Kitabı oxu: «Kompromittiert»
Kompromittiert
Ein Roman von Ethan Stone
Aus dem Englischen von Florentina Hellmas
Impressum
© dead soft verlag, Mettingen 2021
http://www.deadsoft.de
© the author
Titel der Originalausgabe: Compromised (Uniformity Book 1)
Übersetzung: Florentina Hellmas
Cover: Irene Repp
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Bildrechte:
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© Gts – shutterstock.com
1. Auflage
ISBN 978-3-96089-458-2
ISBN 978-3-96089-459-9 (epub)
Inhalt:
Officer Daniel „Kash“ Kashaveroff ist Single, schwul und arbeitet in einem Hochsicherheitsgefängnis. Nicht der beste Job, um geoutet zu sein. Nach schlechten Erfahrungen in einer vergangenen Beziehung würde er sich gerne wieder verlieben, glaubt aber nicht daran, dass das so bald passieren wird.
Mit Zane Davis zusammenzuarbeiten, stellt Kashs Leben auf den Kopf. Sie sind erst Kollegen, werden dann Freunde und lassen sich schließlich auf ein Verhältnis ein, aber ihre Beziehung ist weit davon entfernt, perfekt zu sein.
Während er sich mit seinen Beziehungsproblemen herumschlägt, freundet Kash sich auch mit einem Häftling namens Cody Ivy an. Persönliche Nähe zu einem Insassen verstößt gegen die Regeln, aber Kash ist von der Unschuld des jungen Mannes überzeugt. Schon bald engagiert er sich dafür, diese zu beweisen, selbst als er dadurch sein eigenes Leben gefährdet.
Anmerkung des Autors
Für alle, die Fernsehserien gesehen haben, die in Gefängnissen spielen: Es war mir wichtig, das Umfeld der Geschichte in ein anderes und realistischeres Licht zu setzen. Ich habe einmal in einem Gefängnis gearbeitet und diese Geschichte spiegelt meine Erfahrung wider. Die meiste Zeit ist es ziemlich langweilig und man verbringt viel Zeit in Lagerräumen oder Kontrolleinrichtungen. Ich glaube aber, dass ich eine gute Mischung aus Realitätsnähe und Unterhaltung gefunden habe.
Kapitel 1
Ich sah, wie er sich drehte, noch ehe er sich von mir losriss. Ich griff nach ihm und packte ihn am Ärmel, aber das war nicht genug, um ihn zu stoppen. Er warf in einer fließenden Bewegung den Kopf zurück und ließ ihn ohne das geringste Zögern vorschnellen. Er traf sein Ziel und aus der Nase des Mannes neben ihm spritzte Blut. Ich riss ihn zurück, packte seinen Arm und stieß ihn auf den harten Betonboden. Ich kniete mich auf seinen Rücken, hielt mit einer Hand seine Handgelenke in Handschellen fest und drückte mit der anderen sein Gesicht auf den Boden.
»Rühr dich ja nicht, Ofeldt.«
Es war so schnell gegangen, dass mein Verstand einen Moment brauchte, um alles zu verarbeiten. Ich hatte rein auf der Basis von Instinkt und Adrenalin gehandelt. Gerade hatte ich den Gefangenen Ofeldt noch eskortiert, im nächsten Augenblick hielt ich ihn auf dem Boden fest. Alles Teil eines normalen Arbeitstages für einen Vollzugsbeamten in einem Hochsicherheitsgefängnis.
Das Seely State Prison beherbergte die schlimmsten Insassen von ganz Nevada. Vergewaltiger, Mörder, Kinderschänder und Spinner. Insasse Ofeldt war ein Mörder und ein Spinner, weshalb ich im Umgang mit ihm besonders vorsichtig war. Ich versuchte nicht, mich bei ihm anzubiedern, aber ich bemühte mich, ihn nicht zu verärgern oder zu reizen, wenn er schon wütend war. Von meinem Partner, Officer Todd Lang, konnte ich das nicht behaupten.
Lang war „von der alten Schule“. Er arbeitete seit fast zwanzig Jahren in Seely und regelte die Dinge, wie er es für richtig hielt, ohne sich um die offiziellen Regeln zu kümmern.
Die Probleme hatten schon am Morgen begonnen. Ofeldt war verärgert gewesen, weil er dachte, er hätte zu wenig Frühstück bekommen. Er hatte Lang dafür verantwortlich gemacht. Ich war mir nicht sicher, ob das stimmte, aber ich traute es ihm zu.
Als ich herausgefunden hatte, dass wir Ofeldt zum Hofgang begleiten sollten, war ich nicht begeistert gewesen. Trotz Ofeldts Ärger, hatte Lang es nicht lassen können, ihn weiter zu reizen, nachdem wir ihm die Handschellen angelegt und ihn aus seiner Zelle geholt hatten. Hör auf zu maulen, hatte Lang gefaucht, als Ofeldt ihn noch einmal beschuldigt hatte, ein Stück Obst von seinem Frühstückstablett genommen zu haben. Halt einfach die Klappe, du alte Zicke.
Mir hatte es gereicht und ich war im Begriff gewesen, Lang zu bremsen, als Ofeldt sich gedreht und Lang einen Kopfstoß verpasst hatte, ehe ich es hatte verhindern können.
Ich warf einen Seitenblick zu meinem Partner. Lang lag auf dem Rücken und hielt sich die Hände vors Gesicht, während Blut aus seiner Nase spritzte. »Denk nicht mal dran, irgendeinen Scheiß zu machen, Ofeldt.«
»Ich würde Ihnen nichts tun, Kash«, antwortete er. »Sie sind okay. Gegen Sie habe ich nichts. Ich hatte da nur was zu erledigen, wissen Sie?«
»Nun, das hast du eindeutig getan.«
Ich würde mich nie auf die Seite eines Insassen stellen, wenn es um einen anderen Beamten ging, aber es gab Zeiten, in denen ich große Lust dazu hatte. Hätten sie ihre Auseinandersetzung auf der Straße ausgetragen, hätte Ofeldt Lang in den Hintern getreten. Aber auf der Straße hätte Lang sich nie mit einem Kerl angelegt, der doppelt so groß und dreimal so verrückt war.
***
Als ich am Dienstag aufwachte, wusste ich, dass es einfach nur ein weiterer langweiliger Tag werden würde. Aufregende Dinge passierten selten an zwei Tagen hintereinander. Die Arbeit war eine sich wiederholende Serie von Bewegungsabläufen. Dieselben Dinge tun, mit denselben Leuten arbeiten. Ich fühlte mich oft wie Bill Murray in dem Film Und täglich grüßt das Murmeltier. Wenn es eine Lektion gab, die ich lernen sollte, dann versagte ich dabei vermutlich. Ich arbeitete seit zehn Jahren im Strafvollzug von Nevada, die letzten sechs davon in Seely. Ich hatte nicht geplant, meine Karriere darauf aufzubauen, es war nur ein Job gewesen, um wieder auf die Beine zu kommen. Es war aber gut bezahlt, also war ich hängen geblieben.
Ich arbeitete in Zwölf-Stunden-Schichten; in einer Woche an vier Tagen, in der nächsten an drei. Die langen Arbeitstage waren nicht angenehm, aber die langen Wochenenden machten das mehr als wett. Sie gaben mir die Gelegenheit, meinen außerdienstlichen Interessen nachzugehen, nämlich meinem Liebesleben. In einer Stadt mit rund fünftausend Einwohnern schwul zu sein, war scheiße. Sich tief im Schrank zu verstecken, war für meinen Job aber eine Notwendigkeit. Die Bewohner von Seely in Nevada würden ausflippen, wenn sie wüssten, dass ich beide Male Obama gewählt hatte. Und sie würden mich wahrscheinlich lynchen, wenn sie herausfänden, dass ich Schwänze lutschte. Ja, verdammt. Ich liebte es, einen harten Schwanz im Mund zu haben. Und ich hasste es, diese Seite von mir zu verbergen. Aber ich musste nun mal arbeiten. Ich war noch keinem Mann begegnet, der es wert gewesen wäre, die Schranktür zu öffnen, oder der es gewollt hätte. Außer Wochenendaffären, hatte ich seit drei Jahren keine Beziehung mehr. Es hatte Typen gegeben, mit denen die sexuelle Chemie toll gewesen war, und wir hatten versucht, es zu etwas Längerfristigem auszudehnen. Diese sogenannten Beziehungen hatten immer nach ein paar Monaten frustrierender Anrufe und sexfreier Wochenenden voller Streit, Ärger und Anschuldigungen geendet.
Nachdem ich geduscht hatte, versuchte ich meine dunklen Locken halbwegs zu bändigen und zog mich an. Die Arbeitsuniform war ein langweiliger, olivgrüner Kampfanzug. Viele Männer und Frauen liebten Uniformen. Ich konnte das nicht nachvollziehen. Ich fühlte mich jedenfalls nicht sexy, wenn ich für die Arbeit angezogen war. Die Cargohose hatte große Seitentaschen. Ein Waffengurt und ein Ledergürtel mit Fächern für Handschellen und Schlüssel vervollständigten die Uniform.
Alles an meinem Job hörte sich viel cooler an, als es tatsächlich war. Vollzugsbeamte waren kaum mehr als Pförtner und Babysitter. In einem Hochsicherheitsgefängnis zu arbeiten, wirkte wahrscheinlich wie ein aufregender Beruf, aber das war es nicht. Ich begleitete Insassen zu den Einzelduschen und wieder zurück und auch zu den Hofgängen und wieder zurück. Zu den Essenszeiten brachte ich ihnen ihre Mahlzeiten und auch sonst einfach alles, was sie brauchten. Vollzugsbeamte waren vom Papierkram der Gefangenen bis zu ihren Hygieneartikeln für alles verantwortlich. Auch dafür, hinter ihnen sauber zu machen, wenn sie die Böden versauten.
Da Seely ein Hochsicherheitsgefängnis war, gab es in den einzelnen Zellenblöcken sehr wenig Bewegung. Wann immer Gefangene sich außerhalb ihrer Zelle aufhielten, waren ihre Hände auf dem Rücken mit Handschellen gefesselt. Die strengen Regeln machten das Arbeitsumfeld sicherer, aber auch langweiliger.
Zugegeben, ich war nicht besonders glücklich. Es war an der Zeit, dort aufzuhören. Nicht nur Zeit, Seely zu verlassen, sondern auch, meine Karriere als Vollzugsbeamter zu beenden. Ich hatte bisher nur noch nicht den richtigen Anreiz.
Dann kam er und alles wurde anders.
Kapitel 2
Als ich zur Arbeit kam, wurde ich zu meinem üblichen Aufgabengebiet in Block 2 geschickt. In dem Block herrschte sogenannte „administrative Absonderung“. Hier waren Häftlinge untergebracht, die aus den verschiedensten Gründen nicht mit anderen Insassen zusammenleben konnten. Sei es wegen ihres Verbrechens, ihres Alters, ihrer Zugehörigkeit zu einer Bande oder ihrer Sexualität. Es war gewöhnlich eine ruhige Abteilung, weshalb ich dort gerne arbeitete. Es entbehrte nicht einer gewissen Ironie, dass ich mich über den langweiligen Job beschwerte und gleichzeitig einen Bereich bevorzugte, in dem noch weniger zu tun war als in den anderen. Aber andere Abteilungen mit mehr Insassen waren nur auf eine andere Weise langweilig. Es gab mehr zu tun, aber nichts davon war interessant.
Judy Westland, meine übliche Vorgesetzte, die für die täglichen Abläufe verantwortlich war, war schon da. Eine ältere Frau mit kurzen, grauen Haaren und einem nasalen Akzent aus dem mittleren Westen. Sie arbeitete in Seely, seit es vor mehr als zwanzig Jahren eröffnet worden war, und ich zog sie manchmal damit auf, dass sie zu ihren Anfängen auf einem Dinosaurier zur Arbeit geritten sein musste.
»Guten Morgen, Miss Westland.« Ich betrat den Kontrollraum, den wir „die Blase“ nannten, und versperrte die Tür hinter mir. Die Blase befand sich über den Ebenen, in denen die Häftlinge lebten. Jeder Block hatte zwei Seiten oder Gänge. Eine A-Seite und eine B-Seite, und die Blase hatte den Überblick über alles. Dort waren all die Kontrollmechanismen, die nötig waren, um die Türen zu den Gängen und auch die der Zellen zu öffnen. Alle Bewegungen der Insassen wurden von dem Beamten in der Blase kontrolliert. Eine Mauer trennte die Gänge und die Vollzugsbeamten mussten durch zwei Schleusen, um auf die andere Seite zu kommen. Auch sie wurden von dem Officer in der Blase gesteuert.
»Wie geht’s, Kash?«, erwiderte sie. Sowohl die Beamten als auch die Insassen wurden mit ihren Nachnamen angesprochen. Aber mein Nachname, Kashaveroff, war für einige schwer auszusprechen, weshalb er abgekürzt wurde.
»Wo ist Lang?«
»Wird eine Weile ausfallen. Er nimmt sich eine … Auszeit.« Sie schnaubte.
Er nimmt sich eine Auszeit bedeutete vermutlich, dass Lang sich schämte, weil er von einem Insassen eins auf die Nase bekommen hatte, und sich deshalb eine Weile fernhalten würde. Ich mochte Lang nicht besonders, aber bei ihm wusste ich wenigstens, woran ich war. Mit einem anderen Partner zu arbeiten, bedeutete, sich mit seinen Gewohnheiten und Besonderheiten auseinanderzusetzen. Es bedeutete Veränderungen in meiner strukturierten Arbeit. Ich schimpfte vielleicht über die Eintönigkeit meines Jobs, aber sie war bequem. Im Großen und Ganzen wusste ich, was Tag für Tag passieren würde. Ein neuer Partner änderte alles. »Wissen Sie, mit wem ich arbeiten werde, solange Lang weg ist?«
»Keine Ahnung.«
Das behagte mir ganz und gar nicht. Das konnte einer der Ersatzkräfte sein, die bei Krankenständen oder Urlauben zum Einsatz kamen, und da war die Auswahl nicht erfreulich. Die meisten von denen waren entweder faul oder sie nervten richtig.
Eine aufleuchtende Kontrolllampe und ein piepender Signalton kündigten jemanden am äußeren Eingang des Gebäudes an.
Westland drückte den Knopf der Gegensprechanlage. »Ja bitte?«
»Ich melde mich zum Dienst«, antwortete eine männliche Stimme.
Westland betätigte einen Schalter, der die Außentür öffnete. Ein Beamter trat ein und sah in beide Richtungen den Flur entlang. Dann wandte er sich nach links und kam auf meine Abteilung zu. Ich schnappte nach Luft, als er näher kam und ich ihn richtig sehen konnte.
Zane Davis war achtundzwanzig, sechs Jahre jünger als ich. Und er sah verdammt gut aus. Groß mit Haaren von so hellem Braun, dass es schon fast blond war. Sein Haar war kurz geschnitten, aber er sah aus, als hätte er vergessen sich zu rasieren. Die Bartstoppeln eines Tages gaben seinem Gesicht ein reifes Aussehen. Rasiert hätte er vermutlich jungenhaft ausgesehen. Er hatte die unglaublichsten blauen Augen, die ich je bei einem Mann gesehen hatte. Er war noch nicht mal ein Jahr in Seely, aber ich hatte ein- oder zweimal mit ihm gearbeitet, wenn auch nur kurz. Hätte er nicht einige Male eine Freundin erwähnt, hätte ich schon bei unserer ersten Begegnung versucht, ihn zu verführen. Seine Ärmel umspannten kräftige Muskeln. Ob seine Brust auch so trainiert war wie seine Arme, konnte ich nicht sehen, denn er trug die verpflichtende Sicherheitsweste unter seinem Hemd. Ich trug auch eine und schwitzte damit wie ein Schwein.
Er stand an der Zwischentür und Westland drückte einen Knopf, um ihm Zugang zur Schleuse zu gewähren, deren andere Tür von einer zweiten Person geöffnet werden musste. Die mehrfache Absicherung war Teil der strikten Sicherheitsvorkehrungen, die sich über die Jahre bewährt hatten. Es hatte in Seely noch nie einen Ausbruch gegeben.
Westland gab mir den Schlüssel, ich stieg ein paar Stufen hinunter, um die zweite Tür zu öffnen, und ging wieder hinauf. Davis trat ein, versperrte die Tür hinter sich, kam über die Stufen herauf und gab Westland den Schlüssel.
»Hallo, junger Mann«, sagte Westland, ohne aufzustehen.
»Hallo, Ma’am«, antwortete er.
»Oho«, lachte Westland gackernd. »Nennen Sie mich nicht Ma’am. Ich bin Senior Officer Westland, oder einfach Westland.«
»Sorry.« Er zuckte mit den Schultern und grinste breit. Dann drehte er sich zu mir und hielt mir die Hand hin.
»Wie geht’s, Davis?«, fragte ich.
»Hey, Kash.« Er schüttelte mir die Hand. »Mir geht’s gut. Wie läuft es bei dir?« Er war etwa 1,86 m groß. Höchstens zwei Zentimeter größer als ich.
»Ich kann mich nicht beklagen«, antwortete ich.
»Seid ihr zwei Plaudertaschen bereit, an die Arbeit zu gehen?«, unterbrach Westland.
»Wie sind startklar«, erwiderte ich. »Zeit für die Raubtierfütterung.«
Die Häftlinge so zu bezeichnen, war nicht gerade korrekt, aber nach so vielen Jahren in dem Job war es schwierig, nicht voreingenommen zu sein. Auch wenn einige der Insassen sich ordentlich verhielten und ich mit den meisten gut auskam, musste man dennoch Distanz wahren. Ich hielt mich nicht für etwas Besseres als sie. Als ich jung gewesen war, hatte ich eine Menge Scheiß abgezogen, der mich leicht auf die andere Seite der Türen hätte bringen können. Ich behandelte die Häftlinge mit Respekt, wenn sie bereit waren, dasselbe zu tun. Die Essensausgabe war ein Beispiel dafür, dass es bei uns nicht zuging wie in Filmen. Die Insassen aßen nicht in einem großen Speisesaal, sondern in ihren Zellen. Und wir brachten ihnen das Essen. Die Zellen hatten auch keine Gitterstäbe, wie man es aus Filmen kannte. Die Türen waren aus Stahl und hatten Öffnungen, die etwa 30 cm breit und 15 cm hoch waren. Die konnten wir mit den Schlüsseln öffnen, die wir bei uns hatten. Das Essen zu servieren, war die Tätigkeit, die ich am wenigsten mochte, denn ich fühlte mich dabei wie ein Kellner, und unsere Gäste gaben kein gutes Trinkgeld.
»Austeilen oder laufen?«, fragte ich Davis.
Austeilen bedeutete, über einem beheizten Wagen zu stehen und die Tabletts zu füllen. Laufen bedeutete, vom heißen Wagen zu den Zellen zu gehen und dabei vier Tabletts auf einmal zu tragen. Block 2 hatte insgesamt sechsundneunzig Insassen, achtundvierzig auf jeder Seite. Also sechsundneunzig Tabletts zu je vier auf einmal, achtundvierzig davon oben. Das alles summierte sich aus Hin- und Hergehen und Treppen rauf und runter. Ich mochte keins von beiden, also war es mir egal, welche Arbeit ich machte.
»Ich werde laufen«, antwortete er. »Wenn es dir nichts ausmacht.«
»Kein Problem, aber du solltest mit mir Schritt halten können.« Ich grinste ihn an.
Er lächelte zurück. »Ich werde mein Bestes geben.«
Davis würde mich definitiv auf Trab halten. Ich war ein schneller Austeiler, aber Davis hielt nicht nur mit mir Schritt, er war sogar schneller als ich. Er teilte die vier Tabletts aus und war zurück, bevor ich mit dem nächsten Satz zur Hälfte fertig war. Ich war an faule Mitarbeiter gewöhnt, was bedeutete, dass ich härter arbeitete als sie. Die Arbeit mit Davis war eine erfrischende Abwechslung, nicht nur, weil er mit vollem Einsatz dabei war, er scherzte und lachte dabei auch noch.
Wir waren sehr schnell fertig und dann war es Zeit für die nächste Aufgabe des Tages: das Duschen. In Seely wurde nicht in Gruppen geduscht. Es gab vier Duschen auf jeder Seite des Blocks, zwei im Erdgeschoss und zwei im Obergeschoss. Da alle Häftlinge in meinem Block in Einzelzellen saßen, konnte nur eine Dusche für jede Gruppe benutzt werden, eine oben und eine unten. Davis und ich arbeiteten zusammen, um dem Häftling Handschellen und Beinfesseln anzulegen, ihn zur Dusche zu bringen und dann alle Fesseln wieder zu entfernen. Wenn wir die Tür schlossen, wurde sie automatisch verriegelt, und nur Westland konnte sie von der Blase aus öffnen. Offiziell hatten die Häftlinge zehn Minuten Zeit zum Duschen, aber normalerweise bekamen sie mindestens fünfzehn. Wir steckten einen Mann in die untere und einen anderen in die obere Dusche, dann gingen wir auf die andere Seite, wo wir den Vorgang wiederholten.
Ich war stets von Davis beeindruckt. Er hatte einen gesunden Menschenverstand, etwas, das vielen meiner Kollegen fehlte.
»Wie bist du in diesem Beruf gelandet, Kash?«, wollte er irgendwann wissen.
»Ich habe in Vegas gelebt und einen Job gebraucht«, antwortete ich. »Das Gefängnis dort hat meine Bewerbung zuerst angenommen.«
»Welches Gefängnis?«, fragte er.
»LVSP.« Das Las Vegas State Prison war eines von zwei Gefängnissen mit mittlerem Sicherheitslevel in der Gegend von Vegas. Das andere war ironischerweise das Paradise Correctional Center, benannt nach der gemeindefreien Stadt, in der es erbaut worden war.
»Wie bist du in Seely gelandet?«Ich lachte über die versteckte Bedeutung der Frage. Was er meinte, war: Warum zum Teufel bist du in diese winzige Stadt am Arsch der Welt gekommen? »Ursprünglich habe ich mich von der LVSP in das Silver-Staatsgefängnis in Carson City versetzen lassen.«
»Warum?«
»Beziehungssache«, antwortete ich schlicht.
»Ah, einem Mädchen hinterhergejagt, was?« Er lachte. »Ich verstehe.«Tatsächlich war ich einem Mann hinterhergelaufen, aber das konnte ich Davis nicht sagen. Ich konnte ihm auch nicht anvertrauen, dass der Mann, Evan Grainger, verheiratet gewesen war. »Ich bin in Silver geblieben, bis es geschlossen wurde.«
Es war das älteste Gefängnis des Staates gewesen und es am Laufen zu halten, hatte mehr Geld gekostet, als der Staat sich hatte leisten können. Die Schließung war in Wahrheit ein Segen gewesen, denn sie hatte mir einen guten Grund gegeben, um Carson zu verlassen und von Evan wegzugehen, auch wenn es nur das eine Stunde entfernte, gottverlassene Höllenloch namens Seely war.
»Warum hast du dich nicht in eines der anderen Gefängnisse in Carson oder Reno versetzen lassen?«
»Meine Beziehung war in die Brüche gegangen und ich wollte einen Neuanfang.«
»Verdammt, das ist scheiße. Was ist denn passiert?«
»Du stellst eine Menge Fragen.« Ich lächelte und stieß ihm mit dem Ellbogen in die Seite. Wir gingen auf die andere Seite des Blocks und es dauerte eine Weile, bis Westland die Türen öffnete.
»Tut mir leid, ich bin manchmal neugierig. Du musst nicht antworten.«
»Sagen wir einfach, wir hatten unterschiedliche Vorstellungen davon, wie unsere Beziehung aussehen sollte.«
»Ah, verstehe. Weiber können ganz schön verrückt sein, nicht wahr, Kumpel?« Er hob eine Hand und wartete darauf, dass ich einschlug. Ich lachte und tat es.
Die Arbeit mit Davis ließ den Tag schneller vergehen als sonst. Während er Fragen über mein Leben stellte, zögerte er, Dinge über sich selbst zu preiszugeben, auch über seine Familie oder frühere Beziehungen. Ich entdeckte jedoch, dass er Sinn für schwarzen Humor hatte.
Im Block gab es einen Häftling, der nicht ganz dicht war. Häftling Manzoni war davon überzeugt, dass er vom FBI ausspioniert wurde und Kameras in seiner Zelle und gelegentlich an seinem Körper versteckt waren. Mehrere Beamte hatten Schwierigkeiten im Umgang mit Manzoni, sodass ich mir nicht sicher war, wie Davis reagieren würde, aber ich vergaß, ihn zu warnen. Wir traten an Manzonis Zelle heran, um ihn zu fragen, ob er nach draußen gehen wollte, und Manzoni rannte vom hinteren Teil der Zelle zum Fenster und starrte uns mit Augen an, die so groß wie Wassermelonen waren.
»Sie!« Manzoni sah Davis direkt an. »Sie müssen die Kamera aus meinem Arsch holen!«
Ohne zu zögern, sah Davis ihn an und sagte: »Mann, die Kamera haben wir doch schon letzte Woche rausgenommen.«
***
Nach der Arbeit war ich mit der schwierigen Entscheidung konfrontiert, was zum Teufel ich abends essen sollte. Wenn ich nach Hause ging, beschränkte sich meine Auswahl auf übrig gebliebene Pizza oder Reste von chinesischem Essen. Ich entschied mich für ein örtliches Grillrestaurant namens Grub's. Dort gab es anständiges Essen und die Atmosphäre war angenehm.
Ich bestellte ein Bier und einen Cheeseburger und las auf meinem Tablet, als sich jemand neben mich an die Bar setzte. Ich war in ein eBook vertieft und nicht in der Stimmung für Small Talk, also sah ich nicht rüber.
»Willst du nicht Hallo sagen?«Ich drehte mich um und lächelte, als ich sah, wer neben mir saß. »Hey, Davis. Wie geht’s?«
»Nicht schlecht. Ich wollte mich für all die Ratschläge bedanken, die du mir heute gegeben hast.«
»Gern geschehen. Aber in meiner Freizeit rede ich nicht gerne über die Arbeit.«
»Die erste Regel des Fight Club lautet …«
»Man verliert kein Wort über den Fight Club«, vollendete ich den Satz.
Wir mussten beide lachen.
»Abgemacht.
Wir stießen mit unseren Bierflaschen an.
Sein Essen, Caesar Salad mit Hähnchen, kam vor meinem. Aber er aß keinen Bissen, bis mein Burger serviert wurde. Ich wusste nicht, ob er höflich war oder ob es an unserer Unterhaltung lag. Wir brauchten länger als sonst zum Essen, weil wir so viel redeten. Davis erzählte mir von einigem Unfug aus seiner Collegezeit und ich erzählte eine Geschichte darüber, wie ich so betrunken gewesen war, dass ich mich splitterfasernackt und an einen Torpfosten gefesselt auf dem College-Footballplatz wiedergefunden hatte.
Er schnaubte. »Das hätte ich zu gerne gesehen.« Im nächsten Moment begriff er, dass er im Grunde gesagt hatte, er hätte mich gerne nackt gesehen. »Ich meine, ich wünschte, ich hätte die Reaktionen der Leute sehen können. Ich habe nicht gemeint, dass ich dich … nackt sehen wollte.« Er wurde rot und nahm einen Bissen von seinem Salat.
Mehr als eine Stunde später bemerkte ich, wie spät es war, als ich gähnen musste. »Verdammt, wir sollten ins Bett gehen.«
»Ist das ein Angebot, Kash?«
Flirtete er mit mir oder war das ein normaler Männerwitz unter Heteros? Ich war mir nicht sicher, aber ich spielte dieses Spiel nicht zum ersten Mal. »Kommt drauf an«, antwortete ich.
»Worauf?«
»Darauf, ob du das Angebot annehmen würdest oder nicht.« Ich zwinkerte ihm übertrieben zu.
Er kicherte. »Alter, ich würde deine Welt rocken.«
Dessen war ich mir sicher und ich wünschte mir sehnlichst, er würde nicht nur scherzen
»Wir sehen uns morgen.« Davis stand auf. »Mir wurde gesagt, ich werde mit dir arbeiten, bis Lang zurückkommt.«
Plötzlich hoffte ich, Lang würde nie zurückkommen.
Kapitel 3
Als ich am Mittwoch aufwachte, freute ich mich tatsächlich auf die Arbeit. Ich hasste es, in einen Hetero verknallt zu sein, aber ich dachte mir, dass ein kleiner Augenschmaus nicht schaden konnte, um mir den Tag zu versüßen. Außerdem hatte Davis mehr zu bieten als nur ein hübsches Gesicht. Er war charmant, witzig und intelligent. Und nicht schwul, rief ich mir in Erinnerung.
Ich grinste, als ich am Weg zu meinem Block auf Davis traf. Er war etwa drei Meter vor mir, also rief ich ihn. »Hey, willst du nicht Hallo sagen?«
Er blieb stehen; drehte sich um und ein strahlendes Lächeln erschien auf seinem Gesicht, als er mich sah. Er wartete, bis ich an seiner Seite war, bevor er sich wieder in Bewegung setzte. »Guten Morgen, Kash. Gut geschlafen?«
»Gut genug«, antwortete ich. »Und du?«
»Überhaupt nicht. Ich hatte seltsame Träume.«
»Albträume?«
Er schüttelte den Kopf. »Keine bösen Träume. Nur seltsame.«
»Worum ging es denn?«
Wir erreichten das Gebäude mit den Blöcken 1 und 2, drückten den Knopf und warteten darauf, dass die Tür geöffnet wurde.
»Wer seid ihr denn?«, fragte eine Stimme durch die Gegensprechanlage. Ich lachte, weil ich Westlands Akzent sogar durch den blechernen Lautsprecher erkannte.
»Wir sind Ihr Bodenpersonal«, antwortete ich.
»Wurde auch Zeit.« Das Magnetschloss an der Tür ging auf, ich öffnete die Tür und wir traten in den Flur.
»Und?«, fragte ich Davis. »Willst du über deine Träume reden?«
Er sah mich an und ich bemerkte einen Ausdruck auf seinem Gesicht, den ich nicht ganz deuten konnte. Möglicherweise Verlegenheit oder Scham. »Nein, alles in Ordnung.«
Westland öffnete die Tür des Blocks, wir traten in den kleinen Bereich und warteten, bis sie die nächste Tür sich öffnete. In dem engen Raum standen Davis und ich ganz dicht beieinander. Ich atmete tief ein, witterte aber keinen Hauch von Duftwasser. Ich hasste Männer, die praktisch in Axe Körperspray, oder was auch immer gerade angesagt war, badeten. Ich stand an der Tür und wartete darauf, dass Westland sie aufschloss, aber er drückte sich an die gegenüberliegende Wand, als hätte er Angst, er könnte mich versehentlich streifen. Die lockere Kameradschaft, die wir am ersten Tag aufgebaut hatten, schien plötzlich verflogen zu sein.
Ich atmete auf, als Westland endlich die Tür öffnete und Davis und ich aus unserer kleinen Zelle entkamen.
»Guten Morgen, Leute, wir bekommen heute ein paar neue Häftlinge. Ihr müsst die Zellen vorbereiten.«
»Wir sind voll belegt, nicht wahr?«, fragte ich.
»Garcia und Rojas wurden gestern Abend verlegt.«
Ich schaute hinaus auf die A-Seite des Blocks zu den Zellen, in denen Garcia und Rojas gelebt hatten. Die Zellen 6 und 24. Um die Zellen vorzubereiten, mussten sie schnell aufgeräumt und es mussten neues Bettzeug und Hygieneartikel, wie Toilettenpapier, Zahnbürste, Zahnpasta und Seife, hineingelegt werden.
»Das muss gleich nach dem Frühstück erledigt werden«, sagte Westland. »Also macht euch an die Arbeit.«
Davis war genauso schnell mit den Tabletts wie am ersten Tag, aber die Scherze und Neckereien fehlten. Wir waren in der gleichen Zeit fertig, aber es fühlte sich an, als hätte es viel länger gedauert.
»Wollen wir die Zellen gemeinsam reinigen?«, fragte ich Davis. »Oder teilen wir uns auf?« Ich hoffte, er würde eine Zusammenarbeit wollen, aber anscheinend wollte er nicht.
»Lass uns getrennt arbeiten, dann geht es schneller.«
Wir schnappten uns jeweils einen Besen aus dem Abstellraum der Etage. Er ging zu Zelle 6, räumte sie aus und rief mir dann zu, dass er rüber ins Lager gehen würde, um das Bettzeug zu holen, das wir brauchten. Wieder etwas, von dem ich gehofft hatte, dass wir es gemeinsam tun würden. Ich wollte so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen.
»Krieg dich wieder ein, Kash«, murmelte ich vor mich hin. »Das hier ist die Arbeit, nicht Grindr.« Ich fegte also die Zellen und wartete, dass Davis zurückkam.
Wir gingen unseren Pflichten nach, wieder ohne die Gespräche vom Vortag. Ich versuchte mehrmals, ihn zum Plaudern zu bringen, aber nichts funktionierte. Wenn ich eine Antwort erhielt, war sie einsilbig oder nichts weiter als ein Grunzen.
Irgendwann hatten wir zwischen den Aufgaben eine zehnminütige Pause, also setzten wir uns in den hinteren Lagerraum, der auch als inoffizieller Pausenraum diente. Anstelle von Stühlen, gab es große Kartons mit Toilettenpapier.
Nach ein paar Minuten unbehaglicher Stille beschloss ich, herauszufinden, was zum Teufel los war. »Gibt es ein Problem, Davis?«, fragte ich. Er hatte sich mit geschlossenen Augen an die Wand gelehnt, aber ich wusste, dass er nicht schlief.
Er zog eine Augenbraue hoch. »Was meinst du?«
»Nun, gestern haben wir geredet und Witze gemacht. Und heute hast du plötzlich einen Stock im Arsch.«
Er lächelte. »Tut mir leid, Kash. Nimm es nicht persönlich. Ich fühle mich einfach nicht gut.«
»Solange du dir sicher bist, dass es daran liegt.« Ich warf ihm einen Blick zu, der Verarsch mich nicht sagte. »Wenn es ein Problem gibt, kannst du es mir sagen. Ich bin keine zarte Blume oder so was.«
Er kicherte. »Nein, ich fühle mich nur nicht gut.«
Als wir hörten, dass sich die Türen zum Block öffneten, beendeten wir das Gespräch. Zwei Beamte traten ein und begleiteten einen Häftling, der den erforderlichen, orangenen Overall trug, der etwa zehn Nummern zu groß für den Jungen war. Er schwamm praktisch darin. Er versuchte normal zu gehen, aber die Beinfesseln hinderten ihn daran. Ein typischer Anfängerfehler. Er hielt den Blick gesenkt und nahm mit niemandem Blickkontakt auf. Er ignorierte die Häftlinge, die nach ihm riefen. Ich hörte, wie einige der weißen Jungs auf der Etage ihn nach seinem Namen fragten, was häufig vorkam, wenn ein Neuer in den Block kam.
Die Wärter begleiteten ihn in Zelle 24.
»Auf die Knie!«, befahl eine der eskortierenden Wachen. Sein Name war Schuester, ein Oldtimer, der kurz vor der Pensionierung stand. Ich konnte den Kerl nicht ausstehen, weil er immer davon sprach, wie es früher war. Die Häftlinge mussten auf die Knie gehen, um sich die Beinfesseln entfernen zu lassen, aber Schuester musste nicht so barsch sein.
Der Häftling befolgte den Befehl augenblicklich und kniete sich hin. Sie nahmen ihm die Beinfesseln ab und die Tür schloss sich.
»Steh auf, Arschloch«, bellte Schuester, als der Häftling auch nach dem Schließen der Tür auf den Knien verharrte.
Der Junge stand auf und streckte seine gefesselten Hände durch die Türöffnung für das Essen, damit die Handschellen entfernt werden konnten.
Schuester knallte die Durchreiche zu und übergab mir einige Papiere. »Er gehört ganz dir, Kash.«
Ich sah mir den Papierkram und den Ausweis des Häftlings entgegen. Sein Name war Cody Ivy, zwanzig Jahre alt. Die Papiere sagten mir nichts über seinen Fall, aber ich konnte es leicht herausfinden, wenn ich das wollte. Es gefiel mir nicht immer, zu wissen, was sie getan hatten, weil das meine Behandlung beeinträchtigen konnte.
Ich schaute durch das längliche Fenster in die Zelle. Ivy zog das Laken über die Matratze. Unter dem Fenster war ein Quadrat mit Löchern, sodass man mit den Häftlingen reden konnte, sie einen aber nicht berühren konnten. »Hast du alles, was du brauchst?«
Er zuckte beim Klang meiner Stimme zusammen.
»Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken.«
»Ist schon okay, Sir. Es geht mir gut, Sir. Danke, Sir.« Der Junge hatte eine Scheißangst.
»Nenn mich nicht Sir«, sagte ich. »Du kannst mich Officer oder Kash nennen.«
»Ja, Sir. Ich meine, Officer.«
»Lass mich wissen, wenn du etwas brauchst. Ich bin mir sicher, man wird dir bald den Rest deiner Sachen bringen.«
Er zuckte mit den Schultern und starrte auf den Boden. »Ich habe keine.«
Ich fuhr mir mit der Hand durchs Haar. »Kein Eigentum?« Die meisten Häftlinge hatten etwas, und wenn es nur Dokumente oder Kleidung war.
Er schüttelte den Kopf.
»Ich hole dir ein Handtuch, Unterwäsche und Socken, damit du was zum Wechseln hast. Hör dich ruhig um, damit du herausfindest, wie die Dinge hier laufen. Oder du fragst mich.«
»Ich danke Ihnen.« Er nickte und machte weiter sein Bett.
Ein paar Minuten später wurde der zweite neue Häftling hereinbegleitet. Er hätte kein größerer Kontrast zu Ivy sein können. Dieser Typ war groß, muskulös und mit Tätowierungen bedeckt. Er hatte wildes, widerspenstiges Haar mit einem passenden Bart und Schnäuzer. Er brüllte und schrie, als er in den Block kam, und ich merkte sofort, dass ich einen problematischen Häftling am Hals hatte. Den Officern fiel es schwer, den Gefangenen unter Kontrolle zu halten, sodass Davis und ich hinzustießen, falls es aus dem Ruder lief.
Er trat in die Zelle und hob einen Fuß hoch.
»Sie müssen sich hinknien«, befahl der eskortierende Beamte.
»Einen Scheißdreck muss ich!«, schrie er. »Nimm einfach die Fesseln ab.«
»Sie müssen sich hinknien«, wiederholte der Officer, aber selbst ich konnte das Zittern in seiner Stimme hören. Und wenn ich es hören konnte, dann konnte es der stämmige Häftling sicher auch.
»Ich knie mich nicht hin, Bulle.«
Ich trat auf den Häftling zu und erklärte ruhig: »Das ist das letzte Mal, dass man Ihnen das vorschreibt. Knien Sie sich hin, damit wir die Fesseln entfernen können.«
»Du kannst mich mal!«
»Nein«, antwortete ich. »Sie können mich mal.« Ich trat zurück und forderte Westland auf, die Tür zu schließen. Die Tür schloss sich und ich schlug die Durchreiche zu.
»Hey, wo zum Teufel willst du hin, Arschloch? Nimm mir die Fesseln ab.«
Ich trat an das Zellenfenster. »Sie wurden über die Regeln aufgeklärt. Sie müssen sich hinknien, damit Ihnen die Fesseln abgenommen werden können. Sagen Sie Bescheid, wenn Sie bereit sind, diesen Befehl zu befolgen. Bis dahin … nun ja, viel Spaß.«
Ich bedeutete allen, dass sie von der Zelle zurücktreten sollten, und informierte Westland über das, was passiert war, damit sie es dem Shift Sergeant und dem Lieutenant mitteilen konnte.
»Was sollen wir jetzt machen?«, fragte Davis mich.
»So tun, als sei alles normal.« Ich sah ihn an und lächelte.
»Sollen wir ihn einfach mit den Fesseln da drin lassen?«
»Was soll er schon tun?«, fragte ich. »Er läuft uns ja nicht davon.«
»Du bist ein hinterhältiger Bastard, nicht wahr, Kash?«
»Diese Typen wollen, dass wir sie anschreien und zurückschreien. Es ärgert sie richtig, wenn du ruhig und gefasst bleibst. Es geht darum, ihnen nicht das zu geben, was sie erreichen wollen.«
Der Nachname des Problemhäftlings war Ibeabuchi. Er brüllte mich stundenlang an und nannte mich Arschloch, Schlampe, Punk und mehr. Ich blieb den ganzen Tag gelassen und sprach jedes Mal mit ihm, wenn ich vorbeikam.
»Sind Sie bereit, die Anweisung zu befolgen, Mister Ibeabuchi?«
Seine Antwort war immer eine Abwandlung einer obszönen Bemerkung.
Davis’ Stimmung schien sich für den Rest des Tages ein wenig aufzuhellen. Er sprach nicht viel, aber zumindest hörte er auf, mich zu ignorieren.
Unsere letzte Pflicht des Tages war es, das Abendessen auszugeben. Genau wie das Frühstück, nur mit einer größeren Menge. Die Mahlzeiten waren nichts Besonderes, aber auch nicht schrecklich und meiner Meinung nach mehr, als die Insassen verdienten. Das Abendessen bestand aus Brathähnchen, Kartoffelpüree mit Soße, Gemüse und Kuchen.
Ich lief mit den Tabletts, also durfte Davis austeilen.
»Wirst du mich füttern, Schwanzlutscher?«, fragte Ibeabuchi, als ich an seiner Zelle vorbeiging.
»Sind Sie bereit, meinen Befehl zu befolgen?«
»Fick dich ins Knie.«
»Schönen Abend noch«, sagte ich und ging weiter.
Als die nächste Schicht eintraf, informierte ich die Beamten darüber, was mit Ibeabuchi vorgefallen war. Sie waren sich einig, dass nichts geschehen würde, solange er sich nicht dazu bereit erklärte, den Befehl zu befolgen.
***
Nach der Arbeit saß ich in meinem Auto, zog mein Handy aus der Konsole und überprüfte es auf Nachrichten. Ich hatte es mir schon vor langer Zeit zur Gewohnheit gemacht, das Handy immer dort abzulegen, bevor ich aus dem Wagen stieg, damit ich es nicht versehentlich mit zur Arbeit nahm und in Schwierigkeiten geriet.
Nachdem ich einen Freund zurückgerufen hatte, machte ich mich auf den Heimweg, hielt an einem Laden und kaufte Lebensmittel ein, um für die nächsten paar Tage Abendessen kochen zu können.
Ich bereitete gerade ein Steak zu, als es an meiner Tür klingelte. Ich war überrascht, als ich durch den Spion schaute und Davis sah.
»Was gibt’s?«, fragte ich, als ich die Tür öffnete.
»Ich wollte mich nur für mein Verhalten heute entschuldigen.«
»Vergiss es, Davis. Das war doch keine große Sache.«
»Okay, nun, das war auch schon alles. Ich gehe dann mal wieder.« Er drehte sich um, aber ich streckte die Hand aus und hielt ihn am Arm fest.
»Warte, warum kommst du nicht rein? Hast du schon gegessen?«
Er schüttelte den Kopf. »Ich wollte mir gerade Fast Food reinziehen.«
Ich verzog das Gesicht. »Lieber nicht. Komm rein, ich teile mein Steak.«
»Nein, ich komme schon klar.«
»Kommt gar nicht infrage.« Ich zog ihn rein und schloss die Tür. Er folgte mir in die Küche und setzte sich an meinen Küchentisch, während ich das Steak fertig briet.
»Hier sind Salat und Dressing. Könntest du dich in der Zwischenzeit darum kümmern?«
Er schnappte sich den Blattsalat, Sonnenblumenkerne, Croûtons und Käse und bereitete alles zu.
»Woher wusstest du, wo ich wohne?«
»Na ja …« Er zögerte. »Es klingt vielleicht ein bisschen nach Stalking, aber ich bin dir von der Arbeit nach Hause gefolgt.«
»Und du bist nicht gleich reingekommen?«
Er schüttelte den Kopf.
»Warum?«
Er wurde rot und rieb sich den Nacken. »Ich habe eine Weile gebraucht, um den Mut aufzubringen.«
Ich merkte, dass er das Thema wechseln wollte, also fragte ich: »Warum bist du nach Seely gekommen?«
»Ich bin meinem besten Freund gefolgt, um in der Mine zu arbeiten. Wir haben zusammengewohnt, aber er hat sich verliebt.« Er betonte das Wort verächtlich. »Mein Kumpel zog aus und ich wurde noch im selben Monat entlassen.« Zane schüttelte den Kopf. »Ich hatte mich einige Zeit zuvor im Gefängnis beworben und sie riefen zufällig an, als ich wirklich dringend einen Job brauchte. Ich schätze, das war Schicksal … oder so was.«
»Als wir das erste Mal zusammengearbeitet haben, hast du eine Freundin erwähnt. Was ist aus der geworden?« Ich reichte ihm einen Teller mit dem halben Steak und er schaufelte Salat auf unsere Teller.
»Aus welcher?«
Ich schüttelte kichernd den Kopf. »Du bist ein Playboy, hm?«
»Was soll ich sagen? Ich liebe die Damen nun mal. Als ich im Gefängnis anfing, traf ich dieses Mädchen namens Lily. Sie war heiß, aber nicht sehr klug. Dann war da noch Melissa. Sie war so klug, dass sie verdammt arrogant und nervig war. Dann war da noch Alice. Du kennst sie.«
Es dauerte einen Moment, bis ich begriff, von wem er sprach. »Alice Jacobsen?« Sie war eine Wärterin in Seely, die mit einer Reihe von Mitarbeitern zusammen gewesen war. Einige Leute nannten sie eine Hure, aber das hätte dann genauso gut auf mich zugetroffen. Ich glaubte nicht an das sexistische Vorurteil, dass ein Mann mit vielen Affären ein Hengst war, aber eine Frau, die dasselbe tat, eine billige Schlampe.
»Sie war wild.« Davis lachte. »Zu wild für mich. Und das sagt eine Menge.«
Ich wollte nichts mehr über sein Sexualleben hören, also konzentrierte ich mich auf meinen Teller und begann, zu essen.
Er nahm einen Bissen von dem Steak und ein glückliches Lächeln erhellte sein Gesicht. »Oh Mann, das ist köstlich. Verdammt, Kash, wenn du immer so kochst, würde ich dich heiraten.«
»Nun, ich koche immer so, aber ich glaube nicht, dass ich dein Typ bin. Dieses Ding zwischen meinen Beinen ist im Weg.«
»Ja, da ist was dran. Aber es ist wahrscheinlich ein kleines Ding und du hast ja noch ein Loch.« Unsere Blicke trafen sich und er grinste.
»Da ist mit Sicherheit nichts Kleines zwischen meinen Beinen, Davis. Darauf kannst du wetten.«
Normalerweise hasste ich das Machogeplänkel zwischen zwei Heteros, aber mit Davis machte es Spaß. Ich machte mir vielleicht etwas vor, dass er flirtete und nicht nur neckte, aber es gab mir zumindest ein bisschen Hoffnung.
Kapitel 4
»Dein Lieblingsinsasse wünscht dich zu sprechen«, sagte Davis, als er am Donnerstagmorgen von der ersten Runde mit den Frühstückstabletts zurückkam.
»Mister Unbeugsam?«
Davis nickte und ich kicherte. Als wir alle anderen versorgt hatten, schlenderte ich zu Zelle 6. »Guten Morgen, Ibeabuchi, was kann ich für Sie tun?«
Er verzog das Gesicht und vermied es, mich anzusehen. »Ich bin am Verhungern.«
»Sind Sie jetzt bereit, Befehle zu befolgen?«
Er nickte.
»Wenn wir auf dieser Seite fertig sind, kommen wir wieder zu Ihnen.« Er protestierte, aber ich unterbrach ihn. »Ein Wort der Beschwerde und Sie werden den ganzen Tag auf Ihr Essen warten.«
Der Häftling hielt schnell den Mund.
»Setzen Sie sich jetzt auf Ihr Bett und warten Sie geduldig, bis ich fertig bin.«
Er ging zum Bett, setzte sich hin und starrte auf den Boden.
Davis und ich beendeten die Essensausgabe und kehrten dann ohne Hast zu Zelle 6 zurück.
»Sind Sie bereit, zu kooperieren, Ibeabuchi?«
Er nickte.
»Gut. Kommen Sie rüber und knien Sie sich hin.«
Er kam wortlos zur Tür und kniete sich hin. Ich ließ die Tür öffnen und beugte mich dann hinunter, um die Beinfesseln zu entfernen.
»Bewegen Sie sich nicht, bis die Tür geschlossen ist«, befahl ich und Ibeabuchi nickte. Die Tür fiel zu, Davis öffnete die Durchreiche und Ibeabuchi stand auf und streckte seine Hände aus. Ich nahm ihm die Handschellen ab, holte sein Essenstablett und stellte es in die Öffnung.
Ibeabuchi schnappte es und aß mit den Händen, noch bevor er sich setzte.
»Das war cool.« Davis kicherte. »Du hast ihm eine Lektion erteilt.«
»Mach dir nichts vor«, antwortete ich. »Er hat sich nicht verändert. Er hasst mich jetzt noch mehr, weil ich ihn vor allen gedemütigt habe.«
»Glaubst du, er plant etwas?«
»Ich weiß, dass er das tut. Es ist nur eine Frage der Zeit.«
***
»Hey, Officer?«
Eine schüchterne Stimme unterbrach eine Pause, die ich im Lagerraum einlegte. Davis war gerufen worden, um den Officern in Block 1 zu helfen, also war ich eine Zeit lang allein.
»Officer?« Es war Insasse Ivy.
»Hey, Ivy, was gibt’s?« Ich kam zu seiner Tür.
»Ich habe eine Frage, wenn es Ihnen nichts ausmacht.«
»Fragen kostet nichts.«
»Gibt es eine Möglichkeit, dass ich etwas zum Lesen bekomme? Egal was, wirklich, nur etwas zum Zeitvertreib.«
Es war gegen die Regeln, Zeitschriften von einem Insassen an einen anderen weiterzureichen, aber ich tat es gelegentlich, weil ich nicht sah, was daran schlecht sein sollte. Und manchmal gab es Typen wie Ivy, die einfach etwas zum Lesen brauchten. Es gab eine Bildungsabteilung mit einer Bibliothek, in der Häftlinge Bücher und Zeitschriften ausleihen konnten. Aber weil Ivy neu war, dauerte es einige Zeit, bis er etwas ausleihen durfte.
Ich ging in einige Zellen und besorgte mir ein paar Zeitschriften: People, Reader‘s Digest, Entertainment Weekly und eine drei Jahre alte Ausgabe des Playboy. Ivys Gesicht erstrahlte, als ich die Zeitschriften unter seiner Tür durchschob. Unter der Tür war ein Spalt von etwa eineinhalb Zentimetern. Es war einfacher und sicherer, Dinge dort durchzureichen, als den Essensschlitz zu öffnen.
Ivy grinste breit. »Danke. Vielen Dank.«
***
Donnerstag war unser letzter Arbeitstag in dieser Woche und zum ersten Mal seit Langem freute ich mich nicht auf das Wochenende. Es bedeutete drei Tage ohne Davis, der so ziemlich der einzige Lichtblick in meinem Leben war.
An den meisten Wochenenden fuhr ich eine Stunde nach Reno und ging in die Bars oder in die Sauna. Wenn es nötig war, suchte ich mir ein billiges Motel und hatte dort billigen Sex. Ich wusste nicht, was ich jetzt wollte, aber bedeutungsloser Sex war es nicht.
Als der Samstag dann kam, langweilte ich mich bereits zu Tode. Am Morgen klingelte mein Handy und das Display verriet, dass es dienstlich war. Normalerweise wäre ich nicht rangegangen, aber ich hatte nichts Besseres zu tun.
»Hallo.«
»Hey, Kash, hier ist Sergeant Burson. Wir suchen jemanden, der heute Nacht in Block zwei die Friedhofsschicht übernimmt. Interessiert?« Die Friedhofsschicht war von 17 Uhr bis 5 Uhr. Es war jetzt 10 Uhr, aber ich konnte die Schicht übernehmen, wenn ich davor ein paar Stunden schlief.
»Ja, kann ich machen.«
Ich blieb noch eine Stunde wach, nahm dann eine Schlaftablette und schlief fünf Stunden.
Als ich zu meinem Block kam, bereute ich meine Entscheidung sofort, die Überstunden angenommen zu haben. Meine Vorgesetzte war eine große Frau mittleren Alters, die nie die Klappe halten konnte. Gledsen wollte mich und nutzte jede Gelegenheit, um mich zu verführen. Selbst wenn ich heterosexuell wäre, hätte ich mich so weit von ihr ferngehalten wie möglich. Sie hatte mir alle Einzelheiten ihres Sexuallebens mitgeteilt und war so ziemlich die ungehobelteste Person, die ich je getroffen hatte.
Sobald ich konnte, flüchtete ich aus der Blase, indem ich Gledsen sagte, dass ich im hinteren Lagerraum eine Zeitschrift lesen würde. Das Lesen von Zeitschriften oder Büchern im Dienst war gegen die Regeln, aber das war etwas, was fast jeder tat, besonders in der Friedhofsschicht.
Einige Häftlinge riefen meinen Namen, als ich den Gang entlangging, und fragten mich, was ich dort tat.
»Ich mache Überstunden«, antwortete ich.
Ein Insasse namens Hoss fragte mich: »Wollen Sie nicht mit Gledsen abhängen und ihr ein bisschen näherkommen?« Ich kannte Hoss ziemlich gut und er war ein Spinner.
»Sehr witzig«, antwortete ich.
Bei einigen der Häftlinge war das Licht aus. Ich schaute in ihre Zellen. Es gab keine Licht-aus-Regel. Die Jungs durften die ganze Nacht wach bleiben, wenn sie wollten. Die Zellen 20 bis 23 waren dunkel, aber Zelle 24 war beleuchtet, also sah ich hinein, als ich vorbeiging, und erstarrte.
Ivy lag auf seinem Bett, die Augen geschlossen und die Hand um seinen erigierten Schwanz gelegt. Er streichelte sich und genoss es offensichtlich. Es war nicht das erste Mal, dass ich versehentlich einen Häftling beim Wichsen erwischte, und normalerweise ging ich einfach weiter. Aber bei Ivy hatte der Anblick etwas Faszinierendes.
Er öffnete die Augen, mein Gehirn schaltete sich wieder ein und ich ging weg.
»Oh Scheiße«, rief Ivy.
Ich drehte den Wasserhahn im Hinterzimmer auf und spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht.
Ein paar Minuten später rief Ivy nach mir. »Hey, Kash. Kann ich, ähm, mit Ihnen reden?«
»Ja, gleich.« Ich riss mich zusammen und trat an sein Zellenfenster.
»Es tut mir leid«, flüsterte er. »Auf dem Boden hört man nicht, wenn jemand kommt. Ich weiß, ich kann Ärger kriegen, weil ich mich entblößt habe.«
Ich schüttelte den Kopf. »Das hast du ja nicht mit Absicht gemacht. Du hast nur getan, was … alle Jungs tun. Also mach dir keine Gedanken darüber.«
»Danke, Kash, ich weiß das zu schätzen.«
»Ich bin froh, dass dir die Zeitschriften gefallen haben, die ich dir gegeben habe.« Ich lächelte.
»Hm? Oh … der Playboy! Ja, der war cool.«
Ich ging zurück in den Lagerraum und las ein Buch. In der Friedhofsschicht gab es wenig zu tun, außer etwa alle zwei Stunden zu zählen. Und dazu musste ich nur von Tür zu Tür gehen, um sicherzugehen, dass alle Häftlinge noch da waren.
Irgendwann gegen 2 Uhr nachts saß ich hinten und tat mein Bestes, um wach zu bleiben, als ich seltsame Geräusche aus Ivys Zelle hörte. Neugierig, aber ängstlich, ihn wieder beim Wichsen zu erwischen, schaute ich durchs Fenster. Er schlug in seinem Bett um sich und stöhnte etwas, das ich nicht verstehen konnte. Ich klopfte mit meinem Schlüssel an die Scheibe und er setzte sich rasch auf. Ich konnte an seinem Gesichtsausdruck erkennen, dass er Angst hatte und nicht wusste, wo er war.
»Ivy, ist alles in Ordnung?«, fragte ich.
Er sah sich um und starrte mich eine Minute lang an, ehe er antwortete. »Ja, mir geht’s gut.«
»Erzähl mir keinen Scheiß. Irgendwas stimmt nicht. Willst du darüber reden?«
Er schüttelte den Kopf. »Das hat keinen Sinn. Das liegt alles in der Vergangenheit.« Er stand auf und ging zu seinem Waschbecken, drückte den Knopf für kaltes Wasser, nahm etwas davon in die Hände und spritzte es sich ins Gesicht. »Das hier ist meine Zukunft.«
Ich lehnte mich gegen die Tür. »Wie lange hast du vor dir?«
Er betrachtete mich mit einem Blick voller Traurigkeit und völliger Hoffnungslosigkeit. »Ich werde diesen Ort nie mehr verlassen.«
»Du bist ein Lebenslänglicher?« Ich war überrascht. »Was hast du angestellt?«
Er sah mich an und blickte dann schnell zur Seite. »Ich wurde wegen Mordes ersten Grades verurteilt. Das örtliche Büro des Innocence Project arbeitet an meinem Fall, aber ich mache mir keine Hoffnungen.«
Ich bemerkte am Tonfall seiner Stimme, dass er nicht darüber sprechen wollte, also ließ ich das Thema fallen.
»Okay, ich wollte nur sichergehen, dass es dir gutgeht. Du kannst wieder schlafen.«
»Das will ich nicht.« Er zuckte mit den Schultern. »Ich hätte nur dieselben schlimmen Albträume.«
Ich massierte meinen Nacken und unterdrückte ein Gähnen. »Ich habe Probleme, wach zu bleiben. Wir können reden, wenn du willst.«
Seine Mundwinkel wanderten nach oben. »Das wäre cool, wenn es Ihnen nichts ausmacht.«
»Nein, gar nicht.«
Ich schob eine Kiste mit Toilettenpapier an den Rand des Raumes nahe der Tür. Wenn Ivy seitlich aus seiner Tür sprach, konnten wir einander gut genug hören. Die Häftlinge in der Nähe konnten uns allerdings auch hören, also musste ich vorsichtig sein, was wir sagten.
»Hatten die Träume mit deinem Fall zu tun?«, erkundigte ich mich.
»Nein«, antwortete er. »Mit Mist von früher.«
»Schlimmes Zeug, was?«
»Ja, ich hatte kein märchenhaftes Leben wie aus dem Bilderbuch. Aber das hat niemand wirklich, oder?«
»Ich jedenfalls nicht.«
»Es gab auch gute Zeiten, als ich ein Kind war«, gab er zu. »Aber dann änderten sich die Dinge und es ging alles den Bach runter. Ich war ungefähr sechs oder sieben Jahre alt und meine Eltern nahmen meine Schwestern, meinen Bruder und mich mit auf einen Ausflug an den Lake Tahoe. Wir hatten so viel Spaß beim Spielen im Wasser. Ich wollte nicht nach Hause fahren. Das ist eine der letzten guten Erinnerungen, die ich habe.«
»Was ist passiert?«, fragte ich.
»Meine Mutter starb zwei Jahre später und dann ist mein Vater abgehauen.«
»Verdammt.«
»Meine älteste Schwester war gerade neunzehn geworden, also wurde sie unser Vormund. Für meinen älteren Bruder, meine jüngere Schwester und mich. Ich dachte, meine Eltern zu verlieren, sei schrecklich und es könne nicht schlimmer kommen. Aber es wurde schlimmer.«
Ich wechselte das Thema und erzählte Ivy davon, dass ich im Alter von sechs mit meinem Cousin in einer riesigen Schlammgrube stecken geblieben war, als wir unseren Onkel auf eine Baustelle begleitet hatten. Ich lächelte über die Erinnerung und war mir sicher, dass sogar Ivy ein wenig kicherte.
Kapitel 5
Montagmorgen. Zwischen Davis und mir war alles wieder so wie am Anfang. Er lachte und scherzte und ich hätte schwören können, dass wir sogar ein bisschen flirteten. Aber ich tat es als überbordende Fantasie ab.
Wir begleiteten Ivy zur Dusche und beschlossen dann, seine Zelle zu inspizieren. Es gab nicht viel Zeug in Ivys Zimmer. Ein paar Papiere, die Zeitschriften, die ich ihm gegeben hatte, und Essen, das er von einigen Mahlzeiten aufgehoben hatte.
Ich drehte die Matratze um und sah eine umgedrehte Zeitschrift. Ich schnappte sie mir und war überrascht, als ich den Oberkörper auf dem Cover sah. Ein Schwulenmagazin. Ivy war … schwul? Ich weiß nicht, warum mich das überraschte. Ich hatte im Laufe der Jahre mehr als nur ein paar homosexuelle Insassen kennengelernt und meistens erkannte ich sie sofort. Aber bei Ivy hatte mein Gaydar nicht einmal geblinkt.
»Was ist das?«, fragte Davis.
Ich versuchte, die Zeitschrift zu verstecken, bevor er sie sah. Ich war mir nicht sicher, wie verständnisvoll oder ablehnend er sein würde, und ich wollte nicht, dass er auf Ivy herumhackte. Er schnappte sich die Zeitschrift und öffnete sie.
»Oh Mann«, gluckste er. »Ivy ist schwul! Das hätte ich nie vermutet.«
Ich erwartete, dass er einen Schwulenwitz reißen oder eine abfällige Bemerkung über Ivy machen würde. Er tat nichts dergleichen und was er tat, überraschte mich ebenso sehr wie die Erkenntnis, dass Ivy schwul war.
Davis blätterte durch die Seiten, stoppte und zeigte mir ein Bild. »Sieh dir den Schwanz von dem Kerl an. Er ist verdammt riesig.«
Ich antwortete nicht. Ich konnte nicht. Ich starrte Davis nur an. Die Verwirrung in meinem Gesicht muss offensichtlich gewesen sein, denn er lächelte mich an.
»Was? Ich bin selbstbewusst in meiner Sexualität. Schwule oder Bilder von nackten Männern machen mir nichts aus. Herrgott, wenn ich so einen Schwanz hätte wie dieser Typ, würde ich wahrscheinlich auch versuchen, jedes Loch zu ficken, das ich finden kann.« Er warf die Zeitschrift auf die Pritsche und ging raus.
Ich stand noch einem Moment sprachlos da, bevor ich mich zusammenriss und Davis folgte.
***
»Kash, kann ich mit Ihnen reden?«, fragte Ivy, als ich an seiner Zelle vorbeiging. Ich hatte ein paar Papiere aus dem Hinterzimmer geholt und war auf dem Weg zur Blase, um mein Mittagessen einzunehmen.
»Was gibt’s?« Ich blieb stehen und spähte durchs Fenster.
»Mir ist aufgefallen, dass Sie heute meine Zelle durchsucht haben. Ich nehme an, Sie haben mein … Magazin gesehen.«
»Ja, habe ich. Und?«
»Ich hatte gehofft, es würde Sie nicht stören. Sie waren so cool zu mir und ich würde Sie ungern verärgern. Sie sind der Mensch, der für mich einem Freund am nächsten kommt.« Er brach plötzlich ab, als hätte er etwas Falsches gesagt, und er wusste es.
Technisch gesehen sollten Wärter und Häftlinge keine Freunde sein. Es musste eine professionelle Distanz herrschen und ich hatte diese Grenze nie überschritten. Ich hatte die Grenze gestreift, als ich mit Ivy über mein Privatleben gesprochen hatte, aber mehr nicht. Ich war öfter in der Lage gewesen, Kontakt zu Insassen herzustellen und eine brauchbare Arbeitsbeziehung mit ihnen aufzubauen, aber es gab keinen, den ich als Freund betrachtet hätte.
»Nun, du wirst Freunde auf dieser Ebene finden.«
Seine Antwort war ein Schnauben, das mir sagte, dass er nicht daran glaubte.
Ich legte den Kopf schief. »Wie bist du an das Magazin gekommen?«
Er zwinkerte und grinste. »Jasmine.«
Es gab einen offen schwulen Häftling im Block. Sein Name war James Torrance, aber alle nannten ihn Jasmine. Schwul war nicht das richtige Wort für Torrance, wohl eher transsexuell. Ich kannte die Details nicht, also war es nur eine Vermutung, aber er bestand nicht nur darauf, Jasmine genannt zu werden, sondern tat auch sein Bestes, um wie eine Frau zu sprechen und zu handeln.
»Du weißt, dass du vorsichtig dabei sein musst, wer erfährt, dass du …?«
»Dass ich schwul bin«, flüsterte er. »Ja, ich weiß.«
Homosexuelle Insassen gingen das Risiko ein, auf der Etage lächerlich gemacht und schikaniert zu werden. Und wenn sie je in eine Gemeinschaftszelle kamen, riskierten sie, vergewaltigt zu werden.
»Du musst dir keine Sorgen machen, dass ich etwas verrate.«
Er legte sachte eine Hand auf sein Herz. »Ich weiß das zu schätzen.«
***
Am Freitagabend saß ich zu Hause, als mein Telefon klingelte. Ich kannte die Nummer nicht, ging aber trotzdem ran.
»Hey, Kash, ich bin’s, Davis.«
Ich war überrascht, aber auch erfreut. »Was geht ab, Mann?«
»Ich habe mich gefragt, ob du zum Abendessen vorbeikommen willst. Das heißt, wenn du nichts vorhast.«
»Sehr gern.« Ich hoffte, das klang nicht zu eifrig. Ich mochte die Vorstellung, Zeit mit ihm zu verbringen, aber ich war auch neugierig auf den Grund für seine Einladung.
Sein Apartment war eine kleine Einzimmerwohnung im vierten Stock auf der anderen Seite der Stadt. Die Möbel waren schöner, als ich erwartet hatte. Ich hatte Ramschladen-Chic erwartet, aber die Couch war gepflegt, modern und sauber.
»Setz dich«, rief Davis aus der Küche. »Ich mache gerade den Auflauf fertig, der muss dann dreißig Minuten backen.«
Ich setzte mich auf die Couch und sank ein. Es war eine der weichsten Couches, auf denen ich je gesessen hatte. Fühlte sich an wie auf einer Wolke.
»Angenehm, nicht wahr?«, fragte Davis, als er ins Wohnzimmer trat und mir ein Bier reichte.
»Ja, ist der Auflauf im Ofen?«
Er nickte. »Ich muss noch ein paar Sachen in der Küche fertig machen. Der neue Bond-Film ist im Blu-ray-Player, falls du ihn schon mal starten willst.« Er warf mir die Fernbedienung zu und ich fing sie auf.
Ich schaltete das Gerät ein und drückte auf Play. Der Film war definitiv nicht der neue Bond-Streifen, es sei denn, die Filme waren neuerdings pornografisch. Ein gut bestückter Kerl fickte seinen Co-Star durch und ihre Titten hüpften wie wild. Ich war eine Sekunde lang schockiert und nahm an, Davis hätte vergessen, dass der Film im Player war. Dann erinnerte ich mich an einen Trick, den ich in meinen frühen Zwanzigern ein paarmal bei Typen angewandt hatte, die ich hatte verführen wollen, aber bei denen ich mir nicht sicher gewesen war, ob sie hetero oder schwul waren. Ich hatte einen Pornofilm eingelegt, ihn geil gemacht und angedeutet, ihm einen zu blasen. Wenn er ausgeflippt war, hatte ich mich zurückziehen und behaupten können, es wäre ein Scherz gewesen. Und wenn er nicht ausgeflippt war? Dann hatte ich bekommen, was ich gewollt hatte. Es hatte beide Male funktioniert, als ich es versucht hatte. Na ja, irgendwie hatte es funktioniert. Beim ersten Mal hatte mich der Typ seinen Schwanz lutschen lassen. Danach war er ausgeflippt und aus meiner Wohnung gerannt, als ob seine Eier in Flammen gestanden hatten, und ich hatte nie wieder von ihm gehört. Der zweite Typ war auch ausgeflippt, aber schon, als ich nur angedeutet hatte, ihm einen blasen zu wollen. Ich hatte mich zurückziehen und es als Scherz abtun müssen.
War es möglich, dass Davis versuchte, mich zu verführen? Und wenn ja, was sollte ich dann tun?
Davis kehrte ins Wohnzimmer zurück und blieb stehen, als er den Film laufen sah. »Oh«, murmelte er. »Ich habe ganz vergessen, dass der da drin ist.«
»Schon gut.« Ich zuckte mit den Schultern. »Es macht mir nichts aus.«
»Bist du dir sicher?« Er setzte sich auf die andere Seite der Couch.
Ich nickte, hielt aber meine Augen auf den Bildschirm gerichtet. Ich war hart, aber das lag nicht am Film, sondern an der Vorstellung, dass Davis möglicherweise genauso erregt sein könnte wie ich. Das beantwortete die Frage, was ich tun würde, wenn er mich verführen wollte. Die Antwort war: Mitmachen!
Er lehnte sich zurück und aus den Augenwinkeln sah ich, wie er sich über den Schritt rieb. »Verdammt, bin ich scharf. Es ist schon eine Weile her, dass ich Sex hatte.«
Ich schaffte es kaum, ein Lachen zu unterdrücken, weil ich vor Jahren ganz genau den gleichen Satz gesagt hatte. Ich lehnte mich zurück und massierte meine eigene Erektion. »Ja, ich auch.«
Wir schwiegen ein paar Augenblicke und ich wusste, was er als Nächstes sagen würde. Und als er tatsächlich »Stört es dich, wenn ich meinen Schwanz raushole?« sagte, konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Ich lachte laut auf.
»Worüber zum Teufel lachst du?« Er klang sauer und ich zügelte das Kichern.
»Es tut mir leid, Davis«, sagte ich. »Es ist nur … ich habe das auch schon mal gemacht.«
»Was schon mal gemacht?«
»Das hier!« Ich deutete zwischen uns hin und her. »Das!« Ich zeigte auf den Fernseher.
Er sah mich an und es war offensichtlich, dass er immer noch nicht verstand. Ich dachte mir, dass das Klischee Taten sagen mehr als Worte in dieser Situation funktionieren würde. Ich stand auf und er tat dasselbe. Ich konnte die Anspannung in seinem Körper sehen. Er hatte Angst, dass ich ihm in den Arsch treten würde. Ich wollte auch etwas mit ihm tun, aber es war kein Tritt in den Hintern.
Ich trat dicht an ihn heran und bemerkte, wie er seine Hände zu Fäusten ballte. Ich legte meine Hand auf seine Brust, um ihn zu beruhigen. Er entspannte sich ein wenig, aber er war immer noch ängstlich. Ich bewegte meine Hand von seiner Brust zu seinem Nacken und zog ihn dicht an mich heran. Ich legte meine Lippen auf seine und küsste ihn. Obwohl er es wollte, wehrte er sich immer noch. Ich ließ meine Zunge über seine Lippen gleiten, bis er seinen Mund öffnete und mich hineinließ.
Endlich verließ die ganze Nervosität seinen Körper und er erwiderte den Kuss. Er drückte seinen Körper gegen mich und seine Erektion rieb an meiner.
Nach einer Minute zog er sich zurück. »Gott sei Dank«, flüsterte er. »Ich hatte schon Angst, dass ich dich falsch verstanden habe. Aber ich musste es wissen.«
Ich gluckste. »Ich war mir sicher, dass ein heißer Junge wie du auf keinen Fall schwul sein kann.«
»Bi eigentlich«, antwortete er. »Nicht, dass es wichtig ist.«
»Im Moment ist es das nicht.« Ich griff zwischen uns und rieb seinen Schritt. Er stöhnte verführerisch und mir liefen Schauder über den Rücken. »Also, sag mir, Davis, ist das die Art von Beziehung, bei der wir uns Zeit nehmen und uns kennenlernen, bevor wir es auf die nächste Ebene bringen?«
»Zur Hölle, nein!«, äußerte er laut und ich musste über seine Begeisterung lachen. »Ich sage, wir stürzen uns gleich hinein und kommen zu den spaßigen Sachen.«
»Du bist meine Art von Mann, Davis.« Ich zog sein Gesicht näher zu mir und küsste ihn erneut.
»Ich glaube, du kannst mich jetzt Zane nennen«, flüsterte er in mein Ohr, bevor er seine Zunge wie eine Schlange herausschnellen ließ.
»Warum zeigst du mir nicht dein Schlafzimmer, Dav…, Zane?«
Er lächelte, dann zog er sein T-Shirt aus und enthüllte eine muskulöse Brust und herrliche Nippel, die ich plötzlich am liebsten gekniffen und gebissen hätte. Er zwinkerte mir zu, als er rückwärts zu seinem Schlafzimmer schlenderte.
Ich sah, wie er im Zimmer verschwand, und folgte ihm schnell. Zane stand an der Kante seines Bettes und grinste. Ich trat zu ihm und rieb meine Hände über seine Brust. Ich kniff in seine linke Brustwarze, dann glitt meine Hand nach unten und streichelte seinen Schwanz durch seine Jeans.
Sein Atem stockte und ich merkte, dass er genauso erregt war wie ich. Ich schob ihn nach hinten und er fiel aufs Bett. Er wollte sich nach vorn setzen, aber ich drückte ihn wieder herunter. Ich spreizte seine Beine, öffnete den Reißverschluss seiner Jeans, griff hinein und zog seine Erektion heraus. Sie war bereits feucht vor Lusttropfen und ich leckte sie mit einer raschen Bewegung ab. Es schmeckte süßlich-bitter und ich wollte mehr.
Ich umfasste seine schweren, behaarten Eier und rollte sie mit einer Hand, während ich mit der anderen sanft über seinen Schwanz streichelte. Er stöhnte leise und bewegte sich leicht unter mir. Ich erhöhte die Geschwindigkeit, mit der meine Hand an seiner Erektion auf und ab glitt, und er bewegte sich stärker.
Er hob seine Hüften, als ich ihm die Hose herunterzog und sie auf den Boden warf. Ich legte mich auf ihn und küsste ihn heftig. Er erwiderte den Kuss mit Leidenschaft und schlang seine Arme und Beine um mich. Sein Schaft rieb an meinem Bauch, als er sich an mich drückte.
Ich setzte mich auf und begann, mein Hemd aufzuknöpfen, aber Zane griff danach und riss es auf. Die Knöpfe flogen überall herum. Ich streifte das Hemd ab und lachte, als ich es wegschleuderte.
Zane schob meine Hände weg, als ich meine Hose öffnete. Er befreite schnell meinen Schwanz, umschloss ihn mit seiner Hand und drückte zu. »Oh mein Gott«, stöhnte er. »Er ist wunderschön.« Er beugte sich vor und versuchte, seine Lippen um meinen Schwanz zu legen. Wegen des Winkels, in dem wir standen, konnte er aber nicht mehr tun, als die Spitze zu lecken.
Ich schob mich nach vorn, um in seinen Mund zu stoßen. Er war erstaunlich warm, als ich mich hineindrückte. Ich erwartete, dass er mich aufhalten würde, aber er tat es nicht. Er nahm meinen Schwanz einfach tief in sich auf, schluckte um meine Länge herum und drückte sie dabei fest zusammen.
»Heilige Scheiße!« Das war fast zu viel.
Er zog sich zurück und grinste. »Ziemlich gut, was? Kein Würgereflex.«
»Ja«, krächzte ich, bevor ich meinen Schwanz packte und ihn wieder in seinen Mund schob. Ich glitt rein und raus und hörte nur auf, weil ich noch nicht bereit war, zu kommen. Ich legte mich neben ihn, griff rüber und streichelte sanft seinen Schwanz. »Bist du oben oder unten? Ich kann beides machen.«
»Meistens bin ich unten«, antwortete er. »Das wäre ich heute Nacht auch gerne. Vielleicht können wir ja an einem anderen Abend tauschen.«
»Oh, du denkst, wir werden das wieder tun?«, neckte ich.
»Oh ja! Ich habe vor, das so verdammt geil zu machen, dass du darum betteln wirst.«
Ich kicherte über seinen Enthusiasmus und seine Überheblichkeit. Es war liebenswert und verdammt sexy.
Nachdem er mich umgedreht hatte, spreizte Zane meine Beine, beugte sich vor und leckte über eine Brustwarze. Ich atmete scharf ein, als er an mir knabberte. »Gefällt dir das, Kash?«
Ich konnte nicht sprechen, schaffte aber ein Nicken.
Er wollte sich wieder nach unten beugen, aber ich nahm sein Gesicht in meine Hände und zog ihn stattdessen in einen Kuss. Unsere Zungen kämpften und unsere Lippen drückten sich aneinander. Ich legte meine Hände auf seinen Rücken, er legte eine Hand auf meine Brust und die andere um meinen Schwanz. Ich packte ihn, drehte ihn um und hielt ihn fest. Ich küsste ihn wieder, biss und saugte an seiner Unterlippe.
Im Stehen zog ich meine Hose ganz aus. Ich stellte mich zwischen seine Beine, beugte mich hinunter und leckte seine Länge von der Basis bis zur Spitze. Ich tat es wieder und beim dritten Mal nahm ich seinen Schwanz auf. Ich hatte allerdings schon einen Würgereflex und kämpfte, bis ich drei Viertel von ihm im Mund hatte.
Nachdem ich mich zurückgezogen hatte, wanderte ich nach unten, leckte und saugte an seinen Eiern, bevor ich zu der weichen Haut darunter überging. Dann leckte und biss ich in seine Brustwarze und genoss es, wie er dabei stöhnte und sich wand.
Ich hob seine Hüften, sodass ich einen direkten Blick auf seinen verlockenden Eingang hatte. Ich biss leicht in eine Hinterbacke, dann in die andere, bevor ich von der Basis seiner Spalte den ganzen Weg zurück nach oben leckte. Er atmete scharf ein und ich wiederholte die Bewegung.
Er war leicht verschwitzt und sonderte einen Moschusduft ab, den ich liebte. Ich spreizte seine Backen und blies über seinen Eingang. Er zitterte wieder.
»Oh, verdammt, ja, Kash«, stöhnte er.
Ich drückte meine Zunge gegen seinen Muskelring und drang damit in ihn ein. Er zuckte so sehr, dass ich fast den Halt an ihm verlor. Ich packte ihn fester und leckte ihn weiter, als hinge mein Leben davon ab.
»Verdammt, Kash! Fick mich doch endlich!«, bettelte er.
»Hast du das nötige Zubehör?«, fragte ich.
Er nickte. »Unter dem Bett. Kleine Plastikwanne.«
»Welche Seite des Bettes?«
»Diese hier.«
Ich griff unter das Bett und tastete herum, bis ich die Wanne fand. Ich zog sie heraus, klappte den Deckel auf und sah mir den Inhalt an. Neben dem Gleitgel und den Kondomen, die ich erwartet hatte, waren auch verschiedene Penisringe, Dildos und andere Spielzeuge dabei. Eindeutig Dinge, die ich später ausprobieren wollte. Ich schnappte mir ein Kondom und eine Flasche Gleitgel und warf sie auf das Bett. Zane öffnete das Gleitgel und bereitete sich vor, während ich die Folienverpackung öffnete und mir das Gummi überzog.
Nachdem ich meine Länge eingeschmiert hatte, legte ich Zanes Beine auf meine Schultern und drückte gegen seinen Eingang. Er war eng und sein Körper wehrte sich. Ich stoppte einen Moment.
»Hör nicht auf, Kash«, stöhnte er. »Fick mich.«
Ich drückte fester, sein Muskel entspannte sich und mein Schwanz glitt hinein. Er schrie auf, bog seinen Rücken durch und drängte mich tiefer in sich hinein. Er war heiß und eng und während ich in ihn hinein- und wieder herausglitt, überlegte ich, ob ich ihn hart ficken sollte oder lieber langsam und sanft. Zane traf die Entscheidung für mich.
»Nimm mich hart, verdammt«, bat er. »Fick mich endlich!«
Mit seinen Beinen auf meinen Schultern lehnte ich mich nach vorn, sodass seine Knie fast mit seinen Ohren auf gleicher Höhe waren, und schob mich so tief in ihn hinein, wie ich konnte. Wir schwitzten beide und unsere Körper machten wunderbare Geräusche, wenn sie gegeneinanderklatschten.
Bei dem Tempo, das ich vorlegte, würde ich nicht lange durchhalten, aber ich war mir nicht sicher, wie lange Zane durchhalten würde. Ich griff zwischen uns, packte seine Erektion und massierte sie im Takt meiner tiefen Stöße. Ich war mir sicher, dass er kurz vor dem Höhepunkt war, als ein leises, fast unhörbares Stöhnen aus seinem Mund kam.
Sein Körper spannte sich an und er explodierte in mehreren Schüben. Der erste Schuss landete auf seinem Gesicht, ein weiterer über seinem Bauchnabel und ein dritter tropfte auf meine Hand. Ich leckte meine Finger gründlich und vorsichtig ab, um keinen Tropfen zu vergeuden.
Der Geschmack seines Samens berauschte mich und ich glitt ein letztes Mal in ihn hinein, bevor ich in das Kondom abspritzte. Ich ruhte mich einen Moment lang aus, um wieder zu Atem zu kommen. Es war eine intensive und hocherotische Begegnung gewesen und ich fühlte mich so befriedigt wie schon lange nicht mehr. Ich zog mich zurück, entsorgte das Kondom im Mülleimer und legte mich neben Zane. Ich war mir nicht sicher, ob er der Typ war, der einen sofort wieder loswerden wollte, sobald der Akt vorüber war, oder ob es für ihn in Ordnung war, wenn ich hierblieb.
Ich brauchte nicht lange darüber nachdenken. Er drehte sich um, legte seinen Kopf auf meine Brust und flüsterte: »Schlaf jetzt besser, Kash. Ich will die zweite Runde so schnell wie möglich.«
Ich zog seinen Körper an meinen, aber die Stille wurde durch das Geräusch eines Rauchmelders unterbrochen.
»Scheiße, der Auflauf!«, äußerte Zane, als er aus dem Bett sprang. Ich folgte ihm.
In der Küche nahm er einen Topflappen und riss die Schüssel aus dem Ofen. Dunkle Wolken stiegen auf und machten es fast unmöglich, etwas zu sehen. Ich nahm den Rauchmelder von der Wand und riss die Batterien heraus. Das teuflische Piepen hörte auf, aber der Rauch war dick, ich begann zu husten und konnte nicht aufhören.
Zane öffnete ein paar Fenster und versuchte, die Luft zu reinigen. Ich schaffte es, wieder zu Atem zu kommen, aber der Anblick des nackten Zane, der herumsprang und mit den Armen wedelte, brachte mich so sehr zum Lachen, dass ich wieder anfing zu husten.
Ich ging ins Wohnzimmer und setzte mich hin. Zane kam zu mir.
»So habe ich mir das Ende unseres Abends nicht vorgestellt.« Er versuchte ein Kichern zu unterdrücken, schaffte es aber nicht.
»Es war auf jeden Fall denkwürdig.« Ich legte meinen Arm um seine Schulter und zog ihn an mich.
Wir saßen eine Minute lang still da. Ich genoss das Gefühl von ihm an mir. Seine Haut war weich, als ich ihn streichelte.
»Mmmmmh, das fühlt sich gut an. Ich habe das noch nie gemacht. Mit einem Kerl sitzen und kuscheln nach dem Sex.«
»Ich hatte auch oft anonymen, schnellen und schmutzigen Sex«, gab ich zu. »Aber ich mag auch diesen Teil.«
Er bewegte sich und kletterte auf meinen Schoß. »Erinnerst du dich an den einen Tag, als ich so schlecht gelaunt zur Arbeit kam?«
»Ja, du hast erwähnt, dass du schlecht geträumt hattest.« Ich fuhr mit meinen Händen seinen Rücken auf und ab. Das Gefühl, wie sich sein Hintern an mich drückte, ließ mich wieder hart werden.
»Es waren keine schlechten Träume, es waren erotische Träume. Von dir. Und mir.«
Ich lächelte. »Was haben wir in diesen Träumen gemacht?«
»Das.« Er beugte sich vor und küsste mich. »Und das.« Er griff zwischen uns und streichelte seinen Schwanz. »Deine Anziehungskraft auf mich hat mich überrumpelt. Vor allem, weil ich nicht wusste, ob du auf Kerle stehst.«
»Ich stehe definitiv auf Kerle«, scherzte ich.
»Es scheint, als seiest du bereit für Runde zwei.« Er drückte seinen Hintern gegen meinen Schwanz.
»Ja, ich bin bereit. Tatsächlich liebe ich die Position, in der wir gerade sind, aber uns fehlen ein paar Dinge. Gleitgel und Kondome.«
Er beugte sich vor und öffnete eine Schublade im Beistelltisch neben der Couch. Er holte genau das heraus, was wir zum Weitermachen brauchten.
Ich lachte. »Immer vorbereitet, wie ich sehe.«
Nach der zweiten Runde kehrten wir ins Bett zurück. Er schlief fast sofort ein, sobald wir die Decke über uns gezogen hatten. Ich zog ihn zu mir und er schmiegte sich an mich. Sein leises Schnarchen wiegte mich bald in den Schlaf.
Pulsuz fraqment bitdi.