Kitabı oxu: «Die Groggespräche des Admirals von und zu Rabums»

Şrift:

Hans Leip
Die Groggespräche des Admirals von und zu Rabums

Saga

Ahoi! — sagte der Admiral und so war es auch! Hoch ging die See am Stammtisch zur duftenden Kompaßrose. Der Grog schülpte in den Gläsern und kein Auge blieb wie es war. Hans Leip, durch das unvergeßliche Lied von Lili Marleen bekanntgeworden, greift sich hier als Admiral Rah ums in seinen neptunischen Rauschebart wie in eine Reff talje bei Windstärke 12 und spinnt sein Garn von dunnemals, daß es durch Mark und Pfennig dringt. Ein Seemannsgarn, das eigentlich schon verboten klingt, erzählt von Haifischen, Wasserhosen, schönen Türkinnen und den Inseln der Roaring For ties.

Der Hai als Lebensretter

„Ahoi!“ rief der Admiral. Und so war es auch. Er griff in seinen Raschelbart wie Wotan in die Wetterwolke, und kein Wort gab das andere außer dem seinen um den Stammtisch zur Duftenden Kompaßrose.

„Haifische?“ sprach er, und sein Auge sprühte Gischt und Gloria: „Haifische zählen zu meinen Lieblingen, und wären sie Hunde, so sollte eins ihrer Exemplare hier unterm Tisch zu unseren Füßen liegen gleich dem Löwen Heinrichs des Leuartigen.

Wir passierten dunnemals bei klarer Sicht zufällig die Stelle im Sargassomeer, wo der Sage nach auf angeblich 98 Faden Tiefe die Korvette des Korsaren Baron Calmons namens Le Rouge Diable liegen sollte, obwohl die Seekarten in dieser Gegend mehrere tausend Faden verzeichnen. Das Wort verzeichnen ist mir gelegentlich bei Seekarten höchst bezeichnend vorgekommen, ähnlich, wie wenn bei Wahlergebnissen in Ländern der Unkultur die Stimmenzahl verzeichnet wird. Nun, unsere Lotung ergab genau 98 Faden.

Nachdem wir mittels Bathometer und Radar die genaueste Lage des Wracks und mit dem Uranotaster auch die Strahlungswerte etwaiger Edelmetalle, gemünzt und in Barren, sowie Juwelen in erstaunlicher Menge festgestellt, kratzte mich die Neigung, die versunkenen Schätze zu heben, daran sich schon manche Generation vergebens die Zähne ausgebrochen hatte. Mein Bordtaucher zeigte Bedenken. Kein Wunder; denn allzu üble Gerüchte gingen von diesem Objekte aus, dem bislang noch kein Lebender entronnen war.

O Schlund, o Abgrund, vollgeweint mit Grausen ... wie schon der schaumgekrönte Pindar geahnt.

So entschloß ich mich, meiner versammelten Mannschaft ein bedenken- und furchtloses Vorbild zu bieten, und schlüpfte selber in den Gummianzug, was alles aufs modernste und schlauchlos eingerichtet war. Ohne mit dem Helm zu zucken, ließ ich mich vom Fallreep ins Ungewisse hinab.

Bald erkannte ich im diffusen Licht dort unten besagte Korvette. Sie schien gut erhalten und ruhte auf einem Riff, das auf den ersten Blick aus Korallen zu bestehen aussah, aber, wie ich bald merken sollte, sich aus einem Gebirge mammutähnlicher Gerippe zusammensetzte, die hier in Vorzeiten oder wann ihr Ende gefunden haben mochten. Doch nicht darauf stand mein Begehr. Das Wrack lag so friedlich da wie ein Obermaat auf dem Urlaubssofa, wenn auch aus den gut erhaltenen Stückpforten neben den Kanonenrohren die grünlich glitschigen Arme ungeheurer Riesenkraken herauslungerten. Und wenn mich letzteres auch an ein Freudenhaus zu Casablanca voll winkender Damen erinnerte, so drang ich dennoch über die Heckgalerie ins Innere. So fürch- und bitterlich es war, ich fand den Zugang zur Schatzkammer mit den Überresten meiner Vorgänger gepflastert, wand mich hindurch und stand bald vor der gewaltigen eisenbeschlagenen Truhe. Mit meinem Tauchermesser überzeugte ich mich rasch von dem befriedigenden Inhalt und schleifte das Monstrum von Safe aus der gespenstischen Versammlung der weniger glücklich Gewesenen in Eile hinaus auf die Galerie. Schon hatte ich den prächtigen, viele Tonnen schweren Fund angeleint und wollte gerade ein erleichterte Hiev op! meinen Gefährten zufunken, die hoch oben in blauer Luft beklommen warteten, da erstarb mir der Laut im Mikrophon, so blitzschnell hatte sich ein Dutzend riesenschlangendicker Polypenarme um meine Statur geschlungen.

Meine Rippen krachten. Die Sauerstoff-Flaschen, die Luftventile zerbrachen. Dennoch gelang mir, mit wuchtigen Hieben meines Messers die gefährliche Umklammer- und Behinderung zu lösen. Aber durch den wilden Kampf kam die Leine unklar, die mich wie auch die Schatztruhe mit der Oberwelt verband, sie verwickelte sich um eins der geschnitzten Puttenbäckchen, die das Heck so reich im Stile einer aufs Malerische bedachteren Zeit verzierten. Und durch die so hervorgerufenen Kräfteparallelogramme kam das so ge- als zufällig geschichtete Mammutknochenriff ins Wanken und mit ihm das stolze Wrack Le Rouge Diable und rutschte lautlos und unaufhaltsam einige tausend Meter tiefer, mich nebst der Schatztruhe mit sich reißend. Und indes droben auf meinem Schiffe die Trossenwinde, an der ich hing, donnernd aus den Laschen sprang und über Seite mir nachrauschte und ich, um so viel tiefer drunten, in völliger Dunkelheit eben das Bewußtsein verlieren wollte, erkannte ich mich schwach von einem Schwarm enormer Blauhaie umringt, die vorerst nach den Doublonen schnappten, die glitzernd aus der vom Wasserdruck zerberstenden Schatzkiste strömten. Instinktiv und mit letzt-schwindender Willensbezeugung griff ich nach den Bauchflossen des größten dieser mörderischen Kammzähner.

Der Hai mochte von solch ungewohnter Berührung so erschrocken sein, daß er, der herabziehenden Kraft meines Gewichtes entgegen und sich dessen zu entledigen trachtend, wie irrsinnig nach oben türmte.

Somit kam ich schneller, als gesund ist, an die Oberfläche zurück. Für tot wurde ich von meinen Kameraden aufgefischt. Und hätten diese in meiner verkrampften Rechten nicht eine Haifischflosse und in der Linken ein Goldstück mit der Prägung Louis’ des Sonnigen gefunden, sie hätten irrtüm- und begreiflicherweise das bestandene Abenteuer schier für menschenunmöglich halten müssen.

Wochenlang noch aber ging ich wie schlafwandelnd umher, und mein Blut schäumte noch Jahre danach bei der leisesten Ansprache, der Eigenart des zu raschen Aufstiegs gemäß, wie eine Flasche besten Schümms. Sie werden, meine Herren, nach diesem verstehen, weshalb ich seither lieber Grog trinke.

N.d.P., meine Bewährten — na, denn Prost!“

Der atlantische Weihnachtsbaum

„Ahoi!“ rief der Admiral. Und so war es auch. Er griff in seinen Bart wie in eine Luvbrasse bei Windstärke sieben und begann: „Dunnemals auf meinem Schulschiff Pomeranzia schien es fast, als sollten wir keinen Christbaum haben. Es waren jene Tage, von denen meine Erinnerung mit dem weisheitgetränkten Laotse spricht:

Wie das Meer walle ich ziellos umher ...

Wir lagen ohne den kleinsten Waggon Brise mitten im Atlantik in den gefürchteten Roßbreiten. Das Barometer fiel wie eine Jungfrau im Mai. Der atmosphärische Druck wurde so stark, daß meine eigene Größe um reichlich drei Zentimeter abnähme, mein Bauch aber um nahezu sieben Komma neun. Ich wurde schlank wie ein nasser Kadett.

Bei der Mannschaft, die dem Druck von oben natürlich weniger elastisch nachzugeben verstand, führte das Naturereignis zu den sonderbarsten Verrenkungen, so daß beim Antritt nichts mehr stimmte und kein Ausrichten mehr möglich war. Kurz und krumm, ich fluchte mir die Gurgel aus der Kehle, und da ich die Kerls nicht allesamt in den Bunker sperren konnte, verbot ich jede Feststimmung.

Aber was taten die Leute?

Durch den ungeheuren Luftdruck, der selbstredend auch aufs Wasser drückte, waren die Tiefseefische, die bekanntlich leuchten, gezwungen, aus der ihnen unerträglich werdenden Tiefe in die Höhe zu steigen, die den ihnen zuträglichen Druck aufwies, und das war, potz Pütz und Pumpernickel, eben unter der Oberfläche. Man hätte mit dem Flibustier d’Annunzio sagen mögen:

Leuchtbojen sind die Glockenquallen im Tanggewirre der Sirenen ...

Aber dieses kam aus tieferen Gef- und Gebilden. Unsere blauen Jungen nun, nicht faul, als die Dämmerung der Christnacht begann, angelten Luv und Lee, Bug und Heck sich jedweder ein oder zwei dieser Lampions der Meere, enterten in den Großmast und behängten Stock und Nock, jedes Reffbändsel, Pferd um Pferd, rahauf und ab Bulinen, Geitaue, Gordings, Falls, Brassen, Stags und Wanten damit.

Als ich an Deck trat, durch ein unvorschriftsmäßiges Mundharmonikaspiel von meinem dampfenden Glase aufgeschreckt, blieb mir der Befehl, den Mann in Eisen zu legen, hinter den Kusen stecken. Ich habe seit der Zeit keinen so gewaltigen Weihnachtsbaum weder wieder geseh- noch vernommen, wie dunnemals den Großmast unserer Pomeranzia.

Tags darauf allerdings, als der Luftdruck wieder abnahm, alas und ay ay, und einzig zur Freude unseres Schiffskaters Mux, platzte der ganze Konfekt, und wir hatten den Glitsch auf den Planken und hätten Skilaufen können. Als Beweis habe ich die Mundharmonika konfiszieren lassen. Sie liegt noch in meiner alten Seekiste.

N.d.P., meine Lieben — na, denn Prost!“

Rum unter den Kesseln

„Ahoi!“ rief der Admiral von und zu Rabums, und niemand konnte leugnen, daß es unentwegt so war.

Ein Beben durchrann den grützegrauen Rauschebart wie eine Bö bei Kap Horn. Denn das Garn riß nicht ab von dunnemals.

„Meine Herren!“ fuhr er ungebrochenen Auges fort: „Dies Glas unseren ehrenwerten Kolonien! Hippra — hippra — hippra! Die Tränen der Wehmut sollten, o meine Lieben, über unseren Köpfen zusammenschlagen, zumal wegen der Südsee.

Nahm ich da eines warmen Tages mit meinem Favorit-Kreuzer Kurs auf das liebreiche Eiland Puapigrisia, dreiundvierzig Seemeilen westlich der Samoainsel Wallis. Es war strittig geworden, wem diese Insel, die eines weißen Fußes bislang nicht teilhaftig geworden war, einzuverleiben sei, und ich war entsandt, um mich durch Augenschein vom Gegenteil zu überzeugen.

Zugleich aber war auch ein Kleindreadnought der anderen Seite auf die saftige Fährte gehetzt worden. Und gerade, als wird die Insel sichteten, tauchte auch er mehrere Seemeilen von uns entfernt, aber in genau dem gleichen Radiusabstand, über die Kimm. In internationaler Höflichkeit tauschten wir ein paar Signale und kamen überein, dem den Vorrang zu lassen, der nicht nur die nun folgende Wettfahrt gewönne, sondern auch als erster die Flagge seines Vaterlandes alldort hisse.

Ich entschied das tollste aller Ozeanrennen dadurch, daß ich meine sämtlichen privaten Rumvorräte unter die Kessel feuern ließ, indem ich mich schwe- aber hehren und bis zum letzten Tropfen patriotischen Herzens davon trennte.

Und wirklich, es lohnte sich.

Um mehrere Kabellängen voraus schlüpften wir in die enge Durchfahrt des Atolls, jenes in der Südsee üblichen Korallenriffes, das die insulanische Binnensee in riesigem Kreisrund umgibt. Und gerade hatte ich befohlen, das nötige Flaggenmaterial bereitzulegen, als schreckensbleich mein erster Offizier meldete, es sei keine einzige Flagge mehr an Bord, da wir alle bei den vielen Besitzergreifungen allmählich aufgebraucht hätten.

Nun geschah zweierlei. Auf meine blitzartige, sich sogleich zum Kommando ballende Überlegung hin und ehe noch unser Heck die Durchfahrt hinter sich gelassen hatte, schüttete unser Oberfeuerwerker eine gute Portion reinen Natriummetalls in diese schmale Wassergasse, die das offene Meer von der Atollsee trennt. Und die gesamte übrige Mannschaft ergriff sofort Nadel und Faden, um aus den genugsam vorhandenen Reserveballen Flaggentuches und in Ermangelung des gänzlich erschöpften weißen aus ihren freudig geopferten Bettlaken die hochverehrten Farben unseres geliebten Reiches zusammenzustellen.

Natrium schwimmt bekanntlich auf Wasser, meine Allerwertesten, und erhitzt sich davon, wie manche vom Alkohol, so daß es zischend und sprühend umherfährt, dergestalt im Handumdrehen unseres Falles eine irrsinnige Nebelbank erzeugend, welchselbe den Engelsmann zwang, raschestens abzustoppen, um dem Verderben des haarscharfen Riffes zu ent- und nicht vor die Fische zu gehen.

Mit begeisterten Gesängen, Palmenzweige wedelnd, erwartete uns das braune harmlose Inselvölkchen, begierig, in das dreifache Hoch auf ihren neuen allerhöchsten Landesherrn auszubrechen. Unsere Flaggen waren fertig. Ich begab mich feierlich an Land. Der Häuptling küßte ehrerbietig das Gold meiner Achseln und eröffnete sofort das Palaver.

Dieses nun zog sich hin, da er mir vorerst unbedingt seine blühende Tochter zur Vermählung reichen wollte, währenddessen, wie jeder Chemiker zugeben wird, die Wirkung des Natriums nachzulassen drohen mußte.

Besorgt glitten meine Augen immer wieder von den wohlgefälligen Formen der verschämten Schönen und der noch immer unbehißten höchsten Palme ab zu der nebelbrandenden Einfuhr des Atolls. Sollte der stolze Gegenpartner, der in puncto Moral so konkur- wie transparent, weniger eisenfest sich gebärden und uns doch noch zu guter Letzt die Palme aus der Hand reißen?

Nein! Je mehr ich hinsah, desto üppiger wurde die zischende Rettungswolke und begann sich mehr und mehr über den riesigen Zuber der Binnensee auszubreiten. Mir wurde klar: Was mein Ingenium begonnen, höhere Gewalt setzte es fort. Zufall oder nicht; mein Natrium hatte eine unterseeische Ölader angebohrt, die nun zutage trat und das harmlose Atoll in den Anblick einer koloss- und phänomenalen Feuerzangenbowle verwandelte, nur, alas und ay ay, weniger angenehm riech- und genießbar. Ich befahl die gesamte Besatzung an Land bis auf eine Deckswache von zwei Mann, die gebürtige Polen und daher hitzige Ausbrüche gewohnt waren.

Die Eingeborenen aber, obwohl ich ihnen die Segnungen dar- und nahelegte, die ihrer mit Bohrtürmen und weißen Raffinessen und -nerien wartete, verdufteten, meine und die Gnade ihrer Fetische anflehend, samt Braut in ihre Hütten. In Ruhe nun verteilten wir unser stattliches Bündel wehender Vaterlandsembleme auf sämtliche Kokosbäume des bezaubernden Eilandes, labten uns an den Erträgnissen des Klimas und ließen das Naturereignis vorüberziehen, was in Kürze geschah, indem, durch den Umstand erregt, ein Tropenregenschauer so gründ- als reichlich niederprasselte und die Feuerwehr erübrigte, während der allmählich vor der Durchfahrt wieder sichtbar werdende Kleindreadnought sich bestürzt hinter den Ohren kratzte, ‚deepest admiration‘ signalisierte und tieftraurig von dannen qualmte. Wie denn schon der aufgeklärte Lukrez uns kündet:

Macht doch bei gröblicher See und wühlendem Winde anderer Mühsal von Land aus zu sehn, viel Vergnügen ...

An Bord zurück, hatten meine braven Krakowiakskis die enorme Temperatur ohne Schaden und zum besten ihres Teints obsolviert, auch der trutzigen Stahlfeste meines Schiffes war ein Kinderspiel gewesen. Und hatte sich nebenbei als vortreffliche Kochkiste erwiesen, so daß die Kombüse in den nächsten Wochen wenig zu tun hatte und wir vollauf hatten an gekochtem Schinken, Röstkartoffeln, gesottenen Eiern, gedämpften Schildkröten, gebackenem Käse, brauner Butter, Toast, geschmorten Bananen, Spanferkeln, Brotfrüchten, hausgemachtem Corned Beef, ganz abgesehen von dem tafelfertig unsere Flanken umkränzenden Fischreichtum des Atolls.

Nur an einem mangelte es uns, an Grog. Was wir hier, Gott sei Dank, von diesem geborgenen Platze nicht sagen sondern alles nachholen können. N.d.P., meine Herren — na, denn Prost!“

Die Uhr

„Ahoi!“ rief der Admiral, und zum weiteren Male war es so. Er griff in seinen Grützebart, als wolle er den Zeiger des Weltfortschritts anhalten, und wie ein ozeanisches Wetterleuchten strich sein Blick über den Stammtisch zur Duftenden Kompaßrose. Und die See ging hoch.

„Acht Glas!“ fuhr er fort, und seine Stimme klang liebreich wie nur je zwischen Klüver und Kielschwein. Aber nicht die Gläser meinte er, die dampfend die Runde schmückten, sondern zog aus der Tasche seiner wölbenden Weste ein tabaksdosengroßes Etwas in Gold und Brillanten und nannte es wohllautend „seine Cloche d’honneur, eine Ehrenglocke fürwahr und keine gewöhnliche Stundenrübe“. Und das aufgerissen gähnende Maul der Zeit, darin die Ziffern als Nagezähne stehn und die Zeiger wie Zahnstocher in den Überresten der Stunden stochern, es war hier verschönt durch eine Ansicht der Inseln unterm Winde, in Emaille so tizianals tomatenrot nebst bayerisch Blau, artischokengrün und puritanerlila und etwas gelb für die Segel der Fregatten. Auch fehlten Sonne, Mond und Gestirne nicht in Gold, Silber, Beryll und Topas, und die Musen wie die Grazien wie auch die Nymphen der Seefahrt rahmten die Vorgänge ein, welche sich dortselbst auf den Inseln zutrugen, als da waren die Landung des Kapitäns Cook und die Feier des europäischen Unabhängigkeitstages. Die Rückseite aber zeigte nicht minder prächtig, doch in den Farben und durch die Abwetzung des Gebrauches gedämpfter, den Verkauf des schönen Mädchens Blanchfleure durch den spanischen König, sie seinem Sohne Flore zu entziehen, an einen babylonischen Admiral.

Dies alles erläuterte der von und zu Rabums aufs lehrreichste und fuhr bewegt wie der Kanal bei schralendem Nord fort: „Kein geringerer als der berühmte Meister zu Neufchatelle, Louis Brequet, hat diese Uhr verfertigt, der erste, der sich auf solcherlei verstand. Denn, meine Herren, diese Uhr zeigt nicht nur den Gang sämtlicher astrologischen Plan- und Kometen, sondern auch Tag und Monat samt den beweglichen Festen bis zum Jahre zwotausenddreiundfünfzig, außerdem Flut und Ebbe, berechnet für die Reede von Havanna und — nun kömmts — statt der ordinären zwölf Stunden des Landes schlägt dieses Kleinod — sie werden es gleich vernehmen — seegmäß die uns allen so lieb- und altvertrauten Glasen. Lassen Sie uns die Sekunden, die uns noch von Mitternacht trennen, kosten als ein ungewöhnliches Labsal, dem Inhalt unserer Gläser ebenbürtig, davon je wieder zu schlürfen ich dunnemals für immer und ewig zu hoffen hätte aufgeben müssen, wenn nicht ... Aber da steht, holder als was nun kömmt, Mintje, unsere frischländliche Schank- und Buddelmaid, in der Tür und grient mehr über- als verlegen, als sei nämlich Glas nichts als Glückssache, wo es doch mächtig unterschiedlich sein kann für die mannigfaltigen Sinne des Menschen. Komm her, mein Süßes, tu einen Schluck fürs Herz und hör ninip zu, da ich dir’s verkla- und erklären will!

Ein Glas zum Exempel ist ja wohl auch das Einglas deines dir gern nachseufz- und peilenden Herrn Assessors Pumslibimski, der mit diesem andeutet, wie gern er einst Leutnant bei der Hochgebirgsmarinekavallerieflugwaffe gewesen wäre. Entschieden dient dieses Glas seinem wie deinem Gefühl und Hochgefühl, wo Liebe sowieso der Sehkraft ermangelt und nicht bedarf. Nichts für ungut! Prost, mein Deern!

Ein Glas Grog hingegen wendet sich mehr an Geruch und Geschmack, ohne doch das Gefühl zu um- oder gar hintergehen, vermag auch hellhöriger zu machen und die Sicht teils zu för-, teils zu lindern, zumal die innere.

Ein Glas indessen, das man Kieker oder Fernstecher nennt, ist vorzüglich der äußeren Sicht geweiht. Obschon mancher damit weniger entdeckt als Columbus, der noch kein derartiges besaß.

Ein Glas aber, auf das nunmehr zu kommen ist und hier seine Rolle spielt, ist der Glockenton, der an Bord die halbe Stunde anschlägt, also z. B. Mittag halbig eins den ersten Schlag, ein Glas also, und Punkt eins einen dazu, also zwei Glas, und so geht es weiter, alle halbe Stunde einen Glockenschlag mehr. Um zwo Uhr klingt das also so:“

Der von und zu Rabums nahm den gläsernen Stöpsel, und das Auge tiefseeblau auf Mintje, das Serviermädchen, gerichtet, schlug er wohlgemut, ping ping — ping ping, die kleine Pause zwischen den Stunden gebührend wahrend, an sein schon fast wieder geleertes Grogglas, dieses, wie jeder der erlauchten Runde zu sehen vermeinte, zur Schiffsglocke erhebend. Sodann fuhr er unentwegt fort:

„O Klang der Unaufhaltsamkeit! Wie allzu langsam zögertest du dich hinauf, wenn man auf Hundewache stand, bis endlich die vierte Stunde herum war und mit acht Glas voll! Wie allzu rasch zuckte der Klöppel und immer eins mehr, wenn man in der Koje lag und die Freiwache genoß und acht Glas nichts war als ein achtfacher Hieb ins Genick! Alas ay ay! Vorbei, vorbei! Doch soll keiner uns nachsagen, daß bei acht Glas voll etwas anderes je zu mei- und schwanen sei als nach Landbegriffen vier, acht, zwölf, sechzehn, zwanzig und vierundzwanzig Uhr.

Und so glast es sich weiter, und weil es speziell seemännisch ist, hat das ganze auch seine spezielle Mehrzahl und heißt nicht die Gläser, sondern die Glasen. Und kömmt her von dem Stundenglas, der Sanduhr, bevor es Chronometer gab, die drehte der Wachhabende alle halbe Stunde um, weil sie dann abgelaufen war, und gab es allen Ohren an Bord zu verstehen, indem er an die Schiffsglocke schlug. Daß man aber mit dem Glasenschlag jeweils ein Glas Grog zu sich geno- und die Bezeichnung Glasen daher kommen soll, mag jedem frei- und anheimgestellt sein in den Spinnstuben der Stammtische. An Bord, hab’ ich sagen hören, ist Kaffee dien- wie bekömmlicher. Indes mein Kater Mux äußerte, ihm könne auch der Kaffee gestohlen bleiben; ihm seien von allen Gläsern nur die mit Milch interessant und das Glasige nur an einem frischen Hering.

Mir war aber einmal aus ganz anderen Gründen so gla- als aasig zumute. Also hören Sie: In unserem welkenden Äon sind Seeräuber, Korsaren und Flibustiers zum Aussterben verurteilt, und die Flagge der weißen Kultur hat ihnen die Arbeit überall abgenommen. Nicht so zu meiner Zeit, zumal in den Gewässern der Malayas. Eines guten Donnerstags sahen wir uns reelings überrannt und -mannt und an die Nagelbänke des Fockmastes bis an die Zähne gefesselt. Der Anführer im Treiben seiner beutegierigen Schurken hatte sich unter anderem auch meiner Taschenuhr bemächtigt, eben dieser, und mit sichtlichem Interesse hatte er, als er sie mir so Harm- als Wehrlosen entriß, noch eben den letzten Ton ihrer Anzeigung der letzten halben Stunde vor Wachwechsel Mitternacht gehört — wo sie bekanntlich nicht wie die Landuhren einen, sondern sieben Töne von sich gibt. Aber dieser ragend nußhäutige Halunke hatte nur eben noch den letzten Ton erhascht und — keineswegs ungebildeter als ein durchschnittlicher Beglü- und Zerstücker jener Kolonialgestade — gemeint, es handle sich um irgendeine Remontierkartoffel, wie sie die Mister Clerks der Gummiplantagen am Berloque trugen und die, wenn sie nicht allzuviel Whisky und Sun-downers mitgemacht, die übliche Tageseinteilung der Sandnieser und Kluddenpedder in zwomal zwöllef zu bebimmeln imstande war, insdes wir Männer von der See die Dreiteilung des Etmals belieben, dem dreiseitigen Auge des Weltenschöpfers zu Ehren, und weil es mit den Wachen besser hinkömmt.

Dort, wo uns lückenlos der Himmel überspannt und wir den Boden unterm Fuße schaukeln fühlen ...

wie der bart- und sturmumtobte Walt Whitmann rückhaltlos gesteht.

Wohlan! Nun stand er vor mir, der teefarben gelackte Zampamhäuptling, meine Uhr in der Hand. Mir aber und meinen Leuten war je eine Schlinge um den Hals gelegt, indes man unsere Fesseln von den Nagelbänken, aber nicht von uns gelöst hatte. Und der Strick lief hübsch über eine Talje der Vormarsrah und von dort in die lauernde Faust je eines der willfährigen Mietlinge dieses Satans, bereit, auf den leisesten Augenzwink das Ende steif zu holen und für unsere Endgültigkeit zu sorgen. Uns war auch danach. Lächelnd stand der von Seide, Juwelen und Pistolen blitzende Archipelgeier also da vor mir und sagte freundlich, auf die Uhr blickend: „Wenn diese Uhr zwölf ausgeschlagen hat, fahrt ihr allesamt himmelauf wie jener Mann, von dem eure Missionare uns so merkwürdige Sachen weismachen wollen ...“

Es waren noch genau zehn Sekunden, genau wie jetzt.

„Sir“, warf ich plötzlich ein: „Ist das Euer Ehrenwort?“

„Es ist es!“ antwortete er stolz, und man sah ihm an, wie er sich verächtlich weit über das erhob, was er als Ehrenwort von denen erfahren, die die Segnungen der sogenannten weißen Kultur nebst Monopolen seiner Heimat hatten zugute kommen lassen. Doch war keine Zeit, ihm seine Überheblichkeit zu rügen; denn in diesem Augenblick — pink pink — genau wie jetzt — begann die Uhr die volle Mitternachtsstunde anzuzeigen. Pink pink, pink pink, pink pink. Acht Glas. Aus.

Der Anführer starrte aufs Zifferblatt, schüttelte es, lauschte noch einige Atemzüge. Schon zogen hinter uns die Kerls die Tampen an, so daß es uns finster an der Gurgel ruck- und juckte, und mein Quartermaster Kudas, der aus dem frommen Blankenese stammte, ein heiseres Stoßgebet von sich gab. Da — und ohne seine lächelnde Miene mehr als geboten verändert zu haben, befahl der Malayo, meine Stricke abzuzäumen. Dann trat er auf mich zu, wohl wissend, daß meine Gelenke zu drangsaliert waren, um ihm den Garaus zu machen, reichte mir die Uhr zurück und sagte: „Mein Ehrenwort war, Euch beim zwölften Schlag dieses Nürnberger Eies ins Jenseits zu hissen. Es ist faul, das Ding. Vielleicht auch hat der Mann, mit dem Eure Missionare so dick tun, den Finger darauf gehalten. Wie dem auch sei, faules Ei, Ihr seid frei!“

Damit salutierte er schneidig wie nur je ein Frega- oder gar Korvettenkommandant, pfiff seinen Gesellen, und im Hui waren sie über Seite und in ihren, von erstklassigen Mobilmotors getriebenen Bambusschuten davon samt der im übrigen keineswegs im Stich gelassenen Gesamteinrichtung meines Orlogschiffes.

Wie denn auch wir diese löbliche Runde nicht verlassen wollen, ohne doch, so radi- als ratzekahl, das mögliche erschöpft zu haben.

N.d.P., meine Herren — na, dann Prost!“

Yaş həddi:
0+
Həcm:
130 səh. 1 illustrasiya
ISBN:
9788711467275
Naşir:
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
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