Kitabı oxu: «Heimatlos»

Şrift:

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© Wörterseh, Lachen

Wörterseh-Bestseller als Taschenbuch

1., erweiterte Auflage 2022

Die Originalausgabe erschien 2017 als Klappenbroschur

Originalausgabe

Juristisches Lektorat: Dr. Georg Gremmelspacher, Rechtsanwalt

Lektorat: Lydia Zeller · Korrektorat: Brigitte Matern

Herstellerische Koordination und Gesamtverantwortung: Andrea Leuthold

Layout und Satz: Rolf Schöner, Buchherstellung

Erweiterte Taschenbuchausgabe

Lektorat: Brigitte Matern · Korrektorat: Andrea Leuthold

Umschlaggestaltung: Thomas Jarzina

Fotos Umschlag: Susy mit Grauwolf Wolfgang © Monty Sloan/Wolf Park, USA; Ausschnitt Originalausgabe © Vera Hartmann Photography

Fotos Bildteil: Susy Utzinger Stiftung

Bildbearbeitung: Michael C. Thumm

Satz: Beate Simson · Druck und Bindung: CPI Books GmbH

ISBN 978-3-03763-323-6 (Taschenbuch)

ISBN 978-3-03763-071-6 (Originalausgabe, vergriffen)

ISBN 978-3-03763-713-5 (E-Book)

www.woerterseh.ch

In inniger Dankbarkeit für Lars und für alle Menschen, die meine innere Heimat sind.

Und für alle, die anderen eine Heimat schenken, ob Menschen oder Tieren.

»Das gute Beispiel ist nicht eine Möglichkeit, andere Menschen zu beeinflussen, es ist die einzige.«

Albert Schweitzer

Inhalt

Über das Buch

Über die Autorinnen

Vorwort zur Neuauflage

Vorwort

10. Mai 2015

30. Juli 1973

14. Oktober 1974

18. Februar 1976

14. Juli 1981

30. Dezember 1983

3. März 1985

7. März 1988

29. Juni 1991

20. Februar 1992

4. März 1992

18. Januar 1993

22. März 1993

7. Juli 1993

2. Oktober 1993

12. Februar 1994

10. Dezember 1994

2. März 1995

17. April 1996

29. September 1996

27. Februar 1997

10. Februar 1998

26. März 1998

3. Mai 1998

20. Juni 1998

22. Juli 1998

29. März 1999

19. Oktober 1999

22. November 1999

27. Februar 2000

2. März 2000

22. August 2000

7. September 2000

1. Februar 2001

15. Februar 2001

9. März 2001

31. Mai 2001

14. Juli 2001

6. Januar 2002

22. Juni 2002

15. August 2002

21. Oktober 2002

2. November 2002

25. März 2003

30. April 2003

2. März 2004

5. Dezember 2005

20. Dezember 2006

18. Juli 2007

30. September 2007

11. Juni 2008

23. Juni 2008

31. Oktober 2008

10. Februar 2009

22. Mai 2009

25. August 2010

5. September 2010

10. Oktober 2010

4. Mai 2011

8. Juli 2011

10. Juli 2011

13. August 2011

22. September 2011

29. Oktober 2011

2. November 2011

6. Dezember 2011

9. Februar 2012

5. August 2012

21. Februar 2013

20. Mai 2013

10. Juni 2013

1. August 2013

4. September 2013

10. Juli 2014

25. Juli 2014

16. August 2014

27. August 2014

29. August 2014

4. September 2014

10. September 2014

7. Oktober 2014

12. Oktober 2014

1. Februar 2015

2. Mai 2015

17. August 2015

7. September 2015

1. Oktober 2015

5. Oktober 2015

28. November 2015

15. Dezember 2015

10. Januar 2016

27. Januar 2016

18. März 2016

16. April 2016

21. Juni 2016

31. Juli 2016

5. August 2016

6. August 2016

Bildteil

Nachtrag, Oktober 2021

Erkenntnis dank Froschschenkeln und Hühnereiern: Jean

Krümel, Thirty, Pferde: Rumänien

Standardsicherung und Know-how-Transfer: Schweiz

Fachwissen säen, Tierschutz ernten: SUST-Akademie international

Kleine Wunder: Ungarn

Den Schmerz aushalten lernen: Lars

Ein fulminanter Start: Ägypten

Flügel für den Tierschutz: Bulgarien

Gut zu wissen

SUST-Akademie

Tierschutz durch kostenlose Information

Auf Deutsch erschienene Broschüren

Poster und Postkarten, die Tieren helfen

Notfall- und Vorsorgeset für Tierhalter

Weitere Informationen

Dank

Über das Buch

Im Buch »Heimatlos« erzählt Susy Utzinger von ihrer Faszination für Tiere, ihrem großen Engagement für den Tierschutz, aber auch von ihrer schwierigen Kindheit. In eindrücklichen Geschichten lässt sie die vergangenen zwanzig Jahre Revue passieren, gibt Einblick in ihre unermüdliche Pionierarbeit im In- und Ausland und erinnert sich an unzählige traurige, anrührende und glücklich verlaufene Geschichten mit ihren Schützlingen. Dabei vergisst sie nicht, auch kritisch hinter die Kulissen des heutigen Tierschutzes zu blicken; einer Thematik, die in den vergangenen Jahren einen grundlegenden Wandel erfuhr. Wenn Susy Utzinger nach ihren wichtigsten Erkenntnissen in Zusammenhang mit dem seriösen Tierschutz gefragt wird, antwortet sie: »Nachhaltiger Tierschutz ist mehr als eine Schale Wasser und genügend Futter; er bedeutet vor allem viel Arbeit, Disziplin und Durchhaltewillen.« Und so bildet die Gründerin der »Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz« unermüdlich Fachkräfte aus, optimiert Tierheime und ist bei unzähligen Projekten – unter anderem in Rumänien und Ungarn – federführend engagiert. Von ihrer Mission ließ sich die Schweizerin nie abbringen. Weder durch berufliche Rückschritte noch durch private Schicksalsschläge. Das positive Resultat: Zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen und freiwilligen Helfern ermöglichte sie bereits Zehntausenden von Tieren ein artgerechtes und besseres Leben.

»Ebenso berührend wie Respekt gebietend wird hier – im Stil eines Tagebuchs – Susy Utzingers Leben und ihr Werk aufgezeichnet. Harte Kindheit, überschattete Jugendjahre, familiäre Konflikte – nichts konnte die Tierschützerin daran hindern, ihren schwierigen Weg zu gehen. ›Aufgeben ist in meiner Genetik nicht verankert‹, sagt sie – und tatsächlich: Mit Beharrlichkeit, Professionalität und in ihrer sentimentalitätsfreien Art verfolgte und verfolgt sie weiterhin ihre Ziele. Heimatlos ist nicht nur das Dokument eines bewundernswerten Tierschutz-Engagements, sondern vor allem auch eine ebenso packende wie berührende Biografie.«

Erich Gysling,

Journalist und Tierschützer

Über die Autorinnen

SUSY UTZINGER, geb. 1969, setzt sich seit Jahrzehnten aktiv für den Tierschutz, vor allem im Haus- und Heimtierbereich, ein. Während fünfzehn Jahren leitete sie gesamtschweizerische Tierrettungsorganisationen und deren Notfallzentralen, fuhr Tierrettungsfahrzeuge und baute zwei Schweizer Tierheime auf. Als freiberuflich tätige Journalistin und Tierfotografin publiziert sie in diversen Medien regelmäßig Arbeiten zu tierschutzrelevanten Themen und hält auch immer wieder Vorträge. 1993 erhielt die engagierte Tierschützerin den Schweizer Tierschutzpreis der Elisabeth-Rentschler-Stiftung, im Lauf der Jahre folgten international weitere Auszeichnungen.

Ebenfalls 1993 absolvierte Susy Utzinger ein Ethologie-Praktikum im Wolf Park in Indiana (USA). Diverse andere Weiterbildungen folgten – so schloss sie unter anderem ein zweijähriges Studium als tierpsychologische Beraterin am I. E. T. in Hirzel ab. Sieben Jahre nach der Gründung der Organisation »TierRettungsDienst – Leben hat Vortritt« im Jahr 1993 rief die Zürcherin zudem die Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz (SUST) ins Leben und setzt sich seither verstärkt für die Qualität von Tierschutzprojekten im In- und Ausland ein.

Foto: © Samuel Mizrachi

FRANZISKA K. MÜLLER ist Autorin und Ghostwriterin. Für Wörterseh hat sie bereits elf Bücher geschrieben, von denen »Wanna Waki«, »Leben!«, »Platzspitzbaby«, »Für immer« und »Mit Köpfchen durch die Wand« auf Platz 1 der Schweizer Bestsellerliste standen. Auf die Idee, ein Buch über Susy Utzinger zu schreiben, kam sie, als sie die kleine Promenadenmischung Ellie adoptierte, die einst in einem ungarischen Tierheim lebte, das von Susy Utzinger unterstützt wird. Während der Recherche zum Buch erfuhr die Autorin, dass der seriöse Tierschutz anders funktioniert, als sich die meisten Laien das vorstellen, und nachhaltige Verbesserungen niemals nur mit Liebe und Mitleid erreicht werden können.

Für Menschen, die ihre Lebensgeschichten schriftlich festhalten oder ein erzählendes Sachbuch mit spezifischen Themenschwerpunkten realisieren möchten, hat Franziska K. Müller das Angebot privatbiografie.ch geschaffen. Sie lebt und arbeitet in Zürich und Wien.

Vorwort zur Neuauflage

Die erste Auflage meines Buchs »Heimatlos« ist vergriffen, wie wunderbar! Dass es so fleißig gekauft und gelesen wurde, freut mich unglaublich. Es gibt mir die Gewissheit, dass es einen Sinn hatte, mein Leben und meine Erlebnisse in ein Buch packen zu lassen – nicht für mich, sondern für die vielen Leserinnen und Leser und natürlich für die Tiere, die von dem darin weitergegebenen Tierschutzwissen profitieren.

Auf das Buch habe ich unzählige schöne Reaktionen erhalten: Viele schrieben mir, dass sie seither mehr von Tierschutz verstehen und sich nun kompetenter und noch engagierter dafür einsetzen. Einige besuchen heute auch unsere Weiterbildungskurse und unterstützen die Stiftung finanziell. Das alles ist für mich und unsere Arbeit eine große Ermutigung.

Die Erstauflage endete im August 2016 mit den Worten: »Was die Zukunft bringen wird, wissen wir nicht, und doch sind wir glücklich: in diesem Moment, der für die Ewigkeit ist.« Auch die Arbeit an dem Buch und die gute Zusammenarbeit mit der Autorin Franziska K. Müller hatte mich damals glücklich gemacht, obwohl ich dabei zu etwas gezwungen worden war, was ich nicht so gern tue: stehen bleiben und zurückblicken. Was ich bei dem Lebensrückblick damals gesehen hatte, machte mich jedoch stolz.

In den vergangenen fünf Jahren hat sich vieles gut ineinandergefügt: Unsere Projekte haben sich etabliert, neue kamen hinzu, auch das Bewusstsein für den Tierschutz in der Landwirtschaft beginnt sich langsam, aber sicher zu schärfen. Deshalb haben wir diese Neuauflage um einen Nachtrag erweitert und aus meinem Wunsch heraus auch das Cover neu gestaltet. Mit dem Bild einer neuen alten Liebe aus dem Wolf Park in Battle Ground, USA, wo ich Anfang der Neunzigerjahre mein Ethologie-Praktikum absolvierte; mehr darüber ab Seite 42. Mein Lieblingswolf damals war Sokrates – wir hatten einen sehr besonderen Draht zueinander. Über fünfzehn Jahre später – Sokrates war mittlerweile gestorben – betrat ich den Wolf Park wieder, und einer der Wölfe kam auf mich zu, als würden wir uns schon lange kennen: Es war Sokrates’ Sohn Wolfgang, der Wolf auf diesem Bild. Auch mit ihm verbrachte ich wunderschöne Momente.

Den Nachtrag finden Sie ab Seite 205 und erfahren dort, was sich an Gutem und Schönem, aber auch an weniger Gutem und Tragischem ereignet hat. Und warum es wichtig und unabdingbar ist, Momente für die Ewigkeit festzuhalten.

Susy Utzinger, im Januar 2022

Vorwort

Als wir Ellie auf einer Fotografie zum ersten Mal sehen, blickt sie uns aus schwarzen Knopfaugen aufgeweckt entgegen. Nach längeren Gesprächen mit der zuständigen österreichischen Tierschutzorganisation erfahren wir, dass die rund vierjährige Mischlingshündin über eine sogenannte Tötungsstation in die Obhut eines Tierheims gelangte, das in der Nähe von Budapest liegt. Wir machen uns von Wien aus auf den Weg und halten bald ein federleichtes und sehr krankes Bündel in den Armen. Die ersten Interessenten lehnten Ellie aufgrund ihres Zustandes ab, den zweiten war die Reise nach Ungarn zu weit. Unser Glück, denn nun gehört sie zu uns.

In den nächsten Monaten erholt sie sich gesundheitlich nur langsam, und das Vertrauen muss ebenfalls in kleinen Schritten erarbeitet werden. Manche Angewohnheiten bleiben lange Zeit bestehen: Ist man spätnachts mit Ellie unterwegs, kontrolliert sie jeden Geschäftseingang. Mit manchen Autos will sie unbedingt mitfahren, egal, ob sie den Lenker kennt oder nicht. Junge Männer in Sportkleidung, die das Eau de Toilette »Roma« verwenden, schaut sie mit herzerweichendem Blick an. Den Wald kennt sie nicht, zu spielen und zu schnüffeln, das muss sie erst lernen und auch, dass sie sich auf Menschen verlassen kann.

Wenn ich Ellie heute sehe, schwarz gelockt und ein ganzes Kilogramm schwerer, wie sie immer selbstbewusster auf uns zuspringt und ihren Kopf minutenlang in Samuels oder meine Hände legt, wie sie zaghaft wedelnd auf fremde Menschen zugeht und die Welt entdeckt, bin ich beeindruckt: von einem Lebewesen, das trotz schlechten Erfahrungen hoffnungsvoll geblieben ist. Dass es solche Geschichten tausendfach gibt, wusste ich damals noch nicht, doch als sich Monate später das Buchprojekt mit Susy Utzinger zu konkretisieren beginnt, setze ich mich vertieft mit den Themen des Tierschutzes auseinander. Was Tiere aus vielfältigen Gründen erleiden müssen, weiß ich heute und auch, dass der Tierschutz ein komplexes Fachgebiet ist, in dem sich viele Amateure und auch unseriöse Organisationen tummeln. Zudem: Auch als Tierfreund kann man viel falsch machen.

Die Gespräche mit Susy finden in Kollbrunn statt, dem Geschäftssitz der »Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz«. Sekretariat, Schulungszentrum und ein riesiges Warenlager befinden sich im ehemaligen Gewerbekomplex. Von hier aus werden Einsätze in der Schweiz und in aller Welt organisiert: für Straßenhunde in Rumänien, Ungarn und Afrika. Für Kapuzineraffen und Wickelbären in Peru. Für Jagdhunde in Spanien. Für Esel, Pferde und Kamele in Ägypten. Zehntausende von Tieren hat die 48-Jährige in den vergangenen zwanzig Jahren gerettet, wohl Hunderttausende verdanken ihr und ihren Mitstreitern und Gönnern ein besseres Leben. Auch in der Schweiz.

Die Arbeit hinter den Kulissen, das Wühlen in Dreck und Elend, die Auseinandersetzung mit Menschen, die Tiere quälen, missachten und misshandeln, die jahrelange Aufbauarbeit, die bisweilen nur winzige Verbesserungen bewirkt, die vielen Rückschläge, die hingenommen werden müssen, das alles bezeichnet Susy Utzinger als logische Konsequenz eines Engagements, das in den vergangenen Jahren zwar eine positive Akzeptanz erfahren, jedoch auch neue Probleme kreiert habe und in vielen Aspekten wie ein Perpetuum mobile funktioniere. Die Tierschutzpionierin, meist in Sportkleidung, die blonden Haare hochgesteckt, die Schuhe flach und bequem, ist immer auf dem Sprung, und genauso schnell, präzise und zielorientiert ist auch ihre Gedankenwelt. Ihre Ungeduld, die manchmal spürbar ist, weiß sie zu zügeln, sie bleibt freundlich, auch wenn sie Tempo machen möchte. Diverse Auslandeinsätze, Kastrationsaktionen und Tierheimoptimierungen in der Schweiz, der Ausbau des eigenen Tierheims, die Inbetriebnahme des Tierwaisen-Hospitals in Rumänien, Vorträge, Fachtagungen – dies sind nur einige Pendenzen, die im Jahr 2016 auf dem Programm standen. Zudem: ihre Hochzeit, die Begleitung von Lars während seiner Krankheit, das Buchprojekt.

Susy Utzinger sagt, die vielen Erfahrungen, die sie im Verlauf ihres langjährigen Engagements gemacht habe, würden Treibstoff liefern, sie heute aber auch fast jede Herausforderung annehmen lassen. Und anders, als man denken könnte, spielen nicht nur Tiere eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Auf die Frage, was der persönliche Gewinn ihrer Arbeit sei, antwortet sie: »Ich habe Vertrauen in die Menschen gewonnen.« Wäre Ellie dazu imstande, würde sie – vielleicht stellvertretend für andere Tiere und Menschen – den Hut vor Susy ziehen.

Franziska K. Müller, im Sommer 2017

10. Mai 2015

Es ist nach Mitternacht. Bläulich leuchtet der Bildschirm. Betreff: eine Frosch-Aktion im Kanton Zürich; die Rettung einer Kuh im Berner Oberland; Aufnahmen von Hunden, Katzen, Papageien, Meerschweinchen und Reptilien in unserem Tierheim. Auch Fragen und Reklamationen sind in meine Mailbox gelangt: Handelt es sich um Tierquälerei, wenn die Dame aus dem Villenquartier dem Pudel ein Halsband aus echten Diamanten umlegt? Ist es unter der Würde kleiner Hunde, bei einer Tanzeinlage im Fernsehen aufzutreten? Zweimal: nein. Vieles sehe ich pragmatisch. Die Vermenschlichung von Vierbeinern hat eigene Gründe und ist nur schlimm, wenn die Tiere in ihrem Wohlbefinden oder in ihrem arttypischen Verhalten beeinträchtigt werden. Andere Bitten – das Hunde-Elend in China zu beheben, den Papst in Tierschutzfragen auf einen andern Kurs zu bringen und in diesem Sinn auch im Koran Veränderungen vornehmen zu lassen – muss ich, wie ich den Schreibenden mitteile, auf später verschieben, da ich mich zurzeit auf kleinere, aber ebenfalls wichtige Probleme konzentriere. Wenn ich manche der geforderten Aktionen bleiben lasse, weil sie keinen Sinn machen, kann dies heftige Reaktionen hervorrufen. Ich muss damit leben, dass ich nicht von allen Menschen, die sich als Tierschützer bezeichnen, geliebt werde.

Soeben bin ich aus Rumänien zurückgekehrt. Reinigungsarbeiten, Parasitenbehandlungen, politische Gespräche, Umstrukturierungen im laufenden Betrieb und mehrere hundert Kastrationen standen auf dem Programm. Nach jahrelanger Arbeit, in die Dutzende von Menschen aus den verschiedensten Disziplinen eingebunden waren, kann ich in diesem Tierheim heute auswählen: aus Bildern von Hunden, die artgerecht gehalten werden, nicht mehr verhungern und verdursten, keine Qualen erleiden müssen. Ich versehe die Dokumentation des zurückliegenden Einsatzes mit Texten, poste sie auf Facebook und rekapituliere die menschliche Schadensbilanz der vergangenen Woche: Sonnenstich. Muskelzerrung. Dehydrierung. Katzen- und Hundebisse. Ein Weinkrampf. Obwohl wir Fachkräfte und freiwillige Helfer akribisch rekrutieren und auf die Arbeitseinsätze vorbereiten, bleiben seelische und körperliche Blessuren nicht aus. Schrammen, blaue Flecken und Dutzende von Flohbissen bedecken auch meinen Körper. Sie gehören einfach dazu. Anderes nicht: Technische Ungenauigkeit, Verspätung in den Arbeitsabläufen oder fehlende Bewilligungen führen in einem fremden Land schnell zum Verlust von wertvoller Zeit. Manche sagen, meine logistische Planung sei pingelig. Ich antworte: Sie ist genau, denn alles andere geht zulasten jener Lebewesen, die wir schützen wollen: der Tiere.

Ich bin todmüde und kann mich doch kaum von der Tastatur trennen: Seit ich als Sechsjährige schreiben lernte, kritzelte ich unablässig in Hefte, und ab der dritten Klasse führte ich ein Tagebuch. Schon als Kind war es mir ein Bedürfnis, festzuhalten, was in meinem Leben und im Leben der Tiere geschah, für die ich früh Verantwortung übernommen hatte. Damals schrieb ich von Hand in linierte Notizbücher. Eines davon war mit glitzerndem, rotem Papier eingebunden. Zusammen mit dem Puppenwagen, in dem mein Plüschschimpanse Judy lag, und den Fotografien, die meine Eltern von mir gemacht hatten, verschwanden sämtliche Dokumente einer nicht eben glücklichen Kindheit vor vielen Jahren: vermutlich in einem großen Müllsack. Damals, als der Skandal ans Tageslicht befördert wurde. Als ich nicht bereit war, zu schweigen, untätig zu bleiben und zu decken, was in meiner Familie offenbar als verzeihbarer Fehler galt. Doch ich erinnere mich an vieles, erinnere mich auch an meine frühen Niederschriften über Erlebnisse mit Menschen und Tieren, die mit wechselnden Spielplätzen, Häusern, Wohnungen, Schulen verbunden waren. Darum kann ich sie hier nacherzählen und in meine Biografie integrieren.

29,72 ₼

Janr və etiketlər

Yaş həddi:
18+
Litresdə buraxılış tarixi:
19 dekabr 2025
Həcm:
275 səh. 42 illustrasiyalar
ISBN:
9783037637135
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
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