Kitabı oxu: «Vergessene Berge»

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Bergeinsamkeit über dem Gardasee, am Ostgrat des Monte Caplone (Tour 20)

Gotlind Blechschmidt (Hsg.)

VERGESSENE BERGE

Unberührte Wanderparadiese in den Alpen entdecken


Inhalt

Vorwort

Einführung

DIE TOUREN

Bayerische VoralpenEugen E. Hüsler

1Ein Aussichtsbalkon in den Ammergauer Alpen

2Der König und sein Komponist

3Krapfenkarspitze & Co.

4Ein Grenzgang der besonderen Art

Lechtaler AlpenGotlind Blechschmidt

5In den Namloser Bergen

6In der Liegfeistgruppe

Totes GebirgeSusanne Posegga

7In der Mondlandschaft des Toten Gebirges

GesäuseSusanne Posegga

8Bergauf und bergab durch den Nationalpark Gesäuse

Der Triglav-NationalparkMartin Sinzinger

9Im Angesicht des Triglav

10Herrliche Natur im Dolina Triglavskih Jezer

Pesariner DolomitenEugen E. Hüsler

11Rund um den Creton di Culzei

12Ein Klettersteig der Sonderklasse

Lienzer DolomitenSusanne Posegga

13Wilde Lienzer für zahme Wanderer

DolomitenEugen E. Hüsler

14Unterwegs auf dem Sellaband

15Die Route der Signora Paolina

16Wo die Dolomiten am wildesten sind

Belluneser DolomitenEugen E. Hüsler

17Alta via delle Dolomiti Bellunesi

PalagruppeMartin Sinzinger

18Val Venegia: Liebliches Tor zum Hochgebirge

19Variation der Palaronda

GardaseebergeEugen E. Hüsler

20Fast 2000 Meter hoch – der Monte Caplone

21Vergessene Aussichtswarte

22Die große Reibn

23Berühmter Gipfel, einsamer Weg

Südlicher AdamelloMaria & Wolfgang Rosenwirth

24Überschreitung des Monte Boia

25Um den Cornone di Blumone

26Vom Monte Bazena zum Monte Frerone

27Blaue Juwelen in den Brescianer Voralpen

Brescianer VoralpenMaria & Wolfgang Rosenwirth

28Aussichtsbalkon über dem Iseosee

Bergamasker AlpenMaria & Wolfgang Rosenwirth

29Stolze Berge, steile Hänge

MedelgruppeMichael Pröttel

30Durchquerung der Medelgruppe

31Auf den Spuren des Paters

Adula-AlpenGotlind Blechschmidt

32Auf das Rheinwaldhorn

Tessiner AlpenGotlind Blechschmidt

33Auf den Spuren der Transhumanz

34Via Alta Vallemaggia

Grajische AlpenGotlind Blechschmidt

35Auf den Rocciamelone

36Kulturelle Erkundungen um Usseglio

SeealpenGotlind Blechschmidt

37Großartige Rundtour über das Kloster Sant’Anna

Register

Impressum

Die Gletscher der Eiszeit hinterließen dieses große Kar im Toten Gebirge. (Tour 7)

Kurz vor dem Gewitter im weitläufigen Valle di Cadino, südlicher Adamello (Tour 26)

Am Abstieg vom Cimone della Bagozza, Bergamasker Alpen (Tour 29)


Der Schiederweiher im Stodertal spiegelt die markante Spitzmauer-Ostwand. (Tour 7)


Valle del Gleno mit der zerstörten gleichnamigen Staumauer, Bergamasker Alpen (Tour 29)

Vorwort

»Wo Wandern ein Abenteuer ist …« Im vorliegenden Buch »Vergessene Berge« stellen Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, drei Autorinnen und vier Autoren 19 Gebirge in den Alpen vor, die fast alle nicht vor unserer Haustür liegen. Von den Bayerischen und Lechtaler Alpen ausgehend reichen sie über das Gesäuse im Osten bis zu den Seealpen ganz im Südwesten des 1200 Kilometer langen Alpenbogens. Alle sind sie irgendwie »vergessen«, nämlich von deutscher Seite aus abgelegen, übergangen und vernachlässigt, und finden in der alpinen Wanderliteratur im Allgemeinen wenig Beachtung. Insider hingegen wissen schon seit geraumer Zeit, welche herrlichen Wanderungen man in diesen wilden, urtümlichen Gebirgen abseits touristischer Hotspots unternehmen kann und wie sehr sie sich von den gewohnten Unternehmungen unterscheiden. Sicher sind auch dort, je nach Lage und Saison, mal mehr – meist einheimische – oder weniger Wanderer unterwegs. Aber im Allgemeinen geht es eher ruhig zu, und das ganze Drumherum ist auch ein anderes: Statt breit ausgebauter Wege mit umfangreicher Seilbahninfrastruktur gibt es vorwiegend schmale Bergpfade und wenig oder keine Aufstiegshilfen; man schläft nicht in hotelähnlichen Unterkunftshütten, sondern in einfacheren Berggasthäusern und Talunterkünften oder Biwakhüttchen; anstelle von Halligalli wie in Ischgl & Co. finden traditionelle, tief berührende Almfeste statt. Die Zeit scheint hier ein wenig stehen geblieben. Durch die weitere Anfahrt – gern mit öffentlichen Verkehrsmitteln – handelt es sich in den seltensten Fällen um Tages- oder Wochenendtouren, und so ergibt sich ein gutes Verhältnis zwischen der Anreisezeit und der Zeit am Berg. Und warum nicht nach einer Woche im Adamello in die Tessiner Alpen wechseln und den Bergurlaub dort fortsetzen? Wer mehrwöchige Bergauszeiten schon einmal erlebt hat, weiß um ihren Erholungswert. Man muss ja auch nicht jeden Tag am Berg unterwegs sein, sondern legt Ruhetage ein, spürt in den Tallagen interessante Ecken und Winkel auf und geht auf kulturelle Wanderschaft. Jedes der hier vorgestellten vergessenen Gebirge hat seine ureigene Charakteristik und bietet alles andere als Einheitsbrei. Es erwartet Sie eine entsprechend interessante Lektüre: Nach einer Kurzvorstellung des jeweiligen Gebirges folgen Wandervorschläge unterschiedlicher Dauer, ferner Infos zu Anreise und Aufenthalt unter Aspekten der Nachhaltigkeit. So sind auch Dorfläden, Käsereien sowie spezielle bzw. preisgünstige Unterkünfte und lokale Initiativen aufgeführt. Sanfter Tourismus wie hier vorgeschlagen gibt manchen von der Bevölkerung weitgehend verlassenen Gegenden eine Überlebenschance und stärkt die lokale und regionale Wirtschaft. Alle Touren wurden von den Autorinnen und Autoren abgegangen und sorgfältig dokumentiert; Veränderungen im Gelände sind aber jederzeit möglich. Das Autorenteam verspricht Ihnen einmalige Wanderabenteuer und tiefe Eindrücke, von denen Sie lange zehren werden. Und Vorsicht – es entwickelt sich schnell ein gewisser Suchtfaktor!

Viel Freude in den »Vergessenen Bergen« wünschen

Gotlind Blechschmidt, Eugen E. Hüsler, Susanne Posegga, Michael Pröttel, Maria und Wolfgang Rosenwirth und Martin Sinzinger

Einführung

Ausrüstung und OrientierungWas die Schuhe angeht, sind feste, über den Knöchel reichende Wanderschuhe mit gutem Profil nötig, bei der Gletschertour aufs Rheinwaldhorn allerdings steigeisenfeste Schuhe. Für einige Touren genügen auch Multifunktions- oder Approachschuhe. Auf die Mitnahme anderer spezieller Ausrüstung oder von Teleskopstöcken wird jeweils in den Infokästen hingewiesen. Stöcke sind bei langen Abstiegen und auch auf Schneefeldern sehr nützlich. In den Rucksack gehören ein Erste-Hilfe-Set, ferner eine Rettungsdecke oder ein Biwaksack sowie eine Taschenlampe und eine Trillerpfeife (auch für das Abgeben von Notfallsignalen); gern auch eine Reepschnur mit einem Karabiner und natürlich ausreichend Getränke und einige Energieriegel, dazu höhenangepasste warme Kleidung (Mütze, Handschuhe) und ein Regenschutz. Ein Handy (inklusive Karten- oder Tourenportalen als Apps) mitzunehmen ist nützlich, aber man sollte sich gerade in den vergessenen Bergen nicht auf die Netzabdeckung verlassen! Daher empfiehlt sich die Mitnahme der jeweiligen topografischen Karte und ausgedruckter Tourenbeschreibungen. Wer sich nicht die betreffende Karte kaufen möchte, kann sich unter Umständen auch einen Kartenausschnitt online heraussuchen und ausdrucken.

Onlinekarten:

Deutschland (Bayern):

https://geoportal.bayern.de/bayernatlas Frankreich: https://www.geoportail.gouv.fr Italien (Piemont): https://webgis.arpa.piemonte.it/Geoviewer2D/index.html

Italien (Bozen):

http://gis2.provinz.bz.it/geobrowser Italien (Südtirol): https://www.sentres.com/de/suedtirol/karte

Österreich: www.austrianmap.at Schweiz: https://map.geo.admin.ch Slowenien: http://www.geopedia.si www.alpenkarte.eu https://mapcarta.com

Schwierigkeiten und GehzeitenDie Touren reichen von Talwanderungen über Klettersteige bis zu einer leichten Gletscherhochtour – dazwischen liegt ein ganzes Spektrum an Routen verschiedener Schwierigkeitsgrade. Im Allgemeinen befinden sie sich mit teils schmalen Bergwegen auf steileren Abschnitten und kurzzeitigen Versicherungen im mittleren Bereich. Schwere Touren verlaufen öfters im absturzgefährdeten Gelände, sind häufiger mit Versicherungen oder kleinen Kletterstellen gespickt, und dauern auch länger. Die Angaben zum Tourencharakter in den Infokästen liefern weitere Hinweise dazu.

In der Schweiz geben die einheitlich gestalteten Wegweiser eine Grundeinteilung vor: Die »normalen« Bergwanderwege sind auf gelben Schildern mit weiß-rot-weißen Wegmarkierungen ausgewiesen, alpine Routen auf blauen Schildern mit weiß-blau-weißen Markierungen. Ferner gilt eine Einteilung von T 1 bis T 6, wobei Bergwandern die Stufen 1 bis 3 und Alpinwandern die Stufen 4 bis 6 umfasst. Die Gesamtbewertung einer Route richtet sich nach dem Spitzenwert der Hauptkriterien. Weitere Informationen unter: www.sac-cas.ch/de/ausbildung-und-sicherheit/tourenplanung

Für die vergessenen Berge gilt, dass steile Grashänge, Schrofengelände oder exponierte Gratpassagen vor allem an Regentagen oder bei Gewitter gefährlich und schwieriger werden können als angegeben. Da kann es schnell einmal zu heiklen Situationen kommen. Das Gelände sollte absolut beherrscht werden, und auch die eigene psychische Konstitution spielt eine wichtige Rolle.

Die Gehzeiten sind ohne Pausen gerechnet und geben lediglich eine Richtschnur. Sie können sich deutlich verlängern, wenn man beispielsweise doch einmal den Weg suchen oder ein Gewitter abwarten muss. Neuschnee und einfallender Nebel verlängern eine Bergunternehmung ebenfalls. Oder es ist aber irgendwo so schön, dass man einfach länger als gedacht verweilen möchte.

Tümpel beim Passo del Termine mit Scaglia und Cornone di Blumone, südlicher Adamello (Tour 25)

Bergfrühling in der Pala-Gruppe: Abstieg ins Val Garès (Tour 19)

Tourensaison und WetterDie Tourensaison richtet sich ganz klar nach Höhenlage und Charakteristik der jeweiligen Tour. Für die meisten eignet sich allerdings nur die Zeit ab Mitte Juni bis Herbst oder bis zum ersten Schneefall. Falls Übernachtungen in Hütten notwendig sind, ist man auf deren Öffnungszeiten angewiesen, es sei denn, es gibt Winterräume. Das bedeutet allerdings, mehr Gepäck dabeihaben zu müssen (evtl. Kocher, Lebensmittel). Früh in der Saison liegt in den Höhenlagen womöglich noch Schnee und macht manche Passagen im Extremfall unpassierbar. Im Herbst wiederum kann ein früher Wintereinbruch die Pläne vereiteln.

Im Juni und Juli ist die Blumenpracht in den Bergen am schönsten, dann kommen Blumenliebhaber voll auf ihre Kosten – im Herbst wiederum bestechen die klare Luft und die Färbung der Laubbäume und Lärchen. Allerdings sind die Tage schon deutlich kürzer. »Goldener Oktober« gilt nicht überall, in den Seealpen ist dann schon mit Regenphasen zu rechnen. Zur Hochsaison im Juli und August sind mehr Menschen unterwegs (vor allem in der Schweiz um den Nationalfeiertag am 1. August und in Italien in der Woche mit dem 15. August, Ferragosto). Andererseits hat es auch seinen Reiz, in der Hochsaison zum Beispiel Tanz- oder sonstige Folkloreabende, Wallfahrten und Patroziniumsfeste mitzuerleben, wodurch sich in jedem Fall Einblicke in die Kultur der bewanderten Region eröffnen. Es heißt immer, die Wetterentwicklung im Auge zu behalten (ein Höhenmessgerät, das mittels Luftdruckmessungen funktioniert, leistet hier gute Dienste – zeigt das Gerät nach einer Übernachtung oder auf einem Gipfel eine deutlich höhere als die tatsächliche Höhe an, dann ist ein Tiefdruckgebiet im Anmarsch und man muss mit Regen rechnen). Bei Grattouren ist die Einschätzung der Gewittergefahr besonders wichtig. Achten Sie auf hohe Quellwolken, die sich ab Mittag entwickeln, und auch auf mögliche Risiken, die sich entlang von metallenen Versicherungen entwickeln können! Man sollte am besten stets vor einer Tour die einschlägigen Wetter-Webseiten besuchen und auch Webcams, an denen sich die Höhenlage der Schneedecke ablesen lässt.

www.alpenverein.de

www.alpenverein.at

www.wetter.orf.at

www.provinz.bz.it

www.arpalombardia.it/Pages/Meteorologia/Previsioni-e-Bollettini.aspx/topPagina (Lombardei)

www.meteoschweiz.ch

www.meteosvizzera.admin.ch/home.html?tab=overview (Tessin)

www.accuweather.com

www.mountain-forecast.com (Sechs-Tage-Prognose, auch mit Angaben über Windchill und Temperatur in einzelnen Höhenlagen; in die Suchmaske einen Gipfel des gewählten Gebietes eingeben)

Bergrettung und alpines NotsignalEs empfiehlt sich, die hier angegebenen Notrufnummern ins Mobiltelefon einzuspeichern. Wenn eine davon in einer Notsituation gewählt werden muss, sollte man die Antworten auf die folgenden fünf »W-Fragen« parat haben: 1. Wer ruft an? (Nennen Sie Ihren Namen und Standort) 2. Wo ist das Ereignis? (Hierzu sollte man die Ortsangabe möglichst genau angeben, z. B. die GPS-Koordinaten) 3. Was ist geschehen? (Beschreiben Sie knapp das Ereignis und das, was Sie konkret sehen) 4. Wie viele Betroffene? (Schätzen Sie auch die Verletzungen der betroffenen Personen und geben Sie deren Alter an) 5. Warten auf Rückfragen (legen Sie nicht gleich auf, die Notrufmitarbeiter benötigen von Ihnen vielleicht noch weitere Informationen!) Sollte in einer alpinen Notlage bei einer der Touren kein Mobilfunknetz bestehen, ist das alpine Notsignal zu senden, also sechsmal pro Minute in regelmäßigen Abständen ein akustisches oder optisches Signal abzugeben, dann eine Minute zu warten und das Signal zu wiederholen. Das Antwortsignal besteht aus drei akustischen oder optischen Zeichen pro Minute.

Allgemeine europäische, kostenfreie Notrufnummer: 112 (funktioniert auch mit leerer Prepaidkarte und auch bei sehr schwachem Netz) Österreich: Alpinnotruf 140, Rettung 144 Italien: 118

Schweizerische Rettungsflugwacht REGA: 14 14

Die Haindlkarhütte im Nationalpark Gesäuse (Tour 8)

Frankreich: 15

Notruf-Apps: zum Beispiel SOS-EU-ALP über https://www.leitstelle.tirol/news/sos-eu-alpnotruf-app-fur-tirol-bayern-und-sudtirol oder https://echosos.com/de

UmweltschutzEs versteht sich von selbst, keine Spuren außer den Fußspuren zu hinterlassen, weder unterwegs noch beim Aufenthalt in einer bewirtschafteten oder gar unbewirtschafteten Hütte. Nehmen Sie allen Müll wieder mit ins Tal! Das gilt auch für Papiertaschentücher. Sie verrotten nämlich erst nach einem bis fünf Jahren. Nehmen Sie auch ruhig einmal fremden Müll mit. Unter Felsen versteckte Plastikflaschen lassen sich zusammentreten und beanspruchen dann im Rucksack kaum Platz.

Beachten Sie die jeweils gültigen Regeln, wenn Sie in einem Naturpark oder gar Nationalpark unterwegs sind, zum Beispiel auch, was Feuermachen oder wildes Zelten anbelangt. Stören Sie keine Tiere und lassen Sie nicht Ihre Hunde frei laufen! Pflanzen darf man nicht entnehmen, aber natürlich gern fotografieren. Benutzen Sie keine Abschneider. Bei Gewittern oder Starkniederschlägen entwickeln sie sich zu Bachläufen und führen zu Erosion.

Wenn es irgendwie geht, nehmen Sie bitte schon zur Anreise die öffentlichen Verkehrsmittel! Besonders bei Überschreitungen stellen sie ihre Vorteile unter Beweis. Wie entspannend, eine »Bergfahrt« mit einer Zugreise beginnen und aufhören zu lassen.

Die bei Autofahrten herausgeschleuderten Emissionen kann man bei Portalen wie myclimate oder anderen kompensieren. Das gespendete Geld kommt Klimaschutzprojekten zugute …


Unterwegs in den Vette, in der Bildmitte das Cimónega-Massiv (Tour 17)

Bayerische Voralpen

Eugen E. Hüsler


Eine so große wie stille Gratwanderung in den Bayerischen Voralpen: vom Galgenstangenkopf zur Krapfenkarspitze

Bayerische Voralpen

Berge zwischen Trubel und Stille

An einem Föhntag brauchen die Münchner nicht an den Tegernsee oder nach Garmisch zu fahren, um ihren Bergen nahe zu sein. Es reicht ein Besuch des Olympiaturms, 32 Sekunden Liftfahrt bis zur Aussichtsplattform 185 Meter über Grund. Da stehen sie dann am südlichen Horizont, schön aufgereiht und fast zum Greifen nahe, die Bayerischen Alpen, angeführt von der Zugspitze.

An- und Rückreise

Mit Bahn und Bus: Sowohl per Bahn als auch mit dem Bus sind die Ortschaften in den Bayerischen Voralpen bequem erreichbar. Von München führen Bahnlinien nach Oberammergau, Garmisch-Partenkirchen, Kochel, Lenggries, Tegernsee und Schliersee–Bayrischzell.

Mit Pkw: Wer mit dem eigenen Fahrzeug anreist, kommt ab München am bequemsten über die A 95 bzw. die A 8 ins Zielgebiet.

Nachhaltige Übernachtungsmöglichkeit, Einkehr, Einkaufen

Das Alpenvorland ist ein Top-Reiseziel. Entsprechend besteht ein breitgefächertes Angebot, von der AV-Hütte (am Berg) bis zur Luxusherberge mit Wellnessoase im Tal. Viele Almen bieten im Sommer Brotzeiten und Getränke an. Ein paar Einkaufstipps: Holzofenbrot (Adolf-Link-Hütte, Spitzing, www.alpenverein.de), Marmeladen und Aufstriche (Genussschmelzerei Essendorfer, Schliersee-Neuhaus, www.essendorfer.de), feine Käse (Tölzer Kasladen, Bad Tölz, www.toelzerkasladen.de), Weine und Delikatessen (Wein & Lukull, Lenggries, www.weinundlukull.de), Eybel Schokoladenquelle (Waakirchen, www.trueffel.de), Käse, Joghurt, Butter (Schaukäserei Ettal, www.schaukaeserei-ettal.de)

Ausrüstung

Normale Bergwanderausrüstung

Karten und Literatur

Eugen E. Hüsler, Isarwinkel, Rother Wanderführer; Hildegard Hüsler, Wanderführer Isarwinkel und Tegernseer Berge, Bruckmann Verlag AV-Karten Bayerische Alpen 1:25 000, Blätter 7, 9, 12, 13

Kontakt

Regionale bzw. örtliche Tourismusbüros, z. B. www.ammergauer-alpen.de, www.bad-toelz.de, www.lenggries.de, www.tegernsee.com


Ihr Gipfel liegt gut 90 Kilometer vom Olympiagelände entfernt, die Liftfahrt vom Eibsee herauf dauert – trotz modernster Technik – etwas länger als jene am Olympiaturm. Noch erheblich mehr zieht sich an schönen Sommertagen die Anreise, und wer Pech hat, verbringt kostbare (Frei-)Zeit mit nervender Parkplatzsuche.

Das gilt auch für Erholungssuchende, die den Walchensee ansteuern. Er hat sich in den letzten Jahren zu einem der absoluten Hotspots des bayerischen Wochenendtourismus entwickelt, die 28 Parkplätze am Südufer sind im Sommer bei Schönwetter rappelvoll, auf dem Wiesenstreifen zwischen Straße und Wasser räkeln sich Jung und Alt, mehr oder minder bekleidet, es riecht nach Sonnencreme. Draußen auf dem See wird eine neue Sportart geübt, auf einem Board stehend: SUP.

SUV und Wohnmobile verstopfen derweil Straße und Parkflächen. Heile Bergwelt? Die beginnt erstaunlicherweise bereits ein paar Schritte vom See entfernt. Das Baumgrün schluckt den Lärm, dafür zwitschert und pfeift es in den Bäumen, untermalt vom Gurgeln eines Bergbachs. Ein dicker Ameisenhaufen demonstriert eindrucksvoll, wie Gewusel nach einem (geheimen) Plan völlig lautlos funktioniert.


Nur frühmorgens einsam: der Herzogstand. Tiefblick auf den Kochelsee

Wege in die EinsamkeitEs gibt sie, auch in den Bayerischen Voralpen, und manchmal beginnen sie da, wo der Trubel am größten ist. Wer kennt schon den vielleicht schönsten, garantiert intimsten Ausguck hoch über dem Walchensee? Natürlich sind damit nicht die beiden absoluten Hotspots der Region gemeint, auch nicht der Simetsberg. Letzterer bietet übrigens – wenn Tageszeit und Lichteinfall stimmen – beim Abstieg einen Tiefblick auf den See, den man nur magisch nennen kann. Wie ein blauer Spiegel liegt das Gewässer da, eingebettet in verschattete, dunkle Waldhänge. Mit dem Fernglas lässt sich mit etwas Glück ziemlich genau im Osten, am bewaldeten Hang des Rautbergs, zwischen den Baumwipfeln die kleine Hütte mit dem ganz großen Walchenseeblick entdecken – ein echter Geheimtipp. Also bitte nicht weitersagen …

Erbe der WittelsbacherEin besonders weitläufiges Wandergebiet sind die Ammergauer Alpen, einst das bevorzugte Jagdrevier der bayerischen Könige. Auch im Vorkarwendel gingen die Wittelsbacher gern hoch zu Ross auf die Pirsch. So mancher der kunstvoll angelegten Reitwege blieb erhalten, andere sind längst verfallen, wie etwa der Herzogsteig unter der Schöttelkarspitze. Wer die Soiernseen mit dem Drahtesel ansteuert, folgt den Spuren des Märchenkönigs Ludwig II. Der hatte es allerdings weniger mit der Jagd; er ließ sich lieber – so heißt es zumindest – bei Vollmond in einem Boot übers Wasser rudern. Dabei kam ihm wohl die Idee einer Seebühne, um in der großen Bergkulisse Wagners Oper »Rheingold« aufführen zu lassen. Das Spektakel hätte man sich sogar von der Schöttelkarspitze aus anschauen können. Die bekam einen Pavillon, für dessen Bau man die Bergspitze um ein paar Meter abtragen musste. Ludwigs kunstvoll angelegten Reitweg nutzen heute die Wanderer; vom Pavillon, der bei einem Unwetter abbrannte, ist lediglich eine etwa drei Meter lange Eisenstange übriggeblieben. Das Soiernhaus – heute eine in Ehren ergraute Alpenvereinshütte – diente dem Monarchen als Unterkunft, das Gesinde war in einem Nebenhaus untergebracht.


Ein prächtiger Falter: der Admiral


Auch in den Bayerischen Voralpen häufig anzutreffen: der Stengellose Enzian

Im Schatten der HotspotsStille Winkel finden sich oft auch in der Nachbarschaft stark frequentierter Wanderziele – siehe Walchensee. Während rund um den Tegernsee der Bär brummt und die Parkplätze am Spitzingsee rappelvoll sind, begegnet man westlich des Blaubergkamms, zwischen Achenpass und Schildenstein, kaum einer Menschenseele. Sogar in der Wendelsteinregion – nicht unbedingt als Diaspora zu bezeichnen – gibt es ruhige, wenig begangene Wege und einsame Berge. Ein schönes Beispiel ist da der Hochsalwand-Ostgrat, unmarkiert und mit ein paar kurzen, leichten Kletterstellen garniert. Vom Gipfel aus kann man dann zuschauen, wie die Zahnradbahn des Herrn Steinbeis (so hieß der Erbauer und Finanzier wirklich!) an der schroffen Soinwand zur Bergstation hinaufklettert. Oben wuselt es an Schönwettertagen mächtig. Wer zum Gipfel und zur ganz großen Aussicht will, muss sich auf eine Viertelstunde Kolonnenwandern einstellen.

Auch weiter westlich, an Isar und Krottenbach, lassen sich Wanderziele entdecken, die fast noch als Geheimtipps durchgehen, etwa der Aufstieg zum Delpssee oder der Moosbachsteig mit seinen zauberhaften Wasserkaskaden, die sich über sagenhafte 350 Höhenmeter aneinanderreihen. Links des Rißbachs erhebt sich, ansetzend mit dem Galgenstangenjoch, die lang gestreckte, mehrgipflige Soiernkette. Die Gratüberschreitung bis zur Krapfenkarspitze ist ein absolutes Highlight und garantiert ein paar Stunden Bergeinsamkeit.

Das gilt auch für das Estergebirge, das sich mit seinen ewig langen oder sausteilen Anstiegen als ziemlich resistent gegen Besucherinvasionen erweist. Totale Einsamkeit verheißt der Aufstieg vom Loisachtal über die Teufelskapelle zur Hohen Kisten. Im Herbst wird man da höchstens einem Jäger begegnen. Wenn der dann nicht so richtig freundlich schaut, liegt es daran, dass die Waidmänner Touristen in ihrem Revier nicht gern sehen.

Früh aufstehen!Bergeinsamkeit gibt es – kein Witz! – auch am Herzogstand, am Brauneck oder an der Rotwand. Voraussetzungen: schönes Wetter und ein ganz früher Start. In den Tag hinein wandern, aus dunkler Nacht. Du hast den Berg für dich allein, kannst mit tausend Sternen am Himmel plaudern, auf die ersten Vogelstimmen hören, zuschauen, wie es im Osten allmählich zu dämmern beginnt. Und dann das Finale. Über einem nachtdunklen Bergrücken steigt sie hoch, erst nur ein gleißender Punkt, dann zur Kugel anwachsend: die Sonne, der 150 Millionen Kilometer entfernte Fusionsreaktor. Was für ein Schauspiel!

Einen fast unwirklichen Sonnenaufgang erlebten wir vor ein paar Jahren am Jochberg. Als die Sonne frühmorgens über der Benediktenwand erschien, tauchte der Vollmond, rötlich leuchtend, gerade hinter der Zugspitze ab. Ein Gänsehautmoment in Zeitlupe, unvergesslich!


Der letzte Wildfluss Bayerns: die Isar

Janr və etiketlər

Yaş həddi:
0+
Litresdə buraxılış tarixi:
09 noyabr 2024
Həcm:
424 səh. 257 illustrasiyalar
ISBN:
9783734322310
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
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