Kitabı oxu: «Vom Licht ins Leben»
Inhaltsverzeichnis
Der Anfang
Wie ich dazu kam, mich mit diesem Thema zu beschäftigen
Ein paar Definitionen zum besseren Verständnis
Seele und Tod im Spiegel der Kulturen
Über Zeit, Energie, Licht und Materie
Der Zeittunnel des Lebens
Die Entwicklung von Selbst und Bewusstsein
Vom Licht ins Leben
Die Seele und das Ego
Das Sterben
Der Raum des Todes
Die Nahtod-Erfahrung
Die zweite Phase im Raum des Todes
Mit Verstorbenen kommunizieren
Danke
Edit Engelmann
Eigene Romane/Essays/Bücher:
Quellenangaben
Bildnachweis
Eine Bitte

Impressum
ISBN 978-3-946723-64-6 (Printversion)
ISBN 978-3-946723-65-3 (E-Book)
Vom Licht ins Leben Der Kreislauf von Leben und Tod
Edit Engelmann
Coverfotografie: © Uschi Dreiucker, pixelio
Bildnachweis Innenbilder s. Seite 164
Gestaltung: Christine Goeb-Kümmel
Verlag: Begegnungen, Schmitten
www.verlagbegegnungen.de
Copyright 2020
1. Auflage
Gedruckt in Deutschland
Alle Rechte vorbehalten

Vom Licht ins Leben
Der Kreislauf von Leben und Tod
Edit Engelmann


Zum Menschsein gehört alles:
Das Licht und das Dunkel,
das Irdische und das Nicht-Irdische,
das Körperliche und das Seelische.
All dies verbunden durch die Macht
der bedingungslosen und kraftvollen Liebe.
Renate Fecher, Frankfurt/Bad Vilbel
Inhalt
Der Anfang
Wie ich dazu kam, mich mit diesem Thema zu beschäftigen
Ein paar Definitionen zum besseren Verständnis
Seele und Tod im Spiegel der Kulturen
Über Zeit, Energie, Licht und Materie
Der Zeittunnel des Lebens
Die Entwicklung von Selbst und Bewusstsein
Vom Licht ins Leben
Die Seele und das Ego
Das Sterben
Der Raum des Todes
Die Nahtod-Erfahrung
Die zweite Phase im Raum des Todes
Mit Verstorbenen kommunizieren
Danke
Edit Engelmann
Eigene Romane/Essays/Bücher:
Quellenangaben
Bildnachweis
Eine Bitte

Der Anfang
… In der Nacht hatte ich plötzlich Kreuzschmerzen wie nie zuvor in meinem Leben. So stark, dass ich am nächsten Morgen Schwierigkeiten mit dem Aufrechtgehen und -stehen hatte.
Am frühen Vormittag erhielt ich einen Anruf von meinem Bruder, in dem er mich darüber informierte, dass unsere Mutter sich in der vergangenen Nacht still und leise und vor allen Dingen selbstständig und ohne Begleitung und Hilfe – darauf hatte sie nämlich immer den größten Wert gelegt – aus dieser Welt verabschiedet hatte. Plötzlich und unerwartet, wie es immer so schön heißt. Sie war einfach nicht mehr aufgewacht und lag friedlich morgens im Bett als hätte sie sich für den ewigen Schlaf hingelegt.
Obwohl ich weiß, dass der Tod ein Anfang, aber kein Ende ist, war ich traurig. Traurig darüber, dass so viele Jahre vergehen werden, bis ich die Energie und Liebe meiner Mutter wieder direkt erfahren wer-de. Und doch war ich froh, dass ihr Übergang aus dem diesseitigen Leben einfach gewesen ist. Für den Rest des ersten Trauertages sah ich sie vor meinem geistigen Auge, so wie sie gewesen war, als ich zuletzt von ihr Abschied genommen hatte. Winkend, grinsend und ein wenig wehmütig, weil die gemeinsame Zeit schon wieder vorüber war und bis zum nächsten Besuch sicherlich einige Zeit ins Land gehen würde.
Am folgenden Tag jedoch änderte sich das Bild. Plötzlich, mitten am Tag, war nicht mehr die alte Frau vor meinen Augen, sondern ich sah eine junge Mittzwanzigerin in einem geblümten Sommerkleid mit langen im Wind wehenden Haaren, die sich lachend nach unhörbaren Klängen drehte. Meine Mutter. So frei, fröhlich und unbeschwert hatte ich sie noch nie gesehen. Sie winkte, bevor sie sich mit einer letzten Drehung in die Unendlichkeit verabschiedete. Ich glaube, ihre eigene Beerdigung hat sie schon nicht mehr erlebt. Da war sie schon längst mit etwas ganz anderem beschäftigt.
Und von mir hatte sie sich besonders intensiv verabschiedet. Wie hatte die Mama immer gesagt, wenn man ihren Befehlen nicht gleich nachkam: Sie tritt uns ins Kreuz. Diesen Tritt habe ich noch einmal gespürt – er war gar nicht falsch zu interpretieren.
Meine Schwägerin erzählte mir, dass bei ihr in derselben Nacht und zu derselben Zeit etwas in der Küche gepoltert hat – und zwar so sehr, dass sie aufstand um nachzusehen, denn sie vermutete, der Hängeschrank samt Geschirr wäre heruntergefallen. Es war alles ruhig. Auch sie interpretierte diese Geräusche als ›Mamas letzten Gruß‹.
Übrigens haben wir am Tag nach der Beerdigung beim Durchforsten von Unterlagen ein Bild von meiner Mutter aus Jugendtagen gefunden. Weder mein Bruder noch ich hatten dieses Bild je vorher gesehen. Es zeigte sie lachend in einem geblümten Sommerkleid …
Wenn sie so fröhlich und glücklich dort hinaufgestiegen ist, dann muss da doch etwas ganz Besonderes sein – dort auf der nicht-materiellen Ebene. Das war kein Ende gewesen. Sondern etwas ganz Wichtiges hatte für sie ihren Anfang genommen …
Genau diese Geschichte war die Initialzündung, die mich dazu bewog, mich mit dem Thema Leben und Tod zu beschäftigen. Es war meine Mutter, die mir diesen Gruß aus dem Jenseits schickte, als sie sich von mir verabschiedete, nur ein paar Tage nach ihrem Tod und noch bevor die Beerdigung stattfand.
Es war eine unglaubliche Erleichterung in meiner Trauer, als ich dieses Bild sah. Und nicht nur sah, sondern es fühlte. Fühlte, wie glücklich und beschwingt sie war und dass sie mich an diesen Schwingungen teilhaben ließ. Natürlich kam es mir anfangs merkwürdig vor. Und wie es nun eben so ist: Wenn man anfängt, sich mit einem Thema zu beschäftigen, tauchen plötzlich von allen Seiten Menschen auf, die in Resonanz sind und Informationen und Hilfe bringen. So ging es auch mir. Den ersten Büchern, die ich las, folgten die ersten Begegnungen.
Ich lernte eine Frau kennen, die im Diesseits sozusagen „Hängengebliebene“, die sich teilweise sogar als Poltergeister betätigten, in das Licht der Ewigkeit schicken konnte. Ihre Geschichten faszinierten mich – hauptsächlich, da ich auch einige der von den Geistern Heimgesuchten selbst darüber befragen konnte, die allesamt mit beiden Beinen auf der Erde und im Leben standen. Sie waren weder Esoteriker, noch versponnen, sondern einfach Menschen, die dies erlebt hatten. Die Dame – Renate Fecher – und ihre Geschichten werden im Übrigen in diesem Buch des Öfteren zitiert und zur Sprache kommen.
Schließlich nahm ich bei ihr aus Neugier und Interesse an einem Workshop teil: „Der Kreislauf von Leben und Tod“, aus dem ich im letzten Kapitel in diesem Buch berichte. Es eröffnete mir eine gänzlich neue Sichtweise. Er führte mir das vorher theoretisch Gehörte und Gelesene dann praktisch vor Augen. War ich vorher noch skeptisch, ob man mit Toten wirklich sprechen kann und ob deren Seelen weiter existieren, so war ich mir nach diesem Workshop darüber im Klaren, dass es so ist. Ich habe es ja selbst erfahren. Und je mehr und öfter ich selbst versuche, mich hineinzufühlen, umso mehr kann auch ich selbst wahrnehmen, wenn auch nicht in dem Maße wie Renate Fecher.
Je mehr ich mich damit beschäftigte, je näher ich dem Thema kam, umso empfindsamer wurde ich selbst.
Ich habe für mich und mein Leben viel dadurch gelernt, viel erfahren und habe eines ganz sicher verloren: die Angst vor dem Tod und was danach kommt. Ich hadere selten noch mit dieser Unsicherheit, warum ich eigentlich in menschlich-materieller Form auf dieser Erde weile. Was habe ich hier, was ich nicht als Seele schon hatte? Ist diese Erde ein Leidens- und Jammertal? Fragen, auf die jeder einzelne von uns sich selbst einen Reim machen und eine Antwort finden muss.
Dadurch, dass ich mich dazu entschloss, dem Thema Tod einen Raum im Leben zu geben, habe ich die Freude am Leben für mich selbst entdeckt. Nein, ich weiß immer noch nicht ›en Detail‹, was ich in dieser Inkarnation lernen soll. Vielleicht das Loslassen, denn diese Aufgabe hat sich mir schon öfter gestellt. Sicherlich soll ich alte und karmische Wunden heilen – auch in diesem Sinn ist viel bei mir passiert, seit ich offen dafür bin. Sicherlich aber trage ich inzwischen das untrügliche Gefühl in mir, dass das Leben gespielt werden will. Nur hier, in dieser grobstofflich-materiellen Umgebung, sind Erfahrungen und Gefühle möglich, die in feinstofflich-geistig-energetischer Form unerlebbar wären. Und ich habe Frieden damit gefunden, dieses Leben zu spielen in der Form und Art, die ich mir für dieses Mal als Inkarnationsvehikel ausgesucht habe: die Person Edit Engelmann.
Es sind die Freiheit und Zufriedenheit, die ich dadurch fühle, deshalb möchte ich meine Erfahrungen weitergeben. Sie sind der Grund für dieses Buch. Es soll eine Vorstellung davon vermitteln, dass es da noch etwas gibt. Dass „die Toten“ und „die Lebenden“ noch immer in derselben Welt sind, wenn auch auf verschiedenen Dimensionen des Seins. Das Buch möchte aufzeigen, welch wichtiger Moment der Tod im Leben des Menschen ist – und genau wie das Leben selbst jedes Mal wieder einmalig. Deshalb habe ich mich entschlossen, in diesem Buch die Theorie, so wie ich sie verstehe, zu Wort kommen zu lassen – aber auch berühmte Heiler, Schamanen und Wissenschaftler genauso wie Menschen, die über Erfahrungen berichten können, und auch meine eigenen Erlebnisse, die ich im Laufe der Jahre hatte, fließen mit ein, sind diese doch die einzigen, deren Wahrheitsgehalt ich bestätigen kann.
Dr. Stylianos Atteshlis, bekannt unter dem Namen Daskalos, der bekannte Wandler zwischen den Welten aus Zypern, sagte einmal: „Etwas wie den Tod gibt es nicht! Es ist ein Weitergehen des Selbst-Bewusstseins. Wenn wir die materielle Welt hinter uns lassen, findet eine Veränderung der Art und Weise, wie wir leben statt, doch diese Veränderung ist nicht der Tod unseres Selbst als Geist-Seele – es ist noch nicht einmal das Ende unseres Selbst als Persönlichkeit. Nach dem Hinübergehen findet sich der Betreffende in den psychischen Ebenen wieder, in ähnlichen Bedingungen (Umständen), wie sie auf der Erde waren. Er wird auf die gleiche Art und Weise fühlen und denken wie vorher, als er noch im materiellen Körper lebte. Die Fortsetzung ist für die meisten so nahtlos, dass sie anfangs noch nicht einmal bemerken, dass sie hinübergegangen sind. Das ist die Gnade Gottes.“
Also keine Angst. In diesem Kreislauf von Leben und Tod sind wir alle schon oft gestorben – und haben es glänzend überlebt.

Der Tod ist kein Abschnitt des Daseins, sondern nur ein Zwischenereignis, ein Übergang aus einer Form des endlichen Wesens in eine andere.
Wilhelm von Humboldt
Wie ich dazu kam, mich mit diesem Thema zu beschäftigen
Als Erstes durfte ich die Augen schließen und mit sachter Stimme führte sie mich zurück. Was habe ich gestern gemacht? Letzte Woche? Wie war es, als ich mein Schuldiplom erhielt? Der Tag der Einschulung?
Bis dahin waren es normale Erinnerungen. Nur plastischer und direkter als sonst. Während eine Erinnerung sonst eher zweidimensional ist, war diese intensiv fühlbar. Hören, fühlen, schmecken, sehen, riechen. Sie konnte wieder mit allen Sinnen erfasst werden und wurde nicht nur aus einem Speicher als Erinnerung abgerufen.
Jetzt ging ich zurück zum Zeitpunkt meines letzten Todes. Das sagt mir die Stimme, die ich schon längst nicht mehr als die meiner Freundin wahrnehme. Es hätte inzwischen die Stimme eines jeden Beliebigen sein können. Ich war auch nicht mehr neugierig oder gespannt, ob ich etwas zu sehen bekommen würde und wie so eine Rückführung denn wäre. Alles, was mich jetzt noch umfangen hielt, war Ruhe. Einfache, schlichte Ruhe. Stille. Da war nicht einmal mehr ein Gedanke, der sich verstohlen hereinzuschleichen versuchte. Ich folgte der Stimme.
Plötzlich kam eine Erinnerung, wie zuvor die an meine Schulzeit. Ich stehe in einem Wohnzimmer. Ich wusste einfach, dass ich es war. Ich bin ein Mann. Noch nicht alt. Vielleicht Mitte vierzig. Ich bin in einem hölzernen Haus. Es ist klein. Wenn man hereinkommt, ist man sofort im Wohnzimmer. Von dort geht eine Treppe nach oben. Am Treppenabsatz steht ein kleines Kind in einem weißen, bodenlangen Nachthemd. Sie hält etwas im Arm. Es ist meine Tochter. Rechts von der Treppe steht eine Frau in der Küchentür. Ihr Gesicht kann ich nicht sehen. Im Gegenlicht wirkt sie wie ein dunkler Schatten. Sie steht bewegungslos da und schaut zu mir herüber.
Szenenwechsel.
Jetzt liege ich im Wasser. Mit dem Gesicht nach unten. In meinem grauen Wollanzug schwimme ich oben auf dem breiten Fluss. Ich bin ein Fährmann. Die Stange halte ich noch in der rechten Hand. Ich sehe mich selbst von oben. Angst habe ich keine. Ich bin ganz ruhig und schaue neugierig auf meinen Körper, der vom Strom weitergetragen wird.
Zwei riesige Vögel kommen, greifen mich unter den Armen und ziehen mich nach oben weg. Ich will nicht mit. Ich will erst noch sehen, was mit dem schwimmenden Mir passiert. Aber die Vögel nehmen mich mit. Ich schaue nach hinten rechts und links, um die Vögel zu sehen. Ein violetter Schein schimmert um sie herum. Sie sind stark und mächtig. Sie fühlen sich gut an. Sie halten mich warm und fest. Auf einmal verstehe ich. Ich bin tot. Gestorben. Dort unten ist nur noch mein Körper, der Körper des Fährmanns, der davon treibt. Während ich selbst woanders hingehe.
Die Vögel tragen mich bis zu einem Tunnel und ziehen mich dort hinein. Der Tunnel ist dunkel und ich habe ihn schnell passiert. Die Vögel, die mich zum Tunneleingang brachten, sind nicht mehr da. Ich bin allein. Allein in einem unglaublich großen, schwarzen Raum. Alles ist leer. Einfach ein riesiges, großes, seltsamerweise quadratisches Nichts unendlichen Ausmaßes. In einer Ecke ist eine Gruppe mit drei hellen und mehreren dunklen Gestalten. Sie haben Angst und kauern dicht aneinander. Sie wollen, dass ich zu ihnen komme. Aber ich will nicht. Ich kenne diese Gestalten von irgendwo. Ich mag sie. Sie tun mir so unendlich leid, wie sie dort stehen und leiden. Ich wünschte, ich könnte ihnen helfen. Aber ich weiß, dass ich mich nicht zu ihnen stellen will. Es geht doch weiter. Zu einem schöneren Ort. Ich versuche, sie zu überreden mitzukommen. Aber sie wollen nicht. Ich bekomme nicht einmal eine Antwort. Sie schauen mich nur angstvoll aus großen schwarzen Augenhöhlen an. Ich lasse sie dort. Wende mich ab. Gehe weiter.
Szenenwechsel
Ein Baum. Dort steht ein riesiger Baum. Ein dicker Stamm und ein unglaubliches Astgewirr. Es ist wohl Winter, denn der Baum trägt keine Blätter. Jetzt kommt ein strahlendes Licht hinter dem Baum zum Vorschein, was stärker und stärker scheint. Es ist ein gleißendes Licht. So hell und fluoreszierend habe ich es noch nie gesehen. Es wärmt nicht, aber es fühlt sich unglaublich wohl und gut an. Ich fühle – ich weiß – ich bin wieder zu Hause.
So erlebte ich meine eigene, erste kurze Rückführung, die dem Workshop zum Leben und Tod vorangestellt war. Oh ja, es war wie eine Art Fernsehen, aber mit Gefühl und Geruch und interaktiver Teilnahme. Es war beides gleichzeitig: mitspielen und sich selbst von außen zusehen. Seitdem habe ich noch einige dieser Erfahrungen mit mir selbst und Welten und Leben in kurzen Flashbacks oder längeren Wachträumen erleben dürfen.
Als ich vor diesem Baum stand mit dem aufgehenden Licht, wusste ich, ich war zu Hause. Einfach nur noch eintreten und dann ist alles gut. Ein Gefühl, das noch viel intensiver war, als wenn man nach einem knirschenden Winterspaziergang, bei dem die Kälte sich schon in die Knochen bohrt, die Wohnungstür aufschließt mit einer großen Tasse heißen Kakaos vor Augen. Es war zusätzlich noch das warme und beglückende Wissen, dass alles, was man will und braucht, dort ist und nur darauf wartet, dass man eintritt. Natürlich weiß ich nicht, wie es dort aussieht und ob dort wirklich ein Baum steht. Vielleicht steht dort auch nur einer für mich, weil das eben meine eigene persönliche Allegorie ist, wie ich nach meiner letzten Inkarnation wieder ins Licht gegangen bin.
Was aber habe ich gesehen und wo bin ich gewesen, als ich als Seele des Fährmanns mein letztes Leben verlassen habe? Was waren die Vögel? Wer waren diese Gestalten, die ich in dem schwarzen Raum vorgefunden habe? Was war dieser schwarze Raum überhaupt? Erleben das alle so? Wenn ich mich daran zurück erinnern konnte, können alle anderen das auch? Meine Großmutter hatte von Licht gesprochen, kurz bevor sie starb, mein Großvater hingegen von Wasser. Erlebt jeder in diesem Moment etwas anderes?
Im Zusammenhang mit dem Tod gibt es Fragen über Fragen. Leider trauen sich nur die wenigsten, sich auch damit zu beschäftigen. Der Tod ist tabuisiert und wird beiseitegeschoben, so lange es geht. Trotz aller Bemühungen: Abschalten lassen sich die Gedanken nicht. Während des gesamten Lebens gibt es immer wieder Momente, die uns direkt oder indirekt mit dem Tod konfrontieren und zwingen, uns mit dem Thema auseinanderzusetzen. Immer wieder beim Tod von Angehörigen, Haustieren, Nachbarn, bei Unglücken, über die in Zeitungen berichtet wird. Wenn wir es zulassen, macht es uns nachdenklich und wir sinnen darüber nach: Wie ist das Sterben wirklich? Kommt etwas danach, wie es viele Religionen und Mythen erzählen? Gibt es eine Reinkarnation? Gibt es mehr als ein Leben? Was passiert nach dem Tod? Wie ist das Leben – oder Sein – nach dem Tod? Wie schlimm ist Sterben? Was sind Seelen? Was ist Bewusstsein? Was sind Geister?
Fragen über Fragen und vermeintlich wenig konkrete Antworten.
Menschen, denen ein Blick ins Totenreich erlaubt war, gibt es seit Urzeiten. Schamanen, Heilern, Hohepriestern und Hellsehern wird diese Fähigkeit nachgesagt. In der heutigen Zeit heißen sie zudem Medien, Parapsychologen, mediale/geistige Heiler oder Lebensberater. Über alle wurde gerade in den letzten zweitausend Jahren viel Spott ausgeschüttet, von drastischeren Methoden wie Verbrennungen und Inquisitionen einmal abgesehen. Vor niemandem hatte die Menschheit aber auch so viel Respekt wie vor ihnen – positiv wie negativ.
Seit den 1980er Jahren erleben die alten Denkweisen und Lehren eine Renaissance. Neben frühen schriftlichen Quellen und einem neuen Verständnis dafür, erweisen sich z. B. Schamanen indigener Völker als Hüter der Schätze des alten Wissens. Erst seit jüngerer Zeit wird dieses Wissen gemäß den Beschlüssen der Ältesten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Immer mehr Informationen, immer mehr Wissen der Naturreligionen kommen wieder ans Licht. Alte Völker brechen erstmals ihr Schweigen, neue Beweise aus alten Zeiten tauchen auf und werden in viele Sprachen übersetzt. In unserem digitalen Zeitalter mit seinem vielfältigen Informationszugang sowie globalen Reisemöglichkeiten findet das Wissen, das vor Tausenden von Jahren an anderen Punkten der Erde Realität und Glaube war, eine breite Schicht dafür offener Menschen. Das alles schafft nicht nur Wissen, sondern auch Bewusstsein.
Ich selbst bin mit der Welt „des Schamanismus“ in Kontakt getreten, als ich die Möglichkeit hatte, einige Zeit bei einem Stamm der indigenen Völker Nordamerikas zu verbringen. Die Tohono O‘Odham leben in der Wüste Arizonas zwischen Tucson und Phoenix in kleineren Siedlungen. Ich war beeindruckt, mit welcher Selbstverständlichkeit sie mit der Natur und den Dingen des Lebens umgehen. Jetzt soll dieses Buch natürlich kein Plädoyer für die natürliche Lebensweise der „Natives“ werden, obgleich ich der Meinung bin, wir alle könnten uns davon nicht nur dünne Scheibchen abschneiden. Vielmehr möchte ich die Verständlichkeit reflektieren, die sie dem Tod von Lebewesen gegenüberbringen. Ich glaube, dass ich dort, ähnlich wie bei dem Tod meiner Mutter, wichtige Dinge ganz nebenbei gelernt habe.
„Ein jedes Lebewesen hat das Recht, seinen Tod in Ruhe und auf seine Art zu erleben“, ermahnte ein Stammesmitglied meinen kleinen Sohn, der sich über einen halbtoten Vogel beugte, um ihn genauer zu untersuchen. Liebevoll zog er ihn zur Seite, während er ihm beschrieb, dass der Vogel nunmehr in ein anderes Reich ginge, wo er ihn dereinst, wenn seine Zeit gekommen sei, wohl wiederfinden wür-de.
Auf meine Frage zum Thema Leben und Tod und Seelen und Geist, reichte man mir wortlos den ersten Band von Carlos Castanedas Erzählungen über Don Matus. Manche halten es für Belletristik. Mir erzählte man dort, man habe Castaneda gekannt. Er wäre in dieser Gegend unterwegs gewesen. Sie waren davon überzeugt, dass die Bücher des Anthropologen authentisch waren.
„Wenn Du einen Schamanen treffen willst, um eine Lösung für Deine Probleme zu erbitten“, sagte mir ein Freund auf meine Frage hin, „kann ich Dich gerne mit einem bekannt machen. Aber bedenke, was auch immer er machen wird, wird Auswirkungen auch auf Dein Leben haben. Alles ist Eins und hängt miteinander zusammen. Die Folgen treffen auch immer Dich.“
Ich entschied mich daraufhin, die Hilfe eines Schamanen nicht in Anspruch zu nehmen, und aus der Reaktion meines Freundes konnte ich sehen, dass es die richtige war.
Natürlich hat mich dieser Aufenthalt in meiner Neugier bestärkt, als ich wieder zurück in Europa war. Ich nahm sogar an einem Workshop über schamanisches Reisen teil. Veranstaltet von der Foundation for Shamanic Studies fand ich es unglaublich, wie einfach es war, von der Wirklichkeit in die „Nicht-Wirklichkeit“ abzugleiten und doch im Hier und Jetzt verankert zu bleiben.
Seit ich dies einmal gelernt habe, möchte ich die Technik in meinem Leben nicht mehr missen. Ich lege mir oft die Trommel-Musik auf und reise dazu in die Gefilde, in denen mein Krafttier auf mich wartet. Manchmal, weil ich eine Frage habe, manchmal aber auch einfach nur, um dort einen Bummel zu machen und mich an meiner persönlichen Quelle zu erfrischen. Manchmal reise ich in die oberen Welten und begegne dem Wesen, von dem ich glaube, es ist mein Höheres Selbst. Sie – ich glaube, es ist eine Sie, ihrem Gesicht und ihrer Kleidung nach zu urteilen, aber sie kann genauso gut auch geschlechtslos sein – ist immer für mich da und ich kann Probleme bei ihr abladen oder mit ihr besprechen.
Der guten Ordnung halber möchte ich hier darauf hinweisen, dass ich keinesfalls schamanische Fähigkeiten habe oder mich gar als Schamanin bezeichne. Ich habe gelernt, zur Trommel mental zu reisen, nicht mehr und nicht weniger. Eine Ausbildung ist sehr spezifisch und intensiv und dauert meines Wissens mit Sicherheit viele Jahre. Ich persönlich würde daher von „Wochenend-Schamanen“ und ihren Angeboten Abstand nehmen.
Im weiteren Verlauf des Buches werde ich auch von Bewusstseins- oder Traum Reisen sprechen, von denen ich auch einige gemeinsam mit einem Mental-Coach und Psychologen unternommen habe. Sie lesen die Geschichten, die ich auf meinem Weg, hinter die Kulissen zu blicken, erfahren, sehen oder mitunter sogar genießen durfte und woraus sich mein persönliches Weltbild über Leben, Tod, Geist, Seele, Bewusstsein und dem inkarnierten Mensch-Sein gebildet hat, das ich hier mit Ihnen teilen möchte.