Kitabı oxu: «Warum scheißen die Vögel auf Buddhas Kopf?»
Harry Mi Sho Teske
Warum scheißen
die Vögel
auf Buddhas Kopf?
Harry Mi Sho Teske
Warum scheißen
die Vögel
auf Buddhas Kopf?
Mumonkan & Hekigan Roku
Zwei Klassiker des Zen –
neu übersetzt, erklärt und kommentiert

Originalausgabe
1. Auflage 2015
Verlag Komplett-Media GmbH
2015, München/Grünwald
www.komplett-media.de
ISBN Print: 978-3-8312-0422-9
ISBN E-Book: 978-3-8312-5758-4
Hinweis: Das vorliegende Buch ist sorgfältig erarbeitet worden. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autoren noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gegebenen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.
Design Cover: Pinsker Druck und Medien, Mainburg
Satz: Daniel Förster, Belgern
eBook-Herstellung und Auslieferung:
HEROLD Auslieferung Service GmbH
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Inhalt
Der Hintergrund
Die zehn vorbereitenden Kōan
Die 48 Kōan des Mumonkan
Mumons Vorwort
Fall 1: Jōshū’s Mu
Fall 2: Hyakujō’s Fuchs
Fall 3: Gutei hebt einen Finger
Fall 4: Der Barbar aus dem Westen ohne Bart
Fall 5: Kyōgens „Mann im Baum“
Fall 6: Der Buddha hält eine Blume hoch
Fall 7: Jōshūs „Wasch’ deine Schale“
Fall 8: Keichū, der Radmacher
Fall 9: Daitsū Chishō Buddha
Fall 10: Seizei ist völlig verzweifelt
Fall 11: Jōshū sieht die Eremiten
Fall 12: Zuigan ruft seinen Meister
Fall 13: Tokusan trägt seine Schalen
Fall 14: Nansen schneidet die Katze entzwei
Fall 15: Tōzans sechzig Schläge
Fall 16: Wenn die Glocke ertönt
Fall 17: Chū, der Nationale Lehrer, ruft dreimal
Fall 18: Tōzans „Masagin“
Fall 19: Nansens „Alltäglicher Geist ist der Weg“
Fall 20: Der Mann von großer Kraft
Fall 21: Ummons „Kanshiketsu“
Fall 22: Kāshyapas „Hau den Fahnenmast um“
Fall 23: Denke weder Gut noch Böse
Fall 24: Fuketsus Sprechen und Schweigen
Fall 25: Kyōzans Traum
Fall 26: Zwei Mönche rollen die Jalousien hoch
Fall 27: Nansens „Kein Geist, kein Buddha, keine Dinge“
Fall 28: Ryūtan bläst die Kerze aus
Fall 29: Der sechste Patriarch „Euer Geist bewegt sich“
Fall 30: Basos „Genau dieser Geist ist Buddha“
Fall 31: Jōshū prüft eine alte Frau
Fall 32: Ein nicht-buddhistischer Philosoph befragt den Buddha
Fall 33: Basos „Kein Geist, kein Buddha“
Fall 34: Nansens „Verstand ist nicht der Weg“
Fall 35: Seijos Seele ist getrennt
Fall 36: Wenn du einen Menschen des Weges triffst
Fall 37: Jōshūs Eichenb aum
Fall 38: Ein Büffel geht durchs Fenster
Fall 39: Ein Fehler beim Sprechen
Fall 40: Eine Wasserflasche umkippen
Fall 41: Bodhidharmas Geist-Beruhigung
Fall 42: Das Mädchen kommt aus dem Samādhi
Fall 43: Shuzans Shippei
Fall 44: Bashōs Stock
Fall 45: Hoens „Wer ist er?“
Fall 46: Gehe weiter von der Spitze eines Mastes
Fall 47: Tosotsus drei Barrieren
Fall 48: Kempōs eine Straße
Mumons Nachwort
Mumons Zen-Warnung
Sōjus Verse zu Ōryūs drei Barrieren
Mōkyōs Nachwort
Ambans 49. Fall
Die 100 Kōan des Hekigan Roku
Fall 1: Kaiser Wu befragt Bodhidharma
Fall 2: Jōshūs „Der wahre Weg ist nicht schwer“
Fall 3: Basos „Buddha mit dem Sonnengesicht, Buddha mit dem Mondgesicht“
Fall 4: Tokusan besucht Isan
Fall 5: Seppōs „Ein Reiskorn“
Fall 6: Ummons „Jeder Tag ist ein guter Tag“
Fall 7: Hōgens „Du bist Echō“
Fall 8: Suigans Augenbrauen
Fall 9: Jōshūs vier Tore
Fall 10: Bokushūs „Hohlköpfiger Narr“
Fall 11: Ōbakus „Tresterlecker“
Fall 12: Tōzans „Masagin“
Fall 13: Haryōs „Schnee in der Silberschale“
Fall 14: Ummons „Predigen im Angesicht der Einheit“
Fall 15: Ummons „Kein Predigen im Angesicht der Einheit“
Fall 16: Kyōseis Anweisung über Picken und Klopfen
Fall 17: Kyōrins „Lange sitzen und müde werden“
Fall 18: Kaiser Shukusō fragt nach dem Stil der Pagode
Fall 19: Guteis Ein-Finger-Zen
Fall 20: Ryūge fragt Suibi und Rinzai
Fall 21: Chimons Lotusblume und Lotusblätter
Fall 22: Seppōs Schildkrötennasenschlange
Fall 23: Hofuku zeigt zum Myōhōchō
Fall 24: Ryūtetsuma, die alte Büffelkuh
Fall 25: Der Meister von Rengehōs Stab
Fall 26: Hyakujō sitzt auf dem großen erhabenen Gipfel
Fall 27: Ummons „Goldene Brise“
Fall 28: Was die Heiligen nicht gelehrt haben
Fall 29: Daizuis „Es wird mit dem anderen verschwunden sein“
Fall 30: Jōshūs „Ein großer Rettich“
Fall 31: Mayoku kommt zu Shōkei
Fall 32: Jō Jōza steht still
Fall 33: Chinsō Shōso besucht Shifuku
Fall 34: Kyōzans „Du bist nicht am Rozan gewesen“
Fall 35: Mañjusrīs „drei und drei“
Fall 36: Chōsha geht spazieren
Fall 37: Banzans „Drei Welten, kein Dharma“
Fall 38: Fuketsu und das Dharma-Siegel der Patriarchen
Fall 39: Ummons „Kayakuran“
Fall 40: Nansens „Diese Blumen“
Fall 41: Jōshū und der Große Tod
Fall 42: Hō Kojis „Wundervolle Schneeflocken“
Fall 43: Tōzan „Weder Hitze noch Kälte“
Fall 44: Kasans „Schlag die Trommel“
Fall 45: Jōshūs sieben Pfund schweres Leinenhemd
Fall 46: Kyōseis „Stimme der Regentropfen“
Fall 47: Ummons „Jenseits der Sechs“
Fall 48: Ō Taifu und die Teezeremonie
Fall 49: Sanshōs „Der goldene Karpfen ist aus dem Netz“
Fall 50: Ummons „Stück für Stück Samādhi“
Fall 51: Seppōs „Was ist das?“
Fall 52: Jōshūs Steinbrücke
Fall 53: Hyakujō und eine wilde Ente
Fall 54: Ummon streckt seine Hände aus
Fall 55: Dōgos „Ich würde es dir nicht sagen“
Fall 56: Kinzan und ein Pfeil, der die drei Barrieren durchbricht
Fall 57: Jōshūs „Ich allein bin heilig im Himmel und auf der Erde“
Fall 58: Jōshūs „Keine Begründung“
Fall 59: Jōshūs „Warum nicht zu Ende rezitieren“
Fall 60: Ummons Stab wird zum Drachen
Fall 61: Fuketsus „Ein Staubkörnchen“
Fall 62: Ummons „Ein Schatz“
Fall 63: Nansen schneidet die Katze entzwei
Fall 64: Jōshū legt sich seine Sandalen auf den Kopf
Fall 65: Ein nicht-buddhistischer Philosoph befragt den Buddha
Fall 66: Gantō lacht laut
Fall 67: Fu Daishi beendet seine Lehrrede über das Sūtra
Fall 68: Kyōzan fragt nach Sanshōs Namen
Fall 69: Nansen zieht einen Kreis
Fall 70: Isan „Ich bitte dich, es zu sagen“
Fall 71: Gohōs „Sei still“
Fall 72: Ungans „Hast du sie oder nicht?
Fall 73: Baso und die hundert Verneinungen
Fall 74: Kingyū Oshō und der Reistopf
Fall 75: Ukyūs unfaire Schläge
Fall 76: Tankas „Hast du zu Abend gegessen“
Fall 77: Ummons „Ein Sesambrötchen“
Fall 78: Bodhisattvas im Bad
Fall 79: Tōsu und „Jede Stimme ist des Buddhas Stimme“
Fall 80: Jōshūs „Ein neugeborenes Baby“
Fall 81: Yakusans König der Königs-Hirsche
Fall 82: Tairyūs „Unzerstörbarer Dharmakörper“
Fall 83: Ummons „Der alte Buddha hält Zwiesprache mit dem Pfeiler“
Fall 84: Yuimas „Das Tor zum Einen und Einzigen“
Fall 85: Der Meister der Tōhō-Einsiedelei brüllt wie ein Tiger
Fall 86: Ummons „Jeder hat sein eigenes Licht“
Fall 87: Ummons „Medizin und Krankheit heilen sich gegenseitig“
Fall 88: Genshas Mann mit drei Behinderungen
Fall 89: Ungans „Der ganze Körper ist Hand und Auge“
Fall 90: Chimon und das Wesen von Prajñā
Fall 91: Enkan und der Rhinozerosfächer
Fall 92: Der Weltverehrte nahm seinen Sitz ein
Fall 93: Taikos „Du Fuchsteufel“
Fall 94: Das Shūrangama-Sūtra und „Ungesehen“
Fall 95: Chōkei und Hofuku diskutieren die Buddhaworte
Fall 96: Jōshūs drei erlösende Worte
Fall 97: Das Diamant-Sūtra „Der Verstoß ist getilgt“
Fall 98: Tempyōs zweifaches Falsch
Fall 99: Chū Kokushi und der Hirte mit den zehn Körpern
Fall 100: Haryōs Schwert, gegen welches ein Haar geblasen wird
Nachwort
Stammbaum der Meister des Mumonkan und des Hekigan Roku
Glossar
Über den Autor
Der Hintergrund
Zen Buddhismus ist das ausgewogene Zusammenspiel von Mitgefühl und Weisheit und somit Buddhismus in Reinform. Zen ist ein Weg zur Befreiung aus eigener Kraft, weil er gänzlich mit den Fähigkeiten und Kräften des Praktizierenden arbeitet. Rinzai-Zen bietet über das „Sitzen in Stille“ hinaus noch die Methode der Kōan an, also der Meditationsaufgaben, die dem logischen Denken zunächst unverständlich erscheinen und dem Zen-Schüler helfen sollen, seine eigene freie Buddhanatur zu erkennen.
Da Mitgefühl und Weisheit die beiden Standbeine des Zen-Buddhismus sind, ist es naheliegend, dass die Kōan des Rinzai-Zen sich zuerst mit der Entwicklung von Weisheit befassen, bevor sie sich dem Mitgefühl widmen. Und zwar aus einem guten Grund: Weisheit ist die Ursache, die Buddhismus zu dem macht, was er ist: Der Weg der Befreiung durch Leerheit. Auf Grundlage der Erkenntnis der Leerheit ist die Entwicklung von Mitgefühl eine unweigerliche Folge, weswegen im Zen so viel Wert auf Erkenntnis gelegt wird.
Wenn Sie sich wundern sollten, warum ich die japanischen Namen für die chinesischen Meister verwende, so liegt es daran, dass wir den Zen-Buddhismus in seiner jetzigen Form nur noch in Japan finden.
Die zwei Kōansammlungen Mumonkan (Das torlose Tor) und Hekigan Roku (Die Aufzeichnung von der smaragdgrünen Felswand) sind die beiden wichtigsten Werke der Kōanausbildung und bilden zusammen das Mark des Rinzai-Zen. Das Mumonkan ist das Einstiegswerk in die Kōanausbildung und wurde von dem chinesischen Zen-Meister Mumon Ekai im Jahre 1228 erstmals veröffentlicht. Es enthält 48 Kōan, die das Weisheitsauge des Zen-Schülers öffnen sollen, wenn er diese Meditationsaufgaben mit seinem Meister durcharbeitet.
Die zweite Sammlung Hekigan Roku wurde von dem chinesischen Zen-Meister Engo Kokuron rund einhundert Jahre vor dem Mumonkan veröffentlicht und enthält 100 Kōan des Meisters Setchō Jūken. Sie haben den Zweck, das geöffnete Weisheitsauge zu schärfen und die Einsicht in das Wesen der Wirklichkeit zu vertiefen.
Die Lebensdaten der alten historischen Meister habe ich, soweit vorhanden, mit aufgenommen; die einiger Meister und handelnden Personen sind jedoch nur bruchstückhaft erhalten geblieben, dafür bitte ich um Nachsicht.
Ich habe mich bei den Kōan, Kommentaren und Gedichten auf das Original beschränkt und jeder Interpretation enthalten, um dieses Buch als Arbeitsgrundlage für die Kōanausbildung zur Verfügung zu stellen. Die ergänzenden Anmerkungen sind auf das Notwendige begrenzt und nur angebracht, wo sie zur Verdeutlichung des Sachverhaltes unabdingbar sind. Sie sollen dem Zen-Schüler die Möglichkeit geben, in die Gepflogenheiten des Chinas der T’ang-Dynastie, der Blütezeit des Zen, einzutauchen und den unverfälschten Geschmack der Kōan zu genießen.
Kōan sind eine effiziente Methode der Wirklichkeitserkenntnis und können dem Schüler zu einer neuen Weltsicht verhelfen, die ihn die Dinge des Lebens mit anderen Augen sehen lassen und eine Sicht ermöglichen, die ihn über die Tragik und das Leiden des menschlichen Lebens erheben. Er wird in die Lage versetzt, das Dasein als spielerische Angelegenheit zu empfinden, in der er keine größere Aufgabe erkennt, als allen fühlenden Wesen mit unendlichem Mitgefühl und liebender Güte zu begegnen und ihnen auf ihrem Weg zur Befreiung behilflich zu sein.
Allein dieser Aufgabe dienen die Kōan. Es ist Sinn und Zweck dieses Buches, sie ihrer eigentlichen Bestimmung zuzuführen.
Das Wort Zen geht zurück auf das Chinesische Wort Ch’an, das wiederum ein Kurzform von Ch’anna und die Übersetzung des Sanskritausdruckes Dhyāna ist. Dhyāna ist die Bezeichnung für Versenkung oder Meditation ganz allgemein und im Besonderen die Bezeichnung für die acht Versenkungsstufen des Buddhismus, die im Folgenden noch näher beschrieben werden. Das Anliegen des Buddhismus ist in erster Linie die Erkenntnis und Verwirklichung der vier edlen Wahrheiten, die der Reihe nach besagen, dass die menschliche Existenz mit Unzufriedenheit und Leiden verbunden ist. Das Leiden und die Unzufriedenheit sind durch Ursachen entstanden und die Hauptursache ist der Durst oder das Verlangen nach Dasein und positiven Sinneseindrücken und das bildet den Inhalt der zweiten edlen Wahrheit. Weil die Unzufriedenheit durch Ursachen entstanden ist, kann sie auch durch Aufhebung dieser Ursachen wieder beseitigt werden. Die dritte edle Wahrheit besagt, dass das Ende der Ursachen für die Unzufriedenheit das Nirvāna ist. Die vierte und letzte der edlen Wahrheiten ist der achtfache Pfad, der langsam ins Nirvāna führt. Dieser Pfad besteht aus der Stufe der Erkenntnis der vier edlen Wahrheiten und der Leerheit aller Erscheinungen sowie dem Entschluss, dieser Unzufriedenheit ein für alle mal zu entkommen. Als dritte Stufe kommt die Rede, indem man alles Schädigende aus der Sprache entfernt sowie viertens das rechte Handeln, das auf alle körperlichen Aktivitäten verzichtet, die zu weiteren Leiden führen würden. Die fünfte Stufe ist der richtige Lebenserwerb, der zum Beispiel empfiehlt, nicht mit Drogen oder Waffen zu handeln. Als sechste Stufe folgt die Anstrengung, die alles unternimmt, was dem Heil förderlich ist und alles unterlässt, was ihm zuwider läuft. Die siebente Stufe ist die vollkommene Achtsamkeit mit den vier Grundlagen, auf die ich ebenfalls noch zu sprechen komme, und die achte Stufe bedeutet vollkommenen Sammlung: Das ist das Kerngebiet des Zen-Buddhismus.
Die vier Grundlagen der Achtsamkeit sind erstens die Achtsamkeit auf den Körper mit allen Handlungen, die eine materielle Ebene haben, und allen körperlichen Voraussetzungen, die der oder die Praktizierende mitbringt. Die zweite Grundlage sind die Gefühle, die normalerweise eingeteilt werden in positive, neutrale und negative Gefühle, wobei man sich darüber streiten kann, was denn neutrale Gefühle sein sollen. Als dritte Grundlage der Achtsamkeit kommt der Geist ins Spiel, womit die allgemeine Verfassung des Geistes gemeint ist, also ob er zum Beispiel dumpf und träge ist oder wach und aufmerksam und so weiter. Dann kommt die vierte und gleichzeitig auch die schwierigste Grundlage der Achtsamkeit, die Objekte des Geistes und das sind die Gedanken, die deswegen so schwierig zu beobachten sind, weil man sich leicht mit ihnen identifizieren kann.
Diese vier Grundlagen der Achtsamkeit machen einen Großteil des buddhistischen Weges aus. Ihre Übung ist Jedem zu empfehlen, der Fortschritte auf diesem Weg machen will. Sie stehen in ihrem Wert noch vor der Sammlung, die doch den Abschluss des edlen achtfachen Pfades darstellt. Man kann zur Not ohne größere Fortschritte in der Sammlung den Weg durchaus gewinnbringend praktizieren, aber ohne eine Zunahme an Achtsamkeit ist niemals ein Fortschritt auf dem meditativen Weg zu erreichen.
Als vordringlichste Aufgabe haben wir uns jetzt jedoch den Hindernissen zu widmen, die vor der Meditation stehen und uns den Eintritt in eine meditative Versenkung häufig schwer machen. Diese Hindernisse sind eine verzerrte Form der reinen geistigen Energie und sie suchen jeden Meditierenden heim, egal wie begabt er oder sie ist. Das erste der fünf Hindernisse ist die Müdigkeit, die jeden Meditierenden früher oder später überkommt und häufig schon im Vorfeld der Meditation dafür sorgt, dass wir gar nicht erst anfangen zu meditieren. Das nächste der Hindernisse, die auch als Nīvaranas bezeichnet werden, ist die Gier, die anfängt bei ganz kleinen Sachen, wie etwa einem Keks oder etwas zu trinken, und sich ausdehnen kann bis zu einer enormen sexuellen Gier, die man kaum mehr beherrschen kann. Sie überkommt wie Jeden in mehr oder weniger spektakulären Anfällen. Unsere Aufgabe dabei ist lediglich, sie zu beobachten! Das dritte Hindernis, das manchmal auch als Hemmung bezeichnet wird, ist die Boshaftigkeit, die sich auf einen Menschen oder einen Sachverhalt richten kann. Sie reicht von einer ganz leichten Ablehnung bis hin zu abgrundtiefem Hass und ist auch eine der Haltungen, mit der wir in der Meditation früher oder später intensiv zu kämpfen haben. Auch hier heißt das Mittel der Wahl: einfach nur beobachten ohne der Boshaftigkeit in Rede oder Tat nachzugehen. Als nächstes und viertes der fünf Hindernisse ist das Gedankenrasen zu nennen, das jeder von uns schon erlebt und zur Genüge versucht hat, zu bekämpfen. Aber es lässt sich nicht bekämpfen und wird im Gegenteil noch sehr viel intensiver, wenn wir den Fehler machen und versuchen, dagegen anzugehen.
Man sagt, dass der Grund dieses verbreiteten Hindernisses eine Art von Schuldgefühlen oder ein schlechtes Gewissen ist. In der Tat leiden wir viel mehr darunter, wenn wir uns irgend etwas vorzuwerfen oder zu bereuen haben, und merken es kaum, wenn wir zufrieden mit uns selber sind. Aber auch dieses Hindernis vergeht schnell, wenn wir die Gedanken einfach nur beobachten, dann können sie schon fast in die erste Meditationsstufe übergehen, aber dazu später mehr. Das letzte und fünfte Hindernis ist gleichzeitig das heimtückischste von allen, denn wenn wir es nicht ganz objektiv beobachten, führt es dazu, dass wir mit der Übung Schluss machen und dann haben die Hindernisse oder Nīvaranas gewonnen! Das fünfte Hindernis ist der Zweifel. Anfangs kommt er ganz unterschwellig daher, um sich dann zum Zweifel an unserem Lehrer und dem ganzen Buddhismus zu verdichten. Der Zweifel ist das gefährlichste der fünf Hindernisse. Wenn wir ihn nicht früh genug erkennen, führt er dazu, dass wir mit der Meditation Schluss machen und wieder in unser altes Leben mit seiner Unzufriedenheit zurückfallen. Aber was hilft, ist, wenn wir die Nīvaranas Müdigkeit, Gier, Boshaftigkeit, Gedankenrasen und Zweifel nur aufmerksam beobachten. Dann verwandeln sie sich in ihre eigentliche Natur und werden klarer und erleuchteter Geist, was sie eigentlich schon sind. Wie gesagt stellen sie nur eine verzerrte Form unseres reinen Geistes dar!
Wenn die Hindernisse einmal nicht anwesend sind, und das kommt häufiger vor als wir es zu Beginn der Zen-Übung mitbekommen, dann sind wir auch schon in der ersten Versenkungsstufe, der Gedankenfassung. Diese Meditationstufe wird häufig gar nicht als solche wahrgenommen weil sie noch Ähnlichkeit mit unserem normalen Geisteszustand hat. Dieser Zustand hat das Denken als wesentliches Merkmal. Aber in der Gedankenfassung identifizieren wir uns nicht mehr mit dem Denken, sondern beobachten es nur noch, und zwar so wie eine Wolke, die am Himmel erscheint, eine Zeitlang vorüberzieht und am Horizont verschwindet und dann erscheint auch schon die nächste Wolke. Oder wir betrachten die Gedanken wie den Klang einer kleiner Glocke, die angeschlagen wird, der Klang dauert eine kurze Zeit und vergeht wieder, bis die Glocke erneut angeschlagen wird.
Die zweite Versenkungsstufe tritt ein, wenn das Denken zum Schweigen kommt und wir in der Meditation ein Gefühl der Freude und des fast ekstatischen Wohlbefindens erleben. Diese Freude ist gerade dadurch bedingt, dass das Denken nicht mehr im Vordergrund steht und wir endlich die Ruhe des Geistes erfahren, der nicht mehr Denken muss. So eine Freude ist noch etwas grober Natur denn sie braucht als Auslöser den Moment des Aufhörens mit dem Denken und weil dieser Zustand, diese Freude noch durch Bedingungen entstanden ist, folgt darauf der Einstieg in die dritte Meditationsstufe.
Diese Meditationsstufe trägt den Namen Glückseligkeit und sie ist in der Tat ein Zustand puren Glücks, der die einzige Eigenschaft des Geistes darstellt, der vollkommen in sich selber versunken ist. Ein Geist, der völlig in Ruhe gelassen wird, unbeeinflusst von äußeren Reizen bleibt und auch nicht mehr danach giert, ist von Natur aus glücklich und zufrieden und das ist seine einzige Qualität. So kann man sagen, dass auf dieser Versenkungsstufe der Geist des Menschen in seiner eigentlichen Heimat angekommen und zu Hause ist. Sie haben vielleicht bemerkt, dass die zunehmend höheren Stufen der Meditation dadurch erreicht werden, dass man dem Geist erlaubt, sich immer mehr zu entspannen. Eigentlich werden diese Stufen durch reines Loslassen erlangt, sie gehen sozusagen vom Gröberen zum Feineren durch zunehmende Entspannung.
Als nächstes kommt eine Versenkungsstufe, die nicht mehr auf irgendwelche Wohlgefühle oder Wehgefühle angewiesen ist und sich durch reine Präsenz im Hier und Jetzt auszeichnet, diese Meditationsstufe heißt Gleichmut.
Der Gleichmut ist die höchste Stufe, die im Bereich der körperlichen Meditation erreicht werden kann. Sie ist keinesfalls verwandt mit der Gleichgültigkeit, die fast das Gegenteil vom Gleichmut darstellt. Die Gleichgültigkeit ist eine Geisteshaltung, die bewusst ausgrenzt und auf ganze Teile der Wahrnehmung absichtlich verzichtet, wohingegen dem Gleichmut nichts entgeht. Seine Achtsamkeit ist vollkommen geworden. Es ist eine klare und, um es mit einem optischen Vergleich zu sagen, sehr helle geistige Anwesenheit, die sich selber klar bewusst ist. Mit dem Gleichmut haben wir die Grenze der körperlichen Wahrnehmung erreicht. Jetzt haben wir die Möglichkeit, uns entweder mit diesen Versenkungsstufen zu begnügen oder aber den Körper zu verlassen und uns auf eine Reise in die unkörperlichen Meditationsstufen zu begeben. Wenn wir die zweite Alternative wählen, dann erwarten uns erstaunliche Erfahrungen in Bereichen, die uns bis dahin eher utopisch vorgekommen sind.
Der erste unkörperliche Bereich ist die Versenkungsstufe der Raumunendlichkeit, in der jegliche Begrenzungen ihre Aufgabe verlieren und wir uns dem unendlichen Raum anvertrauen. Diese Erfahrung kann uns im ersten Moment etwas Angst machen, aber wir können die Angst schnell überwinden, indem wir uns klarmachen, dass alles, was wir im Bereich der Raumunendlichkeit erleben, sich lediglich in unserem Geist abspielt.
Am schnellsten kommen wir in diese Meditationsstufe, indem wir den Raum immer weiter ausdehnen, beginnend mit dem Zimmer, in dem wir uns befinden, und folgende Meditation ausführen: Wir stellen uns vor, dass dieser Raum keine Grenzen hat, wie auch nicht die Stadt oder der Ort, an dem wir uns befinden und ebenso wenig der Landkreis und die Nation, in der sich dieser Ort befindet. Nicht einmal der Kontinent, in dem dieses Land liegt und der Planet, auf dem sich dieser Kontinent befindet, ist durch irgendwelche Grenzen von der Außenwelt abgeschnitten. Der Planet Erde kreist frei in einem Sonnensystem, das wiederum nur einen kleinen Teil einer unendlich größeren Galaxie, der Milchstraße, ausmacht und schon sind wir im Bereich der Raumunendlichkeit, in dem es keinerlei Grenzen gibt. Und das ist erst der Beginn einer Reise ins vollkommen Unbekannte.
Die nächste Versenkungsstufe erreichen wir, indem uns klar wird, dass der unendliche Raum durch unser Bewusstsein entstanden ist und eben dieses Bewusstsein ist genauso unendlich wie der Raum. Dem zufolge trägt diese Meditationsstufe auch den Namen „Bewusstseinsunendlichkeit“, denn sie hat im Vordergrund die Unendlichkeit des Bewusstseins. In dieser Meditationsstufe wird der Raum zu Bewusstsein, denn der ganze Raum ist nur im Geist entstanden und somit auch ein Produkt des Geistes, der auf dieser Stufe keinerlei Begrenzungen mehr hat. Wir sind, wie Sie sich erinnern, immer noch im Bereich der körperlosen Meditation und diesen Bereich verlassen wir auch in den nächsten beiden Meditationsstufen nicht mehr!
Die eigentliche Stufe des Zen-Buddhismus ist jetzt der folgende Bereich der „Nicht-Irgendetwasheit“, in dem es keinerlei Definitionen und keine Begriffe mehr gibt und jeglicher Versuch, ihn zu beschreiben, versagt. Der Bereich den Raumunendlichkeit und der Bewusstseinsunendlichkeit liegen hinter uns und wir sind bereit uns auf eine Ebene zu begeben, die jenseits aller Worte und mündlichen Aussagen liegt und vor der ein Versuch der Beschreibung von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Es ist hier keine Grenze im materiellen und körperlosen Bereich auszumachen und wir haben die volle geistige Freiheit erlangt, zu der unser jetziges Bewusstsein fähig ist. Als nächstes betreten wir die letzte Meditationsstufe des unkörperlichen Bereichs. Diese Versenkungsstufe trägt den Namen „Weder-Wahrnehmung-Noch-Nicht-Wahrnehmung“.
Mit dieser geistigen Meditationsstufe sind wir im feinsten Bereich des Bewusstseins angekommen und wir können nicht mehr davon sprechen, ob ein Wahrnehmender da ist oder nicht und ebenso wenig, ob eine Wahrnehmung stattfindet oder nicht. Es ist ein erhabener Zustand, den wir eigentlich erst würdigen können, wenn wir uns wieder auf den Weg zurück durch die unkörperlichen Versenkungsstufen machen und ich kann Ihnen nur raten, nicht in den unkörperlichen Stufen aus der Meditation auszusteigen, sondern immer zuerst in Ihren Körper zurückzukehren.
Wir gehen von der Stufe der Weder-Wahrnehmung-Noch-Nicht-Wahrnehmung in den Bereich des Nicht-Irgendetwas, von hier in den Bereich der Bewußtseinsunendlichkeit, weiter in die Raumunendlichkeit und kehren wieder in unseren Körper, in den Gleichmut zurück. Hier können wir gefahrlos aus der Meditation aussteigen, wir können aber auch im Bereich der Glückseligkeit, im Bereich der Freude oder im Bereich der Gedankenfassung mit der Meditation Schluss machen. Anfangs werden wir auch noch von den Hindernissen, also der Müdigkeit, der Gier, der Boshaftigkeit, dem Gedankenrasen oder dem Zweifel, heimgesucht. Diese werden allerdings immer brüchiger und verschwinden schließlich ganz.
Das ist kurz gesagt der Gang durch die acht Versenkungsstufen, der den Pfad der Meditation ausmacht und im Normalfall zwei bis drei Jahre an Meditationserfahrung braucht. Es ist dabei zu bedenken, dass die Erleuchtung damit noch nicht erreicht ist und es einer Art geistigen Quantensprungs bedarf, um zu einer Erkenntnis der Leerheit durchzudringen.
Dieser Pfad über die acht Versenkungsstufen dient in erster Linie dazu, die fünf Geistesgifte unter Kontrolle zu halten, dann zu minimieren und sie schließlich zum Erliegen zu bringen. Diese fünf Geistesgifte sind die Wut, der Egoismus oder Stolz, die Begierde, die Eifersucht und die Unwissenheit als absichtliches Nicht-Wissen-Wollen, also die Ignoranz. Inwieweit die Meditation diese fünf Geistesgifte im Einzelnen bekämpft, würde den Rahmen dieser Einleitung sprengen, es sei nur gesagt, dass die intensive Beschäftigung mit den Kōan (nichts anderes ist der Gang durch die acht Versenkungsstufen) zu einer schrittweisen Auflösung der fünf Geistesgifte führt. Außerdem geleitet der Pfad der Meditation den oder die Praktizierende dahin, in sich die zwei Eigenschaften des geklärten und gleichmütigen Geistes zu verwirklichen, die die unbedingte Voraussetzung für den Weg eines Bodhisattvas sind. Diese beiden Eigenschaften sind die Weisheit, die im Idealfall die Leerheit direkt zu erkennen vermag, und das große Mitgefühl, das den Pfad zu einem Befreiungsweg für alle fühlenden Lebewesen macht.
Nachdem man eine Zeit lang diese Meditationen durchgeführt hat, kommen immer deutlicher die sieben Erleuchtungsglieder zum Vorschein, die aus der Achtsamkeit, der Wirklichkeitsergründung, der Willenskraft, der Freude, der Ruhe, der Sammlung und dem Gleichmut bestehen. Es ist klar, dass bei einer regelmäßig ausgeübten Meditation gar nichts anderes als Achtsamkeit herauskommen kann, denn wenn die Meditation nicht gerade aus einer Art Trance besteht -was bei Anfängern, die keine vernünftige Einweisung in das Zazen bekommen, der Fall sein kann-, dann nimmt die Achtsamkeit mit jeder Meditationsrunde weiter zu. Achtsamkeit ist also das erste Erleuchtungsglied, das ständig zunimmt und bei nicht nachlassender Anstrengung vollkommen wird. Als nächstes nimmt die Fähigkeit, das Gesetz von Ursache und Wirkung in der Realität zu beobachten, im enormen Maß zu und man kann gar nicht anders als dieses grundlegende Naturgesetz immer besser zu verstehen. Wirklichkeitsergründung ist also das nächste Erleuchtungsglied, das auf diesem Pfad der Meditation verwirklicht wird.
Aus dieser Wirklichkeitsergründung folgt direkt die Willenskraft oder Energie, denn die Anstrengung in der Meditation wird im Laufe der Zeit zu einer gewohnten Eigenschaft, die sich zu einer automatischen Qualität der Person verwandelt. Die Freude ist das logische Resultat dieser Anstrengung, die über Jahre in die Meditation gesteckt worden ist und sich nun in reine Freude verwandelt.
Im Laufe der Zeit hat sich ebenfalls eine weitere Eigenschaft des erleuchteten Geistes herauskristallisiert, nämlich die Ruhe oder auch Gestilltheit genannt, und diese Ruhe führt dazu, dass der menschliche Geist nach nichts anderem mehr giert und mit dem momentan Vorhandenem völlig zufrieden ist. Er ist im wahrsten Sinn des Wortes gestillt und seine Aktivitäten sind nicht mehr auf die Außenwelt ausgerichtet. Das heißt, dass er frei von allen überflüssigen Leidenschaften geworden ist. Stattdessen hat er oder sie nun das Erleuchtungsglied der Sammlung beziehungsweise des Samādhi erreicht, dass vollkommen zu einem Teil der Persönlichkeit geworden ist und die Wahrnehmung der Welt grundlegend verändert hat.
Das letzte Erleuchtungsglied, das noch fehlt, ist wieder der Gleichmut, der die vollkommene geistige Unerschütterlichkeit mit sich bringt und die Krönung der geistigen Eigenschaften darstellt.
Diese sieben Erleuchtungsglieder sind zum unveräußerlichen Besitz des Praktizierenden geworden und er kann sich immer und überall auf sie verlassen, ohne sie erst durch Mediation hervorrufen zu müssen.
Durch die Entwicklung der Erleuchtungsglieder haben sich fünf weitere Fähigkeiten herausgebildet, die man als die fünf Kräfte bezeichnet und die die Erhabenheit eines derartigen geistigen Zustandes widerspiegeln. Diese fünf Kräfte, auch Balas genannt, sind das Vertrauen, die Energie, die Achtsamkeit, die Konzentration und die Weisheit. Sie gehören zusammen mit den Erleuchtungsgliedern zur Gruppe der zur Erleuchtung gehörenden Dinge.