Kitabı oxu: «Vergiftungen bei Hund und Katze»
Gisa Löwe & Olof Löwe
Vergiftungen bei Hund und Katze
Ein tierärztlicher Ratgeber Ursachen • Symptome • Erste Hilfe
Kynos Verlag
© 2021 KYNOS VERLAG Dr. Dieter Fleig GmbH
Konrad-Zuse-Straße 3 • D-54552 Nerdlen/Daun
Telefon: +49 (0) 6592 957389-0
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Bildnachweis: S. 201
eBook-Ausgabe der Printversion 2021
ISBN-eBook (epub): 978-3-95464-267-0
ISBN gedruckte Ausgabe: 978-3-95464-255-7

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Hinweis an die Leser
Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im gesamten Text für die Berufsbezeichnung „Tierarzt“ sowohl im Singular als auch im Plural und bei Personengruppen wie „Tierbesitzer“ einheitlich die männliche Form verwendet. Selbstverständlich sind die Angehörigen beider Geschlechter gemeint.
Die tiermedizinische Wissenschaft und mit ihr auch Behandlungsrichtlinien und Medikamente sind einer ständigen Entwicklung unterworfen und können irgendwann nicht mehr aktuell sein.
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einführung und Benutzungshinweise zum Inhalt
Teil 1 Symptome, Erste Hilfe und therapeutische Prinzipien
1.1 Allgemeine Symptome von Vergiftungen
1.2 Erste Hilfe bei Verdacht auf Vergiftung
1.3 Therapeutische Prinzipien unter tiermedizinischer Kontrolle
1.3.1 Dekontamination
Reinigen (Scheren) des Felles
Auslösen von Erbrechen
Adsorbieren der Giftstoffe mittels Aktivkohle
Abführmittel
Förderung der Harnausscheidung
1.3.2 Spezielle therapeutische Maßnahmen
Antidottherapie
1.3.3 Symptomatische Therapie – Sicherung der Vitalfunktionen
Kreislauf
Atmung
Nervensystem
Nierenfunktion
Weitere Maßnahmen
Teil 2 Quellen von Vergiftungen
2.1 Frei verkäufliche Medikamente (Humanmedizin)
2.1.1 Aspirin® (Acetylsalicylsäure)
2.1.2 Paracetamol
2.1.3 Ibuprofen und Diclofenac
2.1.4 Erkältungsmedikamente
Koffein
Chlorphenaminmaleat
Lidocain
2.2 Verschreibungspflichtige Medikamente (Humanmedizin)
2.2.1 ADHS-Medikamente
2.2.2 Antidepressiva
2.2.3 Antidiabetika
2.3 Lebensmittel
2.3.1 Xylitol
2.3.2 Trauben, Sultaninen und Rosinen
2.3.3 Zwiebeln, Knoblauch und Schnittlauch, Lauchgewächse (Allioideae)
2.3.4 Auberginen, Tomaten, Paprika und Kartoffeln
2.3.5 Walnüsse (Juglans regia)
2.3.6 Alkohol
2.4 Schokolade (Theobromin und Koffein)
2.5. Veterinärprodukte
2.5.1 Permethrin
2.5.2 Entzündungshemmer
2.5.3 Ivermectin und Moxidectin
2.6 Haushaltsmittel
2.6.1 Bleivergiftung
2.6.2 Reinigungsmittel
Chlor (Hypochlorid)
Ammoniak
Formaldehyd
Tenside
Allgemeine Prophylaxe bei Reinigungsmitteln
2.6.3 Weichmacher (Phthalate)
2.6.4 Frostschutzmittel (Ethylenglykol)
2.7 Rattengift
2.8 Insektizide und Gartenprodukte
2.8.1 Schneckengift (Molluskizide)
2.8.2 Ameisenköder
2.9 Garten- und Zimmerpflanzen, Algen
2.9.1 Giftige Gartenpflanzen
Adonisröschen (Adonis)
Alpenrose (Rhododendron Spp.)
Buchsbaum (Buxus sempervirens)
Christrose (Helleborus niger)
Eibe (Taxus baccata)
Eisenhut (Aconitum napellus)
Engelstrompete (Brugmansia suaveolens)
Fingerhut (Digitalis purpurea)
Goldregen (Laburnum anagyroides, Laburnum x watereri)
Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)
Lilien (Lilium und Hemerocallis spp.)
Maiglöckchen (Convallaria majalis)
Rhododendron (➞ Alpenrose, S. 130 ff.)
Stechapfel (Datura spp.)
Wolfsmilcharten (Euphorbia spp.)
2.9.2 Giftige Zimmerpflanzen
Amaryllis (Hippeastrum spp.)
Dieffenbachie (Dieffenbachia maculata, Dieffenbachia spp.)
Prachtlilie (Gloriosa rothschildiana)
Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima)
2.9.3 Blaualgen (Cyanobakterien)
2.10 Düngemittel
2.10.1 Organophosphate und Carbamate
2.11 Tiergifte
2.11.1 Kreuzotterbiss (Vipera berus)
Teil 3 Service
3.1 Gift-Notrufzentralen
3.2 Checkliste zur Anmeldung beim Tierarzt bei Verdacht auf Vergiftung
Teil 4 Anhang
4.1 Quellen
4.1.1 Bildnachweis
4.2 Über die Autoren
Vorwort
Der Wissensstand zu Vergiftungen bei Hunden und Katzen hat sich in den letzten Jahren stetig verbessert.
Dennoch gibt es bisher für Deutschland keinen speziellen Informationsdienst für Vergiftungen bei Kleintieren. Die im deutschsprachigen Raum Deutschland, Österreich und der Schweiz vorhandenen Giftnotrufzentralen sind für den Menschen entwickelt worden. Die speziellen Belange bei Hunden und Katzen finden keine Berücksichtigung.
In den USA und Großbritannien sind spezielle Giftnotrufzentralen für Kleintiere seit längerer Zeit etabliert. In den USA ist das Amerikanische Kontrollzentrum für Vergiftungen bei Tieren APCC (Animal Poison Control Center) seit 1995 in die amerikanische Tierschutzorganisation ASPCA (American Society for the Prevention of Cruelty to Animals) integriert und in Großbritannien existiert eine kostenpflichtige Giftnotrufzentrale für Tiere „VPIS“ (Veterinary Poisons Information Service) seit 1992. Der Service VPIS ist Teil des ESMS (Emergency Scientific and Medical Services – Wissenschaftliche und medizinische Notfalldienste) und wird unterstützt durch den britischen Verband für Kleintiermedizin BSAVA (British Small Animal Veterinary Association).
An der Universität Zürich bietet das Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie in begrenztem Umfang einen telefonischen toxikologischen Dienst an. Von großer Bedeutung sind die durch das gleiche Institut etablierten und gepflegten „CliniPharm/Clinitox-Datenbanken“. Dabei handelt es sich um computerunterstützte Informationssysteme für die Pharmakotherapie und klinische Toxikologie in der Veterinärmedizin.
Dieses Buch soll Tierbesitzer bei dem Verdacht einer Vergiftung ihres Hundes oder ihrer Katze in ihrem weiteren Vorgehen unterstützen. Im Vordergrund stehen die Fragen, ob eine Vergiftung überhaupt wahrscheinlich ist und was die nächsten Maßnahmen sein sollten.
Der erste Kontakt zu einem Tierarzt erfolgt in einem solchen Fall in der Regel telefonisch.
Für Tierärzte kann der Inhalt des Buches bei der Bewertung und Beantwortung der Fragen von Tierbesitzern im Zusammenhang mit einer möglichen Vergiftung ihres Tieres hilfreich sein. Der Inhalt des Buches trägt zur Identifikation des Giftes, zur Beurteilung des Risikos und des zu erwartenden Verlaufes bei. Mittels Checkliste können wichtige Daten strukturiert erfasst und geeignetes Untersuchungsmaterial sichergestellt werden.
Andererseits kann bei der Aufnahme einer mit Sicherheit nicht toxischen Dosis bereits am Telefon entschieden werden, dass weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen nicht notwendig sind.
Einführung und Benutzungshinweise zum Inhalt
Bei der Beschreibung toxischer Stoffe handelt es sich um im allgemeinen Lebensumfeld unserer Hunde und Katzen vorkommende, potenziell giftige Substanzen und Pflanzen. Das betrifft:
Medikamente der Human- und Veterinärmedizin
Lebensmittel
Haushaltsmittel
Insektizide
Giftköder
Pflanzen im Freiland und im Haushalt sowie Algen
giftige Tiere
Düngemittel
Die Auswahl erfolgte in der Reihenfolge der Bedeutung dieser Vergiftungsquellen, basierend auf den Angaben der APCC von 2018.
Bei Pflanzen als Vergiftungsquellen wurde eine alphabetische Reihenfolge gewählt.
Es wurden nur stark giftige (++) und sehr stark giftige (+++) Stoffe und Pflanzen in die Beschreibung aufgenommen.
Die Informationen zu den möglichen Intoxikationen im Einzelnen sind nach einer kurzen allgemeinen Beschreibung des Giftes gegliedert in:
Wirkungsmechanismus
Toxisches Prinzip
Symptome einer Intoxikation
Therapeutische Prinzipien
Prognose
Quellen
Für die Bezeichnung der Stoffe und Pflanzen wurden die gängigen Bezeichnungen oder Markennamen gewählt. Teilweise wurden lateinische Bezeichnungen (Pflanzen, Algen, Tiere) sowie weitere Bezeichnungen in Klammern hinzugefügt.
Eine komplette Auflistung sämtlicher Markennamen und Angaben zu der exakten chemischen Zusammensetzung erfolgte nicht.
Auf tierartspezifische Besonderheiten bei Hunden und Katzen wurde jeweils hingewiesen.
Spezielle therapeutische Maßnahmen, zu verwendende Medikamente und die Dosierungen sind nicht Gegenstand des Buchs. Diese können nur abhängig von der konkreten Situation bei dem Patienten durch den behandelnden Tierarzt festgelegt werden.
Deshalb sollen und können die zusammengestellten Informationen nicht davon abhalten, bei einem Vergiftungsverdacht so schnell wie möglich professionelle tiermedizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Abschließend finden Sie eine Auflistung der Giftnotrufzentralen im deutschsprachigen Raum.
Eine Checkliste am Ende des Buches soll es Tierbesitzern und Tierärzten erleichtern, in einer besorgniserregenden Situation die für eine optimale Therapie notwendigen Daten schnell und vollständig zu erfassen.
Mit Hilfe des Index können gesuchte Gifte schnell gefunden werden.
Teil 1 Symptome, Erste Hilfe und therapeutische Prinzipien
1.1 Allgemeine Symptome von Vergiftungen
Die verschiedensten Stoffe können zu Vergiftungen bei Hunden und Katzen führen. Manche schädigen vorrangig den Magen-Darm-Trakt, die Nieren, das Blut, das zentrale Nervensystem oder spezielle Stoffwechselprozesse. Dementsprechend vielfältig können die mit einer Vergiftung einhergehenden Symptome sein.
Hinweise auf eine Vergiftung können sein:
Rötung oder andere Auffälligkeiten an der Maulschleimhaut
veränderter Geruch des Tieres oder dessen Atemluft
Speichelfluss
Erbrechen
Durchfall
Atemnot
Hyperaktivität
Muskelzittern
Krämpfe
Müdigkeit
Schock
Koma
1.2 Erste Hilfe bei Verdacht auf Vergiftung

Bringen Sie Ihr Tier aus der Gefahrenzone.
Entfernen Sie sichtbare Giftstoffe, jedoch ohne sich selbst zu gefährden.
Spülen oder wischen Sie die Maulhöhle aus. Aber Achtung – Ihr Tier muss ansprechbar sein, damit Sie sicher sein können, dass die Schutzreflexe (Schluckreflex) funktionieren.
Heben Sie das Etikett auf, falls Ihr Tier den Inhalt einer Verpackung gefressen hat.
Bei Hautkontakt eines Giftes waschen oder besser duschen Sie Ihr Tier sehr ausgiebig, mindestens 15 Minuten lang. Falls Sie Ihr Tier in einer Wanne reinigen, nehmen Sie immer wieder frisches Wasser. Tragen Sie selbst Handschuhe.
Spülen Sie die Augen des Tieres bei einem Giftkontakt mindestens 15 Minuten mit lauwarmem Wasser.
Bei Erbrechen achten Sie darauf, dass die Maulspitze der tiefste Punkt des Tieres ist. Tiere, die bei Bewusstsein sind, nehmen diese Position von allein ein. Bei nicht voll bewegungsfähigen Tieren müssen Sie Ihr Tier unterstützen. Heben Sie dazu Ihr Tier an Bauch und Becken an, sodass der erbrochene Mageninhalt abfließen kann und nicht in die Atemwege gelangt.
Reinigen Sie danach die Maulhöhle mit einem Papiertuch oder Ähnlichem. Achten Sie darauf, dass der Rachen frei ist. Schieben Sie keine Futterbrocken nach hinten.
Flößen Sie nichts ein!
Versuchen Sie nicht, selbst Erbrechen bei Ihrem Tier auszulösen.
Sofern möglich und ohne sich selbst zu gefährden, denken Sie bei dem Verdacht einer Vergiftung an folgendes:
Nehmen Sie, falls möglich und ohne sich selbst zu gefährden, das vermutete Gift und / oder die Verpackung, das Etikett sowie den Beipackzettel mit zum Tierarzt.
Notieren Sie sich, wann Ihr Tier das Gift aufgenommen hat, welche (geschätzte) Menge und auf welche Weise (gefressen, eingeatmet, über die Haut) es das Gift aufgenommen hat.
Befinden sich giftige Pflanzen im Haushalt, im Garten oder gab es einen eindeutigen Kontakt anlässlich eines Spazierganges?
Wurden im Haushalt oder in dem für das Tier sonst zugänglichen Bereich Insektengifte, Pflanzengifte oder Rattenköder verwendet?
Bekommt das Tier derzeit Medikamente, wenn ja, welche?
Siehe auch „Checkliste für die Anmeldung beim Tierarzt” auf S. 193
1.3 Therapeutische Prinzipien unter tiermedizinischer Kontrolle
Bei allen Vergiftungen sind immer die gleichen Maßnahmen notwendig.
Das betrifft die Entfernung des Giftes aus dem Körper oder von der Körperoberfläche (Dekontamination) und die Sicherung der lebenswichtigen Funktionen (Sicherung der Vitalfunktionen) des Körpers.
Beide immer notwendigen Maßnahmen erfolgen auf verschiedene Art und Weise, abhängig von der Art des Giftes und dessen prinzipieller Wirkung, dem Grad der Vergiftung und dem Zeitpunkt, wann die Behandlung nach einer Vergiftung einsetzt.
Teilweise steht zur Therapie einer Vergiftung ein spezielles Gegenmittel (Antidot) zur Verfügung.
Neben der Dekontamination, der Sicherung der Vitalfunktionen und dem möglichen Einsatz eines Antidots sind meist zusätzliche, spezielle Maßnahmen zur Therapie und Linderung der Beschwerden notwendig.
1.3.1 Dekontamination
Reinigen (Scheren) des Felles
Sofern notwendig, werden die als Erste Hilfe begonnenen Maßnahmen zur Dekontamination fortgesetzt.
Auslösen von Erbrechen
Liegt die orale Aufnahme (Aufnahme über das Maul) nicht länger als zwei bis drei Stunden zurück, der Patient ist ansprechbar und die Schutzreflexe funktionieren, kann Erbrechen durch die Injektion eines entsprechenden Mittels ausgelöst bzw. kann am narkotisierten Tier eine Magenspülung vorgenommen werden.
Bei einer Vergiftung mit organischem Lösungsmittel oder stark ätzenden Stoffen (Säuren, Laugen) sollten Erbrechen oder Magenspülungen jedoch unterbleiben, sondern lediglich eine möglichst starke Verdünnung mit Wasser angestrebt werden.
Adsorbieren der Giftstoffe mittels Aktivkohle
Zur Verringerung der Aufnahme von Giftstoffen im Magen-Darm-Trakt kann bei wachen Patienten eine Suspension einer medizinischen Aktivkohle (1 – 2 g/kg Körpermasse) gegeben werden.
Für die Suspension mit Wasser sollten ca. 10 ml/g Aktivkohle verwendet werden. Die Gabe kann nach einigen Stunden wiederholt werden.
Aktivkohle ist ein medizinisches Produkt, das spezielle Anforderungen erfüllen muss. Sie ist in Apotheken erhältlich. Es gibt auch gebrauchsfertige Zubereitungen.
Keinesfalls sollten Milch oder sonstige Stoffe eingegeben werden!

Aktivkohle bindet eine große Zahl von Giftstoffen.
Aktivkohle ist das Mittel der Wahl.
Adsorptionsfläche beträgt 1000 – 2000 m2 pro Gramm
bindet große Zahl von Giftstoffen (unwirksam bei Ethanol/Methanol/Ethylenglykol, Schwermetallen, organischen Lösungsmitteln, starken Säuren/Laugen)
zusätzlich Laxantien (Abführmittel Darm) 20 – 30 g = 2 Esslöffel Glaubersalz = Natriumsulfat
Vorteile:
nahezu von jedem einsetzbar
gute Wirksamkeit
risikoarm
wiederholbar
wirksam wie Magenspülung oder induziertes Erbrechen
In der Regel sollte die Eingabe jedoch durch einen Tierarzt erfolgen, da spezielle Kenntnisse notwendig sind, um bei Hunden und Katzen sicher auszuschließen, dass die Eingabe der Suspension nicht versehentlich teilweise in die Atemwege erfolgt.
Abführmittel
Die Darmpassage kann durch abführende Mittel beschleunigt werden.
Glaubersalz (Natriumsulfatdecahydrat) kann sowohl beim Hund als auch bei der Katze Anwendung finden.
Die Dosierung bei Hund und Katze beträgt 0,5 bis 1 g / kg KM in einer 3- maximal 4%igen Lösung.
Die Eingabe sollte durch einen Tierarzt erfolgen. Teilweise ist eine Magensonde notwendig. Der Wasserhaushalt ist zu überwachen und gegebenenfalls einem zu starken Flüssigkeitsverlust vorzubeugen.
Förderung der Harnausscheidung
Der Tierarzt wird bei Stoffen, die über die Nieren ausgeschieden werden, eine sogenannte forcierte Diurese einleiten, das heißt spezielle Medikamente injizieren, die die Harnbildung fördern und eine Dauertropfinfusion anlegen.
Gegebenenfalls wird der pH-Wert des Harnes durch die intravenöse Gabe spezieller Medikamente entweder erhöht bzw. erniedrigt, um bestimmte Ionen zu binden.
1.3.2 Spezielle therapeutische Maßnahmen
Zu den speziellen therapeutischen Maßnahmen zählen in erster Linie die Gabe von Gegenmitteln (Antidote), die die toxische Wirkung aufheben oder unterbinden.
Antidottherapie
Dekorporierungsantidote*:
gehen mit Giftstoff oder Metaboliten eine chemische Bindung ein
Entstehung eines Komplexes mit stark verminderter Toxizität
Chelatbildner
MetHb-Bildner (4-Dimethylaminophenol)
Funktionelle Antidote:
Substanzen, die die Wirkung des Giftstoffes hemmen (Rezeptorblockade, Verhinderung der Bioaktivierung
Vitamin K
Ethanol bei Methanolvergiftung
Naloxon bei Opiaten
Atropin bei Organophosphaten
Leider gibt es für die wenigsten Gifte spezielle Antidote, sodass der symptomatischen Therapie die größte Bedeutung zukommt.
Quelle 1
Heß C. Klinische Toxikologie – Symptomatik und Therapie von Intoxikationen. Universitätsklinikum Bonn, Institut für Rechtsmedizin. https://www.rechtsmedizin.uni-bonn.de/studium/archiv/lebensmittelchemie_chemie_pharmazie/dateien_ws/Klinische_Toxikologie.pdf aufgerufen am 08.07.2021.
* Dekorporierung = Entfernung von in den Organismus aufgenommenen schädlichen Stoffen
1.3.3 Symptomatische Therapie – Sicherung der Vitalfunktionen
Zu den Vitalfunktionen zählen
die Herz-Kreislauf-Funktion
die Lungenfunktion
die Hirnfunktion (Bewusstsein)
die Nierenfunktionen
der Wasser-Elektrolythaushalt und der Säure-Basenhaushalt
Weitere wichtige Funktionen, die bei kritisch Kranken überwacht und stabilisiert werden müssen, sind
der Wärmehaushalt
der Stoffwechsel
das Hormonsystem
das Immunsystem
Kreislauf
Die Stabilisierung des Kreislaufes gehört zu den wichtigsten initialen Maßnahmen.
Bei Intoxikationen wird immer ein venöser Zugang gelegt, über den eine bedarfsgerechte Flüssigkeitsgabe erfolgen kann. Insbesondere bei Erbrechen oder Durchfällen ist die Flüssigkeitssubstitution dringend erforderlich, um stabile Kreislaufverhältnisse zu erzielen.
Über diesen Weg werden auch die meisten notwendigen Medikamente, Bluttransfusionen bei einem Mangel an roten Blutkörperchen oder Blutplasma bei bestimmten Gerinnungsstörungen gegeben.
Die Bekämpfung eines allergischen Schocks sowie initial gefährlicher Herzrhythmusstörungen sind zur Stabilisierung des Herz-Kreislauf-Systems zwingend notwendig.
Atmung
Das Freihalten der Atemwege ist oberstes Gebot und gehört schon zu den Erste-Hilfe-Maßnahmen. Hinzu kommen bei Bedarf eine zusätzliche Sauerstoffgabe bis hin zur Intubation und Beatmung sowie die Bekämpfung eines Lungenödems.
Nervensystem
Zur Beruhigung und zum Lösen von Krämpfen stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die je nach Ausgangssituation und Wirkung beim Patienten eingesetzt werden.
Die medikamentöse Bekämpfung eines Hirnödems ist insbesondere in einem frühen Stadium erfolgversprechend.
Nierenfunktion
Eine Störung der Nierenfunktion oder ein Nierenversagen infolge von Vergiftungen ist eine schwerwiegende, oft tödlich verlaufende Komplikation, da in der Tiermedizin Blutwäschen durch eine Dialyse nur sehr eingeschränkt möglich sind.
Dennoch ist eine Therapie nicht aussichtslos.
Weitere Maßnahmen
Die Stabilisierung der Körpertemperatur, die Bekämpfung von Stoffwechselstörungen, die antibiotische Abschirmung, der Schutz der Magenschleimhaut, Schmerzmedikation, die Gabe von Antiemetika (gegen Erbrechen wirkend) und eine Leberschutztherapie sind weitere Maßnahmen der komplexen symptomatischen Therapie von Intoxikationen.
Bei fettlöslichen Toxinen wie z. B. Permethrin, Ivermectin, Moxidectin und bei bestimmten Mykotoxinen (Schimmelpilzgifte) werden als Allgemeinmaßnahmen die intravenöse Gabe von Lipid-(Fett) Emulsionen empfohlen.
Man nimmt an, dass diese Emulsionen die Toxine teilweise binden und deren schädigende Wirkung durch einen Transport der Toxine von den üblichen Angriffspunkten weg mindern.
Quelle 2
Schmidt MJ. Relevanz der Antidotgabe für das notärztliche präklinische Management von Vergiftungen unter Berücksichtigung der Bremer Liste – eine Analyse von 633 Fällen. Dissertation, Georg-August-Universität Göttingen 2016.
Teil 2 Quellen von Vergiftungen
Viele Tierbesitzer vermuten bei einer unklaren Erkrankung ihres Tieres zunächst eine Vergiftung. Zum Glück sind Vergiftungen ein relativ seltenes Ereignis und bei den meisten Erkrankungen ergeben sich andere, gut therapierbare Ursachen.
Dennoch können Vergiftungen sehr gefährlich sein.
Das Amerikanische Kontrollzentrum für Vergiftungen bei Tieren APCC (Animal Poison Control Center) hat 2018 die 10 wichtigsten Quellen für Vergiftungen bei unseren Hunden und Katzen in einer Rangliste nach ihrer Häufigkeit als Vergiftungsursache veröffentlicht.
Danach sind die häufigsten Ursachen für Vergiftungen:
Frei verkäufliche Medikamente machten 19,6 % der Vergiftungsfälle aus. Es betraf insbesondere die Medikamente Ibuprofen, Naproxen, Erkältungsmedikamente und Kräutermischungen.
Verschreibungspflichtige Medikamente für den Menschen waren zu 17,5 % an Haustiervergiftungen beteiligt. Im Vordergrund standen ADHS-Medikamente, Antidepressiva und Herzmedikamente.
Lebensmittel, die Xylitol (Zuckeraustauschstoffe) enthalten wie Süßigkeiten, Kaugummi, Backwaren, Zahnpasta und gängige Lebensmittel wie Trauben, Rosinen, Zwiebeln und Knoblauch verursachten 11,4 % der Intoxikationen.
Schokolade war für 10,1 % der gemeldeten Intoxikationen verantwortlich.
Veterinärprodukte machten 9,3 % der Fälle aus.
Haushaltsmittel wie Farben, Kleber, Reinigungsmittel waren für 7,3 % der Fälle verantwortlich.
Rodentizide (Ratten- und Mäuseköder) erreichten einen Anteil von 6,3 %.
Insektizide (Ameisenköder, Insektensprays und sonstige Gartenprodukte) waren für 6,2 % der Fälle verantwortlich.
Pflanzen waren an den Vergiftungen zu 5,5 % beteiligt. Auch Blumensträuße können für unsere Haustiere potenziell gefährlich sein.
Düngemittel waren zu 2,3 % als Ursache von Vergiftungen auszumachen.

Quelle
ASPCA. This Just In: Announcing the Top 10 Toxins of 2018. https://www.aspca.org/news/just-announcing-top-10-toxins-2018 aufgerufen am 08.07.2021.
2.1 Frei verkäufliche Medikamente (Humanmedizin)
Die frei verkäuflichen Medikamente, gefolgt von den verschreibungspflichtigen Medikamenten für Menschen, führen die Statistik von Intoxikationen bei Hunden und Katzen an. Das zeigt, wie wichtig es ist, Medikamente auch für unsere Haustiere unzugänglich aufzubewahren.
Eine komplette Darstellung möglicher Intoxikationen durch Medikamente würde jedoch den Rahmen dieses Ratgebers sprengen. Bei dem Verdacht einer Intoxikation unserer Hunde oder Katzen mit für den Menschen bestimmten Medikamenten wird auf die unten aufgeführten Gift-Notrufzentralen verwiesen und die Tiere sollten so schnell wie möglich einem Tierarzt vorgestellt werden.
Einige wesentliche sollen jedoch hier aufgeführt werden.
Schmerzmittel sowie entzündungshemmend und fiebersenkend wirkende Mittel wie Aspirin®, Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac sind nahezu in jedem Haushalt vorhanden. Häufig als Kombinationspräparate und unter Zusatz von Koffein.
Wirkprinzip der Entzündungshemmer ist eine verminderte Bildung von Stoffen im Körper (Prostaglandine), die die Entzündung vermitteln.

Symptome
Entzündungshemmer führen zu lokalen Reizungen am Magen-Darm-Trakt, in deren Folge es zu Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall und Magengeschwüren bis hin zur Perforation der Magengeschwüre kommen kann.
Da gleichzeitig die Blutgerinnung gehemmt wird, erhöht sich die Blutungsneigung im Magen-Darm-Trakt. Die Folge sind blutiges Erbrechen (Hämatemesis) und blutiger Kot (Meläna). Manche Hunderassen sind besonders empfindlich.
Die Entzündungshemmung bedeutet gleichzeitig eine Reduzierung der lokalen Abwehr im Magen-Darm-Trakt.
Das Allgemeinverhalten der Tiere ist gestört.
Weitere mögliche unerwünschte Nebenwirkungen sind Schädigung der Nieren und des Knochenmarkes.
Bei entsprechenden Vorerkrankungen ist die Gefahr toxischer Wirkungen besonders groß.
2.1.1 Aspirin® (Acetylsalicylsäure)
Wirkungsmechanismus
Aspirin® wirkt in kleinen Dosen bereits gerinnungshemmend und in höherer Dosierung infolge der Hemmung der Bildung von Entzündungsvermittlern (Prostaglandinen) schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend.
Die gerinnungshemmende Wirkung wird teilweise bei Katzen genutzt.
Toxisches Prinzip 1
Prostaglandine sind an der Regulation der Magensäure und der Durchblutung der Magenschleimhaut beteiligt, sodass es bei einer längeren Einnahme oder bei einer ungewollten übermäßigen Aufnahme von Aspirin® zu Schäden an der Magenschleimhaut wie entzündlichen Reizungen, Blutungen oder zu lokalen Geschwüren kommen kann.
Eine gleichzeitige Einnahme von Glukokortikoiden erhöht das Risiko von Blutungen und Geschwüren am Magen-Darm-Trakt.
Beim Hund wirkt Aspirin® in hohen Dosen stimulierend auf das Atemzentrum und kann dadurch das innere Milieu des Säuren- und Basenhaushaltes negativ beeinflussen.
Auch über die Haut wird Aspirin® in Salben nahezu vollständig aufgenommen.
Katzen reagieren deutlich empfindlicher. Durch eine Genveränderung sind Katzen aller Rassen kaum in der Lage, Salicylsäure, die unmittelbar nach Aufnahme von Aspirin® entsteht, in einen über die Nieren ausscheidbaren Stoff umzuwandeln.
Infolge dieser speziellen Situation bei Katzen dauert die Elimination aus dem Körper bei Katzen circa fünfmal länger als bei Hunden. Bei Hunden kann man von einer Halbwertszeit von acht Stunden ausgehen. Bei Katzen beträgt sie ungefähr 40 Stunden. Das ist auch der Grund dafür, warum die therapeutische Gabe von Aspirin® bei Hunden zweimal täglich erfolgt, während sie bei Katzen nur einmal täglich erfolgen darf.
Symptome einer Intoxikation
Die ersten Symptome, insbesondere Erbrechen, treten bereits vier bis sechs Stunden nach einer Intoxikation auf.
Junge Hunde sind empfindlicher als erwachsene Tiere, da bei ihnen, ähnlich wie bei Katzen, die Umwandlungsmechanismen eingeschränkt sind.
Charakteristisch ist die Entwicklung einer Übersäuerung des Körpers (metabolische Azidose), die mit Atemlähmung und Bewusstlosigkeit einhergehen kann.
Bei Katzen ist bei einer Aspirin®-Vergiftung weiterhin mit Nieren- und Leberschäden zu rechnen. Auch Auswirkungen auf das Gehirn sind möglich.
Die minimale toxische Dosis beträgt beim Hund für die orale Aufnahme 50 mg/kg Körpermasse 3 x täglich, für die Katze 25 mg/kg Körpermasse 2 x täglich.
Die mittlere letale/tödliche Dosis LD50 (50 % der Tiere sterben ohne Behandlung) beträgt bei Hunden 700 mg/kg Körpermasse.
Zusammengefasst sind die Symptome einer Intoxikation allgemein:
Apathie
Depression
Appetitlosigkeit
den Magen-Darm-Trakt und die Leber betreffend:
Erbrechen, teils blutig
Blutarmut (Anämie) infolge des Blutverlustes über den Magen-Darm-Trakt
Durchfall, teils blutig
Gelbfärbung der Haut (Ikterus) bei Leberschädigung
die Hirnfunktion betreffend:
Gleichgewichtsstörungen (Ataxie)
Tremor
generalisierte Krämpfe oder Muskelschwäche
die Lungenfunktion und das Herz-Kreislauf-System betreffend:
Erhöhung der Atemfrequenz
Erhöhung der Herzfrequenz
Untertemperatur
Koma
Schock
Therapeutische Prinzipien
Die therapeutischen Prinzipien folgen den eingangs beschriebenen Maßnahmen. Die Dekontamination erfolgt mittels
Auslösen von Erbrechen
Magenspülung
Eingabe von Aktivkohle
Darmspülung
Anregung der Harnbildung (forcierte Diurese)
Als Antidot steht für Hunde ein synthetisch hergestelltes Prostaglandin (Misoprostol) zur Verfügung.
Durch eine wiederholte Gabe dieses Präparates kann bei Hunden der toxischen Wirkung der Entzündungshemmer entgegengewirkt werden.
Darüber hinaus ist die Therapie bei Hunden symptomatisch.
Für Katzen steht kein Antidot zur Verfügung, sodass hier ausschließlich symptomatisch therapiert werden kann.
Die Schwerpunkte der symptomatischen Therapie sind die Überwachung und Stabilisierung der Vitalfunktionen
Kreislauf
Atmung
Wasser-Elektrolythaushalt und Säuren-Basenhaushalt
Die weitere symptomatische Therapie hat zum Inhalt:
Krämpfe beheben
Körpertemperatur optimieren
Schutz der Magenschleimhaut
Bekämpfung des Erbrechens
Ausgleich des Blutverlustes bei kritischer Anämie
Prognose
Bei sorgfältiger Überwachung und entsprechender Therapie ist die Prognose gut.
Quellen 1
https://www.chemie.de/ aufgerufen am 08.07.2021
O’Malley GF. Vergiftungen mit Acetylsalicylsäure und anderen Salicylaten. MSD Manual Ausgabe für medizinische Fachkreise https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/verletzungen,-vergiftungen/vergiftung/vergiftungen-mit-acetylsalicyls%C3%A4ure-und-anderen-salicylaten aufgerufen am 08.07.2021.
Artner J, Hofbauer H, Steffen P. Medikamente in der Schmerztherapie. Berlin: Springer; 2020.
Salicylate-Kleintier. CliniTox Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Zürich, https://www.vetpharm.uzh.ch/clinitox/toxdb/klt_059.htm aufgerufen am 08.07.2021.
2.1.2 Paracetamol
Wirkungsmechanismus 2
Paracetamol wirkt schmerzstillend (analgetisch) und fiebersenkend (antipyretisch), jedoch nicht entzündungshemmend.
Der Wirkungsmechanismus für die schmerzstillende und fiebersenkende Wirkung ist nicht eindeutig geklärt. Die nachgewiesene Hemmung der Prostaglandinbildung im Gehirn wird für die Wirkung verantwortlich gemacht.
Auch die hemmende Wirkung des Effektes fieberauslösender Stoffe auf das Temperaturregulationszentrum im Gehirn trägt zur beobachteten Wirkung der Substanz bei.
Toxisches Prinzip 3
Überdosierungen und Intoxikationen überfordern die Entgiftungsfunktion der Leber und können durch die Anreicherung von toxischen Zwischenprodukten des Abbaus von Paracetamol ein Absterben (Nekrosen) der Leberzellen hervorrufen.
Die Latenzzeit (Zeit zwischen der Aufnahme eines Toxins und dem Auftreten erster Intoxikationszeichen) beträgt nur wenige Stunden.
Für Katzen wirkt Paracetamol schon in geringer Dosierung toxisch. Im Vordergrund steht auch hier der bereits genannte Gendefekt bei Katzen, der den üblichen Abbau erschwert bzw. unmöglich macht und daher sehr schnell zur Anreicherung der leberschädigenden Stoffe führt.
Das Gleiche gilt für Jungtiere, deren Enzymausstattung zum Abbau von Paracetamol noch unzureichend ist.
Weiterhin führt eine Paracetamolvergiftung zu einer Umwandlung des roten Blutfarbstoffes in eine für den Sauerstofftransport nicht geeignete Form (Methämoglobin).
Symptome einer Intoxikation 1
Erste Symptome einer akuten Paracetamolvergiftung sind
Appetitlosigkeit
Übelkeit
Erbrechen
Bauchschmerzen
Bei Katzen beträgt die minimale toxische Dosis bei oraler Aufnahme 10 mg/kg Körpermasse, für Hunde 50 mg/kg Körpermasse.
Erste Symptome treten nach 1 – 4 Stunden auf.
Therapeutische Prinzipien 1
Sofern damit zu rechnen ist, dass sich Paracetamol noch im Magen-Darm-Trakt befindet, sind die üblichen Maßnahmen zur Dekontamination angezeigt.
Erbrechen wird medikamentös ausgelöst oder es wird unter Allgemeinanästhesie eine Magenspülung durchgeführt. Die wiederholte Gabe von Aktivkohle ist immer angezeigt.
Bei Hunden steht Acetylcystein als Antidot zur Verfügung. Es wirkt unterstützend im Hinblick auf eine nichttoxische Metabolisierung des Paracetamols.
Bei der Katze ist der Einsatz dieses Mittels umstritten.
Die symptomatische Therapie dient der Überwachung und Stabilisierung der Vitalfunktionen.
Im Vordergrund steht der Wasser- und Elektrolythaushalt. Defizite müssen ausgeglichen werden.
Der Säure-Basenhaushalt gibt neben anderen labordiagnostischen Befunden Auskunft über die Sauerstofftransportkapazität des Blutes. Teilweise ist eine Bluttransfusion angezeigt.
Blutbild, „Leber“- und „Nierenwerte“ zeigen das Ausmaß der aktuellen Intoxikation.
Die Therapie wird ergänzt durch die Gabe von Vitamin C.
Prognose 1
Bei rechtzeitiger Behandlung einer Paracetamolvergiftung ist die Prognose gut.
Prognostisch ungünstige Faktoren sind
die Paracetamol-Aufnahme liegt mehr als 48 h zurück
der pH-Wert im Blut ist deutlich erniedrigt
die Nierenwerte (Blutwerte für Kreatinin und Harnstoff) sind deutlich erhöht
die Leberwerte im Blut sind deutlich erhöht
Leberkoma mit Störungen der Hirnfunktion (Desorientiertheit, Schläfrigkeit, verminderte Ansprechbarkeit)
Unterzuckerung
Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie)
Koma
Quellen 2
Paracetamol – Kleintier. CliniTox Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Zürich, https://www.vetpharm.uzh.ch/clinitox/toxdb/KLT_026.htm aufgerufen am 08.07.2021.
Kaiser SE. Arzneitherapie bei Heimtieren. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2016.
Walsh K. Chronic pain management in dogs and cats. Practice. 2016; 38(4):155 – 165.
Nelson K. (2019). Paracetamol toxicity in dogs. The Veterinary Record. 2019; 184(19): 594.
Wanderburg S, Schmerztherapie bei Haustieren. DAZ.online www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2016/daz-25-2016/kein-paracetamol-fuer-hund-und-katz aufgerufen am 13.07.2021.
2.1.3 Ibuprofen und Diclofenac
Wirkungsmechanismus 4
Ibuprofen und Diclofenac zählen zu den nichtsteroidalen (nicht auf Glucocorticoidwirkung beruhenden) Entzündungshemmern.
Nichtsteroidale Entzündungshemmer werden gekürzt als NSAIR (Non Steroidal Anti Inflammatory Drug) bezeichnet.
NSAIR hemmen die Synthese von Prostaglandinen, die für das Entzündungsgeschehen im Körper von wesentlicher Bedeutung sind.
Prostaglandine haben außerdem Einfluss auf die Schmerzweiterleitung und Schmerzwahrnehmung.
Auf diese Weise wirken sie entzündungshemmend (antiphlogistisch), schmerzlindernd (analgetisch) und fiebersenkend (antipyretisch).
Toxisches Prinzip 5
Die toxische Wirkung von NSAIR wurde schon beim Aspirin® beschrieben. Sie beruht in erster Linie lokal und systemisch (den gesamten Körper betreffend) auf dem Abfall der Prostaglandinsynthese.
Sie ist gekennzeichnet durch
Reizung der Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt
Verlust der Schutzwirkung am Magen-Darm-Trakt (erhöhte Säureproduktion und reduzierte Schleimbildung bei Prostaglandinabfall)
Blutungen im Magen-Darm-Trakt infolge der direkten Schädigung und infolge der Hemmung der Blutgerinnung
Entwicklung einer metabolischen Azidose
Nierenschädigung infolge einer Abnahme deren Durchblutung
Symptome einer Intoxikation 2
Für Hunde und Katzen sind Ibuprofen und Diclofenac schon in geringer Dosierung toxisch.
Sie dürfen bei Hunden und Katzen nicht angewendet werden!
Beim Hund führen bereits 8 mg pro kg Körpermasse am Tag und bei der Katze eine einmalige Gabe von 50 mg/kg Körpermasse zu Vergiftungssymptomen.
Symptome einer Intoxikation mit Ibuprofen oder Diclofenac sind zunächstallgemeiner Natur wie
Bewusstseinstrübung
Benommenheit
Unruhe
Danach stehen Symptome des Magen-Darm-Trakts im Vordergrund. Diese sind
Bauchschmerzen
Speicheln
Erbrechen, teils blutig
Durchfall, teils blutig
Magengeschwüre
Im weiteren Verlauf kommt es zu zunehmenden Entgleisungen im inneren Milieu, Beeinträchtigung vitaler Funktionen und zu neurologischen Symptomen.
flache Atmung
Apathie bis Seitenlage
Hyperthermie
Stoffwechselübersäuerung
Krampfanfälle
Koma
Therapeutische Prinzipien 2
Die Einleitung einer Therapie sollte beim Hund bereits bei einer einmaligen Aufnahme von 10 mg/kg Körpergewicht erfolgen.
Ist das Vorhandensein einer vorbestehenden Niereninsuffizienz bekannt, sollte bereits bei einer einmaligen Aufnahme von 5 mg/kg Körpergewicht therapiert werden.
Prostaglandine fördern die Durchblutung der Nieren. Bei einer Senkung der Prostaglandinsynthese und der damit verbundenen Reduktion der Durchblutung der Nieren kann sich eine bereits bestehende Niereninsuffizienz verstärken.
Dekontamination: Bei der Aufnahme von Retard-Präparaten kann auch mehr als fünf Stunden nach Aufnahme die Dekontamination durch Erbrechen, Magenspülung und Darmspülung noch hilfreich sein. Die Gabe von Aktivkohle sollte mehrmals erfolgen. Als Antidot wird bei Hunden Misoprostol, ein synthetisch hergestelltes Prostaglandin, eingesetzt. Misoprostol mindert die Säureproduktion des Magens.
Bei Katzen liegen kaum Erfahrungen zum Einsatz von Misoprostol vor, sodass die Anwendung nicht empfohlen werden kann.
Die symptomatische Therapie dient der Stabilisierung der vitalen Funktionen und der Behandlung von Beschwerden der Tiere wie Schmerzen, Erbrechen und Krämpfe.
Eine Dauertropfinfusion dient neben dem Ausgleich von Flüssigkeitsverlusten der Optimierung der Elektrolytkonzentrationen und des Säuren-Basenhaushaltes im Blut. Der Säure-Basenhaushalt ist nachhaltig gestört. Im fortgeschrittenen Stadium einer Intoxikation dominiert die Übersäuerung (metabolische Azidose). Die Flüssigkeitssubstitution unterstützt gleichzeitig die Herz-Kreiskauf- und Nierenfunktion.
Bei starkem Blutverlust kann eine Bluttransfusion lebensrettend sein.
Die Entwicklung eines Hirnödems stellt eine schwere Komplikation dar und ist potenziell lebensbedrohlich. Die Therapiemöglichkeiten sind eingeschränkt und beinhalten die Hochlagerung des Körpers, Osmotherapie, eine maximale Anregung der Harnausscheidung, die Gabe von speziellen Glukokortikoiden und von Beruhigungsmitteln.
Prognose 2
Die Prognose ist bei rechtzeitig einsetzender Therapie sehr gut. Bei weit fortgeschrittenen Intoxikationen mit bereits eingetretenen Nierenschäden ist sie eher vorsichtig zu stellen.
Quellen 3
Khan SA. Analgesics (Toxicity). MSD Manual Ausgabe für medizinische Fachkreise https://www.msdvetmanual.com/toxicology/toxicities-from-human-drugs/analgesics-toxicity aufgerufen am 08.07.2021.
Richardson JA. Management of acetaminophen and ibuprofen toxicoses in dogs and cats. Journal of Veterinary emergency and critical care. 2000; 10(4): 285 – 291.
Villar D, Buck WB, Gonzalez JM. Ibuprofen, aspirin and acetaminophen toxicosis and treatment in dogs and cats. Vet Hum Toxicol. 1998; Jun;40(3):156-62.
Dunayer E. Ibuprofen toxicosis in dogs, cats and ferrets. Veterinary Medicine – Bonner Springs then Edwardsville. 2004; 99(7): 580-586.
Marks SL, Kook PH, Papich MG, Tolbert MK, Willard MD. ACVIM consensus statement: Support for rational administration of gastrointestinal protectants to dogs and cats. J Vet Intern Med. 2018; Nov-Dec32(6): 1823 – 1840.
2.1.4 Erkältungsmedikamente
Erkältungsmedikamente haben ganz unterschiedliche Wirkstoffe und häufig auch Wirkstoffkombinationen.
Im Vordergrund stehen schmerzstillende, entzündungshemmende und fiebersenkende Medikamente, wie sie bereits beschrieben wurden.
Häufig enthalten diese Erkältungsmittel Koffein als Stimulans und Chlorphenaminmaleat als Antiallergikum. Mittel gegen Halsschmerzen enthalten häufig Lidocain zur Oberflächenanästhesie.
Koffein
Wirkungsmechanismus 6
Koffein wirkt bei niedriger Dosierung in erster Linie stimulierend auf das Gehirn, indem es die normalerweise durch Botenstoffe vermittelten Ermüdungszeichen verhindert.
Da Koffein auch den Abbau von Adrenalin, einem stark anregenden Hormon im Körper (Alarmhormon), bremst, hält dessen Wirkung länger an.
In höherer Dosierung werden Atmung und Herzfunktion angeregt. Bei zu großen Mengen an Koffein kommt es zu Intoxikationen mit gravierenden Folgen.
Toxisches Prinzip 7
Intoxikationen mit Koffein führen zu ventrikulären Tachykardien (Herzrasen), die in Kammerflattern ohne adäquate Herzauswurfleistung münden. Als Folge ergibt sich ein dramatischer Blutdruckabfall. Die Sauerstoffversorgung sämtlicher Organe ist inadäquat und führt zur metabolischen Azidose (einer Störung des Säure-Basenhaushaltes) sowie zu einem Multiorganversagen.
Symptome einer Intoxikation 3
Unruhe
gesteigerte Erregbarkeit
vermehrter Harnabsatz
Muskelkrämpfe
Erhöhung der Herzfrequenz (Tachykardie)
Mit fortschreitender Intoxikation kommt es zu
Muskelzittern (Tremor)
Krampfanfällen
Herzrhythmusstörungen
Bei Hunden können 140 mg Koffein / kg Körpermasse toxisch sein.
Bei Katzen liegt dieser Wert zwischen 80 und 150 mg / kg Körpermasse.
Tabelle 1 enthält die Grenzwerte für verschiedene koffeinhaltige Medikamente oder Lebensmittel, bei denen es zu Vergiftungserscheinungen kommt.
| Tabelle 1: Toxische Grenzwerte von Koffein für Hunde und Katzen(nach Angaben des American College of Veterinary Pharmacists, 2018) | ||||||
| Koffein Toxische Grenzwerte für Hunde | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Sehr kleine Hunde: Yorkie, Chihuahua | Kleine Hunde: Mops, Boston Terrier, Pudel | Mittelgroße Hunde: Beagle, Scottish Terrier | Große Hunde: Boxer, Cocker Spaniel | Sehr große Hunde: Retriever, DSH | Besonders große Hunde: Deutsche Dogge, Bernhardiner | |
| 0,45 – 4,6 kg | 5 – 11,4 kg | 1,8 – 18,2 kg | 18,6 –31,8 kg | 32,3 – 40,9 kg | 41,4 –50 kg | |
| Tabletten (200 mg Koffein) | > 0,3 Tabl. | > 3 Tabl. | > 8 Tabl. | > 13 Tabl. | > 22 Tabl. | > 28 Tabl. |
| Tee | > 85 g | > 1091 g | > 2594 g | > 4097 g | > 7116 g | > 9100 g |
| Kaffeebohnen | > 3 g | > 28 g | > 71 g | > 136 g | > 213 g | > 284 g |
| Regulärer Kaffee | > 85 g | > 1091 g | > 2594 g | > 4097 g | > 7116 g | > 9100 g |
| Cola-Getränke | > 227 g | > 2636 g | > 6237 g | > 9837 g | > 17081 g | > 22000 g |
| Koffein Toxische Grenzwerte für Katzen | ||
|---|---|---|
| Katzen | Große Katzen | |
| 0,45 – 4,6 kg | 5 – 11,4 kg | |
| Tabletten (200 mg Koffein) | > 0,15 Tabletten | > 1,5 Tabletten |
| Tee | > 43 g | > 624 g |
| Kaffeebohnen | > 1,4 g | > 14 g |
| Regulärer Kaffee | > 43 g | > 1091 g |
| Entkoffeinierter Kaffee | > 1276 g | > 14175 g |
| Cola-Getränke | >126 g | > 1503 g |
Insbesondere koffeinhaltige Tabletten können für kleine Hunde und Katzen gefährlich werden.
Therapeutische Prinzipien 3
Ein Antidot gibt es nicht.
Die Dekontamination erfolgt durch Auslösen von Erbrechen oder Magenspülungen sowie durch die Gabe von Aktivkohle im 4-Stunden-Intervall.
Die Therapie ist in erster Linie symptomatisch.
Krämpfen kann durch entsprechende Beruhigungsmittel entgegengewirkt werden.
Bei ausgeprägten Rhythmusstörungen ist die wiederholte Gabe von Lidocain notwendig.
Bei sehr schweren Intoxikationen sollte Lidocain nach einer ersten Bolusgabe als Dauertropfinfusion gegeben werden, bis ein stabiler Herzrhythmus anhand eines EKG anhaltend nachgewiesen werden kann.
In Fällen mit schwerer Beeinträchtigung der Herzfunktion kann es zu einer lebensbedrohlichen Übersäuerung des Körpers (metabolische Azidose) kommen, die notfallmäßig zu therapieren ist. Bei fortschreitender Herzinsuffizienz infolge gravierender Rhythmusstörungen sind alle Vitalfunktionen beeinträchtigt und bedürfen einer komplexen intensivmedizinischen Betreuung.
Prognose 3
Da schwere Intoxikationen selten sind und eigentlich nur bei reiner Koffeinaufnahme in Form von Pulver oder Tabletten zu erwarten sind, ist die Prognose im Allgemeinen sehr gut.
Quellen: 4
Caffeine. American College of Veterinary Pharmacists. https://vetmeds.org/pet-poison-control-list/caffeine/, aufgerufen am 08.07.2021.
Osweiler GD, Hovda L, Brutlag A, Lee JA(Eds.). Blackwell‘s Five-Minute Veterinary Consult Clinical Companion: Small Animal Toxicology. Hoboken: Wiley & Sons; 2011.
Anthonsen S. Kreislauf- und Lungenversagen nach primär überlebter Koffein-Intoxikation. Anästh Intensivmed. 2018;59: 32-37. https://www.ai-online.info/images/ai-ausgabe/2018/01-2018/2018_1_32-37_Kreislauf-%20und%20Lungenversagen%20nach%20primaer%20ueberlebter%20Koffein-Intoxikation.pdf aufgerufen am 08.07.2021.
Chlorphenaminmaleat
Chlorphenaminmaleat ist in vielen Mitteln gegen Erkältungskrankheiten in der Humanmedizin (z. B. Grippostad®) enthalten und wirkt antiallergisch (Antihistaminikum).
Wirkungsmechanismus 8
Chlorphenamin greift in die Immunreaktionen des Körpers ein. Es reduziert die bei Infektionen auftretende erhöhte Durchlässigkeit der kleinen Blutgefäße und löst Spasmen der Muskulatur im Bereich der Lungen. Ergebnis ist eine abschwellende Wirkung an den Schleimhäuten der Atemwege. Darüber hinaus hat Chlorphenamin dämpfende (sedierende) Eigenschaften.
Chlorphenaminmaleat ist auch in der Tiermedizin zugelassen. Es wird sowohl bei Hunden als auch bei Katzen gegen Juckreiz (Allergische Dermatitis) eingesetzt.
Toxisches Prinzip 9
Bei Kleintieren kann es bei einer Intoxikation mit Chlorphenaminmaleat bereits nach circa zehn Stunden zu Symptomen kommen. Im Vordergrund steht eine Schädigung der Nieren mit den entsprechenden Auswirkungen auf das innere Milieu. Chlorphenaminmaleat wirkt depressiv auf das Nervensystem und kann zu Veränderungen im Blutbild führen.
Symptome einer Intoxikation 4
Insbesondere Hunde reagieren empfindlich auf Chlorphenaminmaleat.
Die toxische Dosis beim Hund liegt bei einer oralen Aufnahme bei 9 mg Maleinsäure/kg Körpergewicht.
Erste Symptome sind
Benommenheit
Appetitlosigkeit
Erbrechen
Durchfall
Durst
Übersäuerung
Anstieg der harnpflichtigen Stoffwechselprodukte im Blut (Harnstoff, Kreatinin)
Apathie
Blutarmut (Anämie)
Abfall der weißen Blutkörperchen (Agranulozytose) und der Thrombozyten (Thrombozytopenie)
Schwere Intoxikationen sind gekennzeichnet durch
Erregung
Gangstörungen (Ataxie)
Zittern (Tremor)
Krämpfe
Im Endstadium kommt es zum
Kollaps des Herz-Kreislauf-Systems
Koma
Atemlähmung
Therapeutische Prinzipien 4
Zur Dekontamination wird eine beschleunigte Ausscheidung über den Harn (forcierte Diurese) angestrebt.
Ein Antidot gibt es nicht.
Die Therapie ist symptomatisch.
Je nach den vorrangig vorliegenden Symptomen und Störungen erfolgt die Behandlung.
Der Flüssigkeitsverlust infolge des Erbrechens wird durch Infusionen ausgeglichen. Dabei ist gleichzeitig die Kompensation der Übersäuerung durch Zufuhr von Natriumbikarbonat möglich.
Mittel, die das Brechzentrum dämpfen (Antiemetika) sowie krampflösende Mittel (Antikonvulsiva) werden je nach Bedarf eingesetzt.
Weiterhin ist die Stabilisierung der lebenswichtigen Funktionen wie Kreislauf und Atmung notwendig.
Bei Krämpfen werden entsprechende Medikamente zu deren Beherrschung eingesetzt.
Prognose 4
Die Prognose ist sehr gut.
Quellen 5
Löscher W et al. Pharmakotherapie bei Haus- und Nutztieren. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2014.
Stiftung Warentest: Medikamente im Test: Grippemittel. https://www.test.de/medikamente/wirkstoff/grippemittel-paracetamol-chlorphenamin-coffein-vitamin-c-kombination-w1361/ aufgerufen am 08.07.2021.
Koch SN, Torres SM, Plumb DC Canine and feline dermatology drug handbook. Hoboken: Wiley; 2012.
Khan SA. Cold and Cough Medications (Toxicity). Merck Manual Veterinary Manual. Aug 2014. https://www.merckvetmanual.com/toxicology/toxicities-from-human-drugs/cold-and-cough-medications-toxicity aufgerufen am 08.07.2021.
Lidocain
Lidocain ist ein schmerzlinderndes Mittel und ein Mittel gegen Herzrhythmusstörungen.
Es wird sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin eingesetzt.
Wirkungsmechanismus 10
Lidocain erhöht an den Nervenzellen die Erregungsschwelle und verlangsamt die Reizweiterleitung.
Am Herzmuskel reduziert Lidocain die Erregbarkeit, die Geschwindigkeit der Erregungsleitung und die Kontraktionskraft, sodass die Gefahr von Rhythmusstörungen geringer wird.
Toxisches Prinzip 11
Lidocain wird bei oraler Aufnahme resorbiert. Es ist ebenfalls aufgrund der eingeschränkten Abbaumöglichkeiten bei Katzen gefährlich.
Die toxische Wirkung von Lidocain betrifft zunächst das zentrale Nervensystem. Dieses reagiert empfindlicher und bereits bei einem niedrigeren Plasmaspiegel an Lidocain als beispielsweise das Herz-Kreislauf-System.
Für den potenziellen tödlichen Ausgang von Lidocain-Intoxikationen sind jedoch die Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System bedeutungsvoller.
Die Verlangsamung der Erregungsweiterleitung am Herzen bis hin zu Blockierungen führt zu ausgeprägten Arrhythmien am Herzen und letztlich zum Herzstillstand.
Bei Katzen führt die genetisch bedingt eingeschränkte Abbaumöglichkeit in der Leber bei Intoxikationen zu einem langanhaltenden hohen Plasmaspiegel.
Symptome einer Intoxikation 5
das Nervensystem betreffend:
Verwirrtheit
Unruhe
Tremor und
Krampfanfälle (tonisch-klonisch)
das Herzkreislaufsystem betreffend:
zunächst Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdruckes
später Abfall der Herzfrequenz und des Blutdruckes
Herz-Rhythmus-Störungen
Kammerflimmern
Herzstillstand (Asystolie)
Koma
Atemstillstand
Therapeutische Prinzipien 5
Bei oraler Aufnahme von Lidocain ist die Dekontamination durch das Auslösen von Erbrechen, Gabe von Aktivkohle und / oder Darmspülung abhängig von der Zeit, die zwischen der Aufnahme von Lidocain und der Vorstellung beim Tierarzt verstrichen ist.
Ein Antidot gibt es nicht.
Die Therapie ist symptomatisch.
Bei Herzstillstand ist unmittelbar eine Reanimation notwendig.
Auf Grund des verzögerten Abbaus von Lidocain bei der Katze ist die Kontrolle der Herz-Kreislauf-Funktion zeitlich auszudehnen und unter Umständen eine wiederholte Reanimation notwendig. In der Humanmedizin erfolgt unmittelbar nach erfolgreicher Reanimation die intravenöse Gabe von Lipiden.
Den Effekt der Lipidinfusion erklärt man sich über eine Bindung der fettlöslichen Lidocain-Moleküle an die infundierten Lipide.
Die Kontrolle der Anfälle und des Tremors erfolgt medikamentös, sodass die Symptome möglichst gelindert werden, aber keine tiefe Anästhesie angestrebt wird. Durch die wiederholte Gabe kleinerer Einzeldosen und die Kombination mehrerer Medikamente kann die Dosis von Antikonvulsiva reduziert und die Gefahr von Nebenwirkungen minimiert werden.
Prognose 5
Die Prognose ist gut.
Quellen 6
Trevis HA. Caffeine and Pets: Safety Tips and Considerations. PetMD Editorial. https://www.petmd.com/dog/emergency/poisoning-toxicity/caffeine-and-pets-safety-tips-and-considerations aufgerufen am 08.07.2021.
Acierno MJ, Brown S, Coleman AE, Jepson RE, Papich M, Stepien RL, Syme HM. ACVIM consensus statement: guidelines for the identification, evaluation, and management of systemic hypertension in dogs and cats. journal of Japanese Association of Veterinary Nephrology and Urology. 2020; 12(1): 30 – 49.
Aus dem Wissenschaftlichen Arbeitskreis Regionalanästhesie der Dt. Gesellschaft f. Anästhesiologie und Intensivmedizin S1- Leitlinie (AWMF-Registernummer 001-044) Prävention & Therapie der systemischen Lokalanästhetika-Intoxikation (LAST) https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/001-044.html aufgerufen am 08.07.2021.
Koch S, Torres SMF, Plumb DC. Canine and Feline Dermatology Drug Handbook. Hoboken: Wiley; 2012.
Stehr S, Christ T. (2017). Lokalanästhetika und Lipid Rescue. In: Wolfram W (Hrsg.), Praxis der Anästhesiologie. Springer; 2017: 455 – 456.
2.2 Verschreibungspflichtige Medikamente (Humanmedizin)
2.2.1 ADHS-Medikamente
Wirkungsmechanismus
ADHS-Medikamente (ADHS Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) wie Ritalin (Methylphenidat) zählen zu den Amphetaminen mit stimulierender Wirkung auf das zentrale Nervensystem und werden in der Humanmedizin relativ häufig bei Kindern über sechs Jahren eingesetzt.
Auch bei Hunden werden sie zur Behandlung von Überaktivität sowie bei Narkolepsie (Schlafsucht) und Kataplexie (plötzliches Niederstürzen) eingesetzt.

Achten Sie stets darauf, dass Ihr Tier keine herumliegenden Medikamente erreichen kann.
Wirkprinzip ist die Beeinflussung der Konzentration und Interaktion von Botenstoffen, insbesondere auf Noradrenalin und Dopamin im Gehirn.
Die Wirkung dieser Medikamente tritt kurz nach der Einnahme ein und hält nur wenige Stunden an, da Methylphenidat relativ schnell zur inaktiven Ritalinsäure abgebaut und über die Nieren ausgeschieden wird.
Pulsuz fraqment bitdi.