Kitabı oxu: «Verlierer auf Erden, Gewinner im Himmel»

Şrift:



Gabriel Magma

VERLIERER
AUF ERDEN
GEWINNER
IM HIMMEL

Warum mein katastrophales Leben in Wahrheit extrem erfolgreich war

(und was es mit der Inkarnation wirklich auf sich hat)

Vorwort von Pavlina Klemm

Aus dem Englischen von Miriam Mabée


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Nach der englischen Buchvorlage:

Loser On Earth, Winner In Heaven.

Unveiling the Mysteries of Incarnation

Deutsche Erstausgabe im AMRA Verlag

Auf der Reitbahn 8, D-63452 Hanau

Hotline: + 49 (0) 61 81 – 18 93 92

Service: Info@AmraVerlag.de


Herausgeber & Lektor Michael Nagula
Umschlaggestaltung Guter Punkt
Coverdesign Richard Crookes
Layout & Satz Birgit Letsch
Druck CPI Books GmbH

The original Spanish edition was published under the title

Por que decidiste encarnarte. Licensed from Findhorn Press, Scotland, The Park, Forres IV36 3TE, United Kingdom. Copyright © 2020 international by Gabriel Magma.

ISBN Printausgabe 978-3-95447-273-4

ISBN eBook 978-3-95447-274-1

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Inhalt

Vorwort von Pavlina Klemm

Einleitung: Die Entscheidung zur Menschwerdung

1Der Tunnel

2Mein katastrophales Leben

3Der wahre Sinn meines Lebens

4Der Rückblick auf mein Leben

5Die Besprechung meines Lebensplans

6Die Begegnung mit meinen Seelenverwandten im Himmel

7Die Demaskierung des Drahtziehers meiner Inkarnation

8Wie und warum meine Inkarnation begann

9Mein Besuch in der Schule der Materie

10Mein erster Eintritt in die dritte Dimension

11Mein erster Kontakt mit Gaia

12Was ich über die Spezies Mensch herausfand

13Die Enträtselung des menschlichen Daseins

14Die Zukünfte von Gaia

15Was ich von hier aus für dich tun kann

16Die Entscheidung

Über den Autor

Den Wesen gewidmet, die auf uns achtgeben, uns inspirieren und leiten, auch wenn wir sie nicht wahrnehmen.


Liebe Leserinnen und Leser,

ich grüße euch und möchte euch an dieser Stelle, bevor ihr mit dem Lesen von Matts Geschichte beginnt, einige Gedanken mitgeben, die ich mit dem vorliegenden wundervollen Buch von Gabriel Magma verbinde.

Im Grunde stehe ich selbst täglich in Kontakt mit Lichtwesen, und die Existenz der Lichtwelt ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Nie habe ich an der Wahrhaftigkeit und Existenz der Lichtwelt gezweifelt. Aber auch wenn die Kommunikation mit Lichtwesen für mich schon eine relativ normale Angelegenheit ist, wurde mir bei meiner Ankunft auf diesem Planeten doch der Schleier des Vergessens mitgegeben – die willentlich herbeigeführte Unwissenheit gegenüber meiner lichtvollen Heimat, damit ich die jetzige Inkarnation für mein persönliches Wachstum und für das Sammeln verschiedenster Erfahrungen auf dieser irdischen Welt nutzen kann.

Das Leben auf diesem Planeten bereitet mir große Freude, das könnt ihr mir glauben, aber natürlich hat es mir auch schon die unterschiedlichsten Erfahrungen beschert, die nicht immer so freudvoll und angenehm waren.

Früher, als ich die Zusammenhänge zwischen der irdischen und der himmlischen Welt noch nicht ganz verstand, habe ich mich oft gefragt, was im Leben denn eigentlich Sinn macht und warum gerade ich Situationen durchleben musste, die für meine Seele mehr als schmerzhaft waren. Warum musste ich Situationen hier auf der Erde erleben, die ich mir freiwillig bestimmt nicht ausgesucht hätte. Ich dachte dann, so wie ihr alle, über die Sätze nach, die ich von der älteren Generation gehört hatte – Sätze wie: »Was dich nicht umbringt, macht dich bloß stärker«, »Gottes Mühlen mahlen langsam, aber still« oder »Eines ist sicher – hier kommt keiner lebend raus«. Ich habe oft über diese Sätze nachgedacht.

Sie zeigen, dass wir in diesem Leben funktionieren sollen. Das haben wir nämlich alle gelernt: zu funktionieren. Wir nehmen das als selbstverständlich hin und schreiten auf dem Weg unseres Lebens dahin. Und die meisten beginnen erst ihr eigenes Leben und ihre eigene Gesundheit wertzuschätzen, wenn sich die Lebenszeit mancher ihrer Liebsten dem Ende zuneigt. Dann beschäftigen wir uns plötzlich mit Fragen, die unsere Existenz betreffen, mit Fragen nach einem höheren Sinn. Augenblicklich stehen wir still in unserem Hamsterrad und fangen an nachzudenken.

Wenn unser geliebter Mensch in höhere Sphären gegangen ist, beginnen wir uns dafür zu interessieren, wie es ihm dort geht. Kann er uns weiterhin wahrnehmen? Ist sein Leben nach seinem Tod endgültig vorbei, und wenn nicht, wo befindet sich seine Seele? Wird seine Seele beschützt? Fühlt sie sich einsam?

Wenn ihr dieses Buch lest, das ihr gerade in Händen haltet, bekommt ihr unzählige Antworten auf eure Fragen, auch zur Suche nach dem höheren Sinn eurer persönlichen Existenz – der irdischen wie der lichtvollen Existenz. Das alles und sehr viel mehr findet sich in Gabriels beeindruckender Geschichte, und ich für meinen Teil habe jedenfalls eine gewaltige Menge an Parallelen gefunden, die zu einhundert Prozent meiner eigenen Kommunikation mit den Lichtwesen entsprechen.

Der junge Matt ist der Motor dieser Geschichte, ein erfolgloser Musiker, der zunächst ein bewegtes Leben hier auf der Erde führt. Wir erfahren, wie er dieses Leben sieht, wie er es verstand und wie er es jetzt versteht. Jetzt heißt nach seinem Tod, denn das Überraschende an diesem Buch ist: Er erzählt seine Geschichte nach seinem Tod, aus seiner höheren Perspektive heraus, der Perspektive eines erweiterten Bewusstseins.

Ganz recht, der Erzähler ist gestorben – so viel darf ich vorwegnehmen – und nach dem Fortgang seiner Seele aus seinem Körper begegnet er augenblicklich seinen Lichtbegleitern, die ihm unterschiedlichste Dimensionen der lichtvollen Existenz zeigen. Ihm werden Räume und Gegenstände gezeigt, die aus Licht bestehen. Er begreift, dass alles aus Licht, Klängen und Formen besteht. Ihm wird gezeigt, dass in der Lichtwelt keine physischen Grenzen bestehen und alles mit dem höheren Bewusstsein verbunden ist.

Kein Wesen und keine Entität fühlt sich dort jemals allein. Alles ist in Liebe und Licht verbunden.

Matt erhält die Möglichkeit, dem Teil seiner Seele zu begegnen, der in der Dimension der Ewigkeit geblieben ist. Und nicht nur das, er begegnet auch Seelenanteilen von Mitgliedern seiner irdischen Familie und kann mit ihnen alle Pläne besprechen, die sie gemeinsam detailliert im menschlichen Himmel vor der Ankunft auf der Erde geschmiedet haben!

Ihm wird wirklich und wahrhaftig der höhere Sinn des Lebens auf diesem Planeten erklärt.

Aber die wichtigste Sache für das menschliche Wachstum, die ihm mitgeteilt wird, ist identisch mit dem, was alle menschlichen Seelen, mit denen auch ich kommuniziere, mir immer wieder mitteilen: Vergebung herbeiführen … Vergebung gegenüber anderen und gegenüber sich selbst.

Jeder von uns, der sich entschieden hat, auf diesem Planeten zu inkarnieren, war vor allem sehr mutig. Er entschied sich, hier zu wirken und eine enorme Menge an karmischen Angelegenheiten zu verarbeiten. Das hat vieles mit sich gebracht, für das wir uns ständig verurteilen. Wir machen uns Vorwürfe, dass wir in bestimmten Situationen gescheitert sind … und das müssen wir uns vergeben. Immerhin hat jede Situation zu unserem persönlichen Wachstum eines erweiterten Bewusstseins beigetragen.

Der Planet Erde ist ein Planet, auf dem wir lernen dürfen, auf dem wir uns entwickeln dürfen und auf dem uns die Kunst beigebracht wird, uns selbst zu lieben!

Es geht darum, dass wir in uns Selbstliebe finden, denn dann finden wir auch mehr Liebe für den Nächsten in uns. Wir lernen, seine reinste Essenz zu sehen, wir hören auf zu urteilen – und dadurch befreien wir uns alle gegenseitig.

Gabriel Magma, der dieses Buch schrieb, hat unglaublich viel Liebe und Mühe für die Details aufgewendet. Er hat bis ins Kleinste aufgeschrieben, wie die Lichtwelt und ihre Gesetzmäßigkeiten funktionieren. Es scheint seine Lebensaufgabe zu sein, seiner Figur namens Matt Leben einzuhauchen, indem er deren Lebensaufgabe beschreibt – nach ihrer Rückkehr in die himmlischen Sphären. Er lässt sie ihre postmortalen Erlebnisse niederschreiben und gewährt auf diese Weise Menschen, die sich für die höhere Essenz der Existenz interessieren, einen Einblick … Er vermittelt ihnen Wissen über die Unendlichkeit der menschlichen Seele. Und das auf die beeindruckendste Weise!

Jeder Leser wird verstehen, dass die Rückkehr der Seele in den menschlichen Himmel eine Verbindung mit allem Lichtvollen und Liebevollen schafft. Viele Leser werden nach der Lektüre sicher die Angst davor verlieren, nach ihrem Tod verurteilt zu werden. Jedes menschliche Wesen verantwortet seine Taten selbst und kann im menschlichen Himmel einen erneuten Blick auf sie werfen, aber damit ist kein Schrecken verbunden, denn es geschieht in Liebe und dient dazu, den Weg seines Wachstums zu verstehen.

Nun lasst euch, liebe Leserinnen und Leser, durch die Lichtwelt führen. Durch ihre Gesetzmäßigkeiten, ihre Vielfalt und ihre Unendlichkeit.

Ich wünsche euch viel Freude bei den unglaublichen Erfahrungen eines Menschen, der sich entschieden hat, uns nach seinem Tod von seinen Abenteuern in seinem physischen Körper auf diesem Planeten namens Gaia zu berichten.

In Liebe und Hochachtung!


Pavlina Klemm, geboren in Tschechien, lebt und arbeitet als Heilerin und Channelmedium in der Nähe von München. Sie ist ausgebildet in Quantenheilung, Reconnective Healing nach Eric Pearl und neuer Homöopathie nach Körbler, in russischen Heilmethoden und durch Doreen Virtue. Seit ihrer Kindheit steht sie in Kontakt mit der geistigen Welt. Sie ist die Autorin der Lichtbotschaften von den Plejaden, einer Bestsellerreihe aus bisher sieben Büchern und zehn CDs, sowie des aktuellen Bestsellers Heilsymbole & Zahlenreihen, eines Arbeitsbuches für Heiler, das auch als Kartendeck vorliegt.

Einleitung
Die Entscheidung zur Menschwerdung

Der Tod tut nicht weh. Die meisten Menschen stellen sich den Tod als etwas Schreckliches vor, aber er ähnelt eher dem Gefühl einzuschlafen.

Ich weiß es, weil ich gestorben bin.

Und als ich starb, kam ich zu dem Schluss, dass das, was wirklich wehtut, das Leben ist.

Aber das war uns ja schon vorher bekannt, auch dir. Du wusstest es, ehe du inkarniertest. Und doch hast du dich dafür entschieden, hierher zu kommen. Vermutlich empfindest du es als ein bisschen geschmacklos, wenn ich dir sage, dass du freiwillig zur Erde kamst, statt im ewigen Frieden des Himmels zu bleiben.

Doch ich bin davon überzeugt, dass meine Geschichte dir dabei helfen wird, deine Ansichten darüber zu ändern. Meine Geschichte ähnelt nämlich deiner, auch wenn du dich nicht mehr an die eigene Geschichte erinnern kannst …

1
Der Tunnel

Du hast davon gehört, was beim Sterben geschieht: Du verlässt deinen Körper, ein Engel hebt dich empor und führt dich durch einen Lichttunnel.

Manchen Menschen ist gar nicht klar, dass sie gestorben sind, aber ich hatte nicht den geringsten Zweifel daran. In dem Moment, als ich meinen Körper verließ, fühlte ich mich wunderbar leicht. Ich befand mich immer noch in der U-Bahn-Station in Liverpool, wo ich gestorben war, doch ich fühlte mich so glücklich und frei wie der Graf von Monte Christo, als er dem Gefängnis entkam.

Als ich merkte, dass mein Körper auf dem Boden lag, umgeben von verstörten Pendlern, wusste ich, dass ich tot war. Es war zwar nicht schwer zu begreifen, dass ich gestorben war, aber trotzdem verwirrend, denn ich fühlte mich lebendiger denn je.

Während ich dies alles zu verarbeiten versuchte, unterbrach mich eine Lichtgestalt, die mir seltsam vertraut vorkam. Die untere Hälfte ihres Körpers war nur verschwommen zu sehen, aber ich erkannte, dass zwei Lichtstrahlen von ihrem Rücken ausgingen.

»Matt, ich bin Jeremiah, dein Schutzengel. Erinnerst du dich an mich?«

»Hast du gerade Schutzengel gesagt?«, fragte ich.

»Ja, du hast richtig gehört. Ich bin Jeremiah und habe seit deiner Geburt über dich gewacht.«

»Oh, alles klar. Aber du warst längere Zeit in Urlaub, stimmt’s? Ehrlich gesagt hätte ich hier nämlich ein bisschen Hilfe brauchen können.«

»Ich bin immer an deiner Seite gewesen und habe dir geholfen. Auch wenn du mich nicht oft gebraucht hast. Du bist doch recht gut allein zurechtgekommen.«

»He, das ist wohl ironisch gemeint, wie?«

»Wenn wir den Lichttunnel durchschreiten, kannst du auf dein Leben zurückblicken. Und dann wirst du verstehen, wie außergewöhnlich dein Leben verlaufen ist. Auf der anderen Seite warten alle mit offenen Armen auf dich.«

»Im Augenblick möchte ich mich eigentlich nur von meiner Familie verabschieden.«

»Du kannst es versuchen, aber sie werden dich nicht sehen oder hören können. Ich schlage vor, dass du zunächst den Himmel aufsuchst und später hierher zurückkehrst und deine Familie besuchst, wenn sie wieder inneren Frieden gefunden hat. Dann wird sie deine Gegenwart spüren können.«

»Ich werde keine Rückschau auf mein Leben halten. Und ich will auch nicht, dass es jemand anderes tut.«

»Niemand wird über dich richten, Matt. Außerdem gibt es so vieles, auf das du stolz sein kannst – viel mehr, als du dir zugestehst. Bitte erlaube mir, dich durch den Tunnel zu führen.«

»Du willst mich wohl verarschen. Ich weiß, wie mein Leben verlaufen ist.«

»Dort, wo ich herkomme, ist es verboten, andere hinters Licht zu führen. Vertrau mir. Glaube mir, dass du keine Ahnung hast, wie wichtig dein Leben gewesen ist.«

Mein Leben war so offensichtlich verschwendet gewesen, dass seine Worte mich fast beleidigten.

»Warte mal«, sagte ich. »Ich glaube, du hast den falschen Matt erwischt. Ich bin der Musiker.«

»Ich habe dein Leben seit deiner Geburt verfolgt. Mir ist klar, dass du mir nicht glaubst, aber dein Leben ist für viele andere Seelen, die inkarnieren möchten, beispielhaft.«

Als ich ihn so reden hörte, fragte ich mich, ob Engel noch ganz bei Trost sind. Aber seltsamerweise wirkte er keineswegs verrückt.

»Lass uns einen Handel machen«, sagte er. »Du gehst dein Leben durch und sagst mir, was du deiner Meinung nach richtig und was du falsch gemacht hast. Und dann zeigen wir deine Auflistung den himmlischen Führern. Für alles, was du richtig bewertest, erfülle ich dir in deinem nächsten Leben einen Wunsch.«

»Was meinst du mit meinem ›nächsten Leben‹? Ich möchte hier nicht noch einmal leben.«

»Du musst dich ja auch nicht gleich zu einer weiteren Inkarnation entschließen. Und du musst auch nicht gleich den Himmel aufsuchen. Wir können in den Tunnel gehen und dort eine Weile bleiben, während du mir deine Version deines Lebens erzählst.«

»Wieso können wir nicht einfach hier bleiben?«

»Das könnten wir, aber der Tunnel wird nicht ewig geöffnet sein. Und ich möchte nicht hier zurückbleiben, wenn er sich wieder schließt. Ohne einen Körper auf der Erde zu bleiben, empfiehlt sich nicht.«

Aus seinem Ton hörte ich heraus, dass ich wohl besser daran tat, seinen Rat zu befolgen.

Der Tunnel ist schwer zu beschreiben. Er war geräumig, hatte aber keine klar umrissenen Dimensionen, denn er bestand aus Licht. Es war ein sehr intensives weißes Licht, das jedoch nicht blendete.

Im Tunnel fühlte ich mich sogar noch leichter. Ehrlich gesagt fühlte ich mich dort letztlich sogar ganz wohl.

»Möchtest du dich setzen?« Jeremiah deutete auf einige Sofas (sie bestanden ebenfalls aus Licht), die zufällig genau dieselbe Form hatten wie die bei mir zu Hause. Ich machte es mir auf einem davon bequem.

»Also gut, ich höre dir zu. Ich kenne dein Leben zwar in- und auswendig, aber ich möchte deine Version hören. Das wird sicher interessant …«

Die selbstgefällige Vertraulichkeit, die Jeremiah an den Tag legte, begann allmählich zu nerven, aber irgendetwas in mir empfahl mir, seinen Wünschen nachzukommen, also willigte ich ein.

»Ich würde mein Leben lieber aufschreiben. Das würde mir leichter fallen, denn …«

Bevor ich den Satz beenden konnte, tauchte ein Schreibstift aus Licht in meiner Hand auf. Und zu meiner Verblüffung saß ich jetzt an einem Schreibtisch, auf dem Papier lag – alles ebenfalls aus Licht.

»Gut so?«, fragte Jeremiah.

Ich nickte.

»Nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst. Und wundere dich nicht, wenn du in einem Rutsch dein ganzes Leben erklären kannst. Sobald man die Enge der Erde verlässt, erhält man nach und nach Zugang zur seelischen Klarheit.«

Da ich nicht ganz verstand, wovon er redete, achtete ich einfach nicht weiter auf ihn und begann damit, einen Rückblick auf mein Leben – mein verpfuschtes Leben – zu verfassen. Ich glaubte nicht so recht, irgendjemand könne mich davon überzeugen, dass ich mein Leben lang richtige Entscheidungen getroffen hätte, aber ich beschloss, es trotzdem schriftlich festzuhalten. Und ich war gespannt darauf, die Version der anderen zu hören. Am besten war es wohl, ein Plus-Zeichen (+) neben die guten Dinge und ein Minus-Zeichen (-) neben die schlechten zu setzen.

Und so ließ ich die siebenundzwanzig Jahre meines Lebens innerlich Revue passieren.

2
Mein katastrophales Leben

Mein Vater, der Sportlehrer war, hatte sich immer gewünscht, dass ich ein Spitzensportler werde. Aber auf Gedeih und Verderb – denn beruflich geht das ja in den seltensten Fällen gut – hatte ich mich immer nur für Musik interessiert.

Meine Mutter sagte, sie habe stets gewusst, dass ich einmal Sänger werden würde. Als ich im Alter von dreizehn Monaten Elvis Presley singen hörte, stand ich in meinen Kinderbettchen auf, als wäre ich auf einer Bühne, klammerte mich am Schutzgeländer fest und versuchte, näher ans Radio heranzukommen. Offenbar sah meine Mutter damals das erste Mal, dass mich etwas wirklich faszinierte.

Meistens kam es ihr nämlich so vor, als befände ich mich in einer anderen Welt.

Von diesem Tag an sorgten meine Eltern stets dafür, dass mich Musik umgab, besonders wenn sie wollten, dass ich »in die reale Welt zurückkehrte«, wie sie es ausdrückten. Aber mein Kopf schwebte fast immer in den Wolken, und als ich sechs Jahre alt war, wurde bei mir Autismus diagnostiziert.

Nach dieser Diagnose beschäftigten sich meine Eltern weit mehr als früher mit mir, und darunter hatte meine kleine Schwester Claire zu leiden. Meine Mutter besorgte spezielles Unterrichtsmaterial, um mir möglichst jeden Tag neue Dinge beizubringen, aber fast alles, was ich gelernt hatte, vergaß ich sofort wieder.

Seinerseits versuchte mein Vater, mir das Einzige näher zu bringen, von dem er wirklich etwas verstand: Sport. Obwohl ich höchstens ein mittelmäßiger Sportler war, bemühte er sich jahrelang, mich zu einem Berufssportler auszubilden.

Im Sommer vor meinem Wechsel zu einer weiterführenden Schule ermahnte mich mein Vater, ich müsse als Sohn eines Sportlehrers den anderen Schülern ein gutes Vorbild sein. Aber ich war das genaue Gegenteil, denn ich brachte überhaupt kein Interesse für das auf, was die Lehrer sagten. (Hier trug ich auf meiner Liste ein Minus-Zeichen ein, weil ich gar nicht erst versucht hatte, mir Wissen anzueignen.)

Trotz der hartnäckigen Bemühungen meiner Eltern versagte ich in fast allen Fächern. Mit vierzehn Jahren wechselte ich zu einer Schule, die auf musische Fächer spezialisiert war. Dort fiel mir das Lernen leichter. Ich hatte Unterricht bei einem fantastischen Musiklehrer, der mir das Gitarrenspiel beibrachte.

Meine Eltern waren überglücklich darüber, dass ich endlich in eine Schule ging, von der ich nicht mehr weglaufen wollte. Dort lernte ich nicht nur, ein Instrument zu spielen, sondern auch eigene Stücke zu komponieren. Und da meine Lieder offenbar gut ankamen, beschäftigte ich mich während meiner Jugendjahre vor allem mit dem Komponieren. (An dieser Stelle setzte ich auf meiner Liste ein Plus-Zeichen, da ich gelernt hatte, ein Instrument zu beherrschen und Lieder zu komponieren.)

Ich wohnte in Liverpool, der Stadt der Beatles, und glaubte, es könne mit ein wenig Talent nicht so schwierig sein, Erfolg zu haben. Und wirklich brachte ich mit zwanzig Jahren mein erstes Solo-Album heraus. Doch zugleich zerstörte ich dadurch das Leben von zwei Menschen.

Kerry lernte ich in einer der örtlichen Szenekneipen kennen, in denen ich erstmals öffentlich mit meiner Gitarre auftrat. Als ich erfuhr, dass ihr Vater Duncan Fierce war, der Musikproduzent, der die Band Oasis entdeckt hatte, setzte ich alles daran, Kerry für mich zu gewinnen. (Ein Minus-Zeichen, da ich mit Kerry nur das Ziel verband, sie für meine Zwecke einzuspannen.)

Kerry verliebte sich sofort in mich. Drei Tage nach unserer ersten Begegnung ließen wir uns die gleichen Piercings machen – als Zeichen dafür, dass wir immer zusammenbleiben würden. Ich hätte ehrlich sein und ihr sagen sollen, dass ich mich mehr für ihren Vater als für sie interessierte, das ist mir bewusst. Aber einen solchen Musikproduzenten wie Duncan Fierce an meiner Seite zu haben, betrachtete ich als einmalige Chance. (Ein Minus, da ich Kerry etwas vortäuschte, das ich nicht empfand.)

Ich würde mir ja gern vormachen, dass Duncan mir nicht vorgeschlagen hätte, ein Album aufzunehmen, wäre ihm an mir nicht irgendein Potenzial aufgefallen. Doch in Wahrheit schlug er mir das erst vor, als Kerry ein Kind von mir erwartete. (Ein Minus, weil ich nicht für Verhütung gesorgt hatte.) Er verpasste mir sogar den Künstlernamen »Matt Kerr«, um mich daran zu erinnern, dass ich die Plattenproduktion allein Kerry verdankte.

Meinen Eltern gefiel die Aussicht, so bald Großeltern zu werden, zwar ganz und gar nicht, trotzdem boten sie mir jede nur erdenkliche Hilfe an. Mir war die Vaterschaft eigentlich auch zuwider, doch ich willigte in die Heirat mit Kerry ein, da sie mir nachdrücklich klargemacht hatte, dass ihr Vater mir nur dann unter die Arme greifen würde. (Ein weiteres Minus dafür, dass ich Kerry aus reinem Egoismus geheiratet habe.)

Und so nahm ich mein erstes Album mit gerade mal zwanzig Jahren und bereits verheirateter Mann auf. Duncan und sein Team brachten mir alles bei, was ich für eine solche Produktion wissen musste. Bei den Aufnahmen mussten wir vieles neu arrangieren und ändern, damit die Instrumentalisierung und meine Stimme gut klangen, aber letztlich rechtfertigte das Ergebnis die ganze Mühe. Den Rest erledigte das Heer von Duncans Marketing-Leuten, und wir verkauften dann tatsächlich 180.000 Exemplare des Albums. Die Marketing-Leute schafften es auch, mich in drei verschiedenen Fernseh-Shows unterzubringen. Und die Konzerttour durchs ganze Land erwies sich sogar als recht profitabel. (Ein Plus dafür, dass ich mit dem, was ich liebend gern tat, Erfolg hatte.)

Da für mich jetzt alles so gut lief, begann ich auch, anderen Menschen Gutes zu tun. Beispielsweise trat ich bei Wohltätigkeitskonzerten auf und sogar in einer Fernseh-Show, die mit einem Spenden-Marathon für soziale Zwecke verbunden war. Ich half auch meinem Nachbarn Rob. Er arbeitete in einer Autowerkstatt und kam nicht gut mit seinem Chef aus. Deshalb lieh ich ihm so viel Geld, dass er eine eigene Werkstatt aufmachen konnte. (Ein Plus dafür, dass ich andere Menschen – einschließlich meines Nachbarn – unterstützte, denen es nicht so gut ging wie mir.)

Meine Eltern waren stolz auf das, was ich erreicht hatte, aber nun begann sich mein Erfolg auch auf meine Schwester Claire auszuwirken. Sie begann meinen Kleidungsstil nachzuahmen, bat mich, ihr das Komponieren beizubringen, und traf sich sogar regelmäßig mit dem Schlagzeuger meiner Band.

Ich fühlte mich wie ein König und war davon überzeugt, dass meine Karriere gerade erst richtig angefangen hatte – doch in Wahrheit stand sie bereits kurz vor dem Ende. Ich war einfach zu jung, und die vielen verrückten Fans gaben mir das Gefühl, tatsächlich Talent zu besitzen. Ich wurde arrogant, begann, mit weiblichen Fans zu schlafen und mir Kokain reinzuziehen. Das Schlimmste daran war, dass Kelly, als sie es herausfand, völlig außer sich geriet und fast das Baby verloren hätte. (Ein Minus für meinen Drogenkonsum, meine Untreue und die Tatsache, dass ich damit das Leben unseres Kindes aufs Spiel setzte.)

Ich flehte um Vergebung, schwor Kelly, dass ich zur Ruhe kommen würde. Sie verzieh mir in der Annahme, dass sich alles ändern würde, sobald ich unser Baby zum ersten Mal sah. Doch mit Spencers Geburt änderte sich nichts. Ich war einundzwanzig und wollte keine Verantwortung übernehmen, sondern nur in meinem Ruhm schwelgen und Spaß haben.

Als Spencer sechs Wochen alt war, entdeckte Kerry ein Foto in einer Musikzeitschrift, auf dem ich ein Mädchen im Arm hielt. Noch am selben Tag wechselte sie unsere Türschlösser aus und schickte mir einen Koffer mit all meinen Klamotten. (Ein Minus dafür, dass ich Kerry weiterhin betrogen hatte und damit unsere Ehe zerstörte.)

Ich versuchte Kerry zu erklären, dass ich bei diesem Foto auf Drogen gewesen sei und gar nicht mehr gewusst hätte, was ich tat. Aber das gebrannte Kind scheut bekanntlich das Feuer, sodass Kerry mir meine Beteuerungen nicht mehr abnahm. Und natürlich wollte mich ihr Vater Duncan nun nicht mehr als Produzent vertreten und kassierte alle Einnahmen aus der Konzerttour und dem Verkauf meines Albums ein, um die Kosten für alles, was er in mich investiert hatte, abdecken zu können. Vergeblich hielt ich nach einem Produzenten für mein nächstes Album Ausschau, also beschloss ich, es allein auf den Markt zu bringen. (Ein Plus dafür, dass ich die Sache nun selbst in die Hand nahm.)

Kerrys Rechtsanwalt forderte mich auf, mit einem Teil meines Einkommens für meinen Sohn Spencer aufzukommen. Aber da Kerry mir jede Besuchserlaubnis verweigerte, sah ich nicht ein, für Spencers Erziehung zu zahlen. (Ein Minus, weil ich mich von jeder Verantwortung für mein Kind freisprach.)

Um mein neues Album aufnehmen und dafür Werbung machen zu können, musste ich meine Eltern um Geld bitten. Anfangs weigerten sie sich, da sie ein solches Darlehen für riskant hielten, aber ich setzte sie unter Druck und versprach, ihnen jeden einzelnen Penny zurückzuzahlen. Schließlich nahmen sie eine Hypothek auf ihr Haus auf, um mir 80.000 englische Pfund zu leihen. (Ein Minus, da ich meinen Eltern eine riskante Investition aufdrängte.)

Schließlich konnte ich mein zweites Album aufnehmen und schloss einen Vertrag mit demselben Team ab, das auch bei meinem ersten Album alle musikalischen Arrangements beigesteuert hatte. Alles Geld, das noch übrig war, investierte ich ins Marketing. Es gelang mir – selbstverständlich mit einer Bestechungssumme –, einen meiner Songs bei einem Radiosender als Nummer drei in den Pop-Charts zu platzieren, der meinen Song dann zwei Wochen lang häufig spielte. Aber das brachte mir nichts. Das ganze Album fiel trotzdem durch und die Konzerttour war schlicht eine Katastrophe.

Als die Musiker und Tontechniker meines Teams merkten, dass kaum jemand meine Konzerte besuchte, verlangten sie von mir, sie unverzüglich zu bezahlen.

Also bat ich meine Eltern um einen weiteren Kredit und beglich mit dem Geld meine Schulden.

Ich spielte alle meine Verbindungen aus, um meine Konzerte öffentlich bekanntzumachen. Trotzdem tauchte kaum jemand bei diesen Gigs auf, was mir völlig unbegreiflich war. Immerhin hatten die Musiker mir gesagt, mein zweites Album sei viel besser als das erste. Aber niemand wollte es kaufen. Ebenso wenig verstand ich, wieso die Leute, denen meine Musik während der ersten Tournee offenbar sehr gefallen hatte, sie zwei Jahre danach nicht mehr hören wollten.

Die Mühe, die ich in das zweite Album gesteckt hatte, erwies sich als völlig nutzlos. Das raubte mir schließlich jegliche Energie und Selbstachtung. In mir setzte sich der Gedanke fest, dass meine Musik nichts taugte und mein erstes Album nur deshalb Erfolg gehabt hatte, weil mein Schwiegervater damals so viel Geld in die Werbemaßnahmen gesteckt hatte. Wegen all dieser Niederlagen hatte ich das Gefühl, kaum noch tiefer sinken zu können, und es ging mir wirklich schlecht. Ich wollte nicht mehr singen und auch nichts mehr komponieren, hatte nicht einmal mehr Lust, mir Musik im Radio anzuhören. Jeden Morgen fiel es mir schwer, überhaupt aufzustehen, und ich konnte es nicht mehr ertragen, in den Spiegel zu sehen oder einen Anruf entgegenzunehmen.

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9783954472741
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