Kitabı oxu: «5G-Wahnsinn»
Prof. Dr. Klaus Buchner / Dr. med. Monika Krout
5G-Wahn(sinn)
Die Risiken des Mobilfunks
Das gefährliche Spiel mit den Grenzwerten
Die strahlungsarmen Alternativen
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Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Prof. Dr. Klaus Buchner / Dr. med. Monika Krout
5G-Wahn(sinn)
Die Risiken des Mobilfunks
Das gefährliche Spiel mit den Grenzwerten
Die strahlungsarmen Alternativen
E-Book (epub): ISBN 978-3-86374-610-0
(Druckausgabe: ISBN 978-3-86374-608-7, 1. Auflage 2021)
Mankau Verlag GmbH
D – 82418 Murnau a. Staffelsee
Im Netz: www.mankau-verlag.de
Internetforum: www.mankau-verlag.de/forum
Lektorat: Julia Feldbaum, www.redaktionsbuero-feldbaum.de
Endkorrektorat: Susanne Langer-Joffroy M.A., Germering
Cover/Umschlag: Kathrin Steigerwald, Hamburg
Layout/Satz Innenteil: Mankau Verlag GmbH
E-Book-Herstellung und Auslieferung: Brockhaus Commission, Kornwestheim, www.brocom.de
Illustrationen: 10/11: Valmedia – stock.adobe.com; 13, 29, 37, 39, 63, 73, 196, 197: Mankau Verlag nach Vorlagen der Autoren; 32/33: kitawit – stock.adobe.com; 45, 52, 56: Monika Krout; 48/49: bluedesign – stock. adobe.com; 88/89: Emil – stock.adobe.com; 93 oben: Cornelia Waldmann-Selsam; 93 unten: Klaus Buchner; 99: Josef Altenweger; 101: Josef Hopper; 104/105: BillionPhotos.com – stock.adobe.com; 152/153: Zakhar Marunov – stock.adobe.com; 158/159: JEGAS RA – stock.adobe.com; 176/177: metamorworks – stock.adobe.com; 184/185: astrosystem – stock.adobe.com; 200/201: Jay – stock.adobe.com
Wichtiger Hinweis des Verlags:
Die Informationen und Ratschläge in diesem Buch sind sorgfältig recherchiert und geprüft worden. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autoren noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den hier erteilten praktischen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.
Inhalt
Vorwort
Grundlagen
Funkstrahlung
Pulsung
INFO Die wichtigsten Fachbegriffe und Einheiten
INFO Quellen von Funkstrahlung
Was ist neu bei 5G?
INFO Wie breitet sich die Strahlung einer Antenne aus?
Wirkung auf den Menschen
Erste Reaktionen
Wirkmechanismen der Funkstrahlung
INFO Öffnung der Calcium-Kanäle durch Änderung der Proteinfaltung
Funkstrahlung und ihre Wirkung auf den menschlichen Körper
Muskelzellen
Nerven
Mitochondrien
Entstehung aggressiver chemischer Verbindungen
Energiemangel
Immunsystem
Viren
Entzündungen
Blut-Hirn-Schranke
Krankheitsrisiken durch Funkstrahlung
Kombinierte Wirkung mehrerer Einflüsse?
Herzfrequenz (Puls)
Gehirn, gepulste Strahlung
Schlafstörungen
Fruchtbarkeit
Genschäden
Krebs
Vorzeitige Demenz
Schädigungen bei Kindern und Jugendlichen
Wann ist Funkstrahlung als Ursache einer Krankheit bewiesen?
Elektrohypersensibilität (EHS)
Weiße Zonen als mögliche Lösungen?
Medizinische Behandlungsziele
Beweisführung der EHS
Hilfreiche Maßnahmen bei starker Funkbelastung
Alternative Lösungsmöglichkeiten
Was ist bei 5G anders?
INFO Erkrankungen durch Funkbelastung
Schäden an der lebendigen Natur
Bakterien
Pflanzen
Insekten, insbesondere Ameisen und Bienen
Rinder und Schweine
Der Funk-Skandal: Wie die Behörden mit unserer Gesundheit umgehen
Die Anfänge
Wirtschaftsinteressen vor Gesundheitsschutz
INFO Grenzwerte in Deutschland
INFO Grenzwerte in anderen Ländern
Der Grenzwertvorschlag 2020 von ICNIRP
INFO Der ICNIRP-Grenzwertvorschlag von 2020 in Zahlen
Echte und „nützliche“ Wissenschaft
Das liebe Geld
Unverletzlichkeit der Wohnung
Vorsorgeprinzip
Verletzung von Grundrechten
Haftpflichtrisiko
5G und die Umwelt
Strom- und Rohstoffverbrauch
Satelliten
Datenschutz und Demokratie
Überwachung
Beispiele für die Verwendung der Daten
Legale Datensammlung durch Privatfirmen
Beeinflussung
Alternativen zum jetzigen Mobilfunknetz
Regeln ändern
Standorte optimieren
Lichttechnik
So können wir uns wirksam schützen
Wie kann sich eine Gemeinde gegen Funkmasten wehren?
Unsere Forderungen an die Politik
PRAXIS Wie kann man sich schützen?
PRAXIS Schutz durch bauliche Maßnahmen
Schluss
Anhang
Empfohlene Literatur
Endnoten
Stichwortregister
Vorwort
Funktechnik und speziell 5G verändern unser Leben. Um zu begreifen, was hier vor sich geht, muss man sowohl die Grundlagen dieser Technik als auch die medizinischen und rechtlichen Konsequenzen sowie die Wirkung auf die Umwelt einschätzen können. Niemand kann aber Experte auf all diesen Gebieten sein. Deshalb versucht das vorliegende Buch, wenigstens die wichtigsten Fakten für Laien verständlich darzustellen. Dabei wird zwangsläufig über einige Tatsachen unvollständig und stark vereinfacht berichtet. Unser Ziel bleibt aber, die Gefahren dieser Technik gut begründet darzustellen und die politischen Verstrickungen aufzuzeigen, die eine Abhilfe bisher verhindert haben.
Funkstrahlen werden auch vereinzelt zur medizinischen Behandlung eingesetzt, beispielsweise bei Alzheimer oder um das Knochenwachstum nach Brüchen anzuregen. Das ist aber nicht das Thema dieses Buchs.
Es kommt also darauf an, einen Überblick über das ganze Thema zu bekommen und die Zusammenhänge bewusst zu machen. Grundsätzlich bietet dieses Buch aber wenig Neues, außer bei der Begründung einiger biophysikalischer Wirkmechanismen der Funkstrahlung. Denn über alle diese Themen wurden schon Tausende von wissenschaftlichen Untersuchungen in den besten Fachzeitschriften veröffentlicht. Wir haben uns an die Probleme der Informationsübertragung gewöhnt und nehmen sie als notwendigen Preis für den Fortschritt in Kauf. Es geht uns wie in der bekannten Erzählung von dem Frosch, der sofort versucht wegzuspringen, wenn man ihn in heißes Wasser wirft. Er bleibt aber sitzen, wenn man ihn in kaltes Wasser setzt und es langsam erhitzt.
Viele der Erkenntnisse, über die in diesem Buch berichtet wird, stammen aus Tierversuchen. Natürlich sollte man sie soweit wie möglich durch andere Experimente ersetzen. Aber die bisher gewonnenen Ergebnisse nützen wenigstens bei dem Bemühen, der Aufklärung argloser Konsumenten zu dienen.
In den ersten Kapiteln sind manchmal sehr technische Erklärungen nötig. Die meisten davon sind in den Endnoten oder in den Kästen enthalten, manche aber natürlich auch im laufenden Text. Um einen ersten Überblick über das Thema zu bekommen, kann man diese Stellen einfach überlesen.
Dieses Buch wäre ohne die Unterstützung vieler Freunde nicht zustande gekommen. Es ist unmöglich, sie alle zu nennen, aber wenigstens Herrn Peter Hensinger (diagnose:funk) und Herrn Prof. Dr. Willi Mosgöller von der Medizinischen Universität Wien sei herzlich gedankt für die Informationen, die sie uns geliefert haben. Sie haben das Buch nicht gelesen und sind deshalb für eventuelle Fehler nicht verantwortlich. Sie haben uns aber erst auf viele Fakten aufmerksam gemacht, über die wir sonst nicht hätten berichten können. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag, der dieses Buch angeregt hat, und mit der Lektorin war trotz des engen Zeitplans immer sehr erfreulich und anregend. Auch unseren Familien, insbesondere Frau Rosemarie Buchner, sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Das Buch war in vielen Momenten des Entstehens eine große Herausforderung für sie.
Monika Krout und Klaus Buchner
im April 2021

Funkstrahlung
Wir sind überall von Strahlung umgeben: von radioaktiver Gammastrahlung, von Röntgenstrahlung, von Licht, Wärme und von Funkstrahlung. Das alles wird unter dem umständlichen Namen „elektromagnetische Strahlung“ oder „elektromagnetische Felder“ zusammengefasst. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass hier „Strahlung“ gleichzeitig auch „Welle“ bedeutet. Dieses Buch handelt von Funkstrahlen, also nur von künstlich erzeugten elektromagnetischen Wellen, deren Wellenlänge größer ist als die von Wärme, Licht, Röntgenund Gamma-Strahlung. Wir sind ständig von ihnen umgeben. Woher sie kommen, wird unter „Quellen von Funkstrahlung“ (siehe Seite 18 ff.) zusammengefasst. Natürlich gibt es auch andere Strahlung als die elektromagnetische, zum Beispiel die radioaktive Alpha-, Beta- und Neutronenstrahlung und die Gravitationswellen.
Heute werden praktisch alle Daten „digitalisiert“, also durch eine Folge von Nullen und Einsen dargestellt. Der Grund dafür ist, dass man sie so direkt in einem Computer bearbeiten kann. Zunächst werden die Schwingungen der Funkstrahlung in einer elektronischen Schaltung erzeugt, die „Oszillator“ genannt wird. Um die Nullen und Einsen der digitalen Daten durch Funkstrahlung zu übermitteln, gibt es mehrere Möglichkeiten. Am einfachsten ist es, bei einer Eins die im Oszillator erzeugte Welle anzuschalten und sie bei einer Null abzuschwächen oder ganz auszuschalten – siehe Bild 1 (Techniker bezeichnen das als eine Form der „Amplitudenmodulation“). Man kann aber auch bei einer Eins eine etwas höhere Frequenz und bei einer Null eine niedrigere senden. Die Stärke („Amplitude“) der Welle bleibt dabei unverändert. (Techniker nennen das „Frequenzmodulation“.) Schließlich kann man beispielsweise bei einer Eins von einem Wellenberg auf ein Wellental oder eine andere Stelle der Welle springen und bei einer Null die Welle einfach weiterlaufen lassen (Spezialfall einer sogenannten „Phasenmodulation“).
Bild 1 Verschiedene Möglichkeiten der Übertragung von Nullen und Einsen.
Außer den hier genannten gibt es noch weitere Methoden, Informationen durch eine Funkstrahlung zu übertragen. In allen Fällen muss der Empfänger wissen, welche von ihnen angewendet wird, und daraus die ursprüngliche Nachricht rekonstruieren.
Pulsung
Wenn man viele Daten in kurzer Zeit übertragen will, benutzt man gleichzeitig mehrere Wellen. Um sie zu koordinieren, verwendet man manchmal scharfe Impulse, die regelmäßig gesendet werden. Das bedeutet, dass die Strahlung für sehr kurze Zeit stärker ist als sonst. Solche Impulse werden auch für die Steuerung anderer Funktionen eingesetzt; wie das genau geschieht, ist bei jeder der Mobilfunk-Generationen – 2G bis 5G – unterschiedlich. Wichtig ist nur, dass Funkstrahlung sehr häufig gepulst ist, wobei die Pulse manchmal einen Abstand von mehr als einer Sekunde haben und manchmal weniger als ein Hundertstel einer Sekunde. Beispiele werden im Abschnitt „Gehirn, gepulste Strahlung“, siehe Seite 53 ff., diskutiert.
Da die Strahlung während eines Pulses sehr viel stärker ist als in der restlichen Zeit, durchdringen die Pulse leichter Mauern und andere Hindernisse. Daher ist es schwieriger, sich vor gepulster Strahlung zu schützen als vor ungepulster.
Hier ergeben sich schon die ersten Schwierigkeiten mit unseren Grenzwerten: Hat man einen kurzen, hohen Impuls, in der übrigen Zeit aber wenig Strahlung, so ist der Durchschnittswert der Strahlung über diese Zeit klein und der Spitzenwert groß. Die Grenzwerte berücksichtigen aber nur den Durchschnittswert, also im Vergleich zum Spitzenwert eine viel zu geringe Strahlung. (In Deutschland wird die Leistungsflussdichte über 6-Minuten-Intervalle gemittelt.) Wenn der Durchschnitt noch unterhalb der Grenzwerte liegt, kann der Spitzenwert bereits weit darüber sein. In der einschlägigen gesetzlichen Vorschrift, der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung, heißt es lediglich, dass der Spitzenwert der Strahlung das Tausendfache des Grenzwerts (der Leistungsflussdichte) nicht übersteigen darf!1
Wie falsch es ist, nur die Durchschnittswerte zu betrachten, kann man sich an einem einfachen, natürlich nicht vollständig übertragbaren Beispiel klarmachen. Was ist Ihnen lieber: wenn Sie Ihr Partner oder Ihre Partnerin drei Minuten liebevoll streichelt oder wenn Sie eine kräftige Ohrfeige bekommen? Der Durchschnittswert (des Drucks auf Ihre Haut) ist der Gleiche, aber der Spitzenwert und damit auch die „Wirkung“ unterscheiden sich erheblich.
INFO
Die wichtigsten Fachbegriffe und Einheiten
Elektromagnetische Strahlung wird manchmal in „ionisierende“ und „nicht-ionisierende“ Strahlung eingeteilt. Dabei bezeichnet man eine Strahlung als ionisierend, wenn sie in der Lage ist, Elektronen aus der Atomhülle herauszuschlagen. Das sind die radioaktive Gammastrahlung, Röntgenstrahlung, teilweise auch UV-Licht (UV-C) und bestimmte Teile der kosmischen Strahlung. Alle andere elektromagnetische Strahlung, insbesondere auch die uns hier interessierende Funkstrahlung, wird als nicht-ionisierend bezeichnet. Funkstrahlung kann sowohl als Welle als auch als Strahlung aufgefasst werden, die man sich als Strahl einzelner Teilchen vorstellt, die Photonen genannt werden. Das besagt der berühmte „Welle-Teilchen-Dualismus“. Eine Welle hat eine gewisse Höhe (oder Amplitude) und eine Wellenlänge. Eine dritte wichtige Größe beschreibt, wie oft sie in einer Sekunde schwingt. Diese Zahl nennt man Frequenz. Im Andenken an Heinrich Hertz, den Entdecker der Funkstrahlung, wird sie in Hertz angegeben, abgekürzt Hz. Dabei ist 1 Hz gleich 1 Schwingung pro Sekunde. Wir verwenden meist Gigahertz (GHz): 1 GHz bezeichnet eine Milliarde Schwingungen pro Sekunde. Häufig begegnet man auch der Bezeichnung Megahertz (MHz). 1 MHz bedeutet eine Million Schwingungen pro Sekunde.
Beispiel: Wenn sich eine Funkwelle in der Luft in 1 Sekunde 300.000 Kilometer fortbewegt und dabei 100.000 Schwingungen macht (also eine Frequenz von 100.000 Hz hat), dann legt sie bei einer Schwingung einen Weg von 300.000 km/100.000 = 3 km zurück. Die Wellenlänge ist dann 3 Kilometer.
Man sieht: Je höher die Frequenz, desto mehr Schwingungen müssen in die zurückgelegte Strecke passen, desto kleiner ist also die Wellenlänge. Ein paar Beispiele:
| Frequenz | Wellenlänge | |
| UKW-Rundfunk | 0,1 GHz | 3 m |
| Mobilfunk der 4. Generation (LTE), zu Beginn mit | 0,7 GHz | 43 cm |
| D-Netz | 0,9 GHz | 33,3 cm |
| E-Netz | 1,8 GHz | 16,7 cm |
| Mobilfunk der 3. Generation (UMTS), zu Beginn mit | 2 GHz | 15 cm |
| Neu versteigerte Frequenzen für 5G | 3,4–3,8 GHz | 7,8–8,8 cm |
| Künftige Frequenzen von 26 GHz für 5G | 26 GHz | 1,1 cm |
Für den Mobilfunk verwendet man Wellenlängen, die wesentlich kürzer sind als die für Rundfunk und Fernsehen. Deshalb spricht man hier auch von Mikrowellen, bei den höchsten Frequenzen auch von Millimeterwellen (ab 30 GHz, entsprechend einer Wellenlänge unter 1 cm).
Für die Diskussion der Funkstrahlung und ihrer Wirkungen sind noch zwei weitere Begriffe wichtig, die zwar einfach zu begreifen sind, aber mit sehr langen Wörtern bezeichnet werden: „Leistungsflussdichte“ und „Spezifische Absorptions-Rate“ oder kurz SAR.
Stellen wir uns einen runden Scheinwerfer vor, der einen Lichtkegel mit einer gewissen Leistung, sagen wir 100 W, erzeugt. Der Scheinwerfer hat einen Durchmesser von 10 cm, also eine Fläche von knapp 80 cm2. Unmittelbar am Scheinwerfer konzentriert sich das Licht auf diese Fläche; wir haben also eine „Leistungsflussdichte“ von 100 W/80 cm2 = 1,25 W/cm2. Weiter vom Scheinwerfer entfernt wird der Lichtkegel größer. Ist sein Durchmesser beispielsweise an einer Stelle 2 m, so ist dort die Leistungsflussdichte nur noch 100 W/3,14 m2 ≈ 32 W/m2 = 0,0032 W/cm2. Man sieht also, dass die Leistungsflussdichte in solchen Fällen sehr schnell mit dem Abstand abnimmt.
Es hat sich eingebürgert, nicht die Einheit W/cm2 zu verwenden, sondern W/m2. Weil 1 m2 10.000 cm2 hat, gilt natürlich: 1 W/cm2 = 10.000 W/m2. Aber 1 W/m2 ist eine sehr große Einheit. Deshalb verwenden wir meist ein Millionstel davon als Maß, in Symbolen µW/m2. Es gilt also 1 W/m2 = 1.000.000 µW/m2.
In der Literatur wird oft statt der Leistungsflussdichte die elektrische Feldstärke verwendet. Sie wird in Volt pro Meter, in Formeln V/m, gemessen. Ist man weit genug von der Antenne des Senders entfernt, gilt:
1 µW/m2 = 0,019 V/m
100 µW/m2 = 0,194 V/m
1.000 µW/m2 = 0,614 V/m
1 W/m2 = 1.000.000 µW/m2 = 19,42 V/m
4,5 W/m2 = 4.500.000 µW/m2 = 41,19 V/m
10 W/m2 = 10.000.000 µW/m2 = 61,4 V/m
Man beachte, dass die doppelte Feldstärke das Vierfache an Leistungsflussdichte ergibt und die zehnfache Feldstärke das Hundertfache. (Die Leistungsflussdichte I, gemessen in µW/m2, und die elektrische Feldstärke E, gemessen in V/m, lassen sich mit der Formel I = 2.652,52 E2 ineinander umrechnen. Diese Formel gilt aber nur im sogenannten Fernfeld, also weit genug von der Antenne entfernt.)
Trifft der oben erwähnte Lichtkegel auf eine Glasscheibe, passiert er diese ohne große Verluste. Dagegen wird sein Licht von einem massiven schwarzen, undurchsichtigen Körper vollständig verschluckt. Dabei wird seine Energie letztlich in Wärme verwandelt. Wie stark sich dieser Körper dadurch erwärmt, hängt von seiner Masse ab: Eine große Masse braucht viel Energie zum Aufheizen, eine kleine wenig. Deshalb ist es sinnvoll zu betrachten, wie viel Energie (oder Leistung) von einem Kilogramm absorbiert wird. Das ist die „Spezifische Absorptions-Rate“, abgekürzt SAR. Sie wird in W/kg gemessen. Würde man also nur die Wärmewirkung der Funkstrahlung betrachten, wäre der SAR-Wert ein geeignetes Maß. Für kleine mobile Sender wie Handys und Smartphones gilt in Deutschland der Richtwert von maximal 2 W/kg, wobei als absorbierende Masse das Ohr und der anliegende Teil des Gehirns gewählt wird.
Quellen von Funkstrahlung
Dieses Buch beschäftigt sich mit den Wirkungen von sogenannten „elektromagnetischen Wellen“, die als Funkstrahlung, Wärme, Licht, Röntgenstrahlen und radioaktive Gammastrahlung bekannt sind. Uns interessiert hier aber nur die Funkstrahlung, also elektromagnetische Wellen mit Schwingungszahlen (= Frequenzen) zwischen 100 kHz (d. h. 100.000 Schwingungen pro Sekunde) und 300 GHz (d. h. 300 Milliarden Schwingungen pro Sekunde).
Wir unterscheiden nicht zwischen Wellen und Strahlen (aufgrund des Welle-Teilchen-Dualismus in der Physik, siehe auch Seite 15). Die Begriffe „Funkstrahlen“, „Radiowellen“ und „Hochfrequenzwellen“ sind gleichbedeutend.
Mobilfunk-Türme
Übliche Sendeleistung für 2G bis 4G: 30.000–80.000 mW (d. h. 30–80 W). Diese Zahl täuscht aber, weil die Sendeleistung stark gebündelt wird. Würde man diese gebündelte Leistung rund um die Antenne abstrahlen, so bräuchte man oft mehrere Kilowatt (mehrere 1.000.000 mW).
Auch wenn keine Funkverbindungen für Mobilfunkgespräche oder Datenübertragungen genutzt werden, wird ein Signal gesendet, das von den Benutzern ständig empfangen werden kann und zur Organisation des Datenverkehrs dient.
In dicht besiedelten Gebieten und entlang wichtiger Straßen sollen Kleinstsender für 5G mit einer Sendeleistung von bis zu 10.000 mW (10 W) aufgestellt werden, und das in Abständen von 100–250 m. Ihre Leistung scheint zwar gering zu sein, aber auch hier gilt, dass trotzdem der geringe Abstand zu den Menschen von wenigen Metern zu einer starken Belastung führen kann.
Beim Mobilfunk unterscheidet man verschiedene Generationen:
→1G, die erste Generation, war noch analog und wurde schon 1958 als „öffentlicher beweglicher Landfunkdienst“ eingeführt. Ein Funkgerät kostete damals mehr als ein Kleinwagen.
→2G, auch GSM genannt, wurde in Deutschland am 1. Juli 1992 in Betrieb genommen. Mit ihm wurde der Mobilfunk für die breite Masse erschwinglich. In Deutschland arbeitet es auf den Frequenzen 0,9 GHz (D-Netz) und 1,8 GHz (E-Netz).
→3G oder UMTS begann in Deutschland im Jahr 2000 mit der Versteigerung der Frequenzen, ist aber erst seit 2004 kommerziell verfügbar. Es war von vorneherein so konzipiert, dass es mehrere Übertragungskanäle bündeln kann. Das ermöglichte Videotelefonie und ein schnelleres Herunterladen von Filmen. Am 30. Juni 2021 hat dieser Standard endgültig ausgedient.
3G nutzte in Deutschland zunächst Frequenzen um 2 GHz; später kamen weitere dazu, die aber unter 3 GHz liegen.
→4G oder LTE mit noch höheren Übertragungsgeschwindigkeiten startete in Deutschland im Jahr 2010 mit rund 0,7 GHz; auch hier kamen später höhere Frequenzen bis etwa 2,6 GHz dazu.
→5G begann im Jahr 2019 – 2G-, 3G- und teilweise auch 4G-Basisstationen werden Schritt für Schritt auf 5G umgerüstet.
Handys/Smartphones
Übliche maximale Sendeleistung (für 2G bis 4G): bis zu 2.000 mW (d. h. 2 W). Bei gutem Empfang wird diese Leistung heruntergeregelt.
Normalerweise hat auch ein nicht benütztes Smartphone recht häufig Kontakt mit dem Internet, z. B. um Updates durchzuführen oder Hintergrunddienste auszuführen. Die Funkkontakte werden deutlich weniger, wenn „mobile Daten“ ausgeschaltet werden, solange man sie nicht benötigt. Auch im Flugmodus funken einige Smartphones unter bestimmten Voraussetzungen, wenn er lediglich über die Schnell-Bedienungsleiste eingeschaltet wird. Sicher ist es, wenn man den Flugmodus über das Menü anschaltet.
Auch ein ausgeschaltetes Handy kann durch die Polizei ferngesteuert eingeschaltet werden. Obwohl das gesetzlich nur sehr eingeschränkt erlaubt ist, passiert es häufiger, als man vermuten würde (siehe z. B. stern.de vom 14. Juli 2007).
Schnurlostelefon (DECT)
Übliche Sendeleistung: 250 mW
Es stellt in vielen Wohnungen die stärkste Strahlungsquelle dar und reicht meist auch in die benachbarten Wohnungen. Die meisten Schnurlostelefone funken rund um die Uhr, auch wenn sie nicht benützt werden. Sie funken außerdem immer mit voller Leistung. Es gibt aber Modelle, bei denen sich diese beiden Funktionen abschalten lassen, die dann also nicht ständig funken und wenn, dann nur mit der benötigten Leistung.
Bei allen Funkquellen in der Wohnung (DECT, WLAN, funkende Strom-, Wasser-, Gas- und Heizungszähler) gilt: Auch wenn die Sendeleistung klein ist, verursachen sie meist eine sehr starke Strahlung, weil außer der Leistung auch der Abstand entscheidend ist. Innerhalb einer Wohnung beträgt die Entfernung zwischen der Funkquelle und den Menschen nur einige Zentimeter bis einige Meter, bei außen liegenden Quellen ist sie viel größer.
| Quelle | Entfernung | Belastung in µW/m2 |
| WLAN-Router | 0,2 m | 149.204 |
| 1,0 m | 12.838 | |
| 1,5 m | 1.009 | |
| 3,5 m | 566 | |
| Laptop | 0,5 m | 27.161 |
| 1,0 m | 2.650 | |
| Typisches Gerät mit WLAN (Client) | 0,2 m | 205.411 |
| 1,0 m | 8.216 |
Strahlenbelastungsspitzenwerte durch WLAN (2,45 GHz) Tabelle nach: Hensinger, Peter und Teuchert-Noodt, Gertraud (Hrsg.): Smart City, Digitale Bildung, Elektromagnetische Felder.2
WLAN
Übliche Sendeleistung: bei 2,4 GHz: 100 mW, bei 5–6 GHz: 200 mW und 1.000 mW. Künftig soll es WLAN bis zu 6,875 GHz geben.
Auch WLAN (engl. Wi-Fi; drahtlose Datenverbindung in den Wohnungen, auf öffentlichen Plätzen usw.) gehört in den Wohnungen zusammen mit den Schnurlostelefonen meist zu den stärksten Strahlungsquellen. Wenn man unbedingt eine Funkverbindung statt eines Kabels verwenden will, sollte man WLAN zumindest nachts abschalten.
Vorsicht! Viele WLAN-Router sind so voreingestellt, dass sie auch die angrenzenden Bereiche „mitversorgen“, dass sie also auch die Funkverbindung zu Geräten auf der Straße oder in angrenzenden Wohnungen herstellen. Selbst wenn der Router nachts abgeschaltet ist, kann es sein, dass er noch weiter funkt, um in der Umgebung WLAN zur Verfügung zu stellen. Das kann man jedoch bei den Einstellungen des Routers mit dem angeschlossenen Computer abstellen. Bei Updates wird diese Funktion aber meist automatisch wieder angeschaltet. Deshalb sollte man sie regelmäßig kontrollieren.
Bluetooth
Übliche Sendeleistung: bisher 1 mW; jetzt auch bis 100 mW Hier geht es um Funk für Kurzstreckenverbindungen, z. B. Funkmäuse, Funktastaturen, schnurlose Kopfhörer, Sportuhren (sogenannte Wearables) sowie körpernahe medizinische Überwachung. Hat man die Tastatur oder die Maus eines Computers auf dem Tisch, an dem man arbeitet, so wirkt die Strahlung direkt auf die Fortpflanzungsorgane. Ähnliches gilt übrigens, wenn man den Laptop auf dem Schoß hat und die Daten per WLAN oder Mobilfunk gesendet werden.
Mikrowellenherde
Sie arbeiten auf einer Frequenz von 2,45 GHz. Eigentlich sollten ihre Türen, die mit Metall hinterlegt sind, keine Strahlung nach außen lassen. Praktisch misst man aber trotzdem vor dem Herd immer eine beträchtliche Belastung. Deshalb ist es sinnvoll, während des Betriebs einen Abstand von ein bis zwei Metern einzuhalten. Eine Bemerkung am Rande: Die Proteine reagieren im Mikrowellenherd etwas anders als auf der Kochplatte (siehe „Proteinfaltung“, Seite 36/37). Daher schmecken bestimmte Speisen unterschiedlich, je nachdem, wo sie erhitzt wurden. Bei hart gekochten Eiern ist das besonders deutlich. Aber Vorsicht! Ein rohes Ei, das im Mikrowellenherd erhitzt wird, explodiert und verschmutzt dabei den Herd.
Babyphone
Die Geräte sollten, wenn überhaupt, im Abstand von einigen Metern von Babys und Kleinkindern aufgestellt werden. Beim Kauf eines Babyphons raten wir Ihnen nachzufragen, ob es dauerhaft oder nur im Bedarfsfall (beim Schreien) strahlt.
Funkende Heizungs-, Elektrizitäts-, Gas- und Wasserzähler
(sogenannte „Smart Meter“ oder „intelligente Zähler“)
Sie funken oft im Abstand von wenigen Sekunden. Ihre Leistung ist zwar sehr klein (meist im Milliwatt-Bereich), aber das ist nicht entscheidend. Wichtig ist, was beim Menschen ankommt. Wenn z. B. der Heizungszähler direkt neben dem Bett oder neben dem Arbeitsplatz angebracht ist, so kann wegen des geringen Abstands die Belastung durch die Strahlung erheblich sein.
Es gibt „intelligente“ Heizungszähler, die während des Ablesens ein Funksignal empfangen und daraufhin nur kurze Zeit senden, sonst aber nicht. Die Elektrizitäts- und Gaszähler müssen jedoch überhaupt nicht funken. Nach dem Gesetz3 muss immer eine nicht-funkende Alternative angeboten werden, etwa über eine Telefonleitung oder – weniger empfehlenswert – über Powerline.
Radar
Radar an Flughäfen und an militärischen Anlagen arbeitet meist mit sehr hohen Leistungen. Speziell militärisches Radar für bodennahe Überwachung führt oft noch in sehr großen Abständen zu erheblichen Schäden.
Für Radar werden sehr unterschiedliche Frequenzen genutzt. Die meisten davon liegen zwischen 2,3 und 11 GHz. Obwohl viele Breitband-Messgeräte Radar schlecht oder überhaupt nicht erfassen können, macht es manchmal elektrohypersensiblen Menschen sehr zu schaffen. Das gilt besonders im Anflugbereich von Flughäfen.
Radar, Bluetooth und andere Funkanwendungen in Autos
Viele Autos haben Seiten-, Abstands- und Rückfahrradar. Das trägt zweifellos zur Verkehrssicherheit bei. Nicht vergessen werden darf dabei aber die Funkbelastung der Fußgänger und Radfahrer am Straßenrand. Speziell Schwangere, Säuglinge in Kinderwagen und Kleinkinder sind stark betroffen. Noch schlimmer ist die Strahlung von selbstfahrenden Autos. Auch die Personen im Innenraum können gefährdet sein, denn die meisten Autos sind mit WLAN und Bluetooth ausgerüstet. Durch die Metallkonstruktion der Karosserie können „Brennpunkte“ der Strahlung entstehen, an denen sie besonders hoch ist. Das gilt übrigens auch für das Telefonieren mit Handys im Auto. Außerdem sei auf die Magnetfelder der Sitzheizungen hingewiesen, die zwar keine Funkstrahlung darstellen, aber in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden dürfen.
Heizungssteuerung, Rollläden etc.
Hier besteht eine Funkbelastung nur für die kurze Zeit der Steuerung. Deshalb geht von ihnen im Allgemeinen keine Gefahr aus.
RFID
Hier geht es ums Auslesen von Daten auf Gebrauchsartikeln, Pässen usw. ähnlich wie bei einem Strichcode. Oft sind die Schaltkreise in einem kleinen weißen Plastikteil untergebracht, auf dem oben der Strichcode aufgedruckt ist. Die meisten RFID-„Transponder“ sind passiv, senden also nicht. Auch hier dauert die Funkbelastung nur kurze Zeit. Daher besteht keine Gefahr für Gesunde. Das gilt aber nur, wenn man sich nicht längere Zeit neben einem Auslesegerät aufhält.4
Behördenfunk TETRA für Polizei, Feuerwehr, Krankenfahrzeuge usw.
Er strahlt immer, also auch dann, wenn keine Gespräche oder Daten übertragen werden (in Deutschland bei 0,391–0,395 GHz).
Richtfunk
Die Strahlenbelastung besteht nur in der Richtfunkstrecke und in deren unmittelbarer Umgebung. Sie trifft meist keine Gebiete, in denen sich Menschen aufhalten.
Satellitenfunk bei 5G
Beim Satellitenfunk hat das Handy meist keinen Kontakt mit dem nächsten Mobilfunkmast, sondern mit einem Satelliten, der sowohl die Signale an das Handy sendet als auch die des Handys empfängt. Satellitenfunk war immer schon in sehr einsamen Gegenden wie in Wüsten und auf Meeren üblich. Für 5G sind zurzeit rund hunderttausend Satelliten geplant; viele davon sind schon genehmigt. Jeder wird eine Leistung von bis zu 5 MW (fünf Millionen Watt) EIRP5 haben. Trotzdem ist die Strahlung eines einzelnen Satelliten auf der Erde so schwach, dass in den meisten Fällen spezielle Empfänger benötigt werden. Für die Belastung der Menschen ist letztlich entscheidend, wie viele Satelliten gleichzeitig unser Land überfliegen.
Bei einigen Firmen dienen die Satelliten für 5G nur für einen schnellen Kontakt der Basisstationen untereinander. Die Smartphones haben dann wie üblich nur Kontakt mit der nächsten Basisstation.
Powerline oder PLAN
Daten können auch über die normalen Leitungen des Hausstroms übertragen werden. Dabei werden die Kabel als eine Art Antenne für einen Kurzwellensender benützt. Auf diese Weise hat man zwar weniger Strahlung als etwa bei WLAN, trotzdem kann die Belastung erheblich sein.
Rundfunk, Fernsehen
Obwohl hier manchmal sehr hohe Leistungen (von einigen 100 Kilowatt, d. h. einigen 100.000 Watt) abgestrahlt werden, sind die Sender meist genügend weit von der Wohnbebauung entfernt. Das gilt leider nicht für einige neuere Anlagen in Wohngebieten, in deren Umgebung viele Krebsfälle beobachtet werden.
Was ist neu bei 5G?
5G wird als schnelles Internet mit extrem kleiner Verzögerung („Latenzzeit“) beworben. Außerdem soll es das „Internet der Dinge“ ermöglichen, bei dem jedes „Ding“ Informationen über seine charakteristischen Eigenschaften, seinen Standort usw. sendet. Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte es sinngemäß so aus: Jede Milchkanne solle mit dem 5G-Netzwerk verbunden werden. Technisch wird die höhere Geschwindigkeit der Datenübertragung unter anderem dadurch erreicht, dass nicht wie beim klassischen Rundfunk eine einzige Welle (Frequenz) verwendet wird, sondern ein „Band“ mit einem ganzen Bündel davon. Man spricht von einem Breitbandnetz. Da jede einzelne dieser Wellen eine bestimmte Mindeststärke haben muss, um sicher empfangen zu werden, strahlt eine Datenübertragung natürlich umso mehr, je mehr von diesen Wellen zu einem Band zusammengefasst werden, je „breiter“ also das Band ist. Daher ist es nicht verwunderlich, dass für 5G mehr Leistung nötig ist als bei den bisherigen Systemen 1G bis 4G. Das bestätigen auch die Messungen rund um 5G-Basisstationen.
Aufgrund seiner ausgefeilten Technik benötigt 5G zur Übertragung einer Nachricht, beispielsweise eines Bits, zwar weniger Sendeenergie als bisher, dafür laufen aber über eine 5G-Basisstation wesentlich mehr Daten, die gleichzeitig übertragen werden müssen. Man denke nur an das „Internet der Dinge“, bei dem möglichst jeder Gegenstand mit dem Internet verbunden werden soll. Die Daten müssen deshalb bei 5G in kürzerer Zeit, aber mit höherer Leistung des Senders übermittelt werden.
Diese ist so groß, dass sie nicht mehr in alle Richtungen abgestrahlt werden kann, wie das bei den früheren Generationen 1G bis 4G der Fall war. Das würde die Stromkosten zu sehr in die Höhe treiben. Stattdessen wird nur ein dünner Strahl auf den Nutzer gerichtet. Wenn sich dieser bewegt, muss ihm der Strahl natürlich folgen. Man spricht von einem „Bleistiftstrahl“, im Englischen „beam forming“. Die Bündelung wird dadurch erreicht, dass jeder Sender mehrere Antennen hat, deren Strahlen sich überlagern. Sie werden so gesteuert, dass sie sich dabei innerhalb des „Bleistifts“ verstärken und außerhalb abschwächen („Interferenz“). In diesem Strahl ist die Sendeenergie natürlich sehr hoch. Eine solche Antennenanlage kann verschiedene „Bleistifte“ senden und so gleichzeitig mehrere Nutzer bedienen. Diese Technik ist ein Spezialfall der „MIMO“-Technik (MIMO = Multiple Input, Multiple Output). Bei 5G wird sie aber nur angewendet, wenn die Frequenz über 2,5 GHz liegt.
Damit eine Verbindung zwischen der Basisstation und dem Nutzer überhaupt zustande kommt, werden mehrere Bleistiftstrahlen ständig sehr schnell über den ganzen Bereich gelenkt, der von der Basisstation versorgt wird.6 Sie suchen, ob ein Handy oder Smartphone mit ihnen Kontakt aufnehmen will. Das dauert nur wenige Millisekunden. Wenn man diesen Strahl messen will, benötigt man deshalb spezielle Geräte, die in so kurzer Zeit ansprechen. Natürlich wird das ganze Gebiet um die Basisstation herum von diesen sehr intensiven Strahlen jeweils kurze Zeit getroffen, ob man ein Smartphone benützt oder nicht. Der Unterschied in der Intensität der Strahlen zwischen dem „Leerlauf“, der immer zur Kontaktaufnahme mit möglichen Nutzern gesendet wird, und der maximalen Datenübertragung ist sehr groß und beträgt bis gut 1:260. Dadurch können die Daten sehr schnell übertragen werden.
Jede Mobilfunk-Basisstation kann gleichzeitig immer nur eine begrenzte Zahl von Kunden bedienen. Bei älteren Systemen waren das meist gut 60 Nutzer. Um alle Daten, auch die des Internets der Dinge, übertragen zu können, braucht man deshalb in Städten viele Basisstationen in kleinen Abständen, auf dem Land mit dünner Besiedelung dagegen solche mit größerer Reichweite.
Daher verwendet 5G drei verschiedene Frequenzbänder: Zunächst sollen alte Basisstationen von 2G, 3G und 4G auf die neue Technik 5G umgerüstet werden. Dabei werden die alten Frequenzbänder beibehalten. Außerdem werden die neu versteigerten Frequenzen zwischen 3,4 GHz und 3,8 GHz mit mittlerer Reichweite benutzt. Später kommt noch der Bereich um 26 GHz dazu. Bei diesen hohen Frequenzen liegt die Reichweite nur bei etwa 100–250 Metern, und das nur, wenn keine Bäume oder andere Hindernisse im Weg stehen. Wenn ihre Leistung unter 10 W bleibt, dürfen sie als „Kleinsendeanlagen“ überall ohne Genehmigung montiert werden. Nur der Besitzer des Grundstücks muss zustimmen. Um auch diese Hürde zu umgehen, werden sie oft an Straßenlaternen angebracht. Aus der geringen Sendeleistung darf man aber nicht schließen, dass sie gesundheitlich unbedenklich sind. Denn wegen der unmittelbaren Nähe ist die Bestrahlung der Passanten auf der Straße möglicherweise größer als durch einen starken Sender, der weiter entfernt ist.
INFO
Wie breitet sich die Strahlung einer Antenne aus?
Gibt es den „Regenschirm-Effekt“, der besagt, dass direkt unter der Antenne eines Mobilfunksenders die geringste Strahlung sei? Warum werden nicht alle Bäume in der Umgebung eines Funkmasts geschädigt?
Um diese Fragen zu beantworten, muss man die Ausbreitung der Strahlen um die Antenne kennen. Bei der bisherigen Technik für 2G bis 4G und bei den niedrigen Frequenzen von 5G braucht man drei Antennen, um das ganze Gebiet rund um die Basisstation zu bestrahlen. Jede davon „versorgt“ nur ein Drittel des Kreises um die Antennen, also einen Bereich von 120 Grad. Das kann man an den Sendemasten gut erkennen, auf denen die drei Antennen auf gleicher Höhe gegeneinander verdreht montiert sind. Baumschäden erwartet man nur im sogenannten Hauptstrahl, der senkrecht zu jeder von ihnen läuft.
Aber auch in Richtung des Hauptstrahls variiert die Strahlung stark: Direkt unter der Antenne ist die Funkbelastung meist am höchsten – auch wenn die Betreiber oft das Gegenteil behaupten. Den „Regenschirm-Effekt“ gibt es also nicht. Läuft man in Richtung des Hauptstrahls von der Antenne weg, so schwankt die Strahlung zwischen Maximal- und Minimalwerten.
Dabei sind die Maxima in der Nähe der Antenne die Stellen, an denen eine sogenannte „Nebenkeule“ der Strahlung auf die Erde trifft. Bei vielen innerstädtischen Masten hat man nach etwa 100 Metern wieder einen hohen Wert. Das ist die Stelle, an der der Hauptstrahl auf die Erde kommt. Von da an nimmt die Strahlung kontinuierlich (mit dem Quadrat des Abstands) ab. In weniger dicht besiedelten Gebieten und bei höheren Masten kann diese Entfernung wesentlich größer als 100 Meter sein, wenn ein größerer Umkreis um den Sender bestrahlt werden soll.
Da die Antennen innerhalb ihres Gehäuses ferngesteuert verstellt werden können, ist von außen nicht sichtbar, wo die Strahlung hoch und wo sie niedrig ist. Hier hilft nur eine Messung. Dabei spielt natürlich die Abschattung durch Bäume, Häuser und andere Dinge eine Rolle. Deshalb fallen bei der Messung die Maxima und Minima der Strahlung sehr unterschiedlich aus.
Bild 2 Verteilung der Sendeenergie in Hauptstrahl und Nebenkeulen; Antennenhöhe 10 Meter über dem Boden.

Bild 3 Gemessene Strahlung der Antenne von Bild 2 am Boden. Der Wechsel zwischen den Maxima und Minima durch die Nebenkeulen und den Hauptstrahl wird durch Abschattungen durch Bäume und Gebäude verzerrt.
Bei 5G hat man oft eine andere Abstrahl-Charakteristik: Dabei wird ein starker, schmaler Funkstrahl direkt auf den Nutzer gerichtet. Das wird im Abschnitt „Was ist neu bei 5G?“, siehe Seite 26/27, näher erläutert.

Erste Reaktionen
Wird irgendwo eine neue Sendeanlage errichtet, so spüren die meisten Menschen in der Umgebung keinerlei Beschwerden. Nur einige wenige bekommen schon nach Tagen Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, Nasenbluten usw. Bald können noch weitere Effekte dazukommen: Erschöpfung, Hautausschlag, Tinnitus oder unangenehme Erwärmung des Körpers ohne Fieber. Wie viele Menschen davon betroffen sind, lässt sich schwer feststellen, weil es sich um völlig unspezifische Beschwerden handelt, die nur mit großen Schwierigkeiten auf eine bestimmte Ursache zurückgeführt werden können. Allein für Kopfschmerzen gibt es zweitausend verschiedene Gründe. Ein Arzt, der keine Erfahrung auf diesem Gebiet hat, könnte sagen: „Sie sehen den Mast vor Ihrem Fenster. Deshalb regen Sie sich auf. Da ist es kein Wunder, dass Sie schlecht schlafen. Ihre Konzentrationsprobleme sind dann die Folge.“
Tatsächlich wird den Ärztinnen und Ärzten auf vielen Fortbildungskursen7 vorgetragen, dass Funkstrahlung unterhalb der Grenzwerte keine Gesundheitsschäden hervorrufen könne und dass diese Beschwerden rein psychisch bedingt seien. Folglich werden in solchen Fällen häufig Beruhigungsoder Schlafmittel verschrieben, eventuell sogar Psychopharmaka. Dass diese Beschwerden keineswegs psychisch bedingt sind – wenn das auch in einigen wenigen Fällen zutreffen mag –, sieht man daran, dass auch Tiere und Pflanzen beeinträchtigt werden, worüber später noch berichtet werden wird (siehe Seite 89 ff.). Und diese haben sicher keine psychischen Probleme, wenn sie einen Funkmast sehen. Leider bleibt es oft nicht bei diesen ersten Reaktionen. Die schlimmeren treten aber gewöhnlich erst nach einer Bestrahlung von mehr als zehn Jahren auf. Zum besseren Verständnis wird zuerst beschrieben, wie elektromagnetische Felder auf Lebewesen einwirken. Das kann auf mehrere unterschiedliche Weisen geschehen.
Wirkmechanismen der Funkstrahlung
Funkstrahlung greift lebendige Strukturen auf mehrere, unterschiedliche Weisen an. Unter ihnen ist die Öffnung der sogenannten „Calcium-Kanäle“ am besten untersucht. Deshalb ist ihr und ihren Folgen auch der größte Teil dieses Kapitels gewidmet. In der untenstehenden Aufzählung werden aber in den Ziffern 3 bis 7 noch weitere Wirkmechanismen kurz vorgestellt.
Die wichtigsten Bausteine von Pflanzen, Tieren und Menschen sind die (Körper-)Zellen. Sie werden von einer Zellmembran umschlossen. Innerhalb der Zelle gibt es einen Überschuss an negativ geladenen Teilchen, außen herrschen positiv geladene vor. Das sind vor allem Natrium-, Kalium- und Calcium-Ionen. Eine Änderung der Calcium-Konzentration in der Zelle kann beispielsweise zu Muskelkontraktionen, zur Synthese von Hormonen oder zu Nervenimpulsen führen. Calcium steuert auch die Biosynthese von Proteinen. Manchmal, beispielsweise, wenn ein Nervenimpuls erzeugt werden soll, strömen Calcium-Ionen in die Zelle. Dazu dienen die „Calcium-Kanäle“. Das sind „Röhren“ durch die Zellmembran, durch die die Calcium-Ionen von außen ins Innere der Zelle gelangen können. Sie sind normalerweise verschlossen, können aber durch Funkstrahlung geöffnet werden. Das wurde in mehreren Experimenten nachgewiesen.8 Dafür werden zwei Wirkmechanismen diskutiert:
Die Calcium-Kanäle werden durch „Schalter“ geöffnet, sodass Calcium in die Zelle einströmen kann. Normalerweise geschieht dies selten und nur, wenn die Zelle zu einer spezifischen Aktivität angeregt werden soll. Der „Schalter“ ist ein Sensor, der auf Änderungen der elektrischen Spannung reagiert. Man kann ihn sich als einen Stöpsel vorstellen, der unter normalen Umständen bei einer Änderung der Spannung angehoben wird und so die Calcium-Ionen passieren lässt. Er enthält vier schraubenförmige Abschnitte, die in den Calcium-Kanälen9 liegen. Jeder dieser schraubenförmigen Abschnitte hat an einem Ende fünf elektrische Ladungen, sodass insgesamt 20 Ladungen im Spiel sind. An ihnen greift die Funkstrahlung an, wenn das Handy sendet.
Außerhalb und innerhalb der Zelle und auch im Calcium-Kanal selbst gibt es freie Ionen, die auf die Spannungssensoren der Calcium-Kanäle wirken. Sie bewegen sich unter Funkstrahlung sehr langsam und nur unglaublich kurze Strecken von 10–11 bis 10–12 m.10 Trotzdem zeigen Berechnungen,11 dass bei gepulsten Wellen unter Umständen schon eine sehr schwache Strahlung von weniger als 0,003 µW/m2 genügt, damit der Kanal aufgeht und Calcium in die Zelle einströmt. Dieser Wert hängt ganz wesentlich von der Pulsung ab. Bei ungepulsten Wellen bräuchte man erheblich stärkere Strahlung. Außer der Funkstrahlung können auch Magnetfelder diesen Effekt auslösen: Magnetfelder entstehen unter Hochspannungsleitungen und, wenn ein Handy benutzt wird, durch die Pulsung.12
Es gibt noch einen weiteren Mechanismus, wie Calcium-Kanäle durch Funkstrahlung geöffnet werden können: Wir wissen, dass viele Proteine ihre biologische Wirksamkeit nicht nur durch ihre chemische Zusammensetzung erreichen, sondern auch durch ihre spezielle Form. Das wurde oben anhand der schraubenförmigen „Schalter“ in den Calcium-Kanälen gezeigt. Die Gestalt der Proteine wird meistens durch sogenannte „Wasserstoffbrücken“ gehalten. Das heißt, dass die elektrischen Ladungen in den Proteinen nicht gleichmäßig verteilt sind. Dabei ziehen sich positive und negative Ladungen an und halten den entsprechenden Abschnitt des Proteins in Form. In der Pionierarbeit von Henrik und Jakob Bohr13 wurde nachgewiesen, dass Mikrowellen diese sehr schwache Anziehungskraft aufbrechen können. Das passiert auch bei den schraubenförmigen „Schaltern“ in den Calcium-Kanälen, die dann ihre Steifigkeit verlieren und den Weg ins Innere der Zelle freigeben. Nach der sehr groben Abschätzung zum Thema „Öffnung der Calcium-Kanäle durch Änderung der Proteinfaltung“ (siehe Seite 40 f.) braucht man mindestens 2,5 W/m2, um dadurch die Öffnung der Calcium-Kanäle zu bewirken – möglicherweise in einigen Situationen auch wesentlich mehr. Bedenkt man aber, dass der ICNIRP-Grenzwertvorschlag14 von 2020 Teilkörperbestrahlungen bis zu 100 W/m2 (an absorbierter Leistung) zulässt, so muss die Proteinfaltung auf jeden Fall berücksichtigt werden.
Bild 4 Funkstrahlung kann die Struktur von Proteinen verändern.
Die Proteine müssen jedoch nicht sofort ihre Gestalt verlieren. Es kann sein, dass sie sich nur unverändert bewegen und dabei einige Mikro-Strukturen (z. B. im Cytoskelett) ändern.15 16
Die bisher genannten Mechanismen bewirken die Öffnung von Calcium-Kanälen.17 Das ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, Zellen oder Gewebe zu schädigen:
Durch die Funkstrahlung werden Spannungen kurz unter der Haut induziert.18 Außerdem erzeugt das elektrische Feld der Strahlung Ströme im Gewebe.19 Dabei ist zu beachten, dass diese Ströme in nicht-linearen Übertragungswegen laufen und dabei zum Teil gleichgerichtet werden. Obwohl in der Endnote gezeigt wird, dass die so erzeugten Stromdichten von einigen zig µA/mm2 sehr klein sind, können sie doch möglicherweise bei der Signalübertragung zwischen den Zellen durch die „Membran-Nanokanäle“20 eine Rolle spielen.
Außer diesen spielen noch weitere Mechanismen eine wichtige Rolle: Die Lebensdauer von Paaren Freier Radikale (siehe Bild 5) kann verlängert werden, wenn zusätzlich zur Funkstrahlung noch ein schwaches Magnetfeld wie das der Erde vorhanden ist.21 22 Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie schädliche Reaktionen hervorrufen.
Außerdem kann die Zähigkeit des Wassers (Viskosität) durch Funkstrahlung erniedrigt werden. Auch das wurde schon unterhalb unserer Grenzwerte nachgewiesen, nämlich bei 0,45 GHz und 24,6 V/m.23 Damit werden die so wesentlichen Diffusionsprozesse im Körper verändert.
Schließlich darf nicht vergessen werden, dass bei Frequenzen von einigen GHz Körperteile, beispielsweise ein Finger, mit einer Ausdehnung von einem Viertel der Wellenlänge, also in Dezimeter- und Zentimeterbereich, als effektive Antennen wirken und so mehr Energie aufnehmen, als man vielleicht erwarten würde.
Für hohe Frequenzen spielen noch weitere Effekte eine Rolle, die im Abschnitt „Was ist bei 5G anders?“ (Seite 82 ff.) näher beschrieben werden.
Zurück zur Öffnung der Calcium-Kanäle: Die Calcium-Ionen im Inneren der Zelle lösen eine Reihe von Reaktionen aus: Sie neutralisieren zum Teil die negative Ladung, die dort vorhanden ist. Bei Nervenzellen kann dadurch ein Nervenimpuls ausgelöst werden, bei Muskeln kann es zu Kontraktionen kommen. Außerdem verursachen sie über mehrere Zwischenschritte die Entstehung von aggressiven chemischen Verbindungen wie „reaktive Sauerstoff-Spezies“, ROS, und reaktive Stickstoffverbindungen, ausgehend von Stickstoffmonoxid NO und seinen Folgeprodukten wie zum Beispiel ONOO–.24 Sie sind die Ursache für den „Oxidativen Stress“ der Zellen.
Bild 5 Wirkung der Funkstrahlung auf die Calcium-Kanäle und die Folgen – nach einer Idee von Pall (2019).
Die Kenntnis dieser Reaktionen ist aber im Folgenden nicht nötig. Trotzdem werden hier wenigstens die wichtigsten Schritte angegeben:
Das Einströmen von Calcium in die Zellen durch Funkstrahlung ist in vielen wissenschaftlichen Arbeiten sehr gut dokumentiert.25 Sogar die beratende Expertengruppe BERENIS der Schweizer Regierung hat die Folge davon, nämlich den Oxidativen Stress, anerkannt, insbesondere auch, dass Oxidativer Stress die Ursache einer Palette entzündlicher Erkrankungen ist.26 Wenn ein großer Teil des Calciums in die Zellen fließt, fehlt es natürlich in den Bereichen zwischen den Zellen. Das kann schlimme Konsequenzen haben. Bei einer Bekannten kommt es zu einem lebensgefährlichen Calcium-Mangel im Blut, sobald sie Funkstrahlung ausgesetzt ist. Einige Zeit nach ihrer Rückkehr in ein besonders funkarmes Gebiet normalisiert sich ihr Calcium-Spiegel wieder. Diese Beobachtung hat sie wiederholt machen müssen.
INFO
Öffnung der Calcium-Kanäle durch Änderung der Proteinfaltung
In diesem Abschnitt wird eine sehr grobe zahlenmäßige Abschätzung angegeben, welche Leistungsflussdichten nötig sind, um die Proteinfaltung zu ändern. Dabei ist zu beachten, dass speziell bei höheren Frequenzen die Funkstrahlung nicht tief in das Gewebe eindringt und daher die gesamte eingestrahlte Energie in einer dünnen Schicht unter der Haut absorbiert wird. Dort treten dann große Belastungen auf. Es können aber auch Brennpunkte („hot spots“) mit hohen Energiedichten entstehen. Deshalb sind keine genauen Angaben darüber möglich, bei welcher Einstrahlung eine Aufweichung der Proteinfaltung erfolgen kann. Hier geht es nur um eine Abschätzung der Größenordnung.
Die Funkstrahlung kann zunächst die Proteine zu Schwingungen anregen,28 die dann eventuell zum Aufreißen der Helices führen. Die Bindungsenergie der Wasserstoffbrücken in den S4-Helices beträgt etwa 2,5 x 10–20 Joule.29 (Hier und im Folgenden stehen J für Joule = Wattsekunde, ms für Millisekunde und nm für Nanometer.) Für die Einwirkung der Funkstrahlung kann 1 Millisekunde als typische Zeit für Prozesse in der Zelle eingesetzt werden. Die Höhe der Helix ist etwa gleich der Dicke der Zellmembran, also etwa 10 nm = 10–8 m, ihr Durchmesser wird als 1 nm angenommen.
Um die Wasserstoffbrücke aufzubrechen, braucht man eine eingestrahlte Energie, die mindestens so groß ist wie die Bindungsenergie. Da die Energie gleich der eingestrahlten Leistung mal der Zeit ist und die Strahlung von einer Fläche absorbiert wird, die dem Querschnitt der Helix entspricht, erhält man:
Leistungsflussdichte = Bindungsenergie / (Fläche x Zeit)
= 2,5 x 10-20 Ws / (10-8 m x 10-9 m x 10-3 s)
= 2,5 W/m2
Das bedeutet, dass ab einer Leistungsflussdichte von etwa 2,5 W/m2 die Wasserstoffbrücken in den Helices der Kanalproteine („Schalter“) aufgeweicht werden können. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Bindungslänge der Wasserstoffbrücken von etwa 0,18 nm wesentlich kleiner ist als die Höhe der Helices, was in diesem sehr groben Modell zu einer Erhöhung der nötigen eingestrahlten Leistung führen könnte. Andererseits wurden die Eigenschaften der Umgebung der Brücken (insbesondere das Verhalten im elektrischen Feld, nämlich die sogenannte Dielektrizitätskonstante) nicht berücksichtigt, was dieses Ergebnis ebenfalls beeinträchtigt. Für eine genauere Aussage sind daher umfangreiche Untersuchungen nötig.
Wichtig ist hier nur, dass die vorübergehende oder dauerhafte Auflösung der Form der Helices in einem Bereich stattfindet, der mit den heutigen Grenzwerten erreicht werden kann.
Es ist unmöglich, hier alle Folgen aufzuzählen, die durch das Einströmen von Calcium in die Zellen entstehen.27 Im nächsten Abschnitt werden die wichtigsten davon genannt (beispielsweise verminderte Hormonproduktion), ohne auf die Krankheiten und Beeinträchtigungen einzugehen, die sich daraus ergeben (beispielsweise verminderte Fruchtbarkeit). Diese sind das Thema des nächsten Kapitels (Seite 49 ff.). Dort werden auch Folgen von Funkstrahlung erwähnt, die nicht oder nicht direkt mit Calcium in Verbindung stehen. Einen Überblick über diese Krankheiten finden Sie unter „Erkrankungen durch Funkbelastung“ (siehe Seite 83 ff.). Im Übrigen wird auf die Literaturauswahl am Ende des Buches verwiesen.
Funkstrahlung und ihre Wirkung auf den menschlichen Körper 30
Viele Krankheiten oder Beeinträchtigungen, die durch elektromagnetische Wellen hervorgerufen werden, lassen sich auf gemeinsame Schädigungsmechanismen zurückführen. Die wichtigsten davon sind:
Muskelzellen
Zu viel Calcium in den bestrahlten Zellen und als Folge davon zu wenig Calcium an anderen Stellen kann zu neuromuskulärer Übererregbarkeit führen und damit zu weitreichenden Folgen für den Körper:
Der Herzmuskel verspannt. Auch Herzrasen kann eine Folge sein, die nicht selten bei elektrohypersensiblen Menschen auftritt.
Zudem kann es dazu kommen, dass die Blutgefäße kontrahieren, wodurch der Durchfluss des Bluts verringert wird. Dadurch kann eine Mangeldurchblutung von Organen wie Nieren, Leber, Bauchspeicheldrüse, aber auch des Gehirns und der Herzkranzgefäße entstehen.
Wegen schlechterer Durchblutung der Haut, die durch die Engstellung der Blutgefäße entsteht, kommt es zu Jucken, Brennen und Rissen in der Haut.
Auch die Nackenmuskeln können verspannen, was unter anderem zu Fehlhaltung, Tennisarm, Kopf- und Rückenschmerzen führen kann.
Je nachdem, welche Teile des Körpers von der Strahlung getroffen werden, und je nach ihrer Empfindlichkeit können auch andere Muskeln betroffen sein.
Nerven
Die Öffnung der Calcium-Kanäle kann Nervenimpulse erzeugen oder hemmen: Wird eine Nervenzelle erregt, bedeutet das, dass sie einen elektrischen Impuls weiterleitet. Durch dieses elektrische Signal werden an ihrem Ende die Calcium-Kanäle geöffnet. Dadurch werden Botenstoffe (Neurotransmitter) freigesetzt, die die Zelle verlassen. Sie docken an der nächsten Nervenzelle an und verursachen dort die Öffnung verschiedener Ionen-Kanäle. Das erzeugt eine Änderung der elektrischen Spannung, also einen Impuls, der diese Nervenzelle erregt und so das Signal weiterleitet.
Es ist daher offensichtlich, dass die Öffnung der Calcium-Kanäle durch Funkstrahlung die Nerven erregen kann. Handelt es sich beispielsweise um einen „Schmerznerv“, so meldet dieser einen Schmerz ans Gehirn. Vermutlich ist das auch die Ursache für die oft unerträglichen Kopfschmerzen elektrohypersensibler Menschen.
Auch die vermehrte Produktion wichtiger Neurotransmitter durch Funkstrahlung wurde experimentell bestätigt.31 Besorgniserregend ist hier die Tatsache, dass sich der Adrenalin-, Noradrenalin- und Dopamin-Spiegel erst nach etwa eineinhalb Jahren wieder normalisiert.
Funkstrahlung kann aber auch das Gegenteil bewirken, nämlich die Signalübertragung behindern oder sogar unterbrechen.32
Mitochondrien
Die Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Ein erhöhter Calcium-Spiegel lässt dort einen Überschuss an aggressiven Sauerstoffverbindungen (ROS)33 entstehen. Das führt zu Oxidativem Stress, denn diese Verbindungen sind äußerst reaktiv und greifen auch andere Teile der Zelle an, wie ungesättigte Fettsäuren, Proteine, die Erbsubstanz DNA und vor allem die Zellmembranen. Die Folgen können unter anderem chronische Krankheiten, Erbschäden und die Entstehung von Krebs sein. Außerdem können Sauerstoffmangel und vorzeitiger Zelltod auftreten. In einer gesunden Zelle stehen dagegen die ROS im Gleichgewicht mit reduzierenden Stoffen, was letztlich ihre schädlichen Wirkungen neutralisiert.
Entstehung aggressiver chemischer Verbindungen
Ein Überschuss von Calcium-Ionen in den Zellen lässt auch Stickstoff-Monoxid (NO) entstehen, das unter anderem die Produktion von Hormonen stört. Hauptursache für weitere Schäden ist die Bildung von aggressiven Stoffen wie ONOO–, das die Zellen angreift und damit sogar Genschäden verursachen kann.34 Lagert es sich in den Mitochondrien an, hemmt es den Energiestoffwechsel. Beobachtungen zufolge werden die Schäden durch Funkstrahlung erheblich schlimmer, wenn eine hohe Schwermetallbelastung vorliegt. Da Letztere ebenfalls die Mitochondrien schädigen, ist es verständlich, dass sie dort die Wirkung von Funkstrahlung verstärken.
Energiemangel
Funkstrahlung erzeugt auf mehrere Weisen Energiemangel in den Zellen. Das fängt damit an, dass in der Lunge die roten Blutkörperchen den Sauerstoff schlechter aufnehmen können. Dafür ist das Hämoglobin verantwortlich, das dort den Sauerstoff an sich bindet. Durch Bestrahlung ändert sich seine (tertiäre) Struktur mit der Folge, dass es in der Lunge den Sauerstoff deutlich schlechter aufnimmt.35
Ein zweiter Effekt ist, dass der Sauerstoff an der Oberfläche der roten Blutkörperchen gebunden wird. Eine schwache elektrische Ladung auf diesen Oberflächen sorgt dafür, dass sich die Körperchen gegenseitig abstoßen und so die Oberflächen für den Sauerstoff frei zugänglich sind. Unter dem Einfluss von Funkstrahlung verschieben sich die Ladungen, und die roten Blutkörperchen kleben aneinander. Das zeigt Bild 6. Selbst wenn dort in den bestrahlten Proben wegen der fehlenden Abstoßung mehr rote Blutkörperchen zu sehen sind, ist ihre freie Oberfläche für die Bindung von Sauerstoff geringer geworden. Dadurch wird ihre Fähigkeit, Sauerstoff zu transportieren, stark eingeschränkt.
Bild 6 Das Blut eines gesunden Probanden wurde in einem abgeschirmten Raum des Hauses entnommen und in drei gleiche Mengen aufgeteilt. Eine davon (linkes Bild) verblieb im Raum, die zweite (mittleres Bild) wurde 30 Minuten der Strahlung eines nahen Mobilfunkmasts mit durchschnittlich 3.000 µW/m2 ausgesetzt, und die dritte (rechtes Bild) ebenso lang in das Strahlungsfeld eines WLAN-Routers verbracht, wo 121 µW/m2 gemessen wurden. Danach wurden alle drei Proben im Dunkelfeldmikroskop fotografiert. Man beachte, dass sich die bestrahlten roten Blutkörperchen in den Proben aus einem weiten Bereich zusammenziehen, verklumpen und dadurch in größerer Zahl im Mikroskop sichtbar sind.
Wie oben dargelegt, können die Muskelkontraktionen zu einer Beeinträchtigung der Herzfunktion und der Blutgefäße führen. Dadurch verschlechtert sich der Transport des Bluts. Außerdem hemmt das Stickstoff-Monoxid den Energiestoffwechsel in den Mitochondrien. Ein Leistungsabfall durch Bestrahlung kann also auf vier verschiedenen Wegen – Strukturänderung des Hämoglobins, Geldrollenbildung, Muskelkontraktionen bei Herz und Kreislauf und schließlich durch Stickstoff-Monoxid – entstehen, die im schlimmsten Fall alle zusammentreffen.
Immunsystem
Das Immunsystem wird durch Funkstrahlung zunächst angeregt, längerfristig hemmt sie es dagegen. Diese gerade in Zeiten einer Pandemie wichtige Tatsache wurde in vielen wissenschaftlichen Arbeiten untersucht.36 37 38 39 40
Viren
Viren können sich nur im Inneren von Zellen „replizieren“, also vermehren. Einige gelangen durch die Calcium-Kanäle dorthin. Funkstrahlung öffnet die Kanäle und nimmt so den Viren „die Arbeit ab“, dies selbst zu tun. Obwohl dazu nur wenige Experimente bekannt sind,41 muss man davon ausgehen, dass Funkstrahlung (zumindest in einem bestimmten „Energiefenster“) die Verbreitung von Viren fördert. Gut dokumentiert ist aber eine Folgerung daraus: Durch die Blockierung der Calcium-Kanäle können viele der entsprechenden Erkrankungen behandelt werden. Bisher war das beim Schweine-Delta-Coronavirus, Ebola-Virus, Zika-Virus und beim Influenza-A-Virus erfolgreich.42 43 44 Natürlich ist das noch kein Beweis, sondern nur ein Hinweis auf die Wirkung der Funkstrahlung. Aber auf jeden Fall greift diese Behandlung auch, wenn die Viren mutieren, was laufend passiert.
Entzündungen
Entzündungen werden durch Funkstrahlung gefördert. Das lässt sich leicht durch die veränderte Zahl an Leukozyten feststellen.45 Saba Shahin und Mitarbeiter finden bei trächtigen Mäusen Entzündungen bereits bei einer täglichen Bestrahlung von 2 Stunden über 45 Tage mit 335.000 µW/m2 und 2,45 GHz.46 47 Dass Funkstrahlen auch Entzündungen hervorrufen können, wurde in der oben zitierten Stellungnahme von BERENIS, einem Beratergremium der Schweizer Regierung, anerkannt.
Blut-Hirn-Schranke
Das Blut enthält viele Stoffe, die nicht ins Gehirn gelangen dürfen. Das sicherzustellen ist die Aufgabe der Blut-Hirn-Schranke. Sie ist eine Barriere zwischen den Blutgefäßen und dem Hirn, die alle schädlichen Stoffe zurückhält. Ähnliche Schranken gibt es an mehreren Stellen im menschlichen Körper, beispielsweise gibt es eine Blut-Hoden-Schranke und eine Schranke in der Plazenta (Mutterkuchen), die den Embryo vor den Abbauprodukten im Blut der Mutter schützt. In vielen Experimenten an Ratten wurde nachgewiesen, dass Funkstrahlung unter gewissen Umständen die Blut-Hirn-Schranke öffnet.48 Der Mechanismus, der dem zugrunde liegt, ist gut erforscht.49
Bei diesem Effekt gibt es ein „Energiefenster“, das heißt, er tritt am stärksten schon bei einem Tausendstel W/kg auf; bei stärkerer Bestrahlung ist er weniger ausgeprägt. Ein Tausendstel W/kg hat man bei einem Mobiltelefon schon in etwas mehr als einem Meter Abstand. Der genaue Wert hängt natürlich von der Sendeleistung, also vom Abstand zur nächsten Basisstation ab. Das bedeutet, dass bei einem Mobiltelefonat die umstehenden Personen geschädigt werden können.
Das ist für Schwangere besonders wichtig. Denn man muss davon ausgehen, dass die Plazenta-Schranke ähnlich reagiert wie die Blut-Hirn-Schranke.
Diese Ergebnisse wurden von Betreiberseite heftig angegriffen. Dabei scheute man sich nicht, gefälschte Studien vorzulegen.50 Nachdem der Betrug bekannt wurde, musste man aber die Richtigkeit der Ergebnisse akzeptieren.

Die Wirkungen von Funkstrahlung auf den Menschen werden in mehreren sehr guten Schriften zusammengefasst, in denen man auch die entsprechenden Literaturangaben findet. Hier sei besonders das Heft „5G als ernste globale Herausforderung“51 von Martin Pall erwähnt. Außerdem sei auf den Bioinitiative Report von 2012,52 auf den Überblick von Isabel Wilke53 und auf die Literatur bei diagnose:funk54 hingewiesen. Die biochemischen Aspekte werden bei Igor Yakymenko et al.55 dargestellt; eine fast vollständige Liste von Veröffentlichungen findet man bei emfdata.org56 und emf-portal.org.57 Die Literaturangaben zu den folgenden speziellen Themen sollen dagegen im Regelfall nur die historischen Zusammenhänge erläutern.
Kombinierte Wirkung mehrerer Einflüsse?
In diesem Buch werden nur Erkrankungen besprochen, die durch Funkstrahlen allein ausgelöst werden können. Über die Kombinationswirkung von Funkstrahlung mit anderen schädlichen Einflüssen ist bisher noch wenig bekannt. Aber es fällt auf, dass sehr viele elektrohypersensible Menschen gleichzeitig eine Vorbelastung durch Schwermetalle haben, beispielsweise durch Amalgam in Zahnfüllungen. Bekannt ist auch der Einfluss schwacher Magnetfelder, die sich auf den Spin Freier Radikale auswirken,58 59 und das Zusammenwirken von Radarstrahlen mit Radioaktivität.60 Von den wenigen Untersuchungen, die das Zusammenwirken von Funkstrahlung mit anderen Einflüssen diskutieren, seien hier noch die Arbeit von Ronald N. Kostoff et al.61 und die darin zitierte Literatur erwähnt. Außerdem beschreibt Dimitris J. Panagopoulos die Kombination von UMTS-Strahlung weit unterhalb des Grenzwerts mit sehr hohen Dosen von Koffein – ein Gedanke, den man spontan wohl eher als seltsam abtun würde, wären das nicht harte experimentelle Fakten.62
Herzfrequenz (Puls)
In Nordrhein-Westfalen gibt es einen Waldweg und einen Dorfweg, auf denen eine sehr geringe Funkstrahlung gemessen wird. Nur an wenigen Stellen strahlt ein Funkturm ein, der aber verdeckt ist und deshalb von Fremden nicht wahrgenommen werden kann. Auf diesen Weg wurden im Lauf der Zeit über 500 ortsfremde Besucher mit einem Dosimeter und einem Messgerät für den Puls geschickt. Manchmal wurden sie auch von Tieren (z. B. Lamas) begleitet, deren Puls ebenfalls gemessen wurde. Das Ergebnis für einen der Spaziergänger zeigt Bild 7.
Bei allen anderen und bei den Tieren war es ähnlich. Dabei ist bemerkenswert, dass selbst bei diesen relativ schwachen Feldern von maximal 1.000 µW/m2 ausnahmslos alle Besucher mit einer Erhöhung des Pulses reagierten. Erstaunlich ist auch, wie schnell der Puls selbst auf sehr kurze Bestrahlung reagierte. Meist dauerte es weniger als eine Minute.
Dabei erhöht Funkstrahlung die Herzfrequenz nicht immer. Wenn die Strahlung an anderen Organen auftrifft, senkt sie sie.63 Dass Funkstrahlung sich so stark auf den Herzschlag auswirkt, hat seinen Grund darin, dass dieser durch Schrittmacherzellen im Sinusknoten des Herzens gesteuert wird. Sie haben eine hohe Dichte an spannungsgesteuerten Calcium-Kanälen.
Bei Funkbestrahlung ändert sich aber auch die Herzratenvariabilität, d. h. die natürliche Variation der Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Herzschlägen. Für die Menschen ist eine gewisse Variabilität lebenswichtig. Sie ermöglicht, dass man sich schnell auf neue Situationen wie körperliche und psychische Belastung einstellen kann. Bei Bestrahlung verringert sie sich. Ein Techniker würde sagen, die Herzschläge werden durch die Funksignale synchronisiert. (Die Erklärung dafür wird in dem Buch von Hans-Christoph und Ana Scheiner64 gegeben: Selbst schwache Funkstrahlung kann den Adrenalin- und Noradrenalinspiegel erhöhen.65 Dadurch wird die Aktivität des „Sympathikus“ verstärkt, die das Verhalten unter Stress regelt, und die Aktivität des Gegenspielers „Parasympathikus“ gedämpft.)
Bild 7 Unten: Funkbelastung; sie stammt ausschließlich von GSM-900, außer den schmalen Spikes um 17:43:30, 17:46:30 und 17:57:30 Uhr, die durch WLAN erzeugt wurden. Die Skala auf der linken Seite reicht von 0 bis 500 µW/m2. Oben: Puls (Herzfrequenz) der Probandin. Die Herzfrequenz steigt meistens nach deutlich weniger als einer Minute nach Beginn der erhöhten Strahlenbelastung. Die Wirkung hängt von mehreren Faktoren ab, z. B. von der Dauer der Strahlung und von der Belastung unmittelbar zuvor.
Gehirn, gepulste Strahlung
Durch die Aufweichung der Blut-Hirn-Schranke können Giftstoffe ins Gehirn gelangen, die es nachhaltig schädigen. Den größeren Einfluss auf die unmittelbare Reaktion des Gehirns hat aber vermutlich die Pulsung der Funkstrahlung. Ihre Frequenzen liegen zum Teil im Bereich der Gehirnströme und verändern sie.
Dabei muss man bedenken, dass das Einströmen der Calcium-Ionen in die Zellen bei jedem Puls erfolgt und damit – wie oben beschrieben – bei jedem Puls einen Nervenimpuls erzeugen kann. (Ein Techniker würde sagen, die Zellen bilden einen Gleichrichter.)
So ist es nicht verwunderlich, dass der deutsche Medizinphysiker Lebrecht von Klitzing 1993 feststellte,66 dass gepulste Mobilfunksignale schon bei 10.000 µW/m2, also weit unter den Grenzwerten, die Gehirnströme des Menschen verändern. Später konnte er diesen Effekt bereits bei 1.000 µW/m2 nachweisen.67 Ungepulste Wellen dagegen verändern das EEG nicht.68
Erstaunlich war bei diesen Experimenten, dass der Effekt schon bei einer Bestrahlung von zwei bis drei Mal 15 Minuten auftrat und dann viele Stunden anhielt. Seltsam war, dass ausschließlich mit 217 Hz gepulst wurde, dass also keine der üblichen Frequenzen des EEG (Elektroencephalogramm) verwendet wurde, beispielsweise die der Alphawellen. Geändert wurden aber genau diese, obwohl sie mit etwa 8 Hz einen ganz anderen Frequenzbereich umfassen. Bisher wurde noch nicht verstanden, wie eine 217 Hz-Pulsung Gehirnströme mit 8 Hz derart beeinflussen kann. (Damals enthielt dieses GSM-Signal noch keine 8 Hz-Pulsung.)
Natürlich reagieren die Gehirnströme nicht nur auf die Handystrahlung des GSM-Mobilfunks, so wie das in den von Klitzing‘schen Versuchen der Fall war. Besonders deutlich ist dieser Effekt bei WLAN.
Bei den Hirnströmen unterscheidet man:
| Deltawellen | 0,1–4 Hz | Treten im Tiefschlaf auf: Hormonproduktion, Stärkung des Immunsystems |
| Thetawellen | 4–7 Hz | Treten in der Einschlaf- und der Traumphase vor dem Aufwachen auf; wichtig für Kreativität, Lernfähigkeit, Gedächtnis |
| Alphawellen | 7–13 Hz | Wichtig für Entspannung, Biorhythmus, Aufmerksamkeit |
| Betawellen | 13–27 Hz | Bei Hektik, Stress, Alarmbereitschaft |
| Gammawellen | 30–70 Hz | Bei Konzentration, Angstzuständen, körperlicher Höchstleistung |
Taktung einiger Funkanwendungen
→Schnurlostelefone nach dem DECT-Standard: 100 Hz
→WLAN: 10 Hz (Bereich der Alphawellen)
→GSM-Mobilfunk (2G): 2,08 Hz und 2,33 Hz (Bereich der Deltawellen), 8,03 Hz (Bereich der Alphawellen), 217 Hz
→Behördenfunk TETRA: 0,98 Hz (Multirahmenfrequenz, Bereich der Deltawellen), 17,65 Hz (Sender des Mobilteils, Bereich der Betawellen), 70,6 Hz (Sender der Basisstation, Bereich der Gammawellen)
Man sieht, dass einige dieser Taktungen Ströme im Gehirn verursachen, die dieselben Frequenzen wie die natürlichen Gehirnströme haben. So ist es nicht überraschend, dass man schon früh den Einfluss von Funkstrahlung festgestellt hat, insbesondere natürlich auf die Alphawellen.69 Diese koppeln wiederum an die natürliche Strahlung der Erde („Schumann-Resonanzen“), die unsere Aufmerksamkeit und den Biorhythmus beeinflusst. Es sind aber nicht nur die Alphawellen, die durch Pulsungen der verschiedenen Funkdienste gestört werden.70 Durch WLAN werden bei männlichen Ratten unerwarteterweise besonders die Beta- und Thetawellen verändert.71 Alle Gehirnwellen von 0,1–30 Hz sind unmittelbar an die neurochemischen Aktivitäten gekoppelt.
Das hat das Militär der UdSSR, der USA, von Großbritannien und China veranlasst, die Auswirkung solcher Pulse nicht nur auf die Gesundheit, sondern auch auf die psychische Verfassung zu untersuchen.72 Naturgemäß weiß man wenig darüber. Das steht für uns auch nicht im Vordergrund. Wichtiger sind die Folgen im Alltag, die mit der ständigen Störung der Gehirnströme verbunden sind. Sie wirken sich auf unser Denken, Lernen, unser Gedächtnis und unsere Konzentration aus und können Stress erzeugen.73 74
Man erwartet natürlich, dass sich solche Einflüsse insgesamt in der Bevölkerung bemerkbar machen. Tatsächlich liegen Daten aus der Schweiz vor, die einen steilen Anstieg psychischer Krankheiten und von Erkrankungen der Nerven und Sinnesorgane seit 1998 feststellen.75 Von Nordirland und den USA weiß man, dass in der dortigen Bevölkerung immer mehr Autismus,76 Demenz und Alzheimer77 diagnostiziert werden. Das ist natürlich kein Beweis für irgendetwas, sondern nur eine notwendige Konsequenz der Behauptung, dass Funkstrahlung bestimmte Funktionen des Gehirns beeinträchtigt. Man muss immer im Auge behalten, dass dieser Anstieg sicher nicht auf eine einzige Ursache zurückgeführt werden kann.
Schlafstörungen
Wenn man bis hierher gelesen hat, ist klar geworden, dass es bei den biologischen Wirkungen der Funkstrahlung nicht nur auf die Stärke der Strahlung und die Frequenz ankommt. Es wurde gezeigt, dass noch weitere physikalische Eigenschaften eine Rolle spielen wie die Pulsung und die Polarisation.78 Natürlich ist auch die Dauer der Einwirkung von Bedeutung. Außerdem produziert der Körper im Schlaf mehr von bestimmten Stoffen, wie etwa des Hormons Melatonin, als im wachen Zustand. Deshalb stört Funkstrahlung nicht nur den Schlaf selbst, wie gleich gezeigt werden wird, sondern auch die Synthese vieler wichtiger körpereigener Stoffe, die während des Schlafs erfolgt. Auch die sehr diffizile Balance dieser Stoffe kann beeinträchtigt werden.
Bild 8 Unten: gesamte Funkstrahlung (Leistungsflussdichte in mW/m2 = 1.000 µW/m2). Oben: die zugehörigen Schlafstadien einer Probandin.
Nach dem, was über die Änderungen des EEG berichtet wurde, ist zu erwarten, dass auch der Schlaf durch Funkstrahlung beeinflusst wird. Das wird auch in mehreren Studien experimentell beobachtet,79 siehe auch Bild 8. Es zeigt, dass Spitzen der Funkstrahlung einen unruhigen Schlaf verursachen, der durch kurze Wachzeiten unterbrochen wird. Dabei ist interessant, dass es auf die Pulsung ankommt: Gepulste Magnetfelder ohne Funkstrahlung haben denselben Effekt wie gepulste Funkstrahlung,80 aber nicht ungepulste Funkstrahlung.81
Fruchtbarkeit
Wie stark Funkstrahlung die Fruchtbarkeit schädigt, wurde in einer ganzen Reihe von Experimenten nachgewiesen. Ihre besondere Bedeutung liegt darin, dass nicht nur viele Arbeitsplätze, sondern im zunehmenden Maß auch Schulen mit WLAN ausgestattet werden. Die Eltern haben meist keine Möglichkeit, ihre Kinder vor dieser Strahlung zu schützen.
Abgesehen von den übrigen Folgen, auf die noch eingegangen werden muss, werden sowohl die Jungen als auch die Mädchen stark beeinträchtigt. Das legt zumindest eine ganze Reihe von Tierversuchen nahe. Bei Männern wurde dies ebenfalls nachgewiesen; die Experimente halten jedoch den strengen wissenschaftlichen Kriterien nicht stand.
Bei erwachsenen Tieren werden durch Funk sowohl die Zahl als auch die Form und die Beweglichkeit der Spermien beeinträchtigt.82 Das kann bis zur Unfruchtbarkeit führen. Aus Versuchen in mehreren unterschiedlichen Labors weiß man, dass auch die Hoden selbst geschädigt werden. Besonders schockierend sind die Ergebnisse von Mehmed Zulkuf Akdag und Mitarbeitern bei Ratten,83 wo bereits ein winziger Bruchteil der Strahlung eines Handys signifikante Änderungen des Hodengewebes bewirkte (nach einem Jahr Bestrahlung mit einem SAR-Wert zwischen 141,4 µW/kg und 7.127 µW/kg bei der WLAN-Frequenz von 2,45 GHz; Handystrahlung geht bis 2.000.000 µW/kg).
Leider sind auch Frauen betroffen. Da sich die entsprechenden Versuche am Menschen verbieten, ist man auf Schlussfolgerungen aus Beobachtungen an Tieren angewiesen.
Wie im nächsten Kapitel gezeigt wird, weiß man aus der Rinder- und Schweinehaltung, dass Strahlung den weiblichen Zyklus verändert, den Erfolg der Besamung verringert und zu mehr Abgängen führt. Um die biologischen Vorgänge dabei besser zu verstehen, wurden mehrere Versuche an Ratten, Mäusen und Drosophila-Fliegen durchgeführt.84 Shahin und sein Team85 berichten über einen signifikanten Anstieg von reaktiven Sauerstoff-Spezies ROS und physiologischem Stress bei weiblichen Mäusen, der zum Tod von Embryonen führte. In den Eierstöcken waren die Follikel vergrößert, die Zahl der Embryonen war verringert und die Entwicklung der Embryonen verzögert. Auch hier war der SAR-Wert wesentlich geringer als bei Handys in schlechter Empfangslage (2 W/kg): Die Tiere wurden 45 Tage lang jeweils 2 Stunden mit 0,023 W/kg bei 2,45 GHz bestrahlt.
Genschäden
Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein, als 2005 die Medien über die Ergebnisse der „Reflexstudie“ berichteten, die an Kulturen menschlicher Zellen Änderungen des Erbguts durch Funkstrahlung nachwiesen.86 Dabei war das zu erwarten gewesen, denn schon 1950 konnte gezeigt werden, dass bei Pflanzen bereits eine 15-minütige Bestrahlung mit Wellen von 0,2 GHz und nur 6.000 µW/m2 Mutationen auslöst.87 Auch beim Menschen wurden Veränderungen des Genoms durch Funkstrahlung schon sehr früh nachgewiesen88 und später immer wieder bestätigt.89 90 Das Besondere an der Reflexstudie war nur, dass die Medien vor allem darüber berichteten, weil es sich um eine groß angelegte, mit Mitteln der Europäischen Union (EU) geförderte, internationale Studie handelte, die die Industrie mit allen Mitteln bekämpfte. Davon aber später.
Es stellte sich heraus, dass das Erbgut von Bindegewebszellen wesentlich stärker geschädigt wird als das von Muskelzellen. Trotzdem wurden immer wieder Experimente an Muskelzellen, bei denen keine Veränderung des Genoms festgestellt wurde, als Argument dafür herangezogen, dass alle Beobachtungen von Genschäden durch Mobilfunk nicht reproduzierbar seien und deshalb nicht beachtet werden müssten.91 Kein Wort davon, dass die Versuche an Weichteilzellen sehr gut reproduzierbar sind! Sie wurden von 49 unabhängigen Studien bestätigt; das angesehene wissenschaftliche Organ „Pathophysiology“ widmete dieser Erkenntnis sogar eine Sonderausgabe.92
Versuche an der Taufliege, genauer an Drosophila melanogaster, sind für Untersuchungen von Erbgutveränderungen besonders geeignet, weil sie sich schnell vermehrt und so die Wirkungen leicht festgestellt werden können. Dabei hat sich gezeigt,93 dass die Strahlung des D-Netzes mit einer Frequenz von etwa 0,9 GHz deutlich mehr DNA-Fragmentationen auslöst als die Strahlung des E-Netzes mit 1,8 GHz. Bei 11 und 21 GHz waren die Fragmentationen noch weniger, aber immer noch erschreckend hoch. Das könnte mit der Pulsung zusammenhängen, die vermutlich bei den Experimenten mit 11 und 21 GHz geringer war.
Die Zellen besitzen einen Reparaturmechanismus, der mittels der sogenannten Kontrollproteine DNA-Schäden aufspürt, ihre Reparatur einleitet und auf jeden Fall eine Verdoppelung der DNA (Replikation) vor der Zellteilung mit einer geschädigten DNA verhindert. Ohne diese Kontrollproteine könnten wir nicht überleben. Man musste aber leider feststellen, dass Funkwellen die Bildung des entscheidenden Kontrollproteins 53 BP1/Y-H2AX hemmen. Die Experimente wurden sowohl bei 0,915 GHz als auch bei 1,9474 GHz durchgeführt.94 95
Auch bei der Zellteilung selbst kann Funkstrahlung zu Fehlern führen, speziell durch Störungen des Spindelapparats.96 97 Das geschieht schon bei 45 V/m, also etwa bei unserem gegenwärtigen Grenzwert für 0,9 GHz-Strahlung. Dies und die Störung des Reparaturmechanismus erklären, warum man so viele Missbildungen beobachtet, die zu einem guten Teil während der Trächtigkeit der Tiere entstanden sein müssen (siehe unten). Obwohl dazu keine Daten verfügbar sind, ist anzunehmen, dass auch menschliche Embryonen gefährdet sind.
Die Änderung des Erbguts müsste eigentlich das Ende des Mobilfunks in seiner heutigen Form bedeuten. Wollen wir es uns wirklich leisten, dass wir die kommenden Generationen schädigen, nur weil wir zu bequem sind, die Alternativen weiterzuentwickeln und sie auch tatsächlich einzusetzen?
Krebs
Wie zuvor erörtert entsteht durch Funkstrahlung in den Zellen ein Überschuss an Freien Radikalen, also äußerst aggressiven chemischen Verbindungen. Wie in den oben beschriebenen Experimenten gezeigt wurde, zerstören sie Teile der Erbsubstanz DNA und greifen in biologische Abläufe und Schutzreaktionen ein. Daher ist zu erwarten, dass Funkstrahlung auch Krebs auslösen kann.
Ob das tatsächlich der Fall ist, interessierte die Forschung von Anfang an. Schon wenige Jahre nach der Entdeckung der Funkstrahlung wurden krebsartige Wucherungen an bestrahlten Pflanzen untersucht; später kamen Tierexperimente dazu. Die wichtigste von ihnen ist heute die NTP-Studie von 2018,98 die die US-amerikanische Regierung in Auftrag gegeben hat. Dabei wurden 3.080 Ratten und getrennt davon auch Mäuse von ihrer Zeugung bis zu ihrem Lebensende bestrahlt. Statistisch signifikant war aber nur Krebs am Herzmuskel (bösartige Schwannome, das heißt Nervenscheidentumoren) von männlichen Ratten. Zwar wurden auch andere Tumorarten beobachtet; sie waren aber wegen der ungünstigen Aufteilung der Tiere auf die einzelnen Untersuchungen in diesen Experimenten statistisch nicht signifikant. Bei weiblichen Ratten wurde ein kleiner, aber statistisch nicht relevanter Anstieg verschiedener Krebsarten gefunden („equivocal evidence“); ähnlich war es auch bei den Mäusen. Die Bestrahlung lag bei 1,5 oder 3 oder 6 W/kg. Zum Vergleich: Unser Grenzwert beträgt 2 W/kg für Mobiltelefone.
Noch im selben Jahr wurde eine ähnliche Studie des italienischen Ramazzini-Instituts veröffentlicht.99 Sie untersuchte nur 2.448 Ratten. Das Ergebnis war bei einer Bestrahlung mit 6,6 W/m2 statistisch signifikant, bei 1,7 W/m2 aber nicht mehr.
Das Problem der NTP-Studie ist, dass versucht wurde, zu viele Fragen gleichzeitig zu beantworten, und daher die Zahl der Tiere für jedes dieser Experimente zu gering war. Deshalb waren die Ergebnisse nur bei männlichen Ratten und hier nur Tumoren am Herzmuskel statistisch signifikant. Trotzdem liegt die Bedeutung dieser Experimente gegenüber allen anderen darin, dass sie im offiziellen Auftrag einer amerikanischen Regierungsstelle durchgeführt wurden.
Wenn also Funkstrahlen bei Tieren Krebs auslösen können, wie steht es dann um den Menschen? Dazu wurden mehrere groß angelegte Untersuchungen durchgeführt. Die wichtigste davon ist vielleicht die INTERPHONE-Studie der Internationalen Krebsforschungs-Agentur IARC der WHO. Sie wurde 2012 fertiggestellt. Der Endbericht100 umfasst Fall-Kontroll-Studien zu zwei Arten von Gehirntumoren, nämlich zu 2.708 Gliom- und 2.409 Meningeom-Fällen. Für Meningeome (sie sind meist gutartig) und Akustikus-Neurinome konnte selbst nach zehn Jahren Handynutzung keine statistisch relevante Erhöhung der Fallzahlen gefunden werden. Aber bei den sehr aggressiven Gliomen war das Risiko für Vieltelefonierer mit mehr als insgesamt 1.640 Stunden Telefonaten deutlich erhöht. Der Bericht nennt das „unplausibel“, stellt aber immerhin fest, dass auf der Seite, auf der gewöhnlich telefoniert wird (also für Rechtshänder meist rechts), Gliome häufiger auftreten als auf der anderen Seite.
Um mehr Klarheit zu bekommen, analysierte die Gruppe um den schwedischen Forscher Lennart Hardell101 diesen Zusammenhang weiter. Dabei wurden alle bösartigen Gehirntumoren bei langjährigen Nutzern von Mobilfunk und Schnurlostelefonen erfasst. Er konnte eindeutig nachweisen, dass bei Handynutzern vermehrt Gliome und andere bösartige Gehirntumoren auftreten. Dabei spielt die Zeit seit dem ersten Telefonat eine wichtige Rolle: Je länger sie zurückliegt, desto größer das Risiko. Nach den Bradford-Hill-Kriterien, die bei statistischen Erhebungen zwischen zufälligem Zusammentreffen und Ursachen unterscheiden helfen, muss man die Entstehung der Gliome eindeutig auf Funkstrahlung zurückführen.
Weil der größte Teil der Bevölkerung Mobiltelefone, Smartphones und Schnurlostelefone nutzt, erwartet man ein Ansteigen der relevanten Gehirntumoren in der gesamten Bevölkerung, speziell der besonders aggressiven Glioblastome. Das ist leider der Fall. Eine Statistik für die „Metropol-Region“, die den größten Teil Frankreichs umfasst, zählt 823 Neuerkrankungen an (histologisch bestätigten) Glioblastomen im Jahr 1990 und 3481 im Jahr 2018.102 Diese Zahl hat sich also seit Beginn der massenhaften Nutzung von Handys und Schnurlostelefonen mehr als vervierfacht. In der Diskussion am Ende dieser amtlichen Statistik werden als mögliche Ursachen elektromagnetische Felder und Pestizide angegeben; es wird aber darauf hingewiesen, dass das umstritten sei. Mehr Klarheit bringt die offizielle britische Krebsstatistik, weil dort zwischen den einzelnen Regionen im Gehirn unterschieden wird. Der Frontal- und die Temporallappen liegen beim Telefonieren unmittelbar neben dem Handy und bekommen daher besonders viel Strahlung ab. Das trifft auch auf den Parietallappen zu, der sich in der Nähe der Antenne(n) eines Handys befindet. Deshalb wurde in einer Studie103 der Anstieg der Glioblastome im Frontal- und Temporallappen mit den Glioblastomen im restlichen Teil des Gehirns verglichen. Während es dort keinen wesentlichen Anstieg gibt, hat sich die Zahl in den besonders bestrahlten Regionen des Gehirns mehr als verdreifacht. Auch im Parietallappen stieg die Häufigkeit der Glioblastome stark an.
Bild 9 Veränderung der Häufigkeit von Glioblastomen pro 100.000 Einwohner in England, bezogen auf das Jahr 1995. Die Daten sind altersstandardisiert nach der europäischen Bevölkerung. Man sieht, dass die Neuerkrankungen an Glioblastomen im Frontal- und Temporallappen zwischen 1995 und 2015 auf das 3,5-Fache angestiegen sind.
Zum Glück sind die absoluten Zahlen für diese sehr bösartige Krankheit noch gering; es erkrankt nur etwa eine von zehntausend Personen daran. Aber Bild 9 zeigt, dass die Kurve ständig nach oben ansteigt – wie weit, lässt sich jetzt noch nicht abschätzen.
Eine Auswertung britischer Daten104 von 1985 bis 2014 ergibt, dass die Neuerkrankungen an Glioblastomen im Frontal-, Temporal- und Parietallappen seit etwa 1992 anstiegen. Das muss mit der Einführung der Schnurlostelefone 1987 und mit der Einführung des D-Netzes 1992 verglichen werden, die Mobilfunk für die breite Masse erschwinglich machte. Eine erschreckende Konsequenz dieser Tatsache ist der steile Anstieg der Glioblastome bei 15- bis 19-jährigen Männern und bei älteren Personen seit dem Jahr 2000.105 Das wäre bei der Auswertung der Daten in der Altersstandardisierung zu berücksichtigen, ist aber heute kaum noch möglich. Wir halten fest: Wenn Funkstrahlung Krebs hervorruft, dann erwartet man einen Anstieg dieser Tumorarten seit den 1990er-Jahren, den man tatsächlich auch sieht. Das ist aber für sich gesehen noch kein Beweis, dass Funkstrahlung die oder wenigstens eine Ursache ist, auch wenn einige andere Daten wie zeitlicher Verlauf und Altersverteilung das plausibel machen. Es ist aber eine notwendige Konsequenz der Aussage, dass Funkstrahlung Krebs auslösen kann.
Natürlich sind Glioblastome nicht die einzige Krebsart, die durch Funkstrahlung entstehen kann. Hier wird sie deshalb diskutiert, weil gerade durch die Darstellung in Bild 9 viele andere Ursachen ausgeschlossen werden können, die sonst alle Teile des Gehirns schädigen müssten. Eine davon ist die Belastung durch das natürlich vorhandene radioaktive Gas Radon, dessen Konzentration seit einigen Jahrzehnten in vielen Häusern wegen der besseren Isolierung der zwei- oder dreifach verglasten Fenster und wegen ungenügenden Lüftens ständig ansteigt.
Es sollte noch erwähnt werden, dass 80 % der Studien, die die Folgen von Funkstrahlung in der Bevölkerung untersuchten und vor 2010 erschienen, in einem Umkreis von 500 Metern um Funkmasten eine erhöhte Anzahl von Krebsfällen und Schädigungen des Nervensystems feststellten.106 (Eine Auswertung der Studien nach 2010 ist uns nicht bekannt.)
Vorzeitige Demenz
Die häufigste Form der Demenz ist mit rund 70 % die Alzheimer-Demenz. Vaskuläre Demenzen sind mit 20 % am zweithäufigsten; als Folge von Durchblutungsstörungen (durch Arterienverkalkung, Infarkt, Bluthochdruck usw.) im Gehirn. Mobilfunkstrahlung beschleunigt das Fortschreiten der Demenzen erheblich und führt deutlich früher zum Pflegefall.107
Schädigungen bei Kindern und Jugendlichen
Spermien und Eizellen können schon vor der Befruchtung durch Funkstrahlung geschädigt werden. Es gibt aber Hinweise darauf, dass dies zumindest im jetzigen Zeitpunkt (noch) nicht sehr häufig geschieht. Dabei ist aber zu bedenken, dass sich viele dieser Schäden von Generation zu Generation anhäufen, sodass die Erbschäden zu einem gravierenden Problem werden könnten. Demgegenüber scheint zum jetzigen Zeitpunkt ein heranwachsendes Kind in der Schwangerschaft einer weitaus größeren Gefahr ausgesetzt zu sein. Das legen Beobachtungen in der Schweinezucht nahe, weil dort in einem von Funk belasteten Betrieb ein Auswechseln der Eber die Missbildungsrate nicht verringert hat.108 Am Samen konnte es also nicht gelegen haben. Dagegen wurden Ferkel mit Missbildungen geboren, deren Mütter noch kurz vor dem Anschalten des nahe gelegenen Mobilfunkmasts gedeckt worden waren. Es handelte sich zwar nur um sehr wenige Tiere.109 Da derartige Missbildungen vor dem Betrieb des Funkmasts bei den 20.359 Ferkeln äußerst selten und die meisten von ihnen noch nie aufgetreten waren, ist die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering, dass diese Anomalien schon in den Erbanlagen angelegt waren.
Es ist leicht einzusehen, warum ein heranwachsendes Kind während der Schwangerschaft und auch noch nach der Geburt so sehr gefährdet ist. Denn in dieser Zeit ist die Zellteilung besonders stark. Da sie vermutlich durch Funkstrahlung gestört werden kann,110 kommt es leichter zu Fehlern beim Kopieren des Genoms und zur Entstehung einer Missbildung. Man weiß ja auch, dass der Embryo besonders empfindlich auf verschiedene erbschädigende Chemikalien reagiert. In Tierversuchen zeigte sich, dass Missbildungen nicht die einzigen Probleme einer Funkbestrahlung während der Schwangerschaft sind. Am häufigsten wurden ein verzögertes Wachstum und eine Verzögerung der Pubertät beobachtet.111 Besorgniserregend sind auch die Experimente an neugeborenen Ratten, die ein vermindertes Zellwachstum im Gehirn nach einer WLAN-Bestrahlung nachweisen.112
Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, Schwangere, Kinder und Jugendliche von Funkstrahlung fernzuhalten. Das betrifft nicht nur den Gebrauch von Handys, Schnurlostelefonen und WLAN. Ein wachsendes Problem ist auch die Radarstrahlung von Autos, besonders von selbstfahrenden, wenn sich Schwangere oder Kleinkinder am Rand einer befahrenen Straße aufhalten. (Dazu kommt natürlich noch die Belastung durch Abgase.)
Wenn die Kinder älter werden, beobachtet man häufig Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität, wenn die Mutter während der Schwangerschaft und der Stillzeit häufig ein Handy benutzte.113 Die Wirkung von Funkstrahlung zeigt sich auch später noch. Allein zur Wirkung von WLAN gibt es mehr als 100 Studien, die Isabel Wilke in ihrem bereits mehrfach zitierten Überblicksartikel bespricht. Zwölf davon beschäftigen sich mit dem schädlichen Einfluss auf das EEG und die Gehirnfunktionen. Einige dieser Ergebnisse:114
→Räumliches Lernen und Gedächtnis waren beeinträchtigt (weil die Cholin-Aufnahme im Hippocampus beeinträchtigt war).
→Eine Beeinträchtigung des Formen-Gedächtnisses durch die Strahlung von Mobiltelefonen wurde auch in einer Schweizer Studie an 843 Jugendlichen festgestellt.115
→Kontinuierliche WLAN-Strahlung verursachte Oxidativen/Nitrosativen Stress im Hippocampus und führte zu Zellveränderungen, die das Lernen und das Erinnern beeinträchtigten.
→WLAN löste Stressreaktionen im Hippocampus von Ratten aus.
→Männliche Mäuse verhielten sich noch 30 Minuten nach der Bestrahlung im Laufrad und im Wasserlabyrinth signifikant verschieden von unbestrahlten Tieren. Das räumliche Gedächtnis war beeinträchtigt.
→Nach einer Bestrahlung über 180 Tage von Ratten mit 0,9, 1,8 und 2,45 GHz waren die räumliche Orientierung sowie die Lern- und Gedächtnisleistung beeinträchtigt. (Außerdem waren die DNA-Strangbrüche signifikant erhöht.)
→Die Ratten wurden durch Bestrahlung hyperaktiv.
Andere Berichte116 117 beschreiben eine Untersuchung an 469 Schülern. Dabei ergab sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Gesprächsdauer mit dem Handy und der Häufigkeit von Kopf- und Muskelschmerzen, Herzklopfen, Müdigkeit, Tinnitus, Schwindel und Schlafproblemen. Außerdem traten Probleme hinsichtlich Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Nervosität auf. Ähnliche Ergebnisse lieferte auch die österreichische ATHEM-2-Studie: Während sich die Reaktionsgeschwindigkeit bei den meisten Aufgabenstellungen durch die wiederholten, jeweils zweistündigen Bestrahlungen erhöhte, stieg bei allen Aufgaben die Fehlerquote deutlich an. Das gilt auch für Gedächtnistests. Man beachte: Schon bei 60 µW/m2 und weniger sinkt nach sechs Monaten der PEA-Spiegel.118 Mangelndes PEA wird mit ADS und ADHS in Verbindung gebracht. Die Häufigkeit dieser Erkrankungen ist in den letzten zwanzig Jahren enorm angestiegen.
Noch gefährlicher ist schon bei geringer Strahlung die Wirkung von WLAN auf die Dichte der Neuronen, die für den Lernvorgang wesentlich ist.119
In Deutschland will man die Digitalisierung der Schulen vorantreiben. Dazu soll jeder Schüler ein Tablet besitzen, und WLAN soll in allen Schulen eingerichtet werden. Allein schon, weil WLAN gesundheitliche Schäden verursachen kann, ist dies unverantwortlich, ja, sogar ein Straftatbestand. Aber auch, was den Lernerfolg betrifft, bringt das nichts, und Deutschland ist im internationalen Vergleich wieder einmal Schlusslicht. Denn Australien, Südkorea, Thailand, die Türkei und Los Angeles, die den Unterricht ihrer Kinder digitalisieren wollten, haben die Laptops und Tablets längst wieder aus ihren Schulen verbannt.120
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