Kitabı oxu: «Magisches Dufträuchern»
SABINE EILMSTEINER · ELISABETH NUSSBAUMER
Magisches
DUFT
RÄUCHERN
111 WOHLFÜHLAROMEN FÜR DAS STÖVCHEN AUS KÜCHE, GARTEN UND WALD


Vom Wiederentdecken des Riechens
Wunderwelt des Riechens
Eine Reise zu den Wurzeln unseres Dufterlebens
Räucherzauber
Vom Wunder Pflanze zum erfüllenden Dufterlebnis
Küche
Von Anis bis Zitronengras
Garten
Von Alant bis Zitronenverbene
Wald
Von Besenheide bis Zunderschwamm
Wiese und Hecke
Von Bibernelle bis Weißdorn
Wegrand und Brachfläche
Von Beifuß bis Wilde Möhre
Feuchtwiese und Ufer
Von Baldrian bis Weide
Räuchermischungen
Von Löwenmut und Glücksmomenten
Wirkungstabelle
Index
Literatur

Vom Wiederentdecken des Riechens
„Wir haben das Riechen nicht verlernt,
sondern nur vergessen,
darum können wir es leicht wiederentdecken.“
ANDREAS KELLER,
GENETIKER UND PHILOSOPH
Die Fähigkeit zu riechen, Aromen wahrzunehmen, ist für uns ein ungemein wichtiger Teil des Lebens. Unzählige Dufterinnerungen schlummern in uns und lassen schon beim Hineinspüren Gefühle aufsteigen: der typische Geruch der Küche der Großeltern, Tannenreisig beim Adventkranzbinden, der Duft der Jahreszeiten, von bestimmten Pflanzen, besonderen Orten, Menschen und Erlebnissen. Sie erinnern uns an prägende Abschnitte unseres Lebens: Riechen ist völlige Präsenz und zugleich Erinnerung, wir sind im Hier und Jetzt und diese Wahrnehmung verankert uns in Raum und Zeit.
In diesem Buch haben wir 111 Aromen versammelt – von Gehölzen und Kräutern bis hin zu Pilzen und Gewürzen. Schon beim Sammeln und Verarbeiten der Pflanzen bekommen wir die Möglichkeit, mit uns selbst und dem immerwährenden rhythmischen Kreislauf der Natur tiefer in Beziehung zu treten. Wir betrachten diese Geschenke aus der Natur als beseelte Kostbarkeiten, die es mit Achtsamkeit zu schützen und zu bewahren gilt.
Das Räuchern auf dem Stövchen – eine geniale und sehr einfache Art des Räucherns ohne Kohle – ist eine wunderbare Möglichkeit, in Düfte einzutauchen. Durch das Verräuchern werden verschiedenste Wirkstoffe der Pflanzen und Pilze freigesetzt. Die sich verströmenden einzigartigen Düfte wirken über viele Mechanismen auf uns ein. Sie bieten uns eine ausgesprochen positive, wirkungsvolle Unterstützung in unterschiedlichen Lebensbelangen.
Nicht alle von uns können einen eigenen Garten als Sammelort nützen, aber vielleicht den von Freundinnen, Freunden oder Bekannten. Auch jeder Waldausflug kann zur Sammeltour werden. Aus Respekt und Dankbarkeit gegenüber den pflegenden Waldbesitzern und im Einklang mit der Natur sollte dies immer mit Hausverstand und in Achtsamkeit geschehen: Umgestürzte Bäume oder „Sturmgeschenke“ sind gute Sammelquellen! Manche der genannten Pflanzen lassen sich auch gut auf dem Balkon oder der Fensterbank ziehen. Wer sich seine Räucherpflanzenvielfalt aus Gärtnereien oder von (heimischen) Saatgutvermehrern in den Garten oder auf den Balkon holt, leistet ganz nebenbei einen ökologischen Beitrag, denn Duftpflanzen sind oftmals große Insektenmagneten. Beim Kauf von Pflanzenmaterial (in Apotheken, Drogerien und online) achten wir immer auf Bio-Qualität. Dasselbe gilt für unser Räuchergut aus Küche und Vorratskammer: Wir verräuchern (und essen) vorzugsweise fair gehandelte Gewürze und Lebensmittel aus biologischem Anbau.
Wenn Sie nun neugierig geworden sind und Ihren Räucherhorizont auf dem Stövchen erweitern wollen, liegen Sie mit diesem Buch genau richtig. Wir wünschen Ihnen ein genussvolles (Wieder-)Entdecken des Riechens!

Sabine Eilmsteiner

Elisabeth Nussbaumer



DAS RIECHEN
UND WAS DABEI IM KOPF GESCHIEHT
Der Riechsinn ist einer der ältesten Sinne – unsere „modernen“ Gehirne haben sich aus dem ursprünglichen Riechhirn entwickelt. Die Umwelt mit der Nase wahrnehmen zu können, war in längst vergangenen Zeiten überlebenswichtig und kann uns auch jetzt noch vor verdorbenen Lebensmitteln schützen. Leider verkümmert diese Fähigkeit in unserer modernen Welt mit ihrer Reizüberflutung immer mehr. Trotzdem ist dieser besondere Sinn im Unterbewussten ständig am Arbeiten und beeinflusst, angefangen von der Partnerwahl bis hin zu unserem Wohlbefinden oder Unwohlsein, oftmals in Sekundenbruchteilen unser Leben.
Wir besitzen in unserer Nase 20 bis 30 Millionen Riechzellen – jede von ihnen ist darauf spezialisiert, nur einen von über 350 möglichen Leit-Düften wahrzunehmen. Diese Rezeptoren kann man sich wie ein Schloss vorstellen, welches durch das jeweilige Duftmolekül, den Schlüssel, aktiviert wird. Der Geruchsforscher Hanns Hatt spricht anschaulich von einer Art „Alphabet“ mit 350 bis 400 verschiedenen „Buchstaben“. Jeder Duft kann aus bis zu über 100 verschiedenen „Buchstaben“ bestehen und bildet so, wie zum Beispiel beim Kaffee, ein sehr komplexes „Duftwort“.
Verarbeitet werden die elektrischen Impulse mit ihrer Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten zum Teil im Großhirn, wo sie mit abgespeicherten Erfahrungen abgeglichen werden und neue Verknüpfungen bilden. Auf noch viel schnellere Weise kommt die Information auch ins limbische System, den Sitz der Emotionen, des Lernens und der Instinkte. Riechen ist so viel mehr, als einen Duft wahrzunehmen und zu bewerten. Riechen ist der Schlüssel zu unseren Erinnerungen, die Grundlage für die Produktion zahlreicher Hormone und damit maßgeblich für unsere Stimmung verantwortlich.
Frauen haben, was das Riechen anbelangt, gegenüber Männern einen kleinen biologischen Vorteil – mit fast doppelt so vielen Neuronen in den Riechkolben (eine Gehirnregion) funktioniert die Geruchsverarbeitung bei ihnen grundsätzlich besser. Hinsichtlich der Anzahl der Sinneszellen in der Nase selbst gibt es trotz variierender Größen unserer äußeren „Riechzinken“ zwischen Mann und Frau keine nennenswerten Unterschiede.
„RIECHEN“ MIT DEM TRIGEMINALEN SYSTEM
Abseits des Riechens mit der Nase und des Schmeckens mit der Zunge gibt es eine dritte Möglichkeit, chemische Stoffe wahrzunehmen. Mittels des Trigeminus-Nervs – einem Warn- und Schmerznerv – können wir u. a. scharf, brennend, heiß, kalt, frisch und schmerzend wahrnehmen. Über das Riechen oder auch über Schleimhautkontakt wirken manche ätherischen Öle äußerst eindrücklich auf uns – man denke hier an Menthol, Ammoniak oder Capsaicin aus der Chili. Für ein optimales Riecherlebnis arbeiten unsere Systeme immer zusammen und beeinflussen sich auch gegenseitig.
ÄTHERISCHE ÖLE ALS SCHLÜSSEL ZUM RIECHEN
Alle Duftpflanzen enthalten ätherische Öle, aber nur in geringen Mengen – höchstens 1 bis 2 Prozent, meist sogar weniger. Ausnahmen bilden die klassischen Gewürze. Ätherische Öle setzen sich aus einer Vielzahl an leicht flüchtigen Molekülverbindungen zusammen und werden unter anderem beim Zerkleinern und Erhitzen von pflanzlichen Bestandteilen frei. Dazu zählen die Gruppe der sogenannten Terpene und die der aromatischen Verbindungen. Ihre Wirkungen auf den Körper sind ebenso vielschichtig wie ihre Arten. Von belebend, stimmungsaufhellend bis keimtötend sind hier viele Effekte bekannt und wissenschaftlich belegt.
In der Natur dienen die ätherischen Öle den Pflanzen dazu, Insekten zur Bestäubung anzulocken, aber auch als Kommunikationsmittel, um andere Pflanzen zu warnen und bei Schädlingsbefall Gegenspieler zu rufen. Die keimtötende Eigenschaft vieler ätherischer Öle schützt Pflanzen darüber hinaus vor Krankheiten und Fressfeinden: Die Pflanze hat hier sozusagen ihre eigene Apotheke. Auch der eigene Lebensraum wird mit Aromen verteidigt, sodass sich andere Pflanzen nicht so leicht ansiedeln. Vor übermäßiger UV-Strahlung und Wasserverdunstung schützen sie sich ebenfalls mit ätherischen Ölen, die sich als gasförmiger Schutzmantel um die Pflanze legen.
DUFTREZEPTOREN IM KÖRPER
Duftrezeptoren sind nicht nur in der Nase zu finden, sie wurden in unterschiedlicher Dichte auch in anderen Körperzellen entdeckt. Viele Studien zeigen, dass Duft eben nicht nur eine Sache des Riechens ist – Aromen können über die Atmung, über Hautkontakt, aber auch über die Ernährung auf unsere Körperfunktionen wirken. Über das Blut gelangen Duftstoffe auch zum Herzen und in andere Organe – die Wissenschaft steht hier noch auf recht unbekanntem Terrain und macht laufend neue Entdeckungen. Beispielsweise nutzt man synthetischen Sandelholzduft mit einer positiven Wirkung auf die Wundheilung und das Haarwachstum.
Erst kürzlich wurde herausgefunden, dass selbst Tumorzellen Duftrezeptoren besitzen – erstaunlicherweise sogar mehr als gesunde Zellen. Auf welche Duftstoffe die Tumorzellen reagieren, ist Gegenstand zahlreicher Forschungen – bisher hat man ca. 20 Prozent davon entschlüsseln können. Im Falle von Leberkrebszellen wirkt zum Beispiel Zitrusduft auf das Wachstum hemmend. Mit der Herausforderung, entsprechende Duftstoffe in ausreichender Dosierung zu im Körperinneren liegenden Zellen zu bringen, eröffnen sich für die Zukunft ganz neue, schonende Wege der Krebstherapie.
DUFT UND GEDÄCHTNIS
Eine im Jänner 2020 veröffentlichte Studie der Uni Freiburg legt den Schluss nahe, dass Düfte auch beim Lernen unterstützen. Eine Gruppe von Schülern wurde beim Vokabellernen mit Rosenräucherstäbchen beduftet (ohne sie anzuzünden). Derselbe Duftreiz wurde dann auch in der Nacht gesetzt. Neben der großen Wichtigkeit von ausreichendem Schlaf zeigte die „Räucherstäbchengruppe“ deutlich bessere Testergebnisse als eine Vergleichsgruppe. Das Aroma selbst ist aber austauschbar und muss nicht unbedingt Rose und auch kein Räucherstäbchen sein.
Um die Wirkung auf die Arbeit mit dem Stövchen zu übertragen, empfehlen wir vor allem anhaltende, raumfüllende Düfte, die in weiterer Folge auch die Konzentration steigern. Hier scheinen uns vor allem Lavendel, Zimt, Lorbeer oder Johannisbeerholz gut geeignet zu sein. Während des Lernens und nochmals kurz vor dem Einschlafen kann eine solche Räucherung helfen, „Gepauktes“ in den Langzeitspeicher zu bringen. Tagsüber kann der Duft von Kalmus, Ingwer und Rosmarin die Konzentration fördern und das Gedächtnis unterstützen. Wegen ihrer anregenden Wirkung sind diese jedoch für eine Abendräucherung nur bedingt geeignet.
DUFTTRAINING – MIT RIECHEN ZU MEHR GENUSS UND LEBENSFREUDE
Die Empfindlichkeit von Riechrezeptoren wird zum Teil vererbt, aber das Riechen selbst ist ein Sinn, den man trainieren kann. Da wir mit unserem Geschmackssinn auf der Zunge nur süß, salzig, sauer, umami und bitter unterscheiden können, ist bereits beim Essen der Geruchssinn dafür ausschlaggebend, ob uns Speisen schmecken oder nicht. Eine zu starke Aromatisierung lässt den Sinn eher verkümmern – wie einen Muskel, dem man keine Herausforderung bietet. Statistisch gesehen nimmt das Geruchsvermögen ab einem Alter von etwa 60 Jahren immer stärker ab (bei Männern früher als bei Frauen). Spätestens zu diesem Zeitpunkt – aber natürlich schon viel früher, auch bei Kindern und Jugendlichen – kann ein bewusstes Riechtraining die Duftwelt und damit auch den Genuss beim Essen um einiges bunter machen.
WISSENSWERTES
Um den Mehrwert unseres Riechens praktisch auszuprobieren, empfehlen wir, sich beim Kauen einer Speise einmal kurz die Nase zuzuhalten. Erst wenn man sie wieder öffnet, kommt tatsächlich Fülle ins Spiel.

DUFTTRAINING IN DER PRAXIS
• Nehmen Sie sich zweimal täglich ein paar Minuten Zeit und üben Sie sich im aktiven Riechen.
• Wählen Sie hierfür 4 bis 6 verschiedene Düfte – auf dem Stövchen bieten sich Kräuter, Gewürze & Co mit ihren natürlichen Dufterlebnissen besonders an. Auch in der Natur oder im Haus finden sich aromatische Quellen – eine Blume, Parfüm, verschiedenste Lebensmittel oder Gegenstände.
• Probieren Sie möglichst verschiedene Duftrichtungen – blumig, fruchtig, harzig, würzig …
• Setzen Sie sich regelmäßig, aber nur kurzfristig besonderen Duftreizen aus. Eine „Dauerbeduftung“ führt zur Gewöhnung und erzielt im Körper keine Effekte mehr.
• Nehmen Sie den Duft mit geschlossenen Augen und in Ruhe wahr. Beobachten Sie, was der Duft auslöst, mit welchen Erinnerungen er verknüpft ist. Ein geistiges Visualisieren und Benennen kann die Wirkung noch verstärken.
• Auch wenn Sie den Eindruck haben, den Duft nicht „richtig“ wahrzunehmen, oder kaum etwas davon riechen, sollten Sie nicht aufgeben und weiterhin trainieren. Damit wird das Gehirn angeregt, sich wieder neu zu vernetzen.
• Erweitern Sie Ihr Training: Erinnern Sie sich auch ohne Duftquelle immer wieder einmal an Situationen und ihre spezielle Duftnote. Wie riecht es nach einem Sommerregen oder welches Aroma verströmen frisch gebackene Kekse? Können Sie sich den Geruch von frisch gemähtem Gras oder von Lagerfeuer in den Moment holen?
WISSENSWERTES
Regelmäßiges Riechtraining erhöht die Lebensfreude und den Genuss, kann Krankheiten vorbeugen, in manchen Fällen sogar die Heilung unterstützen (Depressionen, Angststörungen …) und verbessert als „Gehirnjogging“ die Denkleistung.
Tägliches Riechtraining zeigt nach etwa drei Monaten, spätestens einem halben Jahr, die ersten spürbaren Erfolge, was wir mit unseren intensiven Stövchen-Experimenten durchaus bestätigen können. Es kommt zu einer gesteigerten Wahrnehmung, zu einer deutlich „bunteren“ Umwelt. In vielen Fällen kann man mit etwas Durchhaltevermögen eine Verbesserung des Geruchssinns erreichen. Zusätzlich wird die Abnahme des Riechvermögens im Alter meist um einige Jahre hinausgezögert.
Riechen ist, anders als Sehen und Hören, vor allem eine aktive Wahrnehmung, um die man sich etwas bemühen muss. Viele Gerüche entfalten sich erst, wenn wir unsere Nasen unmittelbar der Quelle aussetzen. Riechen kann also, mit Begeisterung und etwas Geduld, zu einer zunehmend abenteuerlichen Reise werden. Es führt zu mehr Genuss im Leben und darüber hinaus zu einer gesteigerten Gedächtnisleistung. Aktives Riechen regt die Bildung von Synapsen an und führt damit zu einer besseren Vernetzung im Gehirn.
DUFT-ADVENTSKALENDER: In der Vorweihnachtszeit jeden Abend eine andere Pflanze, ein anderes Gewürz auf das Stövchen legen. Den Duft bewusst wahrnehmen, nach Assoziationen suchen. Beobachten, ob und welche Emotionen ausgelöst werden. Besinnlich zusammensitzen und dabei das Riechen trainieren – ein genussvolles Erlebnis für die ganze Familie.
DUFT-RATESPIEL:Vorrätiges Räuchergut wählen und, ohne dass es andere sehen können, auf dem Stövchen platzieren. Die Mitspieler raten, um was es sich dabei handeln könnte – von ganz leicht wie Zimt bis herausfordernd wie Rosa Pfeffer. Vertiefend kann man sich auch über die aufkommenden Bilder und Erinnerungen zu dem Duft austauschen und versuchen, das Riecherlebnis mit eigenen Worten kreativ zu beschreiben.
DUFT-SPAZIERGANG: Beim Spazierengehen immer wieder innehalten und schnuppern. Sind die Düfte vertraut? Wo liegt ihre Quelle? Sind sie jahreszeittypisch? Welche Blüten, Pflanzen etc. duften ansprechend und könnten auf dem Stövchen verräuchert werden? Die tägliche Runde mit der Nase sehen!
RIECHEN UND REGENERATIONSFÄHIGKEIT
Einige Erkrankungen, bestimmte Medikamente, Verletzungen oder fortgeschrittenes Alter können kurz- wie auch langfristig die Fähigkeit des Riechens und damit auch des genussvollen Schmeckens beeinträchtigen (Hyposmie) oder sogar den völligen Verlust des Riechvermögens mit sich bringen (Anosmie).
Bei Parkinson-Krankheit und Alzheimer-Demenz wurde beobachtet, dass eines der ersten Symptome fast immer der Verlust der Riechschärfe ist. Auch Patienten mit Angststörungen und Depressionen haben in diesem Bereich oft Defizite. Bei chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen, nach einem Schädel-Hirn-Trauma oder bei und nach manchen viralen Infekten ist dies ebenso bekannt. Im Fall von Covid-19 regenerieren sich die Riechzellen glücklicherweise zu einem hohen Prozentsatz nach spätestens einem Monat vollständig – sofern es überhaupt zu derartigen Symptomen gekommen ist.
Faszinierenderweise können sich Riechrezeptorzellen, als große Ausnahme innerhalb des Nervensystems, immer wieder vollständig erholen. Sie erneuern sich ungefähr alle sechs Wochen bis sechs Monate. Bewusstes Dufttraining kann diese Selbstheilung positiv unterstützen und schneller zu einer besseren Riechfähigkeit führen – vorausgesetzt die Ursache liegt nicht bei den Stammzellen, beim Riechnerv oder im Gehirn selbst. Im Falle von Depressionen und Angststörungen ist unter Umständen mit dem beschriebenen täglichen Riechtraining eine Besserung der Grunderkrankung möglich. Es wird auch angenommen, dass bei Demenzerkrankungen mit Riechtraining ein Hinauszögern der Symptome möglich sein könnte. Zumindest kann ein Riechtest bereits bei der Früherkennung und Diagnosebestätigung von Demenz und Parkinson hilfreich sein.
WAHRNEHMUNG VON WOHLGERUCH
Ob ein Duft als angenehm oder unangenehm wahrgenommen wird, hat verschiedenste Gründe. Zum einen ist es natürlich die chemische Zusammensetzung. So werden Substanzen, die Schwefelverbindungen beinhalten, oft als „stinkend“ empfunden, wohingegen Benzolringverbindungen für unsere Nasen eher blumig und fruchtig duften. Wohlgeruch hat aber auch immer etwas mit der richtigen Dosierung zu tun, ebenso mit unseren unterbewussten Erwartungen und Konditionierungen. Die Wahrnehmung von verschiedensten Düften kann sich daher im Leben immer wieder verändern – aber nicht nur durch gute oder schlechte Erfahrungen, sondern auch durch die aktive Einstellung zu Gerüchen.

SABINE
Mit etwa 8 Jahren zog ich mir eine Lebensmittelvergiftung zu. Ich war mit meinen Eltern in Linz unterwegs gewesen und hatte dort mit kindlichem Appetit eine Bosna und später einen Faschingskrapfen verschlungen. Ich habe keine Ahnung, welches der beiden Lebensmittel in den darauffolgenden Tagen für meinen recht erbärmlichen Zustand verantwortlich war, doch auch jetzt, nach über 30 Jahren, empfinde ich den Duft einer Curry-Zwiebel-Ketchup-Mischung sowie den eines gekauften Krapfens immer noch hochgradig unangenehm. Ein Paradebeispiel negativer Konditionierung.
MANIPULATION MIT DÜFTEN
Über dieses Thema wird nicht unbedingt gerne gesprochen. Modernes Marketing macht es sich aber zunutze: Mit dem Ziel, ein Produkt gut zu verkaufen, bedient man sich gern des Umstandes, dass Düfte direkt auf das Unterbewusstsein und unsere Emotionen wirken. Knapp unterhalb der Wahrnehmungsgrenze soll dies am besten funktionieren. So wurde beobachtet, dass an Spielautomaten, die „beduftet“ werden, um bis zu 45 Prozent mehr Umsatz gemacht wird. Daraus entwickelte sich eine ganz neue Berufsgruppe, die sogenannten „Air Designer“. Vom Duft eines Hotelfoyers bis hin zum Innenraum eines neuen Autos wird nichts dem Zufall überlassen. Faszinierend und doch auch im höchsten Maße bedenklich, wenn Illusion und „Täuschung“ zu einem gängigen Instrument werden, Kaufinteressen zu verfolgen.
Weniger manipulativ können wir diesen Umstand aber auch bei der Arbeit mit dem Stövchen nutzen. Wissen wir um ein anstehendes unangenehmes Gespräch, können wir mit „Eisbrechern“ wie Waldmeister, Tannenreisig oder Gewürznelken eine offene, sanftmütige Stimmung herbeiführen.
Es ist auch möglich, uns selbst auszutricksen. Wenn wir in Lebensmomenten, in denen wir uns sehr glücklich fühlen, mehrfach an einem bestimmten Duft riechen bzw. eine bestimmte Pflanze verräuchern, wird dieses Riecherlebnis positiv besetzt und kann uns auch in herausfordernden Zeiten positiv stimmen.
WISSENSWERTES
Seit 2013 ist der 27. Juni der „Weltdufttag“ und somit einer wichtigen Sinneswahrnehmung gewidmet. Düfte können einiges: Sie sind Schlüssel zur Erinnerung, Stimmungstrigger, Grund für Lebensfreude und Genuss, Gedächtnistrainer, Warnsystem, Heilungsimpulsgeber und noch viel mehr.


DAS RÄUCHER-STÖVCHEN
IM BLICKPUNKT
Ein Stövchen gleicht auf den ersten Blick einer Duft- / Aromalampe, besitzt aber anstatt der Schale für Wasser und ätherisches Öl ein feines Metallsieb aus Edelstahl als Auflagefläche.
Es gibt verschiedenste Varianten, unter anderem aus Speckstein und Ton. Wie man sein Räucherstövchen selbst herstellt, können Sie in der Klappe dieses Buches nachlesen.
Bei der Anschaffung eines Stövchens gilt es darauf zu achten, dass vom Boden bis zum Gitter mindestens 9 cm Abstand bestehen. Sehr niedrige Stövchen eignen sich in der Regel nur zum Verräuchern von Harzen, nicht aber für feinere Kräuter und Blüten. Empfehlenswert sind vor allem auch breitere Varianten, weil man hier die verschiedenen Temperaturzonen viel besser nutzen kann. Gute Räucherergebnisse kann man auch mit höhenverstellbaren Weihrauchbrennern (auch Siebgefäß genannt) erzielen – meist sind diese aber sehr filigran und haben eine kleine Auflagefläche.
Als Wärmequelle dient ein gewöhnliches Teelicht. Empfehlenswert sind hier „Öko-Teelichter“ aus nachwachsenden Rohstoffen und heimischer Produktion oder kleine Bienenwachskerzen, die in dafür geeigneten Teelichtgläsern zum Einsatz kommen. Bienenwachsteelichter findet man häufig bei Verkaufsständen oder Geschäften der örtlichen Imker – sie sind regional, ökologisch und haben zusätzlich einen guten Duft, aber auch eine etwas kräftigere Flamme als ein gewöhnliches Teelicht. Hier kann es helfen, den Docht etwas zu kürzen.
Wir empfehlen paraffinfreie Varianten ohne Aluminiumhülsen.
TIPP
Möchte man Wachsreste aus Teelichtgläsern entfernen, stellt man diese einfach längere Zeit in den Gefrierschrank. Nach dem Einfrieren reicht etwas Druck mit einer Messerspitze und die Wachsschicht springt mühelos ab. Dies funktioniert teilweise auch mit kompakten Harzresten auf Räuchertellern gut.
CHECKLISTE FÜR EIN GUTES RÄUCHERSTÖVCHEN
• mindestens 9 cm Höhe
• mindestens 9 cm Siebdurchmesser
• günstigerweise eine seitliche Öffnung, um das Teelicht leicht tauschen, anzünden und ausblasen zu können
• ein Räucherblech oder -teller für das Verräuchern von Harzen
UMGANG MIT DEM STÖVCHEN
Grundsätzlich kann jede Pflanze, jeder pflanzliche Bestandteil und auch jeder Pilz verräuchert werden und eröffnet uns damit eine fast unerschöpfliche Bandbreite an Wohlfühlaromen. Klassisch wird immer getrocknetes Räuchergut verwendet, es ist jedoch auch möglich, frische Pflanzenteile auf das Stövchen zu legen. Meist braucht frisches Material etwas länger, bis es einen Duft entwickelt. Das Aroma weicht von dem der getrockneten Variante häufig etwas ab – durchaus intensiv, aber im Raum weniger anhaltend. Das Pflanzengut trocknet in diesem Fall langsam direkt auf dem Stövchen und kann dann leider auch schnell schwarz werden und verbrannt riechen. Getrocknetes Räuchergut ist – einmal richtig auf dem Stövchen platziert – in der Regel konstanter in der Duftgebung. Zum Herstellen von Räuchermischungen eignen sich nur getrocknete Kräuter, einerseits um sie gut zerkleinern und andererseits um den Überschuss der Mischung dann auch haltbar aufbewahren zu können.
Das jeweilige Räuchergut wird unmittelbar vor dem Gebrauch in einem Mörser zerkleinert oder mit den Händen zerpflückt. Die enthaltenen ätherischen Öle werden durch das Zerstoßen und Aufbrechen frei und sorgen für ein intensives Dufterlebnis. Das Räuchergut kann ohne Wartezeit gleich nach dem Entzünden des Teelichts auf das Gitter gelegt werden. Es wird zunächst am Rand des Stövchens platziert. Entwickelt es nach kurzer Zeit noch keinen Duft, wird das Räuchergut schrittweise immer weiter in das Zentrum des Gitters geschoben. Dafür eignet sich ein länglicher Gegenstand aus Holz oder Metall – zum Beispiel ein einfacher Holzstab oder ein Löffel, damit man sich nicht die Finger verbrennt.
Viele „Räuchereinsteiger“ nehmen fälschlich an, die Kräuter müssten auf dem Stövchen zu rauchen beginnen. Beim Räuchern ohne Kohle geht es aber vor allem um den Duft, die Raumatmosphäre und in weiterer Folge natürlich auch um die feinstoffliche Wirkung der Kräuter. Wird das Räuchergut zu heiß verräuchert, kann es natürlich auch zu rauchen beginnen. Wenn überhaupt ist dies aber nur ein sehr kurzes, dafür raumfüllendes Dufterlebnis. Lavendel ist eines der überschaubaren Beispiele, die auch rauchend noch angenehmen Duft verbreiten. Viele feine Kräuter und Wurzeln riechen bei zu hoher Temperatur schnell unangenehm verbrannt, was natürlich nicht im Sinne unseres Dufträucherns ist. Zusätzlich besteht bei Räuchergut, das zu hohen Temperaturen ausgesetzt wurde, die Gefahr des Entzündens.
Die Dauer des Räucherns richtet sich nach den persönlichen Vorlieben. Grundsätzlich kann das Kräutergut so lange belassen werden – gegebenenfalls mit zwischenzeitlichem Wenden oder neuerlichem Zerkleinern –, wie es den Raum mit einem wohltuenden Duft füllt. Dies kann je nach gewählter Pflanze und der zur Verfügung stehenden Zeit wenige Minuten, aber auch einmal eine Stunde dauern. Kräuter können auf diese Art und Weise mehrere Male verwendet werden. Haben sie sich dunkel verfärbt oder geben kein Aroma mehr ab, wandern sie bei uns aber nicht in den Biomüll. In achtsamer Handlung wird das „verbrauchte“ Räuchergut gesammelt und entweder im Herd- oder Lagerfeuer gänzlich verascht oder der Natur auf andere wertschätzende Weise zurückgegeben.
HARZ AUF DEM STÖVCHEN
Werden auf einem Stövchen Harze oder Mischungen mit Harzbestandteilen verräuchert, empfiehlt sich eine dafür geeignete Räucherunterlage. Hierfür gibt es bereits viele Varianten im Handel. Die kleineren Räucherplatten sind mit ihrer Größe und flachen Form nur bedingt geeignet. Pures Harz kann sich schnell verflüssigen und trotz dieser Unterlage auf das Gitter tropfen. Räucherbleche mit einem kleinen Rand eignen sich schon besser. Sehr praktisch sind die mittlerweile erhältlichen Räucherteller. Sie sind nach unten hin vertieft und können einfach anstatt des Räuchersiebes eingesetzt werden. Das Verwenden von leeren, wachsfreien Teelichtschälchen ist möglich, sollte aber aus ökologischer Sicht nicht die Praxis sein. Von Alufolie ist klar abzuraten. Ein frisches Brombeer- oder Efeublatt kann ebenso als gitterschützende Unterlage verwendet werden – eine umweltbewusste, günstige Variante, wenngleich das Blatt zusätzlich einen leichten Eigenduft verströmt und auch mit seiner feinstofflichen Wirkung präsent ist.
Brombeerblätter werden mit der Blattunterseite zum Teelicht gewandt aufgelegt, da sich das Blatt beim Erwärmen nach oben hin aufdreht. Es verträgt größere Hitze relativ gut, ist aber mit seiner Wirkung in Richtung Schutz und Abgrenzung nicht mit jedem (jeder) Harz(mischung) gut kombinierbar.
Das Efeublatt hat einen noch stärkeren Eigenduft, verträgt hohe Hitze schlecht, verändert aber dafür nicht seine Form. Beim Verräuchern ist seine eher kühlende, klärende Wirkung mitzuberücksichtigen.
Es ist auf jeden Fall viel sinnvoller, unschöne Harzverklebungen gleich im Vorfeld zu vermeiden, als das Gitter später aufwendig reinigen zu müssen. Am praxistauglichsten zeigt sich hier eindeutig der Räucherteller.
WISSENSWERTES
Zerkleinertes Räuchergut immer am Rand des Stövchengitters platzieren. Sobald sich in der Mischung Harze befinden, sollte eine Unterlage verwendet werden. Ein Stövchen, wie jedes offene Feuer, nie unbeaufsichtigt verwenden und immer auf eine stabile, hitzebeständige Unterlage stellen!
Das Räuchergitter des Stövchens ist im Übrigen nicht dafür gedacht, dort Räucherkohle zu platzieren. Dafür eignen sich spezielle Netzgefäße oder, klassisch, mit Sand gefüllte Räucherschalen.
Manchmal wird empfohlen, Sand als Wärmepuffer auf das Stövchengitter zu streuen. Dies ist nicht wirklich praktikabel. Ausreichender Abstand und die richtige Position über dem Teelicht sorgen für ein optimales Ergebnis – ganz ohne zusätzlichen Aufwand.
REINIGUNG DES STÖVCHENS
Sofern Harz nicht direkt auf dem Räuchergitter verräuchert wird, erübrigt sich meist auch eine Reinigung. Ist es dennoch zu harzigen Verklebungen gekommen, können diese in einer Kerzenflamme verascht werden. Dafür hält man das Stövchensieb mit einer Zange direkt in eine Flamme und wartet, bis das Harz komplett verbrannt ist – danach lassen sich die Rückstände mit einer Metallbürste gut entfernen. Bei leichter Verfärbung oder matterem Glanz kann das Gitter gegebenenfalls auch im Geschirrspüler gereinigt werden. Das Stövchen selbst sollte man – je nach Material – nur von Hand vorsichtig abwaschen. Wachsreste lassen sich mit kurzer Einwirkzeit in heißem Wasser lösen.

VORTEILE DES STÖVCHENS
• Keine Rauchentwicklung und daher auch keine Aktivierung eines Rauchmelders.
• Kaum Feinstaubbelastung.
• Keine Wartezeit im Gegensatz zu Räucherkohle (hier kann das Durchglühen und die Entwicklung der optimalen Hitze je nach Kohlengröße bis zu 10 Minuten dauern).
• Vielfältige Dufterlebnisse mit aromatherapeutischem Effekt.
• Räuchergut kann meist selbst gesammelt werden, bzw. ist im Fall von Gewürzen oft im Haus vorrätig und wird damit zu einer sehr preisgünstigen Variante der Raumbeduftung.
• Natürliches Räuchergut kann kaum überdosiert werden – ätherische Öle, wie sie für Aromalampen verwendet werden, können mitunter die Schleimhäute reizen und für Kleinkinder gefährlich werden.
• Natürliches Räuchergut ist in der Regel für Asthmatiker, die Aromaöle meiden sollten, besser verträglich.
• Ein Stövchen wird meist auch von räucherskeptischen Familienmitgliedern oder Arbeitskollegen positiv aufgenommen.
• Einfache Handhabung für den täglichen Gebrauch.
• Günstige Anschaffungskosten – mit rund 20 Euro lässt sich schon ein hochwertiges Stövchen erwerben.

RÄUCHER-SAMMELSURIUM
WAS ALLES VERRÄUCHERT WERDEN KANN

BLÜHENDES KRAUT Beim Räuchern wird häufig die ganze Pflanze verwendet. Ätherische Öle finden sich gleichermaßen in Blättern, Blüten und Stängeln, die während des Blühens oder kurz davor meist die höchste Konzentration aufweisen. Kräuter werden bis auf wenige Ausnahmen am späteren Vormittag eines sonnigen Tages gesammelt. Gebündelt und kopfüber aufgehängt trocknen sie an einem gut belüfteten Ort bei Zimmertemperatur.

BLÜTEN werden in der Regel bei Sonnenschein gesammelt und sollten an einem luftigen, halbschattigen Ort zügig getrocknet werden.
Sie brauchen beim Verräuchern in der Regel sehr wenig Hitze, um ihren zarten Duft entfalten zu können, und riechen in der Nähe der Kerzenflamme schnell verbrannt. Nicht alle Blüten, die in der Natur wohlriechend sind, duften auch auf dem Stövchen bzw. bleiben vom Aroma so dezent, dass sie kaum wahrnehmbar sind. Hier kann man aber durchaus aus der Fülle der blühenden Gärten schöpfen und experimentieren.
BLÄTTER können je nach Art über der Kerzenflamme schnell verbrannt riechen und sollten langsam vom Rand zur Mitte hin ausprobiert werden. Je jünger die Blätter sind, desto besser das Aroma. Herbstliche Blätter riechen auf dem Stövchen eher modrig-muffig.

NADELN werden vorzugsweise frisch vom Baum geerntet und getrocknet.

FRÜCHTE müssen nach der Ernte stets zügig getrocknet werden, da sie sonst zu Schimmelbildung neigen. Hierfür eignet sich ein Backofen (50 °C, leicht geöffnet), ein wärmespendender Kachelofen oder ein Dörrautomat.

SAMEN sollten für ein optimales Dufterlebnis vor dem Verräuchern zumindest leicht gemörsert werden.

WURZELN werden bereits vor dem Trocknen gut gereinigt und in grobe Stücke geschnitten. Auf dem Stövchen brauchen sie meist wenig Hitze, um den Raum mit Duft zu füllen. Geerntet werden Wurzeln mit wenigen Ausnahmen im Spätherbst, sobald das Kraut zu welken beginnt und die Kraft zurück in die Erde wandert. Gesammelt wird vorzugsweise bei abnehmendem Mond am Vormittag eines Wurzeltages. Das Ernten darf zu einem achtsamen Akt werden – mit Zuhilfenahme eines „Rehbockkrickerls“ oder eines Holzstocks wird nach Möglichkeit nur ein kleiner Teil des Wurzelstocks ausgegraben. Auf Werkzeug aus Metall sollte verzichtet werden, da einige Inhaltsstoffe der Wurzel damit reagieren können.
PILZE riechen auf dem Stövchen meist sehr aromatisch – auch bei höheren Temperaturen. Direkt über der Kerzenflamme können sie aber relativ leicht zu brennen beginnen und sollten niemals unbeaufsichtigt verräuchert werden. Pilze werden nach dem Ernten ebenso wie Früchte sehr zügig getrocknet. Sobald sie sich knackend durchbrechen lassen, ist der Trocknungsvorgang abgeschlossen. abgeschlossen.

FLECHTEN sind eine Lebensgemeinschaft aus Pilzen und Algen bzw. Cyanobakterien und vertragen auf dem Stövchen etwas höhere Temperaturen. Sie können je nach Art auch intensiv aromatisch sein.

MOOSE können ebenso wie Flechten das ganze Jahr über gesammelt werden. Sie werden eher am Stövchenrand verräuchert.

KÄTZCHEN werden die männlichen Blüten mancher Baumarten genannt, meist haben sie eine längliche, herabhängende Form. Randvoll mit Pollen, die sich durch die Wärme des Teelichts im Raum verteilen, ist dieses Räuchergut nichts für Allergiker.
HARZE müssen zum Verräuchern immer ausgehärtet sein, weil sie in manchen Fällen einen sehr unangenehmen Duft entwickeln. Am besten überlässt man diesen Trocknungsvorgang ganz unkompliziert der Natur und erntet nur Harz, das sich zwischen den Fingern nicht mehr verformen lässt. Es ist wichtig, den Baum nicht neuerlich zu verletzen: Vorzugsweise werden per Hand nur Harzstücke abgebrochen, die sich leicht lösen lassen. Harze zu sammeln ist das ganze Jahr über möglich. Beim Räuchern verträgt es meist auch höhere Temperaturen, ohne verbrannt zu riechen. Da es sich bei Wärme schnell verflüssigt, braucht es hier immer einen Schutz des Räuchergitters oder einen Räucherteller.

HOLZBESTANDTEILE können auch bei größerer Hitze verräuchert werden und unter Umständen auch länger auf dem Stövchen verweilen. Das Wenden der Holzstückchen sorgt für neues Aroma im Raum. In vielen Fällen macht es im Geruch einen deutlichen Unterschied, ob mit oder ohne Rinde geräuchert wird – je nach Holzart zu deren Vor- oder Nachteil. Holz, Zweige und Rinde werden vorzugsweise im Winter von den Bäumen geerntet. Vor dem Räuchern braucht es zum Zerkleinern des trockenen und meist harten Holzes eine Gartenschere. Totholz, das sich häufig auch mit den Fingern zerbrechen lässt, ist eine weitere Duftvariante. Je nach Pilzbesiedelung entwickeln sich hier interessante Aromen. Da es aber noch kaum Untersuchungen darüber gibt, wie solche Räucherungen aufgrund der enthaltenen Pilzsporen auf unseren Organismus wirken, ist Vorsicht geboten.
GEWÜRZE liefern in der Regel sehr intensive, nasenschmeichelnde Gerüche und vertragen teilweise auch höhere Temperaturen. Wie in der Küche sollte man auch beim Verräuchern auf gute, biologische und nachhaltige Qualität achten. Gemahlene Gewürze sind meist noch geruchsintensiver als nicht zerkleinerte, sollten aber mit einer Unterlage auf dem Stövchensieb oder direkt auf einem Räucherteller verwendet werden.

LEBENS- UND GENUSSMITTEL aus dem Haushalt bieten ein spannendes und kostengünstiges Räucher-Experimentierfeld. Oftmals würde man sie nicht mit dem Räucherstövchen in Verbindung bringen. Schon einmal Kaffeebohnen oder Kokosflocken verräuchert?

TEEMISCHUNGEN können ebenso auf das Stövchen wandern. Für das Räuchern gibt es grundsätzlich kein Ablaufdatum. Auch wenn die Tees nicht mehr für innerliche Heilanwendungen geeignet sind und schon einen Teil ihrer Wirkstoffe eingebüßt haben, verströmen die Pflanzenteile auch nach einigen Jahren noch einen wunderbaren Duft.

RICHTIG SAMMELN UND LAGERN
• Nur dort sammeln, wo Fülle herrscht! Als kleine Faustregel gilt: Nur eine / eines von zehn Blüten / Exemplaren nehmen.
• Nur sammeln, was wirklich benötigt wird. Für das Räuchern braucht es meist nur sehr kleine Mengen. Im Sinne eines nachhaltigen Sammelns sollte auch an die Insektenwelt und den Naturschutz gedacht werden.
• Sammeln, ohne die Pflanze unnötig zu verletzen. Äste sauber mit der Gartenschere vom Baum zwicken oder das Räuchermaterial vom Boden auflesen. Krautige, zähe Pflanzenstängel mit einem Keramikmesser abschneiden und Harze nur von Hand vom Baum brechen.
• Den Sammelort in Achtsamkeit hinterlassen, d. h., Wurzellöcher wieder bedecken und von Bäumen keine Haupttriebe entfernen.
• Beim Ernten von Zweigen braucht es die Zustimmung des Waldbesitzers, auch in fremden Gärten ist natürlich der Eigentümer zu fragen. Wer sich freundlich erkundigt, erhält fast immer die Erlaubnis.
• Räuchergut sollte in trockenem bzw. vollständig ausgehärtetem Zustand in luftdichten Gläsern an einem dunklen, kühlen Ort gelagert werden. Krautige Pflanzen sollten sich raschelnd zerbrechen lassen, bevor sie bevorratet werden.
SYMBOLE UND ERKLÄRUNGEN ZUM BUCH
Bei den jeweiligen PORTRÄTS haben wir immer jenen Pflanzen- oder Pilzteil gewählt und seinen Duft beschrieben, der am meisten mit seinem Aroma besticht – weitere Möglichkeiten sind im Text erläutert. Als alphabetischen Ordnungsbegriff für unser Räuchergut verwenden wir den im Alltag geläufigen deutschen Namen der Pflanze / des Pilzes. Zur genaueren Bestimmung dient die lateinische Bezeichnung.
BESCHRIEBENE DÜFTE: Sie sind je nach Sammelort, jeweiliger Art und vor allem Sammelzeitpunkt etwas variabel. Sonnenexponierte Pflanzen in höheren Lagen entwickeln meist vermehrt ätherische Öle und duften daher intensiver.
Auch innerhalb einer Pflanzenart gibt es manchmal große Unterschiede. Dies lässt sich vor allem bei der Rose gut beobachten: Das Aroma alter Rosensorten betört oftmals, im Gegensatz dazu ist manch optisch hübsche Rosenart im Aroma enttäuschend.
Viele Pflanzen variieren je nach Jahres-, aber auch Tageszeit stark in ihrem Duft. So entfaltet das Geißblatt zum Beispiel hauptsächlich nachts sein besonderes Aroma und sollte auch zu diesem Zeitpunkt gesammelt werden.
BESCHRIEBENE WIRKUNG: Die Wirkung setzt sich aus wissenschaftlichen Studien, aber auch aus tradiertem und überliefertem Wissen sowie aus eigenen Erfahrungen zusammen. Bei Pilzen gibt es noch sehr wenige Aufzeichnungen, hier wird vor allem mit der Signaturenlehre gearbeitet, in der über sehr genaue Beobachtung und Wahrnehmung Wirkungen abgeleitet werden. Aber selbst nachgewiesene Effekte lassen sich nicht bei allen Menschen gleichermaßen bestätigen. Wie nicht jede Schmerztablette bei jeder Person gleichermaßen Beschwerden lindert, kann auch jede Wirkung individuell unterschiedlich wahrgenommen werden. Neben der komplexen eigenen Erfahrung ist auch der Sammelort maßgeblich an der Wirkung beteiligt. Als Beispiel nehme man das Bild einer schmächtigen Monokulturfichte und das eines wind- und wettergegerbten Mutterbaums. Das Harz dieser beiden Bäume kann niemals eine idente Wirkung erzeugen.
Eine Pflanze abseits ihrer wissenschaftlichen Inhaltsstoffe zu betrachten, sie in ihrem einzigartigen Sein, an ihrem einzigartigen Wuchsort zu beobachten und die eigene Resonanz in diesem Zusammenhang zu ergründen, sind wertvolle Kriterien für einen ganzheitlichen Zugang. Die Beschäftigung mit der Herkunft und Bedeutung von Pflanzennamen, dem Elements- oder Gestirnsbezug wie auch mit anthroposophischen Sichtweisen kann diesen Horizont noch weiter öffnen und interessante Schlussfolgerungen zulassen. Jede bewusste Auseinandersetzung mit einer Pflanze wächst durch die eigene Beobachtung und formt mit allen Informationen, die wir zu ihr hören oder lesen, ähnlich einem Puzzle, ein immer umfassenderes Bild.
Schwangere sollten nur dezent räuchern – bei manchen Düften und den im Räuchergut enthaltenen ätherischen Ölen ist es nicht auszuschließen, dass eine Fehlgeburt ausgelöst werden kann. Vor allem von Weinraute, Lebensbaum und Rainfarn ist klar abzuraten. Sicherheitshalber sollte auch auf thujonhaltige Pflanzen wie Salbei und Wermut verzichtet werden.
Das Wort SCHUTZPFLANZE ist eine Bezeichnung aus dem Volksglauben und bedeutet, dass Gewächse entweder aufgrund ihrer Signatur (abwehrend durch Dornen, Stacheln oder Brennhaare) bzw. eines sehr starken Duftes als antidämonisch gelten. So sollten sie Hexen und den Teufel vertreiben.
Als REINIGENDE PFLANZEN bezeichnet man Räuchergut, das im feinstofflichen Bereich Spannungen abbaut bzw. transformiert. Die Raumatmosphäre fühlt sich bei solchen Duftimpulsen anschließend meist klarer an. Ebenso weisen „reinigende“ Pflanzen oftmals eine antivirale, antibakterielle Wirkung auf und wirken somit beim Verräuchern keimtötend.
SEGNENDE PFLANZEN zeichnen sich in der Regel durch eine sehr milde, wohltuende Wirkung auf das Gemüt aus – sie entfalten eine Art duftende Umarmung. Diese Pflanzen wurden in verschiedensten Kulturen oft lichten und wohlwollenden Göttinnen zugeordnet.
ERDENDE PFLANZEN helfen vor allem Menschen, die sich leicht in Fantastereien verlieren oder gedanklich immer wieder abschweifen. Sie unterstützen dort, wo Emotionen stark durchrütteln und das Gefühl aufkommt, gar keinen Boden mehr unter den Füßen zu haben.

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