befasst sich im vorliegenden Buch hauptsächlich mit diesem zweiten Problem, also den Unterschieden in der Symbolik.
Es ist nicht schwierig nachzuvollziehen, wie es zu dieser Situation kommen konnte. Ich selbst habe in meinen Anfangszeiten ganz ohne Häuser gearbeitet, weil mir ihre Interpretation und die Anordnung ihrer symbolischen Bedeutung wunderlich und willkürlich erschien. Doch sogar die Deutungen der Häuser, so wie sie uns seit dem 19. Jahrhundert überliefert sind, lassen zugrunde liegende Muster vermuten. Ich habe mich in meinem Buch Horoskopsymbole mit einigen davon befasst. Zum Beispiel sind allgemein gesprochen die Häuser über dem Horizont eher sozialer und kollektiver Natur, während die Häuser unter dem Horizont eher persönlich und individuell ausgerichtet sind. Häuser, die zueinander in Opposition stehen, scheinen zwei Aspekte ein und desselben Lebensbereiches zu sein. Häuser auf der linken (aufgehenden) Seite des Horoskops sind mehr mit den Taten des Geborenen verbunden, während die Häuser auf der rechten (untergehenden) Seite mehr mit der Erfahrung des Individuum zu tun haben usw.
Jedoch lässt keines dieser Muster sich für jedes Haus in jedem Abschnitt des Horoskops beibehalten. Jedes Bemühen, die Bedeutung der Häuser vernünftigen Kategorien unterzuordnen und eine Art zusammenhängender, theoretischer Grundlage zu schaffen, misslingt, weil eines oder mehrere Häuser nicht in ein bestimmtes Schema passen.
Deswegen ist die Versuchung groß, die Bedeutung der Häuser zu „berichtigen“, so dass jene Häuser, die nicht stimmig sind, passend gemacht werden können. Ich habe mehrere solcher Anpassungen in meinem Buch Horoskopsymbole1 vorgeschlagen, Vorschläge, die ich heute sehr viel zögerlicher machen würde. Es könnte sich letzten Endes herausstellen, dass wir diese Angleichungen vornehmen müssen. Aber zuvor sollten wir den Entstehungsprozess der Bedeutung der Häuser im Laufe der Geschichte gründlich verstanden haben.
Nachdem ich Zugang zu vielen der älteren Schriften im Original oder in Übersetzungen hatte, wurde mir klar, dass den meisten Studenten der Astrologie diese Möglichkeit leider verwehrt bleibt. Es ist also eine Diskussion über die Kernfrage der Interpretation der Häuser notwendig. Zusätzlich benötigen wir eine gute Zusammenfassung der Entwicklung ihrer Deutung im Laufe der Zeit. Diese gab es bislang nicht. Das vorliegende Buch schießt diese Lücke jedoch. Hier haben wir eine vorzügliche Kritik an der Tendenz jener modernen Astrologen, die mit der Tradition improvisieren und diese verändern, ohne dem, was die Tradition sagt, genügend Beachtung zu schenken. Der Großteil dieses Buches befasst sich mit der Geschichte der Interpretation der Häuserachsen und den unterschiedlichen Deutungsansätzen, die für jeden sichtbar dargelegt werden. Es kann in letzter Instanz zutreffen, dass die moderne Astrologie eigene Wege gehen muss, um eine Lösung für die Häuserproblematik zu finden. Aber lassen Sie uns das wenigstens erst dann tun – falls wir es tun müssen, wenn wir die Möglichkeiten der alten Überlieferungen ausgeschöpft haben. Nach diesem Buch, meine ich, gibt es keine Entschuldigung mehr dafür, die überlieferte Geschichte zu ignorieren. Ich würde mir wünschen, dass selbst jene Astrologen, die kein besonderes Interesse an traditioneller Astrologie, also der Astrologie vor 1700 haben, und die das Häuserproblem scharfer Kritik unterziehen wollen, diesen Schritt erst dann gehen, nachdem sie dieses Buch zu Rate gezogen oder selbst vergleichbare Forschungen betrieben haben.
Horoskopkreise und Tierkreiszeichen
Die Theorien der Häuserbedeutung
Jedes Gestirn wird freilich unter welchem Bild auch immer von den Häusern des Kosmos geprägt; das Haus überlagert Sternennatur, bringt Gaben und Schaden; die Sphäre durchwandelt Jedes Gestirn, erhält dort die Kräfte und schenkt sie dem Himmel.
Manilius2
Schon seit dem klassischen Altertum waren die Häuser einer der vier Hauptbestandteile der Astrologie. Zusammen mit den Planeten, Zeichen und Aspekten bildet ihre zwölffache Aufteilung der Himmelssphäre einen der grundlegenden Bausteine der astrologischen Deutung. Jedoch trotz all der vielen Bücher, die von der unentbehrlichen Botschaft der Häuser sprechen, existiert merkwürdigerweise nur sehr wenig in der zeitgenössischen Literatur, das eine echte Würdigung dieser ausschlaggebenden Bedeutung durch eine Darlegung fördert, woher deren Bedeutung kommt. Der Ursprung ihrer Symbolik wird kaum verstanden und von modernen Astrologen wurde nur wenig daran gesetzt, die Bedeutung der Häuser zu definieren und zu erforschen.
Es scheint so, als sei eine Tradition bezüglich der Charakteristik der Häuser aufgebaut worden mit wenigen oder gar keinen Gedanken daran, wie diese zu ihren überlieferten Deutungsinhalten kamen. Woher wissen wir, was sie bedeuten? Die meisten von uns lernen deren Auslegung am Beginn des Studiums, indem wir uns mechanisch auf ein System von Begriffen zur Häuserbedeutung besinnen, die wir im Gedächtnis verankern und in die Praxis integrieren. Wir lernen, dass das 2. Haus für Wohlstand und Finanzen steht – aber warum? Schwangerschaft gehört in das 5. Haus – aber warum? Gefängnisstrafen sind im 12. Haus, Tod im 8.Haus und Reisen im 9. Haus zu finden – aber wiederum ist es wichtig zu fragen, warum.
Stellt man solche Fragen einem Astrologen, dann variieren die Antworten von einem verwirrten „keine Ahnung“, über „weil das Zeichen dafür steht“ bis zu „vielleicht ist das numerologisch“. Nur wenige haben sich die Mühe gemacht, die Ursprünge und Entwicklung der Häuser zu erforschen und noch weniger empfanden es als eine Kernfrage, über die etwas geschrieben werden sollte.
Die meisten Astrologen würden mit mir darin übereinstimmen, dass eine exakte astrologische Praxis von einem gefestigten Verständnis der Grundprinzipien abhängt. Wo es uns an einer klaren Vorstellung der Grundlage der Hausbedeutung fehlt, verlegen wir uns darauf, neue Herrscher zuzuordnen. Als Stundenastrologin werde ich oft von Studenten um Rat gefragt. Sie wissen nicht, aus welchem Haus sie eine Deutung entnehmen sollen, weil ihre Denkweise verwirrt ist. Aber auch erfahrene Astrologen konsultieren mich, die mit der Entscheidung kämpfen, welches Haus in Horoskopen für ungewöhnliche Situationen relevant ist. Das Wissen um die Grundkonzepte beseitigt diese Zweifel, denn dadurch wird klar und offensichtlich, wo ein Merkmal des Lebens, sei es traditionell oder gegenwärtig, in das Häuserschema passt. Hierin liegt der Schlüssel zu einer erfolgreichen Astrologie: eine überzeugende und unzweideutige Anwendung ihrer Symbolik.
Unter den heutigen Theorien der Häuserbedeutung gibt es gegenwärtig nur zwei Ansätze, denen man eine Glaubwürdigkeit zubilligt. Der erste ist die ziemlich unbedachte Annahme, dass die Häuser mit den Tierkreiszeichen assoziiert werden und ihre Bedeutung daraus gewinnen. Auf diesen Punkt kommt Ralph William Holden in seinem Buch Astrologische Häusersysteme zu sprechen, wo er behauptet:
Beide [Häuser und Zeichen] repräsentieren einfach zwei Sichtweisen auf dasselbe Konzept, welche der Grundidee der Zeichen zu eigen ist, sei es Widder, Stier, Zwillinge oder eines der anderen Zeichen. … Folglich ist die Grundbedeutung für das erste Haus keineswegs ,Erscheinungsbild, Disposition, Aussehen, Körper, Gesundheit, Vitalität, oder körperlicher Zustand“, sondern einfach nur ,Widder’. Dies enthält schlussendlich alles, was gesagt werden muss.3
Zwar erlaubt die moderne Astrologie einen Austausch der Bedeutung zwischen Häusern und Zeichen, doch der Annahme, dass Häuser ihre Deutung von den Zeichen herleiten, wird in den klassischen Texten klar widersprochen, wo eine wesentlich strengere Unterscheidung leicht zu erkennen ist. Diese Theorie ist bestenfalls grobe Vereinfachung. Schlimmstenfalls verwischt sie die Ränder zweier vollkommen separater astrologischer Techniken, was zu einer flachen Symbolik führt, die so vage ist, dass sie kaum von praktischem Nutzen ist.
Verzerrungen schleichen sich ein, schwächen die Aussagekraft der Symbolsprache und gelangen schließlich zu allgemeiner Akzeptanz aufgrund der einfachen Handhabung. Finanzielle Angelegenheiten und nützliche Ressourcen werden nicht mehr nur auf das 2. Haus eingeschränkt, sondern durch die Assoziation „Stier herrscht über Wohlstand“ und durch Schlussfolgerungen auf die Venus ausgedehnt, so dass diese als natürlicher Signifikator für Geld angesehen wird. Diejenigen, die diese Idee fraglos angenommen haben, sollten eine Denkpause einlegen, bevor moderne Abweichler sich in weiteren Verästelungen verzweigen und wir den Bezug zu den Grundprinzipien völlig verlieren. Die traditionellen Herrscherbezüge bleiben ganz auf der Strecke, da sie mit der Sonnenzeichen-Theorie nicht erklärbar sind. Indem sie missverstanden werden, werden sie an Wert verlieren und werden wahrscheinlich durch ungeeignete Vorschläge ersetzt. Wenn wir nicht sorgfältig sind, dann wird alles, was streng genommen in das 5. Haus gehört, aber nicht mit der Symbolik des Löwen übereinstimmt, aus Bequemlichkeit gestrichen. Und dann müssen wir uns auch nicht mehr mit den Deutungen abmühen, die aus räumlichen Qualitäten hergeleitet werden.
Überprüfen wir exemplarisch die gedankliche Kette „2. Haus = Stier = Venus = Geld“. In antiken und traditionellen Texten beschreibt das Zeichen Stier keineswegs Wohlstand. Ebenso wenig würde ein Zeichen wie Fische für Gefängnisstrafen stehen. Zeichen und Häuser werden als zwei vollkommen verschiedene Begriffe verstanden, wobei jedes eine spezielle Rolle spielt. Die Zeichen sollen beschreibende Informationen über die Planeten liefern. Die Häuser sollen den Einfluss der Planeten lokalisieren und ein Gespür für deren Befähigung oder Unfähigkeit erbringen. Die alten Astrologen bezogen sich auf die Symbolik des Stiers in beschreibender Weise und waren der Auffassung, dass das Zeichen erdbetont, kalt, trocken, melancholisch, fest, weiblich, nächtlich, fix und ein tierisches ist. Da Stier ein Zeichen ist, das der fruchtbaren Frühlingsperiode angehört, wurde es als erzeugend, gemäßigt und fruchtbar angesehen. Stier herrscht über den Hals und beschreibt anschaulich einen Menschen mit breiter Stirn, großem Mund, dunklem Haar sowie einem starken Nacken. Man ging davon aus, dass Stier sturköpfige und halsstarrige Charaktere hervorbringt, die etwas schwerfällig sind, mit einem einfachen Gemüt und einer unveränderlichen geistigen Haltung, ganz ähnlich wie das Tier, das sie sinnbildlich darstellt. Die Ansicht, dass Stier über die Finanzen herrscht, ist eine neuzeitliche Idee, die man lediglich daraus ableitete, dass man das Zeichen mit dem 2. Haus identifizierte.
Versuchen Sie, einen Beleg in klassischen Texten dafür zu finden, dass der Planet Venus Handel oder Finanzen repräsentiert. Sie werden nichts dergleichen finden. Zieht man die inhärente Natur der Venus mit in Erwägung, dann ist Venus in kaum einer Weise ein Planet des Handels. Ja – Venus sucht den Luxus sowie all die schönen Dinge, die wir mit Wohlstand assoziieren. Aber dieser weiche, runde Planet kennt in geschäftlichen Angelegenheiten keine Gewandtheit. Sie kann uns dazu inspirieren, mehr auszugeben, als wir uns an erfreulichen Dingen leisten können, denn Venus würde alles für einen Wohlfühlfaktor opfern würde, aber dass sie der Planet des Genusses und der Freude am Luxus ist macht sie noch lange nicht zum Planeten für Geld und Kommerz. In der traditionellen Astrologie gereicht diese Ehre dem Merkur, dem traditionellen Signifikator für Handel, Tauschgeschäfte und Wechselverkehr und selbstverständlich auch für Geldbörsen, Schätze, Münzen und alles, was mit Währung zu tun hat.
Als ein weiteres Beispiel dafür, wohin dieses kunterbunte „Vermischen und Austauschen“ führen kann, wenden wir uns dem 11. Haus der Freunde und Hoffnungen zu. Wir sind in der Anwendung des Basiswissens so undiszipliniert geworden, dass wir uns fast verpflichtet fühlen, das 11. Haus einfach mit der Bedeutung des Wassermanns zu überlagern – eine Situation, die erst recht zu schweren Verzerrungen führt, wenn Uranus auch noch ins Spiel gebracht wird. Es wird gelehrt, dass alle drei eine ähnliche Bedeutung haben und jeder auf den anderen bezogen werden kann. In dem populären Astrologiebuch The New Complete Astrologer4 finden wir bei der Beschreibung von Uranus unter anderem die Begriffe: humanitär, freundlich und liebenswürdig. Wassermann wird als „nicht vorhersehbar, exzentrisch, rebellisch, widersprüchlich, taktlos und verderbt“ beschrieben – ein Austausch der Symbolik zwischen Planet und Zeichen, der den gängigen Häuserdeutungen einverleibt wird durch solche falschen Auffassungen wie dass das 11. Haus Erdbeben, Astrologie und soziale Rebellion regieren würde. Diese modernen Häuserzuordnungen werden in diesem Buch in Frage gestellt, da ihre Grundlagen unbewiesen und unzuverlässig sind. Wir sollten nicht davon ausgehen, dass Popularität von Grundregeln, die in modernen Textbüchern unablässig wiederholt werden, ein Hinweis für deren Vorzug ist, zumal Verleger gerne für eine Vereinfachung plädieren, um einen breiteren Markt zu erreichen. Die Verknüpfung der Hausbedeutung mit der Symbolik der Zeichen kann für diejenigen ganz nützlich sein, deren natürliche Neugier sich nur auf drei anstatt vier Grundprinzipien erstreckt.
Kommt es aber so weit, dass man gleichrangige Qualitäten von verschiedenen Grundbestandteilen des Horoskops ähnlich deutet, so führt dies lediglich zu einer endlosen Aneinanderreihung von schwacher Symbolik, was der Fantasie erlaubt, sich alles vorzustellen, was sie will. Dies lenkt aber nur von tiefer und ausführlicher Darstellung ab, die ein abgegrenzterer und systematischerer Zugang zu den Häusern erbringen kann.
Ein Rückgriff auf die Urprinzipien würde uns zwingen einzuräumen, dass Uranus viel eher zu der Beschreibung „nicht vorhersehbar, exzentrisch, rebellisch, widersprüchlich, taktlos und verderbt“ passt. Das würde zugleich für den Wassermann bedeuten, dass er seine Reputation als „humanes“ Zeichen zurückgewinnt, bekannt für Gunst, Taktgefühl und Geselligkeit. Die menschlichen Zeichen – die Luftzeichen – sind die stolzen Eigner einer bemerkenswerten Fähigkeit zu intellektueller Kommunikation sowie für zivilisiertes und rationales Denken, ganz anders als die animalischen Zeichen, die mehr zu sturem und aufsässigem Verhalten neigen, da es ihnen an den sozialen und geistigen Fähigkeiten der Luftzeichen mangelt. Indem wir zu den Ausgangsprinzipien zurückkehren werden wir auch einräumen müssen, dass kein Planet die Züge von „Liebenswürdigkeit“ und „freundschaftlicher Gesinnung“ weniger an den Tag legt als Uranus. Seine ersten Beobachter charakterisierten ihn an „böse“ und entzweiend in seiner Auswirkung. Uranus verursacht Trennung, und wenn er Spannungen löst, dann geschieht dies manchmal auf eine abrupte Weise, die man als schockierend, grausam und gewaltsam erlebt. Wenn wir auf die Ausgangsprinzipien zurückgreifen, dann müssten wir schließlich auch akzeptieren, dass die Planeten kennzeichnen, die Zeichen beschreiben und die Häuser örtlich bestimmen und befähigen. Dies können sie umso effektiver, wenn jedem seine Eigenheit zuerkannt wird. Bei seiner Erklärung zum Ursprung der Hausbedeutung hätte Ralph Holden nicht noch falscher liegen können – das 1. Haus hat sehr wohl mit „Auftreten, Aussehen, Veranlagung, Körper, Gesundheit und Vitalität“ zu tun und viel weniger mit Widder, als die meisten von uns denken.
Holdens Theorie ist nur in einem Punkt stimmig, es scheint nämlich bei den anatomischen Zuordnungen immer eine Verwandtschaft zwischen Zeichen- und Hausbedeutung bestanden zu haben. So werden sowohl das 1. Haus als auch Widder dem Kopf zugeordnet, das 2. Haus und Stier werden dem Hals zugeordnet usw. Aus diesem Grund hat William Lilly die Zeichen als Co-Signifikatoren für die Häuser bezeichnet, aber die Planeten, die er als Co-Signifikatoren feststellte, haben nichts zu tun mit den Zeichenherrschern. In seinem Werk wird den Verbindungen zwischen Zeichen und Häusern abgesehen von deren gemeinsamer Herrschaft über bestimmte Körperteile keine große Bedeutung zugemessen. Die Vorstellung, dass diese in einem allgemeineren Sinne gleichgestellt werden könnten, scheint erst während der Popularisierung der Astrologie im 17. Jahrhundert Fuß gefasst zu haben und ist seitdem langsam unser Denken eingesickert. Die Astrologen der Renaissance, die ihre Arbeit ernst nahmen, verwarfen diese Verdrehung der astrologischen Prinzipien und mahnten zur Vorsicht. Dies klingt ganz offensichtlich bei Nicholas Culpeper durch. Er schreibt im Jahr 1658:
Manche Autoren vertreten die Meinung, dass die Zeichen die gleiche Bedeutung haben in der Abfolge der Himmelshäuser, so dass Aries das Leben bezeichnet, Stier den Besitz, Zwillinge die Geschwister und kurze Reisen – alles weitere kennen Sie. Wahrlich, es ist meine Meinung, dass viele Autoren wundersame Dinge erfunden haben, und nachdem sie dies getan hatten, haben sie dies der Nachwelt als Wahrheit vorgesetzt. Diese wiederum hat es ohne weitere Erprobung übernommen und die Tradition in Plüsch und das arme Urteilsvermögen in Lumpen gekleidet. Ein Autor hat es so gesagt. Ergo ist dies wahr, ob richtig oder falsch.5
Ohne Rücksicht darauf, ob einige Astrologen es für nützlich halten, die Bedeutung von Zeichen und Häusern in dieser Weise anzuwenden, bleibt es eine historische Tatsache, dass sich die Bedeutung der Häuser nicht aus den Tierkreiszeichen heraus entwickelt hat, sondern dass die Zeichen angepasst und ausgeweitet wurden, um ihnen die Bedeutung der derjenigen Häuser einzuverleiben, die ihnen in der natürlichen Abfolge der Zeichen entsprechen. Wie wir anhand der Untersuchung der traditionellen Herrschaftsbezüge und der diesen zugrunde liegenden Prinzipien sehen werden, erlangten die Häuser ihre wesentlichen Deutungsinhalte durch die Eingliederung ganz anderer und sehr viel wichtigerer symbolischer Einflüsse. Ihnen ist eine wirkungsvolle Philosophie zu eigen, die wir sehr wohl erkennen dürften, wenn wir uns von vagen und unpräzisen Deutungsmöglichkeiten lösen und den Blick für zuverlässige und spezielle Details schärfen, die einen direkteren und praktischeren Wert haben.
Die zweite allgemein akzeptierte Theorie über die Entstehung der Häuserbedeutungen behauptet, dass sie das Ergebnis eines ursprünglichen „Lebenszyklus“ sind, der am Aszendenten beginnt und mit dem 12. Haus endet, wo wir uns zersetzen und in das Gefäß des Unbewussten auflösen, aus dem wir einst gekommen sind. Dieser Ansatz hat eine besonders populäre Anziehungskraft, da er eine psychologische oder spirituelle Wahrheit präsentiert und genügend unklar ist, um für jede aktive Imagination einen fruchtbaren Boden zu liefern. Diese Theorie wurde besonders von denjenigen Astrologen verfochten, die eine lockere Herangehensweise an Symbole bevorzugen, was eigentlich nur dann funktioniert, wenn man in der Lage ist, die traditionellen Herrscher in eine vollkommen neue Perspektive zu überführen. Howard Sasportas war ein berühmter Vertreter dieses Standpunktes. Er schreibt zum Beispiel in seinem Buch Häuser und Aszendenten, dass die Häuser ein Rad des Lebens darstellen, welches mit der Zählung der Häuser im Gegenuhrzeigersinn korrespondiert. Dies scheint mit den ersten Häusern auch gut zu funktionieren und wir erfahren: „Das Aszendentenzeichen symbolisiert eine Facette der Gesamtheit des Lebens, die im eigentlichen Sinne des Wortes Verkörperung durch das sucht, was in diesem Augenblick geboren wird.“6 Das zweite Haus weist auf unsere „Beziehung zu allem, was mit Geld und Besitz zu tun hat, also auf unsere Einstellung gegenüber der materiellen Welt und den Bedingungen, die wir in diesem Bereich antreffen“7 , im dritten Haus entwickeln wir unser „Ego-Bewusstsein“ usw.
Danach beginnt die Logik der Theorie abzudriften und bietet uns keine rationale Erklärung dafür, warum ausgerechnet das 8. Haus des Todes dem 10. Haus vorausgehen soll, welches mit Karriere und Berufung zu tun hat, oder warum das 5.Haus, dem Schwangerschaft und Kinder zugeordnet werden, dem 7. Haus von Partnerschaft und Ehe vorausgeht. Die Versuche, Tradition und die gegenwärtige Anwendung auszusöhnen, sind ausgeklügelt und Punkte, die dafür sprechen, werden mehr durch kreative Vermutungen als durch historische Forschung gerechtfertigt. Ich wiederhole, diese Theorie verlässt sich stark auf die modernen Herrscherzuordnungen, für die es im traditionellen System keinen Beleg gibt. Das führt zu immer weiterer Aushöhlung der traditionellen Häuserdeutung, anstatt die Hypothese tauglich zu machen.
Das erkennbare Versagen der derzeit vorherrschenden Theorien ist daran zu sehen, dass sie es vorziehen, die Deutungen, die während der gesamten Geschichte der Astrologie üblich und gängig waren, zu ignorieren. Um es passend zu machen, müssen wir unser Verständnis von den Deutungen zu etwas „entwickeln“, das so ziemlich genau das Gegenteil von dem ist, was die Astrologen früherer Generationen zugelassen hätten.

Abb. 1: Moderne, psychologische Bedeutung der Häuser
„Schaden, Tod und Kummer“, früher dem 8. Haus zugeordnet, nahm einen schnellen und dramatischen Entwicklungsweg und wurde zur „Transformation“ und dadurch zur „Sexualkraft“. Dadurch ging das traditionelle Empfinden für einen Niedergang verloren und eine starke Ausdruckskraft für neues Leben tritt an dessen Stelle. Anstatt zu versuchen, die Grundlagen der Haussymbolik zu entwirren, indem man deren Ursprünge, Entwicklung und überlieferte Anwendung in Erwägung zieht, scheint es einfacher zu sein, die Einzelheiten zu verändern, damit diese zu den Erklärungen passen. Aber es ist einfach unmöglich, die Prinzipien zu verstehen, die in den Hausdeutungen verankert sind, ohne einen ernsthaften Versuch zu unternehmen, die symbolische Perspektive zu erforschen, aus der heraus sie sich entwickelten. In diesem Sinne ist es wesentlich, dass wir uns der Problematik nicht mit der Haltung des Astropsychologen des 20. Jahrhunderts nähern, sondern mit der Kenntnis der philosophischen und kulturellen Weltanschauung jener Zivilisationen, die diese entwickelt haben. Ich meine die alten Zivilisationen, in denen ein wirkungsvolles Verständnis der universellen und kosmischen Gesetze mythologisch ausgedrückt wurde, was wir erst heute zu schätzen beginnen. Dadurch vertiefen wir nicht nur unser praktisches Wissen von ihrer Bedeutung, sondern ergründen auch die tiefen Einsichten, durch welche die Alten erkannten, dass die Lebensreise durch kosmische Muster und Zyklen gespiegelt wurde.
Der Zweck dieses Buches liegt darin, zu zeigen, dass keine der derzeit gängigen Theorien über Tierkreiszeichen und psychologische Lebenskreise als historisch stimmig angesehen werden kann, und dass keine der Theorien einen vollen und zuverlässigen Einblick in die „Grundzüge“ der Häuserdeutung gewährt. Ein Ziel des Buches ist es, wieder zur Kraft der traditionellen Perspektive zurückzufinden. In dieser Perspektive ist die astronomische und symbolische Würdigung der räumlichen Qualitäten in die Mitte unserer Kunst eingeschlossen, wie wir sie täglich in unserer Deutung der Häuser nutzen und die so selten unsere nachdenkliche Aufmerksamkeit und tiefe Achtung erfährt.
Einführung in die Teilung der Himmelssphäre
Leser, denen die traditionellen Techniken neu sind, werden die folgende Darstellung nützlich finden. Im Laufe des Buches werden wir darauf noch ausführlicher zu sprechen kommen. Verwendete Begriffe aus der traditionellen Astrologie werden bei ihrem erst-maligen Gebrauch erläutert und finden sich auch im Glossar (Anhang A).
Die Hemisphären
Die Himmelssphäre wird durch den Horizont in zwei Hälften geteilt.
Über der Erde: 7., 8., 9., 10., 11. und 12. Haus. Planeten in einem dieser Häuser kann man über dem Horizont sehen. Allgemein gilt ihr Einfluss als aktiver, kräftiger und mehr nach außen gekehrt (oder sozial). Das 10. Haus, das in Verbindung mit der Himmelsmitte gesehen wird, wird ganz besonders als „über der Erde“ gesehen.

Abb. 2: Der Horizont
Diese Hemisphäre ist auch als „diurnale Hälfte oder Taghälfte“ bekannt. (Diurnal bedeutet „entsprechend der Qualität des Tages und ist dem männlichen Prinzip ähnlich, indem ein direkter Ausstoß an Energie und ein expressiver Einfluss suggeriert wird).
Unter der Erde: 1., 2., 3., 4., 5. und 6. Haus. Planeten in diesen Häusern kann man nicht sehen und sie liegen unter dem Horizont. Allgemein gilt ihr Einfluss als passiv, subtil, verborgen und mehr im privaten Erfahrungsbereich. Das 4. Haus wird mit dem Imum Coeli gleichgesetzt und manchmal auch als „unter der Erde“ bezeichnet.
Diese Hemisphäre ist auch als „nocturnale Hälfte“" bekannt. (Nocturnal bedeutet „die Qualität der Nacht“ und ist dem weiblichen Prinzip ähnlich, indem eine sich zurückziehende Energie suggeriert wird.)
Die Himmelssphäre wird weiterhin auch durch den Meridian in zwei Hälften geteilt.
Aufsteigende Hälfte. 1., 2., 3., 10., 11. und 12. Haus. Die Himmelssphäre scheint sich während ihrer Tagesbewegung um den scheinbar stillstehenden Standpunkt des Beobachters zu drehen. Planeten in diesen Häusern steigen auf in Richtung Himmelsmitte, welche den höchsten Punkt bei ihrer täglichen Durchquerung des Himmels repräsentiert. Generell ist ihr Einfluss eher vital und auf die persönlichen Aktivitäten und Eigeninitiative ausgerichtet. Das 1. Haus, das auch mit dem Aszendenten gleichgesetzt wird, wird ausdrücklich als „aufsteigend“ bezeichnet.

Abb. 3: Der Meridian
Diese Hälfte ist auch als „orientale Hälfte“ (oriental im Sinne von östlich) bekannt, weil die Planeten im Osten über dem Horizont aufgehen. (Es gibt auch einen östlichen Quadranten – siehe unten). Da diese Hälfte mit den neu aufgestiegenen Planeten assoziiert wird, gelten die als östlich gekennzeichneten Planeten als Hinweis auf Jugend, Dynamik und erneuerte Kraftquellen.
Absteigende Hälfte. 4., 5., 6., 7., 8. und 9. Haus. Die Planeten in dieser Hälfte haben ihren höchsten Punkt bereits überschritten und steigen nun in Richtung Imum Coeli ab, welches den tiefsten Punkt im Horoskop im täglichen Himmelslauf der Planeten repräsentiert. Generell gilt ihr Einfluss als schwächer, eher destruktiv oder feindselig, und bezieht sich auf Erfahrungen, in die jemand anderes verwickelt ist oder die von jemand anderem angeregt wurden. Das 7. Haus, das auch mit dem Deszendenten gleichgesetzt wird, wird ausdrücklich als „absteigend“ bezeichnet.
Die Quadranten
Die Teilung der Himmelssphäre durch den Horizont und den Meridian ergibt vier Viertel oder Quadranten. Jeder Quadrant hat seine eigene Qualität und sein eigenes Temperament, was den Zyklus der täglich über die Achsen aufsteigenden und absteigenden Planeten mit den Jahreszeiten und den „Menschheitsaltern“ verbindet.
Der Einfluss der Quadranten fungiert nur als ein Unterbau zu den Hausbedeutungen, jedoch wird die Vertrautheit mit den folgenden Prinzipien nützlich sein für das Verständnis der in diesem Buch vorgetragenen Argumente.

Abb. 4: Die Quadranten
Der sanguinische Quadrant. Er befindet sich zwischen Aszendent und Himmelsmitte und umfasst das 10., 11. und 12. Haus. Man nennt ihn östlichen (oder orientalischen) Quadranten, weil er mit dem Aszendent beginnt, der die Ekliptik im Osten schneidet. Er wird als „männlich“ klassifiziert und mit dem Vorgang des Aufstiegs assoziiert und deswegen symbolisch mit neuem Leben, aktivem Wachstum und Projekten im Anfangsstadium oder Personen in der Kindheit verknüpft. Bei den traditionellen Prognosetechniken werden Planeten in diesem Quadranten in Bezug zu jungen Menschen gesetzt oder sie beschleunigen die Auswirkungen der zeitlichen Abstimmung.8 Aktives Wachsen und Sprießen werden auch dem Frühling zugeordnet, sowie dem die Gesundheit erhaltenden sanguinischen Körpersaft, dem Blut, das mit dem Element Luft gleichgesetzt wird. In Einklang mit seinem Körpersaft wird der Einfluss, den dieser Quadrant auf die Planeten ausübt, als „warm und feucht“ bezeichnet.
Der cholerische Quadrant. Er reicht von der Himmelsmitte bis zum Deszendenten und umfasst das 7., 8. und 9. Haus. Er wird als südlicher Quadrant bezeichnet, da er am Medium Coeli beginnt, welches die Ekliptik im Süden schneidet9. Er wird als „weiblich“ klassifiziert. Obwohl er schon zum Deszendenten hin absteigt befindet er sich immer noch in der Taghälfte und wird deswegen symbolisch mit Aktivität, offenem Ausdruck und der Zeit zwischen Jugend und Erwachsenenalter assoziiert. Da dieser Quadrant mit dem blühenden Leben verbunden ist, gehört zu ihm der Sommer und der Hitze erzeugende Körpersaft, der mit dem Feuer zu tun hat. In Einklang mit seinem Körpersaft wird der Einfluss, den dieser Quadrant auf die Planeten ausübt, als „heiß und trocken“ bezeichnet.
Der phlegmatische Quadrant. Dieser befindet sich zwischen Deszendent und Imum Coeli und umfasst das 4., 5. und 6. Haus. Man bezeichnet ihn als den westlichen Quadranten, denn er beginnt am Deszendenten, der die Ekliptik im Westen schneidet. Er wird als „männlich“ klassifiziert und wird mit dem Lebensabschnitt zwischen Erwachsensein und Alter assoziiert. Er steht im Bezug zum Herbst und dem ausscheidenden Körpersaft, der dem Element Wasser entspricht. Folglich wird sein Einfluss als „kalt und nass“ definiert.
Der melancholische Quadrant. Dieser beginnt beim Imum Coeli und steigt auf zum Aszendenten. Er umfasst das 1., 2. und 3. Haus. Er wird als „nördlich“ bezeichnet, weil er am IC beginnt, welches die Ekliptik im Norden schneidet. Er wird als „weiblich“ klassifiziert und mit der Lebensphase des hohen Alters assoziiert. (Manche sagen auch, er bezeichne die Phase zwischen Tod und Wiedergeburt). Er steht im Bezug zum Winter und dem bindenden melancholischen Körpersaft, der auch mit dem Element Erde gleichgesetzt wird. Sein Einfluss ist „kalt und trocken.“

Abb. 5: Eckhaus – nachfolgendes Haus – fallendes Haus
Die Eckstellung
Aus der obigen Darstellung wird ersichtlich, dass die Kardinalpunkte die Einflüsse und die jeweilige Qualität der räumlichen Einteilung definieren. Der Abstand der Häuser von den Kardinalpunkten und die daraus abgeleitete Einteilung in kardinale, nachfolgende und fallende Häuser ist eine wichtige Grundlage bei der Deutung.
Eckhäuser: 1., 4., 7. und 10. Haus – die einflussreichsten Häuser, in denen die Planeten besonders stark stehen. Diese werden so genannt, weil sie an den Kardinalpunkten stehen.
Nachfolgende oder sukzedente Häuser: 2., 5., 8. und 11. Haus. Häuser mit einem dazwischenliegenden Stärkegrad. Diese werden so genannt, weil sie in der Tagesbewegung der Himmelssphäre auf die kardinalen Häuser folgen.
Fallende oder kadente Häuser: 3., 6., 9. und 12.Haus. Die schwächsten Häuser, in denen die Planeteneinflüsse als schwach und erschöpft gelten. Man nennt sie so, weil sie in der Tagesbewegung der Himmelsphäre von den Ecken "wegfallen". Das bedeutet, Planeten im 3. Haus haben sich zuvor durch das 4. Haus bewegt, in dem ihre Wirkung sehr stark war. Und nun sind sie noch sehr weit entfernt von der nächsten Ecke, dem Aszendenten.
Stärken der Häuser: Obwohl es kleinere Unterschiede in der Gewichtung bei den verschiedenen Autoren gibt, staffelt sich die Wirksamkeit der Planeten wie folgt:
1. Haus – 10. Haus – 7. Haus – 4. Haus – 11. Haus – 5. Haus – 9. Haus – 3. Haus – 2. Haus – 8. Haus – 6. Haus – 12. Haus.
Planeten kommen demnach im 1., 7. und 10. Haus besonders stark zum Ausdruck. Im 8. Haus, 6. Haus und im 12. Haus sind sie besonders schwach.
Die Freuden
Jeder der sieben sichtbaren Planeten hat eine besondere Beziehung zu jeweils einem Haus, in dem er besonders stark steht. Man sagt, die Planeten „erfreuen“ sich an diesen Orten, da diese Häuser eine Umgebung bieten, die für den natürlichen Einfluss des jeweiligen Planeten angemessen und unterstützend ist.

Abb. 6: Die Freuden der Planeten
Ein historischer Überblick
Mit solcher Beschaffenheit musst Du dir die Kräfte der Häuser notieren; die Kette der Zeichen eilt da hindurch und empfängt und vergibt auch an jene das jeweils eigene Gesetz; die Planeten durchziehen sie in festester Ordnung wie die Natur sie vorgibt, und bewirken der Häuser verschiedene Wirkung, sowie sie fremde Herrschaftsgebiete besetzen und dann als fremde Gestirne ein fremdes Lager beziehen.
Manilius10
Die Debatte darüber, wann die Astrologie sich als formalisiertes Himmelsstudium entwickelt hat, ist noch nicht abgeschlossen. Ohne Zweifel hat die Beobachtung von Sonne, Mond und Sterne unsere Aufmerksamkeit schon seit den Anfängen des menschlichen Verstandes gefangen genommen. Die uns bekannten ältesten Aufzeichnungen von einer andeutungsweise organisch aufgebauten Astrologie sind die Venus-Tafeln von Ammi-saduqa11, die ungefähr um 1600 v. Chr. entstanden sind. Einige Gelehrte gehen davon aus, dass es sich dabei um Kopien älterer Texte handelt, die während der Herrschaft des babylonischen Königs Sargon von Akkad (2371 – 2230 v. Chr.) entstanden sind. Von Sargon heißt es, dass er Astrologen beschäftigte, die ihm die besten Zeitpunkte für seine Projekte nennen sollten. Dies war annähernd zu jener Zeit, als die Pyramiden erbaut wurden, und man muss darauf hinweisen, dass diese alten Kulturen mathematische und astronomische Weiterentwicklungen in Gang gebracht haben, die für die nächsten 3000 Jahre in Europa beispiellos waren.
Im Gegensatz zu der lange vorherrschenden Meinung, dass die alten Ägypter die Astrologie entwickelt hätten, die zum Vermächtnis der hellenistischen Welt wurde, lässt sich heute schwerlich beweisen, dass die klassischen Astrologen Techniken verwendet hätten, die in Ägypten schon vor dem 4. Jahrhundert vor Christus bekannt waren. Die alten Ägypter zeigten zwar wohl scharfe Aufmerksamkeit für himmlische Zyklen und Ereignisse, denn ein Großteil ihrer Religion und Mythologie gründete sich auf den Himmel, und es gibt eindeutige Anzeichen, die belegen, dass ihre Gebäude und Tempel eine verschlüsselte astrologische Symbolik enthalten. Aber der Schwerpunkt ihres Interesses lag eindeutig bei Fixstern-Konstellationen, und diese hatten ganz offensichtlich weniger mit einer systematischen Planetenbeobachtung auf dem Niveau zu tun, wie man es in Mesopotamien findet.
In Mesopotamien begegnet uns viel eher der zutreffende Befund für die Verwendung astrologischer Techniken, die bis in unsere Zeit überdauert haben. Die Astrologie der Babylonier basierte ihrem Wesen nach auf Beobachtung und war der Leberschau ganz ähnlich. Diese war eine sehr alte Divinationsmethode, die in der Zeit Babyloniens (1900 – 1600 v. Chr.) nachgewiesen ist. Hierbei wurde die Leber eines Tieres untersucht, und aus deren Form, Farbe, charakteristischer Besonderheit, Feuchtigkeitsgehalt, Reinheit, Gewebeveränderung und aus der Anzahl der Verunstaltungen wurde eine Bedeutung abgeleitet. Eine ähnliche Vorgehensweise, auf den Himmel übertragen, wurde zur Grundlage für die Astrologie. Die Bedeutung eines Sterns oder Planeten wurde aus seiner Farbe, Helligkeit, Geschwindigkeit, Himmelsposition und aus allgemeinen physikalischen Phänomenen abgeleitet. Die Planetenbewegung wurde in Beziehung gesetzt zu den vier Kardinalpunkten und im Sinne der Himmelsrichtungen Ost, West, Nord oder Süd beschrieben; oben oder unten; links oder rechts. Jede Ortung hatte ihre eigene Bedeutung. Eine babylonische Regel besagte: „Was rechts von mir ist, gehört mir, was links von mir ist, kommt vom Feind.“ Ganz ähnlich wurde der Osten als eine günstige, vertraute Position angesehen, während der Westen mit Feindseligkeiten und Gegnern assoziiert wurde. Die Götter der Erde und der Natur wurden mit dem Süden in Zusammenhang gebracht, die Götter der Hölle wurden dem Norden zugeordnet. Nord-West war die unheilvollste Himmelsrichtung von allen. Ungefähr 1000 v. Chr. wurde in Mesopotamien ein detaillierter Sternenkatalog zusammengestellt, und ab dem 6. Jahrhundert vor Christus haben wir den Nachweis über die Einführung des Tierkreises als eine Methode zur verfeinerten Messung der Planetenpositionen. Es fehlt uns allerdings ein Hinweis darauf, dass damals schon Häuser verwendet wurden. Den ersten Beleg darüber haben wir erst aus der Zeit kurz bevor das Christentum heraufdämmerte.
Die meisten Forscher gehen davon aus, dass die Häuser etwa zu der Zeit entwickelt wurden, als man anfing, den Aszendenten in den Horoskopen zu markieren. Die ersten uns bekannten Beispiele datieren aus dem 1. Jahrhundert nach Christus.12 Man sollte jedoch berücksichtigen, dass es damals gängige Praxis war, Horoskope auf leicht verderblichen Papyri festzuhalten, was erklären kann, dass nur zwei ähnliche Horoskope aus früherer Zeit gefunden wurden. Insofern ist die Zuverlässigkeit dieser Aussage durchaus bezweifelbar. Wir wissen, dass der östliche Horizont schon lange, bevor Tierkreisgrade benutzt wurden, anhand eines bestimmten Sterns oder einer Konstellation markiert wurde. Wir wissen ferner, dass in Mesopotamien bei allen Divinationstechniken ein großes Gewicht auf die Orientierung und die Einteilung des Raumes gelegt wurde. Das Grundvertrauen in die Aufgänge und Untergänge der Sterne am Horizont lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Kardinalpunkte immer eine zentrale Stütze bei der astrologischen Deutung waren, und niemals so sehr wie in der Astrologie der Antike wurden die wichtigsten Ereignisse im Zusammenhang mit diesen bezeugt. Dies tritt ganz deutlich in der ägyptischen Kosmologie hervor, wo immer wieder auf die „beiden Horizonte“ Bezug genommen wird ebenso wie auf die vier Kardinalpunkte, von denen jeder unter den Schutz eines eigenen Gottes fällt und dem jeweils eine große Bedeutung in allen Angelegenheiten von Leben und Tod zufällt. Es wäre logisch anzunehmen, dass eine strukturierte Himmelseinteilung schon lange vor dem uns zugänglichen Datum bekannt war, sowohl zur astronomischen Beobachtung als auch für mystische und symbolische Zwecke. Bei den Beispielen mit einem ähnlichen Zugang zur räumlichen Analyse wie etwa bei der Leberschau gibt es bemerkenswerte Unterschiede zur astrologischen Häuserteilung, wie wir noch sehen werden. Vor allem die Anzahl der Einteilungen und die zugeschriebenen Attribute und Götter sind unterschiedlich. Es besteht jedoch eine gewisse Konsistenz in den Grundprinzipien, die den räumlichen Qualitäten und Orientierungen wie links und rechts oder östlich und westlich zugewiesen werden. Die inhärenten Eigenschaften sind gleich wie bei den Ägyptern, den Pythagoreern und bei allen anderen bedeutsamen antiken Philosophien. Östlich und rechts wird mit auf den Tag bezogenen (diurnalen) und maskulinen Qualitäten assoziiert, während links und westlich als nächtlich und weiblich gilt.
Die bei der Leberschau verwendeten Techniken demonstrieren dieses universelle Verständnis. Die Symbolik muss auf einer gewissen Ebene in Bezug zu der körperlich-physikalischen Ebene stehen. Hier gibt es eine Folgerichtigkeit, denn die den Richtungen zugeschriebenen Bedeutungen werden durch meteorologische Einflüsse festgelegt, die der Natur unserer physikalischen Umgebung aufgezwungen werden. Grundsätzlich beruhen diese auf den wechselnden Zyklen von Hell und Dunkel, welche die Extreme von Tag und Nacht oder Sommer und Winter hervorrufen und Verbindungen zu den Polaritäten Aktivität und Empfänglichkeit, Wachstum und Zerfall herstellen. Damit kann man die symbolische Erkenntnis von Licht und Farbe, Form und Zahl sowie Geschwindigkeit und Richtung als ungebrochene Tradition bezeugen, die alle antiken Divinationstechniken untermauert und die auch die astrologische Philosophie der Aspekte und Planetenbedeutungen unterstützt. Auf die besondere Bedeutung von Orten und Richtungen werden wir im folgenden Kapitel näher eingehen und sie aus der Perspektive der ägyptischen Mystik untersuchen. Ohne Zweifel repräsentieren Orte und Richtungen die wichtigste Grundlage für die Qualitäten, die man den kardinalen Richtungen zuschreibt, aus denen sich die speziellen Häuserdeutungen entwickelten.

Abb. 7: Das Beobachtungsfeld bei der Omendeutung
Die oben stehende Abbildung geht auf ein Bild zur „Aufteilung des heiligen Ortes“ zurück. Es zeigt das Modell einer Leberschau nach alter mesopotamischer Tradition. Zur Deutung teilt der Augur das Beobachtungsfeld in vier Abschnitte ein. Rechts finden sich gute Einflüsse, links ungünstige. Partes Antica bezeichnet. Innerhalb der 16 Abschnitte werden die Namen verschiedener Götter genannt, die über die den Unterteilungen zugeordneten Angelegenheiten herrschen. Der Autor, Jack Lindsay, schreibt: „(Sie) hatten ein streng durchkomponiertes System von Himmel-Erde Korrespondenzen, bei dem der räumlichen Ausrichtung und Aufteilung große Bedeutung zugemessen wurde. … Die Richtung wurde durch die vier Kardinalpunkte festgelegt, die jeweils durch zwei gerade Linien unterteilt wurden: die Nord-Süd-Linie, die man cardo nannte und die Ost-West-Line namens decumanus“.
Aus: Jack Lindsay. Origins of Astrology, (London 1971, S. 18)
Während die Frage, inwieweit die alten Ägypter direkt die Wurzeln für die Tradition der westlichen Astrologie legten, ein kontroverses Thema bleibt, können wir doch immerhin sicher sein, dass ihre Auffassung von den Eigenschaften der Himmelsrichtungen die Standpunkte der mesopotamischen und anderer früherer Kulturen widerspiegelt. Wir können ferner sicher sein, dass diese allgemein anerkannte und universelle Perspektive die erste Grundlage für das bildete, woraus später die hellenistische Astrologie hervorging. 331 v. Chr. hatte Alexander der Große Kleinasien, Syrien, Ägypten und Mesopotamien erobert und die gesamte Region überrannt, um sie dem aufblühenden griechischen Reich einzuverleiben. Viele Priesterkollegien entlang des Euphrats wurden durch die Invasion zerstört, was viele Priester zwang, ihr Wissen nach Westen zu bringen. Die Griechen richteten wichtige Bildungszentren in Athen, Babylon und Alexandria ein, jener Stadt, die Alexander an der Mündung des Nils gründete. In diesen Zentren konnten die antiken Philosophen direkt Einfluss aufeinander nehmen, und sie schufen ein interkulturelles geistiges Zentrum, welches die spätere Entwicklung der Wissenschaft einschließlich der Astrologie mit Nahrung versorgte.
Nach dem Zusammenbruch Mesopotamiens erschlossen die siegreichen Griechen viele der metaphysischen und wissenschaftlichen Fortschritte, vermischten diese mit den Errungenschaften Ägyptens und fügten ihre eigenen Erkenntnisse hinzu. Damit schufen sie ein philosophisches Paket, welches die Weisheit des Ostens in das Erbe der modernen westlichen Welt einbezog. Besonders Alexandria spielte bei der Entwicklung der Astrologie eine bedeutende Rolle, vornehmlich wegen seiner immensen Bibliothek, welche 500 000 Manuskriptrollen archivierte. Gelehrte hatten hier freien Zutritt und konnten auf unbestimmte Zeit studieren, was mit königlichem Vermögen gefördert wurde, eine Tradition die aufrechterhalten wurde, als die Stadt später unter die Herrschaft Roms fiel. Viele verschiedene Gelehrte wie Ptolemäus oder Vettius Valens lebten und wirkten hier, und in Alexandria wurden die meisten astrologischen Daten gesammelt, ausgewertet und wieder in Umlauf gebracht. Dies geschah mit dem großen Wunsch, die mystischen Prinzipien beizubehalten, mit denen die älteren Zivilisationen Ägyptens ihre wissenschaftlichen Geheimnisse maskiert hatten und mit denen sie gewaltige Höhen erreicht hatten.
Um das Jahr 150 vor Christus entstand das Nechepso und Petosiris zugeschriebene Werk in Alexandrien, eine Abhandlung, auf der viele spätere astrologische Werke aufbauten. Eine andere Zusammenstellung alter Texte zu Astrologie, Magie und Alchemie ist das um 150 nach Christus in Alexandria entstandene Corpus Hermeticum. Hier wurde der griechische Gott Hermes, der nie zuvor mit Lernen oder Philosophie gleichgesetzt worden war, mit den Attributen des ägyptischen Thot und des Nabu, dem babylonischen Gott der Divination und des Wissens, das vom Planeten Merkur repräsentiert wurde, geehrt Hermes wurde in allen Kulturen als der Gott des Lernens und der Weisheit verehrt, und man erkor man ihn zum „dreifach großen Hermes“ – ein Name, der auch assoziiert, dass man einen Gott dreimal anrufen sollte. Das Corpus Hermeticum genießt den Ruf, direkt auf den Lehren Thots zu basieren, aber tatsächlich enthält es wesentlich weniger alte ägyptische Quellen, als man einst annahm. Es ist eindeutig von graeco-romanischen Ideen geprägt. Die Bereitschaft der alten Autoren, es den Ägyptern zuzuschreiben, sollte ein Zeichen für den Respekt sein, den man dieser alten Kultur zollte und zugleich ein Hinweis darauf, wie leidenschaftlich die Griechen daran arbeiteten, den vorhandenen ägyptischen Mystizismus in ihre eigenen philosophischen Studien einzugliedern.
Ungeachtet der Kontroverse, wann und in welchem Ausmaß die alten Ägypter einen Beitrag zur astrologischen Philosophie geleistet haben, müssen wir anerkennen, dass viele der Prinzipien der antiken Astrologie (wie die Grenzen, Gesichter, Planetenstunden, Verbrennung, via combusta usw.) ein Vermächtnis der ägyptischen Weltanschauung sind. Im folgenden Kapitel werden wir sehen, dass dies auch auf die ersten Ansätze der Hausdeutungen zutrifft.
Ein eindeutiger Beleg für die Verwendung von Häusern bei Horoskopdeutungen lässt sich auf das Jahr 22 nach Christus datieren. In dem frühesten uns noch erhalten astrologischen Buch, der Astronomica des Manilius, das ungefähr im Jahr 10 nach Christus geschrieben wurde, finden wir die erste Beschreibung ihrer Bedeutung13. Manilius zeigt ausreichendes Selbstvertrauen bei seinen Beschreibungen, so dass man annehmen darf, dass er eher die allgemein gängige Meinung seiner Zeit weitergab als eine neue Technik. Dagegen gestattet seine Bezugnahme auf die Mythologie älterer Zivilisationen die glaubwürdige Theorie, dass die Bedeutung der Häuser unter dem Einfluss Alexandrias etabliert wurde. Demnach ist eine nähere Betrachtung der ägyptischen Symbolik der geeignete Ort, um die Suche nach den Grundprinzipien der Häuser zu beginnen.
Die Kardinalpunkte und die Bedeutsamkeit der solaren Philosophie Ägyptens
Weiter erhebt sich nach jenem als dritter der Hauptpunkt, der in sich jenen strahlenden Aufgang enthält, wo die Sterne erstehen, wo die Rückkehr des Tages erfolgt und die Teilung in Stunden; deshalb nennen ihn Horoskop die griechischen Städte und er will nicht übersetzt sein, weil er den Fachausdruck gern hört. Dieser entscheidet den Lebensverlauf, bestimmt den Charakter ….
Manilius14
Die Ägypter glaubten zutiefst an Reinkarnation und hielten den körperlichen Tod lediglich für einen Übergangsprozess im fortschreitenden Zyklus des Lebens. Sie verstanden den Tageslauf der Sonne als eine Reise, bei der der Sonnengott täglich einen Zyklus von Tod und Wiedergeburt durchschritt: Er starb abends beim Untergang der Sonne und wurde am Morgen bei Sonnenaufgang wiedergeboren.
Ebenso wie der sichtbare Tod von Sonne, Mond und Sternen eintrat, wenn diese im Westen unter den Horizont fielen, glaubten man in Ägypten, dass die Seele nach Westen gezogen wurde und den Sternen folgte, wenn sie den Körper beim Tod verließ. Infolgedessen erhielt der westliche Horizont eine mythologische Verbindung mit allen Gesichtspunkten von Tod, Schwäche, Untergang und Rückzug. Der Westen war auch als Amentat bekannt, was soviel bedeutet wie „Ort der Ruhe“, „Tod“ oder „die Pforte zum Duat“ und als eine Widerspiegelung dieses Glaubens wurden beinahe alle Pyramiden und königlichen Gräber am Westufer des Nil angelegt. Im Gegensatz dazu wurde der Osten mit dem Beginn und der Erneuerung der Lebenskraft assoziiert. Alte ägyptische Darstellungen des Sonnenlaufes über den Himmel zeigen den Sonnengott, der mit fortschreitender Tageszeit altert oder der in unterschiedlichen Booten reist und auf jedem Abschnitt der Reise die Gestalt eines anderen Gottes annimmt. Khepri (was „Anfang“ bedeutet) am Morgen, Ra („strahlender Glanz“) am Mittag und Atum („vollkommen“) oder Amun bzw Amen („verborgen“) am Abend.

Abb. 8: Der Sonnenlauf im alten Ägypten
Duat war der ägyptische Begriff für die Unterwelt. Diese bildete die verborgene Hemisphäre unterhalb der Erde, welche den Westen wieder mit dem Osten vereinigte. Während der Sonnengott seine Reise durch die Unterwelt fortsetzte wurde sein Zyklus der Transformation in der Mitte des Duat vollendet: dem Nadir des Himmels, den er in der Mitte der Nacht erreichte. Hier löste der vollkommene Sonnengott eine neue Manifestation aus und wurde in ein sich entwickelndes Kind verwandelt, das bereit war, bei Sonnenaufgang erneut geboren zu werden. Aufgrund dieser Vorstellung verbinden verschiedene abergläubische Bräuche und Sitten die kardinalen Richtungen Osten mit dem Leben, Süden mit Kraft und Erfüllung, Westen mit Tod und den Norden mit der Unterwelt. Im mittelalterlichen England wurde Hinrichtungsstätten generell im Westen der Stadt angelegt, und die Gräber wurden nach Osten ausgerichtet, so dass sie nach der aufgehenden Sonne blickten. Friedhöfe wurden an der Ost- oder Südseite der Kirche angelegt. Lediglich Kriminelle und ungetaufte Kinder wurden im Norden vergraben, denn diese lagen im Schatten der Kirche und man nahm an, dass die „dunklen Geister“ hier leichter Einzug halten konnten.
Die untere Himmelsmitte (IC): 4. Haus
Die Unterwelt im alten Ägypten darf man allerdings nicht mit der Hölle des mittelalterlichen Christentums gleichsetzen. In Ägypten galt der Tod nicht als das Ende des Lebens, sondern als ein Übergangsstadium, als eine Periode der Reinigung, Ruhe und Erneuerung. In der antiken Philosophie repräsentieren die „unteren Tiefen“ die spirituelle Quelle, den universellen Ursprung, aus dem wir kommen und zu dem wir letzten Endes wieder zurückkehren. Entsprechend ist das 4. Haus astrologisch „dem Anfang und Ende aller Dinge“, den „Eltern“ und der „Herkunft“ verbunden. Manilius schrieb, dass dieses Haus den Urgrund aller Dinge regiert und den tiefsten Bereich der Unterwelt symbolisiert. Es verweist auf all das, was von den „Eingeweiden der Erde“ entspringt, zu diesen gehört oder dort angesiedelt ist. Folglich ist das 4. Haus mit Mineralien und den natürlichen Ressourcen der Erde wie Kohle, Erzen oder Öl in Verbindung zu sehen, ebenso mit dem Bergbau. Da sich das 4. Haus auf die tiefsten Abgründe und all das erstreckt, was in der Erde verborgen ist, erlangte es auch die astrologische Herrschaft über Gräber, vergrabene Schätze und Wohlstand aus verborgenen Quellen. Es symbolisiert auch das Ertrinken, aber auch die Mittel, mit denen wir die Vergangenheit oder die verdeckten Wurzeln der Gegenwart erforschen. Selbstverständlich steht es auch für den Untergrund als solchen mit allen damit verbundenen Assoziationen an Schwäche, Tod, die Alten oder die ganz Jungen. In der Antike bedeutete es auch die Eltern, im Mittelalter repräsentierte es etwas eingegrenzter den Vater, von dem aus die genealogische Linie gezogen wird. Generell ist es mit den Vorfahren, den Großeltern, dem Familienbesitz, geerbtem Wohlstand und Grundbesitz verbunden. Wie in der ägyptischen Symbolik ist es die Rückkehr zu der Quelle sowie Anfang und Ende des Lebens – der endgültige Abschluss, aber auch der Same aller zukünftigen Möglichkeiten.
Die Auflistung unten umreißt die klassischen Zuordnungen zu den Häusern. Besonders hingewiesen werden sollte auf Manilius15, da er ein sehr altes Verständnis der Hausbedeutungen darlegt, aber auch auf Firmicus16, der gegen Ende der klassischen Periode lebte und folglich für einen späteren Zugang steht. Auch andere Standpunkte aus der klassischen Periode werden noch einbezogen, die vorwiegend aus Greek Horoscopes von Neugebauer und Van-Hoesen17 stammen. Zum Vergleich habe ich auch die Gedanken von Al-Biruni18, William Lilly19 und einige moderne Deutungen hinzugenommen.
Deutungen des 4. Hauses
Manilius: Die Grundlage aller Dinge; Wohlstand; Erzbergbau und Gewinn aus verborgenen Quellen; Väter und die Misere der Alten. Der Tempel des Saturn.
Andere Klassiker: Eltern; Kindern; Geister; Leben im Tempel; Ansehen.
Firmicus: Eltern; Familienbesitz; Substanz; Besitztümer; Haushaltswaren; alles, was mit verstecktem und nicht zurückerlangtem Besitz zu tun hat. Kardinal.
Al-Biruni: Eltern; Großeltern; Nachkommen; Besitz; Felder; Wasserversorgung; was auf den Tod folgt und was den Toten geschieht.
Lilly: Väter; Ländereien; Häuser; Wohnhäuser; Erbe (Vaterschaft); Landwirtschaft und Bodenbestellung; verborgene Schätze; Abgrenzung oder das Ende von etwas.
Modern: Anfang und Ende des Lebens; Eltern; die Mutter (sagen manche); das Heim; Häuser; Land; Privatleben; Versteckte Emotionen.
Der Aszendent(AC): 1. Haus
Der Aszendent bezeichnet den Punkt des „Lebens“, denn die Sonne geht hier jeden Morgen auf und verteilt ihre lebensspendenden Kräfte des Lichts und der Wärme an die Welt. Traditionelle Beschreibungen des Aszendenten behaupten, dass er „Leben, die Bildung des Charakters und die Erscheinung“ repräsentiert. Er bedeutet unser Erscheinen in der Welt und da das Leben einen Körper erfordert, dem es innewohnen kann, beschreibt der Aszendent diesen. Es ist unsere Erscheinung und der äußere Ausdruck unseres Seins. Beides wird durch unsere Physiognomie zusammengebunden, in der sich der Charakter enthüllt.
Deutungen des 1. Hauses
Manilius: Leben und die Bildung des Charakters; die ersten Jahre; Erziehung; das Schicksal der Kinder und die Gebete der Eltern; Beruf; der Erfolg von Unternehmungen. Der Tempel des Merkur.
Andere Klassiker: Leben; Körper; Charakter; Geist.
Firmicus: Leben und der Lebensgeist des Menschen; Grundcharakter und Grundstein der Gesamtpersönlichkeit; Kardinal.
Al-Biruni: Seele; Leben; Länge des Lebens; Erziehung; Heimatland.
Lilly: Leben; Gesundheit und Vitalität; Form und Gestalt des Körpers.
Modern: Persönlichkeit; das Image, das wir projizieren; das äußere Verhalten; Gesundheit; Disposition und Manieren.
Viele klassische Astrologen setzten den Aszendenten in Bezug zu den intellektuellen Fähigkeiten und dem Grundcharakter. Er zeigt auch den Gesundheitszustand und den „Lebensgeist“ an: ob wir die Willensstärke und Vitalität haben, die man benötigt, um Behinderungen und Krankheiten zu überwinden. Die Farbe Weiß wird wegen dem Sonnenlicht dem 1. Haus zugewiesen (Lilly vermerkt, dass der Signifikator für einen verlorenen Gegenstand im 1. Haus ein Objekt von weißer oder heller Farbe beschreibt. 20). Da Licht symbolisch für das Leben steht, hängen die Kennzeichen der anderen Häuser zu einem gewissen Grad von ihrer Fähigkeit ab, ob sie aufgrund ihrer Aspektverbindung zum Aszendent einen Zugang zu dessen lebenserhaltenden Fähigkeiten haben.
Die Himmelsmitte (MC): 10. Haus
Sobald die Sonne sich der Himmelsmitte nähert, erreicht sie maximale Kraft und Pracht ihrer Strahlen. Entsprechend bezeichnet das 10. Haus den Status, die Reputation und die Stellung, die wir im Leben anstreben. Manilius nannte es „das Bollwerk des Himmels“ und bezeichnete es als den Tempel des „Ruhms“, „der Würde“, „der Ehre“ und „der Vollendung“.
Anerkennung, Ansehen und Liebe beim Volk vergibt er, Richter zu sein auf dem Forum, die Welt durch Gesetze zu ordnen, Wie auch entlegenste Völker nach seinen Verträgen zu binden.
Und seinem Rang entsprechend den Titel von jedem zu mehren.21
Als der höchste Punkt des Horoskops zeigt das 10. Haus die Aspekte unserer Persönlichkeit, die wir in der Öffentlichkeit offenbaren – unser „professionelles“ Selbst. Es verweist auf die soziale Stellung, die wir durch eigene Anstrengung erlangen können, im Gegensatz zu dem Vermächtnis des familiären Status, der mit dem Namen oder der Abstammung zusammenhängt, was die klassischen Astrologen mit dem 4. Haus verbinden. Aus ähnlichen Erwägungen haben manche klassischen Astrologen auch Schwangerschaften dem 10. Haus zugeordnet, denn es hat sowohl „mit der Frucht unserer Arbeit“ als auch mit der „Frucht der Lenden“(als Sitz der Zeugungskraft) zu tun.
Da wir in diesem Bereich danach trachten, unsere gesellschaftliche Stellung zu heben, verdeutlichen die planetaren Einflüsse auf dieses Haus, ob in den Unternehmungen, die die öffentliche Aufmerksamkeit oder Überwachung auf sich ziehen, Erfolg vorzufinden sein wird. In modernen Unternehmenshoroskopen hat das 10. Haus großen Einfluss auf die Verkaufsförderung und die „Markenidentität“. In einem Geburtshoroskop bringt eines der Lichter auf der Himmelsmitte den Geborenen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Dagegen zeigt dies in Ereignis- oder Stundenhoroskopen die Umstände, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.22
Aus dem gleichen Grund hat das 10. Haus viel mit Urteilen oder Entscheidungen zu tun. Manilus hat die Himmelsmitte mit dem Ausdruck von Kraft und Autorität assoziiert, von wo aus sich eine traditionelle Verbindung zur Vollstreckung von Gesetzen und Urteilen in Rechtsangelegenheiten ziehen lässt. Firmicus behauptet, dass die Himmelsmitte alle unsere Handlungen und den Geschäftsverkehr betrifft und dabei den allergrößten Einfluss hat. Übrigens eine Meinung, die in fast allen klassischen Texten widerhallt! Man betrachtet die Himmelsmitte als die Krone des Horoskops, und ein Planet auf der Himmelsmitte wird alles sehr wirkungsvoll beeinflussen. Obwohl das 4. Haus die generelle Bedeutung "Eltern" hat, wurden Mütter teilweise dem 10. Haus zugeordnet, um sie vom Vater zu unterscheiden.
Deutungen des 10. Hauses
Manilius: Ruhm; Auszeichnung; populäre Gunst; Macht; die Rolle von Recht und Justiz am Gericht; Allianzen mit fremden Ländern; Ruhm, den eigenen Stand betreffend; vollendeter Erfolg. Ehe. Der Tempel der Venus.
Andere Klassiker: Karriere; Talent; Ehren; Reputation; Frau.
Firmicus: Leben und Lebensgeist; alle unsere Taten; Heimat; Land; Berufskarriere; alle unsere Beziehungen zu anderen; Geistesschwäche; Kardinal; der größte Einfluss.
Al-Biruni: Regierung mit einem Rat der Adeligen; absolute Autorität; Erfolg im Geschäft; Handel; Berufe; Freigebigkeit.
Lilly: Ehre; Ansehen; fürstliche Persönlichkeit; Truppenführer; Richter; Autorität. Beruf, Mutter.
Modern: Ambitionen; Kariere, Beruf; sozialer Status.
Der Deszendent (DC): 7. Haus
In der Bewegung der Sonne in Richtung Deszendent erkannte die ägyptische Philosophie eine Schwächung der Vitalität, einen Kräfteverlust, den Tod oder die Notwendigkeit zum Rückzug. Da der Mangel an persönlicher Stärke mit dem Deszendenten assoziiert wurde, erhielt der Deszendent den Ruf eines „feindseligen Eckhauses“, in dem man empfänglich für den Einfluss von schädlichen Ereignissen und Feinden ist. Manilius verband das 7. Haus mit der Vollendung von Angelegenheiten und dem Ende des Lebens, weil die Sonne hier jeden Abend bei ihrem Untergang starb.
Den versinkenden Kosmos stürzt er kopfüber unter das Land und versenkt die Gestirne. …
Wundre dich nicht, wenn er Tor des dunklen Pluto genannt wird Und mit den Toren des Todes das Ende des Lebens verwahrt hält.
Hier erstirbt selbst der Tag, und die Erde entzieht ihn dem Erdkreis,
Und sie verschließt ihn im Kerker der Nacht wie einen Gefangenen.23
Während der Aszendent symbolisch für das Licht steht und Weiß oder helle Farben repräsentiert, so bewirkt der Verlust des Lichts am Deszendenten, dass dieses Haus mit Schwarz oder sehr dunklen Farben assoziiert wird.
Es gibt Belege dafür, dass die astrologischen Vorstellungen in der Zeit von Manilius bis Ptolemäus enorm gewachsen sind, und zu der Zeit, als Ptolemäus seinen Tetrabiblos geschrieben hat, war es unter den Astrologen schon beinahe üblich, das 8 Haus mit dem „Eintreten des Todes“ zu assoziieren. Der Deszendent behielt seine Verbindung mit kritischen Phasen von Gefahr jedoch bei, wie sich an Ptolemäus Formel zur Festlegung der Lebenslänge ersehen lässt:
Die tötenden Grade, welche nach der Art im Sinne des täglichen Laufs der Gestirne über dem Himmel gefunden werden, liegen am Deszendenten.24
Die Bezeichnung des 7. Hauses für Gegenspieler und folglich „die anderen“ – sei es in Liebe oder im Streit – erklärt sich teilweise dadurch, dass es diametral entgegengesetzt zum Aszendenten steht. Allerdings ist der symbolische Einfluss der Himmelsrichtung Westen ein integraler Bestandteil dieser Deutung. Der Westen wird generell als feindselig oder schwächend wahrgenommen aufgrund seiner Verbindung zu der Dunkelheit. Außerdem hat der Westen eine sehr alte Bedeutung in Hinblick auf jene, die uns entgegentreten. In der pythagoreischen Philosophie, die ihre Wurzeln in Vorstellungen der alten Mesopotamier und Ägypter hat, wird die Richtung rechts mit dem Osten und die Richtung links mit dem Westen verbunden. In der Bibel und in allen Philosophien der Welt wird der symbolische Gebrauch für rechts oder für den Osten verwendet, um auf Qualitäten hinzudeuten, die förderlich, stark, rechtschaffen, direkt, offen und auf das „Selbst“ fixiert sind. Dagegen symbolisieren links und der Westen Energien, die man an andere weitergibt und die einem Empfinden für Vereinigung, Partnerschaft und Verbindlichkeit entspringen, was man an dem Bezug dieses Hauses zur Heirat sehen kann. Dies bringt auch ein geschwächtes Selbstempfinden mit sich, sowie den Hinweis auf potenziell gefährliche, indirekte, obskure, dunkle und nicht vertraute Energien.
Entsprechend wird der Osten als männlich und diurnal betrachtet, währen der Westen als weiblich und nocturnal gilt. Folglich wird gesagt, dass männliche Planeten in der östlichen Hälfte des Horoskops gestärkt werden, während die weiblichen Planeten sich in den westlichen Quadranten freuen. Man findet insbesondere Belege dafür, dass der Mond am Deszendenten in starker Würde stehe, während er am Aszendenten geschwächt wird. Die Regeln für Elektionen schreiben vor, dass es ungünstig ist, den Mond an den Aszendent zu dirigieren, wenn man eine günstige Zeit für neue Unternehmungen wählen will. Obwohl wir heutzutage Partner beider Geschlechter mit dem 7. Haus in Zusammenhang bringen, wurde das 7. Haus ursprünglich vorwiegend mit dem Weiblichen assoziiert und wurde verwendet, um Frauen generell zu kennzeichnen.
Deutungen des 7. Hauses
Manilius: Die Vollendung von Unternehmungen; der Abschluss mühseliger Arbeiten; die letzten Jahre und das Ende des Lebens; Tod; die Verehrung der Götter; Heirat; Freizeit und Muße; gesellschaftliche Ereignisse; Bankette.
Andere Klassiker: Heirat.
Firmicus: Die Art und die Anzahl der Heiraten; kardinal, aber ungünstig aspektiert zum Aszendenten.
Al-Biruni: Frauen, Konkubinen, Hochzeiten; Kontroversen; Partnerschaften; Verluste; Gerichtsprozesse.
Lilly: Ehe; Partner; öffentliche (bekannte) Feinde; Diebe; die Gegenseite in Liebe, Krieg, Streit und Prozessen.
Modern: Diejenigen, mit denen wir unser Leben und Handeln teilen müssen; oder diejenigen, mit denen wir in enger Beziehung stehen, sei es emotionaler oder geschäftlicher Art; offene Feinde; Die „Nicht-Selbst“-Projektion.
Innerhalb den Quadranten dieses „kardinalen Kreuzes“ bewegt sich der Zyklus des Lebens: Die Empfängnis geschieht am IC, wenngleich der Aufstieg in die Manifestation oder die physische Form sich am Aszendenten vollzieht. Der Quadrant zwischen Aszendent und Himmelsmitte steht in Beziehung zu Jugend und Lebenskraft. Der Quadrant von der Himmelsmitte bis zum Deszendenten repräsentiert die mittlere Lebensphase und die Reife, während der Quadrant zwischen Deszendent und IC das Alter und den Tod repräsentiert. Alte Astrologen wie Antiochus oder Porphyrios beschrieben den Quadranten zwischen IC und Aszendent als den endgültigen Zustand der Gebrechlichkeit oder die Periode nach dem Tod (und die Vorbereitung auf die Wiedergeburt).25 Dagegen war Jean-Baptiste Morin einer der wenigen Astrologen im 17. Jahrhundert, der eine philosophische Erklärung der Hausbedeutungen bot. Er erkannte auch diesen zugrundeliegenden Zyklus der Erfahrung als eine Basis für seine Cabal of the Twelve Astrological Houses:
Welchen Teil des Himmels, wenn denn die Natur uns selbst führt und lehrt, sollten wir denn als die erste Ursache für den natürlichen Anfang aller Dinge nennen? Zweifellos veranlasst das, was ganz am Anfang einer Sache über den Horizont aufsteigt, die Sache selbst ebenfalls aufzusteigen. Denn es ist gewiss, dass der Osten für alle Planeten sehr viel einflussreicher ist als die anderen Bereiche, was auch von allen Astrologen bezeugt wird, wenn es um Aufgang, Kulmination und Untergang der Sterne geht und wie es die Erfahrung selbst zu Bewusstsein bringt bei einer Veränderung … . Aber sukzessive wird jener Teil des Himmels, der höher über dem Horizont steht und die Himmelsmitte besetzt beim Beginn der Angelegenheit, die Kontrolle über die Aktivitäten und die eintretende Wirksamkeit übernehmen. Was aber zu gleichen Zeit im Untergang steht, bildet den perfekten Endzustand ab. Und schließlich wird das, was die Tiefe des Himmels besetzt, als Ursache für eventuelle Nachteile und Verderbtheit angesehen. 26
Es scheint, dass Howard Sasportas auf der richtigen Spur war, als er die Häuser als einen „Lebenszyklus“ oder ein „Rad der Erfahrung“ in Erwägung zog, aber sein Fehler lag darin, diesen Zyklus in der numerischen Ordnung der Häuser zu suchen. Diese Abfolge korrespondiert mit der astronomischen Bewegung eines Planeten durch die Zeichen des Tierkreises. In der Astrologie ist es dagegen die Tagesbewegung des Himmels von Osten nach Westen – herbeigeführt durch die tägliche Rotation der Erde um ihre Achse –, die eine bei weitem tiefere Bedeutung in sich trägt. Ptolemäus nahm darauf Bezug unter dem Begriff „Primärbewegung“, die sich über die natürliche Bewegung der Planeten hinwegsetzt während diese bestrebt sind, ihren Fortgang durch den Tierkreis zu nehmen. Geoffrey Chaucer fasst dies im 14. Jahrhundert zusammen indem er schrieb:

Abb. 9: Die Quadranten
Wie rollst Du doch, grausames Firmament
Von Anfang täglich um in Deinem Kreise
Treibst alles fort vom Ost zum Occident
Und schleuderst es aus angebornem Gleise.27
Obwohl das zunächst dieser Ordnung zu widersprechen scheint, ist die Nummerierung der Häuser dennoch auf dieser Ordnung aufgebaut und entstammt der "Schau" der ägyptischen Astrologen im Zweistunden-Takt. Die Häuser werden gegen den Uhrzeigersinn nummeriert, denn dies ist die Abfolge, wie die Sterne sich in den Häusern bewegen und am Osthorizont sichtbar werden – deshalb wurde der Aszendent als „Stundenschauer“ (horo-skopos) bezeichnet.
Für den Studenten heutzutage ist ein größeres Umdenken erforderlich, um die antike empirische Basis der heute in Gebrauch befindlichen astrologischen Techniken zu verstehen. Die symbolische Bedeutung der um uns herum stattfindenden Zyklen lässt sich nur begreifen, wenn wir unsere Augen und unseren Verstand von unseren statischen, zweidimensionalen Horoskopen emporheben und uns wieder mit den Himmelsbewegungen verbinden, wie wir sie mit den menschlichen Sinnen erfahren können: Aufgang im Osten, Kulmination im Süden28 und der Untergang ist im Westen. Die zodiakale Messmethode platziert die Planetenpositionen entlang der Ekliptik, aber dies ist ein universelles Maß. Es sagt nichts über die persönliche Signatur der Planeten aus, wie sie in Beziehung zu einem bestimmten Ort an einem bestimmten Zeitpunkt stehen. Darin liegt aber eine der wichtigsten Funktionen der Häuser – die Definition der Himmelspositionen im Hinblick auf einen bestimmten Ort. Der bedeutendste Umschwung besteht darin, dass wir durch den Einfluss der modernen Wissenschaft gelehrt wurden, unseren Kosmos als ein heliozentrisches System zu betrachten und wir neigen zu der Vorstellung, von außen nach innen zu blicken.

Abb. 10: Die Häuser bewegen sich im Zwei-Stunden-Takt
Die astrologische Symbolik deutet die Himmelspositionen so, als ob sie auf die Erde herabgezogen seien. Dies macht es erforderlich, dass wir die geozentrische Perspektive aufrechterhalten: wir sind innen und schauen nach außen. Die Teilung der Häuser hat sich zumindest in ihren Anfängen aus dieser Perspektive entwickelt. Sobald unsere Perspektive wieder so ausgerichtet ist, wird das eigentliche Wesen dieses grundlegenden Zyklus wieder erkennbar. Die Häuser des Horoskops stehen in Beug zu dem universellen „Lebensbaum“, welcher das Sein des Menschen mit dem Zyklus der Natur verbindet, von dem er ein Teil ist.
Durch die Einbeziehung einer tiefer liegenden Struktur erklärt die Tagesbewegung eine Menge, offenbart aber nicht die ganze Bedeutung der individuellen Häuser, denn es haben noch andere symbolische Systeme eine Rolle gespielt. Aber für die Deutung der Achse 2. und 8. Hauses ist dies von besonderer Bedeutung. Im folgenden Kapitel betrachten wir die Zusammenhänge zwischen dem 2. Haus und finanziellen Angelegenheiten, sowie zwischen dem 8. Haus und dem Tod. Außerdem schauen wir, wie die Aspektverbindungen zum Aszendenten mit den Hausdeutungen verwoben sind.
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