Kitabı oxu: «Tumult auf Viken»
Tumult auf Viken
Interstellare Bräute Programm: Buch 18
Grace Goodwin

Inhalt
Willkommensgeschenk!
Interstellare Bräute® Programm
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Willkommensgeschenk!
Interstellare Bräute® Programm
Bücher von Grace Goodwin
Also by Grace Goodwin
Hole dir jetzt deutsche Bücher von Grace Goodwin!
Grace Goodwin Links
Über Die Autorin
Tumult auf Viken Copyright © 2020 durch Grace Goodwin
Interstellar Brides® ist ein eingetragenes Markenzeichen
von KSA Publishing Consultants Inc.
Alle Rechte vorbehalten. Dieses Buch darf ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis des Autors weder ganz noch teilweise in jedweder Form und durch jedwede Mittel elektronisch, digital oder mechanisch reproduziert oder übermittelt werden, einschließlich durch Fotokopie, Aufzeichnung, Scannen oder über jegliche Form von Datenspeicherungs- und -abrufsystem.
Coverdesign: Copyright 2020 durch Grace Goodwin, Autor
Bildnachweis: Deposit Photos: magann, Improvisor
Anmerkung des Verlags:
Dieses Buch ist für volljährige Leser geschrieben. Das Buch kann eindeutige sexuelle Inhalte enthalten. In diesem Buch vorkommende sexuelle Aktivitäten sind reine Fantasien, geschrieben für erwachsene Leser, und die Aktivitäten oder Risiken, an denen die fiktiven Figuren im Rahmen der Geschichte teilnehmen, werden vom Autor und vom Verlag weder unterstützt noch ermutigt.
Willkommensgeschenk!
Trage dich für meinen Newsletter ein, um Leseproben, Vorschauen und ein Willkommensgeschenk zu erhalten!
http://kostenlosescifiromantik.com
Interstellare Bräute® Programm
DEIN Partner ist irgendwo da draußen. Mach noch heute den Test und finde deinen perfekten Partner. Bist du bereit für einen sexy Alienpartner (oder zwei)?
Melde dich jetzt freiwillig!
interstellarebraut.com
1

Whitney Mason, Zentrum für interstellare Bräute, Miami, Florida
Das Vorspiel war toll, aber ficken war einfach besser. Ein ordentliches, festes Rammeln, das mich meinen Namen vergessen ließ. An Kerzenlicht, Blumensträußen und Süßholzgeraspel ließ sich nämlich meiner Meinung nach noch längst nicht das gottgegebene Betttalent eines Mannes festmachen. Genau genommen konnten solche Dinge als Krücke dienen. Klar, es gab da eine gewisse Bemühung. Aber Geld war ebenso im Spiel. Mit Kohle um sich zu schleudern konnte mich nicht beeindrucken. Das war es nicht, was mich einen Typen bei mir Hand anlegen ließ. Die Aussicht auf einen wilden Ritt war es.
Zynisch? Aber ja. Und dieser Tage war ich allem—und jedermann—gegenüber zynisch.
Was ich aber im Moment erlebte? Ach du dickes Ei!
So etwas war mir noch nie passiert. Nie hatten mich derartige Gefühle überkommen. Nie hätte ich gedacht, dass so etwas überhaupt möglich war.
Gerade eben?
Es lebe das Vorspiel!
Hände lagen auf meinem nackten Körper. Viele Hände. Mehr als die üblichen zwei. Sie strichen über meine Arme, Schultern und Brüste, an meinen Schenkeln entlang und über meine Pussy. Ein deftiges Vorspiel. Dann waren da noch diese Flüsterstimmen. Und zwar garantiert kein Süßholzgeraspel. Es waren Verheißungen.
Ich werde dich lecken, bis du kommst. Erst dann bekommst du meinen Dicken.
Das war eine Stimme.
Diese Lippen. Um meinen Schwanz herum werden sie prächtig aussehen.
Das war die zweite Stimme.
Dieser Arsch. Ich will ihnen zeigen, wie du mich dort nimmst. Damit sie sehen, wie herrlich du bist.
Das war die dritte Stimme.
Ja, drei Stimmen. Drei Typen waren dabei mich anzufassen, mich aufzuwärmen, und zwar nicht nur für ein simples Rammeln, sondern ein … gütiger Gott, was sollte das hier bitte werden? Mein Verstand hatte die passende Antwort parat, obwohl der Gedanke mich irgendwie verstörte.
Eine Eroberung.
Ich würde mich an sie verlieren, daran bestand kein Zweifel. Nicht nur vor Lust, sondern mit meinem ganzen Körper.
Und meiner Seele.
“Ja, bitte,” hauchte ich - ich bettelte wirklich darum.
Dann stieß ich ein Keuchen aus und riss die Augen auf. Ich versuchte wieder zu Atem zu kommen. Vergebens. Sie hatten mich in ihren Bann gezogen, und zwar allein mit ihren Berührungen. Ihren Verheißungen. Aber sie waren nicht echt. Ich lag nicht mit drei Männern auf einem weichen Bett. Ich befand mich in einem sterilen Raum, an einen Teststuhl geschnallt.
Im Bräutezentrum.
Scheiße.
Ich atmete scharf aus, um mir die Haare aus der Stirn zu pusten.
“Alles klar bei Ihnen, Fräulein Mason?”
Das kam von Aufseherin Egara. Die freundliche Testerin stand von ihrem Stuhl auf, Tablet in der Hand.
Ich runzelte die Stirn, brummte: “Ich hasse es zu betteln.”
Sie blickte skeptisch, entgegnete aber nichts darauf.
“Sind die Träume immer so?” wollte ich wissen. Die Metallschienen, die meine Arme am Teststuhl festgenagelt hatten, glitten jetzt zurück und ich setzte mich auf und wischte mir übers Gesicht.
“Aufreizend?” erwiderte sie und zog leicht den Mundwinkel nach oben.
Ich nickte.
“Ja.”
Also war ich wahrscheinlich nicht die einzige, die gebettelt hatte. Ein scharfer Traum mit drei geschickten Männern, die genau wussten, wie sie mich anfassen und was sie sagen mussten? Eine Menge Frauen würden betteln.
Ich war angetörnt und doch völlig unerfüllt. Leicht gereizt deswegen.
“Das ist ausgesprochen grausam,” erklärte ich ihr.
Sie lachte, leicht und unbeschwert. Und das ärgerte mich noch mehr.
“Manche Frauen haben beim Test einen Orgasmus und wachen davon auf.”
Ich kniff die Augen zusammen: “Wollen Sie mich absichtlich provozieren?”
Ich scheuerte gegen den harten Stuhl und zupfte an meinem Kittel. Es war ein lächerlicher Krankenhauskittel mit lauter kleinen Logos des Bräuteprogramms. Gefertigt aus einem kratzenden Materialmix, der bewirkte, dass ich ihn mir vom Leib reißen wollte. Allerdings war ich unten drunter nackt. Ich hatte mich bereits genug zum Affen gemacht und als Entschädigung hätte ich wenigstens einen Orgasmus kriegen müssen, genau wie andere Frauen auch.
Grrr.
Die Aufseherin setzte sich wieder an den schmucklosen Tisch und blickte auf ihr Tablet.
“Ihr Test war erfolgreich.”
“Was?” Ich war überrascht, und das überraschte mich. Ich war hierhergekommen, um verdammt nochmal von der Erde zu verschwinden und das Bräuteprogramm war der einfachste Weg dafür. Ich war nicht besonders gehorsam, also wäre es nicht so klug gewesen mich bei der Koalitionsflotte zu melden. Stattdessen hatte ich mich freiwillig als Braut gemeldet. Den Erdenmännern traute ich nicht - oder sonst irgendjemandem, wenn wir schon dabei waren.
“Ja, sie wurden Viken zugeordnet. Sie sind ein echter Glückspilz.”
Ich zog eine Augenbraue hoch und wartete.
“Sie wurden zwar mit einem spezifischen Krieger gematcht, aber auf diesem Planeten paaren sie sich immer zu dritt.”
Drei.
“Also drei Aliens.”
“So ist es.”
Daher rührte also dieser Traum. Dabei hatte ich niemals auch nur daran gedacht mit mehr als einem Mann Sex zu haben. Klar, ich war nicht blöde und wusste, dass manche Leute es mit mehreren trieben, aber ich hatte das nie. Dabei fand ich die Idee nicht einmal abstoßend; die Gelegenheit hatte sich nur nie ergeben. Jetzt aber, nachdem ich diesen Traum gehabt hatte? Her mit den drei Vikenschen Wikingern. Und bitte schnell, denn meine Pussy war klitschnass und voller Sehnsucht.
“Soll das bedeuten, dass ich bald von hier verschwinden kann?”
Sie lächelte: “Sie freuen sich schon auf Ihren Partner?”
“Sie sagen Ihren Partner, aber sie haben auch gesagt, ich hätte drei. Was ist es nun?” erkundigte ich mich leicht perplex.
“Sie wurden einem Mann auf Viken zugeordnet. Und deren Brauch besagt, dass neue Bräute im Trio beansprucht werden, ein Mann von je einem Sektor des Planeten. Es ist denkbar, dass Sie nur einen Partner bekommen, aber ich würde sagen es sind drei.”
“Ich habe von drei Männern geträumt,” gestand ich ihr.
Sie zuckte leicht die Achseln, ihre Augen aber funkelten nur so: “Sie haben Glück. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich würde vermuten, dass Sie drei Männer haben.”
Drei. Drei Partner. Heiliger Scheiß. Dem Traum zufolge schien das Konzept ja gar nicht so schlecht zu sein. “Geht klar. Ich will nur schleunigst von der Erde verschwinden.”
Sie blickte auf ihr Tablet: “Sie haben sich freiwillig gemeldet. Sie sind keine verurteilte Straftäterin, die das Bräuteprogramm als Alternative zu ihrer Haftstrafe wählt?”
“Sie erkennen mich also nicht?”
Ich war nicht eingebildet, aber ich war wirklich berühmt. Tragischerweise.
Sie blickte auf und studierte mich: “Ah.”
“Das ist alles, was sie dazu sagen? Ah? Meine Familie hat tausende Leute um ihre Ersparnisse gebracht. Ihre Altersvorsorge. Sie hat Leben ruiniert. Wollen sie mich denn nicht anschreien? Mich zum Teufel wünschen?”
Ihr Blick versprühte kein Mitleid, aber Verständnis.
“Den Ermittlungen zufolge waren sie an den Verbrechen ihrer Familie nicht beteiligt.”
Ich rutschte auf dem Stuhl hin und her: “Nein. Meine Eltern und mein Bruder leben in New York. Ich habe seit dem College in Kalifornien gelebt. Ich bin überrascht, dass Sie das nicht wissen.”
“Doch, aber ich wollte es von Ihnen hören.”
“Wollen Sie auch den Rest hören? Dass meine Familie, während ich noch studiert habe, ein Pyramidensystem entworfen und ahnungslosen Leuten Millionen gestohlen hat? Dass der Hedgefonds meines Vaters ihnen nicht gereicht hat und sie aus reiner Gier noch mehr gestohlen haben?”
Sie zuckte mit den Achseln: “Fräulein Mason, ehrlich gesagt möchte ich sichergehen, dass Sie nicht vom Planeten fliehen, um einer Strafe zu engehen.”
Ich stand auf. Dass mein Arsch dabei aus dem dämlichen Kittel herausragte war mir dabei völlig egal.
“Ich verlasse den Planeten, weil ich keinen Job mehr finde. Niemand wird mich einstellen. Ich habe alle meine Freunde verloren. Ich kann nicht mehr auf die Straße gehen, ohne dass die Leute mir hinterherjohlen oder ein Paparazzi mir eine Kamera ins Gesicht hält. Ich werde niemals einen Kerl finden. Mein Leben ist ruiniert und das alles meiner Familie wegen. Ich bin unschuldig und niemand interessiert sich dafür. Sie wollen Rache und ich bin die einzige in der Familie, die nicht hinter Gittern sitzt. Haben Sie irgendeine Vorstellung davon wie es ist, wenn man niemandem mehr vertrauen kann?”
Einen Moment lang betrachtete sie mich einfach nur: “Na schön.”
Ich seufzte, teilweise, weil sie mich wütend gemacht hatte und teilweise aus Erleichterung. Meine miese Familie würde sie nicht dazu bringen mir diesen Neuanfang zu verweigern.
“Fräulein Mason, möchten sie von ihrem Recht Gebrauch machen und selbst ihren Planeten auswählen? Oder akzeptieren sie das Zuordnungsprotokoll des Bräutezentrums?”
Ich dachte an die drei Männer und spürte in meinen Körper hinein.
“Ich akzeptiere Viken.”
“Sehr gut. Dann beginnen wir mit dem Auswahlprotokoll. Nennen Sie uns ihren Namen.”
“Whitney Mason.”
“Sind sie gegenwärtig oder waren Sie jemals verheiratet?”
Darauf musste ich lachen: “Nein.”
“Haben Sie biologische Nachkommen?”
Ich runzelte die Stirn: “Biologische Nachkommen?”
Sie blickte auf: “Kinder. Haben Sie biologische Nachkommen zur Welt gebracht?”
“Nein.”
“Sind Sie gesetzlicher Vormund für Minderjährige?”
“Nein. Was soll diese Frage?”
Die Aufseherin blickte mir in die Augen und ihr Blick vermittelte mir, dass sie diejenige war, die hier die Fragen stellte: “Sie wären überrascht, Fräulein Mason. Auch wenn ich es nicht nachvollziehen kann, aber es gibt Frauen, die beschließen Ihre minderjährigen Kinder auf der Erde zurückzulassen. Die Koalitionsrassen sind sehr familienorientiert. Sie billigen es nicht, dass ein Elternteil einfach sein Kind zurücklässt.”
Das leuchtete mir ein. “Aber was ist, wenn eine Frau keine Kinder bekommen kann? Wenn sie unfruchtbar ist? Bedeutet das, dass sie sich nicht als Braut melden kann?”
Die Aufseherin lächelte tatsächlich: “Nein. Natürlich nicht. Es gibt viele Krieger, die einfach nur ihr Leben mit einer Frau teilen möchten. Sollte eine Frau keine Kinder wollen oder aus irgendeinem Grund nicht in der Lage dazu sein, dann gibt es da draußen auch für sie den perfekten Partner. Und sollte es ein medizinisches Problem sein, dann kann die fortschrittliche Koalitionstechnologie es häufig beheben.”
“Okay, aber was, wenn es nicht behandelt werden kann? Was ist, wenn sie einfach keine Kinder kriegen kann? Oder wenn sie sich sterilisieren lassen hat. Sie können ihr ja wohl nicht mal eben neue Eileiter wachsen lassen. Was, wenn sie keine Kinder will?”
Sie seufzte. Waren andere Frauen etwa nicht so neugierig wie ich?
“Im Programm für interstellare Bräute geht es darum, Liebe und Glück zu finden. Für viele Menschen—wie Aliens—hat das nichts mit Kindern zu tun. Das System wählt den perfekten Partner für Sie aus, Whitney. Nicht umgekehrt. Bei diesem Test wird nicht die passende Frau für einen Mann gesucht, sondern der richtige Mann für die Frau.”
Aufseherin Egara atmete einmal tief durch, dann führte sie weiter aus: “Das Match funktioniert, weil der ausgewählte Mann am besten Ihren Bedürfnissen und Wünschen entspricht. Es geht darum, die Frau glücklich und zufrieden zu machen. Die Koalition hat nämlich schon vor langer Zeit herausgefunden, dass Frauen das Rückgrat einer starken Gemeinschaft sind und für viele dominante Krieger, die sich nichts sehnlicher wünschen als jemanden zu beschützen und zu umsorgen, der Schlüssel für ein erfülltes Leben.”
Hm, das waren eine Menge unerwarteter Informationen, allerdings fühlte ich mich damit immer noch nicht besser. Nicht, dass ich keine Kinder wollte. Ehrlich gesagt hatte ich bei all dem Wahnsinn um meine Familie, Politik, Rassismus, Klimawandel und den schieren Erziehungskosten heutzutage gar nicht darüber nachgedacht. Aber vielleicht würde ich es mir nochmal überlegen—solange ich den richtigen Mann fand. Oder Alien.
“Was ist mit dem Rest?”
“Sie meinen, wenn eine Frau sich hat sterilisieren lassen? Ob ein ReGen-Tank den Eingriff wieder rückgängig machen kann?”
Keine Ahnung, was ein ReGen-Tank war, also nickte ich einfach.
“Ein durchtrennter Eileiter ist keine akute Verletzung, Whitney. Er muss nicht wiederhergestellt werden. Der ReGen-Tank würde die Stelle als geheilt betrachten, es sei denn die Operation wäre kürzlich gewesen und der Körper hätte sich noch nicht wieder vollständig erholt.”
Das musste wohl stimmen.
“Wenn sie einen Arm verloren hätten, dann würde er auch nicht einfach nachwachsen. ReGen-Tanks sind keine Wundermittel. Sie können zwar vieles beheben, aber selbst das ist möglicherweise nicht mehr machbar, wenn die Behandlung zu lange aufgeschoben wird.”
Wenn wir schon dabei waren, konnte ich sie gleich weiter ausfragen, oder? Ich war nämlich verdammt neugierig. Eine meiner größten Schwächen, wie meine Mutter immer gesagt hatte. Ich konnte mich nie einfach um meinen eigenen Kram kümmern: “Was ist mit Lesben und Schwulen? Alternativen Lebensstilen? Gibt es auch weibliche Krieger, die eine Braut suchen?”
“Fräulein Mason, wollen Sie damit sagen, dass Sie lesbisch sind?”
Ich schüttelte den Kopf: “Nein. Aber meine Cousine ist es. Sie ist Single und dieser Tage ergeht es ihr beim Thema Dating genauso mies wie mir.”
Die Aufseherin machte ein skeptisches Gesicht, ihre Augen aber blitzen verräterisch; als ob sie diese seltsame Gesprächswendung genoss. Ich konnte mir denken, dass es mit der Zeit langweilig werden musste, jeden Tag das gleiche Protokoll runterzuspulen.
“Ja, wir haben hier bereits lesbische Bräute abgefertigt. Im Moment werden überwiegend Frauen getestet. Mehrere Rassen verlangen allerdings nach homosexuellen Männern für Partnerschaften. Gerade vor zwei Tagen habe ich ein schwules Match abgefertigt. Es war mein drittes insgesamt.”
“Was?” Heilige Scheiße, dabei hatte ich nur gescherzt. Überwiegend jedenfalls.
“Was ist, wenn der schwule Typ ein freiwilliger Kämpfer ist und in einer Bar einen heißen Alien trifft?”
Darauf musste sie lachen und die Heiterkeit in ihrem Gesicht verwandelte sie von einer streng aussehenden Frau in, nun ja, eine echte Schönheit. Und sie war auch gar nicht so alt, wie ich erst gedacht hatte. Wahrscheinlich keine dreißig. “Nun, sie würden das Ende ihrer zweijährigen Dienstzeit abwarten müssen, um sich gemeinsam niederzulassen, aber sicherlich kommt so etwas auch ab und zu vor.” Sie wackelte mit den Augenbrauen: “Im Weltraum werden Bars aber normalerweise Kantinen genannt.”
Komische Wortwahl, aber egal. Ich konnte mir gut vorstellen, wie ultraheiße, schwule Aliens da draußen miteinander anbandelten und es half wirklich nicht dabei mich wieder abzukühlen. Mir war klar, dass ich ein unanständiges Faible hatte, also warum nicht. Heiße Typen blieben nun mal heiße Typen. Ich hätte nichts dagegen, ihnen zuzuschauen …
Die Aufseherin räusperte sich und machte sich wieder an ihre Aufgabe—mich ins All zu schicken.
“Wenden wir uns wieder Ihnen zu. Ich freue mich Ihnen mitzuteilen, dass das System ein Match für sie gefunden hat und Sie folglich auf einen Mitgliedsplaneten gesendet werden. Als Braut werden Sie möglicherweise nie mehr zur Erde zurückkehren, da alle Reisen von den Gesetzen und Gepflogenheiten Ihres neuen Planeten festgelegt und kontrolliert werden. Sie werden ihre Erdenbürgerschaft aufgeben und offiziell Bürgerin ihrer neuen Welt werden.”
Tränen stiegen mir in die Augen. Ich hatte seit Monaten nicht mehr geweint, jedenfalls nicht, nachdem ich erfahren hatte was mein Vater und Bruder angerichtet hatten. Meine Tränen waren aufgebraucht. Und jetzt? Mit der Gewissheit, dass ich nie mehr zurückkommen und nochmal von vorne anfangen würde? An einem Ort, an dem ich einfach ich selbst sein und neues Vertrauen schöpfen konnte, wo ich Leute finden würde, die keine Soziopathen ohne jedes Mitgefühl oder Moral waren.
Ich blinzelte sie weg.
“Geht klar.”
“Es gibt kein Zurück, Fräulein Mason. Gemäß Protokoll 6.2.7a können wir Sie nicht dazu zwingen mit jemandem zusammenzubleiben, der nicht mit Ihnen kompatibel ist, unabhängig davon wie genau das Testergebnis ist. Sie werden dreißig Tage lang Zeit haben, um zu entscheiden, ob der Hauptkandidat geeignet ist. Sollten Sie mit ihrem Partner nicht zufrieden sein, dann werden Sie einem anderen Partner auf dem Planeten zugewiesen. Sie werden jeweils dreißig Tage Zeit haben, um jeden Kandidaten anzunehmen oder abzulehnen, und zwar bis Sie sich mit einem Mann vom passenden Planeten niedergelassen haben.”
Aha, es gab also so etwas wie ein Rückgaberecht: “Solange ich nicht hierher zurückkommen muss, bin ich einverstanden.”
Sie stand auf und deutete mit dem Arm: “Gut. Wenn Sie dann nochmal auf dem Teststuhl Platz nehmen würden.”
Ich blickte auf das Zahnarztstuhldingsbums. Würde ich jetzt den Orgasmus bekommen, den ich so dringend brauchte? Ich tat, was sie von mir verlangte und mit einem Fingerwisch über ihr Tablet waren die Fesseln wieder in Position.
“Für Ihre Sicherheit,” erklärte sie. Sobald ich auf dem Stuhl lag, fuhr sie fort: “Für unsere Akten, Fräulein Mason, per Testprotokoll wurde Ihnen ein Partner ausgewählt und folglich werden Sie vom Planeten transportiert. Sie werden nicht mehr zur Erde zurückkehren. Verstehen Sie das und akzeptieren Sie das Match?”
Warum wollte sie es dreimal bestätigt haben? Bekamen andere Frauen an dieser Stelle Bammel? Wussten sie nicht, warum sie ins Bräutezentrum gekommen waren? “Ja.”
Der Stuhl kippte darauf nach hinten und ich konnte sehen, wie sich die Wand hinter mir aufschob. Der Teststuhl rutschte wie auf einer Schiene in den versteckten Raum auf der anderen Seite der Wand. Das winzige Zimmer leuchtete mit einer Anzahl hellblauer Lichter. Dann stoppte der Stuhl und ein Roboterarm mit einer fetten Nadel an der Spitze glitt lautlos an meinem Hals entlang.
“Keine Sorge. Das ist nur die NPU. Sie wird Ihnen erlauben andere Sprachen zu verstehen.”
Ich zuckte zusammen, als die übergroße Nadel meine Haut durchbohrte, danach spürte ich ein leichtes Kribbeln an der Einstichstelle hinter meinem Ohr. Ein wohliges Gefühl der Lethargie ließ mich erschlaffen, als ich in ein warmes blaues Wasserbad gesenkt wurde. Ich war so warm, so müde …
“Entspannen Sie sich, Fräulein Mason.” Ihr Finger wischte über das Tablet und ihre Stimme klang, als ob sie weit weit entfernt wäre: “Ihre Abfertigung beginnt in drei … zwei … eins …”
2

Captain Alarr, Vergnügungsresort Trixon, Planet Viken
Ich sah zu wie die anderen beiden vor der Tür auf und ab marschierten und vor Wut mit den Fingerknöcheln knacksten, gerade außerhalb von Doktor Helions Sichtfeld. Sein Gesicht füllte meinen Bildschirm und seine Miene war finster wie eh und je, selbst aus tausenden Lichtjahren Entfernung. Ich hatte ihn sofort kontaktiert, als ich die Nachricht von meinem Match erhalten hatte und die letzten paar Minuten hatte sich unser Gespräch im Kreis gedreht. Doktor Helion war unserer Vorgesetzter auf dieser Mission und unser einziger Geheimdienstkontakt. Außerdem hatte er keinerlei Verständnis oder Respekt für das heilige Mannesrecht seine Partnerin und seine Familie zu beschützen.
Kein bisschen.
Verdammt.
“Hören Sie, Helion—” begann ich und wollte ihm irgendwie vermitteln, dass ich auf keinen Fall meine Partnerin riskieren würde. Und sie war noch nicht einmal eingetrudelt. Aber das würde sie. Bald. Meine perfekte, ausgewählte Partnerin würde noch heute in diesen abgelegenen Ort transportieren. Ich kannte nicht einmal ihren Namen, und dennoch war ich bereits über alle Maße beschützerisch was sie betraf. Genau wie Oran und Taig, was der Grund war, warum ich die beiden ausgewählt hatte, um sich mit mir um sie zu kümmern.
“Kommandant oder Doktor, Captain Alarr,” warf Helion ein.
Er war ganz aufs Business fixiert und normalerweise klappte das gut auf Mission, besonders auf Einsätzen wie diesem hier, auf unserer Heimatwelt Viken. Wir waren vor Monaten hier angekommen und so tief in unsere Undercover-Rollen eingetaucht, dass es der Ankunft meiner interstellaren Braut bedurfte, um uns daran zu erinnern, dass wir die Guten waren.
“Viken mag sich zwar in einem anderen Sonnensystem befinden, aber Sie unterstehen immer noch meinem Kommando,” führte Doktor Helion aus. “Genau wie Ihre beiden Mitstreiter Oran und Taig.”
Er nahm an, dass sie mithörten. Natürlich taten sie das. Und er irrte nicht. Das kam nämlich äußerst selten vor.
“Sie alle gehören zu mir. Beeidigt und unterschrieben. Die Ankunft einer Braut kommt … ungelegen, aber Sie haben eine Mission zu erfüllen. Mir ist scheißegal, wenn die Göttin persönlich auf Viken erscheint, Sie machen ihren Job und benachrichtigen mich, sobald er erledigt wurde.”
Ich blieb zähneknirschend sitzen und warf dem Prillonen einen eindringlichen Blick zu. Ich hatte nur wenige Minuten Zeit ihm mein Anliegen vorzutragen, mich verständlich zu machen. Keine Stunde war vergangen, seit dem ich die Nachricht vom Testprogramm erhalten hatte. Ich hatte ein Match. Dann musste ich erst noch Oran und Taig finden und unser Quartier aufsuchen, um diesen geheimen Anruf zu tätigen.
Sollte die Verbindung zu lange dauern, dann würde der Feind uns womöglich entlarven— sie könnten die Kommunikation zum Geheimdienst zurückverfolgen und so herausfinden, dass wir nicht nur Teil der Sicherheitskräfte des Resorts waren. Und dann wären wir alle tot. Ich. Oran. Taig.
Und meine Partnerin.
Unsere Partnerin. Ich wäre unmöglich in der Lage, meine Rolle in unserer Mission zu erfüllen und meine Frau alleine zu beschützen, also hatte ich sie gebeten sich mir anzuschließen und sich der neuen Vikenschen Sitte nach als Trio aus je einem der drei Sektoren eine Frau zu teilen. Genau wie unsere drei Könige.
Ich kam aus dem ersten Sektor. Oran aus dem Sektor Zwei. Taig aus Sektor Drei.
Oran und Taig hatten nichts dagegen einzuwenden. Im Gegenteil, sie hatten sofort eingewilligt und waren genauso eifrig wie ich eine heiße, willige Frau für uns zu beanspruchen. Wenn statt an meiner Stelle einer von ihnen die Nachricht vom Bräuteprogramm bekommen hätte, dann wäre es genauso gelaufen. Wir alle waren jetzt verpartnert und erwarteten nur noch die Ankunft unserer Frau.
“Sie hat nichts damit zu tun, Doktor.” Kommandant wollte mir bei meinem gegenwärtigen Geisteszustand einfach nicht über die Lippen kommen. “Eine Freiwillige vom Programm für interstellare Bräute auf der Erde. Sie gehört mir. Ein Prillone wie Sie sollte das eigentlich nachvollziehen können. Ich kann nicht zulassen, dass sie sich in Gefahr begibt, während wir diese Mission erfüllen.”
“Doch, das müssen Sie,” konterte er, ohne auf meine Argumente einzugehen. Er mochte zwar ein Prillone sein, aber in diesem Moment sprach er wie ein Kommandant: “Wir haben seit Monaten die illegalen Waffenlieferungen verfolgt und wir wissen, dass sie über das Trixon-Resort nach Viken gelangen. Wenn Sie jetzt ihre Tarnung aufgeben, dann ist all diese Arbeit umsonst und tausende werden sterben. Haben Sie eine Ahnung wie schwer es war, drei Geheimdienstagenten von Viken zu finden, und zwar aus je einem der drei Sektoren und somit sicherzustellen, dass sie alle sozialen Gruppen unter den Mitarbeitern infiltrieren können? Es war fast unmöglich. Ich werde nicht noch einmal bei null anfangen und Sie drei werden wegen einer Frau jetzt nicht das Handtuch werfen.” Er schnitt mit der Hand durch die Luft: “Es gibt niemand anderes. Nur Sie und Oran und Taig. Wir können nicht einfach einen Atlanen als Ersatz schicken und ihn als Viken vom Sektor Eins durchgehen lassen. Nur weil ihre Schwänze in diese Braut wollen, können sie nicht einfach zu Idioten werden.”
Da war wohl was dran. Ich blickte kurz zu Taig und Oran rüber. Wir waren perfekt für diesen Job, und zwar weil wir Viken waren. Wir stammten tatsächlich aus den drei Sektoren, die wir in unseren verdeckten Rollen darstellten. Wir waren qualifiziert, um im weltweit exklusivsten, teuersten und luxuriösesten Vergnügungsresort als Sicherheitskräfte zu arbeiten. Vom ganzen Planeten kamen Vikensche Paare nach Trixon, um hier Urlaub zu machen. Ein hedonistischer Trip, bei dem jedes sexuelle Bedürfnis und jede Fantasie erfüllt wurde, ganz egal in welchem Sektor man lebte. Es gab Dozenten, die bei den erotischen Künsten behilflich waren, sei es der Wunsch nach öffentlichem Sex wie im Sektor Eins oder das tiefe Vertrauen und die Bindung, die nur das Analspiel hervorbrachte. Sei es das Verlangen nach Fesselspielen und Unterwerfung im Sektor Zwei oder das besondere Talent für die oralen Künste im Sektor Drei. Kein Wunsch oder Bedürfnis blieb unerfüllt, ob nun von einem einzelnen Mann mit einer Frau oder dem neueren Brauch entsprechend drei Männern aus den drei Sektoren mit einer Frau.
Und als Mitglieder des Elitesicherheitsteams sorgten wir dafür, dass der Aufenthalt der Gäste unbeschwert und unvergesslich war. Und sicher. Allem voran sicher.
Und jetzt bestand die Möglichkeit, dass wir unsere eigene Partnerin in Gefahr bringen könnten. Ich schloss die Augen und war noch nicht bereit der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Helion hatte recht. Zum Teufel, aber er hatte recht. Unserer Partnerin die Wahrheit zu sagen würde sie in noch größere Gefahr bringen. Sie abzulehnen würde uns alle in Gefahr bringen. Kein einfacher Sicherheitsmann würde eine interstellare Braut ablehnen. Verdammt, die drei Könige hatten auch ihre Braut akzeptiert und ihre Tochter hatte den Planeten vereint, zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Helions Stimme ließ mich resigniert die Augen öffnen.
“Captain, diese Waffen werden weiterhin in falsche Hände geraten und Ihre Partnerin, auch wenn sie wichtig ist, ist nicht so wertvoll wie die Leben tausender Unschuldiger. Sie bringen Ihre Mission in Trixon zu Ende oder ich sorge dafür, dass Sie die nächsten zwanzig Jahre wegen Hochverrats im Knast verrotten. Haben Sie verstanden?”
“Mistkerl.” Taig fluchte gerade laut genug, damit Oran und ich es hören konnte, nicht aber Doktor Helion. Ich hob warnend die Hand. Helion war bereits genervt—ich wollte nicht auch noch für Hochverrat im Knast landen. Von einer Gefängniszelle aus könnte ich nämlich unmöglich meine neue Familie beschützen. Die Familie, die ich mir so sehr wünschte; auch wenn ich meine Partnerin noch gar nicht kennengelernt hatte. Mein Schwanz zuckte beim Gedanken an ihre Ankunft. Bald.
Sie war von der Erde. Sie gehörte mir. Noch in der nächsten Stunde würde sie zu mir transportieren. Das war alles. Ich wusste zwar nichts über sie, fühlte aber jetzt schon meinen Besitzerdrang und Beschützerinstinkt aufflammen. Die Götter mochten mir beistehen, denn sobald ich sie einmal in den Armen hielt, würde ich sie nie mehr loslassen. Sie nie mehr aus den Augen lassen. Einer von uns würde immer bei ihr sein. Sie beschützen.
Ich schaute zu meinen beiden Kumpels auf und blickte Taig in die Augen. Sein Nicken war entschlossen, seine Verspieltheit war verflogen. Für unsere Partnerin ging es um Leben oder Tod und wir alle mussten uns des Risikos bewusst werden, es akzeptieren.
Mit Taigs Zustimmung wandte ich mich Oran zu. Er kniff seine hellen Augen zusammen. Der glühende Eifer in seinem Blick und die Röte seiner sonst so blassen Haut standen im Kontrast zu seinem goldenen Haar. Er war sich der Risiken ebenfalls bewusst und was die Konsequenzen wären, sollten wir uns von unserer Partnerin abwenden—oder unserem Vorgesetzten. Er ballte die Fäuste zusammen und nickte. Wir waren uns also einig.
Unsere Partnerin würde eintreffen. Wir würden sie beschützen—und ihr nichts von unserer Mission erzählen—und zwar bis sie vorbei war. Wir würden auf sie aufpassen, unseren Job zu Ende bringen, vom Planeten verschwinden und uns wieder an die Arbeit machen.
“Verstanden, Doktor.”
Ich räusperte mich und mir war klar, dass mein sonst so blasser Teint, der meinen feuerroten Schopf begleitete, vor lauter Wut knallrot war. Der Doktor war kein Dummkopf. Er brauchte nur einen Blick auf mich zu werfen, um zu wissen, dass ich es ernst meinte. Ich war kein Rekrut, der frisch aus der Koalitionsakademie kam. Genauso wenig Oran oder Taig. Wir waren Geheimdienstagenten und seit Kurzem der Kampfgruppe Zeus zugewiesen. Von dort aus wurden wir auf alle mögliche Missionen geschickt. Keine dieser Missionen hatte uns nach Viken geführt, bis jetzt.
Ich war Captain im Geheimdienst, mit über zehn Jahren Kampferfahrung in diesem Krieg. Der Abstecher auf unseren Heimatplaneten um Waffenschmuggler aufzuspüren war nur vorübergehend. Und auch wenn wir den Ursprung der Waffen herausfinden würden, so würde ich auch für den Rest meines Lebens verpartnert werden. Es wurde Zeit, ihn daran zu erinnern.
“Solange wir uns hier in Trixon aufhalten, werden Sie dafür sorgen, dass meine Frau und alle drei ihrer Vikenmänner eine angemessene Unterkunft haben. Sobald die Mission beendet ist, werden wir zur Kampfgruppe Zeus zurücktransportieren. Und von jetzt an werden immer nur zwei von uns einer Mission zugewiesen. Wir werden unsere Partnerin nicht ohne Schutz lassen.”
Mein Blick war zwar auf Helion gerichtet, aber ich konnte sehen, wie Taig und Oran zustimmend nickten.
Helion machte eine abwimmelnde Handbewegung: “Selbstverständlich. Ich bin Prillone, wie Sie gesagt haben. Mir ist klar, dass Sie Ihre Partnerin beschützen müssen. Ich müsste mich schon gründlich in Ihnen getäuscht haben, wenn drei Geheimdienstleute so schlecht ausgebildet sind, dass sie es nicht einmal schaffen eine unschuldige Frau in einem Ferienresort zu beschützen.”
Wollte er mich verarschen? “Wir werden sie um jeden Preis beschützen.”
“Natürlich werden Sie das, und deshalb ist diese Diskussion jetzt auch zu Ende.” Der Doktor redete weiter und ich biss mir auf die Zunge. “Aber Sie sind zu dritt auf Viken und Ihre Tarnung beschränkt sich aufs Sicherheitsteam. Ihr Zugang zu den … schlüpfrigeren Bereichen ist damit begrenzt. Vielleicht können Sie Ihre Partnerin beschützen … und sie gleichzeitig benutzen, um die Mission zu erfüllen? Eine Win-win-Situation.”
Ich ahnte, worauf er hinauswollte und die Vorstellung gefiel mir nicht.
“Captain Alarr, Sie sind am perfekten Ort, um eine neue Braut willkommen zu heißen. Die heimeligen Hütten auf Viken sind bekannt für ihre erotischen Künste, ganz besonders das Ferienresort in Trixon.” Er beugte sich näher ran und grinste wie nur ein Prillone es vermochte; seine scharfen Züge ließen es nämlich nicht zu, dass sein Mund sich zu einem wahrhaftigen Lächeln verzog. Er sah aus wie ein Monster, aber das würde ich ihm nicht sagen.
“Benutzen Sie sie, Gentlemen. Ich weiß, dass alle drei von Ihnen mich hören können. Das ist Ihre Mission und die Ankunft einer Partnerin stellt die perfekte Ablenkung dar, den Durchbruch, den wir brauchen. Im Sicherheitsteam zu sein ist eine Sache, mit einer neuen Braut aber werden Sie Zugang zu jeder Hütte bekommen. Jedem Meeting. Jedem Club. Das Resort wird Ihnen bestimmt erlauben, in Ihrer Freizeit an den Angeboten teilzunehmen. Und wenn wie vermutet Kommandant Clive hinter dem Deal steckt, dann wird er keinen Verdacht schöpfen, wenn Sie Zugang zu diesen neuen … Bereichen erhalten.”
Es kam selten vor, dass ich einem Vorgesetzten am liebsten die Fresse poliert hätte. Das hier war einer dieser Fälle. Kommandant war Chef des Sicherheitsteams in Trixon. Wir hatten absolut keine Beweise, dass er in den Waffenschmuggel verstrickt war, aber Helion ließ nicht locker. Er sagte, er hatte den Mann getroffen und er war ihm suspekt.
Instinkt.
Wie auch immer. Ich zog es vor, Beweise zu haben, ehe ich mir über einen Krieger ein Urteil machte. Logisch.
Und jeder rationale Knochen in meinem Körper brüllte regelrecht, ich sollte meine Partnerin schnappen und das Weite suchen. Leider stand das nicht zur Debatte.
Helion war noch nicht fertig: “Besorgen Sie es ihr, so oft Sie wollen, aber Sie müssen sich die Frau zunutze machen und das Schiff finden. Identifizieren Sie den Lieferanten und bringen Sie den Ortungssender an seinem Schiff an, bevor es den Luftraum von Viken verlässt.” Er lehnte sich zurück und lächelte. Hätte ich es nicht besser gewusst, dann würde ich sagen er hatte das interstellare Bräuteprogramm manipuliert, um dieses Szenario zu seinem Vorteil zu nutzen.
Aus seiner Sicht hörte es sich so einfach an. Die Schmuggler finden, ihnen zur Waffenübergabe folgen und einen Sender am Schiff anbringen, damit der Geheimdienst die Hintermänner in der Koalitionsflotte aufspüren konnte.
Kinderleicht. Oder? Seit Monaten hatten wir die illegalen Waffenlieferungen nach Viken zurückverfolgt, in exakt dieses Resort, aber wir wussten immer noch nicht, wer dahinter steckte.
Aber wir hatten eine gute Vorstellung davon, wann das nächste Liefershuttle eintreffen würde. Wir mussten nur unsere Partnerin bei Laune halten, die Mission vor ihr verbergen, die Schmuggler aufspüren und uns in den Übergabebereich schleichen, dann unbemerkt einen Ortungssender am Koalitionsshuttle anbringen und zurück zum Schlachtschiff Zeus verschwinden, wo wir glücklich und zufrieden bis ans Ende unserer Tage leben würden.
“Was für ein Scheiß-Chaos.”
Helion tat, als ob er meine Beschwerde überhört hatte: “Da Sie bereits entdeckt haben, wo die Waffen vor der Auslieferung aufbewahrt werden, dürfen Sie die Lieferung jetzt nicht aus den Augen verlieren. Die Waffen müssen Rund um die Uhr überwacht werden. Erst wenn Sie wissen, wer den Schmuggel durchführt und Sie die Sender an den Kisten angebracht und sich vergewissert haben, dass sie aufs Liefershuttle verladen wurden, erst danach werden Sie aufs Schlachstchiff Zeus zu ihrer vorherigen Mission zurückkehren und wieder nach den getarnten Hive-Schiffen suchen. Bis dahin aber brauche ich Sie auf ihrer Heimatwelt. Auf Viken. Im Trixon-Resort. Sie werden es ja wohl schaffen, dass ein Mann immer bei Ihrer Partnerin bleibt. Sie müssen Ihre Pflicht tun und die anderen Koalitionswelten beschützen. Halten Sie diese Waffen im Blick. Wir sind zu dicht am Ziel, um einfach aufzugeben. Partnerin hin oder her.”
“Das gefällt mir nicht.”
“Ist mir egal. Sie machen Ihren Job. Haben wir uns verstanden?” schnappte er.
Ich würde mich nicht noch einmal vor ihm verneigen. Er war mein Vorgesetzter, aber er war auch ein richtiger Arsch und er wusste es. Uns zu zwingen unsere Partnerin zu benutzen, sie zu befriedigen, um einen Waffenschmugglerring zu infiltrieren? Die Vorstellung sie so zu hintergehen bewirkte, dass ich am liebsten auf etwas einprügeln wollte. Auf ihn.
Ihre Lust sollte unverfälscht sein, unbeeinträchtigt von Unwahrheiten oder Doktor Helions Befehlen. Aber so würde es nicht laufen. Nicht, solange wir uns auf Viken aufhielten. “Sobald das hier vorbei ist, werden wir unsere Frau aufs Schlachtschiff Zeus transportieren. Alarr Ende.” Das war alles, was ich dazu zu sagen hatte.
Ich beendete die Verbindung und wandte mich den beiden Männern zu, die meine Partnerin mit mir teilen und mir dabei helfen würden sie zu beschützen und zu verwöhnen.
Die mir dabei helfen würden ihr etwas vorzumachen.
Taig war dunkelhaarig, seine welligen Strähnen waren ein wildes Durcheinander, das ihm knapp unters Kinn reichte. Er sah aus wie ein Barbar, mit breiten Schultern und schweren Muskeln, was gar nicht so unpassend war, immerhin stammte er aus dem Sektor Drei. Das stahlgraue Band an seinem Arm verriet seine Zugehörigkeit zu diesem Sektor und tat allen verfügbaren Frauen gleichzeitig kund, dass er es liebte sich an der feuchten Hitze zwischen ihren Schenkeln zu laben; fast genauso sehr wie Oran es liebte seine Gefährtin zu dominieren und zu unterwerfen.
Oran kam aus dem Sektor Zwei und war wie dort üblich von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet. Die Farbe stand im satten Kontrast zu seinem hellblonden, kurzgeschorenen Haaren. Seine eiserne Willenskraft aber war es, was uns in der Vergangenheit mehr als einmal das Leben gerettet hatte und auf die ich mich auch jetzt verlassen würde. Er würde unsere Partnerin erbittert verteidigen.
Auf die beiden war Verlass. Das hier war nicht unsere erste gemeinsame Mission, wohl aber das erste Mal, dass der Geheimdienst uns auf unsere Heimatwelt Viken entsandt hatte. Die Rückkehr war bittersüß und unser Aufenthalt im Trixon-Resort kam mit der ständigen Erinnerung daher, dass wir keine Partnerin hatten. Keine Frau, die es zu schützen und zu verwöhnen galt. Die anderen Männer mit ihren zufriedenen Partnerinnen zu sehen hatte bewirkt, dass ich mich plötzlich nach Dingen sehnte, von den ich jahrelang nicht einmal zu träumen gewagt hatte.
Ein Zuhause. Familie. Kinder. Einen Grund weiterzukämpfen. Diesen Trost benötigte ich jetzt mehr denn je. Zehn Jahre lang den Hive nachzuspüren hatte tiefe Narben hinterlassen, die niemals völlig verheilen würden. Und diese emotionalen Risse hatten mit der Zeit angefangen mich zu zermürben. Taig und Oran gegenüber würde ich es zwar nie zugeben, aber ich war dabei kaputtzugehen und ich brauchte unsere neue Partnerin, um mich wieder ganz zu machen.
Sie war ein Geschenk. Eine Gabe, die ich behüten, verehren und verwöhnen wollte. Beschützen wollte. Helion aber verlangte, dass wir sie benutzten. Sie anlogen. Ihr Vergnügen bereiteten, um uns auf der Jagd einen Vorteil zu verschaffen.
Der Gedanke ließ mich vor Wut aufschäumen und dennoch war klar, dass ich seinem Befehl Folge leisten würde. Sobald meine Partnerin nämlich vor mir stand, würde ich mich nicht davon abhalten können sie kreuz und quer auf meinem Schwanz kommen zu lassen. Ich malte mir ihre Lustschreie aus, sobald wir ihren Körper wieder und wieder zum Orgasmus bringen würden. Die Macht unseres Samens würde sie ununterbrochen um mehr betteln lassen. Immer mehr.
Ich rückte meinen Schwanz in meiner Uniform zurecht und starrte auf den mittlerweile leeren Bildschirm: “Ich glaub’s einfach nicht.”
“Langsam fange ich wirklich an, diesen Prillonen zu hassen.” Oran schritt mit angespanntem Rücken vor der Tür auf und ab und sein wachsamer Blick fiel immer wieder auf die Ausgänge unseres Quartiers.
“Er macht nur seinen Job,” bemerkte Taig. “Wir machen unseren und gleichzeitig können wir unserer Partnerin auch noch so viele Orgasmen besorgen, dass sie gar nicht merken wird, dass wir auch noch aus einem anderen Grund hier sind. Wenn wir sie dann zum Schlachtschiff zurückbringen, wird sie an unseren Gefühlen für sie keinen Zweifel mehr hegen. Und wir werden sie aus der Schusslinie halten. Wir sagen ihr, dass diese besondere Kennenlernzeit von Anfang an geplant war. Für sie. Eine spezielle, traditionell Vikensche Paarung, die wir arrangiert haben, um sie glücklich zu machen.” Taig lungerte jetzt auf einem Stuhl ausgebreitet, das eine Bein vor sich ausgestreckt und das andere über die Armlehne gehängt und sein Fuß schaukelte unbeschwert.
Er war der Schlingel unter uns. Redegewandt und charmant mit den Damen, einem Feind aber würde er die Kehle aufschlitzen, noch ehe diesem klar wurde, dass sein Lächeln nicht ganz bis zu seinen dunklen Augen reichte. Er würde unsere Partnerin ebenfalls gut beschützen. Und sie mit einem oralen Geschick beglücken, das ich einfach nicht besaß. Der Gedanke störte mich nicht, denn ich würde sie auf andere Arten befriedigen.
Ich fuhr mit den Händen über meine dunkelbraune Uniform und runzelte die Stirn: “Mir gefällt diese Sache nicht. Sie ist unsere Partnerin und keine Marionette für Helions Spielchen.”
“Alarr, wir alle sind Marionetten. Und wir müssen diese Waffen aus dem Verkehr ziehen oder es wird noch ein Massaker geben.” Taig hatte nicht unrecht. Vor wenigen Monaten erst waren auf einem illegalen Umschlagplatz außerhalb des Koalitionsgebiets dutzende Unschuldige abgeschlachtet worden. Die Waffen der Angreifer? Unsere. Koalitionsbestand. Und wir hatten die letzten paar Monate damit verbracht, ihnen bis nach Viken nachzuspüren. Als der Geheimdienst sie bis hierhin zurückverfolgt hatte, hatte Doktor Helion uns vom Schlachtschiff Zeus abgezogen und uns in unsere Heimatwelt versetzt.
Ich verstand die Logik dahinter, aber das hieß nicht, dass ich lange Wochen damit verbringen wollte, als Single durch ein Erotikparadies zu schlendern. Ohne Partnerin.
Aber wir hatten unsere Zeit hier genutzt. Wir hatten einen Hinweis darauf, dass in den nächsten Tagen eine weitere Waffenlieferung über die Bühne gehen würde.
Vielleicht könnten wir ja unsere Partnerin beglücken … und sie gleichzeitig ausreichend ablenken, um sie aus der Sache rauszuhalten.
Viken hatte einen besonderen Platz in meinem Herzen. Der Planet war meine Heimat. Aber meine Familie war seit langem tot und vergessen. Ich war ewig nicht mehr zuhause gewesen und meine Cousins hier führten ihr eigenes Leben. Es wurde Zeit mich wieder an die Arbeit zu machen und alle Koalitionswelten zu verteidigen. Viken war einfach zu klein. Ich fühlte mich hier klein.
Ein nagelneues Schlachtschiff und ein neuer Kommandant erwarteten uns. Kommandant Zeus hatte sich in der Auswahl auf Prillon Prime mühelos durchgesetzt und die anderen Kandidaten so schnell besiegt, dass sich die Nachricht seiner Unbarmherzigkeit wie ein Lauffeuer in der Koalition verbreitet hatte. Schlachtschiffkommandanten gehörten zur Elite, selbst unter den Prillonischen Kriegern. Ihre Familiennamen gründeten später Dynastien, die über Jahrhunderte fortbestanden.
Hinzu kam, das Zeus nur zur Hälfte Prillone war und sein Ruf war in der gesamten Flotte regelrecht in Flammen aufgegangen. Er war halb Prillone und halb Mensch. Von der Erde.
Der kleine Planet war erst seit wenigen Jahren Probemitglied der Koalition, sein Einfluss aber war rasch gewachsen. Zuerst hatten die drei Könige eine menschliche Frau als Partnerin genommen, dann hatte Prime Nial persönlich zusammen mit seinem Sekundanten Ander eine menschliche Frau in der Kampfarena von Prillon Prime vor den Augen der gesamten Koalition für sich beansprucht. Ihre kehligen Lustschreie waren live auf jedes Schlachtschiff und jeden Planeten übertragen worden. Seit dem war sie mehr als eine Legende. Jessica Deston, die unerschrockene, leidenschaftliche Frau, von der jeder ledige Mann in der Koalition träumte, sie zu erobern. Sie zu ficken. Davon, solch einer starken, ungestümen Frau würdig zu sein.
Ein Blick auf ihren Zweitpartner Ander genügte und selbst die Atlanischen Kriegsfürsten verkniffen sich jeden Kommentar über ihre Schönheit und ihre Leidenschaft. In den Kantinen aber, zwischen Kampfeinsätzen, wurde unter Kriegern und Kriegsfürsten über den kleinen blauen Planeten und seine begehrenswerten Frauen viel diskutiert. Und zu ihrem legendären Status kam noch die Tatsache dazu, dass sie sich erfolgreich mit zahlreichen Rassen gepaart hatten, mit Atlanen, Prillonen, Viken, Trionen, Everianern … selbst die Kontaminierten auf der Kolonie konnten diesen wilden Frauen keine Angst machen.
Eine von ihnen sollte sogar einen Nexus mit bloßen Händen getötet und ein Forsianisches Monster für sich gezähmt haben … einen kontaminierten Forsianer von Rogue 5. Der Mistkerl hatte Giftzähne.
Eine andere berüchtigte Erdenfrau war die Vizeadmiralin Niobe von der Koalitionsakademie. Nur Prime Nial persönlich war mächtiger als sie.
Und jetzt hatte ich auch eine Menschenfrau abbekommen. Eine Partnerin von der Erde. Eine zarte, kurvige, furchtlose Menschenfrau, die ich verwöhnen und umsorgen würde.
Die Krieger auf dem Schlachtschiff Zeus würden mich um sie beneiden. Mich, Oran und Taig. Sie gehörte uns und wir würden sie niemals aufgeben.
Wir hatten Zeus kaum kennengelernt, aber ich hatte ausreichend Zeit mit ihm verbracht, um zu wissen, dass er ein außergewöhnlicher Krieger war, ein guter Kommandant und jede Sekunde, die wir damit vergeudeten diese Schmuggler auf Viken aufzuspüren war ein weiterer Tag, an dem die Koalitionsflotte verwundbar war. Oran, Taig, und ich hatten vor dieser Mission unter einem anderen Geheimdienstkommandanten gedient, einem Prillonen namens Ronan. Dann war uns die frohe Botschaft zu Ohren gekommen, dass Ronan eine Partnerin gefunden und Kommandant Karters Sekundant im Sektor 437 geworden war. Nachdem er die Zerstörung des Schlachtschiffs Varsten überlebt hatte, war er permanent zur Karter gewechselt, um bei seiner neuen Familie zu sein. Er hatte unser Trio, den Sektor 438, die neue Crew und das Schlachtschiff Zeus hinter sich gelassen. Für immer.
Das wiederum hatte Kommandant Zeus und seine neue Kampfgruppe ohne Support vom Geheimdienst dastehen lassen. Eigentlich sollten wir drei diesen Support bilden. Die unsichtbaren Hive-Schiffe waren immer noch da draußen. Sicher, Kommandant Ronan hatte es geschafft, eines davon zu zerstören, ehe die Karter getroffen worden wäre, aber der Geheimdienst ging davon aus, dass es noch mehr gab.
Die Hive waren überaus effizient. Wenn sie eines hatten, dann hatten sie wohl gleich ein dutzend gebaut. Hundert.
Die Götter mochten uns beistehen. Wir mussten von diesem Planeten verschwinden und zurück in den Weltraum. Langsam kam ich mir hier unten wie festgenagelt vor, wie ein Tiger im Käfig.
Und jetzt das noch. Eine Frau. Eine Partnerin. Mein Herz schlug höher, mein Schwanz regte sich. Ein Gefühl der Zufriedenheit machte sich in meiner Brust breit.
Scheiße.
Wie sollte ich sie beschützen, wenn ich eigentlich Tag und Nacht das Resort auskundschaften sollte? Wenn die Jagd auf einen Waffendealer wichtiger sein sollte als sie? Ich war ein erbärmlicher Partner, hatte diese Frau nicht verdient. Ich verdiente überhaupt keine Frau, aber schon gar keine Frau von der Erde.
Oran verschränkte die Arme und seinen versetzten Füßen nach war er bereit, einen Treffer einzukassieren: “Wir haben keine Wahl, Alarr. Sie ist bereits unterwegs. Sie gehört uns. Wir werden sie beschützen. Ihr Vergnügen bereiten, ganz gleich, was Helion von uns verlangt.”
“Kannst du Gedanken lesen?” fragte ich.
“Nein. Wir alle denken das Gleiche. Diese Situation ist nicht das, was wir uns gewünscht haben.” Er zog einen Pfeil aus seinem Rückenköcher. “Aber wir werden herausfinden, wer Viken als Zwischenstopp für seine geklauten Waffen benutzt. Und wir werden unsere Partnerin erobern. Wir sind zu dritt. Wir werden sie beschützen, den Waffendealer schnappen und von hier verschwinden.”
“Je eher, desto besser,” stimmte Taig zu.
Grinsend betrachtete ich noch einmal die beiden Männer, mit denen ich unsere neue Partnerin in der Familie begrüßen würde. Sie waren anständige Krieger. Versiert. Ehrenhaft.
Familie.
Ich nickte. Der Plan war zwar nicht ideal, aber uns blieb keine andere Wahl. Unsere Partnerin würde jeden Moment eintreffen. Wir waren immer noch auf verdeckter Mission. Wir hatten eine Partnerin zu beschützen und eine Mission zu erledigen. Wir waren zu dritt. Wir konnten beides bewerkstelligen. “Gehen wir. Sie wird gleich eintreffen.”
Taig stieß ein Johlen aus und das Grinsen auf meinem Gesicht verwandelte sich ohne mein Zutun in ein erwartungsvolles Lächeln. Wie würde sie wohl aussehen? War sie unerschrocken oder ruhig? Wild oder zurückhaltend? Weich und kurvenreich oder schlang und muskulös?
War das von Bedeutung?
Nein. Sie gehörte mir. Mein perfektes Match und ich konnte es kaum erwarten sie zu erobern.
3

Whitney, Transportraum im Trixon-Resort, Planet Viken
Der zerrende Transportschmerz ließ nach und ich blinzelte, als ich versuchte die Orientierung wiederzufinden. Ich war keine Triathletin. Ich rannte nicht zum Spaß die Treppen rauf und ich materialisierte meinen Körper auch nicht durchs Weltall, um zu anderen Welten zu reisen.
Bis heute.
Ich drückte mich auf die Arme hoch und blickte mich um. Vielleicht war es sogar gut, dass ich auf einer kalten, harten Oberfläche lag. Um mich herum war ein weicher, seidiger Stoff gewickelt und ich erkannte, dass ich bis zu den Knöcheln in ein schimmerndes Gewand gehüllt war, das auf meiner mokkafarbenen Haut wie dunkle Schokolade aussah. Unten drunter konnte ich weder BH noch Höschen ausmachen, als ich aber aufblickte und die drei Männer entdeckte, die dabei waren mich mit ihren Augen zu verschlingen, bezweifelte ich, dass ich Unterwäsche brauchen würde.
Heilige Scheiße. Das waren nicht nur irgendwelche Männer. Es waren Viken und sie waren so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Einer von ihnen trat nach vorne, sein sattes, rotbraunes Haar war im Nacken zurückgebunden. Er sah aus wie ein altertümlicher Wikinger, die helle Haut, die hellbraunen Augen und das rote Haar erinnerten mich an die heißen Kriegertypen, die ich letztes Jahr im Kabelfernsehen gesehen hatte. Seine Uniform jedoch sah total abgefahren aus, ungefähr wie bei Star Trek. Dunkelbraun, mit einer Art Band um seinen Arm und einer Space-Knarre an der Hüfte.
Richtig, einer Space-Knarre. Wir waren definitiv nicht auf der Erde.
Er kam auf mich zu und ging aufs Knie runter, dann reichte er mir die Hand: “Ich bin Alarr, dein Partner.”
Seine Hand war ruhig. Meine war es nicht. Ich zitterte wie Espenlaub, als ich mich vom Boden stieß und seine Hand annahm, damit er mir beim Aufstehen half. Seine Berührung war warm. Bestimmt. Ich stellte mir vor, wie diese langen, dicken Finger sich an mir zu schaffen machten und erschauderte. Ich war vor gerade einmal zehn Sekunden auf dem Planeten angekommen und dachte bereits an Sex.
Er lächelte: “Ich freue mich, dich in der Farbe meines Sektors zu sehen. Du bist wunderschön, Liebling.”
“Holt unserer Partnerin einen Umhang. Sofort.” Auf das scharfe Kommando hin riss ich den Kopf herum und sah einen grimmigen Mann mit militärischem Kurzhaarschnitt und Augen, die glatt in mich hineinblickten. Sein Anblick bewirkte, dass ich wieder erschauderte und meine Nippel stellten sich auf und meine Pussy zog sich bei der Erinnerung an vergangenes Vergnügen bereits zusammen.
Ihn hatte ich zwar nicht im Traum getroffen, aber jemanden, der ihm verdammt ähnelte. Einen Mann, dessen Stimme absoluten Gehorsam verlangte. Dominanz. Ich war vor keinen dreißig Minuten auf der anderen Seite des Universums aus meinem Testtraum aufgewacht und die Eindrücke und Empfindungen des Traumes hallten immer noch heiß und wild durch meine Körperzellen. Und diese Stimme. Verdammt. Er war echt scharf.
Ich blickte zu ihm auf und erneut lief mir ein Schauer über den Rücken. Nein. Es war kalt. Wie Eis. Eis, das gleichzeitig in Flammen stand.
Aufseherin Egara wusste genau darüber Bescheid, was sie den Bräuten antat, oder? Mit dem Traum machte sie uns ganz geil und hibbelig, dann schickte sie uns zu ein paar heißen, virilen Alien-Kriegern mit lüsternen Augen und steinharten Schwänzen.
Weder Alarr noch der Blondschopf versuchte sein Interesse für mich zu verbergen. Ebenso wenig die Art, mit der sich ihre Schwänze unter ihren Hosen abzeichneten. Und egal wie sehr sich unter der Ausstrahlung des blonden Mannes meine Pussy zusammenzog, ich war dankbar für Alarrs Hand in meiner, seine ruhige, aufrichtige Geste war eine Zusicherung, dass es mit dem Eismann nicht zu weit gehen würde.
Beim Sex war ich noch nie an meine Grenzen gestoßen. Aber das würde sich schon bald ändern und der Gedanke erregte und erschreckte mich zugleich.
Was hatte ich mir nur eingebrockt? Ich hatte mein Leben auf der Erde aufgegeben, mein Apartment an der Küste und den Strand hinter mir gelassen. Ich hatte mich von einer Familie abgenabelt, die alles kaputtgemacht hatte. Ich hatte eine Chance ergriffen. Den Neuanfang gewagt.
Ein Neuanfang. Das war es. Keine Vorschriften. Keine Vergangenheit. Nur ich.
Und sie. Meine Männer. Alle drei von ihnen.
Alarr führte mich bis vor den zweiten Mann und dessen Augen waren blau wie Eis, sein Fokus war auf mich gerichtet, aber Alarr ergriff das Wort: “Liebling, das hier ist Oran, dein zweiter Partner. Er wird dich ebenfalls beschützen und dir Vergnügen bereiten.”
Oran ergriff meine Hand und verneigte sich inbrünstig, dann küsste er die Innenseite meines Handgelenks; ein Kuss, der meine Wirbelsäule durchzuckte. Keine Kälte, sondern Hitze breitete sich von der kleinen Stelle aus, an der er mich berührte: “Hallo, Liebling.”
Er hob seinen Blick und betrachtete mich. Er verweilte auf meinen runden Hüften und meinen vollen Brüsten, an denen der Stoff wie eine zweite Haut anklebte. Als sein Blick auf meine Lippen fiel, konnte ich der Einladung in seinen Augen nicht länger widerstehen und neigte mich ihm entgegen.
Heiliger Scheiß. Diese Jungs waren wie Feuer. Reinstes Feuer. Ich steckte echt in Schwierigkeiten. Und der Testtraum? Eher wie ein kleiner Porno zum Aufwärmen.
Er zog mich in seine Arme und küsste mich zärtlich auf den Mundwinkel: “Ich muss gehen, Liebling. Ich muss mich zur Patrouille melden. Alarr und Taig werden sich bis zu meiner Rückkehr um dich kümmern.”
Seltsam enttäuscht, weil ich nicht alle drei von ihnen bekommen würde, und zwar jetzt gleich, drehte ich leicht den Kopf und küsste ihn auf die Lippen. Sanft. Flüchtig. “Kannst du dich nicht krankmelden?”
Wie schamlos. Ich war vollkommen übergeschnappt und es war mir egal. Ich hätte einfach nur nicken und mir etwas Zeit nehmen sollen, um mich an … das alles hier zu gewöhnen, aber ich war so aufgereizt. Ich war ernsthaft scharf auf drei heiße Aliens.
Ich war kühn, aber normalerweise war ich nicht so dreist, wenn es um meine Sexualität ging, erst recht nicht mit jemandem, den ich eben erst getroffen hatte. Ich wusste, dass das ansonsten weiche Braun meiner Wangen bei diesen Worten eine rote Färbung annehmen würde, aber das war mir egal. Ich hatte es satt, immer von Angst beherrscht zu werden und nicht um das zu bitten, was ich wollte. Das war mein altes Ich. Das Erden-Ich. Mitanzusehen, wie meine Familie auseinandergebrochen war, wie mein Vater und Bruder im Knast gelandet waren, hatte mir unsere Vergänglichkeit bewusst gemacht. Ich hatte nur ein Leben. Ein einziges. Ich war es leid, mich davor zu fürchten es auch zu leben.
Und ich war nicht länger auf der Erde. Ich konnte endlich ich selbst sein. Nur ich selbst. Nicht die Whitney Mason von der berüchtigten Mason-Familie. Sondern Whitney, die Partnerin von Alarr. Und zwei anderen.
Oran trat zurück und schüttelte den Kopf: “Du meinst, ich soll eine Krankheit vorgaukeln, um bei dir bleiben zu können?” Sein Blick wanderte zu Alarr und die Hitze in seinen Augen wurde von etwas ersetzt, das wohl nur seine Beute zu Gesicht bekommen würde, sobald er auf Jagd ging. Sein Blick war leer, gnadenlos und ich wollte wirklich nicht das sein, wofür er auf Patrouille ging. Als sein Blick jedoch wieder auf mich fiel, kehrte die Hitze sofort zurück, zusammen mit etwas anderem. Zärtlichkeit. Verwunderung. Womöglich Stolz, weil ich mein Verlangen für ihn geäußert hatte? “Das geht nicht. Ich muss los. Aber ich schwöre, Liebling, die verpasste Gelegenheit werde ich mehr als wieder gutmachen. Alarr und Taig werden alle deine Wünsche erfüllen.”
Dann drehte er ab und entfernte sich, er ließ mich atemlos stehen, während Alarrs Hand sich auf meinen unteren Rücken legte. Hitze machte sich in mir breit, als ich begriff, dass dieser vorzügliche, räuberische Krieger für mich bestimmt war. Alarr war für mich. Oran war für mich. Mich. Mich. Mich.
Aber das waren nur zwei und jetzt, nachdem ich diesen Traum gehabt hatte, wollte ich verdammt nochmal alle drei. Damit sie sich mir widmeten. Mich anfassten. Sich um mich kümmerten. Meine Familie war mein ganzes Leben lang dysfunktional gewesen. Lügner. Betrüger. Diebe. Definitiv nicht vertrauenswürdig. Ich hatte immer—immer—auf mich selbst aufpassen müssen. Wie unglaublich schön es wäre, endlich mal jemandem vertrauen zu können. Drei solchen jemanden …
Ich suchte meinen dritten Partner und als ich mich auf Alarrs Geheiß hin umdrehte, blickte ich plötzlich einem düsteren Gott in die Augen. Sein Haar war länger als Orans und reichte knapp bis unter Kinn, die dunklen Locken und schwarzen Augen waren eindringlich, aber nicht so gnadenlos kontrollierend wie Oran. Der Ausdruck dieses Mannes versprach nichts als Vergnügen. Hätte ich ihn zuhause in einer Bar getroffen, dann hätte ich angenommen, dass er beim Thema Sex alle anderen ausstach. Alles an ihm schrie regelrecht nach Sex. Lust. Noch mehr Sex. Schwitziger Sex. Vornüber-den-Barhocker-gebeugter-Sex. Billardtisch-Sex. Unter-der-Dusche-Sex. Sex-gegen-die-Wand.
Sein Grinsen wurde breiter, als er das Heben und Senken meiner Brust betrachtete und meine dunklen, straffen Nippel unter dem seidigen Stoff zu ihm hinauf lugten.
Irgendwer brachte ihm eine Art schwarzen Umhang und er nahm ihn, ohne dabei den Blick von mir abzuwenden. Das war der Umhang, den Oran herbeordert hatte, als ich am Zittern gewesen war. Was er nicht bemerkt hatte, war, dass mein Zittern nicht von der Raumtemperatur herrührte.
Alarr trat ein Stück zurück, damit der dunkelhaarige Gott mir den Umhang über die Schultern legen konnte. Seine Hand verweilte an meinem Hals und ich seufzte vor lauter Zärtlichkeit. Ich stand zwischen beiden Männern und bekam einen ersten Vorgeschmack darauf, wie meine Zukunft aussehen würde. Alarrs Hitze an meinem Rücken, die Hand dieses Mannes an meinem Hals und seine Lippen so nah, dass ich sie praktisch schmecken konnte.
“Du bist Taig?” sprach ich. Oran sagte, dass Alarr und Taig sich um mich kümmern würden, solange er weg war. Hoffentlich war dieser Sexgott auch für mich bestimmt. Er war scheinbar zu beschäftigt damit mich anzustarren, statt Antwort zu geben und sein Blick bohrte sich in meinen, bis ich mich tatsächlich winden musste.
“Ja, Madame. Ich gehöre dir.” Seine Finger strichen an meinem Schlüsselbein entlang und Alarr trat an mich heran und presste seine Lenden gegen mein Hinterteil und seinen Torso gegen meinen Rücken. Ich war von heißen, verdammt sexy Männern umgeben.
“Okay.” Genial, aber hey, so war es. Okay. Ja verdammt. Mehr als das.
Sein Lächeln schmolz mir fast das Herz: “Wie heißt du?”
Was? Alarrs Hand berührte meine Hüfte und Glut stieg an meiner Flanke auf und versengte mein Hirn.
Alarr schmunzelte und die Schallwellen vibrierten in meinem Brustkorb wider wie ein schnurrendes Kätzchen. Es war köstlich. “Taig, unsere Frau hat Bedürfnisse. Sie kann uns nicht einmal ihren Namen verraten, so überwältigt ist sie.”
Taig ließ nicht mehr den Blick von mir ab. Er blickte mir fest in die Augen und hob gleichzeitig eine Fingerspitze an meine Lippen: “Dein Name, Liebling? Verrat ihn mir und ich werde dich küssen.”
Wie ein dressierter Papagei gab ich ihm meinen Namen und freute mich auf seinen Mund. “Whitney. Mein Name ist—”
Taigs Lippen pressten sich auf meine, während Alarrs Hände mich umschlangen und meine Brüste packten. Mein Hintern rieb gegen seinen langen, harten Schwanz und er senkte den Kopf, um zärtlich an meinem Hals zu knabbern.
Ach. Du. Heilige. Scheiße. Ich war so heiß und wild und voller Sehnsucht und … wie lautete gleich nochmal mein Name? Zwei Münder waren dabei mich zu küssen. Vier Hände befühlten mich. Zwei Schwänze schmiegten sich an mich.
Ich war am Dahinsiechen, völlig außer Atem, und das waren nur zwei. Ich riss meine Lippen von Taigs Mund los—Gott, der Mann konnte küssen—und versuchte mich wieder einzukriegen. Ich hatte nicht die Absicht zwei Männer im Transportraum zu ficken, vor den Augen des Typen, der mir den Umhang gebracht hatte. Wahrscheinlichen hatten sie hier drinnen auch Kameras. Andere Arbeiter. Ich war zwar nicht prüde, aber trotzdem. “Nicht hier. Ich möchte das nicht hier tun.”
Taig beendete den Kuss und Alarrs Hände wanderten wieder auf meine Hüften. Keine große Erleichterung, denn seine Berührung brannte weiterhin wie Feuer, aber wenigstens konnte ich meine Gedanken formulieren. Ein bisschen zumindest.
“Sie möchte weitermachen,” flüsterte Taig.
Nur ein Mann konnte meine Worte derartig fehlinterpretieren. “Habt ihr keine Wohnung oder so?” sprach ich.
Taig legte den Kopf schief und betrachtete mich, als wäre ich eine Königliche Hoheit: “Selbstverständlich.” Sein Blick wanderte über meine Schulter hinweg zu Alarr: “Von der öffentlichen Eroberung wirst du deine Partnerin erst noch überzeugen müssen.”
“Öffentlich? Wie bitte?” Der Gedanke bescherte mir Herzrasen, und zwar aus Horror über die Vorstellung … und Erregung gleichermaßen. Ich hätte nie ein Quartett für mich in Betracht gezogen, aber der Testtraum war der Beweis, dass es rattenscharf werden würde, dass es einen bisher unbekannten Sexhebel in mir umlegen würde. Aber Sex in der Öffentlichkeit?
Öffentlich Sex zu haben war unanständig. Viele Dinge waren unanständig. Als ich aber mit meinen Partnern dastand und mir ausmalte, wie Oran dazustoßen würde? “Unanständig” fühlte sich auf einmal gar nicht mehr so verwerflich an. Es gab schlimme Leute, wie meine Familie. Dann gab es noch Versautes, zum Beispiel mit drei heißen Fremden zu ficken. Und in der Öffentlichkeit? Wenn diese beiden mich allein mit ihren Küssen meinen eigenen Namen vergessen ließen, dann würde ich wahrscheinlich auch meinen Heimatplaneten vergessen, sobald ich erstmal nackt war.
Oma würde sich im Grabe umdrehen, aber Oma war tot. Mein schlimmer Vater und Bruder rotteten Lichtjahre entfernt im Knast vor sich hin. Meine Mutter wohnte bei ihrer Schwester und weinte sich Nacht für Nacht in den Schlaf und erfand Ausreden, die ich einfach nicht schlucken wollte. Sie alle waren für mich gestorben. Und ich war lebendig. Sehr lebendig sogar.
“Komm, Liebling. Wir werden dir dein Zuhause hier zeigen.”
Alarr hob mich von hinten hoch und wiegte mich wie ein kleines Kind in den Armen, während wir nach draußen gingen und das seltsame Dorf durchquerten. Mit seinen Armen um mich geschlungen fühlte ich mich sicher. Ein eigenartiges Gefühl der Zufriedenheit überkam mich. Er war mein Match. Er hatte es selber gesagt. Und seine stete Berührung, die ungerührte Stärke, die er verströmte, machte mir Mut. Ich fühlte mich sicher. Wenn diese drei Männer mir gehörten, dann war Alarr der Kitt, der uns alle zusammenhielt. Schon jetzt war er mein Anker.
Vielleicht gab er den anderen beiden dasselbe Gefühl? Ich wusste nicht, wie die Dynamik zwischen den drei Männern aussah, aber ich würde es lernen. Auf der Erde hatte ich betrunkene Typen gesehen, die sich um Frauen zofften. Kneipenprügeleien. Raufereien, die bis in die Grundschulzeit zurückreichten.
Das hier war gänzlich anders. Alarr und Taig sahen beide zufrieden aus. Sie schienen sich gerne die Verantwortung für mich zu teilen. Ich hatte einen Bruder und er war fast zehn Jahre älter. Ich war allein in einem riesigen Haus groß geworden, hatte mich immer nach dem Chaos und den Lärm einer großen Familie gesehnt. Ich wollte Kinder. Viele Kinder. Ein halbes Dutzend, aber nur, wenn ich die nötige Hilfe hatte. Ich würde kein Kind ohne Vater großziehen. Davon hatte ich bereits zu viel gesehen. Viel zu viel.
Drei Väter aber? Was, wenn das Baby ein Rotschopf war wie Alarr, würde Taig dann eifersüchtig werden? Und wie verhielt sich die Vikensche DNA mit der menschlichen? Ich hatte schwarzes Haar. Dunkle Augen. Meine Haut war wie geschmolzene Milchschokolade mit einem Spritzer Sahne. Wenn ich auf der Erde einen rothaarigen oder blonden Mann haben würde, dann würde das Baby so aussehen wie ich. Und hier? Keine Ahnung und sie schienen sich auch nicht darum zu sorgen. Sie hatten absolut nichts über meine Haut oder meine Haarfarbe gesagt. Kein Wort.
Sie hatten mir einen Blick zugeworfen und mich akzeptiert. Mich angefasst. Mich sofort begehrt.
Sie hatten gesagt, dass ich hübsch aussah.
Gütiger Himmel. Kein Wunder, dass ich in Alarrs Händen regelrecht dahinschmolz. Man hatte mich noch nie so behandelt … als ob ich nicht ungewöhnlich war. Oder verdächtig. Oder minderwertig. Mein ganzes Leben lang hatte man mir das eine oder andere Etikett aufgedrückt. Weiblich. Schwarz. Reich. Künstlerisch. Rebellisch. Als ich die Collegevorstufe abgebrochen hatte, war ich die Unzuverlässige. Wenn ich weiße Freunde hatte, war ich die Untreue. Als ich nach Kalifornien gezogen war, war ich der Hippie. Mein Vater hatte mich sogar eine Verräterin genannt, als ich mich geweigert hatte bei den letzten Wahlen meine Stimme abzugeben. Immer diese verdammten Schubladen, in die ich gesteckt wurde.
Und jetzt? Jetzt war ich niemand mehr. Mein Körper war von dieser neu gefundenen Freiheit wie berauscht. Leicht. Etwas benommen und überwältigt, klammerte ich mich an Alarr fest, während er mich den Pfad entlang trug und Taig zwei Schritte voraus ging, um den Weg freizumachen.
Ich war auf Viken, aber ich hatte keine Ahnung wo genau und es sah nicht nach Stadt aus. Es gab weder Geschäfte noch Hochhäuser oder Straßen. Weit und breit gab es nichts als gepflegte Blumenbeete mit exotischen Blüten, die ich nie zuvor gesehen hatte und prachtvolle kleine Bungalows mit weicher Seide und transparenten Stoffen, die in der leichten Brise wehten. Die Wege wurden von Steinen beleuchtet, die dieselbe Form hatten wie die Blumen, deren Duft die warme Luft erfüllte. Alles war wunderschön. Abgerundet. Erotisch.
Es fühlte sich an wie ein exklusives Flitterwochenresort auf einer Tropeninsel, wie auf Fidschi oder auf den Malediven.
Und war ich nicht gerade in den Flitterwochen? Irgendwie? Ich war jetzt verheiratet, verpartnert. Mit drei Viken von einem anderen Planeten zusammen.
Ich schmiegte mich in Alarrs Arme. Aufseherin Egara hatte nichts von der Möglichkeit erwähnt, dass ein ausgewählter Partner sich als Arschloch entpuppen könnte. Das wäre wohl auch kein Match, immerhin wollte ich doch kein Arschloch als Partner. Welche Frau wollte das schon? Ich musste dem Match glauben, dem Test vertrauen und darin, dass Alarr anders als mein Vater ehrenhaft war. Dass ich ihm vertrauen konnte und er mich beschützte, während ich meinen neuen Planeten erkundete.
Das hier war mein neues Zuhause, richtig? Er war mein Zuhause. Genau wie Oran und Taig. Und wie ich gehört hatte, würden diese Alien-Krieger niemals lügen, niemals fremdgehen. Sie waren Ehre und Anstand in Person. Aufseherin Egara würde mich niemals reinlegen.
Meinen neuen Männern konnte ich also vertrauen. Ich lächelte still und entspannte mich. Endlich konnte ich Vertrauen fassen. Mich verlieben. Alles von mir geben. Ich hatte bereits meine Welt, meinen Planeten für sie aufgegeben. Alles, was ich bisher gekannt hatte. Für Alarr und Taig und Oran. Meine Partner.
Ich sog Alarrs maskulinen Duft in meine Lungen und zum ersten Mal seit Jahren machte sich ein echtes, strahlendes Lächeln auf meinem Gesicht breit. Ich war frei.
Als er mich über die Schwelle in eine kleine Bungalow-Suite trug, die mit noch mehr goldenen Stoffen, leuchtenden Steinen und einem Elfenbeinbett für vier Leute dekoriert war, musste ich erleichtert seufzen.
Au ja. Das war mein neues Ich. Vorbei mit den Erdenproblemen. Vorbei mit der Wallstreet, Hochstaplern und Politik. Mir ging so ziemlich am Arsch vorbei, wer Präsident wurde oder welcher Großkonzern pleite ging. Niemand würde mich schief angucken, weil ich auf eine Privatschule ging oder in einem Penthouse in Manhattan groß geworden war. Ich war nicht länger Walter Masons Tochter. Schluss mit den Paparazzi. Schluss mit den Lügen. Keine Vergangenheit mehr. Alles war jetzt weg. Alles.
Und das war perfekt so.
Pulsuz fraqment bitdi.