Kitabı oxu: «Die Geschichte, die die Welt verändert(e)»

Şrift:

Ellen G. White

Die

Geschichte

die die Welt

verändert(e)

ADVENT-VERLAG


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ISBN EPUB: 978 - 3-8150 - 2604-5 (1. Auflage 2014)

ISBN MOBI: 978 - 3-8150 - 2605-2 (1. Auflage 2014)

ISBN PRINT: 978 - 3-8150 - 7714-6 (2. Auflage 2014)

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Auszüge aus Kapiteln der Bücher Der Auftakt, Der Sieger und Das Finale, teilweise gekürzt und überarbeitet.

© 2008 Saatkorn-Verlag GmbH, Abt. Advent-Verlag

Projektleitung und Lektorat: Werner E. Lange

Korrektorat: Erika Schultz

Einbandgestaltung: VISIONARY VANGUARD, www.visionaryvanguard.de

Titelfoto: © Sailorr/​Shutterstock, Hintergrund: NASA

Satz: rimi-grafik, Celle

Gesamtherstellung: CPI Clausen & Bosse, Leck

Die Bibelzitate sind – falls nichts anderes vermerkt ist – der Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, entnommen. Durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart; herausgegeben zusammen mit dem Katholischen Bibelwerk, Stuttgart. Ansonsten bedeuten:

Hfa = Hoffnung für alle – Die Bibel (revidierte Fassung), © 1983, 1996, 2002 International Bible Society, Brunnen-Verlag, Basel und Gießen

LB = Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers (revidierter Text 1984), durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

2. Auflage 2014

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ISBN: 978-3-8150-7714-6

Warum Sie dieses Buch lesen sollten

Es ist ein beliebtes Motiv erfolgreicher Kinofilme: Ein Held rettet Menschen oder die ganze Menschheit – natürlich unter Einsatz oder gar Aufopferung seines Lebens.

Auch aus dem wirklichen Leben gibt es dafür viele Beispiele. Dieses Buch schildert die Geschichte des bedeutendsten Helden der Weltgeschichte, der die Menschheit tatsächlich vor dem endgültigen Untergang retten wird. Es geht in dieser packenden Geschichte um die Auseinandersetzung zwischen dem Guten und dem Bösen schlechthin – und ihren Protagonisten.

Auf der einen Seite steht Jesus Christus, kein Geringerer als der Sohn Gottes, und auf der anderen Seite Satan, auch der Teufel genannt. Er war ursprünglich der höchste aller Engel, die Gott geschaffen hat – Luzifer, der „Scheinende“. Aber er rebellierte gegen seinen Schöpfer – und damit begann alles Unglück im Universum und auch auf unserem Planeten, denn er zog uns Menschen in seine Rebellion hinein.

Wie das geschah und wie Gott darauf reagierte, wie er einen Rettungsplan entwarf und verwirklichte, das schildert die viel gelesene Autorin Ellen G. White in ihrer Serie über den kosmischen Konflikt zwischen Gott und Satan. Die ganze Geschichte, die das antike Volk Israel, das Leben von Jesus Christus und die christliche Kirche einschließt, ist natürlich viel umfangreicher, als in diesem kleinen Buch geschildert werden kann. Aber es enthält die wesentlichen Stationen des kosmischen Konflikts von der Rebellion Luzifers bis zur Schaffung einer neuen Erde ohne Leid und Tod, und es bietet einen guten Blick hinter die Kulissen der damit verbundenen Ereignisse.

Diese Geschichte sollten Sie kennen, auch wenn Sie nicht an Gott glauben. Denn sie verändert(e) die Welt – und kann auch Ihr Leben verändern!

Die Herausgeber

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Warum Sie dieses Buch lesen sollten

1. Der Ursprung des Bösen

2. Die ersten Menschen

3. Versuchung und Sündenfall

4. Gottes Plan zur Erlösung

5. Der Sohn Gottes wird Mensch

6. Satan stellt Jesus auf die Probe

7. Jesus erklärt die Neugeburt

8. Jesus heilt einen Gelähmten

9. Christi Kampf in Gethsemane

10. Die Gerichtsverhandlung über Jesus

11. Das Verhör bei Pilatus

12. Die Kreuzigung auf Golgota

13. Wie Christi Tod Satan besiegte

14. Christus ist auferstanden!

15. Die Himmelfahrt Christi

16. Jesus Christus kommt wieder

17. Das Ende des großen Konflikts

Weitere Bücher

Fußnoten

Zum Buch / zum Autor

1

Der Ursprung des Bösen*

„Gott ist Liebe.“1 Gottes Wesen ist selbstlose Liebe, und alles, was er geschaffen hat, ist daher nicht nur ein Zeichen seiner Schöpfermacht, sondern auch ein Ausdruck seiner Liebe. Selbst die Geschichte der Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse – von ihrem Ursprung im Himmel bis zum Niederwerfen des Aufruhrs und dem völligen Ausrotten der Sünde – offenbart Gottes unwandelbare Liebe.

Der Herr des Universums stand bei seinem Schöpfungswerk nicht allein, sondern hatte einen Partner, der seine Absichten und die Freude am Glück seiner Geschöpfe teilte. Der Sohn Gottes, der sich Jahrtausende später auf der Erde als Jesus Christus offenbarte, war stets im Wesen und in den Absichten eins mit dem Vater.2 Von ihm sagte Jesaja: „Das sind die Ehrennamen, die ihm gegeben werden: umsichtiger Herrscher, mächtiger Held, ewiger Vater, Friedensfürst.“3

Bei der Erschaffung aller Kreaturen wirkte Gott durch seinen Sohn, wie Paulus betonte: „Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und auf der Erde lebt, die sichtbaren Geschöpfe auf der Erde und die unsichtbaren im Himmel.“4 Die Bibel nennt die himmlischen Wesen Engel und beschreibt sie als starke Helfer, die dafür sorgen, dass Gottes Wille verwirklicht wird.5 Aber „in dem Sohn zeigt sich die göttliche Herrlichkeit seines Vaters, denn er ist ganz und gar Gottes Ebenbild.“6 Christus hat den Vorrang vor allen.

Gott möchte, dass ihm alle vernunftbegabten Wesen aus Liebe dienen, weil sie seinen Charakter schätzen. Ihm liegt nichts an einem erzwungenen Gehorsam. Er wünscht sich vielmehr, dass sie ihm bewusst und aus freier Entscheidung dienen. Solange sie alle Gott gegenüber aus Liebe loyal waren, herrschte im gesamten Universum vollkommene Übereinstimmung. Kein Missklang störte die Harmonie.

Luzifers unangemessene Bestrebungen

Aber dieses glückliche Einvernehmen änderte sich. Es gab einen Engel, der die von Gott gewährte Freiheit missbrauchte. Die Sünde nahm ihren Ursprung in dem, der nach dem Sohn vom Vater die höchste Ehrenstellung empfangen hatte und unter den Bewohnern des Himmels der Mächtigste und Angesehenste war. Wie alle anderen himmlischen Geschöpfe war auch der Engelfürst Luzifer heilig und untadelig. Im Buch des Propheten Hesekiel heißt es: „Du warst das Abbild der Vollkommenheit, voller Weisheit und über die Maßen schön … Du warst ein glänzender, schirmender Cherub,7 und auf den heiligen Berg hatte ich [Gott] dich gesetzt, [wie] ein Gott warst du … Du warst ohne Tadel in deinem Tun von dem Tage an, als du geschaffen wurdest, bis an dir Missetat gefunden wurde.“8

Aber nach und nach keimte in Luzifer das Verlangen nach mehr Einfluss und Macht. „Deine Schönheit ist dir zu Kopf gestiegen, deine prachtvolle Erscheinung ließ dich handeln wie ein Narr.“9 Und an anderer Stelle wird erklärt: „Du hattest dir vorgenommen, immer höher hinauf bis zum Himmel zu steigen. Du dachtest:, Hoch über den Sternen will ich meinen Thron aufstellen … Hoch über die Wolken steige ich hinauf, dann bin ich dem allerhöchsten Gott endlich gleich!‘“10 Obwohl angesehener als alle anderen Engel, war er mit seiner Stellung doch nicht zufrieden, sondern strebte nach der Anbetung der anderen vernunftbegabten Geschöpfe, die allein Gott zukam, und nach der Macht und Herrlichkeit, wie sie der Gottessohn naturgemäß besaß.

Von da an war die Eintracht im Himmel gestört. Luzifers Bestreben weckte Besorgnis bei den anderen Engeln, die Gottes Ehre als höchstes Gut ansahen. Gott selbst hatte die bestehende himmlische Ordnung begründet. Wenn Luzifer davon abwich, bedeutete das Auflehnung gegen seinen Schöpfer und würde schwerwiegende Folgen haben. An liebevollen Ermahnungen fehlte es nicht, aber die führten nicht zur Einsicht, sondern verhärteten Luzifer nur. Je mehr er dem Neid auf den Sohn Gottes Raum gab, desto entschlossener verfolgte er seine eigensüchtigen Ziele.

Es nützte auch nichts, dass Gott, der Vater, vor der gesamten Himmelswelt klarstellte, dass sein Sohn eine unvergleichliche Stellung und Beziehung zu ihm hat. Er teilte den Thron mit dem Vater, und die Herrlichkeit des Ewigen, der aus sich selbst existiert, umschloss sie beide. Um den Thron standen Millionen von Engeln, als der Vater erklärte, dass außer seinem Sohn niemand seine Absichten ganz begreifen könne und er ihm deshalb die Durchführung seiner Vorhaben übertragen habe. Der Sohn sollte auch bei der Erschaffung der Erde und ihrer Lebewesen Gottes Pläne ausführen.

Die Engel erkannten freudig Christi Vorherrschaft an und brachten ihre Liebe und Anbetung zum Ausdruck. Auch Luzifer beugte sich mit ihnen, aber in seinem Herzen tobte ein eigenartiger Kampf. Wahrhaftigkeit und Treue lagen im Widerstreit mit Eifersucht und Neid. Der Einfluss der anderen Engel schien ihn eine Zeitlang von seinen aufrührerischen Gedanken abzubringen. Als tausendfach Lob und Dank emporstiegen, schien der Geist des Bösen überwunden zu sein. Liebe zum Vater und zum Sohn ergriff sein Herz und er fühlte sich wieder in Übereinstimmung mit den anderen Anbetern.

Doch dann packten ihn erneut Selbstsucht und Überheblichkeit. Das Verlangen nach uneingeschränkter Macht kehrte zurück, und abermals gab er dem Neid auf Christus Raum. Die hohe Stellung, die er bereits besaß, weckte in ihm keine Dankbarkeit seinem Schöpfer gegenüber. Dass sich die himmlischen Heerscharen freuten, seine Befehle auszuführen, reichte Luzifer nicht, weil Gottes Sohn über ihm stand. „Warum“, so fragte er, „soll Christus die Vorherrschaft haben?“

Die Rebellion Luzifers gegen Gott

Luzifer versuchte fortan, Unzufriedenheit unter den Engeln zu säen. Eine Zeitlang verbarg er seine wahre Absicht unter einer vorgetäuschten Gottesverehrung, ließ aber hin und wieder durchblicken, dass er Zweifel an Gottes Regierung und der Machtverteilung im Himmel habe. Auch seien manche Ordnungen nicht angemessen für Engelwesen, die über genügend Weisheit und Urteilsfähigkeit verfügten, um selbst Entscheidungen zu treffen. Wie könnten sie, deren Gedanken geheiligt seien, Gott Unehre bereiten? Sie könnten sich ebenso wenig irren wie er selbst. Die herausgehobene Stellung des Sohnes Gottes stellte Luzifer als Ungerechtigkeit ihm gegenüber hin. Wenn er als oberster Engelfürst nur seine rechtmäßige Stellung erlangen könnte, würde daraus für das gesamte Universum Gutes erwachsen. So oder ähnlich sahen die raffinierten Täuschungen aus, die sich durch Luzifers Einfluss in der himmlischen Welt ausbreiteten.

An der wahren Stellung des Sohnes Gottes hatte sich nichts geändert, aber ein Teil der Engel ließ sich durch Luzifer täuschen. Indem er die Zuneigung und das Vertrauen derer missbrauchte, die unter seinem Befehl standen, flößte er ihnen sein eigenes Misstrauen und seine Unzufriedenheit ein. Dabei ging er so geschickt vor, dass sie nicht merkten, worauf das alles hinauslief: Das Wesen Gottes und dessen Absichten in einem falschen Licht erscheinen zu lassen, um Vorbehalte zu erzeugen und Unzufriedenheit zu wecken. Zwar versicherte Luzifer, Gott treu zu sein, behauptete aber, dass um der Beständigkeit der Regierung Gottes willen gewisse Veränderungen unumgänglich seien. So schürte er nach und nach Zwietracht und Auflehnung, obwohl er stets den Anschein erweckte, Gott gegenüber loyal zu sein. Er wolle nur Eintracht und Frieden erhalten, erklärte er.

Noch gab es keine offene Rebellion unter den Engeln, aber es entwickelten sich Vorbehalte, Unzufriedenheit und Parteilichkeit. Einige hörten Luzifers Anspielungen und seine versteckten Angriffe nicht ungern, weil auch sie inzwischen gegenüber dem Sohn Gottes Vorbehalte hegten. Aber die Mehrheit der Engel blieb Gott treu und ergeben. Für sie war klar, dass es an Gottes Herrschaft nichts auszusetzen gab und Christus als der Sohn Gottes zu Recht den Platz neben seinem Vater einnahm. Es gab für sie keinen Grund für Verdächtigungen und Zwietracht.

Gott war lange Zeit unglaublich nachsichtig mit Luzifer. Unzufriedenheit war ein neues Element im Universum – fremd, geheimnisvoll, unerklärlich. Luzifer erkannte anfangs nicht, wohin er trieb. Mit Liebe und Weisheit wollte man ihn von seinem Irrtum überzeugen. Man zeigte ihm, welche Folgen es haben würde, wenn er in der Auflehnung verharrte.

Luzifer begriff, dass sein Denken und Verhalten falsch und gefährlich waren. Er wusste: „Der Herr ist gerecht in allem Handeln und gütig in allen seinen Taten.“11 Er empfand, dass die göttlichen Gebote und Ordnungen gerecht sind und er das vor dem gesamten Universum bekennen sollte. Wäre das geschehen, hätte er sich und viele Engel retten und seine hohe Stellung behalten können. Die Zeit für eine endgültige Entscheidung war reif: Entweder musste er sich Gott uneingeschränkt unterordnen oder offen gegen ihn rebellieren.

Luzifer wäre beinahe umgekehrt, aber dann siegten doch Ehrgeiz und Stolz über die Vernunft. Sich vor Gott zu demütigen erschien ihm als ein zu großes Opfer. Er, der so hoch geehrt worden war, hätte zugeben müssen, dass er sich geirrt hatte und einen falschen Weg gegangen war. Wie konnte er sich vor einem Gott beugen, den er als ungerecht dargestellt hatte?

In seiner Verblendung hielt Luzifer Gottes Geduld für den Beweis der eigenen Überlegenheit oder als Zeichen dafür, dass der Herrscher des Universums seinen Forderungen doch noch zustimmen würde. Wenn die Engel nur fest zu ihm stünden, so erklärte er, könnten sie noch alles gewinnen, wonach sie verlangten. Deshalb stürzte er sich nun ganz in den Kampf gegen den Schöpfer. So wurde aus Luzifer, dem „Lichtträger“, Satan, der Widersacher Gottes.12

Voller Verachtung wies Satan die Bitten der treuen Engel zurück und verhöhnte sie als irregeleitete Untertanen. Nie wieder würde er den Vorrang des Sohnes Gottes anerkennen. Er war entschlossen, die von ihm beanspruchte Ehre einzufordern. Allen, die sich auf seine Seite schlagen würden, versprach er eine bessere Herrschaft und mehr Freiheit, als Gott sie ihnen zugestand. Ein Teil der Engel war tatsächlich bereit, seinen Führungsanspruch anzuerkennen. Dieser Zuspruch schmeichelte ihm und nährte seine Zuversicht, die gesamte Engelwelt auf seine Seite ziehen zu können und damit ein Gott zu werden.

Aber noch drängten die treuen Engel ihn und seine Anhänger, den Irrtum zu bekennen und sich Gott unterzuordnen. Sie führten ihnen die schrecklichen Folgen eines Aufruhrs vor Augen. Darüber hinaus ermahnten sie alle anderen Engel, sich nicht durch Luzifers heuchlerische Beweisführung täuschen zu lassen.

Viele waren geneigt, ihre Unzufriedenheit aufzugeben und Gott um Verzeihung zu bitten. Das versuchte Luzifer zu verhindern, indem er seine Verführungstaktik änderte. Nun behauptete er, dass die Engel, die sich ihm angeschlossen hatten, bereits zu weit gegangen wären, als dass eine Umkehr noch möglich wäre. Gott werde ihnen nicht vergeben. Er selbst werde die Vormachtstellung Christi niemals wieder anerkennen. Deshalb bleibe ihm und seinen Anhängern nur die Möglichkeit, ihre Freiheit zu behaupten und die Rechte, die man ihnen freiwillig nicht zugestand, mit Gewalt zu gewinnen.

Gott ließ den aufrührerischen Engelfürsten seine Ziele so lange verfolgen, bis sich der Geist der Unzufriedenheit zum offenen Aufruhr auswuchs. Es sollte für alle Geschöpfe und für alle Zeiten deutlich werden, was wirklich hinter den Plänen des Widersachers steckte. Gottes Herrschaft umfasste ja nicht nur die Bewohner des Himmels, sondern die aller geschaffenen Welten. Luzifer folgerte, er werde sie alle beherrschen, wenn er die Engel im Himmel in seine Rebellion mitreißen könnte.

Alles, was Satan tat, war so undurchsichtig, dass es selbst für die treu gebliebenen Engel schwer war, seine wahren Absichten zu durchschauen und zu erkennen, wohin das alles führen würde. Satan säte Zweifel gegenüber den klarsten Aussagen Gottes und seine hohe Stellung gab seinen Äußerungen Nachdruck.

Warum vernichtete Gott Satan nicht?

Gott konnte Luzifer gegenüber nur zu solchen Mitteln greifen, die im Einklang standen mit seiner Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit. Solche Beschränkungen gab es für den Widersacher nicht; er bediente sich ungeniert der Schmeichelei und Täuschung, um seine Ziele zu erreichen, und scheute sich nicht, Gott in Misskredit zu bringen, indem er dessen Aussagen und Gebote in ein falsches Licht rückte. Deshalb war es unumgänglich, den Bewohnern des Himmels und aller Welten zu demonstrieren, dass Gottes Herrschaft gerecht und seine Prinzipien, wie sie in seinen Geboten zum Ausdruck kommen, vollkommen sind und dem Wohl aller dienen.

Satan hatte sich den Anschein gegeben, dass es ihm nicht um sich selbst ging, sondern um das Wohl des Universums. Seine Absicht sei, die Regierung Gottes und dessen Gebote zu verbessern. Darum mussten alle den wahren Charakter Luzifers und seiner Absichten erkennen können. Doch es brauchte Zeit, damit er sich in seinen Werken offenbarte. Erst wenn die schrecklichen Folgen der Auflehnung gegen Gott sichtbar geworden sind, wird Satans Wesen in seiner ganzen Abgründigkeit deutlich sein. Daher gab ihm Gott Gelegenheit, das Wesen seiner Ansprüche zu demonstrieren und die Auswirkungen seiner vorgeschlagenen Veränderungen der Gebote Gottes zu zeigen. Luzifer musste durch sein eigenes Wirken entlarvt werden. Das gesamte Weltall musste den Betrüger ohne Maske sehen.

Für Gott ist nur ein Dienst aus Liebe annehmbar, darum muss die Treue seiner vernunftbegabten Geschöpfe darauf beruhen, dass sie von seiner Gerechtigkeit und Güte überzeugt sind. Die Bewohner des Universums hätten deshalb zu diesem Zeitpunkt in der Vernichtung Satans keinen Akt der Gerechtigkeit erkennen können. Damit hätte die Gefahr bestanden, dass einige Gott aus Angst statt aus Liebe dienten. Der Einfluss des Betrügers und sein aufrührerischer Geist wären daher nicht aus der Welt geschafft worden, denn Gehorsam aus Angst oder Druck erzeugt leicht einen rebellischen Geist. Wäre Satan damals vernichtet worden, hätte sicher ein anderer Engel seine Rebellion fortgeführt. Mit dem Einsatz seiner Macht konnte Gott hier also nichts erreichen.

Zum Heil des ganzen Universums für alle Ewigkeit musste Satan seine Prinzipien in vollem Umfang entwickeln können, damit seine Anklagen gegen Gottes Herrschaft in ihrem wahren Licht erkannt werden konnten. Darüber hinaus sollte Gottes Gerechtigkeit sowie die Unveränderlichkeit seiner moralischen Gebote für immer zweifelsfrei erwiesen werden.

Satans Aufruhr sollte also dem Weltall für immer eine Lehre sein, ein ständiges Zeugnis über das Wesen der Sünde und ihre schrecklichen Folgen. So würde die Geschichte dieser Rebellion und des sich daraus ergebenden kosmischen Konflikts, wie er in der Bibel geschildert und in diesem Werk erläutert wird, für alle heiligen Geschöpfe Gottes und die erlösten Menschen in der Zukunft einen Schutz bieten, der sie davor bewahrt, über das wahre Wesen einer Rebellion gegen Gott und deren Folgen getäuscht zu werden. Nur indem Satan freie Hand erhielt und das Böse sich auswirken konnte, würde deutlich werden: „Alles, was [Gott] tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er.“13

2

Die ersten Menschen*

Als die Erde aus der Hand des Schöpfers hervorging, war sie unvergleichlich schön. Es gab hohe Berge, sanfte Hügel und fruchtbare Ebenen mit Flüssen und Seen. Üppige Vegetation in vollendeter Schönheit weit und breit! Die Atmosphäre war rein und gesund. Nichts, was der Mensch später geschaffen hat, kann mit der ursprünglichen Schönheit der Schöpfung Gottes konkurrieren.

Nachdem die Erde mit ihrem Reichtum an Pflanzen und Tieren ins Leben gerufen war, schuf Gott als Krönung seines Schöpfungswerkes den Menschen. Im ersten Kapitel der Bibel heißt es: „Dann sprach Gott:, Nun wollen wir Menschen machen, ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist!‘ … So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild … und schuf sie als Mann und als Frau.“1 So beginnt der biblische Bericht über den Ursprung der Menschheit.

Es gibt keine Grundlage zu der Ansicht, der Mensch habe sich Schritt für Schritt und von Stufe zu Stufe aus niederen Formen tierischen Lebens entwickelt. Die Abstammung des Menschen, wie sie uns die Heilige Schrift vermittelt, geht nicht zurück auf eine Evolution von einer Urzelle bis hin zum Menschen, sondern auf einen Schöpfungsakt Gottes. Adam, der erste Mensch, war ein Geschöpf Gottes, das aus irdischen Materialien erschaffen wurde.2 Deshalb heißt es auch im Lukasevangelium: „Adam stammte von Gott.“3

Alles, was auf der Erde lebt, ist aus Gottes Schöpferhand hervorgegangen, aber nur der Mensch hat die Fähigkeit bekommen, Gott zu erkennen und in einer persönlichen Beziehung zu ihm zu leben. Deshalb betont der Psalmdichter: „Du hast ihm den Auftrag gegeben, über deine Geschöpfe zu herrschen. Alles hast du ihm zu Füßen gelegt.“4

Christus allein ist das „Ebenbild“ Gottes,5 der Mensch aber wurde immerhin nach dem Bild Gottes geschaffen. Vom Wesen her war er in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes und konnte göttliche Gedanken erfassen. Seine Empfindungen waren rein und seine Beweggründe und Neigungen wurden von der Vernunft beherrscht. Als Abbild Gottes war der Mensch vollkommen und glücklich und lebte ganz selbstverständlich in Harmonie mit Gottes Geboten.

Als Gott das erste Menschenpaar schuf, war es von vollendeter Schönheit, ohne jeden Makel und bekleidet mit einem Lichtgewand, wie es auch die Engel tragen. Adam und Eva waren viel größer als heutige Menschen und voller Lebensfreude.

„Dann legte Gott, der Herr, einen Garten im Osten an, in der Landschaft Eden, und brachte den Menschen, den er geformt hatte, dorthin.“6 Mit diesem Garten schuf Gott einen Lebensraum, in dem sich die Menschen wohlfühlen konnten. Die Fülle an Bäumen, Sträuchern und Früchten sorgte dafür, dass es ihnen an nichts fehlte. In der Mitte des Gartens wuchs der „Baum des Lebens“,7 der alle anderen Bäume an Pracht übertraf. Das Besondere an ihm war, dass seine Früchte die Kraft hatten, ewiges Leben zu spenden.8

„Der Baum der Erkenntnis“ – ein Zeichen des freien Willens und eine Prüfung des Gehorsams

Zwar waren unsere Ureltern unschuldig und untadelig geschaffen worden, aber dennoch bestand die Möglichkeit, dass sie sich falsch verhielten. Gott schuf sie als eigenverantwortliche Wesen, die sich frei entscheiden konnten, ob sie Gottes Willen tun wollten oder nicht. Gott hatte sie zu einem unvergänglichen Leben bestimmt, aber ehe er ihnen ewiges Leben verleihen konnte, musste ihre Treue auf die Probe gestellt werden, wie das zuvor bei den Engeln geschehen war.

Gleich zu Beginn der Menschheitsgeschichte stellte Gott der Selbstsucht, jener unheilvollen Eigenschaft, die Satan zu Fall gebracht hatte, ein Hindernis in den Weg. Der „Baum der Erkenntnis“ sollte für unsere Ureltern ein Prüfstein ihres Vertrauens, ihrer Liebe und ihres Gehorsams sein. Deshalb war es ihnen strikt verboten, von den Früchten dieses einen Baumes zu essen. Würden sie sich nicht an Gottes Weisung halten, hätte das den Tod zur Folge, weil Sünde naturgemäß von Gott trennt.9 Damit setzte Gott die Menschen zwar der Verführung durch Satan aus, schuf aber zugleich die Voraussetzung dafür, dass sie dem Versucher für immer entzogen werden würden, wenn sie ihm widerstünden.

Indem Gott den ersten Menschen seinen Willen kundtat, verpflichtete er sie auf sein Gesetz. Auch als „Bild Gottes“ sollten sie ihrem Schöpfer untertan sein. Gott hätte die Menschen so schaffen können, dass sie unfähig gewesen wären, seine Gebote zu übertreten – praktisch ohne einen freien Willen. Er hätte auch ihre Hände von der verbotenen Frucht zurückhalten können. Aber dann wären sie keine freien, sittlich handelnden Wesen mehr gewesen, sondern nicht viel mehr als Roboter mit Gefühlen.

Ohne die Freiheit der Entscheidung wäre der Gehorsam der Menschen erzwungen und die Entwicklung eines eigenen Charakters unmöglich gewesen. Das aber hätte Gottes Wesen widersprochen und wäre auch ihnen als vernunftbegabten Geschöpfen unwürdig gewesen. Darüber hinaus hätte dies Satans Vorwurf unterstützt, Gott führe eine Willkürherrschaft.

Gott erschuf Adam und Eva aufrichtig und ohne eine Neigung zum Bösen. Er gab ihnen die stärksten Motive, ihm treu zu bleiben: Liebe und Vertrauen zu ihm. Gehorsam war und ist die Bedingung für ein ewiges Leben in Glück und Frieden. Unter dieser Voraussetzung sollten die ersten Menschen Zugang zum „Baum des Lebens“ haben.

Die ersten Menschen waren nicht nur liebevoll umsorgte Kinder ihres himmlischen Vaters, sondern auch ständig Lernende. Sie hatten Umgang mit den Engeln und das Vorrecht, von Angesicht zu Angesicht mit Gottes Sohn zu sprechen. Ihr Schöpfer selbst erklärte ihnen die Naturgesetze und lehrte sie den Umgang mit den anderen Lebewesen. Adam war mit allen Tieren vertraut, kannte ihre Eigenschaften und hatte ihnen dementsprechende Namen gegeben. Solange die Menschen die von Gott gesetzten Ordnungen und Gebote beachteten, würden sie sich fortlaufend neue Kenntnisse aneignen, weitere Quellen des Glücks entdecken und immer klarere Vorstellungen von der unerschöpflichen, unwandelbaren Liebe Gottes gewinnen.

3

Versuchung und Sündenfall*

Satan konnte zwar ein Drittel der Engel auf seine Seite ziehen, aber nicht die Regierung Gottes stürzen. Daher suchte er nach einem neuen Betätigungsfeld für seine gottfeindlichen Ziele. Von Neid getrieben beschloss er, die Menschen in Sünde und deren Folgen zu verstricken. Ihre Liebe zum Schöpfer wollte er in Misstrauen und ihren Lobpreis in Kritik verwandeln. Wenn es ihm gelänge, die Menschen in das Elend der Sünde zu stoßen, so kalkulierte er, würde er damit auch Gott treffen und ihm Kummer verursachen.

Engel hatten Adam und Eva von Satans Aufruhr berichtet und sie auf seine verführerischen Absichten vorbereitet. Sie bekamen Einblick in Gottes gerechtes Handeln und seine Herrschaft über das Universum, die der Fürst des Bösen hatte an sich reißen wollen. Sie wussten, dass Gottes Gebote eine Offenbarung seines Willens, ein Ausdruck seines Wesens und ein Zeichen göttlicher Weisheit und Liebe sind.

Die Harmonie und der Bestand der Schöpfung hängen von der Übereinstimmung mit den Gesetzmäßigkeiten ab, die der Schöpfer festgelegt hat und von denen alle Vorgänge in der Natur bestimmt werden. Die Menschen sind darüber hinaus dem Moralgesetz verpflichtet. Ihnen ist die Fähigkeit verliehen worden zu verstehen, dass Gottes Ordnungen und Gebote sinnvoll und gerecht sind. Deshalb verlangt Gott von ihnen intelligentes und konsequentes Befolgen seiner Prinzipien.

So wie die Engel im Himmel wurden auch die Menschen im Garten Eden auf die Probe gestellt. Sie konnten Gott vertrauen, ihm gehorchen und ewig leben oder ihm misstrauen, ungehorsam sein und damit das Verderben wählen. Gott, der die abtrünnigen Engel nicht verschonen wird, konnte auch ihnen das Unheil nicht ersparen, falls sie sich gegen ihn entscheiden würden. Die Engel mahnten sie deshalb dringend, vor Satans Verführungskünsten auf der Hut zu sein.

Solange sie Gott gehorsam blieben, konnte der Versucher ihnen nichts anhaben. Sollten sie aber der Versuchung nur einmal nachgeben, würde sich ihr Wesen so verändern, dass sie hinfort Satan aus eigener Kraft nicht mehr widerstehen konnten und dem Bösen zuneigten.

Um den Menschen die Gelegenheit zu geben, ihr Vertrauen und ihre Liebe zu zeigen, setzte Gott den „Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen“ in den Garten.1 Satan durfte den Menschen damals noch nicht mit ständigen Versuchungen nachstellen. Nur am verbotenen Baum hatte er Zugang zu ihnen. Dort würde sich zeigen, ob Adam und Eva Gott treu bleiben oder sich auf Satans Seite ziehen lassen würden.

Um sein Ziel zu erreichen, bediente sich Satan einer Schlange als Werkzeug. Sie war damals eines der schönsten und klügsten Geschöpfe. Aus dem verbotenen Baum heraus sollte sie die Aufmerksamkeit auf sich lenken und dessen Früchte essen. So verschleierte Satan, dass er im Garten Eden auf seine Beute lauerte.

Im Blick auf diese Gegebenheiten hatten die Engel Eva davor gewarnt, sich von ihrem Mann zu trennen. Beide gemeinsam stünden weniger in der Gefahr, von Satan verführt zu werden. Aber irgendwann war sie so in ihre Arbeit vertieft, dass sie sich ungewollt von Adam entfernt hatte. Plötzlich stand sie vor dem Baum der Erkenntnis. Sie betrachtete ihn mit einem Gemisch aus Neugier und Staunen. Seine Früchte sahen verlockend aus, und Eva fragte sich, weshalb Gott sie ihnen wohl vorenthielt.

Das war die Gelegenheit für den Versucher. „Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft die Früchte von den Bäumen im Garten nicht essen?“2 Eva war überrascht und erschrocken, als sie das Echo ihrer eigenen Gedanken vernahm. Aber die Schlange gewann Evas Vertrauen, indem sie deren außergewöhnlichen Liebreiz lobte. Das hörte Eva nicht ungern. Statt von diesem Ort zu fliehen, zögerte sie. Sie vermutete nicht, dass die sprechende Schlange ein Werkzeug Satans sein könnte. Deshalb erwiderte sie: „Natürlich dürfen wir sie essen, nur nicht die Früchte von dem Baum in der Mitte des Gartens. Gott hat gesagt:, Esst nicht davon, berührt sie nicht, sonst müsst ihr sterben!‘“ „Nein, nein“, erklärte die Schlange, „ihr werdet bestimmt nicht sterben! Aber Gott weiß: Sobald ihr davon esst, werden euch die Augen aufgehen; ihr werdet wie Gott sein und wissen, was gut und was schlecht ist.“3

Die Raffinesse der satanischen Verführung

Die Schlange stellte Eva also in Aussicht, dass die Menschen durch den Genuss der Frucht eine höhere Daseinsform erreichen könnten, als sie Gott ihnen bisher zugebilligt hatte. Sie selbst habe ebenfalls von den Früchten gegessen und dadurch ungeahnte Fähigkeiten erlangt. Deshalb könne sie auch sprechen. Die Schlange ließ durchblicken, dass der Herr ihnen die Frucht absichtlich vorenthalte, um sie daran zu hindern, ihm gleich zu werden. Gerade wegen ihrer wunderbaren Eigenschaft, Weisheit und Stärke zu verleihen, habe Gott ihnen verboten, von ihr zu kosten oder sie auch nur anzurühren. Gottes Warnung ziele nur darauf ab, sie einzuschüchtern. Wie wäre es auch möglich, dass sie sterben könnten? Hatten sie nicht vom Baum des Lebens gegessen? Gott habe nur nach einem Vorwand gesucht, sie davon abzuhalten, sich weiterzuentwickeln und größere Glückseligkeit zu erlangen.

So hat es Satan seither immer gehalten und damit oft genug Erfolg gehabt. Er verleitet die Menschen dazu, an Gottes Redlichkeit, Weisheit und Liebe zu zweifeln. In ihrem Bemühen, das zu erproben, was Gott verboten hat, übersehen viele die Wahrheiten, die Gott offenbart hat und die für ihre Errettung notwendig sind. Mit der Vorspiegelung, sie gewännen ungeahnte neue Erfahrungen und Einsichten, reizt Satan die Menschen auch heute noch zum Ungehorsam. Aber das ist eine schamlose Täuschung, denn dieser Weg führt nicht zum Aufstieg, sondern zur Entwürdigung.

Der Verführer spiegelte den ersten Menschen vor, sie könnten nur gewinnen, wenn sie sich nicht an Gottes Gebot halten. Heutzutage hört man ähnliche Argumente. Viele reden verächtlich über diejenigen, die Gottes Gebote noch ernst nehmen, und verweisen auf ihre persönlichen Freiheiten, die sie gerade deshalb hätten, weil sie sich nicht durch göttliche Verbote einengen ließen. Klingt das nicht wie ein Echo der Stimme in Eden: Sobald ihr Gottes Gebot übertretet, werdet ihr wie Gott sein? Satan verheimlichte, dass er gerade deshalb ein Verstoßener geworden war, weil er Gottes Willen missachtet hatte, damit er die Menschen mit in sein eigenes Elend hineinziehen konnte. So versuchen er und alle, die sich ihm angeschlossen haben, bis heute, ihr wahres Wesen zu verheimlichen. Sie stehen auf der Seite des Bösen, treten das Gesetz Gottes mit Füßen und sind ständig darauf aus, andere mit ins Verderben zu reißen.

Eva begann, der klaren Aussage Gottes zu misstrauen, sie würde sterben, wenn sie die Frucht aß,4 und kam dadurch zu Fall. Im Gericht Gottes werden Menschen einst nicht deshalb verdammt werden, weil sie eine Lüge für glaubwürdig hielten, sondern weil sie die Wahrheit abgelehnt oder die Gelegenheiten versäumt haben, sie kennenzulernen. Deshalb müssen wir uns bemühen, die Wahrheit Gottes zu erkennen, denn alles, was der Bibel widerspricht, kommt vom Widersacher.

Die Schlange pflückte nun eine Frucht vom verbotenen Baum und legte sie der zögernden Frau in die Hand. Dann erinnerte sie Eva an ihre eigenen Worte, dass Gott verboten hätte, die Frucht auch nur zu berühren, wenn sie nicht sterben wollte. Als Eva merkte, dass das Anrühren der Frucht keine schlimmen Folgen hatte, wurde sie kühner. Sie meinte, „dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß.“5

Es erschien ihr so, als hätte sie tatsächlich eine höhere Stufe der Erkenntnis erreicht. In Wirklichkeit war sie aber zum Werkzeug Satans geworden, der sie benutzte, um auch ihren Mann ins Verderben zu reißen. In einer seltsamen Erregung, die Hände voll verbotener Früchte, suchte sie ihren Mann und erzählte ihm, was sie gerade erlebt hatte.

Adam war bestürzt und entgegnete ihr, dass hier der Widersacher Gottes die Hand im Spiel haben müsse, vor dem sie so eindringlich gewarnt worden waren. Eva müsse ihren Ungehorsam nun mit dem Leben bezahlen. Als Antwort drängte sie ihn, ebenfalls von der Frucht zu essen, und wiederholte die Worte der Schlange, dass sie keineswegs sterben müssten. Schließlich spüre sie nichts von Gottes Missfallen, sondern vielmehr eine köstliche, belebende Wirkung, die ungeahnte Kräfte wecke.

Adam begriff, dass Eva das Verbot Gottes missachtet hatte und die schlimmen Folgen tragen musste. Das löste in seinem Herzen einen furchtbaren Kampf aus. Er klagte sich an, dass er nicht an Evas Seite gewesen war, als sie dem Versucher begegnete. Aber nun war das Unglück geschehen und nicht mehr zu ändern. Er würde seine schöne Frau, die sein ganzes Glück und seine Freude war, verlieren. Zwar blieb ihm die Gemeinschaft mit Gott und den heiligen Engeln und das Bewusstsein der hohen Bestimmung, die dem Menschengeschlecht zugedacht war, wenn sie Gott treu blieben.

Adam dachte nicht daran, dass Gott ihm schon einmal eine Partnerin geschenkt hatte. Aus Angst, das eine Geschenk einzubüßen, das für ihn alle anderen an Wert übertraf, verlor er alle Segnungen Gottes aus den Augen. Liebe, Dankbarkeit und Treue gegenüber dem Schöpfer wurden durch die Liebe zu seiner Frau verdrängt. Sie war ein Teil von ihm, deshalb war ihm der Gedanke an eine Trennung unerträglich. Wenn sie sterben musste, wollte er ihr Schicksal teilen.

Aber konnten nicht auch die Worte der Schlange wahr sein? Zumindest ließ sich an Eva kein einziges Zeichen des Todes entdecken. Innerlich hin- und hergerissen beschloss Adam, ebenfalls von den verbotenen Früchten zu essen und die Folgen auf sich zu nehmen.

Zuerst lebte auch Adam in der Vorstellung, eine höhere Daseinsstufe erreicht zu haben. Aber nur zu bald erfüllte ihn der Gedanke an seine Sünde mit Entsetzen. Liebe zu Gott, Freude und Friede waren dahin. Stattdessen ahnten nun beide, was Sünde wirklich ist, fürchteten sich vor der Zukunft und fühlten sich schutzlos. Das Lichtgewand, das sie umgeben hatte, war verschwunden. Um es zu ersetzen, behalfen sie sich notdürftig mit einem Lendenschurz aus Blättern,6 denn sie spürten, dass sie Gott und den Engeln nicht unbekleidet unter die Augen treten konnten.

Sie begannen nun, die Tragweite ihrer Sünde zu erkennen. Adam machte seiner Gefährtin Vorwürfe, dass sie sich von ihm entfernt und auf die Schlange gehört hatte. Beide aber gaben sich der falschen Hoffnung hin, dass Gott, von dem sie so viel Liebe und Fürsorge erfahren hatten, ihnen diese eine Übertretung verzeihen oder wenigstens keine so schreckliche Strafe auferlegen würde, wie sie zunächst befürchtet hatten.

Satan dagegen war höchst zufrieden und frohlockte über seinen Erfolg. Er hatte Eva dazu verleiten können, Gottes Liebe zu misstrauen, seine Weisheit anzuzweifeln und sein ausdrückliches Verbot zu übertreten. Und durch sie war auch ihr Mann in den Strudel der Sünde hineingeraten.

Die vielfältigen Folgen der ersten Sünde

Gott wollte Adam und Eva die Folgen ihres Ungehorsams deutlich machen. Bisher hatten beide sein Kommen stets freudig begrüßt, aber jetzt fürchteten sie sich vor der Begegnung mit ihm und versteckten sich. „Aber Gott rief nach dem Menschen:, Wo bist du?‘ Der antwortete:, Ich hörte dich kommen und bekam Angst, weil ich nackt bin. Da habe ich mich versteckt!‘, Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?‘, fragte Gott. , Hast du etwa von den verbotenen Früchten gegessen?‘“7

Adam versuchte, die Schuld auf seine Frau und damit auf Gott selbst abzuwälzen: „Die Frau, die du mir an die Seite gestellt hast, gab mir davon; da habe ich gegessen.“8 Freiwillig, aus Liebe zu Eva, hatte er Gottes Wohlgefallen und ein ewiges Leben aufgeben wollen. Nun machte er seine Gefährtin und sogar den Schöpfer für seine Übertretung verantwortlich!

Als der Herr Eva fragte: „Warum hast du das getan?“, antwortete sie: „Die Schlange hat mich dazu verführt!“9 Auch das klingt nach Schuldverschiebung: Warum hast du die Schlange geschaffen? Warum hast du ihr erlaubt, den Garten Eden zu betreten? Selbstrechtfertigung schien damals das Schlagwort zu sein, nicht Sündenbekenntnis. So ist es bis heute geblieben.

Der Herr fällte dann das Urteil über die Schlange: „Verflucht sollst du sein wegen dieser Tat! Auf dem Bauch wirst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang.“10 Aus dem bewundernswerten Geschöpf sollte eine verabscheute und gefürchtete Kreatur werden.

Die weiteren Worte an die Schlange bezogen sich auf Satan und kündigten seine zukünftige Niederlage und Vernichtung an: „Von nun an werden du und die Frau Feinde sein, auch zwischen deinem und ihrem Nachwuchs soll Feindschaft herrschen. Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse beißen!“11

Eva hörte die Ankündigung, dass Schmerzen und Leid hinfort ihr Leben prägen würden: „Du wirst viel Mühe haben in der Schwangerschaft. Unter Schmerzen wirst du deine Kinder zur Welt bringen. Du wirst dich nach deinem Mann sehnen, aber er wird dein Herr sein!“12 Eine weitere Folge der Sünde war also, dass ihre Partnerschaft in Mitleidenschaft gezogen wurde und Eintracht oft nur um den Preis der Unterordnung zu erreichen war.

Zu Adam sagte Gott: „Weil du auf deine Frau gehört und mein Verbot übertreten hast, gilt von nun an: Deinetwegen ist der Acker verflucht. Mit Mühsal wirst du dich davon ernähren dein Leben lang. Dornen und Disteln werden dort wachsen, und du wirst die Pflanzen des Feldes essen. Viel Schweiß musst du vergießen, um dein tägliches Brot zu bekommen, bis du zurückkehrst zur Erde, von der du genommen bist.“13

Großzügig hatte Gott den Menschen Gutes gewährt und sie vor dem Bösen bewahrt. Aber sie hatten von den verbotenen Früchten gegessen und würden nun ihr Leben lang die Erkenntnis und Erfahrung des Bösen nicht mehr loswerden. Statt Freude an der Arbeit zu haben, wie es Gott gewollt hatte, würden Sorge und Mühsal, Enttäuschung, Kummer, Schmerz und schließlich der Tod ihr Los sein.

Dass das Leben der Menschen fortan von Sorge und Mühe überschattet sein würde, war aber nicht nur Strafe, sondern zugleich ein Zeichen der Liebe Gottes. Um das wahre Wesen der Sünde zu begreifen, brauchten sie diese „Schule des Lebens“. Sie sollten lernen, ihre Wünsche und Begierden zu zügeln und sich selbst zu beherrschen. Gott hatte die Menschen nicht unwiderruflich verstoßen, sondern wollte sie aus der Erniedrigung und dem Verderben wieder herausführen.

Die Warnung Gottes, „Sobald du davon isst, musst du sterben!“,14 bedeutete nicht, dass sie am selben Tag sterben würden. Aber für den Fall des Ungehorsams war von vornherein klar, dass letztlich der Tod ihr Schicksal sein würde.

Um ewig leben zu können, hätte der Mensch auch weiterhin vom „Baum des Lebens“ essen müssen. Entzog man ihm die Lebensfrucht, nahm seine Lebenskraft allmählich ab, bis sie erlosch. Deshalb war es Satans Hoffnung, dass Adam und Eva weiterhin vom Baum des Lebens essen und dadurch ihr Dasein in Sünde und Elend verewigen würden. Doch Gott verhinderte das, indem er den Zugang zum „Baum des Lebens“ durch Engel versperren und bewachen ließ.15 Es war schon schlimm genug, dass der Mensch zum Sünder geworden war; unsterbliche Sünder sollte es nicht auch noch geben.

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22 dekabr 2023
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