Kitabı oxu: «Wo ist der kleine Basse? Der rätselhafteste Entführungsfall Dänemarks»

Şrift:

Frederik Strand

Wo ist der kleine Basse? Der rätselhafteteste Entführungsfall Dänemarks

Übersetzt Patrick Zöller

von ph. d. Frederik Strand, Leiter des Polizeimuseums

Saga

Wo ist der kleine Basse? Der rätselhafteteste Entführungsfall Dänemarks ÜbersetztPatrick Zöller Original Barnet der forsvandtCoverbild/Illustration: Shutterstock Copyright © 2016, 2020 Frederik Strand und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726737745

1. Ebook-Auflage, 2020

Format: EPUB 3.0

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Mit schnellen Schritten ging die junge, schöne Frau die Kongensgade in Odense hinunter und schob den Kinderwagen vor sich her. Es war der 7. Februar 1966 gegen 12 Uhr, und es herrschte reger Verkehr. Vor dem Lisa, einem Laden für Kinderbekleidung, wurde sie langsamer und stellte den Kinderwagen an der Ecke des Geschäfts ab. Sie trat vor die Schaufenster und betrachtete eine Weile beinahe verträumt die Auslage. Dann betrat sie den Laden. Drinnen schaute sie sich die verschiedenen Waren an – sie wollte einen Strampelanzug für ihren drei Monate alten Sohn umtauschen, der draußen vor dem Laden im Kinderwagen lag. Der Junge wurde übrigens Basse genannt, da er seinen gesetzlichen Taufnamen noch nicht bekommen hatte. Die Frau schaute sich mehrere Strampler an, prüfte deren Qualität. Es schien eine gewisse Reserviertheit von der schönen jungen Frau auszugehen, etwas Verschlossenes, das die Leute auf Abstand hielt. Auf den ersten Blick wirkte sie, als befinde sie sich in ihrer eigenen Welt. Nachdem sie eine passende Umtauschware gefunden hatte, ging sie zur Kasse und erledigte das Geschäftliche. Als sie den Laden verließ, inspizierte sie noch einmal die Schaufenster, vielleicht konnte sie noch ein Schnäppchen machen, das ihrem kleinen Sohn gut stand? Dann riss sie sich los und wandte sich dem Kinderwagen zu. Und schaute. Zuerst verblüfft, dann entsetzt. Fast rannte sie die paar Schritte bis zum Kinderwagen. Er war leer! Sie schlug die Decke beiseite und blickte verzweifelt die Straße hinunter. Dann stürmte sie zurück in den Laden. Atemlos erklärte sie, ihr Kind sein fort. Weg! Der Eigentümer eilte mit ihr hinaus zum Kinderwagen und schob die Hand unter die Decke. Die Matratze war noch warm, das Kind konnte also erst vor ein paar Minuten verschwunden sein. Auch er schaute suchend die Straße hinunter, vielleicht war der Entführer noch zu sehen? Nein, es war niemand zu sehen. Schnell ging er zurück in den Laden, die Polizei musste augenblicklich verständigt werden. Kurz darauf war die Kriminalpolizei vor Ort und nahm die Ermittlungen im rätselhaftesten Entführungsfall Dänemarks auf.

Die ersten Ermittlungen

Schon in den Minuten nach Basses Verschwinden, kurz nach 14.30 Uhr, organisierten Holger Nielsen, der Inhaber des Ladens, und sein Personal eine Suche in der nächsten Umgebung. Keller und Treppenaufgänge wurden durchkämmt, und der Fahrer des Ladens nahm sich den Firmenwagen, fuhr die umliegenden Straßen ab und kontrollierte sowohl den Bahnhof als auch den Busbahnhof. Doch ohne Erfolg. Sie fanden keine Spur, weder von dem Kind noch von dem Entführer. Inzwischen hatte man die Mutter in das Büro des Ladenbesitzers gebracht, wo sie sich mit Hilfe einiger Tassen Kaffee und des Zuspruchs einer Angestellten beruhigte – das würde alles schon werden, man würde ihr Kind schnell finden! Wenig später erschien Kriminalkommissar N. Kohsel, der Leiter der Ermittlungen. Kohsel war nicht irgendwer, sondern eine Art Komet am Ermittlerhimmel. Schon als er noch in den Vierzigern war, wurde er Kriminalkommissar. Wenige Monate zuvor hatte er mit großem Erfolg eine andere Kindesentführung in Odense aufgeklärt. Damals drehte es sich um die vier Monate alte Tina, die aus ihrem Kinderwagen verschwand, als er vor dem IG-Haus in der Vestergade stand. Schnell glückte es Kohsel und seinen Leuten, einige der Kleidungsstücke zu finden, die Tina getragen hatte. Kurz darauf konnte das kleine Mädchen auf einem Hof nahe Bogense ausfindig gemacht werden. Kindnapperin war eine Frau, die erst vor Kurzem die Stelle als Haushälterin auf dem Hof angetreten hatte. Dem Besitzer des Hofes hatte sie zuvor gesagt, sie habe einen kleinen Jungen, und als sich herausstellte, dass es sich um ein Mädchen handelte, war er doch einigermaßen überrascht. Wie sich zeigte, war die Frau psychisch krank und von dem Wunsch besessen, ein Kind zu bekommen. Obwohl sie kinderlos war, fand man später einige Kinderwagen in ihrer Wohnung. Erfahrung in Fällen von Kindesentführung hatte Kohsel nicht zuletzt deshalb, weil er zwei Monate vorher den sogenannten Tina-Fall in Kopenhagen genau verfolgt hatte. Hier war ebenfalls ein Mädchen namens Tina entführt und erst einige Tage danach gefunden worden. Der Fall zog erhebliche Aufmerksamkeit auf sich und wurde als ein großer Ermittlungserfolg der Polizei betrachtet. Auch in diesem Fall erwies sich die Täterin als geistig verwirrt.

Kohsel war also nichts weniger als eine Kapazität, ausgestattet mit besonderer Erfahrung in Sachen Kindesentführung. Daher ging er sehr zuversichtlich an den Fall heran und äußerte sich überaus überzeugt, was die Aufklärung der Tat anging. Noch nie zuvor war in Dänemark ein Kind dauerhaft entführt worden oder sogar gar nicht mehr aufgetaucht! In einem ersten Schritt wurden zahlreiche Polizeikräfte zusammengezogen, sowohl aus den Reihen der Kriminal- als auch denen der Schutzpolizei und des zivilen Polizeidienstes. Insgesamt beteiligten sich zirka 80 Personen an der Fahndung, mit Kohsel an der Spitze des Polizeiaufgebots. Gleichzeitig wurde eine Beschreibung des entführten Jungen veröffentlicht. Sein richtiger Name war nicht Basse, sondern Kjell-Eric – auf diesen Namen sollte er getauft werden. Basse beziehungsweise Kjell-Eric wog zirka 6,25 Kilogramm und war 60 bis 62 Zentimeter groß. Er hatte blonde Haare und blaue Augen und trug einen hellblauen Strampelanzug mit einem weißen Kaninchen darauf und mit weißen Bündchen. Zum Ärger der Polizei besaß die Mutter Anne Bürgel kein Foto des Jungen, sodass man sich auf ihr Gedächtnis verlassen musste.

Sorgen machte Kohsel eigentlich nur die Tatsache, dass es sehr wenige Spuren gab. Man hatte ein einzelnes Haar in dem Kinderwagen gefunden, außerdem befand sich Speichel an dem Schnuller, den Basse im Mund gehabt hatte, was helfen konnte, den Jungen zu identifizieren, falls man ihn fand, da man ja kein Foto hatte, das man zu Rate ziehen konnte. Natürlich hatte man noch den Kinderwagen, doch die Techniker hatten daran keine brauchbaren Fingerabdrücke sicherstellen können. Auch gab es nur sehr wenige Zeugen. Niemand hatte gesehen, wie Basse entführt worden war, was merkwürdig erschien, da sich das Verbrechen auf einer zu dieser Zeit sehr belebten Straße abgespielt hatte. Aber vielleicht war gerade der starke Verkehr der Grund dafür, dass niemand etwas beobachtet hatte. Der einzige Beweis für Basses Entführung war die Aussage, wonach der Inhaber des Lisa bemerkt hatte, dass der Kinderwagen noch warm war – und natürlich die Aussage der Mutter, ihr Kind sei verschwunden. Nichtsdestotrotz war Kohsel optimistisch, weitere Zeugen würden sich noch melden, so war es immer. Im Laufe des Abends an diesem 7. Februar nahm die Polizei zirka einhundert Hinweise entgegen. Einige behaupteten, eine „mysteriöse Frau“ mit einem Kind auf dem Arm gesehen zu haben, die die Straße entlangging. Zu Aussehen und Kleidung konnten die Zeugen allerdings keine Angaben machen, sodass die Polizei keine konkreten Anhaltspunkte hatte, denen sie hätte nachgehen können.

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