Kitabı oxu: «Elisabeth Christine»

Şrift:

Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem

Elisabeth Christine
Königin von Preußen, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg

Das Lebensbild einer Verkannten

Nach Quellen bearbeitet unter Verwendung zum Teil unbenutzten

Materials aus dem Braunschweigischen Landesarchiv zu Wolfenbüttel

Mit einem Titelbild

Saga

Elisabeth Christine

German

© 1908 Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem

Alle Rechte der Ebookausgabe: © 2016 SAGA Egmont, an imprint of Lindhardt og Ringhof A/S Copenhagen

All rights reserved

ISBN: 9788711517574

1. Ebook-Auflage, 2016

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Lindhardt und Ringhof und Autors nicht gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com – a part of Egmont, www.egmont.com

Vorwort.

Es sind die lebenswahrsten Biographien, in denen die geschilderten Personen mit ihren eigenen Worten direkt zu dem Leser sprechen und der Verfasser nur das verbindende Glied, der Erklärer ist. Dazu gehört vor allem, daß genügend schriftliches Material zur Verfügung steht, also Briefe, Tagebücher, Aufzeichnungen, auf denen sich dann zur Ausfüllung der Lücken Voraussetzungen und Vermutungen aufbauen lassen, die aber nur zu irrigen Anschauungen führen, wenn das Material fehlt. Ich habe den vorliegenden Blättern mit voller Absicht den Untertitel gegeben: „Das Lebensbild einer Verkannten“, denn wenn auch die Gemahlin Friedrichs des Großen in F. W. M. von Hahnke vor fast 60 Jahren einen Biographen gefunden hat, der mit großem Fleiß alles ihm damals zugängliche Material zusammengetragen hat, um dieser bescheiden im Schatten gestandenen Gestalt die ihr im Leben versagt gewesene Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, so hat er doch nur ein sehr verwischtes Bild von ihr entworfen, weil er das Material, schon durch seine Anordnung des Stoffes, nicht richtig verwendet hat und weil er in seiner Darstellung noch zu sehr von dem Gefühl beherrscht wurde, durch eine Unterstreichung der nackten Tatsachen dem Andenken des großen Königs zu nahe zu treten, und das einmal von dem Geschichtsschreiber gemünzte Wort über die „Hochachtung“ des Königs für seine Gemahlin, die er so beispiellos schlecht dabei behandelt hat, zum Leitmotiv seiner Arbeit machte. Auch der Superintendent E. D. M. Kirchner in seinem fleißigen Werke über die „Churfürstinnen und Königinnen auf dem Throne der Hohenzollern“, dem Hahnkes Biographie der Königin Elisabeth Christine fast abschriftlich zugrunde liegt, schrieb in derselben Tonart, nur noch etwas lauter zugunsten dieser merkwürdig dokumentierten „Hochachtung“; beider Stimmen sind verhallt und ihre Arbeiten fast vergessen, und wo der Name der Königin notwendigerweise in den Werken über den großen König gestreift wird, da wiederholt sich dieselbe Phrase: „Sie war zu unbedeutend, als daß der Held Genüge an ihrer Gesellschaft hätte finden können, wenn er auch ihren Tugenden alle Anerkennung zollte und sie mit der größten Hochachtung behandelte usw. usw.“ Der Rest ist — Schweigen. Das sind so ungefähr die Worte in ihrer Quintessenz, mit denen Elisabeth Christine von Braunschweig in der Geschichtsschreibung erledigt wird, aber weder ihre „Unbedeutenheit“ noch auch diese ewig wiederholte „Hochachtung“ haben mir je recht einleuchten wollen, seitdem ich einmal ein Bild von ihr sah, dessen Ausdruck nicht der einer törichten Frau war, zu welcher die sie systematisch gestempelt haben, denen sie ihre Zurücksetzung verdankt.

Dem gütigen Entgegenkommen der braunschweigischen Regierung verdanke ich die Erschließung des Konvolutes von Briefen der Königin Elisabeth Christine an ihren Bruder, den Herzog Karl I., im Landesarchiv zu Wolfenbüttel, aus dem ich manchen feinen Zug für ihr Bild und geschichtliche Tatsachen gezogen habe, die ich bisher noch nirgends erwähnt fand. Ob sonst noch etwas von der ausgedehnten Korrespondenz der Königin — denn sie war eine fast ebenso fleißige Briefschreiberin wie die Herzogin Elisabeth Charlotte von Orleans — existiert, ist fraglich und mir nicht bekannt; ich wäre dankbar für jede diesbezügliche Mitteilung, die in einer hoffentlich ferneren Auflage dieses Buches sicher ihren Platz finden würde. Da alle Schriftstücke der Königin französisch geschrieben sind, woraus ihr, der deutschen Fürstin, kein Vorwurf zu machen ist, da sie darin nur ihrer Zeit und dem Beispiel Friedrichs des Großen selbst folgte, so habe ich mich in Anbetracht dessen, daß vielen Lesern die französische Sprache nicht allzu geläufig ist, entschließen müssen, die Zitate daraus ins Deutsche zu übersetzen, desgleichen die Proben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit im Anhange dieses Buches, der auch, um Wiederholungen zu vermeiden und ein klareres Bild der verwandtschaftlichen Beziehungen zu geben, zwei Stammtafeln der Herzoglich Braunschweigischen und der Königlich Preußischen Familie enthält. Das Verzeichnis der Quellen wird mir das Zeugnis ausstellen, daß ich im Aufbau dieses Lebensbildes nicht flüchtig war.

Ausgerüstet mit diesem Material, sei es mir denn vergönnt, eine Lanze zu brechen für dies arme Verkannte, die freilich selbst keine Geschichte gemacht hat, die politisch nicht mitgewirkt „am sausenden Webstuhl“ ihrer Zeit, aber ich hoffe, daß dies Kapitel zur Geschichte Friedrichs des Großen in dem weiten Kreise des „Vereins der Bücherfreunde“ wie auch außerhalb desselben die Legende von der „unbedeutenden“ Königin zerstören und eine herzliche Teilnahme schaffen wird für eine Fürstin und Frau, welche sich durch ihr stilles Heldentum eine Krone errungen hat, die, obschon nur aus Dornen geflochten, dennoch verdient, in das Licht gerückt zu werden, das auf ihr verdunkeltes Leben einmal noch zurückleuchten soll.

Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem.

Karlsruhe i. B., im Januar 1908.

Es war an einem Freitag, dem 8. November 1715, zwischen 7 und 8 Uhr früh, als die Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig geboren wurde, das dritte Kind des Herzogs Ferdinand Albert zu Bevern und seiner Gemahlin Antoinette Amalie, Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Der Hof von Bevern war einer der vielen Duodezhöfe, von denen das Deutsche Reich in jener Zeit wimmelte, und Herzog Ferdinand Albert einer der vielen kleinen Fürsten, die genötigt waren, ihren Beruf als Soldat oder in der Diplomatie zu suchen. Für beide Karrieren fehlte es den braunschweigischen Prinzen nicht an Begabung: ihre Tapferkeit steht ebenso außer Zweifel wie ihre geistigen Fähigkeiten. Herzog August von Braunschweig, gestorben 1666, der Großvater des Herzogs Ferdinand Albert II., war ein Fürst von ganz hervorragenden Eigenschaften, — was er für Wissenschaft und Kultur während seiner langen Regierung getan, hat die Geschichte aufgezeichnet, und die Landesbibliothek zu Wolfenbüttel, die seinen Namen trägt, ist heute noch sein schönstes Denkmal. Sein Sohn Anton Ulrich war einer der gelehrtesten Fürsten seiner Zeit, er errichtete der von seinem Vater gegründeten Bibliothek zu Wolfenbüttel ein eigenes Gebäude, gründete eine Ritterakademie daselbst, gestaltete die Universität zu Helmstedt aus, sorgte für die Verbesserung der Gymnasien seines Landes und entfaltete nebenbei eine Prachtliebe, die freilich Unsummen verschlang und ihren sprechendsten Ausdruck in dem nach dem Muster von Versailles erbauten Schlosse Salzdahlum, eine Stunde von Wolfenbüttel, fand.

Sein jüngerer Bruder, Ferdinand Albert I., war mit der Sekundogenitur zu Bevern bedacht worden, dort folgte ihm in der „Regierung“ sein ältester Sohn August Ferdinand, und als dieser 1704 unvermählt starb, dessen jüngerer Bruder Ferdinand Albert II., der Vater der Prinzessin Elisabeth Christine, die dazu bestimmt war, die Königskrone von Preußen und die Dornenkrone eines 64 Jahre währenden Martyriums zu tragen.

Herzog Ferdinand Albert II. bekleidete die Stellung eines Kaiserlichen Flügeladjutanten, als er in den Besitz von Bevern gelangte. Er hatte den spanischen Erbfolgekrieg mitgemacht und bei der siegreichen Erstürmung des Schellenbergs durch den Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, den „Türkenlouis“, und den Herzog von Marlborough am 2. Juli 1704 mitgefochten. Dabei sah er seinen Bruder, den Herzog August Ferdinand, als Generalmajor an der Spitze eines Reiterregimentes fallen und im Herbst desselben Jahres wurde auch er schwer verwundet, als er in der Eigenschaft eines Generaladjutanten des Kaisers Joseph mit diesem an der Belagerung von Landau teilnahm. Der Antritt seiner „Regierung“ sowie seine Vermählung hinderten ihn nicht, der militärischen Laufbahn treu zu bleiben; er focht später unter dem Prinzen Eugen ruhmvoll gegen die Türken und noch im Jahre vor seinem Tode am Rhein wider die Franzosen. Seine große Tapferkeit, sein gerader, ehrenvoller Charakter, seine Rechtschaffenheit, Ordnungsliebe und Gerechtigkeit sowie sein frommer Sinn sicherten ihm die allgemeine Achtung von Freund und Feind, er war ein trefflicher, fürsorglicher Familienvater und dabei von einer Körpergröße, die ihn, wie man sagt, neben seinen sonstigen vielen guten Eigenschaften ganz besonders dem Könige Friedrich Wilhelm I. wert machte.

Seine Gemahlin, die Herzogin Antoinette Amalie, mit der er sich 1712 vermählte, war die jüngste Tochter seines Vetters, des regierenden Herzogs Ludwig Rudolf zu Wolfenbüttel. Als der jüngere Sohn des gelehrten und prachtliebenden Herzogs Anton Ulrich, hatte dieser zuerst in Blankenburg regiert und war seinem kinderlosen Bruder August Wilhelm erst 1731 in der Regierung zu Wolfenbüttel gefolgt. Vermählt mit der schönen und liebenswürdigen Prinzessin Christiane Louise von Öttingen, hatte auch er nur Töchter, und die jüngere Linie zu Bevern stellte die nächsten Agnaten zur Thronfolge. Herzog Ludwig Rudolf aber war nicht nur ein ausgezeichneter Diplomat, er war auch ein großer Freund und Förderer der Wissenschaften, und seine Sonnabende, an denen er die Gelehrten und Geistlichen seines Landes bei sich zu versammeln pflegte, um mit ihnen die Fragen und Fächer des Wissens zu besprechen und zu disputieren, waren weit und breit berühmt und wohl auch etwas gefürchtet von seinen Enkeln, denn er bestand darauf, daß die fürstlichen Kinder, die an seinem Hofe erzogen wurden, diesen Versammlungen beiwohnten, um sie beizeiten an Gelehrsamkeit zu gewöhnen und ihnen die Begierde des Wissens von den Kinderschuhen an einzuimpfen. Es kam wohl dabei oft vor, daß die armen Kinder bei den langen Erörterungen, von denen sie nichts verstanden, einschliefen, aber es blieb doch immerhin etwas davon sitzen, und das war es, was der hohe Herr beabsichtigt hatte.

Seine drei Töchter hatten alle die berühmte Schönheit ihrer Mutter, die sogar von der Markgräfin von Baireuth anerkannt worden ist, geerbt. Die älteste, Elisabeth Christine, wurde 1708 von dem späteren Kaiser Karl VI., der damals noch König von Spanien war, zur Gemahlin erwählt und trat zum katholischen Glauben über — einen Schritt, dessen Verantwortung ihr Großvater, der Herzog Anton Ulrich in seinem Eifer für die Größe seines Hauses allein zu tragen sich vermaß. Diese schöne, geist- und lebensprühende Fürstin, die Mutter der großen Kaiserin Maria Theresia, deren Einfluß die Einführung der pragmatischen Sanktion wohl nicht mit Unrecht zugeschrieben wird, war nicht die erste braunschweigische Prinzessin auf dem deutschen Kaiserthron, denn schon Kaiser Joseph I. hatte die Prinzessin Amalie von Braunschweig-Lüneburg heimgeführt, und was der Lüneburger Linie recht war, war der von Wolfenbüttel, als der älteren, lange billig. Diese Eifersucht hatte den Herzog Anton Ulrich nicht schlafen lassen, bis er sein Ziel erreicht sah. Drei Jahre später erlangte er für die zweite Tochter seines Sohnes ein scheinbar fast noch glänzenderes Los, als die jugendschöne Prinzessin Charlotte den Thronfolger Peters des Großen, den Großfürsten Alexis, heiratete und zum orthodoxen Glauben übertrat. Das Martyrium dieser unglücklichen Ehe ist eines der dunkelsten Kapitel der russischen Hofgeschichte. Schon 1715 starb die junge Großfürstin bei der Geburt ihres Sohnes, des nachmaligen Kaisers Peter II., doch die Legende, daß in ihrem Sarge nur eine Puppe beigesetzt wurde und sie selbst sich nach Amerika gerettet hat, durchlief die ganze Welt und hat Zschokke zu einer seiner schönsten Novellen begeistert. Hat doch auch Johannes Scherr die Möglichkeit der Wahrheit dieses Gerüchtes ohne weiteres zugegeben.

Die dritte der schönen Töchter des Herzogs Ludwig Rudolf ging eine scheinbar sehr bescheidene Verbindung ein, als sie dem kleinen Herzog von Bevern ihre Hand reichte, aber er war der nächste Agnat für den Thron von Braunschweig, und es lag dem Herzog Anton Ulrich daran, keine fremden Einflüsse in das Land zu lassen. Die Ehe ist, trotzdem die Herzen nach damaligem Brauche nichts dabei zu sagen hatten, eine sehr glückliche und mit 15 Kindern gesegnete geworden. Ein Glaubenswechsel fand nicht statt; das junge fürstliche Paar, erzogen in der lutherischen Lehre, hing dieser mit voller Überzeugung und Ergebenheit an, die Richtung des Hofes von Bevern war und blieb eine durchaus religiöse und dieser Boden der Erziehung ist der Prinzessin Elisabeth Christine für ihr ganzes Leben zur unbeirrten Richtschnur geworden. Ihre Mutter, die Herzogin Antoinette Amalie war nicht nur schön und tugendhaft, sie war auch eine sehr kluge und liebenswürdige Frau, daneben heitern Gemüts, und sie besaß ein liebreiches, menschenfreundliches Herz, — Eigenschaften, die sogar von der bösen Zunge der Markgräfin von Baireuth anerkannt worden sind und noch im Jahre 1756 den Kammerherrn der Königin, Graf Lehndorff, gelegentlich eines Besuches in Antoinettenruhe bei Wolfenbüttel, entzückten. Trotzdem hat Friedrich der Große sich zu seiner Schwiegermutter nicht hingezogen gefühlt; er ist im Gegenteil ein gewisses Vorurteil gegen sie sein ganzes Leben lang nie los geworden — vielleicht eben, weil sie in dem Verhältnis einer Schwiegermutter zu ihm stand, deren Tochter er als Gemahlin ablehnte. Er fand sie, wie Baron Seckendorff berichtet, „von inegalem und solchem humeur, so allzeit corrigiren wolle“, — eine ungerechte, von Vorurteilen beeinflußte Beurteilung, welche die Herzogin in keiner Weise erwiderte, denn trotz der wenig freundlichen Haltung, welche der König ihr gegenüber mit Konsequenz einnahm, war sie von Bewunderung und größter Achtung, ja von persönlicher Liebe für ihn erfüllt, wovon ihre Briefe an ihre Tochter, die Königin, ein beredtes Zeugnis ablegen. „Unser geliebter, unvergleichlicher König“ ist eine Bezeichnung, die sie immer wieder anwendet, und noch am 17. Februar 1758 schreibt sie aus Sonderburg: „Alle, die hier sind, wünschen und rufen einhellig: Es lebe Friedrich der Große!“

Über die Jugend der Prinzessin Elisabeth Christine wissen wir nicht viel. Sie selbst hat erzählt, wie ein Ereignis ihr in unauslöschlicher Erinnerung geblieben ist, trotzdem sie damals erst drei Jahre alt war. Es war vor der Geburt des Prinzen Ludwig Ernst am 25. September 1718, als der Herzog in das Kinderzimmer trat und zu ihr und ihren beiden Brüdern sagte: „Kinder, eure Frau Mutter ist sehr krank, betet mit mir, daß Gott sie stärken und uns erhalten wolle.“ Er sei dann niedergekniet und habe laut mit ihnen gebetet. Einige Stunden später sei er sehr froh wiedergekehrt und habe ihnen mitgeteilt, daß ihnen ein Bruder geboren worden wäre, und sie ermahnt, Gott für die gnädige Erhaltung ihrer Mutter zu danken.

Prinzessin Elisabeth Christine, die mit ihren Geschwistern den größten Teil ihrer Erziehung am Hofe ihres Großvaters, des Herzogs Ludwig Rudolf zu Wolfenbüttel, empfing, wuchs dabei frisch und fröhlich zu tannenschlanker Größe, ihres Vaters echte Tochter, empor. Ihr liebliches Gesichtchen mit dem köstlichen aschblonden Haar, das den guten, alten Bielefeld so sehr begeistert hat, dürfen wir uns nach den vorhandenen Bildern von reinster, fröhlichster Kindlichkeit strahlend vorstellen. Das Landesarchiv zu Wolfenbüttel bewahrt eine Reihe von Briefen von ihr auf, die sie in den Kindertagen mit zollhohen Buchstaben an ihren Bruder, den späteren Herzog Karl, geschrieben hat, sowohl in deutscher, wie auch in französischer Sprache, — diese lebhafte Korrespondenz hat erst mit dem Tode des Herzogs aufgehört. Sie unterschreibt im Jahre 1725 noch „Elisabet Christine“, im Jahre 1729, in einem Briefe, in dem sie mitteilt, daß sie jetzt Pastellzeichnungen mache, zuerst „Elisabeht Christine“, und diese Form hat sie ihr ganzes Leben lang beibehalten; später ließ sie den zweiten Namen ganz fort und zeichnete immer nur „Elisabeht“. Sie hat den größten Teil ihrer freien Zeit mit Schreiben ausgefüllt, dennoch aber blieb die Orthographie ihr ein verschlossenes Buch mit sieben Siegeln und in jedem ihrer Briefe überrascht sie durch neue Schreibweisen, — ihre Orthographie blieb inkonsequent im höchsten Grade. Ihre große, klare, charaktervolle Handschrift hat sie evident nach der feinen Hand ihres Gemahls umzumodeln gesucht, es hält oft schwer, ihre feinen Schriftzüge zu entziffern, die aber trotzdem immer fest und charakteristisch bleiben. Ihre gesamte Korrespondenz ist, der Mode der Zeit entsprechend, französisch; der deutsche Ausdruck ist ihr im Laufe ihrer Ehe durch das Beispiel des großen Königs total verloren gegangen, die deutsche Rechtschreibung ihr zum unüberwindlichen Hindernis geworden, trotzdem sie deutsche Bücher viel und mit Vorliebe las, zahlreiche Werke aus dem Deutschen in die französische Sprache übersetzte und mit diesen Arbeiten Trost in manchen trüben Stunden fand, an denen ihr Leben so überreich war.

Doch als das Jahr 1732 anbrach, war von trüben Stunden für die Prinzessin Elisabeth Christine noch keine Rede. Ein zur Jungfrau erblühendes Kind, war sie in der fröhlichen Schar ihrer zahlreichen Geschwister eines der fröhlichsten. Von den schon geborenen 13 Kindern des herzoglichen Paares waren zwölf am Leben, ein weiteres wurde in Bälde erwartet, und die fürstlichen Eltern sahen die Königskrone werden, welche die Politik des nahe verwandten Wiener Hofes für ihre älteste Tochter, die Nichte der Kaiserin, schon eifrig schmiedete.

Am Hofe zu Berlin freilich wurde diese Krone einer andern zugedacht, wenigstens von der Partei der Königin, die von ihrem Lieblingsplane, den Kronprinzen mit ihrer Nichte, der Tochter König Georgs II. von England, ihres Bruders, zu vermählen, nicht ablassen wollte und sich damit im schroffen Gegensatze zu dem Könige, ihrem Gemahl, befand, der unter gewissen Bedingungen dieser Verbindung nicht abgeneigt gewesen war, aus politischen Gründen die Verhandlungen aber abgebrochen hatte. Schon hatte er dem ursprünglichen Plane einer Doppelheirat durch die Vermählung seiner ältesten Tochter, der Prinzessin Wilhelmine, mit dem Prinzen von Wales dadurch ein definitives Ende gemacht, daß er die junge Prinzessin mit dem Erbprinzen von Baireuth vermählt hatte, und die dadurch schwer gereizte Königin setzte nun alle Hebel in Bewegung, um ihrem Lieblingssohne, dem Kronprinzen, die englische Braut zu sichern; aber ihre Intrigen zerschlugen sich an den Gegenminen des Wiener Hofes, der in der englischen Verbindung eine schwere Schädigung seiner Interessen sah und durch den Prinzen Eugen von Savoyen mit Hilfe des Generals Grafen Seckendorff und den bei Friedrich Wilhelm in großem Ansehen stehenden General von Grumbkow mit allen Mitteln darauf hinarbeitete, den Kronprinzen durch eine Vermählung mit der Prinzessin Elisabeth Christine dem gefürchteten englischen Einflusse zu entziehen und damit dauernd für das kaiserliche Haus zu gewinnen.

Diese Verhandlungen wurden in heißem Bemühen schon seit dem Ende des Jahres 1731 geführt und zwar unter dem heftigsten Widerstreben des Kronprinzen selbst, dem die Prinzessin von der Partei seiner Mutter — und nicht zum mindesten von dieser selbst — als dumm, häßlich und mißgestaltet geschildert wurde. „Ich will nicht, daß meine Frau dumm ist, ich muß mit ihr vernünftige Gespräche führen können“, schrieb er an General von Grumbkow, dem er sein Herz auszuschütten pflegte — ob mit Unrecht oder nicht, mag dahingestellt bleiben. „Sie wird die unglücklichste Prinzessin in der Welt sein“, prophezeite er der ihm aufgezwungenen Braut nicht ohne Bedauern, aber doch mit der vollen Absicht, sie dazu zu machen, und als ihm ihre Frömmigkeit und religiöse Erziehung gerühmt wird, schreibt er im vollen Geiste des Widerspruchs: „Ich will lieber das gemeinste Weibsstück von ganz Berlin haben, als eine Betschwester mit einem Gesichte wie ein halbes Dutzend Mucker zusammengenommen.“

Dieser Widerstand ergoß sich aber nur Vertrauten gegenüber in Worte, denn der Kronprinz war damals gar nicht in der Lage, dem Könige, seinem Vater, gegenüberzutreten, dessen Gnade er durch den Fluchtversuch, der allzu bekannt ist, um hier wiederholt zu werden, zu sehr verscherzt hatte, um irgendwelche Unabhängigkeitsgelüste zur Geltung bringen zu können. Dazu beging er noch den Fehler, sich dem Könige gegenüber für dessen Absichten willfährig zu zeigen und seinen Widerstand hinter dessen Rücken auszutoben, aber dieser Fehler darf ihm nicht so sehr zur Last gelegt werden, da ja das unentschuldbare Beispiel seiner Mutter, die mit ihren Kindern gegen den eigenen Gatten und Vater intrigierte, ihn dazu anfeuerte. Man kann gewiß dagegen anführen, daß sie nur das Beste ihrer Kinder gewollt hat, aber der Weg, den sie dazu einschlug, war nicht nur ein falscher, sondern ein direktes Unrecht, das sie an dem Gatten und an ihren Kindern beging, ein Unrecht, das den unseligen Familienzwist heraufbeschwor, dessen Echo noch in fernen Jahren nicht zur Ruhe zu bringen war und ihr bei aller der großen Liebe, die der Kronprinz für sie hegte, in der Folge allen und jeden politischen Einfluß bei ihm entzog.

Die Politik war aber am Ende doch stärker als der Widerstand des Kronprinzen: der Druck, den der Wiener Hof mit Hilfe des Prinzen Eugen und des Grafen Seckendorff durch ihren Agenten Grumbkow ausübte, führte zum gewünschten Ziele, und der Kronprinz willigte, durch seine eigentümliche Stellung zu dem Könige, seinem Vater, gezwungen, in die Verlobung, für deren Zustandekommen der vielgewandte, zwischen zwei Feuern lavierende General 40 000 Gulden von der Wiener Hofburg erhielt. Wenn der Kronprinz damit gerechnet hatte — und es unterliegt keinem Zweifel, daß er es tat —, die Vermählung noch hintertreiben zu können, so hatte er damit nur eine falsche Hoffnung genährt, die sicherlich von der Königin, seiner Mutter, unterhalten wurde. Der König aber, glücklich gemacht durch die Unterwerfung seines Sohnes, hatte ihm am 4. Februar 1732, noch ehe die endgültige Erklärung eintraf, folgenden Brief geschrieben: „Ihr wißt, mein lieber Sohn, daß, wenn meine Kinder gehorsam sind, ich sie sehr lieb habe, so wie Ihr zu Berlin gewesen, ich Euch alles von Herzen vergeben habe und von die Berliner Zeiten, daß ich Euch nicht gesehen, auf nichts gedacht, als auf Euer Wohlsein und Euch zu etabliren, sowohl bei der Armee, als auch mit einer ordentlichen Schwiegertochter und Euch suche, bei meinem Leben noch zu verheiraten. Ihr könnt wohl persuadiret sein, daß ich habe die Prinzessinnen des Landes durch andere soviel als möglich ist, examiniren lassen, was sie vor Conduite und Education, da sich denn die älteste von Bevern, gefunden, die da wohl aufgezogen ist, modeste und eingezogen ist, so müssen die Frauen sein. Ihr sollt mir cito Euer Sentiment schreiben. — Die Prinzessin ist nit häßlich, auch nit schön, Ihr sollt keinen Menschen was davon sagen, wohl aber der Mama schreiben, daß ich Euch geschrieben habe, und wenn Ihr einen Sohn haben werdet, da will ich Euch lassen reisen, die Hochzeit aber vor zukommenden Winter nicht sein kann, indessen werde sehen Gelegenheit machen, daß Ihr Euch etliche Male sehet in alle honneur, doch damit Ihr sie noch lernet kennen. Sie ist ein gottesfürchtiges Mensch und dieses ist alles und comportable sowohl mit Euch als mit den Schwiegereltern. Gott gebe seinen Segen dazu und segne Euch und Eure Nachfolgers.“

Die zweite Hauptperson in diesem Drama, die Prinzessin Elisabeth Christine selbst, verhielt sich vollkommen leidend. Nach der damaligen Sitte, die an Fürstenhöfen noch viel länger geübt wurde als im bürgerlichen Leben, bestimmten die Eltern den Töchtern ihre Ehegatten und die Töchter fügten sich ohne Widerspruch. In diesem Geiste erzogen, hat die Prinzessin auch sicherlich nicht das leiseste „Aber“ verlauten lassen, ihre großen, blauen Augen, die ihr von der feindlichen Partei der Königin sogar auch zur Last gelegt wurden, sahen mit gläubigem Vertrauen in die Weisheit ihrer Eltern und Großeltern wie in den Ratschluß Gottes in die Zukunft, und ihr junges, unberührtes, unschuldiges Herz begann dem unbekannten, strahlenden Königssohne entgegenzuschlagen, der ihre erste und einzige Liebe bleiben sollte.

Inzwischen war Herzog Ludwig Rudolf, der die ganze Angelegenheit in die Hände genommen hatte, aufs eifrigste tätig, die Verhandlungen zu führen und die Eheverschreibungen zu regeln. Wer die im Braunschweigischen Archiv liegenden Entwürfe der Ehepakten liest, müßte glauben, daß es sich um eine Millionenbraut gehandelt hat, deren Brautschatz demgemäß sichergestellt werden mußte. Und doch erhielt die Prinzessin die für heutige Begriffe geradezu lächerlich kleine Summe von nur 25 000 Talern als Mitgift, die von der Landschaft als Prinzessinnensteuer aufgebracht werden mußte, und was daran fehlte, verpflichtete der Herzog sich, beizusteuern. Die Akten für den Eingang dieser Summe liegen auch noch vor; es ist daraus ersichtlich, daß einzelne kleine Gemeinden 7 Taler dazu aufbrachten! Ferner gab der Herzog seiner Enkelin mit: für Geschmeide, Kleinodien, Silbergeschirr „und was sonsten notwendig“ 8000 Taler (wovon nur die Hälfte verbraucht wurde), das Brautkleid und das Bett, das laut Rechnung 567 Taler 29 Groschen gekostet hat, da es einen Himmel von karmesin Samt mit silbernen Tressen hatte, einen Zug Pferde und die Ausrüstung der Hochzeitsfeierlichkeiten. Als Gegenleistung, in umfangreichen Aktenstücken hinterlegt, stellte der König zu den Ehepakten 1) eine Verschreibung der Morgengabe mit Hand-, Spiel- und Kleidergeldern, 2) eine Donationsakte auf die Geburt eines ersten Prinzen, 3) eine Wittumsverschreibung von jährlich 14 000 Talern, die aber bei Vorhandensein eines Leibeserben jährlich 20 000 Taler ausmachen sollte, und 4) eine Rückfallsverschreibung der Mitgift von 25 000 Talern. Außerdem wurden noch alle möglichen Posten umständlich aufgeführt und von beiden Seiten verklausuliert, wobei der Herzog Ludwig Rudolf eigenhändig viele Arrangements, die Geldanlagen sowie auch die Rückfallsverschreibung beanstandet hat. Es wurde ihm jedoch erwidert, „daß die Ratificationen von Seiner Majestät schon unterzeichnet wären und daß eine Änderung dem Könige unangenehm sein würde, daher man estimire, es wäre besser, die Dinge so zu lassen, wie sie einmal beschlossen wären.“ Die Auszahlung der Mitgift war aber, wohl infolge des Eingangs der Prinzessinnensteuer, im Jahre 1733 noch nicht erfolgt, denn von Berlin aus wurde am 29. August dazu gemahnt und um Übersendung der Summe „gleich itzo“ gebeten, worauf der Minister von Münchhausen erwidert: der Herzog wolle doch vorher den Entwurf des Wittums sehen, ob etwann in selbigem einzusehen wäre, wozu diese Gelder verwendet werden sollen. „Euer Excellenz werden solches hoffentlich nicht für gänßlich unnötig halten.“ Unter dem 26. November 1733 wird aber von Berlin dann der Eingang der Heiratsgelder quittiert. Interessant ist auch die Aufstellung des Etats für die künftige Kronprinzessin, nach dem die Hofmeisterin mit 1200 Talern, zwei Hofdamen mit je 300 Talern besoldet wurden. Der Hofmeister und Kammerjunker bezogen ihr Gehalt aus einem andern Etat; der Sekretär war mit 400 Talern, zwei Pagen mit je 40 Talern, ein Kammerdiener mit 150 Talern, eine Nähterin mit 100, drei Lakeien mit je 85, zwei Kammerfrauen mit je 120, ein Lakai für die Hofmeisterin mit 88, eine Magd für dieselbe mit 60, ein Lakei für die Hofdamen mit 88 und eine Magd für dieselben mit 60 Talern Gehalt bedacht. Auf eine Anfrage wegen eines Mundkochs wird von Berlin erwidert, „wenn ein solcher im Etat der künftigen Kronprinzeß nicht vorgesehen worden wäre, so würde damit nur dem üblichen Brauche gefolgt, weil die Kronprinzessin von den Köchen Seiner Majestät bedient würde, oder, wenn sie nicht bei Ihren Majestäten speiste, von denen ihres Gemahls, des Kronprinzen.“ Indes nun die Höfe von Wolfenbüttel und Bevern mit den großen-kleinen Sorgen der Aussteuer und Sicherstellung der Prinzessin vollauf beschäftigt waren, wurde in Berlin von der Gegenpartei dieser Vermählung hinter dem Rücken des Königs nach wie vor Front gemacht gegen ihre Person wie gegen ihr Haus. Zwar hatte der Kronprinz sich am 22. Februar 1732 dem Willen des Königs gefügt und seine Einwilligung zu der Verlobung gegeben, aber das verhinderte ihn nicht, sich im Kreise seiner Vertrauten mit der ohnmächtigen Wut des gegen seinen Willen in Fesseln Geschlagenen dagegen aufzulehnen, und was von seiten der Königin geschehen konnte, ihm die Person seiner Braut widerwärtig zu machen, ihn gegen diese Verbindung einzunehmen und ihm die Größe seines Opfers damit ins Unendliche zu steigern, das geschah redlich. Sie ließ keine Gelegenheit vorübergehen, sich in der Gegenwart ihres Sohnes in den unangenehmsten Betrachtungen und Bemerkungen zu ergehen, wobei sie von ihrer Tochter, der Prinzessin Philippine Charlotte, die mit dem Bruder der künftigen Kronprinzessin verlobt und später ihrer Schwägerin so warm zugetan war, kräftig unterstützt wurde, wenn man der Markgräfin von Baireuth glauben darf. Doch da die neueste Forschung den Memoiren dieser Fürstin eine ganz andere Würdigung zuteil werden läßt, als dies bisher geschah, so darf man keinen Anstand nehmen, sie mit der immerhin notwendigen Einschränkung einiger boshafter Übertreibungen als „Quelle“ zu betrachten.

19,77 ₼
Yaş həddi:
0+
Litresdə buraxılış tarixi:
05 may 2025
Həcm:
291 səh. 2 illustrasiyalar
ISBN:
9788711517574
Naşir:
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
Yükləmə formatı: