Kitabı oxu: «Gärten des Jahres 2021»

Şrift:

PARTNER UND JUROREN

Wolfgang Bohlsen

(Chefredakteur Mein schöner Garten)

Irene Burkhardt

(Vizepräsidentin BDLA)

Claudia Feldhaus

(Mitglied des Beirates der DGGL und im Vorstand des Landesverbandes Rheinland der DGGL)

Bernd Franzen

(Gartenplus, Gewinner Gärten des Jahres 2020)

Dr. Folko Kullmann

(Editor Gartenpraxis & GÄRTEN)

Tanja Gallenmüller

(Editorial Manager Garten+ Landschaft und Topos)

Paul Saum

(Vizepräsident des BGL aus Baden-Württemberg)

Konstanze Neubauer

(Autorin und externe Projektleiterin)


GÄRTEN
DES
JAHRES

Die

50 schönsten

Privatgärten

HANNE ROTH

KONSTANZE NEUBAUER


INHALT

Einleitung

1. Preis/Anerkennungen

1. Preis

Ein Teil der Pflanzenwelt in der Nähe von Hannover, Niedersachsen Petra Pelz Design-natuerlich und GartenLandschaft Berg & Co. GmbH


Anerkennungen

Der feine Duft der Marianne Reinbek, Schleswig-Holstein Soeren von Hoerschelmann Garten- und Landschaftsarchitektur

Mehr als ein Garten Mettmann, Nordrhein-Westfalen Büro Volker Püschel

Über den Dächern der Stadt Schweiz Lustenberger Schelling Landschaftsarchitektur

Kleiner Garten der Vielfalt Fricktal, Kanton Aargau, Schweiz Hariyo Freiraumgestaltung GmbH

Projekte

Ein grünes Gesamtkunstwerk Kranzberg, Bayern LATZ+PARTNER LandschaftsArchitektur Stadtplanung

Toskanisches Lebensgefühl an der Bergstraße Region Bergstraße, Baden-Württemberg KEPOS Gartenarchitektur – Carola Dittrich

Seeblicke Pogeez, Schleswig-Holstein Hennings Gartenbau

Der Jahrhundert-Garten Bergisches Land, Nordrhein-Westfalen Ingo Sperling Exclusiv-Gestaltung

Wertvollen Lebensraum schaffen Havelland, Brandenburg Stefanie Ihnow Potsdamer Gartengestaltung GmbH


Dem Ideal einer Landschaft nachempfunden Heidenrod, Hessen Jürgen Kirchner Wasser + Garten

In der Tradition der klassischen Gartenkunst Meerbusch, Nordrhein-Westfalen WKM Landschaftsarchitekten GmbH

Englische Gartenkultur am Niederrhein Wesel am Rhein, Nordrhein-Westfalen Wesser GmbH Gärten, Grün & Service

Aus dem richtigen Winkel betrachtet Berlin Strauchpoeten

Ein Pool-Garten für die ganze Familie Stuttgart, Baden-Württemberg Otto Arnold GmbH

Ein Patio-Garten in Friesland Stadt Jever, Niedersachsen Jens Gerdes Garten- und Landschaftsbau GmbH


Komfort unter freiem Himmel Rheinland, Nordrhein-Westfalen Forster Garten- und Landschaftsbau GmbH

Blick in ein artenreiches Biotop Notzingen, Baden-Württemberg Fahrion Garten- und Landschaftsbau GmbH

Ein Sommergarten-Traum bei Lüneburg, Niedersachsen ZINSSER Garten & Poolbau

Im Großstadt-Dschungel Köln, Nordrhein-Westfalen Terramanus Landschaftsarchitektur

Gartenerlebnis am Hang Landshut, Bayern Majuntke GmbH Gärtner von Eden

Schwimmen im bayrischen Bauerngarten Landkreis Ebersberg, Oberbayern Högl Garten GmbH Gärtner von Eden

Grünes Wohnzimmer statt Hinterhof Aachen, Nordrhein-Westfalen Richter Garten_Planung

Die andere Welt Bochum, Nordrhein-Westfalen SOWATORINI Landschaft

Generationengarten zum Genießen Arnsberg, Nordrhein-Westfalen Klute Gärtner von Eden

Das Fluidum des gewachsenen Gartens Südlicher Tegernsee, Bayern Koch+Koch GartenArchitekten

Private Parkeinsichten Bad Homburg vor der Höhe, Hessen Silke Blum & Claudia Scherer Studio für Gartendesign und Freiraumplanung

Eine uralte Kulturtechnik Rheinland, Nordrhein-Westfalen Forster Garten- und Landschaftsbau GmbH


Lebendige Kontraste schaffen Wuppertal, Nordrhein-Westfalen Gärten von Eckhardt GmbH & Co. KG

Villengarten hoch über dem grünen Fluss Pullach, Bayern Fuchs baut Gärten GmbH, Gärtner von Eden

Das symmetrische Ordnungsprinzip Mainz, Rheinland-Pfalz rheinblau2_objektdesign_kommunikation

Ein Ort entspannter Zeitlosigkeit Budapest, Ungarn Brigitte Röde – Planungsbüro Garten und Freiraum

Ein naturnaher Garten mit architektonischen Elementen Uznach, Kanton St. Gallen, Schweiz Dietziker Gärten GmbH

Die große Kunst, einen kleinen Garten zu gestalten Münsingen, Kanton Bern, Schweiz Gartenkultur AG

Nachhaltigkeit im Garten leben Göttingen, Niedersachsen Wette + Küneke Landschaftsarchitektur

Integraler Bestandteil der Gartenstadt bei München, Bayern Stephan Maria Lang Architektengesellschaft mbH

Eine gewachsene Parklandschaft Erkelenz, Nordrhein-Westfalen Wolfgang R. Mueller

Vielfalt im Garten – keine Frage der Größe Denkendorf, Bayern Robert Mißbichler – natur in form

Taktgeber der Architektur Steffisburg, Kanton Bern, Schweiz Gartenkultur AG


Ein Garten mit Zukunft Neufra, Baden-Württemberg Thomann Garten- und Landschaftsbau GmbH & Co.

Inselgarten de luxe Sylt, Schleswig-Holstein Jensen Landschaftsarchitekten

Landgarten zu einem Riegelhaus Kanton Zürich, Schweiz Lustenberger Schelling Landschaftsarchitektur

Die Leidenschaft fürs Gärtnern weitergeben Offenhausen, Oberösterreich The Heartgardener®

Polygonale Verbindung Kanton Basel, Schweiz Lustenberger Schelling Landschaftsarchitektur

Ein dynamischer Familiengarten Schweizer Mittelland, Schweiz Hariyo Freiraumgestaltung GmbH

Big is beautiful Kanton Luzern, Schweiz Gartenkultur AG

Wohltuender Perspektivenwechsel Kanton Basel, Schweiz Lustenberger Schelling Landschaftsarchitektur

Wohngarten mit botanischem Flair Hamburg Anke Mattern, Stauden-und Gartendesign, Steyerberg

Baden unter alten Birken bei Sinsheim, Baden-Württemberg Otto Arnold GmbH


Naturgarten mit Design Langendorf, Kanton Solothurn, Schweiz Gartenkultur AG

Lösungen des Jahres 2021

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EINLEITUNG
von Hanne Roth
Tatort Pflanzbeet
Pflanzenpotenzial

Pflanzen können viel, auch außerhalb der von Hansen beschriebenen Lebensbereiche. Untrennbar ist Professor Richard Hansen aus Weihenstephan mit der Zuordnung der Stauden in 7 Lebensbereiche und deren Übergänge verbunden. Herbstanemonen, die Sorten 'Septembercharme' oder 'Honorine Jobert', sind tatsächlich nur beispielhaft ausgewählt, weil ich mir sicher war, Sie alle kennen sie.

Beide Sorten sind schon bei Hansen erwähnt und eignen sich für den Lebensbereich „Gehölz und dessen Übergänge“, sie vertragen halbschattig und trocken, aber sie können bei feuchtem, humosem Boden auch sonnig stehen. Gleichzeitig wachsen sie ebenso auf völlig trockenen Plätzen. Je nach Standort verändern sie ihr Wuchsverhalten und ihr Aussehen. Es ergeben sich markante Unterschiede in der Wuchshöhe, in der Üppigkeit und der Ausbreitung. Dieses Verhalten trifft auf eine ganze Reihe Stauden, Gräser und Gehölze zu. Nur: Es steht nirgendwo zusammenhängend beschrieben. Darauf gehe ich später noch einmal ein. Bemerkenswert ist in jedem Fall, dass Pflanzen besonders viel können, wesentlich mehr, als wir ihnen zutrauen. Und genau dieser Grenzbereich hat mich schon immer fasziniert.

Kurz möchte ich Ihnen schildern, wie ich mich überhaupt dieser Thematik genähert habe. Die erste Gelegenheit, mich mehr mit Stauden vertraut zu machen, war, nach meiner Lehre im Garten- und Landschaftsbau, ein Aufenthalt in der Staudengärtnerei Demmel in Seeshaupt (Oberbayern). Hier hatte ich intensive Begegnungen mit Stauden, besonders beim Unkrautjäten. Was für die meisten großes Leid darstellte, war für mich Entspannungsübung. Egal, ob man die Töpfchen zum Verkauf richtete oder das Mutterstaudenquartier bearbeiten musste. Es war die Gelegenheit, sich mit dem auseinanderzusetzen, was da wachsen sollte. Die Empfehlung von Landschaftsarchitekt Peter Leitzmann habe ich schließlich ernst genommen. Er lehnte meinen Wunsch, in seinem Büro ein studiumvorbereitendes Praktikum zu absolvieren, mit den Worten ab: „Lernen Sie erst mal Pflanzen kennen, Gehölze kennen Sie vielleicht schon, aber Stauden, die sind unser Handwerkszeug, und die unterscheiden uns vom Tiefbauer. Dann können Sie wiederkommen.“ Wie recht er doch hatte. Schlussendlich kam dann vieles anders, aber die Freude an Pflanzen war neben der angeborenen Neugier auf deren Eigenschaften ganz besonders angestoßen.

Eigentlich waren es die Sämlinge von Kultur- und Nichtkulturstauden, die sich so beiläufig an Randsituationen ansiedelten, an den Wegrändern oder an den Ecken der Frühbeetkästen. Wie kann es sein, dass diese Pflanzen mit doch sehr reduzierten Lebensbedingungen zurechtkommen, wo sie doch im Topf mit aufgedüngten Substraten recht stattlich heranwachsen?

Diese Beobachtungen waren jedenfalls der Auslöser, einen Lkw mit Kies in meinen elterlichen Garten zu kippen. Der lag im Süden von München. Ein Gebiet, wo man über Staunässe nicht nachdenken muss. Die Münchner Schotterebene ist ein über drei Eiszeiten entstandener Sander, eine Art Schwemmkegel der alpinen Vorlandgletscher, mit der größten Schichtdicke von 100 m. Die klassisch gerade gewachsene Mohrrübe kommt nicht aus München. Holt man hier Material aus dem Boden, ist es Kies in der Körnung 0 – X. Immerhin hatte ich mich auf 0 – 36 mm beschränkt. Für mich ein Entgegenkommen, für meinen Vater als leidenschaftlichen Pflanzenliebhaber war das völlig unverständlich. Er war nun der Erste, mit dem ich lange über Sinn und Unsinn meiner geplanten Aktion diskutiert habe, vermutlich aber der Wichtigste. Sie können es sich schon denken, ich habe mich durchgesetzt. Mein Vater verstand die Welt nicht mehr. Da lässt man die Tochter eine Gärtnerlehre machen, und dafür schüttet sie das Federball-Areal mit Kies zu.

Aber ich wollte ganz einfach ausprobieren, wie weit Pflanzen aus verschiedenen Lebensbereichen mitgehen, wenn sie nicht so üppig versorgt werden. Was passiert mit ihnen? Gibt es doch auch im Gebirge so viele Überlebenskünstler, die kaum eine Bodenschicht zur Verfügung haben, die ihre Wurzeln manchmal direkt über den Fels stülpen.

Angefangen von Yucca filamentosa über Solidago caesia, die damals nur bei Dr. Simon, Marktheidenfeld, dem Staudenpapst schlechthin und Vorreiter beim Thema Präriepflanzungen in Europa, zu bekommen waren, über Salvia officinalis bis hin zu Teucrium chamaedrys, Centranthus ruber und noch viele andere mehr, kamen diese Pflanzen vom Torfkultursubstrat in reinen Münchner Kies. Sicher ein Schock für sie, aber es hat funktioniert. Beinahe alle haben den Versuch überlebt. Und nicht nur das. In mehr als 40 Jahren entstand ein Refugium für fliegende und kriechende Insekten, nicht laut, aber dafür üppig in Wuchs und Blüte. Selbst mein Vater erklärte nach ein paar Jahren vielen Menschen das Besondere dieser Pflanzung, nachdem er mich verstanden hatte.

Ich hatte allerdings nicht geahnt, dass mit dieser Aktion im Prinzip der Grundstein zu meinem experimentellen Umgang mit Pflanzen gelegt wurde. Heute ist mir dies selbstverständlich geworden. Dieses “Schaung ma moi, dann seng ma scho“, frei nach Franz Beckenbauer, unterstützt mit dem Wissen um die Bedürfnisse der einzelnen Pflanzen.

Der Boden

Beginne ich mit den Vorbereitungen für eine neue Pflanzung, besuche ich im Regelfall zunächst den Ort, sehe mir an, was dort von Natur aus wächst, betrachte den Boden, verstehe die Wünsche des Auftraggebers oder die Notwendigkeit der Situation. Der Boden ist das A und O, auch die Sonneneinstrahlung ist nicht unerheblich. Das vergessen wir Gärtner manchmal. Aber nicht jede Pflanze wächst an jedem Ort.

So schön beispielsweise die Rhododendronblüte auch sein mag, es ist äußerst mühsam, diese Gattung im Süden Deutschlands zu etablieren, selbst mit kalktoleranten Unterlagen. Es geht mit enormem Aufwand, mit Bodenaustausch und viel Torf, mit Bewässerungstechnik, mit viel Streicheln der Pflanzen. Selbst im Privatgarten ist das Ergebnis nicht immer ein Erfolg, aber auf mehr oder weniger öffentlichen Flächen ist der Einsatz schlichtweg unmöglich. Nichts gegen Rhododendren, wenn sie zum Standort passen. Außerdem haben wir uns heute häufig noch ganz anderen Herausforderungen zu stellen.

Bedingungen

Die warmen Temperaturen beginnen früher im Jahr, die Niederschläge sind unregelmäßig bis wenig oder gar nicht vorhanden und wenn, dann kann es auch mal schnell zu viel sein. Wie schaffen wir also zusammenhängende Pflanzflächen, die wenig Wasser und Nährstoffe brauchen, eigentlich von allem wenig. In letzter Konsequenz auch wenig Arbeitseinsatz. Soll doch der Garten mehr „Chill- und Grill-Areal“ sein als Arbeitsfläche.

Genau an diesem Punkt könnten wir aber doch auch darüber nachdenken, ob nicht der uneingeschränkte Einsatz von Blaukorn & Co., der Einsatz von aufgedüngten Pflanzsubstraten und nicht zuletzt der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit dafür verantwortlich sind, dass unsere Pflanzen mehr Zuwendung benötigen. Üppiger-höher-fetter-dichter bedingt in der Folge auch mehr Arbeit. Ständig schneiden, aufbinden, stäben oder irgendwie sonst zusammenhalten. Das sind ganz sicher Arbeiten, die keiner braucht. Außer man zählt sich zu den Dahlien-Liebhabern, rammt für jede Kaktus- und Halskrausen-Dahlie einen Pfahl in die Erde, damit sie auch ja nicht umfallen kann.

Ganz nebenbei gäbe es auch hier einfach blühende Formen, die neben wunderschön auch bienenfreundlich sind. Sie sind wunderbar in jede Staudenpflanzung einzubinden, ohne Stab, ohne Pfahl und ohne Aufwand. Also, weniger ist wie so oft auch in diesem Fall mehr. Nährstoffe und Wasser im Boden haben Einfluss auf das Pflanzenwachstum. Das ist alte Gartenschule. Die Pflanzen bleiben kompakter, standfester, auch gesünder, haben sie von allem etwas weniger. In der Folge bescheren sie uns damit auch weniger Arbeit, dafür mehr Freude. Auf die richtige Auswahl kommt es an. Unbedingt ist die passende Gattung und Art der Pflanze auf den vorhandenen Boden abzustimmen. Hilfreich ist es manchmal, sich auf die natürliche Herkunft der Pflanze zu besinnen. Montbretien, selbst Geranien pflanze ich in nahezu reinen Kies, und sie belohnen mich mit reicher Blüte und leuchtenden Farben. Auch der Lavendel wächst üppiger und ist intensiver im Duft, findet er durchlässigen Boden vor, so meine Erfahrung.

Umsetzung

Entlang dieser Erkenntnisse habe ich vor gut zehn Jahren angefangen, Boden mit Kies, Splitt oder Schotter zu mischen, den Boden also abzumagern. Am Ende wird noch mindestens 10 cm Sand als Mulchschicht aufgetragen. Bei besser gefülltem Geldbeutel kann Lava verwendet werden. Auch eine reine Splittschicht ist erlaubt. Nur: Hier ist der Weg zur Verschotterung nicht weit, zumindest optisch, wenn auch nicht im Aufbau. Allerdings glauben viele nur, was sie sehen … Sie merken, meine Herkunft hat mich geprägt. Es stört mich nicht, dass so mancher beim Fertigstellen einer Pflanzung meint, da fehle ja nur noch der Strandkorb.

In diese Sandschicht wird dann gepflanzt, das Abdecken des gesamten Wurzelballens ist Voraussetzung für das Gelingen. Damit haben die Pflanzen, egal ob Gehölz, Staude oder Gras den klaren Auftrag, Wurzeln nach unten auszubilden, denn oben „gibt’s nix“. Nach der Pflanzung wird gut gewässert und je nachdem, in welchem Umfeld die Pflanzung liegt, bekommt sie einmal die Woche Wasser über ca. zwei Monate, je nach Jahreszeit. Hier sind wir gefordert, zu helfen, wollen wir den Grundstein für eine wunderbare Pflanzung legen. Dieses Zeitfenster ist der wichtigste Abschnitt, hier entscheidet sich, ob die Komposition wachsen kann und wird oder ob es eben nicht klappt.

An dieser Stelle schließt sich der Bogen von öffentlich zu privat. Mein Tun im öffentlichen und halböffentlichen Bereich funktioniert auch und natürlich besonders im privaten Bereich.

Anspruch pflegeleicht

Wie war das noch mit der Verschotterung der Vorgärten? Graben wir erst den Boden weg, legen wir Folie oder Bändchengewebe aus, schütten dann für viel Geld Schotter als gebrochenes Material in möglichst großer Körnung auf und freuen uns, wenn dann ein einsamer Buchs, eine Kugel-Catalpa oder ein gestreifter Miscanthus darin wachsen soll und scheitert.

Pflegeleicht! Das ist der ursprüngliche Anspruch an die einkörnigen Schotterflächen. Am Ende ist diese Art Schotterbeet doch nicht ganz so pflegeleicht! Der Wind trägt auch die Samenkörner vom Löwenzahn, Weidenröschen, von der Brennnessel oder anderen Pflanzen dorthin, wo der Schotter liegt. Vielleicht gerade dahin, weil diese Art Pflanzen mit extremen Bedingungen besonders gut zurechtkommen. Aber das möchte der Gartenbesitzer nicht! Einzig der Natur ist es egal. Aber was heißt denn pflegeleicht wirklich? Das Wort allein schon macht mich grantig. Das Adjektiv per se hält im Garten nicht stand. Denn was für mich pflegeleicht oder pflegearm ist, muss für den Gartenbesitzer noch lange nicht leicht zu pflegen sein. Also, wann ist eine Pflanzung pflegeleicht? Wenn ich mich nicht bücken muss? Oder wenn ich ganz einfach nicht schneiden, nicht stäben, nicht gießen, nicht graben, nicht Unkraut jäten, nicht das Laub aus dem Schotter blasen, nicht dies und nicht das tun muss? Zum Glück gibt es eine ganze Menge Menschen, die gerne von der Verschotterung wegwollen, die sich danach sehnen, eine funktionierende Pflanzengesellschaft in ihrem Vorgarten oder Garten zu haben, um die man sich eben nicht jeden Tag kümmern muss. Das Angebot für die Bienen inklusive. Schon gäbe es noch einen anderen Ansatz, solche Pflanzungen zu benennen. Naturhaft, natürlich oder so ähnlich, dann wäre auch noch die Arbeit aus dem Wort.

Spätestens hier könnte eine ausführliche Beratung hilfreich sein, vor allem für diejenigen, die noch nicht verstanden haben, dass Pflanzenwurzeln Boden mit Feinanteilen benötigen. Die meisten Pflanzen können sich mit losen Steinbrocken und Bändchengewebe nicht zufriedengeben. Das erinnert mich immer wieder an die Diskussion mit meinem Vater und an die Tatsache, dass Wissen in Verbindung mit Hartnäckigkeit zum Erfolg führen kann, meistens jedenfalls.

Rezeptur

Wie beim Kochen gibt es bei der Pflanzplanung vergleichbare Strukturen, was die Vorbereitung betrifft. Kreativität, Improvisationstalent und fundiertes Fachwissen versprechen am Ende Erfolg. Unabdingbar ist jedoch in beiden Fällen Grundwissen zur Thematik: Man nehme die Fläche, die es zu gestalten gilt, prüfe den Boden, mische ihn unter Umständen mit etwas Kies, Splitt oder Schotter ab, um ihn durchlässiger zu machen. Zu achten ist auf die Exposition der Fläche, auf die besondere Lage hinsichtlich Beschattung durch benachbarte Pflanzen oder Gebäude. Gibt es eine bestimmte Funktion, die zu erfüllen ist, wie Sichtschutz oder Windschutz? Oder gibt es noch andere funktionale Anforderungen, wie die freie Trennung zweier benachbarter Grundstücke ohne Zaun, auch das wäre ja denkbar. Was möchte ich mit meiner Pflanzung erreichen? Was muss ich erreichen? Ist also geklärt, wie die Pflanzung wo zu gestalten ist, kommt der Moment, an dem sich viele Geister scheiden. Neben den fachlichen Anforderungen kommen Stil und Ästhetik hinzu.

Kompositionen

Entsprechend dieser Fragen beginne ich die Auswahl festzulegen. Aktuell, aber auch schon die letzten vier Jahre, beschäftige ich mich mit eher mageren Standorten, im Besonderen mit Versickerungsmulden. In früheren Zeiten war das ein sicherer wechselfeuchter Standort. Mittlerweile wählen wir Arten aus, die eher mit wechseltrockenen Bedingungen leben können. Wie viel Trockenheit und Hitze vertragen die Pflanzen, wie kommen sie mit plötzlicher Überflutung zurecht?

Was wir also brauchen, sind Überlebenskünstler: Gehölze, baum- oder strauchartig, dazu Stauden und Gräser, die langlebig und/oder kurzlebig sind, sommergrün oder gerne immergrün. Des Weiteren ist über folgende Eigenschaften nachzudenken:

•Welches Wurzelsystem haben die Pflanzen,

•wie vertragen sich die einzelnen Arten untereinander,

•welchem Wurzeldruck halten sie stand,

•welchen Ausbreitungsdrang haben sie,

•wie standfest sind die Pflanzen,

•welche Strukturen ergeben das Wuchsbild,

•welche der abgeblühten Blütenstiele liefern eine Struktur für das Winterbild,

•wie gestaltet sich der Austrieb,

•wie und wann setzt die Blüte ein,

•wie und welche Früchte werden ausgebildet,

•wann kommt der Laubaustrieb,

•wie färben sich die Blätter oder färben sie sich überhaupt?

Ich trage die Pflanzen zusammen, von denen ich überzeugt bin, dass sie zusammenpassen, sich im Idealfall ergänzen. Ein weiteres, spezielles und sehr wichtiges Auswahlkriterium sind die Farben von Blüten und Blättern. In jedem Fall müssen die Pflanzen „sich mögen“. Das ist wie bei uns Menschen, wenn wir im Team zusammenspielen sollen. Wollen wir etwas erreichen, dann müssen wir zusammenspielen. Macht jeder, was er will, dann funktioniert es nicht. Egal, was wir angehen. Diese Erkenntnis ist ohne Einschränkung auf die Pflanzenwelt übertragbar.

Steht dann Sedum telephium bei Euphorbia segueriana, haben Anthemis, Sesleria heufleriana und Liatris den richtigen Abstand? Ergeben Euphorbia und Aster x frikartii ein markantes Bild von allen Seiten, und haben die Wildastern genügend Platz, sich auszubreiten? Sind die verschiedenen Gräser entsprechend ihrer Höhe positioniert und stehen die Gehölze im spannungsreichen Abstand zueinander? Kann sich die Beschattung der vorgesehenen Bäume auswirken? Stehen alle Lichthungrigen in der vollen Sonne, und ist eine Art dabei, welche die gesamte Komposition sprengen könnte? Sind die Kurzlebigen so platziert, dass sie weichen können, ohne Löcher zu hinterlassen? Ist an alles gedacht?

Diese letzte Frage kann ich eindeutig mit NEIN beantworten. Viel Wissen, viele Eindrücke, viel Wollen kann manches Mal dazu führen, dass das Transparent auf meinem Zeichentisch lange da liegt und leer bleibt. Erst das Loslassen, alles perfekt und richtig zu gestalten, lässt meine Farbstifte glühen. Erst, wenn alles aufgeschrieben ist, erscheint die Pflanzung vor meinem geistigen Auge, und dann kann ich versuchen, meine Fragen zu beantworten.

Am Ende gibt es noch eine ganz besondere Prise obendrauf, und das sind die Geophyten. Sie komplettieren das Werk. Tatsächlich wachsen selbst unter den schon genannten schwierigen Bodenbedingungen Crocus ancyrensis, kleinblumige Narzissen, diverse Allium-Sorten wie 'Globemaster', 'Purple Sensation', 'Forelock', 'Mount Everest' und Arten wie macleanii oder senescens subsp. montanum richtig gut. Sie vermehren sich wunderbar und ergänzen die mögliche Vielfalt auf extremen Standorten.

Et voilà: Fertig ist eine bienen- und insektenfreundliche Pflanzenkomposition, in der von Januar bis Dezember geblüht wird, die über das ganze Jahr in ansprechendem Zustand ist. Zumindest aus meiner Sicht. Hätte ich jetzt fertig gekocht, könnte ich guten Appetit wünschen. Habe ich eine Pflanzung fertig gestellt, kann ich sagen: Genießen Sie und haben Sie Geduld, idealerweise mit sich und den Pflanzen. Lassen Sie die Pflanzen den Lauf der Natur finden, schneiden Sie nicht gleich jeden abgeblühten Halm ab. Und vor allem: Lassen Sie das ganze Werk über den Winter gehen, haben Sie so viel Mut, sich gegen den herbstlich organisierten kommunalen Grünabtransport zu stellen. Nach dem Motto, ich bin NICHT dabei.

Pflegearbeiten

Gegossen wird direkt nach der Pflanzung. Sind die Wurzelballen nicht abgedeckt, muss nachgearbeitet werden. Keinesfalls aber darf zu tief gepflanzt werden. Das ist der sichere Tod bei den Gehölzen.

Im Pflanzjahr gibt es regelmäßige Wassergaben, damit die Wurzeln sich entwickeln können. Schon nach zwei Monaten kann man feststellen, dass die Pflanzen Wachstumszuwachs zeigen. Je nach Pflanztermin gebe ich dann nur noch Wasser, wenn es über einen längeren Zeitraum keinen natürlichen Niederschlag gibt.

Ab dem zweiten Entwicklungsjahr gieße ich Staudenpflanzungen nicht mehr, es sei denn, es sind drei Wochen knapp 40° Celsius. Bei den Großgehölzen ist etwas mehr Sorgfalt zu üben. Hier dauert es mindestens eine ganze Vegetationsperiode, bis die neue Wurzelbildung über den Ballen hinausgeht.

Rückschnitt gibt es nur einmal, und der ist im Frühjahr, Februar/März, je nach Blütezeit der eingebrachten Geophyten.

Gestäbt wird bei mir grundsätzlich nicht, Luxuskrankheiten wie Mehltau gibt es kaum zu beklagen. Bei meinen Pflanzungen ist entscheidend, wie widerstandsfähig die Auswahl der Pflanzen ist, wie hitzetolerant die einzelnen Arten sind, wenn sie zwischen befestigten Parkplätzen, Randsteinen und Betonfundamenten zu bestehen haben, wenn sie zwischen Asphalt und Fahrradweg eine Entwässerungsmulde begrünen sollen. Kaum zu glauben, oder?

Gehen wir nochmals zur Rezeptur: Wichtig ist eine vielfältige Kombination aus Gehölzen, baum- oder strauchartig und/oder Stauden und Gräsern. Die Kombination ist es, die es ausmacht und die für relativ schnellen Bodenschluss sorgt. Ich möchte nach dem ersten Jahr keinen Boden mehr sehen. Weder Erde, noch Kies, noch Schotter. Die Pflanzungen sollen nicht nur müssen, sondern können dürfen. Eine Pflanzung soll sich mit der Natur entwickeln, nicht gegen die Natur. Gelingt es, die Pflanzen zu lassen, dann helfen auch Sämlinge, den Bodenschluss schnell zu erreichen. Phlomis russeliana, das Brandkraut, ist ein solcher Vertreter und will hier unbedingt genannt sein. Lassen wir doch auch das eine oder andere Wildkraut zu. Nicht dass Sie denken, ich würde meine Pflanzungen dem Zufall überlassen. Aber ich bin großzügig, wenn es darum geht, die einzelnen Gattungen und Arten sich verweben zu lassen, damit ein Gesamtensemble entsteht. Die ausgesuchten Pflanzen sollen sich entwickeln und tun dies umso mehr, je wohler sie sich an diesem Standort fühlen.

Je besser die Pflanzung letztlich funktioniert, umso schneller und wunderbarer wachsen die verwendeten Pflanzen zu einer Gemeinschaft zusammen. Christian Kress nennt es Blackbox Gardening. Selbst Richard Hansen beschrieb diese Art der Pflanzenentwicklung bereits, wenngleich nur ansatzweise und nur in seinem Vorwort.

Neue Erfahrungen und Chancen

Manchmal passiert auch Unvorhersehbares, vergleichbar mit so manchem Kochvorgang. Hat man eine Zutat, die nicht bestellt war, die gar nicht vorgesehen war und die eigentlich auch gar nicht passt, dann aber doch Verwendung finden soll, ist man herausgefordert.

Dazu habe ich eine besondere Geschichte parat. Eine Rose 'Westerland' in Solitärqualität kam in meine Hände, nicht bestellt und schon gar nicht vorgesehen. 'Westerland' gehört nicht zu meinen Lieblingsrosen, ich könnte auch sagen, ich mag sie gar nicht. Neutral gesehen aber war das Exemplar richtig schön. Mein großes Pflanzenherz ließ es nicht zu, sie dem Komposthaufen anzuvertrauen. So kam der Gedanke auf: Zeig mal, was du kannst! Ich habe sie in meine erste Entwässerungsmulde, also in meine Versuchsmulde gepflanzt und dachte mir, wenn du da überlebst, dann darfst du bleiben und hast den schönsten Platz. Sie ist umgeben von Parkplatzreihen und einer Zufahrtsstraße zu einem Logistikzentrum, die täglich von Lkws und Pkws intensiv befahren wird. Aber dafür wird sie von jedem gesehen!

Die Rosenliebhaber unter Ihnen werden jetzt aufschreien: Gepflanzt wurde sie in eine Bodenmischung von annähernd 70 % Kalksplitt und 30 % Oberboden, auf Rigolen, ohne Lehmanteil und Dünger, nur im Pflanzjahr mit Wassergaben versorgt. Dazu kommt noch, dass sie jedes Frühjahr wie eine Polyantharose behandelt und mit den Stauden auf knapp 10 cm zurückgeschnitten wird. Sie bedankt sich seit vier Jahren mit einer überreichen Blüte, mit einem glänzenden, dunkelgrünen Blatt, ohne Laus und ohne Mehltau. Sie erreicht eine Höhe von nahezu 160 cm und ist ab September reich mit Hagebutten besetzt, die über den Winter auch noch Vogelnahrung bieten. Selbst Rosenzüchter staunen bei dieser meiner Berichterstattung, können es kaum fassen. Denn auch in deren Schaugärten erfahren die einzelnen Rosensorten viel Zuneigung, eigentlich zu viel von allem. Beinahe wie in jedem Hausgarten werden sie gehegt und gepflegt, gedüngt und mit allem Möglichen gegen saugende und beißende Insekten behandelt, gegen Pilzkrankheiten teils schon vorbeugend gespritzt. Unerfahrene Gartenbesitzer winken gerne ab, wenn es um das Thema Rosen geht. Zu viel Arbeit!! Da sind wir wieder beim Thema.

Ich möchte nicht generell dazu raten, Strauchrosen wie Polyantharosen zu behandeln und Rosen einfach ins Kiesbeet zu pflanzen. Ganz sicher werden Strauchrosen ohne diesen Radikalschnitt zu wunderschönen Gestalten. Aber auf Extremstandorten kann mit der richtigen Auswahl der Sorten gelingen, worüber man noch nicht nachgedacht hat. Die Wildformen der Rosen sind grundsätzlich anspruchslos, besiedeln zum Teil Ruderalstandorte. Warum sollen nicht zumindest die einfach blühenden Sorten anspruchslos sein können? Sie sind Dauerblüher in jeder Art von Beet, sogar mit Fruchtschmuck. Welches Gehölz kann das schon von sich behaupten.

Von dieser Erfahrung wiederum animiert, habe ich begonnen, Persica-Hybriden mit in diese Art Pflanzungen einzubinden. Leuchtende Farben, ungefüllte Blüten, gesundes Laub, das mich, außer zur Zeit des Austriebs, eigentlich gar nicht wirklich interessiert. Benötige ich doch nur die Blüten zu meinen Stauden, zu den Gräsern, die zum Teil schon blühen, wenn die Rosenblüte einsetzt. Finde ich dann noch Sorten, die das Beet mit leuchtender Herbstfärbung, Blüten und Hagebutten gleichzeitig aufpeppen, dann sehe ich mich von Mutter Natur für meine Ideen belohnt.

An dieser Stelle noch eine amüsante Geschichte. Nicht immer klappt alles! Zum Beispiel meine besondere Erfahrung mit Amorpha canescens, Bleibusch oder auch Bastardindigo genannt. In verschiedenen Pflanzungen habe ich ihn wahrgenommen, üppig gewachsen, spät blühend, mit goldgelber Herbstfärbung. Also mit allen Eigenschaften einer Pflanze, die exzellent in mein schon bewährtes Pflanzengefüge passt. Leider ist die Art im Topf völlig unterrepräsentiert, meist ziemlich klein und unscheinbar beim Kauf. Die kleinen Fiederblätter ähneln sehr dem Blatt der Robinie. Diese Eigenschaft hatte leider zur Folge, dass ich über drei Jahre keine Amorpha im Beet hatte. Zwar wurde sie jedes Jahr neu gepflanzt, aber auch jedes Jahr herausgepflegt. Nun zum vierten Mal gepflanzt – die Hoffnung stirbt zuletzt!

In jedem Fall wünsche ich mir, viele andere Seelen mit meinem Schaffen zu berühren und zur Nachahmung anzuregen. Und ich mache dabei keine Diskussion auf, hinsichtlich heimisch oder nicht heimisch. Der Begriff darf sowieso nicht mehr verwendet werden, weil er politisch ist. Wenn dann einheimisch, also indigen. Naturgärtner verwenden indigene, aber auch archäo- und neophytische Arten. Aber nur, wenn sie nicht invasiv sind. Ein spannendes Thema. Den Insekten jedenfalls ist es egal, woher sie ihren Nahrungsbedarf decken. Hauptsache, das Angebot ist üppig über das ganze Jahr verteilt. Einheimisch oder fremd spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Verehrte Garten- und Pflanzenliebhaber, jetzt sind Sie an der Reihe: Haben Sie Freude bei der Umsetzung von gewöhnlichen und außergewöhnlichen Pflanzenkombinationen, seien Sie mutig! Mutig im Zusammenspiel der Pflanzen, mutig im Ausprobieren. Nehmen Sie in Kauf, dass nicht jede Pflanze will wie Sie. Zudem wird die Veränderung der klimatischen Verhältnisse die Verwendung von Pflanzen nachhaltig beeinflussen und dabei auch die Chance für neue Kompositionen ermöglichen. Die Suche gilt denen, die an dem von uns gewählten Ort und Umständen können und wollen. Dann gelingt Garten von ganz alleine. Das Schönste wäre, wenn meine Pflanzungen die Leser motivieren könnten, sich auf den Weg zu machen.

Hanne Roth

1. Preis Anerkennungen


Petra Pelz und Peter Berg
1. PREIS
Ein Teil der Pflanzenwelt


Geborgen wie in einem Nest fühlt man sich im von Stauden und Gräsern umgebenen Holzhaus.

Man kann den Auftraggebern nur dazu gratulieren, dass sie sich für diese naturnahe Gestaltung entschieden haben, die einen lebendigen Garten entstehen ließ, der diesen Namen auch verdient. Stauden, Gräser, Gehölze und Natursteine harmonieren mit dem ungewöhnlichen eingeschossigen Holzhaus, betten es in den Hanggarten und lassen es eins werden mit dem nahen Wald.

Laudatio

Ein Vorzeigeprojekt für Biodiversität und Nachhaltigkeit in unserer Branche. Pflanz- und Pflanzenexpertin Petra Pelz und die Gartendesign-Firma GartenLandschaft Berg & Co. haben gemeinsam eindrucksvoll den naturnahen Garten als landschaftsarchitektonisches und -gärtnerisches Gesamtkonzept umgesetzt: eine einstimmige Wahl der Jury.

Auf 1.900 begrünten Quadratmetern wirkt alles naturnah, und doch wurde nichts dem Zufall überlassen: Hier haben die Experten einen Rückzugsort für die Bewohner des Holz-Bungalows geschaffen, in dem sie sich erholen und Natur als Teil ihres Zuhauses erleben können. Verschiedene Bäume und Gehölze fassen den Garten schützend ein und spenden an heißen Tagen Schatten. Die Baumaterialien stammen aus der Region.

Der Garten ist eine wahr gewordene Vision: Sie zeigt eindrucksvoll, was die naturnahe Garten- und Landschaftsgestaltung heute schon für den Natur- und Artenschutz leisten kann. Hier wurde konsequent alles bepflanzt, inklusive der Dächer, die sogar begehbar sind und sich so harmonisch als zusätzlicher Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Menschen in die Gartenlandschaft einfügen.

Aus dem Panoramafenster des glänzenden Baumhaus-Kubus erblickt man den gesamten Naturgarten. Durch bodentiefe Fenster, Glastüren und einen ebenerdigen Zugang gehen Wohnraum und Garten des Bungalows eine nahtlose Verbindung ein. Ein durchdachter Mix aus verschiedenen Pflanzenarten und -bereichen sorgt übers Jahr dafür, dass Insekten und andere Tiere möglichst lange Nahrung finden. Hier wirken ästhetisches Verständnis, Handwerkskunst, jahrzehntelange Erfahrung und ausgewiesene Pflanzen- und Pflanzexpertise mit Kreativität und einem visionären Blick auf das Thema Landschafts- und Gartengestaltung zusammen – und schaffen ein naturnahes Refugium für Menschen, Flora und Fauna.

Paul Saum


Weite Blicke: Vom Baumhaus kann man bis Hannover sehen. Die ungewöhnliche Stahlkonstruktion steht auf eigenen Füßen und beeinträchtigt die benachbarte Eiche nicht.


Wunderbare Welt der Stauden: Kerzen-Knöterich 'Blackfield' (Polygonum amplexicaule) mit kräftig dunkelroten Blütenähren, dazu filigrane Gräser und das zarte Violett der Großblütigen Schönaster (Kalimeris incisa 'Madiva').

Terrassen im klassischen Stil gibt es nicht – die Flächen sind mit trittfesten Bodendeckern oder Stauden bepflanzt.


Das Haus wird zu einem Teil der Pflanzenwelt.


Eine Felsentreppe führt durch die Stauden- und Gräserpflanzung hinauf zum Baumhaus am Waldrand.

Alles ist bepflanzt, sogar das Dach des eingeschossigen Holzhauses.

Pflanzen dürfen nicht nur bis an die bodentiefen Fenster des Hauses wachsen, sie dürfen das komplette Flachdach besiedeln und das Gebäude zu einem Teil der Pflanzenwelt machen. Terrassen im klassischen Stil gibt es nicht, sondern teppichartige Flächen mit trittfesten Bodendeckern und Stauden wie Fiederpolster (Cotula im Halbschatten) und Thymian (Thymus in der Sonne). So liegt das Haus, als Teil der Natur völlig von Pflanzen umgeben, geschützt in seiner Mulde.

Im Haus blickt man von allen Seiten in die von Stauden und Gräsern belebte Felsenlandschaft. Auf dem Flachdach siedeln Sedum-Arten (Sedum telephium, Sedum spectabile), Gräser und kleine Nelken. Über einen Rundweg aus großen Grauwacke-Blöcken gelangt man vom unteren Teil des Grundstückes durch den Garten auf das Dach. „Da das Dach des Wohnhauses von hinten begehbar ist, nimmt der Besucher im ersten Moment nicht wahr, dass er sich über das Haus bewegt“, erklärt Peter Berg. Der Gartendesigner, bekannt für die Gestaltung von Hanggärten mit Natursteinen, arbeitete bei diesem ungewöhnlichen Projekt mit der Landschaftsarchitektin Petra Pelz zusammen. Die Zusammenarbeit mit der Expertin für Pflanzenkonzepte zahlte sich aus, denn kaum jemand versteht es besser, Stauden und Gräser so harmonisch miteinander zu kombinieren, dass solch naturnahe Pflanzenbilder entstehen.

Da der Garten auf einer Seite ein Niveauunterschied von vier Metern aufweist, musste der steile Hang abgefangen werden. Peter Berg modellierte mit seinem Team das Gelände, entwickelte eine Höhenstaffelung und befestigte den Hang mit Quadern, Brocken und Blöcken aus gelblich-warmer Grauwacke. Diese Gestaltung gefiel den Bauherren so gut, dass die Steinstruktur auf den ganzen Garten ausgedehnt wurde. So entstand ein wunderbares Zusammenspiel zwischen Stein und Pflanze. „Ich pflanze gerne in höheren Gruppen, immer sehr üppig. Die Wirkung der Steine durfte dabei aber nicht verloren gehen, daher ist die Pflanzung in der Mitte flacher und nur an den Rändern höher. Mittels Drohne konnten wir die Lage und Form der Steine so ermitteln, das wir zu einem exakten Pflanzplan kamen“, berichtet Petra Pelz. Dort, wo die Felsentreppe durch die Stauden- und Gräserpflanzung zum Baumhaus am Waldrand hinaufführt, pflanzte sie vor allem Blaugras (Sesleria autumnalis), mischte kleine Staudengrüppchen (u. a. Salvia nemorosa 'Serenade', 'Mainacht') darunter und verwob sie miteinander. Schönaster (Kalimeris incisa) und Blaue Färberhülse (Baptisia australis) sind ein Leitmotiv in der Pflanzung – Arten, die farblich harmonieren, langlebig sind und dauerhaft schön aussehen. Petra Pelz pflanzt sie immer in Gruppen, damit sie zusammenwachsen und den Boden bedecken.

Endpunkt der Felsentreppe bildet ein ungewöhnliches Baumhaus am Waldrand zwischen alten Eichen, von dem man einen weiten Blick in die Landschaft und bis nach Hannover hat. Es ist eine verspiegelte Stahlkonstruktion, die ebenso wie das Holzhaus vom Baumhaus-Experten Andreas Wenning stammt. In der Fassade spiegelt sich die naturnahe Gartenlandschaft aus Felsen, Gräsern und Stauden. Nichts stört dieses Bild vollkommener Harmonie zwischen Haus, Garten und Umgebung. Da ist es nur folgerichtig, dass ausschließlich natürliche Materialien wie Holz, Stein und Pflanzen verwendet wurden – bis auf die Fahrspuren an der Zufahrt wurde komplett auf Beton verzichtet. Dass das Thema Nachhaltigkeit auch für die Gestaltung ein absolutes Plus bedeutet, zeigt dieser Garten in vorbildhafter Weise.

LAGE DES GARTENS

in der Nähe von Hannover, Niedersachsen

GRÖSSE DES GARTENS

1900 m2

PLANUNGSBÜRO

Petra Pelz Designnatuerlich und GartenLandschaft Berg & Co. GmbH

AUSFÜHRUNG

Petra Pelz Designnatuerlich und GartenLandschaft Berg & Co. GmbH

FOTOGRAFIE

Ferdinand Graf Luckner


„Die Zusammenarbeit und gemeinsame Planung führte zu einer außergewöhnlichen Symbiose von Architektur und Garten. In der Branche sollte mehr zusammengearbeitet werden, damit sich Synergie-Effekte nutzen lassen.“

PETRA PELZ UND PETER BERG


PLAN

1Wohnhaus

2Terrasse

3Baumhaus

4Felsentreppe

5alte Eichen

Soeren von Hoerschelmann Garten- und Landschaftsarchitektur
ANERKENNUNGEN
Der feine Duft der Marianne


Frankreich ist zu erahnen – und trotzdem passt der Garten zur Villa und nach Norddeutschland.

„Der Duft Frankreichs wird von einer nordischen Brise durch den Garten geweht. Frankreich soll zu erahnen sein, der Garten aber nach Norddeutschland und zum Wohnhaus passen“, beschreibt Landschaftsarchitekt Soeren von Hoerschelmann den Auftrag. Es ist ein Stadtgarten, passend zur hübschen kleinen Altbauvilla, die mit viel Liebe hergerichtet wurde. Klare architektonische Linien geben ihm seine Struktur, die Pflanzen bieten dazu einen lebendigen Kontrast, brechen die Formalität auf.

Laudatio

Eine Kleinstadt östlich von Hamburg und rund 1400 Kilometer weit entfernt von der französischen Provence. Und doch – mitten in Reinbek ein Hauch Frankreich!

In einem außergewöhnlichen Garten, der nicht durch seine Größe, sondern durch seine schlichte Eleganz, seine Wohnlichkeit, aber besonders durch seine Authentizität überzeugt. Und das gleich in dreifacher Hinsicht: Er steht im Einklang mit der Gebäudearchitektur, er passt sich perfekt in das schleswig-holsteinische Umfeld ein und spiegelt gleichzeitig die Frankreichliebe der Besitzer wider. Dem Gartenarchitekten ist die perfekte Symbiose dieser drei Parameter gelungen, und er hat mit ganz viel Feingefühl einen Ort geschaffen, der in sich ruht und zugleich so lebendig ist. Für den französischen Gartenimport ist keine plumpe Ansammlung von mediterranen Pflanzen notwendig. Es ist das Zusammenspiel der konsequenten Linienführung, der gemütlichen Innenhofatmosphäre, des hellen Sandsteins, des Wasserbeckens und der Beete mit ihren natürlichen Übergängen in die Kiesflächen. Als Belag für Wege und Terrassen stehen sie in einem gesunden Verhältnis zu den üppigen Pflanzflächen, wo Geranium 'Rozanne', Allium und natürlich auch Lavendel für Vielfalt und im letzten Fall für den Duft Frankreichs sorgen. Raumaufteilung lässt den Garten größer erscheinen und erzeugt grafische Ruhe. Die künstlerisch interpretierten Stahlhalme sind eine grandiose Rankhilfe für den üppigen Blauregen und der natürliche Schattenspender für die beiden Liegestühle – mit Blick auf das Wasserbecken, das in sich ruhend den Himmel in den Garten projiziert. Es ist sicher der stille Star dieses Gartens! Im gesamten Garten ist die Liebe zum Detail spürbar, die Liebe der Handwerker zu ihren Fertigkeiten, die Liebe eines konsequent planenden Gartenarchitekten und die Liebe der Besitzer zu ihrem Frankreich und noch mehr zu ihrem grünen Zuhause. Ein Garten zum Verlieben eben … Très bien!

Bernd Franzen

Mit Glyzinen bewachsene Stahlhalme halten ihre bogig überhängenden Metallfinger wie eine schützende Hand um den intimen Sitzplatz.

Wenige Stufen führen ins Extra-Pflanzenzimmer hinauf, das die Formalität aufbricht.


Ein Highlight sind die Stahlhalme für die Raumteiler und die Muschel!


Die konsequente Verwendung des Sandsteins verleiht dem Garten seine unverwechselbare Atmosphäre – dies kreiert eine Idee von Frankreich.


Edel: die Kombination aus weißen Blüten, sehr viel Grün und Strukturpflanzen wie Zierlauch

Vom Sitzplatz blickt man auf das formale Wasserbecken und das Pflanzenzimmer zurück zur Villa.

Rasen gibt es nicht, er ist in dieser abwechslungsreichen Gestaltung absolut entbehrlich. Die geschickte räumliche Gliederung sorgt dafür, dass der Garten viel größer wirkt, als er in Wahrheit ist. Wasser ist ein wichtiges Element in dieser Gestaltung, ebenso wie die Beschränkung auf wenige edle Materialien, die Patina ansetzen dürfen, ja, sogar sollen. Gehölze, Stauden und Gräser werden auf die Bühne gehoben – sie haben einen hohen Stellenwert.

Die leichte Topografie des Grundstücks nutzt der Landschaftsarchitekt für seine Gestaltung. Sie deutet sich durch Treppen und Höhenabstufungen mit Trockenmauern an, die parallel zum Haus verlaufen: „Das mache ich gerne, die Topografie aufnehmen, sichtbar machen und damit Räume schaffen.“ So ergeben sich unterschiedliche Gartenzimmer auf verschiedenen Ebenen: ein sehr privater Südhof mit Terrasse und Wassertrog in Hausnähe als Wohnzimmer im Freien. Etwas erhöht, über wenige breite Treppenstufen erreichbar, ein zentrales Pflanzenzimmer. Auf gleicher Ebene befindet sich das Gartenzimmer mit geschütztem Sitzplatz am formalen Becken, in dem das Wasser für ständig neue Spiegelbilder sorgt – je nach Wind und Wetter.

Räume sind durch Heckenriegel und besondere Paravents aus Stahlhalmen angedeutet, die weiß blühende Glyzinen (Wisteria sinensis 'Alba') tragen. Die Konstruktion stammt vom Landschaftsarchitekten selbst, die Bepflanzungsidee von der Bauherrin – die verholzende Kletterpflanze erinnert sie an Frankreich. Wie alle baulichen Elemente orientieren sich die Pflanzen-Paravents am Haus, ohne auf eine Achse ausgerichtet zu sein. Diese luftig leichte Konstruktion schließt den Garten auch zur hinteren Grundstücksgrenze ab. Dort halten die Stahlhalme ihre bogig überhängenden Metallfinger wie eine schützende Hand über den gleichermaßen intimen wie sonnigen Sitzplatz und verwehren zusammen mit dem Blätterdach der Glyzine Einblicke vom Nachbarhaus. Der eigene Blick jedoch bleibt frei und streicht über das formale Wasserbecken durch das Pflanzenzimmer zurück zur Villa. Nutz- und Beetflächen sind miteinander verwoben, die Bepflanzung in der Höhe gestaffelt und an den Standort angepasst. Sie durchläuft viele abwechslungsreiche Phasen: Strukturstark im Winter, edel grün-weiß im Frühjahr, üppig im Sommer und laubfärbend im Herbst. Wertvolle Gehölze wie z. B. ein Trompetenbaum (Catalpa bignonioides) wurden wiederverwendet. An die angrenzenden Grundstücke wurde mit dem Pflanzen von Pflaumenblättrigem Weißdorn (Crataegus prunifolia) angeknüpft und so eine Verbindung zwischen den benachbarten Gärten geschaffen.

Das Material ist zurückhaltend gewählt. Der Kies ist multifunktional und wirkt wie eine Grundierung, die sich durch die Gestaltung zieht. Alles Gebaute, auch das Wasserbecken und der Brunnen, besteht aus Sandstein – ein Naturstein, der eine schöne Patina ansetzt. „Die größte Herausforderung war, kein Abziehbild zu bauen, sondern eine Idee von Frankreich zu kreieren, seinen Duft wachzurufen“, resümiert Soeren von Hoerschelmann. Kein Zweifel – dies ist ihm gelungen. Der Garten lässt Frankreich mit seiner gelungenen Kombination aus natürlichen Materialien, Pflanzen und reduzierten baulichen Elementen subtil anklingen. Und dennoch passt dieser Stadtgarten uneingeschränkt zum Wohnhaus und nach Norddeutschland.

LAGE DES GARTENS

Reinbek, Schleswig-Holstein

GRÖSSE DES GARTENS

640 m2

PLANUNGSBÜRO

Soeren von Hoerschelmann Garten- und Landschaftsarchitektur

AUSFÜHRUNG

Gaerten von Hoerschelmann GmbH

FOTOGRAFIE

Ferdinand Graf Luckner


„Die größte Herausforderung war, das Bild Frankreichs wachzurufen, ohne manieristisch zu werden. Der Garten soll nach Norddeutschland und zum Wohnhaus passen, aber Frankreich subtil anklingen lassen.“

SOEREN VON HOERSCHELMANN


PLAN

1Wohnhaus

2Wasserbecken

3Pflanzenzimmer

4Wasserbecken Burgpreppacher Sandstein

5Stahlmuschel mit weißer Glyzine

Büro Volker Püschel
Mehr als ein Garten


Im Wohngarten: Der Bodenbelag ist aus holländischem Straßenklinker – eine Reminiszenz an den Architekten des Hauses.

Es ist ein ungewöhnliches Haus mit einem Grundriss, den man erst versteht, wenn man dessen Geschichte kennt. Ebenso ungewöhnlich ist der dazugehörige Garten, der, genau genommen, aus fünf kleinen Höfen besteht, die aber mehr Lebendigkeit und Vielfalt beherbergen als so manch großer Garten. Hier leben und arbeiten die beiden Landschaftsarchitekten Volker und Helgard Püschel seit bald 50 Jahren. Gerade während der Corona-Zeit bedeutet ihnen ihr eigener Garten pure Lebensqualität.

Laudatio

Das Motto „Viele kleine Höfe ergeben auch einen ganzen Garten“ impliziert die Frage: Was macht einen „ganzen“ Garten aus? Die Schöpfer dieses Ensembles Haus und Garten haben überzeugende Antworten gefunden.

Auf einem 1000 m2 großen Grundstück finden Wohnen und Arbeiten zueinander und sind doch so voneinander separiert, dass sich die unterschiedlichen Nutzungen neben- und miteinander ergänzen. Dies gelingt durch die Struktur von Haus- und Gartengrundriss, die zusammen entwickelt zu einem schlüssigen Gesamtkonzept führt. Die „vielen kleinen Höfe“ vom Wohn-, einem Kräuter-, einem Büro- und einem Mietergarten bis zu einem Saunahof sind alle üppig bepflanzt und schaffen so beschützte eigene Räume, die sich in ihrer Nutzungsvielfalt zu einem schlüssigen „Ganzen“ fügen.

Die Fenster aus dem Obergeschoss luken zwischen Blauregen und Schlingpflanzen unter einem Rasendach hervor und verstärken so den Eindruck eines Hauses, das mit der Natur eine enge Verbindung eingegangen ist. Auch über die Giebelseiten des Hauses und das im Erdgeschoss vorspringende Dach ranken sich Pflanzen und schaffen eine enge Verbindung zu den darunterliegenden Loggien.

Der Weg zum Hauseingang ist mit Granit-Mosaiksteinen und einem Rahmen aus Betonplatten in Form einzelner „Teppich“-Abschnitte gepflastert, welche die Raumabfolge akzentuieren. Auch an dieser Seite des Hauses schaffen Pflanzen mit einem schmalen Beet an der Fassade und einer üppigen Rabatte an der Grundstücksgrenze einen als Garten gestalteten Hauszugang.

Die in den Gartenhöfen ausgelegten Klinkerbeläge fügen sich durch die kleinen Formate gut in die Dimensionen des Hauses und der Höfe mit ihrer differenzierten Gestaltung ein. Die langen Blütenstiele mit ihren gelben Tellern akzentuieren die einzelnen Gartenhöfe und weisen nach außen auf ein vielfältiges Gartenensemble hin.

Irene Burkhardt


Das ungewöhnliche Haus – eingehüllt in seinen schützenden Pflanzenmantel.

Dem Büro ist dieser Innenhof angegliedert. Links davon schließt sich der Innenhof mit dem Hochbeet an.


Im Küchen- und Saunahof lassen sich die Spatzen an der Vogelfutter-Menagerie beobachten.


Kräutergarten mit Hochbeet – die Hainbuchenhecke blieb erhalten und erinnert an die alte Gartenstruktur.


Ein einheitlich gestalteter Weg führt zu den vier Haustüren.

Neue Pflanzen kommen in Ermangelung noch freier Pflanzflächen in Tröge und Töpfe und bereichern die Hofflächen – wie hier z. B. den Werkstatthof.

Die räumliche Gliederung in fünf Höfe ist eine Besonderheit, die der außergewöhnlichen Architektur geschuldet ist. Denn das Grundstück mit seinen 1000 m2 ist mit einem Einfamilienhaus und drei Mini-Reihenhäusern bebaut. Als Familie Püschel das Grundstück erwarb, gab es dort vier Wohneinheiten mit entsprechend vielen Eingängen und dazugehörigen Gartenanteilen. „Die drei 'Reihenhäuser' konnten bald bautechnisch in Angriff genommen werden. Größte Maßnahme und somit Mehrgewinn an Wohnfläche war die einseitige Aufstockung des Giebeldaches. Daraus resultierte ein Flachdach und eine große Fensterfront an der Südseite“, berichtet Volker Püschel. Das Dach wurde zunächst mit Sedum bepflanzt, die Fassade dank vertikalem Grün mit dem Garten verbunden. „Für mich haben Pflanzen am und im Haus nur Vorteile. Schon damals Mitte der 70er-Jahre handelten wir nach dem Motto, dass das horizontale und vertikale Grün in Architektur und Stadtlandschaft ein wesentlicher Beitrag zur Umweltverbesserung ist“, betont Volker Püschel. Im Laufe der Zeit wurde aus dem Sedum auf dem Flachdach durch Sukzession eine 70 m2 große Rasenfläche. Sie funktioniert seit 35 Jahren, ist mittlerweile zu einem 20 cm dicken Pflanzenpolster angewachsen – Biomasse als perfekte Dachdämmung. Auch der Pflegeaufwand hält sich in Grenzen: 1 x im Jahr werden die Gräser geschnitten – fertig. Dem Dach schadet der Bewuchs, wie oft vermutet wird, ebenso wenig wie die vertikale Begrünung, die dafür sorgt, dass sich das Haus, insbesondere die Südseite mit der großen Fensterfront, nicht allzu sehr aufheizt. In Zeiten des Klimawandels mit heißen Sommertagen ein weiteres Plus! 25 m2 vertikale Vegetation wächst in 12 Meter langen Pflanzkästen an der Hausfassade empor und kann ohne viel Aufwand bewässert werden. Zum großen Teil stammt die Bepflanzung aus Fingerstrauch (Potentilla), Mittelmeer-Schneeball (Viburnum tinus), Essigbaum (Rhus), Heiligenkraut (Santolina) und Steinkraut (Alyssum) noch aus der Erstbepflanzung. Eine Glyzine (Wisteria) umrankt auf etwa 20 m die ganze Länge des Hauses. Ost- und Westgiebel des Langhauses sind komplett mit Efeu (Hedera helix) berankt, in den sich Wilder Wein eingeflochten hat. Der dicke Efeu-Pelz hält Sonne, Wind und Wetter ab, dämmt das Haus gegen Hitze und Kälte. Die Blüte im Spätherbst liefert eine hervorragende Honigweide, und das Astwerk mit den dichten Blättern bietet Vögeln Nistmöglichkeiten.

Ein einheitlich gestalteter Weg, über 20 m lang, führt zu den vier Haustüren. Vor jeder dieser Türen befindet sich ein Quadrat aus Betonplatten, das mit Granit-Mosaik kreisförmig ausgepflastert ist. Folgt man dem ansteigenden Weg, so gelangt man zu den fünf Höfen: Zunächst in den Küchen- und Saunahof mit Natursteintrog als Tauchbecken, den zwei besonders schöne Laubbäume, ein Eisenholzbaum (Parrotia persica) und eine Blumenesche (Fraxinus ornus) zieren. Weiter geht es zum Werkstatthof mit riesigem Sandsteinfindling und einer Sichtschutzpflanzung aus Bambus (Phyllostachys aureosulcata 'Spectabilis'). Eine Eibe (Taxus baccata) und eine Schwedische Mehlbeere (Sorbus intermedia) begleiten den Weg nun abwärts zum Wohngarten auf Eingangsniveau. Es schließen sich ein Kräutergarten mit Hochbeet und der Bürogarten an. Aus Zeiten der Reihenhausbewohner existieren noch zwei Hainbuchenhecken (Carpinus betulus), welche Wohn-, Kräuter- und Bürogarten voneinander trennen. Sie wurden bewusst nicht entfernt, um die alte Struktur des Gartens zu erhalten. „So konnten wir den Höfen unterschiedliche Themen geben“, sagt Volker Püschel. Nun spiegelt jeder Gartenraum die jeweilige Funktion des angegliederten Wohnraumes wider, die sich im Laufe der Jahre wandelte, je nach den Lebensumständen. „Es sind eigene funktionierende Höfe, klein, aber fein. Viele kleine Höfe ergeben auch einen ganzen Garten“, resümiert Volker Püschel. Im Falle dieses abwechslungsreichen Gartens trifft das ohne Einschränkung zu!

LAGE DES GARTENS

Mettmann, Nordrhein-Westfalen

GRÖSSE DES GARTENS

625 m2

PLANUNGSBÜRO

Büro Volker Püschel

AUSFÜHRUNG

Pflanzarbeiten: Volker und Helgard Püschel Pflaster -u. Wegebauarbeiten: Landschaftsbau Dieter Horstmann

FOTOGRAFIE

Sibylle Pietrek


„Schon damals handelten wir nach dem Motto, dass das horizontale und vertikale Grün in Architektur und Stadtlandschaft ein wesentlicher Beitrag zur Umweltverbesserung ist.“

HELGARD UND VOLKER PÜSCHEL


PLAN

1Wohngebäude

2Sauna

3Werkstatt

4Wohngarten

5Kräuter und Hochbeet

6Bürogarten

Lustenberger Schelling Landschaftsarchitektur
Über den Dächern der Stadt


Blick ins Grüne: Die Bepflanzung schafft eine Verbindung zum Stadtgrün.

Ein Dachgarten mitten in der Stadt ist wahrer Luxus und bedeutet pure Lebensqualität – hier oben ist man Teil des pulsierenden urbanen Lebens und gleichzeitig sehr privat im eigenen grünen Freiluftzimmer. Diese längliche Dachterrasse, eingenistet zwischen zwei Häusern, gehört zu einer Wohnung innerhalb eines historischen Gebäudes und bietet viele Vorzüge. Der Blick fällt rechts und links auf die Kronen der umliegenden Stadtbäume, über die Dächer der Stadt bis zu den bewaldeten Hügelketten am Horizont.

Laudatio

Im Verlauf der Jurysitzung stellte sich schnell heraus, dass mit diesem wunderbaren urbanen Dachgarten ein Sonderfall vorlag, dessen Erstellung fast gänzlich andere Herausforderungen mit sich brachte als die anderen Gärten. Die Gestaltung von Dachgärten als großstädtische Bauaufgabe gehört leider noch immer zu den recht vernachlässigten Bereichen. Das liegt an vielen Faktoren: an der Größe oder an ungünstig langen und schmalen Formen, die sich aus den Hausgrundflächen ergeben und denen die Dachterrassen-Besitzer meist etwas ratlos gegenüberstehen. Dazu kommen besondere statische Voraussetzungen, die einem in der Planung manchmal kleine Wunder abverlangen. So auch hier.

Durch die sinnvolle Gliederung der Dachfläche in drei Bereiche sind Räume entstanden, die durch ihre Gestaltung neugierig machen und trotz begrenzter Gegebenheiten unterschiedlichste Bedürfnisse abdecken. Das Umfeld ist hervorragend eingebunden, indem die Aussicht in die Umgebung – ein Kapital des Dachgartens – entsprechend berücksichtigt wurde. Auch die Lichtverhältnisse, die bestimmte Stimmungen erzeugen, sind überzeugend mit aufgenommen.

Die äußerst sorgfältige Komposition aus verschiedenen Materialien und der Bepflanzung ist kontrastreich und gleichzeitig harmonisch. Alle Aspekte sind in jeder Hinsicht optimal ausgeschöpft.

Dieser Garten ist eine grüne Oase: frisch, großzügig, individuell, zeitgemäß, lebendig und sehr stimmig in seiner Gesamtheit. Er lädt zu Aufenthalten in einer warmen entspannten Atmosphäre ein.

Claudia Feldhaus

Platz für Bäume: Japanischer Zierahorn im leichten Fieberglastopf mit Stahlbeschichtung


Dachterrasse mit abwechslungsreichem Pflanzenleben und gemütlichem Ambiente


Größte Herausforderung: Großzügigkeit schaffen und trotzdem verschiedene Aufenthaltsbereiche ermöglichen

Die Holzbänke sind mit den Gefäßen verbunden und kommen ohne Stützen aus.

Dazu kommt ein optimales Gestaltungspotenzial, denn die Terrasse bekommt genug Licht, hat nachmittags aber Schatten, sodass es nicht zu heiß wird. Abends taucht die Sonne den Dachgarten nochmals in ein warmes Rot. Hervorragende Bedingungen also, um daraus einen Lieblingsort, einen erweiterten Wohnraum unter freiem Himmel zu machen.

Was fehlte war Räumlichkeit – als Raumteiler fungierten lediglich große Pflanztöpfe, was den Dachgarten mit seinen 78 m2 unruhig wirken ließ. Die beiden Landschaftsarchitekten Jan Schelling und Robin Lustenberger standen vor der anspruchsvollen Aufgabe, Räumlichkeit zu schaffen, ohne dabei die Großzügigkeit zu vernachlässigen. Ihr Konzept sah vor, die kleine Fläche in verschiedene Nutzungsbereiche zu gliedern, Sitzgelegenheiten und Pflanzbereiche einzurichten, Blickachsen herauszuarbeiten und so für eine ruhige Atmosphäre zu sorgen. Und das unter Berücksichtigung der technischen Gegebenheiten, denn der Dachgarten ruht auf der Wohnung eine Etage tiefer. „Alles hatte so leicht wie möglich zu sein. Die gesamte Gestaltung musste den statischen Ansprüchen angepasst werden, was zu Kompromissen führte, etwa bei der Größe und Tiefe der Pflanzgefäße“, berichtet Jan Schelling.

Um bei dem knappen Raum möglichst viele Sitzgelegenheiten zu schaffen, ließen sich die beiden Landschaftsarchitekten etwas Besonderes einfallen: Hölzerne Sitzbänke, die gleich in die Pflanzgefäße integriert sind. „Sie kommen ohne Stützen aus, was ihnen eine gewisse Leichtigkeit verleiht“, sagt Jan Schelling. Die Bänke werden von den hölzernen Pflanzgefäßen eingerahmt, was sehr wohnlich wirkt. Zu dieser wohnlichen Atmosphäre trägt auch das hochwertige Holzdeck bei, das auf kleinstem Bodenaufbau entstand – übrigens eine ebenso große technische Herausforderung wie die 'schwebenden' Sitzbank-Elemente. Den Essbereich umsteht eine Pergola mit einer Horizontal-Faltstore, die vor zu viel Sonne oder Regen schützt. Sie bringt die dritte Dimension in den kleinen Raum und sorgt für räumliches Empfinden. Eine englische Kletterrose (Rosa 'Phyllis Bide') umrankt die Stützen und verbreitet ihr feines Parfum um den Sitzplatz.

Da die weiße Fassade des Nachbargebäudes sehr stark in die Wohnräume reflektierte, setzten die Gartengestalter eine immergrüne Eibenhecke mit einer abwechslungsreichen Vorpflanzung aus Gräsern und Stauden vor diese Wand. Statt auf die weiße Wand, blickt man nun von den Wohnräumen hinaus ins Grüne. „Diese Sichtbeziehungen von innen nach außen waren sehr wichtig, man spürt nun die Erweiterung des Wohnraumes“, erklärt Jan Schelling. Gleichzeitig verbindet der grüne Korridor nun die beiden Ausblicke der längsorientierten Dachterrasse. Links und rechts hat man den Weitblick; die Hecke als grüner Hintergrund definiert den Rahmen des Raumes und stellt die Verbindung zur Stadt her, die ebenfalls sehr grün ist. Abgerundet wird die Atmosphäre dieses Wohlfühlraumes auf dem Dach mit einer exquisiten Auswahl an Töpfen, bepflanzt mit Funkien (u. a. Hosta sieboldiana 'Elegans' und 'Red October') und Hortensien (u. a. Hydrangea paniculata 'Bobo'). Selbst kleinkronige Solitäre wie ein Japanischer Zierahorn (Acer japonicum 'Atropurpureum') finden im überdimensionalen, sehr leichten Fieberglastopf mit Stahlbeschichtung Platz. Die edlen Töpfe waren ebenso wie die Möblierung vorhanden und wurden perfekt in die Gestaltung integriert. Und obwohl es jetzt viele Angebote gibt, wirkt der Dachgarten keineswegs vollgestopft. „Die Gestaltung veränderte die Wahrnehmung des Raumes erheblich. Es entstanden Nischen und räumliche Unterteilungen, Pflanzflächen und Dynamik“, fasst Jan Schelling die Wirkung zusammen.

LAGE DES GARTENS

Schweiz

GRÖSSE DES GARTENS

78 m2

PLANUNGSBÜRO

Lustenberger Schelling Landschaftsarchitektur

AUSFÜHRUNG

Holzbau Wirth AG, Zehnder-Garten GmbH, Luce Elektro AG

FOTOGRAFIE

Terry Frauenfelder, Jan Schelling


„Im gesamten Kontext wirkt die Terrasse so, als wäre sie integriert und Bestandteil der Wohnung. Eine schlichte Gestaltung mit viel Emotionen und Atmosphären. Es ist wahrhaftig die grüne Lunge der Wohnung.“

JAN SCHELLING


PLAN

1Pergola

2Holzbank

3Hecke im Gefäß

4Kleinkroniges Solitärgehölz

5Lounge

Hariyo Freiraumgestaltung GmbH
Kleiner Garten der Vielfalt


Im Zentrum: der Teich, der die Schlauchform des Grundstücks vergessen lässt.

Verspielt, bunt, biodivers – ein Naturgarten wie aus dem Bilderbuch. Und dafür braucht man noch nicht einmal viel Platz: Dieser hier entstand auf einem typischen Handtuch-Grundstück, wie sie in dicht bebauten Gegenden die Regel sind: 10 Meter breit, 27 Meter lang und gegen die Nachbargrundstücke ausgestellt. Dieses grüne Kleinod ist ein schöner Beweis dafür, dass man auch auf kleiner Fläche die Vielfalt der Natur in den eigenen Garten holen kann, statt sich mit einer einfallslosen mit Thujen abgepflanzten Rasenfläche zufriedenzugeben.

Laudatio

Naturgärten erleben seit Jahren einen ungeahnten Aufschwung. Kein Wunder, wird doch der Wunsch nach mehr Natur, und den eigenen Garten auch als Lebensraum für bedrohte Arten zu gestalten, immer häufiger geäußert. Ein Wunsch, der Planer und Gartenanlegende vor eine ganze Reihe Herausforderungen stellt. Für wen wird der Garten vorrangig gestaltet? Für Menschen, Tiere oder beide? Reicht die Fläche aus, um echte Biotope zu schaffen und nicht nur Alibi-Habitate? Und wie schaut es mit der Ästhetik aus? Geröll- und Schutthaufen, Totholzstapel und ein Sammelsurium an Kleinstlebensräumen auf engstem Raum lassen sich nur schwer zu einem attraktiven Gartenbild zusammenfügen.

Hier entstand auf einem kleinen, schmalen Grundstück ein intimer Gartenraum mit Sitzplatz, Mini-Badeteich und einer ansprechenden Bepflanzung. Trotz der geringen Fläche wirkt der Garten nicht überladen. Eine ästhetisch überzeugende und pflegetechnisch beherrschbare Gestaltung mit heimischen Pflanzen verlangt besondere Kenntnisse in Vegetationsökologie und Pflanzensoziologie, da durch die Wuchskraft und den Ausbreitungswillen vieler Arten schnell „wilde Ecken“ entstehen, die weder attraktiv noch gepflegt wirken. Zudem haben viele einheimische Arten ihren Blühhöhepunkt in der ersten Jahreshälfte bis zur Sommermitte, was es schwierig macht, in der zweiten Jahreshälfte ansprechende Gartenbilder zu kreieren. Die Planer von Hariyo haben dies überzeugend gelöst und mit einem Anteil von über 80 % einheimischer Arten und einer klaren Raumaufteilung einen Garten geschaffen, der als Refugium und Freiraum für Menschen dient und einen Lebensraum für Tiere schafft, ohne verwildert und ungepflegt zu wirken. Der konsequente Einsatz natürlicher Materialien und der Verzicht auf bewässerungs- und pflegeintensive Rasenflächen sind beispielhaft für eine naturnahe, ästhetische Gartengestaltung – eine perfekte Symbiose aus Moderne und Ökologie.

Dr. Folko Kullmann

„Was ist das Schwerste von allem? Was dir das Leichteste dünket: Mit den Augen zu sehn, was vor den Augen dir lieget.“

Mit diesem Goethe-Zitat begrüßt unsere diesjährige Preisträgerin die Besucher ihrer Homepage www.marion-nickig.de – und bringt damit die Grundlage ihres täglichen Schaffens auf den Punkt. Marion Nickig studierte Grafik-Design an der Essener Folkwangschule und der Universität GHS Essen und Wuppertal. Seit den 1980er-Jahren werden ihre Fotos in renommierten Garten- und Wohnzeitschriften veröffentlicht, ebenso in Büchern und Kalendern. Sie kann nicht nur einfühlsam fotografieren, ihr Tun ist auch geprägt von großem botanischem Fachwissen, wie man an der exakten Verschlagwortung ihrer Fotos mit Gattungs-, Art- und Sortennamen unschwer erkennen kann.

Um einen Garten zu fotografieren, sind technische Kenntnisse und Fertigkeiten entscheidend – das setzt man bei einem Profi wie Marion Nickig ohnehin voraus. Dazu kommt das richtige Timing: Zu welcher Tageszeit werden die Fotos am besten gemacht? Aber ebenso muss sie eine persönliche Beziehung zu den Gartenbesitzern und deren Refugium aufbauen. Sie muss erspüren, welche Intention dem Garten innewohnt – und diese Intention gilt es zu visualisieren.

Und so besuchen wir gemeinsam mit Marion Nickig dieses grüne Schmuckstück, auch wenn wir selbst nicht dort sein können. Das 2000 m2 große Gartenjuwel liegt in Hamburg-Flottbek inmitten alter hanseatischer Villen in Elbnähe. Geplant und gestaltet wurde es von Anke Mattern aus Steyerberg.

Die Fotografin lädt uns ein, alles bedächtig zu erkunden, zum Beispiel den mäandernden Weg zum hinteren Wohngarten entlang der Nordseite des Hauses. Wir bestaunen die Cortenstahlwand mit Wasserbecken und Wasserfall sowie einen versteckten Sitzplatz mit Designer-Sesseln. Geschickt lenkt sie unseren Blick auf botanische Kostbarkeiten wie den Rotschleierfarn mit seinen kupferroten Blattwedeln. Marion Nickig lässt den Garten in erster Linie durch das Pflanzenerlebnis wirken, was in diesem Fall durch die perfekt eingefangene abendliche Beleuchtung noch unterstützt wird.

Wolfgang Bohlsen


Viel mehr als ein Abfrischbecken: Der Teich ist Blickfang und mit seiner naturnahen Bepflanzung gleichzeitig wertvoller Lebensraum.


Die Bepflanzung verbindet alle Elemente fließend miteinander. Im Bildvordergrund: Verbena bonariensis

Natursteinmauer aus Luserna Gneis im schottischen Verband


Die abwechslungsreiche Struktur macht Lust auf Erkundungsgänge.

Die Vorpflanzung der Sichtschutzelemente lässt diese in den Hintergrund treten und bietet eine biodiverse Bepflanzung.

Fotografenpreis

Nur gute Ideen muss man dafür haben, so wie die Landschaftsarchitektin Anja Gut und der Gartenbautechniker Andreas Dössegger. Die beiden Schweizer Planer gaben dem langgestreckten Grundstück eine abwechslungsreiche Struktur, die Lust auf Erkundung macht. Es entstanden ein großer Nutzgarten, verschiedene Sitzplätze und sogar eine Bademöglichkeit in einem kleinen Naturteich. „Den schmalen Garten in Räume aufzuteilen und dennoch nicht zu überladen, war eine Herausforderung“, sagt Andreas Dössegger. Doch überladen ist hier nichts – im Gegenteil, der Naturgarten wirkt luftig-leicht wie eine Sommerbrise. Sein Herzstück ist der kleine naturnah gestaltete Badeteich, den sich die Familie trotz der überschaubaren Grundstücksgröße wünschte. Dort kann man sich wie in eine Badewanne hineinsetzen und an heißen Tagen abfrischen. „Der sehr kleine Badeteich mit Quellstein und Unterwassersitzmauer ist für uns in dieser Größe einzigartig. Das Badewasser lässt sich mit dem Wasser in einem natürlichen Stillgewässer vergleichen“, erklärt Andreas Dössegger. Ein durchgehender, blickdichter Sichtschutz entlang der langgezogenen Grundstücksgrenzen sorgt dafür, dass man dabei seine Privatsphäre hat. Das schafft gleichzeitig einen klar definierten, in sich geschlossenen Gartenraum. Dabei kommt aber nie das Gefühl von „eingesperrt sein“ auf – dank des Höhenspiels der Bepflanzung vor und an den Sichtschutzwänden, die zudem von Kletterern wie dem robusten Rambler 'Super Dorothy' (Rosa) und dem Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum) erobert werden. „Die Vorpflanzung der verschiedenen Sichtschutzelemente lässt diese raffiniert in den Hintergrund treten und bietet eine attraktive, biodiverse und ganzjährig blühende Bepflanzung im Stil einer 'Mini English Border'“, erläutert Andreas Dössegger.

Aber natürlich ist der Teich mehr als ein Abfrischbecken für heiße Sommertage. Er ist der Blickfang im Garten und vermittelt immer wieder neue Stimmungsbilder je nach Tages- und Jahreszeit. Mit seiner lebendigen Gestaltung und der vielfältigen Bepflanzung aus Blutweiderich (Lythrum salicaria), Breitblättrigem Froschlöffel (Alisma plan tagoaquatica), Gewöhnlichem Tannenwedel (Hippuris vulgaris), Seerose 'James Brydon' (Nymphaea) und Zyperngras (Cyperus longus) ist er gleichzeitig ein wertvolles kleines Ökosystem.

Einen Blickfang in der Vertikalen bieten die Sitzmauer, eine Trockenmauer aus Luserna Gneis und die mehrstämmige Felsenbirne (Amelanchier lamarckii), die als Solitär eine gute Figur macht. Überhaupt ist die artenreiche Bepflanzung das Rückgrat dieses Naturgartens – sie verbindet alle Elemente miteinander und verleiht dem Garten trotz geringer Größe sein wildes, natürliches Erscheinungsbild. Das Haus mit seiner Holzfassade und dem mit einer Glyzine (Wisteria) berankten Vordach bietet eine ähnlich rustikale Optik und passt zum Garten. Abgerundet wird das Bild dieses Bilderbuch-Naturgartens mit einer Kompost-Ecke inklusive Asthaufen, einem Insektenhotel, Obst- und Beerensträuchern sowie einer artenreichen Staudenbepflanzung, die Nahrung und Lebensraum für Vögel und Insekten bietet.

LAGE DES GARTENS

Fricktal, Kanton Aargau, Schweiz

GRÖSSE DES GARTENS

350 m2

PLANUNGSBÜRO

Hariyo Freiraumgestaltung GmbH

AUSFÜHRUNG

Salamander Naturgarten AG

FOTOGRAFIE

Benedikt Dittli


„Aus einem langgezogenen und gegen die Nachbarn ausgestellten Grundstück wurde ein intimer Garten mit wertvollen Aufenthaltsflächen, ohne dass dieser Raum eingeengt wirkt.“

ANJA GUT UND ANDREAS DÖSSEGGER


PLAN

1Naturteich

2Sitzmauer aus Naturstein

3Sichtschutz mit Vorbepflanzung

4Gemüsegarten

5Blumenrasen

6Schrittplatten Naturstein

Projekte


LATZ+PARTNER LandschaftsArchitektur Stadtplanung
Ein grünes Gesamtkunstwerk


Fließende Übergänge: Blick vom Wintergarten in den verschneiten Wassergarten mit "Tor" zur Landschaft

Am Rande eines kleinen Weilers liegt diese gewachsene Einheit aus Haus und Garten, sanft eingebettet in die geschwungenen Hügelketten des Tertiärhügellandes. Dass der Garten liebevoll gepflegt wird, sieht man ihm sofort an. Ganze 30 Jahre hatte er Zeit, sich zu einem „Vermittler zwischen Siedlung und Landschaft“ zu entwickeln. Waldränder, Feld- und Wiesenstreifen sind durch Heckenfenster und -tore in den Garten einbezogen – Sichtbeziehungen, die das Grundstück in der ländlichen Kulturlandschaft verorten.


Unumschränkter Höhepunkt im Juni: die Rosensträucher im Buchsparterre


Hommage an den Garten des Castello Ruspoli in Vignanello und den Landschaftsbezug des Palazzo Piccolomini in Pienza. Im Hintergrund: Fenster in die Landschaft.


Alles hängt mit allem zusammen: Der Teich vor dem Wintergarten strahlt Energie zum Haus zurück.


Mußestunden im sommerlichen Buchs- und Rosengarten

Grünes Bollwerk gegen den Wind im Übergang zur Landschaft


Eine Reihe kleinkroniger Quitten vor der wärmenden Trockenmauer aus alten Mauer- und Dachziegeln


Innenhof mit blauen Hortensien und Agapanthus – jeder Gartenraum hat ein eigenes Pflanzkonzept.

Er ist das Lebenswerk der beiden Landschaftsarchitekten Anneliese und Peter Latz. Ein Gesamtkunstwerk, das keine Hierarchien kennt. Alles hängt mit allem zusammen, ist nicht isoliert voneinander zu betrachten. Haus und Garten wurden zusammen erdacht, sind ein in sich funktionierender Kosmos. Das vierseitige Gebäude, in dem gelebt und gearbeitet wird, hat Peter Latz selbst entworfen, sein Wissen über alternative Technologien eingebracht. Es entstand aus einem alten Häuslerhaus, das vor gut hundertzwanzig Jahren auf dem einstmals feuchten Hanggrundstück errichtet wurde. Behutsam wurden dem alten Gemäuer Seitenflügel für das Wohnen und Arbeiten und ein vorgelagertes Glashaus angegliedert. So entstand ein geschützter Innenhof mit schlichtem Wasserbecken und einem Topfgarten für tropische Schönheiten wie Schmucklilien (Agapanthus). „Das Haus hat eine Außenschale aus Glas wie eine doppelte Haut, um den Energieverlust gering zu halten. Fotovoltaik wird als Indach-System (PV-Anlage seit 2018) genutzt, um damit einen Teil des hohen Energiebedarfs zu decken; Regenwasser sammeln wir und nutzen es zur Bewässerung“, erklärt der emeritierte Professor für Landschaftsarchitektur. Nachhaltigkeit ist für Anneliese und Peter Latz eben nicht nur ein Schlagwort – hier wird mit Ressourcen verantwortungsbewusst umgegangen. Das zeigt sich auch bei der Materialverwendung: Die Stützmauern zur Terrassierung der hausnahen Gartenbereiche bestehen aus alten Ziegelsteinen und Dachziegeln, die aus dem Abbruch von Nebengebäuden stammen. Material mit Patina, das zur natürlichen, warmen Atmosphäre des Hauses passt.

Die intensiveren Bereiche um das Haus mit seinen berankten Holzveranden schützen dichte Strauchpakete aus Liguster (Ligustrum vulgare), Hainbuche (Carpinus betulus) und Feldahorn (Acer campestre) in der Tradition eines giardino segreto – ein rundliches Bollwerk gegen kühle Winde, das die Form der weichen Hügellandschaft widerspiegelt. Im Inneren herrscht ein günstiges Kleinklima für die einzelnen Gartenräume: für den Nutzgarten mit Gemüse und Kräutern, das Buchsbaum-Parterre, den Teichgarten und die verschwiegenen Sitzplätze in den Nischen. Schmale Pfade erschließen das Grundstück und verbinden die Gartenräume miteinander. „Von außen betrachtet, mag der intensive Teil des Gartens klein aussehen. Erst von innen erschließen sich die unterschiedlichen Räume, die ineinander übergehen“, erklärt Anneliese Latz. So wandert der Blick ungehindert vom Wintergarten zum Wassergarten mit dem Teich und durch ein geschnittenes Heckentor in die freie Landschaft. Es sind Bilder, die sich mit dem Wechsel der Jahreszeiten, dem Wetter und den Lichtverhältnissen immer wieder ändern.

Einen Höhepunkt im Juni bietet der Parterre-Garten nahe am Haus mit historischen Strauchrosen und Englischen Rosen. Sie werden von einem kunstvoll geschnittenen Buchs-Ornament eingefasst, das sich wellenförmig durch das Parterre zieht. „Es ist eine Hommage an den Garten des Castello Ruspoli in Vignanello und den Landschaftsbezug des Palazzo Piccolomini in Pienza – Renaissance-Gärten Italiens, die wir vor langer Zeit besuchten“, erklärt Peter Latz. Ein Pfad führt durch das Parterre mit Heckenfenster in die Landschaft als Zielpunkt. Dann geht es den Hang hinab in den Haselhain, der im Frühjahr von Feldern mit Buschwindröschen, Wildnarzissen, Blaustern und leuchtend gelben Himmelsschlüsseln überzogen ist. Außerhalb der mächtigen Hecke wird es extensiv. Dort erschließen Mähwege den Hang – eine ausgemagerte Blumenwiese mit Arten wie Storchschnabel (Geranium pratense), Schafgarbe (Achillea millefolium) und Flockenblume (Centaurea jacea) – bis hinab zur Grundstücksgrenze. Einst machten sich hier Brennnessel und Riesenampfer (Rumex obtusifolius) breit, da die Fläche heillos überdüngt war. Ganze 20 Jahre dauerte es, um den heutigen Zustand zu erreichen. Markante Endpunkte des weitläufigen Grundstückes bilden kleine Wäldchen. Anneliese und Peter Latz haben mit der Zeit die vom Vorgänger gepflanzten Fichten durch Sumpf-Eichen (Quercus palustris), Stieleichen (Quercus robur), Eschen (Fraxinus excelsior) und Traubenkirschen (Prunus padus) ersetzt. Sie erscheinen so wie Elemente der landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft.

LAGE DES GARTENS

Kranzberg, Bayern

GRÖSSE DES GARTENS

Insgesamt 1 ha, Garten inklusive Haus ca. 3000 m2

PLANUNGSBÜRO

LATZ+PARTNER LandschaftsArchitektur Stadtplanung

AUSFÜHRUNG

Eigenleistung unter Mitwirkung von Familie, Mitarbeitern und Hilfskräften, B.grünt, G. Czogalla

FOTOS

Monika Nikolic, Iris Dupper, Anneliese Latz, Volker Strass, Tobias Kramer


„Jeder Raum hat ein eigenes Pflanzkonzept: Ausgehend vom Innenhof mit berankten Fassaden und Agapanthuslilien über die Rosen im Buchsparterre, die Seerosen im Teich, den Wiesen- und Waldpflanzen bis zur Eichensammlung im 'Wäldchen'.“

ANNELIESE UND PETERLATZ


PLAN

1Innenhof

2Buchsparterre

3Haselhain

4Teichgarten

5Nutzgarten

6Windschutz-Hecken

KEPOS Gartenarchitektur – Carola Dittrich
Toskanisches Lebensgefühl an der Bergstraße


Blockstufen führen zum Spielhof der Kinder. Die Gräsermatrix vermittelt eine mediterrane Leichtigkeit.

Dieser steile Hanggarten am Fuße der Weinberge hat sich komplett gewandelt: von einem reinen Betrachtungsraum zu einem intensiv erlebbaren und vielfältig nutzbaren Garten für eine Familie mit vier Kindern. Früher war der Hang wegen der hohen Fichten düster und bot kaum ebene Flächen. Nun wirkt der Garten mit seiner luftig-leichten Stauden- und Gräserbepflanzung in Kombination mit hellem Jurastein mediterran und großzügig. Und vor allem bietet er wieder einen weiten Blick in die Rheinebene und auf die nahen Weinberge.

Weißblühender Sonnenhut 'White Swan' – trockenheitsverträglich und ein echter Insektenmagnet

Die Araukarie blieb erhalten und verleiht dem Pool-Bereich exotisches Flair.


Spielhof der Kinder unter dem aufgeständerten Anbau


Sitzplatz auf der Garage mit Feuerschale

Diese Blicke zu stärken und zu inszenieren, war der Grundgedanke für die Umgestaltung von Landschaftsarchitektin Carola Dittrich. Dafür entfernte sie behutsam einzelne Gehölze und schnitt die verbleibenden Immergrünen in Form, die nun den Rahmen für die abwechslungsreiche Staudenpflanzung liefern. Gleichzeitig mussten wegen der engen Bebauung an anderer Stelle Hecken und Sträucher gepflanzt und Mauern in Hausnähe verlängert werden, um die Privatsphäre zu wahren. So entstand ein lebhaftes Wechselspiel zwischen Blicköffnung und Blickdichtheit.

Da ein Großteil des Grundstückes aus unterschiedlichen Böschungsbereichen besteht, war es nötig, durch Aufschüttungen und Abfangen mit Natursteinmauern nutzbare Bereiche zu schaffen. Angrenzend an die neue großzügige Terrasse im Westen, dem Lebensmittelpunkt der Familie, entstand eine ebene Rasenfläche. Von dort führen Blockstufen und Trittplatten zum Spielhof der Kinder unter einem aufgeständerten Anbau, sodass beide Bereiche nun miteinander verbunden sind. „Durch den Anbau veränderte sich der bestehende Hang. Ziel war es, dafür zu sorgen, dass der Spielhof möglichst viel Tageslicht bekommt und der Hangbereich trotzdem nicht zu steil wird. Dafür wurde ein Teilbereich des Spielhofes mit halbhohen Mauerscheiben ausgebildet, die mit Jura-Böschungssteinen kombiniert wurden“, erklärt Carola Dittrich. Den Rasenhang zwischen Terrasse und Spielhof wandelte die Landschaftsarchitektin in eine Gräsermatrix aus Herbst-Blaugras (Sesleria autumnalis) um, in die u. a. Schwertlilien (Iris barbata elatior 'Superstition'), Montbretien (Crocosmia masoniorum 'Lucifer'), weiß blühender Steppen-Salbei (Salvia nemorosa 'Adrian') und Zierlauch (Allium sphaerocephalon) eingestreut sind. So wirkt der Hang leicht und naturnah. Teilbereiche sind mit Mauersteinen aus Jurakalk gefasst. Für die Beete dort wählte Carola Dittrich eine trockenheitsverträgliche Staudenkombination aus (u. a.) Weißblühendem Sonnenhut (Echinacea purpurea 'White Swan'), Duftnesseln (Agastache rugosa Hybride 'Black Adder') und Steinquendel (Calamintha nepeta 'Triumphator'). Sie fühlen sich im milden Weinbauklima sichtlich wohl – ebenso wie der Thymian (Thymus) zwischen den Trittplatten und die anderen mediterranen Kräuter wie Rosmarin und Salbei, die den Weg flankieren.

Für die Kinder gibt es im ganzen Garten unterschiedliche Spielbereiche, ohne dass diese die Gestaltung dominieren. In der steilen Böschung zu den Weinbergen haben sie mit dem Spielhaus ihr eigenes Reich; abends lockt der Sitzplatz mit Feuerschale auf dem Garagendach, die besondere Stimmung am Feuer zu genießen. Die Pflanzung ist robust genug, dass sie auch einmal einen Ball aushält. Nun kann auf den neu geschaffenen Ebenen gelebt, gespielt und getobt werden. „Besonders stolz bin ich darauf, dass den Kindern der Garten ans Herz gewachsen ist und sie ihn intensiv nutzen. Sie kennen inzwischen viele der verwendeten Stauden, Kräuter und Bäume“, freut sich Carola Dittrich. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man nicht nur Design geschaffen hat, sondern einen Garten, der auch von den Kindern geliebt und angenommen wird.

LAGE DES GARTENS

Region Bergstraße, Baden-Württemberg

GRÖSSE DES GARTENS

850 m2

PLANUNGSBÜRO

KEPOS Gartenarchitektur – Carola Dittrich

AUSFÜHRUNG

Johannes Willnauer

FOTOGRAFIE

Fernando Fath


„Das milde Klima der badischen Bergstraße prägt die mediterrane Pflanzung und Atmosphäre des Gartens. Durch die großen Staudenflächen am Hang und in den weiteren Pflanzflächen verändert der Garten über das Jahr hinweg mehrfach sein Erscheinungsbild.“

CAROLA DITTRICH


PLAN

1Spielhof überdacht

2Weg vom Spielhof zur Terrasse West

3Gräserhang

4Sitzplatz mit Feuerschale

5Schwimmbad

6Spielhaus

Hennings Gartenbau
Seeblicke


Die Treppe führt auf die letzte Ebene mit einer flächigen Bepflanzung aus Ball- und Strauch-Hortensien.

Einst verlief hier am Ratzeburger See im Südosten Schleswig-Holsteins die innerdeutsche Grenze. Das flache östliche Ufer gehörte zur damaligen DDR, die westliche Seite mit ihren steilen Böschungen zur Bundesrepublik. Heute zählt das Gebiet zum Naturpark Lauenburgische Seen, das für seine abwechslungsreiche Landschaft aus Hügeln, Wäldern, Feuchtgebieten und zahlreichen Seen bekannt ist. Dieses Grundstück liegt auf der böschungsreichen Westseite: Vom oberen Garten mit dem Wohnhaus sind es ganze 15 Meter Höhenunterschied bis zur unteren Ebene – eine für Holstein ungewöhnlich steile Hanglage.


Edel: Das Kleinpflaster ist aus Muschelkalk, die Natursteinmauer passend dazu aus Muschelkalk-Blocksteinen.

Backhaus auf der oberen Gartenebene mit Crateagus monogyna als Solitär, Buddleja davidii und Lavandula angustifolia 'Little Lady'


Weitläufige Rasenfläche auf der zweiten Ebene; im Bildvordergrund ein Cornus kousa


Da der Garten vor allem in den Sommermonaten genutzt wird, liegt der Blüh-Höhepunkt im Sommer.

Dafür kann man von hier oben weite Teile des Sees überblicken. Versteht sich von selbst, dass Gärtnermeister Torsten Hennings diese Perspektive hervorgehoben hat. Es ging aber nicht nur um den schönen Seeblick: Denn ursprünglich waren dies einmal zwei lange, schmale Nachbargrundstücke, die zu einem Garten zusammengefügt wurden. Auf dem neu erworbenen Grundstücksteil wurde ein Backhaus errichtet, ein moderner Bau mit vollständig verglasten Frontseiten. Dieses neue Gebäude galt es, in den Garten zu integrieren.

Zunächst wurde der Hang in verschiedene Ebenen terrassiert: Im unteren Teil gestaltete Torsten Hennings organische Hänge, die mithilfe invasiver Stauden wie etwa Flachem Kaukasus-Beinwell (Symphytum grandiflorum) und ähnlich stark wachsenden, gut bodengreifenden Arten stabilisiert werden. Dort, wo die Räume kleiner werden oder Terrassen und feste Flächen angeschlossen sind, übernehmen kunstvoll aufgeschichtete Trockenmauern diese Aufgabe. Im oberen Garten am Wohnhaus sind sie einem Friesenwall aus runden Findlingen und regionalem Geröll nachempfunden. Den Bereich um das neue Backhaus terrassieren dagegen Muschelkalk-Blocksteine, welche die strenge Geometrie des Gebäudes aufnehmen. Die Natursteinmauern binden das moderne Bauwerk zusammen mit den Schirmgehölzen in den Garten ein. Für diese Aufgabe hat Torsten Hennings Kornelkirsche (Cornus mas) und Eingriffeligen Weißdorn (Crataegus monogyna) gewählt, robuste Wildgehölze, die Trockenheit vertragen und Insekten und Vögeln Nahrung bieten. Da der Bau auch für Seminare und Lehrgänge genutzt wird, umgeben ihn große Freiflächen. „Entscheidend war, dass wegen der zunehmenden Starkregen-Ereignisse nicht mehr Wege und Flächen versiegelt werden als unbedingt nötig“, betont Torsten Hennings. Daher hat er mit einer wassergebundenen Wegedecke aus Sabalith gearbeitet und die Sitzflächen offen gepflastert, sodass auch sie Wasser aufnehmen können. Die tragfähigen Wegedecken speichern das Regenwasser und geben es sukzessive an den Untergrund ab. So waren keine zusätzlichen Entwässerungseinrichtungen am Backhaus nötig.

Um die Gartenteile zu einer Einheit verschmelzen zu lassen, wurde die Bepflanzung grundstücksübergreifend neu gestaltet. Im oberen Garten am Wohnhaus bilden Staudenpflanzungen bereits dichte Bestände. Ihr Schwerpunkt liegt auf den Sommermonaten, da der Garten vor allem in der warmen Jahreszeit genutzt wird: Ab Mitte Juni bis in den Spätsommer bieten Roter und Weißblühender Sonnenhut (Echinacea purpurea 'Magnus' bzw. 'Alba'), Echter Lavendel (Lavandula angustifolia), Hoher Staudenphlox (Phlox paniculata-Hybriden) und Pracht-Salbei (Salvia patens 'Royal Blue') mit ihrem Blütenschmuck das Bild des üppigen Sommergartens – inklusive dem dazugehörigen Insektenleben. Rispen-Hortensien begleiten als durchgängiges Element im vegetativen Bereich den gesamten Garten von der unteren bis zur oberen Ebene. Sie werden u. a. mit Balkan-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum 'Ingwersens Variety') kombiniert. „Es ist eine an den Landstrich angepasste Vegetation – auf große Exoten haben wir bewusst verzichtet“, sagt Torsten Hennings. Bei der Gestaltung wurde innerhalb des Gartens wert auf Transparenz gelegt. Und – besonders wichtig bei dieser Lage: Von allen Sitzplätzen kann man nun einen weiten Blick über große Teile des Ratzeburger Sees genießen.

LAGE DES GARTENS

Pogeez, Schleswig-Holstein

GRÖSSE DES GARTENS

2600 m2

PLANUNGSBÜRO

Hennings Gartenbau

AUSFÜHRUNG

Hennings Gartenbau

FOTOGRAFIE

Gary Rogers


„Von der Straße ist der Garten kaum einsehbar. Innerhalb des Gartens besteht jedoch Transparenz. Alle Sitzplätze bieten einen weiten Blick auf den See.“

TORSTEN HENNINGS


PLAN

1Backhaus

2Carport

3Auffahrt

4Natursteinmauern

5robuste Wildgehölze

Ingo Sperling Exclusiv-Gestaltung
Der Jahrhundert-Garten


Romantischer Platz unterm Apfelbaum: Ein alter Springbrunnen wurde mit einem gemauerten Becken aus Ruhrsandstein wieder in Szene gesetzt.

Man könnte meinen, dieser verwunschene Garten wäre nahezu ebenso alt wie die schnörkellose Villa aus dem Jahre 1906. Die großen Gehölze, der alte Brunnen und der regionale Ruhrsandstein mit seiner Patina schaffen diese perfekte Illusion. Wohnhaus und Garten fügen sich zu einem harmonischen Bild, das jedoch erst seit zwei Jahren so existiert.

Sitzplatz am Schwimmteich mit Wasserfall und lichtem Miniaturwald aus uralten Rhododendren

Begehbar: Das zentrale quadratische Hochbeet mit dem 7 m hohen Cornus kousa chinensis wird von zwei L-förmigen Hochbeeten umrahmt.


Ein mit Teppichstauden bepflanzter Trittplattenweg führt durch die Hochbeet-Anlage.


Der „Lorbeerwald“ geht in eine Stauden- und Graslandschaft über.

Vor der Umgestaltung bestand das Grundstück, einmal abgesehen von der hundertjährigen Rhododendron-Gruppe, überwiegend aus einer abschüssigen Rasenfläche und wurde bis auf das Gewächshaus kaum genutzt. Nun sollte das ungeliebte Grün aber an den Garten von einst in Südfrankreich mit Gemüse, Kräutern, wilden Stauden und altem Baumbestand erinnern. „Dieses Flair wünschten sich die Auftraggeber zurück. Sinnliche Eindrücke wie riechen, schmecken und fühlen waren Kernthemen. Insekten, Vögel und Kleintiere sollten sich hier heimisch fühlen“, beschreibt Gartengestalter Ingo Sperling seine Aufgabe.

Nahe am Haus entstand ein Schwimmteich mit Holzdeck, aufwendig gestaltet aus Sandsteinmauern, Felsen und Blockstufen. Wild und verwunschen wirkt dieser Teil, nicht zuletzt dank der hundertjährigen Rhododendron-Gruppe, die zu einem lichten Mangroven-ähnlichen Miniaturwald am Ufer umgestaltet wurde. Durch den gezielten Einsatz von Licht wird diese verwunschene Atmosphäre noch unterstrichen. Das Plätschern des Wasserfalles übertönt Verkehrsgeräusche, sodass der Eindruck einer Waldlichtung mit Blaubeeren, Walderdbeeren und immergrünen Farnen nicht getrübt wird. „Es geht immer auch ein bisschen darum, Natur auf engem Raum zu imitieren“, findet Ingo Sperling. Dieser Waldcharakter wird im unteren Bereich des Hangs mit den alten aufgeasteten Portugiesischen Lorbeergehölzen wieder aufgenommen. Die Bepflanzung geht beim Feuerplatz in eine Stauden- und Graslandschaft über, welche von drei urigen Sicheltannen (Cryptomeria japonica) akzentuiert wird. Das Pflanzenbild darf dabei ruhig ein bisschen wild sein, das ist gewollt und passt zur Gestaltung.

Zwischen dem oberen Bereich und dem bisher kaum genutzten Hang wurde ein fließender Übergang geschaffen. „In diesem abschüssig zu einer Verkehrskreuzung gelegenen Teil hatten die Kunden das Gefühl, aus ihrem Garten 'herauszufallen'. Außerdem gab es keinen Sichtschutz“, berichtet Ingo Sperling. Also wurde der Hang mit organisch geformten Natursteinmauern terrassiert. Eine begehbare Hochbeetanlage für Kräuter und Gemüse befindet sich nun im Zentrum, bestehend aus einem quadratischen Hochbeet mit einem 7 Meter hohen Chinesischen Blumenhartriegel (Cornus kousa chinensis) und einem Rahmen aus zwei L-förmigen Hochbeeten. Dort hindurch führt ein Trittplattenweg inmitten von Stauden.

Um dem Garten einen geschützten Charakter zu geben, wurden bis zu 8 Meter hohe Gehölze zur Straße hin gepflanzt. „Dadurch werden die Sichtachsen schon aus der oberen Ebene des Gartens auf die weniger attraktiven Ausblicke gebrochen“, erklärt Ingo Sperling. Gleichzeitig schaffen die Bäume und Sträucher fließende Übergänge zur Umgebung, sodass die Anlage weitläufiger wirkt als sie eigentlich ist. Das Flair des südfranzösischen Gartens konnte so auch mit zur Witterung passenden Pflanzen umgesetzt werden und besticht durch seinen ganz eigenen Charme. „Unser Fernweh wurde zu Heimweh“ – dieses Gefühl der Auftraggeber ist ein schönes Kompliment an den Gartengestalter.

LAGE DES GARTENS

Bergisches Land, Nordrhein-Westfalen

GRÖSSE DE SGARTENS

1.100 m2

PLANUNGSBÜRO

Ingo Sperling Exclusiv-Gestaltung

AUSFÜHRUNG

Ingo Sperling Exclusiv-Gestaltung

FOTOGRAFIE

Ingo Sperling


„Aus einem langweiligen, ungeliebten Garten entstand eine Landschaft, die bereits nach anderthalb Jahren so wirkt, als hätte sie, ähnlich wie das Haus, eine hundertjährige Vergangenheit.“

INGO SPERLING


PLAN

1Wohnhaus

2Schwimmteich mit Wasserkaskade

3Springbrunnen

4Sandsteinmauern

5Hochbeetanlage

6Feuerplatz aus Sandsteinfels

Stefanie Ihnow Potsdamer Gartengestaltung GmbH
Wertvollen Lebensraum schaffen


Dieser luftig-leichte Garten punktet in Sachen Ästhetik ebenso wie beim Thema Nachhaltigkeit.

"Wenn wir bauen, dann mit möglichst geringem ökologischen Fußabdruck" – so lautete die Devise der Auftraggeber im Hinblick auf ihren Neubau, ein Holz-Lehmhaus. Die gleiche Zielvorgabe galt auch beim Garten: möglichst naturnah, doch ohne Abstriche an die Gestaltung. Nachhaltigkeit als wichtiges Ziel bei der Anlage eines Gartens – das ist bisher wohl eher die Ausnahme. Und so freute sich Landschaftsarchitektin Stefanie Ihnow über die besondere Aufgabe, einen lebendigen Naturgarten gestalten zu dürfen, der gleichzeitig ästhetischen Ansprüchen genügt.


Sonniger Sitzplatz am Livingpool mit einem Bodenbelag aus Thüringer Sandstein

Sitzplatz inmitten der wilden Wiese


Im Winter wurde die noch junge Pflanzung mit Stroh gemulcht. Das kam neben der Fauna auch der Bodengesundheit zugute.


Vielfalt ist Trumpf: Der Pool ist in eine insektenfreundliche Stauden- und Gräserbepflanzung, Kiesbeete, Rasen und Wiesen eingebettet.

Zwar machte vor allem der Bau eines Livingpools Eingriffe nötig, diese wurden jedoch anderweitig großzügig ausgeglichen. „Die Eingriffe sollten möglichst minimal gehalten und auf dem eigenen Grundstück ausgeglichen werden – eine Art private Eingriffs-Ausgleichs-Bilanzierung“, erklärt Stefanie Ihnow. So wurde etwa die Bepflanzung danach ausgesucht, ob sie Insekten, Kleinsäugern und Vögeln Nahrung, aber auch Lebensraum und Überwinterungsmöglichkeiten bietet. Bei der Materialauswahl spielte deren Umweltbilanz, ihre Transportwege und der Anfall von Verpackungsmüll eine Rolle.

Ebenso konsequent wurde das Prinzip der Nachhaltigkeit auf die Gestaltung übertragen. Der Garten ist nach dem Vorbild der Permakultur in Zonen unterschiedlicher gärtnerischer Intensität eingeteilt: In Hausnähe liegen die intensiven Bereiche mit Blütenstauden wie Ziersalbei (Salvia nemorosa 'Rosakönigin'), Duftnesseln (Agastache rugosa-Hybride 'Black Adder') oder Kugeldisteln 'Veitch´s Blue' (Echinops ritro), die gepflegt und nur bei höchster Trockenheit gewässert werden. Der Livingpool vor dem Haus mit Holzterrasse und dem umlaufenden Holzdeck aus regionalem Thermo-Buchenholz ist in eine üppige, insektenfreundliche Bepflanzung eingebettet. Hier dominieren trockenheitsverträgliche Arten wie Herz-Zittergras (Briza media), Astlose Graslilie (Anthericum liliago), Karthäusernelke (Dianthus carthusianorum) und Polster-Schleierkraut (Gypsophila repens) die Beete, die mit Kies, Findlingen und Wurzeln zu einem Refugium für Eidechsen und andere wärmeliebende Arten gestaltet wurden. Mit zunehmender Entfernung vom Haus wird die Nutzung extensiver. Wiesenflächen aus ökologischem Saatgut, frei wachsende Hecken und eine Vielfalt von Bäumen sorgen für weitere wertvolle Strukturen, welche die Biodiversität erhöhen. Auch wilde Ecken mit Totholz und Bereiche mit offenen Böden sind wertvolle Lebensräume und passen durchaus in gestaltete Gärten. „Die rückwärtigen Bereiche blieben unangetastet und wild. Wiese, freie Hecken und Pavillons wurden mit Mahdwegen zu freien Formen verbunden, Pflanzflächen erweitert, neue Wiesen und Hecken angelegt“, berichtet Stefanie Ihnow. Mit einfachen Mahdwegen sind auch die verschiedenen Sitzplätze miteinander verbunden, mehr ist nicht nötig.

Dank des vielfältigen Pflanzenlebens, der natürlichen Baumaterialien und der strukturreichen, extensiven Flächen finden Vögel, Säugetiere und Insekten in diesem Garten Nahrung und Lebensraum – eine Kostbarkeit, die in der ausgeräumten deutschen Agrarlandschaft so selten geworden ist. Und das Beste daran: Dieser strukturierte, luftig-leichte Naturgarten punktet ebenso in Sachen Ästhetik und beweist, dass ein Pool-Garten auch mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit optisch absolut ansprechend sein kann.

LAGE DES GARTENS

Havelland, Brandenburg

GRÖSSE DES GARTENS

2200 m2

PLANUNGSBÜRO

Stefanie Ihnow Potsdamer Gartengestaltung GmbH

AUSFÜHRUNG

Potsdamer Gartengestaltung GmbH

FOTOGRAFIE

Meike Engels


„Es ging primär darum, den ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten und dabei einen ästhetischen Garten zu gestalten, weniger um die Kosten oder die Pflege.“

STEFANIE IHNOW


PLAN

1Wohnhaus

2Livingpool

3Terrasse

4Staudenbeet

5Wiese mit Mahdwegen

6freiwachsende Hecke

Jürgen Kirchner Wasser + Garten
Dem Ideal einer Landschaft nachempfunden


Kiesweg zum kleinen Sitzplatz, begleitet von kissenförmigen Azaleen und pittoresken Japanischen Fächerahornen

Jürgen Kirchner ist fasziniert von der Ästhetik japanischer Gärten und beschäftigt sich schon lange mit dieser Gartenform. Besonders bewundert er den japanischen Architekten Shunmyo Masuno, ein Mann mit großer Ausstrahlung und ureigener Kreativität, der jährlich nur etwa ein bis zwei Gartenprojekte übernimmt, um sich dann wieder in die Stille des Klosters zurückzuziehen.

Besonderheit: Der Teich teilt sich in einen Natur-Pool und in einen Koi-Teich. Rechts im Bild: Mädchen-Kiefer als Bonsai im Naturstein.

In sich geschlossene Welt: Den Japangarten betritt man durch ein Tor aus Zedernholz mit Muschelkalk-Balken und Muschelkalk-Säulen.


Mädchen-Kiefer (Pinus pentaphylla) im Frühjahr


Original aus Japan: Eine Steinlaterne aus Lavagestein akzentuiert das Ufer des Teiches.

„Gut gemachte Japangärten vermitteln Ruhe und Harmonie, sie sind zeitlos schön und vielfältiger als man gemeinhin glaubt. Den 'Japangarten' schlechthin gibt es nicht, sondern eine Fülle von japanischen Gartenformen, die durchaus auch ein modernes Gepräge haben können“, erklärt Jürgen Kirchner. Die ostasiatische Gartenkunst ist nur eine Facette seines Schaffens; der Gartengestalter aus dem Taunus widmet sich vor allem dem Bau technisch durchdachter und ästhetisch anspruchsvoll gestalteter Wassergärten – ob Schwimmteich, Pool oder Koi-Teich. Über den Bau solcher Koi-Teiche kam er zur Gartenkultur aus Fernost: „Koi-Teiche sind wie große Aquarien mit sehr guter Filtertechnik, sollten aber einen hohen ästhetischen Anspruch erfüllen. Bei mir steht der Garten im Vordergrund, die Kois sind nur das i-Tüpfelchen.“

In seinem eigenen Japangarten konnte er diesen Anspruch einmal ohne jegliche Kompromisse umsetzen. Es ist ein in sich geschlossener Garten („enclosed garden“), den man durch ein Tor aus duftendem Zedernholz betritt, um dann in eine Atmosphäre absoluter Ruhe und Harmonie einzutauchen, in eine Landschaft, die von einem Teich mit steinerner Brücke, Felsen, einem kleinen Wasserfall und charaktervollen Gehölzen geformt wird. Der Teich bietet eine Besonderheit: Er teilt sich in einen separat gefilterten Natur-Pool mit moderner Schwimmbad-Technik und in einen Koi-Teich mit eigener biologischer Filtertechnik. Diese beiden Bereiche sind durch eine Mauer unter der Brücke getrennt, wirken aber wie eine einzige kristallklare Wasserfläche.

Pittoreske Japanische Fächerahorne (u. a. Acer palmatum 'Katsura', 'Osakazuki') und kissenförmige Azaleen (u. a. 'Purple Splendour', 'Satsuki') bilden zusammen mit Eiben (Taxus baccata) das Gerüst des Gartens und lassen ihn mit ihren intensiven Farben im Frühjahr und Herbst aufleuchten. Ein besonders wichtiges Gestaltungsmerkmal sind dichte grüne Teppiche mit Moos, am besten Widerton-Moos (Polytrichum commune) oder alternativ auch das Moos mit dem seltsamen Namen Sparriger Runzelbruder (Rhytidiadelphus squarrosus). Moose gibt es mittlerweile auch in vorkultivierten Matten für verschiedene Standorte mit unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Diese ältesten Landpflanzen sind übrigens echte Überlebenskünstler, die lange Trockenphasen überstehen und auch ruhig einmal braun werden können. „Wenn es dann wieder regnet, sind sie binnen von zwei Stunden erneut grün“, hat Jürgen Kirchner beobachtet. Als Moos-Ersatz verwendet er manchmal auch das Kahle Bruchkraut (Herniaria glabra) in Kombination mit Farnen, die ebensolche ruhigen, grünen Teppiche weben.

Auch die Steinsetzung ist eine Kunst für sich. Einem ausdrucksstarken Stein wird immer ein Stein mit waagrechter Oberfläche entgegengesetzt, um Ruhe zu erzeugen. „Ich suche jeden Stein selbst aus und bin dabei, wenn sie gesetzt werden“, betont der Gartengestalter. Die Findlinge im Garten von Jürgen Kirchner stammen aus einem nahen Steinbruch – es ist heimischer Taunus-Quarzit. Mit zierenden Elementen wie Steinlaternen und Buddhas geht er dagegen äußerst sparsam um. Lediglich eine Steinlaterne aus Lavagestein, ein besonders schönes Original aus Japan, akzentuiert das Ufer des Teiches. Denn ein Japangarten ist eben gerade keine Ansammlung von Ausstattungselementen. Das ginge auf Kosten seiner meditativen Wirkung – und damit wäre er seines beruhigenden Effektes auf den Betrachter beraubt.

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