Kitabı oxu: «Mit Schwung in die zweite Halbzeit»

Şrift:


Elisabeth H. Knoth

Mit Schwung in die zweite Halbzeit Das Partnerschafts-Pflegeprogramm für Ehen in den besten Jahren


Danke

Ein riesengroßes Dankeschön an meinen Mann Matthias, ohne den ich dieses Buch niemals hätte schreiben können.

Danke, dass du damals die Geduld und Hoffnung hattest, dass aus dem jungen Mädchen in Tracht und Haube noch eine Ehefrau werden könnte.

Danke für deine Liebe und Wertschätzung in den letzten 40 Jahren.

Danke für alles Verständnis und Rücken freihalten in den Tagen und Nächten, in denen ich geschrieben habe.

Inhaltsverzeichnis

Vor-Sicht

Ach so … Gut zu wissen

Reden. Muss das sein? Geht es nicht auch ohne?

Beziehungsreich kommunizieren

Abrüstung in der Kommunikation

Die Chance auf ein Ende

Und willst du nicht mein Bruder sein

Vom Umgang mit Erwartungen

Wer bist du für mich und ich für dich? Identität neu definieren

Das Leben genießen

Nutzung der spirituellen Ressourcen – wo gibt der Glaube Halt und Kraft?

Evaluierung der Ergebnisse

Vor-Sicht

Achtung: Bitte überprüfen Sie vor der Lektüre des Buches Ihre Erwartungen! Wer ein hochwissenschaftliches Buch mit vielen Fachtermini erwartet oder komplexe Zusammenhänge staubtrocken und todernst sortiert, dem kann ich jetzt schon versprechen, dass ich ihn haushoch enttäuschen werde.

Wenn wir schon einmal dabei sind, machen wir gleich noch bei den Einschüben, Beispielen und Gedankengängen weiter: Hier ist ganz bestimmt nichts normiert und geschmeidig aufeinander abgestimmt, so wie Sie es wahrscheinlich gewohnt sind. So etwas gibt es zwar bei Büchern, aber nicht in der Ehe. Was Sie hier in der Hand halten, ist aus dem Leben für das Leben. Und wenn Sie, für die ich dieses Buch geschrieben habe, schon ein reichliches Vierteljahrhundert verheiratet sind, dann kennen Sie das. Ihre Ehe und mein Buch haben einige Gemeinsamkeiten: Da geht es überraschend zu, ungewohnt, herausfordernd und sehr persönlich. Da kommen zum Beispiel Dinge öfter vor – nicht aus Versehen, sondern weil sie so wichtig sind, dass ich sie nur durch Wiederholung festige.


Wenn Sie dagegen Freude daran haben, mich auf einem Streifzug durch meine Erfahrungen mit Männlein und Weiblein und ihren Bemühungen, miteinander alt zu werden, begleiten möchten, dann werden Sie auf Ihre Kosten kommen. Sie werden staunen, wie wunderbar vielschichtig die Beziehung zwischen Mann und Frau doch sein kann, und wie faszinierend sich die ganzen Problematiken auf ein paar wenige Punkte herunterbrechen lassen.

Bei manchen Themen ist es völlig egal, auf welchem Kontinent oder in welcher Kultur ich lebe. Bei anderen wieder machen schon dreißig Kilometer1 etwas aus. Bei aller Verschiedenheit konnte ich aber auch feststellen, dass die Paardynamik an sich und allgemein betrachtet auf der anderen Seite des Äquators auch nicht anders ist.

Der Einfachheit halber spreche ich von Partnern- ob dabei die Frau oder der Mann gemeint ist, ergibt sich im Text. Als jemand, der in der DDR geboren wurde, ist Gleichberechtigung für mich keine Frage der Endungen.

In diesem Buch geht es mir auch nicht um normierte Zahlen, denn ich will damit nicht Ihren Verstand, sondern Ihr Gefühl, Ihr Herz ansprechen. Im Gegenteil: Ich werde manches bewusst pointiert darstellen (karikieren), sodass es Sie auf- und anregt, darüber zu diskutieren. Spätestens, wenn ich wieder ein Klischee bemühe, wissen Sie: Jetzt wird’s höchste Zeit zu reden.

Wenn Sie sich selbst hin und wieder erkennen, dann hoffe ich, dass Sie sich entspannt zurücklehnen und denken: Willkommen im Club! Und ich werde mit viel Humor arbeiten, denn das entspannt – wenn schon nicht die Situation, dann wenigstens Ihr Gesicht. Oder meins, wenn ich mir vorstelle, wie Sie es lesen.

Sie werden feststellen, dass die Themen nur manchmal „altersentsprechend“ sind. Die meisten Dinge gelten für Paare unabhängig Ihres Lebens- oder Ehealters. Das ist weder Zufall noch Versehen, und ich sag Ihnen auch warum: Die Paare, die jetzt die Silberhochzeit hinter sich und die Kinder aus dem Haus haben, hatten damals, als sie in ihre Partnerschaft starteten, weder die Zeit und Muße, geschweige denn die Fachliteratur, um sich entsprechend mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Nun aber, wo Berufe erlernt, Familien gegründet und Häuser gebaut worden sind, ist auch hierfür Zeit. Inzwischen ist so langsam die Erkenntnis durchgesickert, dass Selbstreflexion nichts zu essen oder eine Krankheit ist. Ja, sogar die Ahnung, dass man nicht erst auf eine Krise warten muss, um sich mit seiner Ehe aktiv auseinanderzusetzen.

Aktiv werden

Im ganzen Buch verteilt finden Sie Schreib- und Denkaufgaben. Es empfiehlt sich, die entsprechenden Seiten zu kopieren oder aber als Vorlage für separate Notizen zu verwenden. Gönnen Sie sich doch ein schönes Notizbuch dafür!

Austausch im Freundeskreis

Vielleicht holen Sie sich aber auch gleich Unterstützung, bevor Sie starten. Überlegen Sie doch mal, ob Sie dieses Buch nicht auch mit guten Freunden oder Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, lesen wollen. Laden Sie Ihre besten Freunde oder die Ehepaare in Ihrem Verein oder Bibelkreis ein, entweder zunächst zu Hause allein oder mit dem Partner einen Abschnitt zu erarbeiten. Wer mag, kann auch gleich in der Gruppe die einzelnen Abschnitte lesen und dann darüber diskutieren.


Sorgen Sie auf alle Fälle für eine ungestörte und gemütliche Atmosphäre, das erleichtert den Austausch. Diskutieren Sie unterschiedliche Ansätze und Sichtweisen und lernen Sie voneinander. Auf diese Weise kann jedes Paar seine Erfahrungen und Einstellungen in der eigenen Partnerschaft reflektieren. Ich erlebe ganz oft, dass die Leute danach ermutigt rausgehen und feststellen: Gott sein Dank, wir sind nicht die Einzigen – anscheinend ist das normal, was wir erleben. Wir haben es uns bisher unnötig schwer gemacht. Oder auch ganz anders: Es kommt vor, dass Paare merken, dass sie sich bereits auf ganz dünnem Eis bewegen. Dann können sie gegebenenfalls neue Erkenntnisse in ihre Ehe und den Umgang miteinander einfließen lassen.


In meiner Praxis erlebe ich immer wieder Menschen, die nicht verstehen können, warum Ehetherapie keine Kassenleistung ist. Sie haben zwar weder Arzt, Apotheker noch Krankenkasse gefragt, wen sie heiraten sollen, erwarten aber dann, dass Ehe als „Krankheit“ anerkannt wird und deshalb auch andere die Kosten übernehmen, wenn es Schwierigkeiten gibt. Das hängt zum einen sicher mit der mangelnden Erkenntnis zusammen, dass ganz allein ich für mein Leben verantwortlich bin. Kaum jemand sagt: Ja, das liegt in meiner Verantwortung! Zum anderen aber auch mit der traurigen Tatsache, dass wir uns in Deutschland sehr schwer damit tun, dass Scheitern nun einmal zum Leben dazugehört. Fehler werden als Katastrophe anstatt als Lernquelle betrachtet, deshalb wird damit so diskret umgegangen, dass fast jedes Paar glaubt: Wir sind die Einzigen, denen es so geht. Viele scheitern also an den gleichen Fehlern, denn wie kann ich das vermeiden, wenn keiner darüber spricht?

Ich ermutige die Paare, im geeigneten Rahmen über Ihre Erfahrungen im Umgang mit Schwierigkeiten zu sprechen. Anderen zu berichten, wie sie Konflikte lösen konnten und welche Ansätze sie als eher hinderlich erlebt haben. So können sie in ihrem engeren Umfeld Multiplikatoren werden und andere Paare ermutigen. Gleichzeitig tröstet es natürlich auch, wenn ich feststelle, dass ich nicht allein in dieser Thematik bin. Sie wissen ja: „Willkommen im Club“

Im Rahmen unserer Seminare, die wir zu diesem Thema seit vielen Jahren halten, haben sich schon einige Paare miteinander befreundet und unterstützen sich nun gegenseitig. So macht lernen viel mehr Spaß und verhindert selbstgemachten Druck!


1 Entfernung Plauen – Hof, einstmals in zwei, wenn auch deutschen, Staaten.


Ach so … Gut zu wissen

Wenn ich für 99 Cent einen Wecker kaufe, dann bekomme ich mindestens anderthalb Meter Gebrauchsanweisung in allen möglichen und unmöglichen Sprachen dazu. Natürlich ist darin auch zu lesen, wie der Wecker zu bedienen sei und was ich tunlichst zu unterlassen habe. Will ich einmalig gar eine Kettensäge bedienen, so brauche ich einen „Schein“ und vorher einen Lehrgang.

Für jede noch so kleine Kleinigkeit gibt es Kurse und Anleitungen ohne Ende – nur nicht für die wichtigsten Dinge des Lebens. Wir lernen in der Schule unbekannte Künstler zu interpretieren, erstaunliche Dinge zu berechnen, aber vom Leben in all seiner Komplexität steht wenig im Stundenplan. Immer seltener können Menschen von ihren Eltern oder Großeltern zum Beispiel lernen, wie echte Partnerschaft und Ehe gelingen, wie Konflikte miteinander ausgetragen und Kompromisse gefunden werden.

Hin und wieder gibt es Ehevorbereitungskurse, einige Elternprogramme und später dann Angebote für Senioren. Was ist aber mit der Zeit zwischendrin? Wer spricht schon drüber, wie es Eltern nach ihrem Erziehungsmarathon geht, darüber, was nach vielen Jahren Ehe an Liebe und Träumen übrig geblieben ist? Wenn Sie sich inmitten des Alltagsgetriebes auseinandergelebt haben, wenn es eben keinen „Großgruppenrabatt“ mehr gibt und stattdessen die völlig ungewohnte Zweisamkeit fast Angst macht? Ohne lebende Beispiele innerhalb von Familie oder Freundeskreis bleibt uns nur, das Leben in Echtzeit zu erforschen. Frei nach dem Motto: „Am besten Sie testen!“

In meiner Beratungspraxis begleite ich seit Jahren Menschen in ganz unterschiedlichen Herausforderungen des Lebens. In fast 80 Prozent geht es um Beziehungsfragen: Wie kann Partnerschaft gelingen? Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, dass in der Regel Missverständnisse und Unwissenheit die Auslöser für Unverständnis, Streit und Auseinandersetzungen sind. Mit wertschätzender und rechtzeitiger Unterstützung wären die meisten Ehekrisen und -scheidungen vermeidbar. Bleiben die verletzten Partner allerdings in ihrem Schmerz allein, dann reihen sich eine unerfüllte Hoffnung an die nächste und ein verbaler Fehltritt an den anderen. Dann gibt es keine Sieger mehr, sondern nur noch Verlierer.

Helfen anfangs noch gemeinsame Gespräche, so verhärten sich mit der Zeit die Fronten. Nur sehr wenige Paare sind mit so guten Freunden gesegnet, dass man sie jetzt um Hilfe bittet. Gar jemand Fremdes in die eigenen Probleme hineinschauen zu lassen, ist für viele kaum denkbar. So kommt es, dass die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe oft die allerletzte Option vor einer Trennung beziehungsweise Scheidung ist.

Sitzen dann die Paare bei mir in der Praxis und wir arbeiten gemeinsam an der erwünschten Veränderung, so höre ich immer wieder: „Hätten wir das doch früher gewusst – was hätten wir uns alles ersparen können! Warum sagt einem das niemand? Nicht viel und unsere Wege hätten sich getrennt – unnötigerweise.“

Zu beobachten, wie Paare, die mittlerweile bestenfalls noch eine Wohn-, Erziehungs- oder Wirtschaftsgemeinschaft waren, langsam aber wieder anfangen, sich anzusehen, sich zuzuhören und wieder ernst zu nehmen, ist der schönste Teil meiner Arbeit. Es sind faszinierende und berührende Momente, wenn sich ein Paar zum ersten Mal seit Jahren oder Jahrzehnten wieder in die Augen schaut, sein Gegenüber wieder richtig wahrnimmt. Damit dies öfters geschieht und viele Paare wieder Hoffnung für ihre Beziehung bekommen, habe ich dieses Buch geschrieben. Allen Paaren, die sich noch lieben, soll es Unterstützung und Ermutigung sein, dies auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch zu tun, frei nach dem Motto: „Vor dem Schaden klug sein!“

Im Vorfeld habe ich viel überlegt: Wie soll es werden? Am liebsten kompakt, vielfältig und umfassend … Aber so ein Buch, in dem alles ausreichend behandelt wird, ist genauso gut möglich beziehungsweise unmöglich, wie sich an einem Nachmittag ein gründliches Bild von den Alpen zu machen. Klar könnten Sie einem Piloten ausreichend Geld in die Hand drücken und mit einem Hubschrauber oder Kleinflugzeug zu einem Rundflug starten. Aber wer halbwegs in Heimatkunde aufgepasst hat, der weiß, dass er nur von einem Gipfel zum anderen fliegen und zwischendrin eventuell zu einem kleinen Picknick an einer Hütte landen wird. Zeit, Land und Leute der Alpenländer kennenzulernen, eine Wanderung zu unternehmen oder etwas über Flora und Fauna zu lernen, bleibt nicht. Kein Mensch würde danach sagen: Wunderbar, vielen Dank, jetzt kenne ich mich aus und find mich prima zurecht!

Ähnlich ist es auch mit der Ehe. Auch wenn ich viele von außen schon beobachtet und manche Berichte gehört habe, so lohnt es sich doch, an manchen Stellen genauer hinzuschauen. Deshalb möchte ich mit Ihnen genau dort anfangen, wo es am schnellsten in der Beziehung hakt, aber wo ich dankenswerter Weise auch am schnellsten Fortschritte sehen kann.



Reden. Muss das sein? Geht es nicht auch ohne?

Bevor ich das kläre, möchte ich zunächst eine andere Frage ganz nach vorn schieben: Ein Ehebuch – muss das sein? Geht es nicht auch ohne? Zumindest bei uns? Bringt das überhaupt etwas? Das sind gute und berechtigte Fragen, die Ihnen wahrscheinlich die wenigsten Ärzte und noch weniger Apotheker beantworten werden. Dazu ist es zunächst wichtig, eine andere, viel zentralere Frage zu beantworten: Was will ich?


Sehr treffend hat es einmal ein Ehemann formuliert, der in einer heftigen Ehekrise um ein Gespräch bat: „Frau Knoth, mir stellt sich nicht die Frage ob, sondern wie ich mit meiner Frau alt werden kann. Die Frage ‚ob‘ habe ich bereits vor dem Altar beantwortet, jetzt kümmre ich mich nur noch um den Rest, also: wie?“

Sehr pragmatisch veranlagt, versuchte er, seine Kräfte zu bündeln und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Für alles andere wollte er weder Zeit noch Kraft aufwenden. Wohl dem, der seine Werte kennt und nicht täglich neu suchen und definieren muss.

Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass ein/mein Ehebuch garantiert kein Allheilmittel ist und keinen Kausalitätsanspruch hat, frei nach dem Motto: „Wenn … – dann …“ Und doch glaube ich fest daran, dass es eine Bereicherung und Ermutigung für fröhliche, glückliche, sowohl auch Paare der ersten Stufe (Beziehungsirritation) und gegebenenfalls auch zweiten Stufe (Beziehungsstörung) von Beziehungsschwierigkeiten ist.

Wenn sich die Kommunikationsstörung bereits zur Beziehungsstörung entwickelt hat, dann wird es wirklich allerhöchste Eisenbahn, daran zu arbeiten, damit es nicht noch zur Beziehungszerstörung kommt.

Gerade wenn die Worte und Emotionen etwas ins Stocken geraten sind, kann man sich leichter über etwas als miteinander unterhalten. Spätestens wenn Sie in Ihrer Ehe bei Stufe 3, der Beziehungserkrankung, angekommen sind, sollten Sie allerdings zunächst ein anderes Buch lesen – nämlich das Telefonbuch! Suchen Sie sich so schnell wie möglich einen professionellen Gesprächspartner, der die Abwärtsspirale zunächst bremst und im besten Fall mit Ihnen zusammen umkehrt.

Hier brauchen Sie wirklich professionelle Hilfe zur Unterstützung. Das schafft in der Regel kein Paar mehr allein.


Eine Orientierung, ähnlich wie die Wasserstandsmeldungen bei Hochwasser, kann Ihnen die folgende Übersicht geben:

Beziehungsirritationen:

Hervorgerufen durch Kommunikationsstörungen entstehen Missverständnisse oder Konflikte, die es in jedem Alltag nun einmal gibt. Diese Probleme kann das Paar aber selbst oder im Gespräch mit vertrauten Personen zeitnah lösen. Die beiden lieben sich nach wie vor, und es tut ihnen leid, wenn etwas schiefging.

Beziehungsstörungen:

Die Paarbeziehung ist sehr angespannt. Oft reichen kleinste Auslöser, um einen Streit vom Zaun zu brechen. Die Missverständnisse und Probleme häufen sich, eine befriedigende Klärung bleibt aus. Trotz Gesprächen setzt keine Besserung ein. An dieser Stelle sind die meisten Freunde überfordert, und das Ehepaar braucht Hilfe von außen. Das kann ein Seelsorger, Berater oder Ehetherapeut sein. Für mindestens einen ist von Liebe keine Rede mehr. Dafür gibt es Gedanken an Vergeltung.

Beziehungserkrankung:

Paare, die Hilfe ablehnen und ihre Situation verdrängen, leben seit Jahren mit ungelösten Konflikten. Die Verletzungen sind bereits chronisch geworden und führen zu Verbitterung. Gemeinsame Gespräche fallen unheimlich schwer und Konflikte werden nur durch Kämpfe oder überhaupt nicht mehr gelöst. Destruktive Gefühle machen sich breit. Die Beziehung droht zu zerbrechen; fachliche Hilfe von außen ist unverzichtbar.

Beziehungszerstörung:

Nach kraftzehrenden, jahrelangen Konflikten ist die Fehlinterpretation von Worten und Verhalten des Partners an der Tagesordnung. Die wiederholten Verletzungen liegen so tief, dass keinerlei Vertrauen in den Partner oder Gefühl für ihn mehr da ist. Es fehlen Kraft, Motivation und Bereitschaft, sich in den anderen hineinzuversetzen und seine Perspektive zu übernehmen. Voller Hoffnungslosigkeit wird nur noch das schnelle Ende herbeigesehnt – egal, zu welchem Preis und mit welchen Konsequenzen auch für andere.


Von der fachlichen und therapeutischen Seite her heißt es spätestens an dieser Stelle: „Rien ne va plus.“ Aber genau solche Situationen, in denen nach menschlichem Ermessen gar nichts mehr geht, sind Gottes Sternstunden. Es ist seine ureigene Identität, zu retten, zu helfen und zu heilen – wenn wir ihn lassen!

Ich frage die Paare dann, ob sie Gott eine Chance geben, ihnen zu helfen. Darf er sie dabei unterstützen, ihr Trümmerfeld der Verletzungen zu beräumen und auf dem Weg der Vergebung begleiten? Auch wenn dieser Weg sehr beschwerlich, lang und auch schmerzhaft ist – Gott kann das Wunder schenken! Ich durfte es schon einige Male miterleben. Aber auch die andere Seite der Medaille will ich nicht verschweigen: Ich habe genauso schon Ehen auseinanderbrechen gesehen – auch bei Christen, meist den „Vorzeigepaaren“.


„Es ist zu spät – nicht wahr?“, fragte mich vor Kurzem eine Frau.

„Ja, leider – ich wünschte, Sie wären zehn Jahre eher gekommen!“


Kommen wir auf die in der Überschrift formulierten Frage zurück: „Reden. Muss das sein? Geht es nicht auch ohne?“

Doch, geht es auch. Es hat nur Konsequenzen, so wie alles, was ich auf dieser Erde tue oder eben auch nicht tue. Es geht fast alles – nur werden Sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein! Jedenfalls nicht auf die Dauer. Halten es die meisten Menschen nicht für normal, mit einer Pflanze zu sprechen, so ahnen doch einige, dass es zumindest gut wäre, mit dem eigenen Haustier zu reden. Wer das eine Weile versäumt, wird es recht schnell an dessen Reaktionen merken. Möglicherweise wird die Katze Ihnen auf den Teppich pinkeln, der Hund die Schuhe zerlegen und eine Kuh weniger Milch geben. Nur von der eigenen Frau oder dem Ehemann erwartet man, dass sie es klaglos hinnehmen. Wieso eigentlich?

Diese Erfahrung ist an sich so alt wie die Menschheit. Wer allerdings dem Schöpfer des Himmels und der Erde nicht glauben will, dem fällt es auch schwer, an die Schöpfungsordnungen zu glauben. Die göttlichen Naturgesetze. Und damit geht der ganze Schlamassel regelmäßig los.


Interessanterweise gelten diese Ordnungen immer und für alle – universell sozusagen. Völlig egal, ob Sie an Gott glauben oder nicht. Ob Sie ihn mögen, ihm etwas zutrauen oder nicht. Genauso wie die Erdanziehungskraft funktioniert, unabhängig davon, ob ich an sie glaube oder überhaupt von ihr weiß. Sie funktioniert von Anfang an und für alle- völlig gleichgültig, ob Sie je verstehen werden wieso, ob Sie es toll finden oder nicht. Sie gilt für alle Völker, alle Kontinente und Zeiten hindurch. Und so ist es auch mit den Schöpfungsordnungen Gottes.

Mit der Erdanziehungskraft haben sich die meisten schon angefreundet und ihr Leben darauf eingerichtet. Das spart eine Menge Ärger, Zeit und Kraft und gibt uns eine gewisse Sicherheit. Meine Logik sagt mir: Wenn es also ähnlich den Naturgesetzen so eine stabile Schöpfungsordnung gibt, dann lohnt es sich, dass ich mich damit auseinandersetze. Wenn ich weiß, wie etwas funktioniert oder eben auch nicht, dann kann ich mich darauf einstellen, es für mich nutzen oder mich vor Misserfolg schützen.

Jetzt sind wir wieder bei der Sache mit den Bedienungsanleitungen, Stichwort „Wecker“. Bei jedem popeligen Teil schauen wir nach und ackern uns durch die seitenlangen Beschreibungen. Je größer das Gerät, desto länger die Anleitung. Warum schauen wir bei dem Kompliziertesten von allem, dem Menschen, nicht auch ins Handbuch für das Leben?

Dort steht ziemlich genau beschrieben, wozu der Mensch bei guter Wartung und Pflege sowie sachgerechtem Gebrauch alles in der Lage ist. Da steht auch etliches zum Aufspüren von Fehlerquellen, deshalb lese ich täglich drin und finde immer wieder neue „Life Hacks“ für alle möglichen Situationen im Alltag.

Doch das Beste von allem ist: Unser Hersteller, Gott der Schöpfer des Menschen, will, dass es uns gut geht und unser Leben gelingt! Das belegen etliche Stellen in diesem Handbuch – der Bibel.

Und weil er weiß, dass es mit Handbüchern so eine Sache ist und die allerwenigsten auf Anhieb damit klarkommen und auch verstehen, was damit gemeint ist, hat er uns sogar noch einen persönlichen Ansprechpartner mit einer kostenfreien 24-Stunden-Hotline (die übrigens nie mit Bandansagen arbeitet) dazugegeben.

Ganz anders, als wir es sonst gewohnt sind, ist dieser Ansprechpartner nicht einfach irgendein Angestellter, einer, der sich bei Bedarf mehr oder weniger in die Materie einarbeitet, kurz darauf alles vergisst, aber leider auch nichts entscheiden darf. Nein, sondern direkt in flacher Hierarchie der Sohn Gottes, unseres Schöpfers, JESUS CHRISTUS.


Er ist der einzige Weg direkt in die Chefetage, zu unserem Hersteller, Pardon, Schöpfer. Zu dem, der weiß, wie wir funktionieren und was bei Schwierigkeiten zu tun ist.

Parallel dazu hat uns Gott noch ein persönliches Navi gegeben: den heiligen Geist. Der kann uns lenken beziehungsweise leiten in unserem Leben. Ähnlich wie im Auto kann ich die Stimme natürlich auch ignorieren oder mit anderen Dingen übertönen. Anderes als im normalen Leben, lässt er uns aber nicht in den Fluss fahren oder benutzt veraltete Angaben. Wenn Gott uns auf einen vermeintlichen Umweg schickt, dann hat das so seinen Grund, wie ich im Laufe des Lebens gemerkt habe.

Das klingt gut, werden Sie jetzt vielleicht sagen. Manche wissen das theoretisch auch. Doch wie kommt dieses Wissen vom Kopf ins Herz, oder besser: Wie krieg ich die PS auf die Straße?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Natürlich wissen Sie, dass es kein Patentrezept gibt, so nach dem Motto: Im Falle A, lesen Sie bitte Seite 97, Absatz 3 folgende ...

Eine Bedienungsanleitung erspart dem Leser das Selberdenken, Tüfteln und Ausprobieren meistens nicht. Trotzdem finde ich viele Hinweise in der Bibel, wie Leben gelingen kann.

Mein Buch hier ist weder eine Betriebsanleitung, noch ein Rezeptbuch. Denn ich kenne weder Sie noch Ihre Biografie, geschweige denn die Umstände, in denen Sie momentan leben. Und ich werde Ihr Leben auch nicht leben, zu Ihnen an den Abendbrottisch kommen und Ihnen Ihre Verantwortung für das Gelingen Ihrer Partnerschaft abnehmen. Insofern würden Ratschläge Sie im wahrsten Sinne des Wortes schlagen; einfach nicht guttun und grandios am Ziel vorbeitreffen.

Sehen Sie es eher als Ideensammlung und Erfahrungsschatz. Ein Impulsgeber, den ich mir bei Bedarf holen kann und auch gleich wieder weglegen, wenn mir danach zumute ist. Vielleicht ist es manchmal auch einfach nur Trost, wenn Sie feststellen, dass es anderen Paaren ähnlich geht, Sie manche Baustelle in der Partnerschaft wiedererkennen und beruhigt merken, dass andere exakt an der gleichen Stelle falsch abgebogen sind wie Sie. Wahrscheinlich werden Sie zwischendrin auch stolz sagen können: Das ist uns zum Glück nicht passiert – das haben wir besser gemeistert.


Und zwischendrin, so hoffe ich, werden Sie einfach nur lachen. Lachen ist einfach genial: Es verbraucht eine Menge Kalorien, entspannt und kostet keinen Pfennig. Wer lacht, kann gerade nicht nörgeln. Das Beste aber ist: Lachen hilft mir beim Lernen. Je mehr Emotionen beteiligt sind, desto besser erinnere ich mich an eine Sache. Je positiver diese Emotionen sind, desto leichter fällt es mir, das Gelernte in meinen Alltag einzubauen, es immer wieder zu machen. Lachen hilft uns, eine schwere Aufgabe in Angriff zu nehmen und dranzubleiben, auch wenn‘s nicht gleich funktioniert.

Eine erfahrene Kollegin gab mir als blutjunge Berufsanfängerin einen wichtigen Hinweis: „Elisabeth, in jeder guten Therapiesitzung muss wenigsten einmal gelacht werden, und wenn es eine Trauerbegleitung ist!“ Dazu habe ich nie eine Statistik geführt, aber ich glaube, dass ich diesen Rat gut umgesetzt habe, sowohl bei den einzelnen Sitzungen als auch in den Vorträgen und Seminaren. Manche Kursteilnehmer sagen es mir ganz direkt: „Wir wüssten nicht, wann wir das letzte Mal so gelacht haben. So aus tiefster Seele und so anhaltend, das tut uns unendlich gut.“


Also lassen Sie uns starten. Dazu möchte ich Sie ermutigen, nicht einfach alles als gegeben hinzunehmen, sondern sich selbst ein Bild zu machen. Schon die Kaffeewerbung wusste: „Am besten, Sie testen!“ Oder wie schon in der Literatur des 1. Jahrhunderts beschrieben ist: „Prüfet aber alles und das Gute behaltet!“2 Um eine Sache wirklich gut zu verstehen, lohnt es sich, an die Wurzeln zu gehen. Schlagen Sie im Handbuch zum Leben doch mal nach – vielleicht besitzen Sie oder Ihre Eltern sogar eins. Wenn nicht, dann gibt es das Handbuch, die Bibel, in jedem Buchladen oder auch als App.

Ganz vorn im 1. Buch Mose, Kapitel 1 geht es ab Vers 26 sofort mit der Produktbeschreibung los: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei … Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde … lasst uns ein Gegenüber …“ Hammer! Aber was bedeutet das für uns? Wir sind als Beziehungswesen geschaffen. Der Mensch braucht ein Gegenüber, eine Resonanz. Erst dann kann er zur vollen Geltung kommen. Wenn Jesus sagt, ich bin das Wort (die Sprache, Information) und Gott von sich sagt, dass er die Liebe ist, dann bedeutet das, dass auch wir zum Reden und Lieben geschaffen worden sind.

Was ich bis heute noch unglaublich finde: Dieser gewaltige Gott, Schöpfer des Universums, hat Interesse an mir, Elisabeth H. Knoth. Und übrigens auch an Ihnen! In Jesaja 43, 1b lese ich: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“ – Der redet mit mir! Und er will, dass ich mit ihm rede. Warum? Weil er mir angeboten hat, ein – mein – liebender Vater zu sein. Damit ich weiß, was ihm wichtig ist und damit er weiß, wie es mir geht, wäre es gut, miteinander in Kontakt zu sein, und das geht nun mal am besten mit Reden.

Das ist der Grund, warum ich jedem, der von sich behauptet: „Ich kann nicht reden“, hundertprozentig versichern kann, dass es nicht so ist. Es mag eine Beschreibung des momentanen (und möglicherweise jahrzehntelangen) Zustandes sein, aber in unserer Grundausstattung sind wir anders angelegt; vom Hersteller quasi „werksseitig“ anderes ausgeliefert. Nur ist dann irgendwann mal was dazwischengekommen, etwas kaputt oder verloren gegangen. Und das wiederzufinden, dazu soll das Buch Sie unter anderem ermutigen.

Vielleicht können sich einige daran erinnern, einmal etwas von Friedrich II., dem Stauferkaiser, gelesen zu haben. Der hat bereits im 13. Jahrhundert erkannt, dass es einige ungeklärte Fragen gibt (die im Übrigen zum Teil bis heute offen sind): Ihn interessierte beispielsweise brennend, welches die Ursprache der Menschheit sei. Er wollte nicht trefflich darüber streiten, sondern es selbst herausfinden. Deshalb gründete er das wahrscheinlich erste urkundlich erwähnte Sprachlabor.

Kraft seiner Autorität ging es ganz ohne Antragsformulare und Bürokratie. Er schickte seine Herolde aus, und die sollten ihm Neugeborene bringen. Parallel ließ er eine Kemenate herrichten, bestellte seinen Innenarchitekten und ließ die Voraussetzungen für eine optimale Versorgung der Säuglinge schaffen. Höchstpersönlich nahm er die Einstellungsgespräche mit den Ammen vor. Die Stellenbeschreibung war klar: trocken, satt und sauber – Punkt. Mehr nicht! Bei drastischen Strafen wurde ihnen verboten, auch nur ein unnötiges Geräusch zu verursachen, geschweige denn zu reden. Keine wiegende Bewegung, keine unnötige Berührung, keine Miene verziehen, nichts. Sobald eines der Babys den ersten als Wort deutbaren Ton von sich gab, wollte er sofort informiert werden, um herauszufinden, was die Ursprache der Menschheit sei.

Man braucht kein Wissenschaftler zu sein, um zu wissen, wie es ausging: Keines dieser Kinder erlebte seinen ersten Geburtstag, die meisten starben schon nach wenigen Wochen. Warum? Sie hatten doch mehr als die meisten Babys der damaligen Zeit, waren gut ernährt, sicher und sauber. Aber das entscheidende hatten Sie nicht: Sie hatten keine Resonanz. Keine Ansprache. Keine Liebe. Ihnen fehlte die wirkliche Lebensgrundlage, deshalb starben sie eines nach dem anderen.

Auch heute noch führt mangelnde Kommunikation zum Tod. Zum Beziehungstod in erster Linie und auf Dauer auch zum physischen. Lange Zeit wurde das weder wahr, noch ernst genommen. Anfang 2018 wurde in Großbritannien eine Ministerin für Einsamkeit berufen (wobei ich „gegen“ besser fände). Den Verantwortlichen wurde klar, dass es für dieses Problem noch keine Anlaufstelle gibt, aber die Bevölkerung darunter massiv leidet.

Einzelhaft gilt bis heute als besonders erschwerte Haftbedingung. Aber noch häufiger leiden Menschen in ihrem „normalen“ Wohnumfeld darunter. Ich erinnere mich an eine Frau, die ich vor vielen Jahren bei einem therapeutischen Seminar kennengelernt habe. Sie war etwa Ende 30 und bereits seit Jahren Invalide. Als Laie hätte man sich fragen können warum. Als Fachkraft war es völlig klar, wenn auch erschütternd: Sie wuchs in einem Haushalt auf, in dem so gut wie nie gesprochen wurde. Weder am Tisch noch bei der Hausarbeit oder in der Freizeit. Nur wenn es überhaupt nicht anders ging, bellte einer der Eltern den anderen im Telegrammstil an. Danach herrschte wieder eisiges Schweigen. So wie die Eltern nicht miteinander redeten, so taten sie es auch nicht mit ihrer Tochter, die in der Folge völlig verunsichert und reizarm aufwuchs. Das hat sie zunächst psychisch und später körperlich schwer krank werden lassen. Sie konnte sich nicht erklären, warum ihre Eltern weder mit ihr noch miteinander sprachen. Gleichzeitig machte sie sich schwere Vorwürfe, dass es an ihr liegen müsste, denn alle anderen Kinder in der Schule erlebten Familie anders. Sie unternahm die verrücktesten Dinge, nur um ihre Eltern zufriedenzustellen, beziehungweise um ihre Liebe endlich zu erringen. Ein vergeblicher Kampf.

29,67 ₼
Yaş həddi:
0+
Litresdə buraxılış tarixi:
09 iyul 2025
Həcm:
242 səh. 137 illustrasiyalar
ISBN:
9783761567876
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
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