Kitabı oxu: «Im Paarungsfieber»

Şrift:

Im Paarungsfieber
Interstellare Bräute® Programm: Band 10
Grace Goodwin


Inhalt

Willkommensgeschenk!

Interstellare Bräute® Programm

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Epilog

Willkommensgeschenk!

Interstellare Bräute® Programm

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Über Die Autorin

Im Paarungsfieber Copyright © 2019 durch Grace Goodwin

Interstellar Brides® ist ein eingetragenes Markenzeichen

von KSA Publishing Consultants Inc.

Alle Rechte vorbehalten. Dieses Buch darf ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis des Autors weder ganz noch teilweise in jedweder Form und durch jedwede Mittel elektronisch, digital oder mechanisch reproduziert oder übermittelt werden, einschließlich durch Fotokopie, Aufzeichnung, Scannen oder über jegliche Form von Datenspeicherungs- und -abrufsystem.

Coverdesign: Copyright 2020 durch Grace Goodwin, Autor

Bildnachweis: Deposit Photos: ralwel, _italo_

Anmerkung des Verlags:

Dieses Buch ist für volljährige Leser geschrieben. Das Buch kann eindeutige sexuelle Inhalte enthalten. In diesem Buch vorkommende sexuelle Aktivitäten sind reine Fantasien, geschrieben für erwachsene Leser, und die Aktivitäten oder Risiken, an denen die fiktiven Figuren im Rahmen der Geschichte teilnehmen, werden vom Autor und vom Verlag weder unterstützt noch ermutigt.

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Interstellare Bräute® Programm

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1


Megan Simmons, Krankenstation, Schlachtschiff Karter, Sektor 437

Ich wurde geküsst. Und getragen. Buchstäblich von den Füßen gefegt und ein heißer, sehr unnachgiebiger Mund küsste den meinen. Wir bewegten uns, aber ich wusste nicht wohin. Es war mir egal. Ich wollte nur geküsst werden.

Heiß. Inbrünstig. Lüstern. Die Reaktion meines Körpers ließ nicht auf sich warten. Meine Muschi wurde feucht und meine Nippel stellten sich auf, als aus den Tiefen seiner Brust ein Knurren ertönte. Ich spürte das Dröhnen genauso deutlich, wie ich den sinnlichen Ton hörte.

Auf einmal wurde ich gegen eine Wand gedrückt und spürte, wie jeder harte Zentimeter seines Leibes in mich presste. Er war groß. So groß, ich konnte die dicke Silhouette seines Schwanzes an meinem Bauch spüren.

“Mir,” sprach er, seine Stimme war ein barsches Krächzen. Seine Lippen hoben sich gerade weit genug, damit er dieses eine Wort hervorhauchen konnte, aber ich spürte es bis in die Zehenspitzen.

Ja. Ich hatte absolut nichts dagegen. Ich hatte keinen Schimmer, wer dieser Typ war oder warum er mich küsste, aber das war mir egal. Ich wollte ihn mit einer Verzweiflung, die ich nie zuvor erlebt hatte.

Durch unsere Kleidung konnte ich seine Hitze spüren. Es war, als hätte er Fieber, sein Körper brannte für mich mit einer Begierde, die ihn komplett vereinnahmt hatte, ihn in etwas Düsteres, Primitives verwandelt hatte.

“Ja, ich gehöre dir,” flüsterte ich.

Seine Hände glitten an meinem Körper herunter, an meinem nackten Körper herunter. Stopp. Ich war nackt. Er war angezogen. Ich sollte ihn stoppen, aber warum? Es fühlte sich so verdammt gut an.

Ich brauchte keine Anziehsachen. Aber er musste seine loswerden.

Als er zurücktrat, konnte ich erkennen, dass er die Uniform eines Koalitionskämpfers trug und sie stand ihm hervorragend. Sein Gesicht allerdings konnte ich nicht sehen. Warum? Warum konnte ich nicht erkennen, wer mich so notgeil machte?

Seine Hände wanderten an seine Hose, er öffnete sie und zog seinen Schwanz heraus. Meine Güte, was für ein Monster von einem Schwanz! Er war lang und dick mit einer prallen Eichel und ich leckte mir vor lauter Vorfreude die Lippen.

Was zum Teufel war nur mit mir los? Ich lechzte nicht nach den Schwänzen fremder Männer.

Bis jetzt.

“Mir.” Da war er wieder, dieser einsilbige, geistreiche Dialog, aber mein Körper reagierte darauf, als hätte er mir eben einhundert erotische, verdorbene Dinge zugeflüstert, die er mit mir anstellen würde. Er griff nach meinen Handgelenken, hob meine Hände an seine Lippen und küsste das Metall, das, wie mir jetzt auffiel, meine Handgelenke umschloss.

Atlanische Paarungshandschellen.

Heilige Scheiße.

Fasziniert beobachtete ich, wie er das filigran ins Metall eingemeißelte Muster mit seiner Zunge nachzeichnete. Das Metall funkelte im Licht und wie gebannt betrachtete ich das Schmuckstück. Die Kombination aus Gold- und Silbertönen ergab reizvolle, breite Bänder. Atlanische Paarungshandschellen hatte ich schon mal gesehen und ich wusste, dass ich an seinen Handgelenken ein passendes Paar erblicken würde. Sie waren um einiges schwerer, als ich mir vorgestellt hatte. Sie waren bedeutungsvoll. Und genauso führte er sich auch auf. Überaus besitzergreifend umschlang er mich, als ob ich wahrhaftig ihm gehörte. Er küsste meine Handflächen und ich spürte ein wahnsinniges Gefühl der Macht durch mich hindurchströmen, als diese Bestie von einem Mann meine Haut anbetete und mich mit einer federleichten Berührung küsste, als wäre ich aus zerbrechlichem Chinaporzellan.

Als Frau hätte ich mich über diesen unverschämten Übergriff aufregen müssen. Ich war eine kampferprobte Soldatin und konnte für mich selbst sorgen. Aber dieser … sanfte Riese war dabei, mich in die Knie zu zwingen.

Mein Körper vibrierte wie eine Gitarrensaite und ich schloss die Augen, als er meine Hände hochhob. Irgendwie wusste ich, was als Nächstes folgen würde; ich wusste, dass an der Wand über meinem Kopf ein Haken befestigt war und dass, wenn ich ihn gewähren ließ, er mich festbinden und ich in der Falle sitzen würde.

Anstatt aber kreischend und tretend meine Freilassung zu erkämpfen, hob ich die Arme an und drückte voller Eifer die Brust durch, um seine raue Zunge auf meinen Nippeln zu spüren. Dieser Körper gehörte ihm. Solange er diesen perfekten Schwanz in mich stecken würde, konnte er mich haben.

Mit den Händen über den Kopf gefesselt stand ich da und er trat zurück, um seine Hose auszuziehen. Nackt und glorreich war er, riesengroß, und seine Augen funkelten mich an mit einer seltsamen, animalischen Lust. Mit seiner riesigen Pranke packte er seinen Schaft und begann damit, sich der Länge nach rauf und runter zu streichen, bis ein glänzender Tropfen Flüssigkeit aus dem Schlitz an der Spitze sickerte. Die passenden Handschellen an seinen Handgelenken waren nicht zu übersehen, als sie unter den Ärmeln seiner Uniformjacke hervorlugten. “Mir. Partnerin.”

Ich sah zu, wie er sich wichste. “Dieser Schwanz ist für mich, Bestie. Gib ihn mir.”

Hoppla! Wieso redete ich plötzlich wie eine unverschämte Hure? Anscheinend hatte ich keinerlei Kontrolle über meinen Körper, oder meine spitze Zunge, aber das Ungeheuer vor mir schien sich nicht daran zu stören. Er schmunzelte, dann ging er auf die Knie. Bevor ich auch nur zwinkern konnte, hob er meine Schenkel auf seine Schultern und seine Zunge war in mir drin.

“Ja!” Ich klemmte meine Sprunggelenke hinter seinem Kopf zusammen und hielt ihn fest. Als seine mächtige Gestalt erbebte, musste ich stöhnen. Sein Mund war heiß, so heiß. Aber ich wollte mehr. Ich musste ihn in mir spüren, wie er mich dehnte, mich ausfüllte.

Er gehörte mir. Er musste mir gehören.

Die Bestie bearbeitete mich mit der Zunge, bis ich nicht mehr klar denken konnte, meine Muschi war dermaßen feucht und geschwollen, dass es weh tat und mein Puls hämmerte durch mich hindurch wie ein Schweißbrenner. Er war groß und stark und definitiv dominant, aber ich hatte hier das Sagen. Nur ich konnte seine Bestie bezwingen. Er würde für immer mir gehören. Für immer. Und er brauchte mich, damit ich seine Bestie zähmte. Mein Körper, meine Einwilligung war für ihn überlebenswichtig.

Er stand auf, umfasste meine Brüste und spielte an ihnen herum. Ich schwelgte in dem Gefühl seiner rauen Berührungen. Er war nicht zimperlich. Nein, seine Daumen und Zeigefinger zwickten meine steinharten Nippel und entlockten mir ein sinnliches Stöhnen, unter dem ich mich nur so krümmte.

Dann packte er meine Kniekehle und hob mich hoch, damit wir auf gleicher Höhe waren. Ich bekam den Boden unter meinen nackten Füßen nicht länger zu spüren, sondern wurde von seinem aufgeheizten Körper und der kühlen Wand getragen.

“Partner,” knurrte er und fuhr mit der Zunge an meinem Schlüsselbein entlang, um mich zu kosten. Mich zu markieren.

“Du gehörst mir. Ganz und gar mir,” entgegnete ich.

Als seine Eichel durch meine glitschigen Falten rutschte und er wohl meine Bereitschaft testen wollte, winselte ich. “Ja. Tu es.”

“Mir.”

Allerdings. Er sollte mich ausfüllen. Gott, wollte er mich vor Lust verrecken lassen? “Mir. Mir. Mir. Du gehörst mir.”

“Bettel,” sein Knurren glich trotzdem einem Befehl.

Als ich die Augen aufriss, starrte er mich eindringlich an; selbst mitten im Paarungsfieber wollte seine Bestie mich dominieren, mich zur Aufgabe zwingen. Und mich durchficken, sollte das mich nicht noch geiler machen. Ich konnte kaum Luft holen. Mein Herz stand kurz davor in meinem Brustkorb zu explodieren und wie ein Feuerwerk in die Luft zu gehen.

“Bitte,” hauchte ich, als sein Schwanz an meinen begierigen Eingang klopfte.

“Mir, bis zum Tod.”

Das waren heftige Worte. Wie ein Ehegelöbnis, nur sehr viel schwerwiegender. Zwischen Partnern gab es keine Annullierung, keine Scheidung. Es war eine Verbindung auf elementarster Ebene. Mit ihm zu ficken bedeutete weit mehr, als ihn einfach nur zu befriedigen, das wusste ich. Ich war dabei seine Bestie zu besänftigen. Er würde für immer an mich gebunden sein, dieser eifersüchtige, arrogante, beschützerische, dominante Alpha-Mann. Ich hätte dutzende Gründe aufzählen können, um ihm einen Korb zu geben, um mich ihm zu verweigern und jemand anderes zu wählen.

Aber ich wollte ihn. Nur ihn. Ich liebte diesen anspruchsvollen, dominanten Liebhaber. Er sollte mich so feste durchficken, dass ich meinen eigenen Namen vergessen würde. Ich wollte nicht nachdenken, sondern spüren. Ich wollte mir um meinen Verbleib nicht länger den Kopf zerbrechen. Einmal in meinem Leben würde ich die Zügel aus der Hand legen. Ich würde ihm gestatten, sich meiner anzunehmen. Ich würde mich unterwerfen.

Bei der Vorstellung schmolz mein Körper nur so dahin. Ja. Ich wollte, dass er die Kontrolle übernahm und meinen ewig kreisenden Verstand dazu zwang, endlich Ruhe zu geben. Ich wollte endlich etwas fühlen.

“Steck ihn rein. Bitte.” Ich verlagerte meine Hüften, bis er etwa zwei Zentimeter in mich hineinglitt. Selbst dieses kleine Stückchen öffnete mich, dehnte mich auseinander. Klar, ich würde zerbersten, wenn sein gesamter Schwanz in mir drin sein würde. Ich hätte abhauen und mich nicht weiter auf ihn draufschieben sollen.

“Jetzt,” sprach ich, meine Hände waren über den Handschellen zu Fäusten geballt. Wie ein Festschmaus war ich vor ihm ausgebreitet. “Jetzt,” ich wiederholte die Forderung und schrie auf, als er mit einem langen, glatten, festen Stoß in mich hineinglitt.

“Mir,” knurrte er.

Ich warf den Kopf in den Nacken, während er mich auseinander dehnte. Der lustvolle Schmerz befeuerte meinen ersten Orgasmus und er starrte mich an wie ein Raubtier, er beobachtete mich und blickte mir schonungslos in die Augen, als meine Muschi sich wie eine Faust um ihn zusammenzog, pulsierte und zupackte, während mein gesamter Körper erbebte.

Gott. Mehr davon. Ich brauchte mehr. Er zog heraus und rammte mit einem festen Hüftstoß tief in mich hinein und mein Rücken klatschte gegen die Wand.

“Miss Simmons.” Aus der Ferne vernahm ich eine weibliche Stimme, ignorierte sie aber, als meine Bestie mich mit einem derben Grölen ausfüllte.

Ja, es war so gut. Ich liebte seinen Schwanz. Brauchte ihn. Er zog heraus, dann füllte er mich erneut … ja!

“Miss Simmons!” Wieder diese Stimme. Aufdringlich. Verärgert. Wer auch immer sie war, konnte sie denn nicht sehen, dass ich hier gerade beschäftigt war?

Ich schüttelte den Kopf und konzentrierte mich auf die Wand hinter mir, die riesigen Atlanischen Hände an meinen Hüften und seinen Schwanz zwischen meinen Schenkeln. Das scharfkantige Kneifen der Handschellen nötigte meinen Körper dazu, seine Aufmerksamkeiten zu akzeptieren, meine Lust zu akzeptieren, den Adrenalinstoß zu akzeptieren, als ich mich unter sein Kommando begab. Ich gehörte ihm. Total. Komplett. Ihm.

Sein enormer Schwanz zog heraus. Dann rammte er tief in mich hinein. Gott. Er war dermaßen groß. So hart. Es war an der Schmerzgrenze und ich liebte es.

“Megan?” Wieder diese Frauenstimme, diesmal klang sie genervt. Ich ignorierte sie. Ich wollte sie nicht. Ich wollte ihn. Seinen Schwanz. Seine riesigen Hände. Seine Hitze.

“Megan! Aufwachen, Soldat!”

Oh, die Stimme wurde jetzt böse, aber das war egal. Ich schüttelte den Kopf und biss meine Lippe, während mein Partner mich heftig durchfickte. Ich war kurz davor, noch einmal zu kommen. Gott, gleich war es soweit—

“Machen sie den Neuronenstimulator klar. Sie wacht nicht mehr vom Test auf.”

Test?

Dieses Wort befeuerte mein Erinnerungsvermögen. Die Doktorin. Das Raumschiff. Als mein Verstand diesem Schlitterpfad folgte, verblasste der Rest. Er verblasste. Ich wollte mich an ihm festhalten, das sinnliche Vergnügen festhalten, aber die Sinneseindrücke verschwanden aus meinem Geist wie Sandkörner, die von einer Windhose davongetragen wurden. Ich öffnete die Augen und blinzelte. Keine Spur von einem sexy Alphatypen, der mich gegen die Wand fickte, als wäre ich seine Lieblingsspeise. Es war überhaupt kein Mann in Sicht.

Was so ziemlich mein Leben in letzter Zeit zusammenfasste. Zumindest, was mein Sexleben anbelangte. Ich war auf einem Schlachtschiff und von lauter Männern umgeben, tausenden davon. Aber seit über einem Jahr hatte ich keinen Sex mehr gehabt und mein Körper ließ sich mit dem kleinen Vorgeschmack, der mir eben zuteil geworden war, nicht zufriedenstellen. Ich wollte mehr. Was natürlich ganz toll war, denn ich würde keine Action bekommen. Zumindest nicht in den nächsten Tagen.

“Oh, gut.” Die Frauenstimme gehörte zu Doktor Moor. Ich erkannte ihr dunkelbraunes Haar und ihr freundliches Gesicht, als es über mir schwebte. Sie war eine Atlanin, was bedeutete, dass sie menschlich aussah, so ziemlich jedenfalls, außer dass sie über eins achtzig groß war und ihre Schultern breiter waren als bei den meisten Rugbyspielern. Die Atlanischen Kriegsfürsten waren riesige Typen, also überraschte es mich nicht, dass die Frauen dementsprechend auch groß waren. Sie trug die übliche grüne Ärzteuniform, ihr Haar war zu einem kurzen Bubikopf getrimmt, was ihre großen braunen Augen hervorstehen ließ. Sie sah umwerfend aus. Wichtiger aber war, dass sie so nett war. Weswegen ich zu ihr gekommen war, um den Test für das interstellare Bräute-Programm zu machen. Auf keinen Fall würde ich einen dieser Prillon-Doktoren über mir herumlungern haben wollen, während ich einen intensiven Sextraum durchlebte, der möglicherweise auch noch einer ihrer Art mit einbezog.

Nie im Leben. Never. Doktor Moor passte mir hervorragend. Genau wie der Traum.

Ich blickte mich um und erkannte die dunkelgrünen Streifen wieder, welche die Wand verzierten, die Untersuchungsstühle, die so aussahen wie die beim Zahnarzt aus meiner Kinderzeit. Da lag ich und kam mir ganz klein vor. Diese Geräte waren konzipiert worden, um riesigen Alien-Kriegern Platz zu bieten, die Atlanen und Prillonen waren mit ihren fast zwei Meter zehn die größten. Und im Bestienmodus? Die Atlanen schafften es dann bis auf zwei Meter fünfzig oder zwei Meter siebzig, genau wie Der unglaubliche Hulk, nur ohne grüne Hautfarbe. Sie waren riesengroße, brutale, effiziente Killer, und verdammt sexy. Für mich zumindest. Nichts machte mich glücklicher, als staunend dabei zuzusehen, wie ein Bataillon Atlanischer Kriegsfürsten ins Schlachtfeld ausschwärmte und die feindlichen Hive-Soldaten buchstäblich mit bloßen Händen in Stücke riss.

Ich hatte also ein leicht gewalttätiges Temperament. Mit dieser Seite hatte ich schon vor langem Frieden geschlossen, nämlich als ich zur Armee ging. Friedensmärsche und Blumengirlanden waren nun mal nicht jedermanns Sache. Zumindest nicht in meiner Familie. Aber ich war mehr als gewillt, für die Pazifisten zu kämpfen und zu sterben. Man musste mir nur eine Knarre oder eine Ionenpistole in die Hand drücken und mich auf die Bösewichte loslassen. Terroristen auf der Erde. Hive-Drohnen im Weltall. Für mich waren sie alles das gleiche. Böse blieb böse. Im Kampf gegen sie fühlte ich mich stark. Ich fühlte mich als Teil meiner Familie. Mein Vater und meine beiden Brüder waren beim Militär. Deswegen ging auch ich zum Militär, obwohl ich ein Mädchen war. Eine halb schwarze, halb irische Tussi aus Boston.

Mit meinem Gewehr konnte ich ziemlich gut umgehen.

Außerdem war ich die Einzige, die von der Erde zur Koalitionsflotte gewechselt war. Meiner Mutter war das aber ziemlich egal gewesen. Fast zwei Jahre lang hatte ich gegen die Hive gekämpft—meine Dienstzeit war fast vorbei—und dabei echt verrückten Scheiß erlebt. Ich war kein schwaches Mädchen. Ich war eine starke Frau, die sich nicht nur mit den Hive anlegte, sondern sie köderte, ihnen Fallen stellte. Sie tötete. Ihre Anführer tötete. Die sich hinter die feindlichen Linien schlich und die Integrationseinheiten von den wehrhaften Hive-Soldaten und Aufklärungseinheiten weglockte. Seit Monaten hatten wir es auf die Integrationseinheiten abgesehen, also jene Drohnen, die für die Folter und Assimilierung ins Hive-Kollektiv ihrer Gefangenen verantwortlich waren. Jetzt aber hatte ich einen größeren Fisch an der Angel. Einen streng geheimen Fisch.

Wir machten Jagd auf ihre zentralen Kommunikationseinheiten, die Nexus-Einheiten. Vor ein paar Tagen hätten wir fast eine geschnappt. Aber uns fehlten wichtige Informationen. Sie wurden von einem Dutzend erstklassiger Hive-Soldaten bewacht; große, robuste Bastarde, die schwer kleinzukriegen waren. Beim letzten Einsatz wäre ich beinahe draufgegangen und die Hive-Einheit hatte die restlichen Krieger meiner Truppe erledigt, bevor ich irgendetwas dagegen ausrichten konnte. Wir waren an eine der kleineren Nexus-Kreaturen herangekommen, hatten sie getötet. Aber die Daten in dem Ding waren geröstet worden. Es war wertlos. Drei tote Koalitionskrieger … und das alles umsonst.

Ich konnte das nicht auf sich beruhen lassen, deswegen würde ich dorthin zurückgehen. Morgen. Der innere Geheimdienst, also die Elitekräfte der Koalition, die den Geheimdiensteinsatz in diesem Krieg koordinierten, hatten mir ein Team aus fünf top-ausgebildeten Killern zugewiesen, um sie morgen in diese Schlucht zu führen. Diesmal würde ich nicht versagen. Meine letzte Mission würde kein Reinfall werden. Sollte ich jetzt einen Rückzieher machen, dann würde mir für immer die missbilligende Stimme meiner Mutter in den Ohren liegen. “Warum kannst du nicht stark sein, wie deine Brüder?” und “Hör mit dem Geheule auf, kleines Miststück. Du klingst wie ein Mädchen.” Und mein persönlicher Favorit: “Bei Jesus, Maria und Josef, du wärst besser nie in diese Familie hineingeboren.”

Die Doktorin geisterte um mich herum, während ich mit Erinnerungen überschwemmt wurde. Nicht mit Erinnerungen an wüste Hände und Verlangen, sondern an Schläge ins Gesicht, wenn meine Mutter betrunken war und Worte, die so tiefe Wunden schnitten, dass ich nicht mehr glaubte, dass mein Herz je zu bluten aufhören würde.

Mein Vater war ein hochgewachsener, starker Afroamerikaner, er war knallhart und fürsorglich. Zu Hause liebte er uns alle und ich vergötterte ihn mit einer Inbrunst, die noch immer mein Rückgrat zu einer Stahlkolonne werden ließ. Meine Mutter war damals besser, glücklich. Aber er starb, als ich neun war und sie hatte sich nie davon erholt. Sie begann, Whisky wie Wasser herunterzuspülen und je mehr sie trank, desto gemeiner wurde sie. Mein Vater war tot. Schon seit langer Zeit. Meine Brüder waren ein Paar taffe Arschlöcher, sie waren immer noch auf der Erde, dienten immer noch ihrem Land. Ich hatte keine Ahnung, wo sie sich aufhielten. Afghanistan? Syrien? Afrika? Wer weiß, vielleicht waren sie gerade dabei, in der Antarktis Eiswürfel auszuscheißen. Etwa zweimal im Jahr bekam ich eine Nachricht von meinem jüngsten Bruder, in der er mich wissen ließ, dass sie alle noch am Leben waren. Selbst Shirley. Shirley Simmons. “Mutter” kam mir nicht so einfach über die Lippen und das wusste er.

Ich war von roher Stärke umgeben. Knallharten Männern. Dicken Panzerungen. Mächtigen Waffen. Ich trainierte, um meinen Geist und meinen Körper zu stählen. Ich war fast eins achtzig groß. Ich war es nicht gewohnt, mich klein oder verletzlich zu fühlen, aber als ich in diesem verfluchten Stuhl saß, kam ich mir vor wie ein kleines Püppchen. Ich war einen Kopf größer als die durchschnittliche Erdenfrau, aber hier? Hier kam ich mir vor wie ein Knirps, der am Erwachsenentisch saß und mit den Füßen baumelte, weil sie den Boden nicht erreichten.

Zum Glück aber wussten die Befehlshaber der Koalitionsflotte, wie sie sich meine Größe und List zunutze machen konnten. Und die morgige Mission meines Teams war der Beweis dafür. Manchmal war es besser, es dem Skorpion statt dem Löwen gleichzutun. Klein aber tödlich. Das war mein Motto. Zum Teufel, das war so ziemlich das Motto aller Menschen hier draußen in den Tiefen des Weltalls. Wir waren zwar nicht so groß wie manch andere Alienrassen, aber wenn es sein musste waren wir verdammt gemein. Es war eine Frage des Stolzes. Für mich war es meine persönliche Mission.

“Megan, hören sie mich?” Die Doktorin beugte sich über mich und leuchtete mir mit einer dieser blöden Lampen in die Augen und ich verzog das Gesicht. Viel zu hell.

“Ja, leider.” Ich wollte den großen Mann, seinen enormen Schwanz. Ich wollte mich hübsch und feminin und begehrenswert fühlen. Stattdessen aber stand mir eine weitere Mission bevor, ein weiterer Einsatz in schwerer Panzermontur und Helm, von Kopf bis Fuß mit Dreck bedeckt, um Dinge zu töten. Einmal mehr.

Reiß dich zusammen!

Das war praktisch mein Familienmotto und ich hatte es verinnerlicht. Diese drei Worte hatten mich durch mörderische Trainingsstunden gebracht, durch Schmerzen, und als ich mehr als einmal in den vergangenen zwei Jahren in feindlichen Gebieten festsaß. Mir war kalt und heiß gewesen, ich war ausgehungert und mit Schweiß, Blut und allen erdenklichen Körperflüssigkeiten besudelt gewesen sowie mit Zeugs, dass ich mir vor meiner Reise ins Weltall nie hätte ausmalen können. Im verfickten Weltall. Als ich innehielt und darüber sinnierte, dass ich gerade in einer Blechbüchse in einer weit, weit entfernten Galaxie herum schwebte, flippte ich immer noch aus. Also beschloss ich nicht darüber nachzudenken.

Die Doktorin knipste den LeuchtStab aus und ich konnte wieder sehen. Als ich zu ihr aufblickte, nickte sie zufrieden. “Gut. Ich wollte ihnen ungern einen Neurostimulator injizieren.”

In der Hand hielt sie einen kleinen, grünen Zylinder, der meiner Erfahrung nach schlimmer piksen konnte, als jede Art Nadel zuhause. Sicher, das Ding hatte überhaupt keine Nadel. Aber das bedeutete, dass der Wirkstoff mit irgendetwas anderem durch die Haut befördert wurde. Keine Ahnung wie es funktionierte. Ich wollte es auch gar nicht wissen. “Nein, Danke. Halten sie das Ding bloß fern von mir.”

Die Doktorin kicherte und überreichte den Zylinder einem Assistenten. Der nahm das Dosiergerät und huschte davon, als wäre er in eine äußerst vertrauliche Unterhaltung hineingeplatzt. Was auch der Fall war. Und dieser Gedanke brachte mich ratzfatz zurück zur Realität. Ich war wieder vollkommen anwesend. Kein Traummann. Kein Traumschwanz. Keine Neckereien, kein Aufgereize oder Scharfgemache. Kein unglaublicher Orgasmus.

Ich befand mich im Testzimmer für Bräute im Sanitätstrakt auf dem Schlachtschiff Karter. Scheiße. Viel lieber würde ich zurück nach Fantasia gehen, mit einem sehr dominanten Mann, der genau wusste, was er mit seinen Händen anstellen musste, und mit seinem Schwanz. Es war schon viel zu lange her, seitdem ich etwas anderes als meine eigenen Finger zwischen den Beinen gespürt hatte.

“Habe ich geschrien?” Ich spürte, wie meine Wangen heiß wurden. “Bitte, sagen sie mir, dass ich nicht geschrien habe.” Ich würde mich mit meiner Ionenpistole erschießen, sollten die Männer auf der Krankenstation mich im Traum vor Lust kreischen gehört haben.

“Sie haben nicht geschrien.” Sie grinste und zwinkerte mir verschwörerisch zu. “Ich bin nie getestet worden, aber alle Bräute, die es gemacht haben, hatten immer eine sehr erregende Erfahrung.”

Sie war ein paar Jahre älter als ich. Sie mochte zwar nicht so wie ich als Braut getestet worden sein, aber mit den goldenen Armbändern an ihren Handgelenken war sie unverkennbar mit einem Atlanen verpartnert, also kannte sie sich aus mit den autoritären Atlanischen Männern. Und mit großen Schwänzen. Und, basierend auf meinem Traum, den Handschellen und dem gigantischen Mann, der mir das Hirn rausvögelte, würde ich genau das bekommen.

Der Gedanke an einen Atlanischen Partner gab mir Gänsehaut und meine Muschi verkrampfte sich, als ich einer Hitzewallung erlag. Dass mein Unterbewusstsein einen dieser riesigen, brutalen Krieger wollte, hätte mich verwundern sollen, tat es aber nicht. In den vergangenen zwei Jahren, in denen ich an der Seite der Koalitionsstreitkräfte gekämpft hatte, waren mir viele Atlanen begegnet und sie alle waren erste Sahne gewesen. Dominant. Herrschsüchtig. Lästig. Sie hatten nichts gegen Frauen, waren weder respektlos noch chauvinistisch. Nein, im Gegenteil. Sie waren einfach extreme Alpha-Männer. Überbehütend. Anspruchsvoll. Gnadenlos.

Ich zitterte, dieses eine Wort ließ meine Haut kribbeln. Gnadenlos. Mit ihren Feinden kannten sie keine Gnade. Und schockiert musste ich feststellen, dass ich im Bett keine Gnade kennen wollte.

2


Megan

Mein tiefstes, dunkelstes Verlangen war also der Wunsch nach einem dominanten, fordernden Liebhaber. Schön. Aber abgesehen davon? Die Atlanen konnten von mir aus mit ihrer herrischen, überheblichen Art auf diesem Raumschiff herumstapfen, sollten sich ihr Getue aber für jemanden aufheben, der an die Decke sprang, sobald sie murrten. In anderen Worten, nicht mit mir.

Einer insbesondere erweckte in mir den Wunsch nach Atlanischer Körperkraft, weil ich ihm den Kopf abreißen wollte. Kriegsfürst Nyko. Sollte Doktor Moors Partner auch nur annähernd wie dieser nervtötende Krieger, der mich jedes Mal auf die Palme brachte gestrickt sein, dann war es ein Wunder, dass sie ihn nicht im Schlaf getötet hatte. Vielleicht hatte sie das ja getan und das war der Grund, warum sie lächelte und immer so freundlich war.

Ich saß auf dem Untersuchungsstuhl und trug meine komplette Panzeruniform. Zum Glück versteckte die schwere Panzerung meine aufgestellten Nippel. Wie ich gehört hatte, mussten die Frauen auf der Erde einen Krankenhauskittel anziehen. Als ob ich sowas mit mir machen lassen würde.

Sobald ich hier fertig war, müsste ich in meine Koje gehen und meinen Schlüpfer wechseln. Er war klatschnass. Wegen eines imaginären Partners, der gerne das Sagen hatte. Warum hatte mich das dermaßen heiß gemacht? Warum war ich davon gekommen? Meine Muschi flimmerte immer noch, obwohl es nur ein Traum gewesen war.

Ich konnte Doktor Moor nichts vormachen. Sie wusste, was Sache war. Sie hatte mitgehört. Außerdem war sie eine Frau und von Zeit zu Zeit tat es mir gut, mit einer zu reden. Keine Männer. Kein Testosteron.

“Es war ein Traum und es war … geil.” Ich atmete tief durch und ließ es raus. Dann setzte ich mich auf und klatschte die Handflächen auf die Armlehnen des Stuhls. “War's das? Bin ich fertig?”

Ihr dunkles Haar wirkte geschmeidig, es leuchtete im grellen Licht der Krankenstation und ihre grüne Uniform betonte ihre olivfarbene Haut. “Ich habe ihnen gesagt, dass es schmerzfrei und einfach ablaufen würde. Ein kurzes Nickerchen, ein heißer Traum und sie sind verpartnert.” Der Plan schien sie zufrieden zu stellen und am Ende schnippte sie sogar mit den Fingern. “Mir macht es auch Spaß.” Sie zwinkerte mir zu und ich musste zurückgrinsen. “Das Testen gibt mir eine Gnadenfrist, bevor ich wieder in die Notaufnahme muss, um die Verletzten auszusortieren.”

Ich wusste, welches Grauen sie damit meinte, denn ich hatte es zwei Jahre lang mit eigenen Augen gesehen.

“Sie müssen nur noch zwei Tage durchhalten,” fügte sie aufgemuntert hinzu. Offensichtlich wollte sie nicht erwähnen, was mir alles zustoßen könnte, wenn ich wieder in den Kampf ziehen würde. Die Kampfeinsätze wurden nicht zurückgefahren, obwohl ich so nahe am Ende meiner Dienstzeit war, dass ich es förmlich riechen konnte.

Zwei Tage. Noch eine Mission. Ich musste nur die nächsten achtundvierzig Stunden überleben und dann würde mein Dienst vorüber sein. Ich würde in die Kommandozentrale gehen, dieses Ding aus meinem Kopf entfernen lassen und verschwinden. Seit meinem allerersten Kampfeinsatz hatte ich mir das Ende herbeigesehnt, hatte ich die Monate, Wochen, Tage gezählt, bis ich fertig sein würde. Eine Veteranin und frei, wieder nach Hause zu gehen. Aber als der Tag meiner Entlassung näher rückte, erschien mir Boston immer weniger verlockend. Meine Mutter würde mich immerzu daran erinnern, dass ich weder achtbar noch männlich war. Genau, ich würde in Pension sein, würde meinen Dienst absolviert haben und das schneller als die meisten, denn die Verpflichtung bei der Koalition belief sich nur auf zwei Jahre. Ich hätte lebenslange Zuschüsse und ein nettes Gehalt bekommen. Trotzdem, ich würde es mit meiner Mutter aushalten müssen und einem Planeten voller Leute, die keine Ahnung hatten, was hier draußen im Weltall wirklich abging.

Verdammt, ich musste überhaupt nicht nach Hause gehen und mir das Gemecker meiner Mutter anhören. Ein paarmal im Jahr redete ich mit meinem Bruder und jedes Mal erwähnte er sie und ließ mich wissen, was sie so machte. Aber wann immer ich mit ihr in Verbindung trat, wirkte ihr überdimensioniertes Gesicht auf dem Bildschirm enttäuscht und hinter jeder ihrer subtilen Beleidigungen konnte ich den Whisky sprechen hören.

An den meisten Tagen fragte ich mich, warum ich mir überhaupt noch die Mühe machte, ihr zu gefallen. Und das war ein endloses, trostloses Thema, in das ich mich jetzt nicht hineinbegeben wollte.

Nein. Zur Erde zurückzukehren war nicht besonders verlockend. Mein Vater war immer noch tot. Meine Brüder waren in der Armee, immer noch damit beschäftigt, die Welt zu retten. Aber nichts was ich tat, schien meine Mutter zu jucken. Niemals war ich so gut wie ihre Jungs.

Ich rettete das gesamte Universum, aber das war egal.

Was sollte ich zu Hause auch anfangen? Als Veteranin würde ich gewisse Vorteile genießen, aber wozu? Sie hatten uns gewarnt und uns eingebläut, dass wir nichts von dem, was wir gesehen und gemacht hatten, den Leuten auf der Erde preisgeben durften, verängstigten, panischen Menschen, die von alldem nichts verstehen würden. Also konnte ich noch nicht einmal darüber reden, was hier draußen alles passierte. Meine Mutter würde es sowieso nicht interessieren. Und welcher Mann auf der Erde würde eine Koalitionsveteranin zur Braut haben wollen? Verdammt, auch nur zur Freundin? Welchen Beitrag zur Gesellschaft würde ich wohl leisten können, in Podunk, Texas? Nix.

Zumindest hatte ich im Kampf einen kühlen Kopf bewahrt, ich war am Leben geblieben und hatte sogar einige Kameraden gerettet. Ich mochte nur ein Zahnrad in einem großen Getriebe sein, aber ich wurde gebraucht. Nun, sie brauchten Wahnwitzige wie mich. Nicht jeder war bereit, sich Hive-Technologie ins Gehirn einpflanzen zu lassen.

Beknackt? Wohl wahr. Aber gerade eben hatte ich zugesehen, wie eine ganze Einheit menschlicher Krieger ausgelöscht wurde, und zwar bei einem Manöver, das die Hive gar nicht hätten auf die Beine stellen dürfen. Und auf dem Hügel hatte ich diesen blauen Mistkerl zusammen mit seinen blauhäutigen Freunden gesehen. Ich war eine der wenigen, die je einen Nexus in Aktion zu Gesicht bekommen hatte. Ich war nahe an ihn herangekommen, ausreichend nahe, um einen tödlichen Schuss abzufeuern. Ich hatte ihn getroffen, dabei aber die eine Sache pulverisiert, die der Geheimdienst haben wollte, die er brauchte, um diesen Krieg zu gewinnen. Diese Nexus-Soldaten hatten eine Art Rechnereinheit, die direkt mit der Kommandozentrale der Hive verlinkt war und die den restlichen Hive in der Umgebung Befehle übermittelte. Sie waren wie Sendeantennen, Kommandanten, sollten die Hive über solche Ränge verfügen. Und die Koalitionsflotte brauchte eine dieser Rechnereinheiten, damit sie den Code knacken, die Transmissionen stören und feindliche Kommunikationen abhören konnte.

Wir brauchten eine davon und ich würde sie holen. Morgen. Und anschließend würde ich meinen Lohn erhalten … einen heißen Brummer von einem Alien, der mich im Stehen durchficken würde und mich jeden verdammten Kampf, den ich je gekämpft hatte, vergessen lassen würde, jeden Freund, dem ich beim Sterben zugesehen hatte. Verdammt, ich würde mir endlich etwas Glück gönnen.

Würde ich also zur Erde zurückkehren? Nie und nimmer. Hier draußen aber, in der Koalition, könnte ich einen Partner finden. Als Krieger im Dienste der Flotte konnte ich als interstellare Braut abgefertigt werden. Auf dem Schlachtschiff hatte ich Frauen mit ihren Partnern gesehen, sie um ihre offenkundige Verbindung beneidet. Sie alle waren, ob Atlane oder Prillone, auf eine kaum vorstellbare Weise miteinander verbunden. Verpartnerte Männer gingen niemals fremd. Zum Teufel, sie schauten sich nicht einmal um.

Genau das wollte ich. Ich brauchte es, eine Bindung. Wurzeln. Etwas. Also hatte ich dem Testvorgang zugestimmt—einem Vorzug, den alle Krieger genossen, wenn sie ihre Dienstzeit absolviert hatten. Aber dieser Traum? Ich musste mich fragen, ob ich den Test überhaupt bestanden hatte. Vielleicht war das alles ein gewaltiger Fehler. Ich hatte keine besondere Vorliebe für die dominanten Atlanen. Also, vielleicht hatte seine dominante Art mich während des Traums angetörnt. Verdammt, das hatte sie. Aber sonst? Nein. Auf dem Schlachtfeld waren sie top, riesige, klotzige Bestien, die durch die Hive-Formationen hindurchbrachen, als wären die aus Pappe. Aber, mit einem von denen reden? Den Rest meines Lebens mit einem zusammenleben? Nee. Das waren arrogante, herrschsüchtige …

“Megan?”

Die Doktorin starrte mich an und mir dämmerte, dass sie mit mir sprach. Ich hatte kein Wort gehört. “Tut mir leid. Was haben sie gesagt?”

“Ich sagte sie haben nur noch zwei Tage übrig. Sie haben zwar den Test absolviert, weil sie aber immer noch im Dienst stehen, kann ich sie noch nicht verpartnern. Dem Protokoll nach darf ich sie erst verpartnern, wenn sie entweder einwilligen oder ihren Dienst als Koalitionskrieger beendet haben.”

Ich verstand, was sie mir da so diplomatisch vermitteln wollte. Sollte ich verpartnert werden und im Kampf ums Leben kommen, dann wäre das meinem Partner gegenüber äußerst unfair. Wer würde schon verpartnert werden und sein Match noch vor dem ersten Kennenlernen im Kampfe verlieren wollen?

Bei der Vorstellung runzelte ich die Stirn. “Also bin ich noch nicht verpartnert.”

Sie schüttelte den Kopf. “Noch nicht. Es sei denn, sie wollen ihren Dienst als Krieger jetzt schon beenden. Die Möglichkeit besteht.”

Ich hielt die Hand hoch. “Nein. Jetzt nicht. Ich muss noch ein paar Tage in einem Stück überstehen, wachsam bleiben und mich nicht von den Hive schnappen lassen.” Und wenn ich erfahren würde, wer er war, dann würde ich nicht länger an meine Mission denken. Ich würde nur an ihn denken. An seinen Körper. Seinen Mund. Seine Hände. Gott, seinen Schwanz …

Sie neigte den Kopf zur Seite und kaute auf ihrer Lippe. “Wie gesagt, sie können der Verpartnerung jetzt schon zustimmen. Ein Knopfdruck genügt. Sie akzeptieren das Match und scheiden aus dem aktiven Dienst aus. Bräute werden nicht in den Kampf geschickt. Sie müssten nicht mehr in Deckung gehen oder sich Sorgen machen, von einer Ionenkanone getroffen zu werden und an einem Stück zu bleiben. Keine Gefechte mehr, Megan. Keine Hive.”

Jede Koalitionskämpferin die verpartnert wurde und das Ergebnis des Bräute-Tests akzeptierte, wurde automatisch aus dem Dienst genommen und ins Programm für interstellare Bräute transferiert. Ich sah ihre Hand auf dem Tablet, wahrscheinlich kreiste er über der Schaltfläche mit der Aufschrift Einwilligen.

Obwohl die Vorstellung verlockend war, schüttelte ich den Kopf. Ich konnte meine Einheit jetzt nicht im Stich lassen. Ich hatte mich entschieden—mein andauernder, pulsierender Kopfschmerz war der Beweis dafür. Eine letzte Mission hatte ich vor mir, einen blauen Mistkerl, den ich ausschalten musste. Milliarden Leben auf hunderten Planeten waren eventuell von mir abhängig. Müsste meine Mutter diesbezüglich nicht einen verdammten Hirnschlag bekommen?

Ich blickte zu ihr auf und legte meine Hand auf ihr Handgelenk, damit sie innehielt. “Das kann ich meinem Team nicht antun. Ich kann ein paar Tage lang warten. Wie sie gesagt haben, niemand wartet gerade auf mich.”

Dann stand ich auf, ergriff meine Ionenpistole und steckte sie mir ins Holster am Oberschenkel. Ich mochte gerade einen der besten Orgasmen meines gesamten Lebens gehabt haben, aber ich war immer noch ein Koalitionskämpfer, blieb immer noch ein Mitglied des Geheimdienstes. Mein Partner würde einsehen müssen, dass meine Pflicht zuerst kam. Zum Teufel, wenn es wirklich das perfekte Match war, dann würde er es auch verstehen.

Sie lächelte bedrückt. “Gut. Ich werde in ihrer Akte vermerken, dass sie eine umgehende Verpartnerung abgelehnt haben—”

Daraufhin wollte ich protestieren. Nein, verdammt. Ich wollte das Match. Nur nicht—

“Für den Moment, Megan. Nur für den Moment. Tun sie, was sie tun müssen. Sie werden nicht vor ihrer Rückkehr verpartnert werden. Sie gehen keinerlei Verpflichtungen ein, müssen sich um keinen Partner sorgen.”

“Ich bin immer noch Single,” brachte ich es auf den Punkt.

Sie lächelte. “So könnte man es sagen. Ja, sie sind Single. Unbekümmert. Außer, was die Hive und ihre Mission anbelangt. Passen sie gut auf sich auf und wir sehen uns in zwei Tagen wieder, wenn ihre Dienstzeit vorüber ist.”

3


Kriegsfürst Nyko von Atlan, Sektor 437, Kampfgruppe Karter, Infanterie, Planet Latiri 4

Kleinere, feindliche Aufklärer wuselten in Schwärmen über die Hügel von Latiri 4, wie sie es schon seit über zwei Stunden getan hatten. Egal, wie viele der Bastarde wir auch in Stücke rissen, es kamen immer mehr.

Immer wurden es mehr.

“Rückzug!” Die Stimme des Kriegsfürsten Wulf, unseres Kommandanten, tönte wie ein Kanonenfeuer übers Schlachtfeld; das tiefe Grollen einer vollendeten Bestie. Er war über zwei Meter fünfzig groß, seine Schultern und Arme waren weiter als der Felsbrocken an seiner Seite. Unsere speziell angefertigten Panzeranzüge passten sich unserer Figur, unserem Kampfstil und der Verwandlung, die der Übergang in den Bestienmodus mit sich brachte, mühelos an.

Wie Hammerschläge auf Felsgestein stießen meine Kampfstiefel auf den harten, steinigen Untergrund, als unsere Truppe Atlanischer Bestien auf die letzte intakte Transportplattform zustürmte, um hier verdammt nochmal raus zu kommen.

Wir wurden überrannt und waren zahlenmäßig unterlegen. Der Planet hatte ein Netzwerk aus magnetischen Felsschluchten und Gesteinsbrocken, die unsere Scanner und unser Kommunikationssystem störten. Die Aufklärungsdrohnen hatten die Anzahl der Hive-Kämpfer mindestens um ein Zehnfaches unterschätzt, oder sie hatten Nachschub hineintransportiert, nachdem wir unseren Angriff gestartet hatten. Dass wir im Bestienmodus waren, tat dabei nichts zur Sache. Dass wir jedem Hive, der uns in die Quere kam, den Kopf abreißen konnten—und würden—tat nichts zur Sache. Es waren zu viele. Während die Bestien sich blind in den Kampf stürzten, so benutzten die Atlanen dahinter weiterhin ihren Verstand. Diese Mischung hielt uns am Leben, damit wir einen weiteren Tag kämpfen konnten. Und heute mussten wir uns zurückziehen, uns umorganisieren und mit mehr Waffen, mehr Kämpfern und mehr Panzerung zurückkehren. Sehr viel mehr war nötig.

Wir alle würden sterben, wenn wir hier unten bleiben würden. Ich hatte das schon viele Male erlebt. Wir würden abhauen, neue Pläne schmieden und binnen Stunden wieder auftauchen. Dieser Planet musste wieder von der Koalitionsflotte kontrolliert werden, damit die Hive ihn nicht länger als Ausgangspunkt für Überfälle und Sammelmissionen auf geschützte Planeten in den umliegenden Sonnensystemen missbrauchen konnten.

Die Integrationseinheiten der Hive, also die speziell ausgerüsteten Feinde, die die Gefangenen folterten und ihnen Hive-Technologie injizierten, um ihren Willen zu brechen, würden auf einen anderen Planeten weiterziehen. In ein anderes Sonnensystem. Zur nächsten unterentwickelten oder hilflosen Zivilisation, die bereit war, geerntet zu werden.

Und wir würden ihnen folgen. Wir würden ihnen hinterherjagen, genau wie Karter, jener Prillonische Kommandant, der diese Kampfgruppe anführte. Alle Krieger der Flotte waren aus demselben Grund hier; um ihren Heimatplaneten und ihre Lieben zu beschützen. Um alle Planeten vor den Hive zu beschützen. Die Hive-Zivilisation eroberte nicht, sondern sie verschlang. Sie fraßen alles und jeden, bis nichts mehr übrig blieb. Nicht einmal mehr der Verstand eines Mannes.

Die Kriegsfürsten an meiner Seite, meine Freunde, dienten allesamt einem bedeutsamen, noblen Anliegen. Ich diente, weil mein Ehrgefühl es verlangte und einem Hive-Aufklärer die Arme oder den Kopf auszureißen, schenkte mir eine Art makaberes Vergnügen, gab meinem ansonsten trostlosen Leben eine Art Sinn.

Andere Atlanische Krieger hatten Familie, hatten eine Partnerin, die zu Hause auf Atlan auf sie wartete, um ein neues Leben zu beginnen. Sie hatten Brüder und Schwestern, Eltern und Cousins. Ich hatte nichts, keine Familie, keine Partnerin, keinen Grund weiter zu kämpfen, außer jener Bestien, die an meiner Seite kämpften. Diese Einheit war meine Familie, sie war es seit vier Jahren und ich hatte nicht das geringste Interesse, zu gehen.

Aber mein Körper würde mir einen Strich durch die Rechnung machen. Selbst jetzt, als die Hive ausschwärmten und uns nachstellten, tobte die Bestie in mir. Mit jedem Tag wurde sie stärker. Sie wollte eine Partnerin. Bei mir brach das Fieber aus und schon bald würde ich eine echte Partnerin finden müssen. Oder ich würde sterben.

Schon bald würde sich die Bestie mit ihren Trieben gegen mich wenden und ich würde alles und jeden töten, der mir in die Quere kam, egal ob Freund oder Feind. Das Paarungsfieber brodelte, es vergiftete mein Blut und weder bloße Willenskraft noch eigensinniger Stolz konnten die Bestie bezwingen, die wie ein Monster in meinem Inneren lauerte. Sie kannte nur ihren Paarungstrieb, sonst nichts. Für das Schlachtfeld war sie perfekt, aber zurück auf dem Raumschiff würde sie eine Bedrohung darstellen.

“Hive!” Mein Kumpel Angher rempelte mich mit der Schulter an, als er an mir vorbeirannte, um drei Hive-Soldaten anzugreifen, die neben einem Felsklotz aufgetaucht waren und uns den Weg abschneiden wollten, oder uns von hinten aufgabeln wollten. Sie waren größer und kräftiger als die Aufklärer, die wir die letzten Stunden über zerfetzt hatten.

Es war so viel schwerer, sie totzukriegen.

Meine Bestie brüllte angriffslustig, als ich Ang hinterhereilte; zwei riesige Atlanische Kriegsfürsten am Abgrund, im Blutrausch. Sein prekärer—und unberechenbarer—Zustand war der Grund, warum er vor wenigen Wochen das Testprotokoll fürs interstellare Bräute-Programm durchlaufen hatte. Ich hätte es ihm gleichtun sollen, aber das Fieber hatte mich damals noch nicht so stark im Griff wie heute.

Das Paarungsfieber war jetzt heftiger denn je und ich fürchtete, dass meine Braut mich nicht mehr retten konnte. Wer auch immer sie war. Wo auch immer sie war. Und der tödlichen Rage nach zu urteilen, die mein Kumpel Ang versprühte, würde er vielleicht dasselbe Schicksal erleiden. Man würde ihm eine Braut zuteilen und ihn zügig verpartnern, damit das Fieber vollständig abklingen konnte. Was mich betraf, so würde ich in Gewahrsam genommen und hingerichtet werden, sollte ich nicht bald eine Partnerin finden; ich wäre eine Gefahr für mich selbst und jeden, der sich in meine Nähe wagen sollte.

Nur der Tod konnte eine Atlanische Bestie im Paarungsfieber stoppen.

Der Tod, oder eine Partnerin. Und unverpartnerte Frauen waren innerhalb der Flotte eine Seltenheit, diejenigen, die auf den Raumschiffen lebten, waren entweder verpartnert oder es handelte sich um Soldatinnen, die so verdammt widerspenstig waren, dass ich jedenfalls nichts mit ihnen zu tun haben wollte. Eine insbesondere hatte mir schon mehr als eine schlaflose Nacht beschert, weil ich dermaßen wütend auf sie war.

Megan Simmons. Sie war ein Mensch und seit zwei Jahren als Koalitionssoldatin in der Kampfgruppe. Vom Rang her war sie ein Captain, aber sie wechselte ständig von Einheit zu Einheit, immer auf dem Sprung. Sie war aufsässig und labil und schien ziemlich geheimniskrämerisch. Zuletzt war sie zusammen mit Captain Seth Mills in der ReCon-Einheit 3 unterwegs. In den letzten Monaten haben wir sie mehr als einmal eskortiert und beschützt. Jedes Mal hatte es den Anschein, als wollte sie absichtlich meine Geduld auf die Probe stellen. Selbst Seth, ein Mensch, den ich schätzte und respektierte und dessen Schwester mit einem meiner Atlanischen Brüder verpartnert war, konnte sie nicht im Zaum halten. Er würde ein böses Gesicht machen oder grinsen, sie aber nicht davon abhalten, mir oder sonst wem an Bord des Schiffs frech zu kommen.

Viele Male schon wollte ich dieser kleinen Frau den Hintern versohlen, um ihr ein bisschen Vernunft beizubringen, aber sie gehörte nicht mir und würde es auch nie. Den Göttern sei Dank. Diese Frau bedeutete nichts als Ärger. Sie und ihre Einheit waren jetzt ohne Zweifel auch hier irgendwo unterwegs, sie durchkämmten die Felsschluchten, um versteckte Feinde aus ihrem Hinterhalt zu scheuchen.

Letzte Woche war sie sogar über ein Hive-Trio gestolpert und hatte versucht es eigenhändig zu töten. Ohne die Hilfe eines Atlanen. Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Sie und ihre Einheit waren kaum mehr als ein Selbstmordkommando und keiner dieser starrsinnigen Erdlinge schien diese Tatsache einsehen zu wollen. Scheißegal, wenn sie drauf gingen. Insbesondere diese Megan Simmons.

Trotzdem wurde ich ganz wild vor Verlangen danach, sie übers Knie zu legen und ihr deutlich zu machen, dass sie sich umbringen wird. Keine Ahnung, warum ihre Fahrlässigkeit mich dermaßen anpisste. Keine Ahnung, warum ich mehr auf sie achtete, als auf jeden anderen Koalitionskämpfer, egal, ob männlich oder weiblich. Keine Ahnung, warum ich ausgerechnet ihr für ihre Waghalsigkeit den Arsch versohlen wollte.

Irgendetwas stimmte nicht mit mir. Meine Bestie war dabei mich um den Verstand zu bringen, insbesondere, wenn es um Megan Simmons ging. An manchen Nächten würde ich zur Decke starren und an ihre dunkle Haut und ihr schwarzes Haar denken, an die üppige, ausgereifte Rundung ihres Arsches. Sie war groß und muskulös. Kraftvoll für eine Frau.

Schon immer wollte ich eine Partnerin, die sich mir unterwirft, eine sanftmütige, liebevolle Frau, deren Berührungen meinen Körper und Geist besänftigen würden.

Megan Simmons stellte alles und jeden, der ihr über den Weg lief, infrage, egal, ob Atlane, Prillone oder Erdling. Nie konnte sie die Klappe halten und sie war vollkommen furchtlos. Leichtsinnig. Verrückt.

Und dieser Gedanke ließ meinen Schwanz hart wie Stein werden, selbst als ich mich gegen die Vorstellung zur Wehr setzte. Atlanische Frauen zogen nicht ins Gefecht. Sie legten sich weder mit Vorgesetzten an, noch gingen sie zum Angriff über. Sie waren da, um die Bestien in ihren Partnern zu besänftigen, um uns vor dem Durchdrehen zu bewahren, wenn unser Verstand nur noch töten oder ficken wollte.

“Nyko?” Kommandant Wulfs Aufschrei ließ mich kurz halt machen. Fast hatte ich die Hive vor mir erreicht, Ang war mir einen Schritt voraus.

“Los!” Meine tiefe Stimme dröhnte über den Rest unserer Einheit hinweg und Wulf lächelte mir zu, seine Bestie gierte offensichtlich nach mehr Chaos und Zerstörung, als die Männer uns beiden die drei feindlichen Soldaten überließen. Unsere restliche Einheit zog weiter und näherte sich der letzten Transportplattform. Wir mussten von diesem verdammten Planeten runter. Sofort.

Ich wandte mich wieder den Hive-Soldaten zu und ihre verschreckten, silbrigen Augen blickten zu uns auf, als Ang einen von ihnen am Nacken packte und ihn einhändig vom Boden hob. Angs andere Hand fand seinen Hinterkopf und in wenigen Sekunden würde er enthauptet sein. Ang war geübt darin, ihre Körper in Stücke zu reißen. Er hatte letztes Jahr seinen Bruder an die Hive verloren und sein Hass befeuerte die Raserei seiner Bestie, eine Wut, die auch so schon extrem schwer zu kontrollieren war.

Mein Angriffsziel zückte seine Waffe und feuerte wutentbrannt, als ich näher kam. Der Schuss versengte meine Brust und ich spürte atemberaubende Hitze, als ich ihn endlich erreichte.

Für Angs Spielchen blieb mir keine Zeit, denn der dritte Soldat zückte seine Waffe und feuerte ebenfalls auf mich.

Meine linke Schulter schmerzte und ich wusste, dass ich den ReGen-Stab in meinem Kampfrucksack benötigen würde, um wieder voll einsatzfähig zu sein. Aber meine Verletzungen konnten warten. Ich hatte Schlimmeres erlebt. Sehr viel Schlimmeres.

Ich packte den nächststehenden Hive am Kopf und schleuderte ihn gegen den Felsen. Das Knirschen seiner zusammenkrachenden Knochen befriedigte mich und ich ließ den reglosen Körper zu Boden fallen und stürmte auf den dritten Soldaten zu.

Diese verfluchten Hive. Immer kamen sie zu dritt. Drei Aufklärer. Drei Soldaten. Drei. Drei. Drei.

Alleine waren sie zu nichts fähig. Sie redeten noch nicht einmal wie echte Leute. Alles was sie von sich gaben, begann mit dem Wort “Wir”.

Ich erreichte den dritten Soldaten, hob ihn von den Füßen und schleuderte ihn nach oben, bis sein Rücken parallel zum Boden lag. Er zappelte wehrhaft, wollte mich packen und mich dazu bringen, ihn loszulassen. Jeder einzelne Hive unterschätzte die Atlanische Bestie. Vielleicht hatten sich unsere Stärke und Übermacht nicht herumgesprochen, weil jeder Hive, der uns über den Weg lief, ausgeschaltet wurde. Dieser hier schien ebenfalls zu glauben, dass er es mit mir aufnehmen konnte.

Richtig.

Stattdessen aber rammte ich seinen Rücken auf den steinigen Boden und verdrehte ihm den Schädel fest genug, um das knack-knack-knack seiner Knochen zu hören, als seine Wirbelsäule und metallischen Implantate zerbarsten und sein Körper im Todeskampf zuckte und buckelte.

Als ich aufblickte, war Ang bereits dabei, unserer Einheit in Richtung Transportplattform hinterher zu eilen.

Ich stand auf und wollte mich ebenfalls auf den Weg machen, als ich einen Schrei hörte.

Ein Mensch. Ich kannte dieses Geräusch. Jemand war in Schwierigkeiten.

Der Laut kam aus einer engen Schlucht hinter dem Felsbrocken, aus derselben Richtung, aus der die jetzt toten Hive-Soldaten gekommen sein mussten, bevor sie uns in die Hände gefallen waren.

Ein kurzer Blick auf meine Einheit zeigte, dass sie mir ein gutes Stück voraus waren. Kommandant Wulf stand jetzt auf einem Hügel, die Transportplattform befand sich dahinter und gleich einem Rammbock, der in eine Puppenstube krachte, war er dabei, mit Hive-Aufklärern und Soldaten nur so um sich zu schmeißen. Körper flogen ihm zu Füßen und die restlichen Kriegsfürsten, fast allesamt im Bestienmodus, hatten die Transportplattform beinahe erreicht. Unsere Krieger stürmten ihnen hinterher, Prillonen und Erdlinge, Trionen und Krieger jeder anderen Rasse oder Spezies, die Teil der Flotte waren, während die Atlanen den Weg freiräumten, damit alle anderen zurück auf das Schlachtschiff transportieren konnten.

“Schnell.” Ich sprach zu niemanden, aber meine Bestie war aufgebracht. Wir wurden Zeuge, wie hunderte Hive-Kämpfer die schmalen Breschen auf weniger als einer Meile vor der Transportplattform überrannten. Sollten sie die Plattform erreichen, bevor unsere Krieger den Planeten verlassen hatten, dann würde es für die Zurückgebliebenen keine Rettung mehr geben.

Wir waren dabei, die Schlacht zu verlieren, denn die Hive schwärmten in sehr viel größeren Zahlen als angenommen aus. Kommandant Karter war kein Dummkopf. Er würde seine Leute zurückrufen, sie umorganisieren und in ein paar Tagen erneut zuschlagen.

Ich konnte entweder meiner Einheit folgen und von diesem blutigen Felsbrocken herunter transportieren, oder ich konnte versuchen, dem Erdling in der Schlucht zur Hilfe zu kommen und bis morgen ausharren. Die Extraktionskoordinaten lagen nicht weit entfernt. Ich konnte mich nachts über versteckt halten und morgen einen Transport anmelden, mit einem verängstigten, kleinen Menschen im Schlepptau. Die Hive konnten genauso wenig wie wir die metallischen Felsformationen mit ihren Sensoren überwachen. Mit den Felsen und Spalten als Versteck würden sie uns niemals aufspüren und ausschalten können. Sie würden nur angreifen, wenn sie uns gesehen hätten. Wenn wir ihnen also nicht in die Quere kämen, dann würden wir ziemlich sicher sein.

Noch ein Schrei aus Richtung Schlucht, diesmal vor Zorn, und ich hatte mich entschieden. Oder besser gesagt, die Bestie hatte entschieden und ich war nicht gewillt, mit ihr zu verhandeln. Ich konnte es nicht. Ich war viel zu außer mir.

Ich stürmte um den Felsen herum und preschte in die Schlucht, dunkelgraue und schwarze Felsformationen bildeten einen langen, engen Korridor, der sich etwa über eine Meile erstreckte. Ich konnte den Ausgang am anderen Ende sehen, als ob der Boden sich dort geöffnet hatte, nur ein bisschen, und nur dort.

Hinter mir und überall sonst auf diesem gottverlassenen Planeten waren die Felsen rot oder braun; so weit das Auge reichte ein Meer aus monochromen Farben, eine Wüste aus Stein.

Hier aber war das Gestein schwarz, grau und silbern, das Innere des Planeten war sichtbar geworden, wie Muskeln unter der Hautschicht bei einem tiefen Schnitt. Als ob der Planet aufgeplatzt und seine Innereien hervorgequollen waren.

Vor mir standen drei Hive. Auf halber Höhe der Schlucht hatten sie jemanden in die Falle gejagt. Ich erkannte den zaghaften Körper und die Panzerung eines Menschen, der die Felswand hochkletterte, um ihnen zu entkommen. Er trug die Uniform der menschlichen ReCon-Einheiten. Auf dem Boden verteilt lagen die Leichen von mindestens einem Dutzend Hive-Soldaten und vier weiteren Erdlingen.

Keiner regte sich.

Der Mensch kraxelte an der Felsklippe hoch und klammerte sich insektenhaft an die unebenen Felsvorsprünge. In der Felswand war die Öffnung einer Höhle erkennbar, der Eingang funkelte wie eine Diamanthalskette auf einem weiblichen Dekolleté, wenn das Licht auf ihn fiel. Der Erdling war offensichtlich zur Höhle unterwegs. Ein cleverer Zug, denn die Höhle bot Schutz, zumindest zeitweise. Und sie bot Überblick. Vielleicht wollte der Erdling dort den letzten erbitterten Widerstand leisten.

Warum aber knallten die Hive den Erdling nicht einfach von der Felswand runter? Warum kletterten sie hoch? Warum nicht …

Ich kniff die Augen zusammen und die Bestie sendete ein leises Fauchen durch meinen Brustkorb. Was war hier los? Ich pirschte mich näher heran, diesmal ohne anzugreifen. Selbst meine Bestie hielt sich zurück. Nie zuvor hatte ich so etwas wie diese Hive hier gesehen und ich hatte fast ein Jahrzehnt lang im Kampf zugebracht. Es waren keine Aufklärer oder Soldaten. Es handelte sich um etwas gänzlich anderes.

Sie wirkten nicht nur sonderbar, sondern sie feuerten auch nicht auf den Erdling, nein, sie … stellten ihm nach—

“Kommt schon!” Der Erdling brüllte ihnen zu, verspottete sie und die Ansage kam eindeutig von einer Frauenstimme. Die Bestie in mir erstarrte, als die Stimme durch meinen Körper drang und direkt in meinen Schwanz wanderte.

Mir!

Die Bestie brüllte nicht, sondern flüsterte das Wort, sie rollte es über meine Zunge, als würden wir einen edlen Atlanischen Wein kosten. Sie fragte mich nicht und sie bat mich auch nicht um Erlaubnis oder Zustimmung. Sie informierte mich einfach nur über den Sachverhalt.

Ich ignorierte sie, für den Moment. Jahrelang hatte ich von einer sanften, willigen Frau geträumt, um sie für mich zu beanspruchen. Das Fieber beeinträchtige eindeutig mein Urteilsvermögen, aber jetzt war nicht der passende Zeitpunkt, um sich mit der Bestie anzulegen.

Ich war zu weit entfernt, um ihre Stimme erkennen zu können. Ich hatte keine Ahnung, wer sie war, aber meine Bestie wusste es scheinbar sehr wohl. Das Ungetüm wollte sie und das Paarungsfieber brodelte mit wiedererwachter Stärke in mir auf, während mein Schwanz unter meiner Panzerung unbequem ersteifte.

Und sie verhöhnte sie, lockte einen von ihnen zu sich hoch. Warum? War sie auf den Kopf gefallen? Wahnvorstellungen? Halluzinierte sie? Oder war sie einfach nur geisteskrank?

Der seltsame Hive näherte sich der Felswand an—aber ja doch—und die Bestie folgte ihm lautlos, wie ein Raubtier schlich sie dem hinteren der Drei hinterher. Ich zwang mich dazu, nachzudenken und den ungestümen Schutzinstinkt meiner Bestie zu bändigen. Nie zuvor hatte ich auf dem Schlachtfeld derartige Lust, einen derartigen Beschützerinstinkt erlebt. Sicher, ich wollte meine Einheit und diejenigen, die wir beschützen sollten in Sicherheit wissen, aber das hier war etwas anderes. Ich verspürte eine glühende Wut, die wie siedendes Teer in meinen Adern brodelte. Es war das Aufbegehren der Bestie, die ihre Partnerin beschützen wollte.

Sie gehörte mir.

Ein bedrohliches, abgrundtiefes und überraschend heftiges Gefühl legte sich über mich wie ein Panzer aus solidem Eis. Zorn und Getobe waren stumpfsinnige Emotionen. Dieses Bedürfnis, die Hive vor mir zu töten war aber nicht stumpfsinnig, es war kalt, berechnend und wohldurchdacht. Sie mussten sterben. Sie wollten sie und ich würde nicht zulassen, dass sie sie anrührten. Sie gehörte mir. Sie war von Kopf bis Fuß in ihren Panzeranzug gehüllt und klammerte sich wie ein Insekt an den Abgrund. Stark. Mutig. Aggressiv. Mir. Sie gehörte immer noch mir.

Die Erdenfrau über mir hatte fast die Höhle erreicht, fast war sie außer Schussweite der Hive. Die allerdings starrten einfach nur zu ihr herauf, als wäre sie ein Kuriosum. Sie feuerten nicht und ich konnte mir nicht erklären, warum sie diesen Erdling verschonten. Warum nahmen sie den Feind nicht unter Beschuss, damit er herunterfiel? Sie waren in der Lage, fast alle Arten von Verletzungen bei ihren Gefangenen zu heilen. Zweifelsohne konnten sie Sturzverletzungen behandeln, selbst aus dieser Höhe und auf hartes Felsgestein. Sie müssten sie nur zu einem ReGen-Tank transportieren und ihren zerbrechlichen, menschlichen Leib wiederherstellen, bevor es mit der Integration losgehen konnte. Warum also ließen sie diesen Erdling davonkommen? Warum stellten sie ihr nach, als ob sie sie lebend und unversehrt in die Finger bekommen wollten?

Den Hive war nur von Bedeutung, dass ihre Gefangenen überlebten.

Während ich mich anschlich, musterte ich den Hive vor mir und mit jedem lautlosen Schritt wuchs meine Neugierde. Sie waren zu dritt, wie immer, aber nie hatte ich drei Exemplare wie diese hier zu Gesicht bekommen.

In der Mitte stand ihr Anführer, er war einen halben Meter größer als seine Gefährten und fast so groß wie ich. Alle drei trugen eine merkwürdige, silber- und grafitfarbene Panzerung, die ich nie zuvor gesehen hatte. Das Trio blickte in die andere Richtung, also konnte ich nicht ausmachen, ob ihre Augen silbrig waren, aber ihre Haut war extrem glatt und hatte eine satte, dunkelblaue Farbe. Jeder von ihnen trug einen sonderbaren Helm auf dem Kopf mit einem geometrischen Design, wie ich es nie zuvor gesehen hatte. Aber das kurioseste überhaupt waren die absonderlichen Apparate, die aus ihrer Rückseite nahe ihrem Schädelknochen herausragten. Die gebogenen Geräte sahen aus wie—nein.

Das war unmöglich.

Der Anführer machte einen Sprung, sein Körper legte mit einem Satz den halben Weg bis zur Höhle zurück und seine Hände und Füße fanden an der Felswand Halt. Er begann nach oben zu klettern.

Die Frau verschwand in der Höhle und der Anführer kletterte ihr mit neuem Elan hinterher, als befürchtete er, dass sie entkommen könnte.

Als der zweite blauhäutige Hive ebenfalls hochsprang, konnte ich mich nicht länger zurückhalten.

Ich preschte vorwärts und meine Bestie tobte, als ich ihm den Kopf von den Schultern riss. Sein Blut bedeckte meine Hände, es war ein dickflüssiger, klebriger schwarzer Schlamm, den ich nie zuvor gesehen hatte.

Die Hive bestanden überwiegend aus integrierten biologischen Lebewesen von den uns bekannten Planeten. Prillon Prime. Everis. Trion und hunderten anderer Welten.

Keine von denen hatten schwarzes Blut.

Als der erste Hive zu Boden sackte hielt der zweite inne, um auf mich herabzublicken. Irgendeine merkwürdige Verbindung zwischen ihnen hatte ihn alarmiert.

Der Anführer stoppte ebenfalls und sie tauschten einen Blick miteinander aus, bis der Anführer kurz nickte, als würde er einen Befehl—oder eine Erlaubnis—erteilen und der untere Hive sprang wieder zu Boden, um es mit mir aufzunehmen.

Noch eine bizarre Erscheinung. Bei den Hive gab es keine Kommandos dieser Art und keiner von ihnen hatte je die Befehlsmacht. Ihre Befehle kamen von einer zentralen Strategie- und Kommandozentrale und diese wurde nie auf dem Schlachtfeld riskiert.

Auf leichtem Fuße landete er direkt vor mir und richtete sich auf. “Lassen sie uns allein, Kriegsfürst.”

Was zum Teufel war hier los? Seine Stimme klang … normal. Wie bei jeden anderem Mann auch. Kein gekünsteltes Gerede. Kein komischer Rhythmus oder computerbasierter Gleichklang. Er hörte sich … einzigartig an. Wie ein Individuum.

Und das entsprach nicht den Hive.

Als der Anführer weiter kletterte und sich Stück für Stück dem Höhleneingang und der Frau, auf die er es abgesehen hatte, näherte, war es meiner Bestie scheißegal, was dieser blaue Typ in seiner Silberrüstung war und was nicht. Die Bestie wollte ihn in Stücke reißen und weiterziehen.

Aber der Mann in mir hatte immer noch das Sagen, gerade so jedenfalls, und ich erkannte, dass das hier etwas extrem Seltenes und Seltsames war. Kommandant Karter würde wissen müssen, was hier vor sich ging, was es mit diesen Kreaturen auf sich hatte.

“Was bist du?” Meine Bestienstimme war kaum mehr als ein Knurren, aber der Hive verstand mich.

“Wir sind Nexus 9.”

Was verflucht nochmal war ein Nexus? Und warum hatte er mir geantwortet? Meine Frage war nur rhetorisch gewesen, denn sie brauchten keine Antwort zu geben. Sie gingen davon aus, zu unterwerfen und dann zu integrieren. Oder er hatte geantwortet, weil er nicht davon ausging, dass ich lange genug überleben würde, um etwas mit seiner Antwort anzufangen.

Von oben ertönte ein Schuss, aus dem Inneren der Höhle, und der Bestie riss der Geduldsfaden.

Wie benebelt holte ich aus, packte ich den merkwürdigen Hive und verdrehte ich ihm das Genick, bis er unter meinem Griff erschlaffte, zuvor aber feuerte er noch einen Schuss. Unachtsam warf ich die tote Masse auf die Felsen. Der Schuss seiner Ionenwaffe musste meine Panzerung erwischt haben. Wieder einmal brannte es, diesmal spürte ich es an der Hüfte, aber der Schmerz war nichts weiter als ein schwaches Stechen.

Nur selten schöpfte ich die ganze Stärke meiner Bestie aus, als ich aber kauernd zum Sprung ansetzte, strömte die Kraft nur so durch mich hindurch, die ungebändigte Kraft der Bestie und ausnahmsweise war ich froh darüber. Mit einem kraftvollen Satz sprangen wir zum Schlund der Höhle hinauf, bereit, sie zu verteidigen.

4


Megan

Der Anführer der Nexus-Einheit kam drei Schritte in die Höhle hineingelaufen, bevor er seinen Irrtum erkannte.

Ich stand nahe am Eingang, versteckt hinter einem Felsvorsprung aus Magnetit, der die Hive-Sensoren und alle Kommunikationen mit dem Rest der Welt—oder, in diesem Fall—dem Rest des Universums abschnitt. Mit seiner Heimatwelt. Der Zentrale der Hive.

Die gesamte Höhle war mit magnetischen geladenen Metallen ausgekleidet und dieser Canyon war eine extreme Ausnahmeerscheinung, in die unsere Einheit entsendet worden war, um diese Bastarde hineinzuködern.

Jetzt musste ich ihn nur noch abmurksen und die Technologie stehlen, die sein Rückenmark mit seinem Helm verband, der wiederum mit der Hive-Zentrale auf ihrem Heimatplaneten kommunizierte.

Dieser blaue Bastard war eine Seltenheit, seine Existenz nicht mehr als ein Gerücht unter den Geheimdiensteinheiten der Koalitionsflotte … bis jetzt.

Draußen hörte ich eine Atlanische Bestie toben, offensichtlich war sie mir gefolgt. Sekunden später zuckte der Nexus vor mir zusammen, dann verlor er den Halt, als ob ihm eine Gliedmaße vom Körper gerissen wurde—oder von einem seiner Kumpels.

Seine Freunde mussten noch nahe genug sein, um mit ihm in Verbindung zu bleiben.

Diese Scheißkerle waren alle miteinander vernetzt. Wir—also die vom Geheimdienst—wussten das bereits, was wir nicht verstanden war das wie. Nicht, dass das noch lange von Bedeutung sein würde. Die Bestie draußen würde die beiden Freunde des Nexus-Anführers bald erledigt haben, daran hatte ich keinen Zweifel. Die Atlanen waren nicht gerade die zivilisiertesten unter den Kriegern, aber die Hive waren das ebenso wenig. Besonders diese hier. Dieses Trio.

Die Atlanische Bestie würde den beiden anderen mühelos den Kopf abreißen. Ohne Zweifel. Und dann würde nur noch der blaue Mistkerl in dieser Höhle übrig bleiben … und ich.

Diese Kreatur war der Schlüssel, um die zentralisierte Denkweise der Hive zu verstehen, um herauszufinden, wie die mentale Kontrolle über ihre Aufklärer und Soldaten gebrochen werden konnte und um jene Veteranen zu retten, die immer noch ihre Technologie im Körper trugen. Diese Soldaten verbrachten den Rest ihres Lebens in der Kolonie, denn man fürchtete, sie könnten auf ihrer Heimatwelt zur Bedrohung werden, sollten sie je zurückkehren.

Der Nexus stolperte nach vorne, tiefer in die Höhle hinein und mir wurde klar, dass mir nur wenige Sekunden blieben, bevor die enorme, klobige Bestie hier auftauchen und alles zunichtemachen würde.

Ich feuerte den Neuronenphaser, den Doktor Helion, der Leiter des Geheimdiensts, mir mitgegeben hatte und seufzte erleichtert, als das gigantische Nexus-Wesen auf die Knie fiel. Er hob instinktiv die Arme an den Kopf, um die Schmerzen zu lindern—was auch immer diese Dinge wahrnahmen—und ich trat mit gezückter Waffe und Finger am Abzug aus meinem Versteck heraus.

Er—nein, es—nahm seinen Helm ab und wandte mir den Kopf zu, obwohl ich mich absolut geräuschlos fortbewegte.

“Wer bist du?” Seine Stimme klang ruhig, keine Spur von nervösem Draufgängertum oder Furcht, als wären wir zwei Freunde, die sich zum Mittagessen im Park verabredet hatten. Und die Stimme klang ganz nach ihm. Ich hatte andere Hive sprechen gehört, ihre Worte klangen merkwürdig, künstlich, sie bezeichneten sich selbst als “Wir”, nie verwendeten sie “Ich”. “Sag mir deinen Namen. Du bist nicht eine von uns, aber ich kann dich spüren. Ich spüre deine Güte in mir.”

Das Wesen starrte mich an, als wäre ich ein Wunder, als ob er—nicht es—mich attraktiv fand. Seine Züge waren symmetrisch und bis auf die ungewöhnliche Farbe ganz klar menschenähnlich. Seine Haut war dunkelblau, dunkler, als bei den Kriegern vom Planeten Xerima und wenn er nicht gerade ein Hive gewesen wäre, dann hätte ich gesagt, dass er sogar gutaussehend war. Was gruselig war. Und falsch. So falsch.

Und was zum Teufel meinte er damit? Ich spüre deine Güte in mir. Das war einfach nur verdammt unheimlich.

“Was bist du?” Wie ein neugieriger Hundewelpe neigte er den Kopf zur Seite und ich musste den Kopf schütteln und mich daran entsinnen, dass er ein brutaler, effizienter Killer war. Ein Massenmörder. Ein Anführer jener Kreaturen, die Millionen und Milliarden Leben im gesamten Universum verfolgten und töteten. Er blinzelte langsam und betrachtete mein Gesicht. “Du siehst aus wie ein Erdling oder vielleicht ein Trione?”

Er setzte sich auf die Knie und wartete geduldig auf meine Antwort. Die Haut der Kreatur war dunkelblau, wie der Himmel in einer Vollmondnacht. Seine Augen waren tiefe, lichtlose, schwarze Scheiben. Seine Haut war makellos, glatter als das polierte Metall seiner silbergrauen Uniform, die so glatt gebürstet war, dass ich in dem gewölbten Schulterstück deutlich mein Spiegelbild sehen konnte.

“Was bist du?” legte ich nach. Nie hatte ich etwas wie ihn zu Gesicht bekommen. Niemand hatte das, soweit ich wusste.

“Ich bin Nexus 9.”

Ich schüttelte den Kopf, meine Neuronenwaffe zielte auf sein Gesicht. “Nein. Was warst du davor?” Ohne wirklich zu überlegen stellte ich ihm die Frage. Ich wollte es wissen. Sicher, Neugier war der Katze Tod, und so weiter, aber diese Kreatur faszinierte mich auf finstere Weise. Verstörend. Wie ein demolierter Körper neben einem Autowrack. Ich konnte meinen Blick nicht mehr von ihm wenden.

“Ich bin immer das gewesen, was ich bin. Du aber nicht.” Er blinzelte, seine dunkelblauen Augenlider bedeckten die hypnotisierende Tiefe seiner Augen gerade lange genug, damit ich wieder etwas zur Vernunft kam. Ich trat zurück und in genau diesem Moment sah ich, wie ein greller Lichtblitz durch die Neuronenfasern an seiner Schädelbasis zuckte.

“Nein, war ich nicht.” Das Summen in meinem Kopf verstärkte sich, als würde es auf die unmittelbare Nähe zu dieser Kreatur ansprechen. Nein, ich war nicht wie er. Neugierig trat ich wieder näher. Die Neuronenverbindung, die Doktor Helion mir in den Schädel eingepflanzt hatte, summte mit einem eigenartigen, hypnotisierenden Ton, als ich in seine schwarzen Augen blickte. Gehirne konnten weder hören noch sehen und ich hatte keine Ahnung, was zum Teufel mit mir los war, aber ich ging noch einen Schritt weiter, fühlte mich wie betrunken. Verhext.

“Du hast mich hier hergerufen.” Er—es—lächelte daraufhin und ich machte noch einen Schritt vorwärts, meine Hand fasste nach seiner Wange. Ich wollte ihn anfassen, das Blau seiner Haut wirkte so geschmeidig, so perfekt. Ich wollte ihn berühren, nur einmal. Dann würde ich ihn töten und seinen Helm und sein Neuronenimplantat zu Helion bringen.

Seine Augen. Sie waren so dunkel, ohne jede Färbung oder Tiefe. Sie waren wie ein Abgrund, sie reflektierten keinerlei Licht. Die anderen beiden, die Schwächlinge außerhalb der Höhle hatten silberne Augen. Widerwärtig.

Warum ging mir dieser Gedanke durch den Kopf? Irgendwie vermischten sich meine eigenen Gedanken mit denen des Nexus und es fiel mir schwer, zwischen den beiden zu unterscheiden.

Die Bestie draußen machte ordentlich Krach, sie tötete einen weiteren der Hive und diesmal begann der Nexus vor mir, vor Schmerz zu zucken. Ich spürte es ebenfalls.

Verlust. Agonie. Verzweiflung. Als ob mir ein Bein abgenommen wurde.

Ich ging auf die Knie, als mein Körper vom Schmerz überwältigt wurde. Die Nexus-Kreatur vor mir stellte sich auf und kam auf mich zu.

Er war riesig, fast so groß wie die Bestie draußen, aber er kam vor mir zum Stehen und seine Anwesenheit wirkte beruhigend. Meine Schmerzen verschwanden, sie wurden von einem Summen in meinem Kopf ersetzt, das alle Gedanken, alle Gefühle verdrängte. Nur noch meine Verbindung zu dieser Kreatur existierte, eine Verbindung, die er mir anbot. Ich würde nie wieder allein sein. Nie mehr Angst haben. Ich würde … zu ihm gehören.

Eine dunkelblaue Hand griff nach meiner Wange und ich ließ meine Augen zufallen, ich war nicht in der Lage, mich seiner Berührung zu entziehen.

Ich wollte von ihm berührt werden, wusste, dass ich mich sonst … leer fühlen würde. Allein. Gott, ich war so allein in meinem Verstand. Wie eine Kluft brach das Gefühl der Einsamkeit in mir auf und ich musste schluchzen, ich erstickte vor Qual. Gleich einem Gott wollte seine Psyche zur Meinen eine Brücke schlagen, er wollte mir Trost spenden, Geborgenheit, ein Gefühl von Zugehörigkeit …

Nein. Nein. Nein.

Ich schüttelte den Kopf, wollte es verhindern, als seine Finger mein Fleisch berührten und elektrische Funken durch meinen Körper blitzten. Die merkwürdige Empfindung ließ mich nach Luft schnappen, es war, als hätte er es irgendwie fertiggebracht, mit den Fingern in meinen Verstand einzudringen, als würde er in Wirklichkeit meine Seele streicheln.

Es war nicht unangenehm. Ehrlich gesagt gefiel es mir. Ich begann, mich mehr und mehr danach zu sehnen.

Tosender Lärm war vom Höhleneingang zu hören. Noch bevor ich den Kopf wenden konnte, war die Kreatur verschwunden und unter einer wütenden Atlanischen Bestie begraben.

Mein Verstand setzte wieder ein und voller Horror wurde mir klar, was ich eben getan hatte, was für Gedanken mir durch den Kopf gegangen waren und ich kam mir erbärmlich vor, als ob ein böser Zauber gebrochen wurde. Ich war kurz davor gewesen, mich wie ein Hündchen auf den Rücken zu rollen und dem Nexus meine Unterseite zu zeigen. Am liebsten wollte ich mich auf dem kalten Höhlenflur zusammenknäulen und … vom Erdboden verschwinden.

Wie konnte ich nur? Ich war dabei, mich von diesem Ding streicheln zu lassen. Ich wollte sogar, dass es mich anfasst. Ich fand es gut.

Oh. Mein. Gott.

Ich musste weg von hier. Helion und der Geheimdienst würden nächstes Mal jemand anders beauftragen müssen, um einen dieser Mistkerle aus dem Versteck zu locken. Ich würde das nicht noch einmal machen. Auf keinen Fall. Mein Kopf schmerzte dermaßen, es fühlte sich an wie eine Kettensäge, die in meinem Hirn ratterte und ich konnte sie nicht abstellen. Er hatte mich berührt, nicht nur an der Wange, sondern in meinem Innersten. Ich fühlte mich schmutzig, widerwärtig. Missbraucht.

Und allein. So allein. Und es war nicht die gewöhnliche Einsamkeit, die wie Gift durch mein Innerstes kroch, das hier war viel intensiver. Es war, als würde ich zugrunde gehen, sollte das Wesen nicht wieder aufstehen und mich trösten, als würde ich verschwinden, mich in Dunst auflösen und vom Winde verweht werden. Ich kam mir unwirklich vor. Mein Körper war unwirklich. Als ob ich nicht wirklich da war …

Hatte die Kreatur etwas mit mir angestellt? Etwas mit dem Implantat gemacht, das Helion mir in den Kopf gesetzt hatte?

Verdammt. Ich rieb mir den Hinterkopf, wo der kleine Knubbel des Implantats hart und unnachgiebig an meiner Schädelbasis saß, als ich ihn mit den Fingern abtastete. Ich musste hier weg, zurück zur Krankenstation und zu Doktor Helion. Er musste das Implantat entfernen. Sofort. Jetzt gleich.

Torkelnd begab ich mich Richtung Eingang, Richtung Tageslicht, weg von dem Gerangel der zwei riesigen, kräftigen Kreaturen, die dabei waren aufeinander einzuprügeln. Die Bestie rang um unser beider Leben und schaffte es irgendwie noch, mich gleichzeitig im Auge zu behalten. Als ich mich der Höhlenöffnung näherte, brüllte sie. “Bleib! Hive! Zu viele.”

Ich hatte zuvor an der Seite Atlanischer Kriegsfürsten gekämpft und war mit ihrer primitiven, einsilbigen Art vertraut. Ich hatte verstanden. Draußen waren mehr Hive und nicht nur das Nexus-Trio. Wenn eine Atlanische Bestie meinte, dass es zu viele wären, dann musste es vor ihnen nur so wimmeln.

Keine Frage, wir steckten in Schwierigkeiten. Ich war mit meinem Team da draußen gewesen, bevor die Nexus-Gruppe Kontakt mit uns aufgenommen hatte. Die anderen Koalitionskämpfer, eine Gruppe Freiwilliger aus allen Ecken des Universums, hatte ich nicht lange kennengelernt. Wir hatten nur ein paar Tage zusammen trainiert. Trotzdem, sie alle leblos auf dem Boden liegen zu sehen war hart. Wie kam es, dass ich als Einzige überlebt hatte? Wollte der Nexus-Anführer wirklich mit dem Implantat in meinem Schädel eine Verbindung herstellen, meine Gedanken und Gefühle steuern, mich verschlingen? War das Ding in meinem Kopf von so großer Bedeutung? Mit anzusehen, wie die Hive ausschwärmten und die gesamten Koalitionsstreitkräfte umzingelten, war so verdammt hart gewesen. Wir waren dabei, diesen Planeten zu verlieren. Zumindest für den Moment.

Ich hatte allerdings eine Sondermission und aus diesem Grund saß ich jetzt hinter feindlichen Linien fest. Die Bestie, die so viel Platz in dieser Höhle in Anspruch nahm, war mit mir gefangen.

Als ich wieder einigermaßen klar denken konnte, wandte ich mich um und die Bestie war immer noch dabei mit der Nexus-Kreatur zu raufen. Das Wesen war nicht so groß oder muskulös wie die Bestie, aber die Hive verwendeten mikroskopisch kleine Implantate, um ihre Körperkraft und Schnelligkeit auf übermenschliches Niveau zu bringen. Und dieser hier war etwas Besonderes. Etwas sehr, sehr Besonderes.

Ich war nicht sicher, ob die Bestie ihn besiegen würde. Beide kämpften verbissen, die Muskeln der Bestie traten hervor, wie ich es nie zuvor beobachtet hatte, aber sie schaffte es einfach nicht, die Oberhand zu gewinnen. Und auf gar keinen Fall würde ich mich noch einmal mit dieser Kreatur allein in dieser Höhle wiederfinden. Mein Hirn würde zu summen anfangen und ich wäre erledigt, vollkommen im Bann des Monsters.

Ich zog meine Ionenpistole aus dem Halfter und schrie der Bestie zu: “Schleuder ihn an die Wand. Ich werde ihn abknallen!”

Ich kannte seinen Namen nicht, hatte keine Ahnung, welcher Atlane er unter seinem Helm war. In meiner Kampfgruppe gab es mehrere hundert Atlanen und nicht alle davon erkannte ich wieder, wenn sie im Bestienmodus waren. Außerdem wurden seine Züge von der Panzerung verschleiert, aber egal. Er war auf meiner Seite und er musste diesen blauen Mistkerl ausschalten. Ohne Zweifel war er ein rechthaberischer, arroganter Macho, wie der Rest von denen. Aber entweder wir arbeiteten zusammen oder wir würden sterben.

Er verstand mich. Eine Sekunde später hob er den Nexus buchstäblich vom Boden und schmetterte ihn gegen die Höhlenwand.

Der Nexus in seiner Silberrüstung schlug mit einem lauten Krachen auf, fiel aber nicht zu Boden. Nicht so, wie ich es erhofft hatte. Mitten in der Luft wirbelte er herum, um sicher auf den Füßen zu landen, wie eine verflixte Katze.

Er glotzte mich an und das seltsame Gesumme in meinem Kopf ging wieder los.

“Nein, das wirst du nicht.” Ich zielte und drückte ab und bevor ich mich versah, traf ich ihn genau in die Brust.

Der Schuss beeindruckte ihn kaum, aber ich ließ nicht locker und ballerte immer wieder auf seinen Brustkorb. Es brachte nicht viel, außer dass es ihn davon abhielt die Bestie anzugreifen.

Der Nexus kam einen Schritt auf mich zu, von der Seite aber traf ihn ein kräftigerer Schuss, genau in den Kopf.

Er fiel auf die Knie und das Adrenalin strömte nur so durch mich hindurch, als ich erneut auf ihn feuerte. Die Waffe des Ungetüms zielte weiterhin auf den Nexus, als er näher herantrat und wir beide ununterbrochen den Abzug drückten. Flüchtig dachte ich an die Technologie, die in seinen Schädel verpflanzt war, aber darauf konnte ich jetzt keine Rücksicht nehmen. Die Technik würde vollkommen wertlos sein, wenn wir es nicht lebend aus dieser Höhle schafften. Helion würde sich mit ein paar frittierten Schaltkreisen begnügen müssen.

Einige Schüsse später blickte der Nexus mit einem unheimlichen, flehenden Ausdruck im Gesicht zu mir auf, während die bodenlose Schwärze seiner Augen sich zu füllen schien.

Ihn sterben zu sehen war das Befremdlichste, was ich je beobachtet hatte. Ich ignorierte die Bestie, die weiterhin abdrückte und beobachtete mit einer makaberen Faszination, wie die Leere in seinen Augen sich wandelte und etwas darin sichtbar wurde. Es war dunkelgrau und matt, solide, echt. Die glanzlose Farbe erinnerte mich an eine mit Kreide verschmierte Schiefertafel.

Ich sackte auf dem harten Boden zusammen.

Als seine Atmung stoppte und das Summen in meinem Kopf verstummte, kauerte ich mich neben ihn. Die Bestie kam herangeschlichen, aber ich streckte die Hand aus, um sie zu stoppen. Ich wollte vermeiden, dass sie der Kreatur den Kopf abriss. Ich brauchte ihn intakt. Nein, nicht ich. Helion brauchte ihn intakt oder zumindest einen Teil davon. Die neurale Übertragungsstelle. Den gebogenen Fortsatz, der aus seiner Schädelbasis ragte. Ich wollte einfach nur diese höllische Mission zu Ende bringen und von diesem Planeten und aus diesem Krieg verschwinden. Wenn ich anschließend einen Mann finden würde, mit dem ich den Rest meines Lebens heißen, geilen Affensex haben könnte, dann wäre das ein Sahnehäubchen oben drauf. Das war nicht zu viel verlangt, oder? Und laut Doktor Moor würde, sobald ich hier fertig wäre, mein Partner auf mich warten.

Ich war am Ende. Gott, ich war dermaßen am Ende. Hoffentlich hatte die Doktorin einen Mann für mich gefunden, denn die Tage des Kämpfens und des Spionierens waren für mich vorbei. Ich konnte nicht so weitermachen. Es fühlte sich an, als würde mein Verstand gleich in tausend Stücke zerspringen, die ich nie wieder zusammensetzen könnte.

Hatte ich PTBS? Mein ältester Bruder war damit diagnostiziert worden, kurz bevor ich vor zwei Jahren aufgebrochen war. Er war ein SEAL, ein Elitemitglied der Navy, genau wie mein anderer Bruder und mein Vater vor ihnen. Mein Vater starb, als ich neun war, aber das konnte meine Brüder nicht davon abhalten. In meiner Familie war man nichts wert, wenn man nicht in der Navy war und meine Mutter hatte mir die Tatsache, dass ich als Mädchen geboren wurde niemals verziehen. Also ging ich stattdessen zur Air Force und landete beim Armeegeheimdienst. Und weil das nicht gut genug war, musste ich verschwinden, um mich zu beweisen.

Also übertrumpfte ich all die Arschlöcher mit einem Schwanz in der Hose in meiner Familie und trat der Koalitionsflotte bei. Meine einzigartigen Fähigkeiten und Kenntnisse fielen ihrem Geheimdienst ins Auge, zusammen mit meiner Erfahrung mit elektronischen Waffensystemen und ich ergriff die Gelegenheit, um wirklich etwas Besonderes zu machen. Weswegen ich hier in dieser Höhle war. Gefangen. Lichtjahre entfernt von jedem SEAL. Aber einen Meter entfernt von einer Atlanischen Bestie.

Der blauhäutige Mistkerl auf dem Boden war meine ultimative Belohnung, der verfickte heilige Gral in diesem Krieg und das würde ich jetzt nicht in den Sand setzen. Bestie hin oder her.

Auf den Knien kauernd versuchte ich den Nexus auf die Seite zu rollen um an seine Wirbelsäule heranzukommen, aber er musste um die vierhundert Pfund schwer sein. Nicht einmal seine Beine konnte ich vom Fleck rühren. Scheiß-Implantate.

“Hilf mir. Ich muss ihn auf die Seite bekommen.” Ich blickte zum Atlanen hoch und fast stand mein Atem still. In seinen Augen war keinerlei Anzeichen seines nicht-bestialischen Gegenstücks erkennbar. Er war durch und durch ein wildes Tier und seine Aufmerksamkeit galt nicht der Kreatur, die er eben getötet hatte.

Sie galt mir.

Paarungsfieber.

Ich hatte es schon früher mitangesehen und mein verräterischer Körper, der immer noch ganz high war vor lauter Adrenalin und Todesangst, kanalisierte die vergangenen Stunden der Aggressionen und des Terrors in den einen Bereich, dem ich in nächster Zukunft sehr viel mehr Aufmerksamkeit widmen wollte … Lust.

In nächster Zukunft bedeutete nicht in den nächsten Minuten. Damit meinte ich nach meiner Entlassung und der Verpartnerung mit einem Mann aus dem Bräute-Programm.

Mein verräterischer Körper schien aber nicht damit einverstanden zu sein. Ich war nicht sicher, ob Atlanen so wie Menschen Pheromone versprühten, aber irgendetwas trat in Wogen aus ihm heraus und ich saugte es nur so auf, selbst durch meine Panzerung.

Durch das Helmvisier konnte ich seine extrem hellen Augen sehen und meine Muschi zog sich vor lauter Verlangen zusammen, wurde augenblicklich feucht. Intensive, eisblaue Augen.

Oh verdammt, ja. Ich leckte mir die Lippen, als ich seine enorme Größe in mich aufnahm. Seine schwere Atmung, die Art, wie sein Puls in seinen Halsschlagadern pochte. Seine Hände waren so groß wie Essteller. Ich musste mich fragen, was an seinem Körper sonst noch groß war.

Ich wollte mehr spüren als nur seine Aufmerksamkeit. Ich wollte von seinem Körper an die Wand genagelt und durchgefickt werden, als gäbe es kein morgen mehr.

Aber nicht jetzt. Ich wollte mich nicht direkt neben einer Leiche nackig machen, auch wenn es sich um einen Nexus handelte. Weil, —nun—igitt! Einfach eklig.

Ich wollte ihn im Bestienmodus nicht reizen, also sprach ich leise und sachlich. Besonnen. “Kriegsfürst, ich brauche deine Hilfe. Wir müssen ihm das Wirbelsäulenimplantat entfernen und es zusammen mit dem Helm zur Flotte überführen. Bitte hilf mir dabei, den Körper auf die Seite zu wenden.”

Die Bestie wusste nicht, dass das hier ein spezieller Hive war, dass es sich um einen Nexus handelte. Sie wusste nur, dass diese Kreatur eliminiert werden musste und hatte den Job ganz gut erledigt.

Mit einem Schaudern kniete die Bestie neben mir zu Boden und drehte den Nexus mit etwa derselben Mühe auf die Seite, wie ich eine Cola-Dose herumrollte … und zwar bergab.

Egal. Ich war ein Mensch, ich war eine Frau. Hier draußen im Weltall war ich es gewohnt, in der physikalischen Hackordnung ganz unten zu stehen. Was bedeutete, dass ich einfach nur schlauer sein musste als der Rest. Was mir bisher ganz gut gelungen war. Außer dass ich jetzt in einer verfluchten Höhle festsaß, also war das Ganze doch noch fraglich.

Pulsuz fraqment bitdi.

11,39 ₼