Kitabı oxu: «Jesus-Manifest»

Şrift:

Leonard Sweet / Frank Viola

Jesus-Manifest

GLORYWORLD-MEDIEN

1. E-Book-Auflage 2021

© der deutschen Ausgabe: 2012 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de

Alle Rechte vorbehalten

Originaltitel: „Jesus Manifesto“ © 2010 by Leonard Sweet and Frank Viola

All Rights Reserved. This Licensed Work published under license.

Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, für das Neue Testament der Neuen Genfer Übersetzung, 2009, entnommen. Weitere Bibelübersetzungen:

ELB: Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 1985

LUT: Lutherbibel, Revidierte Fassung von 1984

GNB: Gute Nachricht Bibel, 2002

HFA: Hoffnung für alle, Basel und Gießen, 1983

SLT: Schlachter 2000

REÜ: Einheitsübersetzung in neuer Rechtschreibung, 2004

Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.

Übersetzung: Dr. David Poysti

Lektorat: Michael Stadler / Manfred Mayer

Satz: Manfred Mayer

Umschlaggestaltung: Kerstin & Karl Gerd Striepecke, www.vision-c.de

Foto: istock

ISBN (epub): 978-3-95578-162-0

ISBN (Druck): 978-3-936322-62-0

Stimmen zum Buch

Hier wird uns auf erfrischende Weise ein Jesus ganz neu nahegebracht, der in der Kirche wohl bisweilen in Vergessenheit geraten ist. Der „Gott-mit-uns“ wird leidenschaftlich und fröhlich gefeiert. Die Autoren schlagen eine Schneise durch kirchliche Streitigkeiten und führen uns zurück zu Staunen, Liebe und Anbetung. Damit wecken sie in uns den dringlichen Wunsch, ihn allen Menschen bekannt zu machen.

Rowan Williams

Erzbischof von Canterbury

Ein weiteres Indiz dafür, dass das Christentum allmählich wieder Jesus ähnlicher wird. Unsere große Herausforderung der letzten Jahrzehnte war weniger, richtig zu glauben, als vielmehr, richtig zu leben. Viola und Sweet haben hier einen Ausgleich geschaffen, der Sie einlädt, der Welt ein Christentum vorzustellen, an das es sich zu glauben lohnt. Schließlich wird man uns nicht an unseren Autoaufklebern und T-Shirts als Christen erkennen, sondern an unserer Liebe.

Shane Claiborne

Autor, Aktivist und Sünder in Wiederherstellung

Brillant, erfrischend, erhebend – so geht es schon im ersten Kapitel los! Dieses Buch ist dazu bestimmt, ein Andachtsklassiker für Generationen von Jesus-Nachfolgern zu werden. Der Liedvers „Du kannst diese ganze Welt haben, doch lass mir Jesus“ passt haargenau auf dieses Buch.

Reggie McNeal

Autor und Spezialist für missionale Leiterschaft

Die heutige christliche Gemeinde hat es dringend nötig, diese einem Posaunenschall vergleichbare klare Stimme Jesu zu vernehmen – wie damals, als er im Buch der Offenbarung sprach. Wir leben in einer ähnlichen Zeit – gekennzeichnet von oberflächlicher Lehre, Doppeldeutigkeiten und um sich greifender Verführung, sowohl in der Gemeinde als auch in der Welt. Jesus-Manifest ruft uns zur Person Jesu und zu seiner Stellung als Herrn der Gemeinde zurück, damit wir seinen Ruf zur klaren Wahrheit, zur Reinheit der Kraft und zum Lohn des Gehorsams hören. Dann wird die „Salzkraft“ wiederhergestellt, die seine Gemeinde lebendig und wirkungsvoll sein lässt.

Jack W. Hayford

Church on the Way, Kalifornien

In der Vergangenheit haben Evangelikale dazu tendiert, sich darauf zu konzentrieren, was Christus für uns getan hat. Dabei liefen sie Gefahr, sein Leben als Vorbild für unser Leben als Christen auszublenden. Dieses Buch leistet einen enorm wichtigen Beitrag zum ersehnten Ausgleich, indem es uns hilft, uns an der überragenden Person, die im Zentrum unseres Glaubens steht, neu zu orientieren. Engagiert, intelligent und herausfordernd erfüllen Leonard und Frank alle Erwartungen. Ich unterzeichne dieses Manifest!

Alan Hirsch

Autor: Die Zukunft gestalten; Der wilde Messias

In einer Zeit, in der ein Großteil der Christenheit das Zentrum unseres Glaubens offenbar verloren hat, holt uns Jesus-Manifest zur Mitte zurück. Sweet und Viola stellen uns Jesus auf einzigartige Weise vor – eine Kombination aus poetischer Kunst, packender Metapher und fundierter Erkenntnis. Meisterhaft teilen sie uns mit, was der Geist heute der Gemeinde sagt.

Dr. Kenneth C. Ulmer

Präsident des King’s College and Seminary, Los Angeles (USA)

Das nachhaltige Bestreben des Heiligen Geistes ist, uns in die lebendige Gegenwart von Jesus Christus zu führen. Folgen wir dem Geist, dann kann uns Christus so real werden, wie es einmal die Welt war, als wir noch Sünder waren. Jesus-Manifest ist ein Kompass, der auf dieses heilige Bestreben hinweist.

Francis Frangipane

Pastor und Autor von And I Will Be Found By You

Ich suche nach Büchern, die uns dazu aufrufen, Jesus zu lieben und seinen Namen bekannt zu machen. In ihrem Jesus-Manifest fordern uns Sweet und Viola auf, aus dem Duniversum (ihre Wortschöpfung) narzisstischer Religion herauszutreten, weg von dem Popkultur-Jesus, der nur ein netter Mensch ist. Durch das ganze Buch hindurch erheben sie Jesus als den göttlichen Retter und fordern die Kirche auf, es ihnen gleichzutun. Dieses Buch wird eine erneute Liebe zu Christus entzünden, indem es uns auf das tiefe Geheimnis seiner Person verweist. Das Buch wird Sie motivieren, auf tiefere Weise zu lieben und zu dienen, indem Sie Ihr Leben auf Jesus den Messias ausrichten.

Ed Stetzer

Vorsitzender von LifeWay Research

Ab sofort wird mein Freund Frank Viola nicht mehr nur für seine Vorschläge zur Gemeinde bekannt sein. Und Leonard Sweet, mein Lehrer, wird nicht mehr nur als genialer und origineller Professor bekannt sein. Durch ihr Jesus-Manifest wird man sie nunmehr als Nachfolger, Verkündiger, Botschafter und Sprachrohre von Jesus kennen. Es gibt im Leben keine höhere Berufung. Ich kann ihnen kein größeres Kompliment aussprechen. Das Beste aber ist: Diese Berufung können wir uns alle zu eigen machen – Ärzte und Pfleger, Polizisten und Feuerwehrleute, Lehrer und Seelsorger – alle. Im Jesus-Manifest ist Raum für jeden.

Todd Hunter

Autor und anglikanischer Bischof (USA)

Jesus-Manifest ist das mächtigste Buch über Christus, das ich in jüngster Zeit gelesen habe. Der Christus des leeren Grabes weilt wieder unter uns. Sweet und Viola laden uns ein, zum Ölberg zurückzukehren und unsere Seelen zu erneuern. Die willkommene Autorität des Buches hat mich sprachlos gemacht. Als ich Seite um Seite das biblische Zeugnis von dem einen, einzigen und unvergleichlichen Christus las, in dem allein unser Heil zu finden ist, bildete sich ein Kloß in meinem Hals. Sie müssen dieses Buch unbedingt lesen. Wir alle sollten es lesen, und dann müssen wir seinen Inhalt glauben, aufstehen und unsere Kultur mit der Wahrheit konfrontieren, die wir in jüngster Zeit sträflich vernachlässigt haben bei unserem irrtümlichen Versuch, auf Kosten unseres von Gott gegebenen Auftrags „fair zu spielen“.

Calvin Miller, Professor für Homiletik und Praktische Theologie, Beeson Divinity School (USA)

Während wir immer weiter ins 21. Jahrhundert hineingehen, nimmt die Zahl der Stimmen zu, die für eine Neudefinierung des „wirklichen Jesus“ des Evangeliums plädieren. Allerdings offenbaren diese Stimmen einen „wirklichen Jesus“, der weit hinter dem der Bibel zurückbleibt und eher einem Jesus nach eigenem Bild und eigener Fasson gleicht. Was wir heute dringend benötigen, ist eine klare, überzeugende und kompromisslose Ansage, dass Jesus mehr ist als ein geistlicher Ratgeber, mehr als ein opferbereiter Führer und mehr als einer von vielen „Wegen“ zu Gott. Er ist tatsächlich der höchste Herrscher über die ganze Schöpfung, und er ist aller Herr. Während viele die Reihen der Treuen zugunsten eines Evangeliums eigener Machart verlassen, sind wir Leonard Sweet und Frank Viola zu Dank verpflichtet, weil sie ohne Zögern zur Rückgewinnung des wahren Zeugnisses der Schrift aufrufen: dass nämlich Jesus in der Tat der souveräne Herr ist, dass er die Oberherrschaft über das ganze Universum hat und dass es neben ihm keinen anderen Gott gibt.

Dr. Mark J. Chironna

The Master’s Touch International Church (USA)

Inhalt

Einführung: „Für wen haltet ihr mich?“

1 Womit alle Dinge erfüllt sind

2 Eine Flasche im Meer

3 Wenn Gott Ihre Biografie schreiben würde

4 Eine Geige namens Messias

5 Ein Graben auf beiden Seiten

6 Dein Gesicht oder sein Angesicht?

7 Zwei Reiche auf Kollisionskurs

8 Der vergessene Baum

9 Ein Haus von Feigen

10 Wer ist eigentlich Ihr Herr?

Nachwort: Ein persönlicher Brief von Ihrem Herrn

Auch jetzt wird Christus

in aller Öffentlichkeit

groß gemacht werden.

Philipper 1,20 (GNB)

Einführung: „Für wen haltet ihr mich?“

Der Leib Christi befindet sich derzeit an einer Wegkreuzung. Normalerweise würde man entweder nach links oder nach rechts gehen. Wir beobachten jedoch, dass wir in einer ungewöhnlichen Zeit leben, in der die Menschen wie gelähmt sind. Schauen sie nach links, hält sie etwas ab, dorthin zu gehen, und schauen sie nach rechts, ist es genauso.

Die Menschen suchen – ob bewusst oder unbewusst – nach einer ganz neuen Alternative, einem dritten Weg. Wir sind davon überzeugt, dass die Kreuzung uns letztlich vor die Entscheidung stellt, ob wir vorwärts oder rückwärts gehen wollen.

Deshalb werden wir im vorliegenden Buch ein messerscharfes, kristallklares Bild von unserem Herrn Jesus Christus als dem Alpha und dem Omega zeichnen. Wir werden aufzeigen, dass ER dieser dritte – und einzige – Weg ist, der uns auf sichere Weise in die Zukunft führt. Sollte sich die Kirche/Gemeinde nicht neu auf ihn ausrichten und bis in ihr Innerstes hinein christologisch werden, wird sie, egal, was sie auch versucht, rückwärtsgehen.

Natürlich ist uns bewusst, dass wir, indem wir ein Buch ausschließlich über Jesus schreiben, gegen den Strom schwimmen. In der Vergangenheit tat man sich oft schwer, Christus als Mensch wahrzunehmen. Dadurch erübrigte sich jede Diskussion über seine „Inkarnation“ (Menschwerdung). Heute jedoch scheinen mehr Menschen Mühe zu haben, in Christus das Göttliche zu erkennen, und somit scheint eine „Christologie“1 überflüssig geworden zu sein. Und darüber hinaus ist die Wirklichkeit und die Erfahrung eines innewohnenden Herrn vielen Christen nahezu ganz abhandengekommen.

Der Herr Jesus Christus übersteigt unsere kühnsten Träume und Vorstellungen bei weitem. Seine Größe, seine Schönheit und seine Herrlichkeit sind vielen Christen heute jedoch unbekannt. Deshalb ist ein neuer Blick auf Christus – eine „frische“ Christologie – so dringend nötig. Mit einem Satz: Damit wir in unserer Zeit Jesus glaubwürdig repräsentieren können, ist es unabdingbar, dass wir ihn „neu präsentieren“. Genau das haben wir mit dem vorliegenden Buch versucht.

Wir sind davon überzeugt, dass jeder, der die in diesem Buch dargebotene Vision erfasst, mit der erforderlichen Zuversicht in eine ungewisse Zukunft gehen kann.

Das Buch, das Sie in Händen halten, beschreibt einen alternativen Weg, der weder nach rechts noch nach links weist, sondern nach vorne. Es wird Sie ermutigen, Entdeckungen zu machen, statt sich zu verschanzen. Wir sind überzeugt, dass sich die Schneise zu weiteren Entdeckungen nur dadurch schlagen lässt, dass wir Christus zu unserem Ein und Alles, zu unserem „Polarstern“ bzw. unserem „Kreuz des Südens“ erklären.

Bei unserer Argumentation wird uns die Heilige Schrift als Landkarte bzw. Kompass dienen. Sie weist uns auf die Person Jesu in all seinen Reichtümern und Tiefen hin. Somit ist dieses Buch ein Mittel zum Zweck bzw. Ziel. Das Ziel ist Christus.

Jesus ist sozusagen Gottes Stimmgabel, die uns mit der Ewigkeit in Einklang bringt.

Jede Stimmgabel muss angeschlagen werden, damit man sie hört. So wurde die ewige, unveränderliche Stimmgabel des Himmels in Schwingung versetzt, als im ersten Jahrhundert in einem verschlafenen Dorf in Israel eine Jungfrau Gottes einzigen Sohn zur Welt brachte. An jenem denkwürdigen Freitag, als fünfzehn Zentimeter lange Nägel in Holz getrieben wurden, geriet sie abermals in Schwingung. Und sie erklang ein drittes Mal – am dritten Tag –, als ein demütiger und sanftmütiger Nazarener ein Grab aufbrach und in Auferstehungsleben hervorkam.

Die himmlische Stimmgabel ist auch heute noch zu vernehmen. Doch jedes Mal, wenn wir Christen es versäumen, auf sie zu hören, gehen wir in die Irre.

Das Jesus-Defizit-Syndrom

Christen haben aus dem Evangelium alles Mögliche gemacht, was nicht direkt mit Christus zu tun hat. Aber es ist Jesus Christus, der die Anziehungskraft ist, die alles zusammenhält und allem seinen Sinn verleiht. Ohne ihn verlieren alle Dinge ihren Wert und schweben gleichsam losgelöst durchs All – Ihr Leben eingeschlossen.2

Allzu leicht verlieren wir uns in bestimmten geistlichen Wahrheiten, Werten, Tugenden und Gaben und versäumen darüber Christus, der doch in seiner Person alle diese Dinge verkörpert und inkarniert.

Suchen Sie Christus, ergreifen Sie Christus, erkennen Sie Christus, und Sie werden den berühren, der das Leben ist. Alle Wahrheit, alle Werte, Tugenden und Gaben wohnen in farbenprächtiger Fülle in ihm. Die Schönheit Christi gibt aller Schönheit ihren Sinn. Nur in ihm finden wir alles, was schön und liebenswert macht.

Denken Sie an die Dinge auf der Erde, die Sie faszinierend und unbeschreiblich schön finden – Strände, Berge, Schluchten, Korallenriffe. Denken Sie an die Schönheit, die der Kunst, der Musik und der Natur eigen ist. Sinnen Sie über die Dinge im Leben nach, die Sie in Erstaunen und Verwunderung versetzen.

Alle diese Dinge spiegeln lediglich die Schönheit von Jesus Christus wider, denn er selbst ist die Essenz und das Wesen wahrer Schönheit.

Was also ist das Christentum? Es ist Christus. Nicht mehr und nicht weniger. Das Christentum ist weder eine Ideologie noch eine Philosophie. Es ist auch keine neue Moral, keine sittliche Ordnung für die Gesellschaft und keine Weltanschauung. Vielmehr ist Christentum die „gute Nachricht“, dass das Schöne, Wahre und Gute in einer Person zu finden sind, und dass wahre Menschlichkeit und Gemeinschaft auf dieser Person gegründet und in der Verbindung mit ihr zu erfahren sind.

Bekehrung bedeutet mehr als nur ein Richtungswechsel, es ist eine neue Verbindung. Wenn die Bibel mit dem alten hebräischen Begriff schuv oder mit seiner aramäischen Entsprechung zur „Umkehr“ aufruft (z. B. 5 Mo 4,30; Neh 1,9), meint sie damit nicht die distanzierte Kontemplation Gottes, sondern das Eingehen einer Beziehung, in der Gott das Regiment hat.

In dieser Hinsicht empfinden wir, dass es in der heutigen Kirche eine massive Verbindungsstörung gibt. Wir glauben, dass sie an einem massiven JDS, einem Jesus-Defizit-Syndrom erkrankt ist. Die Person Jesu gilt nicht mehr als politisch korrekt und wird zunehmend von Begriffen wie „Gerechtigkeit“, „Moral“, „Werte“ oder „Führungsprinzipien“ verdrängt. Die Leute der Welt mögen Jesus, nur mögen sie halt die Kirche nicht. Und die Kirche mag immer mehr die Kirche, aber immer weniger Jesus.

Irgendetwas stimmt nicht, wenn es manchen Christen leichter fällt, sich eine Welt ohne Christus vorzustellen als ein Leben ohne Bach, die Beatles oder Bono. Wenn wir Jesus Christus entthronen bzw. von seinem rechtmäßigen Platz verdrängen, entstellen wir das Angesicht des Christentums und berauben es seiner Existenz.

Kann die simple und grundlegende Ursache unserer Probleme tatsächlich darin liegen, dass wir Christus aus den Augen verloren haben? Wir meinen eindeutig ja!

Wer andere Lösungen als Christus für die Probleme der Kirche anbietet, der zersetzt mehr als dass er die Probleme löst. Deshalb braucht diese globalisierte „Google-Welt“ mehr denn je eine große, übergeordnete Meta-Erzählung, und die Geschichte von Jesus ist das Deutungsraster für alle anderen Systeme. Wir haben den Eindruck, dass Gott uns in dieser Stunde aufgetragen hat, die Hoheit und Vorrangstellung des Herrn Jesus Christus zu bezeugen. Insbesondere geht es dabei um die Beantwortung einer ganz bestimmten Frage.

Die Grundfrage

„Für wen haltet ihr mich?“3 ist die Frage, die sich jeder Generation neu stellt und die sie für sich beantworten muss.

Die historischen Glaubensbekenntnisse der Christenheit sind Ausdruck der Notwendigkeit, diese Frage Jesu zu beantworten: „Für wen haltet ihr mich?“ Allerdings steht dieses „haltet ihr“ in einem konkreten Zusammenhang. Jeder neuen Generation, jeder Kultur ist das „haltet ihr“ aufgetragen. Und wenn wir diese Frage falsch beantworten, werden wir in allem daneben liegen, da Jesus Alpha und Omega, Anfang und Ende aller Dinge ist.

Jede Erweckung und jede Erneuerung in der Geschichte der Kirche lässt sich auf eine Wiederentdeckung eines bestimmten Aspektes Christi als Ergebnis der Beantwortung dieser entscheidenden Frage zurückführen. Tatsächlich kennzeichnen drei Merkmale jeden geistlichen Aufbruch in der Kirchengeschichte: Erstens, eine Wiederentdeckung des „lebendigen Wortes“ beziehungsweise der Heiligen Schrift und deren Autorität; zweitens, eine Wiederentdeckung des lebendigen Christus und seiner Vorherrschaft; und drittens, eine Wiederentdeckung des lebendigen Geistes und seiner Gaben und Kraft, Christus in der jeweiligen Kultur zu offenbaren. Gott pflegt Menschen ernst zu nehmen, die das EWIGE WORT ernst nehmen.

Genau das sagte Jesus selbst: „Ich … werde alle zu mir ziehen, wenn ich von der Erde erhöht bin“ (vgl. Joh 12,32). Weil wir Jesus aber nicht vertrauen, dass er tut, was er sagt, oder ihm nicht glauben, dass er der ist, der er sagt, dass er es sei, oder weil wir noch keinen Blick auf seine unendliche Herrlichkeit erhascht haben, setzen wir uns an Reißbretter und entwerfen Programme, Methoden und Strategien, mit deren Hilfe wir Menschen für Christus gewinnen wollen. Jesus hätte es aber eindeutiger nicht sagen können: Der eingeborene Sohn Gottes (vgl. Joh 1,18; 1 Joh 4,9) ist der „Entwurf“. Unser Auftrag besteht lediglich darin, ihn auf eine Weise groß zu machen und zu erhöhen, die unsere Kultur versteht und schätzt. Wo dies geschieht, folgt alles andere ganz von selbst.

Leider ist „Für wen haltet ihr mich?“ heute nicht mehr die einzige Frage, die gestellt wird. Es gibt andere Fragen, die den gleichen Rang bekommen haben, wie: „Was tust du, um Gottes Reich voranzubringen?“ oder: „Was trägst du zur (sozialen) Gerechtigkeit bei?“, „Für welche gute Sache engagierst du dich?“, „Wie förderst du die Evangelisierung der Welt?“, „Wem gegenüber bist du verantwortlich?“ oder „Was sind deine Gaben?“ Besonders aktuell scheint heute auch die Frage: „Was für ein Leiter bist du?“

Aber Jesus hat Petrus nur eine entscheidende Frage gestellt (vgl. Joh 21,15-17). Es ist dieselbe entscheidende Frage, die er noch heute an uns richtet. Sie lautet nicht:

• „Bist du bereit, als Leiter in meiner Gemeinde Verantwortung zu übernehmen?“

• „Weißt du, wie man eine Bewegung startet?“

• „Wie viele Menschen hast du zu mir geführt?“

• „Sprichst du schon in Zungen?“

• „Ist Leiterschaft deine Leidenschaft?“

• „Wem bist du verantwortlich?“

• „Gibst du mehr als dein Bestes, damit Gott mit dir zufrieden ist?“

• „Wirst du Leute mit Leitungspotenzial um dich scharen, damit du gut dastehst?“

Jesus stellt nur eine einzige Frage: „Liebst du mich?“

Was will Jesus von uns: Leiterschaft? Oder Liebe? Leider können wir ihn nicht wirklich lieben, solange wir noch nicht erfasst haben, wie unglaublich herrlich er ist. Haben wir Jesus aber einmal in seiner ganzen Herrlichkeit erblickt, dann werden wir bereitwillig unsere verstaubten Rituale, unser frommes Vokabular und unsere an die Pop-Kultur angepassten Gemeindeaufbaustrategien gegen die Freude eintauschen, ein lebendiges, wandelndes „Jesus-Manifest“ zu sein.

Ein lebendiges Manifest

Im Folgenden möchten wir Ihren Blick für und Ihr Verständnis von Jesus Christus schärfen. Dabei hoffen wir, unseren Herrn so darzustellen, dass Sie nicht umhinkönnen, ihn zu lieben, zu seinen Füßen niederzufallen und sich für immer ihm hinzugeben – nicht aus einem Schuldgefühl heraus und auch nicht aus Zwang, Pflicht oder Angst, sondern weil Sie einen Blick auf die großartigste Person aller Zeiten, auf Jesus Christus, geworfen haben. Aus solcher Liebe ergibt sich alles andere.

Im Gegensatz dazu distanzieren wir uns von jedem billigen, lustig-lockeren und leichtfertigen „Jesus-Geschwafel“, das so viele religiöse Gespräche heute prägt. Nach unserer Überzeugung lässt sich der Name Jesus auf mancherlei Weise „missbrauchen“ (vgl. 2 Mo 20,7; 5 Mo 5,11), so zum Beispiel, wenn man ihn benutzt, ohne Jesus wirklich zu kennen. Es muss unseren Herrn geradezu peinlich anmuten, wenn sein Name als eine Art Talisman oder als Magie benutzt wird.

Wir haben dieses Buch bewusst in einem alten erbaulichen Stil geschrieben, den wir, wie wir finden, in der heutigen Gemeinde leider vermissen. Auf diese Weise soll der Unterschied zwischen dem Missbrauch des Jesus-Namens und einer Verwendung, die seine Schönheit offenbart und ihn ehrt, hervorgehoben werden. Kurz gesagt: Wir glauben, dass Jesus heute um die ihm zustehende Ehre gebracht wird, und diesen Trend möchten wir gerne umkehren.

Am Ende ihres Lebens haben einige der größten Denker dieser Welt zu einer Einfachheit zurückgefunden, die man in ihren Anfangswerken noch vermisst. Ludwig Wittgenstein, beispielsweise, der zu den größten Philosophen des zwanzigsten Jahrhunderts zu rechnen ist, krönte sein Lebenswerk mit der Entdeckung des „Hasen-Enten-Kopfes“4, jenem umkehrbaren Bild, in dem man, je nach Blickwinkel, eine Ente oder einen Hasen erkennen kann. Wittgenstein hatte den Eindruck, dass diese eine Zeichnung, die beweist, dass etwas nicht gleichzeitig Ente und Hase sein kann (oder, präziser formuliert, nicht zeitgleich als solches „wahrgenommen“ werden kann), mehr Wahrheit vermittelte als seine größten philosophischen Schriften.5

Karl Barth, einer der größten Theologen des zwanzigsten Jahrhunderts, soll auf die Bitte, seine vielbändige Kirchliche Dogmatik zusammenzufassen, mit einem alten englischen Kinderlied geantwortet haben: „Jesus loves me, this I know, for the Bible tells me so.“ („Jesus liebt mich ganz gewiss, denn die Bibel sagt mir dies.“)6

Heute muss die Gemeinde zu ihrer in Vergessenheit geratenen „ersten Liebe“ zurückkehren: „Jesus liebt mich ganz gewiss.“7 Die theologisch präziseste Bekräftigung des christlichen Glaubens ist das kurze Glaubensbekenntnis des Jesus-Mani­fests, das wir in 1. Johannes 4,16 finden: „Wir glauben an die Liebe, die Gott für uns hat.“8 Es ist eine Liebe, die nicht als ein abstraktes Prinzip erschienen ist, sondern die in der Gestalt einer wirklichen Person, nämlich in Gottes eigenem Sohn zu uns gekommen ist.

Achten Sie auf die Worte des Apostels Johannes: „Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1 Joh 4,19).

Doch wie sollen wir unser Leben als Nachfolger Christi leben? Die Antwort findet sich zwischen den beiden zuletzt genannten Versen: „Denn wie er [Jesus] [ist], sind auch wir in der Welt“ (1 Joh 4,17). Die Bibel verheißt uns nicht einfach nur „ewiges Leben“ (vgl. Joh 3,16), sondern bietet uns auch das Geschenk eines durch Christus gelebten Lebens an: „… damit wir durch ihn leben“ (1 Joh 4,9). Hat uns die Beliebtheit eines einzigen Bibelverses (Johannes 3,16) mit seiner vermeintlichen Betonung des künftigen „ewigen Lebens“ blind gemacht für das, was die Bibel über das Leben im Heute aussagt?

Sie und ich sollen ein lebendiger Brief – das heißt ein „Jesus-Manifest“ – in unserer Welt sein: Eine Stadt auf einem Berg, Salz und Licht.9 Deshalb haben wir das vorliegende Buch geschrieben.

Thomas von Aquin, einer der größten Lehrer und Philosophen der Kirche, sagte, seine Summa Theologica10 sei nichts als Stroh, da Worte auch nicht annähernd das Strahlen des göttlichen Geheimnisses wiederzugeben vermochten. So ist auch dieses Buch nichts weiter als trockenes Stroh, wenngleich es den König der Könige und den Herrn aller Herren zum Thema hat.11 Gleichwohl hoffen wir, dass es in Ihrem Leben ein neues Staunen und neue Einsicht hervorruft – sowohl über den irdischen als auch über den erhöhten und ebenso den innewohnenden Jesus. Aber darüber hinaus ist es unser Wunsch, dass Sie nicht anders können, als sich von seiner Liebe, die er aus Gnade über Sie ausgeschüttet hat, anstecken zu lassen und in Ihrem eigenen Umfeld zu einem Jesus-Manifest zu werden.

Leonard Sweet und Frank Viola

1 Christologie bezeichnet das theologische Nachdenken über Person und Heilswirken Jesu Christi, ihre Auffassungen und Deutungen im Christentum. Die Christologie als zentraler Teilbereich der Systematischen Theologie will die Frage nach der Identität („Natur“) und Bedeutung („Relevanz“) von Jesus Christus für dessen Gemeinschaft, die Kirche, für den einzelnen Gläubigen und für die Welt beantworten (Quelle: wikipedia).

2 Nach Hebr 6,18-20 ist Jesus der Anker unserer Seelen. In Kolosser 1,15-18 schreibt Paulus, dass alles durch ihn besteht.

3 Mt 16,15 (REÜ); [Hervorh. d. Verf.].

4 Vgl. Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Suhrkamp, Frankfurt 2003, Teil II.

5 Ludwig Wittgenstein, Last Writings on Philosophy and Psychology: Preliminary Studies, Basil Blackwell, Oxford 1982, 1:61-65, 68-69, 90, 97.

6 Martin Rumscheidt im Nachwort des Herausgebers zu Karl Barth, Fragments Grave and Gay, Collins, London 1971, S. 124.

7 „Jesus Loves Me, this I know“ wurde 1860 von Anna B. Warner geschrieben.

8 Frei übersetzt.

9 Vgl. 2 Kor 3,3 und Mt 5,13-16.

10 Deutsch: Summe der Theologie oder Höchste Theologie. Infolge einer tiefen Gottesbegegnung schrieb Thomas: „Ich kann nicht mehr schreiben. Verglichen mit dem, was ich gesehen habe, kommt mir alles, was ich verfasst habe, wie Stroh vor.“ (Peter Kreeft [Hg.], A Shorter Summa: The Essential Philosophical Passages of St. Thomas Aquinas’ Summa Theologica, Ignatius Press, San Francisco 1993, S. 37).

11 Vgl. 1 Tim 6,15; Offb 19,16.

Kapitel 1: Womit alle Dinge erfüllt sind

Zentrum und auch Peripherie des christlichen Lebens ist nichts und niemand anderes als die Person Jesus Christus selbst. Seine Einzigartigkeit stellt alle anderen Dinge – auch die, die mit ihm verbunden sind – in den Schatten. Mit der Sonne als Mittelpunkt unseres Sonnensystems hat Gott uns ein Sinnbild dafür gegeben, was Christus für uns ist. Ohne die Sonne gäbe es kein Leben auf unserem Planeten. Wir sind ganz und gar von ihr abhängig. Und so, wie die Sonne das Zentrum unseres Sonnensystems ist, ist Christus das Zentrum des Universums und auch unseres eigenen Lebens.

Dietrich Bonhoeffer stellt einmal fest, dass Jesus „Mitte der menschlichen Existenz, Mitte der Geschichte und … Mitte der Natur“ ist.1 Die Geschichte ist seine Geschichte.2 Diese Zusammenhänge hat der britische Autor H. G. Wells folgendermaßen kommentiert: „Ich bin Historiker und nicht gläubig. Dennoch muss ich als Historiker bekennen, dass jener mittellose Prediger aus Nazareth unwiderruflich die Mitte der Geschichte ist. Zweifellos ist Jesus Christus die beherrschende Gestalt der gesamten Geschichte.“3

Doch lässt sich Christus nicht nur in der Mitte finden, sondern auch in den Winkeln und an den Rändern, so, wie die Sonne den ganzen Erdkreis erleuchtet. Ja, Jesus ist nicht nur Herr über das Zentrum und die Außenbezirke – er ist der Gott von allem, was ist. Als der helle Morgenstern erleuchtet er alles Existierende (vgl. Offb 22,16).

Nach zweitausend Jahren leuchtet Jesus heller als je zuvor, und die Strahlen seines Lichts dringen bis in die Schattenreiche der Finsternis. Christus in der Tiefe und tatsächlich zu kennen, ist das vorrangige Ziel des Christseins. Der Herr wünscht sich mehr als alles andere, dass wir ihn erkennen.4 Wir sind „in die Gemeinschaft seines [Gottes] Sohnes berufen worden“.5

Gottes Interesse gilt weniger der Reparatur all dessen, was in unserem Leben schiefgegangen ist; weit mehr möchte uns Gott in unserer Zerbrochenheit finden und mit Christus beschenken. Wenn Christus nicht die Mitte und das Höchste unseres Lebens ist, gerät alles aus der Bahn und aus dem Gleichgewicht. Deshalb ist es die erste Aufgabe jedes Christen, Jesus zu erkennen. Aus solcher Erkenntnis erwächst dann Liebe zu ihm und, damit verbunden, der Wunsch, Christus zu verehren, ihn zu bezeugen und ihn zum Ausdruck zu bringen.

Womit die himmlischen Räume erfüllt sind

Die gesamten himmlischen Welten – der Vater, der Heilige Geist mitsamt den Engelscharen – sind von Christus durchdrungen. Die zweite Person der Dreieinigkeit ist kein nachträglicher Einfall Gottes: Dem Sohn galt die ganze Aufmerksamkeit der Gottheit von Anfang an. An nur wenigen Stellen in den Evangelien spricht Gott der Vater hörbar, und jedes Mal gilt sein Reden seinem Sohn:

Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“ (Mt 3,17 LUT).

Während er noch redete, kam plötzlich eine leuchtend helle Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke sprach eine Stimme: „Dies ist mein geliebter Sohn. An ihm habe ich Freude, und auf ihn sollt ihr hören!“ (Mt 17,5 NGÜ).6

Einmal sagte Jesus: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34 ELB). Immer wenn Gott der Vater spricht, redet er von seinem Sohn, da Christus in seinem Herzen den ersten Rang einnimmt. Das Brot des Lebens lässt sich in „jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ schmecken (vgl. Mt 4,4). Ja, wenn Gott sich selbst zum Ausdruck bringt, kommt Christus hervor. Zu Recht lässt sich daher behaupten, dass Gott sich in der Person des Herrn Jesus ins menschliche Leben hineingesprochen hat. Deshalb bezeichnet Johannes Christus als den Logos, als das lebendige Wort Gottes.7 Gottes Wort ist eine Person. Der eine wahre Gott hat sich umfassend und endgültig in Jesus offenbart: „Niemand hat Gott je gesehen. Doch sein einziger Sohn, der selbst Gott ist, ist dem Herzen des Vaters ganz nahe; er hat ihn uns [offenbart].“8

Auf ähnliche Weise offenbart auch der Heilige Geist, der große Offenbarer, Christus. Und Christus ist das Einzige, was der Geist offenbart, denn er hat nichts anderes zu enthüllen. Der Geist macht uns mit Jesus bekannt – gewöhnlich auf eine neue Weise.9

Wenn der Helfer kommen wird, wird er mein Zeuge sein – der Geist der Wahrheit, der vom Vater kommt und den ich zu euch senden werde, wenn ich beim Vater bin (Joh 15,16).

Doch wenn der Helfer kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch zum vollen Verständnis der Wahrheit führen. Denn was er sagen wird, wird er nicht aus sich selbst heraus sagen; er wird das sagen, was er hört. Und er wird euch die zukünftigen Dinge verkünden. Er wird meine Herrlichkeit offenbaren; denn was er euch verkünden wird, empfängt er von mir. Alles, was der Vater hat, gehört auch mir. Aus diesem Grund sage ich: Was er euch verkünden wird, empfängt er von mir (Joh 16,13-15).

Man mag einwenden: „Hat Jesus nicht gesagt, dass der Heilige Geist die Welt der Sünde, der Gerechtigkeit und des Gerichts überführen würde?“ Gewiss. Doch Jesus erklärt sich selbst zum Bezugspunkt dieser Dinge (vgl. Joh 16,8-11). Folglich lautet die Frage: Wie überführt der Geist die Welt?

Er tut dies, indem er der Welt Christus vor Augen stellt.10 Der Heilige Geist ist gekommen, um den Herrn Jesus Christus zu offenbaren, zu verherrlichen, vorzustellen, groß zu machen und zu erhöhen. Er nimmt das, was auf Christus zutrifft, und macht es im Leben der Menschen real und lebendig. Dazu ist der Geist berufen, das ist seine Lebensaufgabe und sein Beruf.

Aber da ist noch mehr: Der Vater war so sehr von Christus eingenommen, dass es ihm gefiel, die ganze Fülle der Gottheit in ihm wohnen zu lassen:

Es ist doch Christus, in dem die ganze Fülle von Gottes Wesen in leiblicher Gestalt wohnt (Kol 2,9).

Gott hat beschlossen, mit der ganzen Fülle seines Wesens in ihm zu wohnen (Kol 1,19).

Und schließlich existieren all die Engelscharen, um den Herrn Jesus anzubeten und ihm zu dienen. Auch sie sind ganz von Christus eingenommen und mit ihm beschäftigt. In Hebräer 1,6 (ELB) heißt es:

Wenn er [Gott] aber den Erstgeborenen wieder in den Erdkreis einführt, spricht er: „Und alle Engel Gottes sollen ihn anbeten.“11

Mit einem Wort: Jesus ist sowohl die Leidenschaft des Himmels als auch das, womit der Himmel erfüllt und beschäftigt ist.

Womit die Schöpfung erfüllt ist

Von Paulus erfahren wir, dass das gesamte Universum von Christus, durch Christus, für Christus und auf Christus hin erschaffen wurde. Mehr noch: Alle Dinge im Himmel und auf der Erde werden in Christus zusammengehalten und eines Tages in ihm unter einem Haupt zusammengefasst werden. Folglich ist die Schöpfung von Christus erfüllt und mit ihm beschäftigt.

Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: Alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen; und er ist vor allem, und alles besteht durch ihn (Kol 1,16-17 ELB).12

Sobald die Zeit dafür gekommen war: Unter ihm, Christus, dem Oberhaupt des ganzen Universums, soll alles vereint werden – das, was im Himmel, und das, was auf der Erde ist (Eph 1,10).

Betrachten Sie einmal die sieben Schöpfungstage im Licht des Neuen Testaments und Sie werden feststellen, dass die gesamte sichtbare Schöpfung ein Abbild von Jesus ist. Zum Beispiel:

• Christus ist Licht (vgl. Joh 8,12).

• Christus ist Wasser (vgl. Joh 4,10; 7,38).

• Christus ist das Leben, das am dritten Tag, nachdem das Festland von den Wassern des Himmels geschieden worden war, hervortrat (vgl. 1 Mo 1,9-13; 1 Kor 15,4).13

• Christus ist der wahre Weinstock (vgl. Joh 15,1; 6,57).

• Christus ist der Weizen und das Brot des Lebens (vgl. Joh 12,24; 6,35).

• Christus ist die Sonne (vgl. Mal 3,20), der Mond (vgl. Kol 2,16-17) und der Morgenstern (vgl. 2 Petr 1,19; Offb 22,16).

• Christus ist das wahre Lamm (vgl. Joh 1,29; Offb 5).

• Christus ist der vorbildliche Mensch (vgl. Röm 5,14; 1 Kor 15,47).

• Christus ist der wahre Sabbat (vgl. Kol 2,16-17).

In den „Blutbahnen“ des Universums pulsiert Jesus der Herr. In allem, was der Schöpfer gemacht hat, finden wir Christus. Was aus den Lungen Gottes hervorging, als er die Welten ins Leben sprach, war Jesus. Das gesamte Universum trägt sein wunderbares Bild.

Der Kirchenvater Tertullian gebrauchte die einzigartige Metapher, Christus (der Logos) durchdringe die Welt wie Honig die Wabe. Das sollte uns nicht überraschen, wurde doch, wie wir gesehen haben, die gesamte Weltordnung von, in, durch und auf Christus hin geschaffen. Und die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig darauf, dass Jesus sie von der Knechtschaft des Gefallenseins erlöse und sie mit seiner unendlichen Süße erfülle (vgl. Röm 8,19-23; Eph 4,10).

Schönster Herr Jesu

Schönster Herr Jesu,

Herrscher aller Herren,

Gottes und Marien Sohn,

dich will ich lieben,

dich will ich ehren,

du meiner Seele Freud und Wonn!

Schön sind die Wälder,

schöner sind die Felder

in der schönen Frühlingszeit,

Jesus ist schöner,

Jesus ist reiner,

der unser traurig Herz erfreut.

Schön leucht´ die Sonne,

schöner leucht der Monde

und die Sternlein allzumal;

Jesus leucht schöner,

Jesus leucht´ reiner

als alle Engel im Himmelssaal.

Schön sind die Blumen,

schöner sind die Menschen

in der frischen Jugendzeit;

sie müssen sterben,

müssen verderben,

doch Jesus lebt in Ewigkeit.

Alle die Schönheit

Himmels und der Erden

ist verfasst in dir allein;

nichts soll mir werden

lieber auf Erden

als du, der schönste Jesu mein.14

Wovon das Alte Testament durchdrungen ist

Und wie ist es mit der Heiligen Schrift? Jesus selbst hat die Frage beantwortet, indem er behauptete, die hebräischen Schriften handelten und zeugten von ihm:

Ihr forscht in der Schrift, weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu finden. Aber gerade die Schrift weist auf mich hin (Joh 5,39).

Dann ging er mit ihnen die ganze Schrift durch und erklärte ihnen alles, was sich auf ihn bezog – zuerst bei Mose und dann bei sämtlichen Propheten … Da wurden ihnen die Augen geöffnet, und sie erkannten ihn (Lk 24,27.31).

Dann sagte er zu ihnen: „Nun ist in Erfüllung gegangen, wovon ich sprach, als ich noch bei euch war; ich sagte: Alles, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben ist, muss sich erfüllen.“ Dann öffnete er ihnen den Sinn, sodass die die Schrift verstehen konnten (Lk 24,44-45).

Jesus Christus macht die Heilige Schrift verständlich, denn er ist der Schlüssel, der uns den ganzen biblischen Kanon aufschließt. Dies wird aus der sorgfältigen Lektüre des Neuen Testaments ersichtlich. So ist beispielsweise die gesamte Geschichte Israels im Grunde die Geschichte des Messias Jesus. Christus ist das neue Israel, der neue Jakob.

Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. So erfüllte sich, was der Herr durch den Propheten vorausgesagt hatte: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“ (Mt 2,15; vgl. Hos 11,1).

Genauso verhält es sich mit den Zusagen, die Abraham und seiner Nachkommenschaft gemacht wurden. Übrigens sagt Gott nicht: „… und deinen Nachkommen“ – als würde es sich um eine große Zahl handeln. Vielmehr ist nur von einem Einzigen die Rede: „deinem Nachkommen“, und dieser Eine ist Christus (Gal 3,16; vgl. Jes 49).

Jakob hatte zwölf Söhne, aus denen die zwölf Stämme Israels hervorgegangen sind. Auch Jesus berief zwölf Jünger als seine Nachfolger.

Israel wurde vierzig Jahre lang in der Wüste versucht. Jesu Versuchung in der Wüste dauerte vierzig Tage. Ja, die gleichen Versuchungen, mit denen Israel während der Wüstenwanderung konfrontiert war, erlebte auch Christus in der Wüste. Um den Versuchungen zu begegnen, zitierte Jesus gegenüber Satan interessanterweise dieselben Worte, die Mose dem Volk Israel zugesprochen hatte, als dieses versucht worden war.15

Das 1. Buch Mose macht überdies deutlich, dass die Heilige Schrift Christus zum Inhalt hat. Die ersten beiden Kapitel waren nie dazu gedacht, der Auseinandersetzung zwischen Kreationisten und Evolutionisten ein Schlachtfeld zu bieten. Vielmehr sind sie dazu bestimmt, Christus und seine Gemeinde zu enthüllen: Jesus ist der neue Adam, die Gemeinde ist die neue Eva, und das Johannesevangelium ist das neue 1. Buch Mose (vgl. 1. Mose 1–2 mit Johannes 1–2).16

Der Tod herrschte bereits in der Zeit von Adam bis Mose über die Menschen, selbst wenn sie … nicht auf dieselbe Weise sündigten wie Adam. Adam nun steht dem, der kommen sollte, dem Messias, als Gegenbild gegenüber (Röm 15,14).

So steht auch geschrieben: „Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele“, der letzte Adam zu einem lebendig machenden Geist. Der erste Mensch ist von der Erde, irdisch; der zweite Mensch vom Himmel (1 Kor 15,45.47 ELB).

Deswegen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dieses Geheimnis ist groß, ich aber deute es auf Christus und die Gemeinde (Eph 5,31-32 ELB).

Ist Ihnen schon aufgefallen, wie häufig das Neue Testament die hebräischen heiligen Schriften zitiert? Schlagen Sie das Alte Testament auf und lesen Sie die zitierten Stellen. Dabei werden Sie feststellen, dass die neutestamentlichen Schreiber sich einer Interpretationsmethode bedienten, die heute den meisten wissenschaftlichen Auslegern größtes Kopfzerbrechen bereiten würde, ist doch dieser Ansatz ganz und gar nicht zeitgemäß. Es kommt einem vor, als würden sie sämtliche Texte aus ihrem Zusammenhang reißen.

Genau das taten sie aber nicht. Vielmehr lasen sie das Alte Testament durch eine einzige Brille: durch Christus. Nehmen wir als Beispiel Kolosser 2,16-17: „So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats, die ein Schatten der künftigen Dinge sind, der Körper selbst aber ist des Christus.“17

Beachten Sie, wie Jesus die Schrift auslegte und auf sich bezog. Und dann kombinieren Sie das mit der Art und Weise, wie die vier Evangelisten, Paulus von Tarsus und der Verfasser des Hebräerbriefes Christus in den hebräischen Schriften entdeckten.18 Wenn Sie diesem Ansatz folgen, ist das, wie wenn Sie das Alten Testaments mit einer neue Brille lesen würden. Christus wird Ihnen auf nahezu jeder Seite begegnen. Mit Jesus Christus als Deutungsvorlage ersteht das Alte Testament zu einem lebendigen Kunstwerk und verwandelt sich zum Bilderbuch Gottes, das uns den einzigartigen Christus vor Augen führt.19

In seinem Kommentar zum Johannesevangelium schreibt Johannes Calvin: „Beim Lesen der Heiligen Schrift sollten wir in ihr bewusst nach Christus Ausschau halten. Wer sich von diesem Ziel abbringen lässt, wird nie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, mag er sich ein Leben lang noch so sehr darum bemühen; denn welche Weisheit lässt sich ohne die Weisheit Gottes erlangen?“20

Charles Spurgeon kommt zum gleichen Ergebnis: „Aus jedem Text der Bibel führt eine Straße in ihre Mitte: Christus. Lieber Bruder, wenn du dich mit einem Bibelwort befasst, besteht deine vornehmliche Aufgabe darin, danach zu fragen: ‚Welcher Weg führt zu Christus?‘ … Mir ist noch nie ein Wort der Heiligen Schrift begegnet, aus dem kein Weg zu Christus führte.“21

Beachten Sie bitte, dass wir von religiösen Juden nicht erwarten, dass sie Jesus im Alten Testament entdecken – obwohl wir uns freuen würden, wenn es so wäre. Für den jüdischen Glauben ist es allerdings kein Problem, wenn Jesus nicht entdeckt wird. Der christliche Glaube nimmt jedoch Schaden, wenn Christen beim Lesen des Alten Testaments Jesus dort nicht finden. Entweder ist das Alte Testament – die hebräische Bibel – Teil der christlichen Heiligen Schrift oder nicht.

Kurz gesagt: Die volle Bedeutung des Alten Testaments erschließt sich einem Christen erst dann, wenn er die Geschichte, die mit Christus beginnt, von ihrem Ende her liest. Die Anfänge bleiben ohne das Ende verborgen. Ohne die Offenbarung lässt sich die Genesis (das erste Buch Mose) nicht begreifen. An uns liegt es deshalb, das Alte Testament im Lichte Jesu Christi zu deuten. Er ist der Rosettastein der Bibel.22

Wovon das Neue Testament durchdrungen ist

Das Neue Testament ist von Christus durchdrungen. Jesus ist natürlich das Thema der vier Evangelien. In ihnen geht es im Wesentlichen um Jesu erstaunliches Leben, seine grausame Kreuzigung und das Wunder seiner Auferstehung.

In der Apostelgeschichte breitet sich die Gegenwart des inzwischen erhöhten Jesus durch seinen Leib, die Gemeinde, aus. Zunächst erklärt Lukas, er habe in seiner ersten Schrift (dem Lukasevangelium) berichtet „von allem, was Jesus angefangen hat, zu tun und auch zu lehren“ [Hervorh. d. Verf.]. Die Apostelgeschichte ist dann die Fortsetzung davon: Was Jesus nunmehr durch seinen Leib tat und lehrte.

Die Botschaft der Apostel in der gesamten Apostelgeschichte ist weder ein „Heilsplan“ noch eine Theologie noch eine systematische Glaubenslehre. Sie ist vielmehr eine Person: Christus.

… damit er den sende, der euch zuvor verkündigt wurde, Jesus Christus (Apg 3,20 SLT).

Philippus kam hinab in eine Stadt von Samaria und verkündigte ihnen Christus (Apg 8,5 SLT).

Und sogleich verkündigte er in den Synagogen Christus, dass dieser der Sohn Gottes ist (Apg 9,20 SLT; vgl. Apg 17,3).

In Apostelgeschichte 2,42 lesen wir von der sogenannten „Lehre der Apostel“. Nach dem Pfingstereignis blieb die Jerusalemer Gemeinde beständig in dieser Lehre. Doch worum handelte es sich dabei genau?

Bevor wir diese Frage beantworten, möchten wir sie umformulieren und in ihren Zusammenhang stellen. Führen Sie sich folgende Situation vor Augen: Gerade haben die zwölf Apostel etwa dreitausend Neubekehrte getauft. Am folgenden Tag sollen diese unterwiesen werden. Was werden sie ihnen beibringen?

Schauen Sie sich in der zeitgenössischen christlichen Szene um und fragen Sie sich dann, welche Inhalte man jungen Christen heute vermitteln würde. Mit Sicherheit gehören folgende Themen dazu:

• Wie man ein untadeliges Leben führt

• Strategien für Gemeindemultiplikation

• Das Zeichen des Antichristen und der Endzeitfahrplan

• Die 613 Gesetze des Mose, welche genauestens zu befolgen sind

• Das 614. Gebot: „Du sollst nichts vergessen.“

• Die Visionen und Träume in Daniel und Hesekiel

• Zeichen und Wunder

• Wie man eine Bewegung startet

• Göttliche Heilung

• Wie man aus dem Glauben lebt

• Wie man Verlorene rettet

• Schöpfung oder Evolution?

• Prinzipien effektiver Leiterschaft

• Wie man die Bibel auswendig lernt

• Soziale Gerechtigkeit

• Wie man im Glauben visualisiert und manifestiert

• Positives Bekennen

• Geistliche Kampfführung

• Wie man jüdische Feste feiert

• Segen und Wohlstand

• Systematische Theologie

Vergleichen Sie diese Liste nun mit dem, was die Apostel die Neubekehrten tatsächlich gelehrt haben. Johannes, einer aus dem Apostelkreis, berichtet:

Von allem Anfang an war es da; wir haben es gehört und mit eigenen Augen gesehen, wir haben es angeschaut und mit unseren Händen berührt – das Wort des Lebens. Ja, das Leben ist erschienen; das können wir bezeugen. Wir haben es gesehen, und wir verkünden es euch – das ewige Leben, das beim Vater war und unter uns erschienen ist. Und warum verkünden wir euch das, was wir gesehen und gehört haben? Wir möchten, dass ihr mit uns verbunden seid – mehr noch: dass ihr zusammen mit uns erlebt, was es heißt, mit dem Vater und mit seinem Sohn, Jesus Christus, verbunden zu sein (1 Joh 1,1-3).

Die Lehre der Apostel war Jesus Christus:

Sie hörten nicht auf, jeden Tag im Tempel und in den Häusern zu lehren und Jesus als den Christus zu verkündigen (Apg 5,42).

Annähernd vier Jahre lebten die Zwölf mit dem Sohn Gottes. Sie beobachteten, wie er schlief, aß, Dämonen austrieb, die Angefochtenen tröstete und die Bequemen aufrüttelte. Aber noch wichtiger war, dass ihnen die Quellen von Jesu Leben greifbar vor Augen geführt wurden. Sie beobachteten, wie er mit seinem Vater Gemeinschaft pflegte.

Zusammengefasst können wir sagen: Die Schreiber des Neuen Testaments waren völlig von Christus eingenommen. Er war ihre Botschaft, ihre Lehre, ihre Verkündigung; er selbst war ihr Leben. Alles andere war ein Ausfluss ihrer innigen Gemeinschaft mit ihm.

Die Botschaft und der Dienst des Paulus von Tarsus

Wir beide haben uns zur Gewohnheit gemacht, nachzuzählen, wie oft in einer Predigt der Herr Jesus erwähnt wird.23 Bedauerlicherweise schaffen es heute viele Prediger und Lehrer, eine Stunde lang über ein Thema zu referieren, ohne den Herrn mehr als nur ein- oder zweimal zu erwähnen. Manchmal geschieht es auch gar nicht. Vergleichen Sie im Gegensatz dazu, wie oft sich Paulus in den ersten Kapiteln seiner Briefe auf Christus bezieht:

• Kolosser 1 (29 Verse): 30-mal

• Epheser 1 (23 Verse): 26-mal

• Philipper 1 (30 Verse): 20-mal

• Römer 1,1-9: 11-mal

• 1. Korinther 1,1-10: 13-mal

• 2. Korinther 1,1-5: 5-mal

• Galater 1,1-4: 4-mal

Sollten Sie einmal nachzählen, wie häufig Paulus in jedem seiner Briefe von Christus spricht – Sie kämen aus dem Staunen nicht heraus. Gleiches gilt für die anderen neutestamentlichen Verfasser.

Bedenken Sie auch, dass Paulus die Mehrzahl der neutestamentlichen Briefe verfasst und die meisten der heidenchristlichen Gemeinden im ersten Jahrhundert gegründet hat. Dass es ihm dabei immerzu um Christus ging, spricht Bände. („Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“24) Paulus war geradezu besessen von seinem gekreuzigten, auferstandenen und regierenden Herrn. Ist erst das Herz mit Christus beschäftigt, wird auch aus Mund und Feder Jesus fließen. Jede Pore wird dann Jesus Christus verströmen.

Mit einem Wort: Beim neutestamentlichen Dienst geht es darum, Jesus Christus weiterzugeben:

Mir, dem Allergeringsten von allen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, hat Gott in seiner Gnade den Auftrag gegeben, den nichtjüdischen Völkern zu verkünden, was für ein unermesslich großer Reichtum uns in der Person von Christus geschenkt ist (Eph 3,8).

Ihn [Christus] verkünden wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen in aller Weisheit lehren, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen (Kol 1,28 (ELB).

… damit ich [seinen Sohn] unter den Nationen verkündigte … (Gal 1,16 ELB).

Bei unserer Verkündigung geht es schließlich nicht um uns, sondern um Jesus Christus, den Herrn (2 Kor 4,5).

Weil die Heilige Schrift vom Vater und vom Geist inspiriert ist, ist es logisch, dass jedes Wort in ihr eine Offenbarung über den Herrn Jesus Christus verströmt, denn Gott der Vater ist leidenschaftlich eingenommen vom Sohn, und das gilt auch für den Geist.

Wir fassen zusammen: Der Vater, der Heilige Geist, die Engel, die gesamte Schöpfung, die Schriften und der Dienst der ersten Apostel deuten alle auf Jesus. Die Scheinwerfer von Himmel und Erde sind immerzu auf Christus gerichtet. Er ist die Melodie, die Harmonie, der Rhythmus, das Tempo und die Musik hinter allen Dingen. Der Himmel und die Erde singen sein Lied und spielen seine Melodie.

Praktische Folgerungen

Wir haben in diesem Kapitel Jesus Christus ausdrücklich in den Vordergrund gestellt. Dass einige von Ihnen, die das lesen, damit ihre Mühe haben, war uns durchaus bewusst. Dennoch hoffen wir, dass Sie weiterlesen. Schließlich haben wir dieses Buch eher als Tanz als eine Anleitung zum Tanzen konzipiert.

Uns ist ebenso bewusst, dass andere beim Lesen dieses Kapitels fröhlich zustimmend nicken – aber dies, ohne die ungeheure Tragweite des Gesagten zu realisieren. Das wissen wir, weil wir das Geschriebene bereits bei verschiedenen Anlässen in der Vergangenheit mündlich vorgetragen haben. Dabei blendeten es einige einfach aus wie einen Werbespot.

Was bedeutet das Gesagte also ganz praktisch?

• Es bedeutet, dass die Botschaft von jemand, der tatsächlich vom Geist Gottes inspiriert ist, Christus sein wird. Jedes seiner Worte wird Jesus atmen. Warum? Weil es dem Geist allein um Christus geht.

• Es bedeutet ferner, dass ein Lehrer, der aus der Schrift lehrt – und sich dabei gewissenhaft an Gottes Wort hält – durch den Text immer Christus enthüllen wird. Er wird Jesus aus den Seiten der Bibel hervorholen und erhöhen. Warum? Weil es der Heiligen Schrift allein um Christus geht.

• Es bedeutet, dass jeder Christ, der im Geist wandelt, von Christus reden und ihn durch seinen Lebensstil bezeugen wird.

• Es bedeutet, dass Gemeindeglieder ihren Herrn besser kennen werden als die Programme ihrer Kirche.

• Es bedeutet, dass Jesus in ihren Gesprächen vorkommen wird.

• Es bedeutet, dass ihre Handlungen und Haltungen seine Melodie erschallen lassen werden.

Daraus folgt: Wer es in seinem Dienst versäumt, Christus darzustellen, hat sich nicht nur verspielt, sondern die völlig falsche Melodie angestimmt.

Das Trauerspiel unserer Zeit sind die unzähligen Predigten, Vorträge und Referate von Pastoren, Lehrern und sogar Heilern, in denen Jesus, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle spielt und bestenfalls als dekoratives Element missbraucht als eine Nebenbemerkung erwähnt wird. Was fehlt, ist eine bahnbrechende Offenbarung über Christus, die den Verstand aufrüttelt und das Herz ergreift. (Mehr dazu später.)

Je nach dem, in welcher christlichen Tradition Sie beheimatet sind, mag für Sie der Begriff Offenbarung einen unheimlichen oder mystischen Beigeschmack haben. Doch das trifft überhaupt nicht das Wesen dieses Wortes. Die Verfasser des Neuen Testaments verwenden das Wort wiederholt, um eine Enthüllung, ein geistliches Sehen, ein inneres Erkennen von Christus zu beschreiben. Alles im christlichen Leben entspringt einer solchen Christus-Offenbarung. Hören Sie, was Jesus selber gesagt hat:

Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin? Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist (Mt 16,15-17 ELB; vgl. Lk 10,22).

Paulus’ Dienst baute auf einer inneren Offenbarung Christi auf:

Als es aber [Gott], der mich von meiner Mutter Leibe an ausgewählt und durch seine Gnade berufen hat, gefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich ihn unter den Nationen verkündigte … (Gal 1,15-16; vgl. V. 12).

Dem aber, der euch zu stärken vermag nach meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus, nach der Offenbarung des Geheimnisses, das ewige Zeiten hindurch verschwiegen war … (Röm 16,25 ELB).

Und so ist Paulus’ Anliegen in seinem himmelstürmenden Gebet im Epheserbrief, dass der Geist dem Volk Gottes Christus offenbart:

Deshalb … höre auch ich nicht auf, … [euer] zu gedenken in meinen Gebeten, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und Offenbarung in der Erkenntnis seiner selbst (Eph 1,15-17 ELB).

Wir legen nach: Was wird die Christenheit zur Umkehr bewegen und wieder auf Kurs bringen? Was wird dazu führen, dass Gottes Volk sich von all den Dingen befreien lässt, die mit Jesus ans Kreuz genagelt wurden? Was wird in unserer Welt eine geistliche Revolution auslösen? Was ist das Eine, das Gottes Herz zufriedenstellt und bewirkt, dass wir ihn mit einer unauslöschlichen Leidenschaft lieben, die „unser Herz brennen lässt“, wenn wir in der Schrift lesen? (vgl. Lk 24,32).

Das vermag kein wohlformuliertes Glaubensbekenntnis über Christus. Vielmehr wird es eine innere Offenbarung Christi durch den Heiligen Geist in unseren Herzen sein – eine fortschreitende Enthüllung jener Person, die uns auf jeder Seite der Heiligen Schrift entgegentritt und von der alle Dinge durchdrungen sind.

Denn derselbe Gott, der gesagt hat: ‚Aus der Finsternis soll Licht hervorstrahlen!‘, der hat es auch in unseren Herzen hell werden lassen, sodass wir in der Person von Jesus Christus den vollen Glanz von Gottes Herrlichkeit erkennen (2 Kor 4,6).

Womit sind Sie beschäftigt und erfüllt?

Was nun ist Ihre Hauptbeschäftigung im Leben und Dienst? Ein kleiner Hinweis: Das, womit Sie sich hauptsächlich beschäftigen, wird aus Ihrem Mund kommen. Es ist das, worüber Sie die meiste Zeit reden.

Das, was viele Christen umtreibt, hat jedoch überhaupt nichts mit geistlichen Dingen zu tun. Manche, die eher zu geistlichen Dingen neigen, beschäftigen sich mit Evangelisation. Für andere ist Gemeindemultiplikation das Wichtigste. Andere dagegen lernen die Bibel auswendig oder studieren Theologie. Viele Christen sind mit sozialer Arbeit beschäftigt, während sich andere hauptsächlich mit Leiterschaft und deren Prinzipien befassen. Für wieder andere ist es Mission, Lobpreis und Anbetung, Dämonenaustreibung, Heilung und Wunder, Heiligung, Endzeittheorien, geistliche Autorität und Unterordnung, globale Gerechtigkeit, Politik und anderes mehr. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Doch sind das alles bloß Dinge. Die Christenheit ist im Allgemeinen so weit von ihrem Herrn abgedriftet, dass heute hauptsächlich über „etwas“ gepredigt und gelehrt wird, statt über eine „Person“.

Infolgedessen konzentrieren wir uns auf „Dinge“ – sogar auf gute und religiöse Dinge, während wir den Herrn Jesus Christus in einen hinteren Winkel abschieben. (In der Predigt erscheint er bestenfalls als „Beilage“, selten jedoch als „Hauptgericht“.)

In Wirklichkeit jedoch ist Christus der, der alles andere übertrumpft. Die ganze Heilige Schrift bezeugt ihn. Der Vater erhöht ihn. Der Geist macht ihn groß. Die Engel beten ihn an. Für die Urgemeinde war er ihre Leidenschaft, ihre Botschaft und die Salbung ihres Leben. Christus war ihre Spezialität. Er war ihr Bräutigam und ihr Haupt. Auf nichts anderes waren die ersten Christen spezialisiert.

Die Quintessenz ist also: Außerhalb von Christus gibt es nichts, für das es sich zu leben lohnt.

Unseres Erachtens gibt es nur einen Grund, weshalb ein Christ sich nicht ausschließlich mit Christus beschäftigt und ganz von ihm eingenommen und ergriffen ist: Seine Augen sind noch nicht für die Größe Christi geöffnet worden. Es ist traurig, aber wahr, dass der heute in vielen Predigten zum Besten gegebene Jesus ein so armseliger, oberflächlicher, mickriger und unattraktiver „Christusverschnitt“ ist, dass sich unzählige Gläubige von endlosen anderen Dingen fesseln lassen.

Eine göttliche „Gefangenschaft“

Was wir heute brauchen, ist, dass uns die Schuppen von den Augen fallen, damit wir die unendliche Größe unseres Herrn erkennen. Dazu braucht es Menschen, die uns den Herrn mit Vollmacht deutlich vor Augen malen können. Das setzt natürlich voraus, dass diejenigen, die selbst von Christus ergriffen worden sind, anderen ihre klare, unverfälschte Sicht von Christus vermitteln. T. Austin-Sparks hat es einmal folgendermaßen formuliert:

Göttliche Fülle ist nur durch eine fortschreitende, wachsende Offenbarung Christi und seiner Bedeutung zu erlangen. Sofern wir das Zeugnis von Gottes Wegen von alters her nicht gründlich missverstanden haben, kommt eine solche Offenbarung zunächst durch ein von Gott in Beschlag genommenes Werkzeug, das in die Tiefen Gottes hineingeführt worden ist und danach diese Offenbarung als Gottes Wahrheit an sein Volk weitergibt. Anschließend wird sie zur inneren Erfahrung und Erkenntnis derer, die es mit Gott wirklich ernst meinen – nicht als Segen für sie, sondern als Gottes Auftrag und Vermächtnis in ihnen.25

Sind unsere Augen erst einmal für die unausforschlichen Reichtümer und die fesselnde Schönheit Jesu geöffnet worden, werden wir alle unsere anderen Bestrebungen entweder auf die hinteren Bänke verweisen, oder wir sehen sie neu „im Glanz seiner Herrlichkeit und Gnade“.26 Wie Paulus werden wir „ergriffen“, und von Christus „überfallen“ und „verhaftet“ (vgl. Phil 3,12).

Genauso ist es einem der größten Denker ergangen, den das Christentum hervorgebracht hat. Wie wir bereits in der Einleitung schrieben, hatte der großartige Theologe Thomas von Aquin eine Offenbarung Jesu Christi. Im Anschluss an jene Offenbarung schrieb er Folgendes: „Ich kann nicht mehr schreiben. Verglichen mit dem, was ich gesehen habe, kommt mir alles, was ich verfasst habe, wie Stroh vor.“ 27

Eine atemberaubende Begegnung mit Jesus in unserem Herzen wischt alles andere vom Tisch. An Christus kommt nichts heran. Im direkten Vergleich sind alle seine Konkurrenten mickrig. Wer von Christus ganz erfasst und erfüllt ist, ihn gut kennt und aus der täglichen Gemeinschaft mit ihm lebt, kann kühn behaupten: „Christus ist alles, was ich brauche. Nimm mir alles weg, und dennoch bleibt mir Christus. Nimm mir meine Gaben und meinen Dienst, nimm mir Zeichen und Wunder, nimm mir das Gefühl seiner Gegenwart, nimm mir mein Augenlicht, sodass ich nicht mehr lesen kann, und nimm mir alles weg, was mich geistlich und religiös interessiert – ich werde immer noch Christus haben. Und wenn ich ihn habe, habe ich alles.“

Ein durch eine Person motiviertes Leben

Wir bitten Sie eindringlich: Rücken Sie den Herrn Jesus Christus wieder in Ihr Blickfeld, machen Sie ihn zum Leuchtturm Ihres Lebens und räumen Sie ihm seinen rechtmäßigen – nämlich den zentralen, höchsten und unumschränkten – Platz in Ihrem Leben ein. Wir flehen Sie an: Machen Sie Christus zum Mittelpunkt, räumen Sie ihm sämtliche Außenbezirke Ihres Lebens ein und füllen Sie dann die Zwischenräume mit ihm aus.

Wenn Sie dieses Buch nun weiterlesen, ist es unser Gebet, dass Gottes Geist Sie mit einer sich stets weitenden, unaufhaltsam dem Himmel zustrebenden Offenbarung des Herrn Jesus beschenken möge, sodass Sie sich ganz in ihn verlieben und völlig von ihm eingenommen sind. Wir glauben, dass „Gott über eine geheime Treppe zu jedem Menschenherzen verfügt“,28 und in diesem Buch haben wir versucht, so viele Schlüssel wie möglich zu schmieden, um Sie zu ermutigen, über diese Stufen nach Hause zu gelangen.

1 Dietrich Bonhoeffer [Christologie-Vorlesung] in: Gesammelte Schriften III, Chr. Kaiser Verlag, München 1958, S. 199 f.

2 Im Englischen ein Wortspiel: History is His story [Anm. d. Übers.].

3 Ein häufig zitierter, H. G. Wells zugeschriebener Ausspruch, möglicherweise aus einer späteren Lebensphase.

4 Phil 3,10; Joh 14,9; Hebr 8,11; 1 Joh 2,20.27.

5 1 Kor 1,9 (ELB). Unser Glaube wurde von den Kirchenvätern als pistis Christou, als „Glaube an Christus“ bezeichnet oder – in anderer Übersetzung: „die Treue Christi“.

6 Vgl. 1 Joh 5,9.

7 Joh 1,1.14; 1 Joh 1,1-4.14; vgl. dazu Joh 17,5.24; Phil 2,6.

8 Joh 1,18 (NL); vgl. dazu Hebr 1,1-2.

9 Im Neuen Testament lesen wir gelegentlich, dass der Geist die Berufung eines Menschen oder zukünftige Ereignisse offenbart. Doch auch hinter solchen Enthüllungen verbergen sich letztlich Offenbarungen über Christus. Jesus Christus ist nämlich das Omega: Er selbst ist die Zukunft. Eine Berufung bedeutet lediglich die Enthüllung, welche geistliche Rolle jemand im Leib Christi spielt, um damit Christus selbst zum Ausdruck zu bringen.

10 Auch der „Geist der Weissagung“ (Offb 19,10), den viele als Hinweis auf den Heiligen Geist verstehen, bezeugt Jesus.

11 Vgl. auch Lk 2,12-14; 4,10; Mk 1,13; Joh 1,51; 1 Petr 3,22; 2 Thess 1,7.

12 Vgl. auch Joh 1,3; 1 Kor 8,6; Röm 11,36.

13 Tod bedeutet Trennung.

14 Hoffmann von Fallersleben 1842.

15 Vgl. 5 Mo 8,3; 6,13.16.

16 Zu Einzelheiten siehe Frank Viola, Ur-Schrei. Gottes Herzensanliegen seit ewigen Zeiten, GloryWorld, Bruchsal 2010, Kap. 1–20.

17 Hervorh. d. Verf.; vgl. Hebr 8,4; 1 Petr 1,10-11.

18 Eine wissenschaftliche Erörterung jeder ntl. Stelle, die sich auf einen atl. Text bezieht oder diesen zitiert, finden sich im umfangreichen Kommentar von G. K. Beale und D. A. Carson, Commentary on the New Testament Use of the Old Testament, Baker Academic, Grand Rapids, MI 2007.

19 Zur Vertiefung vgl. Frank Viola, „Beyond Bible Study: Finding Jesus Christ in Scripture“, www.ptmin.org/beyond.pdf

20 Johannes Calvin, Commentary on the Gospel According to John [Johannes-Kommentar]. Eerdmans, Grand Rapids, MI 1956, 1:218.

21 Charles Spurgeon, „Christ Precious to Believers“, Predigt 23 in: Sermons Preached and Revised by Rev. C. H. Spurgeon, 6. Reihe. New York: Sheldon, 1860, 357.

22 Der Stein von Rosette (oder Rosettastein), eine halbrunde Stele mit drei antiken Schriften, trug maßgeblich zur Übersetzung der ägyptischen Hieroglyphen bei [Anm. d. Übers.].

23 Einer von uns beiden recherchiert in geradezu zwanghafter Manier in einschlägigen Büchern nach Hinweisen auf Jesus; dabei interessiert ihn besonders, ob Jesus im Stichwortregister überhaupt vorkommt.

24 Mt 12,34 (LUT); vgl. Lk 6,45.

25 T. Austin-Sparks, „Our Ministry“, Juli 1942, www.lighthouselibrary.com

26 Helen H. Lemmel, „Turn Your Eyes Upon Jesus“, dt. „Richte den Blick nur auf Jesus / Schau auf in Sein Antlitz so schön! / Und die Dinge der Welt werden blass und klein / in dem Licht Seiner Gnade gesehn!“

27 Peter Kreeft, A Shorter Summa.

28 George Morris, The Mystery and Meaning of Christian Conversion. Nashville: Discipleship Resources, 1981, 170.

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22 dekabr 2023
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9783955781620
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