Kitabı oxu: «Peter Schröcksnadel»

Şrift:

Florian Madl

PETER SCHRÖCKSNADEL

ÜBER EINEN, DER NICHT VERLIEREN WILL


Inhalt

Prolog

Niemals Unrecht und Abhängigkeit

-Toni Innauer: Es war die Gunst der besonderen Jahre

Schröcksnadels Rollenspiel

-Marcel Hirscher: „Leute, ich helfe euch“

-Eva-Maria Brem: Direkt, nüchtern, abgebrüht

Abtrünnige

-Andrew Hourmont: Wir waren damals vielleicht nicht die größten Freunde

-Lukas Müller: Es braucht wenig, um die Macht des Präsidenten zu spüren

Der Erfolgsmensch

-Benjamin Raich: Für Plauschereien keine Zeit

-Stephan Eberharter: Bitte fahr mit, Peter!

„Austria is a too small country to make good doping“

-Max Ischia: Der Peter, der Schröcksi, der Präse

-Peter Filzmaier: Der Schneemann aus dem vorigen Jahrhundert

Die heiße Kartoffel #metoo

-Sarah Lewis: Es fällt schwer, sich Peter Schröcksnadel im Ruhestand vorzustellen

-Nicola Werdenigg: Mir ging es ausschließlich ums System

Skandale, Skandälchen, Medienereignisse

-Norbert Darabos: Peter, der …?

Über Olympia-Touristen, Killer und die Sportkultur in Österreich

-Wolfgang Schüssel: Der Präsident

„Da wollte ich wirklich aufhören“

-Katharina Trojan: Oft habe ich gestaunt

Fischer, Förderer, Fanatiker

-Bundespräsident Alexander Van der Bellen: Kein Blatt vor dem Mund

Anhang

Lebenslauf Peter Schröcksnadel

Ehrenamtliche Tätigkeiten

Sportliche Erfolge/Masters-WM

Ehrungen und Auszeichnungen

Autor / Kolumnisten


50 Athleten bedankten sich in einem Buch voller Zitate bei Peter Schröcksnadel. Die limitierte Ausgabe umfasste nur 20 Stück.

Prolog

„Wer ihm einmal begegnet, der vergisst ihn so schnell nicht wieder“, fasste die „Süddeutsche Zeitung“ eine Begegnung mit Peter Schröcksnadel in Worte. Der Tiroler teilt sein Umfeld in Befürworter und Gegner, viel Grauzone bleibt nicht. „Hüte dich vor allem, was es gibt“, prangt auf einem Schild, das jahrelang seinen Schreibtisch im Innsbrucker ÖSV-Büro zierte. Es war auf die Ankömmlinge gerichtet und sollte wohl deren Erwartungshaltung dämpfen.

Wer sich als Österreicher nicht in erster Linie über Ski-Erfolge definiert – also entgegen der Meinung Schröcksnadels die überwiegende Mehrheit –, beteiligt sich nicht an einer glattgebügelten Huldigung des Erfolgsgaranten, der den Österreichischen Skiverband über 31 Jahre wie kein anderer prägte. Dass sein Abgang kein reibungsloser war, dass er kurz vor der Übergabe an Karl Schmidhofer im Juni 2021 noch einmal Langzeit-Verträge für den ÖSV unterzeichnete, untermauert diese Feststellung.

„Ski-Napoleon“, „Alpenkönig“, „Lift-Kaiser“, „Diktator“ – die Wortkreationen der Kritiker bezogen sich stets auf den bisweilen monarchisch-autokratischen Führungsstil von „PS“. Wer es gut mit ihm meinte, charakterisierte ihn als „Reibebaum“. Und alle anderen? Die würdigten ihn und dankten dem 80-jährigen Tiroler für das, was dem Land in seiner Ära an Medaillen gewonnen wurde: 114 Olympia-medaillen, 295 WM-Medaillen, 1288 Weltcupsiege, dazu fünf Heim-Weltmeisterschaften. Genug also, um eine selbsternannte Ski-Nation glücklich zu machen.

Die Motivation war dem Schirmherrn an der Spitze, dem die Mehrheit aller 21 Sportminister in seiner Ära und die meisten Athleten bis zuletzt ihre Ehrerbietung erwiesen, niemals ausgegangen. Und wie immer bemühte Schröcksnadel dafür einen Vergleich aus dem Fischer-Jargon: „Fischen lebt von der Hoffnung, weil du oft verlierst.“ Und Niederlagen hasste Schröcksnadel, also gewann er lieber: als Verbandspräsident, indem er Sponsorengeld lukrierte und den ÖSV aus den roten Zahlen zur finanzstärksten Sportinstitution des Landes machte; als Sportler – Schröcksnadel darf sich Senioren-Weltmeister nennen; als Mastermind hinter den Rennteams – wenn im Winter jemand gewann, dann jedenfalls die Skisportler. Aber alle waren nicht glücklich mit dem, was PS als Tourismusmotor einstufte: mit dem rotweißroten Selbstbild, dem Wedel-Klischee, dem überbordenden Patriotismus und dem, was sich bisweilen dahinter verbarg.

Es war schwierig, neben Huldigungen für dieses Buch auch kritische Geister dazu zu bewegen, sich mit der Figur Peter Schröcksnadel schriftlich auseinanderzusetzen. Die einen hatten bereits Sträuße mit ihm ausgefochten und wollten das nicht wieder tun. Mancher meinte, die in die Öffentlichkeit getragenen Scharmützel hätten ihm, seinem privaten und beruflichen Umfeld geschadet. Mancher wollte wochenlang wenig Schlaf gefunden haben, als er mit dem mächtigen Mann an der Spitze des Skiverbands nicht auf Linie war. Andere wiederum beteuern, sich seit dem Disput mit Schröcksnadel nicht mehr mit dem Skisport zu befassen.

Ist Peter Schröcksnadel böse? Nein. Aber ein Mann, der Imageverlust im Sinne seiner Sache schmerzbefreit in Kauf nimmt, der dem Feuilleton gerne sprichwörtlich die Zunge zeigt. Der es gewohnt ist, auszuteilen und einzustecken. Der sich in Impfdebatten ebenso einmischt wie in die Mittelverteilung des Sommersports. Der soziale Medien meidet und lange Zeit auf Smartphones verzichtet hatte, als es kaum mehr Tasten-Handys auf dem Markt gab. Sein Motto: „Ich bin ein Fischer. Ich weiß, wann der Fisch zubeißt.“ Und im Moment, da der Streit zu eskalieren droht, gibt sich Schröcksnadel versöhnlich, streckt die Hand aus, gibt sich konfuzianisch: „Es gibt nicht nur Sonne, es gibt auch Regen.“ Er müsse für den Verband geradestehen und ihn so führen, dass dieser erfolgreich sei.

Die vorliegende Biografie, nicht autorisiert und deshalb mit entsprechender Distanz verfasst, kommt aus der Feder eines journalistischen Wegbegleiters und einiger anderer, die Peter Schröcksnadel aus Nähe und Ferne betrachten durften, die mit ihm beruflich zu tun hatten oder auch nur als Konsumenten. Spurlos gingen er und seine Ära an keinem vorbei, dafür sorgten sportliche und wirtschaftliche Erfolge ebenso wie Doping-Aufreger, Missbrauchsschlagzeilen oder Vertragsstreitigkeiten. Wenn man eines über Schröcksnadels ÖSV-Präsidentschaft zwischen dem 23. Juni 1990 und dem 19. Juni 2021 mit Gewissheit sagen kann: Er blieb sich in all den Jahren stets treu.

Niemals Unrecht und Abhängigkeit
Schulzeit, Konkurs der Eltern, Lawinen- und Schatzsuche, Unternehmertum

„Ich bin ein Internatskind. Für uns zählten immer Zusammenhalt, Solidarität und dass man sein Wort hält.“

Um Peter Schröcksnadel zu verstehen, muss man weit in die Vergangenheit reisen, in die Innsbrucker Kindheit im Stadtteil Saggen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Seine Schilderungen begleiten Sätze wie: „Nach dem Krieg haben wir Bandenkämpfe geführt, wir haben mit Handgranaten gespielt.“ Einer seiner Freunde habe dabei auf dem Balkon eine Hand verloren, da war Peter Schröcksnadel sechs oder sieben Jahre alt, so genau weiß er das nicht mehr. Bruchstückhaft tauchen Erinnerungen aus seiner Freizeit auf: Als Schütze mit damals allerorts verfügbaren Gewehren sei er miserabel gewesen. „Ich traf aus drei Metern keine Zwei-Meter-Scheibe.“ Es sei ein karges Leben gewesen, ein hartes. Eines, das ihn nachhaltig geprägt habe, aber das weniger tiefe Spuren hinterließ als die darauffolgenden Schuljahre.

Die Schulzeit

Besonders die Internatszeit als Gymnasiast in Lienz grub sich tief in das Gedächtnis des Heranwachsenden ein. Dass er dort landete, war einem besonderen Umstand geschuldet, keinem Plan: „Ich wusste ja gar nicht, was ich da überhaupt tat.“ Seine Erklärung: „Ein Freund von mir, ein Halbwaise, musste dorthin. Da ging ich mit ihm, ich war solidarisch.“ Die Eltern hätten den heranwachsenden Peter Schröcksnadel jedenfalls nicht nach Osttirol geschickt.

Wie viel der Sohn einer Schneider-Familie von den 1950er-Jahren im Gedächtnis behielt, lässt sich allein an den Ausführungen des Jubiläumsmagazins seiner Firma Sitour ermessen, die diese anlässlich des 50-jährigen Bestehens veröffentlichte. Darin berichtete der spätere Großunternehmer im Zusammenhang mit der Klosterschule von einem „Nazi-ähnlich diktatorischen Stil“. „Es war hart, um nicht zu sagen: brutal.“ Schon damals zeigte sich, dass sich Schröcksnadel mit Hierarchien und Autoritätspersonen schwertat. Das Magazin schloss daraus: „Sein Wunsch nach einer selbstständigen beruflichen Tätigkeit mag wohl bereits damals geweckt worden sein.“

Das Leben in Osttirol war kein Honiglecken, wie Schröcksnadel ausführte: „Wir waren Zöglinge, keine Schüler. Aufstehen um 6 Uhr in der Früh, 6:30 Uhr Studium, 7:30 Uhr Frühstück, 8 Uhr Schule, 14 Uhr Studium, eine halbe Stunde Pause, Studium bis 18:30 Uhr, Bettruhe.“ Wer das nächtliche Schweigegebot brach, erregte den Zorn der Präfekten. Verpfiffen wurde beim Zuwiderhandeln nicht, eine Strafe folgte auf den Fuß: „Wir mussten dann unsere Betten zerlegen und in den Hof runtertragen, auch bei 20 Grad minus. Dann mussten wir uns in den Gang rausstellen – ohne Decke.“

In der Gesprächsserie „Zeitzeugen im Gespräch“ (aufgezeichnet im Haymon-Verlag) zitierte ihn der Chefredakteur der „Tiroler Tageszeitung“, Mario Zenhäusern, im Jahr 2004: „Ich habe seit damals Subordinationsprobleme, also Probleme, mich so mir nichts dir nichts unterzuordnen, ohne von einer Sache überzeugt zu sein.“ Ein Wesenszug, der ihn über all die Jahre als Unternehmer und Präsident des Österreichischen Skiverbands begleitete. Mauern des Widerstands waren stets da, um sie einzureißen, bisweilen auch polternd. So bei der Runderneuerung des in die Jahre gekommenen Austria Ski Pools, der heimischen Firmen ein Exklusivrecht im rot-weiß-roten Rennlauf gesichert hatte. Oder bei der Fremdvermarktung österreichischer Weltcup-Rennen. Beide Bastionen brachte er zum Einsturz.

Zurück in die 1950er-Jahre, zurück nach Lienz

Am Samstag wurde dort gebeichtet, am Sonntag ein Ausflug gemacht. „In Zweierreihe. Und gehaut haben sie uns, die Erzieher, wenn ihnen etwas nicht passte.“ Schröcksnadel zog Parallelen zur Gegenwart, in der die Aufarbeitung solcher Usancen die Einrichtungen einholt: „Es war furchtbar. Ich könnte heute noch zur Klasnic-Kommission gehen und mich beschweren.“ Strafen seien in Ordnung – wenn man wüsste, wofür. „Aber nicht, um jemand zu sekkieren.“

Irgendwann hat es gereicht

Und wieder tun sich Parallelen auf mit einer Zeit, die längst im neuen Jahrtausend angesiedelt ist: Mutmaßliche Ungerechtigkeit – unter diese ordnete er auch die olympische Doping-Razzia von Turin (2006), den Gerichtsprozess in Italien, die Nachwehen ein. „Der eigentliche Skandal ist der, dass es kein Doping-Skandal war, aber vom Staatsanwalt, vom IOC und den Medien zu einem gemacht wurde.“ Nach Schröcksnadels Verständnis konnte die Überführung und Sperre einiger Sportler und Trainer seinem Verband nicht pauschal angelastet werden. Doch davon mehr im Kapitel Doping.

Irgendwann wurde es Schröcksnadel in seiner Internatszeit zu viel. Mit einem Freund büxte er aus und fuhr im Triebwagen eines Korridorzugs nach Innsbruck. „Die Polizei holte uns um 4:15 Uhr raus. Wir verbrachten als Elfjährige zwei Tage im Polizeigefängnis, dann holten sie uns ab.“ Als Bestrafung eignete sich aus Sicht der Erzieher auch das Startverbot für Nachwuchs-Skirennen. Schröcksnadel galt damals sportlich als große Hoffnung. In der 5. Klasse folgte schließlich der Abschied. „Ich sagte, da bleibe ich nicht, von Ostern weg gab ich aus Protest Schularbeiten leer ab.“

Das nächste Internat folgte. Wieder selbstbestimmt ging es nach Reutte – bis November. „‚Da bleibe ich auch nicht‘, sagte ich mir, obwohl es dort im Vergleich harmlos war.“ Der Teenager machte sich auf die Suche nach einem Bauernhof, wo er wohnen konnte. In der kleinen Gemeinde Höfen nahe seiner Schule wurde er fündig. „Ich habe meine Eltern angerufen und ihnen gesagt: ‚Ihr könnt’s mich abholen, wenn ihr das nicht wollt – oder ich bleibe weiter in der Familie.‘“ Schröcksnadel blieb, half in der Folge auf dem Hof mit, verdiente sich ein Taschengeld und auch seine Noten verbesserten sich. Aber es war nicht seine letzte Station als Schüler. In Innsbruck absolvierte er schließlich seine Matura an der Handelsakademie – doch die nächste Herausforderung stand schon bald an.

Der Konkurs des Familienbetriebs

Früher als ihm lieb war, musste er für sich selbst aufkommen, denn der für ihn unerwartete Konkurs des elterlichen Schneiderei-Unternehmens lastete Anfang der 1960er-Jahre schwer auf ihm. „Du lebst in einer Familie, in der es allen gut geht, wo der Vater gut Geld verdient. Uns ging es nie schlecht, doch auf einmal steht der Exekutor da.“ Ein Streik in New York habe zu einem Warenengpass geführt. Für seine spätere Unternehmertätigkeit war das eine weitere Lektion: „Mein ganzes Leben hatte ich mir niemals vorgenommen, viel Geld zu verdienen. Mein einziges Ziel war, nicht pleite zu gehen, und automatisch geht es dann in die andere Richtung. Weil ich diese Erfahrung hatte, das war was Prägendes. Der Konkurs war vielleicht die wichtigste Erfahrung in meinem Leben.“

Abhängigkeit – das sollte bei ihm Zeit seines Lebens nie der Fall sein. Es sei eine lehrreiche Erfahrung gewesen, eine mit Folgen für sich und seinen weiteren Lebensweg. „Ich war 20, studierte Rechtswissenschaften – es war schlimm. Ich hatte keinen Job, meine Frau erwartete ein Kind.“ Was tun? Der Jung-Vater versuchte sich als Vertreter für eine Unterwäsche-Firma, doch glücklich wurde er damit nicht.

Die akademische Laufbahn endete jäh, eine neue Lernphase begann. Sein Fazit: „Es ist ein Vorteil, wenn du mit dem Rücken zur Wand stehst. Dann geht es nur mehr in eine Richtung.“ So habe er sein Berufsleben begonnen – mit nichts, ohne Kontakte, ohne abgeschlossene Ausbildung. Schließlich entschloss er sich zur Selbstständigkeit: „Ich wusste aber nicht, womit.“

Toni Innauer

Es war die Gunst der besonderen Jahre

Es waren Juan Antonio Samranch und Michael Payne, die, in den Achtzigerjahren beginnend, die spektakuläre „Olympische Wende“ vollzogen: Das IOC, mit seinen verstaubten Ringen und Ladenhüter-Spielen, verwandelte sich in die bekannteste Marke der Welt. Wie eine Blaupause dazu hat Peter Schröcksnadel – eine Liga tiefer – den ÖSV von einem sportlich anerkannten, aber peinlich unterfinanzierten Laden zu einem international bestaunten Vorzeige-Sportkonzern geformt.

In beiden Fällen waren es wirtschaftlicher Instinkt, politisches Geschick und Durchsetzungskraft der Präsidenten, die in mutigen Schachzügen vieles neu gestalteten und ihre Verbände ins gelobte kommerzielle Paradies führten. Trotzdem wäre eine Heiligsprechung übertrieben. Es waren auch „die Gunst der besonderen Jahre“, die dramatisch und global veränderten politischen Rahmenbedingungen, gekoppelt mit technologischen Innovationen und Entwicklungen, die völlig neue Zugänge ermöglichten. Viele wirtschaftlich versierte und Unerschrockene konnten damals zuvor nie dagewesene Chancen identifizieren und verwerten: Der Eiserne Vorhang war gefallen, realer Kommunismus und Sozialismus lagen am Boden.

Ein endgültig enthemmter Kapitalismus entdeckte den Profisport, das scheinheilige olympische Amateurstatut wurde widerstandslos entsorgt und die Sportwelt radikal umgebaut. In den Markt drängende Unternehmen, private Fernsehanstalten, Wettbüros und das Heraufdämmern des digitalen Zeitalters fanden im Spitzensport kongeniale Partnerschaften. Die Preise für TV-Rechte und Werbepartnerschaften schraubten sich in ungeahnte Höhen.

Unser zukünftiger ÖSV-Ex-Präsident hat die Möglichkeiten rechtzeitig erkannt und mitgestaltet, verzopfte Strukturen im Verband bereinigt, essenzielle Rechte für den ÖSV juristisch durchgekämpft und ökonomisches Wachstum nachhaltig mit sportlichem Erfolg abgesichert.

Mit stolzem Blick auf sein bemerkenswertes Lebenswerk hat er den Verband neuen Lenkern übergeben und sie großmütig in die Post-Schröcksnadel-Ära entlassen!

Aber die Hintergrundgeräusche rund um seine Nachfolge klangen weniger harmonisch: Michael Huber zog sich zurück, Michael Walchhofer fiel plötzlich in Ungnade, Renate Götschl kandidierte überraschend. Es sollte zwar der Mantel, aber nicht das Zepter abgelegt werden!

Damit engte Schröcksnadel Entwicklungsmöglichkeiten und Reputation seines Nachfolgers empfindlich ein.

Lawinensuche, Selbstfindung

Schröcksnadel wurde auf die Förster-Sonde aufmerksam, eine Erfindung des gleichnamigen deutschen Physikers Friedrich Förster, die bei Lawinenabgängen eingesetzt werden konnte. „Und da hat einer gesagt: Lawinensuchen wäre gescheit.“ Einen Magneten, Vorläufer des heutigen Suchsystems, perfektionierte er. Doch der Tiroler Pionier musste Geduld aufbringen, denn Geld konnte Schröcksnadel damit zunächst keines verdienen. Zu groß waren die Vorbehalte der Bergretter – es gab schließlich auch die bewährten Lawinenhunde.

Auch das damalige Bestreben, alle Skifahrer mit Magnet-Respondern für den Fall eines Lawinenunglücks zu versehen, stieß auf Widerstand. Für den jungen Peter Schröcksnadel war das eine weitere Lernphase, wie er später befand: „Wenn es drauf ankommt, bist allein, musst dich auf dich selbst verlassen. Du musst schauen, wie du mit der Situation fertig wirst.“

Da kam es ihm nicht ungelegen, dass die deutsche Illustrierte „Quick“ Gerüchten um verschollene Schätze nachging. Schröcksnadel wurde mit der Suche im Salzburger Hintersee betraut. Dem Auftrag zufolge ging es um drei Lkw-Ladungen Nazi-Gold des Reichsaußenministers Joachim von Ribbentrop. Der „Nibelungen-Hort“ des Kriegsverbrechers wurde zwar nie ausgehoben, aber Schröcksnadel verdiente mit 35 Deutsch-Mark Stundenlohn im Zuge dieses Projekts eine erkleckliche Summe. „Egal ob ich arbeitete, schlief oder aß – ich verdiente einen Haufen Geld damit, das half mir beim Überleben“, wurde er zitiert. Bereits beim ersten Tauchgang hätte man das unerfahrene Team aus dem Schlamm des Sees ziehen müssen. Doch bis auf ein paar Pfundnoten fand der Innsbrucker nichts, obwohl bis heute manche behaupten würden, sein Reichtum entstamme möglicherweise einem Salzkammergutsee. Zwei Monate nach diesem erfolglosen Abenteuer wollte es Schröcksnadel noch einmal versuchen, allerdings fand er an derselben Stelle eine leere Fläche vor: Man hatte in einem Stausee gesucht. „Da hat die Redaktion offensichtlich schlecht recherchiert.“ Auch am Königssee war Schröcksnadel im Einsatz, dort barg er den ersten Toten. „Ist die Leiche tot?“, hätten ihn die Beamten am Telefon gefragt.

Tote beförderte Schröcksnadel noch einige ans Tageslicht. Bei mehreren Lawinenunglücken rief man ihn in der Folge zu Hilfe, unter anderem in Sulden nahe dem Ortler, wo am 6. April 1975 eine enorme Lawine abgegangen war. Mehrere Autos in bis zu vier Meter Tiefe konnten dank Schröcksnadels Erfahrung geborgen werden, für acht Menschen kam jede Hilfe zu spät.

Am selben Tag war auch am Brennerpass eine Lawine abgegangen – mit ebenso dramatischen Folgen: 14 Tote galt es zu beklagen. Das wirkte nach, denn seit damals lockt den passionierten Skifahrer das freie Gelände nicht mehr: Das Terrain abseits der Piste sei „zu gefährlich“, befand der Experte für Ski-Sicherheit. Doch ausgerechnet die wenig einträgliche Lawinensuche brachte Schröcksnadel zum Österreichischen Skiverband: Am Dachstein-Gletscher ging ein ÖSV-Lift im Zuge anhaltenden Schneefalls verloren, eine Anlage mit Porsche-Aggregat, rund zwei Millionen Schilling teuer. ÖSV-Generalsekretär Klaus Leistner besann sich seines Bekannten Peter Schröcksnadel. Der war sich immer noch einer Sache sicher: „Beim Suchen bin ich der Beste gewesen.“ Er behielt Recht – und knüpfte gleichzeitig die ersten zarten Bande zum Verband.

Die Anfänge als Unternehmer

Der Startschuss der Laufbahn als Selbstständiger erfolgte 1965 – und es war nicht zuletzt die Lawinensuche, durch die Schröcksnadel in die Tourismusschiene gelenkt wurde. Durch Kontakte und auf Empfehlung nahm er an einem Symposium für Lawinensicherheit im Schweizer Dorf Mürren teil. Er sollte dort seine Förster-Sonde vorführen – und traf dabei auf Universitätsprofessor Leo Chavanne. Der hatte sich bereits dem Konzept der Pistenleitsysteme verschrieben und inspirierte damit auch Schröcksnadel. Doch wie sollte der Innsbrucker die Lizenz und den Start ins Unternehmertum finanzieren? Ein Darlehen über 10.000 Schweizer Franken legte die Schiene, Chavanne vertraute darauf, dass der damals 24-jährige Tiroler das Geld zurückzahlen würde. Der Rest ist Teil einer Erfolgsgeschichte, die sich von Mitteleuropa aus (Deutschland-Ableger Sitour 1974) bis in die USA (1984) und Kanada (1985) erstreckte und die mit der Firma feratel (seit 1978; touristischer Anbieter, u. a. Panorama-Fernsehen, Reservierungsplattform) eine Fortsetzung fand.

Juni 2021: „Ich verfolge die sogenannte Polsterzipfel-Methode. Man kann nicht gleich den ganzen Polster haben, sondern muss ihn an einem Zipfel nehmen und langsam, nach und nach zu sich ziehen. Dann hast du am Schluss den ganzen Polster.“

Peter Schröcksnadel im Abschieds-Interview mit der Austria Presse Agentur.

Schröcksnadels Rollenspiel
Zwischen Retter und Vermarkter, zwischen Traditionalisten und Modernisierer

„Angestrebt habe ich das Präsidentenamt nicht. Aber es war eine Aufgabe, und mich interessieren Aufgaben, nicht das Geld. Wenn Geld die Motivation ist, wirst du nie was.“

Der 18. Mai 2021, kurz vor 20 Uhr. Nervös streiften Vertreter der österreichischen Landesskiverbände durch ein Hotel im Salzburger Vorort Anif. Viel galt es an diesem Abend zu besprechen, denn vier Wochen später stand die Wahl des neuen Skiverbandspräsidenten an. Die wollte vorbereitet sein, um eine Kampfabstimmung tunlichst zu vermeiden. Im Idealfall stünde bei der Länderkonferenz am 19. Juni 2021 in Villach nur ein Kandidat zur Wahl – die dann keine mehr wäre, sondern eine bloße Legitimation des von allen Interessensgruppen goutierten Chefs. Für die Ehrenamtlichen aus den Bundesländern, die das Prozedere durchführten, war das ein ungewohntes Szenario. Denn über drei Jahrzehnte hatte sich die Wahl des ÖSV-Obersten als Nebenschauplatz erwiesen, ein nüchtern abzuhandelnder Programmpunkt jeder dritten der jährlichen Länderkonferenzen, da die Amtszeit des Präsidenten drei Jahre umfasst. Ein bloßes Abnicken also.

Rückblende

Am 20. Juni 1987, drei Jahre vor seinem Antritt, galt Peter Schröcksnadel im Bregenzer Hotel „Mercure“ bereits als unumstrittener designierter Nachfolger von Arnold Koller nach dessen 15 Jahre andauernder Amtszeit. Und am 23. Juni 1990 wurde der Tiroler schließlich, wie erwartet, einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt – für, wie sich dann zeigte, damals unvorstellbare zehn Amtsperioden und ein Jahr Corona-Nachschlag: 2020 wurde die Wahl ausgesetzt, Sckröcksnadel wollte den Verband im schwersten Jahr „nicht im Stich lassen“.

Bis zum Jahr 2020 war die Nominierung Peter Schröcksnadels also eine Randnotiz. Kaum jemand maß diesem Standardprozedere viel Bedeutung bei. Allein das Thema auf den Tisch zu bringen, wäre einer Majestätsbeleidigung gleichgekommen, einem Frontalangriff auf den Langzeitpräsidenten. Und als das Thema schließlich doch unvermeidbar wurde, als Schröcksnadel vor dem 80. Geburtstag stand und eine Neuwahl unabdingbar schien, da war die Büchse der Pandora bereits geöffnet. Jetzt kochte über, was über Monate, über Jahre nicht vorbereitet worden war: Schröcksnadels Nachfolge. Schröcksnadel selbst meinte zu seinem möglichen Abgang in den Jahren zuvor meist gar nichts, wohl wissend, dass das auf ihn zugeschnittene Funktionärsprofil kaum jemand erfüllen könnte: „Wenn es einen Besseren gibt als mich, dann soll der Präsident sein.“ Er wolle keinen bezahlten, sondern einen ehrenamtlichen Nachfolger, wie er selbst einer ist. Nur der sei unabhängig. Und einer, der „300 Tage im Jahr“ verfügbar wäre, am besten also privat ungebunden.

Nachfolgetendenzen

Nervös warteten an diesem 18. Mai 2021 auch Journalisten vor dem Anifer Hoteleingang, um in der Sitzungspause wieder vor den Konferenzsaal zu treten und mögliche Tendenzen für die Schröcksnadel-Kandidatin Renate Götschl oder für deren Opponenten Michael Walchhofer zu erhaschen oder zumindest Stimmen enttäuschter Funktionäre. Noch nie in der Sportgeschichte Österreichs hatte eine Wahl dermaßen viel Aufsehen erregt. Und ein wenig hatte sich Schröcksnadel den Wirbel selbst zuzuschreiben, denn immer wieder gab der 79-Jährige in den Monaten vor seinem endgültigen und terminisierten Abgang im Juni Wasserstandsmeldungen in der Öffentlichkeit ab. Seine Neutralität zu Beginn („Die Entscheidung treffen die Landesverbände“) wich schon bald einer offenen Positionierung gegen Michael Walchhofer. Der Zauchenseer hatte im Vorfeld klargemacht, dass er im Skiverband allerhand umkrempeln und den Verband modernisieren wolle, was Schröcksnadel so nicht stehen lassen wollte: „Der hatte viele Jahre Zeit, sich einzubringen, so oft hat man ihn nicht gesehen.“

Die Front zum Salzburger Landesverband tat sich auf, der Heimat des Ex-Abfahrtsweltmeisters Walchhofer und zudem Gastgeber der Ski-WM 2025 in Saalbach. Als Schröcksnadels Abschied nahe war, opponierte auch Bartl Gensbichler, der Landespräsident, offen gegen das Langzeit-Oberhaupt aus Tirol: „Der Präsident, glaube ich, ist in dieser Sache nicht verhandlungsbereit. Er hat sich für Renate Götschl positioniert.“ Außerdem habe Gensbichler das Gefühl, dass Schröcksnadel im Hintergrund auch jetzt noch weiter die Fäden ziehen wolle. „Ich bin einfach überzeugt, dass die wirtschaftliche Kompetenz von Michael Walchhofer weit über der von Renate Götschl steht“, so Bartl Gensbichler. Schröcksnadel geriet ob des medial geäußerten Widerspruchs außer sich, die präsidiale Nonchalance und Überparteilichkeit wich einer Wut: „Das nenne ich undankbar!“ – eine Anspielung darauf, dass er den Salzburgern mit Saalbach eine WM beschert hatte, indem er bei der Vergabe des Weltverbands FIS seine über Jahre gepflegten Kontakte spielen ließ.

Dabei wäre Schröcksnadel jahrelang dazu angehalten gewesen, einen Erben zu suchen. Wollte er das nicht? Konnte er nicht? Oder war das Anforderungsprofil – politisch und finanziell unabhängig, sportaffin und ehemals unternehmerisch tätig – zu komplex? „Entweder ich darf einen Nachfolger aussuchen oder nicht. Jetzt wird mir vorgeworfen, ich habe keinen gesucht. Wenn ich einen suche, heißt es: ‚Das darf er nicht‘. Meine Meinung ist: Ich habe das gute Recht, jemand zu suchen.“ Tatsache war: Schröcksnadel hatte im Hintergrund immer wieder mögliche Nachfolger gesucht, aber vergebens. Der Vorarlberger Hotelier Patrick Ortlieb, Abfahrts-Olympiasieger 1992, war Schröcksnadels ursprünglicher Kandidat im Jahr 2019 gewesen. Aber dessen politische Vergangenheit allein (im Nationalrat für die FPÖ) disqualifizierte ihn für dieses Amt. Es folgte der Kärntner Klaus Pekarek, ehemals Generaldirektor einer Versicherung. Und Ex-Slalom-Ass und ORF-Experte Thomas Sykora. Und Kitzbühels Ski-Club-Präsident Michael Huber. Alles sagten ab.

Gekämpft wurde mit harten Bandagen

Im Mai 2021 entspann sich ein Richtungskampf, ein Glaubenskampf. Hier der Westen mit den Verbündeten Tirol und Vorarlberg. Dort die Aufmüpfigen – Salzburg, Oberösterreich, das Burgenland. Michael Walchhofer zog sich schließlich zurück. Und zuletzt scheiterte auch Schröcksnadels Not-Variante, die Ex-Weltmeisterin Renate Götschl. Die Steirerin tröstet sich nun mit der Rolle als Landespräsidentin ihres Heimatbundeslands. Niederösterreichs Präsident Wolfgang Labenbacher zauberte schließlich einen Vorschlag aus dem Hut, der wohl schon länger vorbereitet in der Schublade lag. Lange nach Mitternacht dieses 18. Mais ging der 69-Jährige im Zuge der Patt-Situation mit seinem Vorschlag in die Diskussionsrunde: Karl Schmidhofer, bis zu diesem Zeitpunkt steirischer Präsident. „Ich habe mich stundenlang auf diese Sitzung vorbereitet und mir schon im Vorfeld eine Lösung überlegt“, zitierten ihn die „Niederösterreichischen Nachrichten“. Der Kompromiss-Kandidat sei als finaler Schachzug geplant gewesen – was Schröcksnadel ahnte und erzürnte. Aber sechs Landesverbände stimmten zu, Tirol und Vorarlberg schließlich auch.

Es war eine Wahl, die alle Parteien, also auch die opponierenden Salzburger und Oberösterreicher, Sympathien kostete. Schröcksnadel gestand vor seinem Abgang: „Wie das gelaufen ist, da bin ich enttäuscht.“ Seine Mitschuld am Wirbel verneinte er: „Die Landesverbände fingen an zu streiten, da lief es aus dem Ruder.“ An sich selbst wollte Schröcksnadel deswegen nicht zweifeln: „Wenn nach 30 Jahren ein Vakuum entsteht, ist eine Diskussion normal. Es lief gegen Tirol und Vorarlberg, so etwas kann nicht gut ausgehen, wenn der größte Verband praktisch ausgeschlossen wird.“ Ein wenig sah man sich bei diesen Worten an ein Klischee erinnert, das Schröcksnadel mit seiner Tiroler Herkunft immer wieder bediente: das des Aufmüpfigen, des Unbequemen, der seine Landesfahnen hochhält. Ins Bild passt, dass der Tiroler am 20. Februar 1999 anlässlich des Todestages des Tiroler Freiheitshelden Andreas Hofer mit dem „Ehrenzeichen des Landes Tirol“ ausgezeichnet wurde. Ein symbolträchtiger Akt.

Letztlich wurde es also doch ein Politiker, einer aus dem Nationalrat, auch wenn Karl Schmidhofer seine politische Funktion nach der ÖSV-Wahl umgehend aufgeben wollte. Vielleicht war dieses Anforderungsprofil der politischen Unabhängigkeit ja auch nur ein Vorwand, denn selbst wenn es nur wenige wissen: Mit seiner auferlegten Regel hatte Schröcksnadel selbst zweimal gebrochen, denn Anfang des Jahrtausends machte er sich für Präsidentschaftskandidatin Benita Ferrero-Waldner stark, die gegen Heinz Fischer antrat, dann auch für Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel. War das ein Fehler? Schröcksnadel weicht bei diesem Thema aus: „Ich war zumindest nie aktiv in der Politik. Und als Heinz Fischer gewonnen hat, habe ich auch ihm gratuliert, dann war die Sache erledigt.“

Politisch neutral

Schröcksnadel positionierte sich nicht gerne politisch, sein Unternehmertum ließ allerdings klare Schlüsse zu: „Ich bin ein progressiver Konservativer, genau aus der Mitte, bin aber nie für eine Partei eingetreten. Ein Türkiser ich aber nicht. Für mich war immer wichtig, dass der Verband nicht parteipolitisch geführt wird.“ Möglicherweise rührt die offen geäußerte politische Abneigung gegenüber Türkis daher, dass Karl Schmidhofer von Kanzler Sebastian Kurz als ÖSV-Präsident forciert wurde.

„Ich übergebe ein gemachtes Haus“, erklärte Peter Schröcksnadel bei der versöhnlichen Übergabe-Pressekonferenz wenige Wochen nach dem Entscheid vor laufenden Kameras. Doch den Haustürschlüssel, um beim Bild zu bleiben, wollte Schröcksnadel auch nach seinem Abgang nicht ganz abgeben. Zumindest wollte er wohl einen „Ersatzschlüssel“, um sein Kind, den Skiverband, weiter bemuttern zu können. „Ich habe ihn schwach übernommen, jetzt ist er stark.“ Und das sollte er auch bleiben. Wie zum Beweis kramte der Tiroler beim Abschied noch Zahlen hervor: dass er dem Skiverband im Corona-Jahr ein Plus von zwei Millionen Euro beschert habe, dass die Landesverbände einen Nachwuchs-Bus bekämen, dass man 500.000 Euro extra ausschütten wolle. Abschiedsgeschenke. Den Athleten bot er unverhohlen sein Netzwerk an, auch seinem Nachfolger Karl Schmidhofer und dessen Vorstandsteam stünde er mit Rat und Tat zur Seite, „wenn man mich fragt“. Denn Schröcksnadel verstand sich als Tausendsassa, wenn es um den Verband ging. Und tatsächlich – Rollen hatte er in den vergangenen Jahren viele eingenommen.

Marcel Hirscher

„Leute, ich helfe euch“

Training auf der Reiteralm: Grande Finale, 50 cm Neuschnee. Ein Training hätte normalerweise nicht stattgefunden, also half ich mit. Ich schaufelte eine Stunde – und auf einmal tauchte Peter Schröcksnadel auf. Da sah er mich schaufeln und sagte: „Das habe ich überhaupt noch nie gesehen, da helfe ich gleich mit.“ Erst hat uns der Schröcksi Peter mit seinen fast 80 Jahren eine Stunde geholfen, dann habe ich geil trainiert. Das ist sinnbildlich für den Mann, der sich einfach hinstellt – egal ob Präsident, ob alt oder jung – und sagt: „Leute, ich helfe euch.“ Und das finde ich megageil.

Der Stabilisator

Auf Bitte von Generalsekretär Klaus Leistner, seinem bis zum letzten Tag seiner Amtszeit treuen Gefolgsmann, trat Schröcksnadel Anfang der 1980er-Jahre in Aktion, wurde in der Folge Breitensportreferent, später Vizepräsident und 1990, unmittelbar vor der alpinen Heim-WM 1991 in Schladming, Präsident. „Angestrebt habe ich das nicht“, beharrt er. Aber es war eine Aufgabe, „und mich interessieren Aufgaben, nicht das Geld. Wenn Geld die Motivation ist, wirst du nie was. Es funktioniert nicht, wenn du etwas nicht gern tust. Ein Skifahrer gewinnt nicht wegen dem Geld.“ Das weiß er, der Senioren-Skiweltmeister aus Leidenschaft. Und mit 49 Jahren begann der Tiroler, den Skiverband umzukrempeln.

Als Peter Schröcksnadel bei der Länderkonferenz des Österreichischen Skiverbandes in Baden am 23. Juni 1990 schließlich sein Amt antrat, wurde das Budget für den Leistungssport im ÖSV vorerst mit 44 Millionen Schilling veranschlagt. Am 5. Oktober 1990 meinte die Austria Presse Agentur erstmals: „Er geht mit einem Budget in bisher nie gekannter Größenordnung in die Saison: 47,6 Millionen Schilling werden in die sechs Sparten investiert.“ Dass allein 29 Millionen in den Alpinbereich flossen, erklärte sich für den Tiroler nicht nur aus seiner Leidenschaft heraus: „Die Nordischen können nur mit Mitteln finanziert werden, die wir über die Alpinen bekommen“, machte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel auf einen Zustand aufmerksam.

Heute liegt das Budget zwischen 50 und 60 Millionen – in Euro. Auch der Österreichische Fußball-Bund, das zweite Zugpferd der weit über 60 österreichischen Fachverbände, bewegt sich in dieser Sphäre. Schröcksnadel: „Du musst einmal den Verband so weit bringen, dass er wirtschaftlich so gut dasteht.“ Deshalb brauche es im ÖSV auch keinen Wirtschaftsmanager: „Es ist ja alles da. Das ist wie in einer Firma, da rede ich dem Vorstand auch nicht drein als Aktionär.“ Das ist eine Ansage an Karl Schmidhofer, seinen Nachfolger. Dass der ab der Saison 2021/22 in ein „gemachtes Haus“ einziehe, dafür sorgte Schröcksnadel in den Monaten und Wochen vor seinem Abgang: Verträge mit Großsponsoren und zuletzt der Fernseh-Vertrag – wie immer mit dem ORF als Hauptpartner – wurden verlängert. Schröcksnadel: „Das ist mein Abschiedsgeschenk.“

Die jährliche Bekanntgabe der Budgetzahlen entfiel zu Beginn des Jahrtausends, „weil diese so gut waren. Jetzt sind wir bei 60 Millionen Euro in der Saison ohne Großereignis, hatten im Vorjahr trotz Corona einen Gewinn von 2 Millionen – und das ohne Zuschauer.“ Angesichts des nahenden Abgangs bekräftigte Schröcksnadel: „Die Situation ist jetzt anders als früher, denn da musste man alles aufbauen, Partner suchen. Das brauchst nimmer, du brauchst deshalb keinen Obermanager. Wenn ich heute tot umfalle, ist alles da.“

Eva-Maria Brem

Direkt, nüchtern, abgebrüht

Der Präsi, so nennen viele aktive und ehemalige Athleten Peter Schröcksnadel.

Für mich war diese Bezeichnung immer verbunden mit Dankbarkeit, Respekt und ebenso aus dem Bewusstsein heraus, dass der Präsident, 1941 geboren, einer für die Athleten meines Alters großelterlichen, beharrlichen und liebenswürdigen Generation entstammt.

Bei unserem letzten Gespräch, das wir führten, war der Präsi noch ÖSV-Präsident, und wahrscheinlich wird er das auch auf ewig bleiben. Gefühlt werden viele Generationen beim Präsidenten zuallererst an die Person Peter Schröcksnadel denken.

Dem Grundsatz folgend, dass private Gespräche auch privat bleiben sollen, kann ich hier lediglich umrisshaft ausführen, dass Peter und ich ein spannendes Telefongespräch führten. Ich habe ihn angerufen und ihm meine Sicht der Dinge dargeboten und meine daraus resultierende Entscheidung mitgeteilt. Die Antworten vom Präsi, obwohl ich ihm in diesem Gespräch keine Fragen stellte, hätte ich eigentlich vorausahnen können. Peter denkt anders als viele von uns, und er handelt anders. Er ist ein Mensch, der immer in Optionen und möglichen Alternativen, die niemand sonst zuvor wahrgenommen hat, denkt und danach agiert. Dabei erweckt er stets den Anschein, als sei diese Charaktereigenschaft einfach ein Talent von ihm. Ich würde es sogar als mehr als ein Talent betiteln und so weit gehen und behaupten, dass unter all seinen Eigenschaften und Eigenarten diese die charakteristischste der Person Peter Schröcksnadel darstellt. Zumindest habe ich ihn meistens genau so erlebt. Aber dazu später mehr. Ich befinde mich also in einer Situation, in der mein Gefühl längst für ein Karriereende entschieden hat, während der Präsi mir Alternativen aufzeigt, die für mich keineswegs realistisch sind. Wir diskutieren ein wenig und als ich glaube, meinen Standpunkt weitestgehend klargemacht zu haben, hat der Präsi eine weitere gut gemeinte Idee. Natürlich freut und ehrt es mich auch ein wenig, dass Peter meine Mitteilung nicht einfach kommentarlos hinnimmt, sondern sich in der Sekunde seine eigenen Gedanken dazu macht. Wohl um die Situation für mich persönlich nicht noch weiter in die Länge zu ziehen, bringe ich als finales Argument: „Von einer stolzen Tirolerin zu einem stolzen Tiroler, lass mich dir doch bitte Folgendes einfach sagen …“ Mein Herz klopft ein wenig, das Gesagte ist mir einfach so rausgerutscht. Der Präsi bringt danach keine weiteren Ideen mehr und wir reden noch ein wenig übers Fischen, bevor wir uns verabschieden.

Ich war nun also die zweite Athletin (nach einer Teamkollegin im Jahr 2015), die den Präsi einen stolzen Tiroler genannt hatte. Nach dem Gespräch frage ich mich, warum das passiert ist. Ich komme zur Schlussfolgerung, dass es wohl am Umstand liegen könnte, dass man in einer Diskussion mit Peter und seinem analytischen, nüchternen Denken mit Argumenten, die die eigenen Gefühle widerspiegeln, wohl nicht sehr weit kommt bzw. ein Stück weit aneinander vorbeiredet, missverstanden wird und missversteht.

Jahre zuvor hatte ich eine ähnliche Erfahrung gemacht. Ich war mit einer ungerechten und verfahrenen Vertragssituation konfrontiert und verzweifelt. Alle meine Mühen, eine Einigung zu erzielen, waren vergeblich, und so wagte ich es, den Präsi um Hilfe zu bitten. Er zeigte mir eine Möglichkeit auf, die mein Problem lösen würde. Für Peter war’s damit erledigt. Dass ich mich damit nicht wohlfühlte und die Lösung nicht die war, die ich wollte, besprachen wir nur kurz und knapp, weil dabei die Ideale und Wertvorstellungen einer jungen Frau auf die nüchterne und abgebrühte Lebenserfahrung eines erfahrenen Geschäftsmannes trafen. Wenn man den Präsi als Athlet:in um Hilfe bittet, kann man sich sicher sein, dass man diese Hilfe auch auf die eine oder andere Weise bekommt. Ob man mit dem Ergebnis nachher zufrieden ist oder nicht, ist ohne Belang. Hätte man das Problem selbst lösen können, hätte man dies ohnehin getan, und ansonsten begibt man sich bewusst in die Obhut und unter die Führung eines weitaus lebenserfahreneren Mannes. Wenn man also die Feuerwehr zu einem Brand bestellt, kann man ihr auch nicht auftragen, wie es sich gut und richtig für einen selbst anfühlen würde, dass dieser Brand gelöscht wird. So ähnlich, so denke ich, nimmt der Präsi diese Löschaktionen wahr, zu denen er, wahrscheinlich nicht nur von mir, gerufen wurde.

Wenn man das große Ganze des Prof. Peter Schröcksnadel mit all seinen Unternehmen, Ämtern etc. betrachtet, mutet es fast schon banal an, dass er Athleten seine Hilfe angeboten hat. Seine erfolgreichen Unternehmen und seine Lebensleistung hat er Athleten gegenüber nie raushängen lassen. Im Gegenteil, all das war nie ein Thema. Das einzige Thema war jenes der ÖSV-Präsidentschaft, und hierbei traf ein Manager Zeit seines Lebens auf Jugendliche und Athleten im jungen Erwachsenenalter, die nachfolgend Generation für Generation Kinder ihrer jeweiligen Zeit mit eigenen Wertvorstellungen waren. In dieser Konstellation der Zusammenarbeit kann man also, positiv formuliert, von Entwicklungs- und Lernmöglichkeit in riesigem Ausmaß für alle Beteiligten ausgehen. So musste der Präsi im Zuge meiner Generation erfahren, dass erfolgreiche Athletinnen dieselben Rechte einforderten wie sie ihre männlichen Kollegen hatten. Für ihn war das vermutlich überraschend, für die Athletinnen in ihrem Generationenverständnis ganz selbstverständlich.

Eine weitere Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte beschreibt auch, dass es im modernen Management nicht nur um nackte Zahlen, sondern begleitend dazu auch um eine Vielzahl sogenannter Softskills geht. Der Präsi war und ist Zeit seines Lebens ein Unternehmer, Macher und Netzwerker. Mit manchen Gefühlswelten junger Erwachsener und der zunehmenden Bedeutung von Kommunikation, so stellte es sich mir dar, kann er wenig anfangen. Als Peter beispielsweise in einem Interview 2017 lapidar meinte, wenn es bei arrivierten Athletinnen nicht mehr geht, es eben vorbei ist und man eben aufhören und einfach gehen müsse, war das Gesagte, obwohl er keine Namen nannte, vermutlich verletzend für so manche Athletin. Athleten besitzen jedoch häufig die Fähigkeit, solche oder so ähnliche Kritiken in Motivation umzuwandeln. Ob der angemessenere Weg, solchen Unmut kundzutun, anstelle in der Öffentlichkeit nicht das ein oder andere persönliche Gespräch gewesen wäre, bleibt von jedem und jeder selbst zu bewerten.

Einst (2016), als der Präsi aus eigener Initiative einen Schminkkurs für Athletinnen organisierte, war den meisten weiblichen Beteiligten bereits im Vorfeld klar, dass dieses Vorhaben, wenn die Öffentlichkeit davon erfährt, wohl eher eine schräge als eine gute Optik erzeugen würden. Ein Beispiel von gut gemeint und schlecht getroffen. Natürlich gelangte der Schminkkurs an die Öffentlichkeit, ebenso wie der angebliche Grund dafür. Als mutmaßliches Vorbild für die Initiative diente Lindsey Vonn. Peters Entscheidungen waren für Athletinnen oft schwer nachvollziehbar, weil sie, so wie in diesem Fall, divergente Signale sendeten. Einerseits sollten wir Athletinnen also amerikanisch aussehen und auftreten, andererseits durften wir uns aber keineswegs in irgendeiner Form divenhaft oder allzu fordernd verhalten.

So, wie es eigentlich nicht zu den Aufgaben eines Präsidenten gehört, jederzeit für Probleme von Athleten ansprechbar zu sein, so gehören auch vorher erwähnte Beispiele nicht zum Kernaufgabenfeld eines Präsidenten. Sie zeigen jedoch, dass der Präsi sein Engagement für den Skiverband als mehr als einen Job, mehr als ein Ehrenamt und durchaus persönlich wahrgenommen und ausgefüllt hat.

Die Hauptziele, einen Verband wirtschaftlich, sportlich und in der allgemeinen Wahrnehmung vorbildhaft aufzustellen, dürften den Mittelpunkt seines 31-jährigen Wirkens und Bemühens für den ÖSV dargestellt haben. Als unbestritten gilt dabei, dass der Geschäftsmann Schröcksnadel den Verband finanziell und wirtschaftlich erfolgreich aufgebaut, geführt und an seinen Nachfolger übergeben hat. Just in den letzten beiden Jahren seiner Amtszeit wurde der Nationencup bei den Alpinen von den Schweizer Konkurrenten gewonnen, während in den Jahren von 1990 bis 2019 immer die Österreicher siegreich waren. Der Präsi hat nie einen Hehl daraus gemacht, weder öffentlich noch in internen Mannschaftssitzungen, dass der Nationencup für ihn von besonderer Bedeutung ist. Wird der Nationencup in 31 Jahren also neunundzwanzigmal gewonnen, ist daraus zu schließen, dass im sportlichen Bereich grundsätzlich sehr vieles richtig und gut gemacht wurde. Ebenso gilt es jedoch anzumerken, dass sich die Auswirkungen von sportlichen Systemen oft nicht sofort in Ergebnissen zeigen. Es ist davon auszugehen, dass es einige Jahre dauert, bis ihre Wirkung in Resultaten sichtbar wird.

Was den Menschen Peter Schröcksnadel, weit weg und über den Österreichischen Skiverband hinaus, ausmacht, können wohl nur private oder enge Vertraute und Wegbegleiter wiedergeben und beschreiben. Als eine erfolgreiche, spannende und willensstarke Persönlichkeit habe ich ihn als Präsi erleben dürfen. Lehrreich hat er mir einige wichtige Lektionen fürs Leben mitgegeben. Seine Direktheit, Nüchternheit und Abgebrühtheit, mit gefühlt aussichtslosen Problemen von Spitzensportlern umzugehen, haben mir gezeigt, dass man Erfahrung und Weitblick zwar Zeit geben muss, diese Lehrjahre aber auch verkürzen kann. Man kann aus dem Erlebten einer älteren Generation, den Erkenntnissen eines langjährigen Geschäftsmannes und aus den Erfahrungen eines Mannes, der sich mit Leib und Seele dem Sport und einem Verband verschrieben hat, unendlich viel lernen.

Der Vermarkter

Peter Schröcksnadel sorgte für eine Struktur und klare Regeln. Sponsorings liefen nur noch über ihn. Und wenn doch ein Manager involviert war, dann nur mit hohen Abschlagszahlungen für den Verband, der sich und seinen Nachwuchs damit finanziert. Bei Hermann Maier war das so, bei Marcel Hirscher genauso. Wer mit dem Skisport Geld verdienen wollte, konnte das – wenn er selbst zahlte. Maßnahmen gab es viele, die wichtigste: „Die Emanzipation von der Politik und der Wirtschaft.“

Bereits am 8. August 1991, im ersten ausschließlich von Schröcksnadel geprägten Amtsjahr, hieß es in den heimischen Tageszeitungen: „Die Professionalisierung im Skisport schreitet munter voran.“ Der Grund dafür war ein neuer Sponsor für Österreichs Ski-Damen, wodurch das Budget verdoppelt wurde. Das Rennsportbudget wurde schon im ersten Jahr (1991/92) um knapp 20 Prozent auf 54 Millionen Schilling gesteigert, und wie man zufrieden feststellte, zahlten das meiste „artfremde Geldgeber“, also nicht die öffentliche Hand oder der Ski Pool, die Vereinigung der heimischen Ski-Fabrikanten. Denen sagte Schröcksnadel gleich zu Beginn seiner Amtszeit den Kampf an (siehe dazu unten).

Doch was half dem ÖSV aus der Krise Anfang der 1990er-Jahre, jenem Verband, den Schröcksnadel noch als „krankes Kind“ bezeichnet hatte, das er übernommen habe, um es zu einem kräftigen Erwachsenen großzuziehen? „Dass wir die Marketingrechte bekamen. Früher übernahm irgendein Klub die Rennen, der ÖSV wusste von nichts. Agenturen haben einen Vertrag gemacht und dann hieß es: So viel zahlen wir. Den Rest zahlte der Staat, das Land, die Gemeinde. Es war immer ein Defizit.“

„Am Anfang war das Bier“, muss es heißen, denn die steirische Gösser-Brauerei gab sozusagen den Startschuss. Mit dem Slogan „Frauen trinken auch Bier“ wollte das Unternehmen werben, und das auch bei heimischen Weltcup-Rennen. Schröcksnadel: „Da fragte ich meinen Generalsekretär Klaus Leistner: ‚Wer hat denn die Rechte?‘ Klaus sagte: ‚Wir.‘“ Aber das sahen nicht alle so, etwa die Agentur AFP und Bad Kleinkirchheim, die auf bestehende Verträge verwiesen. „Wir wollten ihnen als ÖSV das Rennen wegnehmen – das musst du dich alles trauen.“ Schließlich unterschrieben die Kärntner doch den Verbandsvertrag, hatten aber angesichts des AFP-Kontrakts zwei Verträge zu erfüllen. Letztlich eskalierte die Auseinandersetzung und die Agentur klagte den ÖSV auf 18 Millionen Schilling. Und die Ski-Funktionäre standen vor der Frage: „Sollen wir als Verband, der kein Geld hat, riskieren?“ Eine heikle Frage, aber Schröcksnadel ließ sich darauf ein. „All-in“, würde es im Casino heißen. „Ich wollte mir nicht vorstellen, das zu verlieren. Aber dann bekamen wir Recht und stellten alles neu auf.“

2003: „Ich begrüße alle Athleten und Snowboarder!“

Peter Schröcksnadel bei der Ansprache der Eröffnungsfeier der Snowboard-WM am Kreischberg.

Neue Bahnen

So entstand das Modell der Zukunft, das bis heute Bestand hat: Der ÖSV garantiert die Abwicklungskosten der Veranstaltungen, die mittlerweile bis zu 1 Million Euro ausmachen, etwa in Sölden, der jeweils veranstaltende Verein bekommt 10 oder 20 Prozent vom Budget. „Und dann bin ich gelaufen und habe Sponsoren gefunden. Plötzlich war ein Plus da, kein Minus. Aber hätten wir den Prozess nicht gewonnen, hätten wir alt ausgeschaut“, erinnert sich Schröcksnadel. Würde er sich angesichts dieser Geschichte als Zocker bezeichnen? „Nein! Ich wusste nur, was ich kann. Da laufe ich so lange, bis ich das Geld bekomme. Die Türen sind damals nicht offen gewesen. Aber heute kommt ja auch nicht jeder und sagt: ‚Wir wollen mit dem ÖSV Geschäfte machen.‘ Du musst Klinken putzen. Die Marke Peter Schröcksnadel hat es damals noch nicht gegeben. Ich habe eine Idee und der laufe ich nach, das habe ich mein ganzes Leben gemacht. Werbung zu verkaufen, ist nicht schwierig, wenn man weiß, wie. Ich ging immer ein persönliches Risiko ein, denn es haften immer die Funktionäre.“

Der Unbeirrbare

Die Ende der 1980er-Jahre aus dem Boden schießenden Privatsender reizten Schröcksnadel nicht, da konnten diese noch so sehr mit Geld winken. „Ich brauche Reichweite!“ Am 11. Februar 2000 hieß es in Österreichs Tageszeitungen: „Verhandlungen ÖSV–ORF schreiten in gutem Klima voran.“ Wie damals werden auch heute auslaufende Verträge zwischen dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) und dem Küniglberg für einen längeren Zeitraum verlängert, zehn Jahre haben Vereinbarungen dieser Art Bestand. Ein Clou war die Trennung der Inlands- und Auslandsrechte. Dem geschäftstüchtigen Präsidenten war daran gelegen, dass sein Verband auch die ausländischen Rechte in Eigenregie vermarkten und damit weit mehr Geld als bisher lukrieren könne. Der ORF hatte im Gegenzug die Produktionskosten zu tragen, zur Jahrtausendwende rund 100 Millionen Schilling.

Der Agentur-Chef

Seine Top-Stars wie Hermann Maier vermarktete Peter Schröcksnadel selbst. Mit seinen Kontakten wurden Sponsoren an Land gezogen, der Skiverband erhielt stets eine angemessene Beteiligung. Das Motto: Ist der ÖSV der Fädenzieher, sind 10 Prozent der Sponsoreneinnahmen abzuliefern. Sind verbandsfremde Manager am Zug, können es bis zu 20 Prozent sein. Geld, mit dem der Nachwuchs oder einnahmenschwache Sparten querfinanziert wurden. „Das Geld mache ich nur über die Alpinen und mittlerweile über die Skispringer, der Rest läuft mit.“ Dafür müsse keiner seiner 400 Kader-Athleten Reise- oder Hotelkosten tragen – im Erfolgsfall wird dieser Aufwand eben rückerstattet. Das Modell sollte nicht untergraben werden, wie Schröcksnadel meinte: „Es braucht keine Manager“, wehrte sich Schröcksnadel zum Missfallen von Assen wie Anna Fenninger (verh. Veith) oder Andreas Goldberger gegen Mitverdiener von außen.

Und auch die Eigeninitiative der Sportler, die Selbstvermarktung der Werbung am Ski, unterband der ÖSV-Präsident. Skispringer hatten das angesichts der großen Flächen in Betracht gezogen, für den Tiroler gab es „keine Diskussion“. „Der Skiverband hat die Werbefläche auf den Sprungski aller Kaderathleten bereits an einen Sponsor verkauft. Aber selbst das reicht nicht aus, um das Budget abzudecken.“

Der Mateschitz-Gegenentwurf

Mit Red-Bull-Eigner Dietrich Mateschitz, den durch den Extremsport gewachsenen Werbeprofi, verband Schröcksnadel nicht immer viel. Das Snowboard-Engagement des Salzburgers, das Festhalten an vermeintlichen Verbandsquertreibern, störte Schröcksnadel. Mateschitz hielt Skispringer Andreas Goldberger ebenso die Treue, als der seinen Kokain-Skandal hatte, wie Snowboarder Martin Freinademetz, als dieser bei den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano wegen der „Bierüberschwemmung“ eines Computers von den Olympischen Winterspielen ausgeschlossen wurde.

Geld für und nicht durch den Sport

„Visionen sind was anderes als Geld ausgeben“, hält Schröcksnadel in Anspielung auf Mateschitz fest. Der habe im Fußball, etwa bei Red Bull Salzburg, auch nur Geld ausgegeben, „erst dann kamen die Philosophie und der Erfolg dazu“. Schröcksnadel: „Meine Vision mit dem Skiverband war es auch nicht, von Anfang an sportlichen Erfolg zu haben, das war ein Ziel. Die Vision war, einen Topverband herzustellen, der alle Möglichkeiten bieten kann. Der Athlet soll die besten Voraussetzungen haben.“ Geld für den Sport, nicht durch den Sport, lautete sein Motto. „Wenn man das Geld reinbekommt, soll man es investieren, keine Sparkasse daraus machen. Du musst eine Reserve schaffen, aber dann wieder investieren.“ Was Mateschitz betreibe, nennt der Tiroler „Cherrypicking“, also Kirschen herausholen. „Das ist ja nicht das, was ich mache. Ich will eine breite Basis, in der jeder eine Chance hat.“

Was ihn mit dem Red-Bull-Chef verbinde, sei das Unternehmertum: „Da denken wir ident, auch die politischen Ansichten sind gleich. Und wir sind beide erfolgsorientiert.“ Einzige Einschränkung: „Jeder hat eine andere Zielsetzung.“

Der Netzwerker

Seine Finger hat Peter Schröcksnadel offenbar überall im Spiel, bis nach Osteuropa reicht sein Einflussbereich. Ein Fallbeispiel: Mit 9:8 Stimmen sicherte sich Seefeld am 5. Juni 2014 beim Kongress des Weltverbands FIS in Barcelona den Zuschlag für die Nordische Ski-Weltmeisterschaft 2019. Für den Rivalen Oberstdorf (GER) war es ein „Schlag in die Magengrube“. Doch wirklich erwartet hatte die Jubelszenen wohl nur einer. Denn wer in die Gesichter der Seefelder Bewerbungsdelegation geblickt hatte, hatte nicht an einen Zuschlag geglaubt. Zu selbstsicher war Favorit Oberstdorf zuvor aufgetreten. Nach drei erfolglosen Bewerbungen hatte sich im Allgäu ein gewisses Maß an Überlegenheit breitgemacht. Bürgermeister Laurent Mies äußerte sich im Anschluss entsprechend enttäuscht: „Das ist eine Entscheidung, die für uns nicht nachvollziehbar ist.“ „Wir haben auf den Zuschlag gehofft, aber rechnen durften wir nicht damit“, gestand indes der damalige Bürgermeister von Seefeld, Werner Frießer, zu Freudentränen gerührt. Und tatsächlich: Seit das FIS-Council, das Wahlgremium des Internationalen Skiverbands, die Entscheidung trifft, war ein Sieg im ersten Antreten bis auf Schladming (Alpine Ski-WM 2013) noch keinem Bewerber geglückt. Seefeld genoss das Vertrauen der 17 Jury-Mitglieder, wenn der Sieg auch erst im zweiten Wahlgang folgte: Zunächst hatte Oberstdorf die Nase mit 8:6 Stimmen vorne, was nicht ausreichte, ehe die Stimmen der Verlierer Almaty (KAZ) und Planica (SLO) im Finale an die Tiroler gingen. 9:8, der Traum wurde Wirklichkeit. Ein Faktor war wohl auch Schröcksnadels Vernetzung. Der 72-Jährige, obwohl durch eine Verkühlung geschwächt, hatte in den Tagen und selbst noch in der Nacht vor der Abstimmung unermüdlich die Werbetrommel gerührt und damit die Weichen gestellt. Darüber sprechen wollte der Tiroler im Anschluss allerdings nicht: „Schön, dass uns das gelungen ist!“ Vor allem die Zusammenarbeit mit den osteuropäischen Ländern, ein Pakt mit Planica, das für eine kommende WM auf die österreichische Stimme zählen konnte, hatte das Ergebnis herbeigeführt. Und wohl auch die russische Ablehnung dem deutschen Lager gegenüber, was zusätzlich geopolitische Gründe hatte. Schröcksnadel? Den berührten solche Themen nicht – der war wie immer unpolitisch.

Der Streitbare

Heute ist das kaum vorstellbar, aber vor der Ära Schröcksnadel gehörte diese Konstellation zum Alltag: Bis Anfang der 1990er-Jahre war der Austria Ski Pool, die Vereinigung der heimischen Ski-Fabrikanten, die entscheidende Rennsportorganisation. Schröcksnadel weiß rückblickend: „Der Pool hat entschieden, der ÖSV hat nur die Leute geliefert und damit einen Teil seines Budgets aufgestellt – viel zu wenig noch dazu.“ Die Aktiven hatten zwei Chefs zu dienen: einerseits ihren Trainern, andererseits den Fabrikanten und gleichzeitig Geldgebern. Doch nun sollte der Service-Bereich, bisher allein Sache der Firmen, in den ÖSV eingegliedert werden, um Entwicklungsarbeit zu betreiben. Man war limitiert, war Schröcksnadel überzeugt: „Wir durften früher kein ausländisches Material fahren, das war eine geschlossene Gesellschaft. Die Slowenen haben schon gelacht, wenn wir mit einem Dachstein-Schuh auf einen eisigen Hang von Kranjska Gora gekommen sind. Das wird nie was, das wusste auch ich schon vor dem Rennen.“ Selbst Einfluss auf die Aufstellungen der Sportler bei Großereignissen wurde damals von Firmenseite gefordert und auch durchgesetzt.

Schritte in die Unabhängigkeit

Dem neuen Präsidenten war das ein Dorn im Auge. Den Ski Pool neu aufzustellen, war eine seiner ersten Aktionen. „Dadurch bekam der ÖSV die Verantwortung, er war finanziell nicht mehr abhängig. Das war sicher der erste, der wesentlichste Schritt.“ Am 18. Oktober 1991 hieß es in den Zeitungen: „Leise Revolution – Ski Pool ab Mai 92 auch für Ausländer offen.“ Ein Paukenschlag in der Szene: Auch nichtösterreichische Firmen durften um Sportler buhlen, bisher durften sie sich nur im Nachwuchsbereich engagieren. Ski-Sprecher Fritz Schrempf (Atomic) hatte Schröcksnadel zuvor kritisiert, weil dieser „funktionierende Strukturen mit dem Hammer zerschlagen wolle“. Er änderte seine Meinung: „Es ist doch unsinnig, Mauern aufzustellen, die irgendwann sowieso fallen. Jetzt müssen die Weichen gestellt werden!“

Die Pool-Öffnung barg für Schröcksnadel jedenfalls nur Vorteile: „Du bekommst zusätzliches Geld und durftest auch anderes Material fahren. Das führte auch zu Konkurrenz für einheimische Firmen, die nachziehen mussten. Wir gewannen ja damals trotz, nicht wegen österreichischem Material.“ Als die Pool-Sitzung damals begann, erstmals mit Schröcksnadel im Raum, hieß es gleich: „Ein Verräter sitzt unter uns.“ Schröcksnadel erwiderte: „Man meinte mich, das war mir schon klar. Dann erklärte ich ihnen das: ‚Ihr werdet am Markt verlieren. Unser Team hält euch noch ein wenig im Geschäft, aber wenn wir schlecht fahren, seid ihr draußen. Ihr müsst innovativ sein.‘ Und ein paar Jahr später gingen sie alle der Reihe nach pleite und entschuldigten sich bei mir.“ Dass das einen Ausfall öffentlicher Mittel bedeutete, kümmerte Schröcksnadel nicht. Ein neuer Sponsorvertrag brachte dem Herren-Team schon 1994 eine gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent höhere Summe, auch der Damen-Hauptsponsor hob seinen Beitrag an.

2017: „Er hat zwar eine raue Schale, aber ein sehr großes Herz. Der ist sozialer als alle glauben.“

ÖSV-Direktor Hans Pum über seinen Präsidenten.

Weniger glimpflich und mit Gesichtsverlust für die Beteiligten endete hingegen der Ausstieg Peter Schröcksnadels als Eigentümer der Patscherkofelbahnen. 29 Millionen Euro habe man seit dem Einstieg im Jahr 1996 in die Lift-, Beschneiungs- und Skianlagen am Patscherkofel, dem Hausberg der Innsbrucker, investiert, dazu in die Gastronomie. Das alles, befand er vor seinem Ausstieg, sei „in keiner Weise gewürdigt“ worden. Das Rumoren gipfelte am 7. Juni 2012: Peter Schröcksnadel verkündete via TT-Interview, „keinen Cent mehr in die alte Pendelbahn zu stecken“, das Defizit betrage seit der Übernahme 1996 rund sieben Millionen Euro. Man werde alles an die Stadt zurückzugeben, sollte ihm der Zeitwert seiner Investitionen bezahlt werden. Der Rückkauf der Bahn erfolgte mit allerhand gegenseitigen Beschuldigungen im Jahr 2014. 10,7 Millionen Euro zahlte die Stadt Innsbruck dem ehemaligen Betreiber. Manche sahen den Tiroler indes als Gewinner aussteigen, denn es hätte allein der Tourismusverband Innsbruck zwischen 1996 und 2013 knapp 11 Millionen Euro an Subventionszahlungen für die Patscherkofelbahnen geleistet.

Der Pionier

Bereits 1991 wehrte sich Schröcksnadel gegen den Quasi-Amateurstatus im Skisport: „Wir wollen ein nach oben offenes Mindestpreisgeld für die Rennläufer.“ Als 1996 sogar die Erhöhung des Preisgeldes festgelegt wurde, zeigte sich der ÖSV-Präsident zufrieden. Das Mindestpreisgeld wird zwar vorerst „nur“ 60.000 Franken (bisher 20.000) betragen, aber etappenweise über 80.000 (97/98) auf 100.000 Franken (1998/99) angehoben. Schröcksnadel: „Dafür bekommen die Damen gleich viel, damit können wir leben.“ Und im Februar 1997 ging es pünktlich zu den Weltmeisterschaften in Sestriere weiter: Eine Million Schilling sollte der Gold-Gewinner bekommen. „Die FIS hat genug Geld, um ein solches Preisgeld zu zahlen. Außerdem ist das eine Aufwertung unseres Sports. Was im Tennis und Golf üblich ist, sollte auch bei uns möglich sein.“ Doch damit wollte sich Schröcksnadel nicht begnügen. Auch die Gesamt- und Disziplinensieger im Weltcup sollten nicht nur eine Kristallkugel erhalten, sondern auch finanziell belohnt werden. „Eine solche Dotation könnte auch mehr Fahrer animieren, um den Gesamt-Weltcup mitzufahren.“

Der Fahnenträger

„Was du brauchst: Einen, der mit der Fahne vorausgeht wie im Mittelalter. Jemand, der den Sport vertritt, der das Image aufbaut, der Sportler und Trainer aufbaut.“ Als Kapitel in Peter Schröcksnadels Amtszeit ließe sich der sogenannte Skifahrer-Erlass anführen, eine Anfang der 1980er-Jahre eingeführte pauschale Steuer von 25 Prozent für Athleten, die mehrheitlich im Ausland ihre Einsätze haben, und der auf alle Sportarten ausgeweitet wurde. Gerade weniger erfolgreichen Skifahrern sollte damit der Einstieg ins Berufsleben erleichtert werden bzw. sollte ihnen eine kleine Entschädigung für ihre investierten Jahre gewährt werden. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel stellte sich diesbezüglich stets vor seine Mannschaft, „weil die Vorteile die Nachteile bei Weitem überwiegen“. Sportler müssten keine Steuerflüchtlinge sein und könnten „im Gegensatz zu manch anderen Sport-Millionären in ihrer Heimat bleiben“. Das wiederum sei extrem wichtig für den Tourismus, für die Wirtschaft, denn schließlich bedeuten Erfolge im Skirennsport auch, dass der Fremdenverkehr angekurbelt wird.

Im Dienste Österreichs

Eigentlich, so Schröcksnadel, müssten die Läufer die Prämien der Skiindustrie dort versteuern, wo sie gewinnen. Österreichs Finanz könne nur mehr die Differenzsumme kassieren. Aufgrund der bekannten Regelung werde aber steuerlich alles in Österreich erledigt, und der Staat steige dadurch besser aus. Dementsprechend kritisch reagierte der Tiroler auf Meldungen, die diesen Paragrafen infrage stellten. So hatte Finanzminister Rudolf Edlinger Ende 1999 eine Abkehr vom Steuerprivileg in Aussicht gestellt: „Im Hinblick auf andere Sportler, die diese Privilegien nicht genießen, und vor allem im Hinblick auf die anderen Steuerzahler muss man das sicher prüfen.“ Und wieder spielte Schröcksnadel eine altbekannte Rolle, wie er der APA erzählte, denn auch er selbst sei ein Opfer dieser Politik. „Nachdem die Steuer bei meiner Firma nichts gefunden hatte, hat man im ÖSV geprüft, ob ich mich dort mittels Spesenabrechnungen bediene.“ Schröcksnadel ist deshalb immer noch sauer: „Ich mache meinen Job ehrenamtlich, bekomme keinen Schilling Spesen, zahle mir meine Reisen selbst. Wenn man dann aber so schikaniert wird, fragt man sich, warum man das alles tut. Schließlich tue ich das alles nicht zuletzt für Österreich.“

Doppel-Weltmeisterin Alexandra Meissnitzer sah die Forderungen nach Änderung des Steuersatzes für Skirennläufer als „übertrieben“ an. Die Abtenauerin, mittlerweile Unternehmerin und ORF-Expertin, wusste: „Wir tun ja auch nicht wenig für Österreich.“ Und so hoffte sie, „dass man so fair ist und auch die andere Seite sieht. Speziell Österreich ist ein Land, das vom Skisport lebt, und wir sind die Werbeträger.“ Es komme für sie nicht in Frage, „dass ich zu Pernilla Wiberg nach Monte Carlo ziehe. Da gibt’s ja nie einen Schnee und ich kann mein Geld nicht in Österreich ausgeben.“ ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hatte zur Untermauerung seiner Argumente den weltweiten Werbewert des Austria Ski-Teams erheben lassen – und sei dabei auf einen Betrag von mehr als drei Milliarden Schilling gekommen. Meissnitzer: „Das bringen Fußballer oder Tennisspieler bei Weitem nicht!“

Auch Hermann Maier wollte sich mit dem Gedanken an eine Änderung der gängigen Praxis nicht anfreunden. „Ich habe dem Herrn Edlinger schon genug Geld gebracht, glaube ich. Und wenn er mehr Geld will, dann wird der Hermann Maier halt mehr verdienen müssen“, sagte der Salzburger, der sich einen Wohnsitzwechsel ins Steuerparadies Monte Carlo, wie ihn etwa Alexander Wurz vollzogen hat, nicht vorstellen konnte. Maier: „Überhaupt kann ich dazu wenig sagen, ich überlasse diese Sache dem Österreichischen Ski-Verband. Der und Präsident Schröcksnadel werden sich darum kümmern.“

Schröcksnadel wiederum empfand die Diskussion und die Vorwürfe Edlingers als „Schweinerei. Die Sportler verdienen doch 90 Prozent ihrer Einnahmen im Ausland und müssen den Gewinn schon dort versteuern.“ Vor den Hahnenkammrennen 1999 legte der ÖSV-Präsident zum sogenannten Skifahrerparagrafen nach: „Eine Änderung bringt dem Staat keinerlei zusätzliche Steuern, denn die meisten Skifahrer verdienen ohnehin nichts. Der Steuererlass ist nur eine vereinfachte Abrechnung, keine wesentliche Steuererleichterung. Ob man es glaubt oder nicht: Die meisten der Skistars kommen durchaus auf die üblichen 50 Prozent Steuererlass.“ Vielsagend war zu dieser Thematik der Nachsatz der Austria Presse Agentur: „Die Aktiven selbst hoffen dabei auf den Präsidenten des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV), Peter Schröcksnadel. Denn an ihm liegt es meistens, schlagende Argumente zu finden, um die Politiker von der Sinnhaftigkeit dieses Erlasses zu überzeugen.“ Sollte aber der Erlass für die Skifahrer fallen, hätte der versierte Unternehmer eine Lösung parat: „Dann werden etwa die Prämienverträge für jedes Land, in dem gefahren wird, extra ausgehandelt. Statt einem gibt es dann fünf Verträge. Und damit schaut der Staat durch die Finger, weil dann die Doppelsteuerabkommen wie für jeden anderen auch in Kraft treten.“ Mit einem Schuss Polemik schloss Schröcksnadel: „Wenn der Skifahrererlass schon untersucht wird, dann sollte man sich auch die Politikerprivilegien anschauen. Denn warum sollen die den Gesetzen entsprechen und die Privilegien der Skifahrer nicht?“

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