Kitabı oxu: «Sagen und Legenden aus Steyr und Umgebung»

Şrift:

Dem Gedenken meiner lieben Mutter

Maria Harrer, geborene Reisinger

Franz Harrer

Sagen und

Legenden aus Steyr

und Umgebung

ENNSTHALER VERLAG STEYR

www.ennsthaler.at

ISBN 978-3-7095-0139-9

Franz Harrer · Sagen und Legenden aus Steyr und Umgebung

Alle Rechte vorbehalten

Copyright © 1965 by Ennsthaler Verlag, Steyr

Ennsthaler Gesellschaft m.b.H. & Co KG, 4400 Steyr, Österreich

Umschlaggestaltung: Thomas Traxl

Umschlagbilder: Kupferstich von Steyr, Wolfgang Hauser 1584,

fotolia.de / Olga Rutko, fotolia.de / Ig0rZh

E-Book Herstellung: Zeilenwert GmbH

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

Sagen aus der Stadt Steyr

Der Ursprung der Burg Steyr

Der Raub der schönen Künhilde

Die Gründungssage der Burg Steyr

Der Ritter Heinz Scheck von Steyr

Die Michaelerkirche in Steyr

Die Ägidius-Glocke

Ein Wettlauf mit dem Tod

Der seltsame steinerne Kopf

Die Kapuzinerkirche in Steyr

Der abergläubische Müller

Das »Blut-Gassl«

Das Pestkreuz aus dem Jahre 1786

Der Goldschatz im Teufelsbach

Der Schmied beim Föhrenschacherl

Der rotbartete Wildschütz

Sagen aus dem Ramingtal

Damberg

Die zerstörte Burg

Die Laurenzi-Kapelle

Das »Windloch«

Der Hörndlrichter-Jogi

Unterwald

Die Heiligdreikönig-Sänger und der Teufel

Seebauer, der Klingenschmied

Der Goldschatz im Kesslboden

Der Teufelsspuk im Reitnergraben

Die Pest in Unterwald

Der »Sauhammer«

Die Räuber im »Moos«

Kleinraming

Der Lindenwirt in der Steinwänd

Der eingemauerte Silberschatz

Des Teufels Mühlsteine

Die lustige Dirn und der Teufel

Das »Mühlberger Geldloch«

Die Burg des »Grün-Königs«

Der »Höllstein«

Der unsichtbare Holzspalter

Kollergraben

Das angebannte Fuhrwerk

Ebersegg

Der Wildschütz

Spadenberg

Die Spadenberg-Kapelle

Maria Neustift

Die Kirche in Maria Neustift

Arthofberg

Die drei heiligen Jungfrauen

Konradsheim

Die feindlichen Brüder

Die Donatus-Kapelle

Lindauberg

Das Kind in der Schatzhöhle

Die feurigen Hunde im Lindauberg

Sagen aus dem Ennstal

St. Ulrich

Die Kirche von St. Ulrich

Der Fluch des Verurteilten

Der Ring des Schlossherrn

Die Schnecken-Kapelle

Die Krähen als Vorspann

Das unheimliche Fuhrwerk

Der Teufel als Fuhrmann

Dambach

Der scheltend’ Fleischhacker

Die Auerkapelle

Die Wildalm-Kapelle

Das feurige Manderl

Das Kreuz auf dem »Zwecker-Böndl«

Garsten

Abt Berthold von Garsten

Die Ketzer-Muttergottes

Der Mann mit dem schwarzen Mantel

Die Bertholdi-Glocke in Garsten

Lahrndorf

Der Tod als Fahrgast

Der Spuk im Wächterhaus

Der Hexenbeschwörer

Die zwei Liachtln

Dürnbach

Der Mann mit dem Sack

Wendbach

Die wilde Jagd im Waldgraben

Schoberstein

Das Geldloch im Schoberstein

Das Waldweiblein vom Schoberstein

Trattenbach

Die Pest im Trattenbachtal

Ternberg

Der reiche Bauer

Losenstein

Die Entstehung der Burg Losenstein

Der Blasibrunn am Scherrerbichl

Die drei lustigen Wanderburschen

Die Volkssage vom Ofen

Pfennigstein

Der Pfennigstein bei Losenstein

Die Eva-Kuchl

Schieferstein

Der steinerne Jäger

Der Jägersprung

Laussa

Der Spuk im »Geißberger-Moos«

Wie der Teufel den Stodermüller austränken wollte

Die versunkene Sichelschmiede

Das Blendwerk des Teufels

Die Pest im Geißbergerhaus

Der »goldene Hansenstein«

Die Hexe in der Loahmbichler-Woad

Der »Manderlmaler-Maurer«

Das nackte Weib unter dem Vieh

Höllleiten-Nöstltal

Die Kapelle in Höllleiten-Nöstltal

Reichraming

Die Begegnung mit dem Tod

Der Räuberhauptmann Stern

Die Goldluke

Großraming

Das »Kogler-Kreuz« in Großraming

Der Teufel jagt einen Fensterlbuben

Die Geisterschlucht

Die teuflischen Schmiedgesellen

Die Hüttal-Hexn

Sagen aus dem Steyrtal

Christkindl

Die Gründung von Christkindl

Der Goldschatz des Bergmännleins

Aschach

Die Kirche von Aschach

Waldneukirchen

Der »Teufelsturm« bei Waldneukirchen

Adlwang

Der heilige Brunnen in Adlwang

Maria im Ameisenhaufen

Das Geschenk der hl. Maria

Die heilige Maria im Bade

St. Blasien

Die Kirche in St. Blasien

Leonstein

Das gefangene Bergmandl

Pernzell

Die »Zwergen-Höhle« in Pernzell

Die Laußberg-Höhle

Molln

Der Schatz im Berge

Die unheimliche Begegnung

Klaus

Der Teufel baut eine Brücke

Windischgarsten

Das Marktwappen von Windischgarsten

Der Totenwagen

Sagen aus dem Alm- und Kremstal

Grünau

Die Bergmännlein und Bergfräulein von Grünau

Schlierbach

Der unauffindbare Schatz

Schellenstein

Die Rose von Schellenstein

Alt-Pernstein

Der Fenstersturz

Kremsmünster

Die Gründung des Klosters Kremsmünster

Die verwunschene Schlossfrau

Der Feuerbaum

Eberstallzell

Ein Weib überlistet den Teufel

Der Wagen des Teufels

Heiligenkreuz

Die Kirche Heiligenkreuz

Pfarrkirchen

Die Glocke von Pfarrkirchen

Feyregg

Das Schloss Feyregg

Achleiten

Der Teufel von Achleiten

Kematen

Der fremde Spieler

Neuhofen

Die Pest in Neuhofen

Julianaberg

Der Heilbrunnen auf dem Julianaberg

Rechberg

Die feindlichen Brüder von Rechberg

Sagen aus der Umgebung der zwei Ipfbäche und der Enns

Thanstetten

Der Schmied von Thanstetten

Weichstetten

Die Pest in Weichstetten

St. Marien

Das Totenkreuz

Losensteinleiten

Der Meisterschütze von Losensteinleiten

Wolfern

Die Kirche von Wolfern

Das »Weiße Kreuz« bei Wolfern

Gleink

Das Wappen des Klosters Gleink

Spitzenburg

Der »heilige Brunnen« in Spitzenburg

Thann

Der Schmied zu Thann rauft mit dem Teufel

Dietach

Die Kirche in Dietach

Stadelkirchen

Das Fluchtkreuz am Fluchtberg

Die Satanstanzstatt

Hargelsberg

Pudel, scher’ dich!

Steinerkirchen

Der geprellte Teufel

St. Florian

Das »Weiße Kreuz« bei St. Florian

Tillysburg

Die Tillysburg

Kronstorf

Das Siebenrasten-Kreuz

Pühring

Die »Ketzergruabn«

Maria Winkling

Die Kapelle Maria Winkling

Am Fletzerweg

Die Kapelle des hl. Nikolaus

Unterburg

Der Ritt durch die Enns

Vorwort

Es war schon lange mein Wunsch, dass die von mir seit vielen Jahren erforschten und in verschiedenen Zeitungen und Kalendern veröffentlichten sowie noch nicht veröffentlichten Sagen und Legenden gesammelt in Buchform erscheinen, damit sie auf diese Weise ins Volk zurückkehren, von dem sie gekommen sind. Die hier gesammelten Sagen stammen aus Steyr, der schönen, alten, wasserumrauschten Stadt im Tale, aus den Bergen und Tälern der Voralpen und aus dem schönen, malerischen, von klaren Bächen und Bächlein durchflossenen, fruchtbaren Hügellande, so weit die ausgedehnte, schöne Umgebung reicht. Im Laufe vieler Jahrzehnte habe ich mich bemüht, aus dem lebensfrohen, arbeitsamen, gastfreundlichen und sagenfreudigen Volke, das diesen herrlichen und entzückend schönen Landstrich bewohnt, Volkssagen und Legenden herauszuhorchen. Das Forschen nach Sagen, den einfachen Naturpoesien des Volkes, ist mir zur Lieblingsbeschäftigung in meiner freien Zeit geworden. Das Gemüt des friedvollen Volkes ist noch empfänglich für Sagen, die in geruhsamen Feierstunden daheim erzählt werden. Wie oft bin ich im Kreise von lieben Menschen in der traulichen Stube eines Voralpenbauers gesessen und habe ihren seltsamen Sagen, die sie »Geschichten« nennen, gelauscht.

Sowohl die Stadt Steyr als auch die Umgebung sind reich an köstlichen Sagen, die uns viel aus längst verklungenen Tagen erzählen.

Auffallend sind die vielen uralten Sagen und Legenden, die die Stadt Steyr besitzt, deren Begebenheiten durch den Nebelschleier der Vorzeit schimmern. Wie weit die Menschensiedlung Steyr in die Vorzeit zurückreicht, ist nicht genau bekannt, aber wo die Historie schweigt, redet die Sage. Hier gilt, was Peter Rosegger in einer seiner Schriften sagt: »Die Historie schläft – und ihr Traum ist die Sage.« Bis heute hat es noch keine umfassende Darstellung von Sagen und Legenden aus der Stadt Steyr und ihrer Umgebung gegeben. Dieses Buch schließt daher eine Lücke der heimatlichen Sagenforschung. Wer die Heimat kennenlernen will, muss auch ihre Sagen kennen und darf an ihnen nicht achtlos vorübergehen.

Franz Harrer

Sagen aus der Stadt Steyr
Der Ursprung der Burg Steyr

In der mittelalterlichen Heldensage von Biterolf und Dietleib wird die Erbauung der Burg Steyr mit Etzel, genannt Attila, dem Hunnenkönig, in Verbindung gebracht.

Historisch betrachtet war Attila ein Schrecken der Völker, ein Verächter von Gesetz und Recht. Er hat seinen Bruder Bledel ermordet, um Alleinherrscher der Hunnen sein zu können. Jordanes, der Geschichtsschreiber der Goten, schildert ihn als klein von Gestalt, breitschultrig, dickköpfig mit kleinen Augen, mit spärlichem, grau untermischtem Barthaar, mit platter Nase und dunkler Hautfarbe.

Er hatte, wie es bei diesem Volke Sitte war, viele Weiber, daher auch viele Söhne und Töchter; die Töchter zählten nicht, denn sie waren keine Krieger. Er hatte ein Heer von 500.000 Kriegern, die aber nach dem Bericht des Jordanes schier mehr Tiere als Menschen waren. Seine Hauptfrau war Helche, die Königin der Hunnen. In den Niederungen zwischen Donau und Theiß war, wie der oströmische Geschichtsschreiber Priskus berichtet, die große, volkreiche, aus Holz gebaute Hunnenstadt, wo Attila in einem großen Palast mit Säulenhallen sein Hoflager hielt und eine Pracht entfaltete, die selbst Römer und Griechen in Erstaunen setzte. Hier lagerten unermessliche Schätze, die Beute der eroberten Länder. Gesandtschaften aus allen damals bekannten Teilen der Erde trafen sich hier, wie auch Attila Gesandte in allen Ländern hatte. Viele germanische Fürsten weilten an seinem Hofe und leisteten Attila auf seinen Kriegszügen Heerfolge. Ein Mann mit mächtiger Kraft und unerschütterlichem Willen stand Attila, ein Völkerkönig, da. Er nannte sich selbst die »Gottesgeißel« und meinte, er sei zum Herrn der Welt bestimmt.

Erscheint Attila geschichtlich als unersättlicher Land- und Sachräuber, so tritt er in den alten Heldensagen als idealer König, freundlicher und leutseliger Herr in Erscheinung. So in der alten Heldensage von Biterolf und Dietleib.

Der Westgote Biterolf, Fürst von Toledo in Spanien, verließ eines Tages seine Frau Dietlinde, seine beiden Kinder Dietleib und Künhilde und zog an den Hof Attilas, der in Heldensagen Etzel genannt wird, um ihn, von dem er schon so viel Merkwürdiges gehört hatte, kennenzulernen. Er blieb dort viele Jahre unerkannt, machte Attilas Kriegszüge mit, zeichnete sich durch Tapferkeit aus und stand hoch in der Gunst des Königs Etzel. Inzwischen waren Dietleib und Künhilde herangewachsen. Dietleib, ein schöner und kräftiger Jüngling geworden, wollte durch die Lande ziehen und seinen Vater suchen, was ihm aber seine Mutter verwehrte. Doch er täuschte seine Mutter, indem er sagte, er gehe auf die Jagd, welches Vergnügen sie ihm gönnte. Auf diese Art entfloh er seiner Mutter.

Mit dreien gleich ihm tatenlustigen Jünglingen ritt er nach Norden an den Hof des Königs Günther zu Worms am Rhein, weil er glaubte, dort seinen Vater zu finden. Doch dort war er nicht. Nun ritten die viere nach Osten zu König Attilas Hof, wo sie gut aufgenommen wurden. Markgraf Rüdiger von Pechlarn begrüßte sie herzlich. Biterolf, der am Hofe Attilas war, kannte seinen Sohn Dietleib nicht und der Sohn den Vater nicht. Auf einer Heerfahrt gegen den Polenkönig, der Attila den Krieg angesagt hatte, zogen auch die beiden mit Dietrich von Bern, Wolfhart, Wittich und anderen Helden und kämpften als die Tapfersten. Nach dem Ende des Kampfes vermittelte Rüdiger von Pechlarn das Erkennen zwischen Vater und Sohn; denn er hatte in ihnen den Fürsten Biterolf von Toledo und seinen Sohn Dietleib erkannt.

Als der Krieg einen für Etzel (Attila) günstigen Verlauf genommen hatte, zog das Heer zurück zur Stadt der Hunnen. Alle Helden im Hunnenpalast wurden freundlich empfangen und belohnt. Dem Fürsten Biterolf schenkte Attila das Steyerland, das vorher Nurdung, Attilas Sohn, besessen hatte. Es war eines der schönsten Länder, das unter der Herrschaft Attilas war, reich an Getreide, Weiden und Wald, mit vielen jagdbaren Tieren, Salz und Wein, selbst Gold und Silber in seinem Inneren bergend. Biterolf und Dietleib bauten sich auf der Felsenhöhe am Zusammenfluss der Enns und Steyr die prächtige Steyrburg und nannten das Land Steiermark. Nach Vollendung der Burg ritten Biterolf und Dietleib nach Spanien und holten die Fürstin Dietlinde und die junge Künhilde ab und kehrten mit vielen Rittern zur Steyrburg zurück, in der nun Fürst Biterolf regierte.

Der Raub der schönen Künhilde

Fürst Biterolf, seine Frau, die Fürstin Dietlinde, Dietleib und seine junge Schwester Künhilde lebten und wirkten mit ihrem Ingesinde auf der schönen Burg zu Steyr, die Biterolf und sein Sohn Dietleib nach der Heimkehr aus der Residenzstadt des Königs Etzel auf der hohen Felsterrasse am Zusammenfluss der Steyr und der Enns haben erbauen lassen, wie eine uralte Sage uns erzählt. Am Morgen eines schönen Frühlingstages ging Künhilde, die schöne Tochter Biterolfs, mit ihren Gespielinnen aus der Burg zu Spiel und Tanz unter die grünen und blühenden Linden. Es fehlten auch die jungen Ritter nicht. Spielleute waren auf dem grünen Plan und spielten schöne Tanzweisen, nach denen sich das junge Volk drehte. Unter den Fröhlichen waren auch Fürst Biterolf, etliche Grafen mit ihren Frauen, die den heiteren Spielen mit Wohlgefallen zusahen.

Da kam auf seinem Pferde Laurin, der König der Zwerge, zur Burg Steyr geritten. Auch er sah dem fröhlichen Treiben der Mädchen interessiert zu. Unter den schönen Mädchen sah er Künhilde, welche die Schönste und Lieblichste von allen war. Sogleich entbrannte er in Liebe zu der schönen Maid. Vermöge seiner Zauberkraft und seiner Nebelkappe, die ihn unsichtbar machte, holte er Künhilde, indem er eine Tarnkappe über sie stülpte, aus der Hut ihres Bruders und einiger Grafen heraus, setzte sie auf sein Pferd und ritt mit ihr nach Tirol; er brachte sie in den fürstlich eingerichteten hohlen Berg, wo König Laurin sie als Königin über sein Zwergenvolk setzte. Niemand hatte den Raub der Fürstentochter bemerkt.

Auf der Suche nach seiner Schwester Künhilde, die auf so geheimnisvolle Art verschwunden war, kam ihr Bruder Dietleib auch zum Rosengarten des Zwergenkönigs Laurin in Tirol. Dort traf er mit den vier Fürsten Dietrich von Bern, Hildebrand, Wittich und Wolfhart zusammen, die er kannte und die seine Freunde waren. Dietrich stand zur selben Stund im ungleichen Zweikampf mit dem Zwergenkönig Laurin, der durch seinen Zaubergürtel Zwölfmännerstärke besaß und sich außerdem mit seiner Tarnkappe unsichtbar machen konnte. Erst als ihm Dietrich von Bern den roten Zaubergürtel zerbrach, war der Zwerg machtlos, gab sich besiegt und bat um sein Leben.

Laurin versprach den vier Fürsten Freundschaft und Treue, lud sie ein, mit ihm in den hohlen Berg zu gehen. Wohl warnten Wittich und Wolfhart vor der Tücke und der Hinterlist König Laurins, des Zwerges; um nicht feige zu erscheinen, gingen sie alle hinein in den Berg. Darinnen war einzigartige Pracht und Herrlichkeit; überall funkelte es von Gold und Edelsteinen. Laurin, der Zwerg, ließ den Fürsten ein Mahl bereiten. Bei Wein und Met, bei Harfenklang und Geigenspiel, Gesang und mancherlei Spielen, vom Volk der Zwerge dargebracht, war große Lust und Fröhlichkeit im Berge. Da kam herein die schöne Künhilde, reich gekleidet, das Haupt geschmückt mit einem goldenen Diadem. Sie grüßte die Fürsten als ihre lieben Gäste. Groß war die Freude, als sie ihren lieben Bruder Dietleib sah, den sie herzlich begrüßte. Sie sagte ihm, dass sie alles im Überflusse hätte, sich aber nach der lieben Heimat sehne. Dietleib sprach, er sei gekommen, sie von hier fort und heim zu bringen. Laurin, der Zwergenkönig, ging zu Künhilde, seiner lieben Herrin und klagte ihr sein Leid. Die Recken hätten ihm seine schönen Rosen verwüstet, Dietrich habe ihm den Gürtel zerbrochen, dadurch habe er seine Stärke verloren und könne sich nicht rächen. Sie möge ihm raten, was er tun solle. Sie steckte ihm unter der Bedingung, dass er den Fürsten nicht ans Leben gehe, was er ihr versprach, ein Ringlein an den Finger, mit dem er seine Zwölfmännerstärke wieder hatte.

Laurin ließ sich Dietleib kommen, nannte ihn seinen lieben Schwager und sagte, er wolle seine vielen Schätze mit ihm teilen, wenn er sich nicht der Fürsten annehme. »Nein«, sagte Dietleib, »das tue ich nicht, meinen Freunden werde ich nicht untreu.« Da sperrte der ränkesüchtige Zwerg Dietleib in das Felsgemach ein. Dann eilte Laurin in den Felsensaal, wo die vier Fürsten beim Mahle saßen, tat ihnen betäubenden Kräutersaft in Wein und Met, dass sie nach einer Weile wie tot auf den Bänken lagen. Dann warf er alle viere in ein tiefes Felsenverlies.

Künhilde, die alles beobachtet hatte, erkannte die Gefahr, in der ihr Bruder und die vier Fürsten schwebten. Sogleich eilte sie heimlich zu ihrem Bruder, gab ihm ein Ringlein, damit er die Zwerge sehen konnte, die er, durch Zauber verursacht, nicht hätte sehen können. Künhilde half dem Bruder sich rüsten, sie setzte ihm den Helm auf das Haupt, gab ihm Schwert und Schild. Dann führte sie Dietleib zu dem tiefen Felsverlies, darinnen die vier Fürsten gefangen waren. Er brachte ihnen ihre Rüstungen und die Waffen. Als Laurin das bemerkte, blies er in das Horn, dass es durch den Berg schallte, auf welchen Ruf dreitausend Zwerge kamen, denen er zurief: »Dass ihr mir von den fünf Recken keinen am Leben lasst!« Während sich die vier Fürsten in Eile rüsteten, kämpfte Dietleib einen harten Kampf mit den Zwergen, von denen viele tot dahinsanken, aber auch er drohte bald zu erliegen. Zur rechten Zeit noch kamen die Recken und griffen, nachdem auch sie von Künhilde Ringlein bekommen hatten, die sie befähigten, die Tausende von Zwergen zu sehen, in den Kampf ein, der vielen Zwergen das Leben kostete. Und als dem Zwergenkönig der Finger, an dem sein Ring stak, abgehauen wurde, verlor er abermals seine Zwölfmännerkraft. Da stieß der Zwerg in sein Hifthorn; auf diesen Notruf kamen fünf Riesen, die dem Zwergenkönig dienten, vom Walde herein in den Berg und griffen mit langen Eisenspießen in den mörderischen Kampf ein. Viele der Zwerge und mit ihnen auch die fünf Riesen wurden erschlagen.

Da sank der Zwergenkönig auf die Knie und bat nicht nur um sein Leben, sondern auch um das Leben seines übrig gebliebenen Zwergenvolkes. Erst als die schöne Künhilde um das Leben Laurins und seines Volkes bat und auch Dietleib sich der Bitte seiner Schwester anschloss, ließen die Fürsten von dem wilden Streite ab. Sintram, ein treuer Zwerg, wurde von den Recken als König der Zwerge eingesetzt. Der Zwergenkönig Laurin aber wurde gefangen und von den Fürsten nach Bern mitgenommen. Künhilde bat Dietrich von Bern um Milde für Laurin, den Zwergenkönig. Als sie sich von Laurin verabschiedete, weinte er bitterlich und schrie auf vor Schmerz über den Verlust der jungen, schönen Fürstentochter Künhilde. Künhilde aber kehrte mit ihrem Bruder Dietleib heim zur Burg Steyr, wo die auf so rätselhafte Weise verschwundene Fürstentochter von ihrem Vater Biterolf und ihrer Mutter Dietlinde mit Freuden empfangen wurde. So die altdeutsche Sage von der Künhilde, dem Zwergenkönig Laurin, dem Fürsten Biterolf und der Burg zu Steyr.

Die Gründungssage der Burg Steyr

Es war vor sehr langer Zeit. Da ritten eines Tages zwei junge Ritter auf schönen, edlen Pferden einen breiten, halb mit Gras bewachsenen Saumpfad entlang; bald ritten sie durch schattendunklen Wald, bald über grüne Fluren, die zwischen den Wäldern lagen. Sie waren von weither über das Hügelland gekommen und ritten gegen Süden, dem Gebirge zu. Zur Linken hatte jeder ein Schwert, dessen metallische Scheide an die eisernen Steigbügel schlug und glöckelte. Die Lanzen hatten sie angriffslustig in Händen, denn zu jener Zeit hausten in den vielen urwaldartigen Wäldern noch Bären, Wölfe und anderes Raubgetier.

Die beiden Ritter redeten nicht viel, sondern ritten schweigend durch die Gegend. Ihre Blicke aber ließen sie wie suchend über die hügelige Gegend schweifen. Dort und da, unter dem Laub der Bäume schier versteckt, lag ein aus Holz gebautes Bauernhaus, zaunumschlossen, am Saume eines Waldes. Auf den Feldern verrichteten Bauersleute ihre Tagesarbeit, die Waffen griffbereit in ihrer Nähe; denn es war, wie gesagt, noch eine gefährliche Zeit, wo Raubtiere durch die Gegend strichen.

Lange waren sie schon durch das Land geritten. Plötzlich standen die Ritter mit ihren Pferden am Rande eines steil, fast senkrecht abfallenden Berghanges. Voll Verwunderung sahen sie auf das herrliche Landschaftsbild, das sich vor ihren staunenden Augen auftat. Tief drunten rauschten und schäumten zwei Bergflüsse, die durch Auen von verschiedenen Richtungen kamen und sich hier zu einem Fluss vereinigten, der, von Auwaldbäumen besäumt, seine Wasser rauschend nordwärts wälzte. Sie sahen in das schöne Tal, sie sahen die grünen Berge, sie sahen die gewaltigen Felsenberge, deren weißgraue steinerne Häupter weit südwärts in die Bläue des Himmels ragten.

Entzückt von der Schönheit dieses Landschaftsbildes sprach der eine Ritter: »Hier ist es schön, hier wollen wir uns eine Burg bauen!« »Du hast recht, Bruder, und hier für immer bleiben.« Sie sahen sich nach einem geeigneten Platz zum Bau einer Burg um. Meinte der eine: »Der schönste Platz ist diese bewaldete Anhöhe, auf der wir stehen.« »Nein«, sagte der andere, »der beste und schönste ist drüber dem Fluss, dort auf dem dreieckigen Felsen, der sich zwischen den zwei Flüssen in die Wassergabel vorschiebt.« »Der schönste Platz ist aber hier«, so der eine. »Der sicherste aber ist dort drüben.« So der andere. So stritten sie lange fort und konnten sich nicht einigen.

Und so musste nach dem alten ritterlichen Brauche durch einen Zweikampf darüber entschieden werden, wo die Burg zu stehen kommen sollte. Hart rannten die beiden Brüder gegeneinander, bis einer aus dem Sattel geschleudert wurde. Nach dem Willen des Siegers wurde die Burg auf jenem Felsen erbaut, den die Fluten der Steyr bespülten. Daher wurde die Burg »Steyrburg« genannt. Handwerker mit ihren Familien siedelten sich hier an, denn im Schutz des Burgherrn konnten sie friedlich arbeiten. Im Laufe der Zeit entstand die Stadt Steyr, so genannt nach der Steyrburg. Auf der Anhöhe aber, wo der unterlegene Ritter die Burg bauen wollte, steht heute das kirchenähnliche, mauerumfangene Gebäude mit dem schlanken Türmlein, auf dessen Spitze der Wetterhahn sich nach dem Winde dreht und so den Leuten gutes oder schlechtes Wetter kündet. Dieses weiß schimmernde, freundliche Gebäude schaut aus luftiger Höhe hernieder auf die Stadt und wird »Tabor« genannt.

Der Ritter Heinz Scheck von Steyr

Im Mittelalter lebte in Steyr das Rittergeschlecht der Schecken. In langer Geschlechterfolge existierte dieses Geschlecht, das in Steyr eine hervorragende Rolle spielte, von 1126 bis 1465, dann starb es wahrscheinlich aus, weil man nichts mehr von ihm hörte. Einige der Schecken waren Burggrafen von Steyr. Einer der Schecken, und zwar Ritter Otto von Scheck, wurde im Jahre 1213 von dem wilden Ritter Otto Düring von Ternberg im Streite, dessen Ursache unbekannt ist, mit anderen im Freithofe von Garsten erschlagen. Dieser rauflustige Ritter ordnete hernach einige persönliche Angelegenheiten mit Abt Konrad III. vom Kloster Garsten und zog, wie es heißt, aus Reue über seine blutige Tat und zur Sühne als Pilger nach Rom und in der Folge als Kreuzritter mit Herzog Leopold V. von Österreich und Kaiser Friedrich II. nach Palästina, wo ihm in der Fremde das geschah, was er in der Heimat anderen getan: Er wurde dort erschlagen. Ein anderer der Schecken ist im Laufe der Zeit zur Sagenfigur geworden. Es war dies, wenn man der Sage glauben darf, der Ritter Heinz Scheck von Steyr. Von ihm erzählt die Sage gar Löbliches. Der junge, schöne Ritter Heinz Scheck lebte am Hofe Herzogs Leopold V., des Tugendsamen. Diesen Ritter schätzte und liebte der Herzog unter allen Rittern seines Hofstaates wegen seiner guten ritterlichen und menschlichen Eigenschaften am meisten; denn er war tapfer und immer siegreich im Turnier, welches Waffenspiel der Herzog so sehr liebte. Aber eines besaß der Ritter Heinz nicht, nämlich Reichtum; er war arm wie eine Kirchenmaus. So sehr Heinz Scheck in der Gunst des Herzogs stand, einmal aber sollte er sich doch diese Gunst, freilich unbeabsichtigt, verscherzen.

Eines Tages fand in der Steyrburg ein Turnier statt, zu dem sich viele Ritter in ihren kunstvoll gearbeiteten Eisenkleidern einfanden. Bei diesem Turnier warf der Ritter Heinz Scheck einen nach dem anderen in den Sand. Als kein Ritter mehr da war, mit dem er sich hätte messen können, ritt Herzog Leopold, der ein Meister dieses Waffenspieles war, mit dem Ritter Heinz in die Schranken. Dieser rannte den Herzog mit solchem Ungestüm an, dass er durch den wuchtigen Lanzenstoß im Bogen aus dem Sattel geworfen und höchst unsanft in den Sand geschleudert wurde, wo er wie tot liegen blieb. Die Beistände eilten zu Hilfe und bemühten sich um ihn. Als er zur Besinnung gekommen war und sich wieder erholt hatte, schwur er, lieber sein Lieblingsdorf Pfarrkirchen zu verschenken, als diesem groben Draufgänger noch einmal die Hand zu reichen. Außerdem bannte er ihn von seinem Hofe.

Nach einiger Zeit lud der Herzog die Ritter abermals zu einem Turnier in die Steyrburg. Bedingung aber war, dass jeder Ritter nur im reichsten Schmuck der Rüstung zu erscheinen habe, ein anderer aber zu diesem Kampfspiel nicht zugelassen würde. Das tat der Herzog, um den armen Ritter Heinz Scheck zu ärgern, dem es wegen seiner einfachen Rüstung unmöglich war, daran teilzunehmen.

Die unfreiwillige Muße, die dem Ritter Heinz durch die Verbannung vom Hofe auferlegt war, verbrachte er damit, dass er die Wälder um Steyr durchstreifte und dem Wilde nachjagte. Eines Tages, kurze Zeit vor dem angesagten Turnier, ritt er durch einen Wald. Da hörte er laute Hilferufe. Als er in die Richtung sprengte, sah er, dass sich ein Mann, der von einigen Straßenräubern überfallen worden war, verzweifelt wehrte. Heinz Scheck stürmte heran und die Strolche, vor den Schwerthieben weichend, ergriffen eiligst die Flucht. Der Mann, ein reisender jüdischer Kaufmann, bedankte sich herzlich. Der Ritter brachte ihn nach Steyr.

Als der Tag des Turniers erschienen war, kamen die Ritter in ihren kostbaren Rüstungen, die Harnische glänzten und funkelten. Jedes Pferd trug einen Überwurf aus Tuch oder Seide mit dem Wappen seines Herrn. Alle aber übertraf der Herzog, dessen Rüstung vom Golde gleißte und glänzte. Da kam auch ein fremder Ritter mit geschlossenem Visier auf feurigem Rosse herangesprengt, dessen Rüstung von wunderbarer Schönheit war. Der Herold verkündete den Beginn der Kampfspiele. Die Beistände reichten den zum Kampfspiel bereiten Rittern die Lanzen. Der fremde Ritter warf jeden Ritter, der mit ihm in die Schranken geritten war, in den Sand, bis keiner mehr da war, mit dem er noch nicht gekämpft hatte. Zum Schluss musste der Herzog den Waffengang mit dem siegreichen Ritter aufnehmen. Aber auch der Herzog, ehe er sich’s versah, lag schon im Sand. Der Herzog war voll Verwunderung über die Kraft und Gewandtheit des fremden Ritters, reichte ihm die Hand und versprach ihm eine Burg, wenn er an seinem Hof bleiben würde; aber er möge sein Visier öffnen. Heinz Scheck von Steyr – er war es – beugte das Knie vor seinem Fürsten und bat um Gnade, dass er es gewagt habe, vor den Augen seines Herzogs zu erscheinen. Ein reicher Kaufmann, den er vor Räubern gerettet, habe es ihm möglich gemacht, in dieser prächtigen Rüstung auf dem Turnierplatz zu erscheinen. Der Herzog reichte ihm verzeihend die Hand, nahm ihn wieder in Gnaden auf und schenkte ihm sein Lieblingsdorf Pfarrkirchen.

Das Leben Herzog Leopolds V. nahm durch ein Turnier, wie uns die Historie erzählt, ein trauriges Ende. Im Dezember des Jahres 1194 feierte der Herzog das Weihnachtsfest in Graz. Am 26. Dezember (Stefanitag) beteiligte er sich – er war schon 57 Jahre alt – an einem Turnier. Er stürzte mit seinem Pferde so unglücklich, dass ihm ein Bein zerschmettert wurde. Der am folgenden Tag eintretende Brand machte die Abnahme des Beines notwendig. Aber kein Arzt wollte ihm diesen gefahrvollen Dienst leisten. Da rief der Herzog seinen Kämmerer, er selbst setzte die Hacke auf das Bein, der Kämmerer musste mit einem Schlägel daraufschlagen; erst beim dritten Schlag war das brandige Bein ab. Am anderen Morgen deuteten die Ärzte dem Herzog die große Gefahr, in der er schwebe. Nachdem der Herzog das Ordenskleid der Cisterzienser angelegt hatte, starb er fünf Tage später am 31. Dezember 1194 und wurde seinem Wunsche gemäß zu Heiligenkreuz in Niederösterreich begraben.

Die Michaelerkirche in Steyr

Auf erhöhtem Platze, am Fuße der Taborleiten in Steyr, steht die prächtige barocke Michaelerkirche, die mit ihren hohen Zwillings-Türmen weit ins Land schaut. Das große, hoch droben zwischen den Türmen an die breite Wand gemalte Freskogemälde, das den Kampf des Erzengels Michael mit den abgefallenen Engeln und deren Sturz darstellt, fesselt den Blick jedes Fremden, der die schöne Stadt Steyr besucht.

Mit dem Gespinst der goldenen Sage ist diese Kirche überzogen; in allen Sagen, die sich um sie ranken, spielt der Teufel eine Rolle. Sie erzählt, dass die Michaelerkirche vom Teufel erbaut worden ist. Als er nach langer und mühevoller Arbeit fertig war, ist er durch ein Loch hinter dem Hauptaltar aus der Kirche gefahren. Dieses Loch soll vor Jahrzehnten noch zu sehen gewesen sein.

Nach einer anderen, im Volke verbreiteten Sage, hat vor langer Zeit der Teufel in einem großen Wald in der Umgebung von Steyr seine »Dörrstatt« gehabt, wo er in Vollmondnächten sein errafftes vieles schöne Geld »dörrte« oder, wie es auch so schön heißt, »bleichte«. Welchen Zweck das »Dörren« des Goldes hat, das zu wissen muss schon dem Teufel selber überlassen bleiben. – Mancher hätte in der damals goldarmen Zeit so ein blinkendes Goldstück brauchen können. Wer es aber gewagt haben würde, dem Teufel ein solches wegzunehmen, den hätte er in Stücke zerrissen.

Von dem Treiben des Teufels in nächtlicher Zeit erfuhr ein alter frommer Priester. Der beschloss, sich den Gehörnten einmal etwas näher anzusehen. Als er das Waldrevier erkundet hatte, wo sich der Teufel aufhielt und sein merkwürdiges geheimnisvolles Nachtgeschäft betrieb, machte er sich eines Abends auf den Weg dorthin. Inzwischen war es Nacht geworden. Er ging, als er angekommen, weit hinein in den finsteren Wald, durchstreifte ihn nach verschiedenen Richtungen, konnte aber den Satan nicht zu Gesicht bekommen. Schon wollte er umkehren und die Suche nach dem Teufel und seinem Golde aufgeben, da sah er plötzlich einen dämmeriggrünen Lichtstreifen durch den finsteren Wald schimmern. Auf den ging er zu und kam auf eine vom Vollmond beschienene Waldwiese. Mitten in dieser Wiese saß der Teufel auf einem Stein und »dörrte« einen vor ihm liegenden Haufen Goldstücke.

Der greise Priester ging furchtlos auf ihn zu, sagte einen bannenden Spruch, so dass der Teufel sitzen bleiben musste, wo er saß. Er musste alles tun, was der Priester ihm befahl; dem es sogar gelang, ihn zu zwingen, das Gold in bestimmten Raten und zu bestimmten Zeiten zum Bau der Michaelerkirche zu bringen, und zwar so lange, bis die Kirche fertig dastehe. Und der Teufel brachte zu der ihm vorgeschriebenen Zeit das Gold in Raten zum Kirchenbau herbei.

Als er die letzte Rate in die Kirche gebracht hatte, wurde er von dem alten Priester vom Banne gelöst, abgedankt und gewarnt, sich ja nicht mehr in Steyr blicken zu lassen. Voll Zorn und Wut über die so lange erzwungene Einschränkung seiner Freiheit und über den Verlust des vielen schönen Goldes, das er zum Bau der Kirche hatte bringen müssen, fuhr er brüllend hinter dem Hochaltar aus der Kirche und ließ in der Mauer ein Loch zurück, das, wie es heißt, nie recht vermauert werden konnte. Dieses Loch bringt eine weitere Sage in Verbindung mit einem Frevler, der sich in der Michaelerkirche an einem Tage zehnmal abspeisen ließ. Der Teufel holte ihn bei lebendigem Leibe und fuhr mit ihm durch das Loch in der Mauer hinter dem Hochaltar aus und davon.

Trotz des Verbotes, dass sich der Teufel in Steyr nicht mehr sehen lassen dürfe, wollte er doch wieder einmal in die Stadt gelangen. Es war um die Mitternachtszeit, da die Leute in den Kirchen der Christmette beiwohnten. Er wagte sich daher nicht herein, sondern musste, als er an der Michaelerkirche glücklich vorüber war, mit Höllenlärm über die dunkle Bürgerspitalstiege hinab und in die Steyr hineinjagen.

Die Ägidius-Glocke

Die altgotische, dem heiligen Ägidius geweihte Pfarrkirche der Stadt Steyr, die im Jahre 1443 vom ersten Baumeister Hans Buxbaum nach dem Muster der berühmten Stefanskirche in Wien zu bauen begonnen wurde, ist nach dem neugotischen Maria-Empfängnis-Dom in Linz die schönste Kirche Oberösterreichs. Der alte sechseckige Quaderturm der Stadtpfarrkirche ragte bis zum Jahre 1876, in welchem Jahre der obere Teil des Turmes abbrannte, in acht Geschossen mit hohen Turmfenstern hoch in die Lüfte; der obere Teil mit Kuppeldach gehörte nicht dem ursprünglichen Bau an und harmonierte im Stil nicht mit demselben.

In diesem Turm hing einige hundert Jahre lang die dem heiligen Ägidius geweihte Glocke. Diese Glocke, die unter ihren Schwestern die größte und schönste war, wurde im Jahre 1522 gegossen. Sie soll einen voll tönenden, wunderbaren Klang gehabt haben. Ein frommer Wohltäter hatte sie einst zur Kirche gestiftet. Von dieser berühmten Ägidius-Glocke erzählt die Sage:

Einst verreiste der Stifter dieser Glocke und ließ lange nichts von sich hören; man glaubte schon, er komme überhaupt nicht mehr. Als er aber eines Tages ganz unerwartet zurückkam und durch das schöne Schmucktor, das Schnallentor genannt, herein in die Stadt zog, fing die große Glocke von selbst zu läuten an. Diese alte Glocke, deren schöner, erhabener Klang vierhundert Jahre lang, vom Mittelalter bis in die Neuzeit, die Steyrer Bevölkerung, ob jung, ob alt, in guten und schlechten Zeiten erfreute und sie tagtäglich zum Gottesdienste rief, existiert schon lange nicht mehr; im Jahre 1849 wurde sie umgegossen und im Ersten Weltkrieg ist sie dem Kriegsgott zum Opfer gefallen. Als dieser fast sechs Jahre dauernde Krieg vorüber war, hängte man eine neue Ägidius-Glocke, die zweite, in den Turm. Diese fiel dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Wieder eine neue, große, edel geformte, 2789 Kilogramm schwere Ägidius-Glocke, die dritte, gegossen in der Glockengießerei in St. Florian, wurde im Jahre 1956 hoch hinauf in den Turm gezogen und hängt nun in dem Glockenstuhl des in den Jahren 1885 bis 1889 in rein gotischem Stile ausgebauten, achtzig Meter hohen, schlanken Turmes, der mit seinem vergoldeten Knauf weit ins Land schaut; er ist eines der schönsten Wahrzeichen der Stadt Steyr.

Ein Wettlauf mit dem Tod

In der Blumauergasse, nahe dem Südwesteingang zur Burg Steyr, steht, von den weit ausgreifenden Ästen zweier mächtiger Lindenbäume und anderer Bäume liebevoll behütet, eine große, zu eben dieser Burg gehörende und aus dem 18. Jahrhundert stammende schön gebaute barocke Kapelle. In ihr steht auf einem hohen, schön gearbeiteten steinernen Sockel die lebensgroße Statue des heiligen Nepomuk. Den Sockel zieren Spiralen, uralte Sonnensinnbilder, das erhaben gemeißelte gräfliche Wappen und die Krone des hochberühmten Geschlechtes der Lamberger, deren einer die Kapelle erbauen ließ.

Über dem unbedeckten Haupt des Heiligen windet sich der Heiligenschein in der Form eines eisernen Reifens mit fünf goldenen Sternen. Zu seinen Füßen ruhen zwei niedliche kleine Engel. Die Kapelle ist mit einem niederen, schön durchbrochenen, steinernen Gitter geschlossen.

Diese Kapelle wurde, wie eine mündliche Überlieferung besagt, an der Stelle einer längst verfallenen uralten Kapelle erbaut, von der eine alte Sage die Erinnerung an eine tiefmenschliche Tragödie wachhielt, die sich als Sage auch auf die Nepomuk-Kapelle übertragen hat. Die nur wenigen Steyrern bekannte und fast vergessene Sage, die weit in die Christianisierungszeit zurückreicht, soll hier erzählt werden.

Als Steyr schon eine ziemlich große Siedlung, aber noch lange keine Stadt war und auch die prächtige und wuchtig wirkende Steyrburg noch nicht zwischen den beiden grünen Alpenflüssen, der Enns und der Steyr, auf spitz zulaufender Anhöhe majestätisch thronte, lebte und werkte an dem Wasser der grünen Steyr ein Müller, der eine schöne, liebreizende Tochter hatte. Noch lagen hier römische Legionssoldaten im Quartier, die von einem hohen Wachtturm die Flussübergänge bewachten und scharf ins Land lugten; denn es war noch die Zeit, da das weltweite Rom das Land diesseits der Donau in Besitz hatte und beherrschte. Das Christentum hatte durch eifrige Sendboten hier im Volke bereits Eingang gefunden, aber es gab noch viele Heiden, die umso fanatischer den alten Göttern anhingen. Auch der Müller war noch solch ein fanatischer Heide, der den Göttern zu gewissen Zeiten seine Opfer darbrachte. Seine einzige Tochter aber war heimlich Christin geworden und hatte sich taufen lassen. Das Mädchen war wegen seiner Schönheit und sonstigen guten Eigenschaften viel von Freiern umworben, von denen mancher das liebreizende und in frischer Jugend prangende Wesen gerne als Frau in sein Haus geführt hätte. Unter diesen Freiern suchte sich ihr Vater einen aus, den er als Gatten für seine Tochter haben wollte. Es war einer der schönsten jungen Männer, aber er war, ebenso wie der Müller, noch ein Heide. Als der Müller seiner Tochter den Freier bekanntgab, den er für sie bestimmt hatte mit dem Wunsche, dass sie ihn heiraten möge, lehnte sie entschieden ab und bat ihren Vater, diesen nicht zum Manne nehmen zu müssen, denn sie sei, was der Vater ihr verzeihen möge, Christin geworden und könne keinen Heiden, sondern nur einen Christen, sofern ihr einer gefiele, zum Manne nehmen.

Die Enttäuschung des Vaters über den von seiner Tochter ohne sein Wissen erfolgten Übertritt zum Christentum und ihre Weigerung, den ihr vorgeschlagenen jungen Mann zu heiraten, versetzte den Vater in maßlose Wut. Er forderte die von den Göttern abtrünnig gewordene auf, von dem Christengotte zu lassen und wie er den Göttern zu opfern, was sie aber ablehnte. Sprühend vor Zorn über die Halsstarrigkeit seiner Tochter ergriff er ein Beil, um sie zu töten; denn er wollte sie lieber tot als vom alten Glauben abgefallen wissen.

Furchtbar erschrocken über das Beil in der Hand des rasenden Vaters und von Todesangst getrieben, lief sie aus dem Hause, lief den steilen Hang hinan und fort auf dem Sträßlein, das hinauf zur Anhöhe führte. Der Vater aber raste voll Wut und in wilder Hetzjagd mit dem Beil in der Hand hinter ihr her. Das Mädchen, in Todesangst am ganzen Körper zitternd, mit aufgelösten Haaren, die im Wind flatterten, die Augen Hilfe suchend in die Ferne gerichtet, lief keuchend auf der Straße fort. Als es schon am Ende seiner Kraft war und hinzustürzen drohte, holte es der Vater ein, hob das schwere Beil hoch auf und führte einen wuchtigen Schlag auf das Haupt des Mädchens, das auf die Erde hinstürzte und sein Leben aushauchte. Durch die ungeheure Aufregung über seine entsetzensvolle Tat vom Herzschlag getroffen, brach der Vater zusammen und fiel tot neben seine Tochter hin. Das schöne Mädchen war mit dem Tod um sein junges Leben gelaufen. Sieger geblieben aber war der Tod. Der unvorstellbare religiöse Hass, der nicht einen Funken Liebe erkennen ließ, hatte auch dem Vater das Leben gekostet.

Das Volk ließ zur Sühne für diesen Mord an der Stelle dieses grausigen Geschehens eine Kapelle errichten; diese ist aber längst den Weg alles Irdischen gegangen. Geblieben ist aber eine uralte Sage, die fortdauernd sich um die heutige Nepomuk-Kapelle rankt.

Der seltsame steinerne Kopf

Gleich hinter dem Eingangstor des Gasthauses der Frau Maria Löbl, Enge Gasse 5, welches Haus den Herren Josef und Heinrich Bucsek gehört, ist rechts oben im Mauerwinkel ein überlebensgroßer steinerner Kopf angebracht, der wegen seiner Seltsamkeit bei jedem, der ihn betrachtet, Staunen und Kopfschütteln erregt, und der Betrachter fragt sich, welche Bewandtnis es mit diesem rätselhaften Kopf wohl haben mag. Dieser fremdartig anmutende Kopf ist gewiss seine dreihundert Jahre alt, wenn nicht noch älter; Halskrause und die hohe Mütze, die über den Kopf gestülpt ist, verweisen diese sonderbare Figur in eine alte, längst verklungene Zeit. Im Anblick dieses großen steinernen Kopfes fragt man sich unwillkürlich, welche Bedeutung dieses Unikum eines Kopfes wohl gehabt haben mochte und aus welchen Gründen man ihn am Eingang dieses Hauses angebracht hat.

Von dem merkwürdigen Kopf, der da oben schweigsam im Mauerwinkel sitzt und den niemand zu deuten vermag, sind allerhand sagenhafte Geschichtlein im Umlauf gewesen, heute aber fast vergessen.

So wurde früher folgendes Geschichtlein erzählt: Vor langer Zeit regierte in der Steyrburg ein gar streitbarer Burggraf, der sowohl mit dem Bürgermeister der Stadt Steyr als auch mit dem Stadtrichter, mit den Ratsherren und den Bürgern aus verschiedenen Gründen beständig im Streite lag und mit allen diesen Herren sozusagen in Feindschaft lebte. Man beschloss, dem hohen Herrn da droben in der Burg etwas ganz Besonderes anzutun. So ließ man von ihm, der gerade kein Adonis gewesen sein wird, von einem Bildhauer ein naturgetreues Kopfbildnis in Stein anfertigen und dort anbringen, wo es sich heute noch befindet. Einst, wie gesagt wird, ist das Haus Enge Gasse 5 ein Eckhaus gewesen und war sicher so eingerichtet, dass man diesen Kopf von der Gasse aus recht schön hat sehen können. Die Leute werden über dieses Monstrum, das es für eine Spottfigur ansahen, gelacht haben. Und der Burgherr, wenn er durch eines der Stadttore geritten kam, wird es auch gesehen und sich geärgert haben, wenn er durch das untere Burgtor den Berg hinaufritt zur Burg. Und das war eben der Zweck des Kopfes mit dem nicht gerade schönen Angesicht. So das sagenhafte Geschichtlein.

Im Gegensatz dazu wird der besagte steinerne und etwas komische Kopf, der da in der Mauer steckt, von anderen als der Kopf eines Hofnarren oder als der eines schauspielerischen Komikers bezeichnet. Oder sollte der Kopf den einstigen Besitzer des Hauses Michael Aidn darstellen? Wer weiß es? – Vielleicht? – Michael Aidn, ein reicher protestantischer Handelsherr, der von 1585 bis 1586 Stadtrichter und von 1595 bis 1597 Bürgermeister der Stadt Steyr war, baute sich das schöne Aichetschlössl und kaufte sich in Steyr mehrere Häuser, unter anderen auch das Haus Enge Gasse 5, und zwar im Jahre 1567. Er verkaufte es vier Jahre vor seinem Tode, im Jahre 1596, an einen anderen Bürger der Stadt. Ob Aidn das Haus barockisieren ließ und ob der seltsame Kopf schon damals in der Mauer stak, ist nicht bekannt, aber es wäre möglich.

Bevor das Haus Enge Gasse 5 in bürgerliche Hände kam, soll das Haus zur Burg gehört haben. Es soll vor langer Zeit das Absteigequartier für fahrende Sänger, Spielleute, Schauspieler, Puppenspieler, Gaukler, Possenreißer usw. gewesen sein, die, merkwürdig gekleidet, ihre Lieder zur Fiedel, Laute, Harfe, Quer- und Rohrpfeife sangen, Musik- und allerlei Kunststücke sowohl in der Burg als auch in der Stadt vortrugen. Obwohl diese Art von Leuten damals als »ehrlos« galt, wurde sie doch von den Steyrern in der Burg und in der Stadt mit Freuden empfangen und ihre Vorträge und Kunststücke verschiedenster Art gerne gehört und gesehen; brachten sie doch Abwechslung in das eintönige Leben des Alltags. Und so mag vielleicht der besagte merkwürdige Kopf in dem genannten Haus am Fuße der Burg und innerhalb der Tore der Stadt eine Art Schild für die in Steyr ankommenden Leute dieser Art gewesen sein.

Von dem sonderbaren steinernen Kopf wird auch gesagt, dass er den Kopf des Bauernführers im Bauernkrieg des Jahres 1626, Stefan Fadinger, darstellen soll. Dieser war am 31. Mai des genannten Jahres mit 40.000 Bauern von Kremsmünster nach Steyr gekommen. Er hielt sich bis zum 5. Juni in Steyr auf und führte neben dem damaligen Stadtrichter Wolfgang Madlseder bei einer Ratssitzung in Steyr den Vorsitz. Zum Gedenken und zur Erinnerung an diesen berühmten Zeitgenossen soll sein steinernes Abbild als Kopf mit Halskrause und hoher Mütze im Haus Enge Gasse 5 angebracht worden sein. – Das klingt zwar unwahrscheinlich, wird aber erzählt.

Und so ist auch das Haus Enge Gasse 5 mit seinem seltsamen steinernen Kopf in das Gespinst der Sage verwoben.

Die Kapuzinerkirche in Steyr

Auf der Hochfläche links der Leopold-Werndl-Straße, dort, wo die sogenannte Werndl-Villa steht, stand von 1620 bis 1786 die Kapuzinerkirche. Die heutige Werndl-Villa, im Laufe von rund 180 Jahren etwas umgestaltet, war das Klostergebäude der Patres Kapuziner. Die Kirche, im Jahre 1786 abgebrochen, stand vor dem Gebäude der jetzigen Werndl-Villa. Zum Großteil stehen noch die Mauern, mit denen Kirche, Kloster und Garten umschlossen waren. Von den Patres Kapuzinern, ihrer Kirche und ihrem Kloster erzählen Geschichte und Legende manche interessante Begebenheiten.

Schon viele Jahre vor 1600 und im ersten Viertel Jahrhundert nach diesem Zeitpunkt war der größte Teil der Bevölkerung protestantisch geworden. Wie Jakob Zetl, der Steyrer Färbermeister und katholische Ratsherr in seiner Steyrischen Chronik schreibt, sollen um diese Zeit nur noch achtzehn Bürgerfamilien in Steyr katholisch gewesen sein. Alle Kirchen der Stadt waren in den Händen der Protestanten. Michael Aidn, ein reicher Handelsherr und vielfacher Hausbesitzer, von 1585 bis 1586 Stadtrichter und von 1595 bis 1597 Bürgermeister und ein eifriger Protestant, war Verwalter der Stadtpfarrkirche in Steyr.

Seit 1605 gab sich der Abt Johann Wilhelm I. von Garsten viele Mühe, von dem Magistrat Steyr wenigstens die Bruderhauskirche und die Spitalkirche für die katholische Bevölkerung zu erhalten. Es gelang ihm nicht. Wollten die Katholiken in der Pfarrkirche Gottesdienst halten, so hing das immer von dem guten Willen des Magistrates ab, der fast zur Gänze aus Protestanten bestand. Als der Burggraf Georg Freiherr von Stubenberg, der ein Protestant war, von seinem Posten schied, erhielt Georg Siegmund von Lamberg, des Kaisers Mathias I. geheimer Rat und der Kaiserin Annas Obersthofmeister, das Steyrer Burggrafenamt. Dieser war Katholik, ließ 1616 die Burgkapelle neu herrichten und stellte sie den Katholiken für ihre gottesdienstlichen Handlungen zur Verfügung.

Als Abt Wilhelm 1614 gestorben war, wählten die Garstner 1615 den Benediktiner-Mönch von Melk Abt Anton II. (Spindler von Hofegg). Der war energisch, gewandt, vertraut mit den schwierigsten Geschäften, weise und beredsam; er machte den protestantischen Herren das Leben ein wenig sauer. Er verlangte vom Magistrate energisch die Schlüssel zur Bruderhauskirche und zur Spitalkirche, die ihm auch ausgefolgt wurden. Er fragte nicht lange und richtete beide Kirchen zum Gebrauch des Gottesdienstes ein. Außerdem betrieb er mit Eifer die Errichtung eines Kapuzinerklosters und einer Kirche in Steyr.

Schon am 1. Oktober erschien aus Prag ein kaiserlicher Befehl an den Landeshauptmann Wolf Wilhelm von Volkersdorf, nach welchen den Kapuzinern erlaubt wurde, in Steyr ein Kloster und eine Kirche zu erbauen, mit der Beifügung, die Erbauung derselben nicht zu hindern, sondern zu fördern. Der Landeshauptmann erließ am 16. Jänner 1616 einen Befehl an die Stadt Steyr, demgemäß zu handeln, wogegen sie aber Vorstellungen machte, den Bau aber nicht hindern konnte. Auch die Kaiserin Anna schrieb an den Magistrat, den Kapuzinern bei dem Bau mit Materialien an die Hand zu gehen. Sie schickte selber 4000 Gulden, auch der Burggraf Freiherr von Lamberg und der Abt von Garsten gaben reichlich Beiträge.

Zuerst waren zwei Kapuziner angekommen, denen der Burggraf das Gartenhaus im Hofgarten, dem jetzigen Schlosspark, zur Wohnung einräumte. Nach und nach kamen mehrere, die im Kirnerischen Hause in Pyrach, in der Nähe des Ketzerfreithofes, wohnten. Der Bau des Klostergebäudes, 1615 begonnen, wuchs schnell empor und war 1617 vollendet. Die Grundsteinlegung der Kirche wurde festlich begangen; es donnerten die Kanonen. Außer anderen hohen Persönlichkeiten wurde auch der Magistrat eingeladen, der aber aus begreiflichen Gründen nicht erschien. Der Färbermeister Zetl meinte spottend: »Vermutlich hat ihnen vielleicht die Luft nicht getaugt.«

Als man zum Bau der Kirche den Sand gegenüber dem Pfarrmayrhöfl ausgrub, kamen die Arbeiter auf einen großen Haufen Totengebeine, von denen zur Nachtzeit etliche Karren voll durch den Hundsgraben zur Enns gefahren und dort hineingeworfen wurden. Es waren die Gebeine von Erwachsenen und Kindern jeden Alters. Die Leute ergingen sich in Vermutungen, aus welcher Zeit diese Gebeine wohl stammen könnten. Die einen meinten, sie könnten von Gefallenen eines Krieges sein, während andere meinten, es könnten die Gebeine der zum Tode verurteilten Waldenser oder Wiedertäufer sein. Jakob Zetl aber schreibt in seiner »Steyr’schen Chronik«, dass man in den Krieg Kinder nicht mitzunehmen pflegte und die Wiedertäufer seien »mit Haut und Haar zu Aschen verbrandt und kain Bein übrig geblieben.« Eher glaubte er »dass in Infektions-Zeiten ain Hauffen verstorbener an dissem Orth zusamben in ein Gruaben geworfen worden, deren gebein disse gewesen.« Und lakonisch in seiner damals üblichen, mitunter recht unverständlichen Schreibweise: »Wer Ess aber nicht glauben will, kan am Jüngsten Tag in der Allgemeinen Aufferstehung weither nachfragen und die wahre Uhrkundt (Urkunde) einhollen.« Im Jahre 1620 stand auch der Bau der Kirche fertig da. Sie wurde der hl. Büßerin Magdalena geweiht. Vor der Kirche wurde das hohe hölzerne Ordenskreuz aufgestellt, Kloster und Kirche von einer Mauer umfangen.

Die Kapuziner waren ein Zweig der Franziskaner und hatten den Namen von ihrer Kopfbedeckung, der Kapuze. Sie spielten in den damals recht unruhigen Zeiten im kirchlichen Steyr eine nicht unbedeutende Rolle. Sie wurden sozusagen als Missionäre nach Steyr berufen. Ihre nicht gar große Kirche war eine Zeit lang Mittelpunkt des katholischen Lebens in dieser von religiösen Wirren schwer heimgesuchten Stadt.

Am Karfreitag des Jahres 1621 ging zum ersten Male eine Bußprozession von der Kirche der Kapuziner aus. Sie nahm ihren Weg durch den Hundsgraben, zog durch das Neutor in die Stadt hinein, den Stadtplatz hinunter, wieder herauf und kehrte, den Pfarrberg hinaufziehend und das Gilgentor passierend, zurück zur neuen Kirche, die draußen vor den Toren der Stadt lag. Als nach dem Bauernkrieg im Jahre 1626 und in Durchführung der Gegenreformation die Katholiken wieder das volle Verfügungsrecht über ihre Stadtkirchen bekamen, verlor die Kirche der Kapuziner allmählich ihre Bedeutung. Kaiser Joseph II. hob im Jahre 1786 das Kloster auf, das Gebäude und der Garten wurden an einen Herrn Eberstaler verkauft und die Kirche abgebrochen. Da kann man wohl sagen: Nichts besteht, alles verändert sich und vergeht.

Der abergläubische Müller

Das in Zwischenbrücken über dem Steyrflusse gestandene Objekt XII., das viele Jahre der Steyr-Daimler-Puch AG gehörte und zur Kraftübertragung mittels elektrischen Stromes diente, wurde 1965 abgebrochen. An der Stelle dieses kleinen Elektrizitätswerkes stand über sechshundert Jahre eine uralte, ziemlich große Mühle; sie stand auf der durch den Zusammenfluss der Enns und Steyr gebildeten spitzen Landzunge.

Michael Heindl kaufte im Jahre 1832 diese Mühle, die im Laufe der Zeit viele Besitzer, darunter Adelige, einen Stadtrichter und sogar einen Herzog, gehabt hatte. Die Müllerfamilie Heindl gab der Mühle den bis zum Schluss gebräuchlichen Namen Heindl-Mühle. Die, wie gesagt, ziemlich große Mühle war zum Teil auf mächtigen hölzernen Rammpfählen über dem smaragdgrünen Wasser der Steyr erbaut, wie auf einem alten Bilde noch zu sehen ist. Mehrere große unterschlächtig angetriebene Wasserräder plätscherten und klapperten von früh morgens bis spät abends und auch des Nachts. Diese Mühle mag neben den damals hölzernen Brücken über der Enns und der Steyr eines gewissen romantischen Reizes nicht entbehrt haben.

Neben der Getreidemühle gab es noch eine Schleiferei, an der die unterschiedlichsten Werkzeuge und Waffen geschliffen wurden. Auch war der Mühle noch eine Säge angeschlossen. Da hatten Müllerburschen, Schleifergesellen und Holzarbeiter reichlich Arbeit und Verdienst.

Einst hauste und werkte in der Mühle ein in seinem Wesen ganz eigentümlicher Müller, ein etwas geldgieriger und eigenartiger Kauz. Der Besitz der Mühle und der anderen angeschlossenen Werke brachten ihm nicht wenig Geld ein. So sammelte er blanke Silbergulden und harte Taler, die er in einer mit Eisenbändern beschlagenen, schweren hölzernen Truhe verwahrte. Aber sie wurde nicht voll. Daran waren seiner Meinung nach die schlechten Zeiten schuld und die um vieles ältere Spitalmühle gegenüber am jenseitigen Ufer der Steyr, die ihm so viel Konkurrenz mache; das Klappern des Wasserrades jener Mühle tat ihm in den Ohren wehe. Das war immer seine Klage. Es ist das alte Lied: Wer viel hat, hat noch immer nicht genug; er möchte noch mehr haben. Da hörte er von einem Zaubermittel, das rasch reich mache. Dieses Zaubermittel sei, wie ihm gesagt wurde, eine Holunderstaude, auf die sich einmal ein Bienenschwarm mit jungen Bienen und ihrer Königin zum ersten Male niedergelassen habe. Eine solche Staude müsse er ober der Tür der Mühle anbringen. Geldgierig und abergläubisch, wie der Müller war, verschaffte er sich eine solche Zauberstaude und tat, wie ihm gesagt wurde.

Dieses Zaubermittel brachte ihm zwar nicht schnell mehr Reichtum als er ohnehin schon hatte, sondern etwas anderes. Die Leute, die an der Mühle vorbeigingen und die Holunderstaude ober der Tür sahen, schüttelten die Köpfe und – wie es damals war – vermuteten dahinter ein Teufelswerk.

Davon erfuhr auch die Müllerzunft. Sie verklagte den Zwischenbrücken-Müller beim Magistrat Steyr, dass er aus dem Grunde Zauberei betreibe, damit das Mahlen besser gelinge und er daher mehr Geld verdiene. Die Müllerzunft, bei der er, wie es scheint, ohnehin nicht gut angeschrieben war, wollte ihn ausstoßen. Doch das Stadtgericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe. Er musste 50 Reichstaler zahlen und außerdem einen Revers unterschreiben, in Hinkunft sich keines solchen Zaubermittels mehr zu bedienen. Wo ist der Zwischenbrücken-Müller? Wo ist die Heindl-Mühle? Beide existieren längst nicht mehr.

Das »Blut-Gassl«

Ein Haus in Steyr mit einer schönen Vorderwand ist das Haus der Frau Leonore Ecke, Enge Gasse Nummer 11. Die ganze Vorderwand dieses zweistöckigen Hauses ist mit den herrlichsten Kratzputzmalereien bedeckt. Der Beschauer sieht in einer Reihe unten und in einer Reihe oben je acht mystische Drachentiere, links und rechts an der Schauseite zwischen den Fenstern Doppelspiralen und Rauten, uralte Symbole und andere figurale Zier. Zwischen diesem Hause Nummer 11 und dem Hause Nummer 9 des Herrn Josef Stigler führte in alter, längst vergangener Zeit ein schmales Gässchen von der Enge Gasse zum Ennskai, der ennswärts entlang dem Flusse noch die alte Stadtbefestigungsmauer hatte. Dieses Gässchen, das zwischen den zwei genannten Häusern zum Ennskai hinunterführte, hieß einst das »Blut-Gassl«. Der größte Teil dieses Gassls ist wohl noch vorhanden, aber für den Verkehr nicht mehr benutzbar. Dieses merkwürdige schmale Gässchen ist vor langer, nicht mehr feststellbarer Zeit in das Haus Nummer 9, Enge Gasse, einbezogen worden und verbaut. Der Eingang in dieses Gässlein wäre auf der rechten Seite des Stiglerhauses, ist aber, wie gesagt, verbaut und der Durchgang ist heute nicht mehr möglich; man kennt aber noch sehr gut, dass von hier aus das besagte Gassl zum Kai führte.

Wie kam dieses Gassl zu dem Namen Blut-Gassl? In diesem Gassl ist vor langer Zeit, wie die Sage erzählt, ein Graf erschlagen oder erstochen worden. Ob es ein Burggraf oder ein anderer Graf gewesen, das weiß die Sage nicht mehr. Als man ihn fand, lag er in einer großen Blutlache und war tot. Die Mörder waren entflohen und man hat nie erfahren, wer die Täter waren. Lange Zeit war ein großer Blutfleck zu sehen. Und von da an erhielt das enge finstere Gassl den etwas gruselig klingenden Namen »Blut-Gassl«. Name und Gassl sind heute fast vergessen und nur ganz wenige wissen noch davon. Wie das Blut-Gassl ursprünglich hieß, ist nicht mehr bekannt.

Das Pestkreuz aus dem Jahre 1786

Die Stadt Steyr ist im Laufe vieler Jahrhunderte in kürzeren und längeren Zeitabständen von der schrecklichsten aller Krankheiten, der Pest, heimgesucht worden. Gar oft heißt es in alten Chroniken, dass die »erschröckliche Pestilenz einen großen Haufen frommer und böser Leut’ hinweggerafft hat«. Daher hatte die Stadt in und um Steyr mehrere Pestfriedhöfe, in denen die von dieser pestilenzischen Seuche hinweggerafften Personen männlichen und weiblichen Geschlechts begraben wurden.

So war einer dieser Pestfriedhöfe außerhalb der Stadt gegenüber dem einstigen Kapuzinerkloster auf der Anhöhe, wo jetzt die alte Bertholdi-Kapelle steht. Ein anderer Pestfriedhof befand sich in der Ortschaft Gmain. Als die Opfer der Pest in den Jahren 1541 und 1542 den kleinen, schmalen Friedhof bei der Pfarrkirche überfüllten und man eine größere Ansteckung von den Leichnamen fürchtete, wurde hinter dem Bruderhaus, im sogenannten Weichselgarten, ein neuer Friedhof errichtet. Doch auch dieser erwies sich bald zu klein und reichte in den Pestjahren 1569 und 1570 nicht mehr aus. – Manche Pestsäule, manche Pestkapelle, mancher Bildstock mit Bildern und Statuen der Pestpatrone erinnern uns an diese gar oft grassierende hässliche Krankheit. Auf einen dieser Pestfriedhöfe sei hier besonders hingewiesen. Etwas außerhalb der Stadt Steyr, unweit der St. Anna-Kirche, nahe am linken Ufer des Steyrflusses, lag eine Wiese. Auf dieser Wiese wurden hauptsächlich die im Pestjahre 1713 an der Seuche Verstorbenen begraben.

Zeiten und Menschen sind vergangen, die Pest ist nicht wieder gekommen. Der Friedhof verfiel im Laufe der Zeit; nichts deutete mehr darauf hin, dass diese Wiese einst ein Pestfriedhof gewesen. Einzig ein altes, aus Sandstein gearbeitetes, einen und einen halben Meter großes, schweres, barockes Kreuz stand noch windschief, halb in die Erde gesunken, einsam und verlassen mitten in der grünen Wiese. Am Kreuze stand die erhaben gemeißelte, aber schon arg verwitterte Inschrift in der Schreibweise jener längst vergangenen Zeit:

Hier ligt begraben R. P. Franziskus Sorer S. J., Rektor der Jesuiter C. U. Steyr, welcher in der Pest sein Geist aufgegeben hat. – Dießer hat den pesthaften gedienet u. biettet alle um ein Gebett. Anno 1786.

Allgemein wird angenommen, dass im Jahre 1713 die Pestperiode in unserem Heimatlande ihr Ende gefunden hat. Dass die Pest viele Jahre später noch einmal in Steyr verheerend auftrat und neben vielen Leuten auch den oben genannten Priester im Jahre 1786 hinwegraffte, das beweist die Inschrift an dem vorhin genannten Steinkreuz.

Vor 1900 kam ein geschäftstüchtiger Mann und erbaute sich auf der Wiese, in welcher die an der Pest Verstorbenen ruhten, ein Wohnhaus und einen Kalkofen; bei Erdaushuben kamen Gebeine jener Toten zum Vorschein. Als man noch einen Wagenschuppen erbaute, stand das Steinkreuz im Wege; es wurde an die hinten aufragende Felswand gestellt. Dort blieb es viele Jahre stehen. Es wurde von Unkraut und Schlingpflanzen so überwuchert, dass man es nicht mehr sehen konnte und es so den Blicken der Vorübergehenden entzogen blieb.

Da erbarmte sich im Jahre 1952 der Pfarrer der Kirche St. Anna, Herr Geistlicher Rat J. Lugmayr, des alten barocken Steinkreuzes. Er nahm einen starken Karren und mit tatkräftiger Hilfe Jugendlicher wurde das schwere Kreuz von seinem wüsten Standplatz genommen, mit harten Kräften auf den Karren geladen und zur Annakirche gefahren, wo es mitten in der schönen Blumenanlage an der mit Efeu grün übersponnenen, hohen Straßenwand aufgestellt wurde. Nun hat das schwere Steinkreuz aus dem Pestjahr 1786 endlich den passenden Platz gefunden, zur Freude derer, die der Bitte, so in der Inschrift steht, nachkommen wollen.

Der Goldschatz im Teufelsbach

Unwillkürlich wendet der Fremde, der zum Leitnerberg in Steyr kommt, seinen Blick gegen die waldbewachsene Schlucht, die sich vor ihm auftut und betrachtet verwundert den mächtigen Wasserfall, den der Teufelsbach zur Zeit der Schneeschmelze im Frühling oder zu anderen Zeiten hoch droben unter der Brücke über ein Felsenlabyrinth wild schäumend mit Getöse in die Tiefe sendet. Dieser eigenartige Wasserfall, der in ein breites Becken stürzt, und der Abfluss des Wassers durch den engen grünen Waldgraben bietet dem Beschauer ein großartiges Naturspiel dar. Hoch oben steht das türmleingeschmückte, mauerumfangene und anmutige Schlösschen Engelseck, das einst Teufelseck hieß, weil man ihm, gleich dem Bache, den Namen des Teufels gegeben hat. Dem damaligen Besitzer Josef Achtmark von Achtmarkstein, Bürgermeister von Steyr, gefiel der Name des Schlösschens nicht; er suchte 1642 bei Kaiser Ferdinand III. um Änderung des Namens in Engelseck an, was ihm laut Urkunde auch gestattet wurde. An dem zu verschiedenen Zeiten so wilden Teufelsbach, dem der Name bis heute geblieben ist, knüpft sich, wie die Sage zu erzählen weiß, folgende tragische Begebenheit:

Als der klein gewachsene, aber geniale kriegerische Unruhestifter Napoleon Bonaparte 1809 mit seiner Armee in Österreich einfiel, kam Marschall Lanner mit einer Schar Franzosen nach Steyr, wo er sich im Gasthof »Zum Schiff« einquartierte. Die Franzosen strolchten in der Umgebung herum, raubten und plünderten, wo es etwas zu rauben und zu plündern gab.

So kam eine große Anzahl von Franzosen in der Gegend um Christkindl in ein Bauernhaus, das sie ausplünderten. Als sie abzogen, blieb einer zurück, der noch habgieriger war als die anderen und von dem alten Bauern, der alleine zu Hause war, noch etwas zu erpressen hoffte und Geld verlangte. Er setzte dem Bauern das Gewehr an die Brust und sagte drohend in gebrochenem Deutsch: »Ik schießen!« Der Bauer in seiner Angst, der Kerl werde wirklich schießen, wenn er ihm das Verlangte nicht gäbe, zog aus dem Backofen einen Beutel, angefüllt mit Dukaten und gab ihm diesen. Der Soldat machte den Beutel auf und sah hinein; mit freudestrahlendem Gesicht band er den Beutel zu, steckte ihn ein und entfernte sich in Richtung des Teufelsbach-Wasserfalles. Nach einer Weile kamen die zwei Söhne des Bauern, die auf dem Felde gearbeitet hatten, nach Hause und der Vater erzählte ihnen, was inzwischen vorgefallen war. »Dem müssen wir nach«, riefen sie »und ihm den Beutel abnehmen; Vater, kommt, ihr kennt ihn!« Jeder der beiden holte sich aus der Werkzeugkammer eine Axt, sie verließen das Haus und eilten dem Soldaten nach, den sie bald erspäht hatten und ihm nachzukommen trachteten. Dort, wo zwischen zwei hohen Bäumen, an dem Gemäuer des Schlosses Engelseck, die steinerne Figur des hl. Nepomuk stand, holten die drei den Soldaten ein. Unter der Brücke stürzte der Wasserfall in die tiefe, dämmerige Waldschlucht. Sofort fielen sie wütend über den Franzosen her und es begann ein fürchterliches Ringen. Der Soldat wehrte sich zwar verzweifelt, doch die zwei kräftigen Burschen warfen ihn zu Boden und hielten ihn fest. Der Bauer begann in der Uniform des Soldaten den Goldbeutel zu suchen. »Ich hab’ ihn schon!« rief der Bauer und hielt den Beutel hoch. Als der Franzose sah, dass sein teurer Raub verloren war, warf er mit Riesenstärke die zwei Burschen von sich ab, entriss dem Bauern den Beutel und warf diesen in weitem Bogen in die Wasserschlucht. Einen Augenblick standen die drei Bauern wie erstarrt da und schauten in die Schlucht. Diesen Augenblick benutzte der Franzose und griff nach dem Gewehr, das ihm im Kampf mit den Bauern entfallen war. Doch diese drehten sich blitzschnell um, und von Rachlust ergriffen, schlugen sie voll Wut mit den Hacken auf ihn los, dass er blutüberströmt tot zur Erde fiel.

Nun rannten sie hinunter in die Wasserschlucht, wo das Wasser entlang dem Waldgraben in die Steyr fließt. Sie suchten das Wasser nach dem Beutel mit den Goldstücken eifrig ab, doch sie fanden ihn nicht. Der Teufelsbach gab den Goldschatz nicht wieder heraus.

Diese Bluttat kam dem Kommando der Franzosen zu Ohren, die drei Bauern wurden verhaftet, vor ein Kriegsgericht gestellt, zum Tode verurteilt und in der Burg zu Steyr kurzerhand erschossen. Der Goldschatz im Teufelsbach ist bis heute nicht gefunden worden. Wer die blinkenden Golddukaten haben will, mag sie in dem Wassergraben suchen und sie, wenn der Wassergeist, der dort der Sage nach sein Wesen treiben soll, ihm günstig gesinnt ist, auffinden.

Der Schmied beim Föhrenschacherl

In längst vergangener Zeit stand außerhalb von Steyr, auf dem sogenannten Steinfeld, dort, wo sich heute die Siedlung Gründberg ausbreitet, ein großer Föhrenwald, der sich vom Hange des Dachsberges bis zur Steyr hinzog. Im Laufe der Zeit schlug man diesen Wald nieder und ließ nur eine größere Föhrengruppe stehen, die man allgemein das »Föhrenschacherl« nannte. Bei diesem Schacherl stand einst das Hochgericht der Stadt Steyr mit seinem aus Eichenholz gezimmerten, hoch aufragenden dreieckigen Galgen, an dem der zum Tode Verurteilte durch Henkershand sein Leben lassen musste. Noch heute steht zum Gedenken daran rechts der Straße auf einem kleinen Hügel eine kunstvoll gemeißelte gotische Steinsäule, bei welcher der arme Sünder sein letztes Gebet sprach, sofern er dazu noch imstande war. Diese Örtlichkeit war den Leuten stets unheimlich; des Nachts wollte niemand gern daran vorübergehen.

Vor langer Zeit stand an der von Fuhrleuten sehr belebten Straße, die nach Sierning zieht, nahe dem Föhrenschacherl eine Schmiede. Der Schmied, ein Riesenkerl mit Bärenkräften war in seinem Fache geschickt und fleißig, beschlug den Fuhrleuten die Pferde, kurierte den Bauern das kranke Vieh, baderte nicht ohne Erfolg auch an Menschen herum. Aber wenn es nicht unbedingt notwendig war, gingen die Leute nicht gerne zu ihm; denn der Schmied war ein rüpelhafter, saukotzengrober Geselle. Er war auch ein Wilderer schlimmster Sorte, der sich den Jägern zu entziehen wusste und den sie nie erwischen konnten. Und so kam er in den Ruf, Besitzer einer geheimnisvollen Macht zu sein. Er trieb es arg, prügelte sein Weib und stritt sich mit den Kunden und Anrainern, aber nicht mit Worten allein, sondern auch sehr ausgiebig mit seinen Fäusten, so dass ihm nicht selten einer ins Gesicht schrie: »Dich soll doch einmal der Teufel holen, du Wildling!«

Dem Höllenfürsten, der alles weiß, wie es auf der Welt zugeht, schien es auch, dass der Schmied schon wirklich reif für die Hölle sei. Er rief die Teufel zusammen und fragte: »Welcher von euch holt mir den Schmied vom Föhrenschacherl herunter in die Hölle?« Gleich meldete sich einer dieser Höllenbrüder und meinte, den werde er gleich einliefern. »Na gut«, sagte der Höllenfürst, »aber vorsichtig sein; denn dieser ist kein gewöhnlicher Schmied, sondern ein Ränkeschmied!« Das werde er schon machen, meinte der Teufel leichthin.

Eines Tages trat der Teufel als Jäger in die Schmiede, in welcher der Schmied lustig auf ein glühendes Stück Eisen hämmerte. »Na, Schmied, deine Zeit ist abgelaufen, du musst mit mir; leg deinen Hammer weg, mach rasch, ich habe keine Zeit zu verlieren!« Solchen Ton war der Schmied schon gar nicht gewohnt; er sah sich den Jäger genau und misstrauisch von oben bis unten an und bemerkte, dass er eine »Goashaxn« hat. Aha, dachte der Schmied, ist es um die Zeit. Wenn der Schmied schon vor niemandem Angst hatte, aber mit dem Teufel ist nicht zu spaßen. Und so verlegte er sich aufs Bitten und das konnte er, wenn er wollte und es ihm nützlich schien. Er solle ihm doch noch eine Zeit lassen, er habe noch viel zu tun. Dann gehe er mit.

»Gut«, sagte der Teufel, »ein Jahr sollst du noch haben, das kann ich verantworten, aber keine Minute länger!«

Sprachs und war verschwunden. Der Schmied lachte und blieb der, der er war. Im Gegenteil, er trieb es ärger als zuvor. »Extra tu ich, was mir beliebt; keinen Teufel geht das was an!« Als das Jahr um war, stand der Jäger, wie aus dem Boden gewachsen vor dem Schmied und sagte schroff: »So, das Jahr ist um, komm mit!« »Oha«, sprach der Schmied und lachte, »vor einem Jahr hab ich so etwas einem versprochen, das ist wahr, aber das war der Teufel; du siehst mir aber nicht danach aus, dich kenn ich ja gar nicht.« »Ich bin der Teufel«, sagte der schmucke Jäger. »Gut«, sprach der Schmied, »das musst du mir erst beweisen.« »Ja, wie?«, fragte der Jäger. »Das ist leicht«, meinte der Schmied, »verwandle dich, wenn du es kannst, in ein Tier.« Flugs war der Jäger weg und ein großer schwarzer Hund war da und funkelte den Schmied mit glühenden Augen an. »Na, ja«, sagte der Schmied, »das bringen andere auch zusammen, dass sie nach der Verwandlung wieder so groß sind wie zuvor.« Schnell war der Hund weg und eine Katze war da und miaute vor den Füßen des Schmiedes.

»Das ist alles gut und schön«, sagte der Schmied, der nicht aus der Fassung zu bringen war, »da habe ich einen kleinen Lederbeutel, Geld ist keines drinnen; wenn du schon alles kannst, da hinein kannst du aber doch nicht.« Der Zweifel des Schmiedes, dass er nicht der Teufel sei, ärgerte den schwarzen Sohn der Hölle. Schnell verwandelte er sich in ein Käferlein und hüpfte in den leeren Geldbeutel hinein. »Ha, ha«, lachte der Schmied, »jetzt hab ich dich.« Er zog den Lederbeutel fest zu, legte ihn auf den Amboss, fasste ihn mit der Zange, ebenso sein Gehilfe und sie schlugen mit den schweren Hämmern tüchtig drauflos. Der Teufel aber, so klein er war, jammerte, schrie und bat, man möge ihn auslassen, was sie erst taten, als der Teufel versprach, dass er den Schmied freigebe und auf ihn verzichte. Der Schmied freute sich über seine gelungene List. Der betrogene Teufel fuhr zur Hölle. Der Schmied trieb es jetzt womöglich noch ärger als zuvor. Aber da kam eines Tages ein Stärkerer über den Schmied, der Tod, der ihn kurzerhand auf den Totenladen warf. Da ging der Schmied auf dem schmalen Weg zum Himmel, um trotz des wüsten Lebens auf Erden die himmlischen Freuden zu genießen. Seine Stimmung war allerdings ein wenig lausig, wenn er bedachte, was er auf Erden alles Schlechte aufgeführt hatte.

Der Schmied klopfte an das Himmelstor. Der gutmütige, aber strenge Himmelspförtner Petrus öffnete das Torfenster und besah sich den Einlass Begehrenden. »Ja«, sagte Petrus, »das ist der Schmied vom Föhrenschacherl, der es auf Erden so arg getrieben hat, nein, dich können wir hier nicht brauchen. Gehe hinunter in die Hölle, wohin du gehörst. Hier herein kommst du nicht.« Trübselig wanderte der Schmied auf der breiten Straße, auf der so viele wandern, hinab zur Hölle. Das Höllentor stand weit offen. Der Ordnung halber muss selbst beim Höllentor ein Wachposten sein, und das war gerade jener Teufel, den der Schmied mit seinem Gesellen so jämmerlich verhämmert hatte. Schnell schlug dieser, als er den Schmied kommen sah, das Tor zu, verriegelte es, eilte zum Fürsten der Hölle, ihm die Ankunft dieses gefährlichen Gastes zu melden und ihn beschwörend zu bitten, ihn ja nicht hereinzulassen.

»Du hast es allen schon erzählt, wie es dir in der Schmiedewerkstätte ergangen ist und wir haben daraus ersehen, dass du kein gescheiter, sondern ein dummer Teufel bist. Geh und sag dem Schmied, er solle sich forttrollen.« Voll Freude lief der Teufel zum Tor und schadenfroh rief er hinaus: »In der Hölle wirst du nicht aufgenommen; bei uns ist kein Platz für dich.« Der Schmied glotzte eine Weile vor sich hin, dann brummte er: »Weiß der Teufel, was ich jetzt machen soll. Bleibt mir doch nur der Himmel. Auf ehrliche Art komme ich aber nicht hinein. Vielleicht geht es mit List.« Und so kam er auf dem schmalen Weg wieder zum Himmelstor. Petrus, der Pförtner, rief ihm entgegen: »Was, du bist schon wieder da? Ich habe dir doch gesagt, Leute solchen Kalibers wie du können wir nicht aufnehmen.« »Aber, großherziger Apostelfürst«, sagte der Schmied, »ich will ja gar nicht in den Himmel hinein; ich bin zufrieden, wenn du nur das Tor einen Spalt weit aufmachst, dass ich die Herrlichkeit des Himmels ein wenig sehen könnte.« Petrus, bekannt als streng, aber auch als gutherzig, hatte Erbarmen mit dem Schmied; trotz seiner vielen Übeltaten willfahrte er seinem Wunsche und öffnete ein wenig das Tor. Kaum war das geschehen, warf der Schmied seinen ledernen Schurz, das Abzeichen seines Gewerbes, den man ihm mitgegeben hatte, mit Schwung durch den Spalt in den Himmel.

Erzürnt ob solcher List, rief Petrus dem Schmied zu: »Was machst du da? Gleich holst du dir deinen Schurz hinaus! Ich greife ihn nicht an, denn ich will mir meine Hände nicht beschmutzen mit diesem unreinen Ding!« Darauf hatte der Schmied gewartet, er schlüpfte durch den Spalt in den Himmel hinein, statt aber den Schurz zu nehmen und sich zu entfernen, setzte er sich darauf und rief: »Wer mich anrührt, ist ein Hundsfott!« Dieses sonderbare Wort kannte St. Petrus nicht. Er ging zu einem im Himmel wohnenden Deutschen, um sich dieses Wort erklären zu lassen. Der wollte ihm das etwas anrüchige Wort nicht erklären, sondern riet ihm, den Schmied auf dem Lederschurz beim Tor sitzen zu lassen.

St. Petrus war hierüber etwas missgestimmt, befolgte aber doch den Rat. Und so hatte sich doch der Schmied ein warmes Plätzchen erlistet und sitzt wohlgemut drinnen beim Himmelstor. Fragt eine Seele beim Eintritt in den Himmel, wer der Kauz sei, der da sitze, so antwortet St. Petrus mit ärgerlicher Handbewegung: »Das ist ein unguter Geselle; weil wir ihn aber irgendwo behalten müssen, damit er nimmer Schaden stiftet, muss er sitzen bleiben, wo er sitzt. Das ist nämlich der Schmid vom Föhrenschacherl«.

Der rotbartene Wildschütz

In Steyr lebte vor langer Zeit ein Zweckschmiedmeister, der das Wildern mit Leidenschaft betrieb. Der bewaldete, wildreiche Damberg und die anderen Waldberge des bergereichen Bezirkes südöstlich von Steyr waren seine Jagdreviere. Manchen prächtigen, mit schönem Geweih geschmückten Hirsch brachte seine nie fehlende Kugel zur Strecke. Er verschmähte auch die schönen Rehböcke nicht, wie sie in Gottes freier Natur herumliefen. Er hatte einen struppigen roten Bart und ebensolche verfilzte Haare, die ihn viel wilder erscheinen ließen, als er in Wirklichkeit war; ja, er war ein gutmütiger Mensch, der niemanden etwas zu Leide tat. Er war der größte und der von den Lambergischen Revierjägern gefürchtetste Wilddieb, auf den sie förmlich Jagd machten. Oft wurde auf ihn geschossen, aber sie verfehlten ihn und er entkam ihnen immer wieder. Die Jäger hatten eine förmliche Scheu vor ihm. Und so verbreitete sich im Volk der Glaube, dass der rotbartete Wilddieb unverwundbar sei. Wenn die Jäger nach einem Zusammenstoß mit ihm im Wald in seinem Hause Nachschau hielten, konnte nicht eine Klaue gefunden werden. Den hohen Preis, den Graf Lamberg auf den Kopf dieses Wilderers ausgesetzt hatte, konnte sich kein Jäger verdienen, denn keiner konnte ihn auf frischer Tat erwischen und festnehmen. Eines Tages erfuhr der Schmied, dass der Fürst eine große Jagd auf einen zwanzigjährigen Hirsch veranstaltete und eine große Jagdgesellschaft auf die Burg geladen hatte. In der Nacht vor der Jagd ging ein gewaltiges und langandauerndes, furchtbares Gewitter über den Damberg. Im niederströmenden Regen suchten die Jäger Schutz und verbargen sich so gut sie konnten. Das war die richtige Zeit für den rotbarteten Schmied. Er fand den prächtigen Hirsch und schoss ihn nieder; im furchtbaren, lang hinrollenden Donnerkrachen wurde der Schuss von den Jägern nicht gehört. Am Morgen war der Hirsch nicht mehr zu sehen. Als der Förster von den Jägern erfuhr, dass der Hirsch nicht mehr im Revier sei, sagte er in heftigem Zorn: »Das tat der rotbartete Zweckschmied!« Alsogleich erschien im Hause des Zweckschmiedes eine gerichtliche Kommission und hielt Hausdurchsuchung, die Herren fanden aber nichts. Trotzdem wurde er in die Burg gebracht, eingesperrt, geschunden und verhört. Das konnte sich ein Fürst in der damaligen Zeit der Patrimonialherrschaft schon erlauben. Es kam aber nichts heraus, da der Schmied beharrlich leugnete. Nach einem halben Jahr war er wieder auf freiem Fuß. Aus dem Arrest entlassen, begegnete er dem Oberförster, lachte ihm keck ins Gesicht und sagte: »Zwei, Herr Oberförster, müssen sein zum Erwischen – der rotbartete Zweckschmied und noch einer!« Ein paar Tage darauf schoss er dem Fürsten einen Kapitalhirsch fast vor der Nase weg.

Aber einen gab’s, der starker und mächtiger war als der Zweckschmied. Ging er wieder einmal um Mitternacht auf den Damberg. Es war nicht geheuer, um diese Zeit auf dem Damberg zu sein, wo auch, wie er schon gehört hatte, der Teufel sein Revier hat. Zwar hatte er ihn noch nie gesehen.

Wie er von der »Hirschzunge« in den Wald einbiegt, hört er auf einmal eine näselnde Stimme hinter sich sagen: »Was machst denn du da?« Der rotbartete Schmied drehte sich um und sieht einen Jäger, wie aus der Erde gewachsen, vor sich stehen, dass er fast erschreckt. Ihn überläuft es eiskalt, weil er merkt, dass der »Jager« eine »Goaßhaxn« hat. Er stellt sich aber doch fest hin und sagt: »Und was machst du da?« »Ich bin ein Jäger«, entgegnete der Unheimliche mit näselnder Stimme. »Ich glaub’s nicht«, sagte der Schmied; »denn ich kenn alle Jäger weit umher.« Sie kamen ins Streiten. Da packt ihn der Teufel – denn er war es – hebt ihn federleicht in die Höh’, läuft wie der Wind mit ihm durch Dick und Dünn, dass ihm Hören und Sehen vergeht und dass er ganz zerkratzt und zertrümmert ist. Plötzlich lässt ihn der Teufel fallen, dass ihm alle Knochen knacken und sagt drohend: »Dass du mir nimmer kommst!« und ist weg.

Wie der rotbartete Schmied zur Laurenzikapelle kommt und in die Mondlichten tritt, sieht er, wie sein Gewand zerrissen ist, seine Hände zerkratzt sind und auch sein Gesicht übel zugerichtet ist. Nun machte er sich schleunigst auf den Heimweg. Mit eingebundenem Kopf lag er einige Tage im Bett. Von da an blieb er in der Werkstatt und arbeitete fleißig. Wildern aber ist er nicht mehr gegangen.

Sagen aus dem Ramingtal
Damberg
Die zerstörte Burg

Am Abhang des Damberges, unterhalb der Windlochhöhle, liegen, von Waldbäumen beschattet, von Himbeer- und Brombeersträuchern überwuchert, zahlreiche grün bemooste Steine, über die der Fuß des Menschen stolpert, wenn er nach den köstlichen Beeren sucht, die in den Schlägen am sonnigen Hang so vortrefflich gedeihen.

Eine uralte mündliche Überlieferung berichtet, dass vor vielen Jahren am äußersten Rand des Damberges, dort, wo das steinerne Maul, »Windloch« genannt, sich öffnet, eine Burg gestanden ist. Der Besitzer dieser Burg raubte eines Tages das schöne Weib des Ritters von der Burg Losenstein und entführte es auf seine hoch gelegene Feste.

Der Losensteiner aber zog mit seinen streitbaren Mannen heran und belagerte die Burg des Räubers. Er nahm sie ein und zerstörte sie; die Steine ließ er den steilen Berg hinabrollen, daher die vielen Steine am Abhang des Berges.

Hier liegt die Sage im Widerstreit mit der Historie, die nichts von einer Burg auf dem Rücken des Damberges weiß. Es ist möglich, dass das sagenumwobene »Windloch« im germanischen Götterkult einst eine Rolle gespielt hat; vielleicht ist hier Hei, die Göttin der Unterwelt (christlich: Hölle) verehrt worden. Und tatsächlich findet sich im Bezirke des Damberges eine Örtlichkeit, welche die Bezeichnung »In der Höll’« führt.

Auch Benedikt Pillwein, ein Linzer Schriftsteller und Historiker, erwähnt in seinem Buch: »Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogtums Österreich ob der Enns (Traunkreis)« unser »Windloch« auf dem Damberge. In diesem Buche, das im Jahre 1828 erschienen ist, steht auf Seite 109: »Das Windloch« (Das verwunschene Schloss). Rechts vom Jägerhause am Tannberge in der Pfarre St. Ulrich befindet sich ein sogenanntes verwunschenes Schloss, das Windloch genannt. Ein kalter Schauder ergreift den Wanderer beim Hinabblicken. Man sieht eine tief liegende Stiege und hört einen Wasserfall brausen. Ein unterirdischer Gang soll von da an die Enns geführt haben.

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