Kitabı oxu: «Volkswirtschaft»

Şrift:

Ekkehard von Knorring

Volkswirtschaft

Rahmenbedingungen für eine Unternehmensstrategie


5. Auflage 2020

© 2020 by Holzmann Medien GmbH & Co. KG, 86825 Bad Wörishofen

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Lektorat: Achim Sacher, Holzmann Medien | Buchverlag

Herstellung: Markus Kratofil, Holzmann Medien | Buchverlag

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH | Rudolstadt

ISBN (Print): 978-3-7783-1479-1 | Artikel-Nr. 1811.05

ISBN (E-Book): 978-3-7783-1480-7 | Artikel-Nr. 1811.96

Vorwort zur ersten Auflage

Als am 1. April 2011 die neue „Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Geprüfter Betriebswirt nach der Handwerksordnung und Geprüfte Betriebswirtin nach der Handwerksordnung“ mit einer Übergangsfrist bis zum 31. 12. 2015 in Kraft trat, war klar, dass sie auch eine Neuausrichtung der Lehr- und Lerninhalte und mit ihnen auch eine Neubearbeitung der Lehrmaterialien erfordern würde. Das galt auch für den Bereich der Volkswirtschaftslehre, der unter dem Titel „Volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen bewerten“ als einer von drei eigenständigen Handlungsbereichen in den Prüfungsteil „Unternehmensstrategie“ aufgenommen wurde. Außerdem wurde nach dem neuen Rahmenlehrplan der volkswirtschaftliche Handlungsbereich in der Zahl der Unterrichtsstunden (Präsenzunterricht) wesentlich ausgeweitet, nämlich von bisher 50 Stunden auf nunmehr 70 Stunden, bei einem Zeitrichtwert von insgesamt 700 Stunden ±10 % für die Gesamtheit aller Prüfungsteile und Handlungsbereiche. Dies machte nicht nur eine Neuausrichtung, sondern auch eine Ausweitung bzw. Vertiefung der volkswirtschaftlichen Lehr- und Lerninhalte notwendig. Das Ergebnis einer Neubearbeitung des volkswirtschaftlichen Handlungsbereichs liegt nun vor Ihnen.

Vorläufer des vorliegenden Lehrbuches ist ein Lehrbuch (Ekkehard von Knorring, Volkswirtschaftslehre. Führungswissen für kleine und mittlere Unternehmen, Hrsg. H. Förschler/B.-M. Hümer/W. Rössle/H. Stark, Bd. 4, 1. – 6. Auflage, Bad Wörishofen 2001 – 2010), das von einer ähnlichen didaktischen Grundkonzeption der Frage- und Antwortform ausging und inhaltlich in vielen Textpassagen gleich war. Es war aus meiner Dozententätigkeit bei der beruflichen Fortbildung zum/r Betriebswirt/in (HWK) an der Handwerkskammer für Schwaben in Augsburg heraus entstanden und wurde bis zum Übergang in die neue Prüfungsverordnung im Unterricht – auch an anderen Handwerkskammern – verwendet. Ich verwendete es aber auch bei meiner hauptberuflichen Dozententätigkeit an der Universität Augsburg im Rahmen meiner Vorlesung „Einführung in die Volkswirtschaftslehre“ für VWL-Nebenfachstudierende und für Studierende im Bachelorstudiengang Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.

Ich erwähne dies alles mit Blick auf diejenigen Leser, die bei Durchsicht des Lehrbuches vielleicht zu dem Schluss gelangen könnten, dass die Lehrinhalte zu ambitioniert, zu akademisch sind und eine reichlich „schwere Kost“ für Handwerker/innen darstellen dürften, die aus der Praxis kommen und sich zum/r Geprüften Betriebswirt/in nach der Handwerksordnung (HwO) fortbilden lassen wollen. Meine Erfahrungen sagen mir jedoch, dass die gewiss anspruchsvollen Lehrinhalte bisher zu erlernen waren und es auch weiterhin sein werden. Hunderte von erfolgreichen Betriebswirten/innen (HWK) an der Handwerkskammer für Schwaben in Augsburg in der Vergangenheit haben mir dies immer wieder bestätigt. Es kommt hinzu, dass bekanntlich seit einiger Zeit die erfolgreich abgelegte Meisterprüfung auch den vollen Universitäts- und Hochschulzugang gewährleistet. Ohne ein darauf bezogenes solides Basiswissen ist dieser Zugang aber nur ein formaler „Papiertiger“ und praktisch nicht umzusetzen. Das in der beruflichen Fortbildung zum/r Geprüften Betriebswirt/in nach der HwO erworbene Basiswissen macht dagegen den formalen Zugang praktikabel und schafft die Möglichkeit, auch noch einen Bachelorabschluss oder sogar mehr zu erlangen.

Auch wenn das Lehrbuch aus Fortbildungskursen an der Handwerkskammer für Schwaben in Augsburg entstanden ist, sich in erster Linie an entsprechende Fortbildungskurse an Handwerkskammern wendet und sich in den exemplarischen Situationsbeschreibungen auf Situationen im Handwerksbereich bezieht, so zielt es doch auf einen weiteren Leserkreis, auch außerhalb des Handwerks. Zum einen lassen sich die Situationsbeschreibungen als Ausgangspunkte für die Lehrinhalte auch an andere Wirtschaftsbereiche und Berufsgruppen anpassen. Zum anderen und vor allem aber dürfte das vermittelte volkswirtschaftliche Basiswissen die Grundlage für jegliche Aus-, Fort- und Weiterbildung darstellen, die – mit welchem Gewicht auch immer – die Vermittlung volkswirtschaftlicher Grundkenntnisse zum Inhalt haben.

Das Lehrbuch ist in Kapitel gegliedert, die sich inhaltlich auf die verschiedenen Lehr- und Lerninhalte des volkswirtschaftlichen Handlungsbereichs im Prüfungsteil „Unternehmensstrategie“ im Rahmenlehrplan für die Fortbildung zum/r Geprüften Betriebswirt/in nach der HwO beziehen. Ausgangspunkte in jedem Kapitel sind konstruierte Beispiele für konkrete betriebliche Handlungssituationen im Handwerkssektor, aus denen sich situationsbezogene Fragen mit volkswirtschaftlichem Hintergrund ergeben. Der Beantwortung dieser Fragen geht die Vermittlung des volkswirtschaftlichen Basiswissens voraus. Erst auf der Grundlage dieses Basiswissens erfolgt die Beantwortung der situationsbezogenen Fragen. Das vermittelte volkswirtschaftliche Basiswissen ist dabei naturgemäß wesentlich umfangreicher, als es für die Beantwortung der situationsbezogenen Frage notwendig wäre. Die situationsbezogenen Fragen sollen nur Beispiele und Ausschnitte aus der Unternehmenspraxis sein, die sich sicherlich auch ganz anders, ergänzt oder erweitert darstellen lassen, aber dennoch den gleichen volkswirtschaftlichen Hintergrund haben.

Jedes Kapitel schließt mit dem Beispiel einer situationsbezogenen Aufgabe zur Kompetenzkontrolle ab. Sie geht wiederum von einer betrieblichen Situation aus, an die sich mehrere Kontrollfragen anschließen. Im Unterschied zu einer Aufgabe aus der Prüfungspraxis bezieht sie sich nur auf den Inhalt des betreffenden Kapitels und dient dem Zweck, das in diesem Kapitel erlernte Wissen zu überprüfen. Die Aufgabe kann nach Bedarf variiert, erweitert oder gekürzt werden. Lösungs- bzw. Antwortvorschläge für die Fragen in der betreffenden Aufgabe werden ganz bewusst nicht geboten. Sie bleiben dem Selbststudium oder dem Unterricht vorbehalten. Beispiele von Aufgaben aus der Prüfungspraxis mit Lösungsvorschlägen sind aber am Schluss des Lehrbuches zu finden. Lösungsvorschläge sind dabei grundsätzlich immer mit dem Nachteil und der Gefahr behaftet, dass sie zum Auswendiglernen verleiten, ohne den betreffenden Lehrinhalt verstanden, verarbeitet und in diesem Sinne erlernt zu haben. Es wäre überhaupt fatal, sich falschen Hoffnungen hinzugeben und sich bei der Durchdringung des Lehrstoffes nur auf die Antworten zu den beispielhaften Situationsfragen, geschweige denn auf Prüfungsaufgaben, zu konzentrieren. Nur das Verständnis und die Verarbeitung des volkswirtschaftlichen Basiswissens in den betreffenden Fragen und Antworten werden gewährleisten, dass jegliche diesbezügliche Situationsfrage und -antwort zu beherrschen sind.

Die Sichtweise einer Gesellschaft ist immer auch Ausdruck des Wertsystems des Betrachters, d. h., man kann die Dinge häufig auch anders sehen. Das gilt auch für die Betrachtung des ökonomischen Teils der Gesellschaft, der Volkswirtschaft. Werturteile aber sind dann ungefährlich, wenn sie als solche erkannt werden. Ich habe mich jedenfalls bemüht, meinen Standpunkt offenzulegen, wenn es nicht um die Vermittlung eines neutralen, überall anerkannten Wissens ging. Es ist daher selbstverständlich, dass Sie in den betreffenden Bereichen auch zu einem anderen Urteil gelangen können, wenn Sie sich die Zusammenhänge bewusst gemacht haben. Dieses Bewusstsein zu fördern, ist zentrale Aufgabe dieses Lehrbuches. Sollte es nicht gelungen sein, so ist Kritik angebracht. Ich bitte ausdrücklich darum, sie mir mitzuteilen.

Studierende, Kollegen/innen und Mitarbeiter/innen der Handwerkskammer und des Verlages, die mich bei meiner bisherigen Dozententätigkeit auch kritisch begleiteten, machten mich schon bei der Vorgängerversion dieses Lehrbuches wie auch bei dessen Neubearbeitung auf inhaltliche Fehler aufmerksam, gaben Anregungen und schlugen Verbesserungen vor. Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank.

Augsburg, im Sommer 2013

Ekkehard von Knorring

Vorwort zur fünften Auflage

In der fünften Auflage wurden lediglich die Daten der gesamtwirtschaftlichen Leistungsgrößen im 1. Kapitel, der Geldmengenaggregate im 6. Kapitel und der Zahlungsbilanzen im 8. Kapitel aktualisiert und einige Textergänzungen eingearbeitet. Bei den Antworten auf die am Schluss eines jeden Kapitels gestellten Kontrollfragen wird auf die separat zu diesem Lehrbuch erschienene Aufgabensammlung verwiesen. Alle Leser werden erneut herzlich gebeten, mir ihre Kritik mitzuteilen.

Augsburg, im September 2020

Ekkehard von Knorring

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

Abkürzungsverzeichnis

Einführung

1. Das Unternehmen in der volkswirtschaftlichen Leistungserstellung

1.1 Handlungssituation (Fallbeispiel 1)

1.1.1 Gegenstand des Wirtschaftens

1.1.2 Lösungsmöglichkeiten des ökonomischen Knappheitsproblems

1.1.3 VWL und BWL

1.1.4 Volkswirtschaftliche Güter

1.1.5 Volkswirtschaftliche Produktionsfaktoren

1.1.6 Volkswirtschaftliche Sektoren

1.1.7 Unternehmen und Haushalte im Tauschkontakt

1.2 Handlungssituation (Fallbeispiel 2)

1.2.1 Das einzelwirtschaftliche Produktionskonto

1.2.2 Das staatliche Produktionskonto

1.2.3 Das gesamtwirtschaftliche Produktionskonto und die volkswirtschaftlichen Leistungsgrößen

1.2.4 Das gesamtwirtschaftliche Einkommenskonto und die volkswirtschaftlichen Einkommensgrößen

1.2.5 Das gesamtwirtschaftliche Vermögensänderungskonto und die Beziehung zwischen Sparen und Investieren

1.2.6 Das gesamtwirtschaftliche Kreditänderungskonto

1.2.7 Nominal- und Realgrößen

1.2.8 Betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Kosten

2. Das Unternehmen in der Sozialen Marktwirtschaft

2.1 Handlungssituation (Fallbeispiel 1)

2.1.1 Notwendigkeit und Gegenstand einer Wirtschaftsordnung

2.1.2 Wirtschaftssystem und Wirtschaftsordnung

2.1.3 Grundprinzipien der Marktwirtschaft und Planwirtschaft

2.1.4 Eigentum an Produktionsfaktoren in Marktwirtschaft und Planwirtschaft

2.1.5 Grundprobleme eines kapitalistisch-marktwirtschaftlichen und sozialistisch-planwirtschaftlichen Systems

2.1.6 Systemorientierung von Ländern

2.1.7 Der Markt- und Preismechanismus

2.1.8 Preisänderungen durch Angebots- oder/und Nachfrageänderungen

2.1.9 Messung des Angebots- und Nachfrageverhaltens

2.2 Handlungssituation (Fallbeispiel 2)

2.2.1 Der Markt- und Preismechanismus an der Börse

2.2.2 Der Markt- und Preismechanismus auf einer Auktion

2.3 Handlungssituation (Fallbeispiel 3)

2.3.1 Die Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland

2.3.2 Höchst- und Mindestpreise in der Sozialen Marktwirtschaft

2.3.3 Gefahren für die Sozialbindung der Marktwirtschaft

3. Der wirtschafts- und gesellschaftspolitische Rahmen des Unternehmens

3.1 Handlungssituation (Fallbeispiel 1)

3.1.1 Gegenstand und gesellschaftliche Ziele der Wirtschaftspolitik

3.1.2 Probleme der Wirtschaftspolitik

3.2 Handlungssituation (Fallbeispiel 2)

3.2.1 Aufgabenbereiche der Wirtschaftspolitik

3.2.2 Träger der Wirtschaftspolitik

3.2.3 Ansatzpunkt, Wirkung und Unterteilung der wirtschaftspolitischen Instrumente

4. Der ordnungspolitische Rahmen des Unternehmens

4.1 Handlungssituation (Fallbeispiel 1)

4.1.1 Ordnungspolitik als Wettbewerbspolitik

4.1.2 Gegenstand und Funktionen des Wettbewerbs

4.1.3 Wettbewerbsformen und Marktverhalten

4.1.4 Wettbewerbspolitische Leitbilder

4.1.5 Gesetzliche Grundlagen der deutschen Wettbewerbspolitik

4.2 Handlungssituation (Fallbeispiel 2)

4.2.1 Tatbestände von Wettbewerbsbeschränkungen nach dem GWB

4.2.2 Schwierigkeiten bei der Durchsetzung des GWB

5. Der prozesspolitische Rahmen des Unternehmens I: Auswirkungen der antizyklischen Fiskalpolitik

5.1 Handlungssituation (Fallbeispiel 1)

5.1.1 Gegenstand, Träger und Funktionen der Fiskalpolitik

5.1.2 Gegenstand und gesetzliche Grundlage der antizyklischen Fiskalpolitik

5.1.3 Ziele der antizyklischen Fiskalpolitik

5.2 Handlungssituation (Fallbeispiel 2)

5.2.1 Zielmessung bei der antizyklischen Fiskalpolitik

5.2.2 Ansatzpunkte der antizyklischen Fiskalpolitik und Parallelpolitik

5.2.3 Instrumente zur Bekämpfung einer Inflation

5.2.4 Instrumente zur Bekämpfung einer Arbeitslosigkeit

5.2.5 Staatseinnahmen- und Staatsausgabenmultiplikator

5.2.6 Bedeutung und Beurteilung der Staatsverschuldung

5.2.7 Probleme der antizyklischen Fiskalpolitik

6. Der prozesspolitische Rahmen des Unternehmens II: Auswirkungen der Geld- und Kreditpolitik

6.1 Handlungssituation (Fallbeispiel 1)

6.1.1 Geld- und Kreditpolitik als Teilbereich der Wirtschaftspolitik

6.1.2 Institutioneller Rahmen der Geld- und Kreditpolitik

6.1.3 Geld und Geldfunktionen

6.1.4 Erscheinungsformen von Geld

6.1.5 Buchgeldschöpfung

6.1.6 Konvergenzkriterien der EWU

6.1.7 Schuldenfinanzierung durch die EZB

6.1.8 Zielmessung und Zielverwirklichung

6.2 Handlungssituation (Fallbeispiel 2)

6.2.1 Leitzinsen und umlaufende Geldmenge

6.2.2 Schwachstellen der Geld- und Kreditpolitik

6.3 Handlungssituation (Fallbeispiel 3)

6.3.1 Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB

6.3.2 Mindestreservepolitik

6.4 Handlungssituation (Fallbeispiel 4)

6.4.1 Unternehmensgewinn und Gewinn der EZB

6.4.2 Beurteilung eines EZB-Gewinns

7. Der strukturpolitische Rahmen des Unternehmens

7.1 Handlungssituation (Fallbeispiel 1)

7.1.1 Strukturpolitik in einer Marktwirtschaft

7.1.2 Ziele der Strukturpolitik

7.2 Handlungssituation (Fallbeispiel 2)

7.2.1 Instrumente der Strukturpolitik

7.2.2 Agrarpolitik als sektorale Strukturpolitik

8. Der internationale Rahmen des Unternehmens

8.1 Handlungssituation (Fallbeispiel 1)

8.1.1 Ursache internationaler Wirtschaftsbeziehungen

8.1.2 Die Zahlungsbilanz

8.1.3 Wechsel-, Devisen- und Sortenkurs

8.2 Handlungssituation (Fallbeispiel 2)

8.2.1 Wechselkurs und Leistungstransaktionen

8.2.2 Wechselkurs und Kapitaltransaktionen

8.2.3 Währungsspekulation

8.2.4 Rückwirkungen des EUR-Wechselkurses

8.3 Handlungssituation (Fallbeispiel 3)

8.3.1 Freie und feste Wechselkurse im Vergleich

8.3.2 Vor- und Nachteile eines EWU-Austritts

9. Gesellschaftlich bedeutsame Entwicklungen und Trends

9.1 Handlungssituation (Fallbeispiel 1)

9.1.1 Demografischer Wandel

9.1.2 Auswirkungen des demografischen Wandels

9.2 Handlungssituation (Fallbeispiel 2)

9.2.1 Technologischer Wandel

9.2.2 Auswirkungen des technologischen Wandels

9.3 Handlungssituation (Fallbeispiel 3)

9.3.1 Tertiarisierung

9.3.2 Auswirkungen der Tertiarisierung

Beispiele von Prüfungsaufgaben mit Lösungsvorschlägen

Stichwortverzeichnis

Der Autor

Weitere Bücher

Abkürzungsverzeichnis


BIP Bruttoinlandsprodukt
CAD Kanadischer Dollar
CHF Schweizer Franken
CNY Chinesischer Renminbi (Yuan)
DKK Dänische Krone
EU Europäische Union
EUR Euro (€)
EWR Europäischer Wirtschaftsraum
EWS Europäisches Währungssystem
EWU Europäische Währungsunion
EWWU Europäische Wirtschafts- und Währungsunion
EZB Europäische Zentralbank
GBP Pfund Sterling (£)
GWB Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen
HVPI Harmonisierter Verbraucherpreisindex
HWK Handwerkskammer
HwO Handwerksordnung
JPY Yen
NE Nationaleinkommen
NIP Nettoinlandsprodukt
NNE Nettonationaleinkommen
NOK Norwegische Krone
PE Primäreinkommen
PLN Polnischer Zloty
RUB Russischer Rubel
SEK Schwedische Krone
SP Sozialprodukt
USD US-Dollar ($)
UWG Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb
VE Volkseinkommen
VGR Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
VPI Verbraucherpreisindex

Bedeutung weiterer Abkürzungen im Text.

Einführung

Kompetenzen und Lernziele

In den folgenden Kapiteln wird dem/r „Geprüften Betriebswirt/in nach der Handwerksordnung“ in Anlehnung an den bundeseinheitlichen Rahmenlehrplan ein volkswirtschaftliches Basiswissen vermittelt, das bei der kompetenten Entwicklung einer Unternehmensstrategie helfen soll. Die zunehmend nationale und auch internationale Vernetzung in Wirtschaft und Gesellschaft zwingen dazu, bei der Entwicklung einer erfolgreichen Unternehmensstrategie verstärkt über den betriebswirtschaftlichen „Tellerrand“ hinauszublicken, volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen in die Überlegungen mit einzubeziehen und mit Blick auf die strategischen Entscheidungen im Unternehmen zu bewerten. Dazu sind Kompetenzen zur Erfassung und Bewertung von volkswirtschaftlichen und politischen Wirkungszusammenhängen und von Innovationen und Trends erforderlich. Die Kurzbezeichnung der konkreten Lerninhalte bzw. Lernziele zum Erwerb dieser Kompetenzen ergibt sich aus den Kapitel- und Abschnittüberschriften.

Textgliederung

Die Vermittlung der Kompetenzen und Lernziele im Text folgt einem klar gegliederten Aufbau, einem „roten Faden“. Er hat folgende Gestalt:

Kapitelüberschrift mit Kurzbezeichnung des Lehr- und Lerninhalts

Handlungssituation (Fallbeispiele 1 ff.)

Beschreibung einer exemplarischen Situation in einem Unternehmen (z. B. in einem konkreten Handwerksbetrieb), aus der sich ein volkswirtschaftlicher Bezug ableiten lässt, entweder als Auswirkungen der betrieblichen Situation auf die volkswirtschaftliche Situationsebene oder als Auswirkungen einer volkswirtschaftlichen Situation auf die betriebliche Situations- und Handlungsebene.

Situationsbezogene Frage (Fragen 1 ff.)

Situationsbezogene Frage mit volkswirtschaftlichem Bezug.

Volkswirtschaftliches Basiswissen – Unterabschnitt mit Kurzbezeichnung

Vermittlung des Basiswissens, das den volkswirtschaftlichen Rahmen der situationsbezogenen Frage abdeckt. Dieser Rahmen ist inhaltlich zwangsläufig weiter gezogen als die auslösende Frage, denn es sollen auch Fragen abgedeckt werden, die sich nicht nur aus der spezifischen, beispielhaften Situation, sondern auch aus ähnlichen Situationen ergeben können.

Situationsbezogene Antwort (Antworten 1 ff.)

Antwort auf die situationsbezogene Frage unter Einsatz des volkswirtschaftlichen Basiswissens.

Situationsbezogene Kontrollaufgabe

In Teilfragen gegliederte Aufgabe, die wiederum ausgehend von einer konkreten betrieblichen Handlungssituation der Überprüfung der im Kapitel erworbenen Wissenskompetenz dient. Antworten auf die entsprechenden Kontrollfragen werden in diesem Lehrbuch im Unterschied zu den situationsbezogenen Fragen bewusst nicht gegeben. Sie sollen erst das Ergebnis der Selbstkontrolle des Lesers im Selbststudium oder im Unterricht sein, ob das erworbene volkswirtschaftliche Basiswissen des betreffenden Teilbereichs praxisnah eingesetzt werden kann. In den Antworten sollte immer auch eine Erläuterung gefordert werden, d. h., das volkswirtschaftliche Basiswissen sollte mit der Aufgabenlösung dokumentiert und eine reine Reproduktion vorgefertigter, möglicherweise auswendig gelernter Antwortschablonen vermieden werden. Beispiele von kapitelübergreifenden Aufgaben mit Lösungsvorschlägen aus der Prüfungspraxis werden am Schluss des Lehrbuches geliefert. Sie sind auch zusammen mit Lösungsvorschlägen für die Kontrollaufgaben in der separat erschienenen Aufgabensammlung zu diesem Lehrbuch enthalten.

1. Das Unternehmen in der volkswirtschaftlichen Leistungserstellung
1.1 Handlungssituation (Fallbeispiel 1)

Fallbeispiel 1


Handlungssituation

Der Installationsbetrieb von Installationsmeister Röhrl ist in München ansässig. Mit zehn Beschäftigten auf einem Firmengelände von 1000 m2 hat er sich auf die Installation von Pelletheizungen spezialisiert. Zu seinen Kunden zählt er ausschließlich private Haushalte in der Region um München.

Situationsbezogene Frage 1

Welche ökonomischen Gründe haben Installationsmeister Röhrl dazu veranlasst, einen Installationsbetrieb zu betreiben?

1.1.1 Gegenstand des Wirtschaftens

Güterknappheit als ökonomisches Grundproblem

Gegenstand des Wirtschaftens sind knappe Güter, die als materielle Werte neben immateriellen Werten (z. B. Verständnis, Zuneigung, Anerkennung) dem einzelnen Menschen einen Nutzen stiften und daher durch Gebrauch (Nutzung) sein Wohlbefinden positiv beeinflussen. Güter sind daher im wahrsten Sinne des Wortes gut. Ungüter sind schlecht, weil sie das Wohlbefinden negativ beeinflussen, also Leid zufügen und z. B. krank machen. Die Knappheit der Güter beruht darauf, dass die Möglichkeiten der Güterproduktion (z. B. in Form der vorhandenen Arbeitskraft) begrenzt sind (= absolute Knappheit) und die Güterbedürfnisse (Bedarf) außerhalb der Möglichkeiten liegen (= relative Knappheit).

Das Knappheitsproblem der Güter (Güterversorgungsproblem) ist Ausgangspunkt und steht im Mittelpunkt allen Wirtschaftens.

Homo oeconomicus

Das Güterversorgungsproblem oder – nach den Worten von Erich Schneider (1900–1970), einem der großen Vertreter der deutschen Volkswirtschaftslehre – „der kalte Stern der Knappheit“ ist für uns ein Dauerproblem. Der wirtschaftende Mensch als Wirtschaftssubjekt (lat.: homo oeconomicus) und als allein vernunftbegabtes Lebewesen setzt seine Vernunft (Ratio) ein, um sein Güterversorgungsproblem bestmöglich zu lösen. Eichhörnchen lösen ihre Güterversorgungsprobleme instinktmäßig. „Bestmöglich“ heißt, mit gegebenen Möglichkeiten ein Höchstmaß an Bedarfsbefriedigung (Nutzenmaximierung) oder einen gegebenen Bedarf mit einem Mindestmaß an Möglichkeiten (Kostenminimierung) zu erreichen (ökonomisches Rationalprinzip oder kurz: ökonomisches Prinzip). Knappe Güter sind daher ökonomische Güter. Güter ohne absolutes Knappheitsproblem sind freie Güter. Ungüter sind mit einem Entsorgungsproblem verbunden.

Situationsbezogene Antwort 1

Installationsmeister Röhrl betreibt unter ökonomischem Blickwinkel einen Installationsbetrieb, weil er ein Güterversorgungsproblem hat, d. h., er möchte z. B. seiner Familie allgemein einen bestimmten Lebensstandard sichern oder für sich persönlich einen neuen Pkw anschaffen. Seine Unternehmertätigkeit soll ihm dazu die Möglichkeit verschaffen. Er macht sich daher Gedanken, wie er sein Einkommen über den Betriebsgewinn maximieren kann, um seinen Bedarf möglichst leicht decken zu können. Installationsmeister Röhrl hat neben dem Wunsch nach Bedarfsdeckung vielleicht aber auch den Wunsch, sich selbst zu bestätigen oder von seinen Mitmenschen anerkannt zu werden. In diesen Fällen tritt er als Wirtschaftssubjekt in den Hintergrund. Wenn Installationsmeister Röhrl bei dem Versuch, seinen Bedarf zu decken, z. B. gesundheitliche Probleme durch Überanstrengung bekommt, steht er vor einem Entsorgungsproblem, d. h., den Wunsch nach einer ärztlichen Dienstleistung gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Situationsbezogene Frage 2

Warum hat sich Installationsmeister Röhrl auf die Installation von Pelletheizungen spezialisiert und was folgt daraus für seine Unternehmertätigkeit?

1.1.2 Lösungsmöglichkeiten des ökonomischen Knappheitsproblems

Wenn der Mensch als Wirtschaftssubjekt versucht, mit Vernunft (Ratio) sein Güterversorgungsproblem zu lösen, hat er grundsätzlich zwei Lösungsmöglichkeiten: Rationierung oder/und Rationalisierung.

Rationierung oder/und Rationalisierung

Von Rationierung wird gesprochen, wenn es um die Einschränkung des Bedarfs geht. Sie ist als Lösungsmöglichkeit des Knappheitsproblems wenig beliebt, allerdings schnell wirkend. Sich von Wünschen zu verabschieden, wird als unangenehm empfunden und gilt als letzter Ausweg, wenn eine Rationalisierung momentan nicht möglich ist. Lieferfristen, Bezugsscheine, aber auch eine Inflation sind z. B. Formen der Rationierung.

Spezialisierung ist besonders wichtig

Von Rationalisierung wird gesprochen, wenn es um die Ausschöpfung und Ausdehnung der Produktionsmöglichkeiten geht. Sie ist diejenige Lösungsmöglichkeit des Knappheitsproblems, an die normalerweise zuerst gedacht wird. Sie umfasst die Spezialisierung, die Investierung und die Ökonomisierung. Spezialisierung (auch Arbeitsteilung genannt) bedeutet, die Fähigkeiten zur Produktion, also die Produktionsfaktoren (vgl. Abschnitt 1.1.5), konzentriert und gezielt einzusetzen und dadurch die Gesamtleistung zu erhöhen (Effizienzsteigerung). Investierung ist eine besondere Form der Spezialisierung und bedeutet z. B. den verstärkten Einsatz von Maschinen, die als Sachkapital in vielen Fällen der menschlichen Arbeitskraft überlegen sind. Im täglichen Sprachgebrauch ist vor allem dieser Vorgang gemeint, wenn von Rationalisierung die Rede ist und Arbeitsplätze verloren gehen. Ökonomisierung bedeutet, zunächst einmal zu versuchen, die Produktionsmöglichkeiten voll auszuschöpfen (ökonomisches Prinzip) und nichts zu vergeuden, bevor daran gedacht wird, sie noch weiter auszudehnen. Unter allen Formen der Rationalisierung ist die Spezialisierung von besonderer Bedeutung. Es ist nicht übertrieben festzustellen, dass die Spezialisierung zusammen mit dem Güterversorgungsproblem die Dreh- und Angelpunkte des gesamten Wirtschaftens sind. Wer sie verstanden hat, verfügt über ein ökonomisches Grundverständnis, das als Weichenstellung den Zugang zum Verständnis aller ökonomischen Situationen und Probleme verschafft.

Spezialisierung auf der Input- und Outputseite

Spezialisierung findet beim Einsatz (Input) der Produktionsmöglichkeiten (Produktionsfaktoren) und beim Produktionsergebnis (Output) statt. Spezialisierung ist national (z. B. durch die Ausbildung zu einem Handwerksberuf) und international (z. B. in Gestalt der erdölproduzierenden Länder) anzutreffen.

Spezialisierung führt zwangsläufig zu wirtschaftlichen Tauschbeziehungen (Handelsbeziehungen) zwischen den Spezialisten, die sich in Anbieter und Nachfrager unterteilen lassen.

Angebot und Nachfrage durch Spezialisierung

Jeder Spezialist befindet sich gleichzeitig in einer Anbieter- und Nachfragerrolle. Als Spezialist wird er z. B. zum Anbieter derjenigen Güter, auf deren Produktion er sich spezialisiert hat und die er in der Gesamtmenge selbst nicht benötigt. Hier steht er vor einem Absatzproblem eigener Leistung. Andererseits wird jeder Spezialist zum Nachfrager nach denjenigen Gütern, auf deren Produktion er sich nicht spezialisiert hat. Es tritt ein Beschaffungsproblem fremder Leistung auf. Werden das Absatz- und Beschaffungsproblem nicht gelöst, entsteht ein Existenzproblem durch mangelhafte Güterversorgung.

Vor- und Nachteile der Spezialisierung

Die Vorteile der Spezialisierung liegen gegenüber der Selbstversorgung vor allem in einer höheren mengenmäßigen (quantitätsmäßigen) Gesamtleistung pro Produktionsfaktor (Produktivität) wie auch in einer höheren Produktqualität. Sie dient damit entscheidend – wie schon beschrieben – der Rationalisierung. Nachteile der Spezialisierung sind vor allem in der größeren Abhängigkeit der Spezialisten untereinander über das Absatz- und Beschaffungsproblem bzw. Existenzproblem, in den möglichen Schwierigkeiten bei ihrer Abstimmung (Koordination) zwecks Problemlösung und in der möglichen Entfremdung von der eigenen Leistung (Problem des inhumanen Arbeitsplatzes) zu sehen. In der wechselseitigen Abhängigkeit der Spezialisten kann jedoch auch insofern ein Vorteil gesehen werden, als sie den menschlichen Gedankenaustausch (Kommunikation) erzwingt bzw. der Isolierung vorbeugt, dadurch soziale Prozesse fördert und das Gemeinwesen stützt. In den Wissenschaften kann eine fortschreitende Spezialisierung zu der Gefahr führen, immer mehr über immer weniger und schließlich alles über nichts zu wissen.

Situationsbezogene Antwort 2

Installationsmeister Röhrl hat sich auf die Installation von Pelletheizungen spezialisiert, weil er durch seine Ausbildung zum Installationsmeister (Inputseite) und die anschließende Konzentration auf die Produktion von Pelletheizungen (Outputseite) glaubt, seine Fähigkeiten ökonomisch bestmöglich einsetzen zu können und über den erhofften Gewinn letztlich auch sein eigenes Güterversorgungsproblem bestmöglich lösen zu können. Durch die Spezialisierung ist er zum Anbieter von Pelletheizungen geworden. Gleichzeitig ist er zum Nachfrager nach denjenigen Gütern geworden, auf deren Produktion er sich nicht spezialisiert hat und die (z. B. in Gestalt einer Urlaubsreise) sein eigenes Güterversorgungsproblem ausmachen. Er ist demnach gezwungen in Tauschbeziehungen zu treten, die insofern problematisch werden können, als er in Abhängigkeit von Tauschpartnern gerät, die in ihren Güterwünschen und Vorstellungen nicht im Einklang mit seinen eigenen Vorstellungen stehen müssen.

Situationsbezogene Frage 3

Warum ist der Installationsbetrieb von Installationsmeister Röhrl aus volkswirtschaftlicher Sicht interessant?

1.1.3 VWL und BWL

Die Volkswirtschaftslehre (VWL) zählt zu den Wirtschaftswissenschaften. Sie umfassen diejenigen Fachgebiete, die das Wirtschaften des Menschen zum Gegenstand ihres Erkenntnisinteresses machen. Alle Aufgaben der VWL sind darauf gerichtet, das gesellschaftliche Güterversorgungsproblem als gesamtwirtschaftliches Problem zu erkennen und zu lösen. Die Aufgabenerfüllung lässt sich dabei in vier Stufen unterteilen:

Deskription und Definition

(1) Am Anfang steht die Beobachtung und damit die Beschreibung (Deskription) vergangener Entwicklungen und deren Ergebnisse auf der gesamtwirtschaftlichen Ebene (z. B. die Höhe der gesamten Güterversorgung der deutschen Bevölkerung im Jahr 2016). Da sich jede Beschreibung einer Sprache und bestimmter Fachbegriffe bedient, muss die Beschreibung Hand in Hand mit der Begriffsklärung (Definition) gehen (z. B. Bruttoinlandsprodukt (BIP)). So wie alle Begriffe beruhen auch volkswirtschaftliche Begriffe auf Konventionen und sind daher streng genommen nicht richtig oder falsch, sondern werden nur konventionell oder unkonventionell (mit der Gefahr des Missverständnisses) verwendet. Die Frage in dieser ersten Aufgabenstellung lautet: Was ist und wie ist etwas auf der volkswirtschaftlichen Ebene? Um die Frage zu beantworten, werden bestimmte Methoden wie z. B. die Buchführungstechnik der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) eingesetzt. Wir werden uns in diesem Kapitel damit näher befassen.

Erklärung

(2) Der Beschreibung folgt die Erklärung, d. h., es folgt die Frage nach den Ursachen, also die Frage nach dem Warum: Warum ist etwas so, wie es ist? Warum betrug z. B. das BIP im Jahr 2016 ca. 3.100 Mrd. EUR und warum ist es nicht höher ausgefallen? Es wird also nach den Ursachen eines bestimmten gesamtwirtschaftlichen Phänomens in der Vergangenheit gefragt. Um die Frage zu beantworten, wird die Wirtschaftstheorie bemüht.

Prognose

(3) Ist die Erklärung geleistet, so lässt sich darauf eine Prognose aufbauen, d. h., durch Verlagerung der Ursachen in die Zukunft lassen sich auch zukünftige Entwicklungen vorhersagen und begründen. Warum dürfte z. B. das BIP im kommenden Jahr steigen? Von der Prognose unterscheidet sich die Prophezeiung dadurch, dass Letztere (z. B. durch einfache Trendverlängerung der vergangenen Entwicklung in die Zukunft) zwar die zukünftige Entwicklung – möglicherweise im reinen Ergebnis durchaus exakt – vorhersagen, aber nicht die Ursachen dieser Entwicklung benennen kann. Dies ist dann hinderlich, wenn zukünftige Entwicklungen als gesellschaftlich unerwünscht bewertet werden und daher nach einer (wirtschafts)politischen und damit staatlichen Korrektur und entsprechenden Maßnahmen verlangen.

Wirtschaftspolitische Beratung

(4) Sind die drei erst genannten Aufgaben erfüllt, so obliegt der Volkswirtschaftslehre – sofern sie nicht im „elfenbeinernen Turm“ der reinen Theorie verbleiben will – als Letztes die Aufgabe der wirtschaftspolitischen Beratung. Sie soll diejenigen im staatlichen Bereich instrumentell beraten, die (z. B. als gewählte Volksvertreter und Parlamentarier bzw. Regierungsmitglieder in einer Demokratie) aufgrund ihrer gesellschaftlichen Verantwortung die Aufgabe haben, das gesellschaftliche (volkswirtschaftliche) Güterversorgungsproblem und die damit verbundenen Probleme (z. B. das Arbeitslosigkeitsproblem) zu lösen. Die Frage lautet also: Wozu soll z. B. die Beschreibung und Erklärung der zukünftigen Entwicklung des BIP dienen?

VWL

Die Volkswirtschaftslehre (VWL) versucht Erkenntnisse über das gesamte Güterversorgungsproblem einer Gesellschaft (Gesamtwirtschaft) und die Schwierigkeiten bei der Problemlösung zu gewinnen und zu vermitteln.

Die Betriebswirtschaftslehre (BWL) zählt wie die Volkswirtschaftslehre (VWL) zu den Wirtschaftswissenschaften. Sie steht im Grunde vor dem gleichen Aufgabenkatalog wie die VWL, allerdings nicht auf der gesamtwirtschaftlichen, sondern auf der einzelwirtschaftlichen Ebene, z. B. im Unternehmensbereich. Außerdem bezieht sich die Aufgabe der Beratung nicht auf den staatlichen Bereich, sondern verbleibt im privaten Bereich, z. B. als Unternehmensberatung.

BWL

Die Betriebswirtschaftslehre (BWL) befasst sich mit den einzelwirtschaftlichen Problemen bei der Güterversorgung, wobei die betriebliche Produktion der Güter und deren Vermarktung im Vordergrund des Interesses stehen.

VWL und BWL ergänzen sich

VWL und BWL sind keine Gegensätze, sondern Fachgebiete, die sich gegenseitig ergänzen und von dem jeweilig anderen Fachgebiet – wie auch von nichtökonomischen Fachgebieten wie z. B. den Sozialwissenschaften – wichtige Anregungen und Beiträge bei der eigenen Erkenntnisgewinnung erhalten. Die VWL hat dadurch für den Betriebswirt an Bedeutung gewonnen, dass Märkte immer größer und staatlich beeinflusst werden und auch international verstärkt zusammenwachsen (z. B. in Gestalt der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion). Die Kenntnis der volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Zusammenhänge ist für den einzelnen Betrieb unabdingbar geworden, wenn er seine Existenz langfristig sichern will. Andererseits kommt auch der Volkswirt nicht ohne ein Grundverständnis der betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge aus, denn gesamtwirtschaftliche Erscheinungen und Probleme wie z. B. Arbeitslosigkeit und Inflation sind letztlich das Ergebnis von einzelwirtschaftlichen Entscheidungen und Verhaltensweisen.

Situationsbezogene Antwort 3

Der Installationsbetrieb von Installationsmeister Röhrl interessiert aus volkswirtschaftlicher Sicht, weil dort – wie auch in allen anderen Betrieben – ein volkswirtschaftliches Ergebnis (z. B. die volkswirtschaftliche Güterproduktion in Gestalt des Bruttoinlandsprodukts) seinen Ausgangspunkt nimmt und weil betriebswirtschaftliche Verhaltensweisen wichtige Erkenntnisse liefern, wenn es z. B. darum geht, mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen Einfluss zu nehmen. Wenn z. B. bekannt ist, warum Installationsmeister Röhrl Beschäftigte einstellt oder ausstellt, lassen sich dadurch wichtige Rückschlüsse für eine gesamtwirtschaftliche Beschäftigungspolitik gewinnen.

Das volkswirtschaftliche Interesse, das in den Aufgaben der Volkswirtschaftslehre zum Ausdruck kommt, ist auf der betrieblichen Ebene von Installationsmeister Röhrl nahezu identisch mit dem betriebswirtschaftlichen Interesse. Auch Installationsmeister Röhrl hat ein Interesse daran zu wissen, was im Laufe eines Jahres in seinem Betrieb passiert ist, d. h., er beschreibt unter Einsatz einer Fachsprache und einer Beschreibungsmethodik wie z. B. der Buchführung den jährlichen Betriebsablauf und stellt z. B. fest, dass er einen Gewinn gemacht hat, obwohl sich gleichzeitig seine Kostensituation verschlechtert hat. Natürlich möchte er auch gern wissen und erklären, warum sein Gewinn nicht höher ausgefallen ist und warum seine Kostensituation sich verschlechterte. Ebenso ist er daran interessiert zu wissen, wie und warum sich sein Betrieb und z. B. seine Gewinnsituation im nächsten Jahr entwickeln dürften. Er hätte also gern eine Prognose. Und letztlich möchte er wissen, mit welcher Unternehmensstrategie er eine künftige Entwicklung positiv beeinflussen kann. Er wünscht eine unternehmenspolitische Beratung, die er entweder selbst vornehmen oder bei einem darauf spezialisierten Unternehmensberater in Auftrag geben kann.

Situationsbezogene Frage 4

Welchen volkswirtschaftlichen Güterbegriffen sind die von Installationsmeister Röhrl installierten Pelletheizungen nach ihrer Nutzungsdauer und Nutzungsart zuzuordnen?

1.1.4 Volkswirtschaftliche Güter

Schematisch und in der Übersicht lassen sich die verschiedenen volkswirtschaftlichen Güterbegriffe nach ihrer Nutzungsdauer und Nutzungsart wie folgt darstellen:


Konsumgüter, Investitionsgüter, Vorleistungen

Die ökonomischen (knappen) Güter (vgl. Abschnitt 1.1.1) lassen sich demnach zunächst in Sachgüter (Waren) und Dienstleistungen unterteilen. Sie können dauerhaft (langlebig) und nicht dauerhaft (kurzlebig) sein. Die Grenze zwischen Kurz- und Langlebigkeit ist das Ende des Wirtschaftsjahres, das normalerweise dem Kalenderjahr entspricht. Sachgüter können kurz- oder langlebig sein, während Dienstleistungen nur kurzlebig sind und gleichzeitig mit ihrer Produktion auch vollständig genutzt werden. Die Nutzung der Güter führt zu ihrer Vernichtung. Eine weitere und begrifflich wichtige Unterteilung ist die in Investitions- und Konsumgüter und in Vorleistungen. Investitionsgüter sind langlebige, Vorleistungen kurzlebige Güter, die wieder zur Produktion genutzt werden. Konsumgüter sind kurz- und langlebige Güter, die durch Nutzung zwar auch vernichtet, aber nicht wieder zur Produktion genutzt werden.

Vorleistungen werden vor allem von der Zulieferindustrie hergestellt und als Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe dem betrieblichen Produktionsprozess zugeführt. Als typische Beispiele für Investitionsgüter gelten die im Produktionsprozess eingesetzten Maschinen (Ausrüstungsinvestitionen) und Gebäude (Bauinvestitionen). Typische Konsumgüter sind z. B. Nahrungsmittel und auch Elektrogeräte im privaten Haushalt, sofern mit ihnen nicht wieder etwas produziert und verkauft wird.

Situationsbezogene Antwort 4

Die von Installationsmeister Röhrl installierten Pelletheizungen könnten nach ihrer Nutzungsart unter alle drei volkswirtschaftlichen Güterbegriffe fallen. Da die Pelletheizungen annahmegemäß ausschließlich in privaten Haushalten installiert werden, könnten sie zunächst einmal unter die privaten Konsumgüter fallen. Dies wäre dann der Fall, wenn sie nicht wieder zur Produktion genutzt werden, wenn sie also z. B. dazu dienen, die Wohnräume eines privaten Haushalts zu heizen. Dass es sich bei Pelletheizungen typischerweise um langlebige Sachgüter handelt, die über die Jahre hinweg genutzt werden, spielt bei Konsumgütern keine Rolle, da sie kurz- und langlebige Güter umfassen. Das ist bei Investitionsgütern anders, da bei ihnen die Langlebigkeit gegeben sein muss. Bei den Pelletheizungen würde es sich um private Investitionsgüter handeln, wenn sie in Unternehmen des privaten Haushaltsbereichs (vgl. Abschnitt 1.1.6) (z. B. im Familienbetrieb einer Bäckerei) installiert werden. Sie würden dann nämlich wieder der Produktion (z. B. zur Beheizung der Backstube bei der Semmelproduktion) dienen. Untypisch, aber keineswegs völlig unrealistisch wäre eine kurzlebige Nutzung von Pelletheizungen in der Produktion. Dies wäre dann der Fall, wenn sie z. B. im Auftrag eines Subunternehmens bei der Erstellung eines größeren Wohnungsbauprojekts installiert würde. Für das Subunternehmen würde es sich um eine Vorleistung handeln, die im gleichen Jahr an den Betreiber des Wohnungsbauprojekts weitergereicht wird und dann erst bei ihm zu einer privaten Investition wird.

Situationsbezogene Frage 5

Wie ist die von Installationsmeister Röhrl bei der Produktion der Pelletheizungen eingesetzte Betriebsausstattung (Beschäftigte, Firmengelände und -gebäude, Maschinen, Bankguthaben etc.) volkswirtschaftlich einzuordnen?

1.1.5 Volkswirtschaftliche Produktionsfaktoren

Die volkswirtschaftliche Produktion entspringt der Kombination von drei Quellen (Produktionsfaktoren): Arbeit, Boden und Kapital.

Arbeit ist ein ursprünglicher (originärer) und der wohl wichtigste Produktionsfaktor, da er unmittelbar auf den Menschen bezogen und mit der menschlichen Existenz untrennbar verbunden ist.

Produktionsfaktor: Arbeit

Wir alle werden gleichsam schon durch Geburt zu Eigentümern von Arbeitskraft, die allerdings erst nach einer Ausbildung im Produktionsprozess einsetzbar ist. Die Untrennbarkeit der Arbeitskraft vom Menschen selbst ist auch der eigentliche Grund dafür, warum Arbeitslosigkeit als menschliches und damit besonders gravierendes, gesellschaftliches (soziales) Problem empfunden wird und warum der Arbeitnehmer sich in einer besonders abhängigen Position gegenüber denjenigen fühlt, die über den Einsatz und die Kombination der Produktionsfaktoren entscheiden. In der volkswirtschaftlichen Fachsprache wird daher – entgegen unserem täglichen Sprachgebrauch – unter Arbeit nur die abhängige, unselbstständige Arbeit verstanden, d. h., nur diejenigen zählen zu den Arbeitnehmern, die sich vertraglich bereit erklärt haben, ihr Eigentum an Arbeitskraft im Produktionsprozess von den Produzenten als Eigentümern von Boden und Kapital nutzen zu lassen, und im Gegenzug dafür einen Teil des gesamten Produktionsergebnisses als Arbeitnehmerentgelt (Kontrakteinkommen, z. B. in Form von Löhnen und Gehältern) für sich beanspruchen. Die volkswirtschaftliche Leistungskraft der Arbeit ist – wie bei allen Produktionsfaktoren – eine Frage der Quantität und Qualität. Sie wird demnach bestimmt durch die vorhandene arbeitsfähige Bevölkerung (= Zahl der unselbstständigen Erwerbspersonen = unselbstständige Erwerbstätige + Arbeitslose) und durch ihren Ausbildungsstand, aber auch durch die Art ihrer Eingliederung in den Produktionsprozess und dabei vor allem durch ihre Ausstattung und Kombination mit dem Produktionsfaktor Kapital.

Boden ist wie Arbeit ein originärer Produktionsfaktor, denn er ist gleichsam der Planet, auf dem wir leben.

Produktionsfaktor: Boden

Boden dient im Produktionsprozess z. B. als land- und forstwirtschaftliche Nutzfläche, als Standort von Produktionsanlagen und als Quelle nicht erneuerbarer Rohstoffe (Ressourcen). Die produktionsbedingte Nutzung des Bodens führt allerdings nach traditioneller volkswirtschaftlicher – im Übrigen auch nach betriebswirtschaftlicher bzw. steuerrechtlicher – Sichtweise zu keinem Verschleiß, was vor dem Hintergrund der Umweltproblematik zunehmend in Frage gestellt wird. Unter diesem kritischen Blickwinkel erscheint es auch nicht ratsam, den Produktionsfaktor Boden mit Umwelt gleichzusetzen, wie es in einigen Lehrbüchern geschieht. Die volkswirtschaftliche Leistungskraft des Bodens wird wiederum quantitätsmäßig z. B. durch die ha-Größe und qualitätsmäßig durch die Bodengüte bestimmt. Die Eigentümer des Bodens produzieren eine Dienstleistung, indem sie anderen Produzenten von Sachgütern und Dienstleistungen die Bodennutzung (z. B. als Standort von Produktionsstätten) gestatten und dafür (bei fremden Produzenten) z. B. Pachteinnahmen erzielen. Ihr Faktoreinkommen ist der Gewinn, der ihnen im Gegensatz zu den Arbeitnehmern aber nicht als Kontrakteinkommen, sondern als Residualeinkommen zufließt. Erst am Ende des Wirtschaftsjahres wird anhand der Buchführung geklärt, wie hoch es tatsächlich gewesen ist.

Kapital ist im Gegensatz zu Arbeit und Boden kein originärer, sondern ein abgeleiteter (derivativer) Produktionsfaktor, denn er ist erst selbst durch die Produktion von Gütern entstanden.

Produktionsfaktor: Kapital

Sachkapital sind die im Produktionsprozess eingesetzten Investitionsgüter wie z. B. Maschinen und Gebäude, während Geldkapital eine Forderung bzw. Verbindlichkeit und damit eine indirekte Beteiligung am Eigentum des Sachkapitals darstellt. Sachkapital kann neu gebildet, aber durch seine Nutzung im Produktionsprozess auch verschlissen werden. Voraussetzung für die Sachkapitalbildung ist die Geldkapitalbildung, die volkswirtschaftlich als Sparen bezeichnet wird. Sparen ist Konsumverzicht, d. h., es entsteht dadurch, dass die Eigentümer der Produktionsfaktoren ihr durch die Faktornutzung bei der Güterproduktion erhaltenes Einkommen nicht voll zum Kauf von Konsumgütern verwenden, sondern den Rest – meist unter Vermittlung des Bankensystems – den Investoren als Käufern von Investitionsgütern und damit wieder der Produktion zur Verfügung stellen.

Auch die Kapitaleigentümer beanspruchen für die Faktornutzung einen Teil des Produktionsergebnisses als Faktoreinkommen. Es fließt ihnen wie den Bodeneigentümern als Residualeinkommen in Form des Gewinns zu. Der Gewinnanspruch wird von den Boden- und Kapitaleignern außerdem mit dem Argument begründet, dass sie auch das Risiko des Verlustes durch Liquidierung ihres Faktoreigentums zu tragen haben.

Situationsbezogene Antwort 5

Installationsmeister Röhrl setzt bei der Installation von Pelletheizungen durch seine Beschäftigten den volkswirtschaftlichen Produktionsfaktor Arbeit ein, der je nach Beschäftigungsstunden und Ausbildungsstand der Beschäftigten von unterschiedlicher Quantität und Qualität ist. Die Beschäftigten sind Eigentümer von Arbeitskraft und gestatten Installationsmeister Röhrl vertraglich die Nutzung ihrer Arbeitskraft (Arbeitnehmer) und erhalten als Nutzungsentgelt den vertraglich vereinbarten Lohn oder das Gehalt (Kontrakteinkommen). In der vertraglichen Bindung kommt eine Abhängigkeit der Arbeitnehmer zum Ausdruck. Die Beschäftigten von Installationsmeister Röhrl gehen demnach einer abhängigen, unselbständigen Tätigkeit nach, während die Tätigkeit von Installationsmeister Röhrl als Betriebsinhaber eine selbständige Tätigkeit darstellt. Er ist Eigentümer der volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren Boden und Kapital. Der Boden ist z. B. das Firmengelände, das Kapital sind z. B. das Firmengebäude und die eingesetzten Maschinen (Sachkapital) und die flüssigen Geldmittel auf dem Bankkonto (Geldkapital). Für die Nutzung seiner Produktionsfaktoren erhält er den Gewinn, der allerdings nicht vertraglich vereinbart ist, sondern sich erst am Ende des Jahres ergibt (Residualeinkommen). Ein Verlust als negativer Gewinn würde sein Kapitaleigentum und im schlimmsten Fall der Insolvenz auch sein Bodeneigentum schmälern.

Situationsbezogene Frage 6

Welche Kunden von Installationsmeister Röhrl zählen aus volkswirtschaftlicher Sicht zu den privaten Haushalten und wie unterscheiden sie sich von anderen möglichen Kundengruppen?

1.1.6 Volkswirtschaftliche Sektoren

Die am volkswirtschaftlichen Güterversorgungsprozess beteiligten Spezialisten treffen tagtäglich millionenfache Entscheidungen. Nach dem offiziellen, auch in Deutschland gültigen Begriffsystem des Europäischen Systems der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (ESVG 2010), das auf dem weltweit gültigen „System of National Accounts 2008“ (SNA 2008) der Vereinten Nationen (UN) beruht und durch eine entsprechende Verordnung der Europäischen Union (EU) allen Mitgliedsländern vorschreibt, in ihrer nationalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) die vorgegebenen Begriffe und Buchungssysteme zu verwenden, werden fünf Grundsektoren unterschieden:

Private Unternehmen konsumieren nicht, sondern investieren nur.

Private Unternehmen

Die privaten Unternehmen werden in Unternehmen mit eigener und ohne eigene Rechtspersönlichkeit unterteilt. Unternehmen mit eigener Rechtspersönlichkeit (juristische Personen) sind nichtfinanzielle (z. B. ein Automobilproduzent) und finanzielle (z. B. eine Geschäftsbank) Kapitalgesellschaften wie z. B. eine AG oder GmbH, aber auch Quasi-Kapitalgesellschaften wie z. B. eine OHG oder KG. Unternehmen ohne eigene Rechtspersönlichkeit sind die Selbstständigen wie z. B. ein Handwerksbetrieb oder ein Rechtsanwalt. In den privaten Unternehmen werden mittels des Einsatzes und der Kombination von Produktionsfaktoren (Arbeit, Boden, Kapital) und der gegebenen Produktionstechnologie Güter hergestellt. Für die Nutzung der Produktionsfaktoren müssen die Unternehmen an die Eigentümer der Produktionsfaktoren ein Entgelt – letztlich wiederum Güter – zahlen, d. h., es entstehen ihnen Kosten, z. B. Arbeitnehmerentgelte als Lohnkosten (Lohnsatz × Arbeitsmenge). Für die Eigentümer der Produktionsfaktoren, die in sämtlichen Sektoren angesiedelt sein können, sind diese Zahlungen Einkommen (Faktoreinkommen). Für den Verkauf ihrer erzeugten Produkte am Markt (Marktproduktion) erzielen die Unternehmen einen Erlös oder Umsatz (= Preis × Absatzmenge). Der Gewinn als Betriebsüberschuss (für die Unternehmen mit eigener Rechtspersönlichkeit) bzw. als Selbstständigeneinkommen (für die Unternehmen ohne eigene Rechtspersönlichkeit) ergibt sich aus der Differenz von Umsatz und Kosten und fließt als Einkommen den Eigentümern des Unternehmens bzw. der entsprechenden Produktionsfaktoren als verteilter Gewinn zu oder verbleibt als unverteilter Gewinn im Unternehmen.

Private Haushalte konsumieren vor allem, aber investieren auch.

Private Haushalte

Die privaten Haushalte sind Eigentümer von Produktionsfaktoren, stellen diese den privaten Unternehmen, den privaten Organisationen ohne Erwerbszweck und dem Staat zur Verfügung und beziehen für ihre Nutzung ein Einkommen als Arbeitnehmerentgelt (z. B. Löhne und Gehälter) für die Nutzung ihrer Arbeitskraft oder ein Selbstständigeneinkommen für die Nutzung ihres Bodens oder/und Kapitals. Die Unternehmen ohne eigene Rechtspersönlichkeit zählen als Selbstständige zu den privaten Haushalten, da in der Praxis häufig eine klare Trennung zwischen privatem Haushaltsbereich und Unternehmensbereich nicht möglich ist. In diesen Fällen stellen also die privaten Haushalte ihre Produktionsfaktoren gleichsam sich selbst zur Verfügung. Über ihr Einkommen verfügen die privaten Haushalte, indem sie Konsumgüter kaufen und den Rest sparen, um damit z. B. den eigenen Kauf von Investitionsgütern in ihren Unternehmen ohne eigene Rechtspersönlichkeit zu finanzieren oder anderen den Kauf durch Kreditvergabe (auch z. B. durch den Erwerb von Aktien) zu ermöglichen.

Private Organisationen ohne Erwerbszweck investieren und konsumieren.

Private Organisationen ohne Erwerbszweck

Die privaten Organisationen ohne Erwerbszweck umfassen z. B. die Gewerkschaften, politischen Parteien, Kirchen, Forschungseinrichtungen, Hilfswerke, Sportvereine etc. Ihre Dienstleistungsproduktion ist – bis auf ganz wenige Ausnahmen (z. B. Wohnungsvermietung) – nicht für den Markt (Nichtmarktproduktion) bestimmt und wird daher als ihr Eigenverbrauch und damit als Konsum interpretiert und mit den Herstellungskosten bewertet. Die privaten Organisationen ohne Erwerbszweck werden auch als „Dritter Sektor“ bezeichnet (engl.: Non-Governmental Organizations („NGOs“)).

Der private Sektor hat keine hoheitlichen Befugnisse

Private Unternehmen, private Haushalte und private Organisationen ohne Erwerbszweck bilden zusammen den privaten Sektor. Die im privaten Sektor tätigen Wirtschaftssubjekte („Private“) handeln meist nach ihrem wirtschaftlichen Eigeninteresse (Egoismus), dürfen dabei aber keine Gewalt gegenüber anderen Wirtschaftssubjekten ausüben. Dies bleibt dem Staat vorbehalten.

Der Staat investiert und konsumiert.

Der staatliche Sektor hat hoheitliche Befugnisse

Der Staat (auch „öffentlicher Sektor“ oder „öffentliche Haushalte“ genannt) hat im Gegensatz zum privaten Sektor hoheitliche Befugnisse (Gewaltmonopol mit Legislative, Exekutive und Judikative), d. h., er darf die Privaten zwingen und in ihrem Eigeninteresse (Individualinteresse) einschränken, wenn es dem öffentlichen Interesse, dem Interesse aller in einem Gemeinwesen (Gemeininteresse), dient. Was darunter zu verstehen ist, legt die Verfassung, in Deutschland das Grundgesetz, fest. Sind die hoheitlichen Befugnisse nicht an einer Stelle konzentriert (Zentralstaat), sondern werden sie wie in Deutschland als Bundesstaat auf verschiedenen, abgestuften Ebenen (Bund, Länder, Gemeinden, Sozialversicherungsträger) eingesetzt, so sprechen wir von Föderalstaat oder Föderalismus.

Private und öffentliche Güter

Im wirtschaftlichen Bereich erhebt der Staat als Träger der Finanzhoheit z. B. Steuern (= „Zwangsabgaben“ = Güterentzug für den Steuerzahler) von den privaten Haushalten und Unternehmen. Dafür stellt er öffentliche Güter zur Verfügung. Bei ihnen handelt es sich um ökonomische (knappe) Güter als Dienstleistungen (z. B. Bildungsleistungen durch Schulen, Sicherheitsleistungen durch militärische Einrichtungen, Rechtsprechung durch Gerichte, Nutzung des Verkehrsnetzes etc.), die jedes Gesellschaftsmitglied nutzen kann. Eine direkte Gegenleistung durch Preiszahlung muss nicht erbracht werden, d. h., es gilt – im Gegensatz zu den privaten Gütern – kein Ausschlussprinzip. Es handelt sich demnach bei den öffentlichen Gütern um eine Nichtmarktproduktion, die wie bei den privaten Organisationen ohne Erwerbszweck als Eigenverbrauch des Staates und damit als Konsum (Staatskonsum) interpretiert und ebenfalls mit Herstellungskosten (darunter z. B. die Gehälter der Beamten) bewertet wird. Nur bei staatlichen Genehmigungen und entsprechenden Gebühren gilt das Ausschlussprinzip. Sie gelten daher als Marktproduktion und werden zu Vorleistungen oder privatem Konsum (Genaueres unter Abschnitt 1.2.2). Außerdem ist der Staat als wirtschaftspolitische Instanz tätig, indem er für Ordnung in der Wirtschaft sorgt (Ordnungspolitik), Ungleichgewichte (Instabilitäten) im Güterversorgungsprozess zu verhindern versucht (Prozesspolitik) und die Aufteilung der gesamten Gütermenge auf die und in den verschiedenen Sektoren korrigiert (Strukturpolitik). Im 4. – 7. Kapitel werden wir darauf näher eingehen.

Die übrige Welt sind das Ausland oder die Ausländer.

Übrige Welt

Die übrige Welt umfasst alle Tauschpartner einer Volkswirtschaft (z. B. über den Export und Import von Gütern), die sich außerhalb der geographischen Grenzen des Landes befinden (Inlands-Auslands-Konzept) oder die als Gebietsfremde ihren Hauptwohnsitz im Ausland haben (Inländer-Ausländer-Konzept).

Situationsbezogene Antwort 6

Die Kunden von Installationsmeister Röhrl sind zunächst private Haushalte, die die Pelletheizung nicht in einem Produktionsprozess, sondern z. B. zur Beheizung der Wohnräume einsetzen. Es sind aber auch private Haushalte, die sie als Unternehmen ohne eigene Rechtspersönlichkeit (z. B. als Bäckerei) im Produktionsprozess (z. B. zur Beheizung der Backstube bei der Semmelproduktion) einsetzen. Installationsmeister Röhrl produziert demnach private Konsumgüter, aber auch private Investitionsgüter. Private Organisationen ohne Erwerbszweck (z. B. die örtliche Kirchengemeinde) und der Staat (z. B. die örtliche Gemeindeverwaltung) zählen nicht zu seinen Kunden. Auch im Auslandsgeschäft (z. B. durch die Lieferung (= Export) der Pelletheizung an einen österreichischen Betrieb oder den Bezug (= Import) von Ersatzteilen von einem österreichischen Händler) ist er nicht tätig.

Situationsbezogene Frage 7

Welche Geschäftsbeziehungen bestehen zwischen Installationsmeister Röhrl und seinen Geschäftspartnern im privaten Haushaltssektor?

1.1.7 Unternehmen und Haushalte im Tauschkontakt

Private Unternehmen (mit und ohne eigene Rechtspersönlichkeit) und private Haushalte (vgl. Abschnitt 1.1.6) sind über den Güter- und Faktormarkt miteinander verbunden, auf denen sie als Spezialisten und damit als Anbieter und Nachfrager aufeinander treffen und sich in ihren Wünschen und Plänen selbst untereinander abstimmen (koordinieren) oder von außen abgestimmt werden. Wie konkret die Planabstimmung bzw. der Interessenausgleich erfolgt, ist die Frage nach dem Koordinationsmechanismus, mit dem wir uns im 2. Kapitel näher befassen werden.

Güter- und Faktormarkt

Auf dem Gütermarkt wird entschieden, welche Güter in welchen Mengen von den privaten Unternehmen für die privaten Haushalte produziert werden, während über den Faktormarkt die privaten Haushalte als Faktoreigentümer den privaten Unternehmen als Faktorkombinierern die zur Produktion notwendigen Produktionsfaktoren zur Verfügung stellen. Auf dem Gütermarkt treten die privaten Haushalte also als Nachfrager nach den Gütern auf, die ihnen dort mit ihrer Hilfe von den Unternehmen angeboten werden. Andererseits bieten die privaten Haushalte auf dem Faktormarkt den privaten Unternehmen ihre Hilfe in Form der Nutzung ihres Eigentums an Arbeitskraft, Boden oder/und Kapital an, die von den privaten Unternehmen benötigt und daher nachgefragt wird, um das Güterangebot erstellen zu können. Damit ist der Kreis geschlossen.

Geldströme überlagern die Güter- und Faktorströme

Private Haushalte und private Unternehmen sind aber nicht nur über Güter- und Faktorströme, sondern auch über Geldströme miteinander verbunden, die den Güter- und Faktorströmen entgegengerichtet sind und sie gleichsam wie ein Schleier überlagern. Die Tauschbeziehungen zwischen den Spezialisten als Anbietern und Nachfragern erfolgen nämlich unter Einsatz von Geld als allgemeinem Tauschmittel (vgl. Abschnitt 6.1.3). Es ergibt sich dadurch eine weitere Wechselbeziehung (Interdependenz) zwischen den Wirtschaftssektoren. Diese Interdependenzen wurden schon früh in der Wirtschaftsgeschichte von – damals noch stark naturwissenschaftlich bzw. medizinisch geprägten – Ökonomen wie z. B. dem französischen Arzt François Quesnay (1694–1774) in Diensten von Ludwig XV. mit dem menschlichen Blutkreislauf verglichen.

Der beschriebene Wirtschaftskreislauf zwischen den privaten Unternehmen und Haushalten lässt sich in einer Übersicht verdeutlichen:

Situationsbezogene Antwort 7

Die Geschäftspartner von Installationsmeister Röhrl im privaten Haushaltssektor sind zunächst seine Kunden, die sich von ihm eine Pelletheizung einbauen lassen. Werden in den privaten Haushaltssektor entgegen der offiziellen Definition keine Unternehmen einbezogen, so handelt es sich bei den installierten Pelletheizungen nur um Konsumgüter. Mit deren Verkauf macht Installationsmeister Röhrl in einer Geldwirtschaft einen Umsatz, der für die privaten Haushalte Konsumausgaben darstellt. Die ihm zufließenden Geldmittel gibt Installationsmeister Röhrl wie in einem Kreislauf wieder an die privaten Haushalte zurück, weil er von ihnen die Nutzung der Produktionsfaktoren erhalten hat. Für die Eigentümer der Produktionsfaktoren sind diese Geldmittel Einkommen (Faktoreinkommen). Da nicht nur die Beschäftigten von Installationsmeister Röhrl als Eigentümer des Produktionsfaktors Arbeit, sondern auch er selbst als Eigentümer der Produktionsfaktoren Boden und Kapital dem privaten Haushaltssektor angehören und er eigene Produktionsfaktoren gleichsam an sich selbst in seiner Rolle als Unternehmer „verleiht“, zählt neben den Löhnen und Gehältern seiner Beschäftigten auch sein Gewinn zum Faktoreinkommen.

1.2 Handlungssituation (Fallbeispiel 2)

Fallbeispiel 2


Handlungssituation

Installationsmeister Röhrl ist es durch einen verbesserten Kundendienst, durch Werbemaßnahmen und aufgrund eines allgemein stärkeren ökologischen Bewusstseins in der Bevölkerung gelungen, für seinen in München ansässigen und auf Pelletheizungen spezialisierten Installationsbetrieb neue Kunden zu gewinnen. Er bekam erstmals auch einen Auftrag zur Installation einer Pelletheizung in einer Schule der Stadt München und auch einen Auftrag von einer Firma im benachbarten Österreich. Die verbesserte Auftragslage machte eine Personalaufstockung und eine Erweiterung des Firmengebäudes notwendig, führte aber auch zu einer Verbesserung der Gewinnsituation.

Situationsbezogene Frage 1

Wie lässt sich der Installations- bzw. Produktionsprozess von Pelletheizungen im Betrieb von Installationsmeister Röhrl anhand der volkswirtschaftlichen Fachsprache genauer beschreiben?

1.2.1 Das einzelwirtschaftliche Produktionskonto

Beschreibung der Unternehmensproduktion durch Buchführung

Der volkswirtschaftliche Produktionsprozess nimmt seinen Ausgangspunkt bei den einzelnen Produzenten im privaten Sektor (Haushalte, Unternehmen, Organisationen ohne Erwerbszweck) und im öffentlichen Sektor (Staatssektor). Letztlich ist er die Zusammenfassung (Aggregation) aller einzelwirtschaftlichen Produktionsprozesse. Es ist daher sinnvoll, sich zunächst mit diesen einzelwirtschaftlichen Produktionsprozessen zu beschäftigen, um dann in einem nächsten Schritt die gesamtwirtschaftliche Produktion zu erfassen. Wegen der großen Bedeutung des Unternehmenssektors in der Produktion ist es außerdem sinnvoll, zunächst nur ein einzelnes Unternehmen in seinem Produktionsablauf zu betrachten und zu beschreiben, dabei aber bereits den volkswirtschaftlichen Blickwinkel und die volkswirtschaftlich relevanten Fachbegriffe bzw. Messgrößen zu verwenden.

Als Erhebungs- und Beschreibungsmethode bedient man sich in der Volkswirtschaftslehre ebenso wie in der Betriebswirtschaftslehre eines Buchführungssystems, das die wechselseitigen Tauschbeziehungen abbilden und die einzelnen Buchungsvorgänge bzw. Aktivitäten auf T-Konten erfassen soll. Da jede Tauschbeziehung auf einem Geben und Nehmen beruht, wird nach dem Prinzip der Buchung und Gegenbuchung (doppelte Buchung) vorgegangen.

Der Produktionsablauf lässt sich mit dem einzelwirtschaftlichen Produktionskonto eines Unternehmens (mit oder ohne eigene Rechtspersönlichkeit) erfassen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht werden auf der linken Seite des Kontos üblicherweise die Kosten und auf der rechten Seite die Erträge erfasst. Aus volkswirtschaftlicher Sicht stellen sie die Inputseite bzw. Outputseite des Produktionsprozesses dar. Das einzelwirtschaftliche Produktionskonto hat folgende Gestalt:


Die einzelnen Positionen haben – sofern sie nicht bereits erläutert wurden oder auf dem Konto selbst erläutert werden – folgende begriffliche Bedeutung:

Vorleistungen: Wert der nicht dauerhaften (kurzlebigen) Güter (Sachgüter und Dienstleistungen), die in der gleichen Periode wieder vollständig in der Produktion genutzt werden (z. B. Rohstoffe, Strom, Halbfabrikate, Transportleistungen). Vgl. auch Abschnitt 1.1.4.

Vorprodukte: In der gleichen Periode vom Käufer nicht genutzte Vorleistungen. Sie werden (ebenso wie die noch nicht verkauften Vorratsänderungen an eigenen Erzeugnissen) als Lagerinvestitionen erfasst.

Abschreibungen: Produktionsbedingter Verschleiß des Sachkapitalbestandes in einer Periode, der in der Betriebsbuchführung auf der Kostenseite gebucht wird und von der angenommenen Nutzungsdauer und Nutzungsschnelligkeit (linear oder degressiv) abhängt. Vor dem Hintergrund der Umweltproblematik ist kritisch zu fragen, warum nicht auch die Nutzung des ökologischen, natürlichen Systems und dabei z. B. die Bodennutzung durch Abschreibungen berücksichtigt werden. Offensichtlich wird üblicherweise davon ausgegangen, dass die Quellen- und Senkenfunktion der Natur (z. B. als Rohstofflieferant und als Deponie im weitesten Sinne) für den Produktionsprozess unerschöpflich sind.

Produktions- und Importabgaben: Sie werden vom Staat als Steuern, Gebühren und Beiträge bei den Produzenten erhoben und erhöhen (z. B. als Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer, Tabaksteuer, Zoll) ihre Herstellungskosten. Die Produzenten überwälzen sie zusammen mit dem Gewinnaufschlag auf die Verkaufs- bzw. Marktpreise. Sie sind daher in den Verkaufspreisen enthalten und werden damit indirekt von den Käufern gezahlt (indirekte Steuern).

Subventionen: Staatliche Unterstützungszahlungen an die Produzenten, also das Gegenstück zu den Produktions- und Importabgaben. Sie stellen demnach für die Produzenten außerordentliche Erträge bzw. eine Verringerung der Herstellungskosten dar und reduzieren bei Weitergabe an die Kunden die Verkaufspreise.

Werden die Produktions- und Importabgaben und die Subventionen aus den Marktpreisen wieder herausgerechnet bzw. wieder in sie hineingerechnet, erhält man die Herstellungspreise. Es gilt demnach: Marktpreise – Produktions- und Importabgaben + Subventionen = Herstellungspreise = Herstellungskosten + Gewinnaufschlag.

Da die Netto-Abgabebelastung bei den einzelnen Produzenten durch unterschiedliche Abgabe- bzw. Subventionssätze unterschiedlich sein kann, wird bei der einzelwirtschaftlichen Datenerfassung einheitlich in Herstellungspreisen gerechnet. Erst bei der Zusammenfassung aller Produzenten im gesamtwirtschaftlichen Produktionskonto (vgl. Abschnitt 1.2.3) wird die gesamte Netto-Abgabebelastung wieder in den Produktionswert hineingerechnet und dadurch zur durchschnittlichen Marktpreisbewertung übergegangen. Sofern Güter nicht verkauft wurden, werden sie mit Herstellungskosten bewertet.

Investitionsgüter (vgl. auch Abschnitt 1.1.4): Bei den Investitionsgütern sind folgende genauere Investitionsbegriffe zu unterscheiden:

Bruttoinvestitionen = Sachanlagen (Bauten, Ausrüstungen, Nutztiere und Nutzpflanzungen) + Immaterielle Anlagegüter (Computerprogramme, Urheberrechte, Ausgaben für Forschung und Entwicklung etc.) + Vorprodukte und Vorratsänderungen (Lagerinvestitionen) + Selbst erstellte Anlagen.

Die Bewertung der eigenen Lagerinvestitionen und selbst erstellten Anlagen erfolgt zu Herstellungskosten bzw. Einstandspreisen, im Übrigen zu Marktpreisen.

Nettoinvestitionen = Bruttoinvestitionen – Abschreibungen

Nettoinvestitionen sind eine Veränderung des Sachkapitalbestandes und können daher positiv, negativ oder null sein.

Als Investor gilt volkswirtschaftlich und damit häufig im Unterschied zum täglichen Sprachgebrauch nur derjenige, der die Entscheidung zum Kauf eines Investitionsgutes und nicht z. B. zur Geldanlage trifft.

Arbeitnehmerentgelte: Einkommen der Eigentümer des Produktionsfaktors Arbeitskraft, die die Nutzung ihres Produktionsfaktors im Produktionsprozess den Unternehmen als Faktorkombinierern durch Vertrag (Kontrakt) gestattet und im Vorhinein als Gegenleistung Löhne und Gehälter als Kontrakteinkommen vereinbart und (z. B. zum Monatsende) erhalten haben. Sie enthalten jedoch noch die Lohn- und Einkommensteuer.

Betriebsüberschuss/Selbstständigeneinkommen: Was in der Betriebswirtschaftslehre und auch im täglichen Sprachgebrauch als Gewinn oder (bei einem negativen Gewinn) als Verlust bezeichnet wird, heißt in der offiziellen Fachsprache der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) Betriebsüberschuss bzw. Selbständigeneinkommen. Es handelt sich in jedem Fall um Einkommen der Eigentümer der Produktionsfaktoren Boden und Kapital. Sie werden – im Gegensatz zu den Arbeitnehmerentgelten – erst am Ende des Wirtschaftsjahres im Nachhinein festgestellt und gelten daher als Residualeinkommen. Sie enthalten aber ebenfalls noch die Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer. Betriebsüberschüsse (einschl. Körperschaftsteuer) fallen bei den Unternehmen mit eigener Rechtspersönlichkeit, Selbstständigeneinkommen (einschl. Einkommensteuer) bei den Unternehmen ohne eigene Rechtspersönlichkeit (= private Haushalte) an (vgl. Abschnitt 1.1.6). Betriebsüberschuss bzw. Selbstständigeneinkommen werden statistisch im Gegensatz zu den Arbeitnehmerentgelten nicht direkt an der Quelle ermittelt, sondern durch Saldierung (gestrichelte Linie) gewonnen und sind daher mit einer entsprechend hohen Fehlerquote behaftet. Betriebsüberschuss bzw. Selbstständigeneinkommen werden bei der Datenerfassung nach dem Inländerkonzept (vgl. Abschnitt 1.2.3) auch Unternehmens- und Vermögenseinkommen genannt.

Wertschöpfung: Durch die Produktion werden Werte geschaffen (geschöpft), die zum größten Teil an die Eigentümer der Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital als Faktoreinkommen in Gestalt des Arbeitnehmerentgeltes und des Betriebsüberschusses bzw. Selbständigeneinkommens weitergeleitet werden (Nettowertschöpfung). Werden zur Nettowertschöpfung auch noch die Werte hinzuaddiert, die für den Ersatz des verschlissenen Sachkapitals (Abschreibungen) notwendig wären, so erhält man die Bruttowertschöpfung.

Situationsbezogene Antwort 1

Die von Installationsmeister Röhrl im Zeitablauf (z. B. pro Jahr) installierten Pelletheizungen sind sein Produktionsertrag. Um sie zu einer einheitlichen Größe aufsummieren zu können, müssen sie bewertet werden. Ausgangspunkt für die Bewertung ist normalerweise der Verkaufs- bzw. Marktpreis pro Pelletheizung, d. h., in der Summe der erzielte Umsatz. Er unterscheidet sich je nach Kundengruppe. Die in privaten Haushalten ohne Unternehmen installierten Pelletheizungen zählen zur Konsumgüterproduktion. Die in privaten Unternehmen mit und ohne eigene Rechtspersönlichkeit (z. B. in einem Kaufhauskonzern oder in einer Bäckerei) oder/und beim Staat (z. B. in einer Münchner Schule) installierten Heizungen fallen unter die Investitionsgüter. Die für einen Subunternehmer installierten Heizungen sind Vorleistungen und die in Österreich installierten Heizungen sind Exportgüter. Werden vom gesamten Umsatz die Produktions- und Importabgaben an den Staat (indirekte Steuern wie z. B. die Mehrwertsteuer oder auch der Zoll auf importierte Ersatzteile) abgezogen und möglicherweise erhaltene Subventionen (z. B. Lohnkostenzuschüsse) hinzugezählt, so erhalten wir die mit Herstellungspreisen bewertete Produktion von Installationsmeister Röhrl. Sofern Pelletheizungen in dem betreffenden Jahr zwar bereits installiert wurden, aber noch keine Rechnungsstellung erfolgte, oder eine Pelletheizung sogar im eigenen Betrieb installiert wurde, so ist diese Produktion mit Herstellungskosten zu bewerten und ebenfalls hinzuzuzählen. Die Gesamtsumme ist der Produktionswert. Er stellt die Outputseite des Installationsbetriebes in dem betreffenden Jahr dar.

Die Inputseite des Installationsbetriebes ist die Kostenseite auf seinem Produktionskonto. Sie erfasst zunächst die eingesetzten Vorleistungen, die von inländischen Zulieferern bezogen wurden (z. B. Heizungsrohre) oder die von ausländischen Zulieferern importiert wurden (z. B. Pumpen eines schwedischen Herstellers). Die Abschreibungen auf das Firmengebäude, den Maschinen- und Fahrzeugbestand etc. stellen einen weiteren Kostenfaktor dar. Als Kosten verringern sie den Gewinn, verringern dadurch die Gewinnsteuer als Einkommenssteuer und haben damit den Zweck, über die Jahre der Nutzungsdauer wieder finanzielle Mittel zur Neuanschaffung ansammeln zu lassen. Das Firmengelände wird nicht abgeschrieben. Einer der größten Kostenfaktoren sind meist die Personalkosten als Arbeitnehmerentgelte. Der Abzug aller Kosten vom Produktionswert durch Saldierung führt zum Gewinn, der im Fall von Installationsmeister Röhrl als Inhaber eines Unternehmens ohne eigene Rechtspersönlichkeit in der volkswirtschaftlichen Fachsprache als Selbstständigeneinkommen bezeichnet wird. Arbeitnehmerentgelte und Selbstständigeneinkommen stellen die Nettowertschöpfung des Installationsbetriebes dar. Sie umfasst alle Einkommen, die die Eigentümer des Produktionsfaktors Arbeit (die Beschäftigten des Installationsbetriebes) und der Eigentümer des Produktionsfaktors Boden und Kapital (Installationsmeister Röhrl) für die Nutzung ihrer Produktionsfaktoren in der Produktion erhalten haben (Faktoreinkommen). Als Realwert spiegeln sie gleichsam den Bezugsanteil der Faktoreigentümer an der Güterproduktion wider. Sie enthalten allerdings noch die Lohn- und Einkommenssteuer und stehen damit noch nicht voll zum Güterkauf zur Verfügung.

Situationsbezogene Frage 2

Wie schlägt sich der Auftrag der Stadt München zur Installation einer Pelletheizung durch Installationsmeister Röhrl aus volkswirtschaftlicher Sicht im Produktionsbereich des Auftraggebers nieder? Ist Installationsmeister Röhrl selbst auch Nutznießer bzw. Abnehmer der Produktion seines Auftraggebers?

1.2.2 Das staatliche Produktionskonto

Staatliche Dienstleistungen als öffentliche Güter

Der staatliche Sektor zählt zu den inländischen Sektoren (vgl. Abschnitt 1.1.6). Bereits dem Produktionskonto eines Unternehmens (vgl. Abschnitt 1.2.1) ist zu entnehmen, dass Vorleistungen und Investitionsgüter auch an den Staat verkauft werden, wie z. B. der Strom für die Beleuchtung in Bürogebäuden oder der Bau dieser Bürogebäude selbst. Aufgrund des Begriffsinhaltes dieser Güter (vgl. Abschnitt 1.1.4) muss dann jedoch zwangsläufig die Frage auftauchen, was der Staat mit diesen Gütern produziert. Einigkeit besteht noch darüber, dass die staatliche Produktion in erster Linie eine Produktion von Dienstleistungen ist, wie z. B. die Ausbildung durch staatliche Lehrer, die Bereitstellung eines Transportweges (z. B. einer Autobahn), die Rechtsprechung durch einen staatlichen Richter, die innere und äußere Sicherheitsleistung durch die Polizei bzw. das Militär. Die weitergehende Frage allerdings, ob es sich bei diesen Dienstleistungen dem volkswirtschaftlichen Güterbegriff entsprechend um Vorleistungen oder um Konsumgüter handelt – Investitionsgüter (einschließlich Lagerinvestitionen) sind ausgeschlossen, da Dienstleistungen immer kurzlebig sind –, können wir meist nicht mehr entscheiden. Bei der Nutzung dieser Güter kann meist nicht zwischen einer nicht produktionsbedingten Nutzung durch private Haushalte (= Konsumgüter) oder einer produktionsbedingten Nutzung durch Unternehmen (= Vorleistungen) unterschieden werden. Es soll auch meist bewusst nicht unterschieden werden, denn diese Güter sollen als öffentliche Güter (vgl. Abschnitt 1.1.6) allen Gesellschaftsmitgliedern zur Verfügung gestellt werden, d. h., es soll kein Ausschlussprinzip gelten.

Staatliche Dienstleistungsproduktion als Staatskonsum

Wir stehen also vor dem Problem, dass eine vorhandene Güterproduktion sich nicht in das gängige volkswirtschaftliche Begriffsschema der Güter einordnen lässt. Man hat dieses Problem durch Übereinkunft (Konvention) (vgl. Abschnitt 1.1.3) dadurch gelöst, dass man die staatliche Produktion zum Eigenverbrauch des Staates, also aller Bürger, erklärt hat und ihn als Staatskonsum bezeichnet. Da auch meist keine Bewertung mit Marktpreisen (wegen des fehlenden Ausschlussprinzips) erfolgen soll oder kann, ist meist nur eine Bewertung mit Herstellungskosten möglich. Nur z. B. bei staatlichen Genehmigungen oder Entsorgungsleistungen mit entsprechenden Gebühren oder Beiträgen gilt das Ausschlussprinzip. Sie allein sind einer Marktproduktion mit Marktpreisen vergleichbar und können bzw. müssen dann als Vorleistungen oder private Konsumgüter zugeordnet werden. Produktions- und Importabgaben bzw. Subventionen fallen allerdings nicht an. Bis auf diese wenigen Ausnahmefälle kann sonst im staatlichen Sektor wegen des fehlenden Umsatzes auch kein Betriebsüberschuss bzw. -defizit auftreten. Daraus wiederum folgt, dass die staatliche Produktion auch nicht mit dem üblichen betriebswirtschaftlichen Maßstab der Wirtschaftlichkeit bewertet werden kann. Anders ausgedrückt: Das Gehalt des öffentlich Bediensteten (z. B. des Beamten als Eigentümer von Arbeitskraft im Rahmen des staatlichen Produktionsprozesses) ist mit seiner Produktion identisch, weil es Teil der Herstellungskosten dieser Produktion ist, unabhängig davon, ob der betreffende Beamte tatsächlich etwas „leistet“ oder im Dienst z. B. nur die Zeitung liest.

Das staatliche Produktionskonto hat demnach im Gegensatz zum Produktionskonto eines privaten Unternehmens folgendes Aussehen:


Die Positionen 1. – 3. auf der Ertragsseite sind die Einzigen, die – wie beim Produktionskonto eines Unternehmens – zu Herstellungspreisen, nämlich mit Gebühren und Beiträgen, bewertet werden. Sie sind dafür verantwortlich, dass es auch im staatlichen Sektor zu einem Betriebsüberschuss bzw. -defizit kommen kann. Sie sind jedoch im Vergleich zur 4. Ertragsposition von geringer Bedeutung. Die 4. Ertragsposition umfasst den Großteil der staatlichen Dienstleistungsproduktion, betrifft die öffentlichen Güter, kann – wegen des fehlenden Ausschlussprinzips – nur zu Herstellungskosten bewertet werden und macht den Staatskonsum aus.

Situationsbezogene Antwort 2

Die Installation einer Pelletheizung in einer Schule der Stadt München durch Installationsmeister Röhrl führt zu einer staatlichen Investition, gleichzeitig aber auch bereits zu einer anteilmäßigen Abschreibung dieser Heizung in dem betreffenden Jahr. Nur diese Abschreibung erscheint auf dem staatlichen Produktionskonto. Die Investition selbst ist eine Sachvermögensbildung und wird eigenständig auf dem Vermögensänderungskonto gebucht, das wir noch behandeln werden.

Investitionsgüter als langlebige Sachgüter müssen wieder der Produktion dienen, woraus sich bei einer staatlichen Investition die Frage stellt, was mit ihr produziert wird. Handelt es sich um eine Heizung in einer Schule, so wird mit der Heizung offensichtlich die Dienstleistung Ausbildung produziert. Wird diese Dienstleistung ohne Ausschlussprinzip, d. h., ohne Preiszahlung (z. B. in Gestalt eines Schulgeldes) abgegeben, so handelt es sich um die staatliche Produktion eines öffentlichen Gutes, die als Eigenverbrauch des Staates bzw. als Staatskonsum bezeichnet wird. Auch Installationsmeister Röhrl könnte Nutznießer bzw. Abnehmer dieses Staatskonsums sein, wenn z. B. seine Kinder die betreffende Schule besuchen. Wird dagegen für den Schulbesuch eine Gebühr (z. B. in Gestalt des schon genannten Schulgeldes) erhoben, so würde es sich bei den Kindern von Installationsmeister Röhrl um Konsumenten eines privaten Haushalts handeln, da Installationsmeister Röhrl das Schulgeld sicherlich nicht in seiner Betriebsbuchführung auf der Kostenseite absetzen kann. Könnte ein Schulgeld dagegen in einer Betriebsbuchführung abgesetzt werden, so wäre damit die Produktionsnutzung gegeben und es hätte die staatliche Produktion einer Vorleistung vorgelegen.

Situationsbezogene Frage 3

Wie hat Installationsmeister Röhrl mit der Ausdehnung seiner Produktion zur volkswirtschaftlichen Produktionsleistung beigetragen?

1.2.3 Das gesamtwirtschaftliche Produktionskonto und die volkswirtschaftlichen Leistungsgrößen

Konsolidierung der Produktionskonten

Werden alle einzelwirtschaftlichen (privaten und staatlichen) Produktionskonten zusammengefasst (konsolidiert), so erhalten wir das gesamtwirtschaftliche Produktionskonto. Dabei lassen sich gleichartige Größen gegeneinander aufrechnen, wie z. B. der Ex- und Import und die Vorleistungen, oder mit einem umgekehrten Vorzeichen auf die andere Seite des Kontos buchen, wie z. B. die Produktions- und Importabgaben bzw. indirekte Steuern (Tind) und die Subventionen (Z).

Das gesamtwirtschaftliche Produktionskonto hat die folgende Gestalt:


Was die Vorleistungen betrifft, so müssen sie unter gesamtwirtschaftlichem Blickwinkel aufgrund ihres Begriffsinhaltes auf der Input- und Outputseite einander entsprechen. Der Grund dafür, sie im gesamtwirtschaftlichen Produktionskonto als eigenständige Größen wegzulassen, liegt jedoch darin, dass sie im Endwert der Konsum-, Investitions- und Exportgüter enthalten sind (z. B. die im Laufe eines Jahres von der Zulieferindustrie produzierten Reifen eines Pkws). Ihre nochmalige Auflistung würde demnach zu einer Mehrfachzählung führen, wenn wir an der volkswirtschaftlichen Gesamtleistung interessiert sind und nach entsprechenden Messgrößen suchen. Es reicht also aus, wenn wir den Wert der Endprodukte ermitteln, da in ihm die Vorleistungen bereits enthalten sind.

Aus dem gesamtwirtschaftlichen Produktionskonto lassen sich die folgenden volkswirtschaftlichen Leistungsgrößen ermitteln:

Inlands- und Sozialprodukt

Bruttoinlandsprodukt (BIP) = Summe der Endprodukte (Sachgüter und Dienstleistungen), die im Inland von Inländern und Ausländern während einer Periode (z. B. Kalenderjahr) produziert worden sind. Inland ist das Gebiet, das sich innerhalb der hoheitlichen Grenzen eines Landes befindet. Inländer sind diejenigen Personen, die ihren Hauptwohnsitz als „Lebensmittelpunkt“ im Inland haben. Nicht die Staatsangehörigkeit ist also entscheidend, sondern der Wohnsitz. Ausländer haben dementsprechend ihren Hauptwohnsitz im Ausland. Zum Inlandsprodukt zählen also auch die im Inland von Ausländern produzierten Güter bzw. die daraus entstandenen Faktoreinkommen (z. B. der Betriebsüberschuss von IBM-Deutschland oder das Selbstständigeneinkommen eines Ausländers in Gestalt der Zinsen auf seinem Konto bei einer deutschen Geschäftsbank). Nicht zum BIP zählen demnach die von Inländern im Ausland produzierten Güter bzw. die daraus entstandenen Faktoreinkommen (z. B. der Betriebsüberschuss von VW-Brasilien oder die Zinsen eines deutschen Inländers als Selbstständigeneinkommen auf seinem Bankkonto in Luxemburg). Sie wären Teil eines Bruttoinländerprodukts. Das Inländerprodukt wurde früher (vor 1995) Sozialprodukt (SP) genannt, wird aber heute als Nationaleinkommen (NE) bezeichnet.

In Symbolen ausgedrückt lautet die Definitionsgleichung für das BIP:

BIP = Cpr + Cst + Ibpr + Ibst + Ex − Im

Unter Berücksichtigung der Definition für die Nettoinvestitionen (In = Ib − D) gelten weiterhin folgende Definitionen:

Nettoinlandsprodukt (NIP) = Cpr + Cst + Inpr + Inst + Ex − Im = BIP − D

Bei den staatlichen Nettoinvestitionen (Inst) ist zu beachten, dass Abschreibungen (D) sie zwar negativ beeinflussen, aber größtenteils zu den Herstellungskosten bei der Produktion öffentlicher Güter zählen und damit zum Staatskonsum (Cst) werden (vgl. Abschnitt 1.2.2). Sie werden daher in ihrer Wirkung auf das Nettoinlandsprodukt (NIP) neutralisiert, denn der Cst wirkt sich positiv auf das NIP aus.

Nettowertschöpfung = Nettoinlandsprodukt zu Faktorkosten = NIP − (Tind − Z)

Die aktuellen Werte für die wichtigsten volkswirtschaftlichen Leistungsgrößen in Deutschland können der folgenden Übersicht entnommen werden:


Eine ständige Aktualisierung der Werte erfolgt in den Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes (www.destatis.de) und dabei in der Fachserie 18, Reihe 1.4.

Situationsbezogene Antwort 3

Die Ausdehnung der Produktionsleistung von Installationsmeister Röhrl durch die vermehrte Installation von Pelletheizungen in einem bestimmten Jahr ist für sich betrachtet natürlich nur ein winziger Beitrag zur Steigerung der volkswirtschaftlichen Produktionsleistung. Für die Gesamtheit aller Installationsbetriebe oder gar berufs- und betriebsübergreifend für den gesamten Handwerksbereich ergeben sich volkswirtschaftlich aber durchaus relevante Beiträge. Unabhängig aber von der absoluten Höhe des volkswirtschaftlichen Leistungsbeitrages geht es um die volkswirtschaftliche und damit auch die gesellschaftliche „Ortsbestimmung“ des einzelnen Handwerksbetriebes, letztlich also um das Selbstverständnis seines Eigentümers, in diesem Fall von Installationsmeister Röhrl.

Konkret kann sich die Ausdehnung der Produktionsleistung von Installationsmeister Röhrl je nach Kundengruppe auf allen Ebenen der volkswirtschaftlichen Produktionsleistung, wie sie z. B. mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen wird, niedergeschlagen haben. Sie kann einen direkten oder indirekten Einfluss gehabt haben.

Ein direkter volkswirtschaftlicher Produktionseinfluss durch Installationsmeister Röhrl kann zunächst über die private Konsum- und Investitionsgüterproduktion erfolgt sein. Wurden Pelletheizungen vermehrt in privaten Haushalten z. B. zur Heizung der Wohnräume installiert, so wurde dadurch die volkswirtschaftliche Produktion privater Konsumgüter ausgedehnt. Die Installation von Heizungen in privaten Unternehmen hat dagegen die Produktion der privaten Investitionsgüter gesteigert. Auf alle Investitionsgüter bezogen sind dadurch die privaten Bruttoinvestitionen gestiegen, unter Abzug der bereits im Installationsjahr angefallenen Abschreibungen aber auch die Nettoinvestitionen, die zum Ende des betreffenden Jahres in der Bilanz der Unternehmenskunden den Sachkapitalbestand erhöht haben. Der Auftrag der Stadt München hat zu entsprechenden Veränderungen bei den staatlichen Investitionen geführt. Da annahmegemäß neben den Bruttoinvestitionen auch die Nettoinvestitionen gestiegen sind, erhöhte sich neben dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) auch das Nettoinlandsprodukt (NIP). Und letztlich hat auch der Auftrag aus Österreich über einen gestiegenen Export das BIP wie auch das NIP positiv beeinflusst. Da der Betrieb von Installationsmeister Röhrl in München ansässig ist, gilt er als Inländer. Die von ihm ausgehende Steigerung der volkswirtschaftlichen Produktionsleistung hat demnach auch das Nettonationaleinkommen (NNE) (das alte „Nettosozialprodukt“) erhöht. Unterschiede im Beitrag zum NIP und NNE würden sich künftig erst dann ergeben, wenn Installationsmeister Röhrl einen Zweigbetrieb in Österreich errichten würde, um gestiegenen Aufträgen aus Österreich besser nachkommen zu können.

Ein indirekter volkswirtschaftlicher Produktionseinfluss durch Installationsmeister Röhrl kann grundsätzlich über die von ihm produzierten Investitionsgüter erfolgen. Im Unterschied zu Konsumgütern dienen sie nämlich wieder der Produktion, d. h., es kann ein weiterer positiver Beitrag zur volkswirtschaftlichen Produktionsleistung entstehen. Er könnte sich z. B. in einer höheren Produktionsleistung der Unternehmen äußern, in denen die Heizungen installiert wurden. Auch deren zwangsläufig gestiegener Bedarf an Pellets wirkt sich positiv auf die volkswirtschaftliche Produktionsleistung aus. Ähnliches gilt für die in einer Schule installierten Heizungen, deren Abschreibungen die Herstellungskosten der staatlichen Produktion (z. B. die Produktion von Bildungsleistungen) und damit – bei Nichtausschluss, also öffentlichen Gütern – den Staatskonsum erhöhen. Wir werden uns mit solchen Zusatzeffekten (Multiplikatoreffekten) im Abschnitt 5.2.5 beschäftigen.

Situationsbezogene Frage 4

Wie hat Installationsmeister Röhrl mit der Ausdehnung seiner Produktion zur volkswirtschaftlichen Einkommensentstehung und -verwendung beigetragen?

1.2.4 Das gesamtwirtschaftliche Einkommenskonto und die volkswirtschaftlichen Einkommensgrößen

Einkommen entsteht durch Produktion

Das gesamtwirtschaftliche Einkommenskonto ergibt sich durch Konsolidierung der Einkommenskonten des privaten und staatlichen Sektors. Es informiert darüber, wie das gesamtwirtschaftliche Einkommen entstanden ist und wie es verwendet wurde. Was die Einkommensentstehung betrifft, so dürfte schon nach dem bisher Gesagten klar sein, dass der Realwert des entstandenen Einkommens im Kern nichts anderes darstellt als die produzierte Gütermenge. Daraus wiederum folgt, dass die Entstehungsseite des Einkommens buchungstechnisch die rechte Seite des Einkommenskontos sein muss, da sie zum größten Teil die Gegenbuchung zum gesamtwirtschaftlichen Produktionskonto (vgl. Abschnitt 1.2.3) aufzunehmen hat. Dort war die produktionsbedingte Einkommensentstehung auf der linken Seite in Gestalt der Nettowertschöpfung als Summe der Faktoreinkommen, aber auch in Gestalt der indirekten Steuern abzüglich Subventionen als Netto-Staatseinnahmen sichtbar geworden. Die linke Seite des gesamtwirtschaftlichen Einkommenskontos informiert dann über die Verwendung des Einkommens, die wiederum güterbezogen und bei den Konsumausgaben die Gegenbuchung zum Produktionskonto ist.

Die Tatsache, dass es sich bei den Einkommensbeziehern um (natürliche und juristische) Personen und den Staat handelt, lässt außerdem den Schluss zu, dass das gesamtwirtschaftliche Einkommenskonto nach dem Inländerkonzept zu führen ist. Da das gesamtwirtschaftliche Produktionskonto andererseits auf dem Inlandskonzept basiert, wird nach der Gegenbuchung eine Korrektur erforderlich. Sie erfolgt über die von Inländern aus der übrigen Welt bezogenen Nettoprimäreinkommen (PEN←üW) (siehe unten).

Das gesamtwirtschaftliche Einkommenskonto nach dem Inländerkonzept hat folgende Gestalt:


Aus dem gesamtwirtschaftlichen Einkommenskonto lassen sich die folgenden volkswirtschaftlichen Einkommensgrößen gewinnen:

Nettonationaleinkommen

Nettonationaleinkommen (NNE) = Primäreinkommen (PE) = NIP plus Saldo der Primäreinkommen (Nettoprimäreinkommen) aus der übrigen Welt (Faktoreinkommen der Inländer im Ausland minus Faktoreinkommen der Ausländer im Inland (PEN←üW)). Im gesamtwirtschaftlichen Einkommenskonto setzt sich das NNE aus den Positionen 1., 2. und 3. auf der rechten Seite zusammen. In Symbolen: NNE = NIP + PEN←üW.

Das NNE wurde früher (vor 1995) auch als Nettosozialprodukt zu Marktpreisen bezeichnet.

Volkseinkommen

Volkseinkommen (VE) = NNE − (Tind – Z)= Arbeitnehmerentgelte für den Produktionsfaktor Arbeit plus Unternehmens- und Vermögenseinkommen für die Produktionsfaktoren Boden und Kapital. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen nach dem Inländerkonzept sind also das Gegenstück zu den Betriebsüberschüssen bzw. Selbstständigeneinkommen nach dem Inlandskonzept. Das Volkseinkommen wurde früher (vor 1995) auch als Nettosozialprodukt zu Faktorkosten bezeichnet, um deutlich zu machen, dass es um die Einkommen der Eigentümer der Produktionsfaktoren geht, die aus Sicht des volkswirtschaftlichen Einkommenszahlers als Kosten zu interpretieren sind.

Lohn- und Profitquote

Der Anteil der Faktoreinkommen aus Arbeitskraft am Volkseinkommen wird als Lohnquote, der Anteil der Faktoreinkommen aus Boden und Kapital am Volkseinkommen als Profitquote bezeichnet. Als grobe aktuelle Werte können 70 % bzw. 30 % gelten.

Da das Volkseinkommen (VE) noch nicht die staatliche Beeinflussung des Einkommens (z. B. durch die Steuerbelastung) berücksichtigt und demnach den Einkommensbeziehern noch nicht voll für ihre Kaufentscheidung zur Verfügung steht, lässt sich noch eine weitere Einkommensgröße bilden:

Verfügbares Einkommen als Großteil der Produktion

Verfügbares Einkommen (Yv) = VE minus an den staatlichen Sektor geleistete direkte Steuerzahlungen (Tdir) (Einkommen- und Vermögenssteuern, einschl. Sozialversicherungsbeiträge) der nicht staatlichen Sektoren als Inländer plus von Inländern empfangene Tdir des staatlichen Sektors plus von Inländern empfangene indirekte Steuern (Tind) des staatlichen Sektors minus an Inländer geleistete Subventionen (Z) des staatlichen Sektors minus an Inländer geleistete Transferzahlungen (z. B. Kindergeld, Wohngeld etc.) (Tr) des staatlichen Sektors plus vom staatlichen Sektor empfangene Tr der Inländer minus Saldo der Transferzahlungen (Nettotransferzahlungen) an die übrige Welt (TrN→üW) (z. B. Entwicklungshilfe). In Symbolen zusammengefasst:

Yv = VE − Tdir + Tdir + Tind − Z − Tr + Tr − TrN→üW = VE + Tind − Z − TrN→üW

Yv = NNE − TrN→üW

Da sich einige Größen – nämlich Tdir und Tr – gegenseitig als gesamtwirtschaftliche Einnahmen bzw. Ausgaben aufheben, wird deutlich, dass die gesamte volkswirtschaftliche Produktion (mit Ausnahme der Güter, die in Höhe der Abschreibungen die verschlissenen Investitionsgüter ersetzen sollen, und der Nettotransferzahlungen an die übrige Welt (TrN→üW)) bzw. ihr Gegenstück in Gestalt des Nettonationaleinkommens dem gesamten verfügbaren Einkommen entsprechen muss. Anders ausgedrückt:

Wo produziert wird, entsteht gleichzeitig auch Einkommen. Produktion und Einkommen sind zwei Seiten der gleichen „Medaille“.

Warum wird der Boden nicht abgeschrieben?

Außerdem wird deutlich, dass nur das als Einkommen und damit maximal nutzbare Gütermenge bezeichnet wird, was über den Erhalt des Sachkapitals hinausgeht. Es soll also sichergestellt werden, dass auch im nächsten Jahr wieder ein entsprechendes Einkommen erzielt werden kann. Man könnte demnach in Anlehnung an das traditionelle Produktionsverfahren in der Forstwirtschaft von einem „Nachhaltigkeitskonzept“ sprechen, das auch der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zugrunde liegt. Allerdings ist kritisch zu fragen, warum nur das Sachkapital als künstlicher, von Menschen geschaffener Produktionsfaktor erhalten werden soll, die Abnutzung des natürlichen Kapitals aber unberücksichtigt bleibt. Abschreibungen des Produktionsfaktors Boden sind jedenfalls – wie schon im Abschnitt 1. 2. 1 erwähnt – nicht vorgesehen. Es wird anscheinend angenommen, dass er unbeschränkt und damit kostenlos zur Verfügung steht. Die kritische Frage lautet daher: Sollte ein ernst zu nehmendes „Nachhaltigkeitskonzept“ nicht auch der Bodennutzung Rechnung tragen? Darüber hinaus: Wird und – wenn ja – wie wird die Abnutzung der menschlichen Arbeitskraft berücksichtigt?

Die konkrete Verfügung über das verfügbare Einkommen (Yv) wird volkswirtschaftlich so interpretiert, dass aus dem Einkommen zunächst der Kauf von Konsumgütern (C) finanziert wird. Der Rest wird als Sparen (S) bezeichnet. In Symbolen ausgedrückt:

S = Yv − C

Sparen als Konsumverzicht

Sparen ist also entgegen dem täglichen Sprachgebrauch keine Bestandsgröße (z. B. das Guthaben auf dem Sparbuch zu einem bestimmten Zeitpunkt), sondern gibt als Strömungsgröße an, welcher Teil des verfügbaren Einkommens im Zeitablauf (z. B. im Laufe eines Kalenderjahres) nicht konsumiert wurde.

Die aktuellen Werte für die wichtigsten volkswirtschaftlichen Einkommensgrößen in Deutschland können der Übersicht im Abschnitt 1.2.3 entnommen werden.

Situationsbezogene Antwort 4

Das von Installationsmeister Röhrl im Rahmen seiner Güterproduktion geschaffenen Faktoreinkommen bei den Eigentümern der Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital ist seine Nettowertschöpfung. Sie setzt sich aus seinen Personalkosten als Arbeitnehmerentgelte und aus seinem betriebswirtschaftlichen Gewinn als Selbständigeneinkommen zusammen. Beide Einkommen aber sind Teil des Volkseinkommens als Inländereinkommen. Seinen Gewinn kann Installationsmeister Röhrl in seinem privaten Unternehmen als Finanzierungsmittel für Investitionsgüterkäufe (z. B. Anschaffung eines neuen Lieferwagens) belassen (unverteilter Gewinn) oder er kann ihn als Finanzierungsmittel zum Konsumgüterkauf (z. B. Anschaffung einer neuen Wohnzimmereinrichtung) in seinem privaten Haushalt entnehmen (verteilter Gewinn). In beiden Fällen aber hat er eine Einkommensteuer als direkte Steuer zu entrichten, bevor er weiter über das Einkommen verfügen kann.

Der von Installationsmeister Röhrl nicht entnommene und besteuerte Gewinn stellt ein Einkommen seines Unternehmens dar und wird vollständig zum Sparen (z. B. in Gestalt von Bankguthaben oder einer Beteiligung an einem anderen Unternehmen) verwendet, da Unternehmen definitionsgemäß nicht konsumieren. Dagegen erhöht der entnommene Gewinn das Einkommen seines privaten Haushalts und steht dann (ohne nochmalige Besteuerung) für den Kauf von Konsumgütern zur Verfügung. Verbleibt danach noch ein Einkommensrest, so dient er ebenfalls dem Sparen (z. B. in Gestalt von Bankguthaben oder einer Alterssicherung).

Es darf nicht übersehen werden, dass auch die Personalkosten von Installationsmeister Röhrl aus volkswirtschaftlicher Sicht ein Einkommen entstehen lassen und damit zum Volkseinkommen beitragen, nämlich bei seinen Beschäftigten, über das diese dann nach Entrichtung der Lohn- und Einkommensteuer entsprechend ihren Wünschen verfügen. Auch bei ihnen gilt, dass die nicht zum Konsumgüterkauf verwendeten Einkommen dem Sparen dienen. Und letztlich entstehen auch durch die Steuerzahlungen (direkte und indirekte Steuern) der privaten Haushalte und Unternehmen Einkommen, nämlich im staatlichen Sektor. Sie zählen zwar nicht zum Volkseinkommen, da sie kein Faktoreinkommen sind, werden vom Staat nach Zahlung von Transfers (z. B. in Gestalt von Kindergeld an die Beschäftigten von Installationsmeister Röhrl) aber dann ebenfalls zum Kauf bzw. Eigenverbrauch von Konsumgütern (z. B. in Gestalt der produzierten Bildungsleistungen = Staatskonsum) verwendet. Der Rest stellt wiederum Sparen dar, das auch negativ sein kann, wenn die Konsumausgaben das verfügbare Einkommen überschreiten, eine im staatlichen Sektor keineswegs unrealistische Situation und mit einer Erhöhung der Staatsverschuldung verbunden.

Situationsbezogene Frage 5

Wie hat Installationsmeister Röhrl mit der Ausdehnung seiner Produktion zur volkswirtschaftlichen Vermögensbildung beigetragen?

1.2.5 Das gesamtwirtschaftliche Vermögensänderungskonto und die Beziehung zwischen Sparen und Investieren

Bildung und Finanzierung von Produktivvermögen

Der gesamtwirtschaftliche Vermögensbegriff ist produktionsbezogen, d. h., als Vermögensbildung gilt nur, was entweder direkt der Produktion dient wie die Nettoinvestitionen (Sachvermögensbildung) oder ihr zumindest indirekt als Finanzierungsquelle der Nettoinvestitionen über das Sparen (Reinvermögensbildung) zugute kommt. Übersteigt die Reinvermögensbildung die Sachvermögensbildung und treten demnach Finanzierungsüberschüsse (FÜ) auf, so kommt es zur Geldvermögensbildung. Das Vermögensänderungskonto macht diese Vorgänge sichtbar und übernimmt dabei wiederum die Funktion, die Gegenbuchungen zum Produktions- und Einkommenskonto aufzunehmen, und zwar in Gestalt der Bruttoinvestitionen und Abschreibungen bzw. in Gestalt des Sparens.

Allerdings tritt dabei das Problem auf, dass die Bruttoinvestitionen (Ib) und Abschreibungen (D) bzw. deren Differenz, die Nettoinvestitionen (In), nach dem Inlandskonzept, das Sparen (S) aber nach dem Inländerkonzept ermittelt worden sind. Ist es also zu einem Finanzierungsüberschuss gekommen, weil das Sparen größer als die Nettoinvestitionen war (S > In), so kann dieser Finanzierungsüberschuss nicht nur darauf zurückgeführt werden, dass ein Exportüberschuss (Ex > Im) entstanden ist, sondern es können auch Finanzierungsmittel aus der Differenz von Nettoprimäreinkommen aus der übrigen Welt (PEN←üW) und Nettotransferzahlungen an die übrige Welt (TrN→üW) zugeflossen sein. Für den Fall S > In muss also für den Saldo des Vermögensänderungskontos gelten: FÜ = Ex + Im + PEN←üW − TrN→üW. Die einzelnen Komponenten des Saldos sind gleichsam die noch fehlenden Gegenbuchungen zum Produktions- und Einkommenskonto, die wir aber noch gesondert auf dem Konto der übrigen Welt erfassen werden.

Wird das gesamtwirtschaftliche Vermögensänderungskonto auf die beschriebene Weise gefüllt und saldiert, so wird es auf das Inländerkonzept vereinheitlicht und erhält folgende Gestalt:


Sparen gleich Investieren

Das gesamtwirtschaftliche Vermögensänderungskonto führt uns zu der wichtigen Einsicht, dass die Höhe des gesamtwirtschaftlichen Sparens aufgrund der Begriffswahl in einer geschlossenen Volkswirtschaft (d. h., ohne Berücksichtigung der Wirtschaftsbeziehungen zur übrigen Welt wie z. B. durch Export und Import) am Ende der Rechnungsperiode immer den Nettoinvestitionen entsprechen muss: S = In.

Investitionen ohne Sparen nur durch internationale Verschuldung oder Geschenke

Positive Nettoinvestitionen und damit eine Ausdehnung des Sachkapitalbestandes bzw. der zukünftigen Produktionskapazitäten sind also in einer geschlossenen Volkswirtschaft nur durch Konsumverzicht möglich. Länder, die sich aufgrund eines ohnehin geringen Versorgungsniveaus der Bevölkerung mit Konsumgütern keinen weiteren Konsumverzicht leisten können und demnach Schwierigkeiten mit dem Sparen haben, können Investitionen daher zwangsläufig nur durch Öffnung ihrer Volkswirtschaft und über einen Importüberschuss (Im > Ex) und damit durch Verschuldung in der übrigen Welt finanzieren. Die Verschuldung lässt sich lediglich durch empfangene Nettoprimäreinkommen aus der übrigen Welt (PEN←üW) oder/und durch empfangene Nettotransferzahlungen („Geschenke“) aus der übrigen Welt (TrN←üW = − TrN→üW) mildern. Für diejenigen, die es genau wissen wollen:

In einer offenen Volkswirtschaft gilt nach den bisherigen Begriffen bzw. Symbolen:

S = Yv − C = NNE − TrN→üW − (Cpr + Cst) = NIP + PEN←üW − TrN→üW − (Cpr + Cst)

S = Cpr + Cst + Ibpr + Ibst + Ex − Im − D + PEN←üW − TrN→üW − (Cpr + Cst)

S = Ibpr + Ibst − D + Ex − Im + PEN←üW − TrN→üW

S = In + Ex − Im + PEN←üW − TrN→üW

Wenn S = 0, dann gilt:

In = (Im − Ex) − PEN←üW + TrN→üW = (Im − Ex) − PEN←üW − TrN←üW

Die Nettoinvestitionen (In) sind in diesem Fall mit einem Finanzierungsdefizit ((Im − Ex) − PEN←üW − TrN←üW) auf der rechten Seite des gesamtwirtschaftlichen Vermögensänderungskontos verbunden. Es entspricht dem Leistungsbilanzdefizit, wie wir im 8. Kapitel bei der Darstellung der Zahlungsbilanz noch sehen werden. Das Land ist also in diesem Fall voll auf die Hilfe aus der übrigen Welt angewiesen.

Situationsbezogene Antwort 5

Unter volkswirtschaftlichem Blickwinkel liegt eine Vermögensbildung nur dann vor, wenn es sich um Produktivvermögen handelt, d. h., wenn sich die Produktionsmöglichkeiten erhöhen. So stellt z. B. die Wohnzimmereinrichtung, selbst z. B. ein wertvoller Kunstgegenstand, kein Produktivvermögen dar, da sie nicht wieder der Produktion dient. Produktivvermögen wird direkt durch die Bildung von Sachvermögen über Investitionsgüter geschaffen, indirekt durch die Bildung von Reinvermögen durch Sparen zur Finanzierung des Sachvermögens. Daneben dienen auch durch Abschreibung gewonnene Finanzierungsmittel der Sachvermögensbildung.

Installationsmeister Röhrl hat zunächst dadurch zur volkswirtschaftlichen Sachvermögensbildung beigetragen, dass er mit der Erweiterung seines Firmengebäudes eine Bruttoinvestition und unter Abzug der bereits angefallenen Abschreibung auf dieses Gebäude auch eine Nettoinvestition getätigt hat. Sie wurde mit Eigenmitteln durch das Sparen (Reinvermögensbildung) seines Unternehmens finanziert, das seinem verfügbaren Selbständigeneinkommen als versteuertem, nicht ausgeschüttetem Gewinn entspricht. Sollten die Eigenmittel bzw. das Sparen zur Finanzierung nicht ausgereicht haben, so muss es zu einem Finanzierungsdefizit, also zu einer negativen Geldvermögensbildung, gekommen sein, d. h., es muss z. B. eine Kreditfinanzierung vorgelegen haben.

Ein weiterer Beitrag zur volkswirtschaftlichen Vermögensbildung könnte über den privaten Haushalt von Installationsmeister Röhrl außerhalb seines Unternehmensbereichs dadurch erfolgt sein, dass sein weiteres verfügbares Selbständigeneinkommen als versteuerter, ausgeschütteter Gewinn von ihm nicht voll zum Konsumgüterkauf (z. B. Anschaffung einer neuen Wohnzimmereinrichtung) verwendet, sondern zum Teil gespart wurde (z. B. als Bankguthaben oder durch Aktienerwerb). Dieses Sparen würde dann (z. B. unter Vermittlung des Bankensektors) zur Finanzierung von Nettoinvestitionen in anderen volkswirtschaftlichen Produktionsbereichen (z. B. auch im staatlichen Sektor durch den Erwerb von Staatsanleihen) dienen.

Situationsbezogene Frage 6

Wie stellen sich die Geldbewegungen bzw. die eingesetzten Finanzierungsmittel bei der Betriebstätigkeit von Installationsmeister Röhrl und bei seinen Kunden aus volkswirtschaftlicher Sicht dar?

1.2.6 Das gesamtwirtschaftliche Kreditänderungskonto

Bei der Buchung der wirtschaftlichen Aktivitäten von Tauschpartnern darf nicht übersehen werden, dass es sich um unterschiedliche Personengruppen in Gestalt der Verkäufer und Käufer handelt, bei denen nicht gleichzeitig der Verkauf und Kauf gebucht wird. Zwischen Leistung und Gegenleistung vergeht meist Zeit. Sie wird durch das Auftreten von Forderungen und Verbindlichkeiten überbrückt. Am Beispiel des privaten Konsums wird dies deutlich:

Tauschaktivitäten führen zu Forderungen und Verbindlichkeiten

Der Verkauf der privaten Konsumgüter auf der rechten Seite des Produktionskontos führt bei den Verkäufern zunächst zu einer Forderungszunahme bzw. Verbindlichkeitsabnahme, die eigentlich auf der linken Seite eines eigenständigen Kontos, des Kreditänderungskontos, gegengebucht werden müsste. Die Forderungszunahme wird z. B. durch eine Rechnung dokumentiert und besteht darin, dass die Käufer die Gegenleistung zunächst schuldig bleiben. Sie tritt aber auch bei einer Geldzahlung als Gegenleistung bzw. der Rechnungsbegleichung auf, denn Geld (Bargeld oder Buchgeld) stellt immer eine Forderung dar, wie wir noch zeigen werden (vgl. Abschnitt 6.1.4). Im Gegenzug erscheint der Kauf der Konsumgüter als Einkommensverfügung auf der linken Seite des Einkommenskontos und führt zu einer Verbindlichkeitszunahme bzw. bei Geldzahlung zu einer Forderungsabnahme bei den Käufern. Sie ist auf der rechten Seite des Kreditänderungskontos gegenzubuchen. Das Kreditänderungskonto legt also die Verteilung der Gläubiger- und Schuldnerpositionen offen. Nur wer diese Information wünscht, benötigt das Konto. Ansonsten ist es überflüssig. Da in einer geschlossenen Volkswirtschaft ohne wirtschaftliche Außenbeziehungen die Gläubiger- und Schuldnerpositionen in der Summe einander entsprechen müssen, kann in diesem Fall auch kein Saldo entstehen. Er kann nur in einer offenen Volkswirtschaft auftreten und ist dann identisch mit dem Saldo des Vermögensänderungskontos.


Situationsbezogene Antwort 6

Da Geld in jeder Form (z. B. als Bargeld oder Bankguthaben auf dem Girokonto) eine Forderung für den Geldbesitzer und entsprechend eine Verbindlichkeit für den „Produzenten“ des Geldes darstellt, gilt dies auch für die Geldbewegungen bzw. die eingesetzten Finanzierungsmittel bei der Betriebstätigkeit von Installationsmeister Röhrl und bei seinen Kunden. So führt z. B. die Installation einer Pelletheizung mit anschließender Rechnungsstellung durch Installationsmeister Röhrl bei ihm in seiner Betriebsbuchführung zu einer Forderungszunahme und entsprechend beim Kunden zu einer Verbindlichkeitszunahme. Bezahlt der Kunde eines Tages die Rechnung bar oder durch Banküberweisung, so nimmt zwar die Rechnungsforderung bei Installationsmeister Röhrl bzw. die Rechnungsschuld bei seinem Kunden ab, im Gegenzug bekommt er aber von seinem Kunden eine andere Forderung, nämlich eine Forderung gegen die Europäische Zentralbank (EZB) bei Barzahlung oder eine Forderung gegen eine Bank bei Banküberweisung. Er kann dann diese neue Forderung selbst z. B. beim Güterkauf als Gegenleistung einsetzen.

Da grundsätzlich jeder Forderung irgendwo eine Verbindlichkeit bzw. einem Gläubiger ein Schuldner gegenüberstehen muss, ist klar, dass bei einer Zusammenfassung von Installationsmeister Röhrl und seinen Kunden zu einer gemeinsamen Gruppe ohne weitere Außenbeziehungen, die Forderungen und Verbindlichkeiten dieser Gruppe sich zu Null saldieren müssen. Das gilt auch für eine geschlossene Volkswirtschaft. Nur in einer offenen Volkswirtschaft, d. h., im Außenverhältnis gegenüber Dritten kann überhaupt in der Summe ein Saldo als Gläubiger- oder Schuldnerposition auftreten.

Die Installation einer Pelletheizung durch Installationsmeister Röhrl bei einem Kunden in Österreich als Export führt zwar zu einer Forderungszunahme der deutschen Volkswirtschaft gegenüber der österreichischen Volkswirtschaft. Da Österreich aber ebenso wie Deutschland der Europäischen Währungsunion (EWU) angehört, würde eine Rechnungsstellung und Rechnungsbegleichung in Euro (EUR) zu Forderungen und Verbindlichkeiten führen, die innerhalb der geschlossenen Volkswirtschaft der EWU einander entsprechen müssen. Es kann dann auch keinen Export innerhalb dieses geschlossenen Systems geben, so wie es z. B. keinen Export von Bayern nach Sachsen gibt. Das würde sich erst dann ändern, wenn Installationsmeister Röhrl seine Pelletheizungen eines Tages in den USA oder in Schweden installiert, also in Ländern außerhalb der EWU. Es kommt also darauf an, wie eine Volkswirtschaft abgegrenzt und was z. B. unter Inländer und Inland bzw. Ausländer und Ausland verstanden wird. Im 8. Kapitel werden wir uns mit diesen Fragen näher beschäftigen.

Situationsbezogene Frage 7

Hat Installationsmeister Röhrl mit der Verbesserung seiner Gewinnsituation auch seine Güterversorgung verbessert?

1.2.7 Nominal- und Realgrößen

Nur Realgrößen zeigen die tatsächliche Güterversorgung

Bei den volkswirtschaftlichen Leistungsgrößen und ihren Komponenten handelt es sich zunächst im Kern um Mengengrößen (Realgrößen). Da Mengen mit ihren unterschiedlichen physikalischen Maßeinheiten (z. B. Kilogramm, Liter, Stück, m2 etc.) nicht einfach addiert werden können, müssen sie auf einen einheitlichen Nenner gebracht werden. Als gemeinsamer Nenner dient der Preis, also die Anzahl der Geldeinheiten (z. B. 4 EUR) pro Mengeneinheit, mit dem die Anzahl der unterschiedlichen Mengeneinheiten multipliziert wird. Die Mengen werden dadurch in einheitliche (z. B. in EUR bewertete) Geldgrößen (Nominalgrößen) umgewandelt und lassen sich dann addieren. Als Preis wird bei der Ermittlung des Inlands- bzw. Sozialprodukts der Marktpreis genommen, der sich aus dem Herstellungspreis und der Differenz aus indirekten Steuern und Subventionen (Tind − Z) zusammensetzt. Sofern keine Marktpreise vorliegen, weil die betreffenden Güter nicht vermarktet bzw. nicht verkauft wurden wie z. B. der Staatskonsum, die Lagerinvestitionen und die selbst erstellten Anlagen, werden die Herstellungskosten bzw. Einstandspreise angesetzt. Werden in jedem Jahr die in diesem Jahr erzielten Preise angesetzt, so wird z. B. vom „BIP in jeweiligen Preisen“ oder kurz vom „nominalen BIP“ gesprochen. Allerdings tritt bei einer solchen Bewertungsmethode das Problem der jährlichen Preissteigerungen auf, die den Nominalwert erhöhen können, ohne dass der Realwert und damit die Güterversorgung entsprechend gestiegen sind.

Freiheit von Geldillusion durch Realgrößen

Besteht Freiheit von Geldillusion (vgl. Abschnitt 6.1.3) und demnach ein Informationsinteresse am Realwert, wird das Problem der Preisänderungen dadurch umgangen, dass die Preise künstlich konstant gehalten werden. Im Gegensatz zum nominalen BIP in jeweiligen Preisen wird daher beim realen BIP in konstanten Preisen eine Preisbereinigung vorgenommen. Das Bereinigungsverfahren erfolgt mit statistischen Methoden, die relativ komplex sind. Für die Interessierten sei es kurz beschrieben:

Preisbereinigung anhand eines Kettenindex

Das mengenmäßige BIP-Volumen eines Jahres (BIPV) wird mit dem auf das Vorjahr normierten Preisindex (P) bewertet. Damit ist sichergestellt, dass die entsprechende Wertänderung fiktiv nur die Mengenänderung widerspiegelt. Die Zeitreihe des realen BIP wird in der offiziellen Statistik nur als Kettenindex ausgewiesen. Zur Ermittlung dieses Kettenindex wird zunächst jeder preisbereinigte Jahreswert des BIP ins Verhältnis gesetzt zum Vorjahreswert des BIP in laufenden Preisen (Volumenindex nach Laspeyres). Die Berechnungsmethode für diesen Teilindex des realen BIP lautet z. B. für das Jahr 2010:


Für das Jahr 2009 würde sich entsprechend ergeben:


Um eine fortlaufende Indexreihe zu erhalten, werden die Teilindizes miteinander verkettet. Dazu wird zunächst der preisbereinigte BIP-Wert eines Referenzjahres (z. B. für das Jahr 2009) gleich hundert gesetzt und so der erste Kettenindex gebildet. Die Kettenindizes der Folgejahre werden dadurch ermittelt, dass der Teilindex eines jeden Jahres mit dem Kettenindex des Vorjahres durch Multiplikation verknüpft wird. In obigem Beispiel ergibt sich dann z. B. für das reale BIP im Jahr 2010 folgender Wert des Kettenindex:


Der Kettenindex für das Jahr 2011 würde entsprechend lauten:


Die Kettenindizes der weiteren Jahre lassen sich entsprechend berechnen. Der verkettete Absolutwert für das reale BIP eines bestimmten Jahres kann bei Bedarf dadurch zurückermittelt werden, dass der Kettenindex des betreffenden Jahres mit dem Kettenindex und dem Absolutwert des realen BIP für ein Referenzjahr (z. B. für das Jahr 2009) durch Multiplikation verknüpft wird.

Wer wissen will, wie sich die volkswirtschaftliche Güterversorgung im Zeitablauf mengenmäßig verändert hat, benötigt die Wachstumsrate (W) des realen BIP (WBIP). Sie lässt sich anhand der Kettenindexreihe des preisbereinigten BIP relativ einfach nach folgender Methode ermitteln:

Wachstumsrate des realen BIP zeigt Veränderung der Güterversorgung

WBIP zwischen den Jahren 2011 und 2010 in Prozent:


WBIP zwischen den Jahren 2011 und 2009 in Prozent entsprechend:


Die Wachstumsrate des realen BIP (WBIP) ist ein weiterer und vielleicht der wichtigste Leistungsindikator einer Volkswirtschaft, da sie die Verbesserung oder Verschlechterung der gesellschaftlichen Güterversorgung anzeigt und auf weitere Leistungsindikatoren wie z. B. die Beschäftigungssituation schließen lässt.

Situationsbezogene Antwort 7

Gewinne, Umsätze, Kosten etc. sind Nominalgrößen, d. h., sie werden in Geldeinheiten (z. B. in EUR) gemessen. Wenn der Gewinn von Installationsmeister Röhrl steigt, hat er zwar einen höheren Geldbetrag als Nominalbetrag zur Verfügung, aber das heißt noch nicht, dass auch seine Kaufkraft bezüglich eines Gütererwerbs zugenommen hat. Sind nämlich mit dem Gewinn auch die Preise derjenigen Güter gestiegen, die im Rahmen seines Güterversorgungsproblems von Bedeutung sind, so hat der Realwert seines Gewinns abgenommen. Es kommt also darauf an, welcher Effekt (Gewinnsteigerung oder Preissteigerung) größer war. Konkret bedeutet dies, dass Installationsmeister Röhrl angesichts einer Gewinnsteigerung und mit Blick auf sein Güterversorgungsproblem nur dann frei von Geldillusion ist, wenn er von der prozentualen Gewinnsteigerung die prozentuale Preissteigerung der relevanten Güter abzieht. Die Differenz gibt ihm die prozentuale Veränderung seiner Güterversorgung an. Sie kann sich also schlimmstenfalls sogar verschlechtert haben, obwohl sein Gewinn gestiegen ist. So würde z. B. eine Gewinnsteigerung von 2 % bei einer gleichzeitigen Preissteigerung von 3 % zu einem realen Kaufkraftverlust von 1 % führen.

Situationsbezogene Frage 8

Sind die für Installationsmeister Röhrl verständlicherweise unangenehmen Kosten (z. B. seine Personalkosten) auch aus volkswirtschaftlicher Sicht unangenehm?

1.2.8 Betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Kosten

Betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Kosten haben einen unterschiedlichen Bedeutungsinhalt und sind demnach auch unterschiedlich zu bewerten.

Betriebswirtschaftliche Kosten sind unangenehm.

Kosten sind uns einzelwirtschaftlich unangenehm, bedeuten sie im täglichen Sprachgebrauch doch, dass wir anderen Geld und damit Güter geben, die uns dadurch bei der Lösung unseres eigenen Güterversorgungsproblems verloren gehen. Wenngleich wir nach dem bisher Gesagten wissen, dass betriebswirtschaftliche Kosten in der ökonomischen Fachsprache nur in der Produktion bzw. bei den Produzenten auftreten, so werden sie jedoch auch dort unangenehm empfunden, denn sie schmälern den Gewinn als Differenz zwischen Umsatz und Kosten und damit das Einkommen der Unternehmenseigner.

Volkswirtschaftliche Kosten als Summe betriebswirtschaftlicher Kosten sind angenehm.

Betriebswirtschaftliche Kosten sind in der volkswirtschaftlichen Summe – kurz und bündig gesagt – gleich Erträgen. Auch Gewinne bzw. Betriebsüberschüsse und Selbstständigeneinkommen (vgl. Abschnitt 1.2.1) zählen volkswirtschaftlich zu den Kosten, nämlich zur Nettowertschöpfung und damit zu den Faktorkosten, wie uns schon der alte Begriff des Nettosozialprodukts zu Faktorkosten sagt, das mit dem Volkseinkommen identisch ist (vgl. Abschnitt 1.2.4). Wir erkennen diese simple, aber häufig verkannte Tatsache auch, wenn wir uns aus volkswirtschaftlicher Sicht daran erinnern, dass die Kosten des einen (z. B. des Mieters als Kostenträger) gleichzeitig der Ertrag bzw. das Einkommen des anderen (in diesem Fall des Vermieters als Kostenempfänger) sind, nach dem Motto: „Des einen Freud, des anderen Leid“. Die unangenehmen und gleichzeitig auch angenehmen Seiten des betriebswirtschaftlichen Kostenbegriffs halten sich also volkswirtschaftlich die Waage.

Sozialkosten sind Ineffizienzen

Eine höhere volkswirtschaftliche Produktion, z. B. gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), ist in jedem Fall mit höheren betriebswirtschaftlichen Kosten verbunden, wie uns auch bereits ein Vergleich des einzelwirtschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Produktionskontos in den Abschnitten 1.2.1 und 1.2.3 gezeigt hat. Der Ruf nach volkswirtschaftlicher Kostensenkung ist daher eher kontraproduktiv und lässt eine fundierte Kenntnis der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge vermissen. Es sei denn, mit dem volkswirtschaftlichen Kostenbegriff würde inhaltlich etwas anderes verbunden als mit dem betriebswirtschaftlichen Kostenbegriff. Gelegentlich wird bei volkswirtschaftlichen Kosten auch von Sozialkosten gesprochen. Doch was verbirgt sich hinter ihnen? Die Antwort lautet, dass auf der volkswirtschaftlichen Ebene mit Kosten häufig Ineffizienzen gemeint sind, d. h., die vorhandenen Produktionskapazitäten sind nicht voll ausgeschöpft worden. Ein falscher Einsatz von Produktionsfaktoren hat zu Produktionseinbußen geführt. Es wird daher auch von Opportunitätskosten gesprochen. Wachstums- bzw. gesellschaftliche Wohlfahrtsverluste sind entstanden. In ihnen liegt das Unangenehme der volkswirtschaftlichen Kosten. Daraus ergibt sich die erstaunliche – selbst Volkswirten nicht immer bewusste – Schlussfolgerung:

Eine Senkung (Erhöhung) der volkswirtschaftlichen Kosten führt zu einer Erhöhung (Senkung) der betriebswirtschaftlichen Kosten.

Der Umkehrschluss führt zu einem Verteilungsproblem und gilt daher nur bedingt. Betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Kosten erfordern aber in jedem Fall einen unterschiedlichen Blick und sind auch unterschiedlich zu bewerten.

Situationsbezogene Antwort 8

Kosten sind für Installationsmeister Röhrl im Kern, nämlich bei realer Betrachtung und damit bei Freiheit von Geldillusion, nichts anderes als Güter, die er anderen (z. B. seinen Beschäftigten oder seinen Zulieferern) geben muss, weil er sich vertraglich dazu verpflichtet hat. Sie schmälern demnach über eine Gewinneinbuße seine eigene Güterversorgung, verschärfen sein Güterversorgungsproblem und sind ihm daher unangenehm. Andererseits aber sind seine Kosten bei den Zahlungsempfängern (z. B. bei seinen Beschäftigten in Gestalt von deren Lohn und Gehalt oder bei seinen Zulieferern in Gestalt von deren Umsatz) und damit für sie im Kern Güter, die ihnen höchst willkommen sind, weil sie mit ihnen ihr Güterversorgungsproblem besser lösen können. Es findet also volkswirtschaftlich zunächst nur eine Umverteilung statt. Das volkswirtschaftliche Problem ist ein Verteilungsproblem, d. h., es geht um die Frage, ob die beschriebene Umverteilung zu Ineffizienzen führt, weil die Produktionsmöglichkeiten nicht voll ausgeschöpft und damit die gesamte zu verteilende Gütermenge nicht maximal ist. Dieses Problem könnte z. B. dadurch auftreten, dass die hohe Kostenbelastung bei Installationsmeister Röhrl in seiner Betriebsbuchführung zu einem Verlust führt, der ihn zur Aufgabe seines Betriebes und zur Entlassung seiner Beschäftigten zwingt. In diesem Fall würde die volkswirtschaftliche Gütermenge sinken und die Güterversorgung auf beiden Seiten beeinträchtigt werden. Es gilt also, eine Verteilung zu finden, die auf allen Seiten als gerecht empfunden wird, dadurch die Leistungsmotivation steigert und dadurch wiederum letztlich die gesamte Güterversorgung verbessert.

Situationsbezogene Kontrollaufgabe

Kompetenzkontrolle


Handlungssituation

Versetzen Sie sich in die Lage von Installationsmeister Röhrl, der sich auf die Installation von Gasheizungen spezialisiert hat und mit seinem Installationsbetrieb als Unternehmen ohne eigene Rechtspersönlichkeit in München gemeldet ist. Im Jahr 2016 erwirtschafteten Sie zusammen mit einem Mitarbeiterstamm von 10 Beschäftigten und mit einem noch vorhandenen Maschinen- und Gebäudeanschaffungswert zu Beginn des Jahres in Höhe von 300 Tsd. EUR einen Umsatz in Höhe von 600 Tsd. EUR und ein Selbständigeneinkommen („Gewinn“) vor Steuer in Höhe von 120 Tsd. EUR. Den „Gewinn“ haben Sie zur Hälfte im Unternehmen belassen. Er wurde mit 20 % besteuert. In dem betreffenden Jahr haben Sie Investitionen in Höhe von 100 Tsd. EUR getätigt. Der Umsatz entstand allein durch einen Großauftrag eines bayerischen Unternehmens in Höhe von 400 Tsd. EUR und durch einen Auftrag der Stadt München in Höhe von 200 Tsd. EUR. Die in Ihrem Betrieb eingesetzten Maschinen und Gebäude und die von Ihnen installierten Gasheizungen haben in allen Bereichen eine durchschnittliche Nutzungsdauer von 10 Jahren und werden linear vom Anschaffungswert abgeschrieben. Die Personalkosten Ihres Betriebes betrugen in dem betreffenden Jahr 300 Tsd. EUR und Sie bezogen Thermostate wegen ihrer Qualität und ihres niedrigen Preises für 10 Tsd. EUR von einem Lieferanten in den USA. Sie verfügten außerdem über ein kleines Depot mit US-Aktien, die Ihnen im Jahr 2016 Dividendenzahlungen vor Steuer in Höhe von 2 Tsd. EUR einbrachten. Sie ahnen natürlich, dass Sie mit den konkreten Werten Ihrer Wirtschaftstätigkeit allein nur in verschwindend geringem Maße zur Leistung der deutschen Volkswirtschaft beigetragen haben. Gleichwohl wollen Sie zur Stärkung Ihrer Selbstsicherheit wissen, wie hoch dieser Beitrag war und welche grundsätzliche volkswirtschaftliche Bedeutung Ihr Installationsbetrieb damit hat.

Kontrollfragen

a)Welche ökonomischen Gründe könnten Sie dazu veranlasst haben, sich auf die Installation von Gasheizungen zu spezialisieren?

b)Welchen volkswirtschaftlichen Sektoren sind Sie mit Ihrer Wirtschaftstätigkeit im Jahr 2016 zuzuordnen?

c)Wie und in welcher Höhe wurden durch Ihre Wirtschaftstätigkeit im Jahr 2016 das deutsche Bruttoinlandsprodukt, das Nettoinlandsprodukt und das Volkseinkommen beeinflusst?

d)Wie und in welcher Höhe haben Sie im Jahr 2016 zum Staatskonsum bzw. zur Produktion öffentlicher Güter in Deutschland beigetragen?

e)Wie und in welcher Höhe wurden die von Ihnen im Jahr 2016 getätigten Investitionen aus volkswirtschaftlicher Sicht finanziert und wie haben diese Investitionen den Sachkapitalbestand Ihres Unternehmens und damit der deutschen Volkswirtschaft verändert?

Alle Antworten sind unter Verwendung des volkswirtschaftlichen Basiswissens zu erläutern!

2. Das Unternehmen in der Sozialen Marktwirtschaft
2.1 Handlungssituation (Fallbeispiel 1)

Fallbeispiel 1


Handlungssituation

Der Fleischerfachbetrieb von Fleischermeister Kutter hat durch die Herstellung von Wildspezialitäten und auch durch einen Partyservice neue Kunden gewonnen. In der von ihm belieferten Region zählt er mittlerweile zu den drei größten Betrieben, zu denen er aber in harter Konkurrenz steht. Sein Personalbestand ist auf zwanzig Beschäftigte angewachsen und auch sein Sachkapitalbestand (Firmengebäude, Maschinen etc.) wurde erweitert. Der kräftige Umsatzanstieg hat zu einer Verbesserung der Gewinnsituation geführt. Allerdings sind die verschiedenen Betriebsabläufe durch die Betriebserweiterung auch unübersichtlicher geworden. Fleischermeister Kutter wendet sich daher an einen Unternehmensberater.

Situationsbezogene Frage 1

Warum benötigt Fleischermeister Kutter eine Organisation seines Fleischerfachbetriebes und was muss organisiert werden?

2.1.1 Notwendigkeit und Gegenstand einer Wirtschaftsordnung

Spezialisten benötigen eine Organisation

Aus Abschnitt 1.1.2 wissen wir, dass Volkswirtschaften heute verstärkt versuchen, durch eine immer weiter voranschreitende nationale und internationale Arbeitsteilung bzw. Spezialisierung als eine Form der Rationalisierung das gesellschaftliche Güterversorgungsproblem noch besser zu lösen. Wir wissen auch, dass sich dabei die Spezialisten in Anbieter und Nachfrager unterteilen lassen, die beim Faktoreinsatz auf der Inputseite (Kostenseite) und bei der Güterproduktion auf der Outputseite (Ertragsseite) anzutreffen sind. Den Vorteil einer höheren Produktivität und Produktqualität erkaufen sich die Spezialisten allerdings mit einer größeren Abhängigkeit untereinander, die gelegentlich schon allein als unangenehm und daher nachteilig empfunden wird. Spezialisten sitzen gleichsam „gemeinsam in einem Boot“. Ihre wechselseitige Abhängigkeit erfordert eine Organisation und gegenseitige Abstimmung (Koordination), ist aber selbst Problemen ausgesetzt. Um diese Koordination und die Frage nach dem geeigneten Koordinationsmechanismus geht es in einer Wirtschaftsordnung.

Die Wirtschaftsordnung beantwortet die Frage nach dem Koordinationsmechanismus von Angebot und Nachfrage.

Gleichgewicht als Interessenausgleich

Die Wirtschaftsordnung sagt uns, wie die Spezialisten als Anbieter und Nachfrager in ihren unterschiedlichen Wünschen und Plänen so aufeinander abgestimmt werden, dass es möglichst zu einem Ausgleich der Interessen, zu einem harmonischen Gleichgewicht, kommt. Ungleichgewichte als Zeichen einer – zumindest teilweise – falschen Spezialisierung äußern sich in einem Überangebot oder einer Übernachfrage. Die Wirtschaftsordnung soll sie verhindern oder beseitigen. Sie ist zwangsläufig nur ein – wenn auch gewichtiger – Teil der Gesellschaftsordnung, die außerdem zu berücksichtigen hat, dass es neben ökonomischen Interessen auch nichtökonomische Interessen gibt, die ebenfalls nach einem Ausgleich verlangen.

Die Notwendigkeit eines Koordinationsmechanismus bzw. einer Wirtschaftsordnung und die Frage, wie sie konkret ausgestaltet werden sollen, ist keineswegs nur eine Frage, die sich auf der gesellschaftlich-volkswirtschaftlichen Ebene stellt. Sie ist auch eine betriebswirtschaftlich bedeutsame Frage, denn die einzelnen Spezialisten treffen täglich vor Ort im Produktionsprozess aufeinander und jedes Unternehmen hat sich daher Gedanken zu machen und zu entscheiden, mit welcher konkreten Organisationsstruktur versucht werden soll, einen möglichst reibungslosen Produktionsablauf zu sichern. Die Wirtschaftsordnung einer Volkswirtschaft im Großen ist daher mit der Organisation eines Unternehmens im Kleinen vergleichbar.

Situationsbezogene Antwort 1

Fleischermeister Kutter benötigt eine Organisation seines Fleischerfachbetriebes, um einen reibungslosen Produktionsablauf zu gewährleisten. Störungen (Ungleichgewichte) im Produktionsablauf könnten dadurch auftreten, dass seine spezialisierten Beschäftigten als Anbieter und Nachfrager nicht „Hand in Hand“ arbeiten und es dadurch zu Engpässen kommt. So muss z. B. sichergestellt werden, dass die Bedienung hinter der „Ladentheke“ (Nachfrage) möglichst schnell durch die „Wurstküche“ (Angebot) beliefert wird, wenn sich Kundenwünsche ändern. Auch innerhalb der „Wurstküche“ ist z. B. eine Abstimmung zwischen dem Personal am Cutter zur Herstellung des Bräts (Angebot) und dem Personal an der Füllmaschine (Nachfrage) notwendig, um einen Leerlauf in der Wurstproduktion zu verhindern. In kleineren Betrieben wird dies natürlich ohne ein großartiges Organisationsschema geschehen, weil „man sich kennt“. Mit zunehmender Betriebsgröße und komplizierteren Produktionsabläufen dürfte jedoch die Entwicklung eines klar strukturierten Organisationsschemas – z. B. unter Hinzuziehung eines Unternehmensberaters als Organisationsspezialist – unvermeidlich sein.

Situationsbezogene Frage 2

Wird das Konzept einer Unternehmensorganisation, das der von Fleischermeister Kutter hinzugezogene Unternehmensberater seinen Überlegungen zugrunde legen wird, schon vollständig in die Praxis umzusetzen sein?

2.1.2 Wirtschaftssystem und Wirtschaftsordnung

Ein Wirtschaftssystem bezeichnet die gedanklichen Möglichkeiten einer Koordination von Angebot und Nachfrage in einer Volkswirtschaft.

Wirtschaftssysteme sind „rein“

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist ein Wirtschaftssystem gleichsam das, was sich z. B. der Leiter der Organisationsabteilung eines Unternehmens oder ein Unternehmensberater „am grünen Tisch“ überlegt, wenn er sich vor die Aufgabe gestellt sieht, die Spezialisten im Produktionsprozess (z. B. die Arbeitnehmer an einem Fließband) in ihren verschiedenen Verrichtungen aufeinander abzustimmen. Das Ergebnis ist insofern – wie eine „Blaupause“ – idealtypisch, als es noch die Wunschvorstellungen des Organisationsleiters oder Unternehmensberaters widerspiegelt und noch nicht in der Praxis erprobt ist. Wir ahnen damit bereits, dass die praktische Umsetzung eines Wirtschaftssystems zu Abstrichen von der Reinheit der idealtypischen Vorstellungen zwingen dürfte, weil sich in der Praxis theoretische Grenzlinien nicht so klar ziehen lassen, Überlappungen und Vermischungen an der Tagesordnung und Kompromisse nicht zu umgehen sind.

Im Gegensatz zum gedanklichen Wirtschaftssystem bezeichnet die Wirtschaftsordnung die tatsächliche Koordination in der Wirklichkeit.

Wirtschaftsordnungen sind „unrein“

Eine Wirtschaftsordnung kann zwangsläufig immer nur ein Mischsystem, eine Vermischung von idealtypischen Wirtschaftssystemen, darstellen. Der Zusatz „rein“ (z. B. als „reine Marktwirtschaft“) im Zusammenhang mit einer bestimmten Wirtschaftsordnung ist daher eher verwirrend als klärend und eine – bewusste oder unbewusste – Überhöhung der Ordnungsidee in der Realität. Wer ihn verwendet, läuft Gefahr, sich dem Vorwurf der Ideologie auszusetzen.

Situationsbezogene Antwort 2

Der von Fleischermeister Kutter hinzugezogene Unternehmensberater wird zunächst in seinem Büro aufgrund der gesammelten Informationen ein gedankliches Organisationsschema (Wirtschaftssystem) entwickeln. Er wird dieses Schema vielleicht auch graphisch mit einem Computerprogramm aufarbeiten, um es dann zunächst Fleischermeister Kutter und möglicherweise auch in einer Betriebsversammlung den Beschäftigten zu präsentieren. Es ist damit zu rechnen, dass es in der Diskussion vor Ort bei einzelnen Punkten zu Einwänden gegen die praktische Umsetzung und auch zu Verbesserungsvorschlägen kommt. Letztlich wird das dann endgültig in die Praxis umgesetzte Organisationsschema (Wirtschaftsordnung) eine Mischung aus verschiedenen, gedanklich durchgespielten Organisationsmöglichkeiten (Mischsystem) sein.

Situationsbezogene Frage 3

Welche grundsätzlichen Organisationsformen wird der von Fleischermeister Kutter hinzugezogene Unternehmensberater seinen Überlegungen zur Entwicklung eines Organisationsschemas zugrunde legen?

2.1.3 Grundprinzipien der Marktwirtschaft und Planwirtschaft

Im marktwirtschaftlichen System werden Angebot und Nachfrage nach dem Prinzip des Einverständnisses und Einvernehmens aufeinander abgestimmt.

Freiheit als marktwirtschaftliches Grundprinzip

In einem marktwirtschaftlichen System wetteifern Anbieter und Nachfrager als Spezialisten frei untereinander und mit dem jeweiligen Verhandlungspartner über das Tauschverhältnis von Gütern oder/und die Nutzung von Produktionsfaktoren. In einer Geldwirtschaft geschieht dies über den Preis als Anzahl der Geldeinheiten (z. B. EUR pro Einheit (z. B. Liter, Stück, Kilogramm, Stunde, m2)) des betreffenden Tauschobjekts. Der Verhandlungsort von Anbietern und Nachfragern wird Markt genannt, unabhängig davon, ob es auf ihm frei oder nicht frei zugeht. Märkte sind die logische Konsequenz der Arbeitsteilung (vgl. Abschnitt 1.1.2). Wie – nicht dass – sie organisiert werden, also die Frage des Marktsystems bzw. der Marktordnung, steht auf einem ganz anderen Blatt. Insofern darf „Markt“ und „Marktwirtschaft“ nicht gleichgesetzt werden, ebenso wie „Ort“ nicht wörtlich zu nehmen ist, denn ein Markt kann sich z. B. auch in einer Zeitung, am Telefon oder im Internet abspielen.

Egoismus als marktwirtschaftliche „Triebfeder“

Marktwirtschaftlich sind die frei handelnden Marktteilnehmer Egoisten und müssen es auch sein. Sie folgen ihrem Individualinteresse und haben zunächst nur ihr eigenes Güterversorgungsproblem im Auge, das sie bestmöglich lösen wollen. Etwas salopp gesagt: sie trachten danach, den Verhandlungspartner „über den Tisch zu ziehen“ und zur Lösung des eigenen Güterversorgungsproblems einzuspannen. Sie erkennen aber auch, dass sie auf ebenfalls egoistisch denkende und handelnde Verhandlungspartner treffen, die das Gleiche mit ihnen vorhaben, auf die sie als Spezialisten zwangsläufig angewiesen sind und denen gegenüber sie sich daher anpassungsfähig und kompromissbereit zeigen müssen. Das Prinzip lautet: Leistung gegen Gegenleistung und das Ergebnis wird auch als gerecht empfunden (Leistungsgerechtigkeit). Nur wer bereit und in der Lage ist, als Spezialist auf die Wünsche der Gegenseite einzugehen, kann im Gegenzug damit rechnen, seinen eigenen Wunsch nach bestmöglicher Güterversorgung erfüllt zu bekommen.

Adam Smith als „Vater des Gedankens“

Der geistige Vater der Marktwirtschaft, Adam Smith (1723–1790), hat das 1776 – also noch vor der französischen Revolution 1789 mit ihrem Ruf nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – in seinem berühmten Buch „Wealth of Nations“ (Wohlstand der Nationen) so formuliert: „Nicht vom Wohlwollen des Fleischers, Brauers oder Bäckers erwarten wir unsere Mahlzeit, sondern von ihrer Rücksichtnahme auf ihr eigenes Interesse. Wir wenden uns nicht an ihre Humanität, sondern an ihren Egoismus und sprechen ihnen nie von unseren Bedürfnissen, sondern von ihren Vorteilen“.

Information und Sanktion durch Preise

Der Preis als marktwirtschaftliches Verhandlungsergebnis informiert im Vorfeld neuer Verhandlungen potentielle Anbieter darüber, ob sie angesichts ihrer Produktionskosten überhaupt als Anbieter auftreten können, welcher Bedarf besteht und wie viele Verhandlungspartner als Nachfrager anzutreffen sind, die ihrerseits wiederum untereinander im Wettbewerb und in Rivalität um das betreffende knappe Gut stehen. Gleichzeitig belohnt und bestraft (sanktioniert) der Preis als relativ hoher bzw. niedriger Preis diejenigen, die ihre Möglichkeiten zur Bedarfsdeckung und den Bedarf richtig bzw. falsch eingeschätzt und in den Verhandlungen die Gegenseite davon überzeugt bzw. nicht überzeugt haben, dass sie ihnen zur Lösung ihres Güterversorgungsproblems hilfreich sein können und ihnen daher auch eine entsprechende Gegenleistung zusteht. Auf die Funktionsweise des marktwirtschaftlichen Koordinationsmechanismus müssen wir wegen ihrer Bedeutung für das Verständnis unserer eigenen Wirtschaftsordnung später noch genauer eingehen.

Im planwirtschaftlichen System werden Angebot und Nachfrage auf dem Markt nach dem Prinzip der Über- und Unterordnung (hierarchisches Prinzip) koordiniert.

Hierarchie als planwirtschaftliches Grundprinzip

Informationsbeschaffung und -bewertung, Anweisung, Kontrolle und Sanktionierung gehen in einem planwirtschaftlichen System von einer Zentrale als übergeordneter Stelle aus. Daher wird bei dieser Koordinationsform auch von Zentralverwaltungswirtschaft gesprochen. Es ist selbstverständlich, dass die Zentrale hoheitliche Befugnisse, also Macht, haben muss, wenn sie wirksam koordinieren soll. Was die Zentrale selbst betrifft, so kann sie unterschiedlicher Gestalt sein und auf unterschiedlichem Wege zur Zentrale geworden sein.

Unternehmensführung als Planwirtschaft

Auf der betriebswirtschaftlichen Ebene wie z. B. in einem handwerklichen Betrieb kann z. B. der Meister die Zentrale sein, der kraft seiner Ausbildung und Autorität seinen Auszubildenden und Gesellen als Spezialisten sagt, wo und wie sie sich im Produktionsprozess einzugliedern haben. Überhaupt lässt sich sagen, dass auf der betriebswirtschaftlichen Ebene die planwirtschaftliche Koordination überwiegt und mit der Größe des Unternehmens an Bedeutung zunimmt (z. B. Fließbandarbeit), da nur mit einer straffen Organisation Leerlauf und Stillstand als Ungleichgewichte in den komplexen Produktionsabläufen verhindert werden können. Der Hinweis auf die betriebswirtschaftliche Normalität einer planwirtschaftlichen Koordination und damit einer Zentralverwaltungswirtschaft im Kleinen ist insofern wichtig, als er deutlich macht, dass eine vordergründige Wertung nach dem Muster: „Marktwirtschaft ist gut, Planwirtschaft ist schlecht“ völlig unangebracht ist. Eine planwirtschaftliche Koordination kann genauso gut oder schlecht wie eine marktwirtschaftliche Koordination sein. Es kommt auf die konkrete Ausgestaltung in der Realität an, denn es gibt z. B. auch gute oder schlechte Meister im Handwerksbetrieb, je nach dem, wie sie mit ihren Untergebenen umgehen und welche fachliche Autorität sie besitzen.

Staatliches Handeln als Planwirtschaft

Staatsgewalt durch Demokratie

Auf der volkswirtschaftlichen Ebene muss die Zentrale der Staat sein, denn er besitzt das Gewaltmonopol bei seiner Aufgabe, für das Wohlbefinden und den Erhalt des Gemeinwesens, der Gesellschaft, zu sorgen. Er allein ist legitimiert, uns als Individuen und Gesellschaftsmitglieder zu zwingen. Dieser Zwang äußert sich z. B. in der Pflicht zur Zahlung von Steuern (Zwangsabgaben), mit denen uns private Güter genommen werden, um sie – z. B. als öffentliche Güter – an eine andere Stelle in der Gesellschaft bzw. Volkswirtschaft zu lenken. Die Frage, wie die staatliche Zentrale zu ihrer Macht kommt und wie sie damit gegenüber den Bürgern als gleichsam Untergebenen umgeht, ist – wie auf der betriebswirtschaftlichen Ebene – unterschiedlich zu beantworten. Eine Möglichkeit zur Schaffung eines staatlichen Gewaltmonopols ist die Demokratie, in der jeder einzelne Bürger mit seiner Stimme und mit seiner freien Entscheidung diejenigen wählt, die ihn für einen begrenzten Zeitraum, nämlich bis zur nächsten Wahl, zwingen dürfen. In einer demokratischen Wahl liegt also gleichzeitig auch eine Machtkontrolle durch diejenigen, die dieser Macht ausgesetzt sind. Dies sieht z. B. in einer absoluten Monarchie anders aus, in der nach dem Motto: „Der Staat bin ich“ der jeweilige Herrscher seine hoheitlichen Befugnisse gegenüber den Bürgern einsetzt. Jedenfalls aber ist auch auf der volkswirtschaftlichen Ebene davor zu warnen, eine Zentralverwaltungswirtschaft wie auch eine Marktwirtschaft ideologisch von vornherein als gut oder schlecht zu bewerten. Täglich werden wir durch jede „rote Ampel“ oder konkret z. B. durch die Pflicht zum Eintrag in die Handwerksrolle gezwungen und damit planwirtschaftlich koordiniert, ohne dass wir uns dagegen auflehnen, weil wir keinen Sinn darin erkennen. Letztlich geht es um den Erhalt einer Gesellschaft, wie es von der Verfassung festgelegt ist. Dabei ist ein „Marktversagen“ ebenso möglich wie ein „Staatsversagen“ (vgl. auch Abschnitt 2.1.5). Als höchste und letzte Instanz zur Beurteilung dieser Frage dient ein Verfassungsgericht, z. B. in Deutschland das Bundesverfassungsgericht.

Situationsbezogene Antwort 3

Der von Fleischermeister Kutter hinzugezogene Unternehmensberater hat bei seinen Überlegungen zur Entwicklung eines praxistauglichen Organisationsschemas grundsätzlich von zwei gegensätzlichen Organisationsformen (Wirtschaftssystemen) auszugehen. Eine auf dem marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystem beruhende Organisationsform würde die Selbstorganisation der Beschäftigten zum Inhalt haben, d. h., sie würde es der freien und durchaus auch egoistischen Entscheidung der Beschäftigten überlassen, wie sie sich in den Produktionsprozess eingliedern. Dieser Gedanke mag auf den ersten Blick realitätsfern erscheinen, weil er eher an Missmanagement bzw. betriebliche Unordnung denken lässt. Bei genauerem Hinsehen aber wird deutlich, dass auch eine freiheitliche Selbstorganisation der Beschäftigten gleichsam von einer „unsichtbaren Hand“ zur Anpassung und zum Interessenausgleich geleitet wird. Jeder einzelne Beschäftigte ist nämlich durch sein Güterversorgungsproblem und demnach durch die Notwendigkeit einer Einkommenserzielung gezwungen, sich anzupassen und in den Produktionsablauf einzufügen. Er muss sich als Spezialist mit seinen anderen Mitbeschäftigten als Spezialisten arrangieren, wenn er nicht seinen Arbeitsplatz verlieren und damit seine Güterversorgung aufs Spiel setzen will.

Die Alternative zur „unsichtbaren Hand“ ist die „sichtbare Hand“ eines Vorgesetzten oder Betriebsleiters bzw. letztlich des Unternehmensleiters als Kapitaleigner. Sie trifft in Anlehnung an ein zentralverwaltungswirtschaftliches Wirtschaftssystem Entscheidungen, an die sich die untergeordneten Mitarbeiter anzupassen haben. Sie befinden sich also in einem hierarchischen System, an deren Spitze z. B. Fleischermeister Kutter steht. Natürlich hat dabei seine hoheitliche Entscheidungsbefugnis, sein „Gewaltmonopol“, eine andere Qualität als das staatliche Gewaltmonopol. Jedenfalls wird der Unternehmensberater beide Organisationsformen in sein Beratungsergebnis einfließen lassen. Für Fleischermeister Kutter ergibt sich daraus die wichtige Erkenntnis, dass das, was auf der gesamtwirtschaftlichen Ebene als marktwirtschaftliches oder zentralverwaltungswirtschaftliches Wirtschaftssystem zur Diskussion steht, im Kern auch in seiner eigenen Betriebsorganisation anzutreffen ist. Er sollte sich also davor hüten, die eine oder andere Organisationsform ideologisch von vornherein als gut oder schlecht zu bewerten. Ihre Bewertung hängt vielmehr davon ab, inwieweit sie geeignet ist, das Unternehmensziel bestmöglich zu erreichen.

Situationsbezogene Frage 4

Welche Bedeutung wird der von Fleischermeister Kutter hinzugezogene Unternehmensberater bei seinen Überlegungen zur Entwicklung eines Organisationsschemas den Eigentumsverhältnissen im Unternehmen beimessen?

2.1.4 Eigentum an Produktionsfaktoren in Marktwirtschaft und Planwirtschaft

Eigentum beinhaltet ein Nutzungsrecht

Eigentum ist prinzipiell für den Eigentümer mit dem Recht verbunden, über die Nutzung seines Eigentums selbst bestimmen zu können. Eigentümer von Produktionsfaktoren haben also das Recht, selbst darüber zu entscheiden, wie ihr Produktionsfaktor im Produktionsprozess eingesetzt wird. Dazu zählt auch das Recht, anderen (z. B. in einem Arbeits- oder Pachtvertrag) die Nutzung zu gestatten.

Kapitalistische Marktwirtschaft

In einem marktwirtschaftlichen System bestehen von vornherein klare Verhältnisse hinsichtlich des Eigentums an den Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital. Da dieses System auf der freien (und auch egoistischen) Entscheidung des Einzelnen beruht, bleibt es auch seiner eigenen, privaten Entscheidung überlassen, ob er „nur“ Eigentümer von Arbeitskraft bleiben will oder ob er einen Teil seines Arbeitseinkommens – sofern er dazu in der Lage ist – durch Konsumverzicht sparen, dadurch direkt oder indirekt zum Eigentümer von Boden und Kapital werden und über dieses Eigentum wiederum frei verfügen will, indem er es z. B. an seine Nachkommen vererbt. Das marktwirtschaftliche System ist also prinzipiell mit dem Privateigentum an sämtlichen Produktionsfaktoren verbunden. Man bezeichnet diese Eigentumsordnung auch als kapitalistisch. Als Idealtyp eines marktwirtschaftlichen Systems gilt demnach die kapitalistische Marktwirtschaft.

Sozialistische Zentralverwaltungswirtschaft

Auch in einem planwirtschaftlichen System sind die Eigentumsverhältnisse an den Produktionsfaktoren prinzipiell vorbestimmt, denn die zentrale, staatliche Entscheidungsgewalt kann eine private, von egoistischen Motiven geleitete Entscheidung über die Verfügung bzw. den Einsatz der Produktionsfaktoren im Produktionsprozess nicht dulden, da es sonst zu Konflikten zwischen den staatlichen, auf die Gesellschaft gerichteten Zielvorstellungen und den privaten Zielvorstellungen kommen kann, aber nicht muss. Es liegt daher nahe, dass das Eigentum an den Produktionsfaktoren – seit Abschaffung des Leibeigentums (Sklaventum) allerdings nur das Eigentum an den Produktionsfaktoren Boden und Kapital – in staatlichen Händen liegt (Kollektiveigentum). Man bezeichnet eine solche Eigentumsform auch als sozialistisch. Ein idealtypischer Gegensatz zur kapitalistischen Marktwirtschaft ist daher in der sozialistischen Zentralverwaltungswirtschaft zu sehen.

Situationsbezogene Antwort 4

Der von Fleischermeister Kutter hinzugezogene Unternehmensberater hat bei seinen Überlegungen zur Entwicklung eines praxistauglichen Organisationsschemas nicht nur die Frage zu klären, ob eine zentrale (zentralverwaltungswirtschaftliche) oder/und dezentrale (marktwirtschaftliche) Lenkung des Produktionsablaufs erfolgen soll, sondern hat auch die Frage zu beantworten, wer die Eigentümer der Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital sein sollen. Sollten Private ohne hoheitliche Befugnisse innerhalb oder/und außerhalb des Betriebes (kapitalistische Organisationsform) oder der Staat mit hoheitlichen Befugnissen (sozialistische Organisationsform) Faktoreigentümer sein?

Zunächst dürfte klar sein, dass der von Fleischermeister Kutter hinzugezogene Unternehmensberater die sozialistische Organisationsform nicht in seine Überlegungen einbeziehen wird, denn letztlich würde es ja dann um eine Verstaatlichung des Unternehmens gehen. Insofern dürften seine Überlegungen von vornherein kapitalistisch ausgerichtet sein. Beim Produktionsfaktor Arbeit ist dabei ebenfalls von vornherein klar, dass es nur eine Möglichkeit gibt, nämlich das alleinige Eigentum in Händen des Arbeitnehmers. Er selbst entscheidet darüber, ob und wie er seine, mit ihm untrennbar verbundene Arbeitskraft nutzen lässt. Diese Entscheidung ist an sich frei, steht allerdings unter dem Zwang, ohne eine Nutzung der Arbeitskraft auch kein Einkommen zu erzielen und damit die Güterversorgung nicht sichern zu können. Für Fleischermeister Kutter bzw. für seinen Unternehmensberater stellt sich also die Frage, wie er die für die Produktion notwendigen Arbeitskräfte mit einem Arbeitsvertrag am Arbeitsmarkt gewinnen kann.

Bei den Produktionsfaktoren Boden und Kapital sind dagegen kapitalistische Alternativen denkbar. Zunächst liegt der Gedanke nahe, dass der Unternehmensleiter, in unserem Fall also Fleischermeister Kutter, auch alleiniger Eigentümer des genutzten Bodens und Kapitals ist. Daraus würde folgen, dass er allein über den Faktoreinsatz und damit über den Betriebsablauf entscheiden könnte. Dies würde sich bereits ändern, wenn Teile des Faktoreigentums an Boden und Kapital z. B. innerhalb des Betriebes in den Händen von Arbeitnehmern oder außerhalb des Betriebes in den Händen von Geschäftsbanken, Aktionären etc. liegen. Solche Anteilseigner könnten dann über den Betriebsablauf zwangsläufig mitentscheiden. Im Kern geht es also bei der Frage nach den Faktoreigentümern von Boden und Kapital im Unternehmen um eine Finanzierungsfrage, nämlich um Eigen- oder/und Fremdfinanzierung. Auch auf diese Frage hat der von Fleischermeister Kutter hinzugezogene Unternehmensberater eine Antwort zu finden. Jedenfalls wird wiederum deutlich, dass die volkswirtschaftliche Frage, ob ein kapitalistisches Wirtschaftssystem mit Privateigentum an allen Produktionsfaktoren oder ein sozialistisches Wirtschaftssystem mit Staatseigentum (Kollektiveigentum) an den Produktionsfaktoren vorzuziehen ist und wie sie konkret ausgestaltet werden, im Kern auch eine betriebswirtschaftliche Frage ist, die möglichst ideologiefrei entschieden werden sollte.

Situationsbezogene Frage 5

Welche Vor- und Nachteile der beiden grundsätzlichen Organisationsformen wird der von Fleischermeister Kutter hinzugezogene Unternehmensberater bei seinen Überlegungen zur Entwicklung eines Organisationsschemas zu berücksichtigen haben und was folgt daraus für sein Beratungsergebnis?

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Janr və etiketlər

Yaş həddi:
18+
Litresdə buraxılış tarixi:
25 may 2021
Həcm:
478 səh. 47 illustrasiyalar
ISBN:
9783778314807
Müəllif hüququ sahibi:
Автор
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