Kitabı oxu: «Das steinerne Herz»

Şrift:

E.T.A. Hoffmann

Das steinerne Herz

Saga

Das steinerne HerzCoverbild/Illustration: Shutterstock Copyright © 1817, 2020 E.T.A. Hoffmann und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726619034

1. Ebook-Auflage, 2020

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von SAGA Egmont gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com und Lindhardt og Ringhof www.lrforlag.dk

– a part of Egmont www.egmont.com

Jedem Reisenden, der bei guter Tageszeit sich dem Städtchen G. von der südlichen Seite bis auf eine halbe Stunde Wegs genähert, fällt der Landstrasse rechts ein stattliches Landhaus in die Augen, welches mit seinen wunderlichen bunten Zinnen, aus finsterm Gebüsch blickend, emporsteigt. Dieses Gebüsch umkränzte den weitläufigen Garten, der sich in weiter Strecke talabwärts hinzieht. Kommst du einmal, vielgeliebter Leser, des Weges, so scheue weder den kleinen Aufenthalt deiner Reise noch das kleine Trinkgeld, das du etwa dem Gärtner geben dürftest, sondern steige fein aus dem Wagen und lass dir Haus und Garten aufschliessen, vorgebend, du hättest den verstorbenen Eigentümer des anmutigen Landsitzes, den Hofrat Reutlinger in G., recht gut gekannt. Im Grunde genommen kannst du dies alsdann mit gutem Fug tun, wenn es dir gefallen sollte, alles, was ich dir zu erzählen eben im Begriff stehe, bis ans Ende durchzulesen; denn ich hoffe, der Hofrat Reutlinger soll dir alsdann mit all seinem sonderbaren Tun und Treiben so vor Augen stehen, als ob du ihn wirklich selbst gekannt hättest. Schon von aussen findest du das Landhaus auf altertümliche, groteske Weise mit bunten, gemalten Zieraten verschmückt, du klagst mit Recht über die Geschmacklosigkeit dieser zum Teil widersinnigen Wandgemälde, aber bei näherer Betrachtung weht dich ein besonderer, wunderbarer Geist aus diesen bemalten Steinen an, und mit einem leisen Schauer, der dich überläuft, trittst du in die weite Vorhalle. Auf den in Felder abgeteilten, mit weissem Gipsmarmor bekleideten Wänden erblickst du mit grellen Farben gemalte Arabesken, die in wunderlichsten Verschlingungen Menschenund Tiergestalten, Blumen, Früchte, Gesteine darstellen, und deren Bedeutung du ohne weitere Verdeutlichung zu ahnen glaubst. Im Saal, der den untern Stock in der Breite einnimmt und bis über den zweiten Stock hinaufsteigt, scheint in vergoldeter Bildnerei alles das plastisch ausgeführt, was erst durch Gemälde angedeutet wurde. Du wirst im ersten Augenblick vom verdorbenen Geschmack des Zeitalters Ludwig des Vierzehnten reden, du wirst weidlich schmälen über das Barocke, Überladene, Grelle, Geschmacklose dieses Stils, aber bist du nur was weniges meines Sinnes, fehlt es dir nicht an reger Phantasie, welches ich allemal bei dir, mein gütiger Leser, voraussetze, so wirst du bald allen in der Tat gegründeten Tadel vergessen. Es wird dir so zumute werden, als sei die regellose Willkür nur das kecke Spiel des Meisters mit Gestaltungen, über die er unumschränkt zu herrschen wusste, dann aber, als verkette sich alles zur bittersten Ironie des irdischen Treibens, die nur dem tiefen, aber an einer Todeswunde kränkelnden Gemüt eigen. Ich rate dir, geliebter Leser, die kleinen Zimmer des zweiten Stocks, die wie eine Galerie den Saal umgeben, und aus deren Fenstern man hinabschaut in den Saal, zu durchwandern. Hier sind die Verzierungen sehr einfach, aber hin und wieder stössest du auf teutsche, arabische und türkische Inschriften, die sich wunderlich genug ausnehmen. Du eilst jetzt nach dem Garten; er ist nach altfranzösischer Art mit langen, breiten, von hohen Taxuswänden umschlossenen Gängen, mit geräumigen Kasketts angelegt und mit Statuen, mit Fontänen geschmückt. Ich weiss nicht, ob du, geliebter Leser, nicht auch den ernsten, feierlichen Eindruck, den solch ein altfranzösischer Garten macht, mit mir fühlst und ob du solch ein Gartenkunstwerk nicht der albernen Kleinigkeitskrämerei vorziehst, die in unsern sogenannten englischen Gärten mit Brückchen und Flüsslein und Tempelchen und Gröttchen getrieben wird. Em Ende des Gartens trittst du in einen finsteren Hain von Trauerweiden, Hängebirken und Weymoutskiefern. Der Gärtner sagt dir, dass dies Wäldchen, wie man es, von der Höhe des Hauses hinabschauend, deutlich wahrnehmen kann, die Form eines Herzens hat. Mitten darin ist ein Pavillon von dunklem schlesischen Marmor in der Form eines Herzens erbaut. Du trittst hinein, der Boden ist mit weissen Marmorplatten ausgelegt, in der Mitte erblickst du ein Herz in gewöhnlicher Grösse. Es ist ein dunkelroter, in den weissen Marmor eingefugter Stein. Du bückst dich herab und entdeckst die in den Stein eingegrabenen Worte: „Es ruht!“ In diesem Pavillon, bei diesem dunkelroten steinernen Herzen, das damals jene Inschrift noch nicht trug, standen am Tage Mariä Geburt, das heisst am achten September des Jahres 180— ein grosser, stattlicher alter Herr und eine alte Dame, beide sehr reich und schön nach der Mode der sechziger Jahre gekleidet. ,,Aber,“ sprach die alte Dame, ,,aber wie kam Ihnen, lieber Hofrat, denn wieder die bizarre, ich möchte lieber sagen, die schauervolle Idee, in diesem Pavillon das Grabmal Ihres Herzens, das unter dem roten Stein ruhen soll, bauen zu lassen?“ ,,Lassen Sie uns,“ erwiderte der alte Herr, „lassen Sie uns, liebe Geheimrätin, von diesen Dingen schweigen! — Nennen Sie es das krankhafte Spiel eines wunden Gemüts, nennen Sie es, wie Sie wollen, aber erfahren Sie, dass, wenn mich mitten unter dem reichen Gut, das das hämische Glück wie ein Spielzeug dem einfältigen Kinde, das darüber die Todeswunden vergisst, mir zuwarf, der bitterste Unmut ergreift, wenn alles erfahrene Leid von neuem auf mich zutritt, dass ich dann hier in diesen Mauern Trost und Beruhigung finde. Meine Blutstropfen haben den Stein so rot gefärbt, aber er ist eiskalt, bald liegt er vuf meinem Herzen und kühlt die verderbliche Glut, welche darin loderte.“ Die alte Dame sah mit einem Blick der tiefsten Wehmut herab zum steinernen Herzen, und indem sie sich etwas herabbückte, fielen ein paar grosse, perlenglänzende Tränen auf den roten Stein. Da fasste der alte Herr schnell herüber und ergriff ihre Hand. Seine Augen erblitzten im jugendlichen Feuer; wie ein fernes, mit Blüten und Blumen reich geschmücktes herrliches Land im schimmernden Abendrot lag eine längst vergangene Zeit voll Liebe und Seligkeit in seinen glühenden Blicken. ,,Julie! — Julie! und auch Sie konnten dieses arme Herz so auf den Tod verwunden.“ — So rief der alte Herr mit von der schmerzlichsten Wehmut halberstickter Stimme. ,,Nicht mich,“ erwiderte die alte Dame sehr weich und zärtlich, „nicht mich klagen Sie an, Maximilian! — War es denn nicht Ihr starrer, unversöhnlicher Sinn, Ihr träumerischer Glaube an Ahnungen, an seltsame, Unheil verkündende Visionen, der Sie forttrieb von mir, und der mich zuletzt bestimmen musste, dem sanfteren, beugsameren Mann, der mit Ihnen zugleich um mich sich bewarb, den Vorzug zu geben. Ach! Maximilian, Sie mussten es ja wohl fühlen, wie innig Sie geliebt wurden, aber Ihre ewige Selbstqual, peinigte sie mich nicht bis zur Todesermattung?“ Der alte Herr unterbrach die Dame, indem er ihre Hand fahren liess: ,,O, Sie haben recht, Frau Geheimrätin, ich muss allein stehen, kein menschliches Herz darf sich mir anschmiegen, alles, was Freundschaft, was Liebe vermag, prallt wirkungslos ab von diesem steinernen Herzen.“ „Wie bitter,“ fiel die Dame dem alten Herrn in die Rede, „wie bitter, wie ungerecht gegen sich selbst und andere sind Sie, Maximilian! — Wer kennt Sie denn nicht als den freigebigsten Wohltäter der Bedürftigen, als den unwandelbarsten Verfechter des Rechts, der Billigkeit, aber welches böse Geschick warf jenes entsetzliche Misstrauen in Ihre Seele, das in einem Wort, in einem Blick, ja in irgendeinem von jeder Willkür unabhängigen Ereignis Verderben und Unheil ahnet?“ ,,Hege ich denn nicht alles,“ sprach der alte Herr mit weicherer Stimme und Tränen in den Augen, „hege ich denn nicht alles, was sich mir nähert, mit der vollsten Liebe? Aber diese Liebe zerreisst mir das Herz, statt es zu nähren. — Ha!“ fuhr er mit erhöhter Stimme fort, „dem unerforschlichen Geist der Welten gefiel es, mich mit einer Gabe auszustatten, die, mich dem Tode entreissend, mich hundertmal tötet! — Gleich dem ewigen Juden sehe ich das unsichtbare Kainszeichen auf der Stirne des gleissnerischen Meuters! — Ich erkenne die geheimen Warnungen, die oft wie spielende Rätsel der geheimnisvolle König der Welt, den wir Zufall nennen, uns in den Weg wirft. Eine holde Jungfrau schaut uns mit hellen, klaren Isisaugen an, aber wer ihre Rätsel nicht löst, den ergreift sie mit kräftigen Löwentagen und schleudert ihn in den Abgrund.“ ,,Noch immer,“ sprach die alte Dame, „noch immer diese verderblichen Träume. Wo blieb der schöne, artige Knabe, Ihres jüngeren Bruders Sohn, den Sie vor einigen Jahren so liebreich aufgenommen, in dem so viele Liebe und Trost für Sie aufzukeimen schien?“ ,,Den,“ erwiderte der alte Herr mit rauher Stimme, „den habe ich verstossen, es war ein Bösewicht, eine Schlange, die ich mir zum Verderben im Busen nährte.“ „Ein Bosewicht? — der Knabe von sechs Jahren?“ — fragte die Dame ganz bestürzt. „Sie wissen“, fuhr der alte Herr fort, „die Geschichte meines jüngeren Bruders; Sie wissen, dass er mich mehrmals auf bübische Weise täuschte, dass, alles brüderliche Gefühl in seiner Brust ertötend, ihm jede Wohltat, die ich ihm erzeigte, zur Waffe gegen mich diente. An ihm, an seinem rastlosen Streben lag es nicht, dass nicht meine Ehre, meine bürgerliche Existenz verloren ging. Sie wissen, wie er vor mehreren Jahren, in das tiefste Elend versunken, zu mir kam, wie er mir Änderung seiner ver worrenen Lebensweise, wiedererwachte Liebe heuchelte, wie ich ihn hegte und pflegte, wie er dann seinen Aufenthalt in meinem Hause nutzte, um gewisse Dokumente — doch genug davon. Sein Knabe gefiel mir, und diesen behielt ich bei mir, als der Schändliche, nachdem seine Ränke, die mich in einen, meine Ehre vernichtenden Kriminalprozess verwickeln sollten, entdeckt worden, fliehen musste. Ein warnender Wink des Schicksals befreite mich von dem Bösewicht.“ „Und dieser Wink des Schicksals war gewiss einer Ihrer bösen Träume.“ So sprach die alte Dame, doch der alte Herr fuhr fort: ,,Hören Sie, urteilen Sie, Julie! — Sie wissen, dass meines Bruders Teufelei mir den härtesten Stoss gab, den ich erlitten — es sei denn, dass — doch still davon. Mag es sein, dass ich der Seelenkrankheit, die mich befallen, den Gedanken zuschreiben muss, mir in diesem Wäldchen eine Grabstätte für mein Herz bereiten zu lassen. Genug, es geschah! — Das Wäldchen war in Herzform angepflanzt, der Pavillon erbaut, die Arbeiter beschäftigten sich mit der Marmortäfelung des Fussbodens. Ich trete hinan, um nach dem Werk zu sehen. Da bemerke ich, dass in einiger Entfernung der Knabe, so wie ich Max geheissen, etwas hin und her kugelt unter allerlei tollen Bockssprüngen und lautem Gelächter. Eine finstere Ahnung geht durch meine Seele! — Ich gehe los auf den Knaben und erstarre, als ich sehe, dass es der rote, herzförmig ausgearbeitete Stein ist, der zum Einlegen in dem Pavillon bereit lag, den er mit Mühe herausgekugelt hat und mit dem er nun spielt! — ,Bube! du spielst mit meinem Herzen wie dein Vater!‘ — Mit diesen Worten stiess ich ihn voll Abscheu von mir, als er sich weinend mir nahte. — Mein Verwalter erhielt die nötigen Befehle, ihn fortzuschaffen, ich habe den Knaben nicht wieder gesehen!“ ,,Entsetzlicher Mann!“ rief die alte Dame, die aber der alte Herr, sich höflich verbeugend, und mit den Worten: ,,Des Schicksals grosse Grundstriche fügen sich nicht dem feinen Nonpareil der Damen“, unter den Arm fasste und aus dem Pavillon hinausführte durch das Wäldchen in den Garten.

Pulsuz fraqment bitdi.

Janr və etiketlər

Yaş həddi:
0+
Həcm:
36 səh. 1 illustrasiya
ISBN:
9788726619034
Naşir:
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
Yükləmə formatı: