Kitabı oxu: «Ein neues Leben»

Şrift:

Hans Leip
Ein neues Leben
Zwei Erzählungen

Saga

Herr Pambel

Das Schicksal des Herrn Pambel in der Zeit der Welterschütterung ist nicht gerade ungewöhnlich zu nennen, genau so wenig wie seine Person geeignet sein mag, besondere Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Aber damit ist er den meisten von uns ähnlich. Das großartig Hervorragende, oft beschrieben, besticht, erhebt und bedrückt durch Unerreichbarkeit. Herr Pambel hat nichts Unerreichbares, und man sollte meinen, dadurch vielleicht könne er einen gelinden Trost bedeuten für diesen und jenen, der sich gleich ihm durch die Tage der Heimsuchung hindurchgefunden und dabei gelernt hat, sich zu bescheiden.

Wer je zuvor diesen Herrn Pambel kennengelernt, mußte ihn für einen eingefleischten Junggesellen halten, für einen bequemen und betulichen Lebemann, der, von mehreren Freundinnen verwöhnt, den Annehmlichkeiten der Großstadt in jeder Weise verfallen war. Und in der Tat, so war es mit ihm gewesen; abgeneigt gegen jede gröbere Arbeit, immer tadellos angezogen, empfindlich im Geschmack, blendend eingerichtet, obschon nur in einer ausgebauten Dachwohnung, Inhaber einer vormals angesehenen Teefirma, die sich mit Erfolg auf Balkanware umgestellt, hatte dieser Herr Pambel es verstanden, trotz aller widrigen Zeitläufte damals noch immer so zu leben — bis auf den stillgelegten Wagen — wie er es seit jeher als ersprießlich gefunden.

Für den Wehrdienst war er schon etwas zu alt, war auch im vorletzten Kriege aus irgend einem Grunde nicht Offizier geworden, welcher Grund, gewissen Behörden unverborgen, auch hinderlich gewesen sein mochte, ihn mit öffentlichen Ämtern und Ehrenposten zu betrauen, ja, es hatte sogar seiner Aufnahme in die Partei, mit der er geschäftlicher Vorteile wegen geliebäugelt hatte, im Wege gestanden. Ich pfeife darauf! pflegte er hier und da in vertrautem Zirkel zu äußern, seiner Ungebundenheit sichtlich froh. Aber zutiefst wurmte es ihn doch.

Wie nur war es gekommen, daß er nun, in erdbeschmutztem sackleinenem Aufzuge in ländlicher Umgebung, allen gewohnten Bequemlichkeiten fern, gesunder und zufriedener aussah denn je, mit lärmend kindlichem Gefolge einer Behausung und einer Mahlzeit zuschreitend, die mit den früher von ihm bevorzugten Räumen und Speisekarten bestimmt nicht viel gemein hatte?

Es ist eine einfache Geschichte, und doch, wenn man will, nicht ganz ohne Wunder.

Gut, daß Bili nicht dageblieben ist! sagte sich Herr Pambel in jener Nacht der Wandlung, als die Alarmsirene heulte. Die Sirene hatte oft geheult, was sollte es groß sein. Aber Bili war leicht erregbar. „In den Keller, Pambs, rasch, rasch in den Keller!” So hätte sie geschrieen. Er hatte mit Bili eine gute Flasche auf den Frieden getrunken, auf den beiderseitigen wie auf den allgemeinen; denn ihm war klar, genau wie ihr, die als Oberstenwitwe ansonst auskömmlich dastand, daß nun das gute Leben mitsamt den guten Flaschen haltlos davonschwimme. Und danach hatten sie eine zweite Flasche getrunken, weil Bili es so gewünscht, auf, ja, auf was? Sie hatte es ihn erraten lassen wollen, er aber hatte einen aufkeimenden Verdacht gefühlt, daß sie ihn festzulegen gedenke, und war etwas kühler geworden und hatte ihr über den Rand des Glases hin zugeblinzelt: „Auf gute Kameradschaft!”

Und dann hatte sie spöttisch erwidert, derlei habe ihr ein anderer auch schon angeboten, und ob das in dem Hause so üblich sei. Eine Bemerkung, die nicht dazu angetan war, die Zärtlichkeit, die Herr Pambel für diesen Abend erhofft, zu fördern. Und es war dann schließlich von Herrn Blomengart die Rede gewesen, der zwei Stock tiefer wohnte und dessen Frau sie kannte und, wie sich längst herausgestellt, ihn selber auch. Herrn Pambel war es nicht alltäglich, die Namen anderer Herren in seiner Gegenwart mit wehmütiger Stimme genannt zu hören und schon gar nicht mit Tränen in den Augen, und schließlich hatte Bili sogar herzzerbrechend geweint, nachdem sie ihm, Herrn Pambel, vorgeworfen, er sei gräßlich alt geworden, und er ironisch erwidert hatte, sie hingegen scheine ewig jung zu bleiben, so jung wie die reizende Porzellanfigur, die ein dänischer Bildhauer einst nach ihrer jungen Schönheit geschaffen und die sie als Abendgeschenk mitgebracht hatte.

Aber sie waren beide zu erfahren, um sich nicht alsbald wieder zu vertragen, und es war dann wie ein Abschied gewesen von ihrer beider ach, schon so fernen Jugend und von allem, was schön gewesen war. Es war nämlich derzeit noch nicht lange her, daß Bili und er sich neu befreundet hatten. Selbst nach dem Tode ihres Mannes hatte die Scheu vor dem Vergangenen und mehr noch die ausgedehnte Schar der Verehrerinnen Herrn Pambels dazwischen gelegen, und erst, nachdem auch Bilis beide jungen Söhne vorm Feinde geblieben, hatten sie auf Pambels herzlichen Beileidsbrief hin, und da sie einander sowieso ein paarmal im Treppenhaus begegnet waren, wieder zueinander gefunden, ohne daß an eine nähere Verbindung, wenigstens von seiner Seite, gedacht worden wäre. Zum Schluß dann hatte sie, schon in der Wohnungstür, leise gesagt: „Lebwohl, Pambs, wir wollen uns nicht mehr wiedersehen. Es wäre kein Leben für uns beide.“

Genau so wenig wie in den Keller! knurrte Herr Pambel ins Kissen: Nein und nochmals nein, liebste allerbeste Bili! Und seine hagestolze Unerschütterlichkeit stirnrunzelnd bewundernd, versuchte er wieder einzuschlafen. Das Haus lag, fünfstöckig, in stiller, wenn auch eng bebauter Wohngegend, keine wesentliche Industrie war in der Nähe, kaum eine Flakstellung; nur Zufallstreffer konnten sich hierher verirren, und gegen Zufälle ist auch im tiefsten Keller keiner sicher. Die Bomber würden sich hüten, ihre teure Last unnütz wegzuplempern. Immer war es hier bislang gutgegangen, kaum eine Scheibe entzwei. Und im Keller waren anderswo schon Leute erstickt oder ertrunken, während die, die auf der Etage geblieben, heil davongekommen waren. Das bißchen letzte Freiheit, so sagte sich Herr Pambel weiter, sollte ihm keiner rauben. Mochte es draußen noch so impertinent brummen und röhren und knallen und jaulen, mochten die Wände beben und die Fenster klirren, hier war ein wackeres Herz, das einem anständigen Schicksal vertraute. Und eigentlich war es nun doch bedauerlich, daß Bili gegangen war, jetzt wo Gelegenheit gewesen wäre zu erkennen, daß er so alt denn doch noch nicht sei, um zu zittern, und auch, wie wenig stichhaltig ein Urteil sein kann, das von einem verzwickten Einzelfalle her vorschnell den Stab über einen ganzen Charakter zu brechen sich unterfangen hatte. Ich bin nicht feige, Bili, sieh es selbst! Und selbst damals war ich es im Grunde nicht.

Und damit gedachte er des grausamen Tages vor Verdun, und es war über ein Vierteljahrhundert her, wo er, schon Feldwebel, seinen Zug an ein — wie er durchschaut zu haben gemeint — sinnloses Unternehmen hatte setzen sollen. Selbst damals, Bili, war es mehr Liebe und Eifersucht, und wenn der andere denn schon Leutnant war, gut, sollte er den Vortritt haben, und wenn er dich so liebte wie ich, Bili, so sollte er wissen, daß ich mich nicht vor die Hunde schicken ließe, damit er nur deshalb triumphiere, weil er vielleicht übrig geblieben wäre. Was also blieb dem Ehrgeizigen zu tun, als selber zu gehen, nachdem allerdings das üble Wort aus seinen Zähnen entzischt war, das alberne Wort: Feigling. Mir hing es seitdem an, ich weiß, aber übler war doch noch, daß er mit einem Heimatschuß davonkam und nach Haus und es ausnutzte, und du sein Opfer wurdest, Bili, indes ich mich weiter schinden mußte. Laß nur, ich habe späterhin mein Teil Vergnügen anderweitig im Übermaß gefunden, zupackend immer, nirgends feige, genau so wenig wie jetzt.

Nun begann er sich doch zu ärgern; nie hatte die alte Wunde der Ehre so geschmerzt wie jetzt in dem Radau, der allzu deutlich an den damaligen Tag der Bitterkeit erinnerte. War nicht sein ganzes Leben nachmals eine einzige Verschanzung dagegen gewesen? Was hatte es genützt? Der eigentliche Anlaß, das schnippische Mädchen Bili, war übrig geblieben und war wieder aufgetaucht, ihn aufzuscheuchen aus seiner mühsam gewonnenen Mauer und Selbstherrlichkeit, aus seinem Versteck unter den anderthalb Millionen Kreaturen, die als zusammengepferchtes Gebilde der Weltstadt nun zu nichts gut waren, als eine perfide Verlockung abzugeben für die teuflische Erfindung der Bomberheuschrecken und ihm eine persönliche unliebsame Felderinnerung heraufzubeschwören. Würde nur noch gefehlt haben, daß Bili ihm hingeschluchzt hätte, nicht alt sei er, sondern tatsächlich zu feige, sein Herz aus der verspakten Kapsel zu reißen, sein altes, einstmals so glühendes Herz. Das war es, und das mußte sie gemeint haben, und nun, gewiß, nun hatte er endgültig versagt.

Mochte es ihn denn treffen in seine letzte unbehagliche Erniedrigung und Verlassenheit, mochte es doch jählings durchs Dach auf ihn niederfahren, das Auslöschende, vor dem er sich damals gedrückt. Er wollte nicht mit der Wimper zucken.

Und siehe da, in diesem Augenblick warf ihn ein jäher furchtbarer Luftdruck wirklich fast aus dem Bette. Das Haus schien sich zu heben im Krachen eines nahen Einschlags. Halb betäubt sammelte sich Herr Pambel: Ruhe! Ruhe! murmelte er: Hier war es nicht ... Er horchte angestrengt.

Das Gebelfer und Geballer verzog sich ferner und ferner, Geschrei kam von der Straße auf und verging wieder. Herr Pambel, benommen von seiner lange nicht mehr geübten Selbstzerfaserung mehr als von dem Schreck, redete sich gut zu, die fruchtlosen Seziermesser sinken zu lassen. Soll ich nun aufstehen? fragte er sich. Aber da es ruhig blieb und er allen unliebsamen Anblicken so lange wie möglich aus dem Wege zu gehen pflegte, er auch des Hauswarts schrille Stimme aus der Tiefe des Treppenhauses schallen hörte: „Immer sachte, Herrschaften, sachte, sachte, hier ist nichts passiert!“ hielt er es denn für tapferer liegen zu bleiben, schlief auch unversehens wieder ein, aber doch nicht sehr ruhig.

Das Fenster seines Schlafzimmers ging auf magere Hintergärten und stand bei geschlossenen Vorhängen weit offen in der warmen Sommernacht. Der wieder anschwellende Lärm der Straße drang nur gedämpft herein, eben genügend, um die Schauer der Schlacht von einst in Herrn Pambels Traum nicht verebben zu lassen. Schon auch flackerte Abschein von den brennenden Häuserblocks jenseits der Bäume über sein Bett, denn Wind kam auf und blähte und lüpfte den Vorhang, Wind, von den Flammen gezeugt, von den gewaltigen Bränden in benachbarten Stadtvierteln, wo das Feuer in allerlei geheimen Fabrikbeständen reiche Nahrung fand. Von dem Wind aber wuchsen die Flammen um so mehr, selbst hier, wo nur wenige Bomben gefallen waren, und der Wind war es, der Herrn Pambel aufs neue weckte, war er doch zu Zeiten ein flotter Sportsegler gewesen und hatte ein Ohr dafür behalten.

Es weht! sagte er erstaunt: Und wie! Da wird es den Sonntag regnen, und ich wollte Bili anrufen, ob man vielleicht nicht im Grünen etwas gelüfteter und vernünftiger sich werde aussprechen mögen. Denn gerade hatte ihm geträumt, daß Herr Blomengart, ausgerechnet dieser Herr aus dem dritten Stock, gegen den als Kaufmann und Hanseat kaum etwas zu beanstanden sein durfte, daß also Herr Blomengart mit dem sonderbaren Familienleben und dazu in einer phantastischen fasanenhaften Bonzenuniform mitten im Verduner Schlachtenzauber eine Einladung zum Segeln habe an Bili ergehen lassen.

Und indes Herr Pambel, noch mit geschlossenen Augen und zur Wand gedreht, darüber zu lächeln versuchte und auch den langgezogenen Jammerton der Luft-Entwarnung zu hören meinte, vom Winseln des Windes kaum unterscheidbar, und er aufatmete, spürte er das Zucken des Feuerscheins auf den Lidern, und zugleich griff ein stickiger Brandgeruch ihm bis in die Lungen. Im Nu war er auf, fuhr in die Hausschuhe, in den Hausmantel, versuchte vergebens Licht anzuknipsen, sank wieder aufs Bett, vom Weine ein wenig schwindlig. Es sind die Häuser drüben! sagte er sich, aber ein verdächtiges Knacken und Zischen wurde jetzt stärker und war nahebei, und drei Sekunden später wußte er, daß es auch bei ihm, und zwar in seiner Küche, brenne.

Aha! sagte er laut: Wäre ich jetzt im Keller, ginge hier alles zum Teufel. Und er stürzte sich auf die vorschriftsmäßig bereitstehenden Löschgeräte, legte sogar eine Gasmaske an, riß sie aber bald wieder herunter, da er zu ersticken glaubte, schleuderte Tüten mit Sand, zertrümmerte das Fenster, damit der fürchterliche Rauch abziehe, und wollte den Schlauch in Betrieb setzen, der Jahr und Tag seit Kriegsbeginn, an den Wasserhahn im Flur geschroben, gewartet hatte und nun, wo es soweit war, versagte, das heißt, die Zufuhr blieb aus. Jedoch auch dafür war vorgesorgt, die Badewanne stand gefüllt und ein Eimer bereit. Es handelte sich, wie bald zu erkennen war, nur um eine der kleineren Stabbomben, die durch Dach und Decke in den Küchenschrank gefahren war, wo sie an aufgestapelten Vorräten, an Butter, Nudeln, Zündhölzern und was dort alles junggesellig beieinander lagerte, zumindest eine Menge Stoff zur Qualmentwicklung gefunden hatte.

Bili wäre nun wirklich nur im Wege gewesen, sagte er sich, den Eimer schwingend: Es ist keine Zeit, die Vernichtung der guten Sachen zu bejammern, aber eigentlich hätte sie erleben müssen, wie ich der prekären Sachlage Herr geworden bin.

Mit der nassen Feuerpatsche schlug er die letzten Glimmstellen und Funken aus, erfischte dann mit der Schaufel den Rest der Bombenhülse, die zu fauchen aufgehört hatte, und warf ihn in den Wassereimer, alles so, wie es der gelegentliche Kursus einem ganzen Volke beigebracht hatte. Von draußen flackerte eine Ahnung durch den dicken, im Winde quirlend abziehenden Schwalch von dem größeren Unglück, das die Nachbarhäuser getroffen.

Gerettet! lobte Herr Pambel sich, schnüffelte aber zur Sicherheit auf dem unausgebauten Teil des Dachbodens umher. Unterdessen kam Frau Möff herauf, die Frau des Hauswarts, die auch seine Wohnung in Ordnung zu halten pflegte, seit es keine Tagmädchen mehr gab. Sie schien mächtig aufgeregt, ihre Taschenlampe zitterte, aber Herr Pambel rief ihr beschwichtigend zu: „Alles schon gelöscht, ohne fremde Hilfe, sehen Sie, wie gut, daß ich immer oben bleibe. Und nun alle Mann aufs Dach, um uns vor dem Funkenflug zu schützen. Die andern haben weniger Glück gehabt.“

Frau Möff, endlich zu Atem gekommen, stammelte: „Phosphor, Herr Direktor, Phosphor!“ Und sie war schon wieder auf den Stufen nach unten.

„Wieso denn?“ knurrte er ärgerlich. Das Treppenhaus war voller Stimmen der Mitbewohner.

„Im Keller, Herr Direktor!“ stotterte sie zurück, „und im Fahrstuhl, Herr Direktor.“

„Das werden wir auch noch kriegen!“ schrie er erbost, riß einen Stahlhelm, einen der schwarzlackierten, leichten, vom Luftschutz empfohlenen, den er ganz vergessen hatte, von der Wand, stülpte ihn auf und stürzte mit geschwungener Feuerpatsche siegestrunken der dicken Pförtnerin nach und an ihr vorbei. Das Treppenhaus begann sich von einem vagen zuckenden Schein von unten her zu erleuchten. Aus den Türritzen des Fahrstuhlschachtes zwängten sich grünlich giftig dunstende Schwaden. Herr Pambel stoppte den eilenden Fuß. Gebieterisch rief er zurück: „Frau Möff, bringen Sie doch lieber den bewußten Koffer mit herunter!“

Im gleichen Augenblick packte ihn eine lähmende Furcht, und nur die Vorstellung, daß man vielleicht geratener sich und den Koffer über das unversehrte Dach, das zudem ein Flachdach war, ins Nebenhaus rette, in irgend ein unbeschädigtes Nebenhaus, wo die Treppe noch nicht brannte, brachte ihn wieder in Bewegung. Er stürmte ein paar Stufen zurück, hinauf, widerrief, schreiend im Lärm, der überall aus den Wohnungstüren drang, seinen Auftrag und, da Frau Möff ächzend nicht verstanden hatte, wiederholte er ihn, plötzlich seine Feigheit erkennend und sich schämend, und da die Pförtnerin sich schon nach oben wandte, drängte es ihn, sich ganz besonders gelassen zu zeigen, und er ging noch einen Schritt mit und wollte etwas ausnehmend Belangloses fragen, seine Haltung ins rechte Licht zu rücken — indem später diese geschwätzige Frau Möff es herumerzählen würde und das etwa so: O, Frau Puvogel, dieser Herr Direktor Pambel, das ist ein Mann, mitten im brennenden Treppenhaus steht er da und fragt mich ganz ruhig, ob die Preise für Weißkohl immer noch die gleichen seien und ob — ja, da fragte er tatsächlich schon, hastig und mit der Zunge anstoßend, und es fiel ihm wahrhaft nichts Besseres ein, ob nämlich der Herr Blomengart den Abend noch Damenbesuch gehabt habe.

„Jawohl, doch, Herr Direktor“, antwortete Frau Möff eilig, „und die eine, die bei Ihnen war, ist mit der, die bei Herrn Konsul Blomengart war, zusammen weggegangen; haben sich zufällig auf der Treppe getroffen.“ Und wenn das Haus in diesem Wimperschlag zusammengekracht wäre, Frau Möff hätte, um Auskunft betreffs der Bewohner befragt, noch im letzten Notschrei eine rückhaltlose Antwort hervorgebracht.

Die Welt drehte sich laut und seltsam um Herrn Pambel, ein Knabe war er, stand auf einem brausenden, von Lichteffekten zuckenden Jahrmarktskarussell, hielt ein bäumendes wildäugiges rotes Holzpferd am Zügel, darauf saß ein hübsches Mädchen, das hieß Bili.

„Beeilen, die Herrschaften!“ drang die keifende Stimme des Hauswarts Möff durch den Dunst und Lärm. Und Herr Pambel, ein Danke hervorstoßend — und sich sozusagen damit in die schreckliche Wirklichkeit zurück abstoßend — stürmte nun, sich heroisch zusammenreißend, endgültig hinunter.

Das Nachbarhaus war durch eine Sprengbombe bis in den Keller aufgerissen worden, es hatte dort Tote und Verletzte gegeben, und dann war von der Straße flüssiger Brandsatz hereingelaufen. Die Überlebenden hatten die Wand zum Möffschen Keller, die dazu baupolizeilich vorbereitet war. durchschlagen, aber das Feuer war ihnen gefolgt, und nun brannte die ganze, auf gemeinsame Kosten angeschaffte Einrichtung, die Liegestühle, die Kautsch, der Skattisch, die Luftschutzbetten, und auch der Fahrstuhlschacht brannte schon, und bald darauf auch die Möffsche Wohnung.

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05 may 2025
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70 səh. 1 illustrasiya
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9788711467343
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Bookwire
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