Kitabı oxu: «Theoretische Philosophie»

Şrift:

Prof. Dr. Godehard Brüntrup SJ

THEORETISCHE PHILOSOPHIE

DIE WIRKLICHKEIT DES SPEKULATIVEN DENKENS

DIE WIRKLICHKEIT DES ABSTRAKTEN (Universalienproblem)

DIE WIRKLICHKEIT DER SUBSTANZ

DIE WIRKLICHKEIT DER PERSON

DIE WIRKLICHKEIT DES FREIEN WILLENS

DIE WIRKLICHKEIT DES GEISTES (Das Leib-Seele-Problem)

Bei den sechs Kapiteln dieses Bandes handelt es sich um Mitschriften von sechs Vorlesungen, die mündlich vorgetragen und für diesen Band nicht noch einmal eigens überarbeitet worden sind. Entsprechend sollen und können die Kapitel nicht die Standards erfüllen, die an wissenschaftliche Veröffentlichungen zu stellen sind.

© Verlag KOMPLETT-MEDIA GmbH

2011, München/Grünwald

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eBook-Herstellung und Auslieferung:

HEROLD Auslieferung Service GmbH

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Inhaltsverzeichnis

DIE WIRKLICHKEIT DES SPEKULATIVEN DENKENS

1.1 Was sind metaphysische Fragen?

1.2 Metaphysik als Begriffsanalyse

1.3 Das Verhältnis zur Naturwissenschaft

1.4 Realismus und Antirealismus

1.5 Kritik der Metaphysik

1.6 Kant

1.7 Logischer Positivismus

DIE WIRKLICHKEIT DES ABSTRAKTEN

2.1 Das Universalienproblem

2.2 Drei Theorien zur Realität von Zahlen

2.3 Platonismus (Zahlen)

2.4 Konzeptualismus (Zahlen)

2.5 Nominalismus (Zahlen)

2.6 Arten von abstrakten Entitäten

2.7 Platonismus (abstrakte Entitäten)

2.8 Konzeptualismus (abstrakte Entitäten)

2.9 Nominalismus (abstrakte Entitäten)

DIE WIRKLICHKEIT DER SUBSTANZ

3.1 Was sind konkrete Einzeldinge?

3.2 Numerische und qualitative Identität

3.3 Intrinsische und relationale Eigenschaften

3.4 Diachrone Identität

3.5 Drei Theorien

3.6 Substratum-Theorie

3.7 Bündel-Theorie

3.8 Essentialismus

3.9 Ist der Substanzbegriff noch haltbar?

DIE WIRKLICHKEIT DER PERSON

4.1 Problemfälle personaler Identität

4.2 Zwei Theorien der Veränderung

4.3 Kriterien für personale Identität

4.4 Drei Theorien personaler Identität

4.5 Das körperliche Kriterium

4.6 Das psychologische Kriterium

4.7 Das einfache Kriterium

DIE WIRKLICHKEIT DES FREIEN WILLENS

5.1 Aspekte menschlicher Freiheit

5.2 Das Libet-Experiment

5.3 Infiniter Begründungsregress

5.4 Das Paradox der Freiheit

5.5 Das Trilemma der Freiheit

5.6 Libertarismus

5.7 Kompatibilismus

5.8 Determinismus

5.9 Das „keine Wahl haben“-Prinzip

5.10 Das Konsequenz-Argument

5.11 Akteursverursachung

DIE WIRKLICHKEIT DES GEISTES

6.1 Dualität in der Erfahrung

6.2 Philosophische Analyse dieser Erfahrung

6.3 Das Trilemma mentaler Verursachung

6.4 Dualismus

6.5 Reduktiver & nichtreduktiver Physikalismus

6.6 Eliminativer Physikalismus

6.7 Zwei-Aspekte-Theorie


DIE WIRKLICHKEIT DES SPEKULATIVEN DENKENS

1

Kann ein rational begründetes Weltbild entworfen werden, das auf spekulativem Denken beruht? Was ist der Gegenstand und die Methode der Metaphysik? Die Methode der am meisten verbreiteten Metaphysik wird dargestellt und von anderen Wissenschaften abgesetzt. Dabei geht es nicht um starre, dogmatische Thesen. Die im Prozess des spekulativen Denkens gestellten Fragen haben oft mehr als nur eine vernünftige Antwort. Die Metaphysik stellt damit sogar einen wesentlichen Bestandteil der kritischen Selbstvergewisserung eines intellektuell redlich gelebten Lebens dar.

1.1 Was sind metaphysische Fragen?

Ich begrüße Sie zur ersten der sechs Vorlesungen mit dem Thema „Metaphysik“. Der Begriff Metaphysik ist vielen vermutlich unbekannt. Es ist kein Schulfach wie die Physik oder andere Fächer, die wir gemeinhin schon in jungen Jahren kennen lernen. Und man verbindet damit oft etwas Esoterisches, vielleicht sogar etwas Unwissenschaftliches. Aber das ist sicherlich nicht der Fall. Die Metaphysik ist der Versuch, auf die allgemeinsten und grundlegendsten Fragen über die Strukturen der Wirklichkeit mit wissenschaftlicher Strenge Antworten zu finden. Die Metaphysik liefert uns sogar Weltbilder, große zusammenhängende Bilder dessen, was überhaupt wirklich ist.

Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben: Den Gegensatz zwischen einem „physikalistischen“ wie wir heute sagen, früher hätte man gesagt „materialistischen“ Weltbild, im Vergleich zu einem „idealistischen“ Weltbild. Beide beruhen auf metaphysischen Annahmen. Wir haben sie nicht direkt aus der Erfahrung gewonnen wie die Naturwissenschaften, sondern es ist eine spekulative Gesamtsicht der Wirklichkeit. Der „Materialist“ oder „Physikalist“ sagt, dass die Wirklichkeit letztendlich nur aus materiellen Partikeln oder Teilchen besteht. Und diese unterste Ebene der Materie legt alles andere, was es gibt, fest. Alles andere fährt sozusagen nur Huckepack auf der Verteilung der Teilchen. Dazu gehören auch die Lebewesen, die Personen, die sind nichts anderes als komplexe Anordnungen von solchen Teilchen. Es gibt in der Welt keinen Geist, es gibt keine objektiven Werte, es gibt keinen Sinn und kein Ziel. Die gesamte Wirklichkeit ist eigentlich nur die Bewegung von Teilchen in Raum und Zeit.

Ein idealistisches Weltbild wird dahingegen behaupten, dass die physikalischen Fakten nicht alle Fakten festlegen. Es wird behauptet, dass es nichtphysische und nichtmaterielle Entitäten, also Seiende, gibt und dass wir nicht alles, was es gibt, vor allen Dingen die geistigen Phänomene, auf rein Materielles zurückführen, also reduzieren können. Und es wird weiterhin in diesem Weltbild manchmal behauptet, dass es objektive Werte gibt, dass es Ziele gibt, dass es eine geistige Realität gibt, die wir mit unserer Vernunft erfassen können und die wir nicht direkt sinnlich wahrnehmen können.

Eine bekannte Variante einer solchen Weltsicht ist natürlich die religiöse Weltsicht, wo behauptet wird, dass jenseits des beobachtbaren Kosmos noch eine transzendente Realität existiert, die die Religionen „Gott“ nennen.

Jeder wird zugeben, dass diese Weise, die Welt zu interpretieren, zu den fundamentalsten geistigen Herausforderungen eines jeden intellektuell bewusst geführten Lebens gehört. Jeder Mensch wird sich im Laufe seines Lebens über diese Frage selbst vergewissern und sich fragen: Wie sehe ich das eigentlich? Habe ich eine materialistische Weltsicht oder keine materialistische Weltsicht? Halte ich es für vernünftig, an eine transzendente Realität zu glauben, halte ich das für unvernünftig?

Diese Fragen nach den allgemeinsten Strukturen der Wirklichkeit sind metaphysische Fragen. Und die These der Metaphysik ist es, dass diese Fragen keine reinen Geschmacksfragen sind, sondern dass man mit der großen Geschichte der Philosophie und auf ihr aufbauend Methoden hat und Methoden entwickelt hat, diese Fragen vernünftig und rational anzugehen.

Wir müssen diese Weise des Vorgehens der Metaphysik absetzen von den rein empirischen Fragen, wie wir sie in den Naturwissenschaften zunächst vorfinden.

Die Physik arbeitet mit dem Experiment, der Beobachtung: Die Natur wird befragt, indem ich sie im Experiment um eine Antwort bitte. Einen Test sozusagen durchführe. Die Metaphysik arbeitet nicht mit dieser Methode der Empirie. Ihr nächster Verwandter ist eine Wissenschaft, die Sie alle kennen, weil man in der Schule nicht darum herum kommt, nämlich die Mathematik.

Die Mathematik arbeitet nicht mit der Sinnenerfahrung, also, wie die Philosophen sagen, sie ist nicht a posteriori, sondern sie ist reine Begriffsanalyse oder wie die Philosophen sagen a priori. Ist die Metaphysik eine Geisteswissenschaft?

Das ist eine gute Frage. Oft sagt man, die Philosophie ist eine Geisteswissenschaft. Aber die Unterscheidung von Natur und Geisteswissenschaften macht bei der Philosophie in gewisser Weise wenig Sinn. Warum ist das so?

Die Geisteswissenschaften in ihrer bekannten Form untersuchen normalerweise Produkte des menschlichen Geistes, zum Beispiel die Literaturwissenschaft die Produkte menschlicher Vernunft in der Geschichte einer Kultur, einer Sprache untersucht. Die Philosophie, insbesondere die Metaphysik untersucht nicht einfach Produkte des menschlichen Geistes, das tut vielleicht die Philosophiegeschichte, aber die Philosophie selbst untersucht die Grundstrukturen der Wirklichkeit, auch der Natur. Insofern ist die Metaphysik auch eine Naturwissenschaft. Aber auf eine andere Weise als die Naturwissenschaften wie wir sie kennen, die empirisch arbeiten.

Sie stellt viel allgemeinere Fragen. Zum Beispiel: Welche Arten von Dingen, von Entitäten gibt es überhaupt in der Welt? Gibt es nur solche, die in Raum und Zeit existieren, also Elementarteilchen, Konglomerate aus Elementarteilchen, oder gibt es auch Entitäten, die nicht in Raum und Zeit existieren? Das könnte zum Beispiel der Gegenstand der Mathematik sein. Zahlen, die Idee des Dreiecks oder vielleicht auch Werte. Oder alle anderen Wissenschaften setzen voraus, dass Dinge, Einzeldinge Eigenschaften haben. Keine Wissenschaft, außer der Metaphysik, fragt: Was ist überhaupt eine Eigenschaft? Was ist überhaupt ein Einzelding? Damit werden wir uns in späteren Vorlesungen dieser Reihe noch beschäftigen müssen.

In vielen Wissenschaften spricht man von Möglichkeiten. Zum Beispiel: Etwas ist wasserlöslich. Unter bestimmten Bedingungen, wenn es in Wasser gegeben wird, löst es sich auf. Aber die Naturwissenschaften sagen uns nicht, was überhaupt eine Möglichkeit ist. Die Metaphysik beschäftigt sich damit.

Oder in den Naturwissenschaften beschreiben wir Veränderungen. Normalerweise mit Differentialgleichungen. Aber die Frage ist: Was ist überhaupt Veränderung? Denn wenn sich etwas verändert, muss es ja in bestimmter Weise dasselbe bleiben, sonst hätten wir nicht eine Veränderung, sondern das Auftauchen von etwas völlig Neuem. Und unter anderer Rücksicht muss es sich ändern, sonst haben wir eben einfach nur dasselbe. Wie ist dieses Zusammenspiel von Gleichbleiben, Identität bewahren und die Identität nicht bewahren, neue Eigenschaften zu bekommen, bei Veränderungen zu verstehen? Was ist überhaupt Veränderung? Das wär eine Frage, die die Metaphysik stellt.

Klassisch gesehen hat man neben dieser allgemeinen Metaphysik drei spezielle Metaphysiken unterschieden, oder neben der klassischen Metaphysik gab es diese drei Disziplinen der speziellen Metaphysik, nämlich Gott, Seele und Kosmos. Diejenige, die sich mit Gott beschäftigt, die Metaphysik des Absoluten oder die philosophische Gotteslehre fragt nach der Metaphysik des absolut notwendig Seienden. Die Metaphysik der Person oder der Seele fragt: Was heißt es überhaupt eine Person zu sein? Und dazu gehört auch – das ein eigener Gegenstand dieser Vorlesung– was ist das Verhältnis von Körper und Geist, das Leib-Seele-Problem. Und die Metaphysik des Kosmos ist die Frage nach den philosophischen Problemen, die sich aus der Kosmologie, aus der Astrophysik und verwandter Gebiete ergeben. In dieser Vorlesung werde ich diese spezialen Metaphysiken wenig berühren, außer der Metaphysik der Person. Ich behandle hier primär die Frage: Was sind die allgemeinsten Strukturen der Wirklichkeit? Und ein wenig auch die Frage, was ist unser Platz als Mensch, als Menschen in dieser Wirklichkeit.

Eine eigene Vorlesung in dieser Reihe wird der Frage gewidmet sein: Gibt es Freiheit? Was ist der metaphysische Freiheitsbegriff?

1.2 Metaphysik als Begriffsanalyse

Nun hatte ich Ihnen gesagt, dass die Metaphysik ihrer Methode nach der Mathematik verwandter ist als der Physik. Die Mathematik kann man ja betreiben, indem man die Augen schließt und zum Beispiel über den Begriff des Dreiecks oder den Begriff der Primzahlen nachdenkt. Und diesen Begriff analysiert. Die Methode der Mathematik ist von daher Begriffsanalyse. Die Metaphysik geht ebenso mit Begriffsanalyse vor. Nur dass die Begriffe, die sie analysiert, andere sind als die mathematischen. Die Metaphysik wird Begriffe analysieren wie zum Beispiel Freiheit, Seele, Substanz oder Möglichkeit.

Ich will Ihnen das an einem kleinen Beispiel verdeutlichen. Nämlich an dem Argument des René Descartes für die Nichtidentität von Körper und Geist. Oder an einem Argument im Geiste des Descartes. Es steht nicht ganz genauso bei Descartes, aber in ähnlicher Form. Das Argument läuft folgendermaßen: Es ist widerspruchsfrei denkbar, dass ich nur mit der Eigenschaft „ist-denkend“ existiere, aber ohne die Eigenschaft „ist-ausgedehnt“. Das heißt, spekuliert Descartes: Ich könnte mich darüber täuschen, dass mein Körper existiert. Nehmen wir an wie in dem Film Matrix, dass mir die ganze Außenwelt nur vorgespiegelt wird von einem bösen Geist, von einer bösen Maschine, dann habe ich vielleicht gar keinen Körper. Worüber ich mich aber nicht täuschen kann, ist, dass ich denke. Denn selbst wenn ich mich täusche oder wenn ich darüber nachdenke, ob ich mich täusche, bin ich immer am Denken. Deshalb: Das eine, worüber man sich letztlich nicht täuschen kann, ist, dass man denkt. Es ist also widerspruchsfrei denkbar, dass ich existiere nur mit der Eigenschaft „ist-denkend“, ohne aber die Eigenschaft ist-ausgedehnt zu haben. Oder mit anderen Worten: Meine körperlose Existenz ist kein logischer Widerspruch.

Der nächste Schritt in dem Argument ist, wenn ich mich ohne die Eigenschaft „ist-ausgedehnt“ denken kann, dann kommt mir diese Eigenschaft nicht wesentlich, das heißt nicht notwendig zu. Wenn ich mir denken kann, ich könnte auch ein reiner Geist sein, der sich die Wirklichkeit nur träumt, die materielle Wirklichkeit, die räumliche Wirklichkeit nur vorstellt. Wenn ich mir das vorstellen kann, dann kommt mir diese Eigenschaft „ist-ausgedehnt“ eben nicht notwendig zu.

Der dritte Schritt des Arguments ist der Folgende: Allen physischen Körpern kommt aber die Eigenschaft „istausgedehnt“ wesentlich zu. Also physische Körper sind notwendig im Raum ausgedehnt. Daraus ergibt sich Folgendes: Mir kommt die Eigenschaft „ist-ausgedehnt“ nicht notwendig zu, physischen Körpern kommt die Eigenschaft „ist-ausgedehnt“ notwendig zu. Also, schließt Descartes: Ich bin nicht mein Körper, denn mir kommen andere Eigenschaften notwendig zu als meinem Körper. Leib und Seele sind nicht identisch.

Das ist in ganz kurzer Form ein Argument in kartesischer Tradition für die Nichtidentität von Körper und Geist, und es ist ein typisches Beispiel für metaphysisches Denken. Es läuft eigentlich in einem Dreischritt ab. Diesen Dreischritt nenne ich epistemisch, modal, ontologisch. Von der Vorstellbarkeit zur Möglichkeit zur Seinsaussage. Das sind die drei fundamentalen Schritte in diesem Argument, die typisch sind für ein Argument in der Metaphysik. Ich kann mir vorstellen, es ist widerspruchsfrei denkbar, dass ich ohne einen Körper existiere. Das ist Vorstellbarkeit. Dann kommt mir die Eigenschaft „ist-ausgedehnt“ nicht notwendig zu. Das ist die Ebene der Modalität – Notwendigkeit und Möglichkeit. Körpern, physischen Körpern kommt diese Eigenschaft „ist-ausgedehnt“ aber notwendig zu.

Jetzt kommt der dritte Schritt: Also folgt, ich bin nicht identisch mit meinem Körper. Das ist der dritte Schritt, eine ontologische oder metaphysische Konsequenz über die Natur von etwas in dieser Welt, nämlich ich als Person bin nicht identisch mit meinem Körper. Also epistemisch, modal, ontologisch, in diesem Dreischritt vollzieht hier Descartes ein Argument, um zu zeigen, dass die Person als, wie er es nennt, res cogitans, als denkendes Wesen, nicht identisch ist mit dem Gehirn oder dem Körper, der in Raum und Zeit existiert.

Eine solche begriffliche Analyse ist natürlich nicht aus der Erfahrung gewonnen, ähnlich wie die Mathematik, sondern a priori. Das Verständnis eines Begriffes verleiht uns die Fähigkeit, diesen Begriff sozusagen durch verschiedene Möglichkeiten, wie die Philosophen sagen durch verschiedene mögliche Welten, zu verfolgen, um zu sehen, wie er sich dort verhält. Und wenn er sich in allen möglichen Welten auf bestimmte Weise verhält, dann kommt ihm diese Eigenschaft notwendig zu. Man könnte sagen, dass diese Art des Denkens, diese Gedankenexperimente für den Metaphysiker das sind, was für den Naturwissenschaftler die Experimente sind, die er in seinem Labor unternimmt. Dieser Dreischritt, den ich Ihnen vorgestellt habe, ist ein Gedankenexperiment. Damit testet der Metaphysiker, die Metaphysikerin ihre Ideen. Auf der Suche nach Widersprüchen, wie weit reicht mein Denken.

1.3 Das Verhältnis zur Naturwissenschaft

Ein weiterer wichtiger und im Folgenden immer wichtiger werdender Punkt ist allerdings, dass der Übergang von Naturwissenschaft und Metaphysik nicht strikt ist. Nehmen Sie eine oder die grundlegendste Theorie der Naturwissenschaft, über die wir überhaupt verfügen: die Quantenmechanik. Es gibt mindestens drei große Interpretationen der Paradoxien der Quantenmechanik. Darauf brauchen wir hier nicht eingehen, es gibt eigene Vorlesungen darüber (siehe uni-auditorium / Prof. Harald Lesch).

Aber die Weltsicht, die sich aus den empirischen Ergebnissen und dem formalen mathematischen Formalismus der Quantenmechanik ergibt, ist zumindestens dreigestaltig. Die klassische und verbreitete Interpretation ist, dass der Beobachter mittels seines Geistes aus der Vielzahl der Möglichkeiten, die die fundamentalen Gleichungen der Quantenmechanik vorsehen, eine auswählt, sozusagen als Kollaps. Der Kollaps des Wellenpaketes passiert dadurch, dass jemand hinschaut. Vorher sind viele Möglichkeiten der Welt überlagert. Erst durch das Hinschauen wird eine als real ausgewählt. Das ist überraschend. Einstein hat gesagt, mein Bett springt doch nicht in eine bestimmte Position, wenn ich es anschaue. Und deshalb haben andere Interpreten der Quantenmechanik völlig andere Versuche unternommen. Zum Beispiel der Physiker David Bohm hat gesagt, nein, ich muss eine neue, ganz neue Art von Entitäten einführen, nämlich nichtmaterielle Informationsfelder, und diese informieren die Partikel, Elektronen, über ihre Position im Gesamt des Universums. Und weil die Elektronen über Informationswellen, über ihre Position im gesamten informiert werden, deshalb haben sie diese eigentümlichen Eigenschaften, die die Quantenmechanik entdeckt und die die klassische Mechanik nicht erklären kann.

Eine dritte Interpretation der Quantenmechanik sagt, dass sich zu jedem Zeitpunkt die Welt in viele Parallelwelten aufspaltet und alle Möglichkeiten, die die grundlegenden Gleichungen der Quantenmechanik erlauben, werden in Parallelwelten realisiert. Wenn wir uns also die Frage stellen, warum ist das real geworden, was ich gerade in dieser Welt erlebe unter all den Möglichkeiten, die von der Quantenmechanik her möglich gewesen wären, sagt dieser, man nennt sie die viele-Welten-Theoretiker. Da ist gar nichts Erstaunliches dabei, dass gerade diese Möglichkeit real geworden ist, denn alle anderen Möglichkeiten sind auch real geworden, nur in Parallel-Universen, in anderen Welten. Sie sehen schon, diese drei Interpretationen der Quantenmechanik implizieren ein völlig verschiedenes Weltbild, wenn Sie so wollen. Im einen ist es der Geist des Beobachters, der auswählt. Im zweiten Fall haben wir eine neue nichtmaterialistische Sicht der Welt, in der es geistige Informationsfelder gibt, die die Teilchen auf ihrem Weg steuern. Und im dritten haben wir plötzlich ganz viele Parallel-Universen, um die Probleme der Quantenmechanik, die Paradoxien der Quantenmechanik, aufzulösen. Das frappierende ist nun, dass jede dieser drei Theorien mit den empirischen Daten und dem mathematischen Formalismus der Quantenmechanik völlig verträglich ist. Welche der drei Theorien nun ein Physiker für die richtige Interpretation der Quantenmechanik hält, ist kein rein naturwissenschaftliches Problem. Es ist eine Interpretation der empirischen Daten auf einer allgemeinen begrifflichen Ebene. Und der eine wird, wenn er zum Beispiel Freiheit betonen will und Spontanität, vielleicht eher zu der ersten Interpretation, wo der Geist des Beobachters so eine Rolle spielt und die Welt indeterministisch ist, mehr auf solch eine Position Wert legen, ein anderer, der eher deterministisch denkt, wird vielleicht eher an all diese Parallel-Universen denken. Wie wir die Quantenmechanik interpretieren, ist keine rein naturwissenschaftliche Frage mehr, sondern wir sind hier bereits in die Metaphysik langsam, vorsichtig jedenfalls hinübergestiegen. Wir machen eine ganz allgemeine begriffliche Interpretation der Wirklichkeit, die weit über das hinausgeht, was uns empirisch und sinnlich gegeben ist.

Also meine These: Der Übergang von Naturwissenschaft zur Ontologie oder Metaphysik ist fließend. Die zentralen Probleme der Metaphysik sind aber noch mal allgemeiner und begrifflicher als die eben vorgestellte Interpretation der Quantenmechanik.

1.4 Realismus und Antirealismus

Ich möchte Ihnen das am Beispiel des Freiheitsbegriffes verdeutlichen. Die Welt, in der wir leben, ist entweder deterministisch oder sie ist nicht deterministisch, also indeterministisch. Wenn sie deterministisch ist, dann gibt es zu jedem beliebigen Zeitpunkt nur eine mögliche Zukunft. Wenn sie nicht deterministisch ist, dann gibt es zu beliebigen Zeitpunkten mehr als eine mögliche Zukunft. Nun sagen manche, dass in einer deterministischen Welt, in der zu jedem beliebigen Zeitpunkt die Zukunft bereits feststeht, weil es nur eine mögliche Zukunft gibt, keine Freiheit vorkommen kann, weil Freiheit bedeutet, dass man zwischen zwei Möglichkeiten auswählt, mindestens zweien. Und es ist noch nicht entschieden, welche der beiden denn nun eintritt. Andere wiederum sagen, für den Freiheitsbegriff ist es gar nicht wichtig, ob die Zukunft offen ist. Für den Freiheitsbegriff, damit ich frei handle, reicht vollkommen, dass ich nicht einem äußeren Zwang unterliege, dass mir nicht sozusagen jemand die Pistole auf die Brust setzt und sagt: Halte jetzt diese Vorlesung, und wenn nicht, passiert was. Welcher dieser beiden Freiheitsbegriffe, nämlich der, der sagt, die Zukunft muss offen sein und ich muss auswählen können, ob ich A oder B tue, oder der Freiheitsbegriff, der sagt, Freiheit ist die Abwesenheit von Zwang, welcher der beiden Freiheitsbegriffe der richtige ist, mit dem wir arbeiten wollen, wie wir Freiheit verstehen wollen, ist keine empirische Frage. Dazu können wir nicht oder sollten wir gar nicht Neurophysiologie betreiben und das Gehirn untersuchen, denn eine Antwort darauf, was Freiheit überhaupt ist, werden wir im Gehirn nicht finden.

Die Frage nach dem Freiheitsbegriff, das wird später eine eigene Vorlesung in dieser Reihe sein, ist also eine genuin philosophische Frage, eine Frage der Begriffsanalyse.

Ich möchte Ihnen nun, damit es ein bisschen konkreter wird, an einem Beispiel zeigen, wie man metaphysisch denkt, nämlich an dem Idealismus von Berkeley. Bischof Berkeley, ein englischer Philosoph, hat ein frappierendes Argument vorgebracht, das wir wenigstens in seinen allergrößten Grundzügen hier einmal kurz als Beispiel für eine metaphysische Theorie vorstellen wollen. Berkeleys These, die ja detailliert entwickelt ist, sagt, dass alle existierenden Entitäten, also alle existierenden Seienden entweder Wahrnehmende sind oder sie werden wahrgenommen. Alltägliche Objekte existieren nur, insofern sie wahrgenommen werden.

Es gibt also nichts, was nicht entweder selbst ein Wahrnehmendes ist oder ein Wahrgenommenes ist. Daher der berühmte Ausspruch: „esse est percipi – Sein ist wahrgenommen werden“.

Die Argumente für diese Position von Berkeley waren: Jedes physische Objekt - schauen Sie sich um im Raum, wo Sie jetzt sind - ist doch nur eine Ansammlung wahrnehmbarer Qualitäten. Farben, Abschattierungen von Farben, taktile Qualitäten, Sie können es anfassen, es ist hart oder weich. Und er sagt, jede wahrnehmbare Qualität ist eine Idee. Und keine Idee existiert außerhalb der Wahrnehmung. Also existiert kein physisches Objekt außerhalb der Wahrnehmung.

Und er sagt weiter: Man kann sich ein Objekt der Sinneserfahrung nicht außerhalb des Mentalen vorstellen. Jede Vorstellung von einem Ding an sich, jenseits all unserer Vorstellungen, ist wiederum nur ein mentales Bild, nur eine Idee. Also wenn ich mir etwas vorstelle, was außerhalb all unserer Vorstellungen liegt, ist es wieder nur eine Vorstellung. Wir kommen sozusagen aus dem Gefängnis unserer Vorstellungen nicht heraus. Das außerhalb der Vorstellungen Gedachte ist selbst wieder etwas Gedachtes, eine Vorstellung.

Und nun kritisieren vor diesem Hintergrund Berkeley diejenigen Materialisten, die sagen, hinter den wahrgenommenen Dingen müsste sozusagen eine materielle Substanz liegen, die Materie. Ein reines Zugrundeliegendes, ein Substrat, wie die Philosophen sagen, das allen sinnlichen Erfahrungen zugrunde liegt. Aber man muss diesem Substratum ja wieder irgendwelche Eigenschaften zusprechen, zum Beispiel „ausgedehnt“. Das gelingt aber nur, wenn man erfahrbare Qualitäten annimmt. Zum Beispiel, dass es eine bestimmte Farbe hat. Wenn Sie dieses Zugrundelegende denken wollen ohne jegliche sinnliche Qualitäten, geht es Ihnen verloren. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Machen wir uns eine ganz einfache Welt. Ein Rechteck, das soll unsere Welt sein. Da drin sind drei kleine Teilchen, drei kleine Partikel. Der Rest unserer Welt ist Vakuum. Nennen wir das die Partikelwelt. Und jetzt stellen Sie sich noch eine zweite Welt vor, die genauso ist wie diese, nur ist es kein Vakuum. Diese Welt ist gleichmäßig mit irgendetwas gefüllt. Irgendeinem Medium. Wasser oder irgendetwas. Und in diesem Medium gibt es drei kleine Blasen, genauso groß wie vorher in der Partikelwelt unsere Partikel. Und auch noch an derselben Stelle. Nennen wir die eine die „Partikelwelt“ und die andere die „Plenumswelt“. In der einen Welt haben wir Vakuum mit drei Partikeln drin, in der anderen haben wir etwas Gefülltes, ein Plenum, in dem drei kleine Blasen sind, genauso groß und an derselben Stelle wie in der Partikelwelt die Partikel.

Wenn Sie sich nun vorstellen wollen, dass zum Beispiel die Partikel ein materieller Träger sind, einen materiellen Träger haben, etwas Festes, und rundherum das Vakuum ist, stellen Sie sich das vor Ihrem geistigen Auge vor, dass Sie zum Beispiel die Partikel vor Ihrem geistigen Auge dunkel malen und das Vakuum rundherum hell, so dass sich diese Partikel davon absetzen. Und wenn Sie sich jetzt die Plenumswelt vorstellen, in der anstelle der Partikel an derselben Stelle nur drei kleine Vakua sind, drei kleine Blasen, und alles andere gefüllt ist, dann machen Sie es vielleicht umgekehrt, Sie füllen vor Ihrem geistigen Auge das Plenum dunkel und die drei kleinen Blasen hell.

Das zeigt, wie auch immer Sie sich die letzte materielle Weltstruktur vorstellen wollen, Sie arbeiten immer mit sinnlichen Bildern, mit anschaulichen Bildern. Und daher, sagt Berkeley, kann man sich eine Welt jenseits jeglicher Anschaulichkeit nicht vorstellen. Und die muss man auch nicht annehmen. Das ist für ihn dann schlechte Metaphysik sozusagen.

Der Materialist nimmt da eine Materie an, jenseits aller Wahrnehmungen, die es nicht gibt. Und dann folgt daraus eben, dass ein alltäglicher Gegenstand nichts anderes ist als seine wahrnehmbaren Eigenschaften. Und die wahrnehmbaren Eigenschaften alltäglicher Gegenstände sind identisch mit den Sinnesdaten, die wir haben, wenn wir sehen, hören oder tasten.

Dann fragen Sie natürlich, na ja, wie ist das denn, wenn die alltäglichen Gegenstände nur als wahrgenommene existieren. Was passiert in Berkeleys Theorie denn mit den Gegenständen, wenn keiner hinguckt? Da hat er eine ganz pfiffige Antwort. Er war Theist, er glaubte an Gott, und hat gesagt: Gott schaut immer hin. Solange Gott hinschaut, sind auch die Gegenstände da. Die Gegenstände sind sozusagen Wahrnehmungen Gottes. Das heißt, selbst in dieser Theorie, wo alles nur aus Wahrnehmungen besteht, zugegebenerweise eine etwas abstruse metaphysische Theorie, aber eine, die immerhin doch argumentativ gute Gründe für sich hat, selbst in dieser Theorie kann man es schaffen, dass es eine objektive Realität gibt. Sie ist unabhängig von dem, was der menschliche Geist sich ausdenkt. Indem nämlich hier ein objektiver Geist angenommen wird, der garantiert, dass die Dinge auch dann noch da sind, wenn wir nicht hinschauen. Und trotzdem sind die Dinge nichts anderes als wahrgenommen werden – esse est percipi.

Dieses Beispiel sollte Ihnen einfach mal in einem Kurzdurchgang eine ziemlich gewagte metaphysische These vor Augen führen, dass Sie ein Gespür bekommen dafür, was überhaupt eine metaphysische Weltsicht ist. Sie spüren sofort, dass sie jetzt Argumente brauchen wenn Sie sagen, das ist nicht meine Sicht. Wo macht Berkeley etwas falsch? Und schon sind Sie mitten im metaphysischen Diskurs.

Aber wir sind an dieser Stelle auch an etwas anderes, auf etwas anderes Wichtiges gestoßen. Nämlich, dass das metaphysische Denken immer ein Denken ist, das für die Objektivität der Außenwelt argumentiert. Selbst Bischof Berkeley, der sagt, „alles Sein ist wahrgenommen werden“ postuliert, „die Dinge sind objektiv“, weil der absolute Geist oder Gott sie wahrnimmt. Das heißt, wenn der Mensch wegschaut, sind die Dinge trotzdem noch da. Wir machen die Welt nicht. Wir bringen die Welt nicht hervor.

Man spricht deshalb auch von metaphysischem Realismus. Alle Kritiker, die meisten Kritiker der Metaphysik, lehnen diesen sog. metaphysischen Realismus, die Idee der Objektivität der Außenwelt ab. Das werden wir im Folgenden der Vorlesungen noch genauer sehen. Aber schauen wir uns das einmal an. Was ist metaphysischer Realismus?

Die erste These ist, dass die von uns unabhängig existierende Außenwelt jeden sinnvollen Behauptungssatz entweder wahr oder falsch macht. Man spricht auch von Bivalenz – zwei Wahrheitswerten, wahr oder falsch. Und die Welt besteht, die nächste These, aus Dingen oder Entitäten, deren Identitätsbedingungen, also das, was sie ausmacht, was sie sind, unabhängig von unserem Wissen über sie bestehen. Also wir machen nicht die Welt. Die Dinge identifizieren sich selbst. Und daraus folgt dann die nächste These: Es gibt eine einzige wahre Theorie über die Welt, die die Welt genauso beschreibt, wie sie ist. Die ist aber für den begrenzten Verstand des Menschen unerreichbar.

Und schließlich - das ist sozusagen der Lackmustest, ob jemand Realist oder Antirealist ist - sagt der Realist, der metaphysische Realist, dass Wahrheit nicht nach menschlichem Maß gemessen werden kann. Wahrheit ist die Übereinstimmung von Aussage und Sachverhalt. Und unsere Wahrheitskriterien, dass eine Theorie gute Vorhersagen liefert, dass sie praktisch ist, dass sie gut angewendet werden kann, all diese menschlichen Kriterien für Wahrheit garantieren nicht, dass die Theorie die Wirklichkeit richtig trifft. Das heißt, auch eine nach menschlichem Maß ideale Theorie könnte immer noch falsch sein, sagt der metaphysische Realist.

Die Gegenposition, und das sind gleichzeitig die Kritiker der Metaphysik, verneinen genau das.

Bleiben wir gleich beim letzten Punkt. Sie sagen, dass eine nach menschlichem Maß ideale Theorie per definitionem wahr ist. Denn Wahrheit wird nach menschlichem Maß definiert. Wahrheit ist nicht die Übereinstimmung der Sache, der Aussage mit der Sache, sondern Wahrheit ist, dass unsere menschlichen Anforderungen an die Theorie erfüllt werden. Die Antirealisten verneinen auch die erste These, nämlich dass die unabhängige Außenwelt jeden Satz, über sie sinnvollen Satz wahr oder falsch macht. Sie sagen, es gibt Fälle, in denen ein Satz, der zwar sinnvoll ist, weder wahr noch falsch ist. Also einen dritten Wahrheitswert. Und die gesamte Vorstellung einer geistunabhängigen fertigen Welt, sagen sie, ergibt gar keinen Sinn, ist unintelligibel.

Und sie sagen drittens: Es gibt nicht nur eine komplette, wahre Beschreibung der Welt, sondern es gibt mehrere konkurrierende wahre Beschreibungen der Welt, die möglicherweise miteinander logisch nicht verträglich sind. Dieses ganze Paket der Verneinungen des Realismus ist typischerweise das, was wir bei den Kritikern der Metaphysik finden, während die Metaphysiker auf der Seite des Realismus stehen. Deshalb spricht man eben auch oft von metaphysischem Realismus.

Um das wieder konkreter zu machen, möchte ich Ihnen ein Beispiel geben, nämlich die berühmte Goldbach’sche Vermutung des Mathematikers Goldbach. Goldbach hatte die Vermutung, dass jede gerade Zahl größer als 4 die Summe zweier Primzahlen ist. Diese Vermutung hat man bereits mit modernen Computern mit bis extrem großen, ohne maschinelle Hilfe gar nicht handhabbaren Zahlen überprüft, und sie hat sich bisher immer als richtig erwiesen. Aber, wie Sie wissen, in der Mathematik reicht es nicht, die Sache durch Beispiele zu testen. Um eine Theorie zu beweisen, braucht man einen konstruktiven Beweis, der zeigt, dass sie für alle Fälle gilt. Und einen solchen Beweis hat man für die Goldbach’sche Vermutung bisher nicht gefunden. Es könnte sich also immer noch herausstellen, dass sie nicht stimmt. Aber eine solche Widerlegung, einen Beweis, dass sie nicht stimmt, hat man auch nicht gefunden.

Jetzt können wir sehr schön den Unterschied zwischen Realisten, metaphysischen Realisten, und Antirealisten sehen. Der metaphysische Realist wird sagen: Da draußen gibt es eine mathematische Wirklichkeit. Die Welt der Zahlen. Ganz unabhängig von unserem Denken. Ob wir über die Zahlen nachdenken oder nicht, das ist völlig egal. Die existieren unabhängig von uns. Und diese Welt der Zahlen legt fest, ob die Goldbach’sche Vermutung wahr ist oder falsch. Und ob wir das wissen, spielt überhaupt keine Rolle. Wir können das vielleicht in der Zukunft entdecken durch einen konstruktiven Beweis. Die Vermutung ist aber ganz unabhängig von unseren Leistungen, unseren Verstandesleistungen, entweder wahr oder falsch. Es ist die Wirklichkeit, die mathematische Wirklichkeit selbst, die sie wahr oder falsch macht.

Dagegen sagt der Antirealist: Für mich ist ja Wahrheit, nach menschlichem Maß zu messen. Da draußen gibt es keine Realität der Zahlen. Wenn wir die Goldbach’sche Vermutung bewiesen haben, dann ist sie wahr. Wenn wir sie widerlegt haben, dann ist sie falsch. Wenn wir sie weder bewiesen haben noch widerlegt haben, wie im Moment, dann ist sie weder wahr noch falsch.

Sehen Sie, da wird der dritte Wahrheitswert eingeführt, der Realist hat nur wahr und falsch, der Antirealist hat den dritten Wahrheitswert: weder wahr noch falsch.

1.5 Kritik der Metaphysik

An diesem Beispiel können Sie bereits einen wichtigen Unterschied zwischen dem metaphysischen Denken und dem metaphysikkritischen Denken des Antirealismus erkennen. Die Kritiker der Metaphysik, mit denen ich mich nun zum Schluss dieser ersten Vorlesung wenigstens ganz kursorisch beschäftigen möchte, sind meistens Antirealisten. Ihre Kernthese ist die Folgende: Der Bereich der menschlichen Vernunft, der Bereich, in dem die menschliche Vernunft verlässlich funktioniert, der Bereich des sinnvollen Sprechens, ist klar abgrenzbar. Die Metaphysik liegt dann aus näher anzugebenden Gründen, außerhalb dieses Bereiches, in dem die menschliche Vernunft funktioniert.

Genauer ist im Allgemeinen noch, dass die menschliche Vernunft nur in dem Bereich funktioniert, wo sie sinnliche Anschauungen vorgegeben hat, wo ihr das Material, mit dem sie arbeitet, sinnlich gegeben ist. Die metaphysischen Begriffe wie zum Beispiel Seele oder Substanz, die ein Einzelding zum Einzelding macht, sind uns nicht sinnlich gegeben. Sie sind nicht sinnlich anschaulich und deshalb außerhalb der Grenzen der Vernunft.

Ich werde in aller Kürze etwas über Kant einerseits und den logischen Positivismus andererseits sagen. Kant behauptete, dass die Sätze der Metaphysik zwar sprachlich sinnvoll sind, aber außerhalb des Bereiches der Vernunft liegen. Sie sind außerhalb des Bereiches der Geltung der menschlichen Vernunft, die immer an sinnliche Anschauungen gebunden bleibt. Und der logische Positivismus, eine wissenschaftsnahe Strömung der Philosophie am Anfang des 20. Jahrhunderts, die zumindestens in der breiten akademischen Öffentlichkeit auch heute noch eine gewisse Präsenz hat, sagt, dass die Sätze der Metaphysik sogar sprachlich sinnlos sind. Sie scheinen nur sinnvolle Sätze zu sein. Aber nur solche Sätze, die innerhalb der menschlichen Erfahrung, der sinnlichen Erfahrung verifiziert werden können, haben überhaupt Bedeutung und von daher ist die Metaphysik ein Sammelsurium sinnloser Sätze.

Die Kernthese ist also, um es noch einmal zu sagen, dass zwischen metaphysischen und wissenschaftlichen Aussagen in der Mathematik und der Naturwissenschaft, dass es zwischen den beiden eine klare Grenze gibt. Weil sich die präzise ziehen lässt, kann man sagen: Die Metaphysik liegt außerhalb und die anderen Wissenschaften liegen innerhalb dieser Grenze.

Ich hatte Ihnen schon am Anfang gesagt, dass diese Grenze nach meiner Ansicht nicht präzise zu ziehen ist. Dass der Übergang – denken Sie an das Beispiel der Quantenmechanik - dass der Übergang zwischen Metaphysik, Ontologie und Naturwissenschaft ein fließender ist. Allein daraus würde schon folgen, dass dieses Unternehmen, eine klare Grenze zu ziehen, wie weit die menschliche Vernunft legitimerweise denken darf und wo es anfängt, illegitim zu werden zum Scheitern verurteilt ist.

Niemand zweifelt daran, dass in der Metaphysik die menschliche Vernunft sozusagen an ihrer Sturzgrenze klettert, das äußerste von sich abverlangt und der Gehalt eines Gedankens nicht leicht zu testen und zu verifizieren ist. Aber die Frage, ob es eine solche klare Grenze gibt, ist dennoch schwierig zu beantworten, wie ich im Folgenden zeigen will.

1.6 Kant

Schauen wir kurz auf Kant. Kant macht zwei Unterscheidungen. Die erste haben wir bereits kennen gelernt: „a priori“ und „a posteriori“. Was wir a priori erkennen, erkennen wir ohne Zuhilfenahme der sinnlichen Anschauung. Etwa wenn wir Algebra betreiben oder bestimmte mathematische Dinge, die wir uns nicht direkt sinnlich vorstellen können. Was wir a posteriori erkennen, ist das, was wir aus der sinnlichen Erfahrung bekommen. Etwa wie viele Seiten dieses Taschenbuch zählt.

Das ist die eine Unterscheidung. A priori, a posteriori. Dann macht Kant eine andere Unterscheidung: „analytisch“ und „synthetisch“. Ein Satz ist analytisch, wenn das Prädikat im Subjekt enthalten ist. Also zum Beispiel: Junggesellen sind unverheiratete junge Männer. Ein Satz ist synthetisch, wenn das Prädikat im Subjekt nicht enthalten ist. Wenn uns also das Prädikat etwas Neues sagt, was aus dem Begriff des Subjektes noch nicht hervorgeht. Wenn ich Ihnen zum Beispiel sage: „Das Haus in der Kaulbachstraße 31 ist gelb“, so geht aus dem Begriff des Hauses nicht der Begriff der Gelbheit hervor. Da erfahren Sie wirklich etwas Neues, was im Begriff des Hauses nicht enthalten ist. Oder „des Hauses in der Kaulbachstraße 31“. Selbst in diesem weiteren Begriff ist die Idee der Gelbheit nicht enthalten.

Nun sagt Kant, dass metaphysische Wahrheiten notwendige Wahrheiten sein müssen und von daher nicht aus der Erfahrung stammen können, sondern rein a priori aus der reinen Begriffsanalyse kommen müssen. Sie sollen uns aber neue Informationen liefern, die wir bisher nicht hatten, sollen also synthetisch sein. Und nun sagt Kant, dass solche Synthesis a priori, Neues hinzulernen ohne Hinzunahme der Sinneserkenntnis, für uns Menschen nicht möglich ist.

Für Kant stammt das Material der Erkenntnis aus der sinnlichen Anschauung in Raum und Zeit. Es gibt keine intellektuelle Anschauung. Die Konsequenz ist, dass es keine Synthesis a priori gibt. Keine synthetischen apriorischen Aussagen mit der Ausnahme von ganz wenigen, die er als solche anerkennt, wie zum Beispiel: der Raum ist unendlich.

Jetzt kann man dazu einige kritische Fragen stellen. In der Philosophie des 20. Jahrhunderts wurde die ganze Unterscheidung analytisch / synthetisch hinterfragt. Wann kann man wirklich sagen, ein Satz ist analytisch, ohne damit zu behaupten, dass man eigentlich nur rein psychologisch eine Denkgewohnheit oder etwas, was uns im Rahmen dessen, was wir empirisch gewohnt sind, als unausweichlich erscheint. Ist tatsächlich der Satz, Junggesellen sind junge unverheiratete Männer, analytisch? Ist der Satz, Raben sind schwarz, analytisch? Oder könnte es auch weiße Raben geben?

Die Diskussion in der Philosophie des 20. Jahrhunderts hat ergeben, dass die Grenze zwischen analytisch und synthetisch, die ja so wichtig ist für die Kantische Grenzziehung, mit der er die Metaphysik abgrenzen will in dem Bereich des Unerlaubten, so nicht durchzuhalten und zu ziehen ist. Auch Kants Idee, dass man notwendige Wahrheiten nur a priori erkennen kann, wurde im 20. Jahrhundert angegriffen. Zum Beispiel wurde argumentiert, dass empirisch gefundene Identitätssätze, wie „Wasser ist identisch mit H2O“, notwendige Wahrheiten ausdrücken. Da hätten wir eine notwendige Wahrheit, weil eine solche Identitätsaussage immer eine notwendige Wahrheit entdeckt, aber empirisch durch Erfahrung und nicht durch Begriffsanalyse.

Und schließlich, wenn wir in der Mathematik durch analytische Sätze Erkenntnis gewinnen können - und Kant wollte ja die Mathematik nicht ablehnen - wenn wir also in der Mathematik durch Erkenntnis, die a priori ist und oft analytisch, wirklich interessante Erkenntnisse gewinnen können, warum kann dasselbe nicht für die Metaphysik gelten? Warum muss die Metaphysik in jedem Falle synthetisch sein?

Warum kann sie nicht analog vieler mathematischer Wahrheiten interessante analytische Begriffsanalysen enthalten?

Das sind einige kritische Anfragen an Kant, die darauf hinauslaufen, dass die Grenze zwischen der Metaphysik einerseits und den Naturwissenschaften andererseits so nicht notwendigerweise gezogen werden kann.

Ich will Ihnen das noch einmal konkret an einem Beispiel verdeutlichen. Schauen Sie auf die moderne theoretische Physik. Das, was Kant für eine synthetisch apriorische Aussage, eine der wenigen hielt, nämlich dass der Raum unendlich ist, hält die moderne Physik nicht mehr für wahr. Das war aber für Kant eine notwendige Wahrheit.

Heute spricht die Physik von Singularitäten, also punktförmigen Zuständen, in denen die Gravitation unendlich ist, z.B. das Zentrum eines schwarzen Loches, als ein mathematisches Konstrukt jenseits jeglicher sinnlichen Vorstellbarkeit. Nach Kant wäre so etwas, was wir uns in keiner Weise mehr in Raum und Zeit vorstellen können, gar nicht im Rahmen und in den Grenzen der Vernunft denkbar. Und damit auch nicht der Urknall, und damit letztlich auch nicht, wie ich Ihnen vorgestellt habe, die Quantentheorie, die weit über das begrifflich Anschauliche hinausgeht, geschweige denn so etwas wie die vieldimensionale Stringtheorie in der Physik.

Alle diese florierenden Wissenschaftszweige würden, wenn man die Kantische Kritik und die Kantischen Grenzziehungen ernst nehmen würde, all diese florierenden Wissenschaftszweige würden unter das Verdikt der Metaphysik fallen und außerhalb der Grenzen der menschlichen Vernunft liegen. Offensichtlich ist man hier mit der Kritik über das Ziel hinausgeschossen, so dass der Wissenschaftsbetrieb, wie es sich entwickelt hat, sowohl in der Philosophie als auch in den Naturwissenschaften, sich um diese Kantischen Grenzziehungen nicht gekümmert hat.

1.7 Logischer Positivismus

Ähnliches lässt sich über den logischen Positivismus sagen. Der logische Positivismus, eine Strömung der Philosophie zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ähnelt in manchem der Kantischen Philosophie. Indem er nämlich sagt: Wenn wir hinausspekulieren über das, was uns sinnlich empirisch anschaulich gegeben ist, verlassen wir den Bereich, in dem unsere Vernunft funktioniert. Die Metaphysik ist genau in diesem Bereich.

Dieser logische Positivismus ruht auf zwei Säulen. Die eine Säule ist eine Erkenntnistheorie, und die andere Säule ist eine Bedeutungstheorie. Die Erkenntnistheorie des logischen Positivismus ist der Empirismus. Er besagt, dass alle unsere Erkenntnis aus der sinnlichen Erfahrung stammt, mit Ausnahme der Mathematik und Logik, die rein apriorische Begriffsanalyse sind.

Die zweite Säule, auf der der logische Positivismus beruht, ist der Verifikationismus. Der Verifikationismus ist eine Bedeutungstheorie, also eine Theorie darüber, wie sprachliche Ausdrücke eine Bedeutung bekommen können. Die verifikationistische Bedeutungstheorie sagt, dass die Bedeutung eines Satzes die Methode seiner Verifikation ist. Wenn Sie also die Bedeutung eines Satzes kennen, zum Beispiel „Dieses Taschenbuch hat 128 Seiten“, wenn Sie diesen Satz verstehen, dann können Sie ihn verifizieren. Sie können nachschauen und sagen, ja, es sind genau 128 Seiten. Der Satz ist also wahr.

Wenn Sie diese beiden Dinge zusammennehmen, die den logischen Positivismus ausmachen, nämlich den Empirismus auf der einen Seite, die verifikationistische Bedeutungstheorie auf der anderen Seite, dann kann man leicht zeigen, dass Metaphysik nicht möglich ist. Die einzige Methode, die wir haben, einen Satz zu verifizieren, der nicht ein rein mathematischer oder logischer Satz ist, ist, ihn durch Sinneserfahrung zu verifizieren. Und Sätze, die wir durch Sinneserfahrung nicht verifizieren können, sind nach dieser Theorie sinnlos, sie haben keine Bedeutung. In dieser Beziehung geht sie über die Kritik von Kant noch hinaus.

Für Kant sind die Gesetze der Metaphysik sinnvoll, aber für den Menschen unerreichbar. Für den logischen Positivisten ist ein Satz wie: Es gibt eine Geist-Seele, obwohl wir sie nicht sehen können im Mikroskop oder in einer Computertomographie, oder es gibt so etwas wie durch die Zeit sich erhaltende Substanzen, die keine zeitlichen Teile haben, die die Identität einer Sache ausmachen, solche Sätze sind für die logischen Positivisten völlig bedeutungslos. Es sind unsinnige Sätze, etwa wie wenn ich sage: die Tugend singt gefrorene Integrale. Bei diesem Satz erkennen wir natürlich sofort, dass er keinen Sinn ergibt, während der Satz: Es gibt eine Geist-Seele, auf den ersten Blick sinnvoll erscheint. Bei genauerer Analyse stellt sich allerdings heraus, sagen die logischen Positivisten, dass diese metaphysischen Sätze gleichermaßen sinnlos sind.

Die Grundstruktur ist also wie bei Kant. Nämlich, dass die Grenzlinie zwischen unerlaubt und erlaubt klar zu ziehen ist. Und meine Kritik ist wiederum dieselbe wie bei Kant. Ich zweifle daran, dass diese Grenzlinie so klar zu ziehen ist. Schauen wir nur auf die theoretischen Begriffe der Naturwissenschaft, die wir nicht direkt aus den Sinnesdaten haben, sondern die abstrakten theoretischen Entitäten, die wir in den Naturwissenschaften einführen, von Dingen, die wir nicht direkt beobachten können. Denken Sie an so was die Quantenmechanik, oder die Stringtheorie. Die werden allein aus mathematischen Gesichtspunkten oft eingeführt, aber nicht aus der Beobachtung gewonnen.

Nehmen wir einen einzelnen Satz, in dem eine solche Entität vorkommt, von mir aus schon so etwas wie ein Quarks oder etwas Vergleichbares, so können Sie den nicht mehr direkt an der Erfahrung verifizieren. Vielleicht lässt sich die Theorie als Ganze an der Erfahrung verifizieren, aber sicherlich nicht einzelne Sätze, so dass man sagen könnte, ein Satz, der sich nicht verifizieren lässt durch die Erfahrung, ist sinnlos. Wenn wir dieses Kriterium anlegen, sind die meisten Sätze in den abstrakten Naturwissenschaften sinnlos.

Wie ich Ihnen am Anfang gezeigt habe, gibt es sogar große Theorien innerhalb der Naturwissenschaft, die sich bisher nicht durch die Erfahrung verifizieren lassen, so in der Quantenmechanik. Wenn man also dieses strikte Kriterium des logischen Positivismus anlegt, wirft man wiederum einen erheblichen Teil unserer besten naturwissenschaftlichen Theorien mit der Physik zusammen über Bord.

Aber nicht nur das. Nehmen Sie einen Satz wie: Die Zahl der Fixsterne ist gerade. Das können wir natürlich nicht verifizieren, ob die Zahl der Fixsterne gerade ist. Wir können nicht alle Galaxien besuchen und dort die Sterne abzählen. Wir können sie auch nicht alle beobachten. Weil sie sich zum Teil verdecken oder hinter dunkler Materie verdeckt sind. Wir werden nie herausfinden, ob die Zahl der Fixsterne zu diesem Zeitpunkt gerade ist oder nicht.

Aber daraus folgt doch nicht, dass dieser Satz sinnlos ist. Der metaphysische Realist würde sogar sagen, die Wirklichkeit macht diesen Satz entweder wahr oder falsch, ganz unabhängig davon, ob wir das herausfinden können. Aber nach dem logischen Positivismus ist dieser Satz, da für uns prinzipiell nicht verifizierbar, auch sinnlos. Das scheint uns auf den ersten Blick nicht überzeugend.

Das schwerwiegendste Argument gegen den logischen Positivismus ist aber das Argument der Selbstapplikation, also der Anwendung der Theorie auf sich selber. In der Theorie kam ja die verifikationistische Bedeutungstheorie vor. Die besagte, erinnern Sie sich - die Bedeutung eines Satzes ist die Methode seiner Verifikation. Wenn ich die Methode der Verifikation eines Satzes angeben kann, dann habe ich ihn verstanden.

Jetzt fragen Sie sich: Ist dieser Satz selbst die Bedeutung eines Satzes, ist die Methode seiner Verifikation, ist dieser Satz selbst empirisch verifizierbar? Natürlich nicht. Den können sie nicht empirisch verifizieren, das ist eine philosophische Hintergrundannahme, also in diesem Sinne fast eine metaphysische These, und damit sinnlos. Damit sagt aber der logische Positivismus über sich selbst und seine zentralen Thesen, dass sie sinnlos sind. Und das ist fast das schlimmste, was einer Theorie passieren kann, dass aus ihr folgt, dass sie selber sinnlos ist. Das ist in der Tat ein schwerwiegender Einwand gegen dieses Projekt des logischen Positivismus. Sowohl beim logischen Positivismus - und das ist ein letzter Aspekt, den ich noch hervorheben möchte - wie bei Kant wird der Begriff der Analytizität fälschlich für völlig klar abgrenzbar gehalten. Die Mathematik ist analytisch, die Metaphysik nicht. Aber Aussagen, die rein begrifflich wahr sein sollen, lassen sich nicht klar abgrenzen von solchen, die wahr sind aufgrund bestimmter allgemeiner oder notwendiger Eigenschaften der realen physischen Welt.

Es fehlt ein Argument, das analytische Aussagen mittels ihrer Weltunabhängigkeit rein begrifflich absetzt von solchen, die ihre Notwendigkeit zum Beispiel aus empirischer Vertrautheit gewinnen. Ich hatte Ihnen schon das Beispiel genannt, „Raben sind schwarz“ ist analytisch. Es ist nun durchaus möglich, dass es auch außerhalb der Mathematik und Logik interessante Erkenntnisse gibt, die rein auf Begriffsanalyse beruhen. Wenn das möglich wäre, wäre ja die Metaphysik als mögliche Wissenschaft etabliert.

Ich gebe Ihnen ein anderes Beispiel aus der Philosophie, das nicht unmittelbar aus der Metaphysik entnommen, aber sehr eingängig ist. Machen wir folgende Begriffsanalyse. Fragen wir uns: Schließt der Begriff moralische Verantwortung den Begriff der Absichtlichkeit ein? Ist also nur der moralisch verantwortlich, der absichtlich handelt. Also moralisch verantwortlich für seine Handlungen, wenn er sie absichtlich getan hat.

Machen wir ein Gedankenexperiment. Stellen wir uns vor, der Apotheker gibt mir versehentlich ein Medikament, das eine toxische, gesundheitsgefährdende Wirkung auf mich hat. Wenn ich ihn nun anklage vor Gericht, kann er sagen, ich habe es doch nicht absichtlich getan, also bin ich für diese Vergiftung nicht verantwortlich. Wir würden bei Reflexion über den Begriff der Verantwortlichkeit zu dem Ergebnis kommen, dass der Begriff der Verantwortung den der Absichtlichkeit nicht einschließt. In dem Falle hat der Apotheker fahrlässig gehandelt, aber unabsichtlich. Er ist trotzdem verantwortlich. Ein Beispiel einer reinen Begriffsanalyse, die uns interessante Ergebnisse liefert.

Die Metaphysik-Kritik beruht also auf der Annahme, dass es absolute präzise Grenzen zwischen Naturwissenschaft, Mathematik und Metaphysik gibt. Das ist aber fragwürdig. Auch die Naturwissenschaft enthält nichtempirische Begriffsanalyse. Auch die Mathematik ist nicht als analytisch von der sog. synthetischen Metaphysik klar abzugrenzen. Die Metaphysik als Begriffsanalyse ist zu erheblich interessanten analytischen Begriffsanalysen fähig.

Ich folgere daher, dass das Projekt der Metaphysik, wie man es auch an der florierenden Metaphysik in der heutigen Landschaft der Philosophie sieht, einer Vielzahl von Publikationen, Strömungen und Konferenzen, dass das Projekt der Metaphysik keineswegs gescheitert ist. In den folgenden fünf Vorlesungen will ich Ihnen an konkreten Beispielen zeigen, dass die Metaphysik sehr spezifische Probleme auf erhellende Weise darlegen und auch bereichernd darstellen kann.


DIE WIRKLICHKEIT DES ABSTRAKTEN (Universalienproblem)

2

Das Universalienproblem ist eines der großen „Schlachtfelder“ der abendländischen Geistesgeschichte. Gibt es neben den konkreten Einzeldingen in Raum und Zeit auch noch eine Dimension des Allgemeinen, Abstrakten und Überzeitlichen? Ist die Mathematik eine Wissenschaft, die den Bereich des Abstrakten erforscht? Können wir das Verstehen von Sprache nur erklären, wenn wir einen Bereich der Ideen annehmen, der von einem verstehenden Sprecher geistig erfasst wird? Die drei klassischen Antwortversuche auf diese Fragestellungen: Platonismus, Konzeptualismus und Nominalismus.

2.1 Das Universalienproblem

In dieser zweiten Folge in der Serie über die Metaphysik wollen wir uns mit dem Universalienproblem beschäftigen oder dem Problem der abstrakten Entitäten. Der Gesamtaufbau dieser sechsstündigen Vorlesung über die Metaphysik ist folgendermaßen, dass wir nämlich zwei grundlegende Fragen stellen. Erstens: Was gibt es überhaupt, was sind die grundlegenden Arten von Entitäten? Und die zweite Frage: Was ist die Stellung des Menschen im Ganzen der Welt? In der zweiten Hälfte dieser Vorlesungsreihe werden wir dieser zweiten Frage nachgehen und uns die Frage stellen: Was ist Willensfreiheit, was ist personale Identität und was ist das Leib-Seele-Problem, das Verhältnis von Körper und Geist? Im ersten Teil dieser sechsteiligen Vorlesung fragten wir uns: Was ist Metaphysik? Jetzt: Was sind abstrakte Entitäten? Und in der folgenden Vorlesung: Was sind konkrete Entitäten?

Damit sind wir eigentlich schon bei unserem Thema: Was sind überhaupt abstrakte Entitäten? Also Seiende, die abstrakt sind. Das heißt zunächst mal, dass sie von irgendetwas abstrahieren. Der abstrakte Kreis beispielsweise hat keinen bestimmten Radius, aber jeder konkrete Kreis hat einen bestimmten Radius. Wenn etwa der Geometer in der Mathematik über den Kreis an sich als abstraktes Objekt nachdenkt, dann kann man nicht sagen, dass der Kreis an sich einen Radius von 12 cm hat oder 24, sondern er hat einen beliebigen, das heißt keinen bestimmten Radius.

Das typische Charakteristikum solcher abstrakten Entitäten ist, dass sie weder im Raum lokalisierbar noch in der Zeit datierbar sind. Einen bestimmten Kreis können Sie im Raum lokalisieren und sagen, er befindet sich 1 m von mir entfernt. Sie können einen bestimmten Kreis, einen konkreten Kreis auch in der Zeit lokalisieren. Sie können sagen, er wurde gestern gezeichnet und morgen wird er wieder ausgelöscht. Der abstrakte Kreis, mit dem sich die Mathematik beschäftigt, der Kreis an sich als mathematisches Objekt, ist weder lokalisierbar noch datierbar. Sie können nicht sagen, der abstrakte mathematische Kreis befindet sich 5 m rechts vom mathematischen Dreieck. Oder Sie können auch nicht sagen, der abstrakte mathematische Kreis ist drei Jahre älter als das Dreieck. Die Lokalisierung im Raum und die Datierung in der Zeit von abstrakten Entitäten ergibt keinen Sinn. Sie sind damit der Gegenbegriff zu den sog. konkreten Entitäten, die nämlich in Raum und Zeit lokalisierbar und datierbar sind.

In der ersten Vorlesung über die Frage, was ist überhaupt Metaphysik, hatten wir uns bei der Beschäftigung mit dem metaphysischen Realismus bereits die Frage gestellt: Was sind die Wahrmacher mathematischer Aussagen. Am Beispiel von der Vermutung Goldbachs, dass jede gerade Zahl größer als 4 die Summe zweier Primzahlen ist, hatten wir uns gefragt, was diese Aussage wahr macht. Nehmen wir nun eine andere beliebige mathematische These. Eine ganz einfache. Zum Beispiel, jemand behauptet, irgendwo in der Zahl π kommt eine Sequenz von sieben 7ern hintereinander vor. Also 7 x 7 hintereinander. Nehmen wir an, bei den bisherigen Berechnungen der Zahl π hätten wir das nicht gefunden, eine Stelle, in der 7 x 7 hintereinander kommt.

Was ist nun der Wahr- oder Falschmacher dieser Aussage, wenn jemand behauptet, in der Zahl π gibt es eine Sequenz von sieben 7ern. Nach der realistischen Auffassung ist der Wahrmacher dieser Aussage die unabhängig von uns existierende Realität der mathematischen Entitäten. Und die sind natürlich abstrakt, denn sie sind nicht lokalisierbar im Raum. In dem Fall könnten Mathematiker anstatt mit Gedankenexperimenten auch mit Teleskopen arbeiten. Die Entitäten sind auch nicht datierbar in der Zeit.

Die antirealistische Auffassung ist, dass die These, dass es in der Zahl π 7 x 7 hintereinander gibt, solange weder wahr noch falsch ist, wie sie nicht entweder konstruktiv bewiesen oder konstruktiv widerlegt wurde. Die Grundfrage ist also, existieren Zahlen geistunabhängig oder machen wir selbst die Zahlen. Und wenn wir selbst die Zahlen machen, dann ist diese Frage, ob es solche 7 x 7 hintereinander in der Zahl π gibt, solange unentschieden, wie wir das nicht festgelegt haben. Ganz offensichtlich, wenn die Zahlen unabhängig von uns existieren, dann sind sie abstrakte Entitäten, denn, wie jeder einsieht, wäre es ein Kategorienfehler zu sagen: Die Zahl 7 ist 3 mm lang und 15 Jahre alt.

Es stellt sich von daher also die Frage, ob es solche abstrakten Entitäten gibt? Das schöne klassische Beispiel, mit dem wir hier zumindestens anfangen wollen, sind die Zahlen. Wenn nun jemand behauptet, es gibt die Zahlen, dann ist das eine Behauptung mit weitreichenden philosophischen Konsequenzen. Ich will nur auf eine kurz hinweisen. Wenn es wirklich die Zahlen gibt außerhalb von Raum und Zeit, dann ist der Naturalismus und Physikalismus, also die moderne Form der Materialismus, bereits falsch. Denn es gibt dann Entitäten, die nicht materiell sind. Zum Beispiel die Zahlen. Wie sollen wir aber die Existenzannahmen über Zahlen verstehen, wenn jemand sagt, es gibt zum Beispiel die natürlichen Zahlen oder es gibt die Zahl π. Sollen wir das so verstehen wie wenn jemand sagt: In einigen Häusern spuken Geister – das ist ja auch eine Existenzannahme – oder sollen wir es eher so verstehen wie wenn jemand sagt: Viele Modeströmungen begannen in Kalifornien.

In beiden Fällen, sowohl bei Geistern wie bei Modeströmungen, haben wir es mit etwas absonderlichen Entitäten zu tun. Geister sind ja keine normalen Dinge, die uns im Alltag begegnen und die normal physikalisch erfasst werden können. Auch Modeströmungen haben etwas Luftiges, ja schwer zu Fassendes und fast Immaterielles.

Die meisten Philosophen würden sagen, dass der Satz „es gibt die Zahl 7 oder es gibt die Zahl π,“ enger verwandt ist der Behauptung: Viele Modeströmungen begannen in Kalifornien, als der: Viele Geister oder einige Geister spuken in einigen Häusern. Modeströmungen sind eben etwas Abstraktes. Irgendeine Abstraktion aus vielen Einzelphänomenen. Von daher erhebt sich wieder die Frage: Was sind diese abstrakten Entitäten? Sind Zahlen so etwas Ähnliches wie eben Modeströmungen? Oder sind sie mehr? Haben sie einen tieferen Bestand, der vielleicht über das, was Menschen tun, hinausgeht?

Eine andere Parallele: Wenn wir den Satz nehmen: „Peter ist kleiner als Hans“ und den Satz nehmen: „7 ist kleiner als 9“ dann sind diese beiden Sätze grammatikalisch äußerst ähnlich. Und die grammatikalische Ähnlichkeit kann dazu führen, die Zahlen genauso als Objekte zu betrachten wie Peter und Hans. Sie in gewisser Weise zu verdinglichen. Ob das philosophisch eine erstrebenswerte Position ist, ob es dafür Argumente gibt oder ob es sich dabei um einen Fehler handelt, dass wir uns durch die Strukturen der Sprache verleiten lassen, etwas für dinglich zu halten, was in Wirklichkeit keine Dinglichkeit hat, keine Entität ist, das muss im Folgenden dieser Vorlesung diskutiert werden.

Man kann sagen, dass dies eine extrem abstrakte Frage ist. Es ist in der Tat eine extrem abstrakte Frage, aber ich hatte Ihnen gerade schon gezeigt, dass davon große weltanschauliche Konsequenzen abhängen. Etwa ob der Materialismus wahr ist.

2.2 Drei Theorien zur Realität von Zahlen

Außerdem: Die Zahlen sind zunächst mal nur ein Beispiel für abstrakte Entitäten. Im Folgenden werde ich Ihnen zeigen, dass die Debatte, die ich exemplarisch an den Zahlen vorführe, noch viel weiter gefasst werden kann zum sog. Universalienproblem. Es ist eines der Kernprobleme der abendländischen Philosophiegeschichte. Es gibt keine Möglichkeit, die abendländische Philosophiegeschichte zu verstehen, ohne das Universalienproblem zu verstehen.

Drei große Positionen kann man philosophiegeschichtlich zu der Frage, ob es die Zahlen gibt oder nicht angeben. Die erste wird gemeinhin der Realismus genannt oder auch Platonismus. Sie besagt, die Zahlen existieren unabhängig von unserem Verstand, unabhängig von unserem Denken. Selbst wenn kein Mensch an die Zahlen oder an die mathematischen Entitäten denkt, sind sie immer noch da. Das liegt dann auf der Hand, wenn sie außerhalb von Raum und Zeit existieren.

Die zweite Position sagt: Ja, die Zahlen existieren, aber sie existieren nicht wirklich unabhängig von uns. Die Zahlen existieren abhängig von unserem Verstand, wir machen die Zahlen. In der Philosophie der Mathematik wird diese Position meist Intuitionismus (der philosophische Fachausdruck ist zumeist Konzeptualismus) genannt. Die Zahlen sind also von uns abhängige, von uns geschaffene Entitäten. Entitäten des Verstandes.

Und die dritte Position ist der Nominalismus, der sagt: Wir haben uns über die Existenz der Zahlen getäuscht. Sie existieren in gar keiner Weise. Lediglich durch die sprachliche Nähe zu Eigennamen wird eine Illusion erzeugt, die es so scheinen lässt, als würden wir, wenn wir über Zahlen reden, über Dinge reden, so wie wir über Peter und Hans reden. Es ist also die Form der Sprache, die uns dazu verführt, anzunehmen, die Zahlen existierten.

2.3 Platonismus (Zahlen)

Wollen wir uns diese drei Positionen etwas genauer anschauen. Beginnen wir mit dem platonistischen Realismus. Diese Position ist für die abendländische Geistesgeschichte von außerordentlicher Bedeutung. Whitehead hat einmal gesagt, dass die ganze westliche Philosophie nur eine Serie von Fußnoten zu Platon sei. Die fundamentale Einsicht von Platons Philosophie ist, dass es zwei große Wirklichkeitsbereiche gibt. Den Bereich des Ewigen, Unveränderlichen oder Abstrakten auf der einen Seite und den Bereich des Zeitlichen, Veränderlichen und Konkreten auf der anderen Seite. Zwischen den beiden besteht eine Urbild-Abbild-Relation. Das Konkrete realisiert oder instanziiert, wie die heutigen Philosophen sagen, die Prototypen, die ewigen Formen des abstrakten Bereiches.

Zahlen sind dementsprechend abstrakte Entitäten, die unabhängig von jedem menschlichen Geist existieren. Sie können von intelligenten Wesen erkannt, beschrieben und ihre Relationen untereinander begriffen werden. Man hat vor Jahren Sonden in das Weltall geschickt in der Hoffnung, dass sie irgendwann einmal von Außerirdischen aufgefangen werden. Darauf befinden sich auch mathematische Ausdrücke, mathematische Sätze in einer sehr abstrakten Sprache. Man hofft, dass andere intelligente Wesen dieselben mathematischen Einsichten haben wie wir. Wenn sie einmal eines Tages eine dieser Sonden auffangen, sehen sie, aha, das wurde von einer anderen Intelligenz geschickt. Dahinter steht die Vorstellung, dass es so etwas wie eine objektive Welt der Zahlen gibt, unabhängig von der konkreten menschlichen Intelligenz. 7 ist kleiner als 9 beschreibt also eine Relation zwischen zwei real und unabhängig von uns existierenden Entitäten. Es gibt da draußen einen Wahrmacher für diese mathematische Aussage.

Damit sind mathematische Objekte nicht reduzierbar auf geistige oder mentale Objekte und abhängig vom menschlichen Verstand. Sie sind vielmehr Objekte, die wir mit einer speziellen Erkenntnisfähigkeit durch unseren Verstand erfassen. Sie sind nicht sinnlich, denn wir sehen ja die Zahlen nicht, hören sie nicht und riechen sie nicht. Diese Fähigkeit der intuitiven Erkenntnis mathematischer Wahrheiten unterscheidet den Realisten vom Antirealisten.

Welche Probleme tun sich auf, wenn man einen solchen von uns unabhängigen Bereich der Zahlen annimmt? Die erste Frage ist: Was bedeutet dann überhaupt Existenz? Wenn ich zum Beispiel sage, ich existiere oder Sie existieren, dann bedeutet ja Existenz – so könnte man zum Beispiel sagen - dass wir eine bestimmte Raum-Zeit-Stelle einnehmen. Oder dass wir eine konkrete Entität sind, die eine bestimmte Raum-Zeit-Stelle einnimmt. Was soll jetzt Existenz etwa bei dem Kreis an sich oder der Zahl 7 bedeuten?

Ein anderes großes Problem ist die Frage, wie wir mit den Zahlen in Kontakt treten. Mit den konkreten Entitäten treten wir durch Kausal-Relationen in Kontakt. Etwa, wenn ich einen Baum sehe, wird von dem Baum Licht reflektiert, Photonen treffen auf meine Retina, werden neuronal in Reaktionsmustern verarbeitet und interpretiert, und so sehe ich eine „Baumwahrnehmung“. Eine ähnliche Art der kausalen Interaktion mit mathematischen Objekten haben wir nicht. Wie treten wir also mit ihnen in Kontakt, welche spezielle Fähigkeit ist es, die uns Menschen erlaubt, in diesen Bereich des Ewigen und Abstrakten vorzudringen. Eine schwierige Frage, auf die der Platonische Realist eine Antwort geben muss.

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