Kitabı oxu: «Ben und Lasse - Der Rucksack mit dem Diebesgut»
Harry Voß
Ben & Lasse
Der Rucksack mit dem Diebesgut
Ein Weihnachtskrimi
Impressum
© 2018 Bibellesebund Verlag, Marienheide
© 2020 der E-Book-Ausgabe
Bibellesebund Verlag, Marienheide
Alle Rechte vorbehalten
https://shop.bibellesebund.de/
Autor: Harry Voß
Illustration und Covergestaltung: Georg Design, Münster (www.georg-design.de)
ISBN 978-3-95568-382-5
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Inhalt
Titel
Impressum
1. Dezember
2. Dezember
3. Dezember
4. Dezember
5. Dezember
6. Dezember
7. Dezember
8. Dezember
9. Dezember
10 Dezember
11. Dezember
12. Dezember
13. Dezember
14. Dezember
15. Dezember
16. Dezember
17. Dezember
18. Dezember
19. Dezember
20. Dezember
21. Dezember
22. Dezember
23. Dezember
24. Dezember
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1. Dezember
Hätte ich mich doch bloß nicht darauf eingelassen! Warum habe ich das nur getan? Ich hasse es, irgendwo vorne zu stehen und vor allen Leuten etwas sagen zu müssen. Erst recht, wenn man dazu furchtbar peinliche Kostüme tragen muss wie in einem Krippenspiel! Ich wollte wirklich nicht mitmachen. Ich bin kein Schauspieler und ich werde auch nie einer werden. Was ich bin und was ich einmal sein werde, das ist mir völlig klar: Ich bin Agent! Ich bin Agent Benjamin Baumann, elf Jahre alt. Wenn ich erwachsen bin, werde ich Polizist. Wie mein Vater. Der ist auch Polizist und sorgt in unserer Stadt für Recht und Ordnung. Na gut, meistens füllt er irgendwelche Formulare aus oder kontrolliert die Autofahrer, ob sie zu schnell gefahren sind oder Alkohol getrunken haben. Aber wenn ich mal Polizist bin, dann werde ich die Zeit damit verbringen, alle Verbrecher unserer Stadt aufzuspüren, gefangen zu nehmen und ins Gefängnis zu bringen.
Und weil sich Agenten immer unauffällig verhalten müssen, passt es zu ihnen überhaupt nicht, wenn sie vor einer Menschenmasse stehen und so etwas sagen wie: „Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und das Kind anschauen, wie uns der Engel gesagt hat!“
Moni, die Leiterin in unserem Kindergottesdienst, hat jedoch zu wenig Mitspieler für das Krippenspiel gefunden, das an Heiligabend im Gottesdienst unserer Gemeinde aufgeführt werden soll. Darum hat sie jedes einzelne von uns Kindern mehrfach gefragt, ob wir nicht doch mitmachen möchten. Na ja, und so habe ich eben zugesagt, auch mitzuspielen, obwohl das überhaupt nicht mein Ding ist. Sogar mein kleiner Bruder Lasse spielt mit, obwohl er erst sechs Jahre alt ist. Er spielt einen der Weisen aus dem Osten, die dem Stern bis zur Krippe folgen. Kathi ist der andere Weise. Es gibt in unserem Stück nur zwei Weisen, obwohl sie auf den Bildern immer zu dritt dargestellt sind. Mit Krone und Umhang. Eigentlich kenne ich sie sogar als die „Heiligen drei Könige“. Aber Moni hat uns erklärt, in dem Bericht der Bibel steht nichts davon, dass es Könige waren. Es waren Sterndeuter, die am Himmel einen besonderen Stern gesehen und daraus gedeutet hatten, dass irgendwo ein großer König geboren worden wäre. Sie folgten dem Stern und landeten dadurch bei Jesus. Auch die Anzahl der Weisen steht nicht in der Bibel, hat Moni gesagt. Weil sie aber drei Geschenke dabei hatten, Gold, Weihrauch und Myrrhe, ist man später von drei Personen ausgegangen. Und weil es so besondere und königliche Geschenke waren, nahm man schon recht bald an, dass die Männer aus dem Osten Könige sein mussten. Darum tragen auch in unserem Stück die Weisen eine Krone und einen Königsumhang.
Dass es bei uns nur zwei Weise gibt, liegt hauptsächlich daran, weil wir zu wenig Darsteller haben. Kathi bringt Gold und Myrrhe zur Krippe, Lasse den Weihrauch. Obendrein trägt Lasse den Stern an einem großen Stab vor sich her. Wenn Kathi im Laufe des Stücks also sagt: „Oh, sieh mal, ein Stern! Lass uns ihm folgen!“, dann laufen sie ihrem eigenen Stern hinterher, den Lasse am ausgestreckten Arm vor sich her trägt. Das sieht schon sehr albern aus, finde ich. Aber Lasse spielt das mit solch einer Ernsthaftigkeit, dass ich ihm niemals sagen werde, wie das auf mich wirkt.
Mir hat Moni die Rolle des Hirten zugeteilt. Der muss zum Glück nicht so viel sagen. Und er ist auch nicht von Anfang an dabei. Aber immerhin: Ich trage ein Schaffell als Weste und binde es mit einem Seil als Gürtel fest. Das sieht recht peinlich aus. Aber die anderen sehen auch nicht besser aus. Besonders die Engel mit ihren weißen Kleidchen … na ja.
Der einzige Text, den Lasse als Weiser zu sagen hat, ist: „Und ich bringe dir Weihrauch.“ Und dann legt er ein Döschen neben die Krippe, in dem der Weihrauch sein soll.
„Was ist eigentlich Weihrauch?“, hat Lasse einmal beim Proben gefragt.
„Weihrauch ist das Harz aus einem besonderen Baum“, hat Moni geantwortet. „Wenn man das verbrennt, entsteht ein ganz edler Duft. Den haben Menschen zu aller Zeit als etwas Göttliches verstanden. Wer Weihrauch anzündete, zeigte damit: Hier ist Gott. Als die Weisen Jesus Weihrauch mitgebracht haben, haben sie verdeutlicht: Hier ist Gott. In Jesus ist Gott da.“
Grundsätzlich glaube ich das ja auch. Aber ich glaube, Gott ist auch hier, wenn wir uns nicht in Felle, Kleidchen und Decken hüllen, um uns vor anderen zu blamieren. Aber der Einfall, den Moni dann plötzlich noch hatte, hat mich wirklich komplett geschockt. Hätte ich mich doch bloß niemals darauf eingelassen!
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2. Dezember
Am vierten Advent kommt Moni mit einer furchtbaren Überraschung in den Kindergottesdienst: „Da wir unser Stück inzwischen so gut können, habe ich mir überlegt, es einen Tag vor Heilig Abend, also am 23. Dezember, schon einmal aufzuführen. Und zwar auf dem Weihnachtsmarkt unserer Stadt. In der Mitte des Marktplatzes ist ja eine große freie Fläche. Da singen auch schon mal Chöre oder der Posaunenchor spielt etwas vor. Dort können wir unser Stück vor den Besuchern des Weihnachtsmarktes aufführen. Und ich habe mir gedacht, wir machen daraus eine ganz besondere Aktion. Wir machen einen Flashmob.“
„Was?“, brüllt Lasse. „Einen Mäsch-Flop?“
„Flashmob“, berichtigt Moni. „Das bedeutet, da kommen Menschen zusammen, die erst einmal so tun, als seien sie völlig normale, unbeteiligte Personen. Und auf ein Zeichen hin stellen sie sich plötzlich zusammen und singen etwas vor oder machen sonst eine gemeinsame Aktion. Und so, dachte ich, können wir es auch mit unserem Stück tun.“
„Eine tolle Idee!“, ruft Elisabeth gleich.
„Wie soll das gehen?“, fragt Jonas misstrauisch.
„Also.“ Moni reibt sich ihre Hände vor lauter Vorfreude. „Wir kommen am 23. Dezember alle auf den Weihnachtsmarkt. Und zwar um kurz vor fünf. Jeder hält sich irgendwo in der Nähe der freien Fläche auf dem Marktplatz auf und tut so, als sei er ein ganz normaler Besucher. Keiner trägt sein Kostüm. Um Punkt 17 Uhr komme ich dann mit einem großen Wäschekorb auf den Platz. Darin liegen eure Kostüme. Ich stelle den Korb ab, nehme den Stab mit dem Stern und klopfe damit dreimal auf den Boden. Das ist euer Zeichen. Dann kommt ihr aus allen Ecken zu mir gelaufen, zieht eure Kostüme an und dann startet unser Stück. Wie findet ihr das?“
„Klasse!“, ruft Lasse, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob er das wirklich verstanden hat. Aber es wirkt neu und aufregend, darum denke ich mir, dass Lasse seinen Spaß haben wird. Ob allerdings ich darauf Lust habe, mit einer Schaffell-Weste auf dem Marktplatz unserer Stadt zu stehen, will keiner wissen. Also sage ich lieber nichts. Ich will auch Moni nicht ihren Spaß verderben. Darum lasse ich mich auf diese Aktion ein.
Am 23. Dezember laufen Lasse und ich schon ab halb fünf den Weihnachtsmarkt auf und ab. Papa ist noch auf der Arbeit und Mama muss Besorgungen für Weihnachten machen. Darum sind beide nicht da. Lasse war total enttäuscht, als Mama ihm das gesagt hat. Aber sie hat gleich hinterher geschoben: „Wenn ich euer Stück heute schon sehe, dann ist es ja morgen im Gottesdienst gar keine Überraschung mehr.“ Das hat Lasse eingesehen. Wir haben mit Mama verabredet, dass wir nach der Aufführung noch ein bisschen auf dem Weihnachtsmarkt bummeln dürfen. Später bringt uns Moni nach Hause.
So weit der Plan. Aber wer ahnt denn schon, dass sich einen Tag vor Heiligabend mitten auf dem Marktplatz ein neuer Kriminalfall ergeben wird?
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3. Dezember
Es ist kurz vor fünf. Lasse und ich stehen hinter einer Würstchenbude und warten auf Moni. Es ist bereits dunkel, aber die Beleuchtung auf dem Weihnachtsmarkt taucht alles in warmes, gemütliches Licht. Darum kann ich hier und da erkennen, wie auch hinter anderen Verkaufsbuden Kinder aus dem Kindergottesdienst hervorschauen.
„Hoffentlich vergesse ich meinen Satz nicht“, flüstert Lasse aufgeregt. „Soll ich ihn dir noch mal aufsagen?“
„Nein“, brumme ich. „Nicht nötig.“
„Pass auf.“ Lasse holt tief Luft und schmettert seinen Satz heraus: „Und ich bringe dir Weihrauch!“
„Klasse, Lasse. Aber jetzt pass lieber auf. Gleich geht es los.“
Schon sehen wir Moni mit dem Wäschekorb und dem langen Stab mit dem Stern obendrauf über den Marktplatz gehen. Sofort hüpft Lasse auf der Stelle und klopft mir mehrmals an die Jacke: „Da, Ben! Da ist sie! Es geht los, es geht los!“
Moni stellt den Wäschekorb auf der freien Fläche ab und schaut sich kurz um. Dann schlägt sie dreimal mit dem langen Besenstiel auf den Boden. Lasse und ich rennen los und mit uns sämtliche Kinder aus dem Kindergottesdienst. Alle schnappen sich ein Kostüm aus dem Korb. Im Nu verwandeln sich die Kinder auf dem Platz in Maria und Josef, Hirten, Weise, Engel und obendrein einen Nikolaus.
Als alle in ihren Kostümen stecken, schaue ich zu Lasse rüber, der neben Kathi steht. Kathi trägt wie verabredet einen Königsmantel und eine Krone. Lasse dagegen hat ein weißes Kleid mit Engelsflügeln an. Ich glaube, ich sehe nicht richtig! Lasse spielt doch auch einen der Weisen! Er sollte eine Krone und einen Umhang haben! Wieso trägt der Kerl jetzt ein Engelskostüm? Manchmal werde ich aus diesem Jungen wirklich nicht schlau.
Die vorbeischlendernden Passanten bleiben stehen und schauen auf das Treiben rund um Moni und ihre verkleidete Theatergruppe. Von der Seite sehe ich eine junge Frau mit einem dicken, roten Rucksack kommen. Sie bleibt im hinteren Bereich der Menschenmenge stehen, schaut sich kurz nach rechts und links um und stellt den Rucksack vor sich ab.
Moni schaut die Zuschauer bedeutungsvoll an und beginnt mit lauter Stimme: „Von drauß, vom Walde kommt er her! Er muss euch sagen: Es weihnachtet sehr! All überall auf den Tannenspitzen sieht er goldene Lichtlein blitzen.“
Die Frau mit der Kapuze, die eben gerade den großen Rucksack vor sich abgestellt hat, dreht sich um, geht weiter und taucht im Getümmel der Weihnachtsmarktbesucher unter. Der Rucksack steht noch da.
„Hallo!“, rufe ich sofort und hebe meinen Arm. „Sie haben was vergessen!“
Im nächsten Augenblick nehme ich Moni wahr, die sich mitten in ihrer Rede an die Zuschauer unterbrochen hat. Sie schaut streng zu mir rüber und spricht mich an, als würde es zum Theaterstück gehören: „Oh, da meldet sich ein Hirte zu Wort. Was möchtest du sagen?“
Ich zucke zusammen. Mir ist völlig klar, was ihr strenger Blick zu bedeuten hat. Ich hätte natürlich nicht irgendetwas brüllen dürfen, das nicht zum Theaterstück gehört. Aber wenn diese Frau doch ihren Rucksack vergessen hat!
Schnell antworte ich auf Monis Frage: „Schon gut.“
„Aha.“ Moni wirft mir noch einmal einen „Mach-das-ja-nicht-noch-mal“-Blick zu und greift ihre Ansprache an die Zuschauer wieder auf: „All überall auf den Tannenspitzen sieht der Nikolaus goldene Lichtlein blitzen. Doch voller Schrecken bemerkt er indessen: Die Weihnachtsbotschaft ist völlig vergessen! Drum hat er heut euch mitgebracht: einen Sack voller Botschaft der heiligen Nacht.“
Nico, der bereits im Nikolauskostüm auf seinen Einsatz gewartet hat, geht einige Schritte auf Moni zu, stellt einen großen Sack vor sich ab und zieht eine Schriftrolle heraus. „Die Weihnachtsbotschaft startet mit einer Kaiser-Botschaft“, beginnt er laut und rollt das Papierstück auf. „So befahl es der Kaiser von Rom: Alle Untertanen seines Reiches sollten sich zählen lassen und dazu in den Ort reisen, aus dem ihre Vorfahren stammten. Da machte sich auch Josef aus der Stadt Nazareth auf den Weg nach Bethlehem. Denn dort kamen seine Vorfahren her. Er reiste zusammen mit seiner Frau Maria. Maria war schwanger.“
Obwohl ich mir vorgenommen habe, den Rucksack nicht mehr zu beachten, muss ich unentwegt dorthin starren. Was ist da wohl drin? Ein Rucksack alleine auf dem Weihnachtsmarkt? Ist der wirklich nur vergessen worden? Oder sind wir hier alle in Gefahr?
Pulsuz fraqment bitdi.